Posts Tagged ‘Kunst’

Buchtipp: Compendium von Michael von Hassel

28. Februar 2017

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Irgendwie gehören Zufälle zum Leben. Ich hatte einen Termin mit der Mutter und traf auf den Sohn, der mich enorm beeindruckte. Michael von Hassel ist einer der große Fotokünstler in Deutschland und sein Werk fasziniert mich enorm.
Ich hatte einen geschäftlichen Termin mit Anne-Marie von Hassel. Sie ist Verlegerin der Bayerischen Gemeindezeitung und zusammen mit ihren Töchtern wollten wir über ein Konzept sprechen. Ich fand bei dem Termin aber nicht gleich den richtigen Eingang zum Gebäude. Vor dem Haus parkte ein Lieferwagen und ein junger Mann wuchtete gut verpackte Bilder in das Fahrzeug. Wir kamen ins Gespräch, wen ich denn suchte und er stellte sich mir als Michael von Hassel vor. Prima, er zeigte mir den Weg zu seiner Mutter und seinen Schwestern und kamen kurz ins Gespräch. Er fotografiere ein bisschen, sagte er untertrieben. Ich schaute mir die Fotos an und war fasziniert. Es waren HDR-Bilder, die mich berührten. Gerne hätte ich mich mehr mit Michael von Hassel unterhalten, aber er bereitete eine Ausstellung von Wiesn-Bildern am Münchner Marienplatz vor. Zudem hatte ich ja einen Termin mit der Mutter wegen einer geschäftlichen Angelegenheit.
Wieder zu Hause bestellte ich mir sofort das Buch Compendium von Michael von Hassel und vielleicht habe ich ja mal die Gelegenheit zu einem Interview mit dem großartigen Künstler.


Die optische Kraft seiner Fotos ist gewaltig. Und damit beginnt schon die Diskussion. Sind es überhaupt Fotos, oder sind es vielmehr Bilder? Gibt es überhaupt einen Unterschied? Nun jedes Foto ist ein Bild, aber nicht jedes Bild ein Foto. Egal – auf jeden Fall schweigt sich Michael von Hassel über seine spezielle Fototechnik aus. Fest steht, es sind HDR-Bilder – High Dynamik Range. Dadurch erhalten die Aufnahmen einen gewissen Drama-Faktor. Farben und Kontraste werden extrem betont, wenn nicht gar überbetont. Die Fotos werden wuchtiger, kraftvoller – und ja, auch wenig kitischiger. Es ist von allem ein wenig zuviel und in der Kombination miteinander im Adobe Lightroom oder Adobe Photoshop ist gelungen. Michael von Hassel nennt seine Art zu fotografieren hyperrealistisch. Der gelernte Banker und studierte BWLer begann ganz klassisch in Schwarzweiß, wechselte aber schnell zur Farbe und ist dabei geblieben. Für seine Arbeiten bekam er allerhand Preise – und dies zurecht.


Die Bilder sind durch die HDR-Technik extrem kontrastreich. Das vorhandene Licht wird verstärkt, die Farben betont – ein Meer von Licht und Farbe hätte es Juliane Werding genannt. Durch diesen Hyperrealismus kommen die Details verstärkt zum Vorschein. Die Bilder fesseln, der Zuschauer entdeckt beim Betrachten immer wieder etwas Neues.
Ich bin Michael von Hassel sehr dankbar. Zum einen natürlich für seine Bilder, die mich faszinieren. Zum anderen danke ich ihn für seine Inspiration. Aufgrund seines Buches Compendium habe ich wieder zu fotografieren begonnen. Dafür recht herzlichen Dank.

New Yorker Popart-Künstler Ed Heck – Meine Reiseimpressionen Teil 13

19. Januar 2017

New York bietet einige der besten Kunstmuseen der Welt. Kunst ist aber nicht nur im Guggenheim und Co zu finden, sondern an jeder Straßenecke. Die Stadt strotzt nur so von Kunst und Künstlern, sei es Film, Musik, Malerei, Tanz und vieles mehr. Wer genau hinschaut, findet überall Kunst – und sei es auch nur die Kunst in dieser Stadt zu überleben.

Kunst oder nicht? Streetart überall in New York.

Kunst oder nicht? Streetart überall in New York.

Ich habe im Big Apple ein paar Bekannte, darunter auch eine Berühmtheit. Ich kenne im New Yorker Stadtteil Brooklyn einen Künstler, dessen Werk und Person ich gerne mag. Sein Name ist Ed Heck. Er ist einer der wichtigsten Vertreter des New Yorker Popart und meine Familie besitzt mehrere Bilder von ihm. Im Laufe der Jahre haben wir uns angefreundet und wenn ich in New York zu Gast bin, dann schau ich gerne in seinem Studio in Brookyln auf einen Plausch vorbei. So auch dieses Mal.

ich mag so eine Art von Humor.

ich mag so eine Art von Humor.

