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Mein erster Lost Place in der Oberpfalz

14. März 2017
Mein erster Lost Place - ein Bahnhof in der Oberpfalz.

Mein erster Lost Place – ein Bahnhof in der Oberpfalz.

Bei einem Schulungstermin in der Oberpfalz flammte mein Interesse für Lost Places auf. Das sind verlassene, verfallene Orte. Die Natur holt sich diese Orte zurück, nachdem der Mensch diese Orte verlassen hat. Die Orte beginnen sich zu verändern, zu versinken. Die Atmosphäre ändert sich. So einen Lost Place bin ich eben in der Oberpfalz bei einem aufgelassenen Bahnhof begegnet.


Die Deutsche Bahn hat das Bahnhofsgebäude aufgelassen und bietet es zum Kauf an. Ein Käufer findet sich wohl weit und breit keiner und so verfällt die Bausubstanz. Das Bahnhofsgebäude war ein schöner Bau, aber wird nicht mehr gebraucht. Es gibt am Bahnhof einen Kartenterminal und Plastiküberdachte Sitzplätze aus Metall. Den Schalter und den Warteraum und die Infrastruktur braucht die Bahn wohl nicht mehr und kann es sich nicht mehr leisten. Ich habe auch gelernt, dass man den genauen Standort von Lost Place nicht verraten soll, um nicht Vandalen anzulocken. Nun, dies ist bei einem ehemaligen Bahnhofsgebäude schwierig und ich verrate nicht, in welcher Gemeinde sich der Bahnhof befindet. Einheimische wissen sowieso auf dem ersten Blick, welchen Bahnhof ich meine.


Was reizt mich an Lost Places? Ich sammle Fotobücher zu dem Thema und werde in nächster Zeit einige meiner Exemplare hier im Blog vorstellen. Ich bin in einer geschlossenen Facebook-Gruppe dabei und bewundere die Bilder in den eingestellten Beiträgen und verfolge die Diskussionen darum. Ich habe meine Bahnhofsbilder auch eingestellt, sie wurden allerdings kaum beachtet. Damit muss und kann ich leben.


Ich glaube, der Auslöser für mein Interesse an Lost Places stammt vom Kino. Ich liebe Spukfilme, also verlassene Orte an denen Geister und Dämonen wohnen. Dracula wohnte immer in einer coolen Hütte. Sein Sarg stand immer im Verborgenen. Sein Schloss in Rumänien war immer vom Verfall bedroht. Und auch seine Anwesen in London oder sonst wo waren immer verfallene Abteien oder Herrenhäuser. Spinnennetze, viel Staub und knarrende Fenster mit schlagenden Läden gehörten einfach dazu. Es gab viele dieser Spukfilme, die ich mir gerne ansehe, besonders wenn das Spukhaus selbst im Mittelpunkt steht. In diesem Blog gibt es einige Berichte von mir. Ich liebe nun mal den Gothic Horror.


Weiter ging es dann mit Videospielen. Als ich das erste Mal das schon fast zum Klassiker avancierten The Last of Us spielte, da war die Verehrung für Lost Places wieder da. Das Videogame spielt in einer Postapokalyptischen Welt. Die Natur holte sich nach der Katastrophe die Gebäude der Menschen zurück. Die Story vom Spiel gefiel mir, aber vor allem das Gamedesign. Ich bin oft im Spiel stehen geblieben und habe mir die Orte angesehen. Orte, an denen ich im normalen Gameplay einfach durchgerast wäre. Ich habe dazu sogar einen eigenen Blogbeitrag geschrieben. Natürlich gibt es viele weitere Spiele in so einer Welt, aber The Last of us hat mir außergewöhnlich gut gefallen.
Na gut, mein Bahnhof in der Oberpfalz ist nicht gerade The Last of Us oder Schloss Dracula. Aber es ist zumindest ein Anfang und mein Interesse für diese geheimnisvollen Orte ist wieder geweckt. Leider konnte ich den Bahnhof nicht von Innen besichtigen. Die Eingangstüre war zwar aufgebrochen, aber die Bundespolizei war am Bahnhof anwesend und schaute mich interessiert an. Sie warteten wie ich auch auf den Regionalzug und ich Weichei traute mich nicht, Bundeseigentum in Anwesenheit der Bundespolizei zu betreten. Da muss ich wohl noch viel lernen, bis ich zu einem richtigen Suchenden werde. Mal sehen, vielleicht nimmt mich aus der Facebook-Gruppe mal einer auf eine Tour mit.

Halloween Trends 2016 – was zieht der Geist von heute an?

