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AR erweitert Moebius-Ausstellung #moebius

25. September 2019

Wer Zeit hat, sollte sich die geniale Moebius-Ausstelling im Max Ernst-Museum in Brühl ansehen. Ich hab von München die 4,5 stündige einfache Bahnfahrt auf mich genommen, um mir das Werk des französischen Comic-Künstler anzusehen – und es hat sich gelohnt. In den nächsten Tagen werde ich über die Ausstellung und meine Eindrücke bloggen.


Das Max Ernst Museum Brühl des LVR zeigt bis zum 16. Februar 2020 die in Deutschland bislang umfangreichste Ausstellung mit visionären Bildwelten des französischen Comiczeichners und Szenaristen Jean Giraud (1938–2012), der unter dem Namen „Mœbius“ international bekannt geworden ist. Die Retrospektive „Mœbius“ mit rund 450 Werken ist in enger Zusammenarbeit mit Mœbius Production entstanden.
Mœbius durchbrach Grenzen. Und die Ausstellung setzt auch auf neue innovative Konzepte. Da das gesamte Max Ernst Museum mit kostenlosem WLAN versorgt ist, kamen die Ausstellungsmacher auf die Idee augmented reality in die Museumskonzeption einzusetzen.

AR oder augmented reality bedeutet erweiterter Realität. Per Smartphone-App können Zusatzinhalte in die Realität eingespielt werden. Am Eingang zur Ausstellung steht ein Banner mit dem Ausspruch „Mit augmented reality Moebius entdecken“. Der Besucher wird aufgefordert, die kostenlose AR-App Artivive für iOS und Android zu laden.

An den Kunstwerken in der Ausstellung und im Katalog gibt es ein AR-Zeichen. Wer mit dem Smartphone die acht Großfotos der Ausstellung scannt, der erweckt so die Bilder zum Leben. So lässt sich die Sache in sozialen Netzwerken teilen den Hasttags #moebiusandme #moebius #maxernstmuseum oder  #mobius_production. Die AR-App sorgt dafür, dass Bewegung in die Bilder kommt. Das macht unglaublich Spaß und öffnet eine neue Dimension für Kunst.
Und AR funktioniert nicht nur in der Ausstellung in Brühl, sondern auch zu Hause. Für rund 50 Euro gibt es einen ausgezeichneten Katalog zur Moebius-Ausstellung mit AR-Inhalten. Das ist für mich eine moderne, innovative Museumskonzeption.

 

Wenn das Kind in Sachen Kunst macht

23. Mai 2019
Stolzer Vater: K2 hat das erste Bild in einer Ausstellung hängen.

Stolzer Vater: K2 hat das erste Bild in einer Ausstellung hängen.

Ja ich bin ein stolzer Papa, denn K2 hat mit einem Bild an einer Kunstausstellung teilgenommen. Wie alle Eltern vermute auch ich ein großes Potenzial bei ihren Kindern. Im Fall von K2 bin ich mir aber sicher, dass ja eine Fähigkeit vorhanden ist, die entwickelt werden muss.

Hyperrealismus - eine Form des Pop Art. Hier Visit London von K2.

Hyperrealismus – eine Form des Pop Art. Hier Visit London von K2.

K2 nahm mit dem Bild „Visit London“ an der Ausstellung der Bürgerstiftung Fürstenfeldbruck teil. Ein Wochenende wurden die Werke in der Künstlerwerkstatt Fürstenfeldbruck im Kloster Fürstenfeld ausgestellt und konnten besichtigt werden. Die Ausstellung stand unter dem Motto „Unterwegs“. Wir wurden vor zwei Monaten auf diese Ausstellung aufmerksam, zeigten die Ausschreibungsunterlagen K2 und das Kind beschloss hier mitzumachen.
K2 machte es sich nicht einfach. Grundlage des Bildes war ein Foto, was K2 bei einem Besuch in London vor einem Jahr mit der Digitalkamera gemacht hat. Es zeigt die Beine und Füße von zwei Mädchen, die bei Regen Richtung Harrods laufen. Komplizierte Lichtverhältnisse liegen vor, die durch den Regen noch verstärkt werden. Dieses Digitalfoto sollte also die Grundlage für den Ausstellungsbeitrag werden.

Form des Hyperrealismus
K2 ist ein Fan des Hyperrealismus, eine Version des Pop-Art. Wikipedia beschreibt die Kunstrichtung so: Der Hyperrealismus ist eine Weiterentwicklung des Realismus und benachbart zur Pop Art. Sein Ideal ist nicht unbedingt eine exakte lebenstreue Nachbildung, wie sie typisch für den Realismus ist, sondern eine fotorealistische Übersteigerung der Wirklichkeit, eine „überschärfte Realität“. Die Abstraktion wird zurückgewiesen. Vielen sind vielleicht die Bilder von Gottfried Helnwein oder Luigi Rocca, der über die Galerie Mensing vertrieben wird.


K2 schnappte sich das MacBook Pro und arbeitete am Wacom Stifttablett. Als Software verwendet K2 Clip Studio Paint, die sonst im Manga-Bereich eingesetzt wird. Über Wochen hinweg entstand das Digital Painting. Gerade das Licht und die Regentropfen erforderten höchste Konzentration. Am Wochenende vor der Ausstellung war das digitale Bild dann fertig. Morgens wurde es auf DIN A3 bei meinem Kollegen Uwe Ehrig von den Erstentwicklern auf Fotopapier ausgedruckt. Ich hatte noch einen goldenen Rahmen und nachdem alles perfekt war, wurde das Bild von meiner Frau der Bürgerstiftung übergeben.

