Wer München abseits von Marienplatz, Viktualienmarkt und Hofbräuhaus entdecken möchte, sollte einen Blick in die Ledererstraße werfen. Dort steht mit dem Zerwirkgewölbe eines der ältesten erhaltenen Bauwerke der Stadt – und zugleich ein Stück Münchner Geschichte, das viele Einheimische kaum kennen. Das Gebäude stammt aus dem späten 13. Jahrhundert und gilt als das zweitälteste Bauwerk Münchens. Damit ist es rund 750 Jahre alt und älter als viele der bekannten Sehenswürdigkeiten der Altstadt. Ich bin enttäuscht, dass dieses Gebäude verfällt. Es ist doch für mich ein historisches Juwel.
Seinen ungewöhnlichen Namen verdankt das Zerwirkgewölbe seiner früheren Nutzung. Hier wurde einst das bei herzoglichen Jagden erlegte Wild zerlegt und verarbeitet. „Zerwirken“ ist ein alter Begriff aus der Jägersprache und bedeutet so viel wie fachgerechtes Zerlegen von Wildbret. Im Laufe der Jahrhunderte diente das Gebäude unter anderem als herzogliches Falkenhaus, gehörte zeitweise zum Hofbräuhaus und beherbergte später eine Wildmetzgerei. Meine Eltern haben wir noch von der Metzgerei erzählt.
Besonders sehenswert sind die historischen Fresken an der Fassade. Sie zeigen Jagdszenen und erinnern an die ursprüngliche Nutzung des Hauses. Wer aufmerksam durch die schmale Gasse schlendert, entdeckt hier ein mittelalterliches München, das sich zwischen den touristischen Hotspots beinahe versteckt.
Das Zerwirkgewölbe war über die Jahrzehnte nicht nur Metzgerei und Gastronomiebetrieb, sondern auch Kultur- und Ausgehort. In den 1990er- und 2000er-Jahren waren dort unter anderem Studiobühnen des Gärtnerplatztheaters und der Theaterakademie untergebracht. Später zog der Hip-Hop-Club Crux ein, in dem bis in die 2010er-Jahre getanzt und gefeiert wurde. Das war nie meine Musik und daher war mir der Club unbekannt. Anschließend befanden sich dort verschiedene Gastronomiebetriebe wie die Spezlwirtschaft und das Restaurant Fedora.
Heute steht das denkmalgeschützte Gebäude vor einer ungewissen Zukunft. Nach sieben Jahren des Leerstands wird über Sanierung und neue Nutzungskonzepte diskutiert. Gerade deshalb lohnt sich ein Besuch: Das Zerwirkgewölbe ist nicht nur ein beeindruckendes Zeugnis der Stadtgeschichte, sondern auch ein Ort, an dem sich Vergangenheit und Zukunft Münchens auf besondere Weise begegnen.
Bedarf mehr besteht. Eine Machbarkeitsstudie kam allerdings zu dem Ergebnis, dass nach einer umfangreichen Sanierung verschiedene Nutzungen denkbar wären: Wohnen, Büros, Gewerbe oder Kultur. Bayerns Bauminister Christian Bernreiter hatte dabei betont, dass nicht die maximale Gewinnerzielung im Vordergrund stehen solle. Ziel sei vielmehr, diesen historischen Ort wieder öffentlich zugänglich zu machen und mit einer angemessenen Nutzung zu beleben.
Das Problem: Bislang gibt es noch kein konkretes Nachnutzungskonzept. Noch im Juli 2026 teilte die Immobilien Freistaat Bayern mit, dass Sondierungen und Gespräche mit potenziellen Interessenten liefen. Zugleich hängt der Umfang der notwendigen Sanierung stark davon ab, was später in dem Gebäude stattfinden soll. Substanzerhaltende Arbeiten werden nach Angaben des Freistaats bereits vorgenommen.
Politisch ist ein Verkauf durchaus umstritten. In München gibt es Forderungen, das Zerwirkgewölbe in öffentlicher Hand zu behalten und beispielsweise für kulturelle, soziale oder gemeinwohlorientierte Zwecke zu nutzen. Auch ein Erwerb durch die Stadt wurde ins Gespräch gebracht.
Interessant ist deshalb vor allem, was nicht feststeht: Es gibt derzeit weder einen beschlossenen neuen Gastronomiebetrieb noch ein Museum, Kulturzentrum oder Wohnprojekt. Die früher einmal diskutierte Idee eines „Mini-Hofbräuhauses“ ist ebenfalls nicht die aktuelle Planung.
Die Friedensglocke im Werksviertel-Mitte in München ist ein öffentliches Symbol für Frieden, Freiheit, Toleranz und das Einstehen für eine demokratische Werteordnung. Sie befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Pfanni-Industrieareals am Münchner Ostbahnhof, das sich heute als lebendiges Stadtquartier zwischen Kultur, Arbeit und Wohnen präsentiert. Bei einer Exkursion des Münchner Presseclubs war die Friedensglocke das Ende Veranstaltung.
Entstehung und Einweihung Eingeweiht wurde die Friedensglocke am 2. Oktober 2021 anlässlich der bayerischen Langen Nacht der Demokratie. Die Initiative zur Anschaffung und Aufstellung ging aus einer Kooperation mehrerer Stiftungen und Institutionen hervor: Stiftung Otto Eckart, Wertebündnis Bayern, Bell Amani Friedensstiftung und St. Korbinian Stiftung Gegossen wurde die Bronzeglocke von der traditionsreichen Glockengießerei Anton Gugg im niederbayerischen Straubing, deren Familienhandwerk auf eine über 500-jährige Geschichte zurückgeht.
Gestaltung und Integration im Quartier Die Glocke ist freihängend im Werksviertel-Mitte installiert. Um ihre Visibilität auch in den Abend- und Nachtstunden zu unterstreichen, wurde sie mit einem speziellen Lichtkonzept versehen: Ein kreisrunder, leuchtender Ring sowie dezent ausgerichtete Mikrospots heben die Bronzeoberfläche hervor und verleihen dem Objekt eine prägnante optische Präsenz im öffentlichen Raum.
Symbolik und Nutzung im Zeitverlauf Obwohl die Glocke primär als dauerhaftes Denkmal für ein friedliches Miteinander konzipiert wurde, erhielt sie durch weltpolitische Ereignisse rasch eine aktive Rolle im Münchner Stadtleben.
Tägliches Läuten für den Frieden Nach dem Beginn des verbrecherischen russischen Angriffskrieges auf die Ukraine im Februar 2022 riefen die Initiatoren zu einer täglichen Läute-Aktion auf. Seit März 2022 erklingt die Glocke jeden Tag um 12:00 Uhr als unüberhörbares Zeichen der Solidarität und des Wunsches nach Frieden.
