Archive for the ‘Familie’ Category

Apples Fitness+ bedrängt Sportvereine und Fitness-Studios

19. September 2021

Konsequent geht Apple den Weg der Digitalisierung und treibt mit Apples Fitness+ den Plattform-Gedanken weiter voran. Das virtuelle Fitness-Studio Apples Fitness+ kommt im Herbst nach Deutschland und wird Fitnessstudios und Sportvereine auf lange Sicht das Leben schwer machen.

In der Pandemie waren Fitnessstudios geschlossen und der Sport spielte sich in den heimischen vier Wänden ab. Auch in unserer Familie wurden abends die Yoga-Matten ausgerollt und via YouTube Übungen geturnt und geschwitzt.

Hier hat Apple auf den kostenpflichten Dienst Fitness+ installiert, der bisher nur in den USA freigeschaltet war. Im Herbst wird dieser Dienst nach Deutschland kommen und arbeitet zudem mit den Apple Produkten iPhone, iPad und Apple TV zusammen. Wir haben in der Pandemie HomeOffice gelernt, warum nicht auch Sport zu Hause – zeitlich und räumlich unabhängig von klassischen Fitness-Studio oder Sportverein.
Da Sport ein Gemeinschaftserlebnis sein kann, hat Apple Fitness+ zum Gruppentraining aufgebohrt. Bis zu 32 Sportbegeisterte können an einem gemeinsamen Training teilnehmen. Das technische Geheimnis des Gruppentrainings basiert auf Share Play. Diese Funktion hat die Apple auf WWDC 2021 für gemeinsames Filme-Schauen vorgestellt. Dies wird nun auf Apple Fitness+ ausgeweitet.

Ich persönlich trainiere in meinem örtlichen Sportverein Qigong zu festgelegten Zeiten. Gerne würde ich flexibler sein und die Übungen auch zu anderen Zeiten mit Freunden durchführen. Leider wird Qigong (noch) nicht bei Apple Fitness+ angeboten. Dennoch interessiere ich mich für andere Angebote wie Yoga oder Ausdauertraining. Die Übungszeiten in meinem Sportverein für diese Sportarten sind ungünstig und daher überlege ich mir eine Teilnahme bei Apple Fitness+. Zudem bin ich künftig vielleicht wieder öfters auf Reisen und könnte mein Workout im Hotel machen.
Die Preise für Deutschland stehen noch nicht fest: In den USA kostet das Abo entweder knapp 8 US-Dollar pro Monat oder rund 80 US-Dollar pro Jahr. Mein Sportverein oder ein Fitnessstudio sind deutlich teuerer. Fitness+ ist bei Apple One mit dabei, bei der Premium-Option für rund 30 US-Dollar pro Monat. Dieses Bundle ist in Deutschland noch nicht verfügbar. Warten wir auf den Herbst.

Toteisloch Wolfsgrube – so bekommt Geografie zum Storytelling

2. September 2021

Warum in die Ferne reisen, wenn das Gute ist so nah? Dies dachten wir uns in diesem Sommer und verzichteten aufgrund von Corona auf In- und Auslandsreisen in den Ferien. Wir erkundeten die nähere Umgebung – darunter auch das Toteisloch Wolfsgrube in Grafrather Ortsteil Wildenroth, im bayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck.
Vor Jahren war ich als Geografiestudent schon mal dort, um mir die Mulde im Boden anzusehen. Nun kam ich wieder.

Zunächst faszinierte mich der Name Wolfsgrube. Mit mir als 100 m Durchmesser und über 20 m Tiefe ist die Wolfsgrube ein eindrucksvolles Toteisloch. Besonders auffällig sind ihre steilen Wände. Sie ist das markante Zeichen der zahlreichen Toteislöcher in der Gegend. Der Überlieferung nach wurde in dieser kesselartigen Hohlform früher als Fanggrube für Wölfe genutzt, daher kam der interessante Name Wolfsgrube.
Die Wolfsgrube bei Wildenroth entstand gegen Ende der letzten Eiszeit am Rand des Isar Loisach-Gletschers. Damals löste sich vom Gletscher ein großer Eisblock ab und wurde als so genanntes Toteis mit Geröll und Geschiebe überschüttet. Als später das Eis schmolz, blieb die steilwandige, kesselartige Hohlform eines Todeislochs zurück.