Am darauffolgenden Freitag war dann die Vernissage, zu der zahlreichen Fürstenfeldbrucker erschienen sind. Nach salbungsvollen Worten konnte wir uns die Ausstellung ansehen. Es waren inspirierende Sachen darunter. Für mich stach „Visiting London“ aus den Bilder durch den Stil des Hyperrealismus heraus. K2 erklärte den Betrachter des Bildes die Technik und waren erstaunt, was da dahinter steht. Mancher Besucher meinte, es sei nur eine einfache Fotografie. Als er sich aber dann die Zeit nahm und das Bild näher betrachtete, fiel ihm der Hyperrealismus auf.

Ich hab gleich mal en paar Postkarten zum Verteilen drucken lassen.

Ich hab gleich mal en paar Postkarten zum Verteilen drucken lassen.

Auf jeden Fall hat es der Familie gefallen und wir werden das Talent von K2 weiter fördern. Ich habe von dem Bild Postkarten drucken lassen und lege sie meinen Schreiben bei. Am Freitag Abend besuchen wir den internationalen Pop-Art-Künstler Ed Heck, der aus New York nach München kommt. Unsere Familie ist mit Ed Heck befreundet und ich bin auf seinen Input gespannt, wenn K2 das Bild zeigt.

Rundgang durch den Merchandising-Shop von The Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains

2. Februar 2019
Ein Schwein zum Kuscheln - Animals von Pink Floyd.

Ein Schwein zum Kuscheln – Animals von Pink Floyd.

Zu jeder Ausstellung gehört ein guter Shop mit Merchandising-Produkten. Das ist bei der bis Mitte Februar 2019 laufenden Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains in Dortmund ebenso. Nach der Ausstellung, rein in den Shop und raus mit der Kohle.

Vor ein paar Jahren hätte ich so einen Shop mit Devotionalien der britischen Supergruppe leergekauft. Heute habe ich kaum etwas gefunden, was aber nicht heißt, dass es nichts zu kaufen gibt. Ich bin vielleicht etwas nüchterner.

Was gab es alles zu sehen? Beginnen wir mit den Tonträger. Es gibt viele klassischen Pink Floyd Alben auf CD und Vinyl – brauch ich nicht, hab ich schon und zwar in verschiedenen Ausgaben. Aber es gibt keine besonderen Geschichten und keine Solo-Alben. Im Zeitalter von Amazon verzichte ich auf den Kauf der Alben und eigentlich hab ich schon alles bis auf eine Syd Barrett Radioaufnahme. 

Sehr schön die unglaubliche Vielfalt von T-Shirts und Hoodies, die alle Schaffensperioden der Band als Motiv zeigen. Leider oder Gott sei Dank war meine Größe nicht mehr dabei. Und T-Shirts habe ich genug. Ich würde ein Pink Floyd-Shirt nur noch bei einem Konzertbesuch der Band tragen, aber dazu wird es aus verständlichen Gründen nicht mehr kommen. Syd Barrett und Richard Wright sind verstorben, die Starrköpfe Waters und Gilmour streiten seit Jahren. Dann gibt es schöne Schals und Baby-Strampler, die ich auch nicht brauche. Für kleines Geld sind Buttons und Schlüsselanhänger, für etwas mehr Geld Tassen und Gläser und sogar Kuschelschweine (der Animals-Fan kennt sich aus) sowie Strandtücher zu haben. Was ich vermisst habe, sind Filme der Band. Kein Pompeij, kein Cyrstal Surfer, kein Wall, kein Final Cut, kein Pulse – das war enttäuschend.

Interessiert schaute ich mir die Nachdrucke von alten Tourprogrammen an. 10 Euro das Stück sind wohl billiger als aktuelle Programme – aber es sind halt Nachdrucke und würden bei mir nur ins Archiv wandern. Also hab ich die schönen Produkte in Dortmund gelassen

Dann gab es die Alben als Poster. Da schaute ich schon etwas konzentrierter hin. Die Cover der Pink Floyd Alben sind ja ein Hingucker. Storm Thorgerson hat ganze Arbeit geleistet. Aber die Alben hab ich zu Hause und wenn ich mir ein Album aufhängen will, kommt das Cover in einen Ikea Rahmen mit Namen Lomviken und fertig.

Die Litho von Atom Heart Mother hätte ich gerne erworben.

Die Litho von Atom Heart Mother hätte ich gerne erworben.

Aber dann sah ich etwas, was mich als Fan nervös machte. Lithografien der Alben mit der Originalunterschrift von Storm Thorgerson. Das wäre etwas für mich. Die Drucke sind limitiert, was den Wert steigern lässt. Ich habe Drucke gesehen von Meddle, Ummagumma, A Momentary Lapse of Reason und Atom Heart Mother. Gerade der Abzug der Kuh von Atom Heart Mother hatte es mir angetan. Kostenpunkt 1450 Euro – leider war meine Frau in Dortmund nicht von der Partie, denn solche Investitionen in Kunst fälle ich nicht alleine. Ich schickte ihr zwar eine SMS samt Foto, bekam aber keine Antwort, was wohl Antwort genug ist. 

Also wer Zeit hat, soll sich bis Mitte Februar die Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains ansehen.