Banksy in New York
Auf dem Weg zu ihm, traf ich zufällig auf ein Kunstwerk, von einem Künstler, dessen Arbeit ich verehre: Banksy – auf der Upper West Side stieß meine Frau zufällig auf ein Bild von ihm. Fast wären wir in unserer Hektik an dem Werk vorbeigelaufen. Wer mehr über Bansky und New York wissen will, sollte hier klicken. Leider ist von Banksys Werk in New York nicht viel übrig geblieben. Er war im Oktober 2013 in New York und hinterließ jeden Tag ein Kunstwerk in den Straßen. Sein Motto: „Better Out Than In“ (BOTI). Viele der Kunstwerke sind zerstört, einiges konnte erhalten werden, wie dieses wunderbare Graffiti als genialer Beitrag zu Streetart. Das absolut lesenswerte Buch Banksy in New York dokumentiert die täglichen Stationen von Banksy und seiner Kunst in New York. Ich liebe Banksy.

Auf einmal standen wir von einem echten Banksy.

Auf einmal standen wir von einem echten Banksy.

Ed Heck und sein Studio
Das Studio von Popart-Künstler Ed Heck liegt in Brookyln und ist mit seinen Bildern eingerichtet. Die Bilder sind bunt, in grellen Farben und machen mir einen riesigen Spaß. Kein Wunder, denn Ed Heck illustrierte Kinderbücher mit Katzen, Vögel und vor allem Hunde. Ich habe mir einige der Kinderbücher von Ed Heck gekauft und habe meine Freude daran. Diese Art zu malen hat er auf die große Leinwand übertragen. Nach seinem Studium an der Kunstschule (School of Visual Arts, BFA) 1987 arbeitete Heck bis 2004 als Illustrator beim American Museum of Natural History. Dort erlebte er auch das Trauma 11. September. Wer heute in der Dino-Abteilung des Museums genau hinschaut, sieht überall Bilder von Ed Heck. Ich werde über das Museum noch in dieser Blogreihe schreiben. Seit 2004 ist Heck selbstständiger Künstler.

Ein toller Kerl und ein genialer Künstler: Ed Heck.

Ein toller Kerl und ein genialer Künstler: Ed Heck.

Weißwurst als Auslöser für eine Freundschaft
Ich hab ihn das erste Mal in Deutschland auf einer Vernissage der Galerie Mensing getroffen. Er stellte seine Bilder auf und wir entschlossen uns zum Kauf eines Bildes von zwei liebenden Vögeln.
Weil es wohl Bayern war, entschloss sich der Galerist Weißwürste als Verpflegung anzubieten. Leider hat er dem US-Amerikaner Ed Heck aber nicht gezeigt, wie er eine bayerische Weißwurst essen soll. Heck versuchte die Wurst wie eine Currywurst zu schneiden und zu essen – mit Haut. Da musste ich eingreifen. Ich nahm Ed Heck unter den entsetzten Blicken der Münchner Kunstszene und des Galeristen die Weißwurst weg und warf sie in den Müll. Eine Weißwurst mit Darm zu essen, das geht wirklich nicht. Dann holte ich vom Catering eine frische Weißwurst und zeigte Ed Heck, wie man die bayerische Spezialität richtig von der Wurstpelle befreit und professionell mit süßem Senf und Brezn isst. Heck war sichtlich dankbar und wir unterhielten uns angeregt. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Immer wieder trafen wir uns, ich kaufte ein paar Bilder und wenn ich in New York war, schaute ich in seinem Studio vorbei.

Ed Heck mit (meiner) Ehefrau und Ente.

Ed Heck mit (meiner) Ehefrau und Ente.

So auch dieses Mal und ich brachte Ed Heck ein kleines Geschenk mit. Ich weiß, dass Heck Enten mag und so verschenkten meine Familie und ich eine gelbe Badeente mit bayerischer Klamotte und Bier und natürlich Weißwurst. Ed Heck verstand den Humor sofort.

Superhelden auf Leinwand
Wir durften einen Blick auf aktuelle Bilder werden, die eine enorme Kreativität und Humor ausstrahlen. Ich mag diese kindlich-naive Art der Motive, die sich immer wieder auf New York beziehen. Die tierischen Figuren haben Charakter. Im Moment arbeitet Heck an einer Serie über Superhelden, wobei wir uns einig waren, dass Batman der beste Superheld schlechthin ist. Die dunkle Seite von Bruce Wayne faszinierte uns beide. Für ein Bild braucht er etwa eine Woche. Lange sprachen wir über Copyright und die Freiheit der Kunst. Marvel beispielsweise hat weniger Probleme, wenn man aus die markenrechtlich geschützten Figuren künstlerisch verändert. Der Motorrad-Hersteller Harley Davidson hat dagegen weniger Humor und klagt bei Rechteverstößen alle in Grund und Boden.

Ed Heck zeigte uns sein legendäres Notizbuch.

Ed Heck zeigte uns sein legendäres Notizbuch.

Heck zeigte uns auch sein legendäres Notizbuch. Dies trägt er immer bei sich. Sobald er eine Idee für eine neue Figur hat, wird es in diesen Notizbuch verewigt. Dann entstehen die Werke auf der großen Leinwand, wobei der Rechner zum Einsatz kommt, um den besten Kontrast der Farben auf dem jeweiligen Motiv auszuloten. Irgendwann, so Heck, plane er die Anschaffung eines Wacom Cintiq-Tablets, um den Workflow zu verbessern.

Ed Heck kommt wieder nach Deutschland
Im Februar 2017 kommt Ed Heck für einen Monat nach Deutschland. Ein neuer Kunde hat ihn eingeladen und stellt ihn Wohnraum und Atelier zur Verfügung. Es soll eine neue Zusammenarbeit entstehen. Ich versuche nach Stuttgart zu kommen und habe schwäbische Freunde schon aktiviert, damit wir die Gegend unsicher machen können. Die sprechen die Landessprache und kennen sich aus. Ich freue mich schon wieder auf unser nächstes Treffen.

