Posts Tagged ‘Peter Thomas’

Musiktipp: The Big Boss von Peter Thomas

8. Oktober 2021

Ich bin in Trash-Stimmung und schaute mir auf der PSP den Bruce Lee-Streifen Der Mann mit der Todeskralle aus dem Jahre 1973 an. Es war der erste in den Vereinigten Staaten produzierte Martial-Arts-Film und der letzte vollständige Film von Bruce Lee. Drei Wochen nach Dreharbeiten verstarb der Schauspieler.

Der Film hat seine paar Momente. Ausgesprochen spektakulär ist dagegen der Score von Altmeister Lalo Schifrin. Leider ist die Filmmusik nur extrem teuer zu haben. So manche ich mich auf die Suche nach anderen Score zu Bruce Lee-Filmen. Und auf wen traf ich da? Auf meinen musikalischen Helden Peter Thomas, der den Score zu The Big Boss einspielte.

Wie passt der Jazz- und Big Band-Song von Peter Thomas in die asiatische Kampfsportwelt von Bruce Lee. Und das ist eine wirklich interessante Geschichte, die ich als Filmfan noch gar nicht wusste. Es kam so:
The Big Boss war Bruce Lees erster großer Film und verschaffte ihm den internationalen Durchbruch. Premiere feierte Regisseur Lo Weis Film 1971 in Hongkong, seinen internationalen Siegeszug trat er aber erst 1973 an. Der deutsche Verleih glaubte, die originäre chinesische Filmmusik wäre zu weit von den bundesdeutschen Hörgewohnheiten entfernt und beauftragte Peter Thomas, einen eigenen Soundtrack zu komponieren. Dies gelang ihm mit Bravour. Das Resultat war, dass dieser von nun an in der ganzen Welt, mit Ausnahme von China, eingesetzt und somit zur eigentlichen Filmmusik von the Big Boss wurde.


Seit der Erstveröffentlichung dieser Filmmusik im Jahr 2010 hatte sich einiges getan, was eine verbesserte Neuauflage überfällig machte: In Peter Thomas‘ Archiv konnten vier Stücke sowie eine etwas längere Version aus dem Film, die bisher als verschollen galten, gefunden werden. Diese ersetzen nun die Bonustracks der alten CD, die zwar einstmals für den Film komponiert, aber nicht in ihm verwendet wurden.

Wie ja bekannt ist, verstarb Peter Thomas leider während der Vorbereitungen zu dieser von ihm unterstützten Produktion am 17. Mai 2020, 94-jährig in Lugano (CH). Für die Illustration auf dem Gatefold-Cover der LP sowie dem Digipack der CD zeichnet der großartige Adrian Keindorf verantwortlich. Die LP erscheint auf 180g Vinyl standardmäßig in Schwarz sowie in einer auf 300 LPs limitierten transparenten roten und einer auf 200 LPs limitierten transparenten sonnengelben Auflage.

Anmerkung: Da mein Schallplattencover durch den Versanddienstleister an einer Ecke beschädigt wurde, hat Allscore auf Facebook umgehend reagiert und eine Ersatzlieferung angekündigt. Prima Service.

Film- und Musiktipp: Playgirl (1966)

16. August 2021

Es gibt Filme, die mir völlig unbekannt waren und die mich von den ersten Minuten an total faszinieren. Ein solcher Film ist Playgirl als dem Jahre 1966 von Will Tremper. Hier passt alles zusammen: Regie, Kamera, Darsteller, Musik und Drehort.

Playgirl spielt in Swinging Berlin 1965. Es war die Zeit vor den Studentenprotesten, APO und SDS, die sattsam filmisch verbraten wurden. Es war eine Zeit, in der mir das Berlin des Jahre 1965 unbekannt war. Der Übergang von einer zerstörten Hauptstadt des Dritten Reiches in eine pulsierende Metropole. Beide Themen waren exzellent angerissen und in die Handlung integriert. So eine Stadtatmosphäre eines Nachkriegsberlins habe ich bisher nur beim genialen Billy Wilder in Eins, zwei, drei erlebt.
Nun, Playgirl von Will Tremper ist unter der Oberfläche ein politischer Film, vielmehr ist er eine schön erzählte, rasante Geschichte mit einer Prise Gesellschaftskritik. Neue, moderne Zeiten brechen an. Regisseur Willi Tremper drehte in seiner Karriere vier Filme und war sonst als Journalist und Autor unterwegs. Sein Die endlose Nacht von 1963 erhielt einige Preise beim Deutschen Filmpreis. Ich muss den Film noch sehen und habe ihn auf meine Watchlist gesetzt.