Und so stand ich am Rand und schaute hinein. Außer einer Mulde gab es nichts zu sehen. Allerdings gibt es eine Erklärungstafel, die den Wanderer über dieses geologische Ereignis aufklärte. Ich weiß noch, als Student haben wir das Loch vermessen. Jetzt schaute ich es mir einfach nur an und dachte an die Geschichte mit den Wölfen. Das ist besseres Storytelling als ein Gletscher vor einigen Jahren.

60 Jahre Mauer – ein Foto aus dem Familienalbum

13. August 2021

Heute erinnern wir uns an die Mauer, die unseren Staat 60 Jahre trennte. Meine Generation hat die Mauer noch erlebt und ich kannte noch den „antifaschistischen Schutzwall“, wie ihn die DDR-Propaganda nannte.
Am 13. August 1961 wurde in Berlin auf Anordnung der DDR-Führung mit dem Bau der Grenzanlagen begonnen. „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“ tönte es noch im Juni 1961 von Lügenmaul Walter Ulbricht und seinen Genossen. Insgesamt wurden zwischen 1961 und 1989 allein an der Berliner Mauer mindestens 140 Menschen getötet. Immer wieder stand ich als Kind, als Jugendlicher und später als junger Erwachsener an dem Schandbau, der so viel Leid gebracht hat. Und ja, die Linke ist die Nachfolgerpartei dieser Mauerverbrecher der SED – das werde ich nicht vergessen. Die Mauer war rund 155 Kilometer lang und umschloss den Westteil Berlins. 45 Kilometer lang verlief die Mauer quer durch die Stadt.
Jedes Mal wenn ich Westberlin besuchte, kletterte ich auf ein Aussichtspodest an der Mauer und blickte in den Osten über die Mauer hinweg. Und mir kamen Gespräche mit meinen Vater in Erinnerung, die noch vor dem Mauerbau die DDR verließ und im Westen sein Glück fand. Aus dem Fotoalbum meines Vaters habe ich ein undatiertes Schwarzweißfoto gefunden: Es lautet Springer Verlag.

Foto Lange


Axel Springer ließ sein Verlagsgebäude als Mahnung direkt an die deutsch-deutsche-Grenze bauen. Das Foto zeigt die Mauer in Berlin mit Stacheldraht und im Hintergrund das Gebäude von Springer. Vater war nie ein guter Fotograf, aber bei diesem Bild stimmt alles: Licht, Stimmung, Perspektive, Bildaufbau.

Ikea liefert den besten Spareribs-Halter VARIERA

12. August 2021

Das schwedische Möbelhaus Ikea hat für mich die ideale Lösung zum Grillen von Spareribs: VARIERA heißt das Teil und es ist in Wahrheit ein Kochdeckelständer. Ich bin ein Ganzjahres-Griller mit meinem Weber-Gasgrill. Und da ich gerne Spareribs esse, spielte ich mit dem Gedanken einen Spareribs-Halter für teuer Geld anzuschaffen.

Mein Kollege Günter Bugar gab mir den Tipp doch einfach mal VARIERA auszuprobieren. Bugar hat die richtige Erfahrung. Er gibt Grillkurse und betreibt einen schönen Insta-Kanal mit Speisen aus seinem Grünen Ei. Und weil ich gerade in Augsburg war, schaute ich bei Ikea vorbei und wurde fündig. VARIERA war zu Hauf vorhanden. Preis rund 5 Euro – also gleich zugegriffen und ausprobiert. Vor dem ersten Einsatz allerdings die Plastikfüße abmachen.

Ikea bewirbt das Teil mit den Worten: „Mit diesem praktischen Halter ist Schluss mit der Sucherei nach dem passsenden Deckel in Schubladen und Schränken. Hier lassen sich alle säuberlich aufstellen und sind entsprechend schnell zur Hand.“ Dabei vergessen die Schweden das Wesentliche: VARIERA ist eine absolut nützliche Grillutensilie. Natürlich hat Ikea VARIERA nicht als Grillzubehör offiziell im Programm, aber das sollten die geschäftstüchtigen Schweden mal überdenken.

