Posts Tagged ‘Christopher Lee’

Dracula im Film 6: Dracula jagt Minimädchen (1972)

4. Oktober 2017
Trash pur - Dracula jagt Minimädchen.

Trash pur – Dracula jagt Minimädchen.

Ein saublöder Titel, aber dennoch ist dieser Dracula einer meiner liebsten mit Christopher Lee als blutsaugender Graf. Der Grund ist wohl, dass der Film in einer Zeit spielt in der ich sozialisiert wurde – in den Siebziger Jahren. Kein verstaubtes viktorianisches Zeitalter mehr wie in den anderen Dracula-Filmen aus den Hammer-Studios, sondern Dracula in der Neuzeit. Die Röcke waren kürzer, die Musik wilder, das Blut spritze heftiger und alles war irgendwie cooler – und doch waren die Gegenspieler Christopher Lee und Peter Cushing die alten – endlich trafen sie nach 1958 wieder zusammen in einem Dracula-Film. Irgendwie waren sie trotz Beatmusik in ihrer alten Zeit stehen geblieben. Der eine mit seinem schwarzrotem Cape und spitzen Zahn, der andere im hochgeschlossenen Gehrock mit Silberdoch und Weihwasser.

Der Originaltitel hieß Dracula A.D. ’72 und zeigt, worum es geht: Dracula in der Neuzeit. Die deutsche Übersetzung des Titels ist peinlich und sexistisch: Dracula jagt Minimädchen – also Mädchen im Minirock oder kleine Mädchen? Was hat sich der Verleih damals gedacht? Wahrscheinlich war es der Minirock, der es dem Verleih angetan hat.

Trotz des Zeitensprungs hatte der Film mit seinen langen Haaren, schlimmen Drogen, großen Brüsten, schnellen Autos einiges an Atmosphäre zu bieten. Aber natürlich ist es alles Trash, aber ich mag diese Art von Hammer-Trash. Hammer hatte mit seinen Dracula-Filmen finanzielle Schwierigkeiten bekommen- der Graf lockte immer weniger Zuschauer ins Kino und daher war ein Zeitensprung und Neuanfang wichtig. Ich mag das theatralische Gerede von Dracula und stellte mir die Frage, wann Dracula eigentlich vom Auto überfahren wird. Lorimar Van Helsing – der Nachfahre des heldenhaften Professor Van Helsing – ergeht sich in okkulten Andeutungen und dieses Mal ist der hilfslose Kommissar von New Scotland Yard wenigstens schnell zu überzeugen. Kleiner Gag am Rande: Der Jünger von Dracula heißt Johnny Alucard (ein Anagramm von Dracula). Er wird gespielt von Christopher Neame, der auf den ersten Blick dem Alex aus dem wichtigen Uhrwerk Orange von Stanley Kubrick ähnlich sieht. Das war wohl der Grund für seine Rolle und nicht sein Schauspieltalent. Und mein Jungenschwarm der Siebziger Jahre Caroline Munro spielt eine freizühige Laura, die vom Grafen verspeist wird. Als Teenager habe ich für diese Frau geschmachtet und sogar den schrecklichen Film Sterne im Duell angesehen. Regie bei den Minimädchen führte ein gewissen Alan Gibson, der 1970 den Hammer-Film Crescendo – die Handschrift des Satans gedreht hat. Ich persönlich mag Dracula jagt Minimädchen und empfehle sie gerne den Vampirfilm-Fans.

Buchtipp: The Art of Hammer: Posters From the Archive of Hammer Films von Marcus Hearn

17. September 2017

Als Jugendlicher habe ich mein Taschengeld für Filmplakate ausgegeben. Ich war auf Filmsammlermärkten und Kinos unterwegs und habe nach diesem besonderen Marketingmaterialien Ausschau gehalten. Ich sammelte, was mir gefiel: Bond, Horror, Kubrick – ein System in der Sammlung hatte es nicht. Dieses Hobby ist ein wenig eingeschlafen, was auch am Platz liegt. Wohin mit Hunderten Als ich jetzt das Buch The Art of Hammer: Posters From the Archive of Hammer Films von Marcus Hearn erwarb, musste viele meiner alten Schätze wieder ansehen.

