Posts Tagged ‘Christopher Lee’

Filmtipp: The City of the Dead – Stadt der Toten

31. August 2021

Eigentlich ist der Film purer Trash, aber irgendwie sind mir viele Szenen in Erinnerung geblieben und diese steigen dann und wann aus dem kollektiven Film Gedächtnis auf. Gemeint ist der alte Hexenfilm: The City of the Dead – Stadt der Toten.

Der Film The City of the Dead – Stadt der Toten aus Großbritannien entstand im Jahre 1960 und lief dort auch unter Horror Hotel in den Kinos. Ich hatte den Film als Jugendlicher auf Super 8 gesehen und er faszinierte mich wegen des Themas. Hexenfilme waren damals eher ungewöhnlich in meinem Repertoire, dass vor allem von den klassischen Monstern wie Dracula, Frankenstein oder dem Werwolf geprägt war. Ich erinnere mich, wie mich die Atmosphäre des Schwarzweißfilms gepackt hatte, vor allem die späte Opferungsszene auf den Friedhof.

Jahre vergingen, doch der Film blieb mir irgendwie in Erinnerung. Vor kurzem gab es die Gelegenheit, diesen Trash wieder auf Super 8 zu erstehen. Ich hab natürlich zugeschlagen und mir den 70 Meter langen Streifen angeschaut und mich in meine Zeit als Teenager zurückversetzt. „Nur für starke Nerven“ warnte mich das Cover von Piccolo Film. Der Titel lautete „Hexen – Quälen, Schänden, Töten“. Und die Dachzeile „Eines der grausamsten Kapitel des Mittelalters“.

70 Meter bedeuten 8 Minuten Laufzeit. Interessant, wie mich diese 8 Minuten damals geprägt haben. Natürlich war der Film inhaltlich enttäuschend, aber auf die Emotionen kommt es an. Von wegen Mittelalter, von wegen Quälen, Schänden, Töten.

Und so sah ich, dass es von The City of the Dead – Stadt der Toten ein Mediabook mit Bluray und DVD sowie Booklet gab. Klar, das Ding musste her. Den Kauf der Super 8-Kopie hätte ich mir sparen können, denn die Version war auf den Extras der Discs restauriert auch abgelegt. Aber natürlich entfiel damit der Aufbau des Projektor und das Ritual des Knatterns.

Der Film ist sehenswert durch die Schauspielkunst von Christopher Lee als Prof. Allan Driscoll. Und es gibt Parallelen zu Hitchcocks Psycho, der im gleichen Jahr entstanden ist. Die Hauptdarstellerin segnet im ersten Drittel des Films das Zeitliche. Und das war es auch dann schon: Bei Hitchcock war der Star Janet Leigh, in Stadt der Toten war es die eher unbekannte Venetia Stevenson, die acht Jahre mit dem Sänger Don Everly von den Everly Brothers verheiratet war.

Film- und Musiktipp: Die Schlangengrube und das Pendel

15. Februar 2021

Als Schüler habe ich bei einem Freund Filme geschaut, die ich zu Hause nicht schauen konnte, weil wir nicht über die entsprechende technische Ausstattung verfügten. Es war das Zeitalter von Super 8, lange vor Video. Seine Eltern hatten eine große Sammlung an Super-8-Filmen und nach der Schule zogen wir uns dann und wann einen Film auf 8 mm auf einem knatternden Bauer-Projektor und Mono-Lautsprecher rein. Zu den Filmen gehörte auch Die Schlangengrube des Dr. Dracula.

Jahrzehnte später sah ich den Film wieder, der eigentlich die Schlangengrube und das Pendel hieß. Unsere gekürzte Super-8-Fassung hatte einen reißerischeren Titel – in dem Film tauchte freilich nie ein Doktor mit Namen Dracula auf. Christopher Lee war der Böse und damit firmierte die Super-8-Fassung als Dracula. Als erfahrener Karl May-Seher erkannte ich Old Shatterhand wieder, der von Lex Barker darstellt wurde. An seiner Seite spielte die großartige Karin Dor, die in Man lebt nur zweimal an der Seite von James Bond Sean Connery internationalen Ruhm erlangte.

Und wieder Jahrzehnte als alter Mann später sah ich Die Schlangengrube und das Pendell wieder in einer Mediabook-Version als restaurierte Version auf Bluray. Und was soll ich sagen: Ich bin begeistert. Die Geschichte basiert ganz lose auf Edgar Allan Poe und ist Versuch eines gescheiterten deutschen Nachkriegshorrorfilms. Gedreht wurde er von Harald Reinl, einem Routinier des deutschen Nachkriegskinos, der mit Nibelungen immer einen Platz in meinem Filmherz besetzt hat.

Was ist die Geschichte? Im Jahre 1801 wird Graf Regula (Christopher Lee) wegen Mordes an zwölf Jungfrauen gevierteilt. Viele Jahre später erhalten Roger Mont-Elise (Lex Barker) und die attraktive Baronesse Lilian von Brabant (Karin Dor) eine Einladung in das verrufene Sandertal. Die Fahrt durch gespenstische Wälder führt sie direkt in die Ruinen des Schlosses von Graf Regula und dessen Folterkammer. Noch kann niemand ahnen, dass hier die Wiederbelebung des Grafen vorbereitet wird, doch dafür braucht dieser noch das Blut einer dreizehnten Jungfrau.

