Posts Tagged ‘Gastwirtschaft’

Heimatgeschichte erlebbar gemacht: Kirchwacht-Wanderung durch Maisach

19. Februar 2018
Treffen vor dem Rathaus Maisach.

Treffen vor dem Rathaus Maisach.

Zur Hochzeit habe ich von dem damaligen Bürgermeister Gerhard Landgraf eine Chronik über meinen heutigen Wohnort Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck geschenkt bekommen. Jetzt war es an der Zeit auf Einladung des CSU Ortsverbandes eine Kirchwacht-Wanderung unter Leitung von Ortsarchivar Stefan Pfannes durch die Gemeinde mitzumachen und Teile der Chronik live zu erleben. Fazit: So muss Heimatgeschichte vermittelt werden: Authentisch, kompetent und mit unheimlich viel Engagement.
Die Idee gefällt mir und hat hoffentlich viele Nachahmer. Immer wieder wird geklagt, dass die Gemeinden im Speckgürtel um München herum nur als Schlaf- und Trabantenstädte gesehen werden. Die Identifikation mit seinem Wohnort bleibt da oftmals auf der Strecke. Daher nahm ich das Angebot gerne an, mich mit meinem Wohnort näher zu beschäftigen und Heimatgeschichte lebendig zu erleben. Den politischen Ort Maisach mit seinen zahlreichen Vereinen kannte ich aus meiner beruflichen Vergangenheit als Lokalreporter. Den historischen Ort Maisach kannte ich nur aus Büchern oder Artikeln. Es wurde also Zeit, mal die Ortsgeschichte hautnah zu erleben.

Mit Fackeln ausgestattet begann am Rathausplatz die so genannte Kirchwacht-Wanderung durch zahlreiche Plätze der Gemeinde. Ortsarchivar Stefan Pfannes erläuterte sogleich den Begriff der Kirchwacht. Während zu alten Zeiten alle braven Katholiken in der Kirche am Gottesdienst teilnahmen, mussten ein paar ausgewählte Bürger durch das Dorf patrouillieren, um mögliche Feuer zu entdecken. Im Grunde waren diese Kirchwachtgänger die Nachtwächter in einem Bauerndorf, wie es Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck nun mal war. Und so gingen wir moderne Kirchwachtgänger von Ort zu Ort und genossen die Geschichte und Geschichten von Stefan Pfannes.

Bürgermeister Hans Seidel versorgte uns mit Fackeln.

Bürgermeister Hans Seidl versorgte uns mit Fackeln.

Pfarrer Schmidhammer-Haus in Maisach
Die erste Station war das Pfarrer Schmidhammer-Haus und das benachbarte Benefiziatenhaus in der Nähe der Maisacher St. Vitus-Kirche. Matthias Schmidhammer war Anfangs des 20. Jahrhunderts ein streitbarer Pfarrer, der die Geschichte des Bauerndorfes stark geprägt hat. Schmidhammer hat es anscheinend so gut in der Gemeinde gefallen, dass er seinen Ruhestand in Maisach verbracht hat.

Teil der Pfarrkirche Maisach ist ein Schwarzbau
Ich wusste beispielsweise nicht, dass ein Teil der Pfarrkirche St. Vitus ein Schwarzbau ist. Stefan Pfannes nannte ihn den schönsten Schwarzbau Maisachs. Die Kirche wurde immer wieder während des Baus vergrößert, auch einmal ohne behördliche Genehmigung. Erst der Bischof erteilte diesem Verstoß bei der Einweihung seinen Segen. Am heutigen Kirchenparkplatz stand zudem das erste Schulhaus der Gemeinde, wie ich auf der zweiten Station unserer Kirchwachtrunde erfuhr.

Der Maisacher Friedhof und die Mär von einer Gruft
Die Maisacher waren erfindungsreich und eine kleine Notlüge hilft dem Tourismus. So ging die Mär, die Maisacher Pfarrkirche habe eine Gruft, in der Kaiser Ludwig der Bayer beigesetzt sei. Pustekuchen. Maisach hat keine Gruft und keinen Kaiser, aber es wäre doch so schön gewesen. Vielmehr ist das Grab von Pfarrer Schmidhammer und anderer lokaler Familien auf dem Friedhof zu finden.

