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Buchtipp: Von der Impffront von Dr. Rainer Jund

9. September 2021

Ich empfehle diese Buch ausdrücklich, weil es hautnah und authentisch die Vorgänge um das Impfen aus der Sicht eines Impfarztes zeigt. Dr. Rainer Jund, HNO-Arzt aus Puchheim im Landkreis Fürstenfeldbruck und erfolgreicher Autor des eindringlichen Buches Tage in Weiß, hat vor kurzem seinen subjektiven Erlebnisbericht in Buchform Von der Impffront: Aus dem Alltag eines Arztes veröffentlicht aus dem Alltag eines Arztes.

Dr. Rainer Jund berichtet von der Impffront.

Als es möglich war, dass Haus- und Fachärzte gegen Covid-19 impfen konnten, beteiligte er sich und bot seinen Patienten den Impfstoff an – wenn er ihn denn bekommen sollten.

Am Beispiel der ersten 31 Tage beschreibt Jund die Vorgehensweise, die Reaktionen, den Egoismus, die Lügen, die Wut und das Glücksgefühl und die Dankbarkeit, die ihm beim Impfen in seiner Praxis begegnet sind. Er nimmt den Leser in deutlichen, sachlichen Worten auf eine Reise mit an die Impffront, denn es herrscht Krieg da draußen. Krieg gegen eine Pandemie mit weltweiten Ausmaß, die noch keiner von uns erlebt hat. Aber es ist nicht nur ein Krieg der Wissenschaft gegen Covid-19, es ist auch eine Auseinandersetzung mit Impfgegner und Schwurblern, die sich der Wissenschaft verweigern. Corona ist noch lange nicht besiegt. Die Herdenimmunität ist nicht erreicht. Daher geht der Kampf gegen Covid-19, gegen die Mutationen und gegen die Ignoranz der Impfgegner weiter.

Die Geschichten in dem Buch Von der Impffront: Aus dem Alltag eines Arztes sind gut geschrieben – der Arzt hat absolutes Talent für Texte und es ist kein sperriges Fachbuch geworden, sondern Jund ist ein hervorragender Storyteller mit medizinischen Background. In seinen Geschichten schaut er genau hin und berichtet von seinen Erlebnissen mit seinen Patienten, freilich ohne den Datenschutz bei diesem sensiblen Thema zu verletzten. Aber er blickt auch auf sein Team seinen Mini-Impfzentrums in seiner Praxis. Seine Mitarbeiter müssen sich am Telefon mit Patienten auseinandersetzen, den wenigen Impfstoff in Absprache koordinieren – oftmals an der Grenze der Leistungsfähigkeit. Auch interessant, wieviele Leute sich an den Arzt erinnern und auf guten Kumpel machen, als der Impfstoff knapp war und der Urlaub in Corona-Zeiten vor der Tür stand.

Ich habe mit Dr. Rainer Jung ein Videointerview an der Impffront geführt.

Buchtipp: Star Wars Visions

7. Mai 2021

Der kürzlich stattgefunden Star Wars-Feiertag machte es mir wieder bewusst, wie gerne ich die SF-Geschichte von George Lucas habe. Ich mag das Universum von Luke, Leia, Han und Vader einfach. Die mittlere Trilogie ist meine Serie und hat mich geprägt.

Eines meiner liebsten Star Wars Bücher: Visions

Und die fantastische Geschichte faszinierten nicht nur mich, sondern sie übte auch ihren Reiz auf zahlreiche Künstler aus. Star Wars ist eben ein Phänomen der Popkultur. Und aus diesem Grund blätterte ich mal wieder in den 2010 erschienen Buch Star Wars: Visions. Achtung: Das Buch Star Wars Visions hat nichts mit der Anime-Serie von Disney zu tun.

