Archive for the ‘Kunst’ Category

Richard Wagners Hund Russ

18. März 2018
Wagners Hund Russ am Eingang des Hotels Lindenmühle in Bad Berneck.

Wagners Hund Russ am Eingang des Hotels Lindenmühle in Bad Berneck.

Ich bin auf den Hund gekommen, auf Wagners Hund Russ. Ich bin ihn in jüngster Zeit gleich zweimal begegnet. Einmal in Bayreuth, als ich das Grab von Richard Wagner besuchte. Dort steht neben der Marmorplatte unter der Wagner liegt ein Grabstein mit der Aufschrift „Hier ruht und wacht Wagners Hund Russ“.

Das Grabschild für Russ im Garten der Villa Wahnfried in Bayreuth.

Das Grabschild für Russ im Garten der Villa Wahnfried in Bayreuth.

Ob der Hund wirklich dort liegt, weiß ich nicht, aber ich finde die Geste schön, den besten Freund des Menschen in der Nähe seines Herrchens zu begraben. Ich war früher schon mal da und habe darüber geschrieben.

Neben Wagner liegt auch Russ begraben.

Neben Wagner liegt auch Russ begraben.

Dann traf ich Russ wieder – auf einer Veranstaltung des Ministerialbeauftragten für Oberfranken in Bad Berneck. Dort hielt ich in dem Hotel Lindenmühle einen Vortrag und im Foyer traf ich Russ wieder. Hier tauchte der Hund auf in Form einer Skulptur von Ottmar Hörl. Ich mag den Nürnberger Künstler sehr und habe ich auch einige seiner Kunstwerke, viele davon vom Künstler signiert.
Die Skulptur von Richard Wagners Hund Russ war im Jahre 2004 als Kunstobjekt ausgestellt. Die rund 80 Zentimeter große Figur des Neufundländers ist wesentlicher Bestandteil des Kunstobjekt Wagners Hund. Während des Festspielsommers wurden 800 Hunde neben Parkbänken in Bayreuths Innenstadt installiert. „Der Hund soll die menschliche Seite Wagners darstellen und zugleich ein Versuch sein, den Komponisten von seinem musikalischen Olymp zu holen“, erläuterte Künstler Ottmar Hörl bei der Vorstellung seines Hundes. Ich hab mir schon überlegt, ob so ein Hund nicht zu uns an den Eingangstür passen würde, aber meine Gattin zeigte mir die rote Karte. Wir haben genügend Hörls hier herumstehen. Klare Worte.

Ottmar Hörl schuf diesen Russ - ich finde in sehr schön.

Ottmar Hörl schuf diesen Russ – ich finde in sehr schön.

Vernissage: Poetischer Realismus in den Bildern von Helmut Sacher

12. März 2018
Ein wunderbares, großes Pastellbild von Helmut Sacher (1926-2010) gibt es derzeit in FFB bei der Galerie Bild+Rahmen zu sehen.

Ein wunderbares, großes Pastellbild von Helmut Sacher (1926-2010) gibt es derzeit in FFB bei der Galerie Bild+Rahmen zu sehen.

Kunst erweitert meinen Horizont und so habe ich Kunst für dieses Jahr auf meine Bucket-List gesetzt. Und ich freute mich, dass ich eine Einladung von Bild+Rahmen aus der Kreisstadt Fürstenfeldbruck bekommen habe. Diese Galerie ist mein absoluter Spezialist, wenn es um Bilderrahmen aller Art geht. Ich lasse alle meine Bilder bei Elke und Peter Reinegger rahmen und bin höchst zufrieden mit der Beratung und der Ausführung.

Jetzt kam also eine Einladung zur Vernissage zu Gemälden von Helmut Sacher. Den Künstler kannte ich nicht. Helmut Sacher (1926 bis 2010) lebte nicht weit von mir entfernt in der Gemeinde Eichenau. Geboren ist er im Sudetenland, zog als junger Mann in den Zweiten Weltkrieg und kam gealtert zurück. In seiner Malerei hat die Gegenständlichkeit vervollkommnet – ein wunderbarer Gegenpol zur abstrakten Malerei seiner Zeit.

Elke Reinegger nannte den Stil von Helmut Sacher poetischen Realismus und ich finde, der Ausdruck passt. Die warmen, positiven Farben und die bodenständigen Motive schaffen eine besondere Atmosphäre. Die Bilder sind in Öl und später in Pastelltechnik gemalt. Die Zartheit der Blüten wurde hervorragend getroffen. „Ich habe sogar den Eindruck, die Blüten auf seinen Bildern duften“, so Elke Reinegger, die die Witwe des Malers bei der Vernissage begrüßen durfte.

Die Witwe von Helmut Sacher war bei der Vernissage anwesend.

Die Witwe von Helmut Sacher war bei der Vernissage anwesend.

Die Bilder sind noch bis zum 31. März 2018 in der Galerie Bild+Rahmen in der Landsberger Straße 11 in Fürstenfeldbruck zu besichtigen und zu erwerben.

