Archive for the ‘Aufgelesen’ Category

Lost Place: S-Bahnhof Olympiastadion in München

21. Juni 2022

Normalerweise darf man den Ort eines Lost Place nicht verraten, aber in meinem Fall ist es offensichtlich. Der Platz ist bekannt: Es handelt sich um den S-Bahnhof Olympiastadion in München.

Es ist schon eine seltsame Atmosphäre. Ich hatte hinter dem Bahnhof lange Zeit gearbeitet, aber seinen Betrieb nicht mehr erlebt. Der Bahnhof wurde für die olympischen Spiele 1972 gebaut, um die U-Bahn zu entlasten und 1988 stillgelegt. In bester Münchner Baulage verfällt diese Infrastruktur zum Geisterbahnhof. Abgerissen darf dieses Bauwerk nicht, denn es steht unter Denkmalschutz.

Die Bahnlinie schloss 1858 einstmals Landshut an die bayerische Landeshauptstadt an. Dann gab es eine andere Trassenführung und erst 1972 wurde der neu errichtete Bahnhof zu den Olympischen Spielen angefahren. Anschließend wurde die Strecke nur bei speziellen Fußballspielen und Veranstaltungen wie der Katholikentag 1984 im Olympiastadion aktiviert.

Am 8. Juli 1988 wurde der Bahnhof geschlossen, nachdem Kinder bei Berühren der Hochspannungsleitung gestorben waren. Seitdem verfällt der Bahnhof. Das Gelände ist zu weiten Teilen mit Bauzäumen formal abgesperrt. Bei meinem Besuch standen die Zäume weit offen und ich schaute kurz zu diesem Lost Place. Am Eindrucksvollsten waren für mich die Gleise samt Vegetation, die mich an ein Videospiel oder einen Endzeitfilm erinnerten.

Powerbank immer dabei – Strom fürs Smartphone

18. Juni 2022

Panik breitet sich aus, wenn der Akku-Stand des Smartphones sich in den roten Bereich neigt, wenn man unterwegs ist. Der rettende Strom kommt dann nicht aus der Steckdose, sondern aus der Powerbank. Das ist nicht nur bei mir so, sondern auch bei anderen. 24 Prozent haben fürs Smartphone immer eine Powerbank dabei, so die BITKOM.

Was waren das für Zeiten, als man das Mobiltelefon einmal die Woche aufladen musste und der Akku hielt. Damals hatten wir auch nur telefoniert und SMS geschrieben. Der Energiebedarf bei Smartphone ist natürlich ein anderer. Mehr als die Hälfte der Smartphone-Nutzer wird nervös, wenn sie bemerkt, dass der Akku bald leer ist (57 Prozent). Und gut jede und jeder Zweite (53 Prozent) hat das Gefühl, dass der Akku des Smartphones ständig leer ist.

Die Nutzer haben sich unterschiedliche Strategien zurechtgelegt, damit ihrem Smartphone der Saft nicht ausgeht. 49 Prozent laden ihr Gerät mehrmals täglich auf. 48 Prozent laden auch unterwegs, zum Beispiel in der Bahn. Ein gutes Drittel (35 Prozent) lädt das Smartphone lieber häufiger auf, aber nicht unbedingt zu 100 Prozent. Und ein Viertel (24 Prozent) hat zur Sicherheit immer eine Powerbank dabei, um mobil nachladen zu können. Auf Seminaren werde ich oft von Teilnehmern angesprochen, deren Geräte der Saft ausgeht und sie ihr Ladekabel vergessen haben. Als digitaler Nomade habe ich IMMER Kabel und Stecker sowie Powerbank am Mann, wenn ich unterwegs bin.

„Bei den in Smartphones verbauten Lithiumionen-Akkus ist es von Vorteil, häufiger und kürzer nachzuladen. Um den Akku zu schonen und die Lebensdauer zu erhöhen, sollte das Smartphone spätestens bei einem Ladestand von 20 Prozent an den Strom und dann auch nur bis zu 80 Prozent aufgeladen werden. Einige Smartphone-Hersteller haben auch eine intelligente Ladetechnik integriert, die den Ladevorgang automatisch steuert, um einem langfristigen Kapazitätsverlust vorzubeugen“, sagt Bitkom-Experte Dr. Sebastian Klöß.

