Archive for the ‘Film’ Category

Wenn Tanz der Teufel auf der Konsole stattfindet: Evil Dead: The Game

16. Mai 2022

Zu dem Film Tanz der Teufel aus dem Jahre habe ich ein schwieriges Verhältnis. Als ich ihn als junger Mensch damals 1982 im Kino sah, war ich doppelt entsetzt: Einmal von der Brutalität und einmal von der billigen Darbietung. Im Laufe des Alters bin ich darüber hinweg. Nachdem der Film verboten, beschlagnahmt, umgeschnitten, verstümmelt und rehabilitiert wurde, sah ich mir unlängst die 4K Fassung von Evil Dead an. Mit dem Film hatte ich meinen Frieden gemacht, die Fortsetzungen fand ich dagegen weiter entsetzlich.
Aber wie es sich für einen erfolgreichen Film gehört, gibt es auch die Versoftung als Videospiel. Ich hatte mal die unterhaltsame Version für die PS2, von der es mehrere Fortsetzungen gab. Grafik auf PS 2-Niveau, aber durchaus unterhaltsam.

Und jetzt kam der Koop-PvPvE-Multiplayer-Titel Evil Dead: The Game für Konsolen (PS4, PS5 und Xbox One) und PC auf dem Markt. Da musste ich aufgrund der Härte des Trailers schon schlucken und erinnerte mich daran, wie ich als Schüler einen Screener auf VHS von der damaligen Klassenschönheit kopiert bekam – samt Muttertag. Das war schon harter Stoff, was ich damals auf VHS und heute Videospiel zu sehen bekam. Basierend auf der Trilogie von Regisseur Sam Raimi und der Serie Ash vs Evil Dead, schlüpfen Spieler darin in die Rolle der Protagonisten des Evil-Dead-Franchises und stellen sich in Mehrspieler-Matches den bösartigen Deadites. Oder sie werden selbst zum kandarischen Dämon und machen sich seine Kräfte zu Nutze, um die Helden zu stoppen und ihre Seelen zu verschlingen. Sie verstehen nichts, macht nichts: Es geht ums Töten und das sehr blutrünstig mit unterschiedlichen Waffen und Werkzeugen.

Der Launch-Trailer von Evil Dead: The Game zeigt die gruselige und gewaltige Spielwelt und das intensive Spielerlebnis beim Kampf gegen den kandarischen Dämon. Der Trailer ist vollgepackt mit Referenzen an Szenen und dem erweiterten Evil-Dead-Kosmos und wird untermalt durch den Song „Come Get Some“. Die groovige Hommage an das Evil Dead-Franchise wurde vom Künstler und Hardcore-Evil-Dead-Fan Method Man und dem Hip-Hop-Produzenten Statik Selektah geschrieben. Mit der Brutalität des Games kann ich leben, aber nicht mit der Hip-Hop-Musik, vor der es mir wirklich graust.

Inspiriert vom Horror, dem eigenwilligen Humor und der Action der Evil Dead-Reihe, bringt Evil Dead: The Game die bekanntesten Gesichter der Serie in einem Kampf gegen die Mächte der Finsternis zusammen. Spieler agieren in einem vierköpfigen Team, um den Deadites in den Hintern zu treten und den abscheulichen kandarischen Dämon zu verbannen. Oder sie werden selbst zum Dämon und machen sich seine Kräfte zu Nutze, um die Helden zu stoppen und ihre Seelen zu verschlingen!
Evil Dead: The Game bietet ein ziemlich heftiges Evil Dead-Action-Erlebnis. Aus einem Pool an Fan-Lieblingen aus allen Epochen der Serie, darunter Ash, Kelly Maxwell, Pablo Simon Bolivar, Annie Knowby, Scotty und Lord Arthur wählen Spieler ihren Favoriten. Ihnen stehen dabei 25 mächtige Waffen zur Auswahl, darunter die gute alte Kettensäge und der Boomstick, mit denen sie sich in die Schlacht stürzen können. Um die Nacht zu überleben, können Spieler aus einer Vielzahl an Charakterklassen diejenige auswählen, die am besten zu ihrem Spielstil passt.

