Archive for September 2018

Meine Eindrücke von der neuen S-Bahn in München

29. September 2018

Die neuen Züge für die S-Bahn in München sind schon seit Juli im Einsatz, doch ich kam jetzt erst in den Genuss einer Fahrt. Als genervter Pendler des Münchner Verkehrsverbunds MVV bin ich auf die S-Bahn angewiesen, die mich zum Hauptbahnhof München bringt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem es keine kleine und großen Probleme mit dem überlasteten und völlig veralteten ÖPNV-System gibt. Die Deutsche Eisenbahngesellschaft will die S-Bahn modernisieren und hat neue Züge in Dienst gestellt. Nachdem ich schon viel gelesen hatte, konnte ich nun die Züge ausprobieren.

Ich bin in Olching und nicht am Rosenheimer Platz.

Ich bin in Olching und nicht am Rosenheimer Platz.

Hier meine Beobachtungen: Es ist gegen 12:15 Uhr als ich am Hauptbahnhof in einen neuen Zug der Linie S3 einstieß, der mich ins Heimatdorf bringen soll. Was mir als erstes auffällt: Das Licht in den Zügen ist deutlich heller als vorher. So sauber habe ich die Münchner S-Bahn noch nie gesehen. Ich habe das große Glück, dass der Zug fast komplett leer ist, ein paar Touristen und ein paar Schulkinder sind unterwegs. Die üblichen Faschingsfreunde im schrillen Landhaus-Look machen sich die eine Station zur Wiesn auf. Als wir aus dem Tunnel herausfahren und die Hackerbrücke mit den Wiesn-Volk hinter uns gelassen haben, schaue ich mir die Bahn genauer an. Es ist mehr Platz zum Stehen und weniger Platz zum Sitzen. Die eingezeichneten Abstellflächen für Koffer werden sicher in der täglichen Rushhour ignoriert. Aber das Gepäck soll ja nicht im Weg herumstehen, sondern unter den Sitzen verstaut werden. Die Sitze sind schwebend und bieten unter der Sitzfläche Stauraum. Es sind aber weniger Sitze und größere Durchgänge. Bei den Ausstiegen gibt es noch Möglichkeiten sich festzuhalten, wie wir es in den neuen U-Bahn-Zügen des MVG kennen. Hier habe ich Sommer wie Winter Handschuhe an, denn die kleinen Bakterien sitzen sicher da herum und warten auf neue Wirte.

Am Ende der Züge sind Mehrzweckbereiche für Kinderwägen, Rollstühle und eine Kuschelecke. Die kann ich leider nicht fotografieren, weil Schulkinder sich breit gemacht haben. Sie haben sich längst hingelegt. Dort sollen in Sitzecken die Familien und Gruppen fahren, was ich von der Idee für richtig halte, in der Praxis bei dem enormen Fahrgastaufkommen ist es völlig unrealistisch. Vielleicht schaffe ich es einmal mit meiner Familie gemeinsam dort zu sitzen, wenn die S-Bahn bei uns im Dorf eingesetzt wird. Sobald die ersten Stationen angefahren werden, sind die Eckplätze belegt.
Neu sind auch die elektronischen Monitore. Hier sollte eigentlich der Fahrplan des Zuges angezeigt werden, zudem die Uhrzeit. Ich habe sollte geschrieben, denn das System funktioniert auf meiner Fahrt bis auf die Uhrzeit nicht. Ich befinde mich auf der S3 Richtung Westen und mein nächster Halt ist Olching. Das Display zeigt allerdings Rosenheimer Platz – es zeigte die ganze Fahrt Rosenheimer Platz, was die anwesenden Touristen sichtlich verwirrt. Also auf Englisch den Herrschaften den Weg erklären. Durchsagen in Deutsch und Englisch gibt es in dem Zug nicht – ich weiß nicht, ob die in den neuen Zügen abgeschafft wurden oder ob es mal wieder eine Panne war.

Als ich meine Tour durch den neuen Zug beendete und meine leere Brotzeittüte in einen Abfalleimer werfen wollte, erlebe ich eine Überraschung. Ich finde keinen Abfalleimer. Der MVV hat wohl aus Kostengründen darauf verzichtet, denn Reinigungspersonal kostet Geld. Die Bahnfahrer sollen ihren Müll einpacken und mitnehmen. Theoretisch möglich, praktisch unmöglich, denn der Mensch ist ein Schwein. Also rollen Bierflaschen beim Anfahren durch den Zug., schließlich ist ja Wiesn und man muss billig vorglühen.
Ich bin noch unentschlossen, was ich von den neuen Zügen halten soll. Das Display mit den falschen Anzeigen kann ich nicht als Kinderkrankheit abtun, denn dafür ist das System schon lange im Einsatz. Ich bin gespannt, wann ich mal in einer vollen Bahn fahre, die mal wieder in der Stammstrecke liegen bleibt, weil das System so marode ist. Ich bin dann gespannt, wie die Menschen in der Heringsdose reagieren, wenn es weniger Sitzplätze gibt und sie deutlich mehr aneinander kleben. Hier bei mir im Test war der Zug fast leer. Nun, was mich wirklich freut, ist das hellere Licht in der Bahn. Vielleicht geht den Verantwortlichen ein Licht beim ÖPNV auf – zu wünschen wäre es ihnen, denn der Verkehrsinfakt in München ist da.

Filmtipp: Dressed to Kill von Brian de Palma

28. September 2018
Schockierend damals und heute: Dresses to kill ist auf Plural erschienen.

Schockierend damals und heute: Dresses to kill ist auf Plural erschienen.