Mitmach-Aktionen Um die Glocke herum finden regelmäßig gesellschaftliche Aktionen statt, wie etwa das Aufstellen gebastelter Papier-Mohnblumen als Mahnmal gegen Krieg und Unterdrückung. Das Werksviertel-Mitte führt damit seine Tradition fort, Kunst-, Kultur- und Partizipationsprojekte im öffentlichen Raum zu verankern und gesellschaftlich relevante Themen mitten in den Alltag von Anwohnern und Besuchern zu tragen.
Die Friedensglocke im Werksviertel-Mitte ist weit mehr als ein Kunstobjekt – sie ist ein sichtbares Zeichen für Verständigung, Dialog und ein friedliches Miteinander. In dem ehemaligen Industrieareal am Münchner Ostbahnhof, das sich in den vergangenen Jahren zu einem lebendigen Quartier für Kultur, Kreativität und Innovation entwickelt hat, setzt die Glocke einen bewusst ruhigen Gegenpol zum geschäftigen Treiben. Das Werksviertel-Mitte versteht sich als Ort der Begegnung, an dem Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenkommen. Die Friedensglocke fügt sich deshalb auf besondere Weise in die Philosophie des Quartiers ein.
Die Glocke entstand im Rahmen eines interkulturellen Kinder- und Jugendprojekts der Bell Amani Stiftung. Dabei beschäftigten sich junge Menschen mit den Themen Frieden, Konfliktlösung und gegenseitiger Respekt. Die Friedensglocke steht sinnbildlich für die Hoffnung, dass Verständigung nicht erst auf politischer Ebene beginnt, sondern bereits im täglichen Miteinander – in Schulen, Familien, Nachbarschaften und Stadtvierteln. Erstmals wurde sie im Werksviertel-Mitte im Rahmen der „Langen Nacht der Demokratie“ aufgestellt und machte dort auf eindrucksvolle Weise deutlich, wie Kunst und gesellschaftliches Engagement miteinander verbunden werden können.
Gerade das Werksviertel-Mitte bietet für dieses Symbol den passenden Rahmen. Wo früher Kartoffelprodukte hergestellt wurden und später das legendäre Nachtleben des Kunstparks Ost und der Kultfabrik pulsierte, entstand ein modernes Stadtquartier, das Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeit miteinander verbindet. Zwischen moderner Architektur, Street Art, Musik, Gastronomie und innovativen Unternehmen erinnert die Friedensglocke daran, dass eine lebenswerte Stadt nicht allein durch Gebäude entsteht, sondern vor allem durch die Werte ihrer Menschen.
Die Friedensglocke lädt Besucher dazu ein, für einen Moment innezuhalten. Ihr Klang steht symbolisch für Versöhnung, Hoffnung und den Wunsch nach einer Welt, in der Konflikte durch Gespräche statt durch Gewalt gelöst werden. Damit ist sie nicht nur ein Kunstwerk im öffentlichen Raum, sondern auch ein Ort des Nachdenkens – über Frieden, Demokratie und die Verantwortung jedes Einzelnen für ein respektvolles Zusammenleben. In einem Quartier, das Wandel und Zukunft wie kaum ein anderer Ort in München verkörpert, erinnert die Friedensglocke daran, dass echter Fortschritt immer auch von Menschlichkeit begleitet sein sollte.
Marilyn Monroe gehört zu den bekanntesten Gesichtern der Filmgeschichte. Kaum eine andere Schauspielerin wurde so oft fotografiert, porträtiert und interpretiert wie sie. Doch nur wenige Aufnahmen vermitteln einen so unmittelbaren und persönlichen Eindruck von Norma Jeane Baker, der Frau hinter dem Weltstar, wie jene Fotografien, die derzeit in der Kunsthalle Kloster Banz in Bad Staffelstein zu sehen sind. Kloster Banz wird von der Hanns-Seidel-Stiftung betrieben. Die Sonderausstellung „Marilyn 100“, die anlässlich ihres 100. Geburtstags entstanden ist, verzichtet bewusst auf den bekannten Glamour der Filmstudios und eröffnet stattdessen einen außergewöhnlich intimen Blick auf eine Frau, deren Leben bis heute von Mythen umgeben ist.
Bereits der Ausstellungsort verleiht der Präsentation eine besondere Atmosphäre. Die historischen Mauern des ehemaligen Benediktinerklosters Banz bilden einen spannenden Kontrast zur schillernden Popkultur Hollywoods. Zwischen barocker Architektur und moderner Ausstellungsgestaltung entsteht ein Raum der Ruhe, der den Besucher dazu einlädt, Marilyn Monroe nicht als unerreichbare Leinwandgöttin, sondern als Menschen kennenzulernen.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen 432 bislang unveröffentlichte Fotografien des renommierten LIFE-Magazin-Fotografen Allan Grant. Sie entstanden im Juli 1962 während des letzten großen Interviews mit Marilyn Monroe in ihrem Privathaus in Los Angeles – nur wenige Wochen vor ihrem frühen Tod. Jahrzehntelang blieben diese Aufnahmen im Familienarchiv Grants verborgen. Erst 2025 wurden sie gemeinsam mit rund vier Stunden Original-Tonmaterial wiederentdeckt und wissenschaftlich aufgearbeitet. Nun werden sie erstmals in diesem Umfang der Öffentlichkeit präsentiert.
Gerade diese Fotografien machen den außergewöhnlichen Wert der Ausstellung aus. Grant zeigt Marilyn nicht im Rampenlicht eines Filmsets oder auf einem roten Teppich. Seine Kamera begleitet sie in ihrer vertrauten Umgebung. Sie sitzt entspannt auf einem Sofa, blickt nachdenklich aus dem Fenster, lacht ungezwungen oder wirkt für einen Moment völlig in Gedanken versunken. Es sind Bilder ohne große Inszenierung, geprägt von natürlichem Licht und einer bemerkenswerten Nähe zwischen Fotograf und Porträtierter.
Viele Fotografien wirken fast dokumentarisch. Sie zeigen eine Frau, die sich ihrer Berühmtheit bewusst ist, gleichzeitig aber den Wunsch nach einem normalen Leben erkennen lässt. Der Blick der Kamera ist respektvoll und zurückhaltend. Gerade dadurch entstehen Momente großer Authentizität. Die berühmte Marilyn Monroe erscheint hier nicht als perfektes Hollywood-Produkt, sondern als verletzlicher Mensch mit Hoffnungen, Zweifeln und einer bemerkenswerten Intelligenz.
Besonders eindrucksvoll ist die Kombination aus den Fotografien und den erstmals öffentlich zugänglichen Tonaufnahmen des Interviews. Während die Besucher die Bilder betrachten, entsteht durch Marilyns eigene Stimme eine zusätzliche emotionale Ebene. Man hört ihre Gedanken, ihre Unsicherheiten, aber auch ihren Humor und ihre Selbstreflexion. Dadurch gewinnt jede Fotografie eine neue Tiefe. Die Ausstellung zeigt nicht nur ihr Gesicht, sondern vermittelt auch ihre Persönlichkeit. Genau diese Verbindung von Bild und Ton macht „Marilyn 100“ zu weit mehr als einer klassischen Fotoausstellung.