13. Oktober 2016

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Für die Kinder in der Nachbarschaft ist Halloween ein Fest und sie haben meine Kinder K1/2 angesteckt. Ich will jetzt nix über Sinn und Unsinn von Halloween hören, denn K1/2 sollen ihren Spaß haben. K2 hat sich reingesteigert, dass dieses Jahr sogar eine Halloween-Party bei uns steigen soll – samt Übernachtungsparty.
In den jüngsten Tagen wurde Papa bedrängt, die notwenigen Einladungen zu layouten, die jetzt von K2 zielgerichtet an Klassenkameraden verteilt werden. Wichtig dabei ist, dass die Kinder kostümiert erscheinen und so durchs Dorf marschieren und Süßes oder Saures eintreiben. Und nachdem ich vergangenes Jahr in Berlin bei dem genialen Kostümausstatter maskworld.com war, hat K2 sich den Link geschnappt und sucht nach dem idealen Halloween-Kostüm. Die Film- und Speisenauswahl für den Abend steht schon. Ich werde wohl leichte Gruselkost mit Niveau zeigen und fange mal mit Tanz der Vampire von Roman Polanski an. Nachmittags wird der Kürbis ausgehöhlt und aufgestellt, die Fenster geschmückt und Blutsuppe gekocht. Mit der Musik bin ich noch nicht sicher. Vielleicht laufen ein paar Soundtracks, ich denke dabei an Dracula von Wojciech Kilar, den genialen Soundtrack Dracula von John Williams und die Dracula Version von Philip Glass.

Foto: maskworld.com

Foto: maskworld.com

Und nun zu den Kostümen. Maskworld.com hat wieder ein paar Vorschläge, die innerhalb der Familie heiß diskutiert werden. Die Zeiten, in denen nur die klassischen Outfits wie Geister-, Hexen- und Teufels-Kostüme den Ton angeben, sind längst vorbei. Doch was sind die Halloween Trends 2016 und wo findet man die entsprechenden Kostüme und Accessoires? Die passende Antwort gibt maskworld.com:
Dia de los Muertos: Besonders farbenfroh ist beim diesjährigen Halloween-Fest der „Dia de los Muertos“-Look, der ganz in der mexikanischen Tradition des „Tag der Toten“ steht. Ab dem 31. Oktober wird drei Tage lang zu Ehren der Verstorbenen gefeiert. Viel mehr noch wird mit ihnen gefeiert – denn der mexikanische Volksglauben besagt, dass die Dahingeschiedenen an diesen Tagen ihre Familien besuchen. Dementsprechend ausgelassen und bunt gestalten sich die Festlichkeiten wie auch die Kleidung der Teilnehmer mit auffälligem Make-up, hübsch verzierten Sugar Skull Totenkopfmasken, Skelett-Outfits und Blumenkränzen.
Steampunk: Ein besonders auffälliger Trend zu Halloween 2016 ist der Steampunk-Look. Bei dieser Stilrichtung wird die viktorianische Mode des 19. Jahrhunderts raffiniert mit futuristischen Elementen kombiniert. Typische Accessoires sind Zylinder, Fliegerbrillen und Mechanik-Teile wie Zahnräder als Symbole für den technischen Fortschritt. Das Ziel ist es, aus vielen Kostümteilen einen individuellen Retro-Industrial-Style mit viel Liebe zum Detail zu kreieren. Besonders originell und wie gemacht für Halloween: Das Steampunk Vampir Mash-up mit silbernen Eckzähnen.
Horrormärchen: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann spätestens zu Halloween …Ganz nach diesem Motto liegen Märchenfiguren mit Gruselfaktor wie böse Feen à la Maleficent voll im Trend. Auch die Horrorfizierung von guten Märchenfiguren sind aktuell der absolute Renner. So wird aus „Alice im Wunderland“ im Handumdrehen ihre gruselige Schwester „Alice im Horrorland“. Und für Paare eignet sich die blutige Version vom Rotkäppchen mit dem bösen Wolf an ihrer Seite. Hier hat meine Frau gleich abgelehnt. Also scheidet dieses Kostüm aus. Aber ich bin mir sicher, K2 hat schon ein paar Ideen bei dem Online-Versender aus Berlin zusammengestellt.

Blogstöckchen – Als ich zehn war

10. Oktober 2016

Als ich zehn Jahre alt war, schrieb man das Jahr 1978. Es war ein bewegtes Jahr für mich, ein Jahr voller neuer Eindrücke, die mich formten. Als ich zehn Jahre alt – so lautet ein Blogstöckchen meines Iron Blogger-Kollegen Lutz Pausner das ich gerne aufnehme. Dieses Mal eine Reise in die Vergangenheit, eine nostalgische Erinnerung an alte Zeiten, an die gute alte Zeit. Für mich war das ihr 1978 ein Jahr des Umbruchs.

Chomeini revolutioniert
Mein Elternhaus war sehr politisch. Beim Abendessen wurde viel diskutiert und ich kleiner Bub bildete mir eine eigene Meinung. Mein Papa war eines Abends sehr schweigsam beim Abendessen. Er ging schnell über zum Ritual des Fernsehens, erst heute, dann Tagesschau. Im Fernsehen kam immer wieder ein greiser alter Mann – es war Chomeini. Den Begriff Ajatollah hörte ich zum ersten Mal. Der herrschende Schah wurden von seinem Pfauenthron in Persien gestoßen. Die iranische Revolution begann und ich war das erste Mal mit religiösen Bewegungen konfrontiert. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass dieser Chomeini die Welt veränderte. Aber im Fernsehen liefen Interviews und Erläuterungen – heute würden wir die Sondersendungen Brennpunkt nennen. Die Welt wurde erklärt von Peter Scholl-Latour, der mit Chomeini im Flieger von Paris nach Teheran saß und Interviews machte. Scholl-Latour war in unserer Familie sehr beliebt, die Bücher hatten meine Eltern verschlungen. Scholl-Latour war glaubwürdig für uns und er sagte: Die Welt ändert sich. Er sollte Recht behalten.