Die frühen Filme von Brian de Palma mochte ich immer gerne. Ich bin ein großer Fan von Carrie, die Schwestern des Bösen, Teufelskreis Alpha oder Schwarzer Engel – alles Klassiker des modernen Horror- und Psychothrillers. Als dann Dressed to Kill 1980 in die Kinos kam und ich mich als Jugendlicher in die Vorführung schmuggelte, war ich von der Intensität des Films überrascht. Die Mischung aus harter Gewalt und Sexualität war heftig und ich ging nachdenklich aus dem Kino meiner Heimatstadt. Was hatte ich da gesehen? Ich sah viele Elemente von Alfred Hitchcock, aber auch eine etwas dünne Story.
Irgendwann später, viel später traf ich auf dem Filmfest München den Produzenten Samuel Z. Arkoff, der diesen Film und viele B-Horrorfilme produziert hatte. Wir kamen bei einem Glas ins Gespräch und er beschwerte sich, dass Dressed to Kill in den USA von der Filmfreigabestelle so verstümmelt wurde. Er wurde so was von entschärft. In Europa hatten wir die umgeschnittene Version im Kino gesehen, in den USA lief die geschnitten Version und im Fernsehen die total entschärfte Version.
Jetzt kam der Brian de Palma-Film Dressed To Kill auf Bluray heraus und die Agentur schickte mir ein Besprechungsexemplar – vielen Dank. Schön ist auf der Bluray unter Extras der Vergleich der verschiedenen Schnittfassungen des Films.
Zur Einstimmung auf den Film holte ich mir ein altes MAD-Heft von 1980 aus dem Archiv. Dort wurde aus Dressed to Kill der Titel Gespresst für den Müll. Zudem schaute ich alte Cinema-Ausgaben durch in denen der Film damals besprochen wurde. Mit diesem Futter ausgestattet, sah ich mir die Bluray an. Von der Intensität hat der Film von 1980 nichts verloren. Das Bild ist optimal auf Bluray transferiert und der Ton passt auch. Kaum lief die Musik von Pino Donaggio, der schon die Musik von Carrie gemacht hatte und im gleichen Stil Dressed to Kill komponierte, erinnerte ich mich an meine Reaktion damals im Kino. Eine nackte Angie Dickinson als Kate Miller befriedigt sich unter der Dusche und wird in ihrer Befriedigung hart attackiert – die Kamera immer voll auf die Details. Später wird sie brutal mit einem Rasiermesser ermordet. Das Gesicht, die Kehle, der Körper wird aufgeschlitzt. So eine brutale Intensität kenne ich von italienischen Schlitzerfilmen, aber nicht so von Hollywood.
Ich kritisiere nicht die harten Gewaltszenen oder die Sexualität des Films, ich kritisiere die Jugendfreigabe von 16 Jahren. Der Film geht an Grenzen. Die Frau wird als Subjektiv der Sexualität gesehen und für meinen Begriff schafft der klassische 16jährige die Abstraktion nicht und sieht nur das offensichtliche Geschehen auf dem Bildschirm. De Palma setzt sich mit seinem Über-Ich Alfred Hitchcock auseinander und bringt das Psycho-Thema in eine neue Zeit. Themen wie Transsexualität und Geschlechtsumwandlung waren 1980 für viele noch ein Tabuthema.
Filmisch wendet Brian de Palma die Rezepte von Carrie mit gesplitteter Leinwand an. Am Ende zitiert er sich selbst, wenn die Prostituierte Liz Blake, dargestellt von de Palmas damaliger Ehefrau Nancy Allen im Kleid und mit der Musik von Carrie ermordet wird und aus dem Alptraum erwacht.
Ich liebe in diesem Film die Kamerafahrten, die ein besonderes Tempo für den Film erzeugen. So ein filmisches Tempo kennen wir im Zeitalter der schnellen Schnitte und der festen Standeinstellungen immer weniger. De Palma hat bei Dressed to Kill ein tolles Händchen für die Einstellungen der Kamera. Die Kamera nimmt am Geschehen der Akteure teil. Nur zehn Jahre später bei Fegefeuer der Eitelkeiten ist die Kamera noch besser eingesetzt. Die späteren Filme von ihm wie Mission Impossible sind dagegen Hollywood-Standard ohne großer Kameraarbeit.
Großartig ist die Darstellungskunst von Michael Caine als Dr. Robert Elliott. Er macht nicht auf Norman Bates, sondern wir nehmen ihm die dissoziative Identitätsstörung ab. Caine kann einfach schauspielern und das ist gut zu sehen.
Was mich 1980 noch fasziniert hatte, ist 2018 dagegen lächerlich: die technischen Basteleien von Peter Miller, dargestellt von Keith Gordon. Er faselt was von Binärcode und Computern – hier ist der Film überholt. Als Jugendlicher fand ich die blinkenden Lichter der Schaltkreise chique, heute amüsieren sie mich nur noch.
Alles in allem war es gut, dass Dressed To Kill auf Bluray erschienen ist. Bei all den Veröffentlichungen von alten Material ist dieser Film eine cineastische Wohltat, wobei ich den Streifen erst ab 18. Jahren freigegeben hätte.

Buchtipp: The Art of Solo – a Star Wars Story

27. September 2018

Ganz so schlecht, wie jetzt getan wird, war Solo dann doch nicht. Meine Kritik über den Film Solo: A Star Wars Story habe ich ja ausführlich gebloggt. Ich weiß jetzt nicht genau, ob die Star Wars Geschichten um Obi Wan und oder Boba Fett weitergesponnen werden. Es heißt, Solo war kein finanzieller Erfolg. Fest steht, dass Disney sich wohl mehr Geld erwartet hatte, aber es dann doch nicht so eintraf.

Tolles Art of Buch zu einem schlechten Star Wars Film: Solo

Tolles Art of Buch zu einem schlechten Star Wars Film: Solo

Aber ich will nicht in das Wehklagen über Solo und Disney einstimmen – heute kommt die Blu ray Solo: A Star Wars Story auf den Markt. Um die Zeit zur Veröffentlichung zu überbrücken, habe ich mir das The Art of Solo: A Star Wars Story Buch gekauft und möchte es euch vorstellen. Beim Durchblättern erinnere ich mich an viele positive Seiten des Films. Er hatte klar seine guten Elemente, aber reicht das aus für einen guten Star Wars? Nun, es ist kein richtiger Star Wars für mich geworden, aber es ist ein guter Film geworden, ein Action-Film, wie er heute üblich ist. Das Star Wars Feeling kommt nur zeitweise auf – um es positiv zu sagen. 

Das Ausgangsmaterial der Zeichnungen, die Sketches und Entwürfe sind auf jeden Fall vielversprechend – da steckte viel Hirnschmalz und Kreativität in der Produktion. Beim Durchblättern habe ich meine eigene Geschichte über Han Solo gefunden und weiter gesponnen. Die gezeigten Bilder gaben mir Inspiration für meinen eigenen Solo Film, der nichts mit Disney zu tun hat. 

Ich erinnere mich gerne an so manch gute Szene im Film: als Beispiel sei nur die Zugszene genannt. Eigentlich ist der beste Darsteller des Films der Wookie geworden und wenn ich richtig nachdenke, ist eigentlich der Falke der wichtigste Darsteller. Er wird im Art of-Buch auch ausführlich gewürdigt. 