Boss Team Games hat den Titel offiziell von Renaissance Pictures, STUDIOCANAL, Metro Goldwyn Mayer (MGM) und dem Inhaltsanbieter Lionsgate lizenziert, um das erste Multiplattform-Konsolen- und PC-Spiel zu herauszubringen, das auf den Filmen „The Evil Dead“, „Evil Dead II: Dead by Dawn“ und „Army of Darkness“ sowie der STARZ-Fernsehserie „Ash vs Evil Dead“ basiert. Entwickelt und veröffentlicht wird das Spiel von Saber Interactive und Boss Team Games.
Spieler mit NVIDIA-Grafikkarten können Evil Dead: The Game durch KI-beschleunigtes NVIDIA DLSS bei maximaler Leistung in bestmöglicher Bildqualität erleben. Der Titel ist auch über GeForce NOW, NVIDIAs Cloud Gaming Service, spielbar.

Meine Star Wars-Filmromane: May the 4th

4. Mai 2022

Jeder hat was zum Star Wars Tag gesagt, aber noch nicht ich. Daher nun auch ein Post von mir zu May the 4th. Ich bin in meine Jugend zurückgereist und bin in meinen Archiv auf die Romane zu den Filmen gestoßen.
Als ich Krieg der Sterne damals als Kind im Kino sah, wollte ich die Abenteuer von Luke und Co nochmals erleben. Meine Eltern kauften mir dazu das Buch zum Film vom Goldmann Verlag. Ich liebte das Taschenbuch, was mit ein paar Filmbilder angereichert war. Der Autor war George Lucas. Das Buchcover war das bekannte Keyvisual des ersten Films der mittleren Trilogie.
Und als dann später Imperium und Rückkehr in die Kinos kamen, kaufte ich mir selbst die Bücher zu den Filmen. Autoren waren Donald F. Flut und James Kahn.

Besonders das Imperium schlägt zurück hatte mich aufgrund seiner Vielschichtigkeit und Storyline fasziniert. Ich stellte fest, dass es neben meiner Ausgabe von Juli 1980 noch eine zweite Ausgabe mit anderen Cover bei Goldmann gab. Der Inhalt war natürlich gleich, aber die zweite Auflage vom Dezember 1980 hatte ein anderes freundlicheres Cover mit Luke im Vordergrund. Mir selbst gefiel aber die Erstausgabe besser, die mich irgendwie an Vom Winde verweht erinnerte. Dieses Cover fand ich auch auf der US-Taschenbuch-Ausgabe in der fünften Auflage vom Mai 1980 wieder.

Den Abschluss meiner Filmbücher machte Die Rückkehr der Jedi-Ritter, für mich das schwächste Buch und der schwächste Film der Reihe. Es lag wohl vor allem an den Ewoks, die ich absolut lächerlich fand. Im Vergleich zu Jar Jar Binks später waren die Ewoks dagegen große Helden. Die Zeit heilt alle Wunden.
Später als ein Super 8-Projektor bei uns Einzug gehalten hat, kaufte ich mir den Trailer von Imperium auf diesem Filmformat. Leider hat er heute einen massiven Rotstich, aber die Faszination der Geschichte ist geblieben.

Ich habe zudem noch die US-Fassung. Hier der Trailer in besseren Farben in deutscher Version. Jetzt auch in Ihrer Galaxis.

Buchtipp: James Bond’s Aston Martin DB5 von Will Lawrence

3. Mai 2022

Über den Aston Martin DB5 habe ich immer wieder geschrieben. Es ist ja mein (Traum-)Auto, obwohl es natürlich in der heutigen Zeit komplett unvernünftig ist. Und vielleicht deshalb hat mir die beste Ehefrau von allen das englischsprachige Buch James Bond’s Aston Martin DB5 geschenkt. Ein Buch zum Träumen über ein unerreichbares Stück Automobil- und Filmgeschichte.


Als Bond-Fan habe ich das Buch trotz Daniel Craig jämmerlichen Auftritt im jüngsten Bond verschlungen. Bond hat ja viele Autos gefahren, aber mein Highlight war und ist der Aston Martin DB5. Ich hab sogar zwei seltene Corgi-Spielzeuge in Gold und Silber. Inzwischen gibt es auch eine Lizenzausgabe für Lego und Playmobil, die mir aber beide nicht gefallen.