Fotoband: Nibelungenhalle – Räume der Erinnerung von Rudolf Klaffenböck

14. Februar 2018
Wer in Passau ist, sollte nach diesem Buch Ausschau halten:

Wer in Passau ist, sollte nach diesem Buch Ausschau halten:

Fotografen müssen mit ihren Bildern eine Geschichte erzählen. Damit unterscheiden sie sich von den Knipsern, die eine Situation ablichten wollen. Es ist schwer in einem Bild, eine Geschichte zu erzählen. Es ist noch viel eindrucksvoller, in einer Bildreportage diese Geschichte zu vertiefen. Auf ein hervorragendes Projekt bin ich in Passau gestoßen als der Künstler Rudolf Klaffenböck ein Buch mit dem Titel Nibelungenhalle: Räume der Erinnerung veröffentlichte.
Die Fotos waren auch Teile einer Ausstellung, die bis März 2006 in Passau lief. Ich erwarb jetzt erst den Katalog samt Autogramm.

Sogar ein Buch mit Autogramm hab ich erwischt.

Sogar ein Buch mit Autogramm hab ich erwischt.

Bei einem Besuch in Passau hörte ich in einer Gastwirtschaft wie ältere Passauer von den CSU-Veranstaltungen am Aschermittwoch in der Nibelungenhalle schwärmten. Ich spitze die Ohren und erfuhr so von dem hervorragendem Fotobuch von Rudolf Klaffenböck. Er fotografierte das Gebäude von 2002 bis zu seinem Abriss 2004 in einer Serie der „Räume der Erinnerung“. Die Schwarzweiß-Fotos erzählen die letzten Jahre des Baus und ich finde die Idee dahinter genial. Der politischen Nation ist die Nibelungenhalle durch die jährlichen CSU-Veranstaltungen zu früheren Zeiten bekannt. Ich selbst war noch nie bei einem politischen Aschermittwoch und würde gerne einmal die Atmosphäre spüren. Die Nibelungenhalle ist weg, die Dreiländerhalle ist da. Inhaltlich wird mir der größte Stammtisch der Republik wohl wenig geben. Den Bürgerinnen und Bürgern von Passau war die Nibelungenhalle als Zentrum für Veranstaltungen aller Art bekannt. Und das stellt dieser ausgezeichnete Fotoband in schwarzweiß dar. Die Nibelungenhalle war eine Halle und sie bot Raum für allerhand Geschichten, gute und schlechte. Als größter Kult- und Zweckbau der „Bayerischen Ostmark“ wurde es 1934/35 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten errichtet, berichtet Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Museums Moderner Kunst, Passau. Eigentlich sollte die Nibelungenhalle Ostmarkhalle heißen.
Die 74 Duotone-Tafeln der Ausstellung und des Buches haben mich fasziniert. Beim ersten Durchblättern suchte ich nach mir Bekannten und das waren natürlich die CSU-Veranstaltungen zum Aschermittwoch. Aber die Halle hat noch viel, viel mehr zu bieten. Für meine Passauer Freunde war sie ein klassischer Veranstaltungsort. Es gab Konzerte, Tanz, Treffen, Versammlungen. Es gab Stoiber, Erotikmesse, Hallenfußball und Motivationskapser. Trachtler trafen auf Vertriebene und Studenten sowie Kabarettisten. Daniel Küblböck folgte auf Haindling und Schülerinnen und Schüler schwitzten bei ihrer Abschlussprüfung. Klaffenböck dokumentiert Veranstaltungen und er dokumentiert die Halle selbst. In den letzten Jahren ihres Bestehens haben die Betreiber nicht mehr viel saniert und der Zahn der Zeit nagt an dem Gebäude und der Struktur. Es gibt Momentaufnahmen und Details, Stimmungen. Klaffenböck hat einen Blick für Skurriles. Als der Abriss der Nibelungenhalle begann hält Klaffenböck mit seiner Kamera drauf. Der Betrachter sieht die Wunden an dem Gebäude bis es schließlich vollständig verschwunden ist.
Wer in Passau zu Gast ist, sollte nach dem Buch Nibelungenhalle – Räume der Erinnerung von Rudolf Klaffenböck Ausschau halten. Der Kauf lohnt sich.

Ausstellung: Janosch – Vom Ammersee bis nach Panama

29. Januar 2018
Wunderbare Janosch-Ausstellung im Jexhof im Landkreis Fürstenfeldbruck.

Wunderbare Janosch-Ausstellung im Jexhof im Landkreis Fürstenfeldbruck.

Noch bis zum 11. Februar gibt es am Jexhof im Landkreis Fürstenfeldbruck die absolut sehenswerte Ausstellung Janosch – Vom Ammersee bis nach Panama zu sehen. Aufgrund eines Tipps eines befreundeten Ehepaares habe ich die Ausstellung besucht und mich regelrecht in die Bilder verliebt.

