Archive for the ‘Aufgelesen’ Category

Brunch bei 100Wasser Berlin

15. Oktober 2017

Berlin bietet Hunderte von Kneipen und Lokale und spontan marschierte ich zum Frühstücken in das Café 100Wasser in Berliner Simon-Dach-Straße im Stadtteil Friedrichshain. Und mir begegnete eine Frage, die ich sonst von München kenne: „Haben Sie reserviert?“


Hatte ich nicht und hatte dennoch Glück einen kleinen Tisch auf der Empore zu bekommen. Dabei hatte ich Angst vor eben dieser zu fallen. In München wäre wohl die Gewerbeaufsicht tot umgefallen. Das Café war an einem Sonntag Vormittag rappelvoll voll und entpuppte sich als typisches Lokal nach dem Motto „wo kann man denn in Berlin brunchen?“ Entsprechend war das Gedränge am Buffet. Anstehen – bei so manchen Besucher war eine Gier zu erkennen. Scharenweise Senioren luden sich die Teller mit Speisen für Frühstück und Mittagessen auf. Tee gab es im Preis inklusive. 10,50 Euro kostet der Brunch – daher war entsprechend viel los. Dabei gab es genug, wirklich genug zu Essen. Weil es regnete, blieb ich und ertrug die Hektik, probierte hier und da etwas, trank ein, zwei Cappuccini und schaute mir das Treiben an. Das Café war nett eingerichtet, erinnerte mit seinen Wandmalereien freilich an Friedrich Hundertwasser. Das lenkte ein wenig von der Schlacht am Buffet ab.

Das Angebot der Speisen war günstig und üppig. Wer allerdings feine Küche erwartete, der wurde enttäuscht – satt wurde aber jeder und die sehr freundlichen Bedienungen füllten die Schalen immer wieder auf. Oftmals haben aufgrund des Gedränges die jungen Kellnerinnen nicht nach, die Bestellungen aufzunehmen. Draußen gab es auch Plätze, aber aufgrund des Regens und der Kälte blieben sie leer.
Die Gretchen-Frage: Würdest du das Café 100 Wasser empfehlen? Ja, für den schnellen, preiswerten Hunger als Tourist. Nein, als kulinarischer Genießer der empfindlich auf Hektik beim Frühstück reagiert.

Wildes Plakatieren in Berlin

13. Oktober 2017
Straßenbild am Berliner Ostbahnhof.

Straßenbild am Berliner Ostbahnhof.

Werbung muss sein, das dachte ich mir bei einem Kurztrip nach Berlin. Und in der Hauptstadt fand ich die traditionelle Außenwerbung an Plakatwände oder Litfaßsäulen. Sie warben für Konzerte, Ausstellungen, Events – also wie überall in Deutschland auch. Als ich an Straßenlaternen kam, sah ich, wie sehr die Straßenlaternen von Werbung vereinnahmt wurden. Ein ähnliches Schicksal traf ich bei Ampel, Bushalteschilder und Mülleimerständer an. Überall Plakate, Flyer, Aufkleber – und das in mehreren Schichten. Jeder klebte irgendwas darüber.

Wildes Plakatieren in Berlin.

Wildes Plakatieren in Berlin.

Und wenn die Witterung auf diese Plakate einwirkt, dann löst sich der ganze Papierwust langsam in mehreren Schichten ab. Irgendwie entsteht urbane Kunst aus Werbung. Leute, die an der Ampel stehen, zupfen und ziehen an den Plakaten und so sieht es zerfleddert aus.
Gefällt mir es? Ja und nein – der Informationsgehalt und auch die Werbewirkung gehen flöten und es entsteht eine eigenartige Art von Kunst. Ich habe so etwas in München nicht gesehen, in Berlin an allen Ecken. Parties, Konzerte, Bücher, Theater, Ausstellungen, Musicals, Comedy, Filme, Tanz und Sport – alles im Grunde eine Wildplakatierung, aber scheinbar interessiert es in Berlin niemanden. Es ist der Kampf um die besten Plätze und ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt eine Werbewirkung erzielt wird. Agenturen werben direkt mit der illegalen Plakatierung, scheinbar ohne negative Konsequenzen: „Im Gegenteil zur klassischen Außenwerbung (Bahnhöfe, Liftfass, Busse, … ) sind wir durch Wildplakatierung nicht an die Grenzen der regulären Werbeflächen gebunden. Wir bringen Ihre Plakate in beliebiger Stückzahl direkt in ganze Stadteile, Szenekieze oder bestimme Straßen – und das zu einem Bruchteil der Kosten.“