Playgirl erzählt die Geschichte des lebensfrohen Models Alexandra Borowski, dargestellt von Eva Renzi, die ihr Glück in Berlin sucht und Männer und Situationen für ihre Zwecke ausnutzt. Im Grunde eine Art IT-Girl der sechziger Jahre. Uschi Obermeier ohne Politik, wenn man so will.


Als ich die DVD in den Player lag, erschien das Gesicht der wunderschönen Eva Renzi. Ich habe sie gleich erkannt, weil sie ein paar Jahre später in Rainer Erlers ersten Teil des Blauen Palais spielte, der zu meinen Lieblingen gehört.
Warum kam ich jetzt auf Playgirl, der bereits 2006 auf DVD erschien und 2014 wunderschön wieder aufgelegt wurde? Es war die Musik, die mich interessierte. Der Komponist des Films war Peter Thomas. Der Score wurde damals unter dem Namen von Klaus Dollinger vermarktet, weil Polydor wohl meinte, es sei der bekanntere Name. Aber der legendäre Peter Thomas komponierte die meisten Stücke des Scores in seiner typischen Manier und typischen flotten Sound aus Jazz, Beat und Easy Listening. Thomas, über den ich ja bereits zu Raumpatrouille und die Schlangengrube und das Pendel begeistert gebloggt habe, hat hier wieder seine musikalische Magie bewiesen. Thomas bewegt sich mit Charme und Esprit in der Welt Berlins. Film und Musik sind für mich eine wunderbare Liebeserklärung des Berlins des Jahres 1965.
Sowohl Film als auch Score wurden mir von Walter Potganski von moviemax aus München dankenswerterweise zur Verfügung gestellt.

Film- und Musiktipp: Die Schlangengrube und das Pendel

15. Februar 2021

Als Schüler habe ich bei einem Freund Filme geschaut, die ich zu Hause nicht schauen konnte, weil wir nicht über die entsprechende technische Ausstattung verfügten. Es war das Zeitalter von Super 8, lange vor Video. Seine Eltern hatten eine große Sammlung an Super-8-Filmen und nach der Schule zogen wir uns dann und wann einen Film auf 8 mm auf einem knatternden Bauer-Projektor und Mono-Lautsprecher rein. Zu den Filmen gehörte auch Die Schlangengrube des Dr. Dracula.

Jahrzehnte später sah ich den Film wieder, der eigentlich die Schlangengrube und das Pendel hieß. Unsere gekürzte Super-8-Fassung hatte einen reißerischeren Titel – in dem Film tauchte freilich nie ein Doktor mit Namen Dracula auf. Christopher Lee war der Böse und damit firmierte die Super-8-Fassung als Dracula. Als erfahrener Karl May-Seher erkannte ich Old Shatterhand wieder, der von Lex Barker darstellt wurde. An seiner Seite spielte die großartige Karin Dor, die in Man lebt nur zweimal an der Seite von James Bond Sean Connery internationalen Ruhm erlangte.

Und wieder Jahrzehnte als alter Mann später sah ich Die Schlangengrube und das Pendell wieder in einer Mediabook-Version als restaurierte Version auf Bluray. Und was soll ich sagen: Ich bin begeistert. Die Geschichte basiert ganz lose auf Edgar Allan Poe und ist Versuch eines gescheiterten deutschen Nachkriegshorrorfilms. Gedreht wurde er von Harald Reinl, einem Routinier des deutschen Nachkriegskinos, der mit Nibelungen immer einen Platz in meinem Filmherz besetzt hat.

Was ist die Geschichte? Im Jahre 1801 wird Graf Regula (Christopher Lee) wegen Mordes an zwölf Jungfrauen gevierteilt. Viele Jahre später erhalten Roger Mont-Elise (Lex Barker) und die attraktive Baronesse Lilian von Brabant (Karin Dor) eine Einladung in das verrufene Sandertal. Die Fahrt durch gespenstische Wälder führt sie direkt in die Ruinen des Schlosses von Graf Regula und dessen Folterkammer. Noch kann niemand ahnen, dass hier die Wiederbelebung des Grafen vorbereitet wird, doch dafür braucht dieser noch das Blut einer dreizehnten Jungfrau.

Die Geschichte ist eher naja, aber so war eben der Trash, freigegeben von der FSK ab 12 Jahre. Ich mag die Drehorte wie beispielsweise unser Mittelalterkleinod Rothenburg ob der Tauber. Genau in der Filmszenen hat die Familie einer Bekannten ein Hotel. Ich muss sie mal befragen, ob ihre Eltern etwas von den Dreharbeiten mitbekommen haben.