Seinen ersten Auftritt hatte der Luxuswagen in Goldfinger 1965 und tauchte dann immer wieder in den Filmen der Bond-Reihe auf bis zuletzt in Bond Nummer 25 No Time to Die, wobei das tolle Fahrzeug zu Schrott geschossen wurde (mögen die Bösen in der Hölle schmoren).

Für diesen Bildband öffneten Aston Martin und die Produktionsfirma Eon Productions die Archive und heraus kamen viele unbekannte Setaufnahmen und Making of-Shots ans Tageslicht, wenn der Quartiermeister Q den Wagen mit der einen oder anderen Geheimwaffe ausrüstete. Der Fan in mir hat gejubelt, denn einige der Aufnahmen waren mir bis dato unbekannt. Der 1963 gebaute DB5 ist eine Ikone und sicherlich eines der berühmtesten Filmautos der Geschichte. Der Wagen verfügt über einen 4,0l Reihensechszylinder mit 286 PS. Damit erreicht er eine Höchstgeschwindigkeit von 238 Km/h.

Im Film kommt der DB5 neben in No Time to Die in folgenden Bonds vor:
Goldfinger – Autoverfolgungsjagd bei Goldfingers Fabrikgelände
Feuerball – Fluchtwagen nach der Ermordung von Jacques Bouvar
GoldenEye – Spritztour durch Monaco und Autorennen mit Xenia Onatopp
Der Morgen stirbt nie – Dienstfahrt zum MI6
Die Welt ist nicht genug – Fahrt zum Begräbnis von Sir Robert King
Casino Royale – Bond gewinnt den Wagen beim Pokern und fährt damit später zum Flughafen
Skyfall – Bond fährt mit M damit zu alten Anwesen der Familie Bond, in dem er als Kind gelebt hat. Das Anwesen trägt den Namen „Skyfall“. Das Publikum bei mir im Kino klatschte als der DB5 auf der Leinwand auftauchte.

Buchautor Will Lawrence, der sonst für das britische Empire-Magazin schreibt, hat wirklich gute Fanarbeit geleistet. Er hat schön gesammelt, viele Zeichnungen, viele Hinter den Kulissen-Bilder, aber auch viele Details des Wagens. Leider ist nur ein Bild von Sir den Adam im Buch enthalten. Das ist der Set-Designer, der die Gadgets für Bond erfand. Es gibt tolles Material, was Adam mit dem DB5 zeigt, aber davon hat keines den Eingang in das Buch gefunden und das ist wirklich schade. Ich habe in meinem Arbeitszimmer ein Autogram von Adam vor dem DB5 hängen, das hätte ich gerne zur Verfügung gestellt. Denn es waren auch die Gadgets, die den DB5 berühmt machen: Nebelwerfer, Maschinenpistole, Schleudersitz, Autotelefon, Navigationsortungssystem und was es noch für fantastische Dinge gab. Es sind zwar die Zeichnungen von Ken Adam im Buch abgebildet, doch ich hätte gerne mehr von ihm selbst gesehen, aber dafür gibt es andere Bücher.

Die Einführung zum Buch schrieb u.a. Michael Wilson, der heutige Co-Produzent der Bond-Reihe, was dieses Buch adelt. Ach ja Adel: Das netteste Bild in diesem Coffee-Table Buch James Bond’s Aston Martin DB5 finde ich als die Queen und Prince Philipp den DB5 bestaunen und der kleine, damals harmlose sechsjährige Prinz Andrew in einem Spielzeug-DB5 saß. Gerne hätte ich so einen DB5 als Rutschauto gehabt.

Musiktipp: The Berlin Concert von John Williams auf Goldenen Vinyl

30. April 2022

Es gibt Komponisten, das kaufe ich jedes Werk ohne eine Note zuvor gehört zu haben. Zu diesem gehört für mich ohne Zweifel John Williams, der größte lebende Filmmusik-Komponist der Gegenwart.

Nachdem ich vor Corona sein Konzert mit den Wiener Philharmonikern live im Goldenen Saal des Musikvereins 2020 erleben durfte, kam der Meister im Oktober 2021 auch nach Berlin zu den Berliner Philharmoniker. Aufgrund von Corona habe ich vom Besuch abgesehen, mir aber die Veröffentlichungen des Konzerts The Berlin Concert gekauft.