Die Verfolgungsjagd zu Beginn des Films erinnert mich ein bisschen an das PlayStation Spiel Wipeout. Die Fahrzeuge sind fantastisch, aber es macht nicht soviel Spaß, wie das Videospiel. Manches Mal hatte ich auch das Gefühl einen James Bond Film sitzen. Es erinnerte mich doch sehr viel an die Autojagd in Diamantenfieber und dann wieder an Bullit mit Steve McQueen. Und das ist das Problem mit dem Film: Er erinnert an zu viele Hollywood-Produktionen. Vieles hat man schon gesehen, das Auge ist verwöhnt und das Hirn auch. Die Anfangssequenz mit den weißen Wurm hatte viele Paten. Zum einen erinnert es mich an die Kreaturen aus dem unsäglichen der Last Jedi, zum anderen hat man sich ganz gut an Alien orientiert.

Noch ein Beispiel? Die Jagd nach Coaxium, dem flüssigen Treibstoffs für Hyperraumantriebe, ist doch sehr stark an das Spice bei Dune angelegt.

Aber: Ich will nicht den Film kritisieren, sondern das Buch The Art of Solo: A Star Wars Story macht Spaß beim Durchblättern und sich erinnern. Es ist ein schönes Buch zu einem schönen Film geworden, der leider kein Star Wars-Film ist, aber so tut als sei er einer. 

Unterstützung des Smart TV: Logitech K600 TV Tastatur

26. September 2018
Die K600 TV Tastatur in der Nähe des Smart TV.

Die K600 TV Tastatur in der Nähe des Smart TV.

Es ist immer wichtig, aus seinem persönlichen Schneckenhaus herauszutreten und die Dinge von außen zu betrachten. Als Logitech die K600 TV Tastatur vorstellte, war mir klar, ich brauche dieses 80 Euro teure Device eigentlich nicht. Aber ich stellte schnell fest: Auch wenn ich es nicht brauche, wurde so eine Tastatur von meinem Umfeld als Heilsbringer erwartet.
Die Logitech K600 TV Tastatur nutzt das volle Potenzial des Smart TVs dank einer kabellosen Tastatur mit Touchpad und Steuerkreuz. Persönlich brauche ich das nicht, denn ich nutze Smart TV nicht, sondern arbeite mit separaten Anbietern wie Apple TV oder Amazon Fire TV und deren Eingabegeräten sowie der Sprache. Klassisches lineares Fernsehen ist bei uns zu Hause fast komplett tot. Aber auch wenn ich es nicht nutze, dann nutzt es meine Umgebung, denen ich die Logitech K600 TV Tastatur vorgestellt habe. Zur Internationale Funkausstellung, wie die IFA in Berlin früher hieß, hat Logitec das Teil vorgestellt.


Was macht also das Teil? Diese vielseitige All-in-One-Tastatur bringt die volle Leistungsfähigkeit eines Smart TVs zur Geltung. Zudem gibt es präzise Texteingaben (Passwörter bei Internetbestellungen) und eine äußerst präzise Menü- und Cursorsteuerung, wenn man durchs Internet am heimischen TV-Gerät surft. In der Praxis zeigte sich bei meinem Samsung-Gerät, dass sich Inhalte schnell finden und aufrufen lassen. Ich beobachte meine Freunde, wie schnell und präzise sie durch die smarten Menüs scrollten und sie bestätigten mir, dass es eine enorme Erleichterung sei. Die leichte Tastatur liegt im Wohnzimmer griffbereit herum, kann auch mit den Tasten nach unten liegen oder in der Sofaritze stecken. Sie lässt sich mit beiden Händen halten und nutzen. Die Batterien sollen laut Logitec zwölf Monate halten, was ich nicht nach einem Monat nicht überprüfen konnte.


Die Reichweite liegt bei 15 Metern, was grundsätzlich toll ist, aber bei meinen schlechten Augen sehe ich bei 15 Metern kaum noch den Fernseher, geschweige denn einen Web- oder Menüinhalt.
Ich habe es mit meinem Samsung getestet. Logitec erklärt zudem, dass es mit LG, Sony Bravia und Philips auch funktionieren soll – konnte ich aber nicht prüfen. Auf jeden Fall klappt es mit Samsung SUHD / UHD powered by Tizen (2016 models and later), LG OLED / SUHD / UHD powered by Web OS (2016 models and later), Sony BRAVIA UHD powered by Android TV (2016 models and later) und Philips UHD powered by Android TV (2016 models and later). Hier können Sie prüfen, ob das TV-Gerät mit der Logitech K600 zusammenarbeitet.
Zudem spricht die Tastatur mit Windows, MacOS, iOS und Android an – allerdings habe ich es nicht mit den neuen Versionen von iOS 12 und macOS Mojave getestet, sollten aber problemlos funktionieren.
Für die Verbindung mit der Glotze und mehr gibt es ein Kurzwahltasten-Setup: Ansonsten die Tastatur mit dem Smart TV verbinden und auf k600setup.logi.com gehen.
Fn + 4 for Samsung
Fn + 5 for LG
Fn + 6 for Android TVs like Sony and Philips but also for Android Phones and Tablets
Fn + 7 for Windows
Fn + 8 for Mac
Fn + 9 for iOS
Fn + 0 for Chrome OS

Also, wer Smart TV nutzt, für den ist die Logitech K600 eine absolute Arbeitserleichterung und bringt einen klaren Gewinn.

Das Teil liegt gut in der Hand.

Das Teil liegt gut in der Hand.

Meine 5 Minuten Ruhm zur Wiesn dank Ritter Sport

25. September 2018

Es lässt sich nicht gerade behaupten, dass ich ein großer Wiesn-Fan bin. Als Pendler bin ich von den Auswirkungen des Oktoberfestes in München betroffen: Gedränge, Lautstärke, Trunkenheit und Ausscheidungen. Frohsinn sieht für mich anders aus. Ich habe persönlich auch nicht nur gute Erinnerungen an das große Volksfest, die mich betroffen gemacht haben. 

Fehler von Ritter Sport und ich habs mal fotografiert.

Fehler von Ritter Sport und ich habs mal fotografiert.

