Archive for the ‘Film’ Category

Rückblick auf meine Matinee: Die glorreichen Sieben (1960)

10. Mai 2026

Manche Filme altern. Und manche werden mit jedem Jahr, das vergeht, nur größer. Die glorreichen Sieben gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Ich habe diesen Film in meiner Matinee im Scala Kino besprochen. Die nächste Western-Matinee im Scala ist Little Big Man am Sonntag, 17. Mai. Karten gibt es hier.

Am 23. Oktober 1960 feierte der Western von Regisseur John Sturges in den USA Premiere – und trat damit eine Lawine los, die bis heute nicht zur Ruhe gekommen ist. Was auf den ersten Blick wie ein klassisches Abenteuer im Wilden Westen wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als präzise destillierter Mythos über Würde, Opfer und die seltsame Melancholie des Heldentums. Hier die Aufzeichnung meines Vortrags.

Von Tokio nach Mexiko
Die Ursprünge des Films liegen in Japan. John Sturges adaptierte den Stoff von Akira Kurosawas berühmtem Film Die sieben Samurai für ein Western-Szenario – und ließ dabei aus einem Klassiker einen weiteren Klassiker entstehen. Kurosawa selbst war offenbar beeindruckt: Er soll John Sturges nach Erscheinen des Films ein zeremonielles Schwert als Geschenk geschickt haben. Eine schönere Würdigung lässt sich kaum vorstellen.

Die Handlung ist einfach und zugleich zeitlos: Ein armes mexikanisches Dorf wird regelmäßig von einer Banditenbande unter dem Anführer Calvera bedroht und ausgeraubt. Einige der Dorfbewohner machen sich auf, um Männer mit Gewehren zu engagieren – und finden in Chris einen Anführer, der es schafft, mit dem wenigen Geld der Bauern fünf weitere fähige Revolverhelden zu gewinnen.

Eine Besetzung wie ein Traum
Was den Film unsterblich gemacht hat, ist weniger die Handlung als das Ensemble, das Sturges vor die Kamera holte. In den Hauptrollen sind Yul Brynner, Eli Wallach, Steve McQueen, Charles Bronson, Horst Buchholz, Robert Vaughn, Brad Dexter und James Coburn zu sehen. Jeder von ihnen bringt eine eigene Energie mit – und gemeinsam erzeugen sie ein Charisma, das die Leinwand regelrecht zum Glühen bringt. Man spürt hinter jeder ruhigen Geste, jedem kurzen Blick, dass hier nicht Figuren agieren, sondern Archetypen: Mut, Einsamkeit, Coolness und stille Melancholie, auf sieben Männer verteilt.

Musik, die größer ist als der Film
Kein Rückblick auf Die glorreichen Sieben wäre vollständig ohne die Musik. Elmer Bernsteins Filmmusik wurde 1961 für den Oscar nominiert. Das Titelthema gilt bis heute als eine der bekanntesten Western-Filmmusiken überhaupt – und wurde später unter anderem auch in der Werbung verwendet, am bekanntesten in der Version für die Zigarettenmarke Marlboro. Das heroische Thema ist mehr als Begleitung – es ist ein unsichtbarer Erzähler, der jede Szene adelt.

Ein Film, der Geschichte schrieb
Die glorreichen Sieben wurde 2013 in das National Film Registry aufgenommen – jene Sammlung, in der die Library of Congress Filme von herausragender kultureller, historischer oder ästhetischer Bedeutung bewahrt. Eine Auszeichnung, die kein Preisgeld kennt, aber vielleicht die ehrlichste von allen ist.

Der Film taucht seit über fünfzig Jahren als einer der besten Western überhaupt in unzähligen Lieblingslisten auf. Und das zurecht: Denn hinter dem Staub, den Revolverduellen und dem donnernden Bernstein-Thema verbirgt sich eine zutiefst menschliche Geschichte – über Menschen, die für andere kämpfen, nicht weil es sich lohnt, sondern weil es das Richtige ist. Diese Haltung macht Die glorreichen Sieben zeitlos. Und sie macht ihn, heute wie damals, zu einem der edelsten Abenteuer, die das Kino je hervorgebracht hat.

Die nächste Western-Matinee im Scala ist Little Big Man am Sonntag, 17. Mai. Karten gibt es hier.

Unternehmen Petticoat (USA 1959) – Matinee am 10. Mai im Scala Fürstenfeldbruck

8. Mai 2026

Ein rosa U-Boot, zwei ungleiche Offiziere und eine Handvoll Krankenschwestern mitten im Pazifikkrieg – das klingt nach einem Rezept für Chaos. Und genau das ist es auch. Aber was Blake Edwards aus diesen Zutaten im Jahr 1959 gemacht hat, ist weit mehr als eine bloße Klamotte: Es ist eine der elegantesten Komödien, die Hollywood je produziert hat. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 10. Mai im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Cary Grant und Tony Curtis – zwei der charismatischsten Männer, die je vor einer Kamera standen – liefern sich ein Duell der Stile, das bis heute vergnügt. Grant, der unerschütterliche Kommandant mit trockenem Witz und makellosem Auftreten. Curtis, der schlaue Drückeberger und Organisationstalent, der keine Skrupel kennt, aber das Herz am rechten Fleck hat. Dass Curtis damals privat ein glühender Verehrer Grants war und ihn sogar in Manche mögen’s heiß parodiert hatte, macht ihre Leinwandchemie zu etwas ganz Besonderem – man spürt die gegenseitige Zuneigung hinter jedem Wortgefecht.