Was macht Janosch und seine Tigerenten jetzt in einem Ausstellungsraum des Bauernhofmuseums Jexhof? Das ist eine durchaus berechtigte Frage. Die einfache Antwort: Der Künstler zog 1960 an den Ammersee und startete dort seine erfolgreiche Karriere als Janosch. Hier würdigt den Landkreis Fürstenfeldbruck, der Jexhof und der Förderverein diesen berühmten Künstler mit einer Sonderausstellung.

Ich muss zugeben, ich hatte diese Fülle an Bildern, Zeichnungen, Radierungen und Fotografieren in einem Bauernhofmuseum nicht erwartet und ich muss mich entschuldigen. Die Ausstellung ist großartig geworden und bietet einen tiefen und berührenden Einblick in das Leben des Künstlers. Janosch heißt mit bürgerlichen Namen Horst Eckert und wurde 1931 in Oberschlesien geboren. Die Ausstellung zeigt den Werdegang Eckert, den Wegzug aus Polen nach dem Zweiten Weltkrieg und das Fußfassen in Nordrhein-Westfalen. Dort begann er eine Ausbildung als Textilzeichner, die Grundlage für seine spätere Tätigkeit. 1953 zieht er schließlich nach München und versucht, an der Akademie der Bildenden Künste aufgenommen zu werden.

In München versucht er sich als Autor und Journalist und nennt sich selbst „Aufschreiber“. In der Ausstellung am Jexhof sind Bücher und Artikel von Eckert zu sehen, darunter auch ein Zweispalter aus der Zeit. Eckert stößt auf den Münchner Verleger Georg Lentz, der den Namen Janosch erfindet und 1960 das erste illustrierte Kinderbuch über Valek, das Pferd, verlegt. Das ist die Grundlage für den Erfolg von Janosch, der damals am Ammersee wohnt. Hier entsteht auch sein erster Erwachsenen-Roman „Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm: Roman“, in dem er sich schonungslos mit seiner Kindheit auseinander setzt. In seinen Texten, Zeichnungen, Aquarellen, Ölbildern und Radierungen thematisiert er die Krisen zwischen Mann und Frau, die Suche nach Glück und Wahrheit. Seine Sprache ist charmant-listig, respektlos, melancholisch, häufig fantastisch, so die Mitteilung des Landratsamtes Fürstenfeldbruck.
Seine Figuren, vor allem die Tigerente, schlagen ein und finden ein breites Publikum. Es ist interessant zu sehen, wie sich der Stil von Janosch verändert. Leider hat das auch Konsequenzen für den Künstler. Er ist angeschlagen und kehrte 1980 den Ammersee den Rücken und zog nach Teneriffa. Und die Ausstellung zeigt auch, wie wichtig es ist, sich seine Marke und Markenrechte schützen zu lassen. Viele verdienen an der Kunst von Janosch mit, er selbst hat oftmals das Nachsehen.

Die Ausstellung beschäftigt sich vor allem mit Janoschs Leben und Werk bis zum Jahr 1980. Original-Zeichnungen und Bücher, sowie wichtige biographische Zeugnisse demonstrieren diese Zeit im Leben des weltweit bekannten, deutsch-polnischen Künstlers.
Wer etwas Kleingeld mitbringt, kann auch in der Ausstellung ein paar Kunstwerke erwerben. Ich konnte mich nicht zurückhalten. Also klarer Fall: Wer sich für Kunst und Janosch interessiert, der muss bis zum 11. Februar 2018 zum Bauernhofmuseum Jexhof hinter Schöngeising im Landkreis Fürstenfeldbruck, der Weg lohnt sich. Leider ist zur Ausstellung kein Katalog erschienen.

Buchtipp: Star Wars Art Comics von Dennis O’Neil

18. Januar 2018
Ein Buch für Comic-Freunde. Star Wars Art Comics

Ein Buch für Comic-Freunde. Star Wars Art Comics

Star Wars VII hat mich enttäuscht. Der Verkauf meiner Jugend an Disney hat der Serie nicht gut getan. Daher habe ich ein Buch aus meinen Archiv herausgesucht, das mir meine Jugend zurückbringt. Star Wars Art: Comics.
Als 1977 Krieg der Sterne in die Kinos kam, kaufte mir meine Mutter die begleitenden Comics. Das Buch Star Wars Arts Comics bringt die glorreiche Zeiten zurück. Das Buch zeigt die verschiedenen Comic-Künstler und deren Stile aus dem Star Wars-Universum. Nicht alles, was veröffentlicht wurde, gefällt mir. Aber ich finde es unterhaltsam, die verschiedenen Zeichenrichtungen in einem Buch vereinigt zu haben. Natürlich reden wir nur von den alten Filmen, schließlich ist das Buch 2011 erschienen und wurde nicht mehr aktualisiert. Es war die glorreiche Zeit der Star Wars Comics, als George Lucas noch darüber wachte, was und wie es erschien. Die Künstler in diesem Buch Star Wars Art: Comicssind ein Who-is-Who der US-Comic-Szene: Al Williamson, Howard Chaykin, Adam Hughes, Bill Sienkiewicz, Dave Dorman, John Cassaday, Sam Kieth, Mike Mignola, Paul Pope, Frank Quitely oder Jim Steranko.