Buch- und Kochtipp: Gemüse haltbar machen durch Fermentieren von Dietmar Fiebrandt

6. August 2021

Fermentation ist ein Langzeitprojekt meiner Gattin, angeregt durch den Kochblog von Thomas Gerlach. An kühlen, dunklen Orten im Haus lagern zahlreiche Gläser mit eingelegten Radieschen, Kraut, Kimchi und mehr.

Soeben haben wir ein Glas Radieschen geöffnet, die zehn Tage in der Ecke vor sich hin geblubbert haben – die Fermentation der geschnittenen Kameraden war abgeschlossen. Wir hatten etliche Bund Radieschen auf einmal bekommen und konnten sie nicht alle zeitnah verzehren. Daher wurden die rotweißen Kollegen geputzt und fermentiert, um sie haltbar zu machen.

Nasentest bei den fermentierten Radieschen.

Jetzt kommt der Test, ob es gelungen ist. Behutsam werden Portionen aus dem Glas geholt und wir können uns vom umami-Geschmack überzeugen. Die heftige Schärfe der Radieschen ist verschwunden. Sie schmecken irgendwie nach Sauerkraut, haben einen interessanten Geschmack, eben umami.

umami wird als eine fünfte Dimension des Geschmacks bezeichnet. Klingt cool – es handelt sich um die für viele asiatische Gerichte typische Geschmacksrichtung. Unsere bayerische Küche kennet vier bekannten Geschmacksrichtungen süß, salzig, sauer und bitter. Die findigen Asiaten haben mit umami eine weitere Geschmacksrichtung für unseren Gaumen und das Zeug macht süchtig.

Klarer Buchtipp zum Fermentieren.

Fermentieren ist absolut sinnvoll. Als literarische Handreichung dient uns das Buch Gemüse haltbar machen durch Fermentieren:, das mir der Battenberg gietl Verlag dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat. Das Buch führte uns in diese interessante Welt des Fermentierens ein. Dass dabei das Immunsystem durch gesunde Ernährung gestärkt wird, freut uns zudem. Autor Dietmar Fiebrandt ist Spezialist für Fermentieren und gibt mit diesem Buch sinnvolle Tipps und Tricks für Einsteiger. Anhand von zahlreichen beschreibenden Fotos und erläuternden Texte führt er den Leser in die Welt ein. Bei der Lektüre des Buches riefen wir immer wieder überrascht: „Das kann man auch fermentieren, das ist ja wunderbar.“ Das Wichtigste aber: Das Buch Gemüse haltbar machen durch Fermentieren erklärt nicht nur, es motiviert vor allem. Mit einigen eher ungewöhnlichen Fermentier-Rezepten reizt es zum Experimentieren, zum Ausprobieren, zum Selbermachen.

Es werden nicht nur die Grundlagen erklärt, sondern auch die verschiedenen Anwendungsgebiete der Fermentation bei Sauerteig oder bei Kefir. Rundum: Mir das Buch wirklich etwas gebracht und vor allem, die ganze Familie hat Lust auf Fermentieren.

DIY – Produktion von Wachstafeln für Latein Unterricht

18. Juli 2021

Ich bin als Vater begeistert, was K2 auf die Beine stellt. Es galt für ein Schulprojekt in Latein Schreibtafeln aus Wachs in Do ist yourself herzustellen, wie es auch die alten Römer getan hätten. Als stolzer Papa beobachtete ich, wie K2 systematisch und konzentriert vorgegangen ist.

Zunächst wurden Holzrahmen hergestellt, in denen das Wachs einfließen soll. Das sind dann die späteren Holztafeln. Dazu besorgte sich K2 Sperrholzplatten und schnitt sie unter Lehreraufsicht mit dem schuleigenen Lasercutter zurecht, den der Förderverein der Schule finanziert hat. Die Tafeln haben etwas die Größe eines iPad.

Anschließend besorgte sich K2 einen Block von 2,5 Kilogramm Bienenwachs von einer örtlichen Imkerin. Insgesamt brauchte K2 zwar nur 600 Gramm, aber es war beruhigend Bienenwachs auf Vorrat zu haben falls etwas schief geht. Das übrige Wachs konnte K2 wieder zurückgegeben.