Ich mag viele Hammer-Filme. Hammer war ein britisches Produktionsstudio deren Filme meinen Geschmack von Horrorfilmen geprägt haben. Ich kam aus der Tradition des sogenannten gothischen Horrors und liebte Filme mit Bela Lugosi (Dracula) oder Boris Karloff (Frankenstein/Mumie). Diese Schwarzweiß-Filme hatten eine tolle, gruselige Atmosphäre mit Friedhöfen, Schlössern und Laboren. Doch dann kamen in mein nächtliches TV-Programm auf einmal Filme von Hammer, die ebenso von Dracula, Frankenstein und die Mumie handelten, aber eine viel stärkere Wirkung auf mich hatten.

Diese Hammer-Filme waren in Farbe, sie hatten Action und sie boten Sex. Ich geb es ja zu, das alles hat mir gefallen. Auch die wichtigsten Darsteller dieser Hammer-Filme hatten mich fasziniert: Christopher Lee und Peter Cushing, beide leider inzwischen verstorben und der jüngeren Generation als Saruman (Herr der Ringe) und Großmoff Tarkin (Krieg der Sterne) bekannt.
Das Buch The Art of Hammer zeigt eine Auswahl an internationalen Postern aus der Filmwelt von Hammer mit dem Schwerpunkt auf englischen Marketingmaterialien. Es ist eine Bibel für Freunde von Hammer.
Die frühen Hammer-Filme kannte ich nicht. Mein Interesse setzt 1958 mit Blood for Dracula ein. Für mich waren die goldenen Zeiten des Hammer-Films die Sechziger und frühen Siebziger Jahre. Hammer revolutionierte den Horrorfilm und fegte die alten Schinken hinweg. Hollywood hatte keine Antwort auf Hammer, gegebenenfalls die Poe-Verfilmungen von Roger Corman hatten einen ähnlichen Charme wie Hammer. Die Hammer-Filme sprachen durch ihre Aggressivität eine jüngere Zielgruppe an, was durch Filme wie Dracula 1972 AD – Dracula jagt Mini Mädchen (geiler deutscher Titel) deutlich wurde. Im Mode- und Drogenrausch des Swinging London triebt Dracula sein Unwesen. In einer hervorragenden Doku des Kultursenders Arte wurde berichtet, dass Hammer oft als erstes ein reißerisches Plakat mit Titel hatte, sich dann einen Verleih suchte und dann erst den Film drehte. Ein ungewöhnliches Vorgehen, aber scheinbar erfolgreich.

Dann kam der Bruch. Hammer-Filme, die für eine Zeitlang modern waren, sind auf einmal auf dem Abstellgleis gelandet. Neue Formen des Horrorfilms etablierten sich. Hitchcock hatte es Jahre zuvor mit Psycho vorausgesehen. Der irre Schlitzer. Das Grauen kam nicht mehr von Monstern aus fernen Ländern wie Transsilvanien oder von verrückten Wissenschaftler, sondern das Grauen kam vom Nachbarn um die Ecke oder gar vom Teufel selbst. Der vor kurzem verstorbene Tobe Hooper setzte mit Blutgericht in Texas Maßstäbe an Terror und die Branche sowie Publikum richteten sich daran aus. Hammer wirkte auf einmal verstaubt. Zwar ließen die Darstellerinnen mehr und mehr die Hüllen fallen, doch wenn ich Sex und nackte Haut sehen wollte, gab es andere entsprechende Filme. Hammer ging den Bach runter.
Erst in den 2000 Jahren hatten die Hammer-Studios ein Comeback. Ich habe allerdings noch keinen Film gesehen. Die Blu rays liegen noch Originalverpackt hier herum. Die Frau in Schwarz soll ganz gut sein – ich bin gespannt.

 

Dracula im Film 5: Blut für Dracula 1965

18. Juli 2017
Da beißt er wieder: Christopher Lee als Dracula in Blut für Dracula.

Da beißt er wieder: Christopher Lee als Dracula in Blut für Dracula.

