Posts Tagged ‘Horrorfilm’

Filmtipp: Katakomben von John Erick Dowdle

22. Juli 2021

Nein, Katakomben wird den Abenteuer- und Horrorfilm nicht revolutionieren, aber ich muss zugeben, mir hat dieser Film Katakomben aus dem Jahre 2014 Spaß gemacht. Voraussetzung ist aber, dass man als Zuschauer sich auf den Film einlässt. Nun, ich muss zugeben, mich hat das Thema interessiert. Katakomben sind geheimnisvolle, beängstigende Orte – es sind Friedhöfe und damit eine spezielle Umgebung. Und der Film spielt eben die meiste Zeit in den unterirdischen Katakomben von Paris mit seinen sechs Millionen Leichen. Und da dieser Ort eng, zum Teil sehr eng ist, bereitet sich das Gefühl der Klaustrophobie im Film aus und überträgt sich in den besten Momenten auf den Zuschauer.

Hinzu kommt eine Abenteuergeschichte: Die Suche nach dem Stein der Weisen – ein bisschen Dan Brown, ein bisschen Indy Jones, ein bisschen Tomb Raider und das ist das Problem – von jedem ein bisschen, aber nichts wirklich schlüssiges, elegantes, was mir vor den Augen flimmert, oder vielmehr wackelt. Der Kamerastil ist eine Art Found Footages, den Blair Witch bekannt gemacht hat. So werden mit Wackelkamera archäologische Rätsel gelöst, andere erst gar nicht aufgeklärt und das dies in einem rasanten Tempo. Ein bisschen Dante hier, ein wenig Templer dort und fertig ist die Geschichte. Erst in den letzten 15 Minuten wandelt sich Katakomben zum Horrorfilm, der sich zuvor immer wieder angedeutet hat. Hier und da ein Schockmoment, den den klaustrophobischen Schauer unterbricht und gegen Ende kommt der Terror. Gehängte, Zitate von Jean Cocteau, Zeichnungen von Gustave Doré und alles auf dem Kopf gestellt. Katakomben ist kein großes Kino, aber 93 beängstigende Unterhaltung.

Filmtipp: Eleonore – Horrorfilm von 1975

27. Juni 2021

Der Film Eleonore ist für mich in doppelter Hinsicht ein vergessener Film. Zum einen ist der Film in der Reihe vergessene Historienfilme auf DVD erschienen, zum anderen hatte ich diesen Film auf DVD in meinem Archiv vergessen und wurde erst wieder von meinem Filmkollegen Stefan Preis erinnert, dass der Film seit zehn Jahren in meinem Besitz ist.

Der Film Eleonore ist für mich in doppelter Hinsicht ein vergessener Film. Zum einen ist der Film in der Reihe vergessene Historienfilme auf DVD erschienen, zum anderen hatte ich diesen Film auf DVD in meinem Archiv vergessen und wurde erst wieder von meinem Filmkollegen Stefan Preis erinnert, dass der Film seit zehn Jahren in meinem Besitz ist.
Eleonore ist ein wunderbarer Schauerfilm aus dem Jahre 1975 unter der Regie von Juan Bunel, der Sohn des großen Bunel. Wie ich recherchierte, lief der Film vor Urzeiten wohl im deutschen Fernsehen und war dann in den Archiven verschwunden. Erst das Voulez vous-Label brachte den Film wieder zum Vorschein mit einer DVD-Veröffentlichung aus dem Jahre 2010. Ich habe keine Bluray-Fassung des romantischen Horrors bisher gefunden. Verdient hätte es dieser Klassiker allemal.


Als ich mir den Film damals blind gekauft hatte, ging ich fälschlicherweise von einer literarischen Vorlage von Edgar Allen Poe aus. Aber ich täuschte mich: Eleonore wurde geschrieben von Ludwig Tieck (1773 bis 1853). Die Verfilmung hat eine Besetzung, die sich sehen lassen kann. Vor der Kamera der große Michel Piccoli sowie die großartige Liv Ullmann und eine bezaubernde junge Ornella Muti. Hinter der Kamera stand Luciano Tovoli, den wir später bei Argento wieder treffen. Den Score schuf Ennio Morricone – was muss man also noch sagen?

