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Universalkünstler Wenzel Hablik und seine expressionistischen Utopien

11. Januar 2018
Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Wer sich für den deutschen Expressionismus interessiert, der sollte sich sputen. Nur noch bis 14. Januar 2018 ist im Berliner Martin Groupius Bau die absolut sehenswerte Ausstellung über Wenzel Hablik zu sehen. Bei einem Kurztripp nach Berlin bin ich eingetaucht in die expressionistischen Utopien von Wenzel Hablik. Leider war es untersagt Fotos von der Ausstellung zu machen und die Museumsleitung vergibt sich damit die Chance, die breite Öffentlichkeit auf die Ausstellung aufmerksam zu machen. Das ist schade, denn Kunst muss raus dem Elfenbeinturm zu den Menschen.


In den Ausstellungsräumen war bei meinem Besuch nicht viel los. So hatte ich Zeit, mich den ausgestellten Werke zu widmen. Zur Ausstellung ist auch ein ausgezeichneter Katalog Wenzel Hablik – Expressionistische Utopien bei Prestel erschienen. Wer war Wenzel Hablik? Bis zu der Ausstellung hatte ich von diesem Maler, Zeichner und Schreiner, Raumausstatter und Universalkünstler nichts gehört, aber ein Teil seiner Bilder waren mir vertraut. Ich habe seine Kristallpaläste als Jugendlicher als Illustration von Science Fiction-Romanen wahrgenommen und als ich nun das Veranstaltungsplakat zur Ausstellung sah, war klar: Da muss ich hin.
Und ich war fasziniert von dem Gesamtkunstwerk. Es schlug mich sofort in seinen Bann. Utopische Architekturentwürfe, expressionistisches Interieur, fantastische Farbwelten – all dies ist nur ein Teil des Werkes von Wenzel Hablik (1881–1934), der sich als Universalkünstler dem Gesamtkunstwerk verschrieb. Das Wort Universalkünstler passt bei ihm auf jeden Fall. Hablik gilt, so habe ich nachgelesen, als einer der wichtigen Vertreter der deutschen expressionistischen Architektur- und Gestaltungsavantgarde. Es ist die erste umfassende Einzelausstellung seines Werkes in Berlin und daher muss man die Ausstellung eigentlich gesehen haben.


Im Mittelpunkt der Berliner Ausstellung im Martin Gropius Bau stehen seine Architekturvisionen und sein 1923 farbig gestaltetes Meisterwerk eines Raumkonzepts als Rekonstruktion. Sie werden durch die Präsentation von Malerei und Design ergänzt, denn erst in der Kombination wird der Grundgedanke des Gesamtkunstwerkes, wie Hablik es verfolgte, nachvollziehbar. Das alles machte mich neugierig.
Die Ausstellung ist didaktisch gut aufgebaut. Von Raum zu Raum wird die Entwicklung des Künstlers deutlicher. Beeinflusst durch seine Studienzeit an der Wiener Kunstgewerbeschule und der Kunstakademie in Prag lässt sich seine Entwicklung vom Jugendstil über den Expressionismus und die farbbegeisterten frühen 1920er-Jahre bis hin zur Neuen Sachlichkeit nachvollziehen. Mein erster großer Stop waren die Kristallbilder. Aus seiner Liebe zu den Bergen schuf Hablik fantastische Welten. Hier kamen sofort die Erinnerungen an meine Jugend wieder hoch.
Als Hablik auf seinen Reisen einst alleine den Mont Blanc bestieg und dann 1906 den Sonnenuntergang über den Bergmassiv malte, war ich fasziniert. Hablik hatte mich mit seiner Kunst gefangen und ich wusste, dass die Ausstellung für mich länger dauern würde.
Ich will jetzt nicht Bild für Bild beschreiben, dazu gibt es den Katalog. Lasst mich ein paar Highlights herausheben: Wellen, Gewitter – dann blieb ich an dem Bilderzyklus Schaffende Krähe hängen und sinnierte über den Ausspruch „Der Mann, der Raum, zwei Ewigkeiten.“ 1909 und 1913 kamen Bilder des Sternenhimmels hinzu.


Dass Wenzel Hablik aber auch ein zerrissener Künstler war, zeigte sich 1913 mit dem Bild Woher – Wohin. Im Grunde ist es eine Hommage an Auguste Rodins Der Denker. Hablik schafft es, seine Selbstzweifel visuell darzustellen.
Dann kam der große Krieg, der erste Weltkrieg. Wie alle Künstler, die an diesem Irrsinn teilgenommen haben, musste er es verarbeiten. Er tat es mit einem gewalttätigen Bild Zerstörung aus dem Jahre 1917. Expressionistische Explosionen, Farben und Formen zerbersten. Als ich das Bild gesehen hatte, versetzte es mir einen Schock, wie kraftvoll sich hier die Bildsprache entlädt. Ruhiger ging es dann 1921 bei der Architekturlandschaft und 1924 bei der freitragenden Kuppel zu.
Und dann kam für mich der Höhepunkt der Ausstellung: Wenzel Hablik entwarf komplette Räume. Farben und geometrische Formen überall. Im Martin Gropius Bau wurde das Esszimmer Habliks nachgebaut. Hier verschlug es mir die Sprache. Obwohl es untersagt war, ein Foto zu machen, schoss ich ein 360 Grad Bild, um meiner Frau einen Eindruck von diesem Gesamtkunstwerk zu geben.


Es kam damals einer kleinen Sensation gleich, dass das farbige Raumkonzept eines von Wenzel Hablik 1923 gestalteten Esszimmers 80 Jahre weitgehend unbeschadet überstanden hat. Bunt und in streng geometrischen Formen vom Boden bis zur Decke gestaltete er damals das Speisezimmer seiner Villa in Itzehoe. 1933 ließ er es unter neutralen Tapeten verbergen. 2013 wurden die wertvollen Malereien freigelegt. Eine Rekonstruktion dieses Kunstwerks ist im Martin Gropius Bau noch bis 14. Januar 2018 zu sehen. Oder zumindest den Katalog Wenzel Hablik – Expressionistische Utopien kaufen.

