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Wenn die fahrerlose U-Bahn wie ein Wunder wirkt

18. April 2026

Wenn ich in Nürnberg bin, kommt wieder das Kind in mir hervor. Ich freue mich riesig, wenn ich mich in der U-Bahn ganz vorne an die Scheibe stellen kann. Denn Nürnberg hat eine fahrerlose U-Bahn und ich ergötze mich an der Fahrt durch die Tunnel.

Als gescheiterter Verkehrsgeograf habe ich neben der Faszination noch einen eher wissenschaftlicheren Blick auf das Verkehrsmittel. Die fahrerlose U-Bahn-Linie U3 in Nürnberg ist weit mehr als nur eine weitere Nahverkehrslinie. Sie steht für einen tiefen Wandel im städtischen Verkehr, für technischen Mut und für den Versuch, eine wachsende Stadt mit modernen Mitteln beweglich zu halten. Als die U3 am 14. Juni 2008 in Betrieb ging, war sie die erste vollautomatische U-Bahn Deutschlands. Das war damals nicht nur ein regionales Ereignis, sondern ein verkehrspolitisches Signal weit über Franken hinaus. Nürnberg zeigte damit, dass öffentlicher Nahverkehr nicht zwangsläufig an herkömmliche Betriebsformen gebunden sein muss, sondern auch mit digitalen und automatisierten Systemen leistungsfähiger werden kann. Der Schritt zur fahrerlosen Bahn war dabei keine Spielerei und auch kein Prestigeprojekt ohne praktischen Nutzen, sondern eine konkrete Antwort auf ein betriebliches Problem: Die neue U3 sollte sich im Innenstadtbereich einen Abschnitt mit der bereits bestehenden U2 teilen. Damit beide Linien auf derselben Strecke mit hoher Dichte fahren konnten, ohne dass der Betrieb der U2 eingeschränkt werden musste, entschied man sich für die Automatisierung. Genau darin lag der eigentliche historische Kern des Projekts. Die Technik war also nicht Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, den Netzausbau überhaupt sinnvoll zu realisieren. 

So kam es
Die Geschichte der U3 ist deshalb eng mit dem größeren Umbau des Nürnberger U-Bahn-Systems verbunden. Nürnberg hatte zwar schon seit 1972 eine U-Bahn, doch mit der U3 begann ein neues Kapitel. Die Automatisierung wurde im Projekt „RUBIN“ vorbereitet, also der Realisierung einer automatisierten U-Bahn in Nürnberg. Dabei mussten Fahrzeuge, Stellwerke, Strecke und Leittechnik miteinander vernetzt werden. Hinzu kam, dass Nürnberg damals Neuland betrat: Die Umstellung geschah nicht auf einem abgeschotteten Testnetz, sondern im laufenden Betrieb. Gerade diese Besonderheit machte die Nürnberger Lösung international interessant. Die vorhandene U2 lief weiter, während parallel die Grundlagen für den automatischen Betrieb geschaffen wurden. Die Stadt und die VAG gingen damit bewusst ein technisches Risiko ein, das sich aus heutiger Sicht ausgezahlt hat. Nürnberg wurde zu einem der bekanntesten Beispiele dafür, dass Automatisierung im öffentlichen Verkehr nicht nur theoretisch funktioniert, sondern im Alltag über viele Jahre stabil laufen kann.

Ich hatte gehofft, dass dieses erfolgreiche Projekt auch auf andere bayerische Städte wie München übertragen wird, aber davon ist nichts geschehen. Daher bleibt Nürnberg für mich ein Leuchtturmprojekt.

Erweiterung
Auch der frühe Verlauf der U3 zeigt, wie stark die Linie mit Stadtentwicklung verbunden ist. Bei ihrer Inbetriebnahme bediente sie neun Bahnhöfe von Gustav-Adolf-Straße bis Maxfeld. Später wurde sie schrittweise erweitert. Im Norden kamen weitere Stationen hinzu, im Süden wurde im Oktober 2020 Großreuth bei Schweinau eröffnet. Die Linie ist also nicht als starres Projekt entstanden, sondern als wachsendes Rückgrat für neue Verbindungen zwischen Wohngebieten, Arbeitsorten und der Innenstadt. Die Zukunft ist ebenfalls schon sichtbar: Die Verlängerung bis Gebersdorf ist im Bau, mit den neuen Bahnhöfen Kleinreuth bei Schweinau und Gebersdorf. Nach aktuellem Stand soll die neue, rund 2,1 Kilometer lange Strecke Ende 2027 in Betrieb gehen. Im Endausbau wird die U3 dann 16 Bahnhöfe und einschließlich der Wendeanlagen eine Gesamtlänge von 11,9 Kilometern haben. Damit bleibt die U3 ein Projekt, das nicht abgeschlossen ist, sondern weiter wächst.