Als Vampirfan freue ich mich immer wieder, wenn der Chef der Beißer Dracula aufersteht und mir ein Schauern über den Rücken laufen lässt. Der beste Dracula-Darsteller ist für mich Max Schreck, aber vor allem hab ich Christopher Lee in der Rolle des beißenden Grafens liebgewonnen. So war es mal wieder an der Zeit, den Klassiker Blut für Dracula anzusehen.
Es war die erste Fortsetzung der erfolgreichen Hammer-Verfilmung Dracula von 1958. Terence Fisher saß 1965 wieder auf dem Regiestuhl und die Produktionsgesellschaft Hammer kurbelte in Windeseile Dracula- und andere Horrorfilme herunter. Sie wurden vom Publikum geliebt und von Kritikern gehasst. Ich mag die bunten Aufnahmen, das theatralische Gespiele und die seichten Storys. Blut für Dracula hat so eine seichte Story. Es geht die Mär, dass Christopher Lee sich weigerte die schlechten Dialoge zu sprechen und so fauchte der Graf in dieser Verfilmung nur und fletschte die Zähne. Für mich kommt dabei das Diabolische von Dracula sogar noch besser zur Geltung. Im dritten Teil Draculas Rückkehr durfte der Graf dann wieder sprechen – es war wohl das Drehbuch besser.

Dieses Mal spricht Dracula nicht und faucht nur.

Dieses Mal spricht Dracula nicht und faucht nur.

Handlung von Blut für Dracula
Die Handlung ist einfach: Dracula wird von seinem treuen Diener wiederbelebt durch das Ausbluten eines Opfers auf der Asche Draculas. Für alle, die es nicht mitbekommen haben: Dracula stirbt im ersten Teil durch das Sonnenlicht und zerfällt zu Staub – diese Szene sehen wir zu Beginn des Films. Dann beißt der Graf die attraktive Barbara Shelley, die vielleicht weniger für ihre großartige Schauspielkunst als vielmehr aufgrund ihrer zwei überzeugenden Argumente die Rolle des ersten Opfers spielen durfte. Nach ein wenig Blabla über Vampirismus wird Dracula dann nach einer Verfolgungsjagd zur Strecke gebracht in dem er in den Fluten seines Burggrabens versinkt. Wir alte Vampirjäger wissen ja, dass Vampire Gewässer nicht so mögen.

Barbara Shelley ist das erste Opfer.

Barbara Shelley ist das erste Opfer.

Blut für Dracula ist Kult
Was schnell heruntergekurbelt wurde, ist heute Kult. Ich mag die Schlosskulissen der Hammer-Studios, die gleich auch für ein den unwichtigen Streifen Rasputin, der wahnsinnige Mönch herangezogen wurden. Natürlich hat das Schloss nichts mit Rumänien zu tun, macht aber dennoch Spaß. Es liegt übrigens im Film bei Karlsbad – also etwas wirre Geografie.

Das Pfählen erinnert an eine Vergewaltigung.

Das Pfählen erinnert an eine Vergewaltigung.

Interessant findet ich aber die Erlösung von Barbara Shelley, die eine Helen Kent spielt. Vier Mönche halten die zum Vampirmutierte Helen auf einem Tisch fest – je ein Mönch an Armen und Beinen. Der Abt nimmt den Pfahl, schlägt mir dem Hammer zu und erlöst die Leidende. Es erinnert doch sehr an Vergewaltigungsszene. Hobbypsychologen werden an diesem Film ihre Freude haben. Da war mir der gute Doktor Van Helsing alias Peter Cushing im Opener des Films dann doch lieber. Und dennoch hat mir Blut für Dracula eineinhalb Stunden Spaß bereitet und ist mir wesentlich lieber als alle Twightlights und Vampir Tagebücher dieser Welt.

Der Graf in seiner Kiste erwacht.

Der Graf in seiner Kiste erwacht.

