Archive for the ‘Aufgelesen’ Category

Jugendstil in Riga – was fürs Auge

18. Januar 2020
Wo sind die meisten Jugendstilhäuser zu besichtigen? In Prag lautet oft die Antwort. Falsch! Es ist in der lettischen Hauptstadt Riga. Die meisten Prachtbauten findet man im so genannten Stillen Zentrum.
Der Jugendstil oder Art nouveau ist eine kunstgeschichtliche Epoche an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und hat heute noch viele Anhänger. Unter dem Einfluss deutscher Architekten ist in t Riga in Lettland der Jugendstil zu einer der noch heute das Stadtbild wesentlich prägenden Architekturrichtungen geworden. Riga gehört zu den glänzendsten Perlen des Jugendstils und wurde 1997 als „hochwertigste Konzentration an Jugendstilgebäuden“ auf die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes gesetzt.

Es gibt Hunderte von Häusern in diesem Baustil, aber das bekannteste ist sicherlich das Wohnhaus in der Elizabetes iela 10b, Elisabethstraße. Es stammt von Michael Eisenstein, was mich als Filmfreund sehr interessiert. Michael Eisenstein ist der Vater von Sergei Michailowitsch Eisenstein, einem der wichtigsten Regisseure Russlands. Von ihm stammen Klassiker wie die Revolutionsfilme Panzerkreuzer Potemkin und Oktober.
Michael Eisensteins Architekturstil wurde als „verrückter Zuckerbäcker“ verspottet, weil seine Fassaden mit Blumen, Tieren, Verzierungen aufmotzte. Detailreichtum an der Fassade, die exakt geplant waren, sind sein Markenzeichen. Und das Rigaer Wohnhaus in der Elisabethstraße ist sein Meisterstück, obwohl er 50 weitere Häuser in Riga plante.
Dieses Gebäude wurde 1903 erbaut und im Jahr 2000 restauriert. Seine Fassade ist eine prunkvolle Kompositionen von Masken, Pfauen, Skulpturköpfen und geometrischen Figuren in der Fassadenkrone fallen auf, wie auch die mit blauen Keramikplättchen verkleideten Fassadenflächen der oberen Stockwerke. Diese Fassade ist übrigens eine Kopie und Ergänzung der Fassadenzeichnung des Leipziger Architekten Georg Wünschmann und Hans Kozel, so das lettische Fremdenverkehrsamt. Diese Zeichnung wurde in einer Sammlung von Fassadenzeichnungen in Petersburg veröffentlicht.
Leider ist das Treppenhaus für die Öffentlichkeit gesperrt, aber kleiner Tipp: Ein paar Meter weiter ist ein sehenswertes Jugendstilmuseum in einem anderen Jugendstilhaus. Wer im Gebäude nicht ins Museum abbiegt, sondern sich der Treppe zuwendet, findet noch ein prachtvolles Treppenhaus. Aber bitte nicht hochgehen: Es wohnen Leute in den Wohnungen, die sicherlich nicht begeistert sind, wenn Touristen durch die Hütte marschieren.
Aber Augen auf, wer durch Riga spaziert. Es gibt wunderschöne Häuser zu entdecken.

Markthallen in Riga – der Zentralmarkt als Paradies

17. Januar 2020

Fischers Fritze isst frische Fische, frische Fische isst Fischers Fritze – dieser Zungenbrecher kam mir sofort in den Sinn als ich die Fischhalle auf dem Zentralmarkt in Riga betrat. Fisch, wohin man schaut – ein Paradies.

Leider waren wir ziemlich spät in der Halle und konnten so das komplette Angebot optisch nicht genießen, viele Händler packten bereits zusammen. Aber was ich gesehen habe, erfreute mein Herz als Fischliebhaber. Kurzzeitig überlegt ich mir, Fisch zu kaufen und einschweißen zu lassen, damit ich sie zu Hause zubereiten kann. Aber das wäre zu kompliziert.