Was viele nicht wissen: Der Film steckt voller echter Geschichte. Das rosa U-Boot ist kein reiner Gag – tatsächlich kämpfte ein amerikanisches U-Boot im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit rotem Grundieranstrich, weil die Farbe knapp war. Der berühmte Brief des Kommandanten über den Mangel an Toilettenpapier geht auf ein reales Dokument zurück. Und für die Dreharbeiten stellte die US-Marine gleich drei echte U-Boote aus dem Zweiten Weltkrieg zur Verfügung – eines davon ließ sie tatsächlich rosa streichen. So viel Realismus steckt in diesem vermeintlich leichten Schwank.

Blake Edwards, der kurz darauf mit Frühstück bei Tiffany und dem Rosaroten Panther Filmgeschichte schreiben sollte, zeigt hier schon sein ganzes Handwerk: die präzise Situationskomik, das sichere Gespür für Rhythmus, die Fähigkeit, aus Enge und Bedrängnis Heiterkeit zu destillieren. Unternehmen Petticoat wurde zum größten Kassenerfolg in der damals 50-jährigen Geschichte von Universal Studios – und zum profitabelsten Film in Cary Grants gesamter Karriere.

Wir zeigen den Film in der restaurierten Fassung dieses hinreißende Stück Kinogeschichte: Im Vortrag beantworten wir die Frage, warum manche Filme einfach nicht altern. Kommen Sie – es lohnt sich. Versprochen. Karten gibt es online und an der Kinokasse.

May the Fourth: Interessante Big Sleeve-Edition von The Force Awakens

4. Mai 2026

Wieder ist May the Fourth und ich bin ins Archiv gegangen, um hab mich ein bisschen bei meinen Star Wars-Schätzen umgeschaut. Ich habe die englische Bluray Fassung von Force Awakens zu Tage gefördert. Die Aufnahme unterscheidet sich nicht von den bisherigen Veröffentlichungen, aber die Verpackung. Sie erschien im aufklappbaren LP-Format samt vier Aushangfotos. Enthalten waren Bluray, DVD und Bluray-Bonus und eben die vier Fotos im LP-Format. Das Ganze hieß 2016 Big Sleeve-Edition.

Das Set kam am 28. November 2016 in den Handel und kostete bei Zavvi zunächst rund £ 19,99. Die Blu‑ray ist region‑frei (DVD Region 2) und es gibt weder 3D‑Version noch Dolby‑Atmos‑Ton. Neben den Discs mit dem Hauptfilm liegt ein Bonus‑Disc bei, die unter anderem einen Audiokommentar von Regisseur J.J. Abrams enthält sowie Featurettes über Foley‑Geräusche, Kostüme („Dressing the Galaxy“), Waffen („Inside the Armory“), ein Gespräch mit Daisy Ridley und John Boyega („The Scavenger and the Stormtrooper“), mehrere entfallene Szenen und die Making‑of‑Dokumentation.

Disney bewarb die Big‑Sleeve‑Edition als Sammlerstück für Film‑ und Vinyl‑Fans. Sie sollte die hochwertigen Cover‑Illustrationen in den Vordergrund stellen und mit den exklusiven Art‑Prints eine Art Coffee‑Table‑Format bieten. Für „The Force Awakens“ zeigte das Cover etwa den Droiden BB‑8, und die 12‑inch‑Artprints zeigten Charaktere und Szenen aus dem Film . Das Konzept war auf eine kleine Zielgruppe zugeschnitten; heute ist die Edition vergriffen und nur noch auf dem Gebrauchtmarkt zu finden.

Ich mochte das Erwachen der Macht, habe hier ein paar Kritiken aus der damaligen Zeit zusammengetragen.
Der siebte „Star‑Wars“-Film markierte 2015 eine Wende für die Saga: Zum ersten Mal stand nicht George Lucas am Ruder, sondern J. J. Abrams. Schon vor dem Start gab es Zweifel, ob er die Reihe retten könne – besonders wegen seiner durchwachsenen Blockbuster‑Vita. Die deutsche Fachzeitschrift epd Film stellte jedoch fest, dass das Projekt „gut, sehr gut sogar“ funktioniert, was man vor allem dem Drehbuch von Lawrence Kasdan zuschreibe. Kasdan hatte schon an „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi‑Ritter“ mitgearbeitet und sorgt dafür, dass die Handlung nicht wie ein langes Teaser‑Video wirkt, sondern als Rahmen für eine neue Ära dient.

Die Stärken des Films liegen laut vielen Kritikern in seiner nostalgischen Inszenierung und in den neuen Figuren. Abrams bedient sich bewusst an Motiven des ersten „Star Wars“: ein schwarz maskierter Schurke mit verzerrter Stimme, trampelnde Sturmtruppen und ein riesiges Waffensystem, das an den Todesstern erinnert. Anders als bei anderen Franchise‑Reboots wirken diese Anleihen nicht plump, sondern zeigen eine cinephile Nostalgie; Abrams spielt mit vertrauten Motiven und entwickelt gleichzeitig frische Ideen, sodass Fortsetzung und Reboot ineinander aufgehen. Besonders gelobt wird der Mut, eine junge Schrottsammlerin namens Rey ins Zentrum zu rücken. Mit ihrem geheimnisvollen Hintergrund, der charismatischen Darstellung durch Daisy Ridley und der Freundschaft zum desertierten Sturmtruppler Finn führt der Film eine weibliche Heldin und einen schwarzen Protagonisten ein, was die üblichen Heldenbilder des Blockbuster‑Kinos aufbricht. Die schweizerische Website Watson hob zudem den Einsatz realer Sets statt reiner Greenscreen‑Kulissen, die lockeren Sprüche und John Williams’ altvertraute Musik hervor.