Wie geschrieben: Mir gefällt nicht alles, was hier veröffentlicht wurde. Als Kind mochte ich die opulenten Farbbilder, später die schwarz-weiß-Detailzeichungen. Heute mag ich eher den reduzierten Manga-Stil, was wohl daran liegt, dass K1/2 zu Hause voll auf die japanischen Manga-Zeichnungen abfahren. So kann ich das Buch immer wieder hervorziehen und neue Stile entdecken, denn mein Geschmack ändert sich immer wieder. Und ich bewundere Comic-Zeichner für ihre Kunst. Gerne würde ich mehr in diese Szene eintauchen und taste mich vorsichtig vor. Immer wieder wird diskutiert, ob Comics eine Kunstform sind. Ja, für mich sind Comics Kunst und basta.
Was dieses Buch zu einem besonderen Buch macht, sind nicht nur die Zeichnungen, sondern es ist auch ein mehrseitiger Text. Es wird zum ersten Mal ein Gespräch von George Lucas mit Zeichner Howard Chaykin abgedruckt, das bei Marvel stattfand. Hier wird die Grundlage für die Comic-Reihe gelegt. Die Abschrift des Gesprächs lag bei Lucas und wurde in diesem Buch zum ersten Mal freigegeben. Ich habe noch den Nachdruck der gesamten Comicreihe, die bei uns bei Panini erschienen ist. K1 und ich haben die Comics verschlungen und sie machen Lust auf mehr.

Universalkünstler Wenzel Hablik und seine expressionistischen Utopien

11. Januar 2018
Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Wer sich für den deutschen Expressionismus interessiert, der sollte sich sputen. Nur noch bis 14. Januar 2018 ist im Berliner Martin Groupius Bau die absolut sehenswerte Ausstellung über Wenzel Hablik zu sehen. Bei einem Kurztripp nach Berlin bin ich eingetaucht in die expressionistischen Utopien von Wenzel Hablik. Leider war es untersagt Fotos von der Ausstellung zu machen und die Museumsleitung vergibt sich damit die Chance, die breite Öffentlichkeit auf die Ausstellung aufmerksam zu machen. Das ist schade, denn Kunst muss raus dem Elfenbeinturm zu den Menschen.


In den Ausstellungsräumen war bei meinem Besuch nicht viel los. So hatte ich Zeit, mich den ausgestellten Werke zu widmen. Zur Ausstellung ist auch ein ausgezeichneter Katalog Wenzel Hablik – Expressionistische Utopien bei Prestel erschienen. Wer war Wenzel Hablik? Bis zu der Ausstellung hatte ich von diesem Maler, Zeichner und Schreiner, Raumausstatter und Universalkünstler nichts gehört, aber ein Teil seiner Bilder waren mir vertraut. Ich habe seine Kristallpaläste als Jugendlicher als Illustration von Science Fiction-Romanen wahrgenommen und als ich nun das Veranstaltungsplakat zur Ausstellung sah, war klar: Da muss ich hin.
Und ich war fasziniert von dem Gesamtkunstwerk. Es schlug mich sofort in seinen Bann. Utopische Architekturentwürfe, expressionistisches Interieur, fantastische Farbwelten – all dies ist nur ein Teil des Werkes von Wenzel Hablik (1881–1934), der sich als Universalkünstler dem Gesamtkunstwerk verschrieb. Das Wort Universalkünstler passt bei ihm auf jeden Fall. Hablik gilt, so habe ich nachgelesen, als einer der wichtigen Vertreter der deutschen expressionistischen Architektur- und Gestaltungsavantgarde. Es ist die erste umfassende Einzelausstellung seines Werkes in Berlin und daher muss man die Ausstellung eigentlich gesehen haben.


Im Mittelpunkt der Berliner Ausstellung im Martin Gropius Bau stehen seine Architekturvisionen und sein 1923 farbig gestaltetes Meisterwerk eines Raumkonzepts als Rekonstruktion. Sie werden durch die Präsentation von Malerei und Design ergänzt, denn erst in der Kombination wird der Grundgedanke des Gesamtkunstwerkes, wie Hablik es verfolgte, nachvollziehbar. Das alles machte mich neugierig.
Die Ausstellung ist didaktisch gut aufgebaut. Von Raum zu Raum wird die Entwicklung des Künstlers deutlicher. Beeinflusst durch seine Studienzeit an der Wiener Kunstgewerbeschule und der Kunstakademie in Prag lässt sich seine Entwicklung vom Jugendstil über den Expressionismus und die farbbegeisterten frühen 1920er-Jahre bis hin zur Neuen Sachlichkeit nachvollziehen. Mein erster großer Stop waren die Kristallbilder. Aus seiner Liebe zu den Bergen schuf Hablik fantastische Welten. Hier kamen sofort die Erinnerungen an meine Jugend wieder hoch.
Als Hablik auf seinen Reisen einst alleine den Mont Blanc bestieg und dann 1906 den Sonnenuntergang über den Bergmassiv malte, war ich fasziniert. Hablik hatte mich mit seiner Kunst gefangen und ich wusste, dass die Ausstellung für mich länger dauern würde.
Ich will jetzt nicht Bild für Bild beschreiben, dazu gibt es den Katalog. Lasst mich ein paar Highlights herausheben: Wellen, Gewitter – dann blieb ich an dem Bilderzyklus Schaffende Krähe hängen und sinnierte über den Ausspruch „Der Mann, der Raum, zwei Ewigkeiten.“ 1909 und 1913 kamen Bilder des Sternenhimmels hinzu.