Was denkt ihr? Tragen diese wilden Plakate zur Verbesserung des Berliner Stadtbildes bei? Stört es dich als Spießer? Oder darf Kunst alles?

50. Todestag von Ernesto „Che“ Guevara – Buchtipps

9. Oktober 2017
Che im Amerika Haus Berlin für einen Euro.

Che im Amerika Haus Berlin für einen Euro.

Für die einen ist er ein Freiheitskämpfer gewesen, für die anderen ist er ein Terrorist. Manch einer sah in ihm ein Idol, andere wiederum verteufelten ihn. Eines ist aber ganz gewiss: Che ist ein eine Kulturikone des 20. Jahrhunderts geworden. Heute jährt sich sein 50. Todestag.
In den Studentenbuden der sechziger und siebziger Jahre hing sein Poster an den Wänden. Beim RAF-Terroristen Andreas Baader hing ein Bild in seiner Zelle. Im kommunistischen Kuba hängt sein Abbild an jeder Ecke. Mal sehen, wer den Todestag von Ernesto Rafael Guevara de la Serna, genannt Che Guevara, begeht. Die Gazetten sind voll von Che. Vor kurzem wurde die Landshut zurück nach Deutschland transportiert. Im Deutschlands heißem Herbst trug einer Landshut Entführerin ein T-Shirt von Che – von wegen Freiheitskampf und so.
Ches berühmtestes Foto stammt von Alberto Korda aus dem Jahre 1960. Es wurde beschnitten und ein wenig nachbearbeitet. Das Resultat schlug ein, wie eine Bombe und wurde immer wieder reproduziert. Es gehört sicherlich zu den meist verbreitesten Motiven in der Fotografie, hat aber seinem Fotografen kein Geld eingebracht. Für manche gilt der argentinische Kämpfer als Synonym für Widerstand, Emanzipation und Rebellion. Ich habe neulich im Amerika-Haus Berlin (!) eine Postkarte von Che gesehen. So kommt Kapitalismus und Kommunismus zusammen. Die Postkarte kostete einen Euro.
Ich selbst habe ein paar Porträtbilder von Che aus Kuba mitgenommen. Und eine rote Fahne mit dem Antlitz von Che Guevara hab ich mir in Kuba gekauft und seitdem nicht ausgepackt. So eine große Rolle spielt Che in meinem Leben dann doch nicht. Ich persönlich fand das Porträt von Andy Warhol am besten und werde mir mal einen Druck besorgen.
Irgendwann hatte sich Che bei der Revolution verzettelt. Er gab seinen Job als Minister in Kuba auf und machte wieder ein bisschen Revolution und wollte die Welt befreien. Er wollte den Volksaufstand in Bolivien vorantreiben. In Bolivien wurde er 1967 von bolivianischen Regierungssoldaten gefangengenommen und heute vor 50. Jahren erschossen.
Irgendwie seltsam, dass bolivianische Politiker die Idee hatten, den Todestag von Che zu feiern. Die Militär des lateinamerikanischen Staates schüttelten den Kopf und die Feierlichkeiten für den Terroristen Che wurden abgeblasen. Und die Kommunisten in Kuba stilisierten Che nach seinem Tod zum Märtyrer und Idol. Nach seinem Tod wuchs der Ruhm von Che weiter an. Und das Interesse an diesen Berufsrevolutionär geht bis ins 21. Jahrhundert. Daher ist es kein Wunder, dass zum 50. Todestag das interessante Buch Che Guevara von Matthias Rüb bei Reclam erschienen ist. Matthias Rüb ist Lateinamerika-Korrespondent der FAZ, also einer Zeitung, die traditionell dem linken Gedankengut eher skeptisch gegenüber steht. Er widmet sich in seinem Buch nicht nur dem Revolutionär, sondern auch dem Menschen Ernesto „Che“ Guevara. Reclam stellte mir das Buch für meinen Blog kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung und ich möchte nach der ausführlichen Lektüre es empfehlen.
Rüb ist ein gelernter Journalist, daher lesen sich die 100 Seiten des Büchleins sehr flüssig. Ich hatte schon sein Buch über den Kosovo-Krieg gelesen. Natürlich lässt sich das Leben und Wirken von Che bei Wikipedia auch nachlesen, doch Matthias Rüb Schreibstil ist einfach besser.
Als Jugendlicher schmökerte ich einstmals in Ches Bolivianisches Tagebuch und sah mir 2004 auch den verklärten Kinofilm Die Reise des jungen Che an, in dem Che mit dem Motorrad durch Südamerika bretterte. Matthias Rüb räumt mit diesem verklärendem Mythos schnell auf.
Dann habe ich ein wenig in meinem Archiv gekramt und ein interessantes Fotobuch gefunden. Fidel’s Cubastammt von 1998 und zeigt die Revolution in Bildern. Im Mittelpunkt der Fotografien von Osvaldo und Roberto Salas steht natürlich der Maximunm Leader Fidel, aber auch von Che Guevara sind einige interessante und stimmungsvolle Aufnahmen zu finden. Wer es noch im Antiquariat findet, sollte zuschlagen. Text auf Englisch und Bilder in Schwarzweiß lohnen sich.
Also, Ernesto „Che“ Guevara – Ruhe in Frieden: Dein Ausruf „zwei, drei, viele Vietnams“ zu schaffen hat nicht immer so geklappt und die Parole „Auf immer bis zum Sieg – Hasta la Victoria siempre“ wird immerfort von der politischen Linken gerufen.

