Archive for November 2020

Dracula im Film (12): Dario Argentos Dracula (2012)

30. November 2020

Ich wollte es nicht glauben: Alle haben sie gesagt, dass Dario Argentos Version von Dracula Müll ist. Und was soll ich sagen: Ihr habt alle recht gehabt. Dario Argentos Dracula ist Müll.

Ich habe mir das Spätwerk des italienischen Meisters aus dem Jahre 2012 jetzt erst auf Bluray in 2D angeschaut und es war schon peinlich, wie so ein Mann seinen Ruf systematisch kaputt macht. Ich bin ein Argento-Fan der Filme Suspira, Profondo rosso oder Tenebare – also die Vertreter der Giallo-Slasher. Und ich bin ein Fan der Figur Dracula von Bram Stoker. Was wäre das für eine Kombi? Argento und Stoker? Und ich schaue mir gerne, sehr gerne Dracula-Filme an und so stand endlich auch mal Dario Argentos Dracula auf meiner Watchlist. Vielleicht erfüllt der ursprünglich als stereoskopischer Film seine wahre Wirkung in 3D, was ich allerdings nicht glaube. Es war das erste – und nach seinen Aussagen das letzte Mal, dass Argento das Stilmittel Stereoskopie für seine Filme nutzte. Für 3D braucht es eine andere Erzählweise, eine andere Struktur.

Zunächst das Positive am Film Dario Argentos Dracula: Es gibt Kameraeinstellungen von Räumen, die machen einfach Spaß. Argento versteht es mit seinem Suspira-Kameramann Luciano Tovoli Bilder in die richtige Position zu rücken. In diesen Augenblicken jubelt mein Herz. Auch bei den Kamerafahrten gibt es Andeutungen, dass es der Meister nicht verlernt hat. Und auch für mich positiv ist die Musik von Argentos Hauskapelle Claudio Simonettis Goblin. Ihr musikalisches Thema zu Dracula ging ins Ohr, die Balkan-Musik eher nicht so.
Und da wäre noch die Hauptdarsteller Thomas Kretschmann als Dracula und Rutger Hauer als Professor Abraham Van Helsing. Sie bemühen sich, schauen mal sorgenvoll, mal schmachtend, aber agieren im Großen und Ganzen erfolglos. Darios Tochter Asia Argento wagt sich an die komplexe Figur der Lucy und scheitert leider auch hier.

Und damit sind wir auch bei den wirklich üblen Teilen des Films. Die Dialoge waren noch nie Argentos großes Können und da bleibt er sich bei Dracula treu. Bei so mancher weiblicher Darstellerin sind die Dialoge auch nicht so wichtig und die männlichen Zuschauer haben anderes im Focus. Aber nackte Haut reicht nicht, um Dracula zu ertragen. Hinzu kommen CGI-Tricks im Anfängerstadium. Es beginnt mit einer schlimmen Eule und endet ganz schlimm mit einer digitalen Gottesanbeterin. Dario bleib bei deinen Gore-Effekten, denn die verstehst du in Szene zu setzen. Freunde des spritzenden Blutes werden in einigen Passagen auf ihre Kosten kommen und den Film vielleicht als Trash einordnen. Ich packe ihn eher in die Kategorie: Vertane Chance bei einem tollen literarischen Stoff.

Filmtipp: American Werewolf von Turbine

25. November 2020

Denke ich an Werwolf-Filme, dann kommt mir als erstes der Wolfsmensch von 1941 in den Sinn. Das ist für mich der wichtigste Wolf-Film überhaupt. Dann gibt es noch ein paar andere gute Heuler, wie der Fluch von Sinestro oder Das Tier oder auch Zeit der Wölfe. Und dann gibt es den Klassiker der Moderne An American Werewolf in London, der bei uns als American Werewolf 1981 im Kino lief.

Meine Sammlung an amerikanischen Werwölfen – zuletzt die Turbine Ausgabe.

Regie führte damals John Landis, der für mich immer der Mann der Blues Brothers ist. Mit seinem Werwolf-Film schuf er Filmgeschichte – der Film ist eine Mischung aus Horror, Action und Komödie, aber vor allem ist er ein Film, den ich in meiner Kinojugend gesehen habe und für gut befunden habe. Bis heute habe ich meine Meinung nicht geändert. American Werewolf hatte trotz seiner Fehler immer einen Platz unter meinen Lieblingsfilmen. Er prägte ein neues Genre für mich. In den siebziger Jahren war der Böse im Kino abstrakt wie der Teufel im Exorzist (1973) von William Friedkin oder das Omen (1976) von Richard Donner. Und wenn es ganz heftig war, dann stiegen die Zombies wie bei Dawn of the Dead (1978) von George A. Romero oder Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies (1979) von Lucio Fulci.

