Archive for the ‘Film’ Category

Dracula im Film (15): Draculas Rückkehr (1968)

12. April 2021

Eigentlich ist Draculas Rückkehr aus dem Jahre 1968 der vierte Dracula-Film der Produktionsgesellschaft Hammer, aber für mich als Christopher Lee-Fan ist es Teil 3. Der Film Dracula und seine Bräute wurde 1960 von Terence Fisher gedreht, aber Dracula spielt im Film gar nicht mit und wird nur zweimal erwähnt.

Obwohl Peter Cushing als Van Helsing dabei ist, zählt der Film für mich nicht als Hammer-Dracula.
Also ist Draculas Rückkehr – im Original heißt der Film Dracula Has Risen From the Grave – ein Wiedersehen mit Christopher Lee, der anders als in Teil 2 Blut für Dracula wieder spricht. In Blut für Dracula hat unser Graf ja aufgrund des schlechten Drehbuchs nur gezischt und geknurrt. Ich hatte darüber gebloggt. In Draculas Rückkehr, der mit Blick auf einen Sargdeckel im Jahre 1905 spielt, ist alles wieder in Hammer-Ordnung und schließt direkt an Blut für Dracula an, als der Graf im vereisten Fluss verendete.

Jetzt holt ihn das Blut eines Priesters wieder zurück ins untote Leben und die Jagd nach dem roten Saft beginnt von neuem. Die Kulissen waren dieses Mal sorgsamer ausgewählt und es macht vielmehr Spaß die Karpaten im Londoner Studio zu erleben.

Für mich machen zwei Eigenschaften den Reiz an diesem Film Draculas Rückkehr aus. Zum einen ist es die schöne Kameraarbeit von Kameramann Arthur Grant. Immer wenn Dracula auftritt, dann verändert sich das Bild. Ein violetter-orangener Farbverlauffilter legt sich über den linken und rechten Rand der Bildes – ein interessanter Effekt und schön psychedelisch.

Zum zweiten ist es der Dracula-Score von Hammer-Komponist James Bernard. Ich mag das Thema, ich mag seine Kompositionen und schade, dass Bernards Karriere nicht erfolgreicher war. Das Talent hatte er wohl, aber als Haus- und Hofkomponist für Hammer waren keine großen Möglichkeiten vorhanden.

Eine tiefgründige Geschichte darf der Zuschauer bei Draculas Rückkehr nicht erwarten. Dafür schön Trash aus vergangenen Hammer-Zeiten mit Christopher Lee. Was kann es Schöneres für eine nette Abendunterhaltung geben?

Musiktipp: The Bride of Frankenstein auf Vinyl von Franz Waxman

11. April 2021

Für mich eine der wichtigsten Geschichten überhaupt ist Mary Shelleys Frankenstein. Ich finde das Thema um die Erschaffung eines künstlichen Menschen einfach schauderhaft. In Zeiten von KI ist die Idee noch dramatisch aktuell. Und natürlich mag ich die Frankenstein-Filme – allen voran die Universal-Version mit Boris Karloff.

Endlich auf Vinyl - der Score zu Frankensteins Braut
Endlich auf Vinyl – der Score zu Frankensteins Braut

Ein Nachfolger des Frankensteins von James Whale war Frankensteins Braut, wiederum von James Whale aus dem Jahre 1935. Dazu erschien zum ersten Mal der Score von Franz Waxman auf Viny The Bride of Frankensteinl. Der Score beruht auf Leitmotiven und wird als einer der ersten Horrorfilmvertonungen angesehen. Der deutsche Jude Waxman emigrierte aus Nazi-Deutschland in die USA und wurde dort einer der bedeutendsten Filmkomponisten überhaupt. Ich liebe seine Musik zu den Hitchcock-Filmen Rebecca, Verdacht, Fenster zum Hof. Frankensteins Braut war die Grundlage für Waxmans Erfolg in Hollywood. Die Musik Waxmans ist jedem Filmfreund bekannt: Er komponierte die Metro-Goldwyn-Mayer-Fanfare.

Das Vinyl ist stilecht in Schwarzweiß.