Unterton – Installation am Martin Gropius Bau Berlin

7. Januar 2018
Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Wer nicht den Haupteingang des Martin Gropius Baus in Berlin benutzt, sondern den südlichen Hintereingang, der stößt unweigerlich auf die Installation Unterton. Mir hat diese Toninstallation gefallen und unheimlich Spaß gemacht.
Auf der Südseite des Ausstellungsbaus gibt es einen großen kreisförmigen Platz. Im Zentrum des Platzes findet sich eine runde Bodenplatte, von der aus man die beste Akustik hat. Über den Platz verstreut sind Gullydeckel und in diesen Deckeln ist ein Schlagwerk eingebaut. Wenn ich den Platz betrete, dann aktivieren sich Bewegungssensoren.

Magnethämmer, die unter den acht radial angelegten Gullydeckeln angebracht sind, beginnen zu schlagen. Je nachdem wie ich mich bewege, kommen verschiedene Klangbilder. Sie sind – so mein Eindruck – eine Art Morsecode. Wie eine Art Glockenspiel schlagen die Klöppel und erzeugen einen metallischen Klang aus dem Untergrund heraus, daher wohl der Name Unterton.
Die Installation Unterton stammt von Ina Geißler und Fabian Lippert aus dem Jahre 2011. Im Rahmen des Konjunkturpakes II der Bundesregierung ist diese Installation als Kunst am Bau gestaltet worden. Für Besucher wichtig: Die Installation funktioniert nur zwischen 8 und 20 Uhr, sonst fallen wohl der Nachbarschaft die Ohren ab.

Im künstlerischen Konzept von 2011 heißt es: „In seiner jetzigen Form wird der Stadtraum vor der Südseite des Martin-Gropius-Baus nicht als Platz, sondern ausschließlich als Passage, also im ‚vorbeigehen‘ erlebt. Weder gibt es eine räumliche Fassung oder angrenzende Hauseingänge, noch belebende Elemente oder Aktivitäten. Der Ort ist bestimmt durch die Schwere des Bodenmaterials, das die ‚historische Aura‘ des Bodens verstärkt.“ Und weiter ist dort zu finden: „Eine unterirdische akustische Installation in der Mitte des Platzes fördert eine neue Raumwahrnehmung. Beim Betreten der zentralen Fläche wird ein rotierendes Klangbild unterhalb des Bodens in Gang gesetzt. Es fordert den Passanten zum Innehalten und Verweilen auf…“
Ich fand es spannend und werde bei meinen nächsten Besuch wieder Töne aus dem Untergrund hervorlocken.

Ausstellungstipp: Kunsthalle München – gut wahr schön

4. Januar 2018

1Noch bis zum 28. Januar 2018 gibt es in der Kunsthalle München die Ausstellung „gut wahr schön“ zu sehen. Sie zeigt Werke des Pariser Salons aus dem Musée d‘Orsay. Ich habe mir die Bilder und Skulpturen angesehen und vieles dort hat mich nachdenklich gemacht.

Gibt es Kriterien dafür, was Kunst ist? Was ist gute und was ist schlechte Kunst? Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich die Bilder und die Begleittexte sowie den exzellenten Katalog der Ausstellung ansah. In mir hat die Ausstellung viel bewegt und ich bin den Organisatoren der Kunsthalle für diesen Input sehr dankbar.
Was zeigt also die Ausstellung unter dem seltsamen Titel „gut wahr schön“? Der jährliche Pariser Salon, der Salon de Paris, war im 19. Jahrhundert die weltweit wichtigste Kunstausstellung und das gesellschaftliche Ereignis schlechthin. Hunderttausende Besucher kamen, um dort das vielfältige Schaffen der damals bedeutendsten Künstler zu bewundern. Anhand von über 100 Kunstwerken, von denen die meisten noch nie in Deutschland zu sehen waren, zeigt die Ausstellung in der Kunsthalle München, wie im Pariser Salon klassische Tradition auf modernes Leben traf. Es gilt, diesen wesentlichen Bereich der französischen Kunst des 19. Jahrhunderts neu zu entdecken. Ich machte mich auf zu dieser Entdeckungstour.

Pro Raum gab es zwei, drei Bilder, die mich wirklich fesselten aus unterschiedlichen Gründen. Und wenn ich die Begleittexte las, stellte ich mir die Frage, wer eigentlich ausstellen durfte und wer nicht. Viele der Bilder sind Ergebnisse von Wettbewerben und die Jury-Mitglieder von damals entschieden, wer Sieger war und wer eben nicht. Von ihrem Urteil hing es ab, ob ein Künstler seine Werke finanziell hochpreisig an den Mann bringen konnte. Die Jury hatte eine unglaubliche Macht in diesem Kunstgeschäft. Da der Pariser Salon so etwas wie eine extrem wichtige Kunstmesse war, saß diese Jury an einer Schlüsselposition. Und die Ausstellung zeigte, die Willkür dieser Jury, denn viele Künstler, die damals groß gehandelt wurden, sind heute vergessen. Kunst liegt also hier im Auge des Betrachter.

Historienmalerei als sterbende Kunst
Beim Lesen des Katalogs, dessen Anschaffung für 29 Euro, ich ausdrücklich empfehle, kommt im Vorwort das Problem der staatlich geförderten Historienmalerei zur Sprache. Die Bilder sollten was Erhabenes darstellen, oft Motive aus der Mythologie, der Antike oder des Christentums. So lautete der Auftrag und die Maler und Bildhauer machten sich frisch ans Werk. Gleichzeitig brach aber eine neue Zeit der Wissenschaft und der Industrialisierung an. Wie konnte eine solch rückwärtsgerichtete Kunst noch Antworten auf die Fragen der Zeit geben? Wird eine solche Kunst noch ernstgenommen? Und als dann noch für Frankreich der Krieg gegen Deutschland 1871 verloren ging, stand die französische Kunst vor einem riesigen Problem der Identifikation. Technisches Können, argumentierte die Jury bis spät ins 19. Jahrhundert, sollten die Künstler vor allem mit großformatigen, höchst anspruchsvollen Darstellungen unter Beweis stellen.

