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Dracula im Film (17): Die Karnstein-Trilogie

23. August 2021

Das hab’s nur einmal, das kommt nie wieder – gemeint ist die so genannte Karnstein Trilogie von Hammer Films mit den Filmen Gruft der Vampire (The Vampire Lovers), Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire) und Draculas Hexenjagd (Twins of Evil). Sie entstanden zwischen 1969 und 1971 und gaben den legendären Hammer-Studios aus Großbritannien eine deutlichere Ausprägung in Richtung Sex und Blut.

Selten zuvor gab es bei Hammer so viel nackte (weibliche) Haut zu sehen und auch der Gore-Faktor stieg enorm an. Brüste und gespaltete Schädel sollten neue Zuschauer ins Kino locken. Die britischen Zensoren waren ab Juli 1970 lockerer und das Nutzen die Hammer-Studios gleich mal aus, um aus den Vollen zu schöpfen. Hammer war in der Krise, weil der US-Markt weggebrochen war nachdem sich Warner zurückgezogen hatte. Zudem warf der kreative Kopf von Hammer das Handtuch und das Studio suchte eine neue Richtung.
Heraus kamen lesbische Vampire und viel Blut. Nachdem Bram Stokers literarische Vorlage Dracula in zahlreichen Filmen verbraucht und durchgerudert war, überarbeitete man nun Carmilla, der weibliche Vampir von Joseph Sheridan Le Fanu in den Filmen. Heraus kamen drei romantische, brutale und offenherzige Vampir-Filme, die freilich nichts mit Dracula zu tun hatten. Dracula im Titel war eine grottiger Einfall des deutschen Verleihs.

Es spielte Ingrid Pitt die Marcilla / Carmilla / Mircalla Karnstein in Gruft der Vampire (The Vampire Lovers) und Draculas Hexenjagd (Twins of Evil) und auch der große Peter Cushing spielte in den Filmen. In Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire) konnte er nicht vor die Kamera treten, weil seine Frau Helen damals im Sterben lag. So spielten in Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire) die hübsche Yutte Stensgaard die Mircalla / Carmilla Karnstein und der Bösewicht war Mike Raven als Graf Karnstein. Ich muss sagen, ich mag Yutte Stensgaard in dieser Figur sehr, weil sie nicht so lüstern dreinblickt wie Ingrid Pitt, die einst die Rolle interpretierte.

Das Thema der lesbischen Vampire muss damals im Kino ziemlich heftig angekommen sein. Die bisher nicht gekannte Mischung von Sex und Blut war schon ein echter Hammer (ha, Wortspiel). Zum ersten Mal war in einem Hammer-Film auch ein Pop-Song zu hören: „Strange Love“, gesungen – nein gehaucht von Tracy. Das Ganze ist schon sehr schwülstig. Ich hatte in London mal die Single in meiner Hand, kaufte sie aber nicht, weil sie überteuert war. Vielleicht hätte ich es tun sollen.
Der letzte Film der Karnstein-Reihe Draculas Hexenjagd (Twins of Evil) ist sicherlich der beste Teil der Reihe. Mircalla darf kurz auftauchen und ihre Reize zeigen, aber im Mittelpunkt stehen die ehemaligen Playboy-Schönheiten Mary und Madeleine Collinson, eben die Twins of Evil. Übrigens sind sie auch im englischen Original nachsynchronisiert, das bedeutet, aufgrund der Schauspielleistung wurden die Damen nicht gewählt. Absolut genial ist Peter Cushing, der alle an die Wand spielt. Seine Frau Helen verstarb zwei Wochen vor den Dreharbeiten und vielleicht kanalisierte Cushing hier seinen Schmerz. Cushing lieferte eine der besten Rolle seines Hammer-Lebens ab. Und die Kombination aus fanatischen Hexenjäger und sexy Vampire war auch ein neues Element des Horrorfilms. Übrigens, die deutsche Version von Twins of Evil ist schwer zu bekommen. Da wähle man die preisgünstige englische Version.