Interessant war, dass in der Markthalle zu Riga der Neuaugen verkauft wird. 2012 wurden sie zum „Fisch des Jahres“ gewählt, dabei sind sie taxonomisch gesehen gar keine Fische, sondern die ursprünglichste Gruppe der Wirbeltiere.


Neunaugen genießen europaweit Schutz nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, für die als Arten des Anhangs II besondere Schutzgebiet ausgewiesen worden sind. Zudem unterliegen sie in Deutschland dem Schutz nach der Bundesartenschutzverordnung und sind nach den Fischereiverordnungen der Länder ganzjährig geschont. Davon scheint in Riga keiner etwas zu wissen oder wissen zu wollen. Der Neuaugen wird gefischt und verkauft. Wie Neuaugen schmeckt kann ich nicht sagen, denn in den Restaurants wurde die einstige Spezialität der Reichen nicht angeboten.

Dabei ist die Fischhalle nur eine des weitreichenden Marktareals von Riga, das 1997 in die UNESCO Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Die Hallen waren einst als Zeppelin-Hangar gedacht, samt unterirdischer Versorgungsstadt. Nun, der Zeppelin hatte sich ja bald erledigt, 1930 wurden die Hallen als eine der modernsten Markthallen Europas eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg wurden aus den die Hallen erstmal Werkstätten. Nach dem Krieg unter Sowjetzeit wurde aus den Markthallen dann der Zentrale Kolchosenmarkt und von der roten Propaganda hochgejubelt.
Wie das lettische Fremdenverkehrsamt mitteilte, gehe aus einer Statistik aus dem Jahr 1961 hervor, dass hier jährlich bis zu 200 000 Tonnen Fleisch, 768 000 Liter Milch, 7 Millionen Eier, mehr als 9000 Tonnen Kartoffeln, 8000 Tonnen Gemüse und fast 5000 Tonnen Obst verkauft wurden – und wir sprechen von Sowjetzeiten.
Heute ist der Markt eine Art kulinarisches Schlaraffenland. An Obst, Gemüse, Fleisch, Käse, Fisch, Gewürze – vieles kann man probieren und in der Gastrohalle werden die Speisen frisch zubereitet. Ich wollte frische Austern essen, wurde aber durch die hohen Preise abgeschreckt. Austern aus der Ostsee habe ich keine gesehen, es gab welche aus Frankreich. In der Gastrohalle gab es zudem viele asiatische Garküchen – sicherlich gut gemeint, aber für mich als Riga-Tourist uninteressant.
Preiswert dagegen Honigschnaps von dem Freunde von mir sehr angetan waren und Kaviar. Ich versorgte mich mit entsprechenden Leckereien. Zudem habe Lorbeerblätter in größeren Mengen gekauft, die ich für Muscheln und Tintenfischgerichte brauche.
Beeindruckt hat mich in der Fleischhalle die Füllen an Innereien wie Zunge und Herz, aber auch Kalbsbäckchen, Schweineschnauze und -Ohren.

Der Dom zu Riga, der eigentlich eine Kathedrale ist

16. Januar 2020

Wer nach Riga kommt, der muss sich den Dom zu Riga ansehen. Daran führt kein Weg vorbei. Und wer schon mal da ist, der sollte sich um die Mittagszeit auch das kostenpflichtige Orgelkonzert anhören. Im eigentlichen Sinne ist der Dom zu Riga kein Dom, sondern eine Kathedrale. Das lettische Wort für „Kathedrale” ist „doms” und schon war es im Deutschen ein Dom.

20 Minuten Orgelkonzert und diese 20 Minuten haben es in sich. Die Orgel wurde am 31. Januar 1884 eingeweiht und war zu diesem Zeitpunkt das größte der Welt. Heute gibt es größere, mächtigere Orgel, aber bei mir hat das Musikinstrument in Verbindung mit dem Konzert einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. 1882/1883 baute die Orgelbauwerkstatt Walcker aus Ludwigsburg das jetzige Orgelwerk mit mechanischen Spieltrakturen, 6718 Pfeifen und 124 Registern auf 4 Manualen und Pedal. Der Klang ist wirklich mächtig.
Unter sowjetischer Herrschaft war das Gotteshaus ein schnöder Konzertsaal und die gottlosen Kommunisten haben den Alter entfernt, mehr Stuhlreihen eingeführt, um mehr Platz für Orgelkonzerte zu haben. Ich habe mein Orgelkonzert einmal auf Video mitgeschnitten.

