Posts Tagged ‘Dracula’

Dracula im Film (25): Nachts, wenn Dracula erwacht

8. Juni 2022

Wie kann es sein, dass ein absolut untalentierter Trash-Regisseur einen der besten Dracula-Filme auf die Leinwand zaubern konnte? Sollte Jess Franco vielleicht doch eine Spur von Talent haben? Wie heißt es, auch ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn? Nun, Jess Francos Filme sind zwar zumeist übel, doch es gibt ja hin und wieder einen Lichtblick. Sein Film Nachts, wenn Dracula erwacht von 1970 ist schlichtweg ein Meisterwerk.

Es ist eine fast werkgenaue Verfilmung von Bram Storkers Dracula Roman, was wohl auch der Grund war, dass Christopher Lee nach den Hammer-Filmen wieder als Dracula auftrat. Je mehr Opfer er beißt, desto mehr Lebensenergie nimmt er auf und wird jünger. Als fantastisch böser Dracula agiert ein hervorragender Christopher Lee, eindrucksvoll auch Herbert Lom als Van Helsing und in der Nebenrolle darf auch Klaus Kinski den irren Renfield improvisieren. Es gibt immer wieder Anekdoten, dass Kinski mit einem falschen Drehbuch hereingelegt wurde, damit er die Rolle des Irren annahm. Ich vermute, es ist wohl eher eine billige PR-Masche, nachdem es auch Franco dementierte.
Christopher Lee und Herbert Lom sind übrigens einander während der Dreharbeiten niemals begegnet. Sämtliche Dracula- bzw. Van Helsing-Szenen wurden separat gedreht, was man dem Film allerdings nicht anmerkt, aber gerne hätte ich doch diese beiden Horrorstars zusammen auf der Leinwand erlebt.

Jess Franco hat dieses Mal seine Sadomaso- und Sex-Fantasien in Spanien gelassen und nährt sich Stokers Werk behutsam und mit viel Einfühlungsvermögen. Starke Kameraeinstellungen von Manuel Merino und der Hauskomponist von Franco der gute Bruno Nicolai liefert einen starken Score. Natürlich entfernt sich auch Franco immer wieder vom Original – vor allem am Ende, wenn Dracula in seiner Sargkiste verbrannt wird. Das ist mal ein anderes Ende als der klassische Holzpflock durchs Herz.

Immer wieder versuchte sich Franco an dem Vampir-Mytos. Bei seinem Vampyros Lesbos – Erbin des Dracula (1971) setzte er auf sein altes Schema Blut und nackte Haut, konnte aber nie mehr die Qualität von Nachts, wenn Dracula erwacht erreichen. Aber ich muss ihn mir mal wieder ansehen und dann schimpfen über so wenig Talent.

Dracula im Film (23): Draculas Tochter

5. April 2022

Lange habe ich auf diesen Film in HD gewartet und war dann doch enttäuscht, als ich mir wieder Draculas Tochter ansah. In die Fortsetzung von Tod Brownings Klassiker Dracula von 1931 hatte ich große Erwartungen, obwohl ich den Film eigentlich auf DVD kannte.

Ich wollte eine ähnliche Atmosphäre wie bei Bela Lugosi, aber das Schauererlebnis stellte sich nicht bei mir ein. Zwar ist das Spiel von Gloria Holden als die Tochter des Grafen sehr schön anzusehen, aber die Regie von Lambert Hillyer ist eher gemäßigt. Hillyer ist kein Browning, der als Stummfilmregisseur die Theatralik in den Tonfilm rette. Kameramann George Robinson ist kein Karl Freund, der bei Lang Metropolis drehte. Dabei hätte George Robinson den Film retten können, war er doch der Kameramann von 1931, der die hervorragende spanische Version von Dracula auf Zelluloid bannte. Rund herum ist Draculas Tochter eher blutarm, trotz so mancher gelungener Szene.