Gleichzeitig stützen sich viele Vorwürfe auf eben diese Nostalgie. Der Vox-Autor David Roberts monierte, das Drehbuch „hebe“ fast alle wichtigen Plotpunkte aus „Eine neue Hoffnung“ und dem Originaltrilogie‑Finale auf und reihe sie nur leicht variiert aneinander . Der Angriff auf die Starkiller‑Basis sei eine nahezu identische Wiederholung des Todesstern‑Plans: Eine Hologramm‑Besprechung, ein Energiefeld, ein verwundbarer Kern – und am Ende sprengt ein Pilot mit dem berühmten X‑Wing das Mega‑Waffensystem . Für Roberts ist diese „Mimese“ nicht nur eine Verbeugung, sondern „lazy storytelling“; sie diene als Krücke, um emotionale Momente aus der Vorlage auszubeuten statt neue Spannung zu erzeugen . Zugleich kritisiert er, dass die politische Lage – was die First Order eigentlich ist und wie sie zum Widerstand steht – fast völlig unerklärt bleibt .

Dieser Eindruck eines übervorsichtigen Films zeigt sich auch in späteren Rückblicken. Das Blog Films and Fiction urteilte 2024, der Film führe zwar die Figuren Rey, Finn und Poe ein, doch blieben sie „ernsthaft unterentwickelt“. Der Wettstreit zwischen den bekannten Helden Han und Leia und den neuen Charakteren um Screentime lasse das Trio blass wirken, Rey wirke „dull“, weil sie kaum Schwächen habe, und Finns Defektion werde vor allem als Comedy‑Nummer behandelt. Auch die Schurken erhielten wenig Profil; Kylo Ren erscheine als „brattish“ und ineffektiver Vader‑Abklatsch . Der britische Text erinnert daran, dass diese Kritikpunkte stärker auffallen, wenn man weiß, wie wenig konsequent die späteren Fortsetzungen diese Figuren weiterentwickeln .

In einem Medium‑Essay von 2026 weist Jonah King darauf hin, dass sich „Das Erwachen der Macht“ eng an klassische Genreroutinen hält: Gut bleibt gut, Böse bleibt böse, Helden durchlaufen die gewohnte Reise. Diese Formelhaftigkeit sei zwar effektiv, offenbare aber auch die Grenzen des Films . King lobt eine Szene, in der Poe Dameron mit X‑Wings zur Rettung eilt – hier zeige der Film seine inszenatorische Kraft und das Potenzial der neuen Figuren . Gleichzeitig bleiben Reys Suche nach ihrer Identität und Kylos innerer Konflikt eher „stock“ als originell .

Weitere Kritikpunkte betreffen die technische Umsetzung. Watson hebt hervor, dass die 3D‑Fassung nur nachträglich erzeugt wurde und die Raumwirkung darunter leide; die Kamera sei teilweise unruhig und das Ergebnis weniger beeindruckend als bei echten 3D‑Produktionen . Zudem fühlten sich manche Zuschauer von der Fan‑Nostalgie erschlagen: In den Worten des Artikels „Es gibt nichts Neues“ – viele Szenen kenne man schon aus der Originaltrilogie, nur alles „zehnmal grösser“. Die überdeutliche Orientierung an eingefleischten Fans geht laut Roberts zulasten der universellen Erzählbarkeit; ohne Vorkenntnisse bleibe die Handlung „ein Muddle“ .

Unter dem Strich ist „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ weder ein episches Desaster noch ein künstlerischer Befreiungsschlag. Seine Verdienste liegen im sicheren handwerklichen Niveau, in der Rückkehr der alten Helden, dem Charme der Nachwuchsbesetzung und der gekonnten Mischung aus praktischen Effekten und moderner Optik. Kritische Stimmen werfen ihm vor, zu sehr auf Bewährtes zu setzen, die Figuren nicht ausreichend zu entwickeln und narrative Risiken zu vermeiden. Ob man den Film als gelungene Rückkehr oder als verpasste Chance empfindet, hängt letztlich davon ab, ob man Nostalgie als Stärke oder als Schwäche bewertet.

Rückblick auf meine Matinee: Harold & Maude (1971)

2. Mai 2026

Manche Filme berühren leise – und bleiben für immer. Harold and Maude ist so ein Film. Eine zarte, ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann, der vom Tod besessen ist, und einer fast 80-jährigen Frau, die das Leben in jeder Sekunde feiert. Ich präsentierte den Film bei einer Sondermatinee zum Tode des Hauptdarstellers Bud Cort im Scala Fürstenfeldbruck. Die nächste Matinee ist wieder eine Komödie mit Unternehmen Petticoat am Sonntag, 10. Mai um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Was zunächst provoziert oder irritiert, entfaltet sich zu einer zutiefst menschlichen Erzählung über Freiheit, Mut und die Kraft, anders zu sein. Hier die Aufzeichnung meines Vortrags:

Harold lebt in einer Welt aus schwarzem Humor und inszenierten Suiziden, gefangen in Gleichgültigkeit und innerer Leere. Dann trifft er Maude – unkonventionell, lebenshungrig, voller Wärme. Sie stiehlt Autos, pflanzt Bäume, tanzt, lacht und stellt Regeln infrage. Vor allem aber zeigt sie Harold, dass jeder Tag ein Geschenk ist und dass es Mut braucht, wirklich man selbst zu sein.

Begleitet von den poetischen Songs von Cat Stevens (heute Yusuf/Cat Stevens) entfaltet sich eine Geschichte, die zugleich melancholisch und tröstlich ist. Der Film spricht von Vergänglichkeit, ohne traurig zu sein, und von Liebe, ohne kitschig zu werden. Er erinnert uns daran, dass das Leben nicht gemessen wird an Konventionen oder Erwartungen – sondern an Intensität, Echtheit und Herz.