Der Dom wurde im Jahre 1226 fertiggestellt und wirkt auf mich sehr eindrucksvoll, wie alle Gebäude des Mittelalters. Verschiedene Baustile greifen hier ineinander, so eine Kathedrale baut man nicht eben über Nacht. Das Nordportal ist gotisch, die Rundbögen sind romanisch.
Geplant waren zwei Türme, es wurde nur einer, der dann abbrannte und der Holz-/Steinturm später ersetzt wurde. Im Jahr 1776 kam dann der jetzige Barock-Turm mit von 90 Metern Höhe.
Mir hat vor allem der Taufstein gefallen. Er stammt aus dem Ende des 12. Jahrhunderts und kommt aus der Kirche in Ikšķile, der ersten Kirche im heutigen Lettland. Der Stein wurde bei der Renovierung des Domes 2009 im Mittelgang des Hauptschiffes aufgestellt.

Wenn man beim Betrachten richtig steht, spiegeln sich die wunderbaren Fenster der Kirche wider. Vier von ihnen stammen aus Bayern – ich vermute von der Mayer’sche Hofkunstanstalt aus München. Leider konnte ich keine genauen Angaben finden. Ein Fenster zeigt die Gründung des Gotteshauses durch Bischof Albert I., ein anderes den Schwedenkönig Carl Gustav.

Einen Blick sollte man auch auf die Kanzel werfen. Hier sehen wir sehr schöne Schnitzereien – sie zählen zu den wirklichen Kunstschätzen des Doms.

Für meine Frau, die den Blog Hahnologie betreibt, war sicherlich der Wetterhahn eine tolle Entdeckung. Er stammt aus dem Jahre 1595 und war bis 23. April 1985 auf dem Turm. Heute ist eine Kopie auf dem Dach.

Riga Black Balsam – der Zaubertrank aus Lettland

15. Januar 2020

Er soll gegen alles helfen außer gegen Liebeskummer und Alkoholismus: Der Schwarze Balsam aus Riga, auch Riga Black Balsam genannt.
In Lettland sieht der Besucher dieses Nationalgetränk an jeder Ecke. Keine Kneipe, kein Markt, kein Fest an dem der Kräuterschnaps nicht ausgeschenkt wird. Er wird pur getrunken oder mit allem gemixt, was flüssig ist: Cola, Tee, Kaffee, Saft – ich habe ihn im Winter mit heißem Johannisbeersaft angeboten bekommen.

Der Schwarze Balsam gilt als Allheilmittel. Der Rigaer Apotheker Abraham Kunze stellte Mitte des 18. Jahrhunderts erstmals Kunzer Balsam her. Damit heilte er die Zarin Katharina die Große und das war die beste Werbung für sein schwarzes Produkt. In Windeseile verbreitete sich das Produkt durch das Russische Reich und der Rigaer Schwarze Balsam war bekannt – auch für seine abführende Wirkung.
In einem Selbstversuch habe ich den Schwarzen Balsam probiert – er schmeckt wie ein traditioneller Kräuterschnaps. Wer solch ein Getränk mag, wird am Balsam seinen Gefallen finden. Mit dem richtigen Marketing könnte das Teil auch bei uns zum Szenegetränk werden.

Im Balsam sind 25 Zutaten verarbeitet, die erste Lagerung erfolgt dabei in Eichenfässern.. Mein Reiseführer nannte darunter Lindenblüten, Birkenknospen, Honig, Arnika und Baldrian, Pfefferminze, Wermut, Kalmuswurzeln, Heidel- und Himbeeren, Eichenrinde und Orangenschalen, Ingwer, Muskat und Schwarzer Pfeffer. Ich muss zugeben, ich habe die Zutaten nicht herausgeschmeckt, wohl aber die 45 Prozent Alkohol bemerkt, die dem Riga Black Balsam inne wohnen. Mehr als zwei Gläschen tun mir nicht gut.