Zur Feier des 85-jährigen Jubiläums des Films erschien die erste Vinyl-Veröffentlichung der Filmmusik als Deluxe-Album mit neu gemastertem Ton, neuem Artwork und der Genehmigung des Konterfeis der berühmten Schauspielerin Elsa Lanchester. Sie spielt die Braut des Monsters, der das Monster zu unheimlich war.
Der Film selbst gilt als Meisterwerk von James Whale. 1998 wurde der Film von der Library of Congress als „kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsam“ in das National Film Registry der Vereinigten Staaten aufgenommen.

Das vorliegende Album The Bride of Frankenstein wurde von den Original-Master-Acetaten, die im Archiv des Komponisten an der Syracuse University aufbewahrt werden, und den Original-Mastern von Universal sorgfältig restauriert und neu gemastert. In enger Zusammenarbeit mit Universal Pictures markiert diese historische Veröffentlichung das allererste Mal, dass die Original-Filmmusik auf Vinyl erhältlich ist. Das Album enthält ein neues Artwork von Phantom City Creative, ein 12″x12″ großes Booklet mit Artwork und Original-Fotos der Filmmusik-Sessions sowie Linernotes von Album-Produzent und Restaurator Mike Matessino.

Eine Seefahrt, die ist lustig: Godzilla und Kong kämpfen auf See

6. April 2021

Ich bin ja auf meinem ganz persönlichen Godzilla-Trip und warte sehnsüchtig, dass der neue Streifen Godzilla vs Kong in den deutschen Kinos anläuft. So einen Film muss ich im Kino genießen. In den USA läuft er schon in den Filmtheatern und auf HBO Max, aber aufgrund Covid-19 eben (noch) nicht bei uns. Streamen über VPN oder gar irgendwelche Screeners will ich nicht, also heißt es warten und mich auf die Suche nach News aus dem Godzilla-Universum begeben.

Team Godzilla

Während wir Fans noch auf den Termin warten, haben Wargaming, Legendary Entertainmaint und Toho Co, Ltd eine Kooperation angekündigt, in der die Titanen in der Online-Seekriegssimulation World of Warships (PC) und dem MMO World of Warship: Legends (PlayStation, Xbox) gegeneinander antreten. Die In-Game-Aktion ist nur für begrenzte Zeit verfügbar und enthält an Godzilla und Kong angelehnte Kriegsschiffe, Kommandanten, Tarnungen und mehr.

Team Kong

Die Titanen sind an Bord ihrer eigenen Schiffe anzutreffen und auch als Kommandanten spielbar. Außerdem stehen im Rahmen der Aktion, die später im Mai startet, an den Film angelehnte Tarnungen, Aufnäher, Flaggen und mehr im Spiel zur Verfügung.
In diesem Kampf der Schwergewichte kann es nur einen Sieger geben. Team Godzilla, in Blau, wird vom 41.217 Tonnen schweren, japanischen Schlachtschiff Amagi vertreten. Die USS North Carolina mit 37.484 Tonnen repräsentiert Team Kong in der orangenen Ecke. Beide Teams sind mit ihren eigenen, an den Film angelehnten permanenten Tarnungen ausgestattet und bringen außerdem einmalig verwendbare Tarnungen, Aufnäher, Flaggen und mehr mit an Bord. Die Konsolenversion World of Warship: Legends wartet mit dem Schlachtschiff Heat Ray für Godzilla und dem Kong-Gegenstück Primal auf. Auch diese Schiffe sind mit den dazugehörigen Kommandanten, einmalig verwendbaren Tarnungen, Aufnähern, Flaggen usw. ausgestattet.
Die Trailer machen mir als Fan schon Spaß, wobei ich ja bei der PS4-Umsetzung des Godzilla-Spiels mehr als skeptisch bin.