Wer durch die wunderschöne Ausstellung wandert, der verspürt viel vom Geist einer untergegangen Epoche und die Versuche, einen neuen Weg einzuschlagen – immer wieder der Gegensatz von Ideal contra Wirklichkeit. Schon die Salonkritiker des zweiten Kaiserreiches schrieben immer wieder den Untergang der Historienmalerei herbei. Und am Ende kam es auch so. Die Vormachtstellung des Pariser Salons verblasste. Da half auch die ganze Akt-Malerei nicht mehr. Zu lesen war sogar von Pin Up-Girls anstelle von klassischem Akt – böse, böse. Es wurde über den Substanzverlust des Schönen diskutiert. Ich muss zugeben, dass ich vor dieser Ausstellung in der Kunsthalle München von den Künstlern und dieser Diskussion wenig mitbekommen hatte.

Noch bevor die Ausstellung beginnt, hängt am Eingang eine Fotografie eines unbekannten Fotografen, der die Künstler der damaligen Epoche zeigt – freilich nur Männer. Es ist interessant, wie sich die Herren Künstler vor der Kamera positionieren. Mal ernst, mal humorvoll, mal würdig, mal arrogant – was müssen das für Grabenkämpfe innerhalb der illustren Künstlerschar gewesen sein. Wie hieß es bei Kubrick in Barry Lyndon: „Ob arm, ob reich, am Ende sind sie alle gleich.“
Ich bin dankbar, dass ich die Ausstellung gut wahr schön nicht verpasst habe. Wer sich für Kunst in München interessiert, sollte bis zum 28. Februar 2018 auf in die Kunsthalle machen und in eine vergangene Zeit eintauchen.

Buchtipp: Compendium von Michael von Hassel

28. Februar 2017

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Irgendwie gehören Zufälle zum Leben. Ich hatte einen Termin mit der Mutter und traf auf den Sohn, der mich enorm beeindruckte. Michael von Hassel ist einer der große Fotokünstler in Deutschland und sein Werk fasziniert mich enorm.
Ich hatte einen geschäftlichen Termin mit Anne-Marie von Hassel. Sie ist Verlegerin der Bayerischen Gemeindezeitung und zusammen mit ihren Töchtern wollten wir über ein Konzept sprechen. Ich fand bei dem Termin aber nicht gleich den richtigen Eingang zum Gebäude. Vor dem Haus parkte ein Lieferwagen und ein junger Mann wuchtete gut verpackte Bilder in das Fahrzeug. Wir kamen ins Gespräch, wen ich denn suchte und er stellte sich mir als Michael von Hassel vor. Prima, er zeigte mir den Weg zu seiner Mutter und seinen Schwestern und kamen kurz ins Gespräch. Er fotografiere ein bisschen, sagte er untertrieben. Ich schaute mir die Fotos an und war fasziniert. Es waren HDR-Bilder, die mich berührten. Gerne hätte ich mich mehr mit Michael von Hassel unterhalten, aber er bereitete eine Ausstellung von Wiesn-Bildern am Münchner Marienplatz vor. Zudem hatte ich ja einen Termin mit der Mutter wegen einer geschäftlichen Angelegenheit.
Wieder zu Hause bestellte ich mir sofort das Buch Compendium von Michael von Hassel und vielleicht habe ich ja mal die Gelegenheit zu einem Interview mit dem großartigen Künstler.


Die optische Kraft seiner Fotos ist gewaltig. Und damit beginnt schon die Diskussion. Sind es überhaupt Fotos, oder sind es vielmehr Bilder? Gibt es überhaupt einen Unterschied? Nun jedes Foto ist ein Bild, aber nicht jedes Bild ein Foto. Egal – auf jeden Fall schweigt sich Michael von Hassel über seine spezielle Fototechnik aus. Fest steht, es sind HDR-Bilder – High Dynamik Range. Dadurch erhalten die Aufnahmen einen gewissen Drama-Faktor. Farben und Kontraste werden extrem betont, wenn nicht gar überbetont. Die Fotos werden wuchtiger, kraftvoller – und ja, auch wenig kitischiger. Es ist von allem ein wenig zuviel und in der Kombination miteinander im Adobe Lightroom oder Adobe Photoshop ist gelungen. Michael von Hassel nennt seine Art zu fotografieren hyperrealistisch. Der gelernte Banker und studierte BWLer begann ganz klassisch in Schwarzweiß, wechselte aber schnell zur Farbe und ist dabei geblieben. Für seine Arbeiten bekam er allerhand Preise – und dies zurecht.


Die Bilder sind durch die HDR-Technik extrem kontrastreich. Das vorhandene Licht wird verstärkt, die Farben betont – ein Meer von Licht und Farbe hätte es Juliane Werding genannt. Durch diesen Hyperrealismus kommen die Details verstärkt zum Vorschein. Die Bilder fesseln, der Zuschauer entdeckt beim Betrachten immer wieder etwas Neues.
Ich bin Michael von Hassel sehr dankbar. Zum einen natürlich für seine Bilder, die mich faszinieren. Zum anderen danke ich ihn für seine Inspiration. Aufgrund seines Buches Compendium habe ich wieder zu fotografieren begonnen. Dafür recht herzlichen Dank.

New Yorker Popart-Künstler Ed Heck – Meine Reiseimpressionen Teil 13

19. Januar 2017

New York bietet einige der besten Kunstmuseen der Welt. Kunst ist aber nicht nur im Guggenheim und Co zu finden, sondern an jeder Straßenecke. Die Stadt strotzt nur so von Kunst und Künstlern, sei es Film, Musik, Malerei, Tanz und vieles mehr. Wer genau hinschaut, findet überall Kunst – und sei es auch nur die Kunst in dieser Stadt zu überleben.

Kunst oder nicht? Streetart überall in New York.

Kunst oder nicht? Streetart überall in New York.