Bisher hatte ich die Streaming-Aufnahme, die CD- und die Bluray-Version dieses wunderbaren Konzerts. Jetzt kam eine besondere Vinyl-Ausgabe dazu, die über die Deutsche Grammophon angeboten wurde. Die Doppel-LP auf goldenen Vinyl in limitierter Auflage. Gestern kamen die Schallplatten an und es kam zum feierlichen Unboxing. Ich habe die Nummer 407 der auf 4500 limitierten Ausgabe. Williams-Fans aus aller Welt haben in soziale Netzwerken ihre Ausgaben in die Kamera gehalten – so wie ich eben auch.

Die Aufnahme ist hervorragend, die Interpretation tadellos. Die Abfolge von CD, Bluray und Vinyl unterscheiden sich nicht. Im Vergleich zur Wiener Ausgabe gefällt mir die Aufnahme vom Goldenen Saal besser. Das liegt vor allem darin, dass ich 2020 damals live dabei war und den Klang des Orchesters live erleben durfte. Das ist besser als jede Aufnahme aus der Konserve und sei sie noch so gut aufgenommen. Wer keines der beiden Konzerte kennt, der kauft am besten beide. Ich werde mir als Sammler noch das Doppelalbum auf schwarzem Vinyl anschaffen und dann den nächsten Monat abwarten, wenn neue Aufnahmen von John Williams erscheinen und ich ohne reinzuhören einfach wieder zugreifen werde. So ist es halt als Fan.

Kir Royal – Autogramm von Senta „Mona“ Berger

13. April 2022

Es gab wohl einen Kinofilm und zwei TV-Ereignisse, die in mir den Entschluss reifen ließen, den Beruf des Journalisten einzuschlagen: Die Unbestechlichen von Alan Paula sowie die TV-Serien Lou Grant und Kir Royal von Helmut Dietl.

Mitte der achtziger Jahre lief Kir Royal zum ersten Mal im deutschen Fernsehen. Aus dem Leben eines Klatschreporters – so der Untertitel der Serie. Hauptperson war Boulevard-Reporter Baby Schimmerlos mitten in der Münchner Schickeria, seine Freundin war die Mona, die Chefin Frau von Unruh, seine Sekretärin Edda Pfaff und sein Fotograf Herbie Fried. Alle Rollen waren perfekt besetzt und wie die meisten Dietl-Produktionen waren die Dialoge schlichtweg genial.


Helmut Dietl in seiner Genialität bediente sich realen Vorbildern, sei es die Münchner Abendzeitung oder Klatschreporter Michael Graeter. Einige der darstellten Personen habe selbst getroffen und um ein Autogramm gebeten oder mit ihnen ein wenig geplaudert, wie mit der großartigen Ruth Maria Kubitschek über Engel, Feen und Frau von Unruh. Ihr echtes Vorbild in Kir Roayal war die Verlegerin Anneliese Friedmann, für die ich mal gearbeitet habe. Später war sie mit Eberhard Ebner zusammen, für den ich im Grunde auch gearbeitet hatte – klein ist die Welt.

Baby Schimmerlos ist in Wahrheit Michael Graeter, Landtagsabgeordneter Dr. Josef Gaishofer ist wohl der damalige Vorsitzende der Hanns Seidel Stiftung Fritz Pirkl. Dietl selbst sprach ich einmal auf einer Veranstaltung und bat ihn um ein Autogramm.

Michael Graeter traf ich mal in der Spielbank von Bad Wiessee. Ich hatte in der Gegend immer wieder Seminare und besuchte mit einem Kumpel das Staatliche Spielcasino, um vergeblich meinen Reichtum zu mehren. Von Michael Graeter wusste ich, dass er dort regelmäßig verkehrte und packte vorsichtshalber mal seine Autobiografie ein. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie Graeter geschaut hat, als ich beim Roulette ihn mit seinem Buch Extrablatt konfrontiert hatte und um ein Autogramm bat, als sei es das Natürlichste auf der Welt. Verdutzt geschaut und begeistert unterschrieben, danke Michael Graeter.