In einem separaten Topf, der bei Ikea erworben wurde, schmolz das Wachs in rund 20 Minuten. Der Geruch von goldenen Bienenwachs ist wunderbar und erfüllte die Küche.

Anschließend den Topf gut abtrocknen und vorsichtig das flüssige heiße Bienenwachs in die Rahmen gießen. Das muss schnell und beherzt gehen, dann das Wachs soll auf einmal trocknen. K2 ist geschickt und so verteilt sich das Wachs gleichmäßig im Rahmen. Ist man mit dem Ergebnis zufrieden, muss die Wachtafel rund sechs Stunden austrocknen und kann kann vorsichtig in die Schule transportiert werden. Holzstifte werden als Schreibgerät verwendet.

Hier noch ein Video, das den gesamten Prozess zeigt.

Der familiäre Update-Frust – bei euch auch?

22. Juni 2021

Kommt es bei euch auch zu Streit wegen Updates? Ich hab ein morgendliches Ritual. Jeden Morgen schau ich, welches Apps am iPhone eine Aktualisierung benötigen und führe sie durch. Andere in der Familie haben die automatische Aktualisierung eingestellt und dort werden Apps im Laufe des Tages aktualisiert.

Mein tägliches Update gib mir heute.

Bei den mobilen Geräten klappt es, schwieriger wird am Mac. Ich habe auf meinen Produktionsrechner noch ein älteres MacOS laufen und Apple mahnt mich Regelmäßig zu aktualisieren – kann ich aber nicht, weil dann die eine oder andere Software nicht mehr läuft. Richtig lässig ist mein Dokumentenscanner, der sich einmal am Tag meldet, dass er aktualisiert werden möchte – nix da: Never change an running System – vor allem bei diesem Scanner.

Der ganze Update-Zirkus wird heftiger, wenn ich meine Mutter besuche. Sie hat ein iPad von mir, um mit der Familie in Corona-Zeiten in Kontakt zu bleiben. Das funktioniert prima, die alte Dame ist mit Facetime und Skype unterwegs. Allerdings verlangt das System und die Apps dann und wann ein Update und dann wieder die Passwörter. Und dann wird Muttern nervös. Meine Kinder, meine Frau und ich sind gefordert.

Hast du schon das Update eingespielt?

Das dies nicht nur meine Familie betrifft, zeigt eine Umfrage von Kaspersky. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Nutzer technischer Geräte in Deutschland sagt, dass Kinder oder ältere Familienmitglieder bei der Installation von Updates Unterstützung benötigen. Die regelmäßigen Software-Aktualisierungen führen dabei jedoch auch immer wieder zu Konflikten: Mehr als ein Drittel (35 Prozent) hatte schon einmal Meinungsverschiedenheiten mit einem Familienmitglied hinsichtlich der Notwendigkeit und Häufigkeit der Durchführung von Updates.

Elektronische Geräte sind aus dem Leben aller Altersgruppen nicht mehr wegzudenken. Kinder nutzen sie vor allem für Games und mediale Inhalte, Erwachsene, um den Kontakt mit Freunden und der Familie zu halten. Die dafür genutzten Geräte sollten deshalb stets auf dem aktuellen Stand sein, damit die Leistung nicht nachlässt, etwaige Sicherheitslücken geschlossen werden und damit das gesamte IT-Sicherheitsniveau hoch bleibt.

Die Installation von Updates ist dennoch auch unter den in Deutschland Befragten alles andere als beliebt: 33 Prozent der Erwachsenen empfinden die Aktualisierungen als eine frustrierende und lästige Tätigkeit. Dennoch kümmern sich 77 Prozent der Studienteilnehmer, ob Single oder mit Familienanschluss, selbst um die Updates der im Haushalt vorhandenen Geräte. Bei 10 Prozent übernimmt diese Aufgabe der jeweilige Partner, bei 3 Prozent sind es die Kinder und 10 Prozent der Befragten sagen, dass bei ihnen jedes Familienmitglied selbstständig die Verantwortung für den aktuellen Stand der eigenen Geräte trägt.