Im Moment versuche ich gerade, meine Powerbanks über Solargeräte aufzuladen – mit unterschiedlichen Solarpanels verschiedener Anbieter. Meine Erfahrungen werden ich bald bloggen.

Bergwerk im Deutschen Museum München – ein Abschied

15. Juni 2022

Es war wie ein Abschiednehmen eines alten Freundes, den man lange nicht mehr gesehen hat, der immer in Erinnerung ist mit der Gewissheit, dass man ihn künftig nicht mehr sehen wird. Klingt ein wenig pathetisch, aber diese Gedanken kamen mir in den Sinn, als ich zum letzten Mal in Deutschen Museum München das Bergwerk betrat. Ende des Monats wird das Bergwerk geschlossen, abgebaut und eingemottet. Zu meinen Lebzeiten werde ich es wohl nicht mehr sehen, denn es fehlt schlicht und einfach das Geld in einem restaurierten Museum das Bergwerk wieder aufzubauen.

Als Kind und als Jugendlicher war ich mit meinen Eltern und mit der Schule regelmäßiger Besucher des Deutschen Museums. Ich war fasziniert von der Technikgeschichte, durchstreifte die verschiedenen Abteilungen. Als meine Kinder in dem richtigen Alter waren, waren wir oft in diesem wunderbaren Museum. Immer und wirklich immer gehörte ein Besuch des Planetariums und des Bergwerks dazu. Hinaus in die Sterne und tief in die Erde – so steht es geschrieben.

Jetzt wird bald das Bergwerk geschlossen. Es sagen zwar die Denkmalschützer, dass das Bergwerk für kommende Generationen erhalten werden soll, doch Geld ist keines vorhanden. Seit 2015 wird das Deutsche Museum modernisiert: Die Gebäudekonstruktion, Brandschutz und Technik des 1925 eröffneten Ensembles war völlig veraltet. 455 Millionen Euro flossen bereits in den ersten Bauabschnitt, der vor der Fertigstellung steht.

Ich habe das Museum nochmals besucht und einen Gang durch das Bergwerk mit einer 360 Grad Kamera gemacht sowie einzelne Fotos als Erinnerung geschossen. Ende des Monats wird das Highlight meiner Jugend abgebaut und in Kisten verpackt. Ich bin skeptisch, ob ich es in einer anderen Form nochmals sehen werde.

Das Deutsche Museum, dessen Förderer meine Familie ist, tut sich gerade schwer. Der Hort der Technik wird gerade aufwendig saniert und die Ausstellungen didaktisch überarbeitet. Das ist auch dringend notwendig. Im Moment hält sich beide Begeisterung in Grenzen. Aber sehr angetan war ich beispielsweise über den Rundgang durch die Zelle, eine neue Abteilung. Dazu habe ich ein 360 Grad Video gedreht. So muss Museum heute sein.

Und natürlich musste ich dahin, wo es laut ist. Immer wieder besuchte ich die Physikabteilung und schaute mir die Hochspannungsvorführungen an. Als Kind hatte ich immer den Eindruck des Labors von Dr. Frankenstein als ich die Transformatoren und die zuckernden Blitze erblickte. Hier ein kleines Video von einem Teil der Vorführungen.

Frust wegen Technik am Arbeitsplatz

14. Juni 2022

Wie sieht eure Technik am Arbeitsplatz aus? Ich meine nicht die eigene Technik, sondern die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Computer und IT. In meinen Gesprächen höre ich immer wieder, dass viele, auch innovative Arbeitsstellen, mit alter Hard- und Software ausgestattet sind. Das führt manches Mal zum Frust. Dazu gibt es eine Studie von Freshworks. Obwohl der globale Wandel hin zu hybriden Arbeitsformen den größten Investitionsschub in der Geschichte der Technologie ausgelöst hat, geben 91 % der Mitarbeiter an, dass sie aufgrund unzureichender technischer Ausstattung frustriert sind.

Trotz Digitalisierung ist noch viel veraltete Technik im Einsatz. Das schafft Frust.

Corona hat einen gewaltigen Digitalisierungsschub gebracht, nachdem HomeOffice auf einmal möglich war. So mancher Manager konnte sich nicht damit anfreunden, dass von zu Hause gearbeitet war: Mangelndes Vertrauen und Misstrauen waren in Firmenkulturen zu spüren, aber es wurde kräftig in IT investiert.

