Archive for the ‘Film’ Category

Dracula im Film (7): Dracula (2020) – BBC/Netflix

13. März 2020
Dracula auf Netfflix.

Dracula auf Netfflix.

Als Fan von Dracula spitzte ich die Ohren als ich hörte, dass Netflix eine dreiteilige Miniserie über den Grafen aus den Karpaten anbot. Endlich hatte ich die Zeit, mir die drei Folgen der BBC auf dem Streamingdienstleister Netflix anzusehen. Ich war erfreut, dass es sich um eine Verfilmung des Bran Stoker-Stoffes drehen sollte, die zudem ins 21. Jahrhundert übertragen wurde.
Das erinnerte an die BBC-Serie Sherlock, die ich hervorragend fand. Es steckt auch das gleiche Team Steven Moffat und Mark Gatiss dahinter. Es gab immer wieder den Versuch Graf Dracula in die Neuzeit zu bringen. Dracula jagt Mini-Mädchen spielt 1972 im Swinging London und Die Herren Dracula beißt in Paris des Jahres 1976.
Der BBC-Netflix-Dreiteiler beginnt im viktorianischen Zeitalter, spielt allerdings in Ungarn und zeigt die bekannte Geschichte von Jonathan Harker. Der zweite Teil ist die Überfahrt Draculas nach England auf der Demeter und Teil drei spielt durch einen Clou in der Neuzeit.
Aus Professor Abraham van Helsing wurde Schwester Agatha van Helsing mit wunderbaren niederländischen Akzent. Die Schwester zweifelt aber an ihrem Glauben und ist auf der Suche nach Werten und konfrontiert Dracula mit ihrem Intellekt, scheitert aber an sich selbst. Ihrer Nachfolgerin Zoe Helsing geht es im dritten Teil nicht besser und geht mit unserem Lieblingsvampir in den Tod.
Der Graf selbst wird von Claes Bang gespielt. Er macht seine Rolle gut, kann auch dem Grafen durch eine Prise Humor und Feingeist einen neuen Dreh geben. Die Eindimensionalität eines eiskalten Draculas der Vergangenheit wird aufgebrochen. Und dennoch bleibt das Schauspiel blas. Zu keiner Zeit hat man bei dem Dreiteiler eine Spur von Horror oder zumindest ein wenig Gruselatmosphäre. Sein Dracula ist unterhaltend, hat unerwartete Wendungen, ist aber kein Horror.

Lächerlich ist eine Szene des ersten Teil, als sich ein nackter Dracula vor den Nonnen eines Kloster offenbart. Die Nonnen sind mit erhobenen Pflöcken bewaffnet, die nach oben gerichtet sind – das Phallus-Symbol lässt grüßen. Nette Idee, aber das ist B-Movie-Niveau, das die Mini-Serie nicht verdient hat.
Der Film und zwar der dritte Teil bricht mit der Tradition des Sonnenlichts und Kreuzen als Vernichter von Vampiren und Dracula kann die Sonne erleben, wird aber vom Krebs, einer zutiefst menschlichen Krankheit, getötet. Das ist ein absolut neuer Gedanken in die Welt von Dracula, ich bin mir aber nicht sicher, ob es mir als Traditionalist in Sachen Vampire gefällt. Interessant ist auch die Erklärung, warum Dracula zum Vampir geworden ist.
Nun, die Mini-Serie ist nicht schlecht, aber so richtig gefesselt hat mich die Sache auch nicht. Dafür fehlte mich etwas. Die Ausstattung ist viktorianisch und modern zugleich, das Drehbuch ist pointiert und hat Humor, der Sex ist kaum vorhanden und der Graf ist mir zu menschlich. Es gab neue Ideen, aber insgesamt warte ich auf eine wirklich gute Verfilmung des literarischen Stoffs.

Filmtipp: Onward: Keine halben Sachen von Pixar

10. März 2020
Der neue Pixar ist eine wahre Freude.

Der neue Pixar ist eine wahre Freude.