Und jetzt ist meine Kir Royal Sammlung um einen Edelstein reicher geworden. Eine entfernte Nachbarin, herzlichen Dank Bea, kennt die Mona, also in Wahrheit die großartige Senta Berger. Bea erzählte mir von Senta und ich bat sie mir im Dezember 2021 ein Autogramm zu besorgen. Das tat sie dann auch – und ich sag ganz heftig vielen Dank.

Senta Berger schrieb auf ihre Autogrammkarte für mich neben Namen und Datum auf der Rückseite den legendären Satz „… schreibst ja sonst über jeden Deppen“ aus der ersten Kir Royal-Folge. Danke für so viel Humor.

Ich werde das Senta Berger-Autogramm neben Dietl in meinem Arbeitszimmer aufhängen – als Inspiration doch den besten Beruf der Welt gewählt zu haben. „… schreibst ja sonst über jeden Deppen“ ist ein wichtiger Spruch, vielleicht auch für diesen Blog.

Dracula im Film (23): Draculas Tochter

5. April 2022

Lange habe ich auf diesen Film in HD gewartet und war dann doch enttäuscht, als ich mir wieder Draculas Tochter ansah. In die Fortsetzung von Tod Brownings Klassiker Dracula von 1931 hatte ich große Erwartungen, obwohl ich den Film eigentlich auf DVD kannte.

Ich wollte eine ähnliche Atmosphäre wie bei Bela Lugosi, aber das Schauererlebnis stellte sich nicht bei mir ein. Zwar ist das Spiel von Gloria Holden als die Tochter des Grafen sehr schön anzusehen, aber die Regie von Lambert Hillyer ist eher gemäßigt. Hillyer ist kein Browning, der als Stummfilmregisseur die Theatralik in den Tonfilm rette. Kameramann George Robinson ist kein Karl Freund, der bei Lang Metropolis drehte. Dabei hätte George Robinson den Film retten können, war er doch der Kameramann von 1931, der die hervorragende spanische Version von Dracula auf Zelluloid bannte. Rund herum ist Draculas Tochter eher blutarm, trotz so mancher gelungener Szene.

Der Universal-Film von 1936 begann mit gotischer Atmosphäre. Leider zerstörten ein paar humorvolle Elemente den Film als man den Sarg des toten Draculas zeigte in dem (leider) nicht Lugosi liegt. Die Tochter des Grafen hat den seltsamen Namen Marya Zaleska, der jetzt nicht gerade was mit Dracula zu tun hat. Und war Dracula nicht ein rumänischer Fürst, während die Tochter aus Ungarn stammt – irgendwie verstehe ich die Familienverhältnisse der Vampire nicht. Vielleicht liegt es daran, dass Lugosi 1931 mit einem wunderbaren ungarischen Dialekt sprach, der der britischen Gloria Holden völlig abgeht.

Ich mag die mysteriös-exotische Art und Weise, wie die Holden die Tochter spielt. Sie ist wirklich kalt und böse – ein tolles Schauspiel. Während des Films blinzelt sie übrigens nur einmal – ich bin gespannt, wer den Fehler entdeckt. Sie ist wirklich der absolute Höhepunkt des Films – und trotz des strengen Hayes-Kondex in dieser Phase Hollywoods schaffte Holden Andeutungen eines lesbischen Vampirs auf der Leinwand darzustellen. Das ist wirklich bemerkenswert und macht den Film daher filmhistorische sehr interessant. Ihr Ende kommt überraschend, nicht Van Helsing erlöst die Vampirin, sondern – nein, ich möchte nicht spoilern.

Aus Van Helsing wurde im Film Von Helsing, aber auf dem Cover der Bluray steht weiterhin Van Helsing, der von Edward Van Sloan gespielt wird, also was jetzt Von oder Van. Edward Van Sloan spielte den Professor schon 1931 und zuvor am Broadway in Dracula und kam von seiner Wissenschaftsrolle nicht so schnell los, so dass er in Frankenstein und Mumie wieder auf die Rolle des Wissenschaftlers festgelegt war.