Die Geschichte ist eher naja, aber so war eben der Trash, freigegeben von der FSK ab 12 Jahre. Ich mag die Drehorte wie beispielsweise unser Mittelalterkleinod Rothenburg ob der Tauber. Genau in der Filmszenen hat die Familie einer Bekannten ein Hotel. Ich muss sie mal befragen, ob ihre Eltern etwas von den Dreharbeiten mitbekommen haben.

Das Kellergewölbe von Graf Regula (klingt schon irgendwie nach Dracula) ist in den Bavaria-Film-Studios entstanden und ist ein tolles Set-Design. Ich habe ein paar Mal die Studios am Geiselgasteig besucht, aber leider nie etwas von den großartigen Kulissen des Films mehr zu Gesicht bekommen. Wahrscheinlich ist die Folterkammer schon längst vernichtet worden. Ich erinnere mich als Kind, dass ich von den Kulissen begeistert war. Heute erkenne ich eine expressionistische Kopie von Hieronymus Bosch an den Wänden, die ich zum ersten Mal auf einer Deep Purple Schallplatte sah.

Als ich mir den Film Die Schlangengrube und das Pendel jetzt wieder ansah, war ich erstaunt über die dichte Atmosphäre. Die Story war noch immer dünn, aber dennoch hat mich der Streifen gepackt. Vor allem das Color Grading war perfekt. Welches Autodesk-System es auch war, die Artists beherrschen ihr Equipment und erzeugten einen spannenden Film-Look. Der 4K-Scan wurde behutsam bearbeitet, restauriert und ausgespielt ohne das Kinokorn der Sechziger Jahre zu beschädigen. Im Grunde lässt sich sagen: In diesem Film trifft Herzblut auf Professionalität – so macht Film Spaß. Es wurde soviel Leben aus dem verstaubten und beschädigten Material herausgeholt.

Persönlich kamen die intensivsten Erinnerungen der Kindheit bei der Fahrt durch den Wald mit den Leichen in den Ästen wieder hoch. Es war für mich eine große Verbeugung vor La Belle et la Bête von Jean Cocteau aus dem Jahre 1946 gemischt mit den knalligen Gespenster-Comics meiner Jugend. Ein wenig deutsche Gothic-Romantik im Film, die später hierzulande nie wieder erreicht wurde.

Die Wirkung von der Schlangengrube und das Pendel lag auch an der erstaunlichen Musik von Peter Thomas. Es gab nur wenige deutsche Filmkomponisten seiner Größe. Rolf Wilhelm gehörte sicher dazu. Die Musik von Peter Thomas begleitet mich mein ganzes Leben hindurch – Edgar Wallace oder Jerry Cotton seien nur genannt. Sein Score zur Raumpatrouille gehört zu den großen deutschen Filmmusiken, die in die Geschichte der Filmmusik eingegangen sind. Zur Die Schlangengrube und das Pendel ist der Score in limitierter Auflage im roten Vinyl erschienen. Mir hat Walter Potganski von MovieMax dankenswerterweise ein Exemplar überlassen. Großartige Musik an deren Wiederveröffentlichung Peter Thomas bis zu seinem Tode am 17. Mai 2020 im Alter von 94 Jahren gearbeitet hatte. Dazu habe ich ein extra Video aufgenommen.

Dracula im Film (14): Dracula (1958)

14. Februar 2021

Als ich Dracula von Terence Fisher zum ersten Mal im Fernsehen sah, war ich fasziniert von diesem Hammer-Film. Es war der zweite Horror-Film von der Insel von der Produktionsgesellschaft mit dem coolen Namen Hammer. Nach Frankenstein mit dem Duo Cushing/Lee kam Blood of Dracula, wie der Film in den USA hieß. Ich war fasziniert und für mich ist diese Verfilmung noch immer eine der besten Versionen von Bram Stokers Vampirgeschichte.

Ich war vertraut mit Bela Lugosis Interpretation des Bühnenstücks von 1931: Getragen, in Schwarzweiß mit der Musik von Schwanensee und theatralischen Schauspiel des Ungarn. Von der spanischen Version, die in den gleichen Kulissen zur gleichen Zeit gedreht wurde, habe ich erst viel später erfahren. Lugosi war lange Zeit mein Dracula im Frack und dann kam Christopher Lee: Eiskalt, gnadenlos, elegant und animalisch. Lugosi war gut, Lee war besser und an der Seite von Peter Cushing war der Hammer-Film ein wahrer Hammer.
Jetzt kam eine restaurierte Bluray-Version des Films Dracula von 1958 auf den Markt und wir erleben den Horror ein paar Sekunden in brillanter Bildqualität mehr. Auf der Bluray gibt es die Originalfassung und die restaurierte Fassung. Der Schluss, die Vernichtung des Grafen nach einer Idee von Cushing, ist nun schärfer und ein paar Takte länger. Es soll noch eine längere japanische Version geben, die ich allerdings noch nie gesehen habe. In einem Archiv sei eine beschädigte Version aufgetaucht – ob es stimmt sei dahingestellt.

An diesem Dracula stimmt einfach alles: Schauspiel, Kulissen, Ausleuchtung, Kamera und der Score von James Bernard mit dem bekannten Dracula-Motiv. Natürlich ist Hammer Trash und anders als die Universal-Filme der 30er Jahre. Ich saugte Eversons Klassiker des Horrorfilms auf, der Hammer in die untere Schublade verbannte. Aber das hat Hammers Dracula nicht verdient. Die Farbfilme schufen ein neues Horrorzeitalter.