Und dennoch sorgte die Wiesn für meine 5 Minuten Ruhm in den Medien. Auf einer Reise zu meinen Vorträgen muss ich am Münchner Hauptbahnhof von der S-Bahn in den ICE umsteigen. In der auf Oktoberfest gestalteten Bahnhofshalle platzieren Firmen ihre großflächige Werbung. Die Werbetafel des Schoki-Herstellers Ritter Sport machte mich beim Gang zu meinen ICE stutzig: „Wies‘n Tipp: nach jeder Maß eine Kleinigkeit essen“. Gleich zwei Fehler in einer Werbezeile: Der Deppenapostroph und Maß statt Mass. 

Und gleich mal das Foti getwittert.

Und gleich mal das Foti getwittert.

Ich fotografierte die Werbung und twitterte meinen Post: „Oh  #Rittersport – gerne kann ich als ehemaliger Textchef unterstützen #Schoko“. Ich war einstmals Textchef der PC Professionell und von redtec publishing, ein IT-Verlag der Süddeutschen. Gleichzeitig informierte mich meine Frau, dass der Münchner Merkur via Facebook ein Foto mit er falschen Schreibweise für seine Online-Berichterstattung suchte. Sie hatten in einer Facebook-Gruppe einen Aufruf gestartet. Ich schickte vom ICE aus das Bild an die ehemaligen Kollegen der Tageszeitung, die es den Onlinern weiterreichten. 

Derweil nahm meine Twitter-Meldung Fahrt auf. Sie wurde geteilt, geliked, kommentiert, geklaut. Den Netzwerkeffekt in sozialen Medien lässt sich an diesem Beispiel ideal bemerken. Viral verbreitete sich mein Tweet samt Foto in Twitter weiter und weiter. 

Inzwischen griffen klassische Massenmedien mein Foto auf. Der Münchner Merkur und die tz, zwei Medien des Ippen-Konzerns, brachten mein Foto. Ich wurde auch als Leserreporter bezeichnet. Aus meinem Foto war eine Meldung geworden. Schließlich geht es um die Wiesn und damit um Auflage und Reichweite. Ich machte einen Screenshot und verbreitete diesen Screenshot gleich mal wieder weiter. 

Auch die w&v griff meinen Tweet auf.

Auch die w&v griff meinen Tweet auf.

Als dann die w&v, ein Magazin für Werber und Marketingmenschen, meinen Tweet aufgriff und betonte: „Wenn es um die Wiesn geht, dann wird es ernst“ bekam ich haufenweise neue Follower – ein netter Nebeneffekt. 

Die Berichterstattung hat inzwischen wohl auch die Agentur von Rittersport erreicht Und der zuständige Mitarbeiter der Agentur von Ritter Sport hat wohl von seinem Auftraggeber einen unfreundlichen, aber eindeutigen Hinweis bekommen. Wenn Preußen Werbung in Bayern machen kann das wohl passieren. Ritter Sport ließ verlauten, dass man den Fehler umgehend korrigieren werde. Und sie siehe da: Am nächsten Tag, als ich wieder in den Hauptbahnhof mit dem ICE einfuhr, war das Deppenapostroph überpinselt. Der Rechtschreibfehler Maß statt Mass wurde allerdings belassen – soviel Nähe zur bayerischen Sprache war dann doch nicht möglich. 

Ende gut, alles gut - ein Fehler wurde korrigiert. Die Maß statt Mass bleibt.

Ende gut, alles gut – ein Fehler wurde korrigiert. Die Maß statt Mass bleibt.

Natürlich musste ich neuerlich ein Foto von der korrigierten machen. Auch die Massenmedien stellten die korrigierte Fassung online – Schadenfreude eben, die nicht böse gemeint ist.

Natürlich ist das Ganze ein Sturm im Wasserglas und bringt die Welt nicht weiter. Ich fand die Sache aber dennoch sehr nett und irgendwie was meine persönliche Rache an der Wiesn.  Ach ja, Ritter Sport: Gerne könnt ihr für die kostenlose Werbung ein paar Tafeln Vollmich und Alpenmilch rüberwachsen lassen 🙂

Blogger müssen zur Marke passen – Über das Verhältnis Blogger und Agenturen

24. September 2018
Auch Blogger unterstützten Aktionen zur Pressefreiheit wie hier in Berlin auf einem Straßenschild, denn Blogger sind Teil der Medienlandschaft.

Auch Blogger unterstützten Aktionen zur Pressefreiheit wie hier in Berlin auf einem Straßenschild, denn Blogger sind Teil der Medienlandschaft.

Ein gängiges Vorurteil von Journalisten ist: Blogger wollen doch nur etwas bei Unternehmen abgreifen und haben mit richtigem Journalismus nichts am Hut. Ich wollte der Sache auf den Grund gehen und haben bei verschiedenen Agenturen nachgefragt. Werden Blogger von Agenturen eigentlich ernst genommen? 

Natürlich ist nicht jeder Blogger ein Journalist und manche wollen es auch bewusst nicht sein. Unsere Medienwelt befindet sich in einem Umbruch und klassische Berufsbilder verändern sich durch die zunehmende Digitalisierung. Ein einzelner, gut vernetzter Blogger kann heute viel bewirken und durch geschicktes Nutzen von sozialen Netzwerken kann er seine Botschaft skalieren und sich in der medialen Welt behaupten. Dabei müssen Blogs nicht nur die Kombination von Text/Fotos sein, sondern gerade auf der Bewegtbildplattform YouTube lassen sich enorme Reichweite und Resonanzen generieren. 

Agenturen nutzen die Macht von Bloggern und arbeiten mit ihnen zusammen. Die Kommunikation hat sich von einer Einbahnstraße in einen Dialog durch Social Media verändert. Facebook, Twitter & Co sind nicht nur weitere Kanäle, sondern haben die Art der bisherigen Kommunikation in Massenmedien auf den Kopf gestellt. Empfehlungsmarketing ist heute wichtiger denn je. Wenn meine Freunde oder Bekannten etwas empfehlen, ist es glaubwürdiger für mich als wenn eine klassische Anzeige oder ein klassischer Artikel erscheint. Das gilt auch bei Blogs hinter denen ein Mensch steht. 

Zudem nutzen Blogs die Möglichkeit des langen Schwanzes, des Long Tails. Long Tail ist eine Theorie, die der ehemalige Chefredakteur des Wired Magazine Chris Anderson 2004 vorstellte, nach der ein Anbieter im Internet durch eine große Anzahl an Nischenprodukten Gewinn machen kann. Der Name leitet sich von der Ähnlichkeit der Verkaufsgrafik mit einem langen Schwanz ab. Nischenprodukte wie Blogs sind auf Dauer erfolgreicher als wenige Bestseller.