Bayerische Gebietsreform trifft Maisach
Ich hatte bei einer früheren Reise mal Bruno Merk kennen- und schätzen gelernt. Er war damals Innenminister, der die bayerische Gebietsreform vorangetrieben hat und bei vielen Bürgerinnen und Bürgern regelrecht verhasst war. Die Gebietsreform von 1972 war meiner Meinung sinnvoll gewesen, doch war der Streit damals sehr heftig. Ortsarchivar Stefan Pfannes berichtete von der Abgrenzung der Gemeinde im Norden, die durch den Fluss Maisach begrenzt war.

Die Gebietsreform hat tiefe Wunden geschlagen.

Die Gebietsreform hat tiefe Wunden geschlagen.

Das Freibad Maisach und das Wettern der Kirche
Zu wärmeren Zeiten besuche ich mit meiner Familie gerne das Maisacher Freibad. Es ist für mich ein Hochgenuss und gerne unterstütze ich den Betrieb des Bades mit dem Kauf einer Jahreskarte. Früher war das Maisacher Freibad ein klassisches Flussbad, das auch bei den Münchner sehr beliebt war. Sie fuhren nach Maisach mit dem Zug ins Freibad und im Süden zum Maisacher Sommerkeller. Der Sommerkeller gehört heute zu Fürstenfeldbruck und ist ein Swinger Club und hat wohl eine andere Kundschaft als damals. Interessant war, dass der beliebte Pfarrer Schmidhammer massiv gegen den Verfall der Sitten durch das Freibad wetterte. Nun, die katholische Kirche hat den Kampf verloren – das Freibad in Maisach blieb.

Der Strom für Maisach durch die Hallermühle
Die Stromversorgung in der alten Zeit wurde von der Hallermühle erledigt. Die Mühle versorgte das Bauerndorf mit elektrischem Strom. Es war die erste Stromversorgung aus dem Jahr 1910. Die Hallermühle war eine von fünf Mühlen in der Gemeinde Maisach. Interessant ist auch, nach welchem System die Hausnummerierung in der Gemeinde durchgeführt wurde. Es war schon etwas unübersichtlich, wie die Hausnummern in dem Dorf verteilt waren.

Die Schleichwege durch Maisach
Der wichtigste Weg in dem alten Bauerndorf war immer der Weg zur Kirche. Daher gab es in der Gemeinde einige Schleichwege, die wir natürlich auf unserem Kirchwachtgang benutzen mussten. Viele dieser Schleichwege gibt es allerdings heute nicht mehr.

Wein- und Schnapswirtschaften in Maisach
Die Idee einer weiteren Ortsführung wurde vor dem Kramerladen Hans Schamberger geboren: Die Führung durch die Maisacher Wirtshäuser. Die Gemeinde hatte viele Gasthäuser, die im Laufe der Zeit verschwunden sind. So gab es aufgrund eines Weinbergs in Diepoltshofen eine Weinwirtschaft, es gab eine Schnapswirtschaft und natürlich auch die Brauerei und die Traditionswirtschaft Schlammerl, früher Sturmwirt genannt.

Unter Denkmalschutz steht der Kramerladen, für mich einer der schönsten Orte der Gemeinde.

Unter Denkmalschutz steht der Kramerladen, für mich einer der schönsten Orte der Gemeinde.

Der Kramerladen Schamberger steht heute unter Denkmalschutz und verfällt aufgrund eines Streits einer Erbengemeinschaft. Für mich wäre das Haus eines der Schmuckstücke der Gemeinde, was auch Ortsarchivar Stefan Pfannes bestätigte. Ich erinnere mich als Jugendlicher noch den Laden betreten zu haben, aber das ist lange lange vorbei.

Maisachs Adolf Hitler Platz ist heute ein Kreisverkehr
Die Hauptkreuzung von Maisach ist im Osten gewesen bei der Straße, die nach Überacker führte. Durch den Bau des Fliegerhorstes wurde die Verbindung im Süden abgeschnitten. Interessant für mich war, dass der zentrale Platz im Nationalsozialismus der Adolf Hitler Platz war – heute ist ein Kreisverkehr dort zu finden.

Maisacher Brauerei als Attraktion
Die Brauerei Maisach gehört sicherlich zu den Hauptattraktionen des Ortes. Im Sommer gehe ich gerne in den örtlichen Biergarten und trinke die Maisacher Perle und das süffige Kellerbier. Bekannt ist auch das dunkle Räuber Kneissl Bier. Wir durften das Brauereimuseum besuchen und die alten MAN-Dampfmaschine von 1892 besichtigen. Ortsarchivar Stefan Pfannes berichtete humorvoll von der Geschichte der Brauerei, wie die heutigen Eigentümer wohl zu dem Anwesen gekommen seien.