In meinen Seminaren stelle ich eine ähnliche Problematik fest. Viele Teilnehmer scheuen sich vor dem Update. Gerade Android-Nutzer wissen nicht, wie sie ihr jeweiligen Betriebssystem aktualisieren. Und ich habe immer wieder Teilnehmer in Seminaren, die noch mit Windows 98 und dem Internet Explorer unterwegs sind. Das macht mich dann doch nervös.

Erster Todestag meines Vaters

8. Mai 2021

Um 4.11 Uhr verstarb vor einem Jahr mein Vater und seitdem hat sich in meinem Leben so viel geändert. Ich vermisse meinen Papa jeden Tag. Er ist immer präsent, obwohl er körperlich nicht mehr da ist. Ich denke oft an ihn, ich spreche oft mit ihm.

Sohn und Vater im Gespräch – schon länger her.

Meine Verantwortung für die Familie ist durch seinen Tod gestiegen. Zusammen mit meiner Frau mussten wir uns durch Unmengen von Papierkram schlagen, weil es meine Mutter einfach nicht mehr kann. Ich musste mein Leben neu organisieren, weil ich mich um Sachen kümmern musste und muss, die eigentlich mein Vater immer erledigt hatte. Das ist nun meine Aufgabe. Das ist schwer und ich bin dankbar, dass ich meine Frau an meiner Seite habe. Sie hilft mir unglaublich viel.
Da meine Mutter krank ist und in Corona-Zeiten nicht mehr alles im Alltag leisten kann, muss ich als einziger Sohn ihr zur Seite stehen. Ich will nicht klagen. Es ist der Lauf der Dinge, aber es wird mir immer wieder bewusst, dass es nun an mir liegt.
Die Stunden vor seinem Tod waren meine Frau und ich bei ihm am Sterbebett und ich hoffe, er hat bemerkt, dass wir ihn in den schweren letzten Stunden Trost spenden wollten. Trost durch Streicheln, Worte, Singen. Ich bin den Ärzten der Herzklinik dankbar, dass wir trotz Corona-Maßnahmen 2020 bei ihm sein durften. Nein, mein Vater ist nicht an oder wegen Corona verstorben. Sie informierten uns mitten in der Nacht und wir eilten zu ihm.

Keine Ahnung, ob der Tod für ihn eine Erlösung war. Ich hätte gerne noch Jahre mit ihm gehabt, aber es war uns nicht vergönnt. Der Körper war schwach und wurde schwächer, so dass eine OP notwendig war. Aber der Körper konnte nicht mehr und starb. Ich erinnere mich, dass wir nach seinem Tod das Fenster in seinem Zimmer kippten. Ich weiß nicht, warum wir das taten. Wir hörten das Singen eines Vogels, der den Morgen des 8. Mai begrüßte. Das war ein unheimlich schönes Geräusch, so natürlich, so positiv, so bejahend. Die Medizintechnik im Zimmer war abgeschaltet und wir hörten nur noch das Singen des Vogels. Ich glaube, es war eine Amsel, die ihr Lied sang. Immer wenn ich morgens durch Vogelgezwitscher wach werde, erinnere ich mich an diesen Moment als der Schmerz aus meines Vaters Körper wich und er seine Ruhe fand.

Viel geregelt hatte mein Vater nicht, aber er hatte eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht unterschrieben. Ich kann nur an jeden appellieren, dies sofort zu regeln. Ohne diese Papiere wird der Tod in Deutschland für die Erben zur bürokratischen Qual.
Unsere Familie hat Verfügungen, Testament, digitales und materielles Erbe geklärt und ich habe auch meine Wünsche meines eigenen Begräbnisses festgelegt. Das war eine rationale Lehre, die ich zog. Die emotionale Lehre war, dass unser Leben lebenswert ist.

Mein persönlicher Jahresrückblick 2020

31. Dezember 2020

Ich denke, ich muss nichts mehr schreiben: 2020 war ein Desaster, privat und geschäftlich. Und trotz der schlechten Situation gab es bei mir Weichenstellungen in eine hoffentlich optimistischere Zukunft.
Der drastische Einschnitt des Jahres war der Tod meines Vaters am 8. Mai. Er starb nicht an Corona. Zusammen mit meiner Frau war ich in der Stunde seines Todes im Krankenhaus an seinem Bett mit dabei. Um 4.11 Uhr verstarb er. Die Erinnerungen kommen immer wieder hoch. Er fehlt uns allen sehr und sein Tod hat mein Jahr geprägt. Seine Beerdigung fand unter strengen Corona-Auflagen im ersten Lockdown mit wenigen Trauergästen statt.