Ich habe ein Autogramm von dem jungen Peter Scholl-Latour im Arbeitszimmer.

Ich habe ein Autogramm von dem jungen Peter Scholl-Latour im Arbeitszimmer.

Neuer Papst
Eine andere tiefgreifende Erinnerung war der Papstwechsel. Jetzt bin ich kein großer Christ, aber der Papst ist dennoch eine wichtige Persönlichkeit. Der alte Papst Papst Paul VI. starb nach 15 Jahren im Amt – ich hatte als zehnjähriges Kind keinen anderen Papst lebendig erlebt. Der Papst ist also gestorben und es begann das Konklave. Ein neuer Papst wurde gewählt und die Wahl fiel auf den sympathischen Kardinal Luciani, der sich den Namen Johannes Paul I. gab. Nach 33 Tagen im Amt verstarb Johannes Paul I. plötzlich und die Verschwörungstheorien begannen. Bei uns in der Familie wurde spekuliert, bei uns in der Klasse wurde spekuliert. Verschwörung um Verschwörung, ob der liberale Papst vielleicht beseitigt wurde. Das verstörte mich, dass ein Papst zweimal im Jahr verstarb. Das Jahr 1978 ging somit als ein Dreipäpstejahr in die Geschichte ein.

Der Stadtneurotiker
Aber das Jahr 1978 war auch ein ganz, ganz großes Kinojahr. Es begann mit Woody Allen. Ich habe den Komiker gerne gehabt. Die Klamauk-Filme mochte ich als Kind. Und dann sah ich den Stadtneurotiker. Ich verstand den Film nicht beim ersten Mal. Die Probleme der New Yorker waren nicht die Probleme von mir als Kind. Und dennoch: Die Dialoge blieben mir in Erinnerung. Irgendwie erahnte ich die Tiefe der Worte, ohne sie zu verstehen. Erst Jahre später verstand ich die Probleme und Handlungen der Menschen im Stadtneurotiker. Höhen und Tiefen – so sieht das Leben aus. Davon verstand ich als Zehnjähriger nichts und dennoch faszinierten mich die Dialoge.
Von etwas verstand ich allerdings etwas als Zehnjähriger. Ich verstand etwas von Science Fiction: Ich kannte die tollen Filme, es war Pop Corn-Kino pur. Und dann kamen 1978 zwei Filme ins Kino, die mich wegbeamten: Unheimliche Begegnung der Dritten Art und Krieg der Sterne.

Unheimliche Begegnung der Dritten Art
Unheimliche Begegnung der Dritten Art war ein toller Film, weil es ein friedlicher Film war. Es war die Probe für den genialen ET, der später folgen sollte. Steven Spielberg öffnete mir die Augen, John Williams öffnete mir die Ohren. Ich mochte François Truffaut als Schauspieler, der ja eigentlich ein Regisseur ist. Das Thema UFO faszinierte mich und endlich waren die Außerirdischen da und nahmen uns mit auf die Reise. Der Film zeigte, wie Menschen den Kontakt zu einer fremden Species aufnehmen. Was gibt es Schöneres?

Star Wars
Ja und dann infizierte mich Krieg der Sterne – wie Star Wars, a new Hope damals hieß. Der Film war ein Hammer. Ich hab den Film bei uns im Kino dreimal hintereinander gesehen. Bei uns in der Stadt gab es drei Kinos: Capitol, Lichtspielhaus und Amperlichtspiele – und ich glaube, der Film lief im Capitol. Heute existiert keines dieser Kinos mehr. Es war ein wunderbares Märchen, ich war verknallt in Leia (coole Frisur), ich verehrte Han wegen seiner Coolness und ich bewunderte Darth Vader, der bei uns Kinder der schwarze Lord hieß. Luke mochte ich allerdings nicht so, der war so verdammt jung – so wie ich. Das ganze war wie ein Rittermärchen in der Zukunft mit Schwerter, Umhängen und Rüstungen. Prinzessinnen und Lords, Soldaten und Rebellen – das ganze Programm. Und es war dort Peter Cushing zu sehen, den ich so aus den Dracula-Filmen mochte. Star Wars hatte den gleichen starken Komponisten wie Unheimliche Bewegung: Ich entdecke John Williams und er ist seitdem Teil meines musikalischen Lebens. Ich hatte ein Panini Klebealbum von Star Wars, sammelte Figuren von Haspo und vor allem von Kenner. Leider habe ich nur noch das Gewehr von Chewbacca, die Figuren sind weg – welch ein Verlust.