Ich habe im Big Apple ein paar Bekannte, darunter auch eine Berühmtheit. Ich kenne im New Yorker Stadtteil Brooklyn einen Künstler, dessen Werk und Person ich gerne mag. Sein Name ist Ed Heck. Er ist einer der wichtigsten Vertreter des New Yorker Popart und meine Familie besitzt mehrere Bilder von ihm. Im Laufe der Jahre haben wir uns angefreundet und wenn ich in New York zu Gast bin, dann schau ich gerne in seinem Studio in Brookyln auf einen Plausch vorbei. So auch dieses Mal.

ich mag so eine Art von Humor.

ich mag so eine Art von Humor.

Banksy in New York
Auf dem Weg zu ihm, traf ich zufällig auf ein Kunstwerk, von einem Künstler, dessen Arbeit ich verehre: Banksy – auf der Upper West Side stieß meine Frau zufällig auf ein Bild von ihm. Fast wären wir in unserer Hektik an dem Werk vorbeigelaufen. Wer mehr über Bansky und New York wissen will, sollte hier klicken. Leider ist von Banksys Werk in New York nicht viel übrig geblieben. Er war im Oktober 2013 in New York und hinterließ jeden Tag ein Kunstwerk in den Straßen. Sein Motto: „Better Out Than In“ (BOTI). Viele der Kunstwerke sind zerstört, einiges konnte erhalten werden, wie dieses wunderbare Graffiti als genialer Beitrag zu Streetart. Das absolut lesenswerte Buch Banksy in New York dokumentiert die täglichen Stationen von Banksy und seiner Kunst in New York. Ich liebe Banksy.

Auf einmal standen wir von einem echten Banksy.

Auf einmal standen wir von einem echten Banksy.

Ed Heck und sein Studio
Das Studio von Popart-Künstler Ed Heck liegt in Brookyln und ist mit seinen Bildern eingerichtet. Die Bilder sind bunt, in grellen Farben und machen mir einen riesigen Spaß. Kein Wunder, denn Ed Heck illustrierte Kinderbücher mit Katzen, Vögel und vor allem Hunde. Ich habe mir einige der Kinderbücher von Ed Heck gekauft und habe meine Freude daran. Diese Art zu malen hat er auf die große Leinwand übertragen. Nach seinem Studium an der Kunstschule (School of Visual Arts, BFA) 1987 arbeitete Heck bis 2004 als Illustrator beim American Museum of Natural History. Dort erlebte er auch das Trauma 11. September. Wer heute in der Dino-Abteilung des Museums genau hinschaut, sieht überall Bilder von Ed Heck. Ich werde über das Museum noch in dieser Blogreihe schreiben. Seit 2004 ist Heck selbstständiger Künstler.

Ein toller Kerl und ein genialer Künstler: Ed Heck.

Ein toller Kerl und ein genialer Künstler: Ed Heck.

Weißwurst als Auslöser für eine Freundschaft
Ich hab ihn das erste Mal in Deutschland auf einer Vernissage der Galerie Mensing getroffen. Er stellte seine Bilder auf und wir entschlossen uns zum Kauf eines Bildes von zwei liebenden Vögeln.
Weil es wohl Bayern war, entschloss sich der Galerist Weißwürste als Verpflegung anzubieten. Leider hat er dem US-Amerikaner Ed Heck aber nicht gezeigt, wie er eine bayerische Weißwurst essen soll. Heck versuchte die Wurst wie eine Currywurst zu schneiden und zu essen – mit Haut. Da musste ich eingreifen. Ich nahm Ed Heck unter den entsetzten Blicken der Münchner Kunstszene und des Galeristen die Weißwurst weg und warf sie in den Müll. Eine Weißwurst mit Darm zu essen, das geht wirklich nicht. Dann holte ich vom Catering eine frische Weißwurst und zeigte Ed Heck, wie man die bayerische Spezialität richtig von der Wurstpelle befreit und professionell mit süßem Senf und Brezn isst. Heck war sichtlich dankbar und wir unterhielten uns angeregt. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Immer wieder trafen wir uns, ich kaufte ein paar Bilder und wenn ich in New York war, schaute ich in seinem Studio vorbei.

Ed Heck mit (meiner) Ehefrau und Ente.

Ed Heck mit (meiner) Ehefrau und Ente.

So auch dieses Mal und ich brachte Ed Heck ein kleines Geschenk mit. Ich weiß, dass Heck Enten mag und so verschenkten meine Familie und ich eine gelbe Badeente mit bayerischer Klamotte und Bier und natürlich Weißwurst. Ed Heck verstand den Humor sofort.

Superhelden auf Leinwand
Wir durften einen Blick auf aktuelle Bilder werden, die eine enorme Kreativität und Humor ausstrahlen. Ich mag diese kindlich-naive Art der Motive, die sich immer wieder auf New York beziehen. Die tierischen Figuren haben Charakter. Im Moment arbeitet Heck an einer Serie über Superhelden, wobei wir uns einig waren, dass Batman der beste Superheld schlechthin ist. Die dunkle Seite von Bruce Wayne faszinierte uns beide. Für ein Bild braucht er etwa eine Woche. Lange sprachen wir über Copyright und die Freiheit der Kunst. Marvel beispielsweise hat weniger Probleme, wenn man aus die markenrechtlich geschützten Figuren künstlerisch verändert. Der Motorrad-Hersteller Harley Davidson hat dagegen weniger Humor und klagt bei Rechteverstößen alle in Grund und Boden.

Ed Heck zeigte uns sein legendäres Notizbuch.

Ed Heck zeigte uns sein legendäres Notizbuch.

Heck zeigte uns auch sein legendäres Notizbuch. Dies trägt er immer bei sich. Sobald er eine Idee für eine neue Figur hat, wird es in diesen Notizbuch verewigt. Dann entstehen die Werke auf der großen Leinwand, wobei der Rechner zum Einsatz kommt, um den besten Kontrast der Farben auf dem jeweiligen Motiv auszuloten. Irgendwann, so Heck, plane er die Anschaffung eines Wacom Cintiq-Tablets, um den Workflow zu verbessern.