Laut KPMG gaben die Unternehmen während der Pandemie umgerechnet 15 Milliarden US-Dollar pro Woche zusätzlich für Technologie aus, um Remote-Arbeit zu ermöglichen. Erinnern wir uns: Externe Webcams waren zeitweise ausverkauft. Trotz der sich daraus ergebenden raschen Veränderungen in der Arbeitswelt hat Freshworks herausgefunden, dass Mitarbeiter über Probleme mit ihrem Office Setup klagen. Zu den häufigsten Beschwerden gehörten langsame Geschwindigkeit (51 %), lange Reaktionszeiten der IT-Teams (34 %), mangelnde Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen (30 %), das Fehlen wichtiger Funktionen/Fähigkeiten (28 %) und fehlende Automatisierung (25 %). Jetzt hat ja gerade der Bundesrat eine lächerliche Mindestinternet-Geschwindigkeit als Grundversorgung beschlossen, was das Land und die Stimmung nicht voranbringen wird.

Wenn es darum geht, Mitarbeiter für neue Technologien und Tools zu gewinnen, sehen die Führungskräfte ihre größte Herausforderung in der komplizierten Handhabe von Anwendungen (68 %). Mehr als zwei Drittel (69 %) der Führungskräfte sind der Meinung, dass die Mitarbeiter nicht genügend Zeit erhalten, um den Umgang mit neuer Software zu erlernen, und dass die Vorteile den Mitarbeitern oft nicht ausreichend erklärt werden (67%). Das ist richtig, aber leider sehe ich auch ein Desinteresse an Weiterbildung bei den Mitarbeitern. Oftmals höre ich: „Wenn ich keine Schulung bekomme, dann mach ich das nicht, dann kann ich das nicht.“ Ein gewisses Maß an Eigeninitiative und Interesse würde ich mal in einem Beruf voraussetzen.

Die Folge ist eine Spaltung der Mitarbeiter. Talentierte Mitarbeiter sind ein hartumkämpftes Gut. Rund die Hälfte (44 %) der Mitarbeiter weltweit denken über einen Arbeitsplatzwechsel nach. Um Mitarbeiter zu halten ist einfach zu bedienende Technologie ein wesentlicher Faktor. Während Gehalt und Sozialleistungen an erster Stelle der Gründe für einen Arbeitsplatzwechsel stehen, sind fehlende flexible Arbeitsmöglichkeiten und innovative Technologien unter den ersten fünf. Dies wird von Unternehmensleitern weltweit anerkannt. 71 % von ihnen bestätigen, dass Arbeitnehmer einen neuen Arbeitgeber in Betracht ziehen, wenn ihr aktueller Arbeitsplatz keinen Zugang zu den nötigen Tools, Technologien oder Informationen bietet, die sie für gute Arbeiten brauchen.

Eine unzureichende technische Ausstattung am Arbeitsplatz wirkt sich nicht nur auf die Erfahrung der Mitarbeiter aus, sondern schadet auch dem gesamten Unternehmen. Die Umfrage von Freshworks zeigt, dass veraltete Technologie die Produktivität des Unternehmens einschränkt, da frustrierte Mitarbeiter mit den täglichen IT-Herausforderungen zu kämpfen haben. Mehr als die Hälfte (57 %) der unzufriedenen Mitarbeiter geben an, dass ihre aktuelle Software sie weniger produktiv macht. 44 % der befragten Mitarbeiter geben an, dass die Zeit, die sie mit technologischen Problemen verbringen, seit Beginn der Pandemie gestiegen ist.

Noch besorgniserregender ist, dass der Stresspegel der Mitarbeiter aufgrund unzureichender Technologien am Arbeitsplatz in die Höhe schnellt: Fast die Hälfte (49 %) der befragten Mitarbeiter geben an, dass unzureichende Technologien am Arbeitsplatz Stress verursachen, und 48 % behaupten, dass sich dies negativ auf ihre psychische Gesundheit ausgewirkt hat. Unternehmensleiter bestätigen diese Tendenz: 38 % geben an, dass sie sich gestresst fühlen, wenn sie ihren Stakeholdern keine angemessene Arbeitsplatztechnologie zur Verfügung stellen.