Leider ist sein Sohn dieses Mal nicht dabei, er muss zur Schule. Ich habe ihn einmal kennengelernt. Er studiert Schlagzeug und spielt mit den absoluten Größen der Szene. Vor Weihnachten hatte der Sohnemann die Gelegenheit mit Ringo Starr in einer Masterclass zu drummen. Wer kann das schon von sich behaupten? Papa Heck hat selbst Zugang zur US-Musikszene und ist eng befreundet mit Carmine Appice. Ich verehre diesen Drummer aus seiner Zeit von Beck, Bogart und Appice. Ed Heck und Carmine Appice sind ein prima Team und vielleicht habe ich irgendwann das Glück auch mal Mäuschen zu sein, wenn sich die kreativen Köpfe treffen.

Kunstwerk auf dem iPad Pro
Als Zeichen unserer Freundschaft wurde mir eine besondere Ehre zu Teil. Ich bekam das letzte Bild des Jahres 2016 von Ed Heck live gemalt.

Ein echter Ed Heck auf meinem iPad Pro - vielen Dank.

Ein echter Ed Heck auf meinem iPad Pro – vielen Dank.

Auf der Rückseite meines goldenen iPad Pro malte er einen typischen Ed Heck Hund. Meine Frau hat das Entstehen des Kunstwerkes mitgefilmt. Lieber Ed Heck, vielen, vielen Dank für dieses Bild. Es bedeutet mir sehr viel. So trage ich jetzt einen echten Heck in meinen Seminaren herum. Naja, wird Zeit, dass Apple im März ein neues iPad veröffentlicht, damit mein Heck in eine Vitrine kommt. Auf jeden Fall bin ich sehr stolz.

Malen für Erwachsene
Ed Heck ist ein geselliger Typ, der die Beatles hört und immer wieder neue Ideen hat. Immer wieder organisiert er Kindermalerei-Camps. Hier können Kinder malen lernen und sich kreativ ausleben. Jetzt ist er dazu übergegangen, auch Malpartys für Erwachsene zu organisieren. Er kommt mit Ed Heck Motiven und Malstiften zu einer Party und Erwachsene können Bilder ausmalen. Das klingt auf den ersten Blick seltsam, doch wer die Szene kennt, der weiß auch, dass Malbücher für Erwachsene der absolute Renner sind. Ähnlich einer Tuberware-Party kommt eine Gruppe zusammen, trinkt etwas, quatscht und dann malt dann. Heck will diese Events 2017 ausbauen. Vielleicht können wir in Stuttgart so etwas auch durchführen – Ideen hab ich schon.

Das Zentrum der Kreativität.

Das Zentrum der Kreativität.

Rockgeschichte in Bildern von Mick Rock

16. Dezember 2015
Blondie und Lou Reed - fotografiert von Mick Rock.

Blondie und Lou Reed – fotografiert von Mick Rock.

Dieses Mal werde ich ganz ruhig dasitzen und mir einfach nur die Bilder ansehen. Aber kaufen werde ich nichts, gar nichts. Aber darüber schreiben will ich allemal. Es handelt sich um eine Sammlung von streng limitierten Artprints aus der Ausstellung Mick Rock: Shooting for Stardust.
Über den Künstler Mick Rock habe ich bereits im Blog geschrieben. Er hat ein sensationelles Fotobuch über David Bowie im Taschen-Verlag herausgegeben. Mick Rock ist einer der wichtigsten Fotografen der Rockgeschichte. Er gilt als „the Man who shot the 1970s“. Nun gibt es die Fotos seiner Wanderausstellung zum Vorzugspreis – der mich allerdings zu hoch ist. Nicht weil es mir die Bilder nicht wert wären, aber das Geld ist einfach nicht da. Die Wanderausstellung eröffnete im Herbst in der Taschen Gallery in LA und ist derzeit nach einem Zwischenstopp bei der Paris Photo auf der Art Basel in Miami zu bewundern. Alles Reiseziele, die ich leider im Moment nicht auf meiner Route habe.


Um mein Interesse zu wecken, hat der Taschen Verlag mir eine Auswahl der Fotos als klassischen Papierabzug geschickt. Und ich bin begeistert. Die Fotos von David Bowie in der Ziggy Stardust-Phase kannte ich ja bereits. Aber mir war nicht bewusst, welche Ikonen Mick Rock geschaffen hat. Es sind beispielsweise DIE Aufnahmen von Lou Reed oder Iggy Pop dabei.

Die drei von der Tankstelle.

Die drei von der Tankstelle.

Ich kann schon verstehen, dass die Aufnahmen von Fotokunstsammlern heiß begehrt sind. Nun werden die Artprints in limitierter Auflage direkt in Rocks Archiv und unter dessen Aufsicht produziert. Die signierten und nummerierten Fotos sind auf alterungsbeständigen Archivpapier gedruckt und in unterschiedlichen Formen (und Preisen) erhältlich. Die Fotos im Format 16×20 kommen auf 2000 US-Dollar pro Bild. Die Bilder im Format 20×24 liegen bei 2500 US-Dollar, 24×30 bei 4000 US-Dollar, 30×40 bei 7000 US-Dollar und 40×60 bei 12000 US-Dollar. Wer also ein Weihnachtsgeschenk sucht, das im Wert steigt, ist beim Taschen-Verlag an der richtigen Adresse.