Kurator Stephan Zipfel beschreibt die Ausstellung als einen Blick auf Marilyn Monroe „frei vom Filter Hollywoods“. Tatsächlich gelingt genau das. Die Fotografien verzichten auf jede Überhöhung. Statt der ewigen Sexikone begegnet den Besuchern eine Frau, die in ihrem eigenen Zuhause für wenige Stunden einfach sie selbst sein durfte. Diese Authentizität verleiht den Bildern ihre außergewöhnliche Kraft.
Ergänzt werden die historischen Fotografien durch Werke des amerikanischen Pop-Art-Künstlers James Francis Gill, der bereits Anfang der 1960er-Jahre Marilyn Monroe zu einem zentralen Motiv seiner Kunst machte. Gemeinsam mit Andy Warhol trug Gill entscheidend dazu bei, Marilyn nach ihrem Tod zur Ikone der Pop-Art werden zu lassen. Für die Ausstellung schuf der heute über 90-jährige Künstler eigens ein neues „Marilyn Triptych“, das unmittelbar von Allan Grants Fotografien inspiriert wurde. Seine Werke schlagen eine faszinierende Brücke zwischen dokumentarischer Realität und künstlerischer Interpretation. Während Grants Kamera den Menschen zeigt, verwandelt Gill dieselbe Persönlichkeit in ein zeitloses Symbol der Popkultur.
Gerade dieser Dialog zwischen Fotografie und Kunst macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus. Die Besucher erleben zunächst den echten Menschen und anschließend die mediale Ikone, zu der Marilyn Monroe nach ihrem Tod wurde. So wird eindrucksvoll sichtbar, wie sich Erinnerung, Kunst und öffentliche Wahrnehmung gegenseitig beeinflussen.
Dabei verzichtet „Marilyn 100“ weitgehend auf spektakuläre Effekte. Die Fotografien sprechen für sich selbst. Viele Besucher dürften überrascht sein, wie still und nachdenklich zahlreiche Motive wirken. Statt Glamour dominieren leise Gesten, feine Gesichtsausdrücke und kleine Alltagsszenen. Gerade diese Zurückhaltung macht die emotionale Wirkung der Ausstellung aus.
„Marilyn 100“ ist deshalb weit mehr als eine Hommage an einen Filmstar. Die Ausstellung erzählt von Ruhm und Einsamkeit, von öffentlicher Verehrung und privater Verletzlichkeit. Sie erinnert daran, dass hinter jedem Mythos ein Mensch steht – mit Stärken, Schwächen und Sehnsüchten.
Die Kunsthalle Kloster Banz ist mit dieser außergewöhnlichen Präsentation Teil eines internationalen Ausstellungsprogramms, das Stationen in Europa und Nordamerika umfasst. Dennoch besitzt die Schau in Oberfranken ihren ganz eigenen Charakter. Die Verbindung aus den historischen Fotografien Allan Grants, den eindrucksvollen Original-Tonaufnahmen und den Pop-Art-Werken James Francis Gills macht „Marilyn 100“ zu einer der persönlichsten und berührendsten Ausstellungen über Marilyn Monroe, die bislang in Deutschland zu sehen waren. Sie lädt dazu ein, den Blick von der Legende zu lösen – und einer Frau zu begegnen, deren Ausstrahlung auch mehr als sechs Jahrzehnte nach ihrem Tod nichts von ihrer Faszination verloren hat. Die Ausstellung ist noch bis zum 9. August 2026 in der Kunsthalle Kloster Banz zu sehen.
Das Werksviertel Mitte am Münchner Ostbahnhof gehört zu den spannendsten Stadtentwicklungsprojekten Deutschlands. Kaum ein anderes Quartier verbindet Industriegeschichte, Kultur, Architektur, Nachhaltigkeit und urbanes Leben so konsequent miteinander. Grund für den PresseClub München das Gelände zu besichtigen. Die Führung hatte Isabell Zacharias inne.
Wo einst über Jahrzehnte Kartoffelprodukte der Firma Pfanni produziert wurden, ist heute ein lebendiges Stadtviertel entstanden, das Arbeiten, Wohnen, Freizeit, Kunst, Gastronomie und Innovation auf einzigartige Weise miteinander verknüpft. Die Vergangenheit bleibt dabei bewusst sichtbar: Zahlreiche historische Gebäude wurden nicht abgerissen, sondern behutsam saniert und einer neuen Nutzung zugeführt. Aus ehemaligen Lagerhallen wurden Theater, Kletterhallen, Büros, Restaurants und Veranstaltungsorte. Diese Mischung aus industriellem Erbe und moderner Architektur verleiht dem Werksviertel seinen unverwechselbaren Charakter. Hier ein Video vom Rundgang:
Zur besonderen Atmosphäre trägt auch die bewegte Geschichte des Geländes bei. Nachdem die Pfanni-Produktion Mitte der 1990er Jahre endete, entwickelte sich das Areal zunächst als Kunstpark Ost und später als Kultfabrik zu einem der bekanntesten Ausgehviertel Europas. Clubs, Ateliers, Künstler und Kreative prägten über viele Jahre das Bild des Viertels. Statt diesen Geist mit einer klassischen Neubebauung zu verdrängen, griffen die Planer viele Elemente dieser Zeit bewusst auf. Das heutige Werksviertel Mitte versteht sich deshalb nicht als sterile Neubausiedlung, sondern als urbanes Quartier mit Geschichte, kultureller Vielfalt und einer bewusst gewollten Offenheit für neue Ideen.
Besucher erleben heute eine außergewöhnliche Mischung aus Kunst im öffentlichen Raum, modernen Bürogebäuden, Hotels, Restaurants, Konzert- und Veranstaltungsflächen sowie Freizeitangeboten wie dem weithin sichtbaren Umadum-Riesenrad. Gleichzeitig setzt das Quartier auf nachhaltige Mobilität, innovative Energiekonzepte und flexible Nutzungsmöglichkeiten. Das Leitbild lautet dabei nicht kurzfristige Rendite, sondern ein Stadtviertel zu schaffen, das auch für kommende Generationen lebenswert bleibt. Die Betreiber sprechen in diesem Zusammenhang von einem „urenkeltauglichen“ Quartier – einem Ort, der wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Werksviertel-Mitte Stiftung. Sie geht auf die 1996 von Otto Eckart gegründete Stiftung Otto Eckart zurück, die nach dem Verkauf des Familienunternehmens Pfanni ins Leben gerufen wurde. Seit rund drei Jahrzehnten begleitet sie die Entwicklung des Quartiers und fördert Projekte in den Bereichen Bildung, Kinder- und Jugendhilfe, Kunst, Kultur, Umweltschutz und internationale Verständigung. Im Jahr 2026 wurde die Stiftung zur Werksviertel-Mitte Stiftung weiterentwickelt, um ihre Rolle als ideelle Trägerin und Impulsgeberin des Quartiers noch stärker auszubauen.