Christopher Lee – Mein persönlicher Nachruf

12. Juni 2015

Meine erste Begegnung mit Christopher Lee war eine ganz üble Verwechslung. Ich hatte als Kind Dracula von 1930 mit dem großen Bela Lugosi gesehen und hatte vor diesem Vampirfilm keine Angst. Als meine Kumpels sagten, dass Dracula im Fernsehen wiederholt werden sollte, schlug ich vor, den Film gemeinsam anzusehen. Ich hatte den Mund großmäulig weit aufgerissen und war Wortführer, wie harmlos dieser Streifen sei. Also versammelten sich vier junge Menschen im Wohnzimmer meiner Eltern und wir schauten im Rahmen der ZDF-Reihe der phantastische Film Dracula. Allerdings schauten wir nicht den Dracula von 1930, sondern den Dracula von 1958. Hauptdarsteller war nicht Bela Lugosi, sondern Christopher Lee. Der Film war nicht in schwarzweiß, sondern in Farbe und blutig. Und uns Jugendlichen ging die Muffe. Lee spielte den Vampir elegant, aber brutal und blutrünstig.
Später kaufte ich mir zahlreiche Hammer-Filme mit Christopher Lee auf DVD, wobei mir aber die Dracula-Filme am liebsten waren. Frankenstein ging, die Mumie mochte ich nicht so. Richtig gerne mochte ich Dracula jagt Mini-Mädchen und die Komödie Die Herren Dracula. Irgendwann sah ich mal den The Wicker Man in einer Horror-Nacht im Kino und war fasziniert – heute ist der Film einer meiner liebsten Horror-Filme mit Christopher Lee, auch wenn den Film wohl kaum einer kennt. Fein war auch der Bond-Film Der Mann mit dem goldenen Colt.

Ich habe von Christopher Lee noch ein Autogramm bekommen.

Ich habe von Christopher Lee noch ein Autogramm bekommen.

Jahre später hatte ich mit Christopher Lee ein Interview auf einem Fantasy Filmfest in München. Ich war damals für meine Schülerzeitung vor Ort und furchtbar nervös. Ich hatte eine ganze Liste von Fragen vorbereitet. Aber anstatt meine Fragen zu stellen, erzählte ich ihm die Verwechslungsgeschichte und er amüsierte sich köstlich. Ich bekam ein Autogramm auf einem alten Aushangfoto von 1958, das heute noch in meinem Arbeitszimmer hängt. Später 1982 traf ich ihn nochmals bei der Premiere des Zeichentrickfilms „Das letzte Einhorn“. Dort sprach er den bösen König Haggard und war verblüfft, dass Lee die deutsche Synchronisation selbst vornahm. Er sprach ein sehr gutes Deutsch und ich kasperte mich damals mit meinem Schulenglisch ab. Er war ein cooles Schlitzohr, sehr, sehr britisch.

Mein Autogramm von Sir Christopher Lee auf einem Original-Aushangfoto von Dracula 1958.

Mein Autogramm von Sir Christopher Lee auf einem Original-Aushangfoto von Dracula 1958.

Nach dem Horror-Film Das Haus der langen Schatten wurde es für mich still um Christopher Lee. Vielleicht spielte er noch irgendwo mit, aber ich bekam es nicht mehr mit. Auf einem Flohmarkt kaufte ich einmal wunderschöne Musik aus Herr der Ringe, aufgenommen vom dänischen Tolkien Ensemble und der Stimme von Christopher Lee. Später erschien die 4 CD-Box unter dem Titel The Lord of the Rings: Complete Songs and Poems – Christopher Lee vom Tolkien Ensemble und ich habe im Dezember 2012 darüber gebloggt. Die Metal-Sachen waren nicht mein Fall.
Erst als er bei Star Wars Count Dooku und bei Herr der Ringe als Saruman wieder erschien, sah ich den großen Mann im Kino und vor allem auf Blu ray. Gerade bei Herr der Ringe kam Lees Schauspieltalent in der Extended Version von Herr der Ringe zu Tage, Peter Jackson sah das wohl zunächst nicht so. Auch beim Hobbit durfte er wieder auf der Leinwand erscheinen und ich bin gespannt auf die Extended Version vom dritten Hobbit.
Nun ist Sir Christopher Lee im Alter von 93 Jahren verstorben. Vielen Dank für Ihre Filme Sir Christopher.

Mittelalterfans orientieren sich am Buch Herr der Ringe – Waffen und Kriegskunst

2. Juli 2013

Neulich unterhielt ich mich mit einem Bekannten, der gerne Mittelalterfeste besucht. Seine ganze Familie ist diesem Hobby erlegen. Dabei musste ich feststellen, dass die Welt des Mittelalters und die Welt von Fantasy gar nicht so weit auseinander liegen. Freilich, es gibt Leute die ganz hohen Wert auf die Details legen und nahezu wissenschaftlich bei ihrer Ausrüstung vorgehen. Andere Mittelalterfans finden es einfach nur toll in Kostümen und Waffen durch die Gegend zu schreiten.