Der Universal-Film von 1936 begann mit gotischer Atmosphäre. Leider zerstörten ein paar humorvolle Elemente den Film als man den Sarg des toten Draculas zeigte in dem (leider) nicht Lugosi liegt. Die Tochter des Grafen hat den seltsamen Namen Marya Zaleska, der jetzt nicht gerade was mit Dracula zu tun hat. Und war Dracula nicht ein rumänischer Fürst, während die Tochter aus Ungarn stammt – irgendwie verstehe ich die Familienverhältnisse der Vampire nicht. Vielleicht liegt es daran, dass Lugosi 1931 mit einem wunderbaren ungarischen Dialekt sprach, der der britischen Gloria Holden völlig abgeht.

Ich mag die mysteriös-exotische Art und Weise, wie die Holden die Tochter spielt. Sie ist wirklich kalt und böse – ein tolles Schauspiel. Während des Films blinzelt sie übrigens nur einmal – ich bin gespannt, wer den Fehler entdeckt. Sie ist wirklich der absolute Höhepunkt des Films – und trotz des strengen Hayes-Kondex in dieser Phase Hollywoods schaffte Holden Andeutungen eines lesbischen Vampirs auf der Leinwand darzustellen. Das ist wirklich bemerkenswert und macht den Film daher filmhistorische sehr interessant. Ihr Ende kommt überraschend, nicht Van Helsing erlöst die Vampirin, sondern – nein, ich möchte nicht spoilern.

Aus Van Helsing wurde im Film Von Helsing, aber auf dem Cover der Bluray steht weiterhin Van Helsing, der von Edward Van Sloan gespielt wird, also was jetzt Von oder Van. Edward Van Sloan spielte den Professor schon 1931 und zuvor am Broadway in Dracula und kam von seiner Wissenschaftsrolle nicht so schnell los, so dass er in Frankenstein und Mumie wieder auf die Rolle des Wissenschaftlers festgelegt war.

Die anderen Darsteller verfangen sich im Drehbuch. Ich will keine Screwball-Komödie sehen, ich will Horror, zumindest Schauer. Das Set-Design passt nicht und es wird zuviel unnötiges Zeug gequatscht, was nicht in eine Dracula-Produktion passt.

Draculas Tochter war Universals letzte Produktion unter der Leitung des legendären Carl Laemmle. Kurz nach Ende der Produktion wurde er aus seinem eigenen Studio geworfen. Ich hatte den Film schon als DVD in der „The Monster Legacy DVD Collection“, jetzt kam er als HD auf Bluray heraus, wobei das Bild bei einem Film von 1936 nur geringfügig besser, aber dafür teuerer geworden ist. Als Zusatz gibt es das Hörbuch Morella, das Hörspiel Draculas Rückkehr und ein 16seitiges Booklet, das einige schöne Filmplakate und einen informativen Hintergrundtext hat.

Dracula im Film (22): Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens

5. März 2022

Der Film ist die Mutter aller Vampirfilme. Nachdem Nosferatu am 4. März 1922 ins Kino kam, änderte sich die Welt des fantastischen Films. Friedrich Wilhelm Murnau schuf ein Meisterwerk des expressionistischen Horrorfilms – vielleicht nur mit dem Einfluss des Kabinetts des Dr. Caligari vergleichbar.

Und auch 100 Jahre nach seiner Premiere ist der Stummfilm Nosferatu – eine Symphonie des Grauens unheimlich. Das liegt zum einen an der Regiearbeit von Murnau, zum anderen an der Darstellung des Vampirs durch Max Schreck, der in Klaus Kinski, Willem Dafoe und Reggie Nalder seine Nachfolger hatte. Dabei hätten wir beinahe den Film nie zu Gesicht bekommen. Die Produktionsfirma Prana-Film von Enrico Dieckmann und des Okkultisten Albin Grau nahmen die Dracula-Vorlage von Bram Stoker ohne sich um die Rechte zu kümmern. Stokers Witwe klagte, bekam 1925 recht und alle Kopie sollten vernichtet werden. Das geschah allerdings nur teilweise und so wurde der Filmschatz bis in die heutige Zeit gerettet. Es tauchten Szenen von Nosferatu noch in dem Film „die zwölfte Stunde“ 1930 als erweiterte Raubkopie auf. Ich hab über diesen Film und eine Live-Klavierbegleitung von Richard Siedhoff mal gebloggt.