Auf DVD erschien der Film als Historienfilm, was dem Werk aber nicht gerecht wird. Ich würde ihn als Grusel- oder Schauerfilm, wenn nicht gar als Horrorfilm, aber auf jeden Fall zum fantastischen Film einordnen. Die ersten 50 Minuten sind ein Melodram über den Verlust der großen Liebe und die Sehnsucht nach ihr und es ist große Schauspielkunst. Der Ritter Richard verliert seine Eleonore bei einem Reitunfall und begräbt sie trauernd in einer Gruft. Er kommt aber nicht los von ihr, heiratet ein junges Ding und wird Vater von zwei Jungs. Das Herz und der Verstand bleiben aber in Erinnerung an Eleonore.

Nach 50 Minuten taucht ein Fremder auf und bringt die Verstorbene zurück ins Leben. Und nun beginnt der Horror. Eine unschuldige Hexe wird verbrannt, die Pest geht um. Die Untote tötet Kinder in der Umgebung und auch die Stiefsöhne müssen daran glauben. Der Untoten ist nicht bewusst, dass sie tot war und ins Leben zurückgeholt wurde. Scheinbar wird sie nur am Leben erhalten, wenn sie Kinder tötet. Das Leben ernährt sie und daher die Anleihen vom Vampirfilm. Dennoch ist in in Eleonore kein Tropfen Blut oder spitze Zähne zu sehen. Jugend als Lebenselixier.

Im Grunde eine Mischung aus dem Vampirthema und Rebecca von Daphne du Maurier in der Hitchcock-Verfilmung. Eleonore als tragische Figur. Richard verfällt der Untoten immer mehr, will sie aber dennoch mit Zauberei bezwingen und geht aber gemeinsam in den Tod.

Filmtipp: Hagazussa von Lukas Feigelfeld

21. Mai 2021

Hexenfilme gibt es im Horrorgenre weniger als andere Ausprägungen wie Vampire oder gestörte Killer. Eine Perle dieses Subgenres kommt aus Deutschland von Lukas Feigelfeld. Hagazussa – der Hexenfluch ist bildgewaltiges, eindringliches Kino, aber zugleich schwere Kost.

Hagazussa ist althochdeutsch für Hexe und da fängt der Tiefgang des zutiefst emotionalen Streifens schon an. Es ist Kopfkino pur – lange Aufnahmen, keine schnelle Montage. Es ist nichts für flüchtige Zapper oder Effektfrekas, sondern der Film verlangt unbedingte Konzentration und ein Einlassen auf die gezeigten Bilder. Der Film war der Abschlussfilm von Regisseur Feigelfeld an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und ich bin von diesem Talent extrem angetan. Hagazussa kommt mit wenigen Dialogen aus, bringt stattdessen eindrucksvolle Bilder von Kamerafrau Mariel Baqueiro, untermalt von Ambientgothic-Musik vom MMMD. Feigelfeld zitiert Tarkowski, Bergman und Kubrick.

Ich habe mir den Film Hagazussa – Der Hexenfluch laut über Kopfhörer angehört und ich bekam es mit der Angst zu tun. Die Atmosphäre ist gespenstisch. Die Naturwirkung ist expressionistisch und knüpft an große Vorbilder wie Murnau an.
Die wenigen Darsteller sind exzellent besetzt, vor allem Aleksandra Cwen als Albrun, die von ihrer Umgebung als Hexe bezeichnet wird.

Kurz die Handlung: Albrun führt gemeinsam mit ihrer Mutter im 15. Jahrhundert ein karges Leben in einer Berghütte in Österreich. Der plötzliche Tod ihrer Mutter nimmt sie schwer mit, außerdem wird sie von den Dorfbewohnern für eine Hexe gehalten. Sie hat selbst ein Kind, jedoch keinen Ehemann. Albrun findet schließlich eine Freundin in einer anderen Frau aus der Gegend. Doch fortan plagen sie Visionen. Sie spürt, dass im Wald etwas Böses auf sie lauert.
Durch den Genuss von Pilzen fängt Albrun an zu halluzinieren, ertränkt ihr Kind und verfällt ihrem Wahn. Sichtbar schmerzhaft für Albrun, aber auch den Zuschauer ist das Verspeisen des Kindes. Das letzte Bild ist dann die Verbrennung in einer Totalen, vielleicht eine Verbeugung vor Tarkowski? Der unheimliche Film mit seinen 103 Minuten ist in vier Kapitel streng eingeteilt: Schatten, Horn, Blut und Feuer.