Und dann knüpfte American Werewolf wieder an die Universal-Klassiker der 40er Jahre an, nahm Zombies mit ins Boot, fügte die Schocks von Brian de Palma hinzu. Wichtig war auch, dass Kömodienspezialist John Landis eine Prise Collage Humor dazu gab, den er bei 1977 bei Kentucky Fried Movie (The Kentucky Fried Movie) und 1978 mit Ich glaub’, mich tritt ein Pferd (National Lampoon’s Animal House) gelernt hatte und 1980 mit Blues Brothers zum Olymp verfeinerte. Kein anderer hätte American Werewolf so drehen können.
Ich war im Kino begeistert – natürlich auch von den Spezialeffekten von Rick Baker. Endlich sah der Zuschauer eine realistische Verwandlung vom Mensch zum Werwolf. Später kaufte ich mir die Laserdisc und dann eine Sammlerausgabe auf DVD.

Jetzt endlich erschien der Film An American Werewolf in London neu abgetastet in 4K und komplettiert. Die Telefonszene von David mit seiner Schwester ist jetzt im Film enthaltet. Nun ist eine limitierte Sammler-Ausgabe von Turbine erschienen, die ich nicht genug preisen kann. Der Film auf 4K UHD und Bluray sowie eine Bluray mit Bonusmaterial, ein exzellentes 100seitiges Buch zum Film, Merch wie Bierdeckel aus dem geschachteten Lamm, Aufkleber und Postkarten (auch vom Porno-Kino am Piccadilly Circus) und ein zweiseitiges Poster. Ich habe die Nummer 502 der limitierten Ausgabe.

Zunächst begeistert wegen des Soundtracks, aber dann doch zu kurz.

Es liegt auch der Soundtrack von Elmer Bernstein bei, der meines Wissens das erste Mal erschienen ist. Leider fällt der Score sehr kurz aus, nachdem ich ihn begeistert in den CD-Player gelegt habe.

Forderung: Keine Böller zu Silvester

24. November 2020

Ich stell es gleich von Anfang an klar: Ich bin für ein Böllerverbot zu Silvester dieses Jahr und sonst auch. Nachdem in den Niederlanden die Böllerei abgeblasen wurde, startet die Diskussion bei uns auch. Wie ich aus den Diensten herauslese, traut sich die große Politik an dieses sensible Thema wohl nicht heran. Entscheiden müssen es in Deutschland die Kommunen und ich hoffe auf eindeutige Stellungnahmen seitens der Kommunalpolitiker. Ich feiere Silvester innerhalb meiner Familie und brauche wirklich keine Knallerei dazu.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Wendt, sagte der „Bild“-Zeitung, zum Feuerwerk gesellten sich rasch Alkohol, Personengruppen und Partystimmung – und das sei in Pandemie-Zeiten nicht angesagt. Der Herr hat recht.
Und hört mit der Heulerei auf nach dem Motto „Nix darf man mehr“ oder „alles wollen die uns verbieten.“ Das Virus kennt kein Silvester. Haltet Abstand, besauft euch nicht und verzichtet auf die Party zur Jahreswende.

Argumente gegen Böllern
Sachliche Argumente gegen die unnötige Silvesterballerei gibt es außer dem teuflischen Corona genug. Corona alleine wäre schon ein Grund, Böllern zum Jahresende abzusagen. Abstand halten auf freiwilliger Basis geht scheinbar nicht. Bei uns treffen sich Jugendlicher abends in der Dorftiefagarage zum Feiern – Masken und Abstand Fehlanzeige.

Aber es gibt auch weitere Gründe. Es gibt keine Verletzten durch irgendwelche Deppen, der mit ihren Feuerwerkskörpern herumdoktern und ihnen das Zeug um die Ohren fliegt. Die Notaufnahmen in den Krankenhäusern werden benötigt und wenn kein Notfall eintritt, dann haben die Rettungskräfte auch mal Luft zum Durchatmen.

Unsere geliebten Haustiere danken es, wenn man auf die Ballerei verzichtet. Unser Wellensittich Dr. Watson muss dieses Jahr alleine feiern, nachdem seine Kollege Sinatra im August vom Stangerl gefallen ist. Watson wird die Silvesterknallerei wohl verkraften, erschrickt aber jedes Mal.

Atari in seiner Kiste braucht wohl kein Geballer zu Silvester.

Interessant wird es mit unseren beiden neuen Katern Parsifal und Atari. Sie sind noch so jung und kennen diesen Lärm nicht. Schon wegen den beiden neuen Familienmitgliedern hoffe ich auf ein Böllerverbot.