Ed Heck kommt wieder nach Deutschland
Im Februar 2017 kommt Ed Heck für einen Monat nach Deutschland. Ein neuer Kunde hat ihn eingeladen und stellt ihn Wohnraum und Atelier zur Verfügung. Es soll eine neue Zusammenarbeit entstehen. Ich versuche nach Stuttgart zu kommen und habe schwäbische Freunde schon aktiviert, damit wir die Gegend unsicher machen können. Die sprechen die Landessprache und kennen sich aus. Ich freue mich schon wieder auf unser nächstes Treffen.

Leider ist sein Sohn dieses Mal nicht dabei, er muss zur Schule. Ich habe ihn einmal kennengelernt. Er studiert Schlagzeug und spielt mit den absoluten Größen der Szene. Vor Weihnachten hatte der Sohnemann die Gelegenheit mit Ringo Starr in einer Masterclass zu drummen. Wer kann das schon von sich behaupten? Papa Heck hat selbst Zugang zur US-Musikszene und ist eng befreundet mit Carmine Appice. Ich verehre diesen Drummer aus seiner Zeit von Beck, Bogart und Appice. Ed Heck und Carmine Appice sind ein prima Team und vielleicht habe ich irgendwann das Glück auch mal Mäuschen zu sein, wenn sich die kreativen Köpfe treffen.

Kunstwerk auf dem iPad Pro
Als Zeichen unserer Freundschaft wurde mir eine besondere Ehre zu Teil. Ich bekam das letzte Bild des Jahres 2016 von Ed Heck live gemalt.

Ein echter Ed Heck auf meinem iPad Pro - vielen Dank.

Ein echter Ed Heck auf meinem iPad Pro – vielen Dank.

Auf der Rückseite meines goldenen iPad Pro malte er einen typischen Ed Heck Hund. Meine Frau hat das Entstehen des Kunstwerkes mitgefilmt. Lieber Ed Heck, vielen, vielen Dank für dieses Bild. Es bedeutet mir sehr viel. So trage ich jetzt einen echten Heck in meinen Seminaren herum. Naja, wird Zeit, dass Apple im März ein neues iPad veröffentlicht, damit mein Heck in eine Vitrine kommt. Auf jeden Fall bin ich sehr stolz.

Malen für Erwachsene
Ed Heck ist ein geselliger Typ, der die Beatles hört und immer wieder neue Ideen hat. Immer wieder organisiert er Kindermalerei-Camps. Hier können Kinder malen lernen und sich kreativ ausleben. Jetzt ist er dazu übergegangen, auch Malpartys für Erwachsene zu organisieren. Er kommt mit Ed Heck Motiven und Malstiften zu einer Party und Erwachsene können Bilder ausmalen. Das klingt auf den ersten Blick seltsam, doch wer die Szene kennt, der weiß auch, dass Malbücher für Erwachsene der absolute Renner sind. Ähnlich einer Tuberware-Party kommt eine Gruppe zusammen, trinkt etwas, quatscht und dann malt dann. Heck will diese Events 2017 ausbauen. Vielleicht können wir in Stuttgart so etwas auch durchführen – Ideen hab ich schon.

Das Zentrum der Kreativität.

Das Zentrum der Kreativität.

Rockgeschichte in Bildern von Mick Rock

16. Dezember 2015
Blondie und Lou Reed - fotografiert von Mick Rock.

Blondie und Lou Reed – fotografiert von Mick Rock.

Dieses Mal werde ich ganz ruhig dasitzen und mir einfach nur die Bilder ansehen. Aber kaufen werde ich nichts, gar nichts. Aber darüber schreiben will ich allemal. Es handelt sich um eine Sammlung von streng limitierten Artprints aus der Ausstellung Mick Rock: Shooting for Stardust.
Über den Künstler Mick Rock habe ich bereits im Blog geschrieben. Er hat ein sensationelles Fotobuch über David Bowie im Taschen-Verlag herausgegeben. Mick Rock ist einer der wichtigsten Fotografen der Rockgeschichte. Er gilt als „the Man who shot the 1970s“. Nun gibt es die Fotos seiner Wanderausstellung zum Vorzugspreis – der mich allerdings zu hoch ist. Nicht weil es mir die Bilder nicht wert wären, aber das Geld ist einfach nicht da. Die Wanderausstellung eröffnete im Herbst in der Taschen Gallery in LA und ist derzeit nach einem Zwischenstopp bei der Paris Photo auf der Art Basel in Miami zu bewundern. Alles Reiseziele, die ich leider im Moment nicht auf meiner Route habe.


Um mein Interesse zu wecken, hat der Taschen Verlag mir eine Auswahl der Fotos als klassischen Papierabzug geschickt. Und ich bin begeistert. Die Fotos von David Bowie in der Ziggy Stardust-Phase kannte ich ja bereits. Aber mir war nicht bewusst, welche Ikonen Mick Rock geschaffen hat. Es sind beispielsweise DIE Aufnahmen von Lou Reed oder Iggy Pop dabei.

Die drei von der Tankstelle.

Die drei von der Tankstelle.

Ich kann schon verstehen, dass die Aufnahmen von Fotokunstsammlern heiß begehrt sind. Nun werden die Artprints in limitierter Auflage direkt in Rocks Archiv und unter dessen Aufsicht produziert. Die signierten und nummerierten Fotos sind auf alterungsbeständigen Archivpapier gedruckt und in unterschiedlichen Formen (und Preisen) erhältlich. Die Fotos im Format 16×20 kommen auf 2000 US-Dollar pro Bild. Die Bilder im Format 20×24 liegen bei 2500 US-Dollar, 24×30 bei 4000 US-Dollar, 30×40 bei 7000 US-Dollar und 40×60 bei 12000 US-Dollar. Wer also ein Weihnachtsgeschenk sucht, das im Wert steigt, ist beim Taschen-Verlag an der richtigen Adresse.

Wahnsinn, der Wahnsinnige Iggy.

Wahnsinn, der Wahnsinnige Iggy.

Konzertkritik: Kraftwerk in Essen

26. November 2015
Ein Jugendtraum wird wahr - Kraftwerk in Essen.

Ein Jugendtraum wird wahr – Kraftwerk in Essen.