Die anderen Darsteller verfangen sich im Drehbuch. Ich will keine Screwball-Komödie sehen, ich will Horror, zumindest Schauer. Das Set-Design passt nicht und es wird zuviel unnötiges Zeug gequatscht, was nicht in eine Dracula-Produktion passt.

Draculas Tochter war Universals letzte Produktion unter der Leitung des legendären Carl Laemmle. Kurz nach Ende der Produktion wurde er aus seinem eigenen Studio geworfen. Ich hatte den Film schon als DVD in der „The Monster Legacy DVD Collection“, jetzt kam er als HD auf Bluray heraus, wobei das Bild bei einem Film von 1936 nur geringfügig besser, aber dafür teuerer geworden ist. Als Zusatz gibt es das Hörbuch Morella, das Hörspiel Draculas Rückkehr und ein 16seitiges Booklet, das einige schöne Filmplakate und einen informativen Hintergrundtext hat.

Filmkritik: Der Hexentöter von Blackmoor

24. März 2022

Mit Jess Franco habe ich Zeit seines Lebens ein Problem gehabt. Die meisten seiner 160 Filme (oder waren es mehr) fand ich belangloses, schnell heruntergekurbeltes Zeug: Brutal, sexistisch, billig, aber immer wieder findet sich in der Flut von Franco-Filmen eine Perle. So wie ich einst Dr. Ortloff entdeckte oder den großartigen Nachts, wenn Dracula erwacht, so sehr hoffte ich auf eine Perle bei Der Hexentöter von Blackmoor, wobei der Titel extrem nach Edgar Wallace klingt.

Nun, es war nicht gerade ein Reinfall, aber eine Perle der Filmkunst war Der Hexentöter von Blackmoor sicherlich nicht. Nachdem ich bereits von Hexenjägerfilmen wie Hexen bis auf Blut gequält (1969) mir den Magen verdorben und die Abartigkeiten des menschlichen Geistes entdecken konnte, lag ich beim Hexentöter nicht weit daneben. Eine Zeitlang hatte der Film auch seine liebe Not mit der Zensur.

Koch Film hat eine exzellente Box vom Der Hexentöter von Blackmoor herausgebracht mit allen Versionen dieses blutigen Films, der nicht weiß, was er eigentlich sein wollte: Vielleicht ein Historiendrama, vielleicht ein Kostümfilm, sicherlich ein Softsexfilm, aber ganz gewissen ein sadistischer Folterfilm, eine Art Fortbildung für angehende Folterknechte. Den Voyeur gefällt die Szene, wie einer gequälten Seele das Blut vom wohlgeformten weiblichen Körper abgeleckt wird. Dabei entstand der Film schon 1970 und es spielten aufgrund des etwas größeren Budgets ein paar Stars mit, vor allem Christopher Lee und Maria Schell. Aber wahrscheinlich haben die Miemen nicht gewusst, dass noch schnell ein paar Sex-, SM- und Folterszenen in den Film geschnitten wurden, wenn man den Gerüchten glauben schenken darf.

Wer auf Jess Franco steht, wird von der Box Der Hexentöter von Blackmoor von Koch Film begeistert sein. Technisch ist die Abtastung hervorragend und auch die Super-8-Fassung ist dabei sowie Dokumentationen und weiteres Bonusmaterial. Was mich als Score-Fan besonders gefreut hat, dass auch der Soundtrack als extra CD dabei ist. Die Musik schrieb Bruno Nicolai, der viel für Franco gearbeitet hat. Er dirigierte übrigens nach 1974 alle Soundtracks von Ennio Morricone. Der Score gefällt mir genauso wie ein ausführliches Booklet von Oliver Nöding. Er versucht erst gar nicht mich von der Qualität von Jess Franco zu überzeugen. Was ich Franco aber zugute schreiben möchte: Er liebte den Film, er war ein Filmfanatiker und drehte und drehte und drehte. Er war dem Medium verfallen und das spricht eindeutig für den Spanier. Bei seinem brutalen Crash-Zooms drehte es mir aber den Magen um – so erzählt man keine Geschichten.