Merch total

Die Merch-Trommel läuft auf jeden Fall auf vollen Touren. „Vor fast 60 Jahren standen sich King Kong und Godzilla in Japan erstmals auf der Kinoleinwand gegenüber. Seitdem haben diese beiden sagenumwobenen Kreaturen Millionen an Fans auf der ganzen Welt in ihren Bann gezogen“, meint Aleksandr Nikolaev, Senior Publishing Producer bei Wargaming. „Für World of Warships suchen wir immer nach neuen und spannenden Inhalten für unsere Spieler und freuen uns, unsere Vision dieses Kampfes der legendären Titanen mit ihnen teilen zu können.“

„Wargaming ist der perfekte Partner, um es den Fans möglich zu machen, sich an der Action zu beteiligen und in der lang erwarteteten Schlacht zwischen diesen zwei riesigen Titaten mitzumischen“, so Sam Rappaport, Director of Interactive Media bei Legendary Entertainment. „Dank dieser Zusammenarbeit erleben Fans durch den epischen Zusammenprall zwischen den beiden Schlachtschiffen von Team Godzilla und Team Kong das immense Ausmaß des Films.“

Spezieller Filmtipp: The Crazies (1973) auf Bluray

23. März 2021

Manche Filme waren in der Erinnerung besser als dann auf der heimischen Leinwand. Ich hatte mich so sehr auf George A. Romeros Wiederveröffnung von The Crazies aus dem Jahre 1973 auf Bluray gefreut, die Box mit drei Filmen bestellt und in den Player gelegt.

Ich erinnerte mich an einen harten Pandemiefilm mit ernsten politischen Hintergrund, den ich einst auf einem Filmfestival und dann auf VHS gesehen habe. Nun, einen Pandemiefilm mit ernsten politischen Hintergrund habe ich auf Bluray wieder gesehen, aber leider auch eine hektische Regiearbeit und schwache Schauspieler.
Crazies war Romeros fünfter Spielfilm und das Thema über eine unkontrollierte Ausbreitung des tödlichen Virus Trixie ist beunruhigend. Das Militär riegelt die Kleinstein Evans City ab und reibt die Bewohner in der örtlichen Schule zusammen. Die bewaffnete Staatsgewalt in weißen Schutzanzügen und Gasmaske greift hart durch. Wer nicht pariert, der wird erschossen. Das schafft Bilder, die in die Genregeschichte eingegangen sind. Und diese Bilder habe ich immer in Erinnerung.

Was aber genau los ist, das weiß der einzelne Soldat auch nicht – Befehl und Gehorsam und das obwohl den Verantwortlichen das Zepter des Handelns längst entglitten ist. 1973 war der Vietnamkrieg in seinen letzten Zügen und natürlich gibt es im Film zahlreiche Anspielungen auf diesen Polizeiansatz, der zum Krieg ausuferte. Netter Hinweis auf Präsident Nixon, der natürlich bei Romero nicht als solcher gezeigt, aber dem zeitgemäßen Zuschauer sofort zu erkennen ist – mit dem Rücken zur Kamera.

Damals empfand ich den Film als extrem hart. Das Blut spritzte beim Eintreffen der Kugeln in die Körper und die Köpfe. Heute wirken diese Effekte überzogen oder der Zuschauer hat schon längst Härteres gesehen. Aber dafür kann der Film nichts, denn er entstand 1973 in einer Zeit als auch der Horrorfilm politisch war und zumindest sich so gab. Der Film kann sich nicht entscheiden, wer nun eigentlich der Böse ist: Das Virus, die Militärs, die Bürokratie oder gar die vom Virus befallenen Bürger der Kleinstadt? Egal, erst einmal schießen und dann hysterisch schreien.

Was mich aber wirklich gestört hat beim Betrachten bei Bluray ist die hektische Regiearbeit von George A. Romero. Der Mann verstand ja grundsätzlich sein Handwerk, bei Crazies war er aber noch auf der Suche nach seinem Stil. Die Schnitte sind zu schnell, der ganze Film findet keinen richtigen Rhythmus und viele der Schauspieler tun sich schwer – einig wohltuende Ausnahme ist Lynn Lowry, die ein virusverseuchtes Hippiemädchen spielt. Ich hatte sie zuerst als Cronenberg-Fan in Parasiten-Mörder gesehen, der Romero sehr ähnlich war. Und in Katzenmenschen von 1982 von Paul Schrader spielte sie auch. Es gab mal 2010 ein Remake des Films Crazies, das ich mir (noch) nicht angeschaut habe – nur den Score von Mark Isham fand ich interessant. Lynn Lowry hatte dort wohl einen Cameo-Auftritt.