Wahnsinn, der Wahnsinnige Iggy.

Wahnsinn, der Wahnsinnige Iggy.

Konzertkritik: Kraftwerk in Essen

26. November 2015
Ein Jugendtraum wird wahr - Kraftwerk in Essen.

Ein Jugendtraum wird wahr – Kraftwerk in Essen.

Ehrfürchtig nehme ich auf dem Gangplatz in der zweiten Reihe im Essener Traditionskino Lichtburg Platz. Vor mir ein mächtiger roter Vorhang. Hinter diesem Vorhang soll sich gleich ein Jugendtraum von mir verwirklichen. Ich darf Kraftwerk live sehen – endlich.


Als Jugendlicher hatte ich diese Band für mich entdeckt und war durch all die Jahre ein Verehrter der deutschen Elektronikband. Kraftwerk war anders als die Bands meiner Jugend. Es waren keine Gitarrenhelden, sondern Techniker in den Kling-Klang-Studios, die einen ungewöhnlichen Sound heraufbeschwörten. Ich kaufte die Platten in Vinyl, Langspielplatten und Singles, dann später die Musik als CD. Der Katalog in schwarz und weiß sind für mich wichtige Boxen. Doch Kraftwerk habe ich noch nie live erlebt. Bei den Münchner Konzerten hatte ich keine Karten bekommen, das Event im ZKM habe ich verbummelt und für die Auftritte in der Londoner Tate Gallery habe keinen Flug bekommen, den ich mir leisten wollte. Aber in Essen soll es jetzt sein. Kraftwerk live auf der Bühne.


Die Faszination, die ich für diese Musik empfinde, sprach und spricht bei mir alle Sinne an: Den Kopf, den Bauch, die Seele. Ich gehe gerne auf Konzerte und freue mich auf die Künstler, die ich dort sehe. Es ist Unterhaltung pur, wenn die Künstler mir eine gelungene Show abliefern. Aber bei Kraftwerk bin ich nervös. Ich nahm eine stundenlange Reise von München nach Essen mit dem ICE auf mich, wurde nach den Terroranschlägen in Paris professionell und ausgiebig beim Betreten der Lichtburg gefilzt und sitze jetzt in meinem Kinosessel in der zweiten Reihe, nah, ganz nah an der Bühne. Ich geb es zu, ich war nervös. Ich spüre die gleiche Unruhe in mir wie vor einer Wagner-Aufführung in Bayreuth. Wie wird es werden? Wird mein Jugendtraum gleich zerplatzen? Kraftwerk ist nicht einfach eine Musikkonzert, es ist Kunst, ein Kunstgenuss pur. Für mich ist Kraftwerk ein Gesamtkunsterlebnis.

Um mich herum ziehen die Fans aus dem Ruhrpott ihre 3D-Brillen auf, denn Kraftwerk hatte für uns eine Multimedia-Show in Stereoskopie im Gepäck. Die Gespräche verstummen. Aufgrund meines Augenleidens lasse ich meine 3D-Brille in der Tasche.

3D-Brillen am Eingang.

3D-Brillen am Eingang.

Jeder Konzertbesucher bekam am Eingang eine polariserte Brille im Kraftwerk-Look überreicht. Auch ich nahm eine, ziehe die 3D-Brille aber nicht auf. Ich will nur die Band hinter ihren Pulten betrachten und genießen. Punkt 0 Uhr geht es los. Meine Frau hatte mir eine Karte für die zweite Show des Abends gekauft und ich bin ihr über ihre Platzwahl ganz vorne zutiefst dankbar. So nah dran an der Band und den Boxen.


Der Vorhang öffnet sich. Auf der Bühne stehe die legendären vier Pulte. Der Applaus ist gewaltig, ich klatsche, um meine Spannung abzubauen. Es geht los. Der Surround-Sound drückt mich in den Sessel der Lichtburg. Glasklarer fetter Sound, der Bass haut rein. Das größte deutsche Filmtheater mit 1500 Plätzen ist komplett ausverkauft. Die Mensch-Maschine nimmt ihren Verlauf. Die Kraftwerk-Performer betreten in ihren Neopren-Anzügen die Bühne. Die Audio Operatoren (netter Name für die Musiker) Ralf Hütter, Fritz Hilpert, Hennig Schmitz und Video Operator Falk Grieffenhagen. Von der Originalbesetzung ist nur Ralf Hütter übrig geblieben. Klaus Dingler ist leider verstorben und Karl Bartos macht sein eigenes Ding und ich werde ihn mir auch noch ansehen, irgendwann, irgendwo. Bartos macht Kraftwerk-Musik, wie sie im 21. Jahrhundert klingen sollte. Ralf Hütter ist eher der Bewahrer – also genauso ein Streit wie um Wagner. Geblieben ist die Musik, Elektropop mit und fürs Köpfchen. Für mich ist Kraftwerk die Urband der elektronischen Musik – vor Kraftwerk gab es im elektronischen Bereich nichts, was von irgendwie Bestand hatte. Kraftwerk hat meine musikalische Welt umgestaltet, eingerissen, komplett neu definiert. Und jetzt sehe ich diese Pioniere, diese Revolutionäre ein paar Meter vor mir auf der Bühne. Obwohl sich Kraftwerk die Entpersonalisierung der Musiker auf die Fahnen geschrieben hat, war ich auf die Musiker neugierig. Hinter ihnen läuft eine beeindruckende 3D-Show auf, doch ich konzentriere mich auf die Musiker. Ralf Hütter singt die legendären Zeilen, die jeder in der Lichtburg mitsingen kann. Ja, wir sind alle Textsicher bei Kraftwerk-Songs. Bei dem Song Computerwelt sah Kraftwerk die totale Digitalisierung und Überwachung voraus. Nie zuvor war Kraftwerk aktueller denn je – NSA, Snowden, Vorratsdatenspeicherung. „Interpol und Deutsche Bank, FBI und Scotland Yard – Flensburg und das BKA, haben unsere Daten da“. Für die Zeilen muss man Kraftwerk einfach lieben: „Automat und Telespiel – Leiten heute die Zukunft ein – Computer für den Kleinbetrieb – Computer für das eigene Heim“.