Deutsche Einheit: Als DDR-Bürger in Hof eintrafen

6. Oktober 2017

Ein paar Tage nach dem 3. Oktober kommt mein persönlicher Tag der Deutschen Einheit. Bei meinen Seminareisen komme ich viel in Deutschland herum und machte auch im oberfränkischen Hof Station. Dort am Hofer Hauptbahnhof ist ein besonderer Platz der Überwindung der deutschen Teilung.

Ein Denkmal am Hofer Hauptbahnhof.

Ein Denkmal am Hofer Hauptbahnhof.

Immer wenn ich das Video aus der Deutschen Botschaft in Prag sehe, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher verkündete im Oktober 1989 den DDR-Flüchtlingen in der bundesdeutschen Botschaft ihre Ausreise und die Stimme von Genschman geht im Jubel der Flüchtlinge unter. Mit dem Zug reisten die Botschaftsflüchtlinge über Hof aus. Dazu wurde als Erinnerung ein Denkmal aufgestellt. „Der Mut und das Durchhaltevermögen der Menschen dort war ein Meilenstein zur Überwindung der Deutschen Teilung“, heißt es zur Begründung. Der Entwurf für dieses Denkmal stammt von der Staatlichen Fachschule für Produktdesign Selb von Florian Rotbauer.