Die Stiftung versteht sich dabei nicht nur als Förderinstitution, sondern als Mitgestalterin des gesamten Quartiers. Sie organisiert Veranstaltungen wie den Nachhaltigkeitstag „Day of Hope“, das Kinder- und Jugendfestival „JuKi“, unterstützt inklusive Kulturprojekte und betreibt mit dem Kartoffelmuseum sowie dem Pfanni-Museum Einrichtungen, die die Geschichte des Geländes lebendig halten. Gleichzeitig betreut sie weitere gemeinnützige Stiftungen und setzt sich dafür ein, dass wirtschaftliche Entwicklung stets mit gesellschaftlichem Nutzen verbunden bleibt.
Gerade diese Verbindung aus Geschichte, Kreativität, wirtschaftlicher Dynamik und sozialem Engagement macht die Faszination des Werksviertel Mitte aus. Es ist weit mehr als ein modernes Stadtquartier. Es ist ein Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft miteinander verschmelzen, an dem kulturelle Vielfalt ausdrücklich gewünscht ist und an dem Nachhaltigkeit nicht als Schlagwort verstanden wird, sondern als Leitidee für Architektur, Stadtentwicklung und das tägliche Leben. Das Werksviertel Mitte zeigt eindrucksvoll, wie aus einem ehemaligen Industrieareal ein lebendiger Stadtraum entstehen kann, der Menschen zusammenbringt und gleichzeitig neue Maßstäbe für eine nachhaltige Quartiersentwicklung setzt.
Die Ausstellung „Introducing Johnny Depp“ in der Kunsthalle Kloster Banz war schon durch ihren Ort ein ungewöhnliches Ereignis: In den historischen Räumen des ehemaligen Benediktinerklosters, das heute als Bildungs- und Begegnungszentrum der Hanns-Seidel-Stiftung genutzt wird, traf oberfränkische Klosterkultur auf internationale Pop- und Kunstwelt. Wo sonst politische Bildung, Tagungen und Begegnungen stattfinden, öffnete sich ein Raum für eine andere Seite eines weltbekannten Schauspielers. Johnny Depp ist den meisten Menschen als Filmstar, Musiker und exzentrische Künstlerpersönlichkeit vertraut; in Kloster Banz aber stand nicht der Hollywood-Mythos im Vordergrund, sondern der bildende Künstler Depp. Die Kunsthalle zeigte unter dem Titel „Introducing Johnny Depp“ originale Arbeiten und signierte Editionen. Depp war leider nicht vor Ort, obwohl er im August mit den Hollywood Vampires in Nürnberg weilt.
Gerade diese Spannung macht den Reiz der Ausstellung aus. Johnny Depp kommt nicht als Schauspielerfigur nach Oberfranken, sondern über seine Bilder. Viele Jahre lang soll er seine künstlerischen Arbeiten nur im privaten Umfeld gezeigt haben, bevor er sich 2022 mit der Kollektion „Friends & Heroes“ erstmals öffentlich als bildender Künstler präsentierte. Darin setzte er sich mit Menschen auseinander, die ihn geprägt haben, mit kulturellen Ikonen ebenso wie mit persönlichen Bezugspunkten. In Kloster Banz wird diese künstlerische Seite nun einem bayerischen Publikum zugänglich gemacht. Nach Angaben zur Ausstellung bietet sich dort erstmals in Bayern die Möglichkeit, originale signierte Arbeiten von Johnny Depp zu sehen und auch zu erwerben. 
Zu sehen sind laut Berichten rund 30 Werke des 62-Jährigen, darunter Selbstporträts und Arbeiten aus verschiedenen Werkzusammenhängen. Besonders die unter dem Motto „Reflections“ stehenden Selbstporträts geben der Ausstellung eine sehr persönliche Note. Sie zeigen Depp nicht als glatt inszenierten Star, sondern als jemanden, der sich mit dem eigenen Bild, dem eigenen Zustand und der eigenen Veränderung auseinandersetzt. Seine Porträts wirken dabei weniger wie klassische Prominentenkunst, die nur vom bekannten Namen lebt, sondern wie Versuche, über Farbe, Gesicht, Blick und Geste einen inneren Zustand sichtbar zu machen. Depp nutzt die Porträtmalerei, wie es in der Ausstellungseinordnung heißt, als Mittel, um die menschliche Natur zu beobachten; seine Selbstporträts seien oft in mehreren Anläufen entstanden, um einen sich wandelnden Zustand festzuhalten. Als Dylan-Fan interessierte mich natürlich das Porträt des Musikers, aber rund 10.000 Euro hatte ich dann doch nicht dabei. 
Interessant ist auch, wie gut diese Arbeiten in die Atmosphäre von Kloster Banz passen. Der Ort liegt nicht neutral und anonym im Raum, sondern bringt Geschichte, Würde und eine gewisse Stille mit. Die barocke Klosteranlage über dem Maintal ist kein weißer Großstadt-Kubus, sondern ein historisch aufgeladener Ort. Dadurch entsteht ein besonderer Kontrast: Auf der einen Seite steht der weltberühmte Schauspieler, der durch Filmfiguren wie Captain Jack Sparrow, Edward mit den Scherenhänden oder den verrückten Hutmacher längst Teil der Popkultur geworden ist. Auf der anderen Seite stehen die Klostermauern, die Bildungsarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung und eine Umgebung, die eher Konzentration als Starkult nahelegt. Genau daraus gewinnt die Ausstellung ihre besondere Wirkung. Sie entschleunigt den Blick auf Johnny Depp und zwingt den Besucher, hinter die bekannte Maske des Stars zu schauen.
Die Ausstellung ist dabei auch ein Ereignis für die Region. Dass ein Hollywood-Star mit seinen Kunstwerken in Oberfranken präsent ist, sorgt verständlicherweise für Aufmerksamkeit. Berichte sprechen von großem Interesse und Andrang rund um die Präsentation. Für die noch junge Kunsthalle Kloster Banz ist „Introducing Johnny Depp“ damit ein deutlicher Schritt in Richtung überregionaler Wahrnehmung. Hinter der Ausstellung stehen die Queens Kunstgalerien; das Kloster selbst befindet sich seit 1978 im Eigentum der Hanns-Seidel-Stiftung und wird als Tagungsstätte genutzt. 