Ich mag die Pixar-Filme, weil sie eine Geschichte erzählen, tiefe, inhaltsreiche Geschichten. Anders wie viele Animationsfilme liefert Pixar neben technischen Raffinesse vor allem Tiefgang. Und daher ging mir das Herz auf, als ich den neuesten Pixar Onward: Keine halben Sachen im Kino ansah.
Onward steht in der Tradition von Coco, der eigenständige Pixar-Film des Jahres 2017. In Onward geht es um die beiden Elfen-Brüder im Teenager-Alter, die nicht glauben wollen, dass es in der Welt keine Magie mehr gibt. Also machen sie sich auf die Suche und haben ihren zum Leben erweckten Vater mit dabei. Onward lässt den Zuschauer lachen, mitfiebern und auch ein bisschen weinen, denn es ist eine zutiefst menschliche Geschichte, eingebettet in eine 103minütige Fantasy-Welt. Regisseur Dan Scanlon durfte zuvor 2013 Die Monster Uni inszenieren und er ist mit Onward gereift. Pixar und Disney gingen mit Toy Story 4 und anderen Franchise-Filmen auf Nummer sicher.
Dagegen bewegt sich Onward auf neuen Terrain. Dafür muss man den Verantwortlichen bei Pixar danken, dass die Kreativen dort Raum zur Entfaltung bekommen. Und in Onward gibt es eine Menge von diesem Entfaltungsraum mit allerhand Zitaten aus der Filmgeschichte. Back to the Future, Exorzist oder Kampf der Titanen seien nur als kleine, aber auffällige Beispiele genannt.
Ich habe die magische Reise unheimlich genossen, mich an die kleinen und großen Geschichten in der großen Geschichte erfreut. Und es zeigt sich, wie gut Filme funktionieren, wenn sich die Akteure auf einer Reise, auf einer Suche befinden. Es muss ein Rätsel gelöst werden und alle Spieler von Rollenspielen wie das schwarze Auge werden dem begeistert zustimmen. Nicht der direkte Weg führt zum Ziel, sondern Umwege. Und es zeigt sich bei Onward, dass Familiengeschichten das Herz berühren. Die Sehnsucht nach einer Familie ist Kern des US-amerikanischen Kinos und davon profitiert Onward.
Die Autoren des Films verbeugen sich vor der Tradition des US-Kinos und vor allem des Roadmovies. Wenn eine Unmenge von Polizeiwägen mit Blaulicht unsere Helden jagt, dann verbeugt sich Onward vor den Roadmovie Auf dem Highway ist die Hölle los oder Ein ausgekochtes Schlitzohr. Der Rockerfilm kommt vor und ich erwarte eigentlich Marlon Brando mit the Wild One. Aber dafür tritt der Vater als der Der Unsichtbare (The Invisible Man) von 1933 auf. Und wenn wieder ein Quest gelöst wird, wird der große Steven Spielberg mit Indiana Jones und der letzte Kreuzzug zitiert. Das Überschreiten der Schlucht oder die rotierenden Messer im Tunnel sind Indy Jones pur.
Onward: Keine halben Sachen ist ein absolutes Kino-Muss und für mich das Animationshighlight des Jahres. Pixar kann es eben.

Die Geheimnisse des schönen Leo – Benedikt Schwarzers HFF-Film über CSU-Mann Leo Wagner

9. März 2020
Die Geheimnisse des schönen Leo. Dokumentarfilm von Benedikt Schwarzer. Foto: Schwarzer Die Geheimnisse des schönen Leo. Dokumentarfilm von Benedikt Schwarzer. Foto: Schwarzer

Als Filmfan mag ich Dokumentarfilme und wenn sie sich um Politik drehen, mag ich sie sogar besonders gerne. Und so war ich neugierig als ich eine Einladung zu Benedikt Schwarzers Film „Die Geheimnisse des schönen Leo“ bekam. Schwarzer ist Absolvent der HFF und ich durfte ihn im Rahmen des Förderprogramms für journalistische Nachwuchsförderung der HSS das ein und andere Mal schulen.

Benedikt Schwarzer hat seinen HFF-Film über seine Familie gedreht. Er ist der Enkel von Leo Wagner, den ältere Politikinteressierte noch kennen werden. Der CSU-Politiker war enger Vertrauter von Franz-Josef Strauß, hatte eine Schwäche für das Kölner Rotlichtmilieu und verkaufte Informationen an die Stasi. Unklar ist, ob er der zweite Abgeordnete war, der 1972 das Misstrauensvotum der CDU/CSU gegen Bundeskanzler Willy Brandt scheitern ließ?
Der Film lief am Vorabend der Tag der Archive in der Hanns-Seidel-Stiftung München und allerhand alte CSU-Prominenz war erschienen. Die Gebrüder Strauß waren da sowie der ehemalige Büroleiter von FJS Wilhelm Knittel. Sie und viele mehr, wollten sehen, was Benedikt Schwarzer über seinen Großvater Leo Wagner herausgefunden hat. Danke an Renate Höpfinger von der HSS, die den Abend mit ihrem Team organisierte.
Anfangs war ich skeptisch über einen Familienfilm. Fehlt hier nicht die kritische Distanz, die man als Dokumentarfilme für einen Dokumentarfilm braucht? Und als es viel über die Familie ging, hatte ich die Befürchtung, dass „Die Geheimnisse des schönen Leo“ in eine falsche Richtung gehen. Aber ich habe mich getäuscht. Mehr und mehr nimmt der Film Fahrt auf. Der gewählte Titel „Die Geheimnisse des schönen Leo“ führte mich auf einen falschen Weg. Natürlich haben wir zum einen die politische Figur Leo Wagner, die der CSU durch seinen Lebensstil enormen Schaden zugefügt hat. Aber der Titel deutet auch eine enorme innerfamiliäre Dimension an, die ich nicht erwartet habe. Als Zuschauer war ich eigentlich an der öffentlichen Person Leo Wagner interessiert. Tagsüber seriöser Politiker in Bonn, taucht der schöne Leo nach Feierabend ins Kölner Nachtleben ab. Für seinen ausschweifenden Lebenswandel braucht er Geld, viel Geld. Ein Besuch in seinem Stammlokal „Chez nous“ kostet gerne mal 2.000 DM am Abend, viel Geld in der damaligen Bonner Republik. Als die Schuldenlast zu groß wird, lässt er sich von der Stasi anwerben. Und was alle interessiert: Bis heute steht ein ungeheuerlicher Verdacht im Raum. Leo Wagner könnte 1972 einer von zwei Abgeordneten gewesen sein, die das Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Willy Brandt überraschend scheitern ließen – und das im Auftrag der DDR. Hier bietet der Film keine klare Antwort. Schwarzer hat im Zuge seiner Recherchen eine Vielzahl von Experten und Zeitgenossen interviewt: Weggefährten, Familienangehörige, ehemalige Stasi-Mitarbeiter. Den endgültigen Beweis, dass Wagner von der DDR für seine Stimmenthaltung bezahlt wurde, kann er nicht erbringen. Aber für viele Weggefährten aus dem schwäbischen Raum war die Enthüllung der Stasi-Akten nach der Wende neu.
Aber die öffentliche Person Leo Wagner rückt im Laufe des Films mehr und mehr in den Hintergrund und die private Person und die Umstände seiner Ehe rücken in den Vordergrund. Eigentlich sind die Ereignisse privat, aber Benedikt Schwarzer zieht sein Familienleben in den hellen Schein der Öffentlichkeit. Eigentlich dürfen einen die persönlichen Angelegenheiten nicht interessieren, aber Benedikt Schwarzer inszeniert sie so unglaublich spannend, dass man als Zuschauer nur zuschauen kann. Ich will aber nichts über die Ereignisse verraten. Ich gehe davon aus, dass alle Einstellungen dokumentarisch und damit authentisch sind. Und sie sind der Hammer.