Erinnerung an Carl Lämmle, dem Erfinder des Spielfilms

9. August 2021

Hollywood wäre nicht das kreative Filmzentrum, wenn es nicht deutsche Kreative gewesen wären, die in der Frühphase kräftig mitgemischt hätten. Einer von ihnen ist Carl Lämmle aus dem baden-württembergischem Laupheim.

Ihr kennt Lämmle nicht? Solltet ihr aber. Er war 1912 der Gründer der Universal Studios und war einer der einflussreichsten Produzenten seiner Zeit. Und obwohl er US-amerikanischer Staatsbürger war, hat er seine Heimat Laupheim nicht vergessen. Der reiche Onkel aus Amerika spendete viel Geld in seine Geburtsstadt und an die jüdischen Gemeinde: Schule, Schwimmbad und ein Waisenhaus in der Stadt gingen auf Lämmle zurück. Die Nazis aber verbannten den Juden Lämmle aus dem öffentlichen Leben und damit aus seiner Heimat.
In den USA baute Carl Lämmle sein Filmimperium auf, weil er die Zeichen der Zeit erkannt. Er schuf das Mediums des Spielfilms – nicht mehr, nicht weniger. Er spürte, dass es ein Publikum für Spielfilme gab – er hatte die richtige Nase zur richtigen Zeit.

Das ist damals eine absolute Revolution gewesen. Lämmle hat damit die Filmwelt verändert und Hollywood hat ihm enorm viel zu verdanken. Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg zeigte von Dezember 2016 bis Juli 2017 die Sonderausstellung Carl Laemmle presents – Ein jüdischer Schwabe erfindet Hollywood Durch Zufall bekam ich einen Ausstellungskatalog des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg zur Ausstellung Carl Laemmle – Ein Laupheimer in der Welt: Eine Ausstellung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg im Museum zur Geschichte von Christen und Juden aus dem Jahre 2018 in die Hände.

Carl Lämmle ist für mich einer der Urväter des Kinos und dennoch habe ich den Eindruck, dass er vergessen ist. Das lag einerseits an der elenden braunen Bande, die in Deutschland ab 1933 herrschte, zum anderen gab Lämmle 1936 die Leitung von Universal endgültig ab.
Zuvor hatte er sein Imperium an den Sohn übergeben, der Universal aber nicht so führen konnte, wie es Papa Lämmle wollte. Am 28. April 1929 übernahm Carl Lämmle Junior die Produktionsleitung bei Universal. Und der Papa unterstützte den Sohnemann zunächst, obwohl es richtig Knatsch gab. 1929 war die Weltwirtschaftskrise und Universal wurde arg gebeutelt. Lämmle Junior gab grünes Licht für den Kassenschlager Im Westen nichts Neues, der die Nazis auf die Palme brachte. Schöne Geste: Papa Lämmle nahm den Oscar 1930 in Empfang, der eigentlich den Sohn gebarte.

Richtig krachte es in der Familie als es um die Idee des Horrorfilms ging. Papa Lämmle war kein Fan der unheimlichen Themen und glaubte nicht an den Erfolg. Der Sohn ging auf die Barrikaden und setzte sich durch. Lämmle Junior schuf die Grundlage für den klassischen Universal-Horror, den ich verehre. Dracula mit Bela Lugosi, Frankenstein sowie Frankensteins Braut mit Boris Karloff und mehr wie die Mumie und der Unsichtbare.

Dracula im Film (16): Vampire Nation

25. Juni 2021

Irgendwie hab ich Vampire Nation bei Amazon Prime Video entdeckt und als Freund der scharfen Zähne war ich gespannt, was mich da so erwartete. Ich bekam eine Mischung von Walking Dead mit Vampiren und Roadmovie zu sehen, der die Vampirfilme der Achtziger Jahre aufs Korn nimmt. Und natürlich ist der Vampirfilm ohne Dracula.