Erinnert sei nur an den Vorspann von Dracula von 1958. Das Schloss wird monochromatisch gezeigt, die Kamera bewegt sich (anders als die Kameras von Karl Freund bei Tod Browning). Sie streift umher und kommt auf dem Sarg von Dracula zur Ruhe. Dann: Es tropf knallrotes Blut auf den Sarg – das Ende des Schwarzweißfilms ist eingeläutet. Schnitt auf das blutrote Tagebuch von Jonathan Harker und los gehts. Mit dieser Szene hat sich Dracula seinen Platz in der Filmgeschichte gesichert. Dann sehe ich zum ersten Mal im Film die Zähne von Dracula. Es gab zwar die Rattenzähne von Max Schreck in Nosferatu, Bela Lugosi hatte keine Vampirzähne, erst Christopher Lee trug die blutverschmierten Beißerchen und dann alle Vampire nach ihm.

Und dann haben wir noch das Ende. Dracula verbrennt im Sonnenlicht, nachdem er von Van Helsing mit einem improvisierten Kreuz getrieben wird. Erst in der restaurierten Fassung sind mir die leidenden Augen im brennenden Torso von Dracula aufgefallen. Horror pur. Also: Wer sich für Dracula interessiert, der kommt um Dracula von Terence Fisher aus der Hammer-Schmiede nicht herum. Der Klassiker Dracula im neuen, restaurierten Look.

Welche Dracula Roman-Übersetzung ist die beste?

8. Januar 2021

Ich mag den blutsaugenden Grafen. Ich liebe Dracula-Filme, egal ob mit dem theatralischen Bela Lugosi, dem gnadenlosen Christopher Lee, den irren Klaus Kinski, den verführerischen Frank Langella, den erschreckenden Max Schreck oder den opulenten Gary Oldman. Und wer diese großartigen Verfilmung liebt, der greift auch immer wieder zur literarischen Vorlage von Bram Stoker.

Welche Übersetzung von Bram Stokers Dracula ist die beste?

Der Roman des Iren hat eine besondere Form der Erzählweise. Dracula ist eine Mischung aus Reise-, Liebes-, Abenteuerroman und Schauergeschichte und besteht aus einer Folge von Tagebucheintragungen, Mitschriften von Phonographaufnahmen, Briefen und Zeitungsartikeln. Was sehr abstrakt klingt, liest sich auch heute noch genial. Obwohl der Roman 1897 erschienen ist, hat er nichts an Modernität und Spannung verloren. Wer des Englischen mächtig ist, der liest seinen Dracula natürlich im Original.

Bei den deutschen Übersetzungen liegen eine Vielzahl von Versionen vor und ich will versuchen, sie einzuordnen und gar zu bewerten. Die Frage ist also: Welche Dracula Übersetzung ist die beste?

Ulrich Bossier und Andreas Nohl
Die beiden modernsten Übersetzungen stammen aus dem Jahre 2012 zum 100. Todestag des Autors. Die Übersetzer Ulrich Bossier und Andreas Nohl haben sich dem Werk angenommen. Zunächst mochte ich die Version von Andreas Nohl, der eigenständiger an das Buch herangeht, sogar Dialekt einbaut. Manches Mal interpretiert er seinen Stoker auch, womit ich aber kein Problem habe. Dem Leser des 21. Jahrhunderts wird die Übersetzung gefallen und er liest Dracula in einem Rutsch ungestört durch. Und dennoch: Irgendwie bin ich Purist und hab mich dann gegen die glatte Übersetzung von Andreas Nohl entschieden und lieber zu Ulrich Bossier gegriffen.

Die Übersetzung von Ulrich Bossier

Ulrich Bossier hält sich näher ans Original. Ich kenne den Übersetzer nicht persönlich, aber er scheint ein Pedant zu sein und übersetzt sehr akribisch. Damit bleibt er für mich sehr nahe am englischen Ausgangstext, auch wenn jüngere Leser mit der Satzstrukturen auf den ersten Blick ihre Probleme haben werden. Da müssen Dracula-Fans aber durch. Mir hat der Reclam-Verlag eine schöne Taschenbuch-Ausgabe des Buches Dracula im Mai 2020 überlassen. Ich kam aber erst über die Weihnachtstage zum Lesen und Vergleichen, aber Dracula ist zeitlos.

Karl Bruno Leder und Stasi Kull
Wer noch ein wenig weiter in die Geschichte der Übersetzungen zurückgeht und sich vor der alten Rechtschreibung sich nicht scheut, dem empfehle ich die Übersetzungen von Karl Bruno Leder und Stasi Kull. Beide Übersetzungen sind vollständige Übersetzungen, was für die Beurteilung des Werkes von Stoker wichtig ist.

Stasi Kulls Übersetzung aus dem Jahre 1967

Mein erstes Dracula-Buch stammte aus der schwarzen dtv Phantastica-Reihe von 1981, die Übersetzung von Stasi Kull selbst stammt aus dem Jahre 1967. Stasi Kull ist ein Pseudonym. Dahinter verbirgt sich der österreichische Lyriker, Schriftsteller und Übersetzer H. C. Artmann. Dabei übersetzte der im Dezember 2000 verstorbene Artmann auch Lovecraft ins Deutsche und schuf eine wienerische Ausgabe von Asterix als Legionär. Ich mag die Übersetzung, sicherlich vor allem weil es mein erstes Dracula-Buch als Jugendlicher war.

Dracula in der Übersetzung von Karl Bruno Leder.