Das Denkmal besteht aus drei Steinstehlen mit eingelassenen Schrifttafeln. Dort steht nochmal die Geschichte der Ausreise beschrieben. 4500 DDR-Bürger flohen in die bundesdeutsche Botschaft nach Prag. Das diplomatische Ringen begann. Genscher kam am 30. September 1989 und gab um 18:58 Uhr vom Balkon der Botschaft bekannt:

„Liebe Landsleute,
wir sind zu Ihnen gekommen,
Um Ihnen mitzuteilen,
Dass heute Ihre Ausreise“
Schreie, Jubel
„… in die Bundesrepublik Deutschland möglich geworden ist.“

 

Am 30. September 1989 verlassen sechs überfüllte Züge Prag. Die Ausreisegenehmigung verknüpfen die SED-Diktatoren mit der Bedingung, dass die Zufahrt demonstrativ noch einmal über das staatliche Territorium der DDR führen müsste. Grund der Genossen: Die Botschaftsflüchtlinge können nur vom Boden der DDR aus der ostdeutschen Staatsbürgerschaft entlassen werden. Also ging die Zugfahrt über Dresden und Plauen, bevor sie an in Hof die Bundesrepublik erreichten. Die Bilder von damals hab ich noch immer im Hof. Am 1. Oktober 1989 um 6:14 Uhr trifft der erste Zug mit 1210 Flüchtlingen in Hof ein.

In den Folgetagen kamen 8000 ehemalige DDR-Bürger in Hof an und die Bevölkerung und Stadt Hof nahm die Menschen mit beispielhafter Gastfreundschaft auf. Daran sollten wir uns bei der anhaltenden Flüchtlingsdebatte immer wieder erinnern.
Der Bahnhof Hof selbst ist eine Augenweide. In meinem 360 Grad Video mache ich einen Rundgang durch den Bahnhof und erzähle die Geschichte des tollen Baus.

 

Berlin hat Mülleimer mit frechen Sprüchen

2. Oktober 2017

Sie haben so nette Aufdrucke wie „Kippendiener“, „Häufchenhelfer“ oder „Würstchenbude“. Gemeint sind die Berliner Mülleimer. In Knallorange zieren sie die Straßen von Berlin und zaubern mir ein Lächeln auf die Lippen, wenn ich daran vorbeigehe.

Ähnliche Mülleimer habe ich bereits in Hamburg gesehen und ausführlich darüber gebloggt. Jetzt sind mir diese Mülleimer in der Hauptstadt Berlin aufgefallen. Wer die Idee eher hatte, weiß ich nicht, aber Spaß macht sie allemal.In meiner Heimatstadt München sind sie eher grau trist.
Orange ist eine frische Farbe und die orangen Müllereimer, die an Straßenlaternen angebracht sind, fallen auf. Und das sollen sie auch, denn in einer Touristenstadt wie Berlin fällt viel Müll an. Und bevor Schmutzfinken den Müll einfach auf den Boden werfen, kommt er in die Tonnen rein. Die Berliner Stadtreinigung BSR hat einiges zu tun, die vollen Tonnen zu leeren.
Mehr als 130.000 Euro hat die Berliner Stadtreinigung (BSR) im Jahr 2014 für den Ersatz oder die Reparatur von alten, kaputten oder zerstörten Papierkörben und Mülleimern ausgegeben. Deppen gibt es überall, die Mülleimer zerstören und damit Kosten für den Steuerzahler produzieren.

Berlin wäre nicht Berlin, wenn diese Mülleimer nicht gleich von irgendwelchen mitteilungsbedürftigen Menschen verziert oder beschmiert werden: Sprüche, Aufkleber, Farbe, Graffiti – alles ist zu finden in den orangen Mülleimern mit den freundlichen Aufschriften. „Danke für die Hot Dogs“, „Gib Gummi“, „Gib‘s mir!“, „Für die Zigarette danach“, „Flotte Charlotte“ – diese Sprüche habe ich bei einem eintägigen Berlinaufenthalt gefunden.

Restauranttipp: Grüner Baum in Premach – Hähnchen pur

29. September 2017

Bei meinen Medienkompetenz-Vorträgen verschlägt es mich in viele Gegenden Deutschland, zuletzt nach bayerisch Schwaben. Bei der Rückfahrt machte ich in einem meiner Lieblingswirtshäuser Station. Im Grünen Baum in Premach.
Dort gibt es keine abwechslungsreiche Sterneküche, die ich auch gerne genieße, hier gibt es ganz bodenständige Hausmannskost. Es gibt Hähnchen, eigentlich gibt es Gockel/Gockl/Goggl – irgendwie wie Google ohne e. Ihr seht, ich tu mich schwer mit dem schwäbischen Dialekt. Vielleicht gibt es beim Grünen Baum auch noch was anders als Hähnchen bzw. Hendl (ich bleib bei der oberbayerischen Variante). Das kann schon sein, aber mein Lieblings- und Standardgericht ist dort Hendl mit Pommes.


