Archive for the ‘Kunst’ Category

Auf gehts zum Mond mit der Kunst von Robert T. McCall

29. August 2022

Heute ist der große Tag: Die US-Raumfahrtbehörde Nasa will heute einen unbemannten Testflug zum Mond schicken. Als Teil der „Artemis“-Mission soll eine „Orion“-Kapsel mit Hilfe einer Schwerlastrakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral abheben. Geplant ist, dass sie den Mond umkreist und nach rund 40 Tagen wieder im Pazifik landet. Die „Artemis“-Mission sieht vor, dass in Zukunft wieder US-Astronauten zum Mond fliegen und diesen auch betreten. Das ist aber für frühestens 2025 geplant. Und während ich auf diesen Termin hinfiebere, habe ich mir Robert T. McCall ins Gedächtnis zurück gerufen.

Robert T. McCall ist Maler und war lange für die US-Raumfahrtbehörde tätig. Er hätte sich über die „Artemis“-Mission gefreut. Und es stellt sich mir die Frage: Hat die Nasa einen Maler dieses Kalibers für die nächsten Missionen? Robert T. McCall ist ja leider am 26. Februar 2010 verstorben.


Als Jugendlicher kannte ich seine Bilder, die den US-Aufbruch ins All zeigten, aber sei berühmtestes Motiv für mich war das Filmplakat zu Stanley Kubricks Meisterwerk 2001: Odyssee im Weltraum. Das Plakat hing jahrelang in meinem Kinderzimmer und die Kunst von McCall hatte ich immer vor Augen.


Vor kurzem bekam ich einen faszinierenden Bildband mit den Titel The Art of Robert McCall in die Hände und verliebte mich wieder in die Bilder. Sie nahmen mich mit in meine Jugend in der ich von der Eroberung des Weltalls träumte. Die Bilder Robert T. McCalls sind voller Zukunftsgläubigkeit, Begeisterung für Raumfahrt und Technik und ich bin mir sicher, dass viele Science Fiction-Fans die Begeisterung für seine Kunstwerke teilen. Zu seiner bekanntesten Arbeiten zählt sicherlich sein Motiv aus der Eingangshalle des Smithsonian’s National Air and Space Museum, das ich leider nur von Fotos kenne.

Seine Bilder waren patriotisch, aber vor allem strahlten sie Optismus aus. Wir können unsere Zukunft meistern. Und diese Einstellung ist heute viel, viel wert.

Inspirierend: Nebel von Fujiko Nakaya im Haus der Kunst

9. August 2022

Gerade noch konnte ich die Ausstellung von Fujiko Nakaya im Haus der Kunst in München erleben. Immer wieder kam was dazwischen und am letzten Ausstellungstag Ende Juli konnte ich die famose Installation Nebel Leben erleben. Ich hätte mich wahnsinnig geärgert, dieses Ereignis verpasst zu haben.

Fujiko Nakaya wurde 1933 in Sapporo / Japan geboren. 1957 schloss sie hr Kunststudium an der Northwestern University in Illinois / USA ab. Anschließend studierte sie Malerei in Paris und Madrid. 1960 kehrte sie nach Tokio zurück, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Neben Malerei, Zeichnung und Video umfasst ihr Werk über 90 Nebelskulpturen, mit denen sie traditionelle Vorstellungen von Skulptur infrage stellt.

Die Videoinstallationen im Haus der Kunst waren interessant, aber die Nebel-Installation war einfach grandios.

Installation Pond (1976)
Faszinierend, was mit der Videotechnik von 1976 möglich war. Heute wäre es eine klassische Cloud-Tcehnologie. In der damaligen Closed-Circuit-Installation Pond von 1976 wird das stetige Tropfen zum Symbol für Kontinuität und das ewige Fortschreiten der Zeit. Zwei Kameras übertragen Bilder in Echtzeit, die sich in nur einem Monitorbild überlagern: Eine Kamera filmt die Gesichter der Betrachter, die in den Monitor schauen, die andere überträgt das Bild der Wellen, die stetig herabfallende Tropfen in einem Wassereimer schlagen.

Das Abbild der Betrachter wird eins mit dem fiktiven Wasser-Spiegel im Monitorbild. Die visuelle Erfahrung ähnelt der Reflexion des Himmels in einer Pfütze, wobei realer und virtueller Raum auf einer Ebene erscheinen. Nakayas Installation zeigt die Dualität zwischen Welt- und Selbstbeobachtung auf und schafft eine sensorische Spannung zwischen der Immaterialität des virtuellen und der Materialität des realen Körpers. Die Besu cher innen sind Betrachter innen, aber gleichzeitig wesentlicher Bestandteil der Installation.

Das Highlight: Der Nebel
Im Zentrum der Ausstellung im Haus der Kunst stand aber der Nebel. In einem Rhythmus von einer halben Stunde wurde in einem großen Raum die Installation präsentiert. Ich war so angetan, dass ich mich in drei Durchläufen inspirieren ließ – jede Installation von einer anderen Ecke des Raumes und einmal im Zentrum. Entstanden sind daraus drei unterschiedliche VR 360 Grad Aufnahmen, die nicht nur die Installionen von Fujiko Nakayas Nebelskulpturen zeigen, sondern die Reaktionen des staunenden Publikums. Natürlich waren vor allem die Kinder vom heraufsteigenden Nebel begeistert.