Richard Wagner in Riga

14. Januar 2020

Richard Wagner ist in Riga, der Hauptstadt von Lettland, allgegenwärtig, obwohl er nur kurze Zeit dort verweilte. Als Wagner-Fan ging ich ein bisschen auf Spurensuche.

Richard Wagner war ja Zeit seines Lebens ein Blender, machte Schulden, beteiligte sich an revolutionären Gedanken und war damit immer auf der Flucht vor der Obrigkeit und seinen Gläubigern. So auch bei seinem Aufenthalt in Riga als der 24jährige junge Musiker im August 1837 in der lettischen Hauptstadt ankam. Riga gehörte damals zum russischen Reich und der junge Wagner trat eine Stelle im städtischen Deutschen Theater an. Es war im Grunde eine renovierungsbedürftige Bude – und so ganz toll sieht das Gebäude in der nach ihm benannten Straße heute auch nicht gerade aus.

Voller Eifer machte sich ans Werk und schon am 1. September dirigierte er sein 24köpfiges Orchester, lag aber schon bald im Klinsch mit dem Direktor. Er begann in Riga mit der Komposition seiner ersten Oper Rienzi, die viel später (ohne ihn) auch in Riga in der Oper aufgeführt wurde.

In der Oper in Riga wurde Rienzi aufgeführt (ohne Wagner) und die Personen mit Hund gehören auch nicht zu Wagner.

In der Oper in Riga wurde Rienzi aufgeführt (ohne Wagner) und die Personen mit Hund gehören auch nicht zu Wagner.

Wie es heißt, soll er in Riga auch erste Ideen für das Bayreuther Festspielhaus gehabt haben. So hatten in Riga die Musiker keinen Blick auf die Bühne, was ihn wohl zum berühmten Bayreuther Graben inspirierte.

Im Schwarzhäupter-Haus, einem gotischen Wohnhaus der Kaufmannsgilde und Zentrum von Riga, gab es zudem einen Konzertsaal. Auch hier dirigierte Wagner, so dass im Eingang des berühmten Hauses eine Plakette mit einem Bildnis eines jungen Richard Wagners hängt.

Das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg vernichtet und wieder aufgebaut – samt Konzertsaal. Detailgenau ist es wohl nicht, gibt aber einen guten Eindruck von den alten Zeiten wieder. Hier ein VR 360 Video vom Konzertsaal im Schwarzhäupter-Haus.

Schon zwei Jahre später war Wagner mit Gattin Minna wieder auf der Flucht – dieses Mal ging es mit dem Schiff nach England. Aufgrund der stürmischen Überfahrt kam ihm wohl der Gedanke zum Fliegenden Holländer.

Storytelling um Statuen – Freiheitsdenkmal in Riga

13. Januar 2020
Das Freiheitsdenkmal in Riga

Das Freiheitsdenkmal in Riga

In Riga, der Hauptstadt Lettlands, gibt es zahlreiche Statuen und Monumente zu berichten. Überall in der Hauptstadt stehen Denkmäler, die an berühmte Persönlichkeiten oder Taten der lettischen Geschichte erinnern. Und das Schöne ist, dass es immer wieder interessante Geschichten um diese Statuen gibt, die es wert sind, erzählt zu werden.

Freiheitsdenkmal
Das wichtigste Denkmal ist mit Sicherheit das Freiheitsdenkmal. Das 40 m hohe Denkmal wurde von den Bildhauer Karlis Zale gestaltet und symbolisiert die Freiheit des lettischen Volkes. Das Volk spendete die Mittel für das Monument, welches am 18. Dezember 1935 mit einer großen Feier eröffnet wurde. Der Hauptteil besteht aus einer Reihe von Skulpturen, die gemeinsam „Mutter Lettlands“ genannt werden. Auf der Vorderseite befindet sich die Inschrift mit den Worten „für Vaterland und Freiheit“. Das Freiheitsmonument krönt eine Frauenfigur, die drei goldenen Sterne in den Händen hält. Sie symbolisieren drei der geografischen Regionen Lettlands. Seit der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Lettlands posiert eine Ehrenwache zu Füßen des Moments.