Ehrfürchtig nehme ich auf dem Gangplatz in der zweiten Reihe im Essener Traditionskino Lichtburg Platz. Vor mir ein mächtiger roter Vorhang. Hinter diesem Vorhang soll sich gleich ein Jugendtraum von mir verwirklichen. Ich darf Kraftwerk live sehen – endlich.


Als Jugendlicher hatte ich diese Band für mich entdeckt und war durch all die Jahre ein Verehrter der deutschen Elektronikband. Kraftwerk war anders als die Bands meiner Jugend. Es waren keine Gitarrenhelden, sondern Techniker in den Kling-Klang-Studios, die einen ungewöhnlichen Sound heraufbeschwörten. Ich kaufte die Platten in Vinyl, Langspielplatten und Singles, dann später die Musik als CD. Der Katalog in schwarz und weiß sind für mich wichtige Boxen. Doch Kraftwerk habe ich noch nie live erlebt. Bei den Münchner Konzerten hatte ich keine Karten bekommen, das Event im ZKM habe ich verbummelt und für die Auftritte in der Londoner Tate Gallery habe keinen Flug bekommen, den ich mir leisten wollte. Aber in Essen soll es jetzt sein. Kraftwerk live auf der Bühne.


Die Faszination, die ich für diese Musik empfinde, sprach und spricht bei mir alle Sinne an: Den Kopf, den Bauch, die Seele. Ich gehe gerne auf Konzerte und freue mich auf die Künstler, die ich dort sehe. Es ist Unterhaltung pur, wenn die Künstler mir eine gelungene Show abliefern. Aber bei Kraftwerk bin ich nervös. Ich nahm eine stundenlange Reise von München nach Essen mit dem ICE auf mich, wurde nach den Terroranschlägen in Paris professionell und ausgiebig beim Betreten der Lichtburg gefilzt und sitze jetzt in meinem Kinosessel in der zweiten Reihe, nah, ganz nah an der Bühne. Ich geb es zu, ich war nervös. Ich spüre die gleiche Unruhe in mir wie vor einer Wagner-Aufführung in Bayreuth. Wie wird es werden? Wird mein Jugendtraum gleich zerplatzen? Kraftwerk ist nicht einfach eine Musikkonzert, es ist Kunst, ein Kunstgenuss pur. Für mich ist Kraftwerk ein Gesamtkunsterlebnis.

Um mich herum ziehen die Fans aus dem Ruhrpott ihre 3D-Brillen auf, denn Kraftwerk hatte für uns eine Multimedia-Show in Stereoskopie im Gepäck. Die Gespräche verstummen. Aufgrund meines Augenleidens lasse ich meine 3D-Brille in der Tasche.

3D-Brillen am Eingang.

3D-Brillen am Eingang.

Jeder Konzertbesucher bekam am Eingang eine polariserte Brille im Kraftwerk-Look überreicht. Auch ich nahm eine, ziehe die 3D-Brille aber nicht auf. Ich will nur die Band hinter ihren Pulten betrachten und genießen. Punkt 0 Uhr geht es los. Meine Frau hatte mir eine Karte für die zweite Show des Abends gekauft und ich bin ihr über ihre Platzwahl ganz vorne zutiefst dankbar. So nah dran an der Band und den Boxen.


Der Vorhang öffnet sich. Auf der Bühne stehe die legendären vier Pulte. Der Applaus ist gewaltig, ich klatsche, um meine Spannung abzubauen. Es geht los. Der Surround-Sound drückt mich in den Sessel der Lichtburg. Glasklarer fetter Sound, der Bass haut rein. Das größte deutsche Filmtheater mit 1500 Plätzen ist komplett ausverkauft. Die Mensch-Maschine nimmt ihren Verlauf. Die Kraftwerk-Performer betreten in ihren Neopren-Anzügen die Bühne. Die Audio Operatoren (netter Name für die Musiker) Ralf Hütter, Fritz Hilpert, Hennig Schmitz und Video Operator Falk Grieffenhagen. Von der Originalbesetzung ist nur Ralf Hütter übrig geblieben. Klaus Dingler ist leider verstorben und Karl Bartos macht sein eigenes Ding und ich werde ihn mir auch noch ansehen, irgendwann, irgendwo. Bartos macht Kraftwerk-Musik, wie sie im 21. Jahrhundert klingen sollte. Ralf Hütter ist eher der Bewahrer – also genauso ein Streit wie um Wagner. Geblieben ist die Musik, Elektropop mit und fürs Köpfchen. Für mich ist Kraftwerk die Urband der elektronischen Musik – vor Kraftwerk gab es im elektronischen Bereich nichts, was von irgendwie Bestand hatte. Kraftwerk hat meine musikalische Welt umgestaltet, eingerissen, komplett neu definiert. Und jetzt sehe ich diese Pioniere, diese Revolutionäre ein paar Meter vor mir auf der Bühne. Obwohl sich Kraftwerk die Entpersonalisierung der Musiker auf die Fahnen geschrieben hat, war ich auf die Musiker neugierig. Hinter ihnen läuft eine beeindruckende 3D-Show auf, doch ich konzentriere mich auf die Musiker. Ralf Hütter singt die legendären Zeilen, die jeder in der Lichtburg mitsingen kann. Ja, wir sind alle Textsicher bei Kraftwerk-Songs. Bei dem Song Computerwelt sah Kraftwerk die totale Digitalisierung und Überwachung voraus. Nie zuvor war Kraftwerk aktueller denn je – NSA, Snowden, Vorratsdatenspeicherung. „Interpol und Deutsche Bank, FBI und Scotland Yard – Flensburg und das BKA, haben unsere Daten da“. Für die Zeilen muss man Kraftwerk einfach lieben: „Automat und Telespiel – Leiten heute die Zukunft ein – Computer für den Kleinbetrieb – Computer für das eigene Heim“.