Die restaurierte Bluray Crazies kam bei Capelight Pictures heraus und beinhaltet noch zwei weitere Romeros Filme Season of the Witch (Hungry Wives, 1972) und There’s Always Vanilla. Das Bild (1080p / 1,66:1) ist klar und für das Alter sind die Farben und Kontrast prima. Allerdings nervt der Score von Bruce Roberts. Das Bonusmaterial und das Booklet sind sehenswert. Also damit nur ein spezieller Filmtipp für Fans der siebziger Jahre.

Gedanken zum 90. Geburtstag von William Shatner

22. März 2021

Als Kind grübelte ich lange darüber nach was das T. in James T. Kirk bedeutet und ich war etwas verwundert, dass es nicht Thomas oder Theodor war. James Tiberius Kirk ist der volle Name des für mich prägendsten Raumschiffkommandanten der Galaxis, dessen Darsteller William Shatner heute seinen 90. Geburtstag feiert.

Ein wenig Enterprise zum 90. Geburtstag von William Shatner

Ich mag Shatner und treffe ich nahezu täglich. Nein, nicht im RL, sondern in Twitter. Hier stellt sich William Shatner seinen Fans und geht nicht immer sanft mit ihnen um. Ich wollte mit ihm über seine Rolle in SeaQuest diskutieren, aber Shatner wollte nicht so richtig. So lese ich also fleißig mit, wie Shatner austeilt und probiere es immer wieder mit ihn in Kontakt zu treten.

An die Lebensrolle von Kirk hat er sich inzwischen gewöhnt und obwohl Shatner in zahlreichen TV-Serien und Filmen mitspielte: Für mich ist und bleibt er James Tiberius Kirk. Ich bin eine seltene Mischung aus bekennender Trekkie und Star Wars-Fan, was ja im Grunde nicht geht, aber es funktioniert.
Star Trek war lange vor Star Wars in meinem Herzen. Als Kind sah ich bei meiner Großmutter auf ihrem Schwarzweiß-Fernseher immer die „Mondmänner“, wie meine Oma Kirk, Spock, Pille, Scotty und Co bezeichnete. Ich mochte die Serie Raumschiff Enterprise, das war komplett anders als deutsche Fernsehunterhaltung. Meine Eltern schenkten mit ein Enterprise-Raumschiff, das noch immer im Arbeitszimmer neben einen X-Wing steht. Es konnte Torpedos abschießen, die mittlerweile in den Weiten der verschiedenen Kinderzimmer verloren gingen.
Ich mochte die Animationsserie bei der Shatner seinen Kirk sprach und schaut mir später die DVD immer wieder an. Später kaufte ich mir die komplette Enterprise-Serie auf Laserdisc mit all den Diskussionen, was denn nun wirklich die erste Folge war. Vom revolutionären Kuss der US-TV-Geschichte zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Uhura und Kirk bekam ich zunächst nichts mit – ich interessierte mehr für die Monster in den Pappwelten. Noch heute liebe ich die Folgen von Ich heiße Nomad (Staffel 2, Folge 3) und den Kennen Sie Tribbles? (Staffel 2, Folge 15).
Ich kaufte mir die Filmbücher der TV-Serie und konnte im Geiste die Geschichten nachlesen. Kirk war mein Held, Shatner war mein Held, Kirk und Shatner waren für mich ein und dieselbe Person. Ich las seine Autobiografie Durch das Universum bis hierher und hörte mir seine Musikalben an. Wie ein Schnitzel freute ich mich auf den ersten Kinofilm von Star Trek, der zwar sturz langweilig war, aber die Mannschaft unter Führung von James Tiberius Kirk war wieder zusammen. William Shatner war mein Typ und wenn er heute seinen 90. Geburtstag feiert, dann zieh ich mein Convention-Shirt an und stoße auf William Shatner an. Alles Gute Captain.