Espresso – ein Reiseführer des guten Geschmacks von Walter Vogel

13. Juni 2022

Morgens das Erste nach dem Aufwachen ist der Kuss an die beste Ehefrau und dann kommt der Ruf „Alexa, Steckdose Kaffee an“. Ich freue auf die erste Tasse frischen Bohnenkaffee am frühen Morgen. Bis ich soweit aufgestanden und fertig bin, ist die Siebträgermaschine aufgeheizt und ich bereite mir den ersten Espresso des Tages zu, ein tägliches, leibgewonnenes Ritual.

Schon lange plante ich eine Fotoserie zum Thema Espressobars, die heiligen Orte an denen das köstliche Getränk ausgeschenkt wird. Im Leica-Store München stieß ich dabei auf das Buch Espresso Cafe-Bars in Italien vom legendären deutschen Fotografen Walter Vogel, der vor Jahren diese Idee bereits in ein grandioses Buch umgesetzt hat. Es ist 1993 in der Edition Christian Brandstätter erschienen und widmet sich in großartigen Bildern der italienischen Kaffeekultur, die so dann und wann auch bei uns aufblitzt. Ich habe die erste Auflage des Buches besorgt.

Vogler hat eine Kaffeebar-Karte von Norden nach Süden Italiens in seinem Buch abgedruckt, quasi als Reiseführer des guten Geschmacks. Und er liefert die eindrucksvollen Bilder – alle in Schwarzweiß. Nur zur Klarstellung: Wir reden jetzt nicht von Starbucks oder San Francisco Coffee Bar, die sicherlich auch ihre Reize haben, sondern wir sprechen von den kleinen und großen Palästen des Genusses. Und wir reden auch nicht von den Hipstern, die als Barista verkleidet sind, sondern von den Helden der Bohne, die ihre Profession von Vater oder Mutter gelernt und verinnerlicht haben. Barista ist im Grunde die italienische Form des Barkeepers.

Der Düsseldorfer Walter Vogl, Jahrgang 1932, ist ein Meister seines Fachs. Er erhielt 1963 den World Press Photo Award und 2019 den Leica Hall of Fame Award. Sein Buch Espresso ist eine Reise in die Vergangenheit. Er erzählt von Zeiten als Kaffee etwas Besonderes war, die kleine Peitsche, die Belebung der Sinne, die zelebriert wird. In Vogels Buch werden Geschichten dieser Zeiten erzählt neben den historischen Fakten. Diese kann heute Wikipedia liefern, die Geschichten der italienischen Familien und ihrer Kunden aber nicht. Als ich das Buch genoss, erinnerte ich mich an die großen italienischen Geschichtenerzähler Visconti, Fellini, Pasolini oder Antonioni.

Sehr schön der Satz: „Die Maschine ist der produktionstechnische Mittelpunkt der Bar, der Barista der kommunikative.“ Sie sind Magier der Konzentration, die den ganzen Tag gleichbleibende Kaffeequalität produzieren. Beim Mahlen explodiert das Aroma und der Kaffee muss so schnell als möglich in die Maschine. Dann kommt das Aroma zur Geltung. Während ich diese Zeilen schreibe, genieße ich übrigens einen heißen Kaffee und genieße das Leben.

Tag der Organspende – Haben Sie einen Spendeausweis und wenn nein, warum nicht?

4. Juni 2022

Haben Sie einen Organspender-Ausweis? Nein, warum nicht? Ich finde, dass jeder einen solchen Ausweis haben sollte und im Falle seines Todes, seine Organe einem leidenden Mitmenschen vermachen sollte. Und dies um so mehr am heutigen Tag der Organspende.

Der Tag der Organspende ist immer am ersten Samstag im Juni. Seit 1983 macht der Aktionstag auf das Thema Organspende aufmerksam. Es ist der Tag, an dem die bewegenden Schicksale der Menschen im Blickpunkt stehen, die Organe gespendet haben oder denen als Organempfänger ein neues Leben geschenkt wurde.
Erstmals seit Beginn der Coronavirus-Pandemie findet deshalb am ersten Samstag im Juni wieder eine Vor-Ort-Veranstaltung in der diesjährigen Partnerstadt Mainz statt. Ich bin nicht vor Ort, muss auch dort nicht sein, weil meine ganze Familie sich entschlossen hat, im Falle eines Falles unsere Organe zu spenden.