Auch eine Konsequenz: Es gab keinen großen Raketenmüll am nächsten Tag. Leider gibt es bei uns in der Straße immer noch Nachbarn, die ihren Raketenmüll nie weggeräumt haben und alles den fleißigen Gemeindemitarbeitern vom Bauhof aufgedrückt haben. Wenn ich bei uns nach Silvester durch die Straßen gehe, treffe ich auf Müll im öffentlichen Raum. Zum Teil gibt es noch Blindgänger, zerschlagene Flaschen, ausgebrannte Feuerwerkskörper, China-Böller, Raketen.
Und da wäre noch der Alkohol. Durch Corona bleibt man zu Hause und es sind keine Besoffenen auf den Straßen, die herumpöbeln, provozieren oder randalierten. Nochmal der Appell: Bleibt zu Hause und macht es euch mit eurer Familie gemütlich. Ich sehe es bei uns im Dorf immer wieder, dass Menschen mit Alkohol nicht umgehen können. Und nein, ich will euch den Alkohol nicht verbieten.

Gerade in Deutschland wird viel über Feinstaub diskutiert und polemisiert. Nach Abbrennen des Feuerwerks legt sich auf deutsche Straßen und Plätze eine gefährliche Feinstaubglocke. Es gibt Menschen, die haben eine Lungenkrankheit, für die ist Silvester und die Tage danach eine Qual. Und nicht nur kranken Leuten ergeht es so. Es brennt in den Augen und in der Lunge – gesund kann das nicht sein. Also hört endlich auf mit dieser Umweltschweinerei.

Was der Alkohol aus Menschen macht.
Zum Schluss habe ich noch ein Urteil der Woche vom Amtsgericht München, das hier zum Thema hervorragend passt. Am 10.11.2020 verurteilte das zuständige Schöffengericht am Amtsgericht München einen 35jährigen Mann aus München wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die gegen eine Zahlung von 1.500 Euro an eine gemeinnützige Straffälligenhilfe in Monatsraten von 50 Euro zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Am 01.01.2020 gegen 00:05 Uhr warf der Angeklagte in einem Hinterhof in München-Pasing, in dem sich insgesamt ca. 50 – 70 Personen aufhielten, Knallerbsen in Richtung einer Personengruppe aus drei Familien, davon fünf Kinder. Eine der Mütter forderte ihn auf, dies wegen der anwesenden Kinder zu unterlassen. Nun brach der Angeklagte den Holzleitstab einer Feuerwerksrakete ab, legte sie so beschädigt auf den Boden und zündete sie. Die Rakete flog durch die Personengruppe hindurch und explodierte in circa fünf Metern Entfernung. Verletzt wurde niemand. Nun ermahnte eine andere der Mütter den Angeklagten, der sie daraufhin mit „Hure“ beleidigte und eine zweite Feuerwerksrakete erneut auf die Personengruppe ausrichtete, die wieder in circa fünf Metern Entfernung explodierte. Anschließend nahm der Angeklagte eine weitere Rakete schräg in die Hand und zielte abermals in Richtung der Personengruppe. Diese flog nur knapp über den gebeugten Körper eines Vaters hinweg. Beim nachfolgenden Streit beleidigte der Angeklagte zwei der Mütter mit „Schlampe“, „Hure“ und „Kopftuchschlampe“.

Der Angeklagte erklärte, vorher erhebliche Mengen Whiskey getrunken zu haben: „Aber ehrlich gesagt, ich habe nicht aufgepasst. Man ist fröhlich durch Alkohol. Ich war normal. Ich war mit meiner Frau und meinen Kindern und meiner Familie draußen. Als ich die Rakete auf den Boden gestellt habe, habe ich nicht daran gedacht. 11 Jahre lang war ich in einem Ein-Zimmer-Appartement. Ich war sehr glücklich und sehr froh, dass ich in das Haus ziehen konnte. Ja, sie sind immer noch meine Nachbarn. Ich gehe sehr früh von zuhause weg und komme spät nach Hause. Es ist eine normale Beziehung. Ich sehe sie meistens nicht. Ich hatte bisher nie Ärger in Deutschland. Die sind meine Nachbarn. Ich will gar keine Probleme machen oder Ärger. Meine Kinder spielen draußen mit den Kindern von den Nachbarn. Wir begrüßen uns gegenseitig.“ Bei dem nachfolgenden Streit seien er und seine Frau verletzt worden.

