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Frauenkirche Nürnberg – QR Code im Gotteshaus

2. Oktober 2015
Die Frauenkirche in Nürnberg.

Die Frauenkirche in Nürnberg.

Da sage noch einer, die Kirche geht nicht mit der Zeit. Bei einem Besuch der Frauenkirche in Nürnberg fand ich einen sinnvollen Einsatz von QR-Codes. Die Kirche am Hauptmarkt in Nürnberg wird von vielen Touristen aus aller Herren Länder besucht und die katholische Kirche im protestantischen Franken direkt am Hauptmarkt ist wirklich einen Besuch wert. Interessiert schauen sich die Touristen das gotische Gotteshaus an. Es gibt viel zu entdecken. Einen Kirchenführer hat natürlich kaum keiner dabei.
Hier hat die Kirchenverwaltung aber hervorragend vorgesorgt. An Eingang der Kirche gibt es zahlreiche Informationen über die Frauenkirche in verschiedenen Sprachen. Die Kirchenbesucher können sich ein Informationsblatt in ihrer Sprache ausleihen und auf Tour gehen. Nach ihrer Besichtigung sollten sie das Blatt wieder abgeben.

Kirchenführer zum Ausleihen.

Kirchenführer zum Ausleihen.

Aber die Kirchenverwaltung geht noch einen Schritt weiter. Die Infos gibt es auch im Netzt und können via QR Code geladen werden. Ein Hinweisschild besagt, dass es die Informationen in Deutsch, Englisch und Französisch gibt.

Das Schild ist falsch. Es gibt noch viel mehr Sprachen.

Das Schild ist falsch. Es gibt noch viel mehr Sprachen.

Hab ich gleich gemacht und andere Touristen taten es mir gleich. QR-Code-Reader aktiviert und so kam ich auf die Website der Frauenkirche zu den PDFs. Zu meiner Überraschung gab es die Kirchenführer nicht nur in den drei Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch, sondern in insgesamt elf Sprachen. Super Service, aber wenn davon keiner etwas mitbekommt, dann besteht hier noch Verbesserungsbedarf. Unbedingt sollte das Hinweisschild um auf die ingesamt elf Sprachen ergänzt werden, sonst geht die ganze PR-Wirkung komplett verloren. Gut gemeint, aber leider in der Umsetzung verhungert.

In elf Sprachen wird der Kirchenführer als PDF angeboten.

In elf Sprachen wird der Kirchenführer als PDF angeboten.

Einen Witz am Rande gibt es natürlich auch. Die Kirchenverwaltung hat den Kirchenführer, der in der Kirche ausliegt, einfach 1:1 ins Netz gestellt. So habe ich jetzt auf meinem geladenen PDF am Smartphone folgenden Satz: „Um Sie auf ihrem Weg durch diese Kirche zu begleiten, haben wir dieses Blatt entworfen. Damit auch die nachfolgenden Gäste eine Hilfe haben, bitten wir Sie herzlich, dieses Blatt am Ende Ihres Besuchs wieder zurückzulegen!“ Vielleicht sollte ich es einmal probieren.

360 Grad Aufnahme der Frauenkirche Nürnberg. Wer es in 360 Grad sehen will, bitte den nachfolgenden Link klicken.

360 Grad Aufnahme der Frauenkirche Nürnberg. Wer es in 360 Grad sehen will, bitte den nachfolgenden Link klicken.

Und hier gibt es den Innenraum der Kirche als 360 Grad Aufnahme.

Schottischer Nationalstolz – meine Erfahrungen

18. September 2014
Am Tag des Referendums werde ich meine Schottland-Fahne hissen.

Am Tag des Referendums werde ich meine Schottland-Fahne hissen.