Matthias J. Lange im Gespräch mit Benedikt Schwarzer. Matthias J. Lange im Gespräch mit Benedikt Schwarzer.

Benedikt Schwarzer versteht sein Handwerk. Der Filmemacher arbeitete zunächst freiberuflich als Fotoassistent und Fotodesigner im Bereich Werbung und Porträt sowie als Regie- und Kameraassistent bei Dokumentar- und Spielfilmen. 2010 bis 2017 studierte er Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF). Von 2011 bis 2015 war er Stipendiat im journalistischen Förderprogramm der Hanns-Seidel-Stiftung, dort lernte ich ihn kennen. Sein Drehbuch zum Film ist hervorragend und ich muss zugeben: Das Leben schreibt die besten Geschichten. Wenn der „Die Geheimnisse des schönen Leo“ ein Spielfilm wäre, würde man sagen: Mann oh Mann, das klingt schon ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Da es aber ein Dokumentarfilm ist, bin ich völlig platt.
Der Film wurde von der Filmförderung und öffentlich-rechtlichen Sendern finanziert, so dass „Die Geheimnisse des schönen Leo“ sicher bald im Fernsehen gezeigt wird.

 

Zehn Minuten von Mulan

8. März 2020
Obwohl die neue Disney-Produktion Mulan erst in der kommenden Woche der Presse als kompletter Film gezeigt wird, hatte ich die Gelegenheit zehn Minuten des neuen Disney-Films Mulan zu sehen. Es handelte sich um drei unterschiedliche Szenen, die laut Disney in der finalen Fassung noch verändert werden können. Aber danke an Disney für den Einblick.
Ich will euch am Weltfrauentag meine Eindrücke der drei Szenen von Mulan schildern. Warum am 8. März? Ganz einfach, weil Mulan eine Frau ist, die als Mann in den Kampf zieht.
Zehn Minuten von Mulan haben mir gefallen.

Zehn Minuten von Mulan haben mir gefallen.