Normalität
Besonders spannend ist an der Nürnberger U3 die Erfahrung, wie schnell sich eine zunächst ungewohnte Technik normalisiert. In den Anfangsjahren war der Blick durch die große Frontscheibe für viele Fahrgäste fast die eigentliche Sensation. Dass vorne niemand sitzt, dass der Zug scheinbar von selbst anfährt, bremst und die Türen freigibt, wirkte für viele zuerst futuristisch und auf manche auch leicht befremdlich. Inzwischen ist genau das längst Alltag. Die Automatik ist aus der Perspektive vieler Fahrgäste kaum noch ein Thema. Das ist vielleicht der größte Beweis für ihren Erfolg: Was früher Erstaunen auslöste, wird heute als selbstverständlich wahrgenommen. Gerade darin zeigt sich, wie tief technische Innovation in den Alltag einsickern kann. Sie verschwindet gewissermaßen aus dem Bewusstsein, weil sie zuverlässig funktioniert. Die VAG selbst verweist darauf, dass U2 und U3 seit Jahren mit einer Pünktlichkeitsquote von über 98 Prozent unterwegs sind. Solche Zahlen sind für die Wahrnehmung entscheidend, denn Fahrgäste beurteilen Innovation am Ende nicht nach Schlagworten, sondern danach, ob der Zug kommt, ob er regelmäßig fährt und ob der Alltag einfacher wird.

Taktdichte
Die betrieblichen Erfahrungen mit der fahrerlosen U-Bahn sind deshalb insgesamt positiv. Ein großer Vorteil liegt in der höheren Taktdichte. Die automatische Steuerung ermöglicht auf dem gemeinsamen Abschnitt von U2 und U3 sehr kurze Zugfolgen von bis zu 100 Sekunden. Für Fahrgäste bedeutet das vor allem kürzere Wartezeiten und eine gleichmäßigere Bedienung. Hinzu kommt, dass automatisierte Systeme präziser beschleunigen und bremsen können, was den Energieverbrauch senken und den Betrieb besser planbar machen soll. Auch die Leitstelle spielt eine zentrale Rolle: Die Züge fahren zwar ohne Fahrer im klassischen Sinn, aber keineswegs ohne Kontrolle. Vielmehr überwachen Mitarbeiter den Betrieb zentral, können eingreifen, Züge anhalten, Türen freigeben oder Hilfe veranlassen. Die fahrerlose U-Bahn ist also nicht führungslos, sondern anders organisiert. Der Mensch verschwindet nicht aus dem System, sondern seine Rolle verschiebt sich vom unmittelbaren Fahren hin zur Überwachung, Steuerung und Sicherung des Gesamtablaufs. Das ist eine interessante Entwicklung, die auch für andere Wirtschaftsbereiche gilt.

Vertrauen
Zu den Erfahrungen gehört allerdings auch, dass technischer Fortschritt immer Vertrauen verlangt. Eine fahrerlose U-Bahn muss sich ihre Akzeptanz im Alltag erst verdienen. Das gelingt nicht durch Werbung allein, sondern nur durch jahrelange Zuverlässigkeit. In Nürnberg scheint genau das passiert zu sein. Der anfängliche Reiz des Ungewohnten ist einer nüchternen Alltagserfahrung gewichen: Die Bahn fährt, sie ist schnell, und sie verbindet wichtige Stadtteile. Gerade weil der Betrieb heute so unspektakulär wirkt, erscheint die ursprüngliche Leistung fast noch größer. Was 2008 wie Zukunft aussah, ist 2026 längst Teil der urbanen Normalität geworden. Man könnte sagen: Die U3 hat ihre Modernität gerade dadurch bewiesen, dass sie nicht mehr ständig als modern auffällt.