Noch bitte bis Mitte Februar 2019 in Dortmund ansehen.

Noch bitte bis Mitte Februar 2019 in Dortmund ansehen.

Lust der Täuschung in der Kunsthalle München

25. Dezember 2018

Wem die Zeit zwischen Weihnachten und Jahreswechsel zu langweilig wird und etwas Zerstreuung sucht, dem sei die unterhaltsame Ausstellung Lust der Täuschung in der Kunsthalle München empfohlen. Es ist ein Streifzug von der antiken Kunst bis zur VR, ideal für ein breites Publikum. Bis zum 13. Januar 2019 hat die Ausstellung Lust der Täuschung geöffnet. 

Beim ersten Durchgang war ich zugegeben etwas enttäuscht. Ich hatte mir etwas anderes erwartet, mehr Ausstellungsstücke im Stile von Maurits Cornelis Escher und seinen unmöglichen Figuren. 

Die Ausstellung fasst über vier Jahrtausende Augentäuschung zu einem Kunsterlebnis zusammen. Dabei gilt es, sowohl unbekanntere Künstler zu entdecken als auch Werke großer Meister der Kunst- und Designgeschichte zu bestaunen, darunter Cornelis Gijsbrechts, Viktor&Rolf, Laurie Anderson, Jean Paul Gaultier, Thomas Demand und viele weitere. Für mich waren Gerhard Richter und Andy Warhol sicherlich die absoluten Highlights. 

Zu Laurie Anderson konnte ich nur reinschauen, aber die Schlange der Besucher war zu lange und so hatte ich für diese großartige Künstlerin keine Zeit – und das tut mir sehr leid. Ein Foto des Raumes – mehr war nicht drin.

only you can make me feel this way von Philipp Messner

Als Medienfuzzi fand ich zwei, drei Werke sehr interessant, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Gleich zu Beginn der Ausstellung Lust der Täuschung traf ich auf die Masken des in München arbeitenden Künstlers Philipp Messner. Der Titel: only you can make me feel this way Er fragt in unseren digitalen Zeiten nach Identität und Privatsphäre. Gesichtserkennung und digitaler Daumenabdruck sind allgegenwärtig und Messner antwortet mit seinen Masken für jedermann, denn die Überwachungskameras lassen sich täuschen. Es gibt ein ausdrucksstarkes Foto von Philipp Messner unter einer Überwachungskamera am Münchner Hauptbahnhof, der durch den Grundig-Schriftzug erkennbar ist. 

Newspaper von Robert Gober

Nachdem ich als Referent im Moment sehr viel über Fake News spreche, hat mich das Werk Newspaper von Robert Gober von 1992 angesprochen. In einer Ecke der Kunsthalle liegt ein Stapel von gebündelten Tageszeitungen. Ich verstand die Absicht von Gober nicht, beugte mich über den Zeitungsstapel und bekam eine Ermahnung von einem Guide der Kunsthalle. Erst beim Lesen der Artikel erkannte ich die Fake News. Gober manipulierte die Artikel und Fotos. Es handelt sich um die Diskriminierung von Homosexuellen durch den Vatikan. Dieses Ausstellungsstück war für mich aktueller denn je: Fake News in den Medien – der Spiegel lässt zum Jahresende 2018 grüßen.

Virtuelle Welten

Im Vorfeld des Besuchs haben mir viele Besucherinnen und Besucher den Tipp gegebenen: „Du musst dir die VR-Installation ansehen, die haut dich um.“

Nun, das tat sie nicht. Es ist eine Standard-VR-Umgebung. Das Laufen auf einem Brett in großer Höhe. In den Staaten habe ich eine ähnliche Simulation mal ausprobiert, die aber noch mit Ventilatoren arbeitete, um einen 4D-Effekt heraufzubeschwören. 

Was mich mehr in München beeindruckte, war die Reaktion der Besucherinnen und Besucher, die das erste Mal mit virtueller Realität in Beruhigung kamen. Die Probanden schreckten auf, bekamen Angst, manche riefen auf, als die wohl das erste Mal in ihrem Leben eine VR-Brille übergezogen bekamen. Als Gamer, der seit längerer Zeit VR-Spiele mit der Sony VR spielt, ließ mich die Installation in der Kunsthalle völlig kalt. Und mit mir absolvierten viele jungen Menschen, die mit Videogames aufwachsen, das Abschreiten über das Brett mit Leichtigkeit.

Aber der Kunsthalle gehört hier meine größte Hochachtung. Sie bringen das Thema VR einer breiten Schicht von Bevölkerung näher. Menschen, die absolut keine Gamer sind oder in VR-Umfeld arbeiten. Hier leistet die Kunsthalle einen großen Dienst für die Medienkompetenz, in dem sie einen kunstinteressiertem Otto Normalverbraucher die virtuelle Realität näher bringen, eine Welt, die für eine ganze Generation bereits völlig normal ist. Das ist für mich vielleicht die größte Erkenntnis des Ausstellungsbesuchs Lust der Täuschung in der Kunsthalle München.

Aktionskunst in der Kunsthalle

Am Ende der Ausstellung stieß ich auf einen wunderbaren Scherz, eigentlich war es ein doppelter Scherz. In einer Ecke war ein junges Mädchen mit Cape gelehnt. Sie blicke Richtung Wand und hatte sich ein Shirt über den Kopf gezogen. Eine Puppe? Schließlich waren wir in dem Raum der Modepuppen mit Kostümen von Gautier. 