Der Nebel haute mich um
Fujiko Nakayas Nebelskulpturen sind natürlich und künstlich zugleich. Der Nebel besteht aus purem Wasser, das unter hohemDruck aus winzigen Düsen spritzt. Diese sind mit mikroskopisch kleinen Stiften ausgestattet, die das Wasser in ultrafeine Tröpfchen zerstäuben. Durch die Anordnung und Intervalle der Düsen choreographiert Nakaya die Form ihrer Nebelskulpturen. Dabei ist sie sich bewusst, dass die Natur und die Umgebung Einfluss auf die Skulptur nehmen und umgekehrt. Der Nebel verdunstet schließlich und wird draußen Teil des natürlichen Wasserkreislaufs.

Im Innenraum wird er von großen Wasserbecken aufgefangen. Jeder Skulptur ging eine intensive Planungsphase voraus, so das Haus der Kunst. Systematisch erforscht Nakaya die meteorologischen Daten vor Ort wie Luftfeuchtigkeit, Windrichtung und -geschwindigkeit sowie Temperatur. Die jeweilige Umgebung ist nicht nur Ausstellungsraum, sondern ein Ort, der mit dem Kunstwerk interagiert.

Für mich erweiterte ich das Kunstwerk. Als Banause probierte ich etwas aus und spielte mir den Score von John Carpenters The Fog – Nebel des Grauens via AirPods ein. Die Musik von Nakaya war experimentale Klangmusik, die wunderbar gewirkt hatte. Ich versuchte es mit den Synthi-Klängen von Carpenter, die auch eine starke Wirkung auf mich als Filmfan hatte. So wurde das Kunstwerk für mich greifbar. Ich hing meinen Gedanken nach und bin dankbar für diese Erfahrung.

Hier noch zwei Buchtipps: Fujiko Nakaya – Fog und Fujiko Nakaya: Resilience.

Adam und Eva von Tilman Riemenschneider an der Marienkapelle Würzburg

19. Juli 2022

Wer nach Würzburg kommt, der stellt vor allem fest: Diese Stadt hat Kirchen, ganz viele Kirchen. Eine Besonderheit ist hier die Marienkapelle. Es ist eine bürgerliche Kirche, das bedeutet, sie wurde von einem aufstrebenden Bürgertum in Auftrag gegeben und nicht von der Kirche.

Daher ist der gotischer Kirchenbau auch nur eine Kapelle. Trotz ihrer Größe ist sie kirchenrechtlich eine Kapelle, da der von der Bürgerschaft errichtete Bau nicht mit pfarrkirchlichen Rechten ausgestattet wurde. Die Architektur der rot-weißen Marienkapelle ist eine hauptsächlich in der Spätgotik verbreitete Mischform zwischen Basilika und Hallenkirche. Die Kirche steht auf den Ruinen der ehemaligen Synagoge, nachdem die Würzburger die Juden im Mittelalter aus der Stadt vertrieben haben und ein Pogrom an der jüdischen Bevölkerung verübten.

Interessant für mich war das Südportal am Marktplatz. Dort sind die zwölf Apostel aus der Werkstatt von Tilman Riemenschneider zu sehen. Der Meister selbst schuf die beiden Figuren Adam und Eva – die Originale sind heute in der Veste Marienberg im Museum für Franken.

Und eben diese Figuren Adam und Eva sind kunstgeschichtlich etwas Besonderes. Es werden nackte junge und unsichere Figuren gezeigt. Nicht wie sonst im Mittelalter ein Adam mit langem Bart und in Fell gekleidet. Die Sandsteinfiguren Adam und Eva am Südportal sind heute Kopien des Werks von Tilman Riemenschneider, der 1490 vom Stadtrat einen der letzten großen Aufträge in der Tradition der Kathedralskulptur erhielt. Der Stadtrat forderte von ihm eine „meysterliche“, sprich eigenhändige Fertigung.

Die Mühsal des irdischen Lebens sieht man den Figuren Adams und Evas von Tilman Riemenschneider nicht an. „Jugendlich und unschuldig erscheinen sie, weich modelliert, mit sanftmütigen, von gelockter Haarpracht gerahmten Gesichtern und labilen Stand wirken sie wie aus einer anderen Welt“, so das Museum für Franken. Die Aktfiguren sind nicht anatomisch korrekt gestaltet, es sind Idealgestalten. Es sind auch Bauchnabel vorhanden, was natürlich der Bibel widerspricht. Adam aus Lehm geschaffen und Eva aus der Rippe Adams geschaffen.

Ausstellung: Design für Olympia – Olympische Spiele 1972

13. Juli 2022

Zum 50. Jubiläum der Olympischen Spiele in München 1972 nimmt Die Neue Sammlung – The Design Museum Designentwicklungen für Olympische Spiele und Paralympics in den Fokus. Vor kurzem war die Vernissage von der Direktorin Angelika Nollert eröffnet. Die Ausstellung ist bis 3. Oktober zu besichtigen.

