Posts Tagged ‘Horrorfilm’

Neca-Sammlerfiguren: Die Grady Zwillinge aus Shining

9. Juni 2022

Stanley Kubrick war mein Regiegott. Ich verehre seine Filme und kann sie mir wieder und wieder ansehen. Und ich sammle das Merchandising um die Filme. Soeben habe ich die Grady Zwillinge erstanden.

Im Film von 1980 wurden die beiden Mädchen von Lisa und Louise Burns als die „Grady-Schwestern“ dargestellt. Ihr einziger Satz war „Komm, spiel‘ mit uns, Danny!“ und es lief mir kalt den Rücken herunter.
In dem Horrorstreifen spielen Lisa und Louise Burns die getöteten „Grady-Schwestern“, die Danny, dem kleinen Sohn von Ex-Lehrer Jack Torrance (gespielt von Jack Nicholson), als Geister erscheinen. Der sieht sie mal im Flur stehen, mal blutüberströmt auf dem Boden liegen. Das war es auch dann schon mit der Filmkarriere der beiden Schwestern. Lisa und Louise Burns üben heute die Berufe der Mikrobiologin und Anwältin aus.

Jetzt habe ich die beiden Zwillinge als Sammler-Figur, herausgegeben von Neca in der Reihe Toony Terrors. Die Figuren wurden von Adrienne Smith geschaffen und sind in eine Art Kinoreklame verpackt, das von Chris Raimo kreiert wurde. Auf der Rückseite der Blisterkartonverpackung ist der Gang zum Ausschneiden abgedruckt in dem der Zuschauer die Zwillinge begegnet. Neca hat die 15 Zentimeter Version der lebenden Zwillinge in den Verkauf gebracht. Die Version mit den Kinderleichen samt Axt gibt es nicht, wäre aber für den Shining-Fan auch interessant.

Dracula im Film (20): Vampire Hunter D Bloodlust

12. Januar 2022

Gleich vorweg: Dracula spielt in diesem Film nicht mit, aber Vampire, viele Vampire, und daher erscheint dieser Beitrag in meiner Dracula-Reihe.

Vampire Hunter D Bloodlust ist ein Anime aus dem Jahre 2000 und ich wurde in einem Anime-Forum auf den Film aufmerksam. Anime sind japanische Zeichentrickfilme und haben auch in Deutschland eine riesengroße Fanbase. Ich schätze Animes für ihre visionäre Ausdrucksweise, die anders als amerikanische Animationsfilme deutlich emotionaler und wandlungsfähiger sind.

Vampire Hunter D: Bloodlust spielt in der Zukunft in der Vampire nahezu ausgerottet sind. Die schöne, viktorianisch anmutende Schönheit Charlotte wird von Vampirbaron Meier Link entführt. Der Bruder setzt ein Lösegeld auf und Vampire Hunter D geht auf die Jagd. D selbst ist ein Halbvampir oder Dhampir. Hier greifen die Japaner die südosteuropäische Folklore auf, dass ein Dhampir das Kind eines Vampir-Vaters und einer menschlichen Mutter ist. In der westlichen Welt wurden die Wesen in Filmen wie der Blade Trilogy mit Wesley Snipes bekannt.

D findet Charlotte und erkennt, dass die Entführte freiwillig geflohen ist, um mit ihrer Liebe zusammen zu sein. Weitere Söldner, unter ihnen Leila, komplizieren freilich die Situation und es taucht noch eine Vampirherrscherin Carmilla auf. D und Leila schließen einen Pakt: Wer von den beiden länger lebt soll am Grab des anderen Blumen ablegen. Leila fürchtet, dass sie allein und unbeweint sterben wird.

Wir erinnern uns: Carmilla ist eine 1872 erschienene Novelle des irischen Autors Sheridan Le Fanu, in der die Begegnung einer jungen Frau mit einem weiblichen Vampir namens Carmilla erzählt wird. Die Japaner greifen diese Tradition auf, bauen sie in ihr Anime ein und interpretieren die alte Geschichte neu. Gleichzeitig gibt es auch ein Raumschiff im Schloss, dass die Geliebten in die Stadt der Nacht bringt. Alles schön romantisch, ziemlich blutig und hübsch anzusehen. Der ganze 102minütige Film Vampire Hunter D: Bloodlust ist ein Spaß aus blutigem Horror, Liebesgeschichte, Vampirfilm, Kopfgeldjäger-Film und Action-Kino.

