Posts Tagged ‘Universal Studios’

Unternehmen Petticoat (USA 1959) – Matinee am 10. Mai im Scala Fürstenfeldbruck

8. Mai 2026

Ein rosa U-Boot, zwei ungleiche Offiziere und eine Handvoll Krankenschwestern mitten im Pazifikkrieg – das klingt nach einem Rezept für Chaos. Und genau das ist es auch. Aber was Blake Edwards aus diesen Zutaten im Jahr 1959 gemacht hat, ist weit mehr als eine bloße Klamotte: Es ist eine der elegantesten Komödien, die Hollywood je produziert hat. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 10. Mai im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Cary Grant und Tony Curtis – zwei der charismatischsten Männer, die je vor einer Kamera standen – liefern sich ein Duell der Stile, das bis heute vergnügt. Grant, der unerschütterliche Kommandant mit trockenem Witz und makellosem Auftreten. Curtis, der schlaue Drückeberger und Organisationstalent, der keine Skrupel kennt, aber das Herz am rechten Fleck hat. Dass Curtis damals privat ein glühender Verehrer Grants war und ihn sogar in Manche mögen’s heiß parodiert hatte, macht ihre Leinwandchemie zu etwas ganz Besonderem – man spürt die gegenseitige Zuneigung hinter jedem Wortgefecht.

Was viele nicht wissen: Der Film steckt voller echter Geschichte. Das rosa U-Boot ist kein reiner Gag – tatsächlich kämpfte ein amerikanisches U-Boot im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit rotem Grundieranstrich, weil die Farbe knapp war. Der berühmte Brief des Kommandanten über den Mangel an Toilettenpapier geht auf ein reales Dokument zurück. Und für die Dreharbeiten stellte die US-Marine gleich drei echte U-Boote aus dem Zweiten Weltkrieg zur Verfügung – eines davon ließ sie tatsächlich rosa streichen. So viel Realismus steckt in diesem vermeintlich leichten Schwank.

Blake Edwards, der kurz darauf mit Frühstück bei Tiffany und dem Rosaroten Panther Filmgeschichte schreiben sollte, zeigt hier schon sein ganzes Handwerk: die präzise Situationskomik, das sichere Gespür für Rhythmus, die Fähigkeit, aus Enge und Bedrängnis Heiterkeit zu destillieren. Unternehmen Petticoat wurde zum größten Kassenerfolg in der damals 50-jährigen Geschichte von Universal Studios – und zum profitabelsten Film in Cary Grants gesamter Karriere.

Wir zeigen den Film in der restaurierten Fassung dieses hinreißende Stück Kinogeschichte: Im Vortrag beantworten wir die Frage, warum manche Filme einfach nicht altern. Kommen Sie – es lohnt sich. Versprochen. Karten gibt es online und an der Kinokasse.

Erinnerung an Carl Lämmle, dem Erfinder des Spielfilms

9. August 2021

Hollywood wäre nicht das kreative Filmzentrum, wenn es nicht deutsche Kreative gewesen wären, die in der Frühphase kräftig mitgemischt hätten. Einer von ihnen ist Carl Lämmle aus dem baden-württembergischem Laupheim.

Ihr kennt Lämmle nicht? Solltet ihr aber. Er war 1912 der Gründer der Universal Studios und war einer der einflussreichsten Produzenten seiner Zeit. Und obwohl er US-amerikanischer Staatsbürger war, hat er seine Heimat Laupheim nicht vergessen. Der reiche Onkel aus Amerika spendete viel Geld in seine Geburtsstadt und an die jüdischen Gemeinde: Schule, Schwimmbad und ein Waisenhaus in der Stadt gingen auf Lämmle zurück. Die Nazis aber verbannten den Juden Lämmle aus dem öffentlichen Leben und damit aus seiner Heimat.
In den USA baute Carl Lämmle sein Filmimperium auf, weil er die Zeichen der Zeit erkannt. Er schuf das Mediums des Spielfilms – nicht mehr, nicht weniger. Er spürte, dass es ein Publikum für Spielfilme gab – er hatte die richtige Nase zur richtigen Zeit.

Das ist damals eine absolute Revolution gewesen. Lämmle hat damit die Filmwelt verändert und Hollywood hat ihm enorm viel zu verdanken. Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg zeigte von Dezember 2016 bis Juli 2017 die Sonderausstellung Carl Laemmle presents – Ein jüdischer Schwabe erfindet Hollywood Durch Zufall bekam ich einen Ausstellungskatalog des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg zur Ausstellung Carl Laemmle – Ein Laupheimer in der Welt: Eine Ausstellung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg im Museum zur Geschichte von Christen und Juden aus dem Jahre 2018 in die Hände.

Carl Lämmle ist für mich einer der Urväter des Kinos und dennoch habe ich den Eindruck, dass er vergessen ist. Das lag einerseits an der elenden braunen Bande, die in Deutschland ab 1933 herrschte, zum anderen gab Lämmle 1936 die Leitung von Universal endgültig ab.
Zuvor hatte er sein Imperium an den Sohn übergeben, der Universal aber nicht so führen konnte, wie es Papa Lämmle wollte. Am 28. April 1929 übernahm Carl Lämmle Junior die Produktionsleitung bei Universal. Und der Papa unterstützte den Sohnemann zunächst, obwohl es richtig Knatsch gab. 1929 war die Weltwirtschaftskrise und Universal wurde arg gebeutelt. Lämmle Junior gab grünes Licht für den Kassenschlager Im Westen nichts Neues, der die Nazis auf die Palme brachte. Schöne Geste: Papa Lämmle nahm den Oscar 1930 in Empfang, der eigentlich den Sohn gebarte.

Richtig krachte es in der Familie als es um die Idee des Horrorfilms ging. Papa Lämmle war kein Fan der unheimlichen Themen und glaubte nicht an den Erfolg. Der Sohn ging auf die Barrikaden und setzte sich durch. Lämmle Junior schuf die Grundlage für den klassischen Universal-Horror, den ich verehre. Dracula mit Bela Lugosi, Frankenstein sowie Frankensteins Braut mit Boris Karloff und mehr wie die Mumie und der Unsichtbare.