Als größte Sportereignisse der Welt sind die Spiele seit jeher Motor und Ziel von Innovationen. Nicht nur internationale Athleten konkurrierten miteinander. Die Hersteller von Sportgeräten versuchten sich in der Ausstattung der Sportler genauso zu übertreffen wie die austragenden Länder über die visuelle und architektonische Gestaltung der Spiele. Dabei werden die Spiele trotz ihrer Ursprungsidee als Botschafter der friedlichen, unpolitischen Völkerverständigung häufig zum Vehikel politischer und gesellschaftlicher Aussagen. Das zeigen die Spiele 1972 sehr deutlich. Als friedliche, farbenfrohe Spiele waren sie geplant, nachdem Olympia 1936 unter dem faschistischen Naziregime stattfand. Diese Unterschiede sieht der Besucher auch im Design und in den Farben.

Die Ausstellung „Design für Olympia“ will die vielfältigen Verflechtungen von Design und Olympia abbilden. Die Olympischen Spiele in München 1972 mit ihrem zukunftsweisenden Erscheinungsbild von Otl Aicher sind dabei Ausgangspunkt für Betrachtungen zu vorherigen und nachfolgenden Spielen. Otl Aicher war genau der richtige Mann dafür. Nachdem er mit der Schwester von Sophie Scholl verheiratet war, zeigte er mit seinem Designteam auf der einen Seite die strengen Richtlinen, auf der anderen Seite die Fröhlichkeit der Spiele. Für mich ist Otl Aicher ein wahrer Designgott.

Die Ausstellung zeigt, wie sich Ideenreichtum und Innovationsgeist im Design für die Olympischen und Paralympischen Spiele spiegeln und welche Werte und Ziele in der Gestaltung für Olympia zum Ausdruck kommen. Der Fortschritt spielt hier eine ebenso große Rolle wie die politische Agenda, Nachhaltigkeit und Inklusion. Mit diesem Fokus auf das Design der Olympischen Spiele und seine historische Entwicklung setzt Die Neue Sammlung einen wichtigen und einzigarten Akzent in der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Olympia im Jubiläumsjahr 2022.

So nimmt die Ausstellung ganz bewusst die Olympischen und Paralympischen Spiele gemeinsam in den Blick und zeigt anhand von Maskottchen, Medaillen, Plakaten und Sportgeräten, wie sich diese beiden Wettbewerbe aus sehr unterschiedlichen Startbedingungen langsam einander annähern. Sportgeräte aus hundert Jahren, von Boxhandschuhen der Spiele in Paris 1924 bis zum Mountainbike der Spiele in Tokio 2021 zeugen ebenso von der Veränderung der Sportgeräte wie der Sportarten. Welche Disziplinen bei den Spielen vertreten sind, ist ein Spiegel der Wechselbeziehungen zwischen Amateur- und Profisport.

Olympia-Waldi als Maskottchen
Und Olympia 1972 ist für mich vor allem der Olympia-Waldi. Als 1970 der Olympia-Waldi als offizielles Maskottchen der Olympischen Spiele 1972 in München vorgestellt wurde, war die Begeisterung für den gestreiften Dackel nahezu grenzenlos. Auf dem Markt erschienen schnell verschiedenste Nachahmungen, die ohne Lizenz produziert wurden. So entstanden zahlreiche Ausführungen, die kleine oder größere Unterschiede zum Original aufweisen, am häufigsten sind Abweichungen in der Form und in der Farbigkeit. Und ich muss zugeben, ich finde meinen Waldi von damals nicht mehr.

Olympia-Waldi als Maskottchen
Und Olympia 1972 ist für mich vor allem der Olympia-Waldi. Als 1970 der Olympia-Waldi als offizielles Maskottchen der Olympischen Spiele 1972 in München vorgestellt wurde, war die Begeisterung für den gestreiften Dackel nahezu grenzenlos. Auf dem Markt erschienen schnell verschiedenste Nachahmungen, die ohne Lizenz produziert wurden. So entstanden zahlreiche Ausführungen, die kleine oder größere Unterschiede zum Original aufweisen, am häufigsten sind Abweichungen in der Form und in der Farbigkeit. Und ich muss zugeben, ich finde meinen Waldi von damals nicht mehr.

Verbotene Bekleidung
Einzigartige Sportgeräte, wie ein Rennrollstuhl der Spiele in Rio 2016 oder der Monobobski der mehrfachen Paralympics-Siegerin Anna Schaffelhuber zeigen auf, welche Entwicklungen und Innovationen den Amateurbereich erst noch durchdringen müssen. Die Ausstellung zeigt auch Sportgeräte und -bekleidungen, die für den Wettkampf verboten oder nicht zugelassen wurden. Kopfbekleidungen wie die Badekappe Soul Cap, die speziell für voluminöses Haar entwickelt wurde, oder der eierförmige Helm der deutschen Bobmannschaft von 1976 zeugen vom Ringen um Gleichberechtigung und faire Normen im Sport und verweisen auf die politische Dimension des Sportgerätedesigns.