Filmkritik: Der Fluch – The Grudge 1 & 2

2. Dezember 2021

Japanische Horrorfilme sind anders als ihre US-amerikanischen Vertreter, ganz anders. Sie sind intensiver und reflektieren die Kultur des Landes. Als ich zum ersten Mal Ju-on: The Grudge im Jahr 2002 sah, hatte ich mich wirklich gefürchtet. Die Herangehensweise der Geschichte um ein verfluchtes Haus war anders als was ich bisher gesehen hatte. Regisseur Takashi Shimizu lieferte in meinen Augen ein wahres Meisterwerk ab.
Aber ich habe auch so manche Andeutung im Film nicht verstanden, weil ich nicht den kulturellen Background Japans habe. Und damit war ich wohl nicht allein. Vielleicht war die japanische Version in Hollywood nicht so richtig vermittelbar.

So ging es an ein US-Remake. Die amerikanische Neuverfilmung des Stoffes heißt Der Fluch – The Grudge und wurde soeben als Doppel-Bluray veröffentlicht: The Grudge – Der Fluch 1 & 2.
Regisseur Takashi Shimizu durfte auch hier im Jahre 2006 auf dem Regiestuhl Platz nehmen und brachte dem Zuschauer eine versoftete Version der japanischen Geschichte näher. Um die US-amerikanischen Zuschauer nicht zu überfordern wurde Vampirjägerin Buffy Sarah Michelle Gellar für die Hauptrolle engagiert. Der ganze Stoff wurde für den westlichen Markt angepasst, was einerseits unseren Sehgewohnheiten entgegen kommt, andererseits den kulturellen Zauber des japanischen Originals zum Teil nimmt. Ich habe das Mediabook The Grudge – Der Fluch 1 & 2dankenswerterweise vom Verleih zur Besprechung erhalten.

The Grudge 1 war sehenswert und machte mir Spaß. Auch wenn ich das japanische Original emotional eindringlicher empfinde, hat mir der Teil 1 der US-Version einen vergnüglichen Horror-Abend bereitet. Der zweite Teil könnte dagegen auch überschrieben werden mit dem Titel Ein Gespenst reist nach Amerika. Der Horror wurde zum Teil nach Chicago versetzt und macht den Horror austauschbar, vorhersehbar und irgendwie langweiliger. Das ist mir bei zweiten Teil der japanischen Version nicht passiert, vielleicht weil dieser Kulturkreis für meine Augen doch fremd und ungewöhnlich ist. Da hilft es auch nichts, dass Takashi Shimizu auch im Teil 2 der US-Fassung wieder Regie führte. Die japanische und US-amerikanische Fortsetzung in Teil 3 habe ich nicht gesehen und im Grunde wird die Geschichte wohl weiter ausgewalzt.

The Grudge – Der Fluch 1 & 2 ist die Geschichte der Geister Mutter Kayako und Sohn Toshio, die in einem Haus in Tokioter Stadtbezirk Suginami spuken. Ich mag so Spukhäuser und Mutter und Sohn leisten ganze Arbeit. Jeder der das Haus betritt, erleidet einen körperlichen und seelischen Schaden. Vor allem wenn sich die Geister durch ein einzigartiges Sounddesign ankündigen, dann weiß man als Zuschauer, dass es unheimlich zur Sache gehen wird.

Filmkritik: Halloween Kills

27. Oktober 2021

Der zweite Teil einer Trilogie hat es immer schwer. Während im ersten Teil die Story aufgebaut und die Figuren eingeführt werden und im dritten die Geschichte mit einem großen Knall endet, so muss im Sandwich-Teil die Spannung gehalten und die Story weitergesponnen werden. Dies gelingt in wenigen Ausnahmen in der Filmgeschichte. Und es gelingt bei Halloween Kills. Es ist zwar nicht so, dass Halloween Kills in die Filmgeschichte als Meisterwerk eingehen wird, aber es ist ein solides Storytelling um Michael Myers und seine blutigen Taten.