Ich will jetzt keine Schwurbler-Meinungen hören, denn es sind keine Argumente. Jeder der sich zum Menschsein bekennt, sollte einen Spenderausweis ausfüllen und mit sich tragen. Das ist meine feste Überzeugung.

„Jede und jeder von uns kann schon morgen auf ein Spenderorgan angewiesen sein – sei es durch eine Krankheit oder einen Unfall“, betont Prof. Karl Lauterbach, Bundesminister für Gesundheit. „Organspende genießt prinzipiell eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Ich wünsche mir, dass die persönliche Erklärung für jede und jeden zu einer Selbstverständlichkeit wird. Dadurch bekommen mehr Menschen auf der Warteliste die Chance auf ein zweits Leben. Ich appelliere an alle: Nutzen Sie das vielfältige Informationsangebot und treffen Sie Ihre Entscheidung.“ Da hat der Lauterbach absolut recht.

Der Bundesgesundheitsminister will einen neuen Anlauf bei der Widerspruchslösung für eine Organspende unternehmen. Eine entsprechende Regelung war vor zwei Jahren im Bundestag gescheitert. Ich unterstützte diesen Antrag voll und ganz. Die Widerspruchslösung sieht vor, dass jeder prinzipiell Organspender ist, der nicht ausdrücklich widerspricht.

Rund 9.200 Menschen in Deutschland stehen derzeit auf der Warteliste für eine Organtransplantation. Demgegenüber haben im Jahr 2020 bundesweit nur etwas mehr als 900 Menschen nach ihrem Tod Organe gespendet. Damit übersteigt der Bedarf an Organen bei Weitem die Anzahl der für eine Transplantation zur Verfügung stehenden Organe. Täglich versterben im Schnitt zwei Personen von der Warteliste an ihren Grunderkrankungen. Das ist schrecklich. Schämt euch, wenn ihr euch der Gesellschaft verweigert.

Es gibt in diesem Jahr sogar eine 85 Cent-Briefmarke, die von Jens Müller aus Düsseldorf gestaltet wurde. Nun, die Briefpost nutze ich nur noch selten, aber ich werde mir ein paar Marken holen, wenn ich wieder bei der Post in der örtlichen Edeka-Filiale im Dorf bin. Diese Briefmarke ist als nationales Zeichen zu verstehen, das dem Thema über den Tag der Organspende hinaus auch weiter Aufmerksamkeit zukommen lässt.

Hier lässt sich der Organspendeausweis kostenlos bestellen.

9 Euro Ticket – und nun das Leben neu denken

1. Juni 2022

Heute startet das 9 Euro Ticket und natürlich bin ich dabei. Die Familie ist für drei Monate öffentlich unterwegs und ich finde die Einführung des subventionierten Fahrpreises richtig und sinnvoll. Ich hoffe, es bewirkt bei manchen Mitmenschen etwas im Kopf.

Vor Corona war ich intensiver Bahnreisender. Mit er BahnCard 100 bin ich quer durch Deutschland gefahren, beruflich mal schnell nach Berlin, Hamburg, Köln, aber auch in die bayerischen Regionen. Dann kam Corona und ich war rund zwei Jahre zu Hause. Veranstaltungen außer Haus waren selten, die BahnCard habe ich schweren Herzens nicht verlängert. Die Auftragslage lässt es nicht zu.

So freue ich mich, wenn ich wieder mit dem Ticket die eine oder andere Reise machen kann – mit Maske versteht sich, denn Corona ist nicht vorbei. Und natürlich bin ich in einer privilegierten Situation. Ich wohne im Speckgürtel von München und habe einen einigermaßen funktionierenden ÖPNV, obwohl die Technik des S-Bahn-Streckensystems hier danieder liegt. Ich bin nicht so stark auf das Auto angewiesen wie andere.
Ich bin der Meinung: Wir müssen arbeiten und wohnen wieder mehr zusammenbringen. Als Festangestellter war ich als Pendler früher 2,5 Stunden täglich mit der S-Bahn unterwegs, hab zwar viel Bücher gelesen, aber die Lebensqualität litt ziemlich. Meine Frau hatte die Pendelei nach München satt und löste ihr Büro in München auf. Jetzt arbeitet sie mit ihrem Team 2 Kilometer entfernt und kann zu Fuß oder mit dem Rad hinkommen oder sogar mit dem Bus. Lebensqualität pur, wenn das Leben wieder stattfindet und nicht auf der Straße oder in Zügen.