Christopher Lee – Mein persönlicher Nachruf

12. Juni 2015

Meine erste Begegnung mit Christopher Lee war eine ganz üble Verwechslung. Ich hatte als Kind Dracula von 1930 mit dem großen Bela Lugosi gesehen und hatte vor diesem Vampirfilm keine Angst. Als meine Kumpels sagten, dass Dracula im Fernsehen wiederholt werden sollte, schlug ich vor, den Film gemeinsam anzusehen. Ich hatte den Mund großmäulig weit aufgerissen und war Wortführer, wie harmlos dieser Streifen sei. Also versammelten sich vier junge Menschen im Wohnzimmer meiner Eltern und wir schauten im Rahmen der ZDF-Reihe der phantastische Film Dracula. Allerdings schauten wir nicht den Dracula von 1930, sondern den Dracula von 1958. Hauptdarsteller war nicht Bela Lugosi, sondern Christopher Lee. Der Film war nicht in schwarzweiß, sondern in Farbe und blutig. Und uns Jugendlichen ging die Muffe. Lee spielte den Vampir elegant, aber brutal und blutrünstig.
Später kaufte ich mir zahlreiche Hammer-Filme mit Christopher Lee auf DVD, wobei mir aber die Dracula-Filme am liebsten waren. Frankenstein ging, die Mumie mochte ich nicht so. Richtig gerne mochte ich Dracula jagt Mini-Mädchen und die Komödie Die Herren Dracula. Irgendwann sah ich mal den The Wicker Man in einer Horror-Nacht im Kino und war fasziniert – heute ist der Film einer meiner liebsten Horror-Filme mit Christopher Lee, auch wenn den Film wohl kaum einer kennt. Fein war auch der Bond-Film Der Mann mit dem goldenen Colt.

Ich habe von Christopher Lee noch ein Autogramm bekommen.

Ich habe von Christopher Lee noch ein Autogramm bekommen.

Jahre später hatte ich mit Christopher Lee ein Interview auf einem Fantasy Filmfest in München. Ich war damals für meine Schülerzeitung vor Ort und furchtbar nervös. Ich hatte eine ganze Liste von Fragen vorbereitet. Aber anstatt meine Fragen zu stellen, erzählte ich ihm die Verwechslungsgeschichte und er amüsierte sich köstlich. Ich bekam ein Autogramm auf einem alten Aushangfoto von 1958, das heute noch in meinem Arbeitszimmer hängt. Später 1982 traf ich ihn nochmals bei der Premiere des Zeichentrickfilms „Das letzte Einhorn“. Dort sprach er den bösen König Haggard und war verblüfft, dass Lee die deutsche Synchronisation selbst vornahm. Er sprach ein sehr gutes Deutsch und ich kasperte mich damals mit meinem Schulenglisch ab. Er war ein cooles Schlitzohr, sehr, sehr britisch.

Mein Autogramm von Sir Christopher Lee auf einem Original-Aushangfoto von Dracula 1958.

Mein Autogramm von Sir Christopher Lee auf einem Original-Aushangfoto von Dracula 1958.

Nach dem Horror-Film Das Haus der langen Schatten wurde es für mich still um Christopher Lee. Vielleicht spielte er noch irgendwo mit, aber ich bekam es nicht mehr mit. Auf einem Flohmarkt kaufte ich einmal wunderschöne Musik aus Herr der Ringe, aufgenommen vom dänischen Tolkien Ensemble und der Stimme von Christopher Lee. Später erschien die 4 CD-Box unter dem Titel The Lord of the Rings: Complete Songs and Poems – Christopher Lee vom Tolkien Ensemble und ich habe im Dezember 2012 darüber gebloggt. Die Metal-Sachen waren nicht mein Fall.
Erst als er bei Star Wars Count Dooku und bei Herr der Ringe als Saruman wieder erschien, sah ich den großen Mann im Kino und vor allem auf Blu ray. Gerade bei Herr der Ringe kam Lees Schauspieltalent in der Extended Version von Herr der Ringe zu Tage, Peter Jackson sah das wohl zunächst nicht so. Auch beim Hobbit durfte er wieder auf der Leinwand erscheinen und ich bin gespannt auf die Extended Version vom dritten Hobbit.
Nun ist Sir Christopher Lee im Alter von 93 Jahren verstorben. Vielen Dank für Ihre Filme Sir Christopher.

Dracula im Film 4: Dan Curtis Dracula 1973

23. August 2014
Jack Palance beißt zu.

Jack Palance beißt zu.

In einem Wühltisch im Supermarkt entdeckte eine wunderbare Verfilmung des Bram Stoker Stoffs aus dem Jahr 1973. Es handelt sich um eine TV-Version fürs britische Fernsehen. Sie wurde von Dan Curtis inszeniert und der blutsaugende Graf wurde von Jack Palance gespielt. Inzwischen ist auch eine restaurierte Blu ray des Films Dracula zum 40. Jubiläum erschienen, die ich mir auch gekauft habe. Es lohnt sich: Der Film wurde neu abgetastet und restauriert. Besonders bei diesem Film lohnt sich das Verfahren – aber dazu später mehr. Dan Curtis verfilmte zuvor Dr. Jekyll und hat Horror-Erfahrung durch die TV-Serie Dark Shadows.