Klare Empfehlung für Zuschauer, die traumhaftes Surreales im Horrorfilm genießen wollen. Hagazussa – Der Hexenfluch wird euch begeistern.

Filmtipp: Relic – dunkles Vermächtnis

3. Mai 2021
Der Dämon im Kopf.

Der Film ist ein filmisches Experiment und es ist ein gelungenes Experiment. Relic mischt Drama mit Elementen des Horrorfilms. Der Film lockt den Zuschauer auf eine völlig falsche Fährte und lässt ihn verstört und beschämt zurück. Relic – dunkles Vermächtnis ist für mich eine wunderbare Entdeckung und ist eine absolute Empfehlung.

Ich kaufte die Bluray Relic – Dunkles Vermächtnis in Erwartung einer spannenden Haunted House Geschichte. Vielleicht auch mit bösen Dämonen, denn das gibt Spukhäusern die richtige Würze. Es begann auch als solider Horrorfilm der alten Schule mit knarrenden Türen, langen Schatten und geheimnisvollen Pochen. Doch dann entpuppte sich Relic als handfestes Familiendrama und erwischt mich als Zuschauer eiskalt.

Der Geisterdämon entpuppte sich als Geisteskrankheit, als brutale Demenz, die jeden von uns treffen kann. Der Horror kommt nicht von übernatürlichen Geisteswesen, sondern er kommt aus unserem Gehirn, das mehr und mehr vergisst. Mit den Stilmittel des gotischen Horrorfilms erzählt Regisseurin Natalie Erika James die Geschichte vom geistigen Verfall der Mutter und der Hilfslosigkeit von Tochter und Enkelin und deren Panik. Demenz ist der wirkliche Horror in diesem spannenden Film, der ohne erhobenen Zeigefinger auskommt. Und auch wenn die Mutter aggressiv wird, das Messer zieht, Nachbarskinder einsperrt – der Dämon in ihren Kopf nimmt von der Persönlichkeit mehr und mehr Besitz.

Am Ende obsiegt die Familie, der Zusammenhalt und der Entschluss, die kranke Mutter nicht alleine zu lassen. Und am Ende wird klar, dass sich die Demenz vererbt von der Mutter auf die Tochter. Das tut weh und ist der weitere Schock am Ende. Relic – Dunkles Vermächtnis ist für mich eine absolute Empfehlung.

Film- und Musiktipp: Die Schlangengrube und das Pendel

15. Februar 2021

Als Schüler habe ich bei einem Freund Filme geschaut, die ich zu Hause nicht schauen konnte, weil wir nicht über die entsprechende technische Ausstattung verfügten. Es war das Zeitalter von Super 8, lange vor Video. Seine Eltern hatten eine große Sammlung an Super-8-Filmen und nach der Schule zogen wir uns dann und wann einen Film auf 8 mm auf einem knatternden Bauer-Projektor und Mono-Lautsprecher rein. Zu den Filmen gehörte auch Die Schlangengrube des Dr. Dracula.

Jahrzehnte später sah ich den Film wieder, der eigentlich die Schlangengrube und das Pendel hieß. Unsere gekürzte Super-8-Fassung hatte einen reißerischeren Titel – in dem Film tauchte freilich nie ein Doktor mit Namen Dracula auf. Christopher Lee war der Böse und damit firmierte die Super-8-Fassung als Dracula. Als erfahrener Karl May-Seher erkannte ich Old Shatterhand wieder, der von Lex Barker darstellt wurde. An seiner Seite spielte die großartige Karin Dor, die in Man lebt nur zweimal an der Seite von James Bond Sean Connery internationalen Ruhm erlangte.

Und wieder Jahrzehnte als alter Mann später sah ich Die Schlangengrube und das Pendell wieder in einer Mediabook-Version als restaurierte Version auf Bluray. Und was soll ich sagen: Ich bin begeistert. Die Geschichte basiert ganz lose auf Edgar Allan Poe und ist Versuch eines gescheiterten deutschen Nachkriegshorrorfilms. Gedreht wurde er von Harald Reinl, einem Routinier des deutschen Nachkriegskinos, der mit Nibelungen immer einen Platz in meinem Filmherz besetzt hat.