Auf dem konventionellen Markt sind die Kosten, um Nischen anzubieten, zu hoch, denn in einem geografisch begrenzten Gebiet sind zu wenig Käufer dafür vorhanden. Der Regalmeter im Laden kostet einfach zu viel Miete. Diese geografischen Beschränkungen gibt es im Internet nicht. Angebot und Nachfrage können sich hier auf einer virtuellen Ebene treffen. Indem die Produktionsmittel jedermann zu Verfügung gestellt werden, kann auch jeder etwas herstellen. Die Radio-Theorie von Brecht ist Wirklichkeit geworden. Blogger haben eine Demokratisierung der Produktionsmittel erkannt und nutzen sie. 

Und genau hier werden die Blogger für Agenturen interessant. Aber man muss genau hinsehen, denn Agentur ist nicht Agentur.  

Inklusion braucht Innovation: “Neue Nähe”-Hackathon von Aktion Mensch und Microsoft - eingeladen hatte dazu Faktor3 auch Blogger.

Inklusion braucht Innovation: “Neue Nähe”-Hackathon von Aktion Mensch und Microsoft – eingeladen hatte dazu Faktor3 auch Blogger.

Thomas Hahnel ist Geschäftsführer der Münchner B2B-Agentur Lucy Turpin-Hedinger Communications GmbH. „Im B2B-Umfeld spielen klassische Blogger eher eine untergeordnete Rolle, das war schon vor ein paar Jahren so und hat sich nicht geändert, eher sogar abgenommen. Ausnahmen bestätigen die Regel, natürlich gibt es gute Blogs, die fast schon Themenportale sind und auch manche Redakteure von Fachmagazinen bloggen. Die Bedeutung für die Branche sehe ich aber nicht als derart meinungsbildend an, wie bei den Endconsumern. Der Vollständigkeit halber sollte man noch erwähnen, dass so manches Unternehmen selbst gute Blogs zu bieten hat, die wiederum durchaus Gewicht haben können. Für die Kommunikation in der Branche sind es Influencer, die eine große Rolle spielen. Die haben manchmal gar keinen klassischen Blog. Sie sind evtl. nur auf Twitter, Facebook oder mit Videos unterwegs.“

In Hamburg bei der Agentur Faktor 3 beobachten Theresa von Hurter und Sven Labenz den Medienwandel ganz genau. Faktor 3 ist eine inhabergeführte Kommunikationsagentur mit mehr als 200 Mitarbeitern und rund 80 Kunden wie Microsoft, Samsung, Haribo, REWE, Beiersdorf, Logitech oder Porsche. Labenz fragt: „Gibt es in der Kommunikation etwas Beständigeres als den stetigen Wandel? Das gilt für die Zielgruppe, den Content und die richtigen Kanäle. Selbstverständlich zählen Blogger und Influencer, genau wie klassische Journalisten und andere Content-Createure, zu den relevanten Stakeholdern der Kommunikation – aber auch das greift beinahe schon zu kurz. Bei der Vielzahl der kommunikativen Netzwerke und Möglichkeiten fällt es zudem schwer, eine dieser Zielgruppen isoliert zu betrachten. Gibt es den klassischen Blogger, der nur auf einem Kanal aktiv ist, überhaupt noch? Und wenn ja, an welchem Content ist er interessiert?“

Auf jährlichen Community-Veranstaltungen wie die re:publica in Berlin kommen Agenturen und Blogger zusammen.

Auf jährlichen Community-Veranstaltungen wie die re:publica in Berlin kommen Agenturen und Blogger zusammen.

Andrea Weinholz von Profil Marketing aus München und Braunschweig bringt es kurz und knapp auf den Punkt: „Blogger haben eine große Bedeutung für uns. Mit einigen Bloggern arbeite ich schon seit vielen Jahren – sehr gern – zusammen und generell werden sie immer wichtiger für unsere Arbeit.“

 Blogger erzählen anders Geschichten als klassische Massenmedien  und sind daher für die Kunden der Agenturen interessant. Storytelling ist das neue Zauberwort. Andreas Weinholz dazu: „Da fallen mir speziell die Blogger ein, die ähnlich arbeiten wie etablierte Medien, d.h . die seriöse Tests machen und Kooperationen auch deutlich kennzeichnen. Da ich für sehr unterschiedliche Bereiche arbeite, sind sowohl IT-Blogs als auch Lifestyle-Blogs interessant für meine Kunden.“ Aber Andrea Weinholz spricht ein Problem der Branche an: die schwarzen Schafe. Was ist Werbung? Was ist gekaufte Information und wird diese gekennzeichnet? Aus diesem Grunde organisieren sich Blogger und achten in einer Selbstverpflichtungserklärung auf Transparenz. Der Bloggerclub e.V. arbeitet beispielsweise mit dem PresseClub München zusammen. Die Mitglieder des Bloggerclubs verpflichten sich zum Bloggerkodex. Der Kodex dient einer transparenten Kommunikation gegenüber den Besuchern eines Blogs. Auch definiert der Bloggerkodex die notwendigen Regelungen für Kooperationen mit Unternehmen. Dieser Kodex beschreibt das Selbstverständnis als Blogger in diesem Spannungsfeld und hat ebenso das Nutzerinteresse im Blick wie eine professionelle und transparente Zusammenarbeit zwischen Bloggern, Unternehmen und Organisationen. Diese Regeln gelten äquivalent auch für Social-Media-Kanäle.

Andrea Weinholz dazu: „Generell freue ich mich über Anfragen. Natürlich bekomme ich auch mal welche, die nicht passen, und es gibt auch schwarze Schafe, die gezielt und penetrant nach Testmustern fragen, ohne dann jemals einen Test zu veröffentlichen. Aber das sind Ausnahmen. Die meisten Blogger, mit denen ich zu tun habe, arbeiten sehr professionell und haben auch Verständnis dafür, dass Kunden nicht immer bereitwillig Produkte verschenken können. Natürlich überprüfen wir die Blogs mit entsprechenden Tools, aber es geht hier nicht nur um Zahlen. Wichtiger ist mir persönlich, dass ein Blog gut gemacht ist, authentisch ist und Potential hat.“

Sascha Pallenberg war einstmals erfolgreicher Blogger und arbeitet heute für die Unternehmenskommunikation der Daimler AG, in die er im Dezember 2016 wechselte.