Als die Klänge von Autobahn erklangen, bekomme ich meinen persönlichen Flashback. Ich erinnere mich, wie ich diese Musik das erste Mal gehört habe. Was war das? Es waren keine drei-Minuten Hitsingle wie bei anderen Künstlern, sondern die Komposition entfaltete eine intensive hypnotische Kraft. Die Redundanz prägte sich ein. Als Jugendlicher kam nur noch Brian Eno und David Bowie mit der Berliner Phase an diese Musik heran, alles andere war oberflächliches Gedudel.


Im Grunde läuft ein Kraftwerk-Konzert computergesteuert wie ein Uhrwerk ab. Ein Absturz wie auf dem Düsseldorfer Konzert in der Philipshalle am 31. Oktober 1991 gab es in Essen nicht. Die Showmaschinerie der Mensch-Maschine lief perfekt. Ab und zu wippt Ralf Hütter mit den Füßen, aber die Musiker halten sich meist zurück. Als gegen Ende der Show nach einem Vorhang die Roboter auf die Bühne kommen, bringen die mechanischen Gesellen in einem Song mehr Bewegung auf die Bühne als die menschlichen Musiker während des ganzen Konzerts. Als Kind habe ich die Roboter mit den roten Hemden und schwarzen Krawatten im Fernsehen gesehen und wusste nicht, ob die Band nun echt oder mechanisch war. Heute weiß ich, dass Kraftwerk menschlich ist, denn Ralf Hütter grinst von der Bühne.
Eindrucksvoll waren Tour de France, das Model und immer wieder Radioaktivität mit überarbeiteten Texten. Beim Trans Europa Express denke ich an meine Zugfahrt und freue mich, dass Europa zusammengewachsen ist. Ich gerate immer tiefer in den Song der Musik und als die Klänge von Elektro Kardiogramm erklingen, drückt es mich in meinen Kinosessel hinein. Die legendären Textzeilen „Music non stop, techno pop
Es wird immer weitergehen – Musik als Träger von Ideen“ haben mich wieder gepackt. „Es wird immer weitergehen – Musik als Träger von Ideen“ genau das ist es – bravo.


Nach zwei Stunden verabschieden sich Kraftwerk mit Improvisationen auf ihren Software-Synthesizern und -Sequencern, gehen Mann für Mann an den Rand der Bühne und verbeugen sich artig. Ralf Hütter ist der letzte, der von Bord geht. „Gute Nacht, bis morgen“ lauten seine Worte an uns.

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Nein, für mich heißt es bis gleich. Ich bleibe noch ein wenig im Kinosaal sitzen und schaue mir im Vorraum den Verkaufsstand mit T-Shirts und Mauspads an. Ich muss vier Stunden überbrücken, bis mich mein ICE wieder nach Bayern bringt. Ein wenig spaziere ich durch die Innenstadt von Essen und lande in einer Kneipe. Ich höre dort Kraftwerk über das iPhone. Mein Leben ist schön.

Buchtipp: Push Start – The Art Of Video Games von Stephan Günzel

30. Juli 2015

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Können Pixel Kunst sein? Diese Frage bewegt mich nach der Lektüre des Buches Push Start – The Art Of Video Games. Über 600 Videospiele aus den vergangenen Jahren auf 380 Seiten sind hier großformatig abgebildet – von den Anfängen der Telespiele bis zu den Videogames der Gegenwart. Beim Durchblättern dieses Bilderbuches für Gamenerds kommen Erinnerungen an längst vergessene Freuden hoch. Die Faszination, der ich erlegen bin, wenn ich eine Spielecartridge damals in mein Atari 2600 geschoben habe. Es hat ein paar Sekunden gedauert und ich war von der Pixelwelt gefangen. Die gleiche Faszination stellte sich später bei mir beim Volkscomputer Commodore C64 ein als ich die Datasette fütterte. Ich beschwor meine Eltern mir den C64 zu kaufen, wegen der Schule und so. Nun ja, ich habe ein paar Mal Hausaufgaben gemacht, Basic programmiert, Assembler gelernt, aber die meiste Zeit habe ich gespielt, gezockt, geballert. In dem Buch Push Start – The Art Of Video Games entdeckte ich die Spiele meines Teenager-Zeitalters wieder. Minutenlang starrte ich Screenshots in diesem Prachtband an und versank in meiner digitalen Vergangenheit.


Viele der Pixel wurden zu Ikonen der Populärkultur: Pac Man, Mario, Zelda, Donkey Kong, Space Invaders – wie stark diese Marken sind, zeigt sich in dem Klamauk-Spielfilm Pixels, der dieser Tage im Kino läuft. Sind damit Videospiele automatisch Kunst, wie der Buchtitel suggeriert? Nein, nicht alle, aber viele. So wie nicht jeder Film ein Kunstwerk ist, so wie nicht jedes Gemälde ein Kunstwerk ist, so wie nicht jedes Musikstück ein Kunstwerk ist, so ist auch nicht jedes Videospiel ein Kunstwerk. Viele sind es aber dennoch geworden. Kunst im Videospielbereich kann der Entwickler nicht schaffen, sondern Kunst wird durch und mit den Gamer geschaffen. Durch die Identfikation mit dem Spiel werden die digitalen Pixels zum Kunstwerk. Die Spielidee schafft im Kopf eigene Welten. Und dabei meine ich nicht nur das Gamedesign. Es gibt, gerade im Bereich der Next Gen-Konsolen, viele Spiele, die fantastisch aussehen, aber noch lange keine Kunst sind. Diese Kunst muss sich durch Interaktion Game – Gamer entwicklen, sich langsam formen.


Das Buch gibt uns Fans und Kunstinteressierten einen emotionalen Streifzug in unsere eigene Vergangenheit und Gegenwart. Und dazu gibt es fetten Sound. Einige der Gametracks gibt es auf einer neongelben 10-inch Vinyl-Schallplatte sowie als MP3-Downloadcode – remixed by Big Twice. Die Musik ist so gut, sie läuft sogar bei uns im Auto.