Seit 57 Jahren gibt es den Grünen Baum. Wirt Thomas Mayer treibt die Wirtschaft samt schönen Biergarten um. Als meine Frau und ich kurz vor Schluss noch hereinkam, war der Gastraum fast leer, die Küche bereits am Schließen. Thomas Mayer erbarmte sich und servierte uns noch zwei halbe geliebte Geflügeltiere. Lecker. Der Grüne Baum ist in der Gegend bekannt, wobei die Hochzeiten der Wirtschaft in den Neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren. Der Umsatz an Hendl ist heute zurückgegangen, die Konkurrenz ist größer geworden. Aber auf treue Stammkunden kann der Grüne Baum weiterhin zurückgreifen. Der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel wohnte in der Gegend und schaut dann und wann vorbei. Und auch Besucher des Klosterkomplexes Ursberg sind immer wieder zu sehen. Der Einzugsbereich reicht rund 50 Kilometer um Premach herum, also von Memmingen, Dillingen und aus dem wunderschönen schwäbischen Naherholungsgebiet Stauden.

Der Gastraum der Wirtschaft ist einfach gehalten. Gebrandet wird mit ein paar Hahnfiguren, sonst ist alles einfach reduziert. Hier war kein Innenarchitekt am Werke, sondern die Wirtschaft ist gewachsen. Im Herrgottswinkel hängt der Jesus, ein Collage über die Entwicklung der Mark hängt auf der anderen Seite des Gastraums. Die einfachen Holztische haben keinen großen Schmuck. Einfach ein Deckchen, die Salz- und Pfefferstreuer – das wars.
Bevor die Hendl kommen, gibt es zwei Scheiben frisches Brot samt Besteck, Ketchup und Zitrusreinigungstücher zum Entfetten der Hände im Anschluss an das köstliche Mahl.


Die Hendl kommen ebenso wie die Pommes aus der Fritteuse. Ketchup ist standardmäßig dabei. Als Besteck gibt es eine Gabel und fertig. Mit den Fingern wird gegessen, so schmecken Hendl am besten. Für mich ist das ein wunderbares Erlebnis. Ich konzentrierte mich aufs Essen, während meine Frau im schönsten Schwäbisch die Gespräche führt. Den Inhalt hab ich allerdings nicht verstanden.

 

Kennen Sie die Coburger Erker?

27. September 2017

Zu Coburg habe ich eine ganz besondere Beziehung. Ein Teil meiner Familie stammt aus der Herzogsstadt und ich arbeite immer wieder in diesem Ort, der sich nach dem zweiten ersten Weltkrieg freiwillig Bayern anschloss. Zur Spezialität gehört unter anderem die Coburger Bratwurst. Und wenn ich so am Marktplatz am Prinz-Albert-Denkmal herumstehe, fallen mir die Coburger Erker auf.

Anstehen für eine Bratwurst in Coburg

Anstehen für eine Bratwurst in Coburg

Erker gibt es natürlich viele, gerade in historischen Städten. Aber Coburg hat ganz spezielle, eben die Coburger Erker.
Der Coburger Erker ist eine Variante des Eckerkers, die so nur in Coburg gebaut wurde. Der Erker stammt aus dem Ende des 16. Jahrhunderts und zeichnet sich durch drei architektonische Besonderheiten aus. Das sind eine tragende Säule vor der Hausecke, eine zweistöckige Konstruktion und der Abschluss durch eine welsche Haube – so sagt es Wikipedia.