Die Vorsitzende Richterin begründete das getroffene Urteil u.a. wie folgt: „Die Wirkung des Entzündens sowie der Explosion der Raketen war für den Angeklagten völlig unkontrollierbar, weshalb er auch mit der Möglichkeit einer Gefährdung anwesender Personen rechnen musste, insbesondere da es sich bei der ersten und zweiten Rakete jeweils um einen beschädigten pyrotechnischen Gegenstand gehandelt hatte und er die insgesamt drei Raketen wissentlich und willentlich in Richtung der Personengruppe ausgerichtet hatte. Die sich in der Gruppe befindlichen Personen blieben lediglich aufgrund eines glücklichen Zufalls unverletzt. (…) Von einem minder schweren Fall konnte vorliegend bei einer Gesamtschau der Tat nicht ausgegangen werden. Zwar hat sich die Tat an Silvester mit zugelassenen Feuerwerkskörpern ereignet und es war auch Alkohol im Spiel. Der Angeklagte hat hier aber nicht nur einmal eine Rakete in die Menge geschossen und dadurch eine Sprengstoffexplosion herbeigeführt, sondern dreimal, in der betroffenen Personengruppe befanden sich auch Kinder und eine der betroffenen Personen wurde nur knapp verfehlt.“

Zugunsten des nicht vorbestraften Angeklagten wertete das Gericht sein Geständnis, welches eine umfangreiche Beweisaufnahme entbehrlich machte und zahlreichen Zeugen und Nachbarn die Aussage ersparte, seine alkoholbedingte Enthemmung und dass der Angeklagte bei der nachfolgenden Auseinandersetzung selbst Verletzungen erlitt; zu seinen Lasten, dass sich in der betroffenen Personengruppe auch Kinder befanden und dass insgesamt drei Raketen abgefeuert wurden.

„Die Vollstreckung dieser Freiheitsstrafe kann vorliegend zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Angeklagte lebt in gefestigten familiären Verhältnissen, hat eine Arbeit und eine Wohnung und ist hier sozial integriert, überdies ist er bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten, so dass eine positive Sozialprognose hier problemlos gestellt werden kann. Es liegen vorliegend auch besondere Umstände vor, welche eine Strafaussetzung zur Bewährung rechtfertigen, namentlich das vollumfängliche Geständnis bei etwas unübersichtlicher Beweislage sowie der Umstand, dass der Angeklagte nach der Tat selbst verletzt wurde.“

Urteil des Amtsgerichts München vom 10.11.2020​
Aktenzeichen 813 Ls 111 Js 115054/20

Meine vergebliche Jagd auf die PS5

20. November 2020

Ich will nicht sagen, dass ich Frust schiebe, aber eine gewisse Enttäuschung ist schon vorhanden: Ich werde zum Release der Playstation 5 keine der Sony-Konsolen in den Händen halten. Zwar habe ich mich bemüht und eifrig bei den Handelsplattformen geklickt, aber ich hatte Pech: Keine PS5 für mich zum Start – dafür konnte ich einen Controller und eine Fernbedienung ergattern. Wobei Amazon die Fernbedienung auch gecancelt hat, na super.

Keine Chance eine PS5 zu erhalten.

Es ist ja fast wie im Sozialismus. Nix da, alles leer und wann Nachschub kommt, das ist ungewiss. Sony, da habt ihr Mist gebaut. Erst einen fetten Hype generieren und dann nicht genug Einheiten produzieren. Und es ist ja nicht so, dass ihr von dem Run auf die Gamingkonsole überrascht sein solltet. Das ganze Jahr über hat Sony immer wieder uns Gamer angeheizt, uns neugierig gemacht, kleine Häppchen präsentiert, Spiele der PS5 vorgestellt – und dann? Und dann könnt ihr die Menge nicht liefern, die der Markt verlangt. Das Prinzip Marktwirtschaft habt ihr nicht verstanden.

Gerne vergleicht sich Sony mit Apple. Aber Apple ist ein Luxusartikelhersteller und nicht ein Elektronikriese wie Sony. Apple versteht das Geschäft mit der künstlichen Verknappung des Marktes. Wenn ein iPhone oder sonst was aus Cuppertino vorgestellt wird, dann sind die Medien voll mit der Berichterstattung über das Ereignis. Wenn Sony die PS5 vorstellt, dann wird über das mangelnde Warenwirtschaftssystem berichtet. Und das ist nur ein Unterschied.

Ich bin ein Fan von Sony und ich bin ein überzeugter Nutzer der PS2, PS3 und PS4 – und ich hätte gerne jetzt auch im Lockdown auf der PS5 gezockt. Ich wäre gerne ein Held des Alltags mit der neuen Konsole geworden.

Natürlich hätte ich mich auch mit der XBox des Konkurrenten Microsoft beschäftigen können, aber das hat Zeit. Ich hab nix gegen MS, aber die XBox hat nicht Prio eins. Sie wird irgendwann in den Gamerhaushalt einziehen, so wie die anderen MS-Konsolen vor ihr.