Mulan ist eine weitere Realverfilmung eines Disney-Zeichentrickfilms und er hat ganz gute Chancen, ein Blockbuster zu werden. Die Zeichen dafür stehen gut. Eine andere Realverfilmung König der Löwen von 2019 war für mich eine absolute Katastrophe. Die Special Effects waren zwar hervorragend, doch fehlte dem Film die Seele. Es war eine CGI-Orgie ohne Herz.
Das soll bei Mulan nicht passieren. Mulan war der 36. abendfüllende Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios und erschien im Jahr 1998. In der Realverfilmung spielt Liu Yifei die Hua Mulan und das macht sie in den drei Szenen überzeugend.
Kurz zur Handlung: Hua Mulan ist die älteste Tochter eines hoch geehrten Kriegers. Sie hat Temperament, Hingabe und ist schnell zu Fuß. Als der Kaiser befiehlt, dass ein Mann aus jeder Familie in der Armee dienen muss, springt Mulan für ihren kranken Vater ein. Sie wird zu Hua Jun und einer von Chinas größten Kriegern.
Ich durfte drei Szenen von insgesamt zehn Minuten betrachten. Szene eins war ein Gespräch zwischen Vater und Tochter mit allerlei pseudophilosphischen Geschwafel über Ehre. Ist zwar geschwätzig, muss aber in jeden Martial-Arts-Film hinein. Die Szene ist mit viel Gefühl angelegt. Was angenehm ist: Der Gesang des Zeichentrickfilms wurde gestrichen. Den Score komponierte Harry Gregson-Williams, in Hollywood und in der Videospielindustrie kein Unbekannter und ein routinierter Komponist. Allerdings: Zum Score lässt sich (noch) nicht viel sagen. In dieser Szene war die Musik gut eingesetzt.
Die zweite Szene war die Ausbildung von Mulan. Sie kämpft mit dem Speer auf einem Exerzierplatz und weißt als Frau einen männlichen Krieger in die Schranken, bleibt aber als Frau unerkannt. Die Szene hat Dynamik, viel CGI. Unterschied zum Zeichentrickfilm: Die männliche Hauptfigur des Hauptmanns Li Shang wird durch den Rekruten Chen Honghui ersetzt und die Funktion als Mulans Ausbilder verkörpert die neu geschaffene Figur des Kommandanten Tung.
Die dritte und letzte Szene, die ich gesehen habe, war eine Kampfszenen mit flotter Verfolgungsjagd zu Pferd. Auch hier kommt massenhaft CGI zum Einsatz, aber es zerstört den Film nicht. Die Szene macht Lust auf mehr.
Sehr gut ist es, dass Disney eine Frau auf dem Regiestuhl Platz nehmen ließ. Niki Caro ist ein Neuling und wurde mit einer Millionen-Dollar-Produktion betraut. Daher kommt dieser Post zum Weltfrauentag. Die gezeigten zehn Minuten haben mich überzeugt und ich werde mir den kompletten Film in meinem Lieblingskino Scala in Fürstenfeldbruck ansehen.
Ach ja, bevor einer fragt: Nein, der Drache Mushu aus dem Zeichentrickfilm wird in der Realverfilmung nicht auftauchen. Disney hat aus dem Fehler von König der Löwen gelernt.

Joseph Vilsmaier – Filmseminar zum Thema Heimat mit Bayern sagenhaft

3. März 2020

Der bayerische Regisseur Joseph Vilsmaier verstarb am 12. Februar 2020 im Alter von 81 Jahren. Gestern wurde er zu Grabe getragen. Ich hatte bei einem Filmseminar der Hanns Seidel Stiftung in Passau die Gelegenheit den vorletzten Film Vilsmaisers „Bayern sagenhaft“ zu sehen und einer Diskussion zum Thema Heimat beizuwohnen.
An Vilsmaier erinnerte der langjährige HSS-Filmreferent Artur Kolbe mit persönlichen Worten. Sie waren zuvor auf der HSS-Website als Nachruf veröffentlicht worden und in Passau sprach sie Kolbe nochmals live. „Ein bezaubernder sympathischer Mensch, den jeder gern haben musste, der das Glück hatte, mit ihm reden zu können.“ Ich habe den Nachruf hier auf Video:

Joseph Vilsmaier hat deutsche Filmgeschichte geschrieben und hervorragende Werke uns Filmfreunden gebracht: Ich nenne nur Herbstmilch, Schlafes Bruder, Stalingrad oder Comedian Harmonists. Seinen letzten Film Der Boandlkramer und die ewige Liebe konnte er vor seinem Tod noch vollenden.
In Passau sah ich seine Dokumentation Bayern – sagenhaft und war furchtbar enttäuscht. Es ist für mich ein wirklich schlechter Film geworden. Eine Aneinanderreihung von Stock-Aufnahmen, Fundus-Aufnahmen und völlig uninspiriert, ohne großen roten Faden. Es tut mir leid, lieber Joseph Vilsmaier, aber das war wirklich nichts. Sein gezeigtes Bayern bestand in erster Line aus Altbayern, etwas Niederbayern und Oberpfalz, die Franken und die Schwaben kamen nur noch am Rand vor. Der Film zeigte Fremdaufnahmen von BMW und der LMU, um den Fortschritt des Freistaats zu demonstrieren, aber der Film bricht auseinander.

Hannes Burger lieferte ein Konzept des Kalenderjahres, das sich durch den Film ziehen sollte, aber Vilsmaier hielt sich nicht daran und packte zuviel rein. Sein Bayern bestand in seiner Sichtweise aus Tracht und Trinken. Das ist nicht das aufgeschlossene Bayern, das ich kenne und liebe.
Und dann kam noch eine polternde Monika Gruber dazu, die mit dem Herzblatt-Hubschrauber durch die Handlung holzt. Ich mochte einst die Gruberin, aber in den vergangenen Jahren entwickelte sie sich zur derben grobschlächtigen Farce. Der Film langweilt einfach nur und ist eine missglückte Tourismuswerbung.
Beim Filmgespräch „Heimat als politische Aufgabe Möglichkeiten des Films“ sprachen Georg Steiner, Tourismusdirektor der Stadt Linz, Stadtrat, Passau, Hannes Burger, Journalist und Autor, Hans-Jürgen Buchner (Haindling), Musiker und Komponist, Pfarrer Dr. Michael Gnan, Päpstlicher Beauftragter für die Ostkirchlichen Christen, Beauftr. f. Asyl im Bistum Passau, die überzeugte Passauerin Christine Altinger und Katharina Lechner (European Studies), Passau. Die Moderation hatte Wilhelm Mixa inne.