Ich habe zahlreiche Bücher rund um Star Wars, aber irgendwie ist mir dieses Buch eines meiner liebsten. Vielleicht weil es die enorme Kreativität zeigt, die Star Wars auf Künstler in aller Welt ausübt. Jeder der über 100 beteiligten Künstler drückte seinen Respekt gegenüber den Figuren und der Geschichte des Lucas-Universums aus. Für mich eine unglaubliche Inspiration und tolle Hommage an ein Phänomen der Pop-Kultur.
Das Buch Star Wars: Visions umfasst Werke von Künstlern wie Amano, Allan R. Banks, Harley Brown, Gary Carter, James Christensen, Michael Coleman, Kinuko Craft, Jim Dietz, Phillipe Druillet, Donato Giancola, Ann Hanson, H. R. Giger, Daniel Greene, Ron Kleeman, Arantzazu Martinez, Syd Mead, Moebius, Paul Oxborough, Alex Ross, Anthony J. Ryder, Dolfi Stoki, William Stout, Dan Thompson, Julie Bell und Boris Vallejo, Scott Waddell und Jamie Wyeth.

Hinzu kommt ein englisches Vorwort von George Lucas und eine Einleitung von J. W. Rinzler. Viele Bilder gefallen mir, einige treffen nicht so meinen Geschmack – so ist Kunst. Bilder, die mir noch vor Jahren viel bedeutet haben, regen mich heute nicht mehr zum Träumen an und anderes herum. Gemeinsam haben alle Bilder die Verehrung einer Filmidee. Und das muss man erst einmal schaffen – eine Vision.

Buchtipp: Shade: A Tale of Two Presidents von Pete Souza

1. Februar 2021

Vor kurzem durfte ich noch ein Webinar zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden durchführen. Zusammen mit ein paar Kollegen diskutierten wir im Auftrag der Hanns-Seidel-Stiftung die Entwicklungen in den USA. Alle waren sich einig, dass die transatlantischen Beziehungen nur besser werden können. Thema war auch die Macht, die der scheidende US-Präsident Donald Trump durch soziale Netzwerke hatte. Nun ist Trump bei Twitter, Facebook und Instagram gesperrt und ich lese, dass die Dokumentation von Trump-Tweets durch dauernde Wechsel im Weißen Haus nicht sichergestellt ist.

Daher habe ich mir ein Buch Shade: A Tale of Two Presidents des ehemaligen WH-Fotografen Pete Souza angesehen. Pete Souza begleitete Barack Obama fotodokumentarisch bereits seit 2005, als dieser im Januar 2005 US-Senator für den Bundesstaat Illinois wurde. Ich sammle ja Bücher über die Fotografen von US-Präsidenten. Pete Souza war bereits zwischen 1983 und 1989 der Cheffotograf von US-Präsident Ronald Reagan.

Als offizieller Cheffotograf des Weißen Hauses verbrachte Pete Souza mehr Zeit an der Seite von Präsident Barack Obama als fast jeder andere. Seine Jahre, in denen er den Präsidenten fotografierte, gaben ihm einen intimen Blick hinter die Kulissen des Amtes des Präsidenten. Sehr gerne schaue ich mir die Fotos an und lerne sehr viel von ihnen für meine eigene Arbeit als Bildjournalist.

Im Hinblick auf mögliche verlorene Tweeds von Trump, hatte 2018 Souza schon eine gute Idee. Er meldete sich mit seinem Buch Shade zu Wort. Es ist ein Porträt in Kontrasten, das die Geschichte der Obama- und Trump-Administration durch eine Reihe von visuellen Gegenüberstellungen erzählt – sehr originell übrigens. Mehr als einhundert von Souzas Bildern von Präsident Obama bekommen hier einen neuen Dreh. Im Grunde ist es eine neue Variante der Resteverwertung. Die Fotos von Shade: A Tale of Two Presidents werden von den Tweets, Schlagzeilen und Zitaten eingerahmt, die die ersten 500 Tage im Weißen Haus von Trump bestimmt haben. Erschreckende Aussagen zum Teil, die für mich den Charakter Trumps offenbaren.


Was mit Souzas Instagram-Posts kurz nach der Amtseinführung von Präsident Trump im Januar 2017 begann, entwickelte sich zu einem starken Kommentar zum Zustand der Präsidentschaft unter Trump. In Shade sind Souzas Fotografien mehr als nur eine Erwiderung auf das Chaos, den Machtmissbrauch und die zerstörerische Politik, die das höchste Amt der amerikanischen Nation bestimmten. Für mich daher ein wichtiger Buchtipp, der Zeiten zeigt, die hoffentlich nicht wiederkommen. Also klarer Buchtipp für Shade: A Tale of Two Presidents

Buchtipp: Zu viel und nie genug von Mary L. Trump

28. Oktober 2020

Wenige Tage vor der US-Wahl habe ich das Buch Zu viel und nie genug der Trump-Nichte Mary L. Trump ausgelesen und es lässt mich entsetzt zurück. Dass Donald Trump nicht die hellste Kerze am Kuchen ist, das habe ich geahnt. Aber wie schlimm die Familie Trump ist, wurde mir erst durch dieses lesenswerte Buch aufgezeigt, das mir der Heyne Verlag zur Verfügung gestellt hat.