Sex am Freiheitsdenkmal
Wer durch Riga spaziert, wird überall Kameras feststellen, die einen auf Schritt und Tritt begleiten. Das ist natürlich beim Freiheitsdenkmal erst recht der Fall. Das hätte sich ein 23jähriger Deutscher mit seiner 21jährigen spanischen Freundin merken sollen, als sie im Dezember 2016 Sex am Freiheitsdenkmal hatten. Sie wurden beim sündigen Treiben gefilmt und die Polizei verhaftete das triebhafte Paar. Jeder musste 250 Euro Strafe zahlen und das Video kursierte zudem noch im Internet. Wer suchet, der findet.

Freiheitsdenkmal als beliebter Treffpunkt
Zur Besatzung des Baltikums durch das Deutsche Reich galt das Freiheitsdenkmal als Treffpunkt. Allerdings sagten die deutschen Besatzer nicht Freiheitsdenkmal als Treffpunktadresse sondern man sprach von Metaxa. Metaxa ist der Markenname einer griechischen Weinbrand-Spirituose, die aus Weintrauben hergestellt wird. Die Zahl der Sterne auf der Flasche gibt die Qualität des Brandes an. Die einfachste Version ist der Drei-Sterne-Metaxa. Und da das Freiheitsdenkmal drei goldene Sterne hat, hieß es bei den Soldaten Metaxa.
Heute ist das Freiheitsdenkmal weniger der Treffpunkt der Jugend. Es ist die Laima-Uhr, die ein paar Meter entfernt steht. Laima ist ein Süßwarenhersteller, der 1870 gegründet wurde.

Digitaler Triumphbogen
Zu Zeiten der Sowjetunion stand in Riga ein Denkmal von Lenin. Er deutete mit dem Arm nach Osten Richtung St. Petersburg. Nach der Unabhängigkeit Lettlands im Jahre 1991 wurde das Lenin-Denkmal abgebaut und zur 100-Feier wurde modernes Digital Signage an gleicher Stelle errichtet. Es handelt sich im Volksmund um einen digitalen Triumphbogen. Auf ihn ist unter anderem der Satz zu lesen „Gold ist mein Zuhause“.

Witz aus der Sowjetzeit
In Riga gibt es einen Witz aus der Sowjetzeit, der den Humor seiner Epoche spiegelt. Da sagt der lettische Nationaldichter Rainis gedankenversunken: „Was für ein Blödsinn, was für ein Mist?“ Die Freiheitsstatue reißt die Arme empor und ruft aufgeregt „Was, wo?“ Und Lenin auf seinen Sockel mit dem Arm nach Osten ausgestreckt sagt „Da!“

Verbrannte Erde
Etwas ernster geht es bei einem Denkmal von Michael Andreas Barclay de Tolly. Er war war ein russischer Generalfeldmarschall und Kriegsminister zu Zeiten der napoleonischen Kriege. Eigentlich war er Deutschbalte von einer Familie mit schottischen Wurzeln aus dem Clan der Barclay. Er war für die Politik der verbrannten Erde verantwortlich, in dem er die französischen Truppen in die Tiefe Russlands lockte und Moskau anzündete und so Napoleon zermürbte. Falls jemand noch Krieg und Frieden von Leo Tolstoi gelesen hat, wird er sich erinnern, dass Michael Andreas Barclay de Tolly dort eine wesentliche Rolle gespielt hat.

Essen in Riga – Restauranttipps

12. Januar 2020

Essen gehen in Riga ist einfach. In der lettischen Hauptstadt gibt es zahlreiche Restaurants und Kneipen, die unterschiedliche Speisen bereit halten. Die lettische Küche wurde geprägt von zahlreichen Einflüssen – angefangen bei den kulinarischen Traditionen der deutschen Kreuzritter bis hin zu kreativen Lösungen aufgrund der Lebensmittelknappheit unter der sowjetischen Herrschaft.
Bei meinem Aufenthalt in Riga war ich oft essen und stelle fest: Brot und Kartoffeln sind absolute Grundnahrungsmittel. Und die Küche ist reich an Kalorien, schließlich bestand das Leben der Letten früher aus schwerer körperlicher Arbeit.