Die Brauerei sei zum Verkauf gestanden und eine Notbremsung des Zuges von München nach Augsburg sorgte für den Besitzerwechsel. Im Brauereimuseum der Brauerei Maisach steht eine alte noch funktionsfähige Dampfmaschine. Brauereimitarbeiter Günther Huber erklärte die Funktionsweise der 1892 gebauten Dampfmaschine.

Restauranttipp: Grüner Baum in Premach – Hähnchen pur

29. September 2017

Bei meinen Medienkompetenz-Vorträgen verschlägt es mich in viele Gegenden Deutschland, zuletzt nach bayerisch Schwaben. Bei der Rückfahrt machte ich in einem meiner Lieblingswirtshäuser Station. Im Grünen Baum in Premach.
Dort gibt es keine abwechslungsreiche Sterneküche, die ich auch gerne genieße, hier gibt es ganz bodenständige Hausmannskost. Es gibt Hähnchen, eigentlich gibt es Gockel/Gockl/Goggl – irgendwie wie Google ohne e. Ihr seht, ich tu mich schwer mit dem schwäbischen Dialekt. Vielleicht gibt es beim Grünen Baum auch noch was anders als Hähnchen bzw. Hendl (ich bleib bei der oberbayerischen Variante). Das kann schon sein, aber mein Lieblings- und Standardgericht ist dort Hendl mit Pommes.


Seit 57 Jahren gibt es den Grünen Baum. Wirt Thomas Mayer treibt die Wirtschaft samt schönen Biergarten um. Als meine Frau und ich kurz vor Schluss noch hereinkam, war der Gastraum fast leer, die Küche bereits am Schließen. Thomas Mayer erbarmte sich und servierte uns noch zwei halbe geliebte Geflügeltiere. Lecker. Der Grüne Baum ist in der Gegend bekannt, wobei die Hochzeiten der Wirtschaft in den Neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren. Der Umsatz an Hendl ist heute zurückgegangen, die Konkurrenz ist größer geworden. Aber auf treue Stammkunden kann der Grüne Baum weiterhin zurückgreifen. Der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel wohnte in der Gegend und schaut dann und wann vorbei. Und auch Besucher des Klosterkomplexes Ursberg sind immer wieder zu sehen. Der Einzugsbereich reicht rund 50 Kilometer um Premach herum, also von Memmingen, Dillingen und aus dem wunderschönen schwäbischen Naherholungsgebiet Stauden.

Der Gastraum der Wirtschaft ist einfach gehalten. Gebrandet wird mit ein paar Hahnfiguren, sonst ist alles einfach reduziert. Hier war kein Innenarchitekt am Werke, sondern die Wirtschaft ist gewachsen. Im Herrgottswinkel hängt der Jesus, ein Collage über die Entwicklung der Mark hängt auf der anderen Seite des Gastraums. Die einfachen Holztische haben keinen großen Schmuck. Einfach ein Deckchen, die Salz- und Pfefferstreuer – das wars.
Bevor die Hendl kommen, gibt es zwei Scheiben frisches Brot samt Besteck, Ketchup und Zitrusreinigungstücher zum Entfetten der Hände im Anschluss an das köstliche Mahl.


Die Hendl kommen ebenso wie die Pommes aus der Fritteuse. Ketchup ist standardmäßig dabei. Als Besteck gibt es eine Gabel und fertig. Mit den Fingern wird gegessen, so schmecken Hendl am besten. Für mich ist das ein wunderbares Erlebnis. Ich konzentrierte mich aufs Essen, während meine Frau im schönsten Schwäbisch die Gespräche führt. Den Inhalt hab ich allerdings nicht verstanden.