Film- und Musiktipp: Die Schlangengrube und das Pendel

15. Februar 2021

Als Schüler habe ich bei einem Freund Filme geschaut, die ich zu Hause nicht schauen konnte, weil wir nicht über die entsprechende technische Ausstattung verfügten. Es war das Zeitalter von Super 8, lange vor Video. Seine Eltern hatten eine große Sammlung an Super-8-Filmen und nach der Schule zogen wir uns dann und wann einen Film auf 8 mm auf einem knatternden Bauer-Projektor und Mono-Lautsprecher rein. Zu den Filmen gehörte auch Die Schlangengrube des Dr. Dracula.

Jahrzehnte später sah ich den Film wieder, der eigentlich die Schlangengrube und das Pendel hieß. Unsere gekürzte Super-8-Fassung hatte einen reißerischeren Titel – in dem Film tauchte freilich nie ein Doktor mit Namen Dracula auf. Christopher Lee war der Böse und damit firmierte die Super-8-Fassung als Dracula. Als erfahrener Karl May-Seher erkannte ich Old Shatterhand wieder, der von Lex Barker darstellt wurde. An seiner Seite spielte die großartige Karin Dor, die in Man lebt nur zweimal an der Seite von James Bond Sean Connery internationalen Ruhm erlangte.

Und wieder Jahrzehnte als alter Mann später sah ich Die Schlangengrube und das Pendell wieder in einer Mediabook-Version als restaurierte Version auf Bluray. Und was soll ich sagen: Ich bin begeistert. Die Geschichte basiert ganz lose auf Edgar Allan Poe und ist Versuch eines gescheiterten deutschen Nachkriegshorrorfilms. Gedreht wurde er von Harald Reinl, einem Routinier des deutschen Nachkriegskinos, der mit Nibelungen immer einen Platz in meinem Filmherz besetzt hat.

Was ist die Geschichte? Im Jahre 1801 wird Graf Regula (Christopher Lee) wegen Mordes an zwölf Jungfrauen gevierteilt. Viele Jahre später erhalten Roger Mont-Elise (Lex Barker) und die attraktive Baronesse Lilian von Brabant (Karin Dor) eine Einladung in das verrufene Sandertal. Die Fahrt durch gespenstische Wälder führt sie direkt in die Ruinen des Schlosses von Graf Regula und dessen Folterkammer. Noch kann niemand ahnen, dass hier die Wiederbelebung des Grafen vorbereitet wird, doch dafür braucht dieser noch das Blut einer dreizehnten Jungfrau.

Die Geschichte ist eher naja, aber so war eben der Trash, freigegeben von der FSK ab 12 Jahre. Ich mag die Drehorte wie beispielsweise unser Mittelalterkleinod Rothenburg ob der Tauber. Genau in der Filmszenen hat die Familie einer Bekannten ein Hotel. Ich muss sie mal befragen, ob ihre Eltern etwas von den Dreharbeiten mitbekommen haben.

Das Kellergewölbe von Graf Regula (klingt schon irgendwie nach Dracula) ist in den Bavaria-Film-Studios entstanden und ist ein tolles Set-Design. Ich habe ein paar Mal die Studios am Geiselgasteig besucht, aber leider nie etwas von den großartigen Kulissen des Films mehr zu Gesicht bekommen. Wahrscheinlich ist die Folterkammer schon längst vernichtet worden. Ich erinnere mich als Kind, dass ich von den Kulissen begeistert war. Heute erkenne ich eine expressionistische Kopie von Hieronymus Bosch an den Wänden, die ich zum ersten Mal auf einer Deep Purple Schallplatte sah.