Der Film hält, was der Filmtitel verspricht. Kills en masse, im Grunde alles was zwei Beine hat, wird vom absoluten Bösen gemeuchelt, erstochen, zerhackt, erwürgt, erschlagen – einfach gekillt. Der Film schließt dort an, wo sein Vorgänger Halloween aufgehört hat. Wer den nicht gesehen hat oder gar nicht weiß, wer Michael Myers überhaupt ist, der hat schlichtweg verloren. Aber Halloween hat seine Fans, wie Jason oder Freddy ihre Fans haben und sie wissen, was an Halloween in Haddonfield passiert wird. Also ohne lange Vorrede geht es an den Bodycount, Zack Rübe ab. Zimperlichkeiten oder gar Rücksichtnahme gibt es bei Halloween Kills nicht – der Name ist Programm.

Halloween Kills ist mehr
Aber Halloween Kills ist mehr als ein brutaler Slasher. Er hat eine tiefere Ebene, die interessant ist. Er stellt die wichtige Frage, von wem geht eigentlich der Terror aus? Im Film wird mehrmals darauf hingewiesen, dass der Staat versagt habe, die Bürger von Haddonfield zu schützen. Die Konsequenz ist das Aufstellen einer Bürgerwehr, die Jagd auf Michael Myers macht. Dabei geraten die besorgten Bürger in einen wahren Blutrausch. Die Staatsgewalt, in Form des schwarzen Sheriffs mit Stetson-Hut, bleibt erschöpft auf der Treppe zurück. Die Bürger nehmen ihr Schicksal alleine in die Hand und wehren sich.

Ist damit Halloween Kills eine Parabel über Trump und mit all seinen Konsequenzen wie den Sturm aufs Kapitol im Januar 2021? Vielleicht im Geiste, wobei der Film vorher schon im Kasten war. Und dennoch zeigt Halloween Kills die Verführbarkeit der Massen und der Ruf nach einem starken (An-)Führer. Und der Film zeigt die Fehlbarkeit: Statt Michael wird ein Unschuldiger gejagt, der vor dem wütenden Mob in den Tod springt.
Und damit ist Halloween Kills bei Zitieren der Filmgeschichte. Natürlich darf Jamie Lee Curtis als Laurie Strode, die inzwischen aussieht wie Patti Smith, sich immer wieder selbst zitieren. Es macht Spaß, sie anzusehen, wobei ihr Schauspiel auf das Krankenhaus in Haddonfield beschränkt bleibt und damit wohl einen Ausblick auf den dritten Teil des Halloween-Gemetzels gibt, der Halloween Ends heißen wird. Der Kinostart von Halloween Ends steht schon fest: Der nunmehr 14. Film aus der „Halloween“-Reihe kommt am 13. Oktober 2022 in die Kinos, fast genau ein Jahr nachdem Halloween Kills in den Kinos startete. Ich vermute mal, dass Halloween Ends im Krankenhaus spielen wird und damit die Erinnerung an Halloween II – Das Grauen kehrt zurück von 1981 aufkommt.

Patti Smith? Nein es ist unsere Scream-Queen

Aber ein klares Filmzitat und große Verbeugung kommt von Regisseur David Gordon Green. Die Szenen mit den wütenden und schreienden Mob erinnern mich an die großen Frankenstein-Filme. Wenn sich die Dorfbewohner aufmachen und das Monster Frankenstein zur Mühle jagen, dann hat Regisseur David Gordon Green genau hingeschaut. Das macht Spaß anzusehen, dass Green hier die Klassiker zitiert.
Und ebenso scheint er seinen Tolkien gelesen und die Herr der Ringe-Verfilmungen gesehen zu haben. Als Michael Myers im Park nach seinem Opfer Ausschau hält, verkriecht sich das weibliche Opfer unter einer Baumwurzel. Myers als Schwarzer Reiter aus dem HdR-Universum, der auf der Suche nach den Hobbits ist, sie aber nicht entdeckt und weiterzieht.
Aber natürlich ist Halloween Kills nur ein Film für eingefleischte Fans der Reihe. Erinnert sei an dieser Stelle an den Halloween-Klassiker Halloween – Die Nacht des Grauens von John Carpenter von 1978, ein Slasher, der anders als Halloween Kills ohne Blut auskommt. Immer wieder sehenswert.