Neben den Arbeiten von Johnny Depp verdienen auch die dort gezeigten Bilder von SAXA besondere Aufmerksamkeit. SAXA, mit bürgerlichem Namen Dr. Sascha Lehmann, ist für seine besondere Form der Wortmalerei bekannt. Ich habe mir ein signierten Druck mit der Nummer 42 von Captain Jack Sparrow gekauft. SAXA malt seine Bilder nicht im klassischen Sinn, sondern „schreibt“ sie: Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort entstehen Porträts und Bildflächen, in denen Text und Bild untrennbar miteinander verbunden sind. Die Queens Kunstgalerien beschreiben diese Kunst als Wechselverhältnis von Bild und Text, das eine besondere Spannung erzeugt. 
Gerade im Umfeld einer Johnny-Depp-Ausstellung sind SAXAs Werke mehr als nur eine Ergänzung. Sie öffnen einen zweiten Zugang zum Thema Persönlichkeit, Porträt und öffentlicher Mythos. Während Depp in seinen eigenen Bildern mit Farbe, Gestus und Selbstbeobachtung arbeitet, nähert sich SAXA seinen Motiven über Sprache. Seine Kunst fordert den zweiten Blick: Aus der Entfernung erkennt man ein Bild, aus der Nähe erschließt sich die Schrift. Dadurch entsteht ein reizvoller Dialog zwischen Sehen und Lesen, zwischen Oberfläche und Bedeutung. Bei einem Künstler wie Johnny Depp, dessen öffentliches Bild stark von Rollen, Zitaten, Schlagzeilen und Erzählungen geprägt ist, passt diese Form der Wortmalerei besonders gut. SAXA zeigt, dass ein Porträt nicht nur aus Linien, Farben und Schatten bestehen muss, sondern auch aus Sprache, Erinnerung und Interpretation.
So gewinnt die Ausstellung in Kloster Banz eine zusätzliche Ebene. Sie ist nicht nur eine Schau über einen berühmten Schauspieler, der malt. Sie ist auch eine Begegnung mit der Frage, wie Bilder von Menschen entstehen: durch Selbstbetrachtung, durch Fremdwahrnehmung, durch Medien, durch Texte, durch Fans, durch Rollen und durch die Geschichten, die sich um eine Person legen. Johnny Depp ist dafür ein besonders spannendes Beispiel, weil sein öffentliches Bild über Jahrzehnte gewachsen ist und immer wieder zwischen Faszination, Exzentrik, Verletzlichkeit und Kontroverse schwankte. Die Kunstwerke in Kloster Banz erlauben einen ruhigeren Blick darauf. Sie laden nicht zum schnellen Urteil ein, sondern zur Betrachtung.
Gerade deshalb war „Introducing Johnny Depp“ eine Ausstellung, die über den bloßen Promi-Faktor hinausgeht. Natürlich zieht der Name Johnny Depp Besucher an. Natürlich ist die Neugier groß, wenn ein Weltstar seine Bilder in Oberfranken zeigt. Aber wer sich auf die Werke einlässt, entdeckt mehr als eine Randnotiz aus der Karriere eines Schauspielers. Man sieht einen Künstler, der sich mit Porträt, Identität und Erinnerung beschäftigt; man erlebt einen historischen Ort, der diese Arbeiten aus dem Lärm der Popkultur herausholt; und man begegnet mit SAXA einem Künstler, der auf ganz eigene Weise zeigt, wie eng Bild und Sprache miteinander verbunden sein können. So wurde Kloster Banz für die Dauer der Ausstellung zu einem Ort, an dem Hollywood, Kunstmarkt, regionale Kultur und persönliche Ausdrucksformen auf bemerkenswerte Weise zusammenkommen.
Die GEDOK feiert 2026 ihren 100. Geburtstag – und damit ein Jahrhundert Einsatz für Künstlerinnen, Sichtbarkeit und kulturelle Teilhabe. Ich hatte über den PresseClub München eine Einladung zur Vernissage an die politische Akademie Tutzing, um einen Eindruck von der Vereinigung zu bekommen.
Gegründet wurde die Vereinigung 1926 in Hamburg von der Mäzenin und Frauenrechtlerin Ida Dehmel. Ihr Anliegen war damals ebenso einfach wie notwendig: Künstlerinnen sollten nicht länger am Rand des Kulturbetriebs stehen, sondern eigene Netzwerke, Ausstellungsräume, Fördermöglichkeiten und öffentliche Anerkennung erhalten. Aus dieser Idee entstand ein Verband, der bis heute spartenübergreifend arbeitet und Künstlerinnen aus Bildender Kunst, Angewandter Kunst, Literatur, Musik, Film, Fotografie, Darstellender Kunst und interdisziplinären Bereichen verbindet. 
Zum Jubiläum rückt die GEDOK München ihre Geschichte und Gegenwart unter das Leitmotiv „Sichtbar. Verknüpft. Frei.“. Diese drei Begriffe beschreiben sehr treffend, wofür die Vereinigung seit 100 Jahren steht: Sichtbarkeit für künstlerische Arbeit von Frauen, Vernetzung über Sparten und Generationen hinweg sowie die Freiheit, eigene Themen, Formen und Haltungen zu entwickeln. In einer Kunstwelt, in der Frauen lange weniger präsent waren als ihre männlichen Kollegen, war und ist die GEDOK ein wichtiger Ort der Ermutigung und Professionalisierung. 
Ein besonderer Beitrag zum Jubiläumsjahr ist die Ausstellung „Freiheit“ in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing. 20 Künstlerinnen der GEDOK München zeigen dort Arbeiten, die sich mit unterschiedlichen Facetten von Freiheit auseinandersetzen. Dabei geht es nicht nur um politische Freiheit, sondern auch um Kunstfreiheit, innere Freiheit, persönliche Selbstbestimmung und die Frage, wie frei künstlerisches Arbeiten heute tatsächlich sein kann. Die Ausstellung ist von Mai 2026 bis Mai 2027 im Erdgeschoss der Akademie zu sehen; der Eintritt ist frei. 
Der Ort ist dabei gut gewählt. Die Akademie für Politische Bildung in Tutzing ist ein Haus des Dialogs, der gesellschaftlichen Debatte und der demokratischen Bildung. Wenn dort Kunst unter dem Titel „Freiheit“ gezeigt wird, entsteht eine Verbindung zwischen ästhetischem Ausdruck und politischem Denken. Die Werke der Künstlerinnen laden dazu ein, über Freiheit nicht abstrakt zu sprechen, sondern sie sinnlich, visuell und emotional zu erfahren. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen erhält eine solche Ausstellung zusätzliches Gewicht: Kunst kann Räume öffnen, in denen Widerspruch, Vielfalt und persönliche Perspektiven sichtbar werden.
Die GEDOK-Ausstellung in Tutzing knüpft zudem an eine lange Zusammenarbeit zwischen der Künstlerinnenvereinigung und der Akademie an. Seit vielen Jahren präsentieren Künstlerinnen der GEDOK München dort regelmäßig ihre Arbeiten. Die Jahresausstellungen haben sich zu einem festen Bestandteil des Kulturprogramms entwickelt. 2025/26 stand die Schau unter dem Titel „Perspektiven Wechsel“, 2026/27 folgt nun mit „Freiheit“ ein Thema, das besonders gut zum Jubiläum passt. 