Neu abgetastet und ein super Bild: Dracula von 1973

Neu abgetastet und ein super Bild: Dracula von 1973

Alles in allem ist es eine gelungene Version. Das liegt vor allem an dem Drehbuch von Altmeister Richard Matheson, der ein Profi des fanatischen Films war. Er schrieb das Buch zu Ich bin Legende, das meines Wissens dreimal verfilmt wurde (mit Vincent Price, Charlton Heston und Will Smith). Zudem schrieb Matheson die Geschichte zur seltsamen Geschichte des Mr C. Routiniert lieferte er ein atmosphärisch dichtes Drehbuch ab, das Dan Curtis seinerseits routiniert inszenierte. Für mich ist es eine der ersten Filmversionen, die Vlad Țepeș den Pfähler einführt und seine Geschichte in Rückblenden erzählt. Erst Coppola bringt diese Erzählung des rumänischen Fürsten wieder Jahre später auf die Leinwand.
Mich faszinierte vor allem die Ausstattung des Fernsehfilms. Sie ist allererste Sahne. Kulissen, Mobiliar, Bilder, das gesamte Interieur ist schlichtweg eine Meisterleistung. Es ist nicht der billige Hammer-Horror mit seinen stilistischen Entgleisungen und auch nicht die die Bühneninszenierung von Tod Browning. Für eine TV-Verfilmung ist diese Version von Dracula mit Abstand eine Augenweide.
Und ähnlich ist das Spiel von Jack Palance, der den Grafen sehr gut interpretiert. Sein Spiel ist zurückhaltend, nicht so fremdartig wie das Spiel von Lugosi und auch nicht so aristokratisch brutal wie Christopher Lee. Palance stammt aus der Ukraine und seinen Akzent hat Wolodymyr Iwanowitsch Palagnjuk nicht überwunden, so dass er natürlich in der Tradition von Lugosi steht. Seine Gesichtsverbrennungen im Zweiten Weltkrieg prägten ihn. Er spielte den Dracula zurückhaltend, aber wenn er angreift, dann fletscht er eindrucksvoll die Zähne. Für mich die eindrucksvollste Szene, als Dracula vom endgültigem Tod von Lucy erfährt und Rache schwört. Toll gespielt und für mich die beste Szene.
Da der Film kaum Sex oder Gewalt darstellt, muss die Atmosphäre durch das alleinige Spiel von Palance geschaffen werden. Das gelingt, sobald er alleine vor der Kamera steht. Leider sind die meisten der Mitschauspieler eher untere Mittelklasse. Da nutzt auch die beste Method-Actor-Schule von Jack Palance nichts, wenn die meisten anderen Schauspieler wie die Ölgötzen verharren und ihren Text herunterbeten. Schade, leider die Chance vertan.

Sehr guter Soundtrack von Dracula.

Sehr guter Soundtrack von Dracula.

Der Soundtrack von Dracula 1973 stammt übrigens von Altmeisters des TV-Sounds Robert Cobert, der schon unzählige Soundtracks zu Papier brachte. Es ist ein klassischer Score, atmosphärisch dicht inszeniert. Immer wieder höre ich die CD gerne. Und ich muss zugeben, dass ich die Dracula-Musik vor dem Film kannte und schätzen gelernt habe. Cobert hatte für den Soundtrack drei Wochen Zeit, für einen Fernsehfilm eine lange Zeit. Und er hat die Zeit gut genutzt.

Die Vernichtung Draculas

Die Vernichtung Draculas

Vor 40 Jahren erschienen: Carrie von Stephen King

20. August 2014
Vor 40 Jahren erschien Stephen King Roman Carrie.

Vor 40 Jahren erschien Stephen King Roman Carrie.

Meine Frau machte mich darauf aufmerksam: Vor 40 Jahren im Jahre 1974 erschien der erste Roman von Stephen King: Carrie . Damit hatte Stephen King sein Genre gefunden und als Jugendlicher entdeckte ich für mich den Autor und verschlang jahrelang seine frühen Romane. Erst als Kind in den Fantasy-Bereich abglitt, hab ich aufgehört, seine Bücher zu lesen. Ich fang aber mit Dr. Sleep wieder an und will die Fortsetzung von Shining genießen.
Irgendwo im Archiv habe ich noch die deutsche Erstausgabe von Carrie, die 1977 in Schneekluth Verlag erschienen ist. Aber meine erste Carrie-Ausgabe erschien 1983 bei Bastei-Lübbe, noch in der Übersetzung von Elisabeth Epple. Lübbe kam 1992 mit einer Neuübersetzung von Wolfgang Neuhaus auf den Markt, die ich allerdings nicht gelesen habe.
Das Thema Telekinese interessierte mich. Und die Geschichte eines jungen Mädchens mit übersinnlichen Kräften fand ich hervorragend erzählt. Für mich war Carrie nicht böse und die spätere Verfilmung von Brian de Palma mit dem Untertitel „Die jüngste Tochter des Satans“ führt auf die falsche Fährte. Carrie ist ein schüchterner Teenager mit einer fanatischen Mutter. Das Kind wurde allein gelassen in einer modernen Welt und muss sich mit dem Heranwachsen zurechtfinden. Das Grauen bricht in den Alltag hinein und kommt nicht mehr von entstellten Monstern, wie ich sie einst kannte. Carrie änderte meine Sicht auf den Grusel- oder Horrorroman, der damals bei mir von Frankenstein, Dracula und dem Werwolf beherrscht war.