Und wenn ich so in Ruhe meine Bratwurst esse, mache ich mich auf die Suche nach den Original Coburger Erkern. Im Stadtbereich gibt es insgesamt fünf dieser Originalerker und zahlreiche Nachbildungen. Und ich habe Glück, am zentrale Marktplatz finde ich gleich welche. Da ich für eine zweite Bratwurst anstehe, habe ich einen Erker im Rücken. Im Coburger Stadthaus, gegenüber dem Rathaus, gibt es an der Gebäudeseite zum Markt gleich zwei dieser besonderen Erker. Da im Moment die bayerische Landesausstellung in Coburg stattfindet, lohnt sich der Besuch von Coburg auf jeden Fall und wenn man schon mal da ist, kann man auch Erker anschauen.

Pop Art-Künstler Tom Boston in Schloss Nymphenburg

25. September 2017

Als ich die Ausstellung von Tom Boston im Münchner Schloss Nymphenburg betrat, wurde ich schlagartig in meine Kindheit versetzt. Und ich fühle mich wohl. Tom Boston sorgte für eine persönliche Zeitreise mit „My Heros“. Auf Einladung der Galerie Mensing präsentierte er Pop Art-Kunst meiner Idole.

Tom Boston wurde 1970 geboren und ist damit zwei Jahre jünger als ich. Und wurden wir mit den gleichen Figuren der Populärluktur sozialisiert. In seiner Ausstellung traf ich auf Micky Mouse, Bugs Bunny, die Muppets, Lucky Luke, Homer Simson, den rosaroten Panther und viele mehr. Alles Ikonen der Popkultur, die der aufsteigende Stern am Kunsthimmel humorvoll verarbeitet.
Tom Bostons Kunst macht Freude, macht unheimlich gute Laune. Als ich durch die Ausstellung flanierte, ging mir im wahrsten Sinne des Wortes das Herz auf. Schlagartig verliebte ich mich in mein Idol Snoopy mit Woodstock. Faul liegt der Beagle auf dem Rücken, Bauch in die Luft gestreckt und auf dem Gipsfuß sitzt Woodstock mit dem Regenschirm. Die Technik Sprayfarbe und Schablonen-Graffiti setzt er kreativ ein. Er setzt die Figuren auf Ikonen der Fotografie oder Malerei. Lucky Luke steht The Duke John Wayne aus Die Comancheros von Michael Curtiz gegenüber.


Eine Ikone der Pressefotografie wird verarbeitet: Der Sieg von Boxer Ali über Sonny Liston, fotografiert von John Rooney für Associated Press, wird herangezogen und Liston durch Home Simpson ausgetauscht.


Humor hat Tom Boston als er Marylin Monore von Andy Warhol mit Bugs Bunny kombiniert, der das Schönheitsideal mit Farbtopf und Pinsel verschönert und sich davonmacht.


Etwas schwer tat ich mich mit Rembrands Die Nachtwache in Kombination mit Bugs Bunny, der eine Getränkedose zerquetscht. Sternchen ums Bild – das war nicht so mein Fall. Aber nicht jede Kunst muss gefallen.


Sammler sollten sich Tom Boston als Wertanlage ins Auge fassen. Die Resonanz in München war enorm. Das Publikum schaute sich interessiert die Werke an, zahlreiche wurden auch verkauft. Tom Boston meint, dass seine Werke aufgehängt werden, um Freude zu machen. Ich wäre so ein Sammler, aber es gab auch einige zahlungskräftige Besucher, die Boston als Wertanlage für einen steigenden Kunstmarkt sahen.

Hier ein Interview, das ich mit dem Künstler geführt habe.

 

Haderner – Besuch bei Münchens erster Biobrauerei

20. September 2017

„Wir haben nur ein Standbein und das ist Qualität“ – so fasste Braumeister Johannes Perniß die Philosophie der ersten Münchner Biobrauerei Hadernder Bräu München zusammen. Seit Jahresbeginn erobert sich die neue Biermarkte ihren kleinen, aber feinen Markt. Auf Einladung des Bloggerclubs fand eine Brauereiführung und Bierverkostung in den Räumen der Biobrauerei im Münchner Stadtteil Hadern statt. Hier ein 360 Grad Video.