Unsere Familie versucht ihr Leben neu zu denken. Auch wenn es Leute belächeln, der Klimawandel ist da und jeder muss seinen Beitrag leisten. Aber noch steht bei vielen meiner Bekannten die Frage im Mittelpunkt: Wo fliegen wir dieses Jahr in Urlaub hin? Und warum nur einmal im Jahr Urlaubsreisen? Der Krieg in der Ukraine lässt zudem die Kosten explodieren.

Da kommt das Angebot mit dem 9 Euro Ticket gerade recht. Ich will es nutzen. Bei all der Diskussion um die Ein- und Durchführung ist es für mich der richtige Schritt das Arbeits- und Berufsleben neu zu denken.

Ab in den Urlaub? Oder doch nicht? Aktuelle Zahlen

18. Mai 2022

Wie halten Sie es dieses Jahr mit der Urlaubsreise? Ich habe viel geschrieben über Nachhaltigkeit bei Reisen in Deutschland. Hinzu kommen Gedanken zu Klimawandel, Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine. Weiterhin haben wir Aufrufe zum Energiesparen.

Und dennoch möchten 42 Prozent der Deutschen, die im Sommer verreisen wollen, nicht auf ihren Urlaub im Sommer verzichten. Dies ergab eine aktuelle Online-Befragung des Bayerischen Zentrums für Tourismus (BZT), durchgeführt von GfK (Gesellschaft für Konsumforschung). Allerdings wird hier nicht ganz klar, ob es Urlaub im Ausland oder Urlaub zu Hause ist oder ob Urlaub auch Balkonien ist. Scheinbar wird Urlaub mit Verreisen gleich gesetzt.

23 Prozent bereiten die Themen Krieg, Energie, Corona aber so große Sorgen, dass sie trotz derzeitiger Reiseabsichten im Sommer vielleicht doch nicht verreisen werden.

Auch finanzielle Aspekte spielen bei den Reiseüberlegungen eine Rolle. Ein niedriger Preis ist für jeweils ein Drittel der Befragten, die verreisen möchten, aber noch nicht gebucht haben oder noch unsicher sind, ein wichtiges Kriterium für die Wahl des Urlaubsziels. Über ein Drittel gibt zudem die Sorge um die hohen bzw. weiter steigenden Preise für ihr zögerliches Buchungsverhalten an.

Keine Frage: Urlaub ist wichtig. Er dient der Erholung, dem Auftanken der Batterien. Das zeigt auch die Umfrage. 65 Prozent schöpfen im Urlaub „Erholung und Entspannung“, 46 Prozent genießen die „Zeit für Partner, Familie und Freunde“. Fast jede Zweite/jeder Zweite sieht Urlaub als „Freiheit“ (45 Prozent) und als „etwas Besonderes“ (48 Prozent).

Für mich interessant: Bereits in den ersten vier Monaten des Jahres hat rund ein Drittel der Personen, die generell verreisen, eine oder mehrere Urlaubsreisen gemacht. Die Probleme unserer Zeit spielen da wohl keine Rolle. Daraus schließe ich: Es geht uns gut und das Konsumverhalten der Gesellschaft hat sich nicht geändert. Davon bewertet mehr als die Hälfte diese Urlaubsreisen als „erholsam“ (54 Prozent). Jede/jeder Fünfte empfand die Reise als „normal“ (22 Prozent) und als „teuer“ (20 Prozent).

Mit Blick auf den Sommer 2022 möchten 69 Prozent der Befragten, die generell verreisen, auf jeden Fall in Urlaub fahren. Nach den Entbehrungen der Corona-Pandemie sind diese Ergebnisse für die Tourismusbranche erfreulich und ermutigend zugleich, so Alfred Bauer vom BZT. Die in den Corona-Jahren häufig diskutierte hohe Reisebereitschaft der Deutschen zeigt sich nun in Form von festen Reiseabsichten.

Wie in den vergangenen Jahren sind insbesondere die 40- bis 49-Jährigen sehr offen für Reisen: 74 Prozent haben in dieser Altersgruppe feste Reiseabsichten für die Sommermonate 2022. Rund ein Drittel der Befragten, die generell verreisen, hat bereits gebucht. In der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen sind es fast 40 Prozent.