War es ein guter Film? Nein, das war Vampire Nation auf keinen Fall. Die Idee war okay, die Umsetzung überraschend gut, aber berührt hat mich der Film nicht. Er wollte zuviel in zu kurzer Zeit. Wäre Vampire Nation eine Serie, dann wäre es auch keine großartige Vampir-Serie geworden, aber die Geschichten wären besser verteilt worden und die Wirkung wäre besser gewesen. So ist der Film eine Aneinanderreihung von interessanten Geschichten, aber es ist zuviel auf einmal. Und wenn man ehrlich ist, hat man ein paar der Geschichten anderswo schon einmal gesehen.

Und dennoch mag ich die Atmosphäre von Vampire Nation. Irgendwie denke ich immer, wie sehr der legendäre Richard Matheson so viele Drehbuchautoren nach ihm beeinflusst hat. Und wahrscheinlich hat Vampire Nation-Autor und Regisseur Jim Mickle auch seinen Matheson verschlungen und wollte etwas an den Meister zurückgeben.

Vampire Nation ist aus dem Jahre 2010 und ist an mir spurlos vorbeigegangen. Er kam 2011 bei uns auf DVD heraus und ich hatte ihn komplett übersehen. Ich bin bei Amazon Prime Video auf den Film gestoßen, es gibt ihn auch für den schmalen Geldbeutel auf Bluray.
Die Vampire in diesem Film sind keine edlen Geschöpfe der Nacht, sondern brutale Killermaschinen. Sympathie oder gar Mitleid kommt für die Vampire als Geschöpfe der Nacht hier nicht auf. Sie müssen auf die übliche Weise beseitigt werden und als Trophäe bricht der unheimliche Held, Mister genannt, die Zähne aus dem Kiefer. Also der Film ist etwas für die Freunde des härteren Films, um in der Pandemie ein wenig die Zeit zu überbrücken. Nett fand ich die Erzählstimme aus dem Off, also ein bisschen Film Noir, Sam Spade und Rick Deckard aus der ersten Version von Blade Runner. So kann die Gefühlswelt der Darsteller transportiert werden, ohne dass die Schauspieler in Vampire Nation großes Talent haben müssen.

Es heißt, es soll eine Fortsetzung von Vampire Nation mit dem Namen Vampire Nation – Badlands geben. Den werde ich mir irgendwann auch ansehen. Denn es gibt einfach zu wenig Vampire au der Welt.

Dracula im Film (15): Draculas Rückkehr (1968)

12. April 2021

Eigentlich ist Draculas Rückkehr aus dem Jahre 1968 der vierte Dracula-Film der Produktionsgesellschaft Hammer, aber für mich als Christopher Lee-Fan ist es Teil 3. Der Film Dracula und seine Bräute wurde 1960 von Terence Fisher gedreht, aber Dracula spielt im Film gar nicht mit und wird nur zweimal erwähnt.

Obwohl Peter Cushing als Van Helsing dabei ist, zählt der Film für mich nicht als Hammer-Dracula.
Also ist Draculas Rückkehr – im Original heißt der Film Dracula Has Risen From the Grave – ein Wiedersehen mit Christopher Lee, der anders als in Teil 2 Blut für Dracula wieder spricht. In Blut für Dracula hat unser Graf ja aufgrund des schlechten Drehbuchs nur gezischt und geknurrt. Ich hatte darüber gebloggt. In Draculas Rückkehr, der mit Blick auf einen Sargdeckel im Jahre 1905 spielt, ist alles wieder in Hammer-Ordnung und schließt direkt an Blut für Dracula an, als der Graf im vereisten Fluss verendete.

Jetzt holt ihn das Blut eines Priesters wieder zurück ins untote Leben und die Jagd nach dem roten Saft beginnt von neuem. Die Kulissen waren dieses Mal sorgsamer ausgewählt und es macht vielmehr Spaß die Karpaten im Londoner Studio zu erleben.