Und zack war der Server weg.

Ich war bereit für die PS5
Als bekannt wurde, dass Sony den Händler eine neue Lieferung von PS5 um 13 Uhr ins Haus lieferte, war ich bereit. Ich wollte nicht das Desaster der ersten Vorbestellungswelle erleben. Schon bei der ersten Vorbestellungswelle kam ich nicht zum Zug. Damals hatten die Marketinggenies von Sony den Verkauf mitten in der Nacht gestartet. Ich war zwar wach, aber nicht so reaktionsschnell, um eine PS5 zu bestellen. Das sollte gestern anders werden.

Mit mehreren Rechnern, iPhone und iPad lag ich auf Lauer, doch ich schaffte es nicht zu bestellen. Zum Teil waren die Server komplett überlastet. Die Karawane zog weiter und ich gratuliere den glücklichen Gamern für ihren Kauf. Von 13 Uhr wurde der Verkauf bei Amazon auf 13:30 Uhr verschoben, aber es war ein Satz mit X.

Playstation 5 mit Laufwerk
Ich wollte übrigens die PS5 inklusive Laufwerk. Die preiswertere Digitaledition brauche ich nicht. Als Fan von Datenträgern nehme ich die PS5 nicht nur als Gamingmaschine, sondern sie soll auch als Abspielgerät für 4K HDH, Bluray, DVD und CD dienen. Damit kann ich meinen Technikturm verkleinern und einige Player aussortieren. Zudem ist unsere Familie ein Fan von gebrauchten Spielen und wir kaufen gerne Spiele im stationären Einzelhandel. Bei der digitalen Edition schaltet Sony diesen Einzelhandel aus und streicht den Verkaufspreis von digitalen Spielen über seinen Store zu 100 Prozent ein. Und wenn ein Spiel nur digital vorliegt, dann kann ich es noch immer laden.
Aber wie heißt es: Hätte, hätte, Fahrradkette – es gab für mich keine PS5 zum Start und es heißt warten. Aber es gibt natürlich schlimmeres, keine PS5 zum Start bekommen zu haben.

Musiktipp: Kraftwerk: Trans Europa Express auf weißem Vinyl

17. November 2020

Bis Corona war ich ein ausgiebiger Nutzer der Deutschen Bahn und legte meine Fahrten grundsätzlich mit der Bahn zurück, weil ich es für sinnvoll halte und den Individualverkehr vermeiden möchte. Und die Musik, die ich beim Bahnfahren im Ohr hatte, war natürlich Kraftwerk mit ihrem Trans Europa Express. Jetzt ist dieses legendäre Album wieder auf Vinyl veröffentlicht worden – in einer Sonderauflage Trans-Europa Express in weißem 180 Gramm Vinyl. Es ist die musikalische Fassung von 2009. Und als Fan musste ich hier zuschlagen und erwarb die deutsche Ausgabe der Schallplatte.

Über den Einfluss auf die Musikwelt muss ich nichts mehr schreiben. Die Band Kraftwerk hat nach eher experimentellen Alben nun 1977 ihre Stil gefunden und die Musik auf den Kopf gestellt. Hip-Hop, Techno und Electronic wären ohne Kraftwerk unmöglich. Ich persönlich verbinde mit Trans Europa Express immer einen Besuch im Cafe Hawelka in Wien. Wie es die Legende will, war Kraftwerk auch einstmals dort und verewigte das Kaffeehaus mit den Zeilen „In Wien sitzen wir im Nachtcafé“.

Nun, ich werde mir einen schöne Tasse Bohnenkaffee machen und dem Trans-Europa Express lauschen und mich an die Fahrten mit der Bahn vor Corona erinnern. Meine Lieblingssongs sind Trans Europa Express, Schaufensterpuppen und Europa Endlos.

Lost Place: Die Glasfabrik in Windischeschenbach

12. November 2020

Die Oberpfalz in Bayern war ein Ort der Porzellan- und Glasfabriken. Beide Industriezweige sind zusammengebrochen und die Stadt Windischeschenbach kann ein Lied davon singen. Am Bahnhof, das Bahnhofsgebäude ist längst geschlossen, sehen wir die leerstehenden Industriedenkmäler vergangener Zeiten – auf der einen Seite der Gleise Porzellan, auf der anderen Seite Glas.