Über den Film Carrie – Des Satans jüngste Tochter von Brian de Palma habe ich bereits gebloggt. Nochmals: Ein toller Film mit viel Anspielungen auf Hitchcock. Vor knapp einer Woche habe ich mir die Neuverfilmung angeschaut und schüttle nur den Kopf. Natürlich ist der Film näher am Roman und die VFX sind besser, aber die Darsteller haben nicht die Klasse der de Palma-Verfilmung. Also besser Finger weg.
Ein kleiner Tipp zum Soundtrack Carrie von Pino Donaggio. Ich habe die Ryko-Version von Carrie und bisher nicht die auf 1500 Exemplare limitierte Kritzer-Ausgabe, die noch etwas mehr Material bietet. Aber bereits meine Version ist inzwischen selten geworden und wer sie sieht, sollte zuschlagen. Ein paar Dialoge, ein paar siebziger Jahre Songs, aber vor allem viel, viel Atmosphäre wurde in den Score gepackt. Beispielsweise der Track School in Flames ist eine Mischung zwischen natürlichen Streichinstrumenten und Elektroniksound und zeigt, was Pino Donaggio zu leisten vermag. Eigentlich hätte ich bei dem Höhepunkt des Films bei Carries blutiger Rache laute, rhythmische Musik erwartet, aber nein: Pino Donaggio bringt uns ruhige, erhabene Klänge dar, die uns zutiefst verstören. Auch der Track Mother at the top of the stairs kommt leise orchestral daher, erinnert dann an Kirchenklänge und zeigt die religiöse Welt der Carrie zwischen Glaube und Fanatismus wunderbar.

Mode von Rudolph Moshammer

28. Februar 2014

Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat. Aber im Moment interessiere ich mich für die Mode von Rudolph Moshammer. Dieser PR-Mann in eigener Sache war Teil der Münchner Schickeria bis er 2005 umgebracht wurde. Der Mord an ihn und sein Privatleben füllten damals allerhand Seiten der Yellow Press und immer wieder verkaufen heute Holzmedien Überschriften mit seinem Namen.

Die BILD verkauft mit dem Namen Mooshammer in München immer noch gut.

Die BILD verkauft mit dem Namen Moshammer in München immer noch gut.

Als modeinteressierter Mensch, wollte ich mehr über die Arbeit des Modeschöpfers Rudolph Moshammer wissen. Zu seinen Lebzeiten war ich einmal zu Gast in den Verkaufsräumen an der Maximilianstraße 14 in München. Ich schaute mir damals die Krawatten an. Diese begannen preislich bei rund 100 Währungseinheiten. Sie waren der letzte modische Schrei in München. Moshammer war auch im Laden, warf einen kritischen Blick auf mich und widmete sich seiner finanziell deutlich potenteren Kundschaft.

An einem Wochenende habe ich mir zwei Bücher über das Phänomen Moshammer reingezogen, um mir über seine Modewelt zu erfahren. Leider wurde ich enttäuscht. Beide Bücher geben in Sachen Mode nur bedingt etwas her. Also eigentlich ein Fehlkauf in Sachen Mode.

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Die schreckliche Biografie Rudolph Moshammer, Der einsame König ist ein ist grausam geschrieben, in einem reißerischen Stil und so ganz bin ich mir nicht sicher, ob alle Fakten stimmen. In diesem Buch geht es weniger um das Werk von Rudolf Moshammer, als vielmehr um seine sexuellen Ausschweifungen. Doch das interessierte mich nicht. Das sollte Privatsache sein. Ich muss als Autor nicht in unter dem Bett liegen und die Verführungskünste von Rudolph Moshammer wiedergeben. Autor des Schundbuches war Claudio Carra, ein Pseudonym. Über Mode war in diesem Buch nichts zu finden und es war ein kompletter Fehlkauf.

Beim zweiten Buch Mama und ich handelt es sich um eine Autobiografie des Modemachers. Der Moshammer war kein begnadeter Schreiber und sein Deutsch ist keine große Literatur. Im Grunde ist es Verklärung der Mutter. Wir erfahren etwas über das Leben aus der eigenen Perspektive. Das Buch ist von beiden Büchern aber das lesenswertere. Hier zeigt sich das Verkaufstalent von Rudolph Moshammer. Interessant ist die Episode, wie er den US-amerikanischen Schauspieler George Hamiliton (Dracula) und dessen Gattin eine Kollektion verkaufte. Kurzerhand baute er sein Heim zum Catwalk um, verzichtete aus Geldnöten auf teure Scheinwerfer und zelebrierte stattdessen die Modenschau bei Kerzenlicht.