Die promovierte klinische Psychologin beschreibt ihre eigene Familiengeschichte. Natürlich läuft in jeder Familie nicht alles rund, aber bei Familie Trump ist die verfahrene Familiensituation der Auslöser allen Übels. Das soll das Verhalten des US-Präsidenten nicht entschuldigen, aber ich kann es nach der Lektüre dieses Buches Zu viel und nie genug nachvollziehen.
Zu viel und nie genug beschreibt nicht den Politiker Donald Trump – das machen ausgebildete Journalisten wie der große Bob Woodward mit seinen beiden Bücher Furcht und Wut ausgezeichnet. Mary L. Trump zeichnet ein intimeres Bild ihres Onkels und ich bin mir sicher: Sollte Donald das Buch von Mary gelesen haben, dann liegen familiäre Bindungen auf Eis. Mary L. Trump rechnet mit ihrer Familie ab. Aber es ist keine kaltschnäuzige Abrechnung aus dem Bauch, sondern sie setzt alles in Beziehung zueinander und erklärt, wie das Familienleben im Trump-Clan so abläuft.

Die Wurzel allen Übels liegt in Donalds Vater Fred. Der Immobilien-Tycoon regierte seine Familie und sein Unternehmen mit harter Hand. Liebe gab es nicht, Freundlichkeiten waren Fehlanzeige. Und in der Erziehung zeigte sich, dass Lüge zum Tagesgeschäft gehört. „Wie für Donald üblich, war die Story wichtiger als die Wahrheit, die leichtherzig geopfert wurde, vor allem, wenn eine Lüge die Geschichte besser klingen lässt“, heißt es bei Mary Trump. Fred Trump wusste, wie man Politiker abhängig machen konnte und „Wie man zur richtigen Zeit einen Gefallen einfordert.“ Fred Trump ist mit seinen Sozialbauten reich geworden und kassierte staatliche Gelder für seine Vorhaben. „Fred bekam sein Geschäft durch Geld vom Staat finanziert aber Steuern zahlen war nicht seine Sache, das vermied er mit allen Mitteln.“ Komisch, das erinnert mich dann doch an Donald Trump. „Für Fred Trump waren Geldwert, Selbstwert und menschliche Werte ein und dasselbe. Je mehr er hatte, desto besser war er. … Diese Einstellung bekam Donald schaufelweise von ihm eingetrichtert.“

Über seinen Vater Fred und den Mafia-Anwalt Roy Cohn lernte Donald das dreckige Spiel des Mobbings und des Dreckwerfens. So lässt sich die Autorität des Gegners durch Mobbing untergraben. Und Donald lernte von den Besten und war ein gelehriger Schüler. Klare Leseempfehlung von Zu viel und nie genug

Buchtipp: 3D-Druck – Praxisbuch für Einsteiger von Thomas Kaffka

27. Oktober 2020

Einst wurde das Thema gehyped und dann ist es aus der Berichterstattung der klassischen Massenmedien verschwunden. Gemeint ist der 3D-Druck. Als die Drucker bezahlbar waren, blühte eine Branche auf und sprach von dramatischen Veränderungen im Alltag. Aber es ist ruhiger geworden und dennoch ist die Maker-Szene voll aktiv.

Als Makerbot den Repilcator 2 auf den Markt brachte, musste ich ihn sofort testen. Es gab noch ein paar Stolpersteine, die mich ärgerten. Aber nun scheint die Technik ausgereift: In Schulen setzten die Maker oftmals den Ultimaker ein. Wöchentlich gibt es bei Amazon Angebote von No-Name-Druckern. Irgendwann werde ich zuschlagen.