Die Plakate von Otl Aicher
An der großen historischen und thematischen Vielfalt an Plakaten in der Ausstellung lässt sich exemplarisch die Geschichte grafischer Gestaltung ablesen. Das erste offizielle Plakat Olympischer Spiele, das als seltenes Original von 1912 in der Ausstellung zu sehen sein wird, wurde von Olle Hjortsberg gestaltet, einem akademischen Maler und Mitglied der schwedischen Akademie der Künste. Mit Yūsaku Kamekuras Plakat der Olympischen Spiele in Tokio 1964 vollzog sich der Wandel hin zu einer minimalistischen, internationalen Formensprache des Grafikdesigns, deren Entwicklung bis in die Gegenwart verfolgt werden kann. Cho Young-Jaes Plakat für Seoul 1988 zeigt zum ersten Mal am Computer erzeugte grafische Elemente.
Und es sind die kompletten Plakate von Otl Aicher zu sehen. Gerne hätte ich ein Buch über diese Plakate. Im Katalog zur Ausstellung werden sie zwar abgebildet, aber zu klein.

Wegweisende Piktogramme
Ein besonderes Highlight der Ausstellung bildet die vollständige Serie an historischen Piktogrammen der Olympischen Spiele in Tokio 1964. Als im Original erhaltene Serie bilden sie einen in Europa einzigarten Sammlungsbestand, der mit großzügiger Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung für die Ausstellung restauriert werden konnte.

Neben diesen für die Spiele entstandenen Grafiken zeigt die Ausstellung auch Arbeiten der Protestbewegungen gegen Olympische Spiele und lädt so zur Auseinandersetzung mit einer kritischen Haltung gegenüber diesem Großsportereignis ein. Plakate, wie sie beispielweise der chinesisch-stämmige Gestalter Badiucao zu den Winterspielen in Peking 2022 gestaltet hat, spielen auf drastische Weise mit der Formensprache olympischer Plakate und bringen so gesellschaftskritische Themen in den Diskurs, die in der offiziellen Kommunikation der Spiele ausgeblendet werden.

Die richtigen Sitze
Über Grafiken und Sportgeräte hinaus präsentiert die Ausstellung auch Raumausstattungen und deren Entwürfe, die ebenfalls im Zuge der Olympischen Spiele entstanden sind. Zu ihnen gehört die Duscheinheit Nizza, die von Günther Eckert und Werner Wirsing für die Athletenunterkünfte der Spiele in München 1972 entworfen wurde, die ich im Grunde in vielen Hotels später wieder gesehen habe. Oder auch die Sitzschale für das Münchener Stadion, die in Kooperation mit Behnisch Architekten von der Arbeitsgruppe Ausstattung unter Nick Roericht entwickelt wurde. Gerade diese Sitze haben für mich eine persönliche Verbindung, nachdem ich im Olympiastadion viele Konzerte und ein paar Fußballspiele auf diesen Sitzen verbracht habe, ohne ihren Designaspekt zu würdigen.

Espresso – ein Reiseführer des guten Geschmacks von Walter Vogel

13. Juni 2022

Morgens das Erste nach dem Aufwachen ist der Kuss an die beste Ehefrau und dann kommt der Ruf „Alexa, Steckdose Kaffee an“. Ich freue auf die erste Tasse frischen Bohnenkaffee am frühen Morgen. Bis ich soweit aufgestanden und fertig bin, ist die Siebträgermaschine aufgeheizt und ich bereite mir den ersten Espresso des Tages zu, ein tägliches, leibgewonnenes Ritual.

Schon lange plante ich eine Fotoserie zum Thema Espressobars, die heiligen Orte an denen das köstliche Getränk ausgeschenkt wird. Im Leica-Store München stieß ich dabei auf das Buch Espresso Cafe-Bars in Italien vom legendären deutschen Fotografen Walter Vogel, der vor Jahren diese Idee bereits in ein grandioses Buch umgesetzt hat. Es ist 1993 in der Edition Christian Brandstätter erschienen und widmet sich in großartigen Bildern der italienischen Kaffeekultur, die so dann und wann auch bei uns aufblitzt. Ich habe die erste Auflage des Buches besorgt.

Vogler hat eine Kaffeebar-Karte von Norden nach Süden Italiens in seinem Buch abgedruckt, quasi als Reiseführer des guten Geschmacks. Und er liefert die eindrucksvollen Bilder – alle in Schwarzweiß. Nur zur Klarstellung: Wir reden jetzt nicht von Starbucks oder San Francisco Coffee Bar, die sicherlich auch ihre Reize haben, sondern wir sprechen von den kleinen und großen Palästen des Genusses. Und wir reden auch nicht von den Hipstern, die als Barista verkleidet sind, sondern von den Helden der Bohne, die ihre Profession von Vater oder Mutter gelernt und verinnerlicht haben. Barista ist im Grunde die italienische Form des Barkeepers.