Lettische Frikadellensuppe
Passend dazu kommt das Rezept des Monats von unserem Reiseleiter Maik Habermann aus Lettland: „Die lettische Frikadellensuppe ist eigentlich eine schnelle Suppe. Einfach Kartoffeln und Möhren in kleinen Würfel oder Streifen schneiden und in Wasser oder Fleischbrühe ein paar Minuten kochen. Dann aus der gewürzten Hackfleischmasse (halb Rind, halb Schwein, oder nur Schwein, kleingehackte Zwiebeln, Knoblauch, Ei, eventuell wenig Semmelbrösel), kleine teelöffel-große Bällchen formen und ca. 10-15 min in der Suppe kochen lassen.

Kurz vor dem Servieren noch eine Knoblauchzehe in die Suppe drücken und mit frischen (oder frisch aufgetauten) Gartenkräutern wie Dill oder Petersilie servieren. Der Lette isst jede Suppe mit einem großen Esslöffel saurer Sahne/Schmand im Teller und Brot dazu. Zur Würzung der Hackfleischmasse nehme ich Hackfleischgewürz aus Kräutern mit Salz und Pfeffer (ohne Glutamat oder andere Geschmacksverstärker).

Salve – lettisches Restaurant
Direkt neben demSchwarzhäupter-Haus befindet sich das lettische Restaurant Salve. Es gibt zahlreiche Speisen. Ich wählte bodenständige Kost und der erste Gang war ein baltisches Fisch-Dreierlei wie Lachs, Sprotten und frisch gesalzen Hering.

Weiter ging es mit einer hausgemachten Blutwurst mit gebackenen Apfel und Preiselbeersoße.

Die Nachspeise war eine Creme Brulee mit Rigaer Schwarzem Balsam.

Meine Gattin hatte unter anderem eine Sauerkrautsuppe im Brotmantel. Hier war es wieder das gute lettische Brot.

Ihre Nachspeise war Bubert, ein traditionelles lettisches Dessert mit Vanille-Grieß-Pudding mit Gelee-Beerensauce.

Folk Club Ala – lettische Kneipe
Sehr eindrucksvoll empfand ich den Folk Club Ala in der Altstadt von Riga. Der Club ist im Keller und wer die Tür öffnet, dem schallt hämmernder Hardrock entgegen. Im Keller herrscht zu Mittag eine ruhige Atmosphäre, abends ist der Laden rappelvoll. Hier wird lettische Volksmusik gespielt und es wird getanzt. Das Essen ist reichhaltig und sehr bodenständig.

Und hier ein paar Eindrücke von Essen in Lettland – guten Appetit.

Weihnachtsmarkt in Riga – dank russischer Weihnacht

11. Januar 2020

In Riga feiert man gleich zweimal Weihnachten. Einmal das christliche Fest mit dem Heiligen Abend am 24. Dezember und einmal das russische Weihnachtsfest am 7. Januar. Da ich erst im Januar 2020 in Riga, der Hauptstadt von Lettland, war, konnte ich den Weihnachtsmarkt bis 7. Januar genießen. Zu Hause bei uns in Deutschland sind die Christkindl- und Weihnachtsmärkte ja schon lange geschlossen. Hier ein Gang über den Weihnachtsmarkt  als VR 360 Video. Allerdings habe ich aus GEMA-Gründen die Musik ausgewechselt.