Auf einer Bank in der Nähe saß eine zusammengesunkene junge Frau in einem Hoodie mit der Aufschrift Abitur 2017. Sie bewegte sich auch nicht. Vielleicht auch eine Puppe? Besucherinnen und Besucher blätterten im Katalog und fotografierten die beiden Damen. Ist das eine Installation? Ist das Kunst? Ich setzte mich neben die Frau, machte ein Selfie. Irgendwann fragte eine Aufpasserin die Puppe bzw. Frau auf der Bank, ob es ihr nicht gut gehe. Und da löste sich die Aktionskunst auf. Das junge Mädchen lachte und erhob sich. Freunde von ihr hatten die ganze Aktion gefilmt. Besucherinnen und Besucher, auch ich, klopften der jungen Dame auf die Schulter und beglückwünschten sie zur gelungenen Kunstaktion. Die Truppe zog weiter, nur die Dame, die sich mit dem Kopf gegen die Wand lehnte, blieb bewegungslos zurück. Vielleicht doch eine Puppe? 

Die Lust der Täuschung endete mit dieser humorvollen Lust auf Täuschung. 

Warum Gerhard Richter und ich keine Freunde werden

20. Oktober 2018

Ich glaube, die Überschrift lockt den verehrten Leser dieses Blogs auf eine falsche Fährte. Um es klarzustellen: Ich verehre Gerhard Richter als einen großen Künstler unserer Zeit. Das erste Mal, dass ich einen echten Richter live sah, war in der Tate Modern in London. Mit der Familie besuchte ich im Frühjahr dieses außergewöhnliche Museum an der Themse und entdeckte in einen der zahlreichen Räume das Bild Strip (2011) von Gerhard Richter. Ich konnte meinen Blick vom Bild kaum lösen, stand davor, schaute es mir von nah und fern an. Gerhard Richter hatte mich gefangen und ich bin seinem Bann erlegen.

Schnitt in die Gegenwart. Aufgrund eines Konzertbesuchs war ich in Berlin. Wenn ich nicht in der Hauptstadt zu arbeiten habe, genieße ich die unglaubliche kulturelle Vielfalt dieser Stadt. So kam ich auch auf die Idee, endlich die Gerhard Richter-Ausstellung im Potsdamer Museum Barberini zu besuchen. Die Ausstellung läuft nur noch bis 21. Oktober 2018 und sie gilt als die Top-Ausstellung über Gerhard Richter.
Gerhard Richters Werk ist in großen Retrospektiven gewürdigt worden: 2002 widmete ihm das Museum of Modern Art, New York, eine Einzelausstellung. 2011 zeigten die Tate Modern, London, die Neue Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin und das Centre Pompidou, Paris, eine Präsentation, die im Titel Panorama schon den weiten Blick auf Richters Lebenswerk benannte. Wie diese Ausstellungen schlägt auch Gerhard Richter. Abstraktion im Museum Barberini den großen Bogen von den 1960er Jahren bis zu neuen Arbeiten. Sie widmet sich dabei erstmals einem für Richters Malerei zentralen Thema: den abstrakten Strategien und Verfahrensweisen im Gesamtwerk des Künstlers.
Ich war neugierig und schrieb die Pressestelle an, ob ich als Blogger diese Ausstellung besuchen kann. Die Antwort war schnell, freundlich und super professionell. Ich sei als Blogger herzlich willkommen und man habe sogar für mich eine kostenlose Eintrittskarte an der Kasse hinterlegt. Vielen Dank für so einen Service.
Also machte ich mich am Donnerstag Vormittag von meinem Hotel am Berliner Ostbahnhof nach Potsdam auf. Die halbstündige Zugfahrt nutzte ich, um mich mit Updates über Richter zu versorgen. Dann ein 15minütiger Fußmarsch vom Potsdamer Hauptbahnhof über die Lange Brücke zum Museum Barberini. Vor der Tür eine große Menschentraube, die ins Museum wollten.

Zu jeder vollen Stunde werden die Besucher hineingelassen. Ich schob mich an der wartenden Menschenmenge vorbei und begehrte Einlass. Als Blogger und Medienfuzzi war ich von der Warterei ausgenommen. Aber nein: Freundlich wurde ich hingewiesen, dass das Museum heute geschlossen sei.
Wie bitte? An einem Donnerstag hat Barberini doch geöffnet und ich hatte ja extra angefragt und den Weg nach Potsdam auf mich genommen. Doch eine höhere Macht wollte nicht, dass ich die abstrakten Malereien von Gerhard Richter sehen würde. Der Grund: Kurz vor meiner Ankunft war im Untergeschoss des Museums ein Wasserschaden entdeckt worden.

Die Mitarbeiter räumten das Museum, durchkämmten die Räume nach Kunstbesuchern und schlossen die Eingangstüren. Im gleichen Moment traf eine eMail der Pressestelle ein, dass das Museum wohl heute geschlossen bleibe. Ein paar Minuten später auch eine entsprechende Meldung auf der Website. Das nenne ich professionelles Krisenmanagement.


So ein Mist – ich kann es nicht anders ausdrücken. Gerhard Richter löste sich für mich in Luft auf. Ich war soweit gekommen und nun ein Wasserschaden. Auch der Besuch des Museumsshops war nicht mehr möglich, um zumindest den Katalog zu reduzierten Preis zu erstehen. Also muss jetzt Amazon ran und ich bestellte das Buch Gerhard Richter: Abstraktion beim Online-Riesen.
Vor dem Museum nahm ich den letzten Flyer über die Gerhard Richter-Ausstellung mit, damit ich wenigstens etwas von meiner Reise nach Potsdam nach Hause bringe.