Ich habe die komplette Diskussionsveranstaltung mitgeschnitten. Hier das Video:

Meiner Meinung nach kamen die besten Beiträge von Katharina Lechner und Hans-Jürgen Buchner. Hannes Burger konnte ein wenig Klarheit über die Zustände der Filmproduktion bringen. Die Diskussionsbeiträge aus dem Publikum waren schon sehr bemerkenswert, zum Teil sehr rückwärtsgewandt und manches Mal verletzend, aber urteilen Sie selbst.

Gespräch mit Hannes Burger.

Gespräch mit Hannes Burger.

Musiktipp: Mike Oldfield Killing Fields – Sammlerbox

2. März 2020
Mike Oldfield, der alte Recke meiner Jugend, hat in seinem musikalischen Leben nur einen Soundtrack komponiert: Es war im Jahr 1984 zum Film The Killing Fields. Jetzt bekam ich eine ungewöhnliche Sammlerbox in die Hand.
Bevor jetzt wieder Besserwisser daherkommen. Ich weiß, Mike Oldfields Musik wurde als Score zum Filmklassiker Exorzist im Jahre 1974 verwendet – aber es waren Auszüge aus seinem Debütalbum Tubular Bells. Es war kein extra komponierter Soundtrack zu einem Film.
Nichts neues bietet die Sammlerbox von Killing Fields.

Nichts neues bietet die Sammlerbox von Killing Fields.

Das war bei Killing Fields anders. In der Sammlerbox befindet sich die CD und die englischsprachige DVD des sehenswerten Films. Zudem gibt es allerhand Pressematerial.
Der Film spielt vor dem Hintergrund des kambodschanischen Bürgerkriegs als die Roten Khmer ihren Steinzeitkommunismus in dem instabilen, asiatischen Land errichtetet und Massenmord an ihrem Volk begangen. 2,2 Millionen Tote gab es zu beklagen, viele davon auf den Killing Fields. Erstmals Regie führte 1984 der Brite Roland Joffé. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit und ist schonungslos eindrucksvoll.
Gonzobox - das sagt alles.

Gonzobox – das sagt alles.

Die Musik steuerte Mike Oldfield bei, der im gleich Jahr eigentlich im seichten Pop versunken war. Wir erinnern uns an das Album Discovery (1984) mit dem netten Hit To France, gesungen von Maggie Reilly. Der Soundtrack zu Killing Fields konnte nicht kontrastreicher sein. Instrumentalmusik wie frühere Alben, aber keine längeren Stücke wie auf seinem Frühwerk. Das Album enthält die kürzeste Oldfield-Komposition überhaupt: The Year Zero 2 mit 37 Sekunden, gefolgt von Pran’s Theme mit 44 Sekunden. Étude, das letzte Stück des Albums, wurde als erfolglose Single ausgekoppelt und stammt als einziges Stück nicht von Oldfield, sondern von spanischen Gitarristen und Komponisten Francisco Tárrega (1852–1909).

Die Musik des zehnten Mike Oldfield-Albums wirkt auf den ersten Eindruck kräftig und disharmonisch. Der Fairlight dominiert, aber auch Schlaginstrumente aus Asien. Als sie 1984 auf den Markt kam, war ich verschreckt, aber ich habe meinen Frieden mit dem Score gemacht. Bei der Veröffentlichung in der vorliegenden Sammlerbox von Gonzobox7 hätte ich mir ein paar unveröffentlichte Sachen oder eine bessere Abmischung vorgestellt, denn eigentlich habe ich LP, CD, Single, Maxi-Single und DVD von Killing Fields – und sogar das Pressematerial liegt irgendwo im Archiv.
Hier das bisherige Material, was ich von Killing Fields besitze.

Hier das bisherige Material, was ich von Killing Fields besitze.

Aber das Material wurde nicht optimiert, sondern einfach nur zusammengetragen. Ob eine DVD das aktuelle Medium darstellt, sei zudem dahin gestellt. Daher brachte die Box nichts neues und befriedigt nur die Sammlergelüste – die große Bereicherung ist es nicht geworden. Schade.

Stoff für Star Wars Süchtige

21. Februar 2020

Ja, ich häng noch am Star Wars Tropf. Nachdem die Skywalker-Saga abgeschlossen ist und wir jetzt auf die Veröffentlichung der Saga auf 4K-Box warten, muss ich mich ein wenig ablenken. Die Skywalker Saga 4K wird am 30. April 2020 erscheinen und 27 Datenträger enthalten – und natürlich gehöre ich zu den Erstbestellern.