 

Kurzbesuch im Wirtshaus im Gut in Wunsiedel

29. Dezember 2016

img_9607

Bei einem kurzen Abstecher in die wunderschöne Oberpfalz kehrte ich im Wirtshaus im Gut in Wunsiedel ein. Ich war begeistert von den Speisen, der Gastwirtschaft und vom ganzen Umfeld. Ich blieb nur eine Stunde, werde aber sicher wiederkommen und den Ort noch einmal genießen.
Im Jahre 1135 noch zu Lebzeiten Kaiser Barbarossas wurde das Gebäude erstmals urkundlich unter dem Namen „Gotefridesreut“ erwähnt. 1899 erwarb die Familie Grießinger aus Landsberg am Lech das Gut. Seit jener Zeit befindet es das Gebäude in deren Familienbesitz. 1999 kam es zur Eröffnung des Wirtshauses im Gut. Die Pächterfamilie Roland und Margit Gläßl beziehen das ehemalige „Austragshäusl“ gleich daneben.


Die Wirtsstube, in der ich Platz nahm, fasst 60 Sitzplätze. das Gewölbezimmer 60 Sitzplätze und die Galerie 20 Sitzplätze. Von der Küche war ich sehr angetan. „Nur Frisches und am Liebsten aus der Region!“ Diese Philosophie des Küchenchefs ist einfach und ehrlich. Die Speisen reichen von der hausgemachten Brotzeit bis hin zu aufwendigen Mehrgänge-Menüs. Grundlage sämtlicher Gerichte sind durchweg frische Produkte aus der Region, wenn möglich von umliegenden Betrieben aus der Nachbarschaft. Fangfrische Forellen vom eigenen (oder Nachbar‘s) Weiher – Wild aus gutseigener Jagd – Rind vom Bauern nebenan, traditionell zubereitet oder raffiniert kombiniert.


Das wird von den Gästen honoriert. Zudem erhielt das Wirtshaus im Gut zahlreiche Auszeichnungen wie Goldmedaille im Wettbewerb „Bayerische Küche“, Auszeichnung „Fränkische Einkehr“, die Auszeichnung „Oberfrankens Fisch – krönt den Tisch“ und für mich am Wichtigsten sind die Empfehlungen vom Guide de Michelin und Gusto.
Ich freue mich auf meinen nächsten Tripp in die Oberpfalz und werde mit Sicherheit ins Wirtshaus im Gut in Wunsiedel hereinschauen und länger die hervorragende Küche genießen.

Ewig von Bestand: die Wirtshausblöcke

31. Mai 2010
Der Wirtshausblock sieht seit Jahren gleich aus.

Der Wirtshausblock sieht seit Jahren gleich aus.

Seit Ewigkeiten gibt es diese Blöcke für Gastwirtschaften. Vieles wurde in unserer Mediengesellschaft modernisiert, auf CI getrimmt, angepasst oder umgestaltet – nur diese Blöcke nicht. Die EU mischt sich in vielen ein, warum nicht auch hier?

Zugegeben, die Blöcke erfüllen ihren Zweck tadellos. Die Biere des Abends werden zusammengefasst, dazu der Schweinshaxn und der Schnappes. Auf Sauberkeit kommt es nicht an, sondern auf Praxistauglichkeit. „Ziehst mich ab!“ habe ich mal im Saarland gehört. In Oberbayern heißt es schlichtweg „Zahlen!“ und in der schwäbischen Höflichkeitsform „Ich tät dann gern zahlen wollen!“ Der Wirt schreibt die Beträge auf dem holzhaltigen Papier untereinander und addiert. Am Schluss wird schwungvoll die Endsumme hingeschrieben, zack das war es. Kohle her! Nach dem Kassieren verschwindet der Block wieder in der Kittelschürze des Gastwirts oder wandert mit dem Geld in den aufgeklappten Geldbeutel des Kellners.

Ich habe diese Blöcke überall in Deutschland gesehen, aber auch nur dort. In den USA haben die Diners fette Blöcke im Stil eines Zeitungsreporters und in Italien merkt sich der Ober alles und bringt etwas völlig anders.

Ich weiß noch, dass die Wirte immer etwas nervös wurden, wenn man ihnen beim Schreiben zugeschaut hat. Kopfrechnen sollte eigentlich zur Grundqualifikation eines Gastwirts gehören, aber als Kind machte ich gerne mit meiner Nachrechnerei den Ober nervös. Im Grunde war ich als Kind auf addieren trainiert und meist den armen Ober überlegen, der am Ende immer fragte: Stimmt es?

Wahrscheinlich sollte ich in die Herstellung dieser Blöcke investieren, denn die Wirtslobby fordert das Papier ein und hält daran fest. Aber wahrscheinlich gibt es ein Monopol auf diese Blockproduktion und dann muss doch wieder die EU ran.