Die Geschichte der GEDOK ist allerdings nicht nur eine Erfolgsgeschichte, sondern auch eine Geschichte von Brüchen. Die Gründerin Ida Dehmel wurde während der NS-Zeit wegen ihrer jüdischen Herkunft aus der Organisation gedrängt; 1942 nahm sie sich angesichts der Verfolgung durch das nationalsozialistische Regime das Leben. Nach dem Zweiten Weltkrieg formierte sich die GEDOK neu und setzte ihren Auftrag fort: Künstlerinnen zu fördern, ihnen Öffentlichkeit zu verschaffen und ihre Interessen kulturpolitisch zu vertreten. 
Heute wirkt die GEDOK lebendig und zeitgemäß. Ihr Jubiläum ist kein rückwärtsgewandter Festakt, sondern ein Anlass, nach vorne zu schauen. Was bedeutet künstlerische Freiheit heute? Welche Stimmen werden gehört, welche übersehen? Wie können Netzwerke Künstlerinnen stärken, ohne sie auf ihr Geschlecht zu reduzieren? Und welche Rolle spielt Kunst in einer demokratischen Gesellschaft?
Die Ausstellung „Freiheit“ in Tutzing gibt darauf keine einfachen Antworten. Sie versammelt unterschiedliche künstlerische Positionen, Materialien und Denkansätze. Gerade diese Vielfalt macht ihren Reiz aus. Sie zeigt die GEDOK als das, was sie seit 100 Jahren sein will: ein Netzwerk, ein Resonanzraum und eine Bühne für Künstlerinnen, die ihre Sicht auf die Welt selbstbewusst formulieren.
Für mich sehr interessant war das Werk von Cornelia Hesse. Sie wurde 1976 in Wolfratshausen geboren und war zunächst als Juristin tätig, bevor sie sich nach mehreren Jahren im Staatsdienst vollständig der Kunst zuwandte. Seit 2014 arbeitet sie intensiv an Malerei, Zeichnung und Plastik, bildet sich an freien Kunstakademien fort. Die Reihe „Walk on Air“ entstand 2022 als Folge großformatiger Leinwände in Mischtechnik, etwa in Form dreiteiliger Arbeiten im Format 100 x 80 Zentimeter. Hesse beschreibt ihre Großform-Arbeiten als spontan und absichtslos: schlaglichtartige innere Eindrücke, die sie mit unterschiedlichen Techniken auf Papier oder Leinwand bringt – „Walk on Air“ steht dabei sinnbildlich für einen Moment des Schwebens zwischen Bodenhaftung und Aufbruch. In den „Walk on Air“-Bildern überlagern sich gestisch-expressive Malerei und drucktechnische Elemente, die aus bearbeiteten Fotografien entwickelt werden. So entstehen vielschichtige Bildräume, in denen Fragilität und Energie, Zufall und Struktur miteinander in Spannung stehen und das Motiv des „Gehen auf Luft“ als innere Haltung erfahrbar machen.
Das Seniorenkino im Scala in Fürstenfeldbruck ist weit mehr als nur ein zusätzliches Filmangebot für ältere Menschen. Mit seinen vier Vorstellungen im Jahr hat sich die Veranstaltungsreihe längst zu einem wichtigen kulturellen und sozialen Treffpunkt entwickelt, der vielen Seniorinnen und Senioren Lebensqualität, Gemeinschaft und Teilhabe ermöglicht. Gerade in einer Zeit, in der Einsamkeit im Alter zunehmend zu einem gesellschaftlichen Problem wird, erfüllt das Seniorenkino eine Aufgabe, die weit über den eigentlichen Kinofilm hinausgeht.
Rund 200 Seniorinnen und Senioren kamen ins Scala Kino, um gemeinsam den Film Sole mio anzusehen. Die Veranstaltung des Seniorenbeirats der Stadt Fürstenfeldbruck nutzte Oberbürgermeister Christian Götz zugleich, um sich vor Ort über die Arbeit des Gremiums, dessen Angebote für ältere Bürgerinnen und Bürger und die Arbeit des Scala-Kinos zu informieren.
Am Rande der Veranstaltung tauschte sich der Oberbürgermeister mit Scala-Geschäftsführer Markus Schmölz über die Bedeutung des Kinos als kulturellen Treffpunkt im Fürstenfeldbrucker Westen aus. Dabei dankte Götz dem Kinobetreiber ausdrücklich für dessen langjähriges Engagement und sicherte auch künftig Unterstützung für das Scala Kino zu. Erste Ideen wurden schon ausgetauscht. 
„Das Scala ist seit vielen Jahren weit mehr als nur ein Kino. Es ist ein wichtiger kultureller und sozialer Treffpunkt für die Menschen im Westen der Stadt“, betonte Oberbürgermeister Christian Götz.
Auch Markus Schmölz zeigte sich erfreut über den Besuch des Oberbürgermeisters und den Austausch mit dem Seniorenbeirat: „Wir freuen uns sehr über die Wertschätzung und Unterstützung durch die Stadt. Das Scala steht immer für weitere Gespräche und Kooperationen offen – gerade wenn es darum geht, Menschen zusammenzubringen und kulturelle Angebote für alle Generationen zu schaffen.“
Denn für viele Besucherinnen und Besucher ist der Nachmittag im Scala nicht einfach ein Kinobesuch. Er ist Anlass, das Haus zu verlassen, Bekannte zu treffen, gemeinsam zu lachen, Erinnerungen auszutauschen und am öffentlichen Leben teilzunehmen. Das Kino wird so zu einem Ort der Begegnung. Besonders ältere Menschen, die alleine leben oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, erleben solche Veranstaltungen oft als wertvolle Abwechslung im Alltag. Die vertraute Atmosphäre des Scala, die persönliche Ansprache und die bewusst ausgewählten Filme schaffen dabei ein Gefühl von Geborgenheit und Zugehörigkeit.
Hinzu kommt die kulturelle Bedeutung. Kino ist Erinnerung, Emotion und gemeinsames Erleben. Viele Seniorinnen und Senioren verbinden mit dem Kino noch die große Zeit der Lichtspielhäuser, als ein Filmabend etwas Besonderes war. Das Seniorenkino knüpft genau an dieses Lebensgefühl an. Es bewahrt ein Stück Kinokultur, die heute vielerorts verloren gegangen ist. Während Streamingdienste Filme immer stärker zum individuellen Konsum auf dem heimischen Sofa machen, bietet das Scala weiterhin das gemeinschaftliche Erlebnis im dunklen Saal – mit gemeinsamem Lachen, Mitfiebern und Nachdenken.