Für Nürnberg selbst hat die U3 auch eine symbolische Bedeutung. Die Stadt verweist gern darauf, dass hier schon mit der ersten deutschen Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth Verkehrsgeschichte geschrieben wurde. Die automatische U-Bahn knüpft an dieses Selbstbild als Ort technischer Mobilitätsinnovation an. Gleichzeitig ist die U3 aber kein Museum der Zukunft, sondern ein Infrastrukturprojekt mit sehr konkreten Folgen für den Alltag. Jede Verlängerung verändert Wegebeziehungen, erschließt neue Wohngebiete und macht das Auto in bestimmten Situationen entbehrlicher. Gerade die geplante Verlängerung bis Gebersdorf zeigt, wie eng U-Bahn-Ausbau und Stadtentwicklung zusammengedacht werden. Die neue Strecke soll nicht nur bestehende Stadtteile besser anbinden, sondern auch das entstehende Quartier „Tiefes Feld“ erschließen. Damit wird die U3 zu einem Instrument, mit dem Nürnberg sein Wachstum städtebaulich und verkehrlich ordnen will. 

Der Blick in die Zukunft der U3 fällt deshalb insgesamt optimistisch aus. Die Linie wird weitergebaut, und die Automatisierung ist längst kein Experiment mehr, sondern ein bewährtes Betriebskonzept. Die Zukunft liegt weniger in der bloßen Frage, ob fahrerlose U-Bahnen funktionieren, denn diese Frage hat Nürnberg praktisch beantwortet. Wichtiger ist inzwischen, wie sich das System weiter verfeinern lässt: durch bessere Energieeffizienz, noch flexiblere Taktanpassungen und eine enge Verzahnung mit Stadtentwicklung und anderen Verkehrsmitteln. Genau darauf verweist die VAG auch selbst, wenn sie heute die Optimierung des Energieverbrauchs als ein aktuelles Entwicklungsfeld nennt. Die U3 steht damit nicht nur für einen technischen Durchbruch der Vergangenheit, sondern auch für eine kommende Phase der Feinsteuerung, in der Automatisierung noch stärker unter den Gesichtspunkten Nachhaltigkeit, Effizienz und Kapazität weiterentwickelt wird. 

Stadtgeschichte
Unterm Strich ist die Nürnberger U3 ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie aus einer verkehrstechnischen Notwendigkeit ein Stück Stadtgeschichte werden kann. Sie begann als kühne, für manche sogar gewagte Innovation, sammelte über Jahre Alltagserfahrung und ist heute eine selbstverständliche Säule des Nürnberger Nahverkehrs. Ihre Geschichte erzählt von Planung, Technik und politischem Willen. Ihre bisherigen Erfahrungen sprechen für hohe Zuverlässigkeit und breite Akzeptanz. Und ihre Zukunft liegt nicht nur in weiteren Tunnelmetern bis Gebersdorf, sondern in der Idee, dass moderner Nahverkehr intelligent, dicht getaktet und im besten Sinn unspektakulär funktionieren soll. Genau das ist vielleicht die größte Leistung der fahrerlosen U3: Sie hat aus Zukunft Alltag gemacht.

Buchtipp: Die Linie 7: Eine Reise durch das Herz von New York

6. Dezember 2024

Es gibt Ideen, die so gut sind, dass sie schon von jemanden umgesetzt wurden, bevor ich dazu komme. Wenn ich mal wieder nach New York City reise, dann wollte ich eine Blogserie über die U-Bahn-Linie 7 machen. Aber wie ich sehe, hat National Geographic die Idee bereits als Foto- und Lesebuch umgesetzt und es ist ein tolles Buch geworden. Es ist wunderschönes Storytelling von Julius Schrank und Bruce Northam, vielleicht ein bisschen werblich, aber weil es meine Traumstadt New York ist, bin ich hier großzügig.

Die U-Bahn-Linie 7 ist eine der bekanntesten und meistgenutzten Strecken des New Yorker U-Bahn-Systems. Sie verbindet den Stadtteil Queens mit Manhattan und spielt eine zentrale Rolle im täglichen Pendelverkehr. Die Linie 7 wird von der Metropolitan Transportation Authority (MTA) betrieben und bietet sowohl lokale als auch Expressdienste an. Aufgrund ihrer Route und der Vielzahl an wichtigen Haltestellen wird die Linie oft als Lebensader für Pendler und Touristen bezeichnet.