Nachdem mein Zug Richtung Regensburg ausgefallen ist, schaute ich mir eine Stunde die alte Glasfabrik Hofbauer von außen näher an. Das Betreten des Geländes ist ausdrücklich untersagt. Wenn ich mir die Gebäude so ansehe, droht Einsturzgefahr. Schilder weisen darauf hin, dass das Gelände per Video überwacht wird – Kameras hab ich allerdings auf den ersten Blick nicht gesehen, dafür mit einen Anlieger gesprochen, der gerne mal die Polizei ruft.

Seit 1996 liegt das Gelände brach. Insgesamt 127 000 Quadratmeter Altlasten hat die ehemalige Bleikristallfabrik hinterlassen. Einstmals gab die Fabrik Lohn für rund 1000 Familien. Im Zweiten Weltkrieg wurden hier Weck-Gläser hergestellt. Heute verfällt das Gelände und ist eine traurige Industrieruine.

Im Netz fand ich einen Rundgang durch das Fabrikgelände.

Filmkritik: Meteor Man

11. November 2020

Ich bin geprägt von den Superhelden-Filmen meiner Jugend: Superman mit Christopher Reeve, Batman von Tim Burton oder Shadow und der Fluch des Khan. Sie hatten einen gewissen Charme und nahmen sich nicht so ernst. Ganz im Gegensatz zu den neueren Blockbuster-Verfilmungen von Marvel oder DC. Jetzt schaute ich mir Meteor Man aus dem Jahre 1993 an und der Film ließ mich ratlos zurück.

Meteor Man auf Bluray

Der Film Meteor Man ist vor kurzem auf Bluray erschienen und der Verleih überließ mir ein Besprechungsexemplar, vielen Dank. Im Kino hab ich ihn damals nicht wahrgenommen. Meteor Man könnte so viel sein und ist dabei misslungen. Es könnte ein Superhelden-Film sein, dafür ist er aber zu wenig heldenhaft. Es könnte ein Action-Film sein, dafür ist aber zu wenig packend. Es könnte eine Komödie sein, dafür ist der Humor aber zu flach. Es könnte ein Sozialdrama sein, dafür sind aber die Darsteller unpassend. James Earl Jones hat bessere Rollen gehabt und über Bill Cosby will ich gar nichts schreiben. Der Film weiß nicht, was er sein will – das ist sein Problem.

Er lebt vom Charme der 90er Jahre des vergangen Jahrhunderts, das macht für mich den Film aus: Klamotten, Musik, Autos. Freunde dieser Zeit, werden an Meteor Man ihre Freude haben.
Robert Townsend, der bei Meteor Man Regie, Drehbuch, Produktion und Hauptdarstellung übernahm, übernahm sich mit dem Film gehörig. Dabei gehört Robert Townsend zu den Könnern seines Fachs – als Beispiel sei die herausragende Regiearbeit von Die Little Richard Story genannt.

Vielleicht gibt Meteor Man der Black Community etwas und war wichtig für sie, mir hat der Film kaum etwas gegeben.

Die Thermo-Tasse von The Shining

9. November 2020

Wer Shining mag, wird diese Tasse mögen.

Natürlich braucht kein Mensch den Merch-Kram und seien wir mal ehrlich: Wir haben genug Tassen im Schrank. Aber diese Tasse musste ich einfach haben. Es handelt sich um die offizielle Thermo-Tasse zu Stanley Kubricks Horrorklassiker The Shining aus dem Jahre 1980. Naja, eigentlich ist es ein The Shining Großer Thermobecher

Die Tasse ist ziemlich groß.

Vor kurzem hatte der Film seinen 40. Jahrestag seiner Europapremiere und ich durfte ein Webinar zu Shining durchführen. Leider kam diese Tasse erst nach dem Webinar bei mir an.

Was ist also zu sehen? Im Normalzustand ist es eine schwarze XL-Tasse mit roten Blutaufdruck. Füllt man aber eine heiße Flüssigkeit in die Tasse, dann erfolgt der Thermoeffekt. Das Schwarz verschwindet und ein beiger Hintergrund mit Text wird erkennbar. Es sind dort die legendären Zeilen von Jack Torrance zu lesen: „All work and no play makes Jack a dull boy.“
Wir erinnern uns. Diese Zeilen hat Jack Torrance im Overlook-Hotel seitenweise getippt als er dem Wahnsinn verfallen ist. Ich liebe diesen Merch-Kram in Form des The Shining Großen Thermobechers.

Musiktipp: Radio-Aktivität von Kraftwerk in farbigem Vinyl

6. November 2020

So richtig kalt lief es mir den Rücken herunter, als ich den Song Radio-Aktivität live in Essen von Kraftwerk auf der Bühne hörte. Ich stand noch unter dem Schock von Fukushima. Die Atomenergie war am Ende.