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Der Autor dieses großzügigen Pixelstreifzuges ist Stephan Günzel. Er ist Professor für Medientheorie an der Berliner Technischen Kunsthochschule. Zuvor lehre er an der Humboldt-Universität Berlin sowie an den Universitäten Jena, Klagenfurt und Trier. Von 2008 bis 2010 war er Koordinator des Zentrums für Computerspielforschung (DIGAREC) und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Künste und Medien der Universität Potsdam. Damit will ich sagen: dieser Mann befasst sich wissenschaftlich mit dem Thema Games und ist mit Sicherheit ein begeisterter Gamer. Dies sieht man diesem Buch an. Er selbst setzt sich mit der Frage nach dem Kunstbegriff in mehreren Aufsätzen in dem Buch Push Start – The Art Of Video Games auseinander – sowohl in Deutsch als auch in Englisch. Also für mich eine klar Kaufempfehlung dieses Coffee Table-Books.

Feste Klassenzimmer für Lehrer oder für Schüler?

19. Juni 2015
Klassenzimmer in Erfurt bei meinem Besuch.

Klassenzimmer in Erfurt bei meinem Besuch.

In der jüngsten Zeit habe ich in meinen Schulungen wieder viel mit Lehrern und Schülern zu tun gehabt. Dabei war ich auch an unterschiedlichen Schulen unterwegs und dort sind mir grundsätzliche Unterschiede in den Klassenzimmern aufgefallen. Es gab Schulen, bei denen die Schüler feste Klassenzimmer haben und die Lehrer wechseln und es gab Schulen, bei denen die Lehrer feste Klassenzimmer haben und die Schüler wandern.
Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, da hatten wir einen festen Klassenraum. Der war mit Postern dekoriert und war am Ende des Schultages komplett vermüllt. Die Lehrer mussten zu uns in den Unterricht kommen. Ausnahmen waren Chemie, Physik, Bio, Kunst, Musik und freilich Sport. Da mussten wir unseren Astralkörper zu den Lehrern in die Fachräume bewegen.

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Dieses System wird von vielen Schulen weiterhin aufrechterhalten. Aber es gibt auch neue Ansätze, die mir sehr gut gefallen. Ein modernes Klassenzimmer enthält heute Beamer, Rechner, Internet und auch Smartboards. Und ich habe subjektiv festgestellt: Wenn es feste Klassenräume für Lehrer gibt, dann funktioniert diese Technik. Die Lehrer kümmern sich um ihre Ausrüstung und kennen sich damit aus. Es fehlt kein VGA- oder HDMI-Kabel und es geht keine Zeit verloren, bis der Unterricht beginnt. Die Lehrer haben ihre Unterrichtsmaterialien eingespielt und begrüßen die Schüler mit einer Präsentation oder einem lustigen YouTube-Video zum Einstieg. Es müssen nicht extra Bücher aus Bibliotheken besorgt werden. Da geht wieder wertvolle Unterrichtszeit verloren, sondern der Büchersatz steht im Klassenzimmer bereit und ist gepflegt. Die Verantwortung geht auf den Lehrer über und er hält seinen Laden/Klassenzimmer in Schuss.
Und ich habe festgestellt, dass die Klassenzimmer sauberer sind. Es liegt kein Müll herum, denn die Lehrer haben ein Auge auf ihren Raum, schließlich sind sie für diesen Raum alleine verantwortlich. Allerdings gibt es weniger Poster an der Wand, wie zu meiner Schulzeit. Und ich glaube, dieses System braucht mehr Räume.
All dies sind rein subjektive Eindrücke von mir. Mich würde mal eure Einschätzung interessieren. Habt ihr Erfahrungen oder Meinungen dazu?

Wächter der Zeit mit Penner verwechselt: Interview mit Manfred Kielnhofer

22. Oktober 2014

Ganz Berlin ist derzeit im Wächter der Zeit-Fieber. Im Rahmen des Festivals of Lights ist der österreichische Künstler Manfred Kielnhofer mit seinen Wächtern unterwegs. Die Wächter der Zeit sind große Figuren, die an mytische mittelalterliche Mönche erinnern. Mich faszinieren die Kunstwerke und ich habe mir auch schon einen Wächter gekauft. Meine Bekannte Tanja Kaiser hat in Berlin dieses nette Bild von den Wächtern geschossen.

Wächter der Zeit - derzeit in Berlin. Foto: Tanja Kaiser

Wächter der Zeit – derzeit in Berlin. Foto: Tanja Kaiser

Mir gefallen die Figuren von Manfred Kielnhofer. Ich kann sie lange betrachten und sie regen mich zum Nachdenken an. Daher habe ich mich zur jüngsten Art Salzburg, eine internationale Kunstmesse, aufgemacht und auf dieser exklusiven Kunstausstellung den Linzer Künstler getroffen, um spontan ein Videointerview zu führen.
„Der Wächter der Zeit soll die Menschheit beschützen“, so Kielnhofer. Nach dem Festival of Lights in Berlin gehen die Figuren auf Tour. So ist geplant, dass die faszinierenden Kunstwerke einen Abstecher nach Basel, Wien und auch nach New York machen. Das wäre der Schritt in die große Welt, denn bisher waren die Wächter nur in Europa unterwegs. Im Interview kündigte Kielnhofer große Wächter an, die jetzt in Berlin zu sehen sind. Sie sind ideal für einen großen Garten und sicher auch ein Publikumsmagnet.

Der Schöpfer der Wächter der Zeit Manfred Kielnhofer im Interview mit mir.

Der Schöpfer der Wächter der Zeit Manfred Kielnhofer im Interview mit mir.

Der sitzende Wächter wird von Kielnhofer bewusst ein wenig kitschig gestaltet, damit sich die Zielgruppe seiner Käufer erhöht. Aber Otto Normalverbraucher erwirbt die Kunst von Manfred Kielnhofer sicher nicht.
Nett ist eine Episode am Rande der Art Salzburg. Die Wächter sind auf dem Außengelände aufgestellt, eine stehende Figur, eine sitzende. Ein Sicherheitsmann rief nachts den Veranstalter der Kunstausstellung an und meinte, auf dem Gelände seien Penner. Er verwechselte einen sitzenden Wächter der Zeit mit einem Landstreicher.