Streckenverlauf und Haltestellen
Die Linie 7 erstreckt sich von 34th Street-Hudson Yards in Manhattan bis nach Flushing-Main Street in Queens. Sie umfasst insgesamt 22 Stationen, von denen einige sowohl lokale als auch Expresszüge bedienen. Die Strecke ist etwa 15 Kilometer lang und verbindet zentrale Geschäftsviertel mit Wohngebieten, Kulturstätten und touristischen Attraktionen.

Wichtige Haltestellen für mich
34th Street-Hudson Yards: Diese Station ist der westliche Endpunkt der Linie und wurde 2015 eröffnet. Sie befindet sich im aufstrebenden Hudson Yards-Viertel, einem der größten Immobilienentwicklungsprojekte in New York City.
Times Square-42nd Street: Diese Station ist ein wichtiger Knotenpunkt und bietet Anschluss an zahlreiche andere U-Bahn-Linien sowie an den Port Authority Bus Terminal.
Grand Central-42nd Street: Ein weiteres zentrales Drehkreuz, das Verbindungen zu Metro-North-Zügen und mehreren U-Bahn-Linien bietet.
Vernon Boulevard-Jackson Avenue: Diese Haltestelle in Long Island City bietet Zugang zu einem der kulturell und wirtschaftlich am schnellsten wachsenden Viertel von Queens.
Citi Field/Willets Point: Diese Station ist besonders an Spieltagen der New York Mets im Citi Field oder während der US Open im nahegelegenen Billie Jean King National Tennis Center stark frequentiert.
Flushing-Main Street: Der östliche Endpunkt der Linie und ein pulsierendes Zentrum für die asiatisch-amerikanische Gemeinschaft in Queens.

Geschichte der Linie 7
Die Linie 7 wurde erstmals 1915 in Betrieb genommen, damals als Teil des Interborough Rapid Transit (IRT)-Netzes. Ihre ursprüngliche Aufgabe bestand darin, die schnell wachsenden Wohngebiete in Queens mit den Geschäftsvierteln in Manhattan zu verbinden. Der Ausbau der Linie erfolgte in mehreren Phasen, und 1928 wurde die Endstation Flushing-Main Street eröffnet. Mit der Zeit entwickelte sich die Linie 7 zu einer der wichtigsten Verkehrsachsen für die Bewohner von Queens.
Im Jahr 2015 wurde die Linie im Westen um die Station 34th Street-Hudson Yards erweitert, was als Meilenstein für den Nahverkehr in Manhattan gilt. Diese Verlängerung war das erste große Neubauprojekt des U-Bahn-Systems seit Jahrzehnten und wurde mit dem Ziel realisiert, die Entwicklung des Hudson Yards-Viertels zu unterstützen.

Technische Besonderheiten
Die Linie 7 ist für ihre Panorama-Ausblicke bekannt, insbesondere entlang der erhöhten Abschnitte in Queens. Reisende genießen einen einzigartigen Blick auf die Skyline von Manhattan, den East River und die belebten Straßen von Queens. Ein weiterer technischer Aspekt ist das moderne Signalsystem, das für die Verlängerung zur Hudson Yards installiert wurde. Es ermöglicht einen effizienteren Zugbetrieb und soll künftig auf die gesamte Linie ausgeweitet werden.

U-Bahn in New York ist eine ganz eigene Welt.
U-Bahn in New York ist eine ganz eigene Welt.

Bedeutung für die Stadt
Die Linie 7 wird täglich von Hunderttausenden Menschen genutzt und ist damit eine der meistbefahrenen Linien im MTA-System. Sie verbindet nicht nur Wohngebiete mit Geschäfts- und Kulturzentren, sondern trägt auch zur wirtschaftlichen Entwicklung der von ihr bedienten Stadtteile bei. Besonders während Großereignissen wie Mets-Spielen oder der US Open ist die Linie ein unverzichtbares Verkehrsmittel für Besucher aus der ganzen Stadt und darüber hinaus.
In der Zukunft plant die MTA, die Kapazität der Linie weiter zu erhöhen und möglicherweise neue Technologien einzuführen, um den Betrieb noch effizienter zu gestalten. Die Linie 7 bleibt eine zentrale Komponente des öffentlichen Nahverkehrs in New York City und wird auch in den kommenden Jahren eine Schlüsselrolle spielen, um die wachsende Bevölkerung der Stadt zu bedienen. Lust auf New York bekommen? Wenn nicht in den Flieger steigen, dann zumindest dieses Buch lesen: Die Linie 7: Eine Reise durch das Herz von New York

Und hier hab ich über meine Lieblingsfotoreiseführer von New York gebloggt. Viel Spaß.