Ich hab wieder gemerkt, dass ich ein absoluter Fan der mittleren Trilogie bin. Krieg der Sterne, das Imperium schlägt zurück und die Rückkehr der Jedi-Ritter sind einfach meine Filme, weil es die Filme meiner Generation sind. Mit Luke, Leia, Vader, Han und Co wurde ich sozialisiert. Ich habe noch im Kino gesehen, dass Han zuerst geschossen hat. Und wenn die Filme, egal in welcher Version, laufen, spreche ich die Dialoge mit. Wahrscheinlich hat die jungen Generation andere Vorlieben, ich weiß es nicht.
Meine Kinder habe ich mit meiner Star Wars-Sucht angesteckt. K2 überlegt sogar, einen Podcast zum Thema zu machen – meine väterliche Unterstützung hat das Kind auf jeden Fall.


Immer wieder tauchen Erinnerungen meiner Jugend auf. Beim Aufräumen habe ich sogar ein Heft aus meiner Jugend gefunden. Was sage ich Heft! Ich habe einen Schatz gehoben. Der Schatz war in einem Ordner in meinem Archiv abgelegt und wurde vergessen. Es handelt sich um ein Perry Rhodan Sonderheft aus dem Jahr 1977 mit Krieg der Sterne als Thema. Ich habe es mir damals nach dem Kinobesuch mit meinem Papa gekauft und verschlungen. Jetzt ist es wieder aus der Vergessenheit aufgetaucht. Mit viel Liebe habe ich das Heft in seinem siebziger Jahre Layout durchgeblättert und ein Video dazu gedreht. Ich hänge am Star Wars Tropf.

Und ich habe mir einen aktuellen Schatz besorgt. Es gibt ein relativ neues Bilderbuch zur mittleren Trilogie. Mein Lieblingsverlag, der Taschen Verlag, hat das sieben Kilogramm schwere Werk Das Star Wars Archiv. 1977–1983 im vergangenen Jahr veröffentlicht.

Autor ist Paul Duncan, Autor von verschiedenen Filmbücher über James Bond, Hitchcock oder Ingmar Bergman. Dieser Star Wars-Band, entstanden in enger Kooperation mit George Lucas und Lucasfilm, deckt die Entstehungsgeschichte der Originaltrilogie ab – Krieg der Sterne (= Episode IV: A New Hope), Das Imperium schlägt zurück (= Episode V: The Empire Strikes Back) und Die Rückkehr der Jedi-Ritter (= Episode VI: Return of the Jedi). Er enthält ein Exklusivinterview mit Lucas und ist vollgepackt mit selten gezeigten Dokumenten, mit Drehbuchseiten, Produktionsunterlagen, Konzeptentwürfen, Storyboards und natürlich einer Fülle an Fotos aus den Filmen und von den Dreharbeiten. Ja, natürlich habe ich viele dieser Dokumente als Fan schon gesehen, aber das Bilderbuch hat noch ein paar seltene Bilder. Und der Druck des Buches ist sagenhaft. Hier hat sich der Taschen-Verlag nicht lumpen lassen.

Leider sind bei der Übersetzung ein paar Fehler. Die Lektoren sind wohl keine Star Wars-Fans und haben sich nicht an den Originaldialogen der Filme orientiert. Das sollte bei einem Buch von 150 Euro nicht sein. Ein Beispiel: „eine elegante Waffe aus zivilisierteren Tagen.“ – heißt es im Film. Daraus wurde im Buch: „eine elegante Waffe aus einem zivilisierteren Zeitalter.“ – das ist sicherlich kein Problem, aber bei einem Buch für Fans ein gewaltiger Fehler. Da bietet es sich an, das Buch The Star Wars Archives: 1977–1983 auf Englisch zu erwerben. Dennoch ist das Werk eine Empfehlung und überbrückt die Wartezeit bis zur 4K-Box.