Nachdem ich im Kaffee des Museums Potsdam einen Kaffee getrunken hatte und anschließend nochmals prüfte, ob sich der Wasserschaden in Luft aufgelöst hatte, – das war nicht der Fall -, musste ein Alternativprogramm her. Ich wählte als Filmfan natürlich zum xten Mal das Filmmuseum Potsdam und schwelgte in Filmklassikern. Zuvor traf ich noch Klaus Wowereit, den ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin. Er machte Fotos für die Stadtentsorgung Potsdam GmbH (STEP), die scheinbar neue Elektrofahrzeuge bekommen haben. Nähere Infos gibt es hier.


Dann nahte der Fahrt zurück in die bayerische Landeshauptstadt. Ich machte mich auf zum Hauptbahnhof nach Berlin, wo mein gebuchter ICE nach München auf mich wartete. Auf der Fahrt zurück nach Berlin, kam dann eine weitere Mail von der Pressestelle, dass das Museum Barberini wieder geöffnet habe. Ich sei herzlich willkommen.
So ein noch größerer Mist. Ich war auf der Heimfahrt und Gerhard Richter wartet auf mich. Nun, er muss warten. Umkehren ging nicht. Gerhard Richter und ich werden wohl keine Freunde mehr. Aber für alle, die in Berlin oder Potsdam herumlaufen, schaut euch bis 21. Oktober die Gerhard Richter-Ausstellung im Museum Barberini an und berichtet mir, wie sie war.

Letzter Ausstellungstag im Filmmuseum: 2001: Odyssee im Weltraum

23. September 2018
Das Sternenkind aus 2001.

Das Sternenkind aus 2001.

Heute ist der letzte Ausstellungstag der sehenswerten Ausstellung Stanley Kubricks 2001: A SPACE ODYSSEY im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main. Die Ausstellung ist absolut sehenswert. 

Ich habe mir die Ausstellung mehrmals angesehen und bin enorm fasziniert von den Exponaten. Filmfreunde wissen, dass Regisseur Stanley Kubrick viele der Filmrequisiten nach Abschluss der Dreharbeiten vernichten ließ. Die 2001-Ausstellung in Frankfurt zeigt viele der geretteten Originalexponaten und Modelle. Die zahlreichen Ausstellungsstücke stammen aus internationalen Sammlungen und aus dem Stanley Kubrick-Archiv der University of the Arts London.

Stanley Kubricks 2001: A SPACE ODYSSEY (GB/US 1968) ist ein Meilenstein der Filmgeschichte. Noch vor der ersten bemannten Mondlandung lieferte dieser Film mittels raffinierter Tricktechnik faszinierende, realistisch wirkende Bilder des Weltalls. Viele Motive wurden geradezu ikonographisch für das Science-Fiction-Genre, so etwa die im Erd-Orbit zu den Klängen des Donauwalzers kreiselnde Space Station V. Der Film, der am 2. April 1968 seine Welturaufführung hatte, beeinflusste Generationen von Regisseuren. Heute gilt 2001 als audiovisuelles Gesamterlebnis und als Film, der das Genre revolutionierte.

Der legendäre Brunnen aus 2001, de reicht verwendet wurde.

Der legendäre Brunnen aus 2001, de reicht verwendet wurde.

Die Ausstellung zeigt originale Designs, Modelle, Kostüme, Requisiten, Drehpläne, Produktionsunterlagen und Fotos aus Kubricks Archiv. Sie beantwortet die Frage, wie Kubricks Vision von der Zukunft entstand, und inwieweit sie eingetreten ist. Darüber hinaus setzt sie den Film in den Kontext seiner Zeit und blickt auf die Rezeptionsgeschichte: 2001 hat in mehr als 200 Filmen, in Musikvideos und Werbung, in Design, Malerei, Architektur und Poesie Spuren hinterlassen. In einem eigenen Teil der Ausstellung werden Arbeiten aus unterschiedlichen Kunstgattungen vorgestellt, die von Kubricks Meisterwerk inspiriert sind.

Ich verbrachte bei meinen Besuchen immer einen ganzen Tag im Filmmuseum und habe seit einem halben Jahr immer wieder über meine Eindrücke der Ausstellung gebloggt. 

Stundenlang vertiefte ich mich in die Ausstellung und hatte den Film 2001 auf dem Smartphone dabei, um die Ausstellungsstücke mit dem Film zu vergleichen. Kubricks Special Effects war noch nicht digital, sondern rein analog. CGI war ein Fremdwort und dennoch hatten die Zuschauer das Gefühl on Location zu sein.

Der Tricktechniker Douglas Trumbull hat hier Wegweisendes geleistet. Diese Tricks werden in der Ausstellung ausführlich erklärt. Jan Harlan, Schwiergersohn von Stanley Kubrick, berichtete mir ein paar Hintergründe. 

Bewegend für mich war die Begegnung mit dem Sternenkind. Das Starchild am Ende des Films bietet enorme Interpretationsmöglichkeiten. Es war für mich ein Erlebnis ganz Name am Sternenkind zu stehen und in die Augen der Puppe zu sehen. 