In einem Kapitel öffnet sich Moshammer. Er schreibt über seine noble Kundschaft: “Wenn ein solcher Kunde mein Geschäft betritt und meine Beratung sucht, so ist es immer von einem besonderen Reiz, mizuerleben, wie dieser Mensch sich durch meine Garderobe innerlich und äußerlich verjüngt, wie er das Gefühl hat, verlorene Jahre nachzuholen und mit der Kleidung, die ich ihm auf die Seele zu schneidern versuche, ein neues, ungekanntes Lebensgefühl gewinnt.” Stilistisch grausam geschrieben, inhaltlich vollkommen richtig.

Auch erfahren wir von ungeheuren Neid der Kollegen. Die Modebranche ist ein extrem hartes Pflaster. Moshammer musste dies lernen. Als ja einmal seinem Ausbilder als Lehrling ein paar hervorragende Modenideen zeigte, reagierte dieser mit Ablehnung. Er witterte sofort die Konkurrenz, weil er das Talent des jungen Schneiders erkannte.

Kubricks Kameramann Gilbert Taylor verstorben

27. August 2013

Gilbert Taylor ist im Alter von 99 Jahren auf der Isle of Wight gestorben. Die wenigsten Kinozuschauer werden Taylor kennen, haben aber sicherlich sein Werk gesehen. Gilbert Taylor war einer der wichtigsten britischen Kameramänner. Er stand bei unendlich vielen Filmen hinter der Kamera, wie zum Beispiel bei den Beatles-Klassiker Yeah, Yeah, Yeah – A Hard Day’s Night.

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Er begann in der Branche in den 20er Jahren beim Stummfilm.  Später er drehte mit vielen wichtigen Filmgöttern wie Alfred Hitchcock (Frenzy), Roman Polanski (Macbeth), Richard Donner (Das Omen) und John Badham (Dracula). Und er schuf für George Lucas die gewaltigen Bilder zu Krieg der Sterne und prägte sich in mein Filmgedächtnis ein. Für mich war seine absolute Meisterleistung die Zusammenarbeit mit Regie-Guru Stanley Kubrick für Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben . Die Kriegskamera in diesem Film ist einmalig. Hier konnte Gilbert sein Wissen als Kameramann aus dem Zweiten Weltkrieg einbringen. Er filmte den Abwurf britischer Bomben auf deutsche Städte, um den Erfolg der Angriffe zu dokumentieren.

Dracula im Film 3: Dracula 1979

11. Juni 2012

Dieser Dracula ist anders. Nach den Hammer-Produkten in Primärfarben war lange Zeit Ruhe um den Beißer aus Transsilvanien bis sich Star-Regisseur John Badham an den Stoff erinnerte und neu interpretiert in Szene setzte. Badham orientierte sich dabei mehr am Theaterstück von Hamilton Deane und John L. Balderston als an den Schauerroman von Bram Stoker. Das Wichtigste: Er interpretierte die Rolle des Grafen anders. Nicht die Bestie wie in den Hammer-Filmen stand im Mittelpunkt, sondern der verführerische, gnadenlose Graf.

Die Schauspieler waren perfekt: Der junge Frank Langella spielt den Grafen, schön, zielstrebig und ohne Gnade. Vor allem sein Spiel mit den Händen ist verführerisch. Zur Schauspielleistung von Sir Laurence Oliver braucht man nichts zu verlieren außer WUNDERBAR. Und dass obwohl die Zeit von Sir Laurence abgelaufen war und er sterbenskrank war. Auch dem Spiel des ewigen Dr. Loomis aus Halloween Donald Pleasence ist es ein Genuss anzusehen. Große Schauspielkunst der Truppe.

Trotz preiswerter Produktion ist die Ausstattung wunderbar. Hauptsächlich in Cornwall gedreht hat Dracula eindrucksvolle Locations: Die Irrenanstalt ist das Camelot Castle Hotel in Tintagel, Draculas Schloss ist St. Michael Berg, eine halbe Meile vor der Küste – es ist durch einen Damm verbunden – von Marazion an der Südwestspitze von Cornwall. Ungewöhnlich ist in einem Dracula-Film der Einsatz von Strom und sogar eines schnittigen Automobils. Hier bricht der Film wohltuend aus der Tradition der klassischen Filme aus, zeigt aber auch, dass Technik einen Grafen nicht zur Strecke bringen kann.

Die Innenausstattung orientiert sich derweil am Gothic Horror der alten Lugosi-Filme. Und auch wie bei Lugosi sieht der Zuschauer bei Langella keine Vampirzähne. Dennoch ist der Film keineswegs unblutig. Immer wieder schockieren den Zuschauer der Liebesgeschichte brutale Szenen, wie das Durchtrennen von Hälsen oder ein Genickbruch. Richtig angsteinflößend ist die lebende Tote Lucy. Hier hat später Francis Ford Coppola genau hingeschaut als er seine Dracula-Version drehte. Badhams Tote war nicht anmutig oder gar schön, sondern ihr zerfetztes Totenhemd mit zerfetzten bleichem Gesicht ist wahrlich erschreckend. Hier wurde die Maske von Linda Blair aus Exorzist von 1973 wieder aufgenommen. Der lebende Tote wird nicht romantisiert oder verkitscht, sondern es ist ein kalter, bleicher, muffiger Tod in nassen Gräbern. Der wahrhaftige Teufel ist in den Leib von Lucy gefahren – übrigens werden bei Badham die Rollen von Lucy und Mina vertauscht und auch die Familienverhältnisse geändert.