Die vier Vorstellungen im Jahr mögen auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, doch gerade ihre Regelmäßigkeit macht sie wichtig. Sie setzen feste kulturelle Höhepunkte im Jahreslauf und geben vielen Besucherinnen und Besuchern Orientierung und Vorfreude. Oft entstehen daraus Gespräche, Verabredungen und soziale Kontakte, die weit über den Kinonachmittag hinausreichen.
Nicht zuletzt zeigt das Seniorenkino auch, welche Rolle ein Programmkino heute für eine Stadt wie Fürstenfeldbruck spielen kann. Das Scala ist eben nicht nur ein Ort für Blockbuster und Unterhaltung, sondern auch ein kultureller Raum mit gesellschaftlicher Verantwortung. Es schafft Angebote für Generationen, die im schnelllebigen Kulturbetrieb oft übersehen werden. Gerade deshalb ist das Seniorenkino ein wichtiges Zeichen für gelebte Teilhabe und Wertschätzung älterer Menschen.
In einer alternden Gesellschaft werden solche Angebote künftig noch bedeutender werden. Das Seniorenkino im Scala beweist schon heute, dass Kultur nicht nur Unterhaltung ist, sondern auch Nähe, Gemeinschaft und ein Stück Lebensfreude.
Der Welttag des Buches ist ein internationaler Aktionstag, der jedes Jahr am 23. April begangen wird. Er wurde von der UNESCO 1995 als „World Book and Copyright Day“ eingeführt und soll an die besondere Bedeutung von Büchern, Lesen, Autoren sowie des Urheberrechts erinnern.
Auch ich bin ein Buch-Fan zum Leidwesen meiner Frau, weil wir einfach zu viele Bücher haben und wöchentlich werden es mehr. Im Moment lese ich gerade das neue lesenswerte Buch von meinem Freund Tim Pröse: Doch noch ein neuer Tag.
Zudem widme ich dem Thema Lesen unter anderem mit meinem monatlichen Podcasts Seitensprung aus der Gemeindebücherei Maisach. Hier die ersten beiden Folgen. Im Mai geht es weiter.
Im Kern geht es darum, das Buch nicht nur als gedruckten Gegenstand zu feiern, sondern als kulturelles Medium, das Wissen weitergibt, Fantasie weckt und Menschen über Generationen, Sprachen und Länder hinweg miteinander verbindet. Die UNESCO beschreibt Bücher dabei ausdrücklich als eine Brücke zwischen Kulturen und Generationen.
Dass ausgerechnet der 23. April gewählt wurde, hat einen starken symbolischen Hintergrund. Das Datum gilt in der Weltliteratur als besonders bedeutend, weil es mit den Namen Miguel de Cervantes, William Shakespeare und Inca Garcilaso de la Vega verbunden ist. Deshalb entschied sich die UNESCO bewusst für diesen Tag, um Bücher und ihre Autorinnen und Autoren weltweit zu würdigen. Der Welttag des Buches ist damit nicht nur ein Lesefest, sondern auch ein kulturelles Signal: Literatur soll als Teil des gemeinsamen Menschheitserbes sichtbar gemacht werden.
Inhaltlich verfolgt der Welttag des Buches mehrere Ziele zugleich. Er soll die Freude am Lesen fördern, den Zugang zu Büchern verbessern und auf die Bedeutung von Bildung, Sprache und Lesekompetenz aufmerksam machen. Zugleich gehört auch das Urheberrecht ausdrücklich dazu. Das ist kein Nebenaspekt, sondern Teil der Grundidee: Wer Bücher feiert, soll auch die geistige Arbeit schützen, die hinter ihnen steht. Die UNESCO verbindet den Aktionstag deshalb mit größeren Themen wie kultureller Vielfalt, Kreativität, Mehrsprachigkeit und fairem Zugang zu Wissen. Bücher erscheinen hier nicht nur als Unterhaltungsmedium, sondern als Grundlage demokratischer Bildung und kultureller Teilhabe. Ich habe bei der langen Nacht der Bibliotheken einen Vortrag gehalten zum Thema Name der Rose
Weltweit wird der Tag mit sehr unterschiedlichen Aktionen begangen. Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken, Schulen, Kulturinstitutionen und Autorenverbände veranstalten rund um den 23. April Lesungen, Bücherfeste, Schulaktionen, Ausstellungen und Diskussionen. Die UNESCO weist außerdem darauf hin, dass jedes Jahr eine Welthauptstadt des Buches ausgewählt wird. Für 2026 ist Rabat diese UNESCO-Welthauptstadt des Buches; 2027 folgt Medellín. Damit soll die Idee des Welttags über einen einzelnen Kalendertag hinaus verlängert und in einer Stadt ein ganzjähriges Programm zur Leseförderung und Buchkultur angestoßen werden.
In Deutschland hat der Welttag des Buches einen besonders starken Platz in der Leseförderung. Auf der offiziellen deutschen Aktionsseite wird der 23. April als großes Lesefest mit vielfältigen Veranstaltungen beschrieben. Besonders bekannt ist die Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“, bei der Schulklassen Buchgutscheine erhalten und Kinder in großer Zahl ein eigenes Buch bekommen. Nach Angaben der Organisatorinnen und Organisatoren wurden 2025 erneut über 1,1 Millionen Schulkinder erreicht, beteiligt waren rund 49.400 Schulklassen und etwa 3.000 Buchhandlungen. Daran sieht man sehr deutlich, dass der Welttag des Buches in Deutschland nicht nur symbolisch begangen wird, sondern ganz praktisch Kindern Lust aufs Lesen machen soll. Seine eigentliche Bedeutung entfaltet der Welttag des Buches aber vor allem auf einer tieferen kulturellen Ebene. Bücher eröffnen neue Perspektiven, sie bewahren Erfahrungen, sie schaffen Orientierung und ermöglichen es, andere Lebenswelten kennenzulernen. In einer Zeit, in der Informationen oft schnell, flüchtig und stark verkürzt verbreitet werden, steht der Welttag des Buches auch für eine Gegenidee: für Konzentration, vertieftes Verstehen und die Bereitschaft, sich auf längere Gedankenwege einzulassen. Gerade deshalb ist der Tag bis heute aktuell. Er erinnert daran, dass Lesen nicht bloß eine private Freizeitbeschäftigung ist, sondern eine Schlüsselkompetenz für Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und kulturelles Verständnis.
So ist der Welttag des Buches am Ende weit mehr als ein Kalenderdatum für Literaturfreunde. Er ist ein weltweiter Appell, Bücher als kulturellen Reichtum ernst zu nehmen, Lesen zu fördern und den Zugang zu Wissen offen zu halten. Wer an diesem Tag ein Buch verschenkt, eine Lesung besucht, mit Kindern liest oder selbst wieder einmal bewusst zu einem Roman, Sachbuch oder Gedichtband greift, beteiligt sich an genau dieser Idee. Der Welttag des Buches feiert also nicht nur das Buch selbst, sondern auch das, was Bücher in Gesellschaften möglich machen: Bildung, Erinnerung, Empathie und Freiheit des Denkens.