Und für mich als Fan wirklich revolutionär war eine Zeichnung eines Brunnens, der für die Space Station V gebaut werden sollte. Ich habe von diesem Bild immer wieder gelesen, aber in Frankfurt in der Kubrick-Ausstellung habe ich das Bild zum ersten Mal gesehen. Kubrick hatte sich bei den Dreharbeiten entschlossen die Szene nicht zu drehen. 

Also heute die Ausstellung in Frankfurt anschauen. Der nächste Stopp ist Barcelona. 

2001 Odyssee im Weltraum und das Spielzeug dazu

21. September 2018

Mir brachte die geniale Stanley Kubrick-Ausstellung im Frankfurter Filmmuseum, die nur noch bis zum 23. September 2018 läuft, eine geniale Sammelanregung. Es wurde Spielzeug, Merch sowie Produkte ausgestellt, die von Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum inspiriert wurden. 

Neben all den Bücher – das Highlight kommt aus dem Taschen-Verlag wie The Making of Stanley Kubrick’s ‚2001: A Space Odyssey‘ – und dem überzeugenden Ausstellungskatalog, finden sich Blu rays, Poster und mehr. Mein Hauptaugenmerk lag aber auf Produkte, die als Folge von 2001 entstanden sind. Allen voran waren die Actionfiguren von Executive Replicas aus dem Jahre 2017.

Hier wurden für teuer Geld die Raumanzüge der Discovery nachgebaut. Leider hatte ich das 2017 nicht mitbekommen und konnte jetzt erst meinen Dr. Frank Poole erwerben. Die Figuren sind nicht zum Spielen, sondern zum Sammeln gedacht. Mal sehen, ob ich weitere Figuren noch bekommen – die Preise sind aber astronomisch hoch. An Farben gab es violett, schwarz, grün und weiß. Ich selbst habe Frank Poole in gelb und ich muss jetzt ganz scharf überlegen, ob und wo es im Film 2001 einen weißen und einen schwarzen Raumanzug gab. 

Ich habe auf jeden Fall ein Unboxing meines Frank Poole in gelb gemacht und bin stolz, dass ich als Kubrick-Fan noch eine Figur aus der limitierten Ausgabe im Maßstab 1:6 bekommen habe. 

Louis XVI-Raum aus 2001 aus Lego 

Dann entdeckte ich in Frankfurt ein Fan-Projekt, das offiziell nie vertrieben wurde. Der Louis XVI-Raum, das Sterbezimmer von Dave Bowman gegen Ende von 2001. Aus 695 Legosteinen baute ein gewisser Manuel Fernández Rivero im Jahre 2018 dem Raum nach, samt Sterbebett. Als Lego-Fan muss ich mal sehen, ob ich die Bauantleitung auftreibe. Manuel Fernández Rivero bietet seinen Bausatz auch in eBay an. Auf jeden Fall inspirierte mich dieses Ausstellungsstück mal wieder selbst kreativ zu werden. 

Schallplattenspielers im Stile der Space Station V

Nachdem es ja verschiedene Bausätze aus Plastik der 2001 Raumschiffe gibt, die ich nicht kaufen werde, sah ich als Mensch der alten analogen Zeiten einen Vinyl-Schallplattenspieler aus dem Jahre 2013. Er wurde von Soulines aus Belgrad geschaffen. Das Design des Schallplattenspielers orientiert sich an der Space Station V aus dem Film. Über die Qualität des Schallplattenspielers kann ich nichts sagen, finde ihn aber originell. 

Spielkonsole Odyssee 2001 von Philips

Als Retro-Gamer freute es mich natürlich, dass ich eine Retro-Konsole aus dem Jahre 1977 in der Frankfurter Ausstellung entdeckte. Es handelte sich um die Spielkonsole Odyssee 2001 von Philips. Ich selbst war ja Atari 2600-Fan und stieß erst später in die Welt der Videospiele ein. Diese frühe Konsole konnte Tennis, Hockey und Squash in einer pixelgrafik simulieren. Es wird wohl eine Homage an das Pong sein, ohne dass Philips die Lizenzgebühren berappen wollte. Schade, dass in Frankfurt die Konsole nicht angeschlossen war – ich hätte gerne ein paar Runden gezockt.

BMX-Fahrrad – versteh ich nicht

Dann gab es noch ein BMX-Fahrrad zu sehen. Es trägt den Namen Space Odyssee und stammt von dem französischen Hersteller Bogarde. Das Set des Louis XVI-Raums wurde nachgebaut und ein Astronaut fuhr auf dem Fahrrad zur Werbung. Naja, wenn ich ehrlich bin, haute es mich nicht vom Hocker und ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Damit will ich nichts über die Qualität des BMX-Fahrrads aussagen – wobei mich BMX mehr an E.T. Der Außerirdische von Spielberg als an 2001 von Kubrick erinnert. 

Über die 2001-Comics habe ich bereits gebloggt. Inzwischen habe ich alle Comics dieser Serie in einer 1a-Qualität aufgekauft und rahmen lassen. Lesenswert sind die Comics nicht unbedingt, aber Spaß machen sie allemal. 

Vor 50 Jahren feierte 2001 Odyssee im Weltraum in Deutschland Premiere

12. September 2018
Dieses Bild von 2001 stammt nicht aus der Ausstellung, sondern habe ich im Haus von Kubrick bei London geschossen.

Dieses Bild von 2001 stammt nicht aus der Ausstellung, sondern habe ich im Haus von Kubrick bei London geschossen.