Dass Wenzel Hablik aber auch ein zerrissener Künstler war, zeigte sich 1913 mit dem Bild Woher – Wohin. Im Grunde ist es eine Hommage an Auguste Rodins Der Denker. Hablik schafft es, seine Selbstzweifel visuell darzustellen.
Dann kam der große Krieg, der erste Weltkrieg. Wie alle Künstler, die an diesem Irrsinn teilgenommen haben, musste er es verarbeiten. Er tat es mit einem gewalttätigen Bild Zerstörung aus dem Jahre 1917. Expressionistische Explosionen, Farben und Formen zerbersten. Als ich das Bild gesehen hatte, versetzte es mir einen Schock, wie kraftvoll sich hier die Bildsprache entlädt. Ruhiger ging es dann 1921 bei der Architekturlandschaft und 1924 bei der freitragenden Kuppel zu.
Und dann kam für mich der Höhepunkt der Ausstellung: Wenzel Hablik entwarf komplette Räume. Farben und geometrische Formen überall. Im Martin Gropius Bau wurde das Esszimmer Habliks nachgebaut. Hier verschlug es mir die Sprache. Obwohl es untersagt war, ein Foto zu machen, schoss ich ein 360 Grad Bild, um meiner Frau einen Eindruck von diesem Gesamtkunstwerk zu geben.


Es kam damals einer kleinen Sensation gleich, dass das farbige Raumkonzept eines von Wenzel Hablik 1923 gestalteten Esszimmers 80 Jahre weitgehend unbeschadet überstanden hat. Bunt und in streng geometrischen Formen vom Boden bis zur Decke gestaltete er damals das Speisezimmer seiner Villa in Itzehoe. 1933 ließ er es unter neutralen Tapeten verbergen. 2013 wurden die wertvollen Malereien freigelegt. Eine Rekonstruktion dieses Kunstwerks ist im Martin Gropius Bau noch bis 14. Januar 2018 zu sehen. Oder zumindest den Katalog Wenzel Hablik – Expressionistische Utopien kaufen.

Blue Man Group in Berlin

10. Januar 2018

Ich hatte die Plakate der Blue Man Group schon so oft gesehen, auch bei einem Aufenthalt in Las Vegas und in New York. Ich kannte sie von Intel. Bei einem Berlin-Besuch schaute ich mir die Show der blauen Männer endlich im eigens gebauten Stage Bluemax Theater an. Fazit: Großartige Unterhaltung, was auch daran liegt, dass das Publikum miteinbezogen wird.

Schon die Auffahrt via Rolltreppe hoch ins Bluemax Theater am Marlene Dietrich Platz verspricht Spannung. Alles ist in Blau gehüllt. Blaue Scheinwerfer sorgen dafür, dass wir als Publikum in die richtige Stimmung versetzt werden. Nach der obligarorischen Taschenkontrolle geht es ins Foyer. Mäntel abgeben, Merch schauen und auf den Einlass warten.

Für K2 und mich habe ich super Plätze in der zweiten Reihe auf der linken Seite gekauft. Rund 90 Euro pro Karte sind wahrlich kein Schnäppchen. Aber ich wollte die Show hautnah erleben und zudem sehe ich schlecht, da muss ich ganz vorne ran an die Bühne, sonst kann ich mir den Abend sparen und mir die DVD kaufen.
Bei den ersten acht Reihen liegen über den Klappstühlen des Bluemax Theaters blaue Plastikponchos. Es scheint also nass zu werden und deshalb ziehen wir die Plastikumhänge über – sicher ist sicher. Wir haben die 21 Uhr Show gebucht und wir freuen uns auf den Start. Nur noch 5 Minuten, dann soll es losgehen.
Plötzlich kommt eine sympathische Einlasskontrolleurin auf uns zu und bittet uns höflich uns von unseren Plätzen zu erheben und mitzukommen. Verwirrt blicken k2 und ich uns an. Was hatten wir denn getan?


Wir werden zu den obersten Rängen des Bluemax Theaters geführt, außer Sicht des Publikums und dann gebrieft. Wir seien ausgewählt worden, einen Showgag mitzumachen. Wir sollen die Show ne knappe halbe Stunde von hier oben beobachten und würden dann von einem jungen Mann während der Show zu unseren Plätzen in der zweiten Reihe geführt. In der Show der Blue Man Group sei es nämlich üblich, dass kein Zuschauer mehr in die Show kommt, wenn die Türen geschlossen sind. Ich kenne das vom Grünen Hügel aus Bayreuth beim göttlichen Richard Wagner. Wer zu spät kommt oder den Saal verlassen muss, der bleibt draußen. Ganz so streng geht es bei einer US-Show nicht zu, der VIP-Gag kann also klappen. Blue Man Group ist nicht Richard Wagner, also stimmen wir zu.
Die Show beginnt mit intensiver Performance. Drums, Percussion, Licht – alles sehr intensiv und laut. Das Programm setzt sich aus Teilen der Shows in London und Amsterdam zusammen.