Der Düsseldorfer Walter Vogl, Jahrgang 1932, ist ein Meister seines Fachs. Er erhielt 1963 den World Press Photo Award und 2019 den Leica Hall of Fame Award. Sein Buch Espresso ist eine Reise in die Vergangenheit. Er erzählt von Zeiten als Kaffee etwas Besonderes war, die kleine Peitsche, die Belebung der Sinne, die zelebriert wird. In Vogels Buch werden Geschichten dieser Zeiten erzählt neben den historischen Fakten. Diese kann heute Wikipedia liefern, die Geschichten der italienischen Familien und ihrer Kunden aber nicht. Als ich das Buch genoss, erinnerte ich mich an die großen italienischen Geschichtenerzähler Visconti, Fellini, Pasolini oder Antonioni.

Sehr schön der Satz: „Die Maschine ist der produktionstechnische Mittelpunkt der Bar, der Barista der kommunikative.“ Sie sind Magier der Konzentration, die den ganzen Tag gleichbleibende Kaffeequalität produzieren. Beim Mahlen explodiert das Aroma und der Kaffee muss so schnell als möglich in die Maschine. Dann kommt das Aroma zur Geltung. Während ich diese Zeilen schreibe, genieße ich übrigens einen heißen Kaffee und genieße das Leben.

ARTMUC – Endlich wieder Kunst

13. Mai 2022
Die ARTMUC auf der Praterinsel in München.

Das Darben hat ein Ende. Die ARTMUC, eine der schönsten Kunstevents in München, hat nach Corona an diesem Wochenende wieder auf der Praterinsel geöffnet. Neben mehr als 75 Künstler aus ganz Europa stellen auch 25 Galerien und internationale Projekte in den Räumen aus. Auf Einladung des PresseClubs München durfte ich die Ausstellung einen Tag vor Eröffnung besichtigen und ich habe gemerkt, wie sehr mir Kunst und damit neue Ideen gefehlt haben. Hier ein Interview von mir mit dem Veranstalter Raiko Schwalbe.

Die ARTMUC positioniert als Entdeckermesse und Verkaufsplattform für zeitgenössische Kunst, die man sich auch leisten kann. „Der Kunstmarkt hat trotz einzelner Auktionsrekorde nach wie vor mit einer hohen Volatilität zu kämpfen. Das Positive daran ist jedoch, dass alle Protagonisten selbst aktiv werden und neue Wege und Ansätze für eine eigene Präsentation und Vermarktung entwickeln – darauf setzen wir u.a. mit unserem DIGITAL.LAB Projekt.“, erklärt der Veranstalter Raiko Schwalbe. Hier ein kleiner Rundgang in VR 360 Grad. Leider harmoniert die Framerate der Kamera nicht unbedingt mit der Beleuchtung der Ausstellungsräume – ein Manko vieler Galerien.

360 Grad Rundgang durch einen Teil der Ausstellung

Die rein weibliche Jury mit Dörthe Bäumer, Uta Römer und Anabel Roque Rodríguez hat eine beeindruckende Auswahl an Künstlern getroffen. Beim Gang durch die Ausstellungsräume traf ich auf eine Palette unterschiedlicher Richtungen. Sofort kam die Neugierde vermischt mit Inspiration auf.

Kunst aus der Ukraine von Katia Vozianov

Kunst aus der Ukraine von Katia Vozianov

Natürlich darf heute auch das Thema Ukraine-Krieg nicht fehlen. Die ARTMUC unterstützt bei der aktuellen Ausgabe zwei Kunstprojekte aus der Ukraine mit freien Flächen: die Galeristin Katia Vozianova von der Galerie Teskh und die Künstlerin Irina Fedorenko, beide aus Kiew. Vor dem Fall von Mariupol packte Katia Vozianova noch einige Bilder zusammen, verstaute sie in Rollen und brachte sie nach München.

Die Fliege von Brandy Brandstätter

Die Fliege von Brandy Brandstätter

Bei verschiedenen Künstler blieb ich länger stehen, weil die Werke mich auf die eine oder andere Art ansprachen. Humorvoll war die Fliege von Brandy Brandstätter. Es handelt sich um eine Kuh in Originalgröße von 2019, die mit 50.000 Maiskörner beklebt wurde. Gezählt habe ich die Körner nicht, wohl aber die Fliege auf der Nase der Kuh.

Hong Kong Noon I von Martin Köster

Hong Kong Noon I von Martin Köster (rechts unten).

Immer wieder habe ich die Bilder von Martin Köster gesehen und bewundert. Auf der ARTMUC habe ich endlich am Stand der Galerie an der Zitadelle die Bilder im Original gesehen und sie haben mich umgehauen. Marita Loren hat vier Bilder von Köster dabei, darunter Hong Kong Noon I. Ich habe mich sofort (in das Bild) verliebt. Martin Köster hat seine Faszination für Städte und seine Liebe für die Symmetrie in seinen Bildern vereint. Seine Öl-auf-Holz-Gemälde zeigen Stimmungen von typischen Stadtlandschaften, wo Menschen auf engstem Raum zusammenleben, aber doch einsam/fremd bleiben, wo Gebäude gleich und symmetrisch wirken, aber abstrahiert dargestellt sind.