Als ich nachfragte, woher die Ideen für die ganzen Waffen und Rüstungen stammen,  bekam ich eine verblüffende Antwort. Viele Fans orientieren sich an der Welt von Herr der Ringe. Es ist ja eigentlich logisch, nur ich kam nicht darauf. Es liegt auf der Hand.

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Und siehe da, bei mir im Archiv fand sich auch das Buch Der Herr der Ringe, Waffen und Kriegskunst. Ich habe das Buch von Chris Smith, erschienen im Klett Cotta Verlag, damals achtlos zur Seite gelegt. Grund war eine katastrophale Rechtschreibung und Übersetzungsleistung des Lektors. Das Buch hat leider sehr viele Unstimmigkeiten – der beste Text ist da noch das Vorwort von Christopher Lee.

Autor Chris Smith hatte 2003 in enger Zusammenarbeit mit Peter Jackson und seinem Designteam, allen voran den Trickspezialisten Richard Taylor und Daniel Falconer, die auch die Einleitung schrieben, sowie den Zeichnern Alan Lee und John Howe, ein zwiespältiges Buch verfasst. Das Originalbuch habe ich nie in die Finger bekommen. Im Grunde ist es ja auch eine Zweitverwertung von anderen Filmbüchern.

Aber ich hatte damals übersehen, welch fantastische Bilder und welch reicher Fundus an Waffen und Kriegskunst enthalten ist. Es macht einen unheimlichen Spaß, die Schwerter, die Sperre, die Schilder und die zahlreichen Rüstungen zu betrachten. Die kreativen Macher um Regisseur Peter Jackson haben sich wirklich etwas Grandioses einfallen lassen und eine stimmige Welt in sich geschaffen. Das macht sicherlich auch den Zauber der Welt von Herr der Ringe und Tolkien aus. Üppig illustriert mit hunderten von Fotos, Landkarten, Skizzen, Abbildungen von Modellen und Zeichnungen, ist das Buch eine wahre optische Schatzgrube.

Dieses und andere Bücher der Herr der Ringe Reihe werden von den Mittelalterfans herangezogen, und dienen als Vorlage für ihre Waffen und Ausrüstungen. Also, wer Interesse hat, sollte einen Blick wagen. Aber seid gewarnt: vom Text lohnt sich dieses Buch Der Herr der Ringe, Waffen und Kriegskunst überhaupt nicht. Vielleicht findet ihr dieses Buch bei eBay zu einem niedrigen Preis. Dann heißt es zugreifen.

Filmkritik: Hobbit – eine unerwartete Reise

23. Dezember 2012

Es war sicherlich der wichtigste Kinostart des Jahres 2012: Auf Peter Jacksons Hobbit haben Millionen von Mittelerde-Fans gewartet und sie wurde nicht enttäuscht. Nur die Zahlenfanatiker mussten mit ihren Exceltabellen gleich darauf hinweisen, dass die magische 100-Millionen-Besuchermarke am Startwochenende nicht geknackt wurde – na und? Obwohl die Zutaten ähnlich sind wie die Herr der Ringe-Trilogie, ist der Start des Hobbit-Dreiteilers keine Kopie der erfolgreichen Jackson-Filme. Tolkien schrieb das Buch den kleinen Hobbit als Kinderbuch. Jackson setzte eben dieses Kinderbuch in Szene und nicht die tiefergehende Mythologie von Herr der Ringe.

Kinobesuch des Hobbits im Royal Palast in München.

Kinobesuch des Hobbits im Royal Palast in München.

Dies zeigt sich in erster Linie an der Geschwindigkeit und Sprache des Films. Der Hobbit ist deutlich schneller inszeniert, schnellere Schnitte, es geht rasant zu. Das wird vor allem in der Schlacht in den Goblin-Höhlen des Nebelgebirges deutlich. Die epische Erzählweise von Herr der Ringe steht nicht mehr im Vordergrund, bricht nur noch in Elronds Haus oder bei Erzählungen von Eichenschild durch.