Sascha Pallenberg war einstmals erfolgreicher Blogger und arbeitet heute für die Unternehmenskommunikation der Daimler AG, in die er im Dezember 2016 wechselte.

Blogger als Partner von Agenturen

Sven Labenz aus Hamburg sieht Blogger als Partner: „Auch wenn unsere Kunden von Technologie, über Food, Automotive bis Beauty extrem divers sind, eint sie der Gedanke gemeinsam mit uns, die Unternehmens-PR stetig zu hinterfragen und voran zu treiben. Und dazu zählt eben auch, die richtige Zielgruppe zu kennen, aber auch den Schulterschluss mit dem Marketing zu suchen. Dabei beobachten wir immer wieder sich verändernde Stakeholder-Mappings – denn natürlich sind auch innerhalb eines Kunden die kommunikativen Ziele, Möglichkeiten und relevanten News vielfältig. 

Auch Theresa von Hurter und Sven Labenz sehen Blogger als Partner: „Wir nehmen jede Anfrage ernst und versuchen gemeinsam mit dem Blogger und unseren Kunden den richtigen Content für den richtigen Kanal zu finden. Das muss zur Marke passen – und damit ist sowohl der Blog, als auch das Unternehmen gemeint.“

Kurz und knapp erklärt Thomas Hahnel von der B2B-Agentur, welche Blogger für seine Arbeit interessant sind: „Die Guten! Die Ernsthaften! Die Kritischen! Die Branchenkenner! Die, die eine Meinung haben.“ Hahnel sieht das geänderte Medienverhalten. „Selbstverständlich gehen wir mit Bloggeranfragen um, wie mit jeder anderen Anfrage auch. Für Ansprechpartner, die die Beziehung zur Öffentlichkeit eines Unternehmens oder Organisation pflegen, sollte es keine Vorbehalte gegen oder Sonderbehandlung für irgendjemand geben. Wie wichtig der einzelne Blogger/in als Multiplikator im Sinne der strategischen Unternehmenskommunikation ist, ist dann noch einmal ein andere Frage – das gilt aber auch für jeden Journalisten, YouTuber oder für jede andere Anfrage.“

Dieser Artikel erschien ursprünglich im PresseClub Magazin des Internationalen PresseClubs München. 

Letzter Ausstellungstag im Filmmuseum: 2001: Odyssee im Weltraum

23. September 2018
Das Sternenkind aus 2001.

Das Sternenkind aus 2001.

Heute ist der letzte Ausstellungstag der sehenswerten Ausstellung Stanley Kubricks 2001: A SPACE ODYSSEY im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main. Die Ausstellung ist absolut sehenswert. 

Ich habe mir die Ausstellung mehrmals angesehen und bin enorm fasziniert von den Exponaten. Filmfreunde wissen, dass Regisseur Stanley Kubrick viele der Filmrequisiten nach Abschluss der Dreharbeiten vernichten ließ. Die 2001-Ausstellung in Frankfurt zeigt viele der geretteten Originalexponaten und Modelle. Die zahlreichen Ausstellungsstücke stammen aus internationalen Sammlungen und aus dem Stanley Kubrick-Archiv der University of the Arts London.

Stanley Kubricks 2001: A SPACE ODYSSEY (GB/US 1968) ist ein Meilenstein der Filmgeschichte. Noch vor der ersten bemannten Mondlandung lieferte dieser Film mittels raffinierter Tricktechnik faszinierende, realistisch wirkende Bilder des Weltalls. Viele Motive wurden geradezu ikonographisch für das Science-Fiction-Genre, so etwa die im Erd-Orbit zu den Klängen des Donauwalzers kreiselnde Space Station V. Der Film, der am 2. April 1968 seine Welturaufführung hatte, beeinflusste Generationen von Regisseuren. Heute gilt 2001 als audiovisuelles Gesamterlebnis und als Film, der das Genre revolutionierte.

Der legendäre Brunnen aus 2001, de reicht verwendet wurde.

Der legendäre Brunnen aus 2001, de reicht verwendet wurde.

Die Ausstellung zeigt originale Designs, Modelle, Kostüme, Requisiten, Drehpläne, Produktionsunterlagen und Fotos aus Kubricks Archiv. Sie beantwortet die Frage, wie Kubricks Vision von der Zukunft entstand, und inwieweit sie eingetreten ist. Darüber hinaus setzt sie den Film in den Kontext seiner Zeit und blickt auf die Rezeptionsgeschichte: 2001 hat in mehr als 200 Filmen, in Musikvideos und Werbung, in Design, Malerei, Architektur und Poesie Spuren hinterlassen. In einem eigenen Teil der Ausstellung werden Arbeiten aus unterschiedlichen Kunstgattungen vorgestellt, die von Kubricks Meisterwerk inspiriert sind.

Ich verbrachte bei meinen Besuchen immer einen ganzen Tag im Filmmuseum und habe seit einem halben Jahr immer wieder über meine Eindrücke der Ausstellung gebloggt. 

Stundenlang vertiefte ich mich in die Ausstellung und hatte den Film 2001 auf dem Smartphone dabei, um die Ausstellungsstücke mit dem Film zu vergleichen. Kubricks Special Effects war noch nicht digital, sondern rein analog. CGI war ein Fremdwort und dennoch hatten die Zuschauer das Gefühl on Location zu sein.

Der Tricktechniker Douglas Trumbull hat hier Wegweisendes geleistet. Diese Tricks werden in der Ausstellung ausführlich erklärt. Jan Harlan, Schwiergersohn von Stanley Kubrick, berichtete mir ein paar Hintergründe. 

Bewegend für mich war die Begegnung mit dem Sternenkind. Das Starchild am Ende des Films bietet enorme Interpretationsmöglichkeiten. Es war für mich ein Erlebnis ganz Name am Sternenkind zu stehen und in die Augen der Puppe zu sehen. 

Und für mich als Fan wirklich revolutionär war eine Zeichnung eines Brunnens, der für die Space Station V gebaut werden sollte. Ich habe von diesem Bild immer wieder gelesen, aber in Frankfurt in der Kubrick-Ausstellung habe ich das Bild zum ersten Mal gesehen. Kubrick hatte sich bei den Dreharbeiten entschlossen die Szene nicht zu drehen. 

Also heute die Ausstellung in Frankfurt anschauen. Der nächste Stopp ist Barcelona. 