Rund 18 Prozent für das Deutschlandticket – Weg mit dem Dienstwagenprivileg

24. September 2024

Die Katze ist aus dem Sack und das Krakele geht weiter. Das Deutschlandticket soll ab 1. Januar 2025 statt 49 dann 58 Euro kosten. Der Preis steigt um 9 Euro, also rund 18 Prozent. Heftig, wenn man bedenkt, dass die Politik und die Gesellschaft die Verkehrswende herbeiführen wollten. Bayern, so entnehme ich den Medien, wollte sogar 64 Euro pro Ticket – das wären rund 30 Prozent gewesen.

Ich habe das Deutschlandticket vom ersten Tag angenommen und viel genutzt – und ich werde es auch weiterhin. Ich habe mich meist geweigert, es als 49 Euro Ticket zu bezeichnen, denn der Preis stand ja schon von Anfang an auf dem Prüfstand. Im Autoland tut sich der ÖPNV einfach schwer und nachdem man Jahrzehnte lang kaum investiert hat, baden wir das Chaos der maroden Infrastruktur nun aus. Marode? Was das nicht ein Wort aus der Wendezeit, wenn es um die DDR-Industrie ging? Marode – soweit sind wir nun schon wieder.

Was waren für mich die Vorteile?
Mit einem Preis von 49 Euro pro Monat ist das Deutschlandticket im Vergleich zu vielen regionalen Monatstickets oder Einzelfahrscheinen sehr günstig. Es ermöglicht unbegrenztes Reisen im öffentlichen Nahverkehr deutschlandweit zu einem festen Preis. Das Ticket ist im gesamten Nahverkehr Deutschlands gültig, einschließlich Bus, Straßenbahn, S-Bahn, U-Bahn und Regionalzügen (RB, RE). Dadurch wird der öffentliche Nahverkehr flexibler und leichter zugänglich. Durch das Deutschlandticket entfällt die komplizierte Tarifstruktur, die regional unterschiedlich ist. Nutzer müssen nicht mehr verschiedene Tarife vergleichen, sondern können mit einem einzigen Ticket durch das ganze Land reisen. Das hat mir persönlich viele Nerven gespart. Ganz wichtig: Das Ticket kann Menschen dazu ermutigen, vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen, was zu weniger Verkehr und einer Verringerung der CO₂-Emissionen führen könnte. Ich schreibe bewusst „kann“. Viele in meinem Bekanntenkreis sind einfach bequeme Autofetischisten und ich spreche nicht von der Landbevölkerung, die unter einer unsäglichen ÖPNV-Infrastruktur leidet. Viele Politiker unterstützen diesen Wahn vom Autoland Deutschland, anstatt vom Mobilitätsland Deutschland zu sprechen.

Finanzierung
Natürlich kommt immer das Argument der Finanzierung: Die Finanzierung des Deutschlandtickets, insbesondere die langfristige Sicherung, war von Anfang an ein umstrittenes Thema. Die Kosten für Bund, Länder und Verkehrsbetriebe sind erheblich, und es gibt Diskussionen darüber, wie diese Belastungen langfristig getragen werden können. Da haben Lobbyisten ganze Arbeit geleistet. Das Dienstwagenprivileg wird oft als attraktiv angesehen, da es dem Arbeitnehmer erlaubt, ein teures Fahrzeug zu nutzen, ohne die vollen Kosten tragen zu müssen. Auf der anderen Seite sind die steuerlichen Vorteile für den Staat immer wieder ein Diskussionsthema, da Kritiker argumentieren, dass diese Regelung Wohlhabendere begünstigt. Schafft man das Dienstwagenprivileg endlich ab, dann würde mehr Geld für den ÖPNV vorhanden sein, wenn man es will. Hier eine Grafik der Lobbyisten Allianz pro Schiene.