Als ich mir den Film Die Schlangengrube und das Pendel jetzt wieder ansah, war ich erstaunt über die dichte Atmosphäre. Die Story war noch immer dünn, aber dennoch hat mich der Streifen gepackt. Vor allem das Color Grading war perfekt. Welches Autodesk-System es auch war, die Artists beherrschen ihr Equipment und erzeugten einen spannenden Film-Look. Der 4K-Scan wurde behutsam bearbeitet, restauriert und ausgespielt ohne das Kinokorn der Sechziger Jahre zu beschädigen. Im Grunde lässt sich sagen: In diesem Film trifft Herzblut auf Professionalität – so macht Film Spaß. Es wurde soviel Leben aus dem verstaubten und beschädigten Material herausgeholt.

Persönlich kamen die intensivsten Erinnerungen der Kindheit bei der Fahrt durch den Wald mit den Leichen in den Ästen wieder hoch. Es war für mich eine große Verbeugung vor La Belle et la Bête von Jean Cocteau aus dem Jahre 1946 gemischt mit den knalligen Gespenster-Comics meiner Jugend. Ein wenig deutsche Gothic-Romantik im Film, die später hierzulande nie wieder erreicht wurde.

Die Wirkung von der Schlangengrube und das Pendel lag auch an der erstaunlichen Musik von Peter Thomas. Es gab nur wenige deutsche Filmkomponisten seiner Größe. Rolf Wilhelm gehörte sicher dazu. Die Musik von Peter Thomas begleitet mich mein ganzes Leben hindurch – Edgar Wallace oder Jerry Cotton seien nur genannt. Sein Score zur Raumpatrouille gehört zu den großen deutschen Filmmusiken, die in die Geschichte der Filmmusik eingegangen sind. Zur Die Schlangengrube und das Pendel ist der Score in limitierter Auflage im roten Vinyl erschienen. Mir hat Walter Potganski von MovieMax dankenswerterweise ein Exemplar überlassen. Großartige Musik an deren Wiederveröffentlichung Peter Thomas bis zu seinem Tode am 17. Mai 2020 im Alter von 94 Jahren gearbeitet hatte. Dazu habe ich ein extra Video aufgenommen.

Dracula im Film (14): Dracula (1958)

14. Februar 2021

Als ich Dracula von Terence Fisher zum ersten Mal im Fernsehen sah, war ich fasziniert von diesem Hammer-Film. Es war der zweite Horror-Film von der Insel von der Produktionsgesellschaft mit dem coolen Namen Hammer. Nach Frankenstein mit dem Duo Cushing/Lee kam Blood of Dracula, wie der Film in den USA hieß. Ich war fasziniert und für mich ist diese Verfilmung noch immer eine der besten Versionen von Bram Stokers Vampirgeschichte.

Ich war vertraut mit Bela Lugosis Interpretation des Bühnenstücks von 1931: Getragen, in Schwarzweiß mit der Musik von Schwanensee und theatralischen Schauspiel des Ungarn. Von der spanischen Version, die in den gleichen Kulissen zur gleichen Zeit gedreht wurde, habe ich erst viel später erfahren. Lugosi war lange Zeit mein Dracula im Frack und dann kam Christopher Lee: Eiskalt, gnadenlos, elegant und animalisch. Lugosi war gut, Lee war besser und an der Seite von Peter Cushing war der Hammer-Film ein wahrer Hammer.
Jetzt kam eine restaurierte Bluray-Version des Films Dracula von 1958 auf den Markt und wir erleben den Horror ein paar Sekunden in brillanter Bildqualität mehr. Auf der Bluray gibt es die Originalfassung und die restaurierte Fassung. Der Schluss, die Vernichtung des Grafen nach einer Idee von Cushing, ist nun schärfer und ein paar Takte länger. Es soll noch eine längere japanische Version geben, die ich allerdings noch nie gesehen habe. In einem Archiv sei eine beschädigte Version aufgetaucht – ob es stimmt sei dahingestellt.

An diesem Dracula stimmt einfach alles: Schauspiel, Kulissen, Ausleuchtung, Kamera und der Score von James Bernard mit dem bekannten Dracula-Motiv. Natürlich ist Hammer Trash und anders als die Universal-Filme der 30er Jahre. Ich saugte Eversons Klassiker des Horrorfilms auf, der Hammer in die untere Schublade verbannte. Aber das hat Hammers Dracula nicht verdient. Die Farbfilme schufen ein neues Horrorzeitalter.