Mit großem Werbeaufwand startete der Verkauf des neuen Asterix-Bandes. Die sozialen Medien waren voll mit Postings von lesenden Fans. Auch ich habe mitgemacht und mich als Fan der ersten Stunde auf die Abendteuer der Gallier gefreut. Mit „Asterix in Lusitanien“ legen Autor Fabcaro und Zeichner Didier Conrad den mittlerweile 41. Band der Kultserie vor – ein neues Kapitel in einem der langlebigsten Erfolgsmodelle der europäischen Comicgeschichte.
Diesmal verschlägt es unsere gallischen Helden erstmals auf die Iberische Halbinsel, ins antike Lusitanien, das heutige Portugal. Damit greifen die Macher ein bewährtes Konzept wieder auf: das Reiseabenteuer mit exotischer Kulisse und reichlich Raum für sprachliche sowie kulturelle Spielereien.
Die Handlung folgt der klassischen Asterix-Struktur. Asterix und Obelix werden in die Ferne entsandt, um einem befreundeten Stamm beizustehen, der sich gegen die römische Besatzung zur Wehr setzt. Der dramaturgische Aufbau – Auftrag, Konflikte, lokale Verbündete, römische Widersacher und das unvermeidliche Happy End – erinnert an viele Vorgängerbände. Alles schon einmal gelesen. Fabcaro erzählt routiniert, ohne das Erfolgsrezept grundlegend neu zu mischen. Sein Text ist solide gearbeitet, bleibt aber inhaltlich konventionell; Überraschungen sind rar, erzählerische Tiefe ebenfalls. Das ist schade.
Humoristisch orientiert sich der Band stark am Originalgeist der Reihe. Wortspiele, Anachronismen und subtile Anspielungen auf zeitgenössische Themen bestimmen das Tempo, wobei Fabcaro mehr auf Fülle statt Schärfe setzt. Die vertrauten Running Gags – Obelix’ Appetit auf Wildschwein, die Hinkelstein-Liebe, die schlagkräftigen Römerprügel – sind selbstverständlich wieder dabei. Auch wenn der Humor stellenweise vorhersehbar erscheint, sorgen Tempo und Sprachwitz für anhaltende Lesefreude beim Fan, der vieles verzeiht.
Zeichnerisch beweist Didier Conrad einmal mehr seine Nähe zum Stil Uderzos, ohne diesen lediglich zu imitieren. Die Figuren wirken vertraut, die Szenerien lebendig und ausdrucksstark. Besonders die portugiesische Kulisse überzeugt: sonnengetränkte Städte, typische Pflastermuster und maritime Motive verleihen dem Album einen frischen Ton innerhalb der Serie. Farblich und atmosphärisch zählt „Asterix in Lusitanien“ zu den ansprechendsten neueren Bänden – detailreich, handwerklich sauber und mit spürbarer Freude an der Umgebungsgestaltung.
Doch leider: Inhaltlich schöpft das Album nicht das volle Potenzial seines Schauplatzes aus. Zwar werden regionale Eigenheiten und kulturelle Klischees humorvoll eingebaut, doch bleibt die Umsetzung oft an der Oberfläche. Der römische Gegenspieler ist kaum mehr als eine Karikatur, und die Konflikte verlaufen nach bekanntem Muster. Angedeutete gesellschaftliche oder historische Bezüge – etwa zur portugiesischen Identität oder kolonialen Vergangenheit – bleiben unausgeführt.
Unterm Strich liefert der 41. Band genau das, was wir langjährige Leser erwarten: solide Unterhaltung mit viel Nostalgie und dem vertrauten Rhythmus aus Aktion, Witz und Wortspiel. Die Serie beweist damit ihre erstaunliche Langlebigkeit, auch wenn sie künstlerisch vorsichtiger denn je wirkt. „Asterix in Lusitanien“ ist kein Meilenstein, aber einer der stärkeren Bände der Nach-Uderzo-Ära – farbenfroh, charmant und mit sicherer Hand erzählt. Für Fans ein Vergnügen, für Neueinsteiger ein zugänglicher, gut gelaunter Einstieg in die Welt der unbeugsamen Gallier.
Es ist jedes Jahr das gleiche Trauerspiel, kaum öffnet die Wiesn ihre Tore, kommen sie aus allen Ecken, aus den Großstädten und dem Flachland, und verwandeln Münchens traditionsreichstes Fest in einen Kostüm- und Mottoparty-Wettbewerb, als hätten sie den letzten Rosenmontag verpasst. Statt Respekt vor dem Kulturgut zu zeigen, werfen sich manche Besucher in billige Faschings-Dirndl, Neonperücken und Plüschhüte, die eher nach Karneval im Rheinland aussehen – als wäre die Theresienwiese bloß die Vorhut zum Kölner Umzug.
Masken, Tierkostüme, grell geschminkte Gesichter und alberne Accessoires bestimmen das Bild am Tisch – und nach der dritten Maß mutiert die Feierlaune endgültig zur Narrenfreiheit. Was in den Augen der einen „witzig“ erscheint, sorgt am Nachbartisch für mitleidiges Kopfschütteln und schnelles Zusammenrücken: Münchens Stolz auf gepflegte Brauchtumskultur wird übertüncht von einer Karnevalslaune, die weder zur Tradition noch zum Charakter des Oktoberfests passt.
Die Wiesn ist eben nicht Fasching! Während beim Karneval die Narren das Regiment übernehmen, ist das Oktoberfest ein Volksfest mit jahrhundertealter Geschichte, in dem Tracht nicht bloß Verkleidung, sondern Ausdruck regionaler Identität und Respekt vor der eigenen Herkunft ist. Wer meint, mit quietschebunten Dirndln, Pseudo-Bauern-Outfits und blinkenden Plastikaccessoires die Atmosphäre aufzupeppen, beleidigt alle, die Tracht bewusst und mit Stolz tragen.
Es ist bezeichnend, dass sich der Liedgut-Mix inzwischen angleicht: Wo früher noch Blasmusik und ehrliche Volkslieder erklangen, tobt nun die Polonäse, und der Partyhit-Soundtrack treibt die Massen zum Mitgrölen wie auf jedem beliebigen Karneval. Das eigentliche Lebensgefühl des Oktoberfests droht dabei, unter einer Schicht aus Faschingsmummenschanz und Travestie zu verschwinden – und das größte Traditionsfest Bayerns wirkt zunehmend wie ein übergroßer Ballermann für Maskenliebhaber.
Und zu den Schuhen sag ich besser gar nichts mehr. Ich kann die Sneakers nicht mehr sehen. Und sagt jetzt nicht, ich sei alt und engstirnig. Ich bin es in diesem Fall.