Der Preis von 58 Euro für das Deutschlandticket sorgte in unserer Familie wenig Diskussionsstoff. Wir werden unsere Tickets auch im Jahr 2025 weiterführen und ich werde weiterhin intensiv den ÖPNV nutzen (wenn er denn fährt). Ich bin gespannt, ob es ein Thema im Bundestagswahlkampf ist, denn eigentlich ist as Deutschlandticket nur eine Diskussion um den Klimawandel. Aber der scheint trotz Hochwasser im Moment vergessen zu sein und Populismus regiert verstärkt.

Musik in der Londoner U-Bahn

5. Juni 2019

Wenn ich nicht in Eile bin, bleibe ich gerne mal bei Künstlern in der U-Bahn stehen und höre mir ihre Musik an. Ich habe einige dieser besonderen Art von Straßenmusiker gelauscht. 

Lemmy habe ich leider als Straßenmusikant nicht getroffen.

Lemmy habe ich leider als Straßenmusikant nicht getroffen.

Hier sind zwei Künstler, die ich eindrucksvoll fand und auf Video festhielt. Beide habe ich in der Londoner U-Bahn angetroffen und gerne zugehört. So etwas kenne ich von meiner Heimatstadt München nicht. Dort ist Musizieren nicht gestattet. Im Moment machen sich stattdessen Bettelmusikanten in der Münchner S- und U-Bahn breit, die extrem nerven und von den Leute Münzen schnorren. Musik ist das keine, sondern Qual. 

Aber zurück nach London: Eine Dame mit Saxofon traf ich an der Haltestelle Piccadilly Circus. Durch die Röhren des Londoner U-Bahn-Systems hatte die Musik einen tollen Klang. 

Zum anderen traf ich auf den Sänger der britischen Band Annexe the Moon. Der Gitarrist beeindruckte mich mit seiner wunderbaren Stimme. Er spielte das Art Garfunkel Lied Bright Eyes, das vielen noch als Titellied des schönen Films Watership Down bekannt ist. Witzig, er hatte den Text auf seiner Gitarre kleben, damit er den Text nicht vergisst. Ich hatte die GoPro dabei und hörte mir den Song an und nahm ihn auf Video auf. 

Zu Hause in Deutschland googlte  ich nach der Musik von Annexe the Moon und lud mir sofort die Musik bei Apple Music. Ich bin sehr begeistert. 

U-Bahn in New York – Meine Reiseimpressionen Teil 10

16. Januar 2017

U-Bahn in New York ist eine ganz eigene Welt.

U-Bahn in New York ist eine ganz eigene Welt.

Die New Yorker Subway ist eine Welt für sich. Es ist natürlich ein bewährtes Transportmittel, aber sie hat ein anderes Flair. Ich kann in die U-Bahn eintauchen und in der Masse der Leute verschwinden, mich treiben lassen und Neues entdecken. Und für mich ist die U-Bahn in New York ein Platz zum Beobachten und Studieren. Innerhalb von Minuten treffen sich unbekannte Leute auf engen Raum, verbringen kurze Zeit miteinander und gehen dann wieder ihrer Wege. Hier gibt es schöne Geschichten zu beobachten. Die New Yorker U-Bahn ist ein verbindendes Element im Big Apple. Ich übe auch ein wenig Storytelling in der U-Bahn. Ich sehe Menschen, versuche sie zu beschreiben und denke mir Geschichten aus. Das schult die Beobachtungsgabe und die Kreativität. Mit Studenten spiele ich dieses Spiel ab und zu auch – allerdings nicht in der New Yorker U-Bahn, sondern in einem Café.

Metrocard als Zugang zur New Yorker U-Bahn
Für den Touristen wie mich, der die U-Bahn nutzen wird, empfehle ich eine Art Wochenkarte. Am Automaten kostet diese Karte mit unendlichen Fahrten 31 US-Dollar und einen US-Dollar für die Karte selbst. Der Automat nimmt Bargeld und alle Arten von Plastikgeld. Apple Pay hab ich allerdings nicht gesehen, obwohl der Bezahldienst von Apple sonst in der Stadt stark verbreitet ist.