Erinnert sei nur an den Vorspann von Dracula von 1958. Das Schloss wird monochromatisch gezeigt, die Kamera bewegt sich (anders als die Kameras von Karl Freund bei Tod Browning). Sie streift umher und kommt auf dem Sarg von Dracula zur Ruhe. Dann: Es tropf knallrotes Blut auf den Sarg – das Ende des Schwarzweißfilms ist eingeläutet. Schnitt auf das blutrote Tagebuch von Jonathan Harker und los gehts. Mit dieser Szene hat sich Dracula seinen Platz in der Filmgeschichte gesichert. Dann sehe ich zum ersten Mal im Film die Zähne von Dracula. Es gab zwar die Rattenzähne von Max Schreck in Nosferatu, Bela Lugosi hatte keine Vampirzähne, erst Christopher Lee trug die blutverschmierten Beißerchen und dann alle Vampire nach ihm.

Und dann haben wir noch das Ende. Dracula verbrennt im Sonnenlicht, nachdem er von Van Helsing mit einem improvisierten Kreuz getrieben wird. Erst in der restaurierten Fassung sind mir die leidenden Augen im brennenden Torso von Dracula aufgefallen. Horror pur. Also: Wer sich für Dracula interessiert, der kommt um Dracula von Terence Fisher aus der Hammer-Schmiede nicht herum. Der Klassiker Dracula im neuen, restaurierten Look.

100. Geburtstag von Ken Adam

5. Februar 2021

Heute feiert der wichtige Filmarchitekt Ken Adam seinen 100. Geburtstag. Bekannt wurde er durch die Sets von James Bond Filmen, berühmte wurde er durch die Konstruktion des War Rooms in Dr. Seltsam.

Für mich der wichtigste Setdesigner überhaupt: Sir Ken Adam

Ich hatte eine zweistündige Online-Schulung über Ken Adam und verbringe den Abend mit Erinnerungen. Ich erinnere mich an eine Begegnung mit ihm im Jahre 2015 in München. Ich besuchte die Vernissage der Ausstellung Bigger than Life und konnte mit dem Meister den Nachmittag verbringen. Hier ein Video als er mir den Ausstellungskatalog unterschrieb.

Und hier die verschiedenen Würdigungen des Abends aus meinem Archiv.
Die Kulturreferentin des British Council Dr. Elke Ritt würdigte den Production Designer Sir Ken Adam bei der Ausstellungseröffnung Bigger than Life im Kunstfoyer der Versicherungskammer München.

Der künstlerische Direktor der Deutschen Kinemathek Dr. Rainer Rother würdigte den Production Designer Sir Ken Adam bei der Ausstellungseröffnung Bigger than Life im Kunstfoyer der Versicherungskammer München.

Der Kurator der Ausstellung Bigger Than Life Peter Mänz würdigte den Production Designer Sir Ken Adam bei der Ausstellungseröffnung Bigger than Life im Kunstfoyer der Versicherungskammer München.

Der Kurator der Ausstellung Bigger Than Life Dr. Boris Hars-Tschachotin würdigte den Production Designer Sir Ken Adam bei der Ausstellungseröffnung Bigger than Life im Kunstfoyer der Versicherungskammer München.

Gedenktag an die Opfer des Holocaust

27. Januar 2021

Der 27. Januar ist der Gedenktag an die Millionen Opfer des Holocaust. Es darf nie vergessen werden, was damals geschah. „Nie wieder“ lautet das Motto.

Schindlers Liste – als Buch und Film sehr bewegend.

In meiner Jugend wurde ich als Schüler mit den Schicksalen der Opfer konfrontiert, hörte mir Zeitzeugen und sprach mit ihnen. Viele sind heute verstorben und dennoch darf der Holocaust niemals vergessen werden. Antisemitismus, Rassismus und Extremismus jeglicher Couleur sind eine immerwährende Gefahr.