2001 Odyssee im Weltraum und das Spielzeug dazu

21. September 2018

Mir brachte die geniale Stanley Kubrick-Ausstellung im Frankfurter Filmmuseum, die nur noch bis zum 23. September 2018 läuft, eine geniale Sammelanregung. Es wurde Spielzeug, Merch sowie Produkte ausgestellt, die von Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum inspiriert wurden. 

Neben all den Bücher – das Highlight kommt aus dem Taschen-Verlag wie The Making of Stanley Kubrick’s ‚2001: A Space Odyssey‘ – und dem überzeugenden Ausstellungskatalog, finden sich Blu rays, Poster und mehr. Mein Hauptaugenmerk lag aber auf Produkte, die als Folge von 2001 entstanden sind. Allen voran waren die Actionfiguren von Executive Replicas aus dem Jahre 2017.

Hier wurden für teuer Geld die Raumanzüge der Discovery nachgebaut. Leider hatte ich das 2017 nicht mitbekommen und konnte jetzt erst meinen Dr. Frank Poole erwerben. Die Figuren sind nicht zum Spielen, sondern zum Sammeln gedacht. Mal sehen, ob ich weitere Figuren noch bekommen – die Preise sind aber astronomisch hoch. An Farben gab es violett, schwarz, grün und weiß. Ich selbst habe Frank Poole in gelb und ich muss jetzt ganz scharf überlegen, ob und wo es im Film 2001 einen weißen und einen schwarzen Raumanzug gab. 

Ich habe auf jeden Fall ein Unboxing meines Frank Poole in gelb gemacht und bin stolz, dass ich als Kubrick-Fan noch eine Figur aus der limitierten Ausgabe im Maßstab 1:6 bekommen habe. 

Louis XVI-Raum aus 2001 aus Lego 

Dann entdeckte ich in Frankfurt ein Fan-Projekt, das offiziell nie vertrieben wurde. Der Louis XVI-Raum, das Sterbezimmer von Dave Bowman gegen Ende von 2001. Aus 695 Legosteinen baute ein gewisser Manuel Fernández Rivero im Jahre 2018 dem Raum nach, samt Sterbebett. Als Lego-Fan muss ich mal sehen, ob ich die Bauantleitung auftreibe. Manuel Fernández Rivero bietet seinen Bausatz auch in eBay an. Auf jeden Fall inspirierte mich dieses Ausstellungsstück mal wieder selbst kreativ zu werden. 

Schallplattenspielers im Stile der Space Station V

Nachdem es ja verschiedene Bausätze aus Plastik der 2001 Raumschiffe gibt, die ich nicht kaufen werde, sah ich als Mensch der alten analogen Zeiten einen Vinyl-Schallplattenspieler aus dem Jahre 2013. Er wurde von Soulines aus Belgrad geschaffen. Das Design des Schallplattenspielers orientiert sich an der Space Station V aus dem Film. Über die Qualität des Schallplattenspielers kann ich nichts sagen, finde ihn aber originell. 

Spielkonsole Odyssee 2001 von Philips

Als Retro-Gamer freute es mich natürlich, dass ich eine Retro-Konsole aus dem Jahre 1977 in der Frankfurter Ausstellung entdeckte. Es handelte sich um die Spielkonsole Odyssee 2001 von Philips. Ich selbst war ja Atari 2600-Fan und stieß erst später in die Welt der Videospiele ein. Diese frühe Konsole konnte Tennis, Hockey und Squash in einer pixelgrafik simulieren. Es wird wohl eine Homage an das Pong sein, ohne dass Philips die Lizenzgebühren berappen wollte. Schade, dass in Frankfurt die Konsole nicht angeschlossen war – ich hätte gerne ein paar Runden gezockt.

BMX-Fahrrad – versteh ich nicht

Dann gab es noch ein BMX-Fahrrad zu sehen. Es trägt den Namen Space Odyssee und stammt von dem französischen Hersteller Bogarde. Das Set des Louis XVI-Raums wurde nachgebaut und ein Astronaut fuhr auf dem Fahrrad zur Werbung. Naja, wenn ich ehrlich bin, haute es mich nicht vom Hocker und ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Damit will ich nichts über die Qualität des BMX-Fahrrads aussagen – wobei mich BMX mehr an E.T. Der Außerirdische von Spielberg als an 2001 von Kubrick erinnert. 

Über die 2001-Comics habe ich bereits gebloggt. Inzwischen habe ich alle Comics dieser Serie in einer 1a-Qualität aufgekauft und rahmen lassen. Lesenswert sind die Comics nicht unbedingt, aber Spaß machen sie allemal. 

Wenn aus Whiskyfässer Surfbretter werden

20. September 2018

Das Einzige was ich mit Surfen zu tun habe, ist die fabelhafte Musik der Beach Boys. Dann gab es noch einen Surfer-Film aus dem Jahre 1973 mit Namen Crystal Voyager zu dem Pink Floyd die Musik gemacht hatte – und das war es dann schon mit meinen Surf-Berichten.

Aber jetzt wurde ich stutzig, als ich heute, dass Whiskyfässer werden zu handgefertigten Holz-Surfbrettern verarbeitet werden. Das finde ich eine originelle Idee von Glenmorangie. Ich habe aber nicht gelesen, dass Surfer verpflichtet sind auf diesen Brettern dann auch Whisky zu verköstigen. 

Auf jeden Fall ließ mich die Meldung aufhorchen. Erstmals verwandelt die schottische Whiskydestillerie Glenmorangie in einer Partnerschaft mit Grain Surfboards aus Maine / USA ihre Whiskyfässer in handgefertigte Surfboards. Damit setzt die Hochlanddestillerie mit den höchsten Brennblasen Schottlands ihre Reihe „Beyond the Cask“ fort.

Die charakteristischen amerikanischen Weißeichen-Fässer des Glenmorangie Originals werden nur zweimal zur Whiskyreifung gefüllt und garantieren den komplexen und facettenreichen Geschmack dieses Single Malts. Wenn kein Ardbeg zur Hand ist, dann nehme ich auch gerne einen Glenmorangie, nachdem ich gelernt habe, wie man Glenmorangie richtig ausspricht: „The Orangie in Morangie.“

In einer limitierten Serie bauen die Holzspezialisten von Grain Surfboards aus den Fass-Dauben stylische Surfbretter in traditioneller Bootsbautechnik. Ein Brett kostet 4700 Euro zzgl Fracht nach Deutschland. Bestellungen hier.