Auf dem Live-Album Minimum-Maximum von Kraftwerk lässt sich der Song in voller Wucht genießen. Und daran erinnerte ich mich, als ich mir das Album Radio-Aktivität von Kraftwerk im Oktober 2020 kaufte. Es erschien in farbigen Vinyl und ich erwarb die deutsche Ausgabe der Schallplatte von Radio-Aktivität.

Es war nach Autobahn das zweite Kraftwerk-Album, das in die elektronische Richtung wies. 1975 wurde ausschließlich elektronische Instrumente verwendet und Schlagzeuger Karl Bartos ist zur Band in die Kling-Klang-Studios gestoßen.

Ich hatte einstmals die Schallplatte mit dem Volksempfänger als Cover. Sie wurde später durch das schreiend-gelbe Cover mit dem Warnzeichen für Radioaktivität ausgetauscht. Die Version, die im Oktober 2020 erschien, orientiert sich an der Version des Album von 2009. Meine beiden Lieblingssongs von Radio-Aktivität sind natürlich Radioaktivität und als gelernter Journalist Nachrichten.

Zwei Tage Streaming aus dem Wohnzimmer zur US-Wahl

5. November 2020
Zusammen mit Erich Kornberger von der HSS führte ich ein Streaming-Seminar zur US-Wahl durch.

Eigentlich hätte es ein ganz normales Seminar über die US-Wahl werden sollen, doch Corona machte mir einen Strich durch die Rechnung. Das Präsenzseminar fiel aus, dafür zogen wir eine zweitägige Streaming-Veranstaltung auf. Und was soll ich sagen: Das war ein voller Erfolg.

Die Schicksalswahl in den USA, so hieß der Seminartitel und zusammen mit einem Kollegen stellte ich ein Seminarprogramm für meinen Kunden Hanns-Seidel-Stiftung auf die Beine, das sich sehen lassen konnte. Mehrere Referenten wurden aus den USA, Berlin, Nürnberg und Garmisch zugeschaltet. Als Konferenzsoftware wählten wir Zoom. Am Wahltag waren von 15 bis 0 Uhr rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei, am darauffolgenden Tag waren es noch 35, die den Vorträgen, Interviews, Analysen und Gesprächen lauschten und sich via Chat aktiv beteiligten.

Doris Ortlieb betreute im Hintergrund den Chat. Blickkontakt war wichtig, um sofort auf Fragen zu reagieren.

Aus Platzgründen baute ich mein Streaming-Studio im Wohnzimmer auf, nachdem es in meinem Arbeitszimmer zu beengt gewesen war. Greenscreen, zwei Softboxen und ein Ringlicht baute ich ebenso auf, wie eine 4K-Kamera Logitech Brio sowie aufgrund von Corona mehrere Stehpulte wegen des Abstands. Regelmäßiges Lüften war immer gewährleistet. Hier ein Zeitraffervideo vom Aufbau:

Mein Auftraggeber Erich Kornberger von der HSS kam in mein improvisiertes Heimstudio und überzeugte sich von der digitalen Seminaridee.

Zusammen mit meinem Co-Referenten und der Moderatorin Doris Ortlieb entwickelten wir im Vorfeld ein abwechslungsreiches Seminarprogramm. Es war didaktisch aufgebaut und wechselte zwischen klassischen Vorträgen, Interviews und lockeren Talks. Dazwischen gab es in regelmäßigen Abständen Newsflash-Einschübe, wo wir direkt auf die dpa und US-Medien wie die Analysen hinter der Paywall der New York Times und Washington Post sowie Politico, C-Span und CNN zugriffen und sie den Zuschauerinnen und Zuschauern erläuterten. Wir hatten einen festen Zeitplan aufgebaut, den es strikt einzuhalten galt. Die Studiouhr Divoom Pixoo immer im Blick war ich Moderator, Referent, Talkmaster, Anchorman und Producer zugleich. Es war ein bisschen wie Fernsehen.

Engagiert: Politikwissenschaftler Dr. Charles Weston

Nach der Vorstellung der Kandidatenteams Trump/Pence und Biden/Harris kam die erste Schalte zum Politikwissenschaftler Dr. Charles Weston. Der US-Amerikaner lebt seit langem in Deutschland und beschrieb das für Deutsche ungewohnte US-Wahlsystem mit seinen Wahlmännern. Nicht derjenige Kandidat, der die meisten Stimmen hat, ist der Gewinner, sondern derjenige, der die meisten Wahlmänner hinter sich vereinigt.
Mit deutlichen Worten ging Dr. Josef Braml, renommierter Politikwissenschaftler und US-Experte aus Potsdam, auf die politische Bilanz der vier Jahre Trump-Präsidentschaft ein. Deutschland müsse sich entscheiden, ob man bei den USA oder bei China stehe, egal wie die Wahl ausgeht.