Harold and Maude ist kein lauter Film. Er flüstert. Und genau deshalb trifft er so tief. Die nächste Matinee ist wieder eine Komödie mit Unternehmen Petticoat am Sonntag, 10. Mai um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Und hier mein Nachruf auf Bud Cort:

Dressed to Kill (USA 1980) – Matinee am 3. Mai im Scala Fürstenfeldbruck

1. Mai 2026

Brian De Palmas „Dressed to Kill“ ist ein Film, der nicht nur erzählt, sondern verführt, irritiert und verfolgt. Schon die ersten Minuten ziehen das Publikum in eine Welt, in der Begehren und Angst, Traum und Wirklichkeit, Schönheit und Gewalt unauflöslich miteinander verbunden sind. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 3. Mai um 10:45 Uhr in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Es ist ein Kino der Blicke, der Spiegelungen und der geheimen Wünsche. Menschen beobachten einander, werden selbst beobachtet und verlieren dabei immer mehr die Kontrolle über das, was sie zu sehen glauben. Genau darin liegt die große Faszination dieses Thrillers: „Dressed to Kill“ ist weniger ein klassischer Kriminalfilm als ein fiebriger Albtraum über Sehnsucht, Schuld und die dunklen Räume der menschlichen Psyche.

Im Mittelpunkt steht zunächst Kate Miller, eine Frau, die in ihrem bürgerlichen Leben gefangen scheint. Ihre Einsamkeit, ihre unausgesprochenen Wünsche und ihre Suche nach einem letzten Moment von Leidenschaft führen sie in eine der berühmtesten Sequenzen des Films: eine fast wortlose Begegnung im Museum, inszeniert wie ein erotisches Ballett aus Blicken, Bewegungen und verpassten Momenten. De Palma zeigt hier seine ganze Meisterschaft. Ohne viele Dialoge entsteht Spannung, weil jeder Blick, jede Geste und jede Kamerabewegung Bedeutung bekommt. Das Museum wird zu einem Labyrinth der Versuchung, in dem sich Kate selbst verliert. Doch der Traum von Freiheit kippt in Entsetzen. Aus Begehren wird Bedrohung, aus Eleganz wird Gewalt, aus einem Moment der Selbstbestimmung eine Katastrophe.

„Dressed to Kill“ steht deutlich in der Tradition Alfred Hitchcocks, besonders von „Psycho“. Doch De Palma kopiert nicht einfach, sondern steigert, überzeichnet und spiegelt die Motive seines Vorbilds. Die Duschszene, der abrupte Verlust einer scheinbaren Hauptfigur, der Psychiater, der am Ende eine Erklärung anbietet, die Unsicherheit über Identität und Schuld – all das verweist auf Hitchcock. Aber De Palma macht daraus ein eigenes, schillerndes, bewusst künstliches Kino. Seine Kamera gleitet, lauert, spaltet Bilder, zeigt Vorder- und Hintergrund zugleich und macht uns als Zuschauer zu Komplizen des Voyeurismus. Man schaut hin, obwohl man ahnt, dass man vielleicht lieber wegsehen sollte.

Gerade deshalb ist „Dressed to Kill“ bis heute ein Film, über den man sprechen muss. Er ist elegant, spannend und handwerklich brillant, aber auch problematisch, verstörend und moralisch ambivalent. Seine Darstellung von Geschlecht, Sexualität und Gewalt fordert aus heutiger Sicht Widerspruch heraus. Der Film fasziniert und stößt ab, oft im selben Moment. Das macht ihn zu einem idealen Werk für eine Matinee, die nicht nur zeigen, sondern auch einordnen will. Wie blicken wir heute auf einen Thriller von 1980, der damals provozierte und heute noch kontrovers diskutiert wird? Wo endet stilistische Brillanz, wo beginnt fragwürdige Projektion? Warum üben solche Bilder trotz aller Kritik weiterhin eine so starke Wirkung aus?

In der Matinee bietet sich die Gelegenheit, „Dressed to Kill“ nicht nur als spannenden Filmklassiker zu erleben, sondern gemeinsam über seine Mechanismen nachzudenken. Über die Macht des Kinos, Angst lustvoll zu inszenieren. Über Frauenbilder im Thriller. Über die Verbindung von Erotik und Gewalt. Über das Spiel mit Identitäten, Masken und verdrängten Sehnsüchten. Und natürlich über Brian De Palma als Regisseur, der das Publikum nie in Sicherheit wiegt, sondern es gezielt verunsichert.

Wer „Dressed to Kill“ auf der großen Leinwand sieht, erlebt ein Kino, das körperlich wirkt: die Musik, die Farben, die langsamen Kamerafahrten, die plötzlichen Schocks. Dieser Film ist kein beiläufiger Streaming-Titel, sondern ein Werk, das im Kinosaal seine volle Kraft entfaltet. In der Dunkelheit, gemeinsam mit anderen, wird spürbar, wie sehr De Palma mit unseren Erwartungen spielt. Man glaubt, die Geschichte zu durchschauen, und merkt doch immer wieder, dass man selbst Teil eines Spiels aus Täuschung, Begierde und Angst geworden ist.