Ich sehe nach 100 Jahren Parallelen zur heutigen Zeit. Murnaus Nosferatu traf damals den Nerv der Zeit und tut es sicher heute auch noch. Das Ende des schrecklichen ersten Weltkriegs lag 1922 noch nicht lange Zeit. Europa lag in Trümmern, die Menschen hatten schwerste körperliche und seelische Verletzungen. Und auch die spanische Grippe hatte auf dem Kontinent gewütet und die Seuche forderte viele Todesopfer. Und es stand damals die gewaltige Inflation vor der Tür, die 1928 ausbrach und die wirtschaftliche Welt zusammenbrechen ließ. Weimar scheiterte und der Nationalsozialismus stürzte die Welt in den nächsten schrecklichen Krieg. Die eine oder andere Parallele gibt es zu heute: Krieg, Corona, Inflation. Und ich sehe den Einfluss des Übernatürlichen. 1922 war es der Okkultismus, heute ist es New Age oder Esoterik.


Ohne Nosferatu hätte es keinen Carl Theodor Dreyers Vampyr – Der Traum des Allan Grey gegeben, wir hätten nie Bela Lugosi in Tod Brownings Dracula 1931 genießen können, Christopher Lee hätte 1958 bei Hammer nie seinen Einstand gehabt und auch Werner Herzog hätte 1979 nie Kinski als Nosferatu die Kamera verführen dürfen, MTV wäre bei Coppola Dracula in Kostümen geschwelgt und auch Shadow of the Vampire hätte nie das Gedankenspiel durchspielen können, ob Max Schreck vielleicht doch ein Vampir war.

Hinweis: Zum Jubiläum des Films bin ich zu einem kleinen Filmsymposium eingeladen. Am Sonntag, 6. März, kehrt das Grauen nach 100 Jahren zurück. Mit einer Matinee ehren wir im Scala Kino Fürstenfeldbruck um 12 Uhr das Meisterwerk des Vampirfilms. Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens.

Dracula im Film (21) – Dracula: The Dark Prince / Dracula – Prince of Darkness (2013)

18. Januar 2022

Wenn man sich für den Grafen mit den spitzen Zähnen interessiert, muss man sich durch allerlei filmischen Müll durchbeißen. Dies ist soeben geschehen bei dem Film Dracula: The Dark Prince oder auch Dracula – Prince of Darkness aus dem Jahre 2013. Die Regie führte Pearry Reginald Teo aus Singapore.

Die US-Produktion wurde in Rumänien gedreht, was ein gutes Omen für einen Dracula-Film hätte sein können. Aber hätte, hätte, Fahrradkette – es war es nicht. Es wurde ein durchschnittlicher Horrorfilm mit starken Fantasyanleihen.

Der Prolog in Comicmanier sah noch ganz gut aus, doch sobald menschliche Darsteller das Set betreten, ging die Geschichte steil bergab. Die Darsteller spielen in Lederkostümen, die hübsch anzusehenden Damen in etwas weniger Leder dafür mit durchscheinenden Negligé. Die rechte Hand von Dracula sieht ein wenig aus als ob er geradewegs aus Conan der Barbar entsprungen ist. Die alte Geschichte von Bram Stoker wurde durch die Mangel gedreht, Dracula und sein hübscher Waldläufer Lucian (nein, das war ne andere Geschichte), sein hübscher Strauchdieb Lucian sind die Nachfolger von Kain und Abel und es gibt noch eine Superwaffe von damals, den Lichtbringer, der das Böse zerstört. Irgendwie hab ich das bei Krull auch schon gesehen.

Dracula – Prince of Darkness sieht die Herrschaft seines Reichs am Rande des Abendlandes gefährdet, als die Moslems angreifen. Doch während sich der Prinz in die Schlacht stürzt, wird in seiner Heimat ein Putsch organisiert und dabei seine Frau ermordet. Schwer getroffen von der Verschwörung rächt er sich grausam. In seiner Trauer und Rachsucht schwört er dem Christentum ab und wendet sich der schwarzen Magie zu.
Dracula ist auf der Suche nach seiner Elisabeth, findet sie in der Kreuzritterin Alina (Moment, waren Ritter nicht nur Männer, egal), entführt sie in das protzige CGI-Schloss, wird von seinem Diener Renfield zum zweiten Mal hintergangen, alles haut sich die Birne ein und das liebende Paar liebt für immer. Da kommt noch ein Leonardo Van Helsing daher und erklärt allerlei Mystizismus und ein Kämpfer aus dem Norden, der gerne mit der Axt um sich haut und den Namen Andros trägt, darf auch unter den bösen Vampiren und Untoten aufräumen.