Gestern vor 50. Jahren hatte einer der wichtigsten Filme der Filmgeschichte in Deutschland seine Kinopremiere: 2001: Odyssee im Weltraum von Stanley Kubrick nach einer Idee von Arthur C. Clarke. Kubrick schuf ohne CGI den Science Fiction Film schlechthin und veränderte das Genre radikal. Gab es vor 2001 vor allem B- und C-Movie, war durch dieses Meisterwerk der Weg frei für Großproduktionen. Aber der Film mit seinem Ende hinterließ ein Publikum, dass sich seine Geschichte selbst ausmalen konnte. Immer wieder habe ich mir 2001 angeschaut, immer wieder kamen mir neue Ideen, neue Interpretationen, neue Gedanken. Es ist schön zu sehen, was Kubrick vorausgesehen hat: Videotelefonie, Tablets, Künstliche Intelligenz und vielen mehr. 

Wer sich auf 2001 einlässt, sollte Zeit und einen offenen Geist mitbringen. Ungewöhnlich: Der Film beginnt mit einer Ouvertüre bei schwarzer Leinwand. In den ersten 40 Minuten wird in den Film nichts gesprochen, aber die unglaublichen Bilder in Verbindung mit der Musik von Strauß erzählen die Geschichte der Menschheit samt dem wichtigsten Schnitt der Filmgeschichte. Ich glaube, ich schaue mir zu meinem anstehenden 50. Geburtstag diesen Film, der seinen 50. Geburtstag feiert, in Ruhe nochmals an und genieße. 

Im Frankfurt am Main läuft im Moment noch bis 23. September 2018 die großartige Stanley Kubrick-Ausstellung mit 2001 im Mittelpunkt. Ich kann nur jeden Science Fiction-Fan empfehlen, nach Frankfurt zu pilgern und sich die exzellente Ausstellung anzusehen. Sie läuft noch bis 26. September im Filmmuseum.

Ich war bei der Eröffnung dabei, führte ein Interview mit Kubricks Schwiegersohn Jan Harlan (ich bloggte ausführlich darüber) und sprach mit Kubricks Tochter Katharina und besuchte die Eröffnungspressekonferenz und natürlich die Ausstellung.

Ich habe diese Pressekonferenz in 2D und als VR 360 Grad mitgefilmt und wünsche euch viel Spaß beim Anschauen.

 

„Stanley Kubrick wäre unheimlich berührt gewesen“, meinet Jan Harlan zu der Ausstellung. „Kubrick war sehr stolz auf seinen Film, obwohl er das Publikum damals geteilt hat. Inzwischen ist der Film ja etabliert als Meilenstein in der Geschichte.“ Harlan lobte die Sorgfältigkeit und Vielfältigkeit der Ausstellung und ich kann dies nur bestätigen. Kubrick hat ja die Modelle nach Abschluss der Dreharbeiten vernichten lassen, aber eben nicht alles: Und das Filmmuseum hat wunderbare Details aus dem Archiv des Meisterregisseurs ausstellen können. Ungewöhnlich bei Kubrick: Es gibt sogar Sketches und Zeichnungen zu sehen, die später nicht Eingang in den Film gefunden haben. Es handelt sich um einen kleinen Teich auf der Raumstation.

Also unbedingt nach Frankfurt und die Ausstellung bis 23. September 2018 ansehen und unbedingt 2001 Odyssee im Weltraum nochmal oder zum ersten Mal ansehen. Die Sache lohnt sich. 

Faszinierende Ausstellung: Ikko Tanaka Gesichter in der Pinakothek der Moderne München

15. Juli 2018
Einfach fasziniert bin ich von der Kunst von Ikko Tanaka In der Pinakothek der Moderne.

Einfach fasziniert bin ich von der Kunst von Ikko Tanaka In der Pinakothek der Moderne.

Irgendwie habe ich ein Fable für Japan. Ich spreche die Sprache zwar nicht, war auch nie vor Ort, aber ich sehe den enormen Einfluss der japanischen Kultur. Und daher musste ich die Plakatausstellung von Ikko Tanaka in der Pinakothek der Moderne unbedingt ansehen. Heute ist der letzte Tag der Ausstellung in München. 

Im Grunde ist es nur eine Wand mit Plakaten, die das Kunstmuseum uns da präsentiert, aber die Vielfalt der Eindrücke ist enorm, so dass ich mir die Zeit genommen habe, jedes Plakat zu studieren. Inspiriert von Bauhaus, amerikanischem Jazz und der ästhetischen Tradition Japans, ist Ikko Tanaka (1930-2002) bis heute einer der einflußreichsten japanischen Grafikdesigner. Die Präsentation in der Pinakothek der Moderne widmet sich dem Motiv des Gesichts im Plakatschaffen dieses Vermittlers zwischen japanischer Kultur und dem Westen. Und der Künstler präsentiert uns seine Interpretation von Gesichter auf komplett unterschiedlichste Weise: Mal als Foto, mal als opulente Grafik, mal als ganz reduzierte Grafik: Als Kind lernte ich den Spruch „Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Mondgesicht!“ Dieser kindliche Spruch kam mir als erstes in den Sinn als ich die Kunst von Ikko Tanaka sah und sie hat mich wirklich begeistert. 