„Dressed to Kill“ ist ein Film wie ein Spiegel in einem dunklen Raum: Er zeigt nicht nur Monster, Täter und Opfer, sondern auch unsere eigene Lust am Schauen. Gerade deshalb lohnt sich diese Matinee. Sie lädt dazu ein, einen großen, umstrittenen, sinnlichen und verstörenden Thriller neu zu entdecken – als Meisterstück des Suspense-Kinos, als Zeitdokument und als Gesprächsanlass über die Schattenseiten der Popkultur. Ein Film, der nicht einfach vergeht, wenn das Licht im Saal wieder angeht. Er bleibt. In den Bildern, in den Fragen und vielleicht auch in einem leichten Schauder auf dem Heimweg. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 3. Mai um 10:45 Uhr in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Der Teufel trägt Prada 2: Mode, Glamour und großes Kino im Scala Fürstenfeldbruck

30. April 2026

Mode, Glamour und großes Kino: Das Scala Kino Fürstenfeldbruck machte die Preview von „Der Teufel trägt Prada 2“ zu mehr als nur einer Filmvorführung. Schon vor dem Start des Films wurde das Haus zur kleinen Gala-Bühne. Cocktails, stilvolles Ambiente, fotografische Begleitung und modische Akzente verwandelten den Abend in ein Ereignis für Film- und Fashionfans. Fotografin Karina Ullritz aus Maisach hielt die Atmosphäre in Bildern fest und porträtierte die Besucherinnen und Besucher, während die Stylisten der Boulanger Friseure aus Fürstenfeldbruck für das passende modische Flair sorgten. Geschäftsführer Markus Schmölz sprach von einem besonderen Highlight für das Scala Kino: Der Film bringe Glanz, Witz und Modebewusstsein auf die Leinwand, und genau dieses Lebensgefühl habe man auch im Kino erlebbar machen wollen.

Der Rahmen passte gut zu einem Film, der von seiner Marke fast ebenso sehr lebt wie von seiner Geschichte. „Der Teufel trägt Prada 2“ ist die Fortsetzung des Kinohits von 2006 und bringt zentrale Namen des Originals zurück: Meryl Streep als Miranda Priestly, Anne Hathaway als Andy Sachs, Emily Blunt und Stanley Tucci gehören erneut zum Ensemble. Regie führt wieder David Frankel, das Drehbuch stammt erneut von Aline Brosh McKenna; produziert wurde der Film von Wendy Finerman. Zum erweiterten Cast zählen unter anderem Kenneth Branagh, Simone Ashley, Justin Theroux, Lucy Liu, Patrick Brammall, Helen J. Shen, Pauline Chalamet und B.J. Novak. Der US-Kinostart ist für den 1. Mai 2026 angegeben. 

Inhaltlich setzt die Fortsetzung rund zwanzig Jahre nach dem ersten Film an und versucht, die Welt von „Runway“ in die Gegenwart zu übertragen. Aus der alten Mode- und Magazinwelt ist eine Medienlandschaft geworden, die sich stärker mit digitalem Wandel, sinkender Bedeutung klassischer Printtitel, Konzerninteressen und neuen Machtverhältnissen auseinandersetzen muss. Gerade darin liegt der interessanteste Ansatz des Films: Miranda Priestly ist nicht mehr nur die unantastbare Herrscherin eines Hochglanzimperiums, sondern eine Figur, die sich in einer veränderten Branche behaupten muss. Andy Sachs wiederum kehrt nicht einfach als naive Assistentin zurück, sondern als Frau mit eigener Berufserfahrung, eigener Haltung und einer komplizierten Vergangenheit mit Miranda. Die Fortsetzung lebt deshalb weniger vom klassischen „Neuling gegen Chefin“-Konflikt des Originals, sondern stärker von Wiederbegegnungen, alten Verletzungen und der Frage, wie viel Macht die alten Institutionen der Modewelt noch besitzen.

Als Film funktioniert „Der Teufel trägt Prada 2“ vor allem dann, wenn er sich auf seine stärkste Währung verlässt: Präsenz. Meryl Streep muss als Miranda Priestly oft nur einen Blick senken, eine Pause setzen oder einen Satz mit kühler Präzision aussprechen, um den Raum zu beherrschen. Anne Hathaway bringt Andy Sachs mit mehr Reife zurück; ihre Figur wirkt nicht mehr wie die junge Frau, die von der Modewelt überrollt wird, sondern wie jemand, der diese Welt kennt und sich dennoch fragen muss, ob sie ihr wirklich noch etwas bedeutet. Emily Blunt sorgt erneut für pointierte Energie, während Stanley Tucci dem Film Wärme und Eleganz gibt. Die Chemie des Ensembles gehört klar zu den Stärken der Fortsetzung.

Gleichzeitig trägt der Film sichtbar die Last der Erwartung. Der erste „Teufel trägt Prada“ war nicht nur eine Komödie über Mode, sondern ein präzise getakteter Film über Arbeit, Anpassung, Ehrgeiz und Selbstverlust. Die Fortsetzung möchte daran anknüpfen, aber auch moderner wirken. Das gelingt in Teilen, vor allem wenn der Film den Wandel von Medien und Modewelt aufgreift. Weniger überzeugend ist er dort, wo Nostalgie zu offensichtlich bedient wird. Einige Momente wirken wie bewusst gesetzte Erinnerungsanker für Fans des Originals: bekannte Dynamiken, elegante Auftritte, pointierte Seitenhiebe, glamouröse Schauplätze. Das ist unterhaltsam, manchmal auch sehr charmant, kann aber nicht immer verdecken, dass die erzählerische Schärfe des Originals schwer zu erreichen ist. Auch die Nachrichtenagentur AP kam in ihrer Kritik zu dem Eindruck, dass die Darsteller mühelos in ihre Rollen zurückfinden, der Film aber stärker auf Stil und Nostalgie setzt als auf erzählerische Substanz. 

Optisch ist „Der Teufel trägt Prada 2“ erwartungsgemäß ein Film der Oberflächen: Kleidung, Räume, Auftritte und Gesten sind sorgfältig arrangiert. Das passt zur Modewelt, birgt aber auch die Gefahr, dass die Inszenierung manchmal mehr glänzt als erzählt. Die Kostüme, die Schauplätze und das Tempo geben dem Film einen hochwertigen Eventcharakter. Gerade für eine Gala-Preview wie im Scala Kino ist das ideal: Dieser Film will nicht nur gesehen, sondern als gesellschaftlicher Anlass erlebt werden. Das Publikum kommt nicht allein wegen der Handlung, sondern wegen des Lebensgefühls, das mit „Runway“, Miranda Priestly und der Modewelt verbunden ist. 