Die einzige interessante Darstellung im Film Dracula – Prince of Darkness liefert Jon Voight als Leonardo Van Helsing ab. Er hat zumindest eine gewisse Hollywood-Filmerfahrung und gibt dem ganzen Dracula-Film eine gewissen Stabilität. Neues brachte uns die Verfilmung des schönen Stoffs nicht, die 96 Minuten waren eine Qual und jetzt ist es vorbei.

Dracula im Film (19): Junges Blut für Dracula

8. Dezember 2021

Bevor Hammer mit seinem Dracula jagt Mini-Mädchen den Grafen in die Gegenwart katapultierte, gab es schon zuvor einen erfolgreichen Versuch mit dem Vampir in der Neuzeit mit dem Film Junges Blut für Dracula. Der Streifen Junges Blut für Dracula aus dem Jahre 1970 kam unlängst ungekürzt auf Bluray heraus. Der Film war weder auf VHS noch auf DVD zu haben.

Nachdem es zwischen Hammer und den US-Vertrieb immer mehr kriselte, spielte American International Picture seine eigene Dracula-Karte in Form des Grafen Yorga. Das einst junge Hammer-Studio war im viktorianischen Zeitalter verhaftet. Was in den sechziger Jahren funktioniert, klappte am Ende des Jahrzehnts nicht mehr. Dracula war ein alter Hut. Also musste ein Ausflug in die Gegenwart her, um die Jugend wieder in die Kinos zu holen.

Eigentlich als Softporno geplant, wurde der Film Junges Blut für Dracula von Bob Kelljan zum erfolgreichen Vampirfilm mit ziemlich blutigen Einlagen. Dem Filmfan bleibt das zerrissene Kätzchen in Erinnerung. Der Vampir Yorga aus Bulgarien beißt sich durch Los Angeles der Hippie-Ära samt VW Bulli und bekam vom deutschen Verleih gleich mal den Namen Dracula verpasst. „Count Yorga, Vampire“ hieß der Film noch im Original und daraus wurde gleich mal „Junges Blut für Dracula“.

Es ist dem Hauptdarsteller Robert Quarry als Grafen gedankt, dass er keinen Softporno, sondern einen Horrorfilm drehen wollte. Dass haben vielleicht einige Hauptdarstellerinnen nicht ganz so mitbekommen, denn ihre Qualifikationen liegen nicht auf unbedingt auf der Schauspielerei. Robert Quarry, der einst mit Vincent Price vor der Kamera stand, sollte von API zum neuen Horrorstar und Nachfolger von Price aufgebaut werden – was letztlich misslang, obwohl Quarry seine Rolle gut machte. Er durfte noch 1971 den Yorga-Nachfolger Die 7 Pranken des Satans („The Return of Count Yorga“) drehen, den ich noch als Kurzfassung auf Super 8 habe. Er ist inzwischen auch bei Wicked-Vision Media auf Bluray erschienen, die Scheibe muss ich aber noch erwerben. Es war sogar ein dritter Teil geplant, der in der Kanalisation von LA spielen sollte, aber dazu kam es aufgrund des wirtschaftlichen Kollapses von AIP dann nicht mehr.

Um was geht es in Junges Blut für Dracula? Die junge Donna versucht mittels einer spiritistischen Sitzung, die ein mysteriöser Mann namens Graf Yorga leitet, Kontakt zu ihrer verstorbenen Mutter aufzunehmen. Dies geht reichlich schief, denn erstens ist Yorga kein Medium, sondern ein blutgierger Vampir, und zweitens ist Donnas Mutter ebenfalls eine lustige Untote. Donna fällt auf besagter Seance in einen Schockzustand und wird von Yorga hypnotisiert, anschließend scheint alles wieder normal zu sein und dann geht die blutige Beißerei weiter. Also schöner Dracula für Zwischendurch ist Junges Blut für Dracula

Dracula im Film (18): John Carpenter’s Vampires: Los Muertos

2. November 2021

Als John Carpenter 1998 Vampire drehte, legte er einen harten Horrorfilm vor, der wenig mit den subtilen Filmen der Vergangenheit des Meisters zu tun hatte. Aber Vampire hatte seine Freunde gefunden, so dass aus der Produktionsschmiede zwei Fortsetzungen erschienen.
2002 kam John Carpenter’s Vampires: Los Muertos auf den Markt, der nur in den spanischen Kinos lief, in den USA und bei uns nur auf Video veröffentlicht wurde. Nun kam es zur exzellenten Bluray Veröffentlichung in Deutschland. Der Verlieh stellte mir dankenswerterweise den Film als Media Book zur Verfügung. 2005 folgte dann noch Vampires: The Turning, den ich nicht kenne.

Der Nachfolgefilm von Vampire ist prominent besetzt: Der Sänger Jon Bon Jovi spielt den Vampirjäger Derek Bliss. Auf dem Regiestuhl saß der Carpenter-Vertraute und Horror-Routinier Tommy Lee Wallace, der Halloween (1978) und the Fog geschnitten hatte und zudem Stephen Kings Es (1990) Halloween III inszenierte.
Die Geschichte ist schnell erzählt: der freischaffende Vampirjäger Derek Bliss muss im Auftrag des Vatikans seine Truppe neu formieren und geht nach einem Anschlag der blutrünstigen Vampirkönigin Una auf ein Kloster wieder auf die Jagd nach den Beißern. Im Mittelpunkt steht das Schwarze Kreuz, das wir schon in Carpenters Vorgängerfilm zu sehen bekamen. Hier setzte Tommy Lee Wallace auf Kontinuität, nachdem er bei Halloween III genau diese missachtete und der Druidenfilm statt Michael Myers beim Publikum floppte – keine Experimente sagte schon Adenauer.

Schon vom ersten Moment an ist es eine Trash-Produktion. Großes Kino sieht anders aus, was wohl auch an der Filmoptik liegt. Low Budget, aber mit sehr soliden Spezialeffekten. Freunde des Blutes werden auf die Gore-Kosten kommen, wenn die Vampirkönigin gleich zu Filmbeginn dem Opfer die Zunge aus dem Rachen reißt. Vorsichtig erweitert Tommy Lee Wallace die Story um eine infektiöse Übertragung des Vampirviruses und gibt ihm dadurch ein neues Element – ein interessanter Gedanke.


Wir haben bei John Carpenter’s VAMPIRES: LOS MUERTOS die ungewöhnliche Mischung aus Western, Road Movie und Vampirfilm. Mexiko eignet sich als Location eines direct-to-videoo-Vampirfilms ebenso wie London oder Transsilvanien. Das Blut unter heißer Sonne gibt dem Film einen besonderen ungewöhnlichen Flair. Für mich macht das den Reiz des Films aus, denn diese Mischung bekommt der Zuschauer nicht so oft auf der heimischen Beamerleinwand zu sehen. From Dusk Till Dawn von 1996 belebte dieses Genre einst wieder, das in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihre zarten Anfänge im Horrorkino des Wilden Westens hatte.

Inzwischen gibt es einige Perlen in diesem Bereich, wobei für mich der Kannibalen-Western Bone Tomahawk von 2015 in jüngster Zeit absolut heraussticht.
Dem Media-Book von John Carpenter’s VAMPIRES: LOS MUERTOS liegt übrigens ein absolut lesenswertes Booklet von Christoph N. Kellerbach bei, das es zu diskutieren gilt. Er ordnet den Film sehr gut in die Veröffentlichung des Wildwest-Horrors ein und gibt uns ein paar Produktionshintergründe. Und als Freund der Filmmusik sollte man Komponist Brian Tyler auf jeden Fall erwähnen, der ganze Arbeit geleistet hat. Leider ist meines Wissens, dieser Score offiziell nicht als Datenträger erschienen, es gibt aber eine nichtautorisierte Version auf CDR.

Dracula im Film (17): Die Karnstein-Trilogie

23. August 2021

Das hab’s nur einmal, das kommt nie wieder – gemeint ist die so genannte Karnstein Trilogie von Hammer Films mit den Filmen Gruft der Vampire (The Vampire Lovers), Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire) und Draculas Hexenjagd (Twins of Evil). Sie entstanden zwischen 1969 und 1971 und gaben den legendären Hammer-Studios aus Großbritannien eine deutlichere Ausprägung in Richtung Sex und Blut.

Selten zuvor gab es bei Hammer so viel nackte (weibliche) Haut zu sehen und auch der Gore-Faktor stieg enorm an. Brüste und gespaltete Schädel sollten neue Zuschauer ins Kino locken. Die britischen Zensoren waren ab Juli 1970 lockerer und das Nutzen die Hammer-Studios gleich mal aus, um aus den Vollen zu schöpfen. Hammer war in der Krise, weil der US-Markt weggebrochen war nachdem sich Warner zurückgezogen hatte. Zudem warf der kreative Kopf von Hammer das Handtuch und das Studio suchte eine neue Richtung.
Heraus kamen lesbische Vampire und viel Blut. Nachdem Bram Stokers literarische Vorlage Dracula in zahlreichen Filmen verbraucht und durchgerudert war, überarbeitete man nun Carmilla, der weibliche Vampir von Joseph Sheridan Le Fanu in den Filmen. Heraus kamen drei romantische, brutale und offenherzige Vampir-Filme, die freilich nichts mit Dracula zu tun hatten. Dracula im Titel war eine grottiger Einfall des deutschen Verleihs.

Es spielte Ingrid Pitt die Marcilla / Carmilla / Mircalla Karnstein in Gruft der Vampire (The Vampire Lovers) und Draculas Hexenjagd (Twins of Evil) und auch der große Peter Cushing spielte in den Filmen. In Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire) konnte er nicht vor die Kamera treten, weil seine Frau Helen damals im Sterben lag. So spielten in Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire) die hübsche Yutte Stensgaard die Mircalla / Carmilla Karnstein und der Bösewicht war Mike Raven als Graf Karnstein. Ich muss sagen, ich mag Yutte Stensgaard in dieser Figur sehr, weil sie nicht so lüstern dreinblickt wie Ingrid Pitt, die einst die Rolle interpretierte.

Das Thema der lesbischen Vampire muss damals im Kino ziemlich heftig angekommen sein. Die bisher nicht gekannte Mischung von Sex und Blut war schon ein echter Hammer (ha, Wortspiel). Zum ersten Mal war in einem Hammer-Film auch ein Pop-Song zu hören: „Strange Love“, gesungen – nein gehaucht von Tracy. Das Ganze ist schon sehr schwülstig. Ich hatte in London mal die Single in meiner Hand, kaufte sie aber nicht, weil sie überteuert war. Vielleicht hätte ich es tun sollen.
Der letzte Film der Karnstein-Reihe Draculas Hexenjagd (Twins of Evil) ist sicherlich der beste Teil der Reihe. Mircalla darf kurz auftauchen und ihre Reize zeigen, aber im Mittelpunkt stehen die ehemaligen Playboy-Schönheiten Mary und Madeleine Collinson, eben die Twins of Evil. Übrigens sind sie auch im englischen Original nachsynchronisiert, das bedeutet, aufgrund der Schauspielleistung wurden die Damen nicht gewählt. Absolut genial ist Peter Cushing, der alle an die Wand spielt. Seine Frau Helen verstarb zwei Wochen vor den Dreharbeiten und vielleicht kanalisierte Cushing hier seinen Schmerz. Cushing lieferte eine der besten Rolle seines Hammer-Lebens ab. Und die Kombination aus fanatischen Hexenjäger und sexy Vampire war auch ein neues Element des Horrorfilms. Übrigens, die deutsche Version von Twins of Evil ist schwer zu bekommen. Da wähle man die preisgünstige englische Version.

Erinnerung an Carl Lämmle, dem Erfinder des Spielfilms

9. August 2021

Hollywood wäre nicht das kreative Filmzentrum, wenn es nicht deutsche Kreative gewesen wären, die in der Frühphase kräftig mitgemischt hätten. Einer von ihnen ist Carl Lämmle aus dem baden-württembergischem Laupheim.

Ihr kennt Lämmle nicht? Solltet ihr aber. Er war 1912 der Gründer der Universal Studios und war einer der einflussreichsten Produzenten seiner Zeit. Und obwohl er US-amerikanischer Staatsbürger war, hat er seine Heimat Laupheim nicht vergessen. Der reiche Onkel aus Amerika spendete viel Geld in seine Geburtsstadt und an die jüdischen Gemeinde: Schule, Schwimmbad und ein Waisenhaus in der Stadt gingen auf Lämmle zurück. Die Nazis aber verbannten den Juden Lämmle aus dem öffentlichen Leben und damit aus seiner Heimat.
In den USA baute Carl Lämmle sein Filmimperium auf, weil er die Zeichen der Zeit erkannt. Er schuf das Mediums des Spielfilms – nicht mehr, nicht weniger. Er spürte, dass es ein Publikum für Spielfilme gab – er hatte die richtige Nase zur richtigen Zeit.

Das ist damals eine absolute Revolution gewesen. Lämmle hat damit die Filmwelt verändert und Hollywood hat ihm enorm viel zu verdanken. Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg zeigte von Dezember 2016 bis Juli 2017 die Sonderausstellung Carl Laemmle presents – Ein jüdischer Schwabe erfindet Hollywood Durch Zufall bekam ich einen Ausstellungskatalog des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg zur Ausstellung Carl Laemmle – Ein Laupheimer in der Welt: Eine Ausstellung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg im Museum zur Geschichte von Christen und Juden aus dem Jahre 2018 in die Hände.

Carl Lämmle ist für mich einer der Urväter des Kinos und dennoch habe ich den Eindruck, dass er vergessen ist. Das lag einerseits an der elenden braunen Bande, die in Deutschland ab 1933 herrschte, zum anderen gab Lämmle 1936 die Leitung von Universal endgültig ab.
Zuvor hatte er sein Imperium an den Sohn übergeben, der Universal aber nicht so führen konnte, wie es Papa Lämmle wollte. Am 28. April 1929 übernahm Carl Lämmle Junior die Produktionsleitung bei Universal. Und der Papa unterstützte den Sohnemann zunächst, obwohl es richtig Knatsch gab. 1929 war die Weltwirtschaftskrise und Universal wurde arg gebeutelt. Lämmle Junior gab grünes Licht für den Kassenschlager Im Westen nichts Neues, der die Nazis auf die Palme brachte. Schöne Geste: Papa Lämmle nahm den Oscar 1930 in Empfang, der eigentlich den Sohn gebarte.

Richtig krachte es in der Familie als es um die Idee des Horrorfilms ging. Papa Lämmle war kein Fan der unheimlichen Themen und glaubte nicht an den Erfolg. Der Sohn ging auf die Barrikaden und setzte sich durch. Lämmle Junior schuf die Grundlage für den klassischen Universal-Horror, den ich verehre. Dracula mit Bela Lugosi, Frankenstein sowie Frankensteins Braut mit Boris Karloff und mehr wie die Mumie und der Unsichtbare.

Dracula im Film (16): Vampire Nation

25. Juni 2021

Irgendwie hab ich Vampire Nation bei Amazon Prime Video entdeckt und als Freund der scharfen Zähne war ich gespannt, was mich da so erwartete. Ich bekam eine Mischung von Walking Dead mit Vampiren und Roadmovie zu sehen, der die Vampirfilme der Achtziger Jahre aufs Korn nimmt. Und natürlich ist der Vampirfilm ohne Dracula.

War es ein guter Film? Nein, das war Vampire Nation auf keinen Fall. Die Idee war okay, die Umsetzung überraschend gut, aber berührt hat mich der Film nicht. Er wollte zuviel in zu kurzer Zeit. Wäre Vampire Nation eine Serie, dann wäre es auch keine großartige Vampir-Serie geworden, aber die Geschichten wären besser verteilt worden und die Wirkung wäre besser gewesen. So ist der Film eine Aneinanderreihung von interessanten Geschichten, aber es ist zuviel auf einmal. Und wenn man ehrlich ist, hat man ein paar der Geschichten anderswo schon einmal gesehen.