Karl Bruno Leder hat für den Insel-Verlag auch den von mir sehr geschätzten Roman Frankenstein von Mary Shelley übersetzt. Seine Übersetzung stammt aus dem Jahre 1968 und liest sich flüssiger und leichter als die Version von Kull.

Es gibt zudem noch Übersetzungen von Heinz Widtmann aus dem Jahre 1908, Tausendsassa Wulf Bergner (bekannt durch zahlreiche Stephen King Übersetzungen) von 1967, Bernhard Willms 1993. Nun als Fazit: Greift zur Ausgabe von Ulrich Bossier, dann könnt ihr als Dracula-Fan nichts falsch machen.

Warten auf James Bond No Time to die

20. September 2019

James Bond ist eine der erfolgreichsten Kinoserien der Filmgeschichte. Im Moment laufen die Dreharbeiten zum 25. Bond-Film No Time to die, die aber unter keinem guten Stern stehen. 

Der Start des neuen James Bond hat sich bereits zweimal verschoben. Der ursprünglich geplante Regisseur Danny Boyle (28 Days Later, Slumdog Millionär oder Steve Jobs) trat „wegen kreativer Differenzen“ vom Bond-Projekt zurück. Die Produzenten wählten nun den US-Amerikaner Cary Joji Fukunaga, der seit 4. März die Fäden in der Hand hält. Er verfilmt jetzt ein neues Drehbuch der Bond-Autoren Neal Purvis und Robert Wade. 

Rami Malek als Gegenspieler

Bond-Bösewichter haben in der Regel große Namen. Dieses Mal wird der böse Bube von Rami Malek gespielt, der eben für seine Darstellung des Freddie Mercury in Bohemian Rhapsody den Oscar erhalten hat. Ich bin sehr gespannt, ob er sich in die Riege der großen Bond-Bösewichter wie Gerd Fröbe, Curd Jürgens, Christopher Lee oder Christopher Walken einreihen kann. Welche Rolle und welchen Typ Schurke Rami Malek darstellt, ist noch völlig ungewiss. Lashana Lynch („Captain Marvel“) und Ana de Armas („Blade Runner 2049“) sind für den nächsten Bond verpflichtet. 

Ach ja und das Auto steht auch schon fest: Es wird ein Elektrofahrzeug von Aston Martin: Valhalla. Das bringt mich zurück in meine Kindheit, als ich meinen DB 5 als Spielzeugauto von Corti hatte. Es handelte sich um Corgi 271 James Bond 007 – Aston Martin DB 5, der noch original verpackt aus dem Jahre 1978 bei mir herumliegt. Ich hab mal ein Unboxing dieses wunderbaren Spielzeugs gemacht, nachdem der DB 5 im neuen Bond auch wieder vorkommen soll. Das alleine ist schon ein Grund, den neuen Bond im neuen Jahr anzusehen. 

Dreharbeiten zu No Time to Die laufen

Neuer Starttermin wird wohl der April 2020 sein. Die Dreharbeiten laufen auf Hochtouren. Der Titel des Jubiläumsbond lautet No Time to Die. Und eben bei diesen Dreharbeiten hatte sich Hauptdarsteller Daniel Craig auf Jamaika verletzt und fiel aus. Die Arbeiten konnten aber weiterlaufen. Dabei hat Craig gar keine richtige Lust den britischen Geheimagenten zu spielen, aber der entsprechende Scheck überzeugte dann doch. Es soll für ihn wirklich der letzte Bond-Film sein. 

Für mich war Craig nie die Idealbesetzung der Rolle. Ich bin ein Fan von Sean Connery, gefolgt von George Lazenby und Timothy Dalton, Roger Moore und Pierce Brosnan – in dieser Reihenfolge. David Niven, der in der verrückten Bond-Parodie Casino Royale spielt, steht außer der Reihe. George Lazenby hat im Sommer den Ort seines damaligen Wirkens besucht. 

Daniel Craig verkörperte für mich nicht die Rolle des Gentleman, nicht die kultivierte Figur, die sich Ian Fleming erdacht hat. Craig könnte auch in klassischen Action-Filmen wie Bourne-Identität oder John Wick mitspielen, für die es keinen britischen Stil braucht. Erst im jüngsten Bond Spectre von 2015 hatte für mich Daniel Craig das Niveau eines James Bond erreicht. Ich bin gespannt, wie er seine Rolle nun zum fünften Mal im 25. James Bond interpretiert. Wer ist denn eigentlich für euch der beste Bond-Darsteller? 

Sollte James Bond in Rente geschickt werden? 

Es ist wohl eindeutig, dass Daniel Craig nach diesem Bond keine Lust mehr hat, den Agenten zu spielen. Bond-Produzentin Barbara Broccoli muss nun einen neuen Bond finden. Auf die Idee, die Serie einzustellen, wird sie wohl nicht kommen. Ich habe das Gefühl, dass sich James Bond überlebt hat und das sage ich als absoluter Bond-Fan. Bitte Barbara, mach James Bond nicht kaputt. 

James Bond war für mich eine Figur des Kalten Krieges. Dieser Krieg ist in seiner damaligen Form vorbei. Diese Art der Bedrohungslage ist vorbei und sie bildete damals eine eindrucksvolle Stimmungskulisse. Die Superbösewichte waren damals glaubhafter als heute. Die Schurken hatten eine Form, die es in anderen Filmen nicht gab. Sie waren verrückt, bizarr, überheblich, aber immer irgendwie glaubhaft. Das ist heute vorbei. In den Craig-Bonds kam zwar Spectre wieder zu Tage, aber der Reiz dieser Verbrecherorganisation war verpufft. 