Vier Musiker sorgen für eine perfekte Show. Allerdings bekomme ich nur akustisch davon etwas mit. Auf der Bühne werden Farbbälle geworfen, den den blauen Männern mit dem Mund aufgefangen und dann Bilder humorvoll gemalt. So erzählt es mir K2. Ich selbst sehe kaum etwas die erste halbe Stunde, denn meine Augen sind einfach zu schlecht. Da ist was verwaschenes Blaues auf der Bühne. Na toll. Da zahl ich für die teuersten Karten und sehe die erste halbe Stunde der Show nicht, weil mein Augenleiden mich eingeschränkt. Ich hätte nicht zusagen soll, aber muss jetzt das Spiel mitmachen. Nach einer halben Stunden wird die Show unterbrochen, wir werden mit dem Ruf „Ihr seid zu spät“ von einem freundlichen Platzanweiser zu unseren Plätzen geführt und das Publikum lacht. Die steilen Stufen des Theaters muss ich bedächtig heruntergehen. Die Zuschauer empfinden mein Schreiten wohl als Show, ich schwitz aber Blut und Wasser, dass ich bei dem blauen Licht nicht die Stufen herunterpurzelte, weil ich nichts sehe. Das wäre ein Showact gewesen.
Platz genommen und weiter geht die Show. Und ich muss sagen, es macht wirklich Spaß. Es wird auf verschiedenen Klangkörpern Musik gemacht. Am meisten beeindrucken mich die Regenrohre, aus denen unterschiedliche Klänge hervorkommen. Die drei Blue Man auf der Bühne haben ihre blauen Masken übergezogen, ein bisschen wie Fantomas Es sind blaue Latexmasken, die die Haare verdecken. Das restliche Gesicht ist mit fettiger blauer Schminke bedeckt, die immer feucht erscheinen.


Und es sind drei Männer auf der Bühne. Es wird mit der magischen Zahl drei gespielt. Wie in jedem guten Witz sind drei Akteure wichtig. Dann funktioniert der Witz. Dieses Prinzip liegt auch bei der Blue Man Group zu Grunde und es funktioniert tadellos.
Und dann spielen die Herrschaften noch mit dem Unerwarteten. Da fliegt ein Wackelpudding ins Publikum, da werden Leute aus dem Publikum auf die Bühne gebeten (ob Fake oder nicht, kann ich nicht beurteilen). Und irgendwann fallen große Luftballons von der Theaterdecke und alle können mitmachen. Stark – K2 und ich haben viel Spaß. Mal trifft uns so ein Ball, mal können wir einen in die Lüfte stoßen. Interaktion ist angesagt und wenn die Blue Man ins Publikum zu Selfies kommen, ist es auch ein Spaß. Ich habe sogar eines machen können.
Und als Zuschauer ist man immer auf der Acht. So wird beispielsweise ein animiertes Filmchen über die Kanalisation eingespielt und mit der Möglichkeit gespielt, dass bei einem Überdruck die Fäkalien den Weg zurück finden. Und dann treten die Blue Man mit einem Röhrensystem auf und machen Musik. Der Zuschauer zieht sich seine Regenponochs über und schaut nervös auf das Rohrsystem. Die werden doch nicht …


Nach rund einer Stunde und vierzig Minuten war die Show aus. Das Publikum ist begeistert und auch uns hat die Show gefallen. Und weil es eine US-Show ist, gibt es im Foyer noch die Möglichkeit mit der Blue Man Group ein Foto zu machen. Touristen wie wir sind, haben wir die Möglichkeit wahrgenommen und Selfies geschossen. Mir hat es Spaß gemacht und ich habe gehört, dass die Blue Man Group auch einen Abstecher nach München machen will. Vielleicht gehe ich dann mit meiner Frau dahin – aber ich weiß, dass ich nicht wieder das Opfer des Nachzüglers sein will. Dieses Mal will ich die ganze Show sehen.

Unterton – Installation am Martin Gropius Bau Berlin

7. Januar 2018
Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Wer nicht den Haupteingang des Martin Gropius Baus in Berlin benutzt, sondern den südlichen Hintereingang, der stößt unweigerlich auf die Installation Unterton. Mir hat diese Toninstallation gefallen und unheimlich Spaß gemacht.
Auf der Südseite des Ausstellungsbaus gibt es einen großen kreisförmigen Platz. Im Zentrum des Platzes findet sich eine runde Bodenplatte, von der aus man die beste Akustik hat. Über den Platz verstreut sind Gullydeckel und in diesen Deckeln ist ein Schlagwerk eingebaut. Wenn ich den Platz betrete, dann aktivieren sich Bewegungssensoren.