Und dennoch mag ich die Atmosphäre von Vampire Nation. Irgendwie denke ich immer, wie sehr der legendäre Richard Matheson so viele Drehbuchautoren nach ihm beeinflusst hat. Und wahrscheinlich hat Vampire Nation-Autor und Regisseur Jim Mickle auch seinen Matheson verschlungen und wollte etwas an den Meister zurückgeben.

Vampire Nation ist aus dem Jahre 2010 und ist an mir spurlos vorbeigegangen. Er kam 2011 bei uns auf DVD heraus und ich hatte ihn komplett übersehen. Ich bin bei Amazon Prime Video auf den Film gestoßen, es gibt ihn auch für den schmalen Geldbeutel auf Bluray.
Die Vampire in diesem Film sind keine edlen Geschöpfe der Nacht, sondern brutale Killermaschinen. Sympathie oder gar Mitleid kommt für die Vampire als Geschöpfe der Nacht hier nicht auf. Sie müssen auf die übliche Weise beseitigt werden und als Trophäe bricht der unheimliche Held, Mister genannt, die Zähne aus dem Kiefer. Also der Film ist etwas für die Freunde des härteren Films, um in der Pandemie ein wenig die Zeit zu überbrücken. Nett fand ich die Erzählstimme aus dem Off, also ein bisschen Film Noir, Sam Spade und Rick Deckard aus der ersten Version von Blade Runner. So kann die Gefühlswelt der Darsteller transportiert werden, ohne dass die Schauspieler in Vampire Nation großes Talent haben müssen.

Es heißt, es soll eine Fortsetzung von Vampire Nation mit dem Namen Vampire Nation – Badlands geben. Den werde ich mir irgendwann auch ansehen. Denn es gibt einfach zu wenig Vampire au der Welt.

Dracula im Film (15): Draculas Rückkehr (1968)

12. April 2021

Eigentlich ist Draculas Rückkehr aus dem Jahre 1968 der vierte Dracula-Film der Produktionsgesellschaft Hammer, aber für mich als Christopher Lee-Fan ist es Teil 3. Der Film Dracula und seine Bräute wurde 1960 von Terence Fisher gedreht, aber Dracula spielt im Film gar nicht mit und wird nur zweimal erwähnt.

Obwohl Peter Cushing als Van Helsing dabei ist, zählt der Film für mich nicht als Hammer-Dracula.
Also ist Draculas Rückkehr – im Original heißt der Film Dracula Has Risen From the Grave – ein Wiedersehen mit Christopher Lee, der anders als in Teil 2 Blut für Dracula wieder spricht. In Blut für Dracula hat unser Graf ja aufgrund des schlechten Drehbuchs nur gezischt und geknurrt. Ich hatte darüber gebloggt. In Draculas Rückkehr, der mit Blick auf einen Sargdeckel im Jahre 1905 spielt, ist alles wieder in Hammer-Ordnung und schließt direkt an Blut für Dracula an, als der Graf im vereisten Fluss verendete.

Jetzt holt ihn das Blut eines Priesters wieder zurück ins untote Leben und die Jagd nach dem roten Saft beginnt von neuem. Die Kulissen waren dieses Mal sorgsamer ausgewählt und es macht vielmehr Spaß die Karpaten im Londoner Studio zu erleben.

Für mich machen zwei Eigenschaften den Reiz an diesem Film Draculas Rückkehr aus. Zum einen ist es die schöne Kameraarbeit von Kameramann Arthur Grant. Immer wenn Dracula auftritt, dann verändert sich das Bild. Ein violetter-orangener Farbverlauffilter legt sich über den linken und rechten Rand der Bildes – ein interessanter Effekt und schön psychedelisch.

Zum zweiten ist es der Dracula-Score von Hammer-Komponist James Bernard. Ich mag das Thema, ich mag seine Kompositionen und schade, dass Bernards Karriere nicht erfolgreicher war. Das Talent hatte er wohl, aber als Haus- und Hofkomponist für Hammer waren keine großen Möglichkeiten vorhanden.

Eine tiefgründige Geschichte darf der Zuschauer bei Draculas Rückkehr nicht erwarten. Dafür schön Trash aus vergangenen Hammer-Zeiten mit Christopher Lee. Was kann es Schöneres für eine nette Abendunterhaltung geben?