Mit Hadernder einen Lebenstraum verwirklicht
Die Brauerei ist ein klassischer Familienbetrieb. Veranstaltungstechniker Thomas Girg und seine Frau Marta erfüllten sich mit dieser Brauerei einen Lebenstraum. Thomas Girg, der u.a. für die Körperwelten arbeitete, hatte genug vom Reisen und seine Frau arbeitet im Schlossgut Oberambach, das renommierte Biohotel am Starnberger See. Nachdem sie auch mal ein Jazzfestival gegründet hatte, bekamen sie das Angebot eine kleine Brauerei in Hadern zu übernehmen. Thomas hatte sich als Biersommelier und Marta als Weinsommeliere fortgebildet und gute Erfahrungen mit dem Bierbrauen als Hobby gesammelt. So fiel Weihnachten 2015 die Herzensentscheidung und sie erwarben die kleine Brauerei in München.

Der Name Haderner
Nach viel Hirnschmalz und Brainstorming, bei denen auch die Vereine und Nachbarschaft der Brauerei einbezogen wurden, entstand der Name Haderner. Seit Januar 2017 wird unter diesem Namen das Bier gebraut. Das Logo der Flasche ziert ein Baum. Und dahinter verbirgt sich eine nette Geschichte. Marta Girg war mit dem Rad unterwegs und fuhr durch den Haderner Wald. Hadern bedeutet „Volk am Wald“. Hadern war ursprünglich ein Bauerndorf und wurde erstmals im 11. Jahrhundert unter dem Namen Haderun erwähnt. Und schon war das Logo geboren und musste nur noch vom Grafiker umgesetzt werden.

1000 Liter Haderner Bier pro Tag
Die Biobrauerei produziert 10 Hektoliter Bier pro Tag, also 1000 Liter. Versorgt werden vor allem Biomärkte, Bioläden und Biofeste sowie Biorestaurants. Freitag kann der interessierte Kunde von 15 bis 18 Uhr in der Brauerei direkt vorbeischauen und sich sein Wunschbier zusammenstellen und mitnehmen. Wer die Ökokiste München abonniert hat, kann auch das Hadernder Bier dazu ordern. Hier findet sich traditionelle Braukunst in der ersten Bio-zertifizierten Brauereien Münchens. Bio boomt, das zeigt das wachsende Geschäft mit dem Biobier. Dabei ist das Wachstum begrenzt, wenn die Zutaten ausbleiben oder die Qualität nicht stimmt. Braumeister Johannes Perniß ist streng bei der Qualitätskontrolle. „Die Rohstoffbeschaffung ist ein sehr wichtiges Thema bei uns“. Im Moment findet die Hopfenernte sehr spät statt. Beim Gerstenjahr gibt es Hinweise auf eine schlechtere Ernte. „Wir produzieren hier ein ehrliches Bier“, so Perniß, der sehr viel Wert auf Transparenz liegt. „Unsere Kunden können jederzeit erfahren, woher wir unsere Produkte beziehen.“ Für ihn ist Bier, sein Bier ein ganz persönliches Produkt.
Die Bier sind ebraut nach dem bayerischem Reinheitsgebot mit biologischen Zutaten aus der Region.
Haderner Hell: Ein vollmundiges naturtrübes Bier, süffig und angenehm perlend, für jeden Freund handwerklich gebrauter Biere.
Haderner Weißbier: Bayerisches Weißbier, angenehm erfrischend und vollmundig, mit leichter Fruchtnote.
Haderner Dunkel: Echtes Dunkles Bier, nach alter Münchner Rezeptur. Sehr ausgewogen, mit leichten Bitterstoffen.
Haderner IPA: Bayerisches India Pale Ale. Schön ausbalancierte Bitternote, mit Zitrus-Aromen des verwendeten Hopfens.
Im Moment braut Johannes Perniß ein Festbier und ich durfte vorab eine Kostprobe genießen. Wunderbar, einfach Wunderbar. Och muss dringend schauen, dass ich einen Kasten kaufe, wenn das Bier marktreif ist.