So bleibt „Der Teufel trägt Prada 2“ ein Film, der sein Publikum vor allem über Wiedererkennung, Eleganz und Starpower gewinnt. Er ist kein radikaler Neuanfang, sondern eine stilvolle Rückkehr in eine Welt, die viele Zuschauerinnen und Zuschauer längst mit bestimmten Bildern, Sätzen und Figuren verbinden. Wer den ersten Film liebt, wird sich über das Wiedersehen mit Miranda, Andy, Emily und Nigel freuen. Wer allerdings eine Fortsetzung erwartet, die den Vorgänger in Schärfe, Tempo und satirischer Präzision übertrifft, dürfte etwas zurückhaltender urteilen. Für einen glamourösen Kinoabend aber ist der Film wie gemacht – und genau darin lag die Stärke der Scala-Preview: Das Kino schuf einen Rahmen, der den Charakter des Films aufgriff und aus einer Vorführung ein Ereignis machte. Zwischen Cocktails, Styling, Fotografie und Hollywood-Flair wurde „Der Teufel trägt Prada 2“ in Fürstenfeldbruck nicht nur gezeigt, sondern gefeiert.

Rückkehr einer Popkultur-Legende: Das Corgi RT26701 Batmobil bringt die 60er-Jahre zurück

29. April 2026

Das Corgi Modell RT26701 ist eine detailgetreue und modernisierte Neuauflage des legendären Corgi Toys 267 Batmobils aus dem Jahr 1966. Dieses Die-Cast-Sammlerstück fängt die popkulturelle Magie der klassischen Batman-Fernsehserie ein und bringt das ikonische Design nach über vierzig Jahren zurück in die Regale.

Design und Maßstab
Das aus Metall und Kunststoff gefertigte Fahrzeug präsentiert sich im Maßstab 1:46 mit einer Länge von 135 Millimetern. Die detaillierte Nachbildung orientiert sich exakt an dem berühmten Filmauto, das von Adam West und Burt Ward in der damaligen Kultserie gefahren wurde. Um die filmische Authentizität zu unterstreichen, sitzen die fein modellierten Figuren von Batman und Robin direkt im offenen Cockpit des markanten schwarzen Wagens.

Ikonische Gadgets
Genau wie das historische Vorbild begeistert die Neuauflage mit den klassischen Geheimwaffen, die das Originalmodell einst so berühmt machten. Auf Knopfdruck schnellt an der Front eine versteckte Kettenschlitzer-Klinge heraus, während der funktionstüchtige Raketenwerfer mit zwölf beiliegenden Geschossen ausgestattet ist. Am Heck des Wagens befindet sich zudem eine neu überarbeitete Anhängerkupplung, die speziell für das Ziehen des passenden Batboats konzipiert wurde.

Verpackung und Nostalgie
Der nostalgische Charme des Modells wird durch die aufwendig gestaltete Verpackung abgerundet, die ein exaktes Replikat des Originalkartons aus den späten 1960er Jahren darstellt. Neben dem Fahrzeug selbst erhalten Sammler einen exklusiven Aufkleber in Form eines Besitzerabzeichens, der das authentische Retro-Erlebnis abrundet. Da das ursprüngliche Corgi-Batmobil das zweitmeistverkaufte Modell in der Geschichte des Herstellers war, sichert diese originalgetreue Neuauflage ein bedeutendes Stück Spielzeughistorie für eine neue Generation.

Das Corgi-Modell RT26701 des Batmobils ist weit mehr als nur ein Spielzeug oder Sammlerstück – es ist für mich eine kleine Zeitmaschine aus Metall, Lack und Fantasie. Schon beim ersten Blick entfaltet es jene besondere Magie, die nur Ikonen der Popkultur besitzen: die kraftvolle, geduckte Form, die markanten Linien und jener Hauch von Geheimnis, der das Batmobil seit Jahrzehnten umweht. In der Miniatur wird all das auf faszinierende Weise verdichtet. Es steht nicht einfach nur da – es wirkt, als könne es im nächsten Moment mit aufheulendem Motor durch die Nacht von Gotham City schießen, Verbrechern nachjagen und im Scheinwerferlicht seine legendäre Silhouette entfalten.

Wiebke Lühmann im Kino mit SAME SUN – Mit dem Fahrrad durch Afrika – Ein Abend voller Fernweh, Mut und berührender Begegnungen

26. April 2026

Mit einem langen Applaus und spürbarer Begeisterung endete im Scala Kino Fürstenfeldbruck der besondere Kinoabend zur Reisedokumentation „SAME SUN – Mit dem Fahrrad durch Afrika“. Zu Gast war Wiebke Lühmann, die im Film ihre außergewöhnliche Radreise von Freiburg bis zum Kap der Guten Hoffnung nachzeichnet. 430 Tage, 22 Länder, Wüste, Regenwald, Hitze, Erschöpfung, Begegnungen und Zweifel. Aufgrund des großen Erfolgs wird der Film und das Filmgespräch am Sonntag, 26. April im 11 Uhr wiederholt. Karten gibt es hier

Die Dokumentation zeigte nicht nur die äußeren Dimensionen dieser Reise, sondern vor allem auch die inneren Grenzerfahrungen einer jungen Frau, die sich allein auf den Weg machte und unterwegs immer wieder neu mit sich selbst und der Welt in Kontakt kam. Hier die Aufzeichnung des Filmgesprächs. Ich durfte das Gespräch auf der Bühne filmen.