Dieses Ergebnis sieht Cathrin Schiemenz vom BZT als besonders erfreulich für die Branche, da die Reiseabsichten und Reiseaktivitäten in dieser Altersgruppe während der Corona-Pandemie sehr verhalten waren. Klar, dass sich das BZT freut, denn ohne Tourismus gibt es kein Bayerisches Zentrum für Tourismus.

59 Prozent der Personen, die zwischen Mai und Oktober 2022 verreisen möchten, werden mindestens einen Urlaub in Deutschland verbringen: Dabei führt Bayern die Rangliste an, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. 49 Prozent wollen mindestens einen Urlaub im europäischen Ausland verbringen – angeführt von Spanien. 11 Prozent beabsichtigen, in ein außereuropäisches Land zu reisen.

Energiebilanz und CO2-Abdruck sind eine Katastrophe und dennoch ab in die Ferne. Angesichts der zunehmenden Auslandsziele nimmt das Auto als bevorzugtes Verkehrsmittel für die An- und Abreise wieder ab: Rund die Hälfte der Personen mit Reiseabsichten für die Sommermonate wollen den Pkw nutzen, und 29 Prozent planen zu fliegen. Also die Appelle der Politik und Klimaschützer haben nicht gefruchtet, vielleicht regelt es der Preis, wenn sich Flugpreise drastisch erhöhen.
Für die Reisenden im Sommer sind die autarken Wohneinheiten wie Ferienwohnungen oder -häuser weiterhin die beliebteste Unterkunftsform: 35 Prozent möchten dort übernachten. Insbesondere mittelgroße und große Hotels werden wieder stärker nachgefragt.

Bei den Kriterien für die Auswahl der Unterkunft nennen 46 Prozent die „gute Lage“ als entscheidend, gefolgt mit jeweils 34 Prozent für „gute Bewertungen“ und „eine ansprechende Einrichtung“. Für 31 Prozent ist der günstige Preis ein wichtiges Auswahlkriterium.

Mehr Infos und Zahlen gibt es hier

Zukunft der Gastronomie – es geht nur mit Konzept und Zahlen

12. Mai 2022

Wie geht es mit den bayerischen Wirtshäusern weiter? Diese Frage geht der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern immer wieder nach. Zuletzt bei einer Diskussionsveranstaltung im Bayerischen Hof bei der die Doku „Wirtshaussterben? Wirtshausleben!“ von Dr. Michael Bauer gezeigt wurde. Der Film wurde vom Haus der Bayerischen Geschichte in Auftrag gegeben, das in Regensburg bis 11. Dezember die entsprechende Ausstellung zeigt. Den Film gibt es nur in der Ausstellung.

Atmosphärisch schön gemacht war die Dokumentation auf jeden Fall, bei der auch der 80jährige Gerhard Polt zu Wort kommen durfte. Die Sprecherin war Michaela May. Für mich ist der Film eine nostalgische Erinnerung an vergangene Zeiten, aber leider keine zeitgemäße Auseinandersetzung mit dem Thema Wirtshaussterben. Wirtshäuser haben über die Geschichte hin ein Auf und Ab erlebt. Natürlich hatte das Wirtshaus einst eine enorme lokale Bedeutung für ein Dorf oder Gemeindeteil. Und heute haben sich viele Konzepte der alten Zeit überlebt. Vereine ziehen in Vereinsheime oder lösen sich ganz auf. Der Stammtisch stirbt. Mobilität sorgt für Bewegung. Corona hat den Lieferdienst etabliert. Das Feierabendbier wird vor der Glotze genutzt, WLAN ist in der Gaststube oft nicht vorhanden und ist es zeitgemäß, wenn der Mann abends zum Stammtisch geht, während die Frau mit der Brut zuhause sitzt?

In einer halbstündigen Diskussion warb der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte Dr Richard Loibl natürlich für seine Ausstellung in Regensburg, die ich mir noch gerne ansehen werde. Realismus zeigte eindeutig die Präsidentin des DEHOA Bayern Angela Inselkammer. Bei all der Nostalgie von alten Wirtshäusern müsse man sich der Herausforderung der Gegenwart stellen. Brandschutz, Lärmschutz samt Abstandsflächen und Bürokratie sind die Herausforderungen für die heutigen Gastronomen. Zudem werde oftmals auch die fehlende Eignung beklagt. Anders als im Handwerk mit dem Meisterbrief gibt es keine Voraussetzung ein Wirtshaus zu eröffnen. Heute sei der Blick auf die Zahlen und die Kalkulation sowie ein klares Konzept ausschlaggebend.