Schalen und blauer Engel von Isabel Ritter

Beim Streifzug durch die Ausstellung blieb ich an den Bronzeskulpturen von Isabel Ritter stehen. Sie macht in Schalen: Bananenschalen, Orangenschalen, Zitronenschalen und mehr. Humorvoll und wunderschön anzusehen. Aber Isabel Ritter hat mich auch fasziniert mit ihrer Skulptur Blue Angel, die auch als digitaler Zwilling im Bereich digitale Kunst zu sehen und zu erfahren ist.

MODERN.POP.RAM von Fabian Seifried

MODERN.POP.RAM von Fabian Seifried

Fabian Seifried aus München faszinierte mich mit seinen Geweihen im Rahmen von KunstWild. Hier trifft sich Kunst und Tradition. Entstanden ist die Idee aus dem Nachlass der Grosseltern und der damit verbundenen schönen Erinnerungen. KunstWild soll Spass machen und positive Gefühle wecken. Manche Objekte passen einfach nicht in einem Rahmen. Sie brauchen Platz um von allen Seiten bewundert zu werden. Diese Blickfänge stehen auf soliden Metallständern und strahlen im natürlichen Sonnenlicht genauso schön wie in gemütlichem Kunstlicht. MODERN.POP.RAM war ein tolles Geweih in Pop-Art-Design.

Hunter & Prey von Tobias Frank

Hunter & Prey von Tobias Frank

Als Anime-und Cosplayer-Fan fiel mir sofort Hunter & Prey von Tobias Frank auf. Der aus München stammende Künstler zeigt viel Humor und hat wohl in diesem Bild seine Erfahrungen in Japan einfließen lassen. Das Bild hat mich spontan begeistert.

Und weitere Eindrücke von der sehenswerten ARTMUC.

Starfotograf Manfred Baumann: ein Treffen zur Buchvorstellung

10. Mai 2022

Fotografie ist eine meiner Leidenschaften. Und es freut mich immer sehr, wenn ich einen meiner Fotografen-Helden live erleben kann. So unlängst als ich den Österreicher Manfred Baumann mit seiner bezaubernden Frau Nelly im Leica Store München traf. Baumann stellte sein neues Buch Face to Face vor. Ich nütze die Gelegenheit, um mir den Store bei den Fünf Höfen anzuschauen, mir das neue Baumann-Buch zu kaufen, ein wenig zu quatschen und auch ein kleines Interview zu mit dem Meisterfotografen zu führen.

Manfred Baumann und der Autor dieser Zeilen im Leica Store München. Foto: Nelly Baumann

Zum ersten Mal traf ich auf Manfred Baumann als ich Textchef der ComputerFoto war, einer der ersten Zeitschriften über digitale Fotografie. Eigentlich sollte ich mich hier nur um die Textqualität der Redaktion kümmern, aber der damalige Chefredakteur Richard Joerges meinte, dass ich zudem auch die Akt-Strecken des Heftes betreuen sollte. Hab ich gerne gemacht und so traf ich auf Baumann, der gerade sein Buch Fine Nute Art veröffentlicht hatte. Das Buch beinhaltete nicht nur schöne Aufnahmen schöner Frauen, sondern war auch als kleines Lehrbuch über das Lichtsetzen bei Shootings geeignet.

Jahre vergingen und Baumann wurde von Jahr zu Jahr berühmter, sammelte Preise für seine Fotos und pendelt zwischen Wien und LA. en Schritt in die Promi-Fotografie machte er durch ein Foto von Roger Moore. Das Foto war so gut, dass der Schauspieler das Bild kaufte und so Baumann die Tür zur Hollywood-Prominenz öffnete. Können und Glück fielen für Manfred Baumann hier zusammen.

Einige der Stars aus Face to Face kenne ich, einige sind mir unbekannt, aber die fotografische Handschrift Baumanns tragen sie alle. Sie sind nicht so inszeniert wie die Fotos seiner großen Kollegin Annie Leibovitz, erinnern mich eher an Paul Ripke. Ich kaufte das Buch und ließ es mir mit dem alten Fotografen-Spruch signieren: „Einmal hoch, einmal quer, was will man mehr.“

die Widmung für mein Buch.

Auch ein Porträt von Wilhelm Shatner ist in dem Buch enthalten. Captain Kirk gilt als schwieriger Zeitgenosse und Baumann traf ihn auf der Shatner-Ranch zum Fototermin. Shatner komplett verschwitzt vom Ausritt stellte sich mürrisch zum Shooting auf und war so begeistert vom Ergebnis, dass er Baumann alle Rechte von dem Bild abkaufte und das Bild überall einsetzte. Wenn das kein Erfolg ist.

Musiktipp Kraftwerk Remixes und Ausstellung

18. April 2022

Aufgrund der aktuellen Corona-Zahlen werde ich nicht nach Düsseldorf in den Kunstpalast zu der sicher sehenswerten Ausstellung Electro fahren, die noch bis 15. Mai 2022 läuft. Weil mich aber das Thema interessiert, habe ich mir den Katalog gekauft und wenn ein Kooperationspartner mitmacht, will ich auch ein Online-Seminar oder ein Präsensseminar in einem Club zu elektronischer Musik machen.

