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Lost-Place-Buchtipp: Naturalia: Overgrown Abandoned Places von Jonathan Jimenez

26. Mai 2020

Ich mag die Lost Place-Fotografie und hab schon oft in diesem Blog über Bücher zum Thema geschrieben. Mittlerweile habe ich eine Schrankwand zum Fotogenre voll. Heute stelle ich ein Buch vor, dass sich der Thematik aus einer interessanten Perspektive nähert: Wie sich das Grün seinen angestammten Raum zurückerobert. Das wurde in dem Buch Naturalia von Jonathan Jimenez wunderbar herausgearbeitet.
Er zeigt nicht nur vergessene, verlassene Orte aus aller Welt. Das machen viele, aber seine Herangehensweise ist eine andere. Er zeigt vor allem, wie das Grün diese Orte zurückerobert, mal langsam, mal vorsichtig, mal brutal gewalttätig, aber immer unausweichlich. Die lebende Natur siegt über tote Materie. Es brechen Bäume und Sträucher aus dem Betonboden hervor und wirken auf den Betrachter bizarr. Die Natürlichkeit als Eindringling in eine verfallene Welt.
Die meisten Fotos von Jonathan Jimenez in dem Buch Naturalia: Overgrown Abandoned Places sind aus Innenräumen heraus aufgenommen mit einem Blick aus den Fenstern und den zusammengebrochenen Wänden zeigen das Grün von außen – mal bedrohlich, mal vorsichtig, aber immer konsequent. Die grüne Wand schließt die Räume ein, umschließt sie regelrecht.

Die Bilder der Gebäude von außen erweckten bei mir den Eindruck eines verwunschenen Schlosses, wenn das Grün die Wände empor schlängelt und nach einem Eingang sucht, um sich verlorenes Terrain zurück zu erobern.
Die Atmosphäre ist durch das Grün immer warm, obwohl die Bilder den Verfall der Zivilisation beschreiben. Mal sind es Schulen, mal Fabriken, mal herrschaftliche Häuser und Anwesen, mal Hallen – am meisten haben mich verlassene Kirchen beeindruckt. Von den Aufnahmeorten berichtet Jonathan Jimenez natürlich nichts. Das macht ein Lost Place-Fotograf natürlich nicht. Aber an den Details erkennt man viele Bauwerke aus Osteuropa, sei es Schriften, Marken oder Architektur.
Rundum Naturalia: Overgrown Abandoned Places ist ein schönes Querformat-Buch für Liebhaber des Genres und eine Motivation, endlich mal wieder Lost-Places-Fotos zu machen.

Buchtipp: Affinity Publisher 1.8 von Winfried Seimert

18. Mai 2020

Nach den Sommerferien werden wohl meine Schülerzeitungsseminare wieder losgehen. Im Moment steht wegen Corona alles still. Zeit also, sich mit mit aktueller Software fit zu machen. Neben InDesign, XPress und Scribus drängt massiv Affinity Publisher auf den Markt. Es ist das jüngste Produkt der Affinity-Suite und beinhaltet kein Abo.
Der mitp-Verlag hat mir das Buch Affinity Publisher 1.8 von Winfried Seimert zur Verfügung gestellt, das ich dieser Tage durchgearbeitet habe. Eigentlich mag ich solche Software-Bücher nicht, denn im Software-Umfeld ändert sich durch Updates so viel so schnell. Aber da dies ein Einsteigerbuch mit viel Praxiswissen ist, ändern sich bei möglichen Updates sicherlich Details, aber die Grundfunktionen für Einsteiger bleiben erhalten. Neben dem Buch sind die üblichen Tutorials in YouTube vom Hersteller und Fans sicherlich hilfreich.
Das Buch Affinity Publisher 1.8 von Winfried Seimert ist didaktisch gut aufgebaut und steht in meinem Bücherschrank, wenn Fragen auftauchen. Die Praxisbeispiele sind Visitenkarte, Fotobuch und Broschüren. Damit lassen sich die Beispiele auf viele DTP-Anwendungen übertragen. Und natürlich muss klar sein, dass Affinity Publisher im Moment kein Industrieprodukt wie InDesign ist, um Kataloge oder interaktive eBooks zu erstellen – aber das braucht die Masse der DTP-Begeisterten vielleicht auch nicht. Ich kann dieses Buch Affinity Publisher 1.8 empfehlen.

Buchtipp: Social Media Marketing von Corina Pahrmann und Katja Kupka

4. März 2020
Klare Empfehlung

Klare Empfehlung

Zwar weiß ich viel, doch will ich alles wissen. Ich mach ja viel in Sachen Social Media, doch stoße ich auch das eine und andere Mal an meine Grenzen. Was mache ich dann? Entweder rufe ich meinen Kollegen Gero Pflüger an oder ich greife zum Buch Social Media Marketing von Corina Pahrmann und Katja Kupka. Letzteres ist soeben in der fünften Auflage erschienen und wurde von den Herausgeberinnen aktualisiert.
Das ist natürlich immer ein Balanceakt, ein gedrucktes Buch zu einem elektronischen Thema auf den Markt zu bringen. Gerade hier können Informationen über Nacht schon veraltet sein, wenn Facebook, Twitter und Co mal schnell ihren Algorithmus ändern oder neue Features integrieren.
Aber dieses 626-seitige Kompendium, erschienen beim renommierten O’Reilly-Verlag, bringt Theorie und Praxis zusammen. Das Buch selbst versteht sich als Praxishandbuch. Nach dem Lesen ist es bei mir nicht im Schrank verschwunden, sondern es liegt griffbereit in der Nähe meines Schreibtisches und ich empfehle es ausdrücklich in meinen Seminaren für Social Media. Dabei geht es nicht nur um klassische Netzwerke der alten Art, sondern die Autoren kümmern sich auch um TikTok und Co. Weiterhin lesenswert sind die Ausführungen über Content Marketing und Storytelling, wobei ich lachen musste, als dies als neuer Trend verkauft wird. Storytelling mache ich als gelernter Journalist vom ersten Tag an, aber jetzt entdecken es die Marketingfuzzis und machen ein Fass auf. Da in der Branche weniger das Bauchgefühl zählt als vielmehr die nackten Zahlen, geht es auch um Monitoring und Analyse, was ich grundsätzlich gut finde, wenn man es nicht übertreibt.
Wichtig sind auch die Ausführungen zum Employer Branding und Social Recruiting. Da ich sehr viel für mittelständische Unternehmen mache, waren diese Ausführungen sehr wertvoll. Ich empfehle es auch den Kandidatinnen und Kandidaten aus der bayerischen Politik, die sich bis 15. März im Social Media-Wahlkampf wegen der Kommunalwahl befinden und vieles falsch machen.
Rundum: Das Buch Social Media Marketing ist sehr empfehlenswert und ich hoffe für O‘Reilly, dass Facebook und Co nicht morgen ihre Algorithmen ändern und das Buch ins Altpapier wandert.

Buchtipps vom Literarischem Quartett aus München

20. Dezember 2019
Literarisches Quartett im Bayerischen Landtag.

Literarisches Quartett im Bayerischen Landtag.

Rechtzeitig vor Weihnachten kam die Einladung zu einem literarischen Quartett auf den Schreibtisch. Ein befreundetes Ehepaar hat meine Frau und mich zur illustren Runde in den Bayerischen Landtag gebeten, wohin der Aktionskreis Wirtschaft, Politik und Wissenschaft geladen hatte. Und zum Abschluss der Veranstaltung gab es sogar eine Weltpremiere, die mich aufhorchen ließ.

Es diskutierten Tobias Kurzmaier, Vorsitzender Aktionskreis für Wirtschaft, Politik und Wissenschaft e.V., Sonja Zekri, Leiterin Feuilleton Süddeutsche Zeitung, Dr. Klaus Beckschulte, Geschäftsführer Börsenverein des Deutschen Buchhandels Bayern und Michael Lemling, Geschäftsführer Buchhandlung Lehmkuhl München. Jeder der vier Diskutanten stellte ein Buch vor, das von den anderen unterhaltsam zerpflückt oder gelobt wurde.

Freinacht von Thomas Lang
Den Einstieg machte der Gastgeber mit dem Roman Freinacht von Thomas Lang. Eine Feier in der Nacht auf den 1. Mai, ein Toter und vier junge Menschen, für die nichts mehr so ist, wie es vorher war. Aus einer wahren Hintergrundgeschichte entwickelt Thomas Lang einen hellsichtigen Gesellschaftsroman über Ziellosigkeit und Verantwortung, Schuld und Sühne. Nach der Kritik der Runde ein wohl eher düsterer Gesellschaftsroman, packend erzählt mit explizierter Brutalität in Wort und Tat. Vielleicht ist Freinachtnicht gerade das Richtige zu Weihnachten, aber durchaus interessant.

Das Jahr von Tomas Espedal
Der zweite Roman war Das Jahr von Tomas Espedal, vorgestellt von Sonja Zekri von der Süddeutsche Zeitung. Tomas Espedals neues Buch beginnt an einem 6. April, dem Tag, an dem Petrarca seine Laura zum ersten Mal sah. Ausgehend von dieser unerfüllten Liebe, der Quelle für Petrarcas Liebesgedichte, geht Espedal der Frage nach, ob eine solch große, einzigartige Liebe, die alle Zeiten überdauert, heute noch möglich ist, ob sie überhaupt jemals möglich war. Gemeinsam mit seinem gebrechlichen Vater unternimmt er eine Kreuzfahrt durchs Mittelmeer und bemerkt erst dort, als der Vater aufzublühen scheint, dass er auch ihn bald verlieren wird. In der Liebe seines Vaters für seine verstorbene Mutter wie auch in seiner eigenen Liebe für Janne, die ihn bereits vor Jahren verlassen hat, erkennt Tomas etwas ähnlich Bedingungsloses und Andauerndes wie bei Petrarca. Am Ende waren sie dennoch alle allein. Nicht nur die Erfahrung einer so tiefen Liebe ist lebensverändernd, sondern auch deren Verlust. Wie ist es möglich, angesichts einer so umfassenden Erfahrung weiterzuleben wie bisher?


Nun es ist schwere Kost: Es handelt von den großen und einschneidenden Erfahrungen: Liebe, Verlust, Krieg, Tod, von Altern und Verzweiflung, von Stagnation und der ewigen Wiederholung des Immergleichen. Vielleicht ist Das Jahrauch ein bisschen zu schwer zu Weihnachten.

Otto von Dana von Suffrin
Michael Lemling empfahl Otto von Dana von Suffrin. Sie wurde 1985 in München geboren. Sie studierte Politikwissenschaft, Neuere und Neueste Geschichte und Komparatistik in München, Neapel und Jerusalem. Seit 2009 ist sie Museums- und Stadtführerin in München. 2017 Promotion mit einer Arbeit zur Rolle von Wissenschaft und Ideologie im frühen Zionismus, seitdem Postdoc an der LMU. Sie lebt in München.

Otto ist ihr erster Roman. Zwei Schwestern – und ein Vater, der mehr als genug ist für eine Familie. In ihrem Romandebüt erzählt Dana von Suffrin, was es heißt, wenn ein starrköpfiger jüdischer Familienpatriarch zum Pflegefall wird. Und wie schwer es fällt, von einem Menschen Abschied zu nehmen, den man sein ganzes Leben eigentlich loswerden wollte. Für sein Umfeld war Otto, der pensionierte Ingenieur, schon immer eine Heimsuchung. Aber als er aus dem Krankenhaus zurückkehrt, ist alles noch viel schlimmer. Nach wie vor ist er aufbrausend, manipulativ, distanzlos und von wahnwitzigen Einfällen beseelt – aber jetzt ist er auch noch pflegebedürftig. Seinen erwachsenen Töchtern macht er unmissverständlich klar: Ich verlange, dass ihr für mich da seid. Und zwar immer. Auch Otto ist schwierige Kost zu Weihnachten.

Herkunft von Saša Stanišić
Einig waren sich alle vier Kritiker dagegen bei der Schlussvorstellung von Herkunft von Saša Stanišić. Der Autor wurde ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2019 und der Roman Herkunft ist im Moment in jeder Buchhandlung zu finden.

Saša Stanišić wurde 1978 im ehemals jugoslawischen Višegrad geboren und lebt heute im ehemals dänischen Altona. Er ist leidenschaftlicher Anhänger von Toast, Literatur und stationärer Buchhandel. Saša Stanišić erzählt in seinem autobiografischen Buch, wie er aus Bosnien nach Heidelberg kam und lernte, Eichendorff, Hölderlin und natürlich gefällt es den deutschen Literaten, wenn jemand Eichendorff und Hölderlin zitieren kann. Der Buchtext: „Herkunft ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem die Bundesregierung die Grenzen nicht schloss und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.“

Hier ein Auszug aus einem Video, wobei mir die Sprache sehr gut gefallen hat. Bitte achtet auf den ersten Satz. Schon dafür gebührt Saša Stanišić der Deutsche Buchpreis.

Weltpremiere: Der General muss weg von Michael und Elisabeth Buback
Zum Abschluss gab es eine Weltpremiere. Tobias Kurzmaier gelang es, vier Exemplare des Sachbuches „Der General muss weg“ druckfrisch aus Norddeutschland direkt aus der Druckerei zu besorgen. Das Buch erscheint erst 2020 und das werde ich mir auf jeden Fall besorgen.
Es ist ein Buch von Michael Buback über seinen von der RAF ermordeten Vater Siegfried Buback. Am Gründonnerstag 1977 wird Generalbundesanwalt Siegfried Buback in Karlsruhe ermordet, mit ihm sein Fahrer Wolfgang Göbel und der Justizbeamte Georg Wurster. 2007 wird seinem Sohn Michael Buback zugetragen, dass für das Attentat die Falschen verurteilt wurden. 2008 fasst Michael Buback seine damaligen Rechercheergebnisse in dem Buch Der zweite Tod meines Vaters zusammen. Diese führen 2010 zum Prozess vor dem Oberlandesgericht Stuttgart, in dem das frühere RAF-Mitglied Verena Becker wegen dreifachen Mordes angeklagt wird.

Der General muss weg! ist das akribische, erschütternde Protokoll der Verhandlungen vor dem OLG Stuttgart – aus der Feder von Michael Buback und seiner Ehefrau Elisabeth, beide Nebenkläger des Verfahrens. In diesem bestätigt sich, dass Verena Becker, die letztlich 2012 nur wegen Beihilfe verurteilt wird, geheime Informantin des Verfassungsschutzes gewesen ist. Mehr noch als das Ergebnis ist es der Verlauf der Verhandlungen, der die beklemmende Frage aufwirft: Wie weit geht der Staat in der Verteidigung seiner Interessen?
Dieses Buch „Der General muss weg!“: Siegfried Buback, die RAF und der Staatmuss ich mir besorgen, denn das Thema interessiert mich wirklich. Hier das Video von der Weltpremiere:

Buchtipp: Alien Covenant: David’‘s Drawings

3. Dezember 2019

Meine Gattin ist ein großer Fan von Alexander von Humboldt und dieser Universalgelehrte ist wirklich ein Genie. Wir schauen immer wieder die Ergebnisse seiner Reisen an und bewundern die Erkenntnisse dieses Mannes. Er brachte von seinen Reisen zahlreiche Skizzen und Zeichnungen von Flora und Fauna mit. Das gefällt mir – und als Filmfan hab ich ähnliches erlebt. Ich habe vor kurzem wieder Bücher zum Ridley Scott Film Alien Covenant zusammengetragen. Darunter auch das Buch Alien Covenant: David’’s Drawings. Das 1,9 Kilogramm schwere Buch beinhaltet die kompletten Zeichnungen von David, die zeigen, wie ein Android langsam verrückt wird. Ich habe dieses Buch in London bei Forbidden Planet erstanden.
Im Grunde ist das Buch wie ein wissenschaftliches Nachschlagewerk aufgebaut. Eigentlich befinden sich in dem eleganten Schuber zwei Bücher zum gleichen Thema. Das dünnere ist ein Interview-Sammelband mit den Künstlern Dane Hallett und Matt Hatton, die das Werk von David für den Film geschaffen haben. In den Gesprächen geht es sehr darum, wie die Zusammenarbeit mit Regisseur Ridley Scott war und welche Anforderungen er an die Künstler stellte. Die Zeichnungen wirkten alt, sind aber zumeist digital erstellt. Das Interessante: Obwohl die beiden unterschiedlichen Zeichner an Davids Zeichnungen gearbeitet haben, wirken sie so, als seien sie aus einem Guss. Hier haben die Concept-Artists wirklich Großartiges geleistet. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich gerne so eine signierte Zeichnung von den beiden Künstlern. Sie bekäme einen Ehrenplatz in meiner Sammlung.
Das zweite Buch im Schuber ist das Hauptwerk. Es enthält die Zeichnungen von David, die wir im Film sehen. Huschte die Kamera in Alien Covenant über die Bilder nur hinweg und zeigte uns eine viktorianische Hexenküche, so haben wir nun die Gelegenheit, die feinen Zeichnungen im Detail zu bewundern. Und es ist wirklich eine Abenteuerreise in die verrückte Gedankenwelt von David. Die Zeichnungen, die freilich digital erstellt wurden, zeigen die Feingliedrigkeit, die Details und die Tiefe der von David gesammelten Exponate. Es ist wie das Blättern in einem Anatomieatlas oder in einem Bestimmungsbuch für Pflanzen. Es ist eine Art visueller Führer durch eine unbekannte Welt, in der es immer wieder Neues zu entdecken gilt. Beim Durchblättern des Buches erschaudert es mich immer wieder, denn die Zeichnungen haben eine unglaubliche Tiefe – hier sieht man als Zuschauer, wie wichtig Ridley Scott ein perfektes Setdesign gewesen ist. Es wäre nur schön gewesen, wenn er beim Drehbuch von Alien Covenant auch so eine Tiefe an den Tag gelegt hätte bzw. den Film nachträglich nicht beschnitten hätte. Also klarer Buchtipp für Alien Covenant: David’’s Drawings

Buchkritik: Dragon Teeth – wie alles begann von Michael Crichton

20. November 2018
Ein Dino-Roman von Crichton aus dem Jahre 1974 wurde jetzt veröffentlicht.

Ein Dino-Roman von Crichton aus dem Jahre 1974 wurde jetzt veröffentlicht.

Was, es gibt einen neuen Roman von Michael Crichton? Der wunderbare Autor ist doch 2008 in LA verstorben und hinterließ so wichtige Romane wie Andromeda, Next, Sphere, 13. Krieger, Beute oder Airframe. Und er hinterließ uns die Dinos. Mit Dino Park und the lost Word – vergessene Welt schuf er Klassiker der Dino-Literatur, wie einst nur Sherlock-Holmes Autor Sir Arthur Conan Doyle mit Die vergessene Welt. Und die Erben dieses Crichton haben mit Dragon Teeth – Wie alles begann einen neuen, alten Roman herausgebracht. „Muss ich lesen“, war mein erster Reflex. Wie alles begann? – das deutet auf einen neuen Dino-Roman von Michael Crichton hin.
Der Verlag stellte mir dankenswerterweise das Buch Dragon Teeth zur Verfügung und nach dem Auspacken begann ich sofort zu lesen. Nach den ersten Zeilen war klar, es ist ein Crichton, es ist wirklich ein Crichton. Der Stil unverkennbar. Nach den ersten Seiten war klar, die Geschichte spielt im Wilden Westen. Ok, nach all den Gegenwarts- und Zukunftsromanen vor seinem Tode, jetzt ein Blick zurück. Sein Roman Der große Eisenbahnraub, der im Jahr 1855 spielt, war ja auch gelungen. Also Wilder Westen und Dinos, alles klar, dachte ich mir. Nach ein paar Kapiteln war klar, Dinos spielen in Dragon Teeth keine mit. Der Roman, der 1974 entstand und jetzt veröffentlicht wurde, dreht sich um die Jagd nach Fossilien und Sauerierknochen. Irgendwie sind Dinos drin, aber nicht, was ich erwartet habe. Der deutsche Titel Dragon Teeth – wie alles begann, hat mich auf die falsche Fährte gelockt. Ich hatte mir etwas völlig anderes bei dem Buch vorgestellt und war zunächst enttäuscht. Nein, ich war sogar ein wenig sauer auf die Werbung des Verlags, die ich als irreführend empfand.
Es ist ein Western mit einem interessanten Thema. Das Buch Dragon Teeth – Wie alles begann ist in einem historischen Kontext eingebettet, nämlich die Jagd der beiden konkurrierenden Knochenforscher Charles Marsh und Edward Drinker Cope im Jahre 1875. Die beiden Wissenschaftler gab es wirklich und die Rivalität ist belegt, nur die Figuren von Michael Critchon sind erfunden. Das Buch ließt sich flüssig, bringt überraschende Wendungen, bringt Revolverduelle, Indianderkriege, die rettende Kavallerie, Goldgräberstimmung, aber keine Dinos in der Form, wie ich sie erwartet hatte. Wer Western mag, wird hier einen spannenden und humorvollen Roman mit einer Prise Wissenschaft finden, wer Dinos à la Dino Park mag, der wird restlos enttäuscht sein. Die Dinos bleiben als Knochen zunächst im Sand, dann in der Kiste und werden durch den Westen gekarrt. Dann kommen sie ins Museum und dazwischen gibt es allerhand Schießereien, Intrigen, Liebelei – aber eben nur Dinos als Knochenfund.

Buchtipp A Map of the World als Beitrag zur Blogparade #DHMMeer

24. Juli 2018

In der New York Public Library stieß ich das erste Mal auf alte Seekarten. Dort gibt es einen speziellen Kartenraum mit historischen Karten und irgendwie fand ich mich mit Wissenschaftlern in diesem Raum wieder. Wir sichteten altes Kartenmaterial, vor allem Seefahrerkarten. Damit haben historische Seefahrer navigiert und sich auf den Weltmeeren zurecht gefunden. Als Student der Geografie hatte ich ein wenig mit thematischen Kartografie zu tun und konnte den US-Wissenschaftlern ein Halbwissen vorspielen bevor ich aufflog und des Raumes verwiesen wurde. 

Aber die alten Karten haben es mir angetan und hab ne Zeitlang Drucke von historischen Karten gesammelt. Das Hobby hab ich aufgegeben, doch die Liebe zu alten Karten ist geblieben. Und so stieß ich auf das schöne Buch A Map of the World. Es ist eine Sammlung verspielter wunderbar illustrierter Karten. Ich dachte dabei sofort an meine Bloggerclub-Kollegin Tanja Prakse. Sie betreut die Blogparade „Europa und das Meer – was bedeutet dir das Meer | #DHMMeer“ des Deutschen Historischen Museums Berlin. Und Karten von Europa und dem Meer gehören einfach in eine solche Blogparade dazu.

Immer wieder greife ich zu dem 2013 erschienenen Buch und hole mir Inspirationen. Der Bildband  wurde von 2013 von Gestalten aus Berlin auf Englisch herausgebracht und erhält in besonderer Form Geschichten. Der Untertitel des Buches heißt auch: „The World According to Illustrators and Storytellers“ und das passt ideal. 

Topographische oder physische Karten gibt es kaum, hier steht die thematische Kartografie in verschiedenen Ausprägungen im Vordergrund. Aber nicht als geografisches Studienfach, sondern man näherte sich dem Thema aus der Sichtweise des Designers. Für mich sollte das Buch im Studienfach thematische Kartografie besprochen werden, denn es zeigt, was durch Illustration möglich ist: Die Wandlung von thematischer Kartografie hin zur Infografik und damit zur Gebrauchsgrafik. Gerade Infografiken werden verstärkt in Print und Web eingesetzt und dieser Bildband bringt die richtige Inspiration. Und an diesem Beispiel sieht man den Zweck von Karten als Orientierungshilfe mit illustrierter Zusatzinformation. 

Als K1 das Buch in die Hände bekam, sah K1 sofort darin die Simulations- und Strategiepiele in Videogames. Und ich muss zugeben, so habe ich thematische Kartografie noch nie gesehen. K1 baut Städte, Häfen am Meer und lässt die virtuellen Schiffchen fahren. 

Aber zurück zum großartigen Buch. Das 224seitige Buch bietet unterschiedliche Herangehensweisen ans Thema Karte und zeigt dadurch die Vielfalt des Themas. Städtetipps, Stadtpläne, Seekarten, Scherenschnitte, Datenkumulation, 3D-Effekte und vieles mehr. Die Hintergrundinformationen als englischer Text sind relativ kurz geraten und es gibt eine Linksammlung als weitere Inspiration. Ich habe das Buch in meinen Arbeitszimmer stehen und packe es nicht wie sonst in mein Archiv, sondern greife immer wieder darauf zu und denke an meine alten Seekarten. 

Bis zur Apple Keynote blättere ich durch 20 Jahre Apple Geschichte

12. September 2017

Langsam beginnt bei mir wieder der Apple Hype. Als langjähriger Apple- und später Mac-User freue ich mich auf die heutige Keynote zum neuen iPhone. Es ist schon genug spekuliert worden, welche Features die neuen Apple Devices haben werden. Abwarten und Tee trinken – bald wissen wir mehr.
Für mich bedeutet eine anstehende Keynote auch immer in die Vergangenheit zu schauen. Apple hat mit seinen Produkten mein Leben bereichert. Ich hatte das Buch Designed by Apple in California am Erscheinscheinungstag 15. November 2016 gekauft. Heute begebe ich mich wieder auf einen Streifzug durch die jüngere Apple Geschichte. Im Vorfeld der heutigen Keynote holte ich das Buch hervor und schwelgte in der jüngeren Vergangenheit. Das Buch gibt keinen Überblick über die gesamte Geschichte von Apple Produkten. Es sind die Jahre ab der Einführung des iMacs. Ich selbst bin schon länger, viel länger dem Unternehmen aus Cupertino verbunden. Während ich diese Zeilen am iPad Pro tippe schaue ich auf eine Lisa, einer der ersten Flops des Unternehmens.


Steve Jobs kam zu Apple zurück und führte den Computerhersteller zu neuen Größen. Heute ist Apple das reichste Unternehmen auf diesem Planeten und hat sich von einer Computerbude zu einem Medienunternehmen gemausert. Diesen Weg zeigt auch das wunderbare Buch Designed by Apple in California. Ich habe mir die Luxusvariante des Buches in der Größe 330 x 413 mm gekauft und blättere gerne die 300 Seiten mit den 450 Fotografien durch. Es sind intensive Bilder, die Apple uns dort bietet. Viele Aufnahmen kennen wir aus PR- und Marketingkampagnen, doch es sind auch Produktionsskizzen und Produktionsbilder darunter. Alles exzellent fotografiert und auf hochwertigen Papier gedruckt. Schon alleine das Auspacken des Buches ist ein haptisches Erlebnis, wie das Auspacken eines Apple-Produktes.

Beim ersten Durchblättern empfinde ich eine Kühle bei den Produktfotos. Sir Jony schreibt auch in seinem Vorwort von einer detaillierten Sachlichkeit der Bilder. Aber diese Kühle verfliegt beim zweiten und dritten Durchsehen, denn der Apple Fan erkennt seine Produkte, mit denen er gearbeitet hat – zu denen er eine Beziehung aufgebaut hat: Macs, iPods, iPads, iPhones. Gedanken schwirren mir durch den Kopf: Was war eigentlich mein Lieblingsmac? Nun, auf jeden Fall die Miss Marple-Handtasche, der Lampen-iMac, das Wallstreet-PowerBook und ja auf jeden Fall der Cube. Weniger Emotionen hatte ich bei den G4 oder die G5-Käsereibe. Richtig das Herz ging mir auf bei den iPods und den iPhones. Dies waren Devices, die ich immer, ja wirklich immer dabei hatte. Sie waren und sind meine ständigen Begleiter.


Und es kommen mir Erinnerungen an einen Apple-Kalender, den wir damals bei der MACup herausgegeben haben. 12 Kalenderbilder wunderschön fotografiert, es macht mich noch heute stolz, dass wir damals das Projekt durchgezogen haben. Später durfte ich sogar noch einen Kalender mit Retro-Computern produzieren.
Zurück zu Designed by Apple in California: Mir ist aufgefallen, dass ich das Buch sehr sorgsam behandle. Gedruckt wurde es auf speziell gewalztem Papier aus Deutschland mit vergoldetem mattierten Silberrand, mit acht Farbtrennungen und Tinten mit geringem Geistereffekt. Es hat über acht Jahre gedauert, dieses Hardcover Buch fertigzustellen, behauptet zumindest Apple. Warum es so lange gedauert hat, weiß ich nicht. Wahrscheinlich lag es an den Rechten, aber das ist nur eine gemeine Vermutung.
Also, ich blättere das Buch nochmal in Ruhe durch und schaue mir nachträglich die Keynote im Stream an. Tim ist mir wichtig, aber in München habe ich ein Rendezvous mit Mick, Keith und den anderen rollenden Steinen. Viel Spaß bei der Keynote.

 

Buchtipp: Resturlaub von Tommy Jaud

28. April 2017
Nette Unterhaltung und mein Buchtipp für heute: Resturlaub

Nette Unterhaltung und mein Buchtipp für heute: Resturlaub

Keine große Literatur, aber für einen Tag nette Unterhalterung mit Lokalkolorit – so sehe ich das Buch Resturlaub: Das Zweitbuch von Tommy Jaud. Eigentlich lese ich solche Art von Romanen gar nicht, aber ich war neugierig.
Bei einem Abendessen mit dem Allgäuer Herrenausstatter Klaus Felbinger auf Einladung von Sabine und Armin Gross vom Hotel Prinz Luitpold Bad kamen wir auf die Franken zu sprechen. Ich arbeite sehr oft in Franken und mein bester Kumpel kommt auch aus Nürnberg. Die Allgäuer stellten fest, dass die Franken so ihre Marotten haben und ich konnte dem nur zustimmen. Da fiel Klaus Felbinger ein Buchtipp ein: Resturlaub von Tommy Jaud. Eine netter, harmloser Unterhaltungsroman, der zum Teil in Bamberg spielt. Nun, Bamberg ist mir gut bekannt, Franken sowieso und auf dem Nachhauseweg von der Esseneinladung bestellte ich mir auf gut Glück das Buch.
Innerhalb eines Tages hatte ich den Roman durch und musste – ich geb es gar nicht gerne zu – zeitweise richtig laut loslachen. Tommy Jaud, der eigentlich aus Schweinfurt kommt, spiegelte die fränkische Mentalität in diesem Buch sehr, sehr gut wider. Hinzu kommen noch Dialekteinflüsse aus Stuttgart und der Spaß ist komplett. Das ganze ist eine Art moderner Männerroman geworden. Ein Mann auf der Flucht vor sich selbst. Er will vor Freundin, Job und drohendem Einfamilienaus aussteigen, flieht nach Argentinien und kommt reumütig nach Bamberg in sein langweiliges Leben zurück. Trotz starker Humoreinlagen eigentlich ein tottrauriges Buch über ein fränkisches Spießerleben.
Wer also in seiner Midlife-Crisis ist, wer aus Franken kommt oder wer mal ein wenig laut loslachen will, der sollte sich dieses Buch für ein paar Stunden reinziehen. Wie gesagt, Resturlaub: Das Zweitbuch ist keine große Literatur, aber harmlose Unterhaltung mit einem – für mich – deprimierendem Ende. Mir hat es ganz gut gefallen.

Buchtipp: Prater von Helfried Valenta

5. März 2017
Macht Lust auf Wien. Prater Kupferne Nächte

Macht Lust auf Wien. Prater Kupferne Nächte

„Gibt es eigentlich einen Ort, der einsamer ist, als ein Vergnügungspark nach Mitternacht?“ Diese Frage stellt Peter Lindhorst bei dem sehenswerten Fotobuch Kupferne Nächte Prater von Helfried Valenta.
Ich entdeckte das Buch in einem Regal einer Buchhandlung, blätterte es durch und kaufte es sofort, weil mir die Idee absolut gefällt. Was passiert in einem Vergnügungspark, wenn die Gäste gegangen sind? Wenn der Krach der Musik verklungen, wenn die unterhaltungswütigen Besucher gegangen und wenn die Fahrgeschäfte stehen, was passiert dann in dieser Stille? Diese Stille und die damit verbunden Stimmung wirkt sich auf die Bilder von Helfried Valenta aus. Mit Langzeitbelichtung und Stativ rückt der den Motiven zu Leibe und erzeugt eine eigenartige Stimmung. Das Restlicht von Wien erhellt die Fahrgeschäfte des Praters und sorgt für eine seltsame Atmosphäre.


Vielleicht bin ich schon verdorben von Hollywood-Schnund und B- und C-Movies, die auf Jahrmärkten spielen. Hier verstecken sich mutige und pubertierende Jugendliche, um Mutproben und erotische Abenteuer zu erleben und der Vergnügungspark verwandelt sich in einen Ort der Angst und des Schreckens. Tope Hooper, Rob Zombie und ähnliche Schreckgespenster auf dem Regiestuhl drängen sich mir hier auf, als ich die Bilder betrachtete. Dabei strahlen die Fotos von Helfried Valenta eine Ruhe und eine Melancholie aus, die wunderbar in Szene gesetzt wurde. In mir kommt der Wunsch auf, die gleiche kupferne Atmosphäre zu genießen, nahezu aufzusaugen wie ein Schwamm. Beim Durchblättern des gelungenen Buches mag ich vor allem die verlassenen Figuren: Der Teufel, der Matrose, die Krake. Sie sehen so traurig aus, so einsam.
Das Buch macht Lust auf Fotos und das ist bei all der Melancholie eine wirklich positive Begleiterscheinung. Ich kann dieses Buch wirklich empfehlen, all den Fotofreunden, all den Wienfreunden und all den Melancholikern.