Einen Reiz der Bond-Filme machten auch die exotischen Schauspielorte aus. Es waren Orte, zu denen man als Normalsterblicher nie reisen konnte. Heute leistet sich der Prolet von nebenan eine Reise in die Karibik. Die Faszination von Bond ist entzaubert. Die beeindruckenden Bond-Girls posen jetzt selbst in Instagram. Die Wunderwaffen von damals sind der Realität gewichen und die schicken Autos wie ein DB5 werden nicht mehr gebaut. Für mich ist die Luft bei James Bond irgendwie raus. Da ist es ja noch schön, wenn Ernst Stavro Blofeld als Bösewicht der Vergangenheit auftritt und an die alten Bond-Filme erinnert. Christopher Walz hat einen hervorragenden Job gemacht und meinen Lieblings-Blofeld Telly Savalas abgelöst. 

Wer sollte Daniel Craig nachfolgen?

Meine Idee, die James Bond-Serie einzustellen, ist natürlich unrealistisch. Die Gelder, die Bond und das Merchandising einspielen, sind gewaltig. Auf dieses Geld will Sony sicher nicht verzichten. Also wird nach Craig ein neuer Schauspieler gesucht werden – wahrscheinlich läuft hinter den Kulissen die Suche bereits fieberhaft. 

Hier mein Autogramm von Daniel Craig von Taschen.

Hier mein Autogramm von Daniel Craig von Taschen.

Immer wieder wird Tom Hardy genannt. Er ist ein harter Hund und kommt Daniel Craig sicherlich sehr nahe. Und interessant wäre Idris Elba – er wäre der erste nichtweiße Bond und hat es in der BBC-Serie Luther zu Ansehen gebracht. 

Der Name Richard Madden fällt immer wieder und wäre ein humorvoller, jüngerer Schauspieler, der in Games of Thrones eine Fangemeinde hat. Er wird hoch gehandelt, für mich wäre es allerdings eine stillose Fehlbesetzung. 

200 Jahre Frankenstein – aktueller denn je

28. Dezember 2018

Wahnsinns Buch: Frankenstein wird 200 Jahre

Wahnsinns Buch: Frankenstein wird 200 Jahre

Quasi über Nacht habe ich den Roman wieder verschlungen. Den Anstoß dazu gab mein Facebook-Kollege Björn Eichstädt, der seinem Sohn einen interessanten Frankenstein:-Comic vorgelesen hatte. Ich hab mir gleich die englische Version des Manga-Horror-Meisters Junji Ito gekauft und griff bis zum Eintreffen zum Original: Frankenstein: oder Der moderne Prometheus von Mary Shelley.
Der Roman feierte 2018 seinen 200. Geburtstag und ist für mich immer noch das Werk über den künstlichen Menschen. Gerade im Zeitalter von Sophia und KI hat der Roman Gültigkeit denn je. Der Roman ist eine Parabel auf den Forscherdrang. Die Roman und die Hauptperson Victor Frankenstein warnt vor einer entgrenzten menschlichen Vernunft, die sich selbst zu Gott macht und sich anmaßt, lebendige Materie zu schaffen. Durch Robotik, Kybernetik und künstlicher Intelligenz sind wir diesem Ziel näher denn je.
Natürlich ist Frankenstein auch ein erstklassiger Schauerroman. Das Monster aus Leichenteilen wird zum Leben erweckt – ich finde diese Vorstellung noch immer unglaublich unheimlich und obwohl der Gedanke jetzt schon 200 Jahre alt ist, hat er für mich nichts von seiner brutalen Grausamkeit verloren.
Wahrscheinlich haben weniger die Leute das Buch von Mary Shelley gelesen. Bei dem genialen Lord Byron und dessen Leibarzt John Polidori verbrachte sie mit ihrer Stiefschwester Claire Clairmont und ihrem (zukünftigen) Ehemann Percy Bysshe Shelley den Sommer 1816 in der Nähe des Genfer Sees. John Polidori schrieb hier den Klassiker Der Vampyr – eine Vampirgeschichte und Mary Shelly brachte Frankenstein zu Papier.
Viele kennen die Filme über Frankenstein. Sicherlich ist der Frankenstein mit Boris Karloff die berühmteste Verfilmung. In meiner Filmsammlung fehlt noch die ungeschnittene Fassung bei der Frankenstein mit dem kleinen Mädchen Maria und deren Blumen spielt, bevor er sie ins Wasser wirft und sie ertrinkt. Meine Fassungen sind allesamt geschnitten, um das Menschliche des Monsters zu tilgen. Im Netz der längere Clip:

Regie führte 1921 James Whale bei dieser typischen Universal Produktion, die für mich den Gothic Horror schuft. Auch die späteren Filme mit u.a. Christopher Lee sind nicht schlecht. Mir selbst hat die Verfilmung Mary Shelley’s Frankenstein von Kenneth Branagh am Besten gefallen mit Robert De Niro als Unhold. Klassiker sind auch Mel Brooks Frankenstein Junior und vor allem Ken Russells Gothic, der die Entstehungsgeschichte am Genfer See zeigt, psychodelisch wie immer.

Boris Karloff ist Frankenstein.

Boris Karloff ist Frankenstein.