Filmkritik: Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn

14. Februar 2020
„Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ hat mich ratlos hinterlassen. Auf dem ersten Blick besitzt der Film aus dem DC-Universum keinerlei Sympathie-Figuren. Alle Figuren sind ordinär, brutal, gewalttätig, gewissenlos – es ist Trash pur, was uns Regisseurin Cathy Yan und der Drehbuchautorin Christina Hodson da präsentieren. Der Spaß, Familien die Haut von den Gesichtern zu ziehen, erschließt sich mir einfach nicht.
Ich hatte eine Einladung zum Kinobesuch von meinem Kollegen Markus von Filmreport bekommen, der wiederum zwei Eintrittskarten und Cocktails von der 35mm Bar im Münchner Mathäser gewonnen hatte – vielen Dank dafür.
Ich hatte den Vorgänger „ Suicide Squad“ von 2016 kaum etwas Unterhaltendes abgewinnen können, so war ich auf die Fortsetzung „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ gespannt. Wie wird entwickelt sich die Figur der wahnsinnigen Harley Quinn weiter? Nachdem der Joker seine Freundin fallen ließ, dreht die Dame nun völlig ab und mordet sich durchs Leben. Aber es gibt noch schlimmerer Halunken in dem Film, was das Morden der schrillen Dame relativieren soll.
Schrill, bunt, obszön ist ihre Welt der Fäkalsprache. Natürlich müssen Comicverfilmungen überzogen sind, aber so richtig gezündet hat die bunte Welt der Bilder bei mir nicht. Und das ging anderen wohl auch so. In den USA wurde kurzerhand der Titel des Films geändert, damit die Zuschauer ins Kino kommen. Harley Quinn Wurde im Titel vorangestellt, um eine Google-Optimierung zu erreichen. Am Startwochenende hatte Warner mit 50 Millionen US-Dollar in den USA gerechnet, es kamen aber 33 Millionen US-Dollar in die Kassen. Als Grund wurden der seltsame Humor und die Erzählstruktur genannt.
Interessant fand ich an dem Film dagegen wirklich die Erzählweise. Immer wieder wird der Zuschauer durch Rückblenden und Zeitsprünge aus dem Erzählfluss gerissen. Der Film springt zurück, setzt neu an und zeigt dadurch andere Sichtweise. Vielleicht hat das den einen oder anderen Zuschauer verwirrt, mir hat diese ungewöhnliche Erzählweise in einem Blockbuster gefallen.
Und als Filmfan habe ich die Anspielungen genossen. Da wird wunderbar zitiert aus Tope Hoopers „ Das Kabinett des Schreckens“ von 1981 zitiert, es scheint ein wenig Kubricks Der Tiger von New York durch und auch Bösewicht Scaramanga aus dem Bond-Film „der Mann mit goldenem Colt“ von 1974 lässt grüßen.
Wie geschrieben fand ich „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ auf den ersten Blick einen belanglosen und unnötigen Trash. Einen Tag später drehen sich meine Gedanken um die Emanzipation der Figuren. Auf einer tieferen Ebene ist „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ ein wirklich ein emanzipatorischer Kampf gegen Unterdrückung, ein Auflehnen gegen die Macho-Kultur, wie sie oft auch in Comic-Verfilmungen zu finden ist. Weibliche Superhelden hatten bisher eng sitzende Kostüme, vielleicht mit ein ein bisschen Leder und knappen Stoff. Das ist hier nicht der Fall.
Die Macherinnen des Films, die handelnden Charaktere sind weiblich und haben unter Männern in ihrem Umfeld gelitten. Es ist keine Drei Engel für Charlie-Variante, sondern eher Thelma & Louise. Dr. Harleen Quinzel/Harley Quinn (Margot Robbie) hatte sich in den Joker verliebt und wurde von ihm abserviert. Zuvor bestand ihr Leben aus Schläge und Ablehnung. Sie biss sich durch, erlangte den Doktortitel und fiel nach ihrer Trennung in den white Trash zurück. Die Polizistin Renee Montoya (Rosie Perez) wird im Revier von Männern übergangen. Ihr Boss ist korrupt, die anderen Polizisten ebenso. Die kleine Taschendiebin wächst bei gewalttätigen Pflegeeltern auf der weibliche Robin Hood mit Armbrust hat gar die ganze Familie verloren. Ach ja, die Sänger – vergessen wir es. Die Figuren sind eindimensional und trotz interessanter Ansätze werde ich mir ein weiteres Sequel nicht mehr antun.
Bemerkenswert ist höchstens der Score von Daniel Pemberton – das Musikalbum mit Bum-Bum-Sängern kann mir gestohlen bleiben.

Konzert-/Filmkritik: Koyaanisqatsi in der Münchner Philharmonie 2020

13. Februar 2020

Es gibt Filme, die schaue ich mir zur Unterhaltung an. Und dann gibt es Filme, die gehen tiefer: Filme, die einen aufwühlen und inspirieren. Filme, die einen nicht mehr loslassen und beschäftigen. Ein solcher Filme ist Koyaanisqatsi aus dem Jahre 1982. Der Film ist Teil der Die Qatsi Trilogie
Ich habe den Film zum ersten Mal im Schulkino bei mir am Gymnasium auf 16 mm gesehen und dann immer wieder mal auf DVD, mal im linearen Fernsehen. Jetzt habe ich den Film mit Live-Musik in der Münchner Philharmonie endlich auf der großen Leinwand erleben dürfen. An der Orgel spielte Stefan Moser.
Moser ist in der Filmszene kein Unbekannter. Er spielte live Orgelmusik zu verschiedenen Stummfilmklassikern, wie Nosferatu, Metropolis und Panzerkreuzer Potemkin. Ich erlebte ihn nun zum ersten Mal bei seiner Interpretation des Avantgarde-Films Koyaanisqatsi, wie er die Musik von Philip Glass spielte. Moser ist Konzertorganist, Cembalist und Kirchenmusiker und Agenturgründer von Orgelpunkt, einer Agentur für Orgelmusik.