Dazu gibt es auch Stimmen aus den beiden Unternehmen: Für Bill Lumsden, Director of Distilling, Whisky Creation & Whisky Stocks bei Glenmorangie, verdient solch ein spezielles Holz ein weiteres, spektakuläres Kapitel: „Ich werde häufig gefragt, was mit unseren Whiskyfässern passiert, wenn die Reifung abgeschlossen ist. Deshalb denken wir über den Lebenszyklus dieser Fässer schon länger nach und kooperieren mit Partnern wie Grain Surfboards, die unsere kreative Vision, Leidenschaft und Geduld teilen, um dem Holz eine weitere Verwendung zukommen zu lassen.“ 

Mike LaVecchia, Gründer von Grain Surfboards, sagt: „Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit Glenmorangie und diese Boards erfüllen uns mit Stolz. Welche unglaubliche Transformation, dem verwendeten Holz so eine schöne neue Bedeutung zu geben.“ Die Grain Glenmorangie Original Surfboards sind unter höchstem Aufwand handgearbeitet und mit industriell produzierten Boards nicht zu vergleichen. Das verwendete Holz umfasst in Maine gewachsene nördliche weiße und rote Zeder sowie 12 Eichendauben von Glenmorangie. Somit werden Surfer ungefähr auf einem halben Whiskyfass jeweils Wellenreiten.

Ich für meine Person kaufe mir kein Surfbrett, weil mich die Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen zwar freut, aber ich kein Surfer auf dem Wasser werde. Ich bleibe beim Surfen im Netz und hörte dazu Beach Boys.

Stern: Hitler-Tagebücher, die Fake News vor 35 Jahren

18. September 2018
Bringt viel Lichts ins Dunkel: Das Buch über die Hitler-Tagebücher.

Bringt viel Lichts ins Dunkel: Das Buch über die Hitler-Tagebücher.

Ich könnte mir in den Hintern beißen – Verzeihung für meine Ausdrucksweise. Ich Depp habe meine Originalausgabe mit der Enthüllung der Hitler-Tagebücher vom Stern irgendwann ins Altpapier gegeben. Wie konnte ich als Sammler so blöd sein, solch ein medienhistorisches Dokument einfach wegzuwerfen. Jetzt kocht der Ärger über mich wieder hoch. Dieser Tage wird die Enthüllung der Hitler-Tagebücher 35 Jahre alt. Diese Tagebücher entpuppten sich als Fälschung. Der renommierte Stern saß einer Ente auf, verlor an Reputation und fiel ganz tief. 

Im Moment läuft gerade eine Ausstellung zum 70. Geburtstag des Sterns in Hamburg. Wenn ich Zeit habe, schaue ich sie mir als Medienfuzzi an. Der Stern hatte insgesamt 62 Bände von dem Fälscher Konrad Kujau angekauft und dafür 9,3 Millionen DM gezahlt. Obwohl sie Fälschungen sind, gehören sie zur Pressegeschichte. Die Hitler-Tagebücher hatten Wellen geschlagen. Es war einer der größten Skandale der deutschen Pressegeschichte. 

Nun, der Fall Hitler-Tagebücher ist beim Stern aufgearbeitet worden und der Verlag hat seine Konsequenzen gezogen. Es heißt, dass bei der heutigen Recherche so etwas nicht mehr passieren kann. Das glaube ich gerne. Der Mediendienste turi2 hat ein schönes Interview mit dem amtierenden Chefredakteur gemacht. 

Die Fake News sind inzwischen andere und werden heute viral in sozialen Netzwerken produziert und verbreitet. Sie stammen nicht in der Regel nicht mehr von ausgebildeten Redakteuren und Kunstfälschern, sondern von Otto Normalverbraucher, der durch soziale Netzwerke und deren Netzwerkeffekte Macht in die Hände bekommen hat. Oder die Fake News werden gleich von Regierungen selbst verbreitet. Auf einem Schüler-Seminar sprach ich einmal über Werte und dann meldete sich ein Schüler mit den Worten: „Was Sie da über Werte in einer Gesellschaft erzählen, dass verstehe ich. Doch wenn mich der mächtigste Mann der Welt regelmäßig anlügt, wen oder was soll ich dann noch glauben?“ Aber nicht nur Präsidenten lügen, ganze Parteien ballern im Stundentakt Lügen heraus. In Twitter habe ich 2015 einen schönen Spruch gelesen: Der Neider erfindet das Gerücht, der Dumme erzählt es allen und der Vollidiot glaubt es.“ 

Wir müssen besser hinschauen. Wir müssen unsere Quellen verifizieren. Wir müssen nicht alles glauben, nur weil es uns in den Kram passt. Als Lokalreporter habe ich vor 25 Jahren  gelernt, die Damen und Herren Gemeinderäte erzählen mir unter 1, unter 2 oder unter 3 nichts, ohne dass sie ein Eigeninteresse daran haben. Also wir brauchen Medienkompetenz. 

Aber zurück zum Stern und den Hitler-Tagebüchern. Wie beschrieben, habe ich meinen Stern von damals weggeworfen (unverzeihlich). Aber der Umgang mit dem Thema interessiert mich als Medienschaffender. Vor zehn Jahren, also 2008, 25 Jahre nach der Veröffentlichung der Fälschungen erschien ein sehr lesenswertes Buch von Michael Seufert Der Skandal um die Hitler-Tagebücher. Michael Seufert war damals beim Stern und wurde vom Verleger Henri Nannen beauftragt, den Skandal aufzuklären. Ich habe das Buch an einem Tag in einem Rutsch durchgelesen. Es ist sehr gut geschrieben, was kein Wunder ist, denn Journalist Michael Seufert versteht sein Handwerk. Die dargebrachten recherchierten Fakten sind belegt und gut redigiert. Seufert nimmt uns als Leser mit auf eine Reise durch Gier nach Auflage und Lizenzen. Nun, es ist natürlich nicht so komisch wie Dietls Schtonk!, für mich eine hinreißende Verfilmung des Stoffes, sondern das lesenswerte Buch ist schon eine Aufarbeitung, die es in sich hat. Das Buch zeigt Abgründe aus dem Mediengeschäft, widerliche Abgründe von Selbsttäuschung eines Medienhauses. Absolute Leseempfehlung für Der Skandal um die Hitler-Tagebücher von meiner Seite.