Als die Klänge von Autobahn erklangen, bekomme ich meinen persönlichen Flashback. Ich erinnere mich, wie ich diese Musik das erste Mal gehört habe. Was war das? Es waren keine drei-Minuten Hitsingle wie bei anderen Künstlern, sondern die Komposition entfaltete eine intensive hypnotische Kraft. Die Redundanz prägte sich ein. Als Jugendlicher kam nur noch Brian Eno und David Bowie mit der Berliner Phase an diese Musik heran, alles andere war oberflächliches Gedudel.


Im Grunde läuft ein Kraftwerk-Konzert computergesteuert wie ein Uhrwerk ab. Ein Absturz wie auf dem Düsseldorfer Konzert in der Philipshalle am 31. Oktober 1991 gab es in Essen nicht. Die Showmaschinerie der Mensch-Maschine lief perfekt. Ab und zu wippt Ralf Hütter mit den Füßen, aber die Musiker halten sich meist zurück. Als gegen Ende der Show nach einem Vorhang die Roboter auf die Bühne kommen, bringen die mechanischen Gesellen in einem Song mehr Bewegung auf die Bühne als die menschlichen Musiker während des ganzen Konzerts. Als Kind habe ich die Roboter mit den roten Hemden und schwarzen Krawatten im Fernsehen gesehen und wusste nicht, ob die Band nun echt oder mechanisch war. Heute weiß ich, dass Kraftwerk menschlich ist, denn Ralf Hütter grinst von der Bühne.
Eindrucksvoll waren Tour de France, das Model und immer wieder Radioaktivität mit überarbeiteten Texten. Beim Trans Europa Express denke ich an meine Zugfahrt und freue mich, dass Europa zusammengewachsen ist. Ich gerate immer tiefer in den Song der Musik und als die Klänge von Elektro Kardiogramm erklingen, drückt es mich in meinen Kinosessel hinein. Die legendären Textzeilen „Music non stop, techno pop
Es wird immer weitergehen – Musik als Träger von Ideen“ haben mich wieder gepackt. „Es wird immer weitergehen – Musik als Träger von Ideen“ genau das ist es – bravo.


Nach zwei Stunden verabschieden sich Kraftwerk mit Improvisationen auf ihren Software-Synthesizern und -Sequencern, gehen Mann für Mann an den Rand der Bühne und verbeugen sich artig. Ralf Hütter ist der letzte, der von Bord geht. „Gute Nacht, bis morgen“ lauten seine Worte an uns.

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Nein, für mich heißt es bis gleich. Ich bleibe noch ein wenig im Kinosaal sitzen und schaue mir im Vorraum den Verkaufsstand mit T-Shirts und Mauspads an. Ich muss vier Stunden überbrücken, bis mich mein ICE wieder nach Bayern bringt. Ein wenig spaziere ich durch die Innenstadt von Essen und lande in einer Kneipe. Ich höre dort Kraftwerk über das iPhone. Mein Leben ist schön.

Buchtipp: Push Start – The Art Of Video Games von Stephan Günzel

30. Juli 2015

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Können Pixel Kunst sein? Diese Frage bewegt mich nach der Lektüre des Buches Push Start – The Art Of Video Games. Über 600 Videospiele aus den vergangenen Jahren auf 380 Seiten sind hier großformatig abgebildet – von den Anfängen der Telespiele bis zu den Videogames der Gegenwart. Beim Durchblättern dieses Bilderbuches für Gamenerds kommen Erinnerungen an längst vergessene Freuden hoch. Die Faszination, der ich erlegen bin, wenn ich eine Spielecartridge damals in mein Atari 2600 geschoben habe. Es hat ein paar Sekunden gedauert und ich war von der Pixelwelt gefangen. Die gleiche Faszination stellte sich später bei mir beim Volkscomputer Commodore C64 ein als ich die Datasette fütterte. Ich beschwor meine Eltern mir den C64 zu kaufen, wegen der Schule und so. Nun ja, ich habe ein paar Mal Hausaufgaben gemacht, Basic programmiert, Assembler gelernt, aber die meiste Zeit habe ich gespielt, gezockt, geballert. In dem Buch Push Start – The Art Of Video Games entdeckte ich die Spiele meines Teenager-Zeitalters wieder. Minutenlang starrte ich Screenshots in diesem Prachtband an und versank in meiner digitalen Vergangenheit.