Warum hat Jackson eigentlich einen Dreiteiler aus dem kleinen Kinderbüchlein herausgeholt? Nun, es hat sicherlich kommerzielle Gründe. Aber er klammert sich auch an jede Andeutung aus dem Kinderbuch und bläst sie zur abenteuerlichen Geschichte auf. Dabei nimmt er hin und wieder Anleihen aus dem Silmarillion, dem komplexen Mytholgiewerk aus Mittelerde. Da braucht es dann schon einen Dreiteiler – Teil eins dauert alleine schon 169 Minuten. Personen, wie der Zauberer Radagast kommen im Buch nur am Rande vor, werden aber zu einer tragenden Figur aufgebaut. Auch das Treffen von Gandalf mit Sauroman gibt es im Buch Hobbit nicht und dient wohl nur der Wiedererkennung mit Figuren aus Herr der Ringe. Wie zu hören war, mussten die Szenen mit Christopher Lee in London gedreht werden und nicht in Neuseeland. Gesundheitliche Gründe hieß es, ich denke vielmehr an eine Spitze von Herrn Lee an Jackson, der Lees Auftritt in der Herr der Ringe-Kinofassung zusammenschnitt. Erst auf der Langfassung auf Blu ray konnte man das Schauspiel von Christopher Lee in ganzer Länge bewundern.

Auch ein deutlicher Unterschied zu Herr der Ringe ist der Einsatz von Humor. Bestand dieser beim Herr der Ringe meist nur aus dem Wortgefechten von Gimli und Legolas beim Zählen von abgeschlagenen Ork-Köpfen sind haben wir dieses Mal 13 skurrile Zwerge, die wild durcheinander agieren. Als grobe Klötze werden sie vorgestellt, angeführt von einem eigensinnigen Thorin Eichenschild. Es ist nicht die Verwandtschaft der Zwerge aus Schneewittchen, sondern eigensinnige. harte, derbe Knilche. Ob beim Grillfest der Trolle oder der rasanten Fahrt des Öko-Zauberers Radagast mit seinem Kaninchenschlitten, der Humor kommt nicht zu kurz. Er geht in Richtung Hollywood, aber es ist gut, dass der Film nicht in Los Angeles, sondern in Neuseeland gedreht wurde. Der härtere Kiwi-Humor tut dem Hobbit gut.

Gut gebauter Goblin sucht neues Zuhause.

Gut gebauter Goblin sucht neues Zuhause.

Es tat auch gut, alte Bekannte zu sehen, allen voran den Zauberer Gandalf, Elrond den Elben aus Bruchsal, Sauroman den Zauberer, Gollum, und die edle Frau Galadriel. Letztere ist übrigens die einzige Frau in dem Film, wenn man von Statisten von Zwergenfrauen oder Elbenmusikerinnen einmal absieht. Daher ist der Hobbit ein Männerfilm. Harte Kerle auf der Reise, die Abendteuer erleben und sich nicht immer zu benehmen wissen.

Und wir lernen auch wieder: Mittelerde ist in Neuseeland. Die Naturaufnahmen sind einfach wunderbar, begonnen beim Auenland bis hin zum Nebelgebirge. Neuseeland bietet wunderbare Locations. Der Rest kommt von Weta aus dem Computer. Die CGI-Technik hat sich in den vergangenen zehn Jahren massiv weiterentwickelt. Dies merkt man vor allem beim Einsatz der Software Massive mit den Agents. Hier kann der CGI-Künstler am Rechner Heere aufeinandertreffen und kämpfen lassen. Diese Schlachten waren in Herr der Ringe schon ein Augenschmaus, in Hobbit wurden die Zwergeschlachten nochmals optimiert. Respekt für so viel Entwicklungsarbeit. Und da kommt das Star Wars-Paradox zum Tragen. Die Herr der Ringe spielen 60 Jahre nach dem Hobbit, aber die CGI-Technik ist im Hobbit einfach besser als in den zeitlich späteren Nachfolgefilmen. Das hat mich bei Star Wars auch schon gestört.