Durch Koyaanisqatsi entdeckte ich als Jugendlicher die Minimal Music von Glass, der für mich bis dahin nur in Klassik gemacht hat. Glass war durch den Film für mich als besonderer Filmmusikkomponist etabliert. Sein Werk zu Dracula höre ich immer wieder gerne. Die Musik zu Koyaanisqatsi war für mich hypnotisch und ich ertappte mich, Als ich aus den Gasteig ging und nach Hause fuhr und immer wieder den Hopi-Gesang Koyaanisqatsi vor mich hin sang. Die Wirkung der Musik ist enorm und in Verbindung zu den Bilder beamt sie einen weg. Einen ähnlichen Effekt hatte ich bei 2001: Odyssee im Weltraum als es zum Ende hin psychedelisch wurde und ich Atmosphères von György Ligeti für mich entdeckte. Die Musik in Verbindung mit den Bildern in Koyaanisqatsi war ein Rausch. Wie in Trance saugte ich das Filmkunstwerk von Godfrey Reggio auf. Als die Endcredits über die Leinwand liefen, erwachte ich aus diesem Sog an Bilder und Tönen. Das hervorragende Orgelspiel von Stefan Moser leistete dazu einen gehörigen Beitrag.


Der Wechsel zwischen Zeitlupen- und Zeitraffer-Aufnahmen war für seine Zeit enorm. Zudem die Abwesenheit von Dialogen. Der Einsatz verschiedener Optiken wie Totale und Macro, Blenden von 22 bis 2.0 verfehlen ihre Wirkung beim Publikum nicht. Wie würde Godfrey Reggio mit heutiger Technik einen solchen Film drehen, wenn er statt Hubschrauber Drohnen einsetzen könnte? Mich hat Koyaanisqatsi auf jeden Fall inspiriert und meine Frau und ich haben anschließend viel über den ungewöhnlichen Film gesprochen. Für mich steht fest: Ich möchte 2020 stärker experimentieren – erste Anläufe sind gemacht.
Und das Thema von Koyaanisqatsi ist aktueller denn je. Die Übersetzung von Koyaanisqatsi in der Sprache der Hopi ist in etwa so: „Leben im Ungleichgewicht“. Dazu führt der Regisseur die Hopi-Gedanken an:
„Wenn wir wertvolle Dinge aus dem Boden graben, laden wir das Unglück ein.
Wenn der Tag der Reinigung nah ist, werden Spinnweben hin und her über den Himmel gezogen.
Ein Behälter voller Asche wird vom Himmel fallen, der das Land verbrennt und die Ozeane verkocht.“

Dank Kirk Douglas wurde Stanley Kubrick groß

6. Februar 2020

Im hohen Alter von 103 Jahren ist Hollywood-Darsteller Kirk Douglas gestorben. Er hatte viele Filme gedreht, gute und schlechte – aber er hat auch zwei Filme meines Lieblingsregisseurs Stanley Kubrick finanziert, bei denen Douglas auch die Hauptrolle spielte. Es war zum einen Wege zum Ruhm, es war zum anderen Spartacus.
Wahrscheinlich ist Spartacus der finanziell erfolgreichere Film von beiden – großes Hollywood-Kino über den Sklavenführer Spartacus. Es war der letzte Film bei dem Kubrick nicht die absolute Kontrolle über den Film hatte. Nach dem Erfolg von Spartacus konnte Kubrick seine filmischen Visionen umsetzen und das Kino auf den Kopf stellen. Dafür kann man Kirk Douglas nicht genug danken, dass er Wegbereiter eines filmischen Genies war.

Original Aushangfoto von 1957 von Wege zum Ruhm. Es hängt in meinem Arbeitszimmer.

Original Aushangfoto von 1957 von Wege zum Ruhm. Es hängt in meinem Arbeitszimmer.

Persönlich hat mir Wege zum Ruhm von 1957 aber besser gefallen. Der Film über den Grabenkrieg des Ersten Weltkriegs, in Schwarzweiß gedreht und mit einer tiefgründigen Moral hat mich immer erschüttert. Die Bilder von Kubrick haben mich erschreckt, als er mich in die Abgründe der menschlichen Seele schauen ließ. Die Darstellung von Kirk Douglas hat mich beeindruckt, sein Pathos, seine Verzweiflung, sein Scheitern. Das war großes Kino eines großen Darstellers in einem Film eines übergroßen Regisseurs, der seine Chance erkannte und einen der wichtigsten Antikriegsfilme überhaupt drehte. Kubrick lernte übrigens bei den Dreharbeiten in Schloss Schleißheim bei München seine dritte Frau Christiane kenne – eine nette Dame, die ich kennenlernen durfte.
Wie man aus Berichten der damaligen Zeit lesen konnte, hatte der Produzent Kirk Douglas klare Vorstellungen vom Film. Seine Produktionsgesellschaft Bryna, nach dem Namen seiner ukrainischen Mutter, finanzierte den Film. Douglas Macht und Einfluss ist es zu verdanken, dass Kubrick ein negatives Ende des Films wählte und den Film damit zu einen Klassiker machte. Vielen Dank Kirk Douglas für alles und vor allem für das Fördern von Stanley Kubrick.