Einige Male durfte ich Schottland besuchen und ich habe mich in das Land und seine Leute verliebt. Sogar meine Hochzeitsreise habe ich in diese raue, aber herzliche Schottland gemacht. Jetzt ist die Unabhängigkeit der stolzen Schotten möglich. Wie sich die Schotten entscheiden, sollen sie unter sich ausmachen, dazu brauchen sie keine Ratschläge von mir oder anderen.
Ich erinnere mich nur an verschiedene Erlebnisse, die ich in diesem Land hatte. Sie drehen sich um den Nationalstolz dieses stolzen Volkes.
Das erste Ereignis trug sich bei einer Pressereise nach Schottland zu, um die schottische Spieleentwickler-Szene kennenzulernen. Ich hatte vergessen, Geld zu tauschen. Der Euro ist ja in Schottland nicht Zahlungsmittel. In Edinburgh gelandet, steuerte ein Kollege, der das gleiche Schicksal hatte, und ich zu einer Umtauschbude am Flughafen. Es war nichts los und die junge Dame hinter dem Counter war sichtlich gelangweilt von ihrem Job, von ihren Kunden und von der Welt an sich. Wir gaben unsere Euro und bekamen britische Pfund dafür. Die Queen blickte uns von den Geldscheinen streng an: Queen Elisabeth II, Königin der Briten. Mein Kollege, der in Schottland studiert hatte und die Gebräuche des Landes kannte, schüttelte den Kopf. Er schob die britischen Pfund wieder zurück über die Tresen und bestand höflich auf schottische Pfund. „Wir sind in Schottland und wollen schottische Pfund“ so oder ähnlich war seine Aussage.
Was dann geschah, konnte ich zunächst nicht glauben. Die gelangweilte junge Frau in der Wechselstube schien wie ausgewechselt. Sie blühte auf. Sie lachte, sie scherzte, sie freute sich und sie überreichte uns wortreich die schottische Pfund. Und dann kam sie hinter ihren Tresen hervor und umarmte uns. „Willkommen in Schottland“ sagte sie nicht ohne schwerem Akzent. Wow, soviel Nationalstolz hatte ich nicht erwartet und war begeistert. Mein allererster Eindruck von Schottland.
Mein zweites Erlebnis in Sachen Nationalstolz hatte ich auf unserer Hochzeitsreise. Wir waren irgendwo in den Highlands bei BB bei einer alten schottischen Lady. Nach dem Frühstück mit Tee packte meine Frau die Koffer in den Mietwagen, während ich mich ans Bezahlen machte. Ich zog die geforderten 30 Pfund aus meiner Börse und wollte sie der Wirtin überreichen. Als ich bemerkte, dass ich britische Pfund erwischt hatte, nahm ich die Geldnoten wieder und gab der Dame schottische Pfund. Sie beäugte mich und fragte mich dann, warum ich das gemacht habe. Ich antwortete sinngemäß: „Sie sind Britin, aber Ihre Heimat ist Schottland. Ich bin Deutscher, fühle mich aber als Bayer.“ Die Frau strahlte, klopfte mir auf die Schulter. Sie gab mir 10 Pfund augenzwinkernd zurück und lud mich ein, einen Whisky zu trinken. Alkohol so kurz nach dem Frühstück? Aber ich wollte die Dame nicht enttäuschen und so setzten wir uns aufs Sofa und tranken ein, zwei Gläser des hochprozentigen Single Malts. Die Frau erzählte mir etwas in schweren schottischen Akzent und ich habe eigentlich nichts verstanden. Irgendwann kam meine Frau ins Zimmer, um zu schauen, warum ich denn so lange brauchte. Sie entdeckte mich auf dem Sofa sitzend mit der alten Dame, den Whisky in der Hand. Ich will nicht sagen, dass wir den ersten Ehekrach hatten, aber es war nahe dran. „Ich belade das Auto und du betrinkst dich schon in aller Frühe.“
Um Whisky dreht sich auf meine dritte Erinnerung. Wer in Schottland ist, der muss eine oder mehrere Destillerien besuchen. Der Whisky-Trail ist eine Sehenswürdigkeit. Wir machten dies natürlich auch mit und genossen den Whisky. Bei einer Besichtigung waren wir eine kleinere Gruppe, darunter auch zwei US-amerikanische Touristen. Wir lernten die Lagerung der Fässer, den Zauber der Destillerie und die Geheimnisse des Single Malte kennen. Am Ende der geführten Tour gab es natürlich den Whisky zum Probieren (und zu kaufen). Wir griffen interessiert nach unseren Nosinggläser. Die amerikanischen Touristen machten hier eine folgenschwere Bemerkung, die sie bereuten. Sie baten unseren schottischen Guide um ein wenig Eis für ihren Whisky.
Sofort kippte die Stimmung. Aus dem geselligen, redseligen Schotten wurde ein einsilbiger Sturschädel. Er nahm den beiden Amerikanern ihre Nosinggläser ab und sagte: „Ihr seid hier fertig, ihr könnt jetzt gehen.“ Single Malt mit Eis sei eine Todsünde. Die beiden Amerikaner spürten, dass es in dieser Frage keine Diskussion gab und zogen wortlos ab. Für den Bayern geht auch keine Weißwurst mit Ketchup – recht haben die Schotten.