Bloggen aus dem Dorf im Lockdown
In der Phase des ersten Lockdowns ging ich mit meinem Blog redaktion42 auf die sublokale Ebene. An 45 Tagen berichtete ich aufeinanderfolgend über mein Dorf in dem ich wohne und wie die Bewohner mit Corona umgingen. Ich machte das, was ich einstmals gelernt hatte: Klassischen Tageszeitungsjournalismus im Blogformat mit Texte, Fotos und Videos. Die Resonanz war überwältigend. Jeden Tag um 7 Uhr stellte ich einen neuen Blogpost online. Verbreitet wurde er auch über die örtliche Facebookgruppe mit rund 2000 Mitgliedern. Es war ein riesiger Erfolg: Die Zugriffe explodierten und ich wurde beim Einkaufen, beim Bäcker, beim Tanken und beim Spazierengehen auf den Blog angesprochen. Ich werde aus den Posts noch ein eBook machen und es kostenlos zum Herunterladen anbieten, quasi eine Zweitverwertung. Mein Vorhaben war, Corona aus der Sicht einer kleinen Gemeinde westlich von München darzustellen und ich wollte auch ein bisschen die örtlichen Lokalzeitungen ärgern. Ich wollte ihnen zeigen, was Blogs im Lokalen ausrichten können. Als der Blog richtig Fahrt aufgenommen hat, verstarb mein Vater und ich hatte erst mal den Nachlass zu ordnen.

Mein Eindruck war: Im ersten Lockdown zogen wir alle an einem Strang, waren rücksichtsvoll und ausgeglichen. Im zweiten Lockdown ist meines Erachtens nicht soviel davon geblieben. Egoismus ist allerorts anzutreffen. Mal sehen, vielleicht nehme ich den sublokalen Blog im dritten Lockdown wieder auf, der wohl kommen wird.

Neue Geschäftsmodelle gefragt
Mit Corona brach ein Teil meines Geschäftsmodells zusammen. Ich war bis Corona dreimal die Woche in Deutschland an Schulen mit dem Thema Medienkompetenz unterwegs. Hinzu kamen Wochenend-Seminare und Abendveranstaltungen in Bayern. Das alles brach weg. Eigentlich wollte ich im Sommer das zehnjährige Bestehen meines Unternehmens redaktion42 mit einer fetten Party feiern. Daraus wurde nichts.

Ich packte im März meine Reisekoffer aus und hängte alles in den Schrank. Soforthilfe oder ähnliches gab es für mich nicht. Neidvoll schau ich auf Lufthansa, Automobilindustrie oder die Tourismus-Industrie.
Wie heißt es, in der Krise liegt die Chance. Ich tastete mich mit Online-Schulungen vor. Ein guter Kunde, die Hanns-Seidel-Stiftung, entpuppte sich als agiler Bildungsanbieter und ließ ihren festangestellten Referenten freie Hand. So entwarfen wir Woche für Woche neue Konzepte für Seminarmodelle, probierten Software wie Zoom, GotoWebinar oder Jitsi aus. Ich eignete mir eine digitale Didaktik an, investierte größere Summen in Studiotechnik wie Kameras, Greenscreen, Videomischer, Beleuchtung, Mikros und mehr. Höhepunkt war sicher ein Zwei-Tages-Streaming aus dem Wohnzimmer zur US-Wahl.

Experimente mit Greenscreen.

Ich wurde gebucht und durfte einige Bildungsanbieter in Bezug auf Online-Schulungen schulen. Leider gibt es noch zuviele schlechte Webinare da draußen, Webcam und PowerPoint reichen nicht. Die finanziellen Verluste der Präsensseminare wurden natürlich nicht durch die Einnahmen der Online-Schulungen aufgefangen, aber ich kam mit einem blauen Auge davon. Es ist klar: Der Weg der Digitalisierung lässt sich nicht mehr zurückdrehen und das ist gut so.