Was ist die Geschichte? Im Jahre 1801 wird Graf Regula (Christopher Lee) wegen Mordes an zwölf Jungfrauen gevierteilt. Viele Jahre später erhalten Roger Mont-Elise (Lex Barker) und die attraktive Baronesse Lilian von Brabant (Karin Dor) eine Einladung in das verrufene Sandertal. Die Fahrt durch gespenstische Wälder führt sie direkt in die Ruinen des Schlosses von Graf Regula und dessen Folterkammer. Noch kann niemand ahnen, dass hier die Wiederbelebung des Grafen vorbereitet wird, doch dafür braucht dieser noch das Blut einer dreizehnten Jungfrau.

Die Geschichte ist eher naja, aber so war eben der Trash, freigegeben von der FSK ab 12 Jahre. Ich mag die Drehorte wie beispielsweise unser Mittelalterkleinod Rothenburg ob der Tauber. Genau in der Filmszenen hat die Familie einer Bekannten ein Hotel. Ich muss sie mal befragen, ob ihre Eltern etwas von den Dreharbeiten mitbekommen haben.

Das Kellergewölbe von Graf Regula (klingt schon irgendwie nach Dracula) ist in den Bavaria-Film-Studios entstanden und ist ein tolles Set-Design. Ich habe ein paar Mal die Studios am Geiselgasteig besucht, aber leider nie etwas von den großartigen Kulissen des Films mehr zu Gesicht bekommen. Wahrscheinlich ist die Folterkammer schon längst vernichtet worden. Ich erinnere mich als Kind, dass ich von den Kulissen begeistert war. Heute erkenne ich eine expressionistische Kopie von Hieronymus Bosch an den Wänden, die ich zum ersten Mal auf einer Deep Purple Schallplatte sah.

Als ich mir den Film Die Schlangengrube und das Pendel jetzt wieder ansah, war ich erstaunt über die dichte Atmosphäre. Die Story war noch immer dünn, aber dennoch hat mich der Streifen gepackt. Vor allem das Color Grading war perfekt. Welches Autodesk-System es auch war, die Artists beherrschen ihr Equipment und erzeugten einen spannenden Film-Look. Der 4K-Scan wurde behutsam bearbeitet, restauriert und ausgespielt ohne das Kinokorn der Sechziger Jahre zu beschädigen. Im Grunde lässt sich sagen: In diesem Film trifft Herzblut auf Professionalität – so macht Film Spaß. Es wurde soviel Leben aus dem verstaubten und beschädigten Material herausgeholt.

Persönlich kamen die intensivsten Erinnerungen der Kindheit bei der Fahrt durch den Wald mit den Leichen in den Ästen wieder hoch. Es war für mich eine große Verbeugung vor La Belle et la Bête von Jean Cocteau aus dem Jahre 1946 gemischt mit den knalligen Gespenster-Comics meiner Jugend. Ein wenig deutsche Gothic-Romantik im Film, die später hierzulande nie wieder erreicht wurde.

Die Wirkung von der Schlangengrube und das Pendel lag auch an der erstaunlichen Musik von Peter Thomas. Es gab nur wenige deutsche Filmkomponisten seiner Größe. Rolf Wilhelm gehörte sicher dazu. Die Musik von Peter Thomas begleitet mich mein ganzes Leben hindurch – Edgar Wallace oder Jerry Cotton seien nur genannt. Sein Score zur Raumpatrouille gehört zu den großen deutschen Filmmusiken, die in die Geschichte der Filmmusik eingegangen sind. Zur Die Schlangengrube und das Pendel ist der Score in limitierter Auflage im roten Vinyl erschienen. Mir hat Walter Potganski von MovieMax dankenswerterweise ein Exemplar überlassen. Großartige Musik an deren Wiederveröffentlichung Peter Thomas bis zu seinem Tode am 17. Mai 2020 im Alter von 94 Jahren gearbeitet hatte. Dazu habe ich ein extra Video aufgenommen.

Dracula im Film (14): Dracula (1958)

14. Februar 2021

Als ich Dracula von Terence Fisher zum ersten Mal im Fernsehen sah, war ich fasziniert von diesem Hammer-Film. Es war der zweite Horror-Film von der Insel von der Produktionsgesellschaft mit dem coolen Namen Hammer. Nach Frankenstein mit dem Duo Cushing/Lee kam Blood of Dracula, wie der Film in den USA hieß. Ich war fasziniert und für mich ist diese Verfilmung noch immer eine der besten Versionen von Bram Stokers Vampirgeschichte.