Mich fasziniert das Thema 3D-Druck vom ersten Tag an und so kam das Buch 3D-Druck – Praxisbuch für Einsteiger von Thomas Kaffa genau richtig. Der mitp-Verlag stellte mir das Buch 3D-Druck: Praxisbuch für Einsteigerzur Verfügung. Vor allem meine Frau war nervös als ich mit der Lektüre des empfehlenswerten Buches begann. Sie ahnte, dass bald ein 3D-Drucker ins Haus stand.

Das Buch ist sehr praxisnah geschrieben. Das ist sein Vorteil, zugleich aber auch sein Nachteil, denn ich hätte mir gerne etwas mehr Pathos in Sachen Veränderung der Welt gewünscht. Pathos liefert das Buch nicht, vielmehr handfestes und umsetzbares Praxiswissen. Die 3D-Modelle gibt es zudem kostenlos als Download auf der mitp-Website.

Der Autor geht pädagogisch Schritt für Schritt voran und nimmt den Einsteiger mit auf eine faszinierende Reise. Wir lernen modellieren, scannen drucken und veredeln auf Einsteigerniveau kennen. So wird der Leser schnell warm mit seinem neuen Drucker. Und wenn ich mir in nächster Zeit einen Drucker anschaffen werde, dann greife ich zu dem Buch 3D-Druck: Praxisbuch für Einsteiger von Thomas Kaffka.

Buchtipp: The Art and Making of Kong Skull Island von Simon Ward

15. Juni 2020

Als Godzilla-Fan schaue ich mir immer wieder die sympathischen Monsterfilme meiner Jugend an und bin auch von der neuen Godzilla-Reihe schwer begeistert. Nachdem Godzilla King of the Monsters für mich eine Augenweide war und der nächste Monsterstreifen Godzilla vs Kong auf 2021 verschoben wurde und die Spekulationen steigen, schaute ich mir noch einmal Kong Skull Island an. Über den Film habe ich 2017 bereits gebloggt2017 bereits gebloggt, aber jetzt fiel mir das Buch The Art of Kong: Skull Island in die Hände.
Die Spezialisten von ILM haben für den Streifen die Tricks gemacht, aber davor standen die Sketches und Zeichnungen der Künstler. Und das bedeutet Kreativität und Hirnschmalz pur. Die Zeichnungen habe ich mir genauer angeschaut, nachdem ich solche Bücher ja liebe und sammle.
Was mir wieder bewusst wurde, dass der Film ja im Jahre 1973 spielt. Irgendwie hatte ich das verdrängt. Also der Dschungelkrieg in Vietman gegen den bösen Charlie wurde gegen den Dschungelkrieg gegen Kong ersetzt. Und wir kennen ja die Geschichte: Den Krieg gegen den Vietcong haben die Amerikaner verloren und den Krieg gegen Kong haben sie erst recht verloren. Kong haut so richtig auf den Putz und zerlegt die Eindringlinge.

Aber das muss zeichnerisch vorbereitet und gut durchdacht sein. Autor Simon Ward erzählt die Entstehungsgeschichte von den Konzeptzeichnungen bis zur großen Leinwand. Wobei er sich die ersten 20 Seiten des Buches hätte sparen können. Hier werden die Schauspieler und die Charaktere vorgestellt. Wer so ein Art of Buch kauft, will Zeichnungen und keine PR über Schauspieler haben. Dann geht es aber ins Detail. Es geht um den Affen, um die Location und die Gerätschaften. Viel wird verraten, einiges bleibt im Verborgenen. Der Affe kommt in dem Buch ursprünglich, gewalttätig daher. Aber die Monster der Insel sind noch böser, noch hinterrückser und aggressiver als Kong. Und mitten drin unser versprengter Haufen von GIs und Helden. Ich mag diese Art of-Bücher, weil sie meine Fantasie beflügeln. Gerne betrachte ich die Zeichnungen und Entwürfe, vergleiche sie mit dem späteren Film.
Und das Buch setzt auf aufklappbare Seiten, schließlich ist Kong ja King. Und das Buch entfaltet durch diese Klappseiten seine volle Pracht und seine voll Schönheit. Mir bereitete das Buch The Art of Kong: Skull Island auf jeden Fall einen schönen Nachmittag und macht Lust auf den neuen Godzilla vs Kong irgendwann 2021.

Buchtipp: 2001 File von Christopher Frayling

8. Juni 2020

Vorbereitung für ein Kubrick-Webinar: Hier Shining.