Neues Hobby und neuer Blog
Durch Corona hatte ich mehr Zeit. Während andere Leute diese Zeit nutzten und neue Sprachen lernten oder Netflix leer schauten, entdeckte ich für mich ein neues Hobby: Golfen

Zusammen mit meiner Frau und K2 machten wir einen Platzreifekurs auf der Golfanlage in Rottbach. Ich habe im Golfen eine neue Art der Freizeitbeschäftigung gefunden: Es ist enorm anstrengend, ich bin an der frischen Luft und es kostet gewaltige Konzentration. Es ist eine Symbiose aus mentaler und körperlicher Beanspruchung, die es in sich hat. Ich war fast jeden Tag auf dem Golfplatz und ich rief meinen Golfblog Golffieber42 ins Leben, der sich gut entwickelt. Golf ist ein prima Hobby für mich, trotz den doofen Sprüchen aus dem Bekanntenkreis.

Und ich entdeckte das Fahrradfahren (wieder). Da Reisen dieses Jahr 2020 nicht möglich waren, machten wir Urlaub zu Hause im Garten (oder auf dem Golfplatz). Genau rechtzeitig wurde bei uns ein neuer, sehr schöner Radweg mit Namen Räuber-Kneißl eröffnet.

Familie gefestigt
Durch Corona hat sich unser Familienleben verändert. Die Gattin war und ist durch ihren Job voll eingespannt und kommt kaum zum Durchschnaufen. Sie kann ins Büro radeln oder zu Fuß laufen und ist dort die meiste Zeit am Telefon, in virtuellen Konferenzen oder beantwortet Mails und ich unterstütze meine Frau wo ich nur konnte. Zusammen stellten wir eine geniale Aktion auf die Beine.

Das Internet lief zu Hause heiß: Die Kinder hatten Teams-Konferenzen, versuchten mit Mebis zu arbeiten, um Home-Schooling zu bewerkstelligen. Insgesamt ist es eine Schande, wenn ich die Digitalisierung in der Schule sehe. Und es ist eine noch größere Schande, weil ich mit diesem Thema seit Jahren an den Schulen unterwegs bin und vertröstet werde.

Auf jeden Fall kochten wir täglich alle zusammen und verbrachten viel Zeit miteinander. Da wir uns an die Kontaktbeschränkungen hielten, bekamen wir kaum Besuch. Mit meiner Mutter konferierte die Familie via FaceTime. Ich bin dankbar, dass meine Mutter mein abgeschriebenes iPad verwenden kann und es auch nutzt. Digitalisierung ist auch für die ältere Generation kein Fremdwort.

Mitte Parsifal und rechts Atari – ganz links bin ich.

Im Sommer verstarb ein geliebtes Haustier: Sinatra unser alter treuer Wellensittich. Nun ist Dr. Watson alleine und steht mit seinem Käfig bei uns im Wohnzimmer und piept in jeder familiären Unterhaltung mit. Die Familienkonferenz entschied, dass kein weiterer Sittich angeschafft wird, dafür aber zwei junge Kater. Wir bekamen sie von der vorbildlichen Tierauffangstation in Maisach. Die beiden Kater hießen dort Rocky und Mailo, aber wir taufen die Herrschaften um in Parsifal und Atari um. Egal welchen Namen die tragen, so richtig folgen sie auf keinen. Meine Frau wurde zugegebenermaßen bei der Namensvergabe etwas überrumpelt. Parsifal kommt von Richard Wagners letzter Oper und Atari von meiner ersten Videospielkonsole Atari 2600. Seitdem toben die Herrschaften in der Hütte und wir haben die neuen Rabauken lieben gelernt. Die Entscheidung für Parsifal und Atari war eine richtige Wahl zum Wohle aller.

Riga samt Heinz Erhardt
Eigentlich war ich beruflich viel auf Achse, aber aufgrund Corona kam alles zum Erliegen. Zusammen mit meiner Frau machte ich zu Jahresbeginn eine einwöchige Reise nach Riga, der Hauptstadt Lettland. Ich hab von dort ausführlich gebloggt und ich habe es vor allem genossen. Ich war früher schon mal in der Stadt und konnte meiner Frau ein bisschen was zeigen. Organisiert hat die Reise eine Freundin und Arbeitskollegin und eigentlich wollten wir 2021 wieder mit ihr ins Baltikum. Daraus wird zumindest 2021 nichts, aber ich zehre von der Riga-Fahrt noch immer mit vielen Erinnerungen und Eindrücken. Und ich habe Heinz Erhardt wieder für mich entdeckt, der in Riga aufwuchs.