Viele der Pixel wurden zu Ikonen der Populärkultur: Pac Man, Mario, Zelda, Donkey Kong, Space Invaders – wie stark diese Marken sind, zeigt sich in dem Klamauk-Spielfilm Pixels, der dieser Tage im Kino läuft. Sind damit Videospiele automatisch Kunst, wie der Buchtitel suggeriert? Nein, nicht alle, aber viele. So wie nicht jeder Film ein Kunstwerk ist, so wie nicht jedes Gemälde ein Kunstwerk ist, so wie nicht jedes Musikstück ein Kunstwerk ist, so ist auch nicht jedes Videospiel ein Kunstwerk. Viele sind es aber dennoch geworden. Kunst im Videospielbereich kann der Entwickler nicht schaffen, sondern Kunst wird durch und mit den Gamer geschaffen. Durch die Identfikation mit dem Spiel werden die digitalen Pixels zum Kunstwerk. Die Spielidee schafft im Kopf eigene Welten. Und dabei meine ich nicht nur das Gamedesign. Es gibt, gerade im Bereich der Next Gen-Konsolen, viele Spiele, die fantastisch aussehen, aber noch lange keine Kunst sind. Diese Kunst muss sich durch Interaktion Game – Gamer entwicklen, sich langsam formen.


Das Buch gibt uns Fans und Kunstinteressierten einen emotionalen Streifzug in unsere eigene Vergangenheit und Gegenwart. Und dazu gibt es fetten Sound. Einige der Gametracks gibt es auf einer neongelben 10-inch Vinyl-Schallplatte sowie als MP3-Downloadcode – remixed by Big Twice. Die Musik ist so gut, sie läuft sogar bei uns im Auto.

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Der Autor dieses großzügigen Pixelstreifzuges ist Stephan Günzel. Er ist Professor für Medientheorie an der Berliner Technischen Kunsthochschule. Zuvor lehre er an der Humboldt-Universität Berlin sowie an den Universitäten Jena, Klagenfurt und Trier. Von 2008 bis 2010 war er Koordinator des Zentrums für Computerspielforschung (DIGAREC) und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Künste und Medien der Universität Potsdam. Damit will ich sagen: dieser Mann befasst sich wissenschaftlich mit dem Thema Games und ist mit Sicherheit ein begeisterter Gamer. Dies sieht man diesem Buch an. Er selbst setzt sich mit der Frage nach dem Kunstbegriff in mehreren Aufsätzen in dem Buch Push Start – The Art Of Video Games auseinander – sowohl in Deutsch als auch in Englisch. Also für mich eine klar Kaufempfehlung dieses Coffee Table-Books.

Feste Klassenzimmer für Lehrer oder für Schüler?

19. Juni 2015
Klassenzimmer in Erfurt bei meinem Besuch.

Klassenzimmer in Erfurt bei meinem Besuch.

In der jüngsten Zeit habe ich in meinen Schulungen wieder viel mit Lehrern und Schülern zu tun gehabt. Dabei war ich auch an unterschiedlichen Schulen unterwegs und dort sind mir grundsätzliche Unterschiede in den Klassenzimmern aufgefallen. Es gab Schulen, bei denen die Schüler feste Klassenzimmer haben und die Lehrer wechseln und es gab Schulen, bei denen die Lehrer feste Klassenzimmer haben und die Schüler wandern.
Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, da hatten wir einen festen Klassenraum. Der war mit Postern dekoriert und war am Ende des Schultages komplett vermüllt. Die Lehrer mussten zu uns in den Unterricht kommen. Ausnahmen waren Chemie, Physik, Bio, Kunst, Musik und freilich Sport. Da mussten wir unseren Astralkörper zu den Lehrern in die Fachräume bewegen.

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Dieses System wird von vielen Schulen weiterhin aufrechterhalten. Aber es gibt auch neue Ansätze, die mir sehr gut gefallen. Ein modernes Klassenzimmer enthält heute Beamer, Rechner, Internet und auch Smartboards. Und ich habe subjektiv festgestellt: Wenn es feste Klassenräume für Lehrer gibt, dann funktioniert diese Technik. Die Lehrer kümmern sich um ihre Ausrüstung und kennen sich damit aus. Es fehlt kein VGA- oder HDMI-Kabel und es geht keine Zeit verloren, bis der Unterricht beginnt. Die Lehrer haben ihre Unterrichtsmaterialien eingespielt und begrüßen die Schüler mit einer Präsentation oder einem lustigen YouTube-Video zum Einstieg. Es müssen nicht extra Bücher aus Bibliotheken besorgt werden. Da geht wieder wertvolle Unterrichtszeit verloren, sondern der Büchersatz steht im Klassenzimmer bereit und ist gepflegt. Die Verantwortung geht auf den Lehrer über und er hält seinen Laden/Klassenzimmer in Schuss.
Und ich habe festgestellt, dass die Klassenzimmer sauberer sind. Es liegt kein Müll herum, denn die Lehrer haben ein Auge auf ihren Raum, schließlich sind sie für diesen Raum alleine verantwortlich. Allerdings gibt es weniger Poster an der Wand, wie zu meiner Schulzeit. Und ich glaube, dieses System braucht mehr Räume.
All dies sind rein subjektive Eindrücke von mir. Mich würde mal eure Einschätzung interessieren. Habt ihr Erfahrungen oder Meinungen dazu?