Das Kellergewölbe von Graf Regula (klingt schon irgendwie nach Dracula) ist in den Bavaria-Film-Studios entstanden und ist ein tolles Set-Design. Ich habe ein paar Mal die Studios am Geiselgasteig besucht, aber leider nie etwas von den großartigen Kulissen des Films mehr zu Gesicht bekommen. Wahrscheinlich ist die Folterkammer schon längst vernichtet worden. Ich erinnere mich als Kind, dass ich von den Kulissen begeistert war. Heute erkenne ich eine expressionistische Kopie von Hieronymus Bosch an den Wänden, die ich zum ersten Mal auf einer Deep Purple Schallplatte sah.

Als ich mir den Film Die Schlangengrube und das Pendel jetzt wieder ansah, war ich erstaunt über die dichte Atmosphäre. Die Story war noch immer dünn, aber dennoch hat mich der Streifen gepackt. Vor allem das Color Grading war perfekt. Welches Autodesk-System es auch war, die Artists beherrschen ihr Equipment und erzeugten einen spannenden Film-Look. Der 4K-Scan wurde behutsam bearbeitet, restauriert und ausgespielt ohne das Kinokorn der Sechziger Jahre zu beschädigen. Im Grunde lässt sich sagen: In diesem Film trifft Herzblut auf Professionalität – so macht Film Spaß. Es wurde soviel Leben aus dem verstaubten und beschädigten Material herausgeholt.

Persönlich kamen die intensivsten Erinnerungen der Kindheit bei der Fahrt durch den Wald mit den Leichen in den Ästen wieder hoch. Es war für mich eine große Verbeugung vor La Belle et la Bête von Jean Cocteau aus dem Jahre 1946 gemischt mit den knalligen Gespenster-Comics meiner Jugend. Ein wenig deutsche Gothic-Romantik im Film, die später hierzulande nie wieder erreicht wurde.

Die Wirkung von der Schlangengrube und das Pendel lag auch an der erstaunlichen Musik von Peter Thomas. Es gab nur wenige deutsche Filmkomponisten seiner Größe. Rolf Wilhelm gehörte sicher dazu. Die Musik von Peter Thomas begleitet mich mein ganzes Leben hindurch – Edgar Wallace oder Jerry Cotton seien nur genannt. Sein Score zur Raumpatrouille gehört zu den großen deutschen Filmmusiken, die in die Geschichte der Filmmusik eingegangen sind. Zur Die Schlangengrube und das Pendel ist der Score in limitierter Auflage im roten Vinyl erschienen. Mir hat Walter Potganski von MovieMax dankenswerterweise ein Exemplar überlassen. Großartige Musik an deren Wiederveröffentlichung Peter Thomas bis zu seinem Tode am 17. Mai 2020 im Alter von 94 Jahren gearbeitet hatte. Dazu habe ich ein extra Video aufgenommen.

Raumpatrouille Orion noch immer stilprägend

22. September 2020

Die deutsche Antwort auf Raumschiff Enterprise war Raumpatrouille Orion und ich habe mir die sechsteilige Serie mal wieder auf Laserdisc angeschaut.
Es war ein „Märchen von übermorgen“ und anders als die friedliebenden Trekkies war Orion eher militärisch geprägt. George Lucas muss die Serie irgendwie gesehen haben, denn die Uniformen der imperialen Offiziere sehen doch ganz nach Raumpatrouille aus.
Innovativ war die Serie auf jeden Fall. Sie sah Erfindungen voraus, wie manche andere SF-Serie ebenso. Die Apple Watch kam ebenso vor wie FaceTime, die Visiorübertragung hieß. Allerdings wurde die Navigation durch den Raum noch mit Lochstreifen geführt – ganz so modern war man dann doch nicht. Und die Roboter der Serie glichen dann doch den Kampfmaschinen aus Ghost in the Shell – es kommt eben alles wieder.
Raumpatrouille war stilprägend. Das auf jeden Fall. Die Serie hatte Auswirkungen auf die Popkultur in Deutschland. Ein Beispiel ist, dass der Countdown zum Start bei Kraftwerk wieder aufgenommen wurde – was kann es für einen besseren Ritterschlag geben?
Aber ich musste beim Wiedersehen der Serie ganz schön schlucken, wenn ich das Frauenbild der damaligen Zeit ansehe. Natürlich war es überzogen, aber ein wahrer Kern steckte sicherlich im Drehbuch. Das Rollenbild der Sechziger war in Raumpatrouille festgeschrieben. In Folge 5 erklärt Commander Cliff Allister McLane mit völligem Unverständnis: Auf Chroma bestimmen die Frauen. Es fällt sogar die Ausdrucke „Weiberkolonie“ und „Amazonenzirkus“. In Sachen Emanzipation hatten die Chauvinisten der Raumpatrouille dann doch einigen Nachholbedarf.