Ich war vertraut mit Bela Lugosis Interpretation des Bühnenstücks von 1931: Getragen, in Schwarzweiß mit der Musik von Schwanensee und theatralischen Schauspiel des Ungarn. Von der spanischen Version, die in den gleichen Kulissen zur gleichen Zeit gedreht wurde, habe ich erst viel später erfahren. Lugosi war lange Zeit mein Dracula im Frack und dann kam Christopher Lee: Eiskalt, gnadenlos, elegant und animalisch. Lugosi war gut, Lee war besser und an der Seite von Peter Cushing war der Hammer-Film ein wahrer Hammer.
Jetzt kam eine restaurierte Bluray-Version des Films Dracula von 1958 auf den Markt und wir erleben den Horror ein paar Sekunden in brillanter Bildqualität mehr. Auf der Bluray gibt es die Originalfassung und die restaurierte Fassung. Der Schluss, die Vernichtung des Grafen nach einer Idee von Cushing, ist nun schärfer und ein paar Takte länger. Es soll noch eine längere japanische Version geben, die ich allerdings noch nie gesehen habe. In einem Archiv sei eine beschädigte Version aufgetaucht – ob es stimmt sei dahingestellt.

An diesem Dracula stimmt einfach alles: Schauspiel, Kulissen, Ausleuchtung, Kamera und der Score von James Bernard mit dem bekannten Dracula-Motiv. Natürlich ist Hammer Trash und anders als die Universal-Filme der 30er Jahre. Ich saugte Eversons Klassiker des Horrorfilms auf, der Hammer in die untere Schublade verbannte. Aber das hat Hammers Dracula nicht verdient. Die Farbfilme schufen ein neues Horrorzeitalter.

Erinnert sei nur an den Vorspann von Dracula von 1958. Das Schloss wird monochromatisch gezeigt, die Kamera bewegt sich (anders als die Kameras von Karl Freund bei Tod Browning). Sie streift umher und kommt auf dem Sarg von Dracula zur Ruhe. Dann: Es tropf knallrotes Blut auf den Sarg – das Ende des Schwarzweißfilms ist eingeläutet. Schnitt auf das blutrote Tagebuch von Jonathan Harker und los gehts. Mit dieser Szene hat sich Dracula seinen Platz in der Filmgeschichte gesichert. Dann sehe ich zum ersten Mal im Film die Zähne von Dracula. Es gab zwar die Rattenzähne von Max Schreck in Nosferatu, Bela Lugosi hatte keine Vampirzähne, erst Christopher Lee trug die blutverschmierten Beißerchen und dann alle Vampire nach ihm.

Und dann haben wir noch das Ende. Dracula verbrennt im Sonnenlicht, nachdem er von Van Helsing mit einem improvisierten Kreuz getrieben wird. Erst in der restaurierten Fassung sind mir die leidenden Augen im brennenden Torso von Dracula aufgefallen. Horror pur. Also: Wer sich für Dracula interessiert, der kommt um Dracula von Terence Fisher aus der Hammer-Schmiede nicht herum. Der Klassiker Dracula im neuen, restaurierten Look.

An Halloween läuft Suspiria von Dario Argento

31. Oktober 2020

Halloween steht vor der Tür und damit die Frage, welcher Horrorfilm soll es sein? Nachdem Kollegen sich Romeros freigegeben Dawn of the Dead im Kino ansehen, werde ich mir an einem anderen Klassiker erfreuen: Suspiria von Dario Argento aus dem Jahre 1977.

Suspiria mit Goblin im Februar 2020 in Leipzig.

Die Verbindung zu beiden Filmen ist der Soundtrack von Goblin. Die italienische Band hat sowohl für Zombie als auch für Suspiria die Musik geschrieben. Zuletzt habe ich Suspiria im Frühjahr 2020 gesehen, also vor Corona, als die Welt noch in Ordnung war. In Leipzig gab es in einer Kirche (!) eine Aufführung des Films samt Live-Musik von Claudio Simonettis Goblin, die mich sehr beeindruckt hat.

Ich mag die Atmosphäre des Films. Das liegt sicher daran, dass Teile in meiner Geburtsstadt München gedreht wurden. Der Königsplatz samt blutigen Mord wurde von Dario Argento theatralisch in Szene gesetzt. Und es gibt ein paar Szenen beim alten BMW-Gebäude und am Flughafen München Riem, der schon lange abgerissen wurde. Die Handlung des Film spielt allerdings offiziell in Freiburg – und das rote Gebäude steht dort in Wirklichkeit als Haus zum Walfisch. Im Film ist es allerdings ein detailreicher Studiobau.
Suspiria ist unglaublich blutig und unglaublich theatralisch. Diese Verbindung schätze ich an Dario Argento. Im Grunde ist der Filme eine intensiv inszenierte Hexengeschichte. Hexen sind ein Thema, das nicht so oft auf der Leinwand zu sehen ist, das macht den Film noch ungewöhnlicher. „Magic is everywhere“ ist das Motto des Films.

Bekannt ist der Film durch den Einsatz von intensiven Farben, die an Zeichentrick erinnern. Lange vor Colorgrading musste analoger Film diese Wirkung schaffen. Argento dreht auf Eastman-Color-5254-Negativfilm, der bei entsprechender Entwicklung grün, gelb und rot dominieren ließ. Was heute ein Klick in einem Autodesk-System ist, war 1977 noch große Postproduktion im Entwicklungsprozess des Negativfilms. Dadurch entfaltet der Film seine enorme optische Wirkung. Dario Argento erklärte einstmals, dass er die Farben von Disney-Filmen verwenden wollte.

2018 entstand unter der Regie von Luca Guadagnino ein Remake des Spielfilms. Zunächst war ich skeptisch, aber mir gefiel die neuerliche Blut- und Hexenorgie dann doch. Sie ist im Zeitalter der Hochphase der RAF angelegt mit Anleihen an das Dritte Reich. Die Neuverfilmung bringt Körper zum Bersten und vergießt auf andere Weise wie das Original literweise Blut. Es gibt eine schöne Sammlerbox Suspiria – Ultimate Edition, die auf 3000 Exemplare limitiert ist, die sämtliches Material des alten und des neuen Films samt Soundtracks enthält.

Ich wünsche euch ein fröhliches Halloween. Feiert allein, trefft euch nicht. Es droht nicht der Boogeyman, sondern Corona und – feiert keine Partys. Corona ist kein Spaß. Und dennoch Happy Halloween.

Buchtipp zu Halloween: Monsters in The Movies von John Landis

30. Oktober 2018

Als ich mich auf Halloween vorbereitete, hatte ich ein paar Blurays zum Auswählen für die Gattin vorbereitet. Es soll eine gruselige Nacht werden und die Auswahl reicht vom deutschen Expressionismus (Caligari und Nosferatu), über gepflegten Nebel-Spuk (The Fog) bis hin zu US-Schlitzer (Halloween und Halloween H20) und diverse Italo-Schlitzern (D‘Argento). Ich bin gespannt, was die Herzdame auswählt.

Monsters in the Movies bietet einen schönen gruseligen Überblick über Horrorfilme.

Monsters in the Movies bietet einen schönen gruseligen Überblick über Horrorfilme.

Inspiration, welchen Film wir anschauen sollten, holte ich mir aus meinem umfangreichen Filmarchiv und aus der einschlägigen Literatur. Ich schaute mir das Buch Monsters in the Movies von John Landis an. Ich mag solche Filmbücher mit allerlei großen und kleinen Monstern. Eines meiner Lieblingsbücher meiner Jugend war Klassiker des Horrorfilms von William K. Everson aus dem Jahre 1979. Das liegt schon ein paar Jahre zurück und es wird Zeit für neue Horrorfiguren. Also muss John Landis her, der uns schon mit seinem American Werwolf als Jugendlicher begeisterte. Er bietet 100 Jahre Kinoalpträume in einem Buch. Klingt gut, also los.
Im Grunde ist das Coffee-Table-Book eine Art Bilderbuch, aufgelockert mit ein paar Geschichten und Interviews von Typen aus dem Horrorumfeld. Ich genieße die Zeitreise durch den Horrorfilm, schaute mir die Bilder an, las die Textschnipsel und erkannt, dass ich sehr viele von den Filmen kannte. Der fantastische Film war jahrelang ein Steckenpferd von mir und zumindest die Klassiker kenne ich allesamt. Mit dem modernen Horrorfilm tue ich mich schwerer, merke aber, dass es mir mehr und mehr die asiatischen Streifen angetan haben.
Das Buch selbst ist nicht nach Jahreszahlen, sondern vielmehr nach Genres und Monster geordnet. So gibt es die Draculas und Vampire, die Frankensteins und verrückten Wissenschaftler, die Zombies und die Geister, dann aber auch die King Kongs und die zahlreichen Tierhorrorfilme, es gibt einen Exkurs von Monstern aus dem All, Abstecher in die Antike, die Abgründe von Fantasy und dann stehen wir auch dem Teufel selbst in seinen vielen Erscheinungsbildern gegenüber. Es gibt Klassiker, wahre Perlen, vergessene Schätze und allerhand Schund zu sehen, aber die Mischung machst und die Dosis ist genau die richtige zu Halloween. Wer also in der Orientierungsphase ist, welchen Horrorfilm er sich zu Halloween anschauen soll, dem sei das Buch ans Herz gelegen. Und der Horrorfilm-Fan hat einen schönen Wälzer zum Schmökern.

 

Buchtipp: Hammer Glamour von Marcus Hearn

21. Januar 2018

Dieses Buch ist der Hammer. Verzeiht mir diesen doofen Witz, aber er musste bei diesem Buch einfach sein. Es geht um das Filmbuch Hammer Glamour, das ich wieder entdeckt habe. Im Grunde geht es um die zum Teil leicht bekleideten jungen Damen, die in den Hammer-Filmen aufgetaucht sind.
Hammer war eine Filmgesellschaft, die Ende der fünfziger Jahre den Horrorfilmmarkt aufrollte. Produktionen wie Dracula, Frankenstein und Mumie ließen die Jugend in die Kinos strömen und die Stars wie Christopher Lee oder Peter Cushing hochleben. Hammer brachte Farbe, Gewalt und Sex in den Horrorfilm. Tja und zu Sex gehörten eben die jungen Damen dazu, die sich vom Grafen Dracula beißen lassen müssen.

Marcus Hearn hat mit Hammer Glamour ein Bilderbuch mit schönen Frauen vorgelegt. Allerdings musste ich schmunzeln, denn Glamour erinnert mich eher an die Zeiten des alten Hollywoods mit Stars wie Marlene Dietrich, Jane Russell, Greta Garbo, Bette Davis oder Rita Hayworth. Die Arbeit in den Schnellproduktionen bei Hammer war sicherlich nicht glamourös, sondern harte Fließbandarbeit. Es musste schnell gehen und preiswert musste die Sache auch sein. Und dennoch haben die Filme einen besonderen Charme, was sicherlich auch den entzückenden Damen zu verdanken ist. Und dieses Buch ist ein Streifzug und zeigt die weiblichen Stars und Sternchen bei Hammer. Das Cover ziert Madeleine Smith, die in drei Hammer-Produktionen auftauchte und mit ihren Reizen spielt.
Mal mit weniger Bekleidung, mal in provokanten Posen, mal klassische Setcards, mal Filmszenen – alles ist zu finden in diesem schön gemachten Bilderbuch mit ergänzendem Text. Es ist ein Wiedersehen mit Caroline Munro, mit Ingrid Pitt, Ursula Andress, Stefanie Powers, Raquel Welch oder der Hammer-Star Barbara Shelley. Es waren auch ein paar Deutsche darunter wie Hildegard Knef oder Nastassja Kinski.
Das Buch ist hochwertig, schön gedruckt und hervorragend von Marcus Hearn recherchiert und dennoch: Es ist Trash und ich mag diesen Trash. Diese britischen Horrorklassiker sind einfach Kult und zu diesem Kult gehören einfach die Hammer-Girls, wie ich sie jetzt einmal bezeichnen will. Später wurde diese Tradition wieder in Großbritannien aufgenommen, als es 1962 an die Reihe der James Bond Filme ging. Neben Bond gab es auch immer ein oder mehrere Bond-Girls. Und es war Hammer-Girl Ursula Andress, die zum ersten Bond-Girl der Geschichte wurde als sie mit ihrem weißen Bikini den Fluten entstieg. Eigentlich war es ja anders herum. Andress war zuerst bei Bond und dann 1965 bei Hammer in dem Film She. Hammer-Girl Joanna Lumley tauchte übrigens auch in einem Bond-Film auf: Im Geheimdienst ihrer Majestät gehörte die Schönheit zur bösen Truppe um Blofeld.
Auf jeden Fall ist Hammer Glamour ein schönes Buch für den Fan des britischen Horrors, der dann in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu Ende ging. Hammer verlor den Anschluss an die Jugend. Der Horror kam nun von geistesgestörten Killern wie Leatherface oder Michael Meyers. Da waren die Dracula und Frankensteins und Mumien auf verlorenen Posten – und es halfen auch die leichtbekleideten Hammer-Girls nichts.

Persönlicher Nachruf auf George R. Romero

17. Juli 2017

George R. Romero ist tot und ich mache einen Nachruf.

George R. Romero ist tot und ich mache einen Nachruf.

Ein großartiger Filmemacher war George R. Romero für mich nicht gewesen, aber er war ein verdammt wichtiger Filmemacher. Er spielte nie in der Liga eines Kubrick, Spielberg oder Hitchcock. Und doch: Ohne ihn gäbe es keine filmische Aufarbeitung der US-amerikanischen Rassenfrage im Horrorfilm. Und wenn Romero nicht gewesen wäre, dann hätten wir keine Konsumkritik in den Siebzigern und Achtzigern führen können. Seine Filme waren einen Szenepublikum vorbehalten, das treu dem Meister zur Seite stand und immer wieder in seine Filme ging. Das breite Publikum erreichte er nicht.
George R. Romero sorgte dafür, dass der Horrorfilm blutig wurde. Was schreibe ich blutig? Er war der Wegweiser des Splatter- des Gore-Filmes. In seinen Filmen ging es richtig zur Sache: Da zerplatzen Köpfe, Gliedmaßen wurden abgetrennt, Augen quollen heraus – ach ja, ohne George R. Romero hätte es die Gewaltdebatte im Videofilm nicht gegeben und die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (wie die Behörde damals hieß) hätte weniger zu tun gehabt. Nach George R. Romero folgten die italienischen Vertreter des Genres, allen voran Lucio Fulci, die uns ihre preiswertere Version der Zombie-Saga erzählten wollten und Kasse machten.
Ohne George R. Romero hätte es fernsehtauglichen Zombie-Versionen nicht gegeben. Die Brutalität von Walking Dead ist um ein vielfaches höher als bei Dawn of the Dead und dennoch waren George R. Romeros Filme immer wieder ein Opfer der Zensur. Es wurde geschnitten und verstümmelt. Ich besorgte mir Schnittberichte und verglich Laufzeiten. Es war ein Aufwand, die Originalversionen zu erhalten. Es war immer schwer, an seine Filme in einer umgeschnittenen Version heranzukommen. Es gab und gibt gute Bezugsquellen in Österreich, die ich nutze. Mein erster Kontakt zu George R. Romero war eine Laserdisc von Dawn of the Dead von 1978, die ein Kumpel anschleppte. Im Kino hatte ich Dawn of the Dead nicht gesehen. Ich stand zwar vor dem Kinoplakat vor dem Capitol-Kino meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck mit der theatralischen Aufschrift „Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, dann kommen sie zurück auf die Erde.“ Das reizte mich schon. Aber ich war zu jung, die Kontrollen waren zu streng und das Internet gab es noch nicht. Der erste Romero-Film für mich war übrigens Crazies, den ich als 16 mm-Kopie in einem Filmclub sah. Noch ganz ohne Zombies, aber mit einem guten Thema der Umweltzerstörung und die Folgen auf eine Kleinstadt.
Im Laufe der Jahre schaute ich mir all seine Living-Dead-Filme an. 1985 „Zombie 2“ („Day of the Dead“); 2005 „Land of the Dead“; 2007 „Diary of the Dead“; und 2009 „Survival of the Dead“. Der Reiz an Gore-Effekten ließ nach und ich interessierte mich mehr für die Inhalte. Und da erkannte ich für mich, welch guter Film Die Nacht der lebenden Toten ist. Preiswert in schwarzweiß gedreht ging der Film dem Zuschauer an die Nerven und griff eine Diskussion über Rassismus auf. Kein Wunder, dass die Nacht der lebenden Toten heute als Kunst gilt und in das Museum of Modern Art wanderte.
George Romero starb im Alter von 77 Jahren an den Folgen einer kurzen, aber schweren Lungenkrebserkrankung.