Für mich machen zwei Eigenschaften den Reiz an diesem Film Draculas Rückkehr aus. Zum einen ist es die schöne Kameraarbeit von Kameramann Arthur Grant. Immer wenn Dracula auftritt, dann verändert sich das Bild. Ein violetter-orangener Farbverlauffilter legt sich über den linken und rechten Rand der Bildes – ein interessanter Effekt und schön psychedelisch.

Zum zweiten ist es der Dracula-Score von Hammer-Komponist James Bernard. Ich mag das Thema, ich mag seine Kompositionen und schade, dass Bernards Karriere nicht erfolgreicher war. Das Talent hatte er wohl, aber als Haus- und Hofkomponist für Hammer waren keine großen Möglichkeiten vorhanden.

Eine tiefgründige Geschichte darf der Zuschauer bei Draculas Rückkehr nicht erwarten. Dafür schön Trash aus vergangenen Hammer-Zeiten mit Christopher Lee. Was kann es Schöneres für eine nette Abendunterhaltung geben?

Dracula im Film (14): Dracula (1958)

14. Februar 2021

Als ich Dracula von Terence Fisher zum ersten Mal im Fernsehen sah, war ich fasziniert von diesem Hammer-Film. Es war der zweite Horror-Film von der Insel von der Produktionsgesellschaft mit dem coolen Namen Hammer. Nach Frankenstein mit dem Duo Cushing/Lee kam Blood of Dracula, wie der Film in den USA hieß. Ich war fasziniert und für mich ist diese Verfilmung noch immer eine der besten Versionen von Bram Stokers Vampirgeschichte.

Ich war vertraut mit Bela Lugosis Interpretation des Bühnenstücks von 1931: Getragen, in Schwarzweiß mit der Musik von Schwanensee und theatralischen Schauspiel des Ungarn. Von der spanischen Version, die in den gleichen Kulissen zur gleichen Zeit gedreht wurde, habe ich erst viel später erfahren. Lugosi war lange Zeit mein Dracula im Frack und dann kam Christopher Lee: Eiskalt, gnadenlos, elegant und animalisch. Lugosi war gut, Lee war besser und an der Seite von Peter Cushing war der Hammer-Film ein wahrer Hammer.
Jetzt kam eine restaurierte Bluray-Version des Films Dracula von 1958 auf den Markt und wir erleben den Horror ein paar Sekunden in brillanter Bildqualität mehr. Auf der Bluray gibt es die Originalfassung und die restaurierte Fassung. Der Schluss, die Vernichtung des Grafen nach einer Idee von Cushing, ist nun schärfer und ein paar Takte länger. Es soll noch eine längere japanische Version geben, die ich allerdings noch nie gesehen habe. In einem Archiv sei eine beschädigte Version aufgetaucht – ob es stimmt sei dahingestellt.

An diesem Dracula stimmt einfach alles: Schauspiel, Kulissen, Ausleuchtung, Kamera und der Score von James Bernard mit dem bekannten Dracula-Motiv. Natürlich ist Hammer Trash und anders als die Universal-Filme der 30er Jahre. Ich saugte Eversons Klassiker des Horrorfilms auf, der Hammer in die untere Schublade verbannte. Aber das hat Hammers Dracula nicht verdient. Die Farbfilme schufen ein neues Horrorzeitalter.

Erinnert sei nur an den Vorspann von Dracula von 1958. Das Schloss wird monochromatisch gezeigt, die Kamera bewegt sich (anders als die Kameras von Karl Freund bei Tod Browning). Sie streift umher und kommt auf dem Sarg von Dracula zur Ruhe. Dann: Es tropf knallrotes Blut auf den Sarg – das Ende des Schwarzweißfilms ist eingeläutet. Schnitt auf das blutrote Tagebuch von Jonathan Harker und los gehts. Mit dieser Szene hat sich Dracula seinen Platz in der Filmgeschichte gesichert. Dann sehe ich zum ersten Mal im Film die Zähne von Dracula. Es gab zwar die Rattenzähne von Max Schreck in Nosferatu, Bela Lugosi hatte keine Vampirzähne, erst Christopher Lee trug die blutverschmierten Beißerchen und dann alle Vampire nach ihm.