US-Experte Dr. Josef Braml – wie immer provokant und engagiert.

Über das Phänomen Briefwahl referierte ich und schalteten wir in die USA zu Christian Forstner, dem Büroleiter Washington der HSS. Er war gegenüber dem Washington Monument und berichtete live von seinen Eindrücken aus dem US-Wahlkampf. Sehr authentisch und lebhaft stellte er die Arbeit der politischen Stiftung in den USA vor. Ich überbrückte eine halbe Stunde mit politischen Karikaturen über Trump bis Christian Forstner zum Weißen Haus gefahren war. Vor dem abgesicherten Regierungssitz ging er live für uns wieder auf Sendung und schilderte uns seine Eindrücke.

Über die Black Lives Matter-Bewegung und das Geschäftsmodell US-Gefängnis referierte mein Kollege aus Nürnberg und brachte immer wieder per Newsflash aktuelle Zahlen aus der Wahl.

Martin Stein aus Seattle zeigte uns den Wahlschein.

Mein ehemaliger Chefredakteurskollege der MACup und heutige Führungskraft beim KI-Dienstleister definedcrowd Martin Stein berichtete aus Seattle über den Wahlprozess. Martin hat seit zwei Jahren auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und konnte 2020 das erste Mal einen US-Präsidenten wählen.

Ein Würzburger in NYC: Oli Grieb von Olidaytours.

Den Abschluss des ersten Seminarabends machte der New Yorker-Tourguide Oli Grieb. Der gebürtige Würzburger arbeitet mit Olidaytours als Touristenführer in der Stadt, die niemals schläft. Er erzählte uns von seinem heutigen Besuch in New York. Dort wurden Nobelgeschäfte mit Spanplatten aus Sorge vor Randale verbarrikadiert. Oli stellte uns einige Fotos zur Verfügung. Vielen Dank.

Um 0 Uhr war dann Schluss mit unserer Zoom-Übertragung des ersten Tages. Die Technik lief reibungslos, das Netz war stabil. Der Abend endete mit einem Umtrunk und die Anspannung löste sich.

Am Mittwochmorgen ging es um 8 Uhr via Zoom gleich wieder weiter. Das Team hinter und vor der Kamera war gleich, allerdings mit starkem Kaffee nach einer kurzen Nacht ausgerüstet. Nach aktuellen Zahlen gab ich ein paar subjektive Buchtipps zu Trump und stellte die Bücher Zu viel und nie genug von Trumps Nichte Mary L. Trump, die Bücher Wut und Furcht von Reporterlegende Bob Woodward und Feuer und Zorn von Westwing-Insider Michael Wolff vor. Wer sich üble schmutzige Tricks antun will, dem empfahl ich das Buch Die Wahl des Präsidenten: von Dreckschleuder Roger Stone. Tags zuvor verwies ich auch auf die Analyse von André Haller aus den politischen Studien der HSS.

Die Vorträge wurden durch Newsflash-Einblendungen ergänzt.

Christian Forstner meldete sich aus seinem Washingtoner Homeoffíce – für ihn war es 2 Uhr nachts. Die Politikwissenschaftler Dr. Charles Weston und Dr. Josef Braml arbeiteten die neuesten Ergebnisse auf. Alle wiesen auf das gute Abschneiden von Trump hin. Die Wahlprognosen im Vorfeld stimmten auch 2020 nicht. Wie immer bleibt das amerikanische Wahlsystem mit dem Electoral College ein großer Unsicherheitsfaktor in den Prognosen. Die Kandidaten Trump und Biden lieferten sich ein Kopf an Kopf Rennen.

HSS-Vorsitzender Dr. Markus Ferber schaltete sich aus Berlin zu.

Eine besondere Ehre wurde dem Seminar zuteil, als sich der HSS-Vorsitzende und Europaabgeordnete Dr. Markus Ferber aus Berlin via Zoom dazuschaltete. Die HSS werde die Digitalisierung der politischen Bildung aktiv gestalten.

Das Streaming-Seminar zur US-Wahl hat prima geklappt. Hier bin ich im Gespräch mit dem Europaparlamentarier und HSS-Chef Markus Ferber.

Dieses digitale Seminar zur US-Wahl, das spontan aus der Not entstanden war, ist ein Beispiel für diesen Weg. Zugegeben, wir waren stolz über das Lob des Vorsitzenden und auch über die Glückwünsche der Seminarteilnehmer im Chat. Das sind neue Wege der politischen Bildung und ich bin dankbar, dass ich diesen Weg als Referent und Ideengeber mitgehen darf.