Wenn ich ehrlich bin, weiß ich kaum etwas über die russische Weihnachten. Was ich gehört habe: In Russland gibt es keine Christbäume im engeren Sinne, sondern so genannte Neujahrstannen, die natürlich auch weihnachtlich geschmückt werden. Das russische Weihnachtsfest wird am 7. Januar gefeiert, wenn das neue Jahr bereits begonnen hat. Vor der Regierungszeit von Zar Nikolaj I. schmückte man in Russland nicht nur Tannen, sondern auch Kirschbäume, Apfelbäume und Birken weihnachtlich. Unter Nikolaj I. wurde dann Mitte des 19. Jahrhunderts die erste öffentliche Neujahrstanne in Russland aufgestellt. Seitdem werden nur noch Tannen als Neujahrsbäume verwendet.

Der Weihnachtsmarkt in Riga ist beim Dom und ist sternförmig aufgebaut. Es gibt neben Alkohol in verschiedenen Sorten wie Glühwein oder der Schwarze Balsam, Pelzmünzen, Handarbeiten, viel fettiges Zeug zum Essen und mehr. Ich habe mir Holzlöffel für meine Küche gekauft. Etwas abseits habe ich übrigens Rudolf mit der roten Nase per Auto getroffen.

Dazu Musik, laute Musik. Am Eingang des Weihnachtsmarktes musizieren zwei junge Männer mit Saxophon und Posaune. Es sind zwar keine Weihnachtslieder, machen aber Stimmung.

Auf dem Markt laufen aus den Boxen meist US-Songs der Sechziger und Siebziger Jahre zum Mitsingen. Nur einmal habe ich einen lettischen Volkschor gehört, der mir wirklich gefallen hat. Die Völker des Baltikums singen gerne – es gibt in Nachbarland Estland auch den Ausdruck der singenden Revolution. Und ich habe gehört, dass viele Letten in einem Chor sind – das gefällt mir.

Im Zentrum des Weihnachtsmarktes steht eine große, geschmückte Tanne. Auf der Spitze ist ein Hahn angebracht. Der Hahn ist in Riga ein Tier, das man immer wieder im Straßenbild sieht. Ich habe sogar in einer Kneipe ein Bier getrunken, dass über 200 Hähne in allen Formen ausgestellt hat. Für meine Frau ein Fest, betreibt sie doch den Blog Hahnologie. Sogar auf der Unisex-Toilette gibt es ein Hinweisschild auf Hähne.

Riga – sinnvolle und sinnlose Superlative im Tourismus

10. Januar 2020
Brauchen Tourismusorte wirklich immer Superlative?

Brauchen Tourismusorte wirklich immer Superlative?

Tourismusorte werben mit Superlativen. Der schönste Ort, der höchste Ort, der interessanteste Ort … Blablabla. Da werden noch so kleine Details zu Superlativen aufgebauscht, um Touristen anzulocken. Das hat vielleicht im vergangenen Jahrhundert funktioniert, doch heute? Gerade komme ich aus Riga, der Hauptstadt Lettlands im Baltikum, zurück und mir schwirrt der Kopf vor lauter Superlative. Ich möchte mal drei nennen, die ich komplett unterschiedlich bewerte: Der älteste Christbaum der Welt, ein Baum so alt die die Pyramiden und der nördlichste Roland der Geschichte.

Älteste Christbaum stand in Riga
Auf dem Platz vor dem Rathaus in Riga steht ein Denkmal, dass es in Riga den ältesten Christbaum der Geschichte gegeben haben soll. Es wurde eine Schrift gefunden, die das beweisen soll, das 1510 in Riga der erste Christbaum stand. Schnell wurde ein Denkmal mit dem Superlativ aufgestellt und die PR-Trommel gerührt. Also soll im Jahr 1510 vor dem Schwarzhäupter-Haus die erste öffentlich aufgestellte und geschmückte Tanne gestanden haben. Offiziell verkündete die Stadt: „Riga ist die Geburtsstätte des ersten Weihnachtsbaumes, der bereits 1510 aufgestellt und dekoriert wurde.“ Bisher erinnere eine im Kopfsteinpflaster eingelassene Gedenktafel – und seit 2017 eine enthüllte Mini-Tanne aus Bronze. Bei meinem Besuch stand zudem ein echter Christbaum neben der künstlichen Tanne.
Experten halten den Superlativ für übertrieben. Zwar wurde 1510 ein Baum erwähnt, allerdings handelt es sich hier einen Fastnachtsbaum und nicht um einen Christbaum, wie mir ein Historiker bestätigte. Naja, ob das also mit dem ältesten Christbaum so stimmt, sei dahingestellt, aber Hauptsache Superlative.