Wie in einer Schönheitengalerie passieren die Gesichter Revue: in radikaler geometrischer Abstraktion, kalligrafischer Expressivität oder gebannt durch Fotografie, zeichenhaft, verfremdet, als undurchdringliche Maske, surreal, verspielt. Mit sublimer Verführung oder theatralischer Anmache wollen diese Gesichter die Aufmerksamkeit des Betrachters gewinnen, sei es für No- und Kabuki-Theater, sei es für Ausstellungen, Kommunikationsunternehmen oder eine Kollektion des Modedesigners Issey Miyake. Leider, leider gab es im Museumsshop keinen Ausstellungskatalog, denn gerne hätte ich vom Werk von Ikko Tanaka nach Hause genommen, um mich noch näher mit seiner Kunst zu beschäftigen.

Ausstellung We are Part of Culture im Münchner Hauptbahnhof

14. Juli 2018
Die Ausstellung ist in der Mittelhalle des Hauptbahnhofs zu finden.

Die Ausstellung ist in der Mittelhalle des Hauptbahnhofs zu finden.

Rechtzeitig zum Christopher Street Day in München an diesem Wochenende startet am Münchner Hauptbahnhof die Ausstellung We are Part of Culture. In der Mittelhalle sind Plakate und Texte aufgehängt, die die Rolle von LGBTTIQ (übersetzt Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle)) in der gesellschaftlichen Entwicklung Europas prägen. Mich haben die verschiedenen Stilrichtungen sehr interessiert, mit denen die Künstlerinnen und Künstler verschiedene Portraits von über 30 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft von der Antike bis heute geschaffen haben. Ich muss zugeben, am Besten hat mir Alan Turing gefallen, was sicherlich an meinem beruflichen Hintergrund liegt. 

Alan Turing in München.

Alan Turing in München.

Organisator ist das gemeinnützige Projekt 100% MENSCH. Es fördert und fordert die komplette rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung und Akzeptanz der sexuellen Orientierungen und Geschlechter. Dieses Ziel kann ich unterstützen. Ich habe in meinem Freundes- und Bekanntenkreis einige Schwule und Lesben, aber ich sehe hier keine Schwulen und Lesben – ich sehe nur Freunde und Bekannte. Ich halte es mit Friedrich II, der wohl auch schwul war: Jeder soll nach seiner Façon selig werden. Damals ging es um Religion, heute geht es um Geschlecht.

Zurück zur Ausstellung. Die Kunstausstellung WE ARE PART OF CULTURE zeigt in München über 30 Persönlichkeiten von der Antike bis heute, die unsere Gesellschaft, unsere Kultur nachhaltig geprägt haben. Es sind Menschen, die gleichgeschlechtlich geliebt haben und es sind Menschen, die eine geschlechtliche Thematik hatten. Die Portraits der Persönlichkeiten, wie von Virginia Woolf, Alan Turing, Friedrich II. von Preußen, Christina von Schweden, Lili Elbe und Selma Lagerlöf wurden von national und international bekannten Künstlerinnen und Künstlern wie z.B. Ralf König (Köln), Robert W. Richards (NY), Gerda Laufenberg (Köln), Anne Bengard (Berlin) speziell für die Ausstellung geschaffen. Die verwendeten Stilrichtungen von Tusche, Acryl, Stencil und Zeichnung bis zu Cartoon und Illustration sind dabei so vielfältig wie die vorgestellten Persönlichkeiten. Leider gibt es keine Plakate von den Kunstwerken zu kaufen. Auf der Website gibt es einen Katalog und Postkarten. 

Und ich finde es prima, dass die Deutsche Bahn sich für so ein Projekt einsetzt.  Mit der Deutschen Bahn AG konnte eine Kooperationspartnerin gefunden werden, die der Ausstellung die Möglichkeit eröffnet, in 20 großen Bahnhöfen Deutschlands gezeigt zu werden und so ein breit gestreutes Publikum zu erreichen. Der Grad der Niederschwelligkeit, der Barrierefreiheit und der „Zufälligkeit der Begegnung“ sind für diese Form der Diversity-Ausstellung einzigartig. An Bahnhöfen werden auch Menschen erreicht, die bisher keinen Zugang zu den Themen „Homosexualität“ und „Geschlecht“ hatten oder eine negative Grundhaltung einnehmen. Um möglichst viele Menschen erreichen zu können, wurden die Begleittexte der Ausstellung auf deutsch, englisch, russisch und arabisch erstellt. Dabei wurde auf die Verwendung einer einfach zu verstehenden Sprache geachtet.

Ich hab mir rund 20 Minuten die Ausstellung angesehen und auch auf die Reaktionen der Leute geachtet. Komplett unterschiedlich, wie ich feststellen konnte. Es gab extrem negative Äußerungen, verbunden mit Schimpfworten, die ich hier nicht zitieren werde. Bei jungen Leuten wurde in meiner Anwesenheit Freddie Mercury am meisten mit dem Smartphone fotografiert, wohl weil er der Jugend am bekanntesten war. Alan Turing, den ich verschiedentlich ableuchtete, war den meisten eher unbekannt – und wenn dann nur durch den großartigen Film The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben. Dann gab es bestätigendes Kopfnicken und dann gab es hin und wieder eine Aussage, wie „Ich wusste gar nicht, dass der schwul ist, aber ist ja auch egal. Er war ein interessanter Mensch.“ Und richtig, es ist egal, ob einer so oder so oder so ist, er ist ein Mensch und das dürfen wir nicht vergessen. Also wer im Hauptbahnhof München Station macht, die Ausstellung We are Part of Culture unbedingt ansehen.