Metrocard am Automaten ziehen.

Metrocard am Automaten ziehen.

Bei der Metro-Karte ist es wichtig zu wissen, dass zwischen dem Verlassen und Betreten einer U-Bahn-Schranke 18 Minuten liegen müssen. Die U-Bahn-Schranken sind in der Regel Drehkreuze bei denen man die Karte beschwingt durchziehen muss. Ich war manches Mal zu zaghaft und kam nicht durch und rammte mit einem edlen Teil gegen das Drehkreuz in meiner Eile. Also flott die Karte durchziehen und dann heißt es Go. Früher gab es mal Münzen, die so genannten Token. Die hab ich bei meinem jüngsten Besuch nicht mehr im Einsatz gesehen. Stattdessen sollen Karten über RFID-Chips eingeführt werden, die hab ich allerdings auch noch nicht gesehen.

New Yorker U-Bahn in Zahlen
Die U-Bahn ist eine eigene Welt. Der Abstieg erfolgt meist über grüne schmale Eingänge an der Oberfläche. Wer, wie in München, großzügige Rolltreppen erwartet, der ist Fehl am Platze. Beim Times Square gibt es so modernes Zeug, aber in der Regel ist es eng und die Treppen können steil sein. Das ganze System der New Yorker Subway hat auch einige Jahre auf dem Buckel. Die ersten Linien wurden am 27. Oktober 1904 eröffnet.

Die heutigen Zahlen können sich sehen lassen: 25 Linien, 472 Bahnhöfen, 380 Streckenkilometern, 1355 Kilometern Gleis, 4,9 Millionen Fahrgästen pro Tag. Und ich hatte den Eindruck, die Betreiber haben ihre U-Bahn im Griff. Anders als in München, wo jeden Tag Chaos auf der Stammstrecke herrscht, geht der unterirdische Verkehr im Big Apple besser vonstaten. Lokale und Expressgleise sorgen für Ausgleich, wenn es mal Probleme geben sollte. Ich empfehle jeden ÖPNV-Planer, die U-Bahn von New York zu studieren und zu lernen.
Die schönsten Bahnhöfe auf die Schnelle sind für mich die Grand Central Station (klar, da ist der Apple Store) und der neue Bahnhof vom World Trade Center One, Oculus genannnt.

U-Bahn App von New York
Während ich früher mit Papierplänen ausgestattet war, um die richtige Linie zu finden, greife ich heute auf das Smartphone zurück. Ich hatte mir am iPhone die kostenlose App NYC Subway installiert und kann sie ausdrücklich empfehlen. Sie gibt Reiseverbindungen und Umsteigepunkte an, meldet Ereignisse und erklärt via GPS, wo man sich gerade befindet.

Da in weiten Teilen der U-Bahn WLAN vorhanden ist, funktioniert das GPS ziemlich genau. Wenn ich bei meinen Fahrten den Einheimischen aufs Handy geschaut habe, dann hatten viele die App auch installiert. So schlecht, kann meine Wahl also nicht gewesen sein.

U-Bahn als Kulturzentrum
Im Untergrund herrscht eine eigne Kulturszene. An zahlreichen Bahnhöfen haben sich Musiker aufgebaut und spielen vor sich hin, um ein paar US-Dollar zu verdienen. Unterschiedliche Stilrichtungen können genossen werden.

Und ich glaube, diese Art von Straßenmusik ist eine harte Schule. Die New Yorker sind hart und schnell in ihrem Urteil, aber sie sind auch total begeisterungsfähig. Wer aber sein Instrument beherrscht, eine markante Stimme hat und vor allem Showtalent besitzt, der kann US-Dollar verdienen. Ich habe Schlagzeuger erlebt, die eine ganze Station aufgemischt haben. Da war auch der asiatische Vater, dess Sohn Klassik am Klavier spielt und die Leute zum Klatschen auffordert. Ich hörte Weihnachtssongs, ausgeflippte Jazz-Combos, den klassischen Singer-/Songwriter, er in New York nicht fehlen darf.