Und dann haben wir noch das Ende. Dracula verbrennt im Sonnenlicht, nachdem er von Van Helsing mit einem improvisierten Kreuz getrieben wird. Erst in der restaurierten Fassung sind mir die leidenden Augen im brennenden Torso von Dracula aufgefallen. Horror pur. Also: Wer sich für Dracula interessiert, der kommt um Dracula von Terence Fisher aus der Hammer-Schmiede nicht herum. Der Klassiker Dracula im neuen, restaurierten Look.

Welche Dracula Roman-Übersetzung ist die beste?

8. Januar 2021

Ich mag den blutsaugenden Grafen. Ich liebe Dracula-Filme, egal ob mit dem theatralischen Bela Lugosi, dem gnadenlosen Christopher Lee, den irren Klaus Kinski, den verführerischen Frank Langella, den erschreckenden Max Schreck oder den opulenten Gary Oldman. Und wer diese großartigen Verfilmung liebt, der greift auch immer wieder zur literarischen Vorlage von Bram Stoker.

Welche Übersetzung von Bram Stokers Dracula ist die beste?

Der Roman des Iren hat eine besondere Form der Erzählweise. Dracula ist eine Mischung aus Reise-, Liebes-, Abenteuerroman und Schauergeschichte und besteht aus einer Folge von Tagebucheintragungen, Mitschriften von Phonographaufnahmen, Briefen und Zeitungsartikeln. Was sehr abstrakt klingt, liest sich auch heute noch genial. Obwohl der Roman 1897 erschienen ist, hat er nichts an Modernität und Spannung verloren. Wer des Englischen mächtig ist, der liest seinen Dracula natürlich im Original.

Bei den deutschen Übersetzungen liegen eine Vielzahl von Versionen vor und ich will versuchen, sie einzuordnen und gar zu bewerten. Die Frage ist also: Welche Dracula Übersetzung ist die beste?

Ulrich Bossier und Andreas Nohl
Die beiden modernsten Übersetzungen stammen aus dem Jahre 2012 zum 100. Todestag des Autors. Die Übersetzer Ulrich Bossier und Andreas Nohl haben sich dem Werk angenommen. Zunächst mochte ich die Version von Andreas Nohl, der eigenständiger an das Buch herangeht, sogar Dialekt einbaut. Manches Mal interpretiert er seinen Stoker auch, womit ich aber kein Problem habe. Dem Leser des 21. Jahrhunderts wird die Übersetzung gefallen und er liest Dracula in einem Rutsch ungestört durch. Und dennoch: Irgendwie bin ich Purist und hab mich dann gegen die glatte Übersetzung von Andreas Nohl entschieden und lieber zu Ulrich Bossier gegriffen.

Die Übersetzung von Ulrich Bossier

Ulrich Bossier hält sich näher ans Original. Ich kenne den Übersetzer nicht persönlich, aber er scheint ein Pedant zu sein und übersetzt sehr akribisch. Damit bleibt er für mich sehr nahe am englischen Ausgangstext, auch wenn jüngere Leser mit der Satzstrukturen auf den ersten Blick ihre Probleme haben werden. Da müssen Dracula-Fans aber durch. Mir hat der Reclam-Verlag eine schöne Taschenbuch-Ausgabe des Buches Dracula im Mai 2020 überlassen. Ich kam aber erst über die Weihnachtstage zum Lesen und Vergleichen, aber Dracula ist zeitlos.

Karl Bruno Leder und Stasi Kull
Wer noch ein wenig weiter in die Geschichte der Übersetzungen zurückgeht und sich vor der alten Rechtschreibung sich nicht scheut, dem empfehle ich die Übersetzungen von Karl Bruno Leder und Stasi Kull. Beide Übersetzungen sind vollständige Übersetzungen, was für die Beurteilung des Werkes von Stoker wichtig ist.