Was mich ärgert. Von der Serie gibt es neben der Laserdisc nur eine DVD Raumpatrouille , aber leider keine Blu-ray. Warum eigentlich?
Ach ja, die Musik von Peter Thomas ist noch immer göttlich und wehe, hier widerspricht jemand. Ich habe sogar noch eine limitierte, signierte Ausgabe.

Commander Cliff Allister McLane alias Dietmar Schönherr ist tot

19. Juli 2014

Commander Cliff Allister McLane alias Dietmar Schönherr und seine Orion Mannschaft

Commander Cliff Allister McLane alias Dietmar Schönherr und seine Orion Mannschaft

Als meine Eltern Raumschiff Orion damals an unserem Grundig-Fernseher geschaut haben, hab ich mich an der Tür zum Wohnzimmer versteckt und hab mitgefiebert. Mit Commander Cliff Allister McLane begann meine Liebe zu Science Fiction, die mich bis heute nicht mehr losgelassen hat. Nun ist Commander McLane alias Dietmar Schönherr im stolzen Alter von 88 Jahren zu den Sternen abgeflogen und ich habe mir an seinem Todestag bei Amazon Instant Video alle phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion und der Raumpatrouille reingezogen. Irgendwie war Dietmar Schönherr eine Art deutscher Captain Kirk, der erst später bei uns über die Bildschirme flimmerte: Ein harter Hund, humorvoll und ein Herzensbrecher, aber mit Charakter – so müssen Piloten im Jahr 3000 sein. Schönherr hat noch viele Sachen gemacht, war TV-Talker und Friedensaktivist. Für mich war er immer Commander Cliff Allister McLane.

Die Bibel zur Orion.

Die Bibel zur Orion.

Und ich entdeckte in meinen Archiv die Bibel zur Raumpatrouille. Es handelt sich um das Buch Raumpatrouille aus dem Hause Schwarzkopf & Schwarzkopf, das ich mir bei Erscheinen als Fan sofort gekauft und verschlungen habe. So muss ein Filmbuch für Filmfreunde sein. Dieses Buch von Josef Hilger umfasst alles, und wenn ich schreibe alles, dann meine ich alles zum Thema Raumpatrouille. Josef Hilger ist ein Besessener und das meine ich mit allem Respekt. Er sammelte und archivierte alles zum Thema Raumschiff Orion und sein exzellentes Archiv legte die Basis für dieses Buch.

Es sind die vielen Details, die die Serie und damit das Buch so ausmachen. Krativität stand an erster Stelle und obwohl der WDR die Serie aufwendig inszenierte, wurde immer wieder improvisiert. Natürlich sind die Wasserhähne und Bügeleisen in den Raumschiffen als Steuergeräte heute jeden in Erinnerung. Aber auch die coole Kostüme und vor allem die Tänze in dem Starlight-Casino. Das hatte schon Stil und war vor allem stilprägend.

Gedreht wurde bei mir ganz in der Nähe bei der Bavaria Film in Geiselgasteig. Wer heute den Filmpark besucht, bekommt von der Orion allerdings nichts mehr zu sehen. Der muss auf jeden Fall zu dem Buch von Josef Hilger greifen, der umfangreiches Material von der Bavaria Film gesammelt hat. Neidisch bin ich unter anderem auf die Original-Presseaussendungen des Studios.

Soundtrack mit Autogramm.

Soundtrack mit Autogramm.

Geblieben sind auch die Kompositionen des Komponisten Peter Thomas. Sein Soundtrack Raumpatrouille Orion rundete die Serie ab. Meine Eltern hatten sogar die Titelmelodie als Single. Die Musik war wie die ganze Serie futuristisch, im so genannten New Astronautic Sound. 2003 wurde das Album mit Bonustracks auf CD veröffentlicht, die ich jedem Sammler zu kaufen rate. Irgendwo liegt im Archiv bei mir noch eine siginierte CD Raumpatrouille Orion herum, die auf 500 Exemplaren limiert war. Die Musik von Edgar Wallace- und Jerry Cotton-Mann Peter Thomas kommt heute bei mir vom Musikserver.

Und ich erinnere mich gerne an die Zeilen: Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von übermorgen.