Im anschließenden Publikumsgespräch wurde deutlich, wie sehr der Film die Zuschauerinnen und Zuschauer berührt hatte. Viele Fragen drehten sich um ganz praktische Aspekte der Reise: um Wasserreserven in der Westsahara, technische Ausrüstung, Pannen, Schuhe, Visa und Routenplanung. Lühmann erzählte offen von Drohnenaufnahmen, improvisierten Lösungen wie einem Bambusstock als Fahrradständer, von überflüssigem Gepäck, das sie nach Hause schickte, und davon, wie sehr sich Körper und Kopf unterwegs an die Belastung anpassten. Gleichzeitig ging das Gespräch weit über Reiseanekdoten hinaus. Besonders eindrücklich schilderte sie ihre Krise im Kongo, ausgelöst durch Erschöpfung, Einsamkeit, Sicherheitsbedenken und die Erfahrung einer leidenden Natur. Eine Woche in einem Kloster, Ruhe, Tagebuchschreiben und die Erkenntnis, jederzeit abbrechen zu dürfen, hätten ihr damals die Kraft gegeben, weiterzufahren.

Auch die Themen Heimkehr, Verarbeitung und Begegnung nahmen breiten Raum ein. Eine Besucherin sprach davon, dass große Reiseerfahrungen oft schwer zu teilen seien, weil das Erlebte in einem selbst bleibe. Lühmann griff diesen Gedanken auf und erzählte, wie wichtig für sie das Schreiben ihres Buches „Immer Richtung Süden“ und die Arbeit am Film geworden seien, um die vielen Eindrücke festzuhalten. Immer wieder betonte sie, dass es gerade die kleinen Begegnungen unterwegs gewesen seien, die ihre Reise geprägt hätten – und dass solche Verbindungen auch im Alltag oft zu kurz kämen.

Für Markus Schmölz, Geschäftsführer des Scala Kinos Fürstenfeldbruck, war der Abend ein Beispiel dafür, was Kino leisten kann: „Dieser Abend hat auf wunderbare Weise gezeigt, dass Kino mehr ist als ein Film auf der Leinwand. Wenn ein Publikum nach der Vorstellung so aufmerksam fragt, lacht, staunt und weiterdenkt, dann entsteht genau diese besondere Begegnung, für die wir das Scala lieben.“ Die Anwesenheit von Wiebke Lühmann habe dem Film zusätzliche Tiefe gegeben: „Ihre Offenheit, ihre Ehrlichkeit und ihre Begeisterung haben den Abend zu einem sehr persönlichen Erlebnis gemacht.“

Zum Abschluss bedankte sich das Scala Kino bei Wiebke Lühmann für ihren Besuch in Fürstenfeldbruck. Im Foyer konnten die Besucherinnen und Besucher noch ihr Buch erwerben, Postkarten und Sticker mitnehmen und den Abend im Gespräch ausklingen lassen. Zur Erinnerung wurde im Saal ein gemeinsames Foto gemacht – mit den Lichtern der Handys als Zeichen dafür, wie viele Menschen an diesem Abend dabei waren. So wurde aus „SAME SUN – Mit dem Fahrrad durch Afrika“ im Scala nicht nur eine Filmvorführung, sondern ein inspirierender Abend über Mut, Verletzlichkeit, Fernweh und die Kraft menschlicher Begegnungen.

und hier seht ihr mich bei der Arbeit auf der Bühne – danke Gero

WarGames (USA 1983) – Rückblick auf die Matinee

24. April 2026

WarGames ist einer der prägenden Technik- und Thrillerfilme der 1980er Jahre und wirkt bis heute erstaunlich aktuell. Ich besprach und zeigte den Film bei meiner Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Die nächste Matinee ist der Brian de Palma Film Dressed to kill am Sonntag, 3. Mai um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Der 1983 erschienene Film WarGames erzählt die Geschichte des Jugendlichen David Lightman, eines begabten Hackers, der sich eher spielerisch in Computersysteme einwählt und dabei versehentlich auf einen militärischen Supercomputer der USA stößt. Was zunächst wie ein harmloses Strategiespiel aussieht, entwickelt sich zu einer gefährlichen Kettenreaktion: Der Rechner interpretiert Davids Eingaben als reale Bedrohung, und plötzlich scheint ein atomarer Konflikt zwischen den Supermächten möglich. Hier die Aufzeichnung meines Vortrags:

Gerade diese Mischung aus Jugendfilm, Technikfaszination und politischem Nervenkitzel macht WarGames so besonders. Der Film entstand in einer Zeit, in der Heimcomputer langsam in den Alltag einzogen, das Thema Hacker für viele Menschen noch neu war und zugleich der Kalte Krieg die Weltpolitik bestimmte. Dadurch traf er einen Nerv der Zeit. Er zeigte, wie eng Unterhaltung, Technologie und reale Machtfragen miteinander verbunden sein können. Was David als Spiel beginnt, gerät außer Kontrolle, weil die Maschinenlogik keinen Unterschied zwischen Simulation und Wirklichkeit kennt.

Zugleich ist WarGames mehr als ein spannender Thriller. Der Film stellt die Frage, wie weit man Entscheidungen über Krieg und Frieden an Technik delegieren darf. Der Computer WOPR, der militärische Strategien berechnen soll, steht für den Glauben, komplexe politische Konflikte ließen sich technisch kontrollieren. Am Ende führt der Film jedoch zu einer ganz anderen Erkenntnis: Nicht jedes Spiel kann gewonnen werden, und manche Konfrontationen lassen sich nur vermeiden, wenn man sie gar nicht erst beginnt. Gerade diese Botschaft verleiht dem Film bis heute seine Kraft.