Magnethämmer, die unter den acht radial angelegten Gullydeckeln angebracht sind, beginnen zu schlagen. Je nachdem wie ich mich bewege, kommen verschiedene Klangbilder. Sie sind – so mein Eindruck – eine Art Morsecode. Wie eine Art Glockenspiel schlagen die Klöppel und erzeugen einen metallischen Klang aus dem Untergrund heraus, daher wohl der Name Unterton.
Die Installation Unterton stammt von Ina Geißler und Fabian Lippert aus dem Jahre 2011. Im Rahmen des Konjunkturpakes II der Bundesregierung ist diese Installation als Kunst am Bau gestaltet worden. Für Besucher wichtig: Die Installation funktioniert nur zwischen 8 und 20 Uhr, sonst fallen wohl der Nachbarschaft die Ohren ab.

Im künstlerischen Konzept von 2011 heißt es: „In seiner jetzigen Form wird der Stadtraum vor der Südseite des Martin-Gropius-Baus nicht als Platz, sondern ausschließlich als Passage, also im ‚vorbeigehen‘ erlebt. Weder gibt es eine räumliche Fassung oder angrenzende Hauseingänge, noch belebende Elemente oder Aktivitäten. Der Ort ist bestimmt durch die Schwere des Bodenmaterials, das die ‚historische Aura‘ des Bodens verstärkt.“ Und weiter ist dort zu finden: „Eine unterirdische akustische Installation in der Mitte des Platzes fördert eine neue Raumwahrnehmung. Beim Betreten der zentralen Fläche wird ein rotierendes Klangbild unterhalb des Bodens in Gang gesetzt. Es fordert den Passanten zum Innehalten und Verweilen auf…“
Ich fand es spannend und werde bei meinen nächsten Besuch wieder Töne aus dem Untergrund hervorlocken.

Ausstellungstipp: Kunsthalle München – gut wahr schön

4. Januar 2018

1Noch bis zum 28. Januar 2018 gibt es in der Kunsthalle München die Ausstellung „gut wahr schön“ zu sehen. Sie zeigt Werke des Pariser Salons aus dem Musée d‘Orsay. Ich habe mir die Bilder und Skulpturen angesehen und vieles dort hat mich nachdenklich gemacht.

Gibt es Kriterien dafür, was Kunst ist? Was ist gute und was ist schlechte Kunst? Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich die Bilder und die Begleittexte sowie den exzellenten Katalog der Ausstellung ansah. In mir hat die Ausstellung viel bewegt und ich bin den Organisatoren der Kunsthalle für diesen Input sehr dankbar.
Was zeigt also die Ausstellung unter dem seltsamen Titel „gut wahr schön“? Der jährliche Pariser Salon, der Salon de Paris, war im 19. Jahrhundert die weltweit wichtigste Kunstausstellung und das gesellschaftliche Ereignis schlechthin. Hunderttausende Besucher kamen, um dort das vielfältige Schaffen der damals bedeutendsten Künstler zu bewundern. Anhand von über 100 Kunstwerken, von denen die meisten noch nie in Deutschland zu sehen waren, zeigt die Ausstellung in der Kunsthalle München, wie im Pariser Salon klassische Tradition auf modernes Leben traf. Es gilt, diesen wesentlichen Bereich der französischen Kunst des 19. Jahrhunderts neu zu entdecken. Ich machte mich auf zu dieser Entdeckungstour.

Pro Raum gab es zwei, drei Bilder, die mich wirklich fesselten aus unterschiedlichen Gründen. Und wenn ich die Begleittexte las, stellte ich mir die Frage, wer eigentlich ausstellen durfte und wer nicht. Viele der Bilder sind Ergebnisse von Wettbewerben und die Jury-Mitglieder von damals entschieden, wer Sieger war und wer eben nicht. Von ihrem Urteil hing es ab, ob ein Künstler seine Werke finanziell hochpreisig an den Mann bringen konnte. Die Jury hatte eine unglaubliche Macht in diesem Kunstgeschäft. Da der Pariser Salon so etwas wie eine extrem wichtige Kunstmesse war, saß diese Jury an einer Schlüsselposition. Und die Ausstellung zeigte, die Willkür dieser Jury, denn viele Künstler, die damals groß gehandelt wurden, sind heute vergessen. Kunst liegt also hier im Auge des Betrachter.

Historienmalerei als sterbende Kunst
Beim Lesen des Katalogs, dessen Anschaffung für 29 Euro, ich ausdrücklich empfehle, kommt im Vorwort das Problem der staatlich geförderten Historienmalerei zur Sprache. Die Bilder sollten was Erhabenes darstellen, oft Motive aus der Mythologie, der Antike oder des Christentums. So lautete der Auftrag und die Maler und Bildhauer machten sich frisch ans Werk. Gleichzeitig brach aber eine neue Zeit der Wissenschaft und der Industrialisierung an. Wie konnte eine solch rückwärtsgerichtete Kunst noch Antworten auf die Fragen der Zeit geben? Wird eine solche Kunst noch ernstgenommen? Und als dann noch für Frankreich der Krieg gegen Deutschland 1871 verloren ging, stand die französische Kunst vor einem riesigen Problem der Identifikation. Technisches Können, argumentierte die Jury bis spät ins 19. Jahrhundert, sollten die Künstler vor allem mit großformatigen, höchst anspruchsvollen Darstellungen unter Beweis stellen.