Filmtipp: Wrong Turn – The Foundation – natürlich Geschmackssache

27. August 2021

Wer deftige Kost in Sachen Exploitation-Horror mag, der griff seit 2003 zur Wrong Turn-Reihe, wobei die Streifen von Mal zu Mal schlechter wurden. Seit ein paar Wochen ist der Reboot Wrong Turn – The Foundation als Bluray auf den Markt, nachdem Corona den deutschen Kinoeinsatz vereitelt hatte.

Ich hatte Angst, dass ich beim Ansehen von Wrong Turn – The Foundation wieder falsch abbiegen werde und ich mit 110 Minuten üblichen Gore-Effekte und schlechter Inszenierung beschäftigen müsste. Nun, die handgemachten Effekte waren wie zu erwarten zu sehen, aber die Story unter der Regie von „The Domestics“-Regisseur Mike P. Nelson hatte überraschend mehr zu bieten als ich gedacht habe. Nelson liebt das systematische Zerquetschen, Zermanschen, Zerschmettern, Zerdrücken von Körpern, gerne auch den Kopf eines der Darsteller. Alles ohne CGI, klassisch Handmade – die Freunde des Groben kommen auf die Kosten.
Allerdings bietet der Film auf den zweiten Blick mehr als nur brutale Gewalt. Der Film konfrontiert den Zuschauer mit drei unterschiedlichen Gesellschaftssysteme und verzichtet auf die üblichen Kanibalismusinterpretationen von Teil 1 bis 6. Es ist erfrischend zu sehen, wie hier eine Welt des zerreißenden Amerikas beschrieben wird. Trump hat auch im Film seine Folgen. Auf der einen Seite die coolen, hippen Jugendlichen aus der Großstadt, die ein Business auf die Beine gestellt haben und sich gestylt auf eine Wanderschaft machen. Dabei werden auch Themen wie Homosexualität nicht ausgeblendet. Auf der anderen Seite haben wir die Hinterwäldler und das wahre Amerika unter Trump samt Sternenbanner vor der Haustüre. Engstirnige Rednecks, die alles was fremd ist, erst einmal niederknüppeln. Es ist zwar ein bisschen dick aufgetragen, aber wichtig für die spätere Erzählung und den deus ex machina-Komplex. Die Konfrontation der Gesellschaftssysteme kennen wir aus anderen Filmen, aber es ist immer wieder interessant anzusehen. Und dann haben wir das dritte Gesellschaftssystem der so genannten Foundation, einer Gruppe von Separatisten, die den US-Bürgerkrieg nicht mitmachen wollten und ihre eigene Gesellschaftsordnung im tiefen Wald von Virginia geschaffen haben. Die Monster, wie sie uns verkauft werden, sind vielleicht gar keine Monster, sondern haben ein System mit klaren Regeln.

Die Bluray Wrong Turn – The Foundation, die mir vom Verleih dankenswerterweise zur Verfügung gestellt wurde, beginnt mit der üblichen Rotkäppchen-Warnung dieser Art von Filmen. Bleibt auf dem Weg, kommt nicht vom Weg ab, voran sich die Stadtmenschen natürlich nicht halten und die Konflikte mit den Separatisten entstehen. Jeder hat seine eigene Perspektive auf die Sache. Von der Handlung will ich nichts spoilern, aber den Hinweis aussprechen, dass man nach dem unvermeidlichen Carrie-Ende noch am Bildschirm bleiben soll.
Insgesamt für mich ein lohnenswerter Reboot und kein weiteres Reiten eines bereits toten Pferdes der klassischen Reihe. Mal sehen, was die Macher aus Wrong Turn jetzt anstellen. Möglichkeiten für einen weiteren Teil bestehen.