Als Erinnerung und Mahnung nutze ich heute das Medium Film, um an die Opfer und die Verbrechen zu erinnern. Als Kind sah ich zusammen mit meinen Eltern die TV-Serie Holocaust, die uns erschütterte. Heute wähle ich die Steven Spielberg-Verfilmung Schindlers Liste. Ich habe schon vergangenes Jahr an gleicher Stelle über Schindlers Liste geschrieben und will mich nicht wiederholen. Nur soviel: Es ist ein wichtiger Film und gerade Jugendliche kann ich mit dem Medium Film auf die Herausforderung aufmerksam machen. „Nie wieder“ darf sich der Holocaust wiederholen. Heute Abend habe ich ein Webinar zum Thema Hatespeech und da werde ich das Thema auch ansprechen.

Filmkritik: Soul von Pixar

30. Dezember 2020

Es tut mir in der Seele weh, einen solchen Film nicht im Kino sehen zu können. Seit dem 25. Dezember 2020 ist der neue Pixar-Film Soul online beim hauseigenen Streamingdienst Disney+ anzuschauen – ohne Aufpreis wie bei Mulan. Pixar-Filme sind für das Kino gemacht und dort gehören sie auch hin.

Wunderbarer Film von Pixar. Foto: Pixar

Mein Kind zeigte mir ein Meme: „Pixar bei ToyStory: Wow, sie lassen Spielzeuge sprechen. Pixar bei Soul: Wow, sie sprechen über den Sinn des Lebens.“ Das ist eine ziemlich gute Beschreibung zu Soul, denn der Film geht in die Tiefe und berührt. Regie führte bei diesem Animationsmeisterwerk mit Humor und Tiefgang Pixar-Routinier Pete Docter, der bereits Oben und Alles steht Kopf für Pixar herstellte. Und er versteht dich auch die Komplexität des Themas, verpackt in eine schöne Geschichte.

Soul ist der 23 Pixar-Film und immer wieder überrascht das Studio trotz Disney mit Innovationen in jedem Bereich. Pixar kann einfach Geschichten perfekt erzählen mit Moral und Humor – und in einer absoluten technischen Perfektion.

Foto: Pixar

In Soul geht es um den Musiklehrer Joe Gardner aus New York, der erste Schwarze, der in einem Pixarfilm die Hauptrolle hat. Joe lebt für den Jazz und kaum hat er die Zusage für den Gig seines Lebens erhalten, da stirbt er. Er betritt die Himmelstreppe ins Jenseits, die Rolltreppe führt ins Licht des „großen Danach“. Joe weigert sich aber und entwischt in das „große Davor“ – eine Zone in der Seelen ihre Persönlichkeit erhalten. Dort trifft er auf 22, eine bockige Seele, an der sich bereits große Mentoren chancenlos versucht haben. Joe nimmt die Herausforderung an und es folgt eine wunderbare Körpertauschepisode mit einer Katze – aber schaut euch den Film selbst an.

Die Geschichte hat neben der Situationskomik aber eine zweite tiefere Ebene. Pete Docter schuf ein Plädoyer für das Leben. Er öffnet uns Zuschauern die Augen für die kleinen, aber so enorm wichtige Dinge des Alltags, und sei es auch nur der Biss in ein Pizzastück. Schon bei Ratatouille zeigte Pixar, wie Geschmack auf die Leinwand gebracht werden konnte – bei Soul ist es ebenso. Zunächst hatte ich die Angst, dass uns ein weiterer Aufguss des Thema „Lebe deinen Traum“ in Disney-Manier mit Pathos präsentiert wird, aber nein: Die Botschaft von Pete Docter ist subtiler und geht tiefer. Docter liebt beispielsweise Picasso und so verbeugt er sich im „großen Davor“ vor diesem Künstler und zaubert mit seinen Animatoren eine kunstvolle Landschaft samt kunstvollen Figuren. Er zeigt uns, was Fantasie leisten kann und was die Träumer bei Pixar im Sinn hatten. Und dazu kommt die hinreißende Jazz-Musik von Jon Batiste. Dazu mein CD-Tipp Soul: Music from and Inspired by the Disney/Pixar Motion Picture Was kann es Besseres geben?