Diskutierten über die Zukunft von Wirtshäusern: V.l. Michael Bauer, Angela Inselkammer, Stefan Dettl und Richard Loibl

Die Argumente von Angela Inselkammer sind richtig, doch beißt sich DEHOGA Bayern meiner Meinung als starker Lobbyverband die Zähne an der Politik aus. Trotz Dauerfeuer von Pressemeldungen und Erklärungen von DEHOGA in der Corona-Zeit hat die bayerische Gastronomie Schaden genommen. Zwar folgen Politiker aller Parteien gerne den Einladungen zu Veranstaltungen der DEHOGA wie zuletzt dem Frühlingsfest in München auf der Theresienwiese und schauen freundlich in die Linsen der Pressekameras, aber vom Bürokratieabbau sehe ich wenig. Ich verstehe jeden, der keine Lust hat sich mit Akten als mit Schweinsbraten herumzuschlagen. Zudem bleiben die Mitarbeiter weg. In der Corona-Zeit haben sie gelernt, dass es auch anderswo Möglichkeiten zum Geldverdienen gibt und die Arbeitszeiten familienfreundlicher sind. Und dennoch: Wer ein überzeugendes Konzept und seine Zahlen im Griff hat, der hat in der Gastro tolle Chancen, auch wenn es nicht Atmosphäre von Opas Zeiten sein muss.

Bei der Diskussion mit dabei war auch Stefan Dettl, Frontmann der Gruppe LaBrassBanda, der sich seit jeher mit besonderem Engagement für die Rettung der bayerischen Wirtshauskultur einsetzt. Seine Band spielt gerne in bayerischen Wirtschaften. Irgendwie habe ich immer auf „Scheena Dog“ gewartet. Die Musik von LaBrassBanda passt wunderbar ins Wirtshaus oder ins Festzelt und weniger in die Philharmonie.

Die Diskussion war ein weiterer Mosaikstein in der Strategie von DEHOGA das Thema zu einem Gesprächsthema zu machen und die Politik Farbe bekennen zu lassen.

50 Jahre Roter Wurm

29. April 2022

Ich kann gar nicht die Stunden zählen, die ich mit dir verbracht habe. Ich habe in dir geschwitzt, gefroren, mich unterhalten und ich bin manches Mal in dir eingeschlafen. Und ich habe viel, sehr viel in dir und über dich geschimpft, weil du mir wertvolle Lebenszeit gestohlen hast. Und dennoch will ich dir zum 50. Geburtstag gratulieren: Der S-Bahn München.

Gestern vor 50 Jahren ist die Münchner S-Bahn eröffnet worden. Die ersten Züge fuhren im Pendelbetrieb durch den neu eröffneten Stammstrecken-Tunnel zwischen Hauptbahnhof und Ostbahnhof. Die Nachfrage war von Anfang an enorm. Die Fahrt kostete für Erwachsene damals nur 70 Pfennig. Die Olympischen Sommer-Spiele in München 1972 sorgten dafür, dass auch die Münchner Vororte in Rekordzeit an das Streckennetz angebunden wurden. Heute nutzen bis zu 950.000 Fahrgäste täglich die S-Bahnen. Eine zweite Stammstrecke soll das System in einigen Jahren entlasten.

Freilich gab es zum Jubiläum Verspätungen und Streckenausfälle. Der rote Wurm, wie er in unserer Familie heißt, gehört zu München einfach dazu. An diesem Jubeltag will ich nicht schimpfen, das werde ich wohl wieder in ein paar Tagen machen, wenn ich die S-Bahn wieder benutze und drei Bahnen früher nehme, um meinen Termin pünktlich zu erreichen.

Die alten Bahnen waren noch orange, dann kam die rote Farbe und es folgte eine Überarbeitung der Wägen. Ich bin ein Fan des ÖPNV und der Bahn, aber man muss schon ein großer Fan sein oder eine dicke Haut haben. Nun denn: Alles Gute zum Geburtstag liebe S-Bahn München und danke an die genervten Zugführer, die mit veralteten Material ihr Bestes geben.

Und natürlich werde ich mir das Jubiläumsticket holen und an meinem Geburtstag kostenlos fahren.