Ein Whisky-Bock vom Haderner
Glück hatte ich, dass ich eine der streng limitierten Flaschen eines speziellen Whisky-Bocks ergatterte. Insgesamt gibt es nur 400 Flaschen. Familie Girg traf auf einen Schweizer Braumeister, der sich spontan bereit erkläre, einen Whisky-Bock zu brauen. Die Fässer kamen von der Brennerei Martin Meier aus Neuravensburg. Dort wurde Allgäuer Single Malt gelagert. Herausgekommen ist ein heller Bock mit leichtem Whisky Geschmack.

Ardbeg An Oa – Single Malt 2017

15. September 2017

Whisky-Tasting ist immer ein Spaß – vor allem wenn ein Single Malt von Ardbeg in den Gläsern ist. Am 1. Oktober erscheint die neue Kreation Ardbeg mit dem ungewöhnlichen Namen An Oa. Ardbeg stellte mir vorab eine Probe zur Verfügung, die ich auch zugleich mit meinem Food-Blogger Kollegen Thomas Gerlach verköstigte. Das Resultat gibt es hier in diesem Video zu sehen.

Der „Mull of Oa“ ist der südwestliche Ausläufer der schottischen Hebrideninsel Islay, auf der ich immer noch nicht war. Der Ardbeg An Oa ist somit eine Hommage an diese Gegend, ich finde es eine schöne Idee. In einem ehemaligen Getreidespeicher der Ardbeg Destillerie eingerichtet, verfügt der neu erbaute Gathering Room über ein großes stehendes Holzfass aus feinster französischer Eiche. Hier wird der Arbeg An Oa zum Leben erweckt, wie Ardbeg in seiner Pressemitteilung schreibt. Partien wertvoller Pedro Ximénez Fässer vermischen sich mit der Würze aus neuen Eichenfässern sowie der typischen Ardbeg-Intensität ehemaliger Bourbon-Fässer. Soweit der Hintergrund des 46,6 prozentigen Getränks.
Viel wichtiger ist der Geschmack. Als Freund dieser Destillerie habe ich einige Ardbegs schon verkostet und war sehr neugierig auf den neuen Wurf. Nach der Verköstigung steht für mich fest: Gelungen, absolut gelungen und Ardbeg An Oa wird auch meiner Frau schmecken.

Ardbeg An Oa – offizielle Tasting Notes
Ich halte mich jetzt an den Waschzettel, der von Ardbeg versendet wurde. Hier also die offiziellen Tasting Notes:
An der Nase:
Rund, mit subtilem Apfelholzrauch, weichem Toffee, Anis, Melasse und Datteln. Noten von saftigen Früchten wie Pfirsich, dazu Banane. Mit einigen Tropfen Wasser die klassischen Ardbeg-Noten mit Limone, Pinienharz, Fenchel, Leder mit Seife und Teer. Ein leichter Wachsgeruch, wie von flüssigem Kerzenwachs, mit einem Hauch geräucherter Kräuter, insbesondere Oregano und Basilikum.
Am Gaumen:
Sanfte, cremige Textur, die zu einer großen Sirupsüße führt, mit Noten von Milchschokolade, Melassetoffee, Anis, Orange und Lapsang Souchong Rauchtee. Sanfte, süße Gewürze wie Muskat und Zimt, etwas Zigarrenrauch und sehr außergewöhnliche Aromen gegrillter Artischocken. Langanhaltend und süß, mit floralen Untertönen, Minztoffee und den leicht malzigen Noten eines Kekses.
Im Nachhall:
Anhaltend verführerisch, dezent dennoch intensiv, mit Aromen von Anis, Hickory- Rauch und dem Geruch eines Holzfeuers in der Ferne.