Dracula im Film (17): Die Karnstein-Trilogie

23. August 2021

Das hab’s nur einmal, das kommt nie wieder – gemeint ist die so genannte Karnstein Trilogie von Hammer Films mit den Filmen Gruft der Vampire (The Vampire Lovers), Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire) und Draculas Hexenjagd (Twins of Evil). Sie entstanden zwischen 1969 und 1971 und gaben den legendären Hammer-Studios aus Großbritannien eine deutlichere Ausprägung in Richtung Sex und Blut.

Selten zuvor gab es bei Hammer so viel nackte (weibliche) Haut zu sehen und auch der Gore-Faktor stieg enorm an. Brüste und gespaltete Schädel sollten neue Zuschauer ins Kino locken. Die britischen Zensoren waren ab Juli 1970 lockerer und das Nutzen die Hammer-Studios gleich mal aus, um aus den Vollen zu schöpfen. Hammer war in der Krise, weil der US-Markt weggebrochen war nachdem sich Warner zurückgezogen hatte. Zudem warf der kreative Kopf von Hammer das Handtuch und das Studio suchte eine neue Richtung.
Heraus kamen lesbische Vampire und viel Blut. Nachdem Bram Stokers literarische Vorlage Dracula in zahlreichen Filmen verbraucht und durchgerudert war, überarbeitete man nun Carmilla, der weibliche Vampir von Joseph Sheridan Le Fanu in den Filmen. Heraus kamen drei romantische, brutale und offenherzige Vampir-Filme, die freilich nichts mit Dracula zu tun hatten. Dracula im Titel war eine grottiger Einfall des deutschen Verleihs.

Es spielte Ingrid Pitt die Marcilla / Carmilla / Mircalla Karnstein in Gruft der Vampire (The Vampire Lovers) und Draculas Hexenjagd (Twins of Evil) und auch der große Peter Cushing spielte in den Filmen. In Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire) konnte er nicht vor die Kamera treten, weil seine Frau Helen damals im Sterben lag. So spielten in Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire) die hübsche Yutte Stensgaard die Mircalla / Carmilla Karnstein und der Bösewicht war Mike Raven als Graf Karnstein. Ich muss sagen, ich mag Yutte Stensgaard in dieser Figur sehr, weil sie nicht so lüstern dreinblickt wie Ingrid Pitt, die einst die Rolle interpretierte.

Das Thema der lesbischen Vampire muss damals im Kino ziemlich heftig angekommen sein. Die bisher nicht gekannte Mischung von Sex und Blut war schon ein echter Hammer (ha, Wortspiel). Zum ersten Mal war in einem Hammer-Film auch ein Pop-Song zu hören: „Strange Love“, gesungen – nein gehaucht von Tracy. Das Ganze ist schon sehr schwülstig. Ich hatte in London mal die Single in meiner Hand, kaufte sie aber nicht, weil sie überteuert war. Vielleicht hätte ich es tun sollen.
Der letzte Film der Karnstein-Reihe Draculas Hexenjagd (Twins of Evil) ist sicherlich der beste Teil der Reihe. Mircalla darf kurz auftauchen und ihre Reize zeigen, aber im Mittelpunkt stehen die ehemaligen Playboy-Schönheiten Mary und Madeleine Collinson, eben die Twins of Evil. Übrigens sind sie auch im englischen Original nachsynchronisiert, das bedeutet, aufgrund der Schauspielleistung wurden die Damen nicht gewählt. Absolut genial ist Peter Cushing, der alle an die Wand spielt. Seine Frau Helen verstarb zwei Wochen vor den Dreharbeiten und vielleicht kanalisierte Cushing hier seinen Schmerz. Cushing lieferte eine der besten Rolle seines Hammer-Lebens ab. Und die Kombination aus fanatischen Hexenjäger und sexy Vampire war auch ein neues Element des Horrorfilms. Übrigens, die deutsche Version von Twins of Evil ist schwer zu bekommen. Da wähle man die preisgünstige englische Version.