Ich hatte den Dracula-Film einstmals im Fernsehen gesehen und war damals enttäuscht. Es war mir als Jugendlicher zuviel Gefühl, zuviel Tragik im Film. Ich wollte Action, wie ich sie aus den Hammer-Filmen kannte. Vor allem Frauen erliegen der Faszination des dunklen Fürsten. Der bissige Gentleman als Herzensbrecher, der aber nur seine Interessen durchsetzen will. Der alte gierige Mann sucht sich junge Frauen aus, die er verführen und beherrschen kann. Und sie verfallen dem Manipulator willenlos. Der Liebesakt in Rot bedient gängige Klischees. Heute kann ich die vermittelte Tragik mit dem Leid besser verstehen und die 2009 veröffentlichte DVD-Fassung unterstützt die traurige Stimmung des Films noch mehr. Durch geschicktes Color-Grading wurde die Farbe im Film reduziert, so dass Dracula dunkel, leblos wirkt. Der Blutverlust des Films wirkt sich auf das Bild aus. Aus dem Film entweicht die Farbe, das Leben, die Freude. Die Stimmung der Szenerien überträgt sich auf den Zuschauer durch eine eindrucksvolle Kameraleistung von Gilbert Taylor, der schon mit Regiegenie Stanley Kubrick Dr. Seltsam, mit Polanski Macbeth und mit Hitchcock Familiengrab gedreht hat.

Aber den absoluten Kick des Films bringt der Score von John Williams. Der Soundtrack Dracula wird zu Höchstpreisen unter Sammlern gehandelt und wer ihn gehört hat, der weiß warum. Williams liefert einen Höhepunkt seines Schaffens ab. Star Wars, Indiana Jones, Superman und Jaws sind großartig – Dracula reiht sich in dieses Werk ein.

Für mich ist Dracula ein reifer Film für gereifte Zuschauer. Wer Trashkino braucht, der greift zu Wes Craven. Wer aber schaudern will, der greift zu John Badhams Dracula.

Dracula im Film 2: Shadow of the Vampire 2000

22. März 2012
Sonnenaufgang für einen Vampir.

Sonnenaufgang für einen Vampir.

Eine wohltuende Überraschung ist dieses Bonbon, das wahren Vampirfreunden einfach Spaß machen muss. Der Film Shadow of the Vampire ist ein Genuss. Shadow of the Vampire zeigt in einer fiktiven Story, was wirklich hinter der besten Dracula-Verfilmung aller Zeiten stecken könnte. Was wäre, wenn Max Schreck in Murnaus Klassiker Nosferatu – eine Symphonie des Grauens in Wahrheit doch ein Vampir gewesen wäre?

Ein netter Gedanke und daraus entstand ein atmosphärisch dichter Film mit den beiden Hollywoodstars John Malkovich als Friedrich Wilhelm Murnau und Willem Dafoe als Vampir Max Schreck. Dafore wurde mit dem Oscar für seine eindrucksvolle Leistung und nochmal für die ausdrucksstarke Maske nominiert. Als Gage für sein realistisches Auftreten im Film bekommt der Vampir die Hauptdarstellerin versprochen – auch ein interessantes Geschäftsmodell, das Hollywood wieder einführen sollte.

Der Film ist voller Extreme: Murnau ist ein Besessener und Schreck ist es ebenso – aber eben jeder auf seine Weise. Aber anders als bei klassischen Dracula-Verfilmungen kommt dieses Mal keine Sympathie für den Vampir auf. Die gnadenlosen Helden des düsteren Filmes gehen buchstäblich über Leichen. Murnau opfert bedenkenlos seine Mitarbeiter für die Kunst, denn wir wissen ja, für die Kunst müssen Opfer gebracht werden. Der Vampir dagegen hat einfach nur Hunger, fett Kohldampf und spielt sich selbst als gieriger verbitterter Mann. Wer ist nun das größere Monster? Der Künstler oder der Vampir?

Und der Film von No-Name E. Elias Merhige ist eine wunderbare Hommage an den Meisterregisseur Plumpe, der sich als Künstler Murnau nannte. Der Film spielt wunderbar mit der Filmtechnik der damaligen Zeit – wir standen mitten im Expressionismus. Sehr schön ist ein Dialog von Murnau und Schreck vor einer gemalten Sonne in der Höhle des Vampir. Wir lernen viel über das Filmemachen im Stummfilmzeitalter, wenngleich das Genie des wahren Murnaus mit seiner neuartigen Montageart ein wenig auf der Strecke bleibt. Wenn ein Film wie „The Artist“ den Stummfilm im heutigen Kino wieder aufleben lässt, dann ist Shadow of the Vampire eine schöne Verbeugung an diese vergangene Zeit und ein blutiger Leckerbissen für Vampirfans.