Zwölf Uhr mittags – Meisterwerk von Fred Zinnemann

14. März 2022

Das erste Mal sah ich den Film bei meinem Onkel, der sich einen frühen Betamax-Videorekorder gekauft hatte. Ich fieberte vor dem Röhrenfernseher mit, weil mich die Handlung des Schwarzweißfilms so packte. Mein Onkel schenkte mir dann noch ein schwarz-rotes Kinoplakat aus der Bravo, das eine Zeitlang in meinem Jugendzimmer hin – neben Sean Connery. Und all die Jahre habe ich diesem Klassiker die Treue gehalten: Gemeint ist Zwölf Uhr mittags von Fred Zinnemann, der heute vor 25 Jahren verstarb.

Zinnemann wird unter Filmfreunden als Synonym für Zivilcourage genannt und Zwölf Uhr mittags ist das beste Beispiel dafür. Genial mit Gary Cooper und Grace Kelly besetzt, ist der Film ein grandioses Beispiel für diese Zivilcourage. Ein Mann tritt dem Bösen entgegen, wird nur von seiner Frau unterstützt, während ihn Freunde und Mitbürger der Stadt alleine lassen. Er hätte fliehen können, doch er hätte niemals zur Ruhe kommen können, daher tritt er gegen das Böse an.

Ich habe den Film auf DVD, dann auf Bluray und hab mir vor kurzem die Super 8-Version geholt, leider hab ich die Laserdisc Version bisher verpasst. 1952 kam High Noon, wie der Film im Original hieß, in die Kinos und veränderte den Western schlagartig.

Zinnemann, der in Österreich-Ungarn geboren war und 1929 nach Hollywood emigrierte, setzte bei High Noon auf ein interessantes filmisches Mittel – und ich glaube, das war es, was mir als Jugendlicher und mich noch heute faszinierte. Von der Ästhetik des Fotos des Bürgerkriegsfotografen Mathew Brady wusste ich damals nichts, aber die Erzählweise faszinierte mich. Die knapp 90 Minuten Filmzeit (eigentlich waren es 85 Minuten) sind in Echtzeit gedreht. Das bedeutet, die Uhr läuft in Realzeit ab. Es gibt keine Rückblenden. So wird die Spannung erhöht. Die vergebliche Suche des Sheriffs nach Mitstreitern unter den Bürgern von Hadleyville, der Streit mit seiner Ehefrau und der Mitbewohner, die ihn zur Flucht überreden wollen, das Eintreffen des Bösen Frank Miller mit der Bahn und schließlich das Duell in den verlassenen Straßen von Hadleyville.

Was mir imponiert hat, war auch das Ende: Die Mitbürger gratulieren zum Sieg, aber unser Sheriff wirft seinen Stern in den Dreck und reitet mit seiner Frau davon. Es ist getan, was getan werden musste.
Und die Musik von Dimitri Tiomkin ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Die Zeile „Do Not Forsake Me“ von Ned Washington, gesungen von Tex Ritter, summe ich noch heute dann und wann. Großes Kino, ganz großes Kino und toller Score.
Ausdrücklicher Dank geht an David Dietrich, mein Kollege der Facebook-Gruppe Erdbeben 1974, der mich an den Todestag von Fred Zinnemann erinnerte und einen hervorragend Beitrag schrieb.

Filmkritik Frogs – die Frösche (1972)

10. März 2022

Als ich als Jugendlicher Frogs das erste Mal 1981 im deutschen Fernsehen sah, da war ich erstaunt, welche Tiere die findigen Filmleute alles auf die Leinwand zaubern konnten. Ich kannte den weißen Hai von 1974, ich kannte Grizzly von 1976, den alten Jack Arnold-Heuler mit der großen Tarantel oder atomverseuchte Armeisen (1954), ich hatte mich sogar an den Killerwal Orca gewöhnt und musste bei bösartigen Regenwürmern in Squirm (1976) den Kopf schütteln – und so kam zum Genre des Tierhorrors noch Frogs von 1972 dazu.