Kunst ist auch anzutreffen. Und ich habe mich an eine Ausstellung von Keith Haring in der Hypo Kunsthalle in München erinnert. Keith Haring bemalte in seiner Anfangsphase in der New Yorker U-Bahn Plakate und Pläne. Für manche Schmierereien in der U-Bahn wurde aus der Aktionskunst interessante Werke neben klassischer Plakatwerbung. Kunst im öffentlichen Raum provoziert. Hier ein Bild aus der Ausstellung von 2015 und sicher gibt es heute einen neuen Kunststar wie Keith Haring, wir müssen nur genau hinschauen. In New York sind schließlich alles Künstler.

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Bronze-Figuren zeigen das U-Bahn-Leben
Die Idee, die Leute zu beobachten, hatte auch ein anderer, nämlich der Künstler Tom Otterness. Er zeigte die Hektik der Stadt, die niemals schläft. Er zeigte sie in Form netter Bronze-Figuren. Ich habe diese Figuren an der Haltstelle 8th avenue angetroffen, vielleicht gibt es sie noch an anderen Haltestelle. Es handelt sich um knuffige Figuren, die das U-Bahn-Leben der New Yorker auf sehr symathische Art karikieren. Es gibt viele Alltagsszenen. Ein Polizist weckt einen Mann auf, der sich auf einer U-Bahn-Bank zum Schlafen hingelegt hat. Handwerker mit Hammer und Werkzeug und vieles mehr. Aber am meisten gelacht, habe ich über ein Krokodil, das aus einem Gulli hervorschaut und einen Passanten packt – da gab es auch ein schlechtes, filmisches Vorbild mit Namen Horroralligator.


Weil wir gerade beim Film sind. Es gibt viele Filme, in denen die New Yorker U-Bahn mitspielt. Als erstes kam mir beim Fahren der Film Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 von 1974 in den Sinn. Der spannende Film handelte von einer U-Bahn Entführung der Linie 6. Meine Familie war schon ziemlich genervt, weil ich bei einigen Stationen nach den Drehorten Ausschau gehalten habe, deshalb gibt es keine Bilder. Ach ja und an den schonungslosen Velvet Underground-Song Waiting for a Man mit der Zeile 125th Street (IRT Lexington Avenue Line) brauche ich nicht extra erinnern. An der U-Bahn Station war ich aber auch nicht.

WLAN in New York – Meine Reiseimpressionen Teil 2

6. Januar 2017

Die Digitalisierung im Big Apple, wie New York genannt wird, geht mit großen Schritten voran. Was ich bisher an der Westküste in San Francisco und Silicon Valley feststellen konnte, traf ich nun auch an der Ostküste in New York an. WLAN in der Stadt.


Wir hatten vorgesorgt, schließlich reiste ich mit einer online-affinen Familie. Das Netz gehört einfach heute dazu, auch im Urlaub. Im Vorfeld besorgte ich mir einen Huawai Router HUAWEI E5377s-32 Mobile WiFi Access Point, der mit dem US-Netz umgehen kann und auch eine schöne Benutzerführung via iOS-App hat. Die US-Datenkarte kaufte ich mir bei meinen Augsburger Händler Prepaid-Global, dem ich nochmals ausdrücklich für die schnelle und kompetente Beratung an dieser Stelle danken darf. Den Router hatten wir immer an der Familie und konnten ihn bei Bedarf aus der Tasche ziehen, um unser eigenes WLAN zu erzeugen. Dies war uns besonders bei Kreditkartenzahlungen bei Online-Tickets wichtig. Ich nutzte es auch oft, um 360 Grad Fotos von meiner Reise in Facebook zu laden. So konnte ich interessierte Freunde zu Hause vom Fortschritt unserer New York-Reise unterrichten.

Am Flughafen gibt es Datenkarten, aber ich habe meine in Deutschland gekauft.

Am Flughafen gibt es Datenkarten, aber ich habe meine in Deutschland gekauft.

Unser New Yorker Hotel Marrakech an der 2688 Broadway, 103rd Street verfügte über kostenloses WLAN. Es war nicht sonderlich stark, hat aber für den Hausgebrauch wie E-Mail, Facebook und Twitter ausgereicht. Neben dem Hotel befand sich eine Starbucks-Zweigstelle, die auch über ein kostenloses WLAN verfügte. Interessant fand ich bei Starbucks, die eingelassenen Lademöglichkeiten für Android-Handys über Wireless Charging. