Posts Tagged ‘Buchtipp’

Buchtipp: Alien Covenant: David’‘s Drawings

3. Dezember 2019

Meine Gattin ist ein großer Fan von Alexander von Humboldt und dieser Universalgelehrte ist wirklich ein Genie. Wir schauen immer wieder die Ergebnisse seiner Reisen an und bewundern die Erkenntnisse dieses Mannes. Er brachte von seinen Reisen zahlreiche Skizzen und Zeichnungen von Flora und Fauna mit. Das gefällt mir – und als Filmfan hab ich ähnliches erlebt. Ich habe vor kurzem wieder Bücher zum Ridley Scott Film Alien Covenant zusammengetragen. Darunter auch das Buch Alien Covenant: David’’s Drawings. Das 1,9 Kilogramm schwere Buch beinhaltet die kompletten Zeichnungen von David, die zeigen, wie ein Android langsam verrückt wird. Ich habe dieses Buch in London bei Forbidden Planet erstanden.
Im Grunde ist das Buch wie ein wissenschaftliches Nachschlagewerk aufgebaut. Eigentlich befinden sich in dem eleganten Schuber zwei Bücher zum gleichen Thema. Das dünnere ist ein Interview-Sammelband mit den Künstlern Dane Hallett und Matt Hatton, die das Werk von David für den Film geschaffen haben. In den Gesprächen geht es sehr darum, wie die Zusammenarbeit mit Regisseur Ridley Scott war und welche Anforderungen er an die Künstler stellte. Die Zeichnungen wirkten alt, sind aber zumeist digital erstellt. Das Interessante: Obwohl die beiden unterschiedlichen Zeichner an Davids Zeichnungen gearbeitet haben, wirken sie so, als seien sie aus einem Guss. Hier haben die Concept-Artists wirklich Großartiges geleistet. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich gerne so eine signierte Zeichnung von den beiden Künstlern. Sie bekäme einen Ehrenplatz in meiner Sammlung.
Das zweite Buch im Schuber ist das Hauptwerk. Es enthält die Zeichnungen von David, die wir im Film sehen. Huschte die Kamera in Alien Covenant über die Bilder nur hinweg und zeigte uns eine viktorianische Hexenküche, so haben wir nun die Gelegenheit, die feinen Zeichnungen im Detail zu bewundern. Und es ist wirklich eine Abenteuerreise in die verrückte Gedankenwelt von David. Die Zeichnungen, die freilich digital erstellt wurden, zeigen die Feingliedrigkeit, die Details und die Tiefe der von David gesammelten Exponate. Es ist wie das Blättern in einem Anatomieatlas oder in einem Bestimmungsbuch für Pflanzen. Es ist eine Art visueller Führer durch eine unbekannte Welt, in der es immer wieder Neues zu entdecken gilt. Beim Durchblättern des Buches erschaudert es mich immer wieder, denn die Zeichnungen haben eine unglaubliche Tiefe – hier sieht man als Zuschauer, wie wichtig Ridley Scott ein perfektes Setdesign gewesen ist. Es wäre nur schön gewesen, wenn er beim Drehbuch von Alien Covenant auch so eine Tiefe an den Tag gelegt hätte bzw. den Film nachträglich nicht beschnitten hätte. Also klarer Buchtipp für Alien Covenant: David’’s Drawings

Buchkritik: Dragon Teeth – wie alles begann von Michael Crichton

20. November 2018
Ein Dino-Roman von Crichton aus dem Jahre 1974 wurde jetzt veröffentlicht.

Ein Dino-Roman von Crichton aus dem Jahre 1974 wurde jetzt veröffentlicht.

Was, es gibt einen neuen Roman von Michael Crichton? Der wunderbare Autor ist doch 2008 in LA verstorben und hinterließ so wichtige Romane wie Andromeda, Next, Sphere, 13. Krieger, Beute oder Airframe. Und er hinterließ uns die Dinos. Mit Dino Park und the lost Word – vergessene Welt schuf er Klassiker der Dino-Literatur, wie einst nur Sherlock-Holmes Autor Sir Arthur Conan Doyle mit Die vergessene Welt. Und die Erben dieses Crichton haben mit Dragon Teeth – Wie alles begann einen neuen, alten Roman herausgebracht. „Muss ich lesen“, war mein erster Reflex. Wie alles begann? – das deutet auf einen neuen Dino-Roman von Michael Crichton hin.
Der Verlag stellte mir dankenswerterweise das Buch Dragon Teeth zur Verfügung und nach dem Auspacken begann ich sofort zu lesen. Nach den ersten Zeilen war klar, es ist ein Crichton, es ist wirklich ein Crichton. Der Stil unverkennbar. Nach den ersten Seiten war klar, die Geschichte spielt im Wilden Westen. Ok, nach all den Gegenwarts- und Zukunftsromanen vor seinem Tode, jetzt ein Blick zurück. Sein Roman Der große Eisenbahnraub, der im Jahr 1855 spielt, war ja auch gelungen. Also Wilder Westen und Dinos, alles klar, dachte ich mir. Nach ein paar Kapiteln war klar, Dinos spielen in Dragon Teeth keine mit. Der Roman, der 1974 entstand und jetzt veröffentlicht wurde, dreht sich um die Jagd nach Fossilien und Sauerierknochen. Irgendwie sind Dinos drin, aber nicht, was ich erwartet habe. Der deutsche Titel Dragon Teeth – wie alles begann, hat mich auf die falsche Fährte gelockt. Ich hatte mir etwas völlig anderes bei dem Buch vorgestellt und war zunächst enttäuscht. Nein, ich war sogar ein wenig sauer auf die Werbung des Verlags, die ich als irreführend empfand.
Es ist ein Western mit einem interessanten Thema. Das Buch Dragon Teeth – Wie alles begann ist in einem historischen Kontext eingebettet, nämlich die Jagd der beiden konkurrierenden Knochenforscher Charles Marsh und Edward Drinker Cope im Jahre 1875. Die beiden Wissenschaftler gab es wirklich und die Rivalität ist belegt, nur die Figuren von Michael Critchon sind erfunden. Das Buch ließt sich flüssig, bringt überraschende Wendungen, bringt Revolverduelle, Indianderkriege, die rettende Kavallerie, Goldgräberstimmung, aber keine Dinos in der Form, wie ich sie erwartet hatte. Wer Western mag, wird hier einen spannenden und humorvollen Roman mit einer Prise Wissenschaft finden, wer Dinos à la Dino Park mag, der wird restlos enttäuscht sein. Die Dinos bleiben als Knochen zunächst im Sand, dann in der Kiste und werden durch den Westen gekarrt. Dann kommen sie ins Museum und dazwischen gibt es allerhand Schießereien, Intrigen, Liebelei – aber eben nur Dinos als Knochenfund.

Buchtipp A Map of the World als Beitrag zur Blogparade #DHMMeer

24. Juli 2018

In der New York Public Library stieß ich das erste Mal auf alte Seekarten. Dort gibt es einen speziellen Kartenraum mit historischen Karten und irgendwie fand ich mich mit Wissenschaftlern in diesem Raum wieder. Wir sichteten altes Kartenmaterial, vor allem Seefahrerkarten. Damit haben historische Seefahrer navigiert und sich auf den Weltmeeren zurecht gefunden. Als Student der Geografie hatte ich ein wenig mit thematischen Kartografie zu tun und konnte den US-Wissenschaftlern ein Halbwissen vorspielen bevor ich aufflog und des Raumes verwiesen wurde. 

Aber die alten Karten haben es mir angetan und hab ne Zeitlang Drucke von historischen Karten gesammelt. Das Hobby hab ich aufgegeben, doch die Liebe zu alten Karten ist geblieben. Und so stieß ich auf das schöne Buch A Map of the World. Es ist eine Sammlung verspielter wunderbar illustrierter Karten. Ich dachte dabei sofort an meine Bloggerclub-Kollegin Tanja Prakse. Sie betreut die Blogparade „Europa und das Meer – was bedeutet dir das Meer | #DHMMeer“ des Deutschen Historischen Museums Berlin. Und Karten von Europa und dem Meer gehören einfach in eine solche Blogparade dazu.

Immer wieder greife ich zu dem 2013 erschienenen Buch und hole mir Inspirationen. Der Bildband  wurde von 2013 von Gestalten aus Berlin auf Englisch herausgebracht und erhält in besonderer Form Geschichten. Der Untertitel des Buches heißt auch: „The World According to Illustrators and Storytellers“ und das passt ideal. 

Topographische oder physische Karten gibt es kaum, hier steht die thematische Kartografie in verschiedenen Ausprägungen im Vordergrund. Aber nicht als geografisches Studienfach, sondern man näherte sich dem Thema aus der Sichtweise des Designers. Für mich sollte das Buch im Studienfach thematische Kartografie besprochen werden, denn es zeigt, was durch Illustration möglich ist: Die Wandlung von thematischer Kartografie hin zur Infografik und damit zur Gebrauchsgrafik. Gerade Infografiken werden verstärkt in Print und Web eingesetzt und dieser Bildband bringt die richtige Inspiration. Und an diesem Beispiel sieht man den Zweck von Karten als Orientierungshilfe mit illustrierter Zusatzinformation. 

Als K1 das Buch in die Hände bekam, sah K1 sofort darin die Simulations- und Strategiepiele in Videogames. Und ich muss zugeben, so habe ich thematische Kartografie noch nie gesehen. K1 baut Städte, Häfen am Meer und lässt die virtuellen Schiffchen fahren. 

Aber zurück zum großartigen Buch. Das 224seitige Buch bietet unterschiedliche Herangehensweisen ans Thema Karte und zeigt dadurch die Vielfalt des Themas. Städtetipps, Stadtpläne, Seekarten, Scherenschnitte, Datenkumulation, 3D-Effekte und vieles mehr. Die Hintergrundinformationen als englischer Text sind relativ kurz geraten und es gibt eine Linksammlung als weitere Inspiration. Ich habe das Buch in meinen Arbeitszimmer stehen und packe es nicht wie sonst in mein Archiv, sondern greife immer wieder darauf zu und denke an meine alten Seekarten. 

Bis zur Apple Keynote blättere ich durch 20 Jahre Apple Geschichte

12. September 2017

Langsam beginnt bei mir wieder der Apple Hype. Als langjähriger Apple- und später Mac-User freue ich mich auf die heutige Keynote zum neuen iPhone. Es ist schon genug spekuliert worden, welche Features die neuen Apple Devices haben werden. Abwarten und Tee trinken – bald wissen wir mehr.
Für mich bedeutet eine anstehende Keynote auch immer in die Vergangenheit zu schauen. Apple hat mit seinen Produkten mein Leben bereichert. Ich hatte das Buch Designed by Apple in California am Erscheinscheinungstag 15. November 2016 gekauft. Heute begebe ich mich wieder auf einen Streifzug durch die jüngere Apple Geschichte. Im Vorfeld der heutigen Keynote holte ich das Buch hervor und schwelgte in der jüngeren Vergangenheit. Das Buch gibt keinen Überblick über die gesamte Geschichte von Apple Produkten. Es sind die Jahre ab der Einführung des iMacs. Ich selbst bin schon länger, viel länger dem Unternehmen aus Cupertino verbunden. Während ich diese Zeilen am iPad Pro tippe schaue ich auf eine Lisa, einer der ersten Flops des Unternehmens.


Steve Jobs kam zu Apple zurück und führte den Computerhersteller zu neuen Größen. Heute ist Apple das reichste Unternehmen auf diesem Planeten und hat sich von einer Computerbude zu einem Medienunternehmen gemausert. Diesen Weg zeigt auch das wunderbare Buch Designed by Apple in California. Ich habe mir die Luxusvariante des Buches in der Größe 330 x 413 mm gekauft und blättere gerne die 300 Seiten mit den 450 Fotografien durch. Es sind intensive Bilder, die Apple uns dort bietet. Viele Aufnahmen kennen wir aus PR- und Marketingkampagnen, doch es sind auch Produktionsskizzen und Produktionsbilder darunter. Alles exzellent fotografiert und auf hochwertigen Papier gedruckt. Schon alleine das Auspacken des Buches ist ein haptisches Erlebnis, wie das Auspacken eines Apple-Produktes.

Beim ersten Durchblättern empfinde ich eine Kühle bei den Produktfotos. Sir Jony schreibt auch in seinem Vorwort von einer detaillierten Sachlichkeit der Bilder. Aber diese Kühle verfliegt beim zweiten und dritten Durchsehen, denn der Apple Fan erkennt seine Produkte, mit denen er gearbeitet hat – zu denen er eine Beziehung aufgebaut hat: Macs, iPods, iPads, iPhones. Gedanken schwirren mir durch den Kopf: Was war eigentlich mein Lieblingsmac? Nun, auf jeden Fall die Miss Marple-Handtasche, der Lampen-iMac, das Wallstreet-PowerBook und ja auf jeden Fall der Cube. Weniger Emotionen hatte ich bei den G4 oder die G5-Käsereibe. Richtig das Herz ging mir auf bei den iPods und den iPhones. Dies waren Devices, die ich immer, ja wirklich immer dabei hatte. Sie waren und sind meine ständigen Begleiter.


Und es kommen mir Erinnerungen an einen Apple-Kalender, den wir damals bei der MACup herausgegeben haben. 12 Kalenderbilder wunderschön fotografiert, es macht mich noch heute stolz, dass wir damals das Projekt durchgezogen haben. Später durfte ich sogar noch einen Kalender mit Retro-Computern produzieren.
Zurück zu Designed by Apple in California: Mir ist aufgefallen, dass ich das Buch sehr sorgsam behandle. Gedruckt wurde es auf speziell gewalztem Papier aus Deutschland mit vergoldetem mattierten Silberrand, mit acht Farbtrennungen und Tinten mit geringem Geistereffekt. Es hat über acht Jahre gedauert, dieses Hardcover Buch fertigzustellen, behauptet zumindest Apple. Warum es so lange gedauert hat, weiß ich nicht. Wahrscheinlich lag es an den Rechten, aber das ist nur eine gemeine Vermutung.
Also, ich blättere das Buch nochmal in Ruhe durch und schaue mir nachträglich die Keynote im Stream an. Tim ist mir wichtig, aber in München habe ich ein Rendezvous mit Mick, Keith und den anderen rollenden Steinen. Viel Spaß bei der Keynote.

 

Buchtipp: Resturlaub von Tommy Jaud

28. April 2017
Nette Unterhaltung und mein Buchtipp für heute: Resturlaub

Nette Unterhaltung und mein Buchtipp für heute: Resturlaub

Keine große Literatur, aber für einen Tag nette Unterhalterung mit Lokalkolorit – so sehe ich das Buch Resturlaub: Das Zweitbuch von Tommy Jaud. Eigentlich lese ich solche Art von Romanen gar nicht, aber ich war neugierig.
Bei einem Abendessen mit dem Allgäuer Herrenausstatter Klaus Felbinger auf Einladung von Sabine und Armin Gross vom Hotel Prinz Luitpold Bad kamen wir auf die Franken zu sprechen. Ich arbeite sehr oft in Franken und mein bester Kumpel kommt auch aus Nürnberg. Die Allgäuer stellten fest, dass die Franken so ihre Marotten haben und ich konnte dem nur zustimmen. Da fiel Klaus Felbinger ein Buchtipp ein: Resturlaub von Tommy Jaud. Eine netter, harmloser Unterhaltungsroman, der zum Teil in Bamberg spielt. Nun, Bamberg ist mir gut bekannt, Franken sowieso und auf dem Nachhauseweg von der Esseneinladung bestellte ich mir auf gut Glück das Buch.
Innerhalb eines Tages hatte ich den Roman durch und musste – ich geb es gar nicht gerne zu – zeitweise richtig laut loslachen. Tommy Jaud, der eigentlich aus Schweinfurt kommt, spiegelte die fränkische Mentalität in diesem Buch sehr, sehr gut wider. Hinzu kommen noch Dialekteinflüsse aus Stuttgart und der Spaß ist komplett. Das ganze ist eine Art moderner Männerroman geworden. Ein Mann auf der Flucht vor sich selbst. Er will vor Freundin, Job und drohendem Einfamilienaus aussteigen, flieht nach Argentinien und kommt reumütig nach Bamberg in sein langweiliges Leben zurück. Trotz starker Humoreinlagen eigentlich ein tottrauriges Buch über ein fränkisches Spießerleben.
Wer also in seiner Midlife-Crisis ist, wer aus Franken kommt oder wer mal ein wenig laut loslachen will, der sollte sich dieses Buch für ein paar Stunden reinziehen. Wie gesagt, Resturlaub: Das Zweitbuch ist keine große Literatur, aber harmlose Unterhaltung mit einem – für mich – deprimierendem Ende. Mir hat es ganz gut gefallen.

Buchtipp: Prater von Helfried Valenta

5. März 2017
Macht Lust auf Wien. Prater Kupferne Nächte

Macht Lust auf Wien. Prater Kupferne Nächte

„Gibt es eigentlich einen Ort, der einsamer ist, als ein Vergnügungspark nach Mitternacht?“ Diese Frage stellt Peter Lindhorst bei dem sehenswerten Fotobuch Kupferne Nächte Prater von Helfried Valenta.
Ich entdeckte das Buch in einem Regal einer Buchhandlung, blätterte es durch und kaufte es sofort, weil mir die Idee absolut gefällt. Was passiert in einem Vergnügungspark, wenn die Gäste gegangen sind? Wenn der Krach der Musik verklungen, wenn die unterhaltungswütigen Besucher gegangen und wenn die Fahrgeschäfte stehen, was passiert dann in dieser Stille? Diese Stille und die damit verbunden Stimmung wirkt sich auf die Bilder von Helfried Valenta aus. Mit Langzeitbelichtung und Stativ rückt der den Motiven zu Leibe und erzeugt eine eigenartige Stimmung. Das Restlicht von Wien erhellt die Fahrgeschäfte des Praters und sorgt für eine seltsame Atmosphäre.


Vielleicht bin ich schon verdorben von Hollywood-Schnund und B- und C-Movies, die auf Jahrmärkten spielen. Hier verstecken sich mutige und pubertierende Jugendliche, um Mutproben und erotische Abenteuer zu erleben und der Vergnügungspark verwandelt sich in einen Ort der Angst und des Schreckens. Tope Hooper, Rob Zombie und ähnliche Schreckgespenster auf dem Regiestuhl drängen sich mir hier auf, als ich die Bilder betrachtete. Dabei strahlen die Fotos von Helfried Valenta eine Ruhe und eine Melancholie aus, die wunderbar in Szene gesetzt wurde. In mir kommt der Wunsch auf, die gleiche kupferne Atmosphäre zu genießen, nahezu aufzusaugen wie ein Schwamm. Beim Durchblättern des gelungenen Buches mag ich vor allem die verlassenen Figuren: Der Teufel, der Matrose, die Krake. Sie sehen so traurig aus, so einsam.
Das Buch macht Lust auf Fotos und das ist bei all der Melancholie eine wirklich positive Begleiterscheinung. Ich kann dieses Buch wirklich empfehlen, all den Fotofreunden, all den Wienfreunden und all den Melancholikern.

Buchtipp: Mad Men und die Mid-Century Ads von Jim Heimann, Steven Heller

26. Juli 2015

aufmacher

Die Serie Mad Men wurde mit zahlreichen Fernsehpreisen überhäuft. Obwohl ich nie Werber werden wollte, fasziniert mich die Atmosphäre dieser Serie und der dazugehörigen Branche. Ich habe die Serie um den fiktiven Werbetexter Don Draper genossen und bisher alle Teile auf DVD verschlungen. Mad Men bedeutet ja eigentlich Men of Madison Avenue, dem Zentrum der US-Werbeindustrie. Wie später die Meister des Universums an der Wallstreet waren hier Meister der Beeinflussung am Werk.
Die Serie war so detailreich und machte durch diese Details einfach Spaß. Wer sich die Zeit nimmt, wird feststellen, wie liebevoll an die ganze Sache herangegangen wurde. Es stimmt einfach alles: Musik, Tapeten, Autos, Einrichtung sogar die Frisuren und die Klamotten. Das Setdesign hat ganze Arbeit geleistet. In der Serie selbst geht es ums Geld verdienen, Frauen vernaschen, Fremdgehen, Alkohol trinken und Zigaretten rauchen. Die Serie zieht sich durch die spannende Zeit der sechziger Jahre und ist eine prima TV-Unterhaltung. Sie zeigt eine Zeitenwende – wie aus den konservativen 50ern die progressiven 60er wurden. Es ist schön, wie historische Momente mit der Fiction der Erzählstory verwoben werden, seien es die Mondlandung, die Ermordung von Dr. Martin Luther King, die Beatles oder die Beatniks in Greenich Village.


Beim Betrachten der Serie kam bei mir mehr und mehr das Interesse an der Werbung dieser Zeit auf. Schließlich nehmen Werbekampagnen und der Kampf um Werbeetats einen großen Raum in Mad Men ein und der Zuschauer wird an die Werbephilosophie der Zeit durch den Hauptprotagonisten Don Draper herangeführt. Wie tickt eigentlich so ein Werber? Und was macht eigentlich eine gute Werbung aus? Wie sah das Storytelling aus? Ich stellte mir immer die Frage: Wie war eigentlich die Werbung in dieser Zeit? Ich selbst bin durch die Werbung der siebziger und achtziger Jahre sozialisiert worden, durch Bärenmarke, Kinderschokolade, Klementine und Palomliv. Ich kenne Herrn Kaiser, den Käfer, vielleicht noch ein wenig das HB-Männchen und den Malboro-Mann. Gerade eben hat die Allianz die Werbespots meiner Jugend online gestellt – großartig. Doch wie funktionierte Werbung in den fünfziger und sechziger Jahren?


Von Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan stammt der Ausspruch „Werbung ist die Höhenmalerei des 20. Jahrhunderts.“ McLuhans Werk gilt als ein Grundstein der Medientheorie.
Ich entdeckte bei meiner Recherche den zweibändigen Bildband Mid-Century Ads von Jim Heimann und Steven Heller aus dem Taschen Verlag. Dieses zweibändige Werk versammelt Bestleistungen amerikanischer Printwerbung in der Epoche, als Markenfirmen und Agenturen bei ihren Kampagnen noch auf die eine „Big Idea“ setzten. In den goldenen Tagen der Konsumbegeisterung waren die Magazine voll mit cleveren Anzeigen, die von Hüfthaltern bis zu Waffen so ziemlich alles verkauften. Am meisten liebte ich die Autowerbung. Als Ausdruck von ungebremstem Optimismus zeichnen sie ein faszinierendes Bild jenes bunten Kapitalismus, der die Atmosphäre der 50er und 60er Jahre prägte, als die Beschäftigung mit dem Kalten Krieg durch die sorglose Mad Men-Ära mit ihrer Alkohol- und Zigarettenkultur abgelöst wurde. Das Buch enthält ein breites Spektrum der wichtigsten Werbekampagnen beider Dekaden, ausgewählt aus Tausenden von Bildern. Für diese Publikation Mid-Century Ads wurden die Motive digital überarbeitet, damit sie wieder so frisch und munter aussehen wie an dem Tag, als sie am Kiosk auslagen.

Buchtipp: Der Marsianer von Andy Weir

20. Juli 2015
Schöne Urlaubslektüre

Schöne Urlaubslektüre

Ich habe lange keinen Roman mehr gelesen. Die meiste Zeit meiner Freizeit lese ich Sachbücher und Biografien, aber als Science Fiction-Fan musste ich zu Andy Weirs Roman Der Marsianer greifen. Das Buch wird von Altmeister Ridley Scott verfilmt und das war eine weitere Motivation für die Lektüre. Am 8. Oktober kommt der Film in die Kinos. Der Trailer hat noch einige Übersetzungsfehler.


Der Marsianer ist das Debüt von Andy Weir, der eigentlich Progammierer ist. Jetzt kann er diesen Job an den Nagel hängen und sich dem Schreiben widmen. Der Kerl hat Talent, absolutes Talent. Das Buch macht Spaß und fesselt. Im Grunde ist es eine Art Space-MacGyver. Der Astronaut Mark Watney wird auf dem Mars zurückgelassen und muss sich bis zu seiner Rettung durchschlagen. Not macht erfinderisch und er zimmert sich seine Welt, wie er sie benötigt und dies über 500 Seiten.
Die ersten Hundert Seiten zeigen den Überlebenskampf aus der Ich-Perspektive als eine Art Logbuch. Wir erfahren viel über die Stimmungen und Gefühle, die Geisteshaltung und lernen den Charakter des Protagonisten kennen. Erst spät wird die lineare Handlung durch weitere Erzählstränge unterbrochen und der Leser bekommt die Perspektiven aus der Sicht der NASA von der Erde und von Watneys ehemaligen Crew-Kollegen. Das ist ein gelungener dramaturgischer Schachzug von Andy Weir. Der Handlungs- und Zeitablauf bleibt klassisch linear, ein Zeitenwechsel findet nur einmal bei der Produktionsbeschreibung einer Plane statt.
Der Stil ist wissenschaftlich detailverliebt. Ein wenig Durchhaltevermögen sollte der Leser daher schon mitbringen, wenn sich Andy Weir in Physik und Chemie ergeht. Bei MacGyver war es nie so tief, aber das ist ja auch nur billige TV-Unterhaltung. Für mich als interessierten Laien klingen die Ausführungen absolut überzeugend und so liebe ich Science Fiction. Fantasie mit Science Facts, das ist die richtige Mischung.
Der Humor des Buches ist eigen, aber durchaus gut. Ich habe diesen Humor bei Wissenschaftlern und Forschern in meinem Freundeskreis kennengelernt. Das sind diese Typen, die über Schrödingers Katze lachen können. Es ist manches mal ein feiner Nerd-Humor, dann aber auch der klassische Schenkelklopfer – für mich eine gute Mischung.
Die Moral des Buches kommt zum Schluss, vielleicht ein wenig dick aufgetragen. Aber wahrscheinlich für amerikanische Leser gedacht, für mich klang es etwas pathetisch. Jeder Mensch hat den Urinstinkt einen anderen Menschen in Not zu helfen. „Das ist eine grundlegende menschliche Qualität, die man überall und ohne Ausnahmen in allen Kulturen findet.“ Das klingt doch schön und daher ein klarer Leserbefehl des Buches Der Marsianer zur Urlaubszeit.

Buchtipp: Die besten Pressefotos der Welt

17. Februar 2015

worldpress

Wie jedes Jahr warte ich auf die Veröffentlichung des World Press Photos, des besten Pressefotos. Ich schaue, wenn möglich die Ausstellung an und ich kaufe immer das zur Ausstellung erschienene Buch. Dieses Jahr ist es das World Press Photo 14.
Das World Press Photo des Jahres 2013 stammt von John Stanmeyer und zeigt afrikanische Migranten am Strand von Dschibuti. Sie halten nachts ihre Handys in die Luft, um ein Signal aus Somalia aufzufangen, um nach Hause zu telefonieren.

WPP in einer Ausstellung in Pasing. Foto: Lange

WPP in einer Ausstellung in Pasing. Foto: Lange

Die Internationale Stiftung World Press Photo ist eine unabhängige, gemeinnützige Organisation zur Förderung und Unterstützung der Pressefotografie und des freien Meinungsaustausch ist weltweit. Jedes Jahr lädt die Stiftung zum wichtigsten und renommiertesten Wettbewerb ein. Eine unabhängige, internationale Fachjury beurteilt alle Einsendungen und vergibt die Preise unter anderem in folgenden Kategorien: Menschen in den Schlagzeilen, harte Fakten, aktuelle Themen, Portraits, Kunst und Kultur, Natur, Sport.


Insgesamt haben 5754 Fotografen im Jahr 2013 an dem Wettbewerb teilgenommen. Sie stammen aus 132 Länder und schickten 98671 Fotos ein. Das vorliegende Buch World Press Photo 14 zeigt alle von der Jury prämierten Fotos. Es sind 53 preisgekrönte Fotografen aus 25 Nationen mit 151 Fotos. Nach der Weltpremiere 2014 in Amsterdam gibt es eine Ausstellung mit den Bildern, die weltweit in circa 100 Metropolen in etwa 45 Ländern gezeigt wird. Bis zum 21. Februar 2015 macht sie in München in den Pasing Arcaden Station. Ich habe gestern darüber gebloggt. Grundlage für diesen Wettbewerb und die Ausstellung waren Fotos, 2013 publiziert wurden. Einsendeschluss war Anfang 2014.

Buchtipp: Darth Paper schlägt zurück

11. Juli 2014

Heute mal ein Buchtipp für die jüngeren Leser oder für Eltern von jüngeren Lesern. Es stammt natürlich aus dem weiten Raum des Star Wars-Universums und mein Sohn liebt es abgöttisch, Darth Paper schlägt zurück. Es ist ein Jugendbuch, geschrieben von Tom Angleberger. Bei dem Buch handelt es sich um den zweiten Band der Origami-Yoda-Romane von denen inzwischen bereits vier Bände auf Deutsch erschienen sind. Der fünfte Band erscheint im Januar 2015 bei uns. In Deutschland erscheinen seine Bücher beim Baumhaus-Verlag, einem Unterlagverlag von Bastei-Lübbe Verlag.

Darth_Paper

Beginnen möchte ich einmal mit dem Autoren Tom Angleberger. Er ist US-Amerikaner und lebt als Autor von Kinderbüchern in Virgina, USA. Er begann seine Karriere als Journalist bei der örtlichen Tageszeitung und berichtete über Sitzungen von Gemeinderäten. Wahrscheinlich müssen diese Sitzungen so öde gewesen sein, dass er zu zeichnen begann. Das kann ich durchaus verstehen, denn ich machte auch die wichtige Ochsentour durch die Lokalredaktion und langweilte mich auch so manches Mal. In den Sitzungen begann Angleberger immer wieder zu zeichnen und entdeckte sein Talent. Als großer Fan der Star Wars-Kinofime entschied er sich, ein Buch über sein Hobby Star Wars zu veröffentlichen. Es handelte sich um das Buch: Yoda ich bin! Alles ich weiß!

Damit war der Grundstock für eine erfolgreiche Karriere als Buchautor gelegt. Er entwickelte aus dem Stoff die Origami-Yoda-Romane, die sich heute sehr erfolgreich verkaufen.

Die Bände lauten:

Band 1 – Yoda ich bin! Alles ich weiß!

Band 2 – Darth Paper schlägt zurück

Band 3 – Star Wars Wookiee – Zwischen Himmel und Hölle

Band 4 – Papp-Jabba greift an

Band 5 – Prinzessin Origami-Leia: Rettung in Sicht – erscheint 2015

Um die Bücher von Tom Angleberger überhaupt verstehen zu können, muss der Leser sich im Universum von Star Wars auskennen. Der Leser muss die Figuren der erfolgreichen Kinofilmreihe von George Lucas kennen, um zu wissen, wie die Figuren in den Büchern reagieren und warum sie so reagieren. Kennt man die Figuren aus den Star Wars-Filmen nicht, so hat man als Leser auch keine Chance, die Bücher von Tom Angleberger zu verstehen oder überhaupt Gefallen an ihnen zu finden.

Und damit wären wir auch schon bei unserem Buch Darth Paper schlägt zurück. Schon alleine der Titel ist eine Anspielung auf Star Wars. Mit Darth Paper ist natürlich der böse Charakter in Star Wars gemeint: Darth Vader, der Mann hinter schwarzen Maske, der mit einem roten Lichtschwert bewaffnet ist. Zudem erinnert das Buch an den Kinofilm “Das Imperium schlägt zurück”. Im Film und auch hier im Buch wird die böse Seite wieder mächtiger und schlägt zurück, wie es der Titel schon sagt.

Doch um was geht es in dem Buch? Autor Tom Angleberger hat geschickt, die Welt der Star Wars Kinofilme mit der Welt der Schule verwoben. Er nimmt Geschichten aus dem Schulallag einer US-amerikanischen Schule auf und verknüpft sie mit Zitaten aus der Star Wars-Welt. Im Grunde ist es eine Mischung von Gregs Tagebuch mit Star Wars-Elementen.

In Band 1 hat das Gute gesiegt. Die Bücher sind aus der Sicht von verschiedenen Schülern geschrieben, die auf die amerikanische Schule gehen. Im Mittelpunkt steht der Schüler Dwight. Dwight hat einen Origami-Yoda gebastelt. Origami ist eine Falttechnik aus Japan. Hier werden Papiere kunstvoll zu Figuren gefaltet. Dwight hat eine Yoda-Figur gefaltet, die Freude in die Schule bringt.

In unserem Band 2 kippt die Stimmung an der Schule. Dunkle Zeiten haben begonnen. Die McQuarie-Schule, Heimat von Origami-Yoda, wird von der Dunklen Seite der Macht heimgesucht: Darth Paper! Erschaffen von Harvey, der Origami-Yoda noch nie ausstehen konnte, bricht Darth Paper dauernd Streit vom Zaun.

Dwight gerät in den Ruf eines Unruhestifters und soll von der Schule verwiesen werden. Immer wieder wird Dwight vom bösen Harvey angeschwärzt. Es beginnt eine Art von Mobbing.

Da hilft nur eins: Die Schüler wollen beweisen, dass Dwight ein netter Kerl und Origami-Yoda eine echte Hilfe für alle Schüler ist. Aber das Gute unterliegt. Dwight samt Origami-Yoda werden am Ende des Buches von der McQuarie-Schule auf eine Privatschule verwiesen. Das Böse in Form von Darth Paper hat gewonnen.

Mein Sohn und ich mögen das Buch, weil es Geschichten aus dem Schulalltag bringt, die mit Geschichten von Star Wars angereichert werden. Das zeigt sich auch an den zahlreichen, lustigen Zeichnungen in dem Buch. So wird der Chor der Schule mit der Musikband aus der Mos Eisley verglichen. Die Musikband aus der Mos Eisley stammt aus dem Kinofilm Krieg der Sterne. Uns gefallen die Bezüge zwischen Buch und Filmserie.

Und es ist ein Buch zum Mitmachen. Es gibt zum Beispiel ein nettes Spiel in dem Buch, das wir zu Hause auch ausprobiert haben. Anstelle von Videospielen gibt es ein Pod-Racer-Rennen auf Papier. Pod Racer sind die Rennflitzer aus Star Wars, die mit großer Geschwindigkeit ein gefährliches Rennen fahren und immer wieder aus der Bahn fliegen. Auf einem Papier wird eine Rennbahn gezeichnet. Bleistifte stellen Pod Racer dar, die durch die Bahn geschoben werden. Wir haben zu Hause das Spiel gespielt und es macht einen großen Spaß und man braucht viel Geschicklichkeit.

Die Bücher sind ja Origami-Yoda-Romane. Da wird natürlich gefaltet. In dem Buch sind zwei Faltanleitung enthalten: Einmal für einen Yoda und einmal für Darth Paper. Das macht Spaß und verlangt ein wenig Geschicklichkeit.

Wer sich fürs Basteln und Origami aus der Star Wars Welt interessiert, dem sei dieser Blogpost empfohlen.