Frankenstein gehört heute zur Popkultur. Seien es japanische Monsterfilme, Schockrocker Alice Cooper lässt mit Teenage Frankenstein grüßen, Ingolstadt ist der Studienort von Victor Frankenstein machte neben den Illuminaten- jetzt auch Frankenstein-Führungen und kurbelt den Tourismus an. Kaum eine Halloween-Party ohne Monster, wobei nicht klar ist, wer das Monster ist: Victor Frankenstein oder der Unhold.
Auf jeden Fall, hat es sich gelohnt, den Roman von Mary Shelly mal wieder zu lesen. Horror pur.

Auswahl an Frankenstein Verfilmungen.

Auswahl an Frankenstein Verfilmungen.

Buchtipp: Hammer Glamour von Marcus Hearn

21. Januar 2018

Dieses Buch ist der Hammer. Verzeiht mir diesen doofen Witz, aber er musste bei diesem Buch einfach sein. Es geht um das Filmbuch Hammer Glamour, das ich wieder entdeckt habe. Im Grunde geht es um die zum Teil leicht bekleideten jungen Damen, die in den Hammer-Filmen aufgetaucht sind.
Hammer war eine Filmgesellschaft, die Ende der fünfziger Jahre den Horrorfilmmarkt aufrollte. Produktionen wie Dracula, Frankenstein und Mumie ließen die Jugend in die Kinos strömen und die Stars wie Christopher Lee oder Peter Cushing hochleben. Hammer brachte Farbe, Gewalt und Sex in den Horrorfilm. Tja und zu Sex gehörten eben die jungen Damen dazu, die sich vom Grafen Dracula beißen lassen müssen.

Marcus Hearn hat mit Hammer Glamour ein Bilderbuch mit schönen Frauen vorgelegt. Allerdings musste ich schmunzeln, denn Glamour erinnert mich eher an die Zeiten des alten Hollywoods mit Stars wie Marlene Dietrich, Jane Russell, Greta Garbo, Bette Davis oder Rita Hayworth. Die Arbeit in den Schnellproduktionen bei Hammer war sicherlich nicht glamourös, sondern harte Fließbandarbeit. Es musste schnell gehen und preiswert musste die Sache auch sein. Und dennoch haben die Filme einen besonderen Charme, was sicherlich auch den entzückenden Damen zu verdanken ist. Und dieses Buch ist ein Streifzug und zeigt die weiblichen Stars und Sternchen bei Hammer. Das Cover ziert Madeleine Smith, die in drei Hammer-Produktionen auftauchte und mit ihren Reizen spielt.
Mal mit weniger Bekleidung, mal in provokanten Posen, mal klassische Setcards, mal Filmszenen – alles ist zu finden in diesem schön gemachten Bilderbuch mit ergänzendem Text. Es ist ein Wiedersehen mit Caroline Munro, mit Ingrid Pitt, Ursula Andress, Stefanie Powers, Raquel Welch oder der Hammer-Star Barbara Shelley. Es waren auch ein paar Deutsche darunter wie Hildegard Knef oder Nastassja Kinski.
Das Buch ist hochwertig, schön gedruckt und hervorragend von Marcus Hearn recherchiert und dennoch: Es ist Trash und ich mag diesen Trash. Diese britischen Horrorklassiker sind einfach Kult und zu diesem Kult gehören einfach die Hammer-Girls, wie ich sie jetzt einmal bezeichnen will. Später wurde diese Tradition wieder in Großbritannien aufgenommen, als es 1962 an die Reihe der James Bond Filme ging. Neben Bond gab es auch immer ein oder mehrere Bond-Girls. Und es war Hammer-Girl Ursula Andress, die zum ersten Bond-Girl der Geschichte wurde als sie mit ihrem weißen Bikini den Fluten entstieg. Eigentlich war es ja anders herum. Andress war zuerst bei Bond und dann 1965 bei Hammer in dem Film She. Hammer-Girl Joanna Lumley tauchte übrigens auch in einem Bond-Film auf: Im Geheimdienst ihrer Majestät gehörte die Schönheit zur bösen Truppe um Blofeld.
Auf jeden Fall ist Hammer Glamour ein schönes Buch für den Fan des britischen Horrors, der dann in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu Ende ging. Hammer verlor den Anschluss an die Jugend. Der Horror kam nun von geistesgestörten Killern wie Leatherface oder Michael Meyers. Da waren die Dracula und Frankensteins und Mumien auf verlorenen Posten – und es halfen auch die leichtbekleideten Hammer-Girls nichts.

Dracula im Film 6: Dracula jagt Minimädchen (1972)

4. Oktober 2017

Trash pur - Dracula jagt Minimädchen.

Trash pur – Dracula jagt Minimädchen.

Ein saublöder Titel, aber dennoch ist dieser Dracula einer meiner liebsten mit Christopher Lee als blutsaugender Graf. Der Grund ist wohl, dass der Film in einer Zeit spielt in der ich sozialisiert wurde – in den Siebziger Jahren. Kein verstaubtes viktorianisches Zeitalter mehr wie in den anderen Dracula-Filmen aus den Hammer-Studios, sondern Dracula in der Neuzeit. Die Röcke waren kürzer, die Musik wilder, das Blut spritze heftiger und alles war irgendwie cooler – und doch waren die Gegenspieler Christopher Lee und Peter Cushing die alten – endlich trafen sie nach 1958 wieder zusammen in einem Dracula-Film. Irgendwie waren sie trotz Beatmusik in ihrer alten Zeit stehen geblieben. Der eine mit seinem schwarzrotem Cape und spitzen Zahn, der andere im hochgeschlossenen Gehrock mit Silberdoch und Weihwasser.