Auch stilistisch ist WarGames ein typischer, aber besonders gelungener Film seiner Zeit. Er verbindet die Atmosphäre amerikanischer Vorstädte, frühe Computertechnik und die permanente Bedrohung des Atomzeitalters zu einer dichten Erzählung. Dabei lebt er nicht nur von seiner Spannung, sondern auch von der glaubwürdigen Perspektive eines Jugendlichen, der eher aus Neugier als aus böser Absicht handelt. Das macht die Geschichte zugänglich und verleiht ihr zugleich eine gewisse Leichtigkeit, obwohl das Thema hochernst ist.

Rückblickend gilt WarGames als Kultfilm, weil er eine frühe mediale Auseinandersetzung mit Hacking, künstlicher Entscheidungslogik und digitaler Verwundbarkeit bot. Vieles, was damals futuristisch wirkte, erscheint heute erstaunlich nah an aktuellen Debatten über Cyberangriffe, Automatisierung und die Risiken vernetzter Systeme. Genau darin liegt die anhaltende Bedeutung des Films: WarGames ist nicht nur ein spannender Klassiker, sondern auch ein überraschend weitsichtiger Film über die Gefahren einer Welt, in der Technik und Macht untrennbar miteinander verbunden sind.

Die nächste Matinee ist der Brian de Palma Film Dressed to kill am Sonntag, 3. Mai um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Buchtipp: The Making of Pink Floyd: The Wall

16. April 2026

Auch wenn sich Roger Waters nicht zu seinem Vorteil entwickelt hat, mag ich seine alte und neue Musik. Ich gebe zu, ich bevorzuge seine Phase bei Pink Floyd sehr und höre jetzt wieder verstärkt die Musik des Doppelalbums The Wall. Dabei lese ich das Buch the Making of Pink Floyd The Wall von Gerald Scarfe.

Ich hatte noch die deutsche Ausgabe des Buches im Archiv, das 2011 bei Edel erschienen ist. The Wall ist mehr als nur ein für mich geniales Album. Es ist auch der grandiose Kinofilm von Alan Parker, das noch grandiosere Konzertereignis – The Wall ist ein Gesamtkunstwerk. Und natürlich ist nicht alles auf dem Mist von Roger Waters gewachsen. Er hat Künstler wie Gerald Scarfe an seiner Seite, die seine Visionen der Isolation eindrucksvoll visualisieren konnten. Gerald Scarfe war ein guter Kumpel von Nick Mason, David Gilmour und natürlich auch von Waters. Und eben dieser Gerald Scarfe zeichnet in seinem Buch die visuelle Entstehungsgeschickte von The Wall in all seinen Phasen nach. Für Pink Floyd-Fans ist das Buch ein Leckerbissen, ein wunderbares Coffee table-Buch zum Angeben und Genießen.

Der Text ist gut und flüssig zu lesen. Die Aufmachung ist einfach klasse. Der weiße Schriftzug ist mit dicker Farbe gedruckt, so als sei der Meister selbst mit Deckfarbe über den Schutzumschlag gegangen. Die Erzählungen des Autors, die immer konzentriert am Thema bleiben und informativ dicht und damit kurzweilig zu lesen sind, werden von Kommentaren ergänzt, die die Macher von The Wall bei der Durchsicht des Buchentwurfs gemacht haben. Die Abbildungen sind hochwertig, sowohl von den Fotographien her, als auch durch den Abdruck der Unmengen von Zeichnungen. Auch die Überschriften der einzelnen Kapitel sind in der Gerald Scarfe’schen Schrift in deutsch übernommen worden. Wer sich für die internen Querelen der Band interessiert, die mit The Wall an allen Ecken und Enden aufflammten, erfährt hier fast mehr als in Nick Masons „Inside Out“. Allerdings wird auch hier vermieden, detailierter darauf einzugehen. Es geht halt um The Wall, den Versuch, die Pink Floyd Musik filmisch zu ergänzen.

Das Buch beginnt schon Mitte der 1970iger Jahre(!), weil da Gerald Scarfe bereits begann für Pink Floyd zu arbeiten. Es gibt interessante Statemants zum Trickfilm und den Schwierigkeiten den Trickfilm von der „Disney-Putzigkeit“ zu etablieren. Insofern kann ich mir vorstellen, dass das Buch auch für jene interessant sein könnte, die mit Pink Floyd selbst gar nicht so viel am Hut haben.
Umfassend wird die Entstehunggeschichte der Show und des (Kino-)Films beschrieben. Das Buch erzählt die Wall-Geschichte einschließlich der Wiederaufführung durch Roger Waters 2010/2011.

Gerald Scarfes Buch kann auch für jene interessant sein, die selber mit Tinte und Farbe zu Werke gehen. Allein seine Art zu zeichen, mit diesesr rasenden Strichführung, hat mich begeistert. Darüber hinaus werden auch die Umsetzungen der Zeichnungen in die Filme, als auch die Konstruktion der riesigen Bühnenpuppen beschrieben. Bilder, wo sie bemalt werden, sind genauso dabei, wie Fotos von Pappmodellen der Filmkulissen.
Die Zeichnungen sind fantastisch (im Sinne von eine schier tobenden Fantasie) sie sind irre (im Sinne seiner zeichnerischen Qualitäten, aber auch im Sinne dessen, was sie darstellen.) Manchmal wird es eklig, bleibt aber immer genial…

Ich bin begeistert. Sowohl als Pink Floyd Fan als auch als Liebhaber schön gemachter Bücher. Als Kunstinteressierter ebenso wie jemand, der es faszinierend findet, wie andere ihren Weg gehen und ihre Ideen umzusetzen vermögen.

Es war immer schwer, wirklich brauchbare Informationen über Gerald Scarfe und seine Arbeiten an „The Wall“ zu finden. Dieses Buch ist für Interessierte an Scarfe’s Anteil an dem Erfolg von „The Wall“ ein Quell ewiger Freude. Wirklich dick und randvoll mit Zeug. Für mich gehört das Buch in das Regal von jedem Pink Floyd Fan.