Vorbereitung für ein Kubrick-Webinar: Hier Shining.

Als ich neulich ein Webinar über die politische Bedeutung von Stanley Kubrick durchführte, schaute ich mich in meinem Archiv nach entsprechender Literatur um. Dabei entdeckte ich das englischsprachige Buch 2001 File von Christopher Frayling. Obwohl 2001 in meinem Webinar keine Rolle spielte, verbrachte ich mehrere Stunden mit der Lektüre dieses Buches.

Kennen Sie Harry Lange? Nein, es ist kein Verwandter von mir. Harry Lange war NASA-Mitarbeiter und dort als Visionär beschäftigt. Er malte sich realistisch aus, wie ein Flug ins All und ein Leben im Weltraum möglich sei. Seine Visionen waren so weitreichend, dass sie Regisseur Stanley Kubrick massiv beeindruckten und er Harry Lange in sein Kreativteam mit aufnahm. Auf Basis der Ideen von Harry Lange schuf Douglas Trumbull seine phänomenalen Special Effects, die jahrzehntelang Maßstab für den Science Fiction Film sein sollten. Und in dem Buch 2001 File gibt es das Werk eben dieses Harry Langes zu bestaunen und wirklich: Es ist bestaunenswert. Es ist nicht das Hundertste Buch über ein Making of von 2001: Odyssee im Weltraum. Es ist wegweisend und eine Offenbarung für Kubrick- und 2001-Fans. Und ich muss zugeben, ich habe viele dieser Zeichnungen und Entwürfe vorher noch nicht gesehen.

Lost-Place-Buchtipp: Naturalia: Overgrown Abandoned Places von Jonathan Jimenez

26. Mai 2020

Ich mag die Lost Place-Fotografie und hab schon oft in diesem Blog über Bücher zum Thema geschrieben. Mittlerweile habe ich eine Schrankwand zum Fotogenre voll. Heute stelle ich ein Buch vor, dass sich der Thematik aus einer interessanten Perspektive nähert: Wie sich das Grün seinen angestammten Raum zurückerobert. Das wurde in dem Buch Naturalia von Jonathan Jimenez wunderbar herausgearbeitet.
Er zeigt nicht nur vergessene, verlassene Orte aus aller Welt. Das machen viele, aber seine Herangehensweise ist eine andere. Er zeigt vor allem, wie das Grün diese Orte zurückerobert, mal langsam, mal vorsichtig, mal brutal gewalttätig, aber immer unausweichlich. Die lebende Natur siegt über tote Materie. Es brechen Bäume und Sträucher aus dem Betonboden hervor und wirken auf den Betrachter bizarr. Die Natürlichkeit als Eindringling in eine verfallene Welt.
Die meisten Fotos von Jonathan Jimenez in dem Buch Naturalia: Overgrown Abandoned Places sind aus Innenräumen heraus aufgenommen mit einem Blick aus den Fenstern und den zusammengebrochenen Wänden zeigen das Grün von außen – mal bedrohlich, mal vorsichtig, aber immer konsequent. Die grüne Wand schließt die Räume ein, umschließt sie regelrecht.

Die Bilder der Gebäude von außen erweckten bei mir den Eindruck eines verwunschenen Schlosses, wenn das Grün die Wände empor schlängelt und nach einem Eingang sucht, um sich verlorenes Terrain zurück zu erobern.
Die Atmosphäre ist durch das Grün immer warm, obwohl die Bilder den Verfall der Zivilisation beschreiben. Mal sind es Schulen, mal Fabriken, mal herrschaftliche Häuser und Anwesen, mal Hallen – am meisten haben mich verlassene Kirchen beeindruckt. Von den Aufnahmeorten berichtet Jonathan Jimenez natürlich nichts. Das macht ein Lost Place-Fotograf natürlich nicht. Aber an den Details erkennt man viele Bauwerke aus Osteuropa, sei es Schriften, Marken oder Architektur.
Rundum Naturalia: Overgrown Abandoned Places ist ein schönes Querformat-Buch für Liebhaber des Genres und eine Motivation, endlich mal wieder Lost-Places-Fotos zu machen.