Stasi Kulls Übersetzung aus dem Jahre 1967

Mein erstes Dracula-Buch stammte aus der schwarzen dtv Phantastica-Reihe von 1981, die Übersetzung von Stasi Kull selbst stammt aus dem Jahre 1967. Stasi Kull ist ein Pseudonym. Dahinter verbirgt sich der österreichische Lyriker, Schriftsteller und Übersetzer H. C. Artmann. Dabei übersetzte der im Dezember 2000 verstorbene Artmann auch Lovecraft ins Deutsche und schuf eine wienerische Ausgabe von Asterix als Legionär. Ich mag die Übersetzung, sicherlich vor allem weil es mein erstes Dracula-Buch als Jugendlicher war.

Dracula in der Übersetzung von Karl Bruno Leder.

Karl Bruno Leder hat für den Insel-Verlag auch den von mir sehr geschätzten Roman Frankenstein von Mary Shelley übersetzt. Seine Übersetzung stammt aus dem Jahre 1968 und liest sich flüssiger und leichter als die Version von Kull.

Es gibt zudem noch Übersetzungen von Heinz Widtmann aus dem Jahre 1908, Tausendsassa Wulf Bergner (bekannt durch zahlreiche Stephen King Übersetzungen) von 1967, Bernhard Willms 1993. Nun als Fazit: Greift zur Ausgabe von Ulrich Bossier, dann könnt ihr als Dracula-Fan nichts falsch machen.

Dracula im Film (13): Draculas Gast (2008)

27. Dezember 2020

Es gibt gute Dracula-Filme und es gibt schlechte Dracula-Filme. Draculas Gast ist eine der ganz schlechten Verfilmungen rund um unseren Lieblingsvampir.

Völlig überflüssig.

Ich muss es leider sagen, der Film aus dem Jahr 2008 von Michael Feifer ist komplett für die Tonne. Es gibt kaum etwas Interessantes an dieser Schlaftablette zu entdecken: Keine Atmosphäre, keine schauspielerischen Leistungen, keine Regieeinfälle, keine nennenswerten Special Effects, keine Ausstattung und absolut Null Gruselstimmung. Die 82 Minuten schleppen sich dahin.

Dabei hätte doch alles so gut laufen können. Die Kurzgeschichtensammlung Draculas Gast von Bram Stoker bietet hervorragendes Futter für einen Horrorfilm alter Schule. In dem Band sind sechs interessante und lesenswerte Kurzgeschichten aus der Welt der Vampire zu finden. Die schauerlichen Motive aus den Kurzgeschichten werden zum Teil in dem Film aufgenommen und komplett an die Wand gefahren.

Michael Feifer, was hast du da verbrochen? Grundsätzlich versteht du sein Handwerk. Dein Ohne jede Spur von 2010 ist doch ganz gut. Was hat dich geritten Draculas Gast unter deinen Namen zu verfilmen, zudem den Film zu produzieren und das Drehbuch zu verfassen?

Ich bin ja geneigt, als Dracula-Fan auch Trash anzuschauen, aber wirklich nicht diesen Müll. Der Hauptdarsteller Andrew Bryniarski ist eine komplette Fehlbesetzung. Als Leatherface bei Michael Bay war er prima und ein Genuss. Als Dracula fehlt ihm jegliches Einfühlungsvermögen, wenn nicht gar Talent. Ein Riese tappt durch schlechte Kulissen und zitiert ein theatralisches Drehbuch. Ach ja schlechte Kulissen: Scheinbar fand man für die Dreharbeiten so schnell kein Schloss für den Grafen, also griff die Produktion auf ein Mausoleum für Urnengräber zurück. Das könnte grundsätzlich eine interessante Interpretation einer Gruft sein, dieser Drehort wird aber in diesem Fall reiner Geldmangel gewesen sein. Es wird so getan, als ob es das Schloss des Grafen Draculas ist, aber auch das ist ein peinlicher Versuch eines Sets.

Übrigens, der Film ist auch unter dem deutschen Titel „Bram Stoker’s Dracula – Die Brut des Bösen“ erschienen.

Dracula im Film (12): Dario Argentos Dracula (2012)

30. November 2020

Ich wollte es nicht glauben: Alle haben sie gesagt, dass Dario Argentos Version von Dracula Müll ist. Und was soll ich sagen: Ihr habt alle recht gehabt. Dario Argentos Dracula ist Müll.

Ich habe mir das Spätwerk des italienischen Meisters aus dem Jahre 2012 jetzt erst auf Bluray in 2D angeschaut und es war schon peinlich, wie so ein Mann seinen Ruf systematisch kaputt macht. Ich bin ein Argento-Fan der Filme Suspira, Profondo rosso oder Tenebare – also die Vertreter der Giallo-Slasher. Und ich bin ein Fan der Figur Dracula von Bram Stoker. Was wäre das für eine Kombi? Argento und Stoker? Und ich schaue mir gerne, sehr gerne Dracula-Filme an und so stand endlich auch mal Dario Argentos Dracula auf meiner Watchlist. Vielleicht erfüllt der ursprünglich als stereoskopischer Film seine wahre Wirkung in 3D, was ich allerdings nicht glaube. Es war das erste – und nach seinen Aussagen das letzte Mal, dass Argento das Stilmittel Stereoskopie für seine Filme nutzte. Für 3D braucht es eine andere Erzählweise, eine andere Struktur.

Zunächst das Positive am Film Dario Argentos Dracula: Es gibt Kameraeinstellungen von Räumen, die machen einfach Spaß. Argento versteht es mit seinem Suspira-Kameramann Luciano Tovoli Bilder in die richtige Position zu rücken. In diesen Augenblicken jubelt mein Herz. Auch bei den Kamerafahrten gibt es Andeutungen, dass es der Meister nicht verlernt hat. Und auch für mich positiv ist die Musik von Argentos Hauskapelle Claudio Simonettis Goblin. Ihr musikalisches Thema zu Dracula ging ins Ohr, die Balkan-Musik eher nicht so.
Und da wäre noch die Hauptdarsteller Thomas Kretschmann als Dracula und Rutger Hauer als Professor Abraham Van Helsing. Sie bemühen sich, schauen mal sorgenvoll, mal schmachtend, aber agieren im Großen und Ganzen erfolglos. Darios Tochter Asia Argento wagt sich an die komplexe Figur der Lucy und scheitert leider auch hier.

Und damit sind wir auch bei den wirklich üblen Teilen des Films. Die Dialoge waren noch nie Argentos großes Können und da bleibt er sich bei Dracula treu. Bei so mancher weiblicher Darstellerin sind die Dialoge auch nicht so wichtig und die männlichen Zuschauer haben anderes im Focus. Aber nackte Haut reicht nicht, um Dracula zu ertragen. Hinzu kommen CGI-Tricks im Anfängerstadium. Es beginnt mit einer schlimmen Eule und endet ganz schlimm mit einer digitalen Gottesanbeterin. Dario bleib bei deinen Gore-Effekten, denn die verstehst du in Szene zu setzen. Freunde des spritzenden Blutes werden in einigen Passagen auf ihre Kosten kommen und den Film vielleicht als Trash einordnen. Ich packe ihn eher in die Kategorie: Vertane Chance bei einem tollen literarischen Stoff.

Dracula im Film (11): Nosferatu in Venedig (1988)

6. September 2020

Völlige Fehlbesetzung: Klaus Kinski

Völlige Fehlbesetzung: Klaus Kinski

Seit „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ wissen wir, dass Venedig ein phantastischer Drehort für Horrorfilme sein kann. Das muss sich Produzent Augusto Caminito auch gedacht haben, als er Nosferatu in Venedig in Angriff genommen hatte. Es hätte ein interessanter Dracula-Film werden können, aber der Film ist es nicht geworden.
Augusto Caminito wollte an den Erfolg von Herzogs Nosferatu anknüpfen und verpflichtete Klaus Kinski für eine Art Fortsetzung des Themas. Das war ein Fehler. Vielleicht könnt Werner Herzog das Ego von Klaus Kinski noch im Zaum halten und kanalisieren, Augusto Caminito konnte es nicht. Kinski ist eine komplette Fehlbesetzung. Sein Interesse war scheinbar nur, junge nackte Mädchen zu betatschen und deren Körper vor der Kamera zu malträtieren
– ein schauspielerisches, wenn gar künstlerisches Talent ist nicht auszumachen. Ein jähzorniger, alter, geiler Mann agiert vor der Kamera. Kein Nosferatu im Stile von Max Schreck, vielmehr der Zorn Gottes vor der Kamera mit peinlichem Gestammel.
Kinski verbrauchte drei Regisseure M. Caiano, L. Cozzi, M. Lucidi für den Film Nosferatu in Venedig, der eine schöne Kameraführung, mit Vangelis einen genialen Score, eine traumhafte Kulisse und ein interessantes Thema hatte. Seine etablierten erfahrenen Schaupielkollegen Christopher Plummer als Professor Paris Catalano
Und Donald Pleasence als Geistlicher Don Alvise schauen nur düster drein, als wüssten sie, wie schlecht der Film werden wird. Das Drehbuch ist wirr und viele Szenen wurden nur zusammengeschnitten, weil sie halt vorhanden waren. Der Produzent wollte seinen Star Kinski nicht vergraulen und ließ sich auf der Nase herumtanzen. Kinski selbst wollte auch mal Regie führen – was er in diesem Fall aber nicht kann.
So viel hätte man ausNosferatu in Venedig machen können, es ist leider hoffnungslos gescheitert.
Im Grunde mag ich das Thema, ich mag den Drehort und ich mag im Grunde auch die italienische Regietradition – Nosferatu in Venedig übt als Vampirfilm auch eine gewisse Faszination aus, wenn nur dieser Kinski nicht wäre.

Dracula im Film (9): Dracula 2013 TV-Serie

24. August 2020

Langweilig: Dracula 2013

Langweilig: Dracula 2013

Ich bin als Fan des Grafen Dracula viel Schund gewöhnt. Aber selten habe ich so etwas langweiliges Filmdrama, wie die britisch-amerikanische Serie Dracula – Die komplette Serie aus dem Jahre 2013 gesehen. Kein Wunder, dass die Serie nach der ersten Staffel von Universal abgesetzt wurde – wahrscheinlich sind die Produzenten vor Langeweile verstorben.
Okay, ein paar gute Ideen sind bei Dracula 2013 vorhanden. Dieses Mal ist Dracula ein amerikanischer Industrieller mit Namen Alexander Grayson, der den Strom nach London bringt. Van Helsing kämpft an der Seite von Dracula gegen den einen Orden des Drachen kämpft. Dieser Drachenordens war so gemein, unseren Helden Dracula vor Jahrhunderten in einen Vampir zu verwandeln und zudem seine große Liebe lebendig verbrannt zu haben. Das macht man aber auch nicht. Im Grunde ist es eine Rache-Geschichte mit Figuren aus Bram Stokers Dracula.
Renfield ist ein Schwarzer Rechtsanwalt und keineswegs verrückt. Mina ist Medizinstudentin, Lucy Westenra ein intregantes Biest und Jonathan Harker ein Zeitungsjournalist. Mir war alles einfach zu gestelzt in Dracula – Die komplette Serie

Der ehemalige Tudors-Star Jonathan Rhys Meyers spielt die Hauptrolle des Dracula recht schön, kam aber gegen das faserige Drehbuch auch nur die Zähne flechten. Bei uns lief die Serie auf Vox, ich habe mir aber als Dracula-Fan die Bluray der ersten Staffel gekauft. Da gab es ein paar nette Postkarten dazu.
Nun, es gibt für eine TV-Produktion überraschend viel Blut, aber dafür weniger Drive zu sehen. Bissattacken reichen nicht aus für eine ganze Serie, dabei hätte Dracula doch so viel zu bieten.