Wächter der Zeit mit Penner verwechselt: Interview mit Manfred Kielnhofer

22. Oktober 2014

Ganz Berlin ist derzeit im Wächter der Zeit-Fieber. Im Rahmen des Festivals of Lights ist der österreichische Künstler Manfred Kielnhofer mit seinen Wächtern unterwegs. Die Wächter der Zeit sind große Figuren, die an mytische mittelalterliche Mönche erinnern. Mich faszinieren die Kunstwerke und ich habe mir auch schon einen Wächter gekauft. Meine Bekannte Tanja Kaiser hat in Berlin dieses nette Bild von den Wächtern geschossen.

Wächter der Zeit - derzeit in Berlin. Foto: Tanja Kaiser

Wächter der Zeit – derzeit in Berlin. Foto: Tanja Kaiser

Mir gefallen die Figuren von Manfred Kielnhofer. Ich kann sie lange betrachten und sie regen mich zum Nachdenken an. Daher habe ich mich zur jüngsten Art Salzburg, eine internationale Kunstmesse, aufgemacht und auf dieser exklusiven Kunstausstellung den Linzer Künstler getroffen, um spontan ein Videointerview zu führen.
„Der Wächter der Zeit soll die Menschheit beschützen“, so Kielnhofer. Nach dem Festival of Lights in Berlin gehen die Figuren auf Tour. So ist geplant, dass die faszinierenden Kunstwerke einen Abstecher nach Basel, Wien und auch nach New York machen. Das wäre der Schritt in die große Welt, denn bisher waren die Wächter nur in Europa unterwegs. Im Interview kündigte Kielnhofer große Wächter an, die jetzt in Berlin zu sehen sind. Sie sind ideal für einen großen Garten und sicher auch ein Publikumsmagnet.

Der Schöpfer der Wächter der Zeit Manfred Kielnhofer im Interview mit mir.

Der Schöpfer der Wächter der Zeit Manfred Kielnhofer im Interview mit mir.

Der sitzende Wächter wird von Kielnhofer bewusst ein wenig kitschig gestaltet, damit sich die Zielgruppe seiner Käufer erhöht. Aber Otto Normalverbraucher erwirbt die Kunst von Manfred Kielnhofer sicher nicht.
Nett ist eine Episode am Rande der Art Salzburg. Die Wächter sind auf dem Außengelände aufgestellt, eine stehende Figur, eine sitzende. Ein Sicherheitsmann rief nachts den Veranstalter der Kunstausstellung an und meinte, auf dem Gelände seien Penner. Er verwechselte einen sitzenden Wächter der Zeit mit einem Landstreicher.

Große und kleine Kunst im Hotel Prinz Luitpold Bad

17. Oktober 2014

Mein Kultur-Tipp für Euch – Entspannung in anregender Atmosphäre stand dieses Jahr auf dem Urlaubsprogramm der Familie. Gefunden haben wir diese Oase der Entspannung im Hotel Prinz Luipold Bad in Bad Hindelang. Es ist ein schön gelegendes Spa-Hotel im Allgäu und es ist beim näheren Hinsehen ein Hort der Kultur. Überall in dem Hotel gibt es zahlreiche Kunstwerke, Möbel, Gemälde, Installationen. Nicht aufdringlich, sondern die Kunst fügt sich elegant in das Ambietente dieses Hotels.
Beispiele für diesen Kunstgenuss gibt es zahlreiche und ich möchte nur ein paar herausstellen. Jeder Gast soll selbst auf die Entdeckungsreise gehen. Dieser Blogpost ist Teil einer Blogparade „Mein Kulturtipp für euch“, die von meiner Iron-Blogger-Kollegin Tanja Praske gestartet wurde.
Interessant war für die Familie aber auch die zahlreichen Kunstwerke im Hotel. Viele Originale und einige Kopien haben mein Interesse geweckt. Über den Geist des Hauses habe ich schon geschrieben, aber es sind noch viele Werke zu entdecken. Es beginnt natürlich mit zahlreichen Bilder des Namenspatrons Prinz Luipold, der immer wieder im Hotel auftaucht.

Der Prinzregent auf dem Pferd.

Der Prinzregent auf dem Pferd.

Meiner Frau ist die wunderschöne Boulle Uhr ins Auge gefallen. André Charles Boulle war ein französischer Kunstschreiner im 17. Jahrhundert. Seine Marketerie-Funiere waren unter Ludwig XIV in Frankreich sehr populär. Im 19. Jahrhundert feierte der Boulle-Stil eine Renaissance – aus dieser Zeit kommt auch diese wundervolle Uhr. Schildplatt ist durch bemaltes Ebenholz ersetzt. Die Statue zeigt vielleicht Athene, Göttin der Weisheit, der Strategie, der Kunst, des Handwerks und der Handarbeit. Die Uhr ist noch funktionsfähig.

Eine wunderbare Uhr.

Eine wunderbare Uhr.

Zum Aufgang zu den Zimmern habe ich mich in Judith verliebt. Ein tolles Bild, das im Original in der Neuen Pinakothek hängt. Laut alten Testament belagert General Holofernes vom Heer des babylonischen Königs Nebukadnezar II. die Stadt Bethulia. Judith betört den General und macht ihn mit Wein betrunken und enthauptet ihn.