Buchtipp: Affinity Publisher 1.8 von Winfried Seimert

18. Mai 2020

Nach den Sommerferien werden wohl meine Schülerzeitungsseminare wieder losgehen. Im Moment steht wegen Corona alles still. Zeit also, sich mit mit aktueller Software fit zu machen. Neben InDesign, XPress und Scribus drängt massiv Affinity Publisher auf den Markt. Es ist das jüngste Produkt der Affinity-Suite und beinhaltet kein Abo.
Der mitp-Verlag hat mir das Buch Affinity Publisher 1.8 von Winfried Seimert zur Verfügung gestellt, das ich dieser Tage durchgearbeitet habe. Eigentlich mag ich solche Software-Bücher nicht, denn im Software-Umfeld ändert sich durch Updates so viel so schnell. Aber da dies ein Einsteigerbuch mit viel Praxiswissen ist, ändern sich bei möglichen Updates sicherlich Details, aber die Grundfunktionen für Einsteiger bleiben erhalten. Neben dem Buch sind die üblichen Tutorials in YouTube vom Hersteller und Fans sicherlich hilfreich.
Das Buch Affinity Publisher 1.8 von Winfried Seimert ist didaktisch gut aufgebaut und steht in meinem Bücherschrank, wenn Fragen auftauchen. Die Praxisbeispiele sind Visitenkarte, Fotobuch und Broschüren. Damit lassen sich die Beispiele auf viele DTP-Anwendungen übertragen. Und natürlich muss klar sein, dass Affinity Publisher im Moment kein Industrieprodukt wie InDesign ist, um Kataloge oder interaktive eBooks zu erstellen – aber das braucht die Masse der DTP-Begeisterten vielleicht auch nicht. Ich kann dieses Buch Affinity Publisher 1.8 empfehlen.

Buchtipp: Social Media Marketing von Corina Pahrmann und Katja Kupka

4. März 2020

Klare Empfehlung

Klare Empfehlung

Zwar weiß ich viel, doch will ich alles wissen. Ich mach ja viel in Sachen Social Media, doch stoße ich auch das eine und andere Mal an meine Grenzen. Was mache ich dann? Entweder rufe ich meinen Kollegen Gero Pflüger an oder ich greife zum Buch Social Media Marketing von Corina Pahrmann und Katja Kupka. Letzteres ist soeben in der fünften Auflage erschienen und wurde von den Herausgeberinnen aktualisiert.
Das ist natürlich immer ein Balanceakt, ein gedrucktes Buch zu einem elektronischen Thema auf den Markt zu bringen. Gerade hier können Informationen über Nacht schon veraltet sein, wenn Facebook, Twitter und Co mal schnell ihren Algorithmus ändern oder neue Features integrieren.
Aber dieses 626-seitige Kompendium, erschienen beim renommierten O’Reilly-Verlag, bringt Theorie und Praxis zusammen. Das Buch selbst versteht sich als Praxishandbuch. Nach dem Lesen ist es bei mir nicht im Schrank verschwunden, sondern es liegt griffbereit in der Nähe meines Schreibtisches und ich empfehle es ausdrücklich in meinen Seminaren für Social Media. Dabei geht es nicht nur um klassische Netzwerke der alten Art, sondern die Autoren kümmern sich auch um TikTok und Co. Weiterhin lesenswert sind die Ausführungen über Content Marketing und Storytelling, wobei ich lachen musste, als dies als neuer Trend verkauft wird. Storytelling mache ich als gelernter Journalist vom ersten Tag an, aber jetzt entdecken es die Marketingfuzzis und machen ein Fass auf. Da in der Branche weniger das Bauchgefühl zählt als vielmehr die nackten Zahlen, geht es auch um Monitoring und Analyse, was ich grundsätzlich gut finde, wenn man es nicht übertreibt.
Wichtig sind auch die Ausführungen zum Employer Branding und Social Recruiting. Da ich sehr viel für mittelständische Unternehmen mache, waren diese Ausführungen sehr wertvoll. Ich empfehle es auch den Kandidatinnen und Kandidaten aus der bayerischen Politik, die sich bis 15. März im Social Media-Wahlkampf wegen der Kommunalwahl befinden und vieles falsch machen.
Rundum: Das Buch Social Media Marketing ist sehr empfehlenswert und ich hoffe für O‘Reilly, dass Facebook und Co nicht morgen ihre Algorithmen ändern und das Buch ins Altpapier wandert.