John Williams – mein einziges Konzert
Und der musikalische Höhepunkt des ganzen Jahres und darüber hinaus war das Weihnachtsgeschenk 2019 meiner Frau: Ich bekam eine Karte für das John Williams Konzert im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Ich war so gerührt, dass wir noch für die ganze Familie Karten besorgten. Finanziell war es schon ambitioniert, aber wir alle genossen Wien und den wichtigsten lebenden Filmkomponisten, der mit den Wiener Philharmonikern und Anne-Sophie Mutter spielte.

Ich kann nur sagen: Es war mir eine Ehre bei so einem Ereignis dabei zu sein. Die ganze Familie war total aus dem Häuschen. Es war zudem das erste Konzert, bei dem ich dabei war, was auch als CD und Bluray herauskam – ich bin im Film sogar mal zu sehen, kurz, aber immerhin. Für 2020 hatte ich noch weitere Konzertkarten zu Elton John und Yes, aber die musikalischen Ereignisse wurden erst mal verschoben. Ich hoffe, dass wir die Künstler noch mal sehen können und wir nicht auf den teuren Tickets sitzen bleiben.

Vinyl lebt
Also bleibt nichts anderes übrig, als Musik von der Konserve oder via Stream zu hören. Ich machte mir dafür selbst ein Geschenk. Seit Jahren spielte ich mit dem Gedanken mir wieder einen Schallplattenspieler anzuschaffen. Ich hab zwar Modelle von Dual und Technics, aber ich als Retro-Liebhaber wollte ich mir eine besondere Freude machen: Einen Braun PT4 in weiß.

Und ein neuer Player will neues Futter haben. Zum Glück erschien der Gesamtkatalog von Kraftwerk in farbigen Vinyl. Und ich höre auf dem Schallplattenspieler meist abends bei einem Glas Rotwein Jazz-Platten und lasse mich treiben.


Meist lese ich in einem Filmbuch um abzuschalten, aber wirklich gefesselt hat mich 2020 wieder und wieder die Geschichte „die Maske des Roten Todes“ von meinem Lieblingsautor Edgar Allan Poe, die da endet: „And Darkness and Decay and the Red Death held illimitable dominion over all“. („Und unbeschränkt herrschte über alles mit Finsternis und Verwesung der Rote Tod.“) Mehr gibt es über 2020 nicht zu schreiben.

Ich wünsche euch einen guten Rutsch und bleibt gesund.

Musiktipp: Kraftwerk – Autobahn in farbigem Vinyl

29. Oktober 2020

Was war das Lied, das ich mit meinen Eltern gesungen habe, als wir in den Sommerurlaub fuhren? Richtig geraten. Wir sangen die legendären Zeilen: „Wir fahren, fahren, fahren auf der Autobahn. Wir fahren, fahren, fahren auf der Autobahn. Vor uns liegt ein weites Tal. Die Sonne scheint mit Glitzerstrahl.“

Autobahn in Blau

Das Album hieß Autobahn von Kraftwerk und dieses Werk veränderte alles. Hörte ich bis dahin als Kind Rock und Pop, veränderte Kraftwerk meine Sicht auf die Welt. Als 1974 das Album Autobahn erschien, war ich noch zu klein. Ich hab es wohl zu Beginn der Achtziger Jahre gehört und genossen. Autobahn war das vierte Album der Band, die zuvor eher im Experimentalbereich und Krautrock angesiedelt war. Mit Autobahn fand Kraftwerk seine Richtung und stürmte die Hitparaden auch außerhalb Deutschlands. Der monoton-repetitive Aufbau der Songs faszinierte mich ungemein und noch heute summe ich die legendären Zeilen, wenn ich mit meiner Familie auf der Autobahn unterwegs bin.

Daher musste ich mir die limierte Auflage in farbigen Vinyl einfach kaufen, die im Oktober 2020 auf den Markt kam.