Den größten Fortschritt der CGI-Technik zeigt sich beim Auftritt von Gollum. Die Darstellung von Andy Serkis ist sehr glaubwürdig. Die Person Gollum ist zerrissen und sein Spiel wird durch moderne Animationstechnik nochmals verstärkt. Das war für mich der absolute Höhepunkt des Film – das Kammerspiel in den Tiefen des Nebelgebirges. Da macht es nichts aus, dass die Gollum-Geschichte anders erzählt wird als im Herr der Ringe.

Wenn wir schon bei Technik sind: Der Hobbit wurde neben der 2D-Fassung auch in einer HFR-3D-Fassung gedreht. Das bedeutet, die Aufnahmen liegen in einer Higher Frame Rate 48 Bilder pro Sekunde in hochauflösendem 3D vor – bisher sind im Kino 24 Bilder pro Sekunde zu sehen. An dieser Technik arbeitete bereits Douglas Trumbull, aber Peter Jackson hat sie wohl zur Marktreife gebracht und konsequent einsetzt. Trumbull gilt als Erfinder des Showscan-Aufnahmen mit einer Bildfrequenz von 60fps, die er als Vorstand von IMAX in Vergnügungsparks einsetzen möchte. Im Hobbit kommen die Details durch die neue Technik stärker zum Tragen, es muss sich mehr Mühe bei den Sets, bei den Make Ups gemacht werden, denn Fehler fallen stärker auf. Dadurch werden auch die Kosten höher. Das Bild wird digitaler, das klassische Filmkorn hat wieder an Boden verloren.

Für mich ist es ein schöner Auftakt. Teil 2 kommt Dezember 2013 und Teil 3 im Juli 2014. Ich bin dabei.

 

Musiktipp: Complete Songs & Poems of the Lord of the Rings von Tolkien Ensemble

15. Dezember 2012

Weil wir uns alle am Hobbit-Fieber angesteckt haben, will ich mal Musik aus der Welt von Mittelerde vorstellen, die vielleicht nicht jedermann kennt. Ich meine jetzt nicht die Soundtracks von Howard Shore und Leonard Roseman, sondern die Musik des Tolkien Ensembles.

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Ich hab diese Musik aus Dänemark Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf einem Schallplattenflohmarkt entdeckt. Über die Jahre sind einige Aufnahmen hinzugekommen. Im Jahre 2006 erschien die 4-CD-Sammlung Complete Songs & Poems of The Lord of the Rings, die ich Fans von Mittelerde ausdrücklich empfehlen möchte. Bei der Band Tolkien Ensemble handelt es sich um dänische Musiker, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Gedichte und Gesänge vom Herr der Ringe zu vertonen und zu veröffentlichen. Unterstützung haben sie von Christopher Lee bekommen, der zahlreiche Tolkien Gedichte vortrug. Schön, dass Lee auch eine Rolle als böser Zauberer Saruman in Jacksons Herr der Ringe-Verfilmung bekommen hat.

Allerdings ist die CD-Sammlung keine leichte Kost. Die komplexen Aufnahmen gehen nicht sofort ins Ohr. Wunderbar finde ich die Choräle, aber auch die leisen Lieder aus dem Auenland. Insgesamt waren über 150 Musiker an den Aufnahmen beteiligt, darunter 14 Solisten. Die Sammlung enthält alle Veröffentlichungen des Tolkien Ensembles. Zehn Jahre hatten Casper Reifff und Peter Hall geraucht, um das Werk zu vollenden. Einige Songs wurden für die CD-Box nochmals neu aufgenommen und die Sammlung wurde neu editiert und nun in die korrekte Reihenfolge gebracht. Cool ist auch, dass ein königlicher Tolkien-Fan mit von der Partie ist. Königin Margarethe II. von Dänemark steuerte zahlreiche Zeichnungen und Illustrationen bei. Das Booklet wurde so wunderbar aufgewertet, es enthält neben den Texten der Gedichte und Gesänge auch eine Biografie der Künstler und die eindrucksvollen königlichen Illustrationen. Es lohnt sich also, die Aufnahmen als CD-Set Complete Songs & Poems of The Lord of the Rings zu erwerben und nicht als mp3-Download.

Für mich gehören diese Aufnahmen zu den Schätzen aus der Welt von Mittelerde. Wer sich ernsthafter mit der Welt von Tolkien beschäftigen will, kommt um diese Aufnahmen nicht herum.