Ein Stück Eiche mit 3500 Jahren
Und gleich noch eine Superlative, die aber wirklich eindrucksvoll ist. Beim Wiederaufbau des im Zweiten Weltkriegs abgebrannten Rathauses wurde ein Baumstamm einer Eiche gefunden, der rund 3500 Jahre alt ist. Er wuchs vor 3500 Jahren am Fluss Düna (Daugava), der Riga durchfließt. Und jetzt die Superlative: Vor 3500 Jahren wurde Ägypten von Pharao Tutanchamun regiert – also ein schöner zeitlicher Vergleich. Der Baum, bzw die Reste der Eiche, sind in der Rathauspassage ausgestellt.

Der nördlichste Roland
Der Roland ist ein Standbild eines Ritters und symbolisiert das Stadtrecht. Und – hier die Superlative – die nördlichste Roland-Figur steht in Riga am Rathausplatz vor dem Schwarzhäupter-Haus. Auf dem Schild des Ritters ist das Wappen der Stadt Riga zu sehen. In der anderen Hand hält der Roland ein Richtschwert. Der Roland symbolisierte die Eigenständigkeit einer Stadt mit Marktrecht sowie Gerichtsbarkeit. Der Roland von Riga wurde 1412 errichtet und schon 1474 und 1896 ersetzt. Heute steht er im Nationalmuseum und an seiner Stelle am Rathaus eine schöne Kopie aus dem Jahre 1999 fahren.

Was machen die Bremer Stadtmusikanten in Riga?

9. Januar 2020
Etwas erstaunt war ich als ich die Bremer Stadtmusikanten in Riga traf.

Etwas erstaunt war ich als ich die Bremer Stadtmusikanten in Riga traf.

Als ich so durch die Altstadt von Riga, der Hauptstadt Lettlands spazierte, hatte ich den Eindruck, dass nicht die hohe Petrikirche die Attraktion der Stadt ist, sondern eine Skulptur der Bremer Stadtmusikanten. Moment – Bremer Stadtmusikanten in Riga, was soll das?

Sie befindet sich auf der Südseite der Scharrenstraße (Skārņu iela) nördlich der Petrikirche in der Rigaer Altstadt und sie ist der Publikumsmagnet. Es bilden sich lange Schlangen vor der Skulptur, um ein Selfie zu machen. Aber die Tiere gelten auch noch als Glücksbringer. Wer die Schnauzen/Schnabel der Tiere Esel, Hund, Katze und Hahn berührt, der hat Glück. Nun, zum Hahn muss man ganz schön hoch springen. Insgesamt sind die Bremer Stadtmusikanten in Riga drei Meter hoch. Nachdem Heerscharen von Touristen die Tiere berührten, führte es dazu, dass die Schnauzen der Vierbeiner und der Schnabel des Hahns inzwischen Gold sind, während der restliche Körper noch in schwarzer Bronze ist.


Aber nochmal: Was machen die Bremer Stadtmusikanten in Riga? Ganz einfach: Die Patenstadt von Bremen ist die lettische Hauptstadt. Die Skulptur, geschaffen von Christa Baumgärtel, wurde 1990 von der Stadt Bremen offiziell geschenkt.
Aber die Skulptur ist nicht einfach nur eine Kopie der 1953 von Gerhard Marcks erstellten Bremer Stadtmusikanten aus Bremen, sondern es steckt eine interessante Geschichte dahinter.
Die Tiere in Riga schauen zwischen zwei schwarzen Metallstreben durch und sie schauen überrascht. Das Werk symbolisiert die Öffnung des eisernen Vorhangs und die eintretende Überraschung. Die Geschenk aus Bremen war 1990 und erst 1991 wurde Lettland unabhängig nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Wenn das keine Überraschung ist.