Wer durch die wunderschöne Ausstellung wandert, der verspürt viel vom Geist einer untergegangen Epoche und die Versuche, einen neuen Weg einzuschlagen – immer wieder der Gegensatz von Ideal contra Wirklichkeit. Schon die Salonkritiker des zweiten Kaiserreiches schrieben immer wieder den Untergang der Historienmalerei herbei. Und am Ende kam es auch so. Die Vormachtstellung des Pariser Salons verblasste. Da half auch die ganze Akt-Malerei nicht mehr. Zu lesen war sogar von Pin Up-Girls anstelle von klassischem Akt – böse, böse. Es wurde über den Substanzverlust des Schönen diskutiert. Ich muss zugeben, dass ich vor dieser Ausstellung in der Kunsthalle München von den Künstlern und dieser Diskussion wenig mitbekommen hatte.

Noch bevor die Ausstellung beginnt, hängt am Eingang eine Fotografie eines unbekannten Fotografen, der die Künstler der damaligen Epoche zeigt – freilich nur Männer. Es ist interessant, wie sich die Herren Künstler vor der Kamera positionieren. Mal ernst, mal humorvoll, mal würdig, mal arrogant – was müssen das für Grabenkämpfe innerhalb der illustren Künstlerschar gewesen sein. Wie hieß es bei Kubrick in Barry Lyndon: „Ob arm, ob reich, am Ende sind sie alle gleich.“
Ich bin dankbar, dass ich die Ausstellung gut wahr schön nicht verpasst habe. Wer sich für Kunst in München interessiert, sollte bis zum 28. Februar 2018 auf in die Kunsthalle machen und in eine vergangene Zeit eintauchen.

Will ich einen Sportschuh als Sarg begraben werden?

28. November 2017
Ein ungewöhnlicher Sarg.

Ein ungewöhnlicher Sarg.

Bei einem Besuch des Museums Fünf Kontinente in München, dem ehemaligen Völkerkundemuseum, wanderte ich durch die Ausstellungen aus aller Herren Länder. Obwohl ich nie groß an Ethnologie interessiert war, gefielen mich die Exponate sehr: Masken, Krüge, Grabbeigaben. Waffen, Kleidung und vieles mehr. Am meisten allerdings faszinierte mich ein Sarg in Form eines Sportschuhs von Nike. Ich fragte mich: Was soll das? Und will ich einen Sportschuh als Sarg begraben werden?

Die Antwort auf die zweite Frage ist einfach: Es ist mir egal, weil ich es nicht mitbekomme. Wenn es ein eben Sportschuh sein soll, dann soll es eben so sein. Mich wird es nur indirekt betreffen. Vielleicht passt bei mir besser eine Filmrolle oder ein iPad als Sarg.

Die erste Antwort auf die Frage nach dem Sinn ist schon komplexer. Der Nike-Sarg stammt aus Ghana und wurde 2014 von Paa Joe geschaffen. Warum aber? „Wie das Leben, so der Sarg,“ heißt es bei den Bewohnern noch Ghana, die um der Hauptstadt Accra leben. Die Verstorbenen werden nicht in klassischen Holzsärgen wie bei uns begraben, sondern in bemalten figürlichen Särgen. Die Gestaltung ist von Beruf, Vorlieben und Leidenschaften der Verstorbenen abhängig“, so eine Erklärungstafel des Museums der fünf Kontinente. „So sollen die Toten im Jenseits ihre irdischen Tätigkeiten weiterführen können und dadurch den Lebenden gewogen bleiben.“ Hier eben ein Nike-Sportschuh in der Size 42 von Paa Joe, der speziell für Sportler angefertigt wurde. Um die Size 42 ein Zufall ist, weiß ich nicht. Ich interpretiere es als Humor und Antwort auf alle Fragen – schließlich heißt dieser Blog auch redaktion42.

Paa Joe wurde 1947 in Ghana geboren und absolvierte eine Lehre als Sargschreiner bei Kane Kwei (1922-1992).
Mich hat das Exponat Nike Trainer Size 42 im zweiten Obergeschoss des Museums gefallen. Und wenn ich mir das Gedränge um den Sarg ansehen, dann geht es mir nicht allein so. Kleiner Tipp die die Ausstellungsmacher: Überall im Museum sind kleine Staffeleien mit Bänken aufgestellt. Hier können kleine und große Besucher Platz nehmen und die Ausstellungsstücke skizzieren. Diese Bänke stehen vor Masken und Krüge. Wie wäre es denn mal vor dem Sarg? Dieser Publikumsmagnet kommt hier zu kurz.