Der Originaltitel hieß Dracula A.D. ’72 und zeigt, worum es geht: Dracula in der Neuzeit. Die deutsche Übersetzung des Titels ist peinlich und sexistisch: Dracula jagt Minimädchen – also Mädchen im Minirock oder kleine Mädchen? Was hat sich der Verleih damals gedacht? Wahrscheinlich war es der Minirock, der es dem Verleih angetan hat.

Trotz des Zeitensprungs hatte der Film mit seinen langen Haaren, schlimmen Drogen, großen Brüsten, schnellen Autos einiges an Atmosphäre zu bieten. Aber natürlich ist es alles Trash, aber ich mag diese Art von Hammer-Trash. Hammer hatte mit seinen Dracula-Filmen finanzielle Schwierigkeiten bekommen- der Graf lockte immer weniger Zuschauer ins Kino und daher war ein Zeitensprung und Neuanfang wichtig. Ich mag das theatralische Gerede von Dracula und stellte mir die Frage, wann Dracula eigentlich vom Auto überfahren wird. Lorimar Van Helsing – der Nachfahre des heldenhaften Professor Van Helsing – ergeht sich in okkulten Andeutungen und dieses Mal ist der hilfslose Kommissar von New Scotland Yard wenigstens schnell zu überzeugen. Kleiner Gag am Rande: Der Jünger von Dracula heißt Johnny Alucard (ein Anagramm von Dracula). Er wird gespielt von Christopher Neame, der auf den ersten Blick dem Alex aus dem wichtigen Uhrwerk Orange von Stanley Kubrick ähnlich sieht. Das war wohl der Grund für seine Rolle und nicht sein Schauspieltalent. Und mein Jungenschwarm der Siebziger Jahre Caroline Munro spielt eine freizühige Laura, die vom Grafen verspeist wird. Als Teenager habe ich für diese Frau geschmachtet und sogar den schrecklichen Film Sterne im Duell angesehen. Regie bei den Minimädchen führte ein gewissen Alan Gibson, der 1970 den Hammer-Film Crescendo – die Handschrift des Satans gedreht hat. Ich persönlich mag Dracula jagt Minimädchen und empfehle sie gerne den Vampirfilm-Fans.

Buchtipp: The Art of Hammer: Posters From the Archive of Hammer Films von Marcus Hearn

17. September 2017

Als Jugendlicher habe ich mein Taschengeld für Filmplakate ausgegeben. Ich war auf Filmsammlermärkten und Kinos unterwegs und habe nach diesem besonderen Marketingmaterialien Ausschau gehalten. Ich sammelte, was mir gefiel: Bond, Horror, Kubrick – ein System in der Sammlung hatte es nicht. Dieses Hobby ist ein wenig eingeschlafen, was auch am Platz liegt. Wohin mit Hunderten Als ich jetzt das Buch The Art of Hammer: Posters From the Archive of Hammer Films von Marcus Hearn erwarb, musste viele meiner alten Schätze wieder ansehen.

Ich mag viele Hammer-Filme. Hammer war ein britisches Produktionsstudio deren Filme meinen Geschmack von Horrorfilmen geprägt haben. Ich kam aus der Tradition des sogenannten gothischen Horrors und liebte Filme mit Bela Lugosi (Dracula) oder Boris Karloff (Frankenstein/Mumie). Diese Schwarzweiß-Filme hatten eine tolle, gruselige Atmosphäre mit Friedhöfen, Schlössern und Laboren. Doch dann kamen in mein nächtliches TV-Programm auf einmal Filme von Hammer, die ebenso von Dracula, Frankenstein und die Mumie handelten, aber eine viel stärkere Wirkung auf mich hatten.

Diese Hammer-Filme waren in Farbe, sie hatten Action und sie boten Sex. Ich geb es ja zu, das alles hat mir gefallen. Auch die wichtigsten Darsteller dieser Hammer-Filme hatten mich fasziniert: Christopher Lee und Peter Cushing, beide leider inzwischen verstorben und der jüngeren Generation als Saruman (Herr der Ringe) und Großmoff Tarkin (Krieg der Sterne) bekannt.
Das Buch The Art of Hammer zeigt eine Auswahl an internationalen Postern aus der Filmwelt von Hammer mit dem Schwerpunkt auf englischen Marketingmaterialien. Es ist eine Bibel für Freunde von Hammer.
Die frühen Hammer-Filme kannte ich nicht. Mein Interesse setzt 1958 mit Blood for Dracula ein. Für mich waren die goldenen Zeiten des Hammer-Films die Sechziger und frühen Siebziger Jahre. Hammer revolutionierte den Horrorfilm und fegte die alten Schinken hinweg. Hollywood hatte keine Antwort auf Hammer, gegebenenfalls die Poe-Verfilmungen von Roger Corman hatten einen ähnlichen Charme wie Hammer. Die Hammer-Filme sprachen durch ihre Aggressivität eine jüngere Zielgruppe an, was durch Filme wie Dracula 1972 AD – Dracula jagt Mini Mädchen (geiler deutscher Titel) deutlich wurde. Im Mode- und Drogenrausch des Swinging London triebt Dracula sein Unwesen. In einer hervorragenden Doku des Kultursenders Arte wurde berichtet, dass Hammer oft als erstes ein reißerisches Plakat mit Titel hatte, sich dann einen Verleih suchte und dann erst den Film drehte. Ein ungewöhnliches Vorgehen, aber scheinbar erfolgreich.

Dann kam der Bruch. Hammer-Filme, die für eine Zeitlang modern waren, sind auf einmal auf dem Abstellgleis gelandet. Neue Formen des Horrorfilms etablierten sich. Hitchcock hatte es Jahre zuvor mit Psycho vorausgesehen. Der irre Schlitzer. Das Grauen kam nicht mehr von Monstern aus fernen Ländern wie Transsilvanien oder von verrückten Wissenschaftler, sondern das Grauen kam vom Nachbarn um die Ecke oder gar vom Teufel selbst. Der vor kurzem verstorbene Tobe Hooper setzte mit Blutgericht in Texas Maßstäbe an Terror und die Branche sowie Publikum richteten sich daran aus. Hammer wirkte auf einmal verstaubt. Zwar ließen die Darstellerinnen mehr und mehr die Hüllen fallen, doch wenn ich Sex und nackte Haut sehen wollte, gab es andere entsprechende Filme. Hammer ging den Bach runter.
Erst in den 2000 Jahren hatten die Hammer-Studios ein Comeback. Ich habe allerdings noch keinen Film gesehen. Die Blu rays liegen noch Originalverpackt hier herum. Die Frau in Schwarz soll ganz gut sein – ich bin gespannt.

 

Dracula im Film 5: Blut für Dracula 1965

18. Juli 2017

Da beißt er wieder: Christopher Lee als Dracula in Blut für Dracula.

Da beißt er wieder: Christopher Lee als Dracula in Blut für Dracula.

Als Vampirfan freue ich mich immer wieder, wenn der Chef der Beißer Dracula aufersteht und mir ein Schauern über den Rücken laufen lässt. Der beste Dracula-Darsteller ist für mich Max Schreck, aber vor allem hab ich Christopher Lee in der Rolle des beißenden Grafens liebgewonnen. So war es mal wieder an der Zeit, den Klassiker Blut für Dracula anzusehen.
Es war die erste Fortsetzung der erfolgreichen Hammer-Verfilmung Dracula von 1958. Terence Fisher saß 1965 wieder auf dem Regiestuhl und die Produktionsgesellschaft Hammer kurbelte in Windeseile Dracula- und andere Horrorfilme herunter. Sie wurden vom Publikum geliebt und von Kritikern gehasst. Ich mag die bunten Aufnahmen, das theatralische Gespiele und die seichten Storys. Blut für Dracula hat so eine seichte Story. Es geht die Mär, dass Christopher Lee sich weigerte die schlechten Dialoge zu sprechen und so fauchte der Graf in dieser Verfilmung nur und fletschte die Zähne. Für mich kommt dabei das Diabolische von Dracula sogar noch besser zur Geltung. Im dritten Teil Draculas Rückkehr durfte der Graf dann wieder sprechen – es war wohl das Drehbuch besser.

Dieses Mal spricht Dracula nicht und faucht nur.

Dieses Mal spricht Dracula nicht und faucht nur.

Handlung von Blut für Dracula
Die Handlung ist einfach: Dracula wird von seinem treuen Diener wiederbelebt durch das Ausbluten eines Opfers auf der Asche Draculas. Für alle, die es nicht mitbekommen haben: Dracula stirbt im ersten Teil durch das Sonnenlicht und zerfällt zu Staub – diese Szene sehen wir zu Beginn des Films. Dann beißt der Graf die attraktive Barbara Shelley, die vielleicht weniger für ihre großartige Schauspielkunst als vielmehr aufgrund ihrer zwei überzeugenden Argumente die Rolle des ersten Opfers spielen durfte. Nach ein wenig Blabla über Vampirismus wird Dracula dann nach einer Verfolgungsjagd zur Strecke gebracht in dem er in den Fluten seines Burggrabens versinkt. Wir alte Vampirjäger wissen ja, dass Vampire Gewässer nicht so mögen.

Barbara Shelley ist das erste Opfer.

Barbara Shelley ist das erste Opfer.

Blut für Dracula ist Kult
Was schnell heruntergekurbelt wurde, ist heute Kult. Ich mag die Schlosskulissen der Hammer-Studios, die gleich auch für ein den unwichtigen Streifen Rasputin, der wahnsinnige Mönch herangezogen wurden. Natürlich hat das Schloss nichts mit Rumänien zu tun, macht aber dennoch Spaß. Es liegt übrigens im Film bei Karlsbad – also etwas wirre Geografie.

Das Pfählen erinnert an eine Vergewaltigung.

Das Pfählen erinnert an eine Vergewaltigung.

Interessant findet ich aber die Erlösung von Barbara Shelley, die eine Helen Kent spielt. Vier Mönche halten die zum Vampirmutierte Helen auf einem Tisch fest – je ein Mönch an Armen und Beinen. Der Abt nimmt den Pfahl, schlägt mir dem Hammer zu und erlöst die Leidende. Es erinnert doch sehr an Vergewaltigungsszene. Hobbypsychologen werden an diesem Film ihre Freude haben. Da war mir der gute Doktor Van Helsing alias Peter Cushing im Opener des Films dann doch lieber. Und dennoch hat mir Blut für Dracula eineinhalb Stunden Spaß bereitet und ist mir wesentlich lieber als alle Twightlights und Vampir Tagebücher dieser Welt.

Der Graf in seiner Kiste erwacht.

Der Graf in seiner Kiste erwacht.