Unter dem Titel Electro – von Kraftwerk bis Techno geht der Katalog und auch die Ausstellung auf die Entwicklung der elektronischen Musik ein. Ich bin ein Fan von Daphine Oram, habe viel Stockhausen gehört, aber meine wirklichen Helden sind beispielsweise Jean-Michel Jarre, Klaus Schulze, Tangerine Dream und natürlich immer wieder Kraftwerk.

Von Kraftwerk geht für mich eine ungeheure Faszination aus. Im Laufe der Jahre habe ich mir ziemlich viele Aufnahmen zusammengekauft, besuchte ein schlichtweg geniales Konzert in der Lichtburg in Essen und saß dabei in der vordersten Reihe und nun erschien von Kraftwerk das Album Remixes.

Ich habe mir die schwarze Vinyl zum Hören und die farbige Vinyl zum Sammeln bestellt – unterwegs höre ich die mp3 und ich merke, wie der Rhythmus durch den Körper geht. Es ist eine Sammlung der Remixe der Jahre 1991 bis 2021 der Elektronik-Pioniere aus Düsseldorf. Die beiden Kraftwerk-Väter Hütter und Schneider sind nicht unbedingt für ihre Experimentierfreude mit anderen Musikanten bekannt und lassen andere DJs die Stücke interpretieren, aber ein wenig hat sich Kraftwerk doch bewegt. Das Album ist anders als die Mix-Ausgabe aus dem Jahr 1991. Es bestand damals aus einer Auswahl von Liedern, die ursprünglich bereits auf früheren Alben von Kraftwerk erschienen waren und neu arrangiert und aufgenommen wurden.

Das neue Album Remixes geht darüber hinaus. Die Compilation zeigt den immensen Einfluss von Kraftwerk auf die Club- und DJ-Kultur, Techno und alle Formen der elektronischen Tanzmusik. Die 19 offiziellen Remixe enthalten neben Kraftwerks eigenen Remixen auch Beiträge von einigen der wichtigen DJs und Produzenten wie François Kervorkian, William Orbit, Étienne de Crécy, Orbital, Underground Resistance, DJ Rolando und Hot Chip. Die Remixe stammen von verschiedenen Kraftwerk 12″-Singles, CD-Singles und digitalen Veröffentlichungen aus den Jahren 1991 bis 2021 und liegen jetzt endlich als CD und Vinyl vor.

Natürlich weiß ich, dass die Musik von Kraftwerk ein Urvater von Techno war und kenne die Mär von 1977 mit dem Besuch des Afterhours-Club in der New Yorker Bronx von Ralf Hütter und Florian Schneider. Sie gehört zur Geschichte von Kraftwerk. Dort hörten die beiden Deutschen, was aus ihrer Musik in der Bronx gemixt wurde und waren angetan.

Für mich faszinierend waren für mich die sieben verschiedenen Versionen von Expo 2000. Das kann anstrengend sein, wenn man als Zuhörer das Liedchen in unterschiedlichen Interpretationen hört, aber mir gefällt es.

Filmwissen online – Digitalprojekt für Filmfans gestartet

3. Februar 2022

Als Filmfan und Bildungsmanager liebe ich Archive, Datenbanken, Bibliotheken und dergleichen mehr, die sich mit dem Medium Film beschäftigen. Und ich freue mich, wenn eine neue Wissensdatenbank zum Thema Film online gegangen ist, so wie jetzt, denn digitale Bildung im Netz ist genau der richtige Weg.

Mit der gelaunchten interaktiven Plattform FILMWISSEN ONLINE bieten sieben Institutionen aus der deutschen Filmbildungslandschaft Filmfans einen interaktiven und spielerischen Einstieg in die Filmgeschichte und Filmsprache, gepaart mit jeder Menge kurioser Fakten zu Film und Kino. Mir gefällt dieser digitale Weg der Filmbildung, den ich noch selbst als Jugendlicher in Büchereien, eigenen Archiv und Filmfesten mühsam beschritten habe.

Es werden Fragen aus 120 Jahre Filmgeschichte beantwortet wie: Wie wahr kann ein Dokumentarfilm sein? Wer war die erste Animationsfilmregisseurin in Deutschland? Was hat es mit Western „Made in Germany“ auf sich? Was haben Stummfilme und Comics gemeinsam? Und was hat Kino mit Schokolade zu tun?
Das Themenspektrum ist vielfältig: Es geht um wegweisende Filmemacher, um Genre und Gattungen, um Vorläufer der Filmkamera und ungeliebte Zwischentitel, um den Wahrheitsanspruch im Dokumentarfilm, um stereotype Darstellungen und kolonialistische Perspektiven im Film, um frühe Animationsfilmtechniken und das Entstehen einer ganzen Branche. Gerade das Thema Animationsfilm fasziniert mich als ehemaliger Chefredakteur der wichtigsten deutschen 3D-Zeitschrift. Aus der neuen Website ziehe ich gleich Anregungen für meine monatlichen Online-Schulungen aus dem Bereich Populärkultur.