ZDF-Vorspann „Der phantastische Film“

14. November 2008

Als Jugendlicher entwickelte sich meine Liebe zu klassischen Science-Fiction- und Horror-Filmen. Es bedurfte langen Diskussionen mit meinen Eltern, dass ich mir entsprechende Filme im familieneigenen Grundig-Fernseher ansehen durfte. Mein Vater nannte diese Art von Filmen immer „Spökel-Filme“ und lehnte sie grundsätzlich ab. Na ja, aber ich setzte mich durch und durfte mir am Freitag Abend im ZDF die Reihe „Der phantastische Film“ ansehen. Meine Eltern gingen nach dem Aktuellen Sportstudio ins Bett und ich hatte zu vorgerückter Stunde den Fernseher für mich. Mit Chips und Mineralwasser bewaffnet machte ich es mir in den Wohnzimmersesseln bequem. Eine Decke hatte ich immer am Mann. Zum einen wegen der nächtlichen Kälte, zum anderen als Notbehelf für den Kopf, wenn der Film doch grusliger war als gedacht. Im nachhinein waren die Filme doch recht harmlos, aber allesamt große Klassiker: „King Kong“, die Dracula-Reihe mit Christopher Lee (letzter Teil war der unsägliche „die Herren Dracula“). Eindruck machte auf mich „Ich folgte einem Zombie“, „Fluch der Mumie“ oder „Rosemaries Baby“. Richtig Angst hatte ich aber vor allem bei dem ZDF-Teaser „Der phantastische Film“. Wenn ich diesen Vorspann überstanden hatte, dann war der anschließende Film gar nicht mehr so schlimm. Das war wirklicher Horror: Da verwandelte sich ein Mann in einen Werwolf, ein Kopf brannte, Hörner wuchsen, Fledermäuse flogen und ein Kopf explodierte – alles in Zeichentrickmanier. Dazu eine moderne Schauermusik von Heinz Edelmann, wirklich zum Gruseln. Bevor der Film losging, hatten noch die adretten ZDF-Ansagerinnen ihren Auftritt. Damals gab es noch Ansagerinnen. Sie hatten Vampirzähne im Mund oder waren maskiert. Was waren das für Zeiten?

Neuverfilmungen – bitte nicht

1. August 2008

Hollywood reagiert auf einen schrumpfenden Markt wie immer. Sie setzen auf Altbewährtes. Wenn ein Film in der Vergangenheit seinen Markt gefunden hat, dann tut er es sicher auch in der Gegenwart. Also werden alte Filme neu verfilmt, ein Remake eben. Das hat mal gut funktioniert, mal ging es in die Hose. So gibt es „Frankenstein“-Verfilmungen aus der Stummfilmzeit, die dann mit Boris Karloff neu verfilmt wurden. Die Neuverfilmung der Gegenwart mit Robert de Niro ging daneben. „Dracula“ ist ein ähnliches Beispiel. Mal als genialer Nosferatu von Murnau als Stummfilm (vor kurzem restauriert aus DVD erschienen), dann in den 30er Jahren mit Bela Lugosi, in den 60er mt Christopher Lee und dann nochmals verfilmt von Coppola. Klar, es gab noch viele Varianten des Themas auf der Leinwand und in der Glotze, aber darum geht es nicht. Ich habe Ben Hur aus der Stummfilmzeit genauso genossen, wie die Technicolor-Version mit Charlton NRA Heston. Ich habe bei „Chainsaw“ früher mehr Angst gehabt also heute und war schockiert, wie brutal Rob Zombie bei „Halloween“ vorgegangen war. Jetzt lese ich, dass „My fair Lady“ neu verfilmt wird. Es grünt so Grün, wenn Spaniens Blüten blühen? Wahrscheinlich ist dann Tausendsassa Hans Zimmer für die Musik zuständig, oder man unterlegt den Film mit Beats und betont den Bass ein wenig mehr. Da hätte ich noch einen Vorschlag für eine Neuverfilmung: „West Side Story“. Coole Rapper von der Westside liefern sich Bandenkriege und aus Maria machen wir Mary. Sie war eigentlich auf Crack, hat aber dann doch ihre Liebe gefunden. Das ist der Stoff aus dem Kassenschlager sind …  Mein Gott, schmeiß Ideen vom Himmel