Tolle Frau, diese Judith.

Tolle Frau, diese Judith.

Als sie den Körper ihres Generals finden, fliehen die Soldaten und die Belagerung ist beendet. Wer genau hinsieht, findet den abgeschlagenen Kopf.
Judith als Verkörperung von Mut, Geschlossenheit, auch aufopferungsvoller Vaterlandsliebe, verknüpft mit weiblicher Schönheit. Wie hieß es doch in der Bibel: „Sie hatte eine schöne Gestalt und ein blühendes Aussehen.“ (Judith 8,1). Das Original dieses Bildes stammt von August Riedel (1799-1883) und hängt – wie geschrieben – in der Neuen Pinakothek München. König Ludwig I. hat es persönlich erworben. Im Bad Hindelang hängt eine unsignierte Kopie des Bildes.

... mit abgeschlagenen Kopf.

… mit abgeschlagenen Kopf.

Kunst: Mann auf der goldenen Mozartkugel

1. Oktober 2014

Foto 1

Eines muss man dem Salzburger lassen. Sie können moderne Kunst in ihrem Alltag wahrnehmen. Ich bin durch Annette E. Diepenbrock von Deleguide auf den Walk of modern Art in Salzburg auf die verschiedenen Kunstwerke aufmerksam gemacht worden – herzlichen Dank.
Bei meinem jüngsten Besuch dieser schönen Stadt saß ich ein wenig auf dem Kapitelplatz herum, ruhte aus und beobachtete das Festspieltreiben. Irgendwie hab ich dabei die Skulptur Sphaera von Stephan Balkenhof erst einmal übersehen. Erst beim Verlassen des Platzes sah ich die Goldene Kugel. Wie konnte ich nur dieses Kunstwerk übersehen?

Mann auf der Kugel

Mann auf der Kugel

Der deutsche Bildhauer Stephan Balkenhof schuf 2007 seine Sphaera in einer Größe von 9 Meter. Sie besteht aus einer vergoldeten, zwei Tonnen schweren Kugel mit einem Durchmesser von fünf Metern. Die Kugel besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff und liegt auf einem schmiedeeisernen Gestell mit einem Gewicht von 3,5 Tonnen. Auf der Kugel steht in neun Metern Höhe eine 300 Kilogramm schwere, bronzene männliche Figur mit schwarzer Hose und weißem Hemd. Oben auf der goldenen Kugel steht dieser Mann, der jedermann sein könnte. Die Figur hat keinerlei Ausdruck, kein Lächeln und das macht seinen Reiz aus. Das Kunstwerk in Salzburg gilt als Mann auf einer Mozartkugel.
Es gibt noch ein Gegenstück, die Frau im Fels. Es ist eine Frau mit rotem Kleid, die in einer Felsnische im Toscaninihof steht. Sie soll an eine Tunnelheilige erinnern. Allerdings hatte ich aus Zeitgründen keine Möglichkeit zur Besichtigung.

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Ein Stuhl für Mozart – Spirit of Mozart von Marina Abramovic

20. September 2014

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Wer auf der Staatsbrücke in Salzburg steht und die Altstadt im Rücken hat, wundert sich über einen überdimensionalen Stuhl, der am Ufer steht. Es ist keine banale Werbung für das Möbelhaus Lutz XXL mit seinen großen roten Stühlen, nein – vielmehr handelt es sich um moderne Kunst. Es nennt sich Spirit of Mozart, der berühmten Marina Abramovic.
Das Kunstwerk aus dem Jahre 2004 ist aus Metall und erhebt sich 15 Meter in den Himmel. Am Ende des Kunstwerks ist ein Stuhl zu erkennen. Wer sich der Installation nähert, entdeckt am Ufer weitere acht metallische Stühle. Sie laden zur Mediation und Verweilen über Spirit of Mozart ein. Und auf einmal wird das Kunstwerk interaktiv, man wird selbst zur Kunstwerk. Ich nehme auf einen Stuhl Platz und hänge meine Gedanken nach. Anfangs kam ich mir ein wenig komisch vor, das Ensemble zu nutzen, mich selbst zum Kunstwerk zu machen. Die Salzburger und Touristen eilen vorbei und schauen mich nur kurz an. Ich bleibe allein. Irgendwann setzt sich ein Kind auf einen Stuhl neben mir und betrachtet den Stuhl in der Höhe. Der Name Marina Abramovic ist mit moderner Kunst sehr eng verbunden und es ist schön, ein Kunstwerk auf dem Walk of modern Art in Salzburg zu begegnen und das in einem belebten Stadtraum und nicht in einem Museum.


Die Künstlerin Marina Abramovic sagt selbst: „Mitten im Herzen von Salzburg, wo Verkehr und hektisches Stadtleben pulsieren, wollte ich einen Ort der Besinnung schaffen und ihm dem Geiste Mozarts widmen. Der Geist ist etwas Unsichtbares, aber wenn man ihm einen Sitz errichtet, wird das Unsichtbare sichtbar. Jeder, der lange genug sitzt und nachdenkt, kann eine Verbindung mit unsichtbaren Kräften eingehen.“ Bei dem Kind das neben mir auf den Metallstühlen saß war das Fazit ein anderes. Es sagte „Mozart ist wohl nicht da!“

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