Erinnerung an Carl Lämmle, dem Erfinder des Spielfilms

9. August 2021

Hollywood wäre nicht das kreative Filmzentrum, wenn es nicht deutsche Kreative gewesen wären, die in der Frühphase kräftig mitgemischt hätten. Einer von ihnen ist Carl Lämmle aus dem baden-württembergischem Laupheim.

Ihr kennt Lämmle nicht? Solltet ihr aber. Er war 1912 der Gründer der Universal Studios und war einer der einflussreichsten Produzenten seiner Zeit. Und obwohl er US-amerikanischer Staatsbürger war, hat er seine Heimat Laupheim nicht vergessen. Der reiche Onkel aus Amerika spendete viel Geld in seine Geburtsstadt und an die jüdischen Gemeinde: Schule, Schwimmbad und ein Waisenhaus in der Stadt gingen auf Lämmle zurück. Die Nazis aber verbannten den Juden Lämmle aus dem öffentlichen Leben und damit aus seiner Heimat.
In den USA baute Carl Lämmle sein Filmimperium auf, weil er die Zeichen der Zeit erkannt. Er schuf das Mediums des Spielfilms – nicht mehr, nicht weniger. Er spürte, dass es ein Publikum für Spielfilme gab – er hatte die richtige Nase zur richtigen Zeit.

Das ist damals eine absolute Revolution gewesen. Lämmle hat damit die Filmwelt verändert und Hollywood hat ihm enorm viel zu verdanken. Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg zeigte von Dezember 2016 bis Juli 2017 die Sonderausstellung Carl Laemmle presents – Ein jüdischer Schwabe erfindet Hollywood Durch Zufall bekam ich einen Ausstellungskatalog des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg zur Ausstellung Carl Laemmle – Ein Laupheimer in der Welt: Eine Ausstellung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg im Museum zur Geschichte von Christen und Juden aus dem Jahre 2018 in die Hände.

Carl Lämmle ist für mich einer der Urväter des Kinos und dennoch habe ich den Eindruck, dass er vergessen ist. Das lag einerseits an der elenden braunen Bande, die in Deutschland ab 1933 herrschte, zum anderen gab Lämmle 1936 die Leitung von Universal endgültig ab.
Zuvor hatte er sein Imperium an den Sohn übergeben, der Universal aber nicht so führen konnte, wie es Papa Lämmle wollte. Am 28. April 1929 übernahm Carl Lämmle Junior die Produktionsleitung bei Universal. Und der Papa unterstützte den Sohnemann zunächst, obwohl es richtig Knatsch gab. 1929 war die Weltwirtschaftskrise und Universal wurde arg gebeutelt. Lämmle Junior gab grünes Licht für den Kassenschlager Im Westen nichts Neues, der die Nazis auf die Palme brachte. Schöne Geste: Papa Lämmle nahm den Oscar 1930 in Empfang, der eigentlich den Sohn gebarte.

Richtig krachte es in der Familie als es um die Idee des Horrorfilms ging. Papa Lämmle war kein Fan der unheimlichen Themen und glaubte nicht an den Erfolg. Der Sohn ging auf die Barrikaden und setzte sich durch. Lämmle Junior schuf die Grundlage für den klassischen Universal-Horror, den ich verehre. Dracula mit Bela Lugosi, Frankenstein sowie Frankensteins Braut mit Boris Karloff und mehr wie die Mumie und der Unsichtbare.

Filmtipp: Katakomben von John Erick Dowdle

22. Juli 2021

Nein, Katakomben wird den Abenteuer- und Horrorfilm nicht revolutionieren, aber ich muss zugeben, mir hat dieser Film Katakomben aus dem Jahre 2014 Spaß gemacht. Voraussetzung ist aber, dass man als Zuschauer sich auf den Film einlässt. Nun, ich muss zugeben, mich hat das Thema interessiert. Katakomben sind geheimnisvolle, beängstigende Orte – es sind Friedhöfe und damit eine spezielle Umgebung. Und der Film spielt eben die meiste Zeit in den unterirdischen Katakomben von Paris mit seinen sechs Millionen Leichen. Und da dieser Ort eng, zum Teil sehr eng ist, bereitet sich das Gefühl der Klaustrophobie im Film aus und überträgt sich in den besten Momenten auf den Zuschauer.

Hinzu kommt eine Abenteuergeschichte: Die Suche nach dem Stein der Weisen – ein bisschen Dan Brown, ein bisschen Indy Jones, ein bisschen Tomb Raider und das ist das Problem – von jedem ein bisschen, aber nichts wirklich schlüssiges, elegantes, was mir vor den Augen flimmert, oder vielmehr wackelt. Der Kamerastil ist eine Art Found Footages, den Blair Witch bekannt gemacht hat. So werden mit Wackelkamera archäologische Rätsel gelöst, andere erst gar nicht aufgeklärt und das dies in einem rasanten Tempo. Ein bisschen Dante hier, ein wenig Templer dort und fertig ist die Geschichte. Erst in den letzten 15 Minuten wandelt sich Katakomben zum Horrorfilm, der sich zuvor immer wieder angedeutet hat. Hier und da ein Schockmoment, den den klaustrophobischen Schauer unterbricht und gegen Ende kommt der Terror. Gehängte, Zitate von Jean Cocteau, Zeichnungen von Gustave Doré und alles auf dem Kopf gestellt. Katakomben ist kein großes Kino, aber 93 beängstigende Unterhaltung.

Filmtipp: Eleonore – Horrorfilm von 1975

27. Juni 2021

Der Film Eleonore ist für mich in doppelter Hinsicht ein vergessener Film. Zum einen ist der Film in der Reihe vergessene Historienfilme auf DVD erschienen, zum anderen hatte ich diesen Film auf DVD in meinem Archiv vergessen und wurde erst wieder von meinem Filmkollegen Stefan Preis erinnert, dass der Film seit zehn Jahren in meinem Besitz ist.

Der Film Eleonore ist für mich in doppelter Hinsicht ein vergessener Film. Zum einen ist der Film in der Reihe vergessene Historienfilme auf DVD erschienen, zum anderen hatte ich diesen Film auf DVD in meinem Archiv vergessen und wurde erst wieder von meinem Filmkollegen Stefan Preis erinnert, dass der Film seit zehn Jahren in meinem Besitz ist.
Eleonore ist ein wunderbarer Schauerfilm aus dem Jahre 1975 unter der Regie von Juan Bunel, der Sohn des großen Bunel. Wie ich recherchierte, lief der Film vor Urzeiten wohl im deutschen Fernsehen und war dann in den Archiven verschwunden. Erst das Voulez vous-Label brachte den Film wieder zum Vorschein mit einer DVD-Veröffentlichung aus dem Jahre 2010. Ich habe keine Bluray-Fassung des romantischen Horrors bisher gefunden. Verdient hätte es dieser Klassiker allemal.


Als ich mir den Film damals blind gekauft hatte, ging ich fälschlicherweise von einer literarischen Vorlage von Edgar Allen Poe aus. Aber ich täuschte mich: Eleonore wurde geschrieben von Ludwig Tieck (1773 bis 1853). Die Verfilmung hat eine Besetzung, die sich sehen lassen kann. Vor der Kamera der große Michel Piccoli sowie die großartige Liv Ullmann und eine bezaubernde junge Ornella Muti. Hinter der Kamera stand Luciano Tovoli, den wir später bei Argento wieder treffen. Den Score schuf Ennio Morricone – was muss man also noch sagen?

Auf DVD erschien der Film als Historienfilm, was dem Werk aber nicht gerecht wird. Ich würde ihn als Grusel- oder Schauerfilm, wenn nicht gar als Horrorfilm, aber auf jeden Fall zum fantastischen Film einordnen. Die ersten 50 Minuten sind ein Melodram über den Verlust der großen Liebe und die Sehnsucht nach ihr und es ist große Schauspielkunst. Der Ritter Richard verliert seine Eleonore bei einem Reitunfall und begräbt sie trauernd in einer Gruft. Er kommt aber nicht los von ihr, heiratet ein junges Ding und wird Vater von zwei Jungs. Das Herz und der Verstand bleiben aber in Erinnerung an Eleonore.

Nach 50 Minuten taucht ein Fremder auf und bringt die Verstorbene zurück ins Leben. Und nun beginnt der Horror. Eine unschuldige Hexe wird verbrannt, die Pest geht um. Die Untote tötet Kinder in der Umgebung und auch die Stiefsöhne müssen daran glauben. Der Untoten ist nicht bewusst, dass sie tot war und ins Leben zurückgeholt wurde. Scheinbar wird sie nur am Leben erhalten, wenn sie Kinder tötet. Das Leben ernährt sie und daher die Anleihen vom Vampirfilm. Dennoch ist in in Eleonore kein Tropfen Blut oder spitze Zähne zu sehen. Jugend als Lebenselixier.

Im Grunde eine Mischung aus dem Vampirthema und Rebecca von Daphne du Maurier in der Hitchcock-Verfilmung. Eleonore als tragische Figur. Richard verfällt der Untoten immer mehr, will sie aber dennoch mit Zauberei bezwingen und geht aber gemeinsam in den Tod.

Filmtipp: Hagazussa von Lukas Feigelfeld

21. Mai 2021

Hexenfilme gibt es im Horrorgenre weniger als andere Ausprägungen wie Vampire oder gestörte Killer. Eine Perle dieses Subgenres kommt aus Deutschland von Lukas Feigelfeld. Hagazussa – der Hexenfluch ist bildgewaltiges, eindringliches Kino, aber zugleich schwere Kost.

Hagazussa ist althochdeutsch für Hexe und da fängt der Tiefgang des zutiefst emotionalen Streifens schon an. Es ist Kopfkino pur – lange Aufnahmen, keine schnelle Montage. Es ist nichts für flüchtige Zapper oder Effektfrekas, sondern der Film verlangt unbedingte Konzentration und ein Einlassen auf die gezeigten Bilder. Der Film war der Abschlussfilm von Regisseur Feigelfeld an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und ich bin von diesem Talent extrem angetan. Hagazussa kommt mit wenigen Dialogen aus, bringt stattdessen eindrucksvolle Bilder von Kamerafrau Mariel Baqueiro, untermalt von Ambientgothic-Musik vom MMMD. Feigelfeld zitiert Tarkowski, Bergman und Kubrick.

Ich habe mir den Film Hagazussa – Der Hexenfluch laut über Kopfhörer angehört und ich bekam es mit der Angst zu tun. Die Atmosphäre ist gespenstisch. Die Naturwirkung ist expressionistisch und knüpft an große Vorbilder wie Murnau an.
Die wenigen Darsteller sind exzellent besetzt, vor allem Aleksandra Cwen als Albrun, die von ihrer Umgebung als Hexe bezeichnet wird.

Kurz die Handlung: Albrun führt gemeinsam mit ihrer Mutter im 15. Jahrhundert ein karges Leben in einer Berghütte in Österreich. Der plötzliche Tod ihrer Mutter nimmt sie schwer mit, außerdem wird sie von den Dorfbewohnern für eine Hexe gehalten. Sie hat selbst ein Kind, jedoch keinen Ehemann. Albrun findet schließlich eine Freundin in einer anderen Frau aus der Gegend. Doch fortan plagen sie Visionen. Sie spürt, dass im Wald etwas Böses auf sie lauert.
Durch den Genuss von Pilzen fängt Albrun an zu halluzinieren, ertränkt ihr Kind und verfällt ihrem Wahn. Sichtbar schmerzhaft für Albrun, aber auch den Zuschauer ist das Verspeisen des Kindes. Das letzte Bild ist dann die Verbrennung in einer Totalen, vielleicht eine Verbeugung vor Tarkowski? Der unheimliche Film mit seinen 103 Minuten ist in vier Kapitel streng eingeteilt: Schatten, Horn, Blut und Feuer.

Klare Empfehlung für Zuschauer, die traumhaftes Surreales im Horrorfilm genießen wollen. Hagazussa – Der Hexenfluch wird euch begeistern.