Natürlich ist ein digitales Archiv nicht abgeschlossen, kann es auch gar nicht sein. Es muss wachsen, wenn die Betreiber neuen Content einstellen. Der erste Schritt ist gemacht. Das kostenfreie Angebot unter www.filmwissen.online wird stetig wachsen und im Lauf des Jahres um Module zu filmischen Gestaltungsmitteln ergänzt. Diese neuen Wege der digitalen Filmbildung unterstütze ich ausdrücklich.
Entwickelt wurde diese Themenwelt von der Deutschen Filmakademie, dem DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt, dem Filmmuseum Düsseldorf, CineGraph – Hamburgisches Centrum für Filmforschung, dem Haus des Dokumentarfilms Stuttgart, der Stiftung Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen sowie dem Filmmuseum Potsdam. Vielleicht kommen ja noch andere renommierte Sammlungen wie mein geliebtes Filmmuseum München oder die legendäre Murnau-Stiftung dazu.

In einzelnen Modulen – einer Mixtur aus Ausstellungen und Kursen – wird mit kurzen Texten, Filmausschnitten, Originaldokumenten, Fotos und Audiofiles ein anschaulicher und stark visueller Einstieg in die Welt des Films geboten. Interaktive Werkzeuge ermöglichen es, sich Wissen zu erschließen: Hotspots in Filmausschnitten geben Detailwissen preis, Pop-Up-Boxen erläutern filmsprachliche Elemente, Image-Slider setzen Bilder ins Verhältnis und in Quiz-Formaten können die Nutzer ihr neugewonnenes Wissen testen.

Ausstellung Wanderers von Kerstin Skringer

20. Januar 2022

Beim Herumschlendern in Augsburg traf ich auf eine Ausstellung, die genau meine Stimmung widerspiegelte. Ich blickte durch die Fenster der neuen Galerie im Höhmannhaus und sah die interessanten Bilder von Kerstin Skringer. Wanderers lautet die Ausstellung, die noch bis 13. Februar 2022 zu sehen ist. Die Werke zeugten von einer enormen Emotionalität und trafen genau die Stimmung an diesem Tag.

Ich trat ein. Bis auf die freundliche Aufpasserin war kein Interessierter in den großartigen Räumen der Galerie, die ich als Nichtaugsburger bisher nicht kannte. Das Werk von Skringer erinnert mich an den Südafrikaner Philip Barlow. Unschärfe überall. Während Barlows Bilder eine warme Unschärfe ausstrahlen, ist sie bei Kerstin Skringer eher kalt. Vor allem ihre Reihe Pure White Snow haben es mir angetan.

Ich lese: „Die Motive ihrer Bilder sucht und findet Kerstin Skringer beim Schlendern durch Städte oder Spaziergängen in der Natur. Hier hat sie ein fokussiertes Auge für Licht-Reflexen, Mehrfach- Spiegelungen und Durchsichten von Glasscheiben oder vergleichbaren Effekten, die durch künstliches oder natürliches Licht ausgelöst werden. Derart verklärende Vielschichtigkeiten überträgt sie in vielen übereinanderliegenden Schichten in ihre Malerei. Kompositionen entstehen dann durch Überlagerungen von dünnen, durchlässigen Farbschichten, die Motive sind oft schon in den beobachteten Effekten abstrahiert. Malerisch verfremdet sie diese Motive immer weiter, um ein am Ende für sie stimmiges Bild zu schaffen.“ Ich muss zugeben, die ausgestellten Bilder haben mich angesprochen. Ich bin gerne vor ihnen gestanden und ließ mich auf sie ein. Vor meinem geistigen Auge wurden die Motive klarer. Als ich noch Musik über die AirPods anmachte, da versank ich in dem einen oder anderen Bild. Und genau diese Stimmung wollte die Künstlerin wohl erreichen. „Das Diffuse, das Unklare ist Thema der Malerei von Kerstin Skringer. Oft zeigen ihre Bilder eine beunruhigende Stille. Die Unschärfe ist für sie ein zentrales Gestaltungsmerkmal. Dadurch werden nicht nur banale Beobachtungen ästhetisiert sondern den Betrachtenden selbst gedanklicher Spielraum für die eigene Wahrnehmung geboten.“

Weiter lese ich: „Kerstin Skringers Malerei wirkt bisweilen wie eine mit Unschärfe arbeitende Fotografie. Dieses virtuose, rein malerisch erzeugte Wechselspiel zeichnet ihren technisch ebenso herausragenden, wie künstlerisch eigenständigen Stil und Ansatz aus. Das Wort „Wanderers“ umschreibt im Englischen ziellos umherstreunende Menschen, die sich gelegentlich vielleicht auch auf Irrwege führen lassen. Skringer nimmt den Betrachtenden gern auf Wege des Beobachtens mit, bei denen wir selbst die Erkundenden sind.“

Auf der Website der Künstlerin, die wohl derzeit in Gauting lebt, sind ihre Bilder zu sehen und ihre Vita nachzulesen.