Der Film folgt dem Schema-F. Ein Familientyrann feiert mit seiner Familie eine Party in den Sümpfen, wo er seine noble Hütte hat. Einer nach dem anderen werden von der Tierwelt abgemurkst, wobei neben Frösche noch allerhand Amphibien zum Einsatz kommen. Die glitschigen Tiere erheben sich, weil ihr Lebensraum durch Chemie bedroht wird – also die Natur schlägt zurück. Das haben wir bei der Prophezeiung von 1979 schon besser gesehen. Held und Heldin retten sich, der Haustyrann im Rollstuhl wird am Ende von Fröschen eingekreist und erleidet einen Herzanfall – Quark und Ende. Was aber bei der Produktion wohl niemanden aufgefallen ist, die meisten Tierchen sind Kröten und keine Frösche, aber wen interessieren schon solche Details? Und auch den Riesenkameraden mit Hand im Mund, wie es uns das Plakat verspricht, muss ich als Zuschauer vergeblich warten.

Im Grunde ist der Film Frösche ein rechter Quark und ich hab ihn mir nur aus Erinnerung an vergangene Zeiten angeschaut und weil er am 10. März 1972 in die US-Kinos kam, vor genau 50 Jahren. Am 15. März 1973 flimmerte er dann in den deutschen Kinosälen. Beim Wiederbetrachten war es unterhaltsam, wenn man die Ansprüche nicht zu hoch schraubt. Das Thema der Umweltzerstörung ist aktueller denn je und wer weiß, vielleicht wehren sich die Frösche wirklich. Der Film ist mit einem gewissen Nostalgiebonus zu ertragen. Ray Milland in der Hauptrolle als böser weißer Mann ist köstlich.

Dieser Beitrag war für die Facebook Gruppe Erdbeben 1974 geschrieben, wozu ich alle Freunde des Films der 70er einlade.

Mein Vortrtag über Nosferatu – Kino ist mehr als Filme abspielen

8. März 2022

In zweifacher Hinsicht war ich etwas angespannt als ich einen Einführungsvortrag zum Meisterwerk Nosferatu – eine Symphonie des Grauens als Matinee halten durfte. Zum einen bin ich es als Dozent und Rampensau zwar gewöhnt vor Publikum zu sprechen, aber dies war das erste Mal in meinem Lieblingskino dem Scala Fürstenfeldbruck. Zum anderen spreche ich über ein 100jähriges Meisterwerk der Filmkunst, wie es kein zweites gibt.

Im Großen und Ganzen verlief mein Vortrag zu meiner Zufriedenheit, ein paar kleine Zahlendreher waren aufgrund der Nervosität dennoch enthalten, die man mir verzeihen möge. Das Publikum und der Veranstalter waren sehr zufrieden und jetzt geht es daran, weitere Filme dort vorzustellen, wohin sie gehören: Ins Kino – denn auch Kino muss sich nach Corona verändern. Ich habe euch meinen Vortrag als Video angefügt.

Bei der Bewerbung des Vortrags testeten wir verschiedene Wege aus: Klassisch analog und digital. Markus Schmölz, der engagierte Geschäftsführer des Scala-Kino nahm die Matinee in die Plakatvorschau des Kinos auf und hängte sie im Kino und an verschiedenen Plätzen in de Umgebung auf. Er nahm ein paar Euro in die Hand und schaltete Instagram-Werbung, setzte den Vortrag auf die Website des Kinos und postete die Matinee in soziale Netzwerke. Ich nahm den 100. Geburtstag von Nosferatu zum Anlass und bloggte über den Film, berichtete viral in verschiedenen Facebook-Gruppen und verschickte einen Newsletter, der einmal wöchentlich erscheint.

In der Kombination waren unsere Bemühungen ein schöner Erfolg. Das Publikum kam und der Saal 5 des Scala-Kinos füllte sich. Uns wurde klar: Es gibt ein Publikum abseits vom Mainstream-Kino, das wir erreichen können. Und ich hab selbst viel gelernt über Kinotechnik, nachdem ich aus einer Zeit stamme, als es noch klassische Filmprojektoren im Kino gab und nicht Hochleistungsbeamer, die via Computer gesteuert wurden.
Wenn das Kino zustimmt, dann mache ich gerne weiter. Im Moment arbeite ich an einer Verfeinerung des Formats. Ideen hab ich so einige, denn für mich ist es wichtig, dass Kino weiterlebt, sich verändert und ein Ort der Community wird. Vielleicht irgendwann eine Convention, vielleicht eine Ausstellung – da geht noch mehr. Der Anfang ist gemacht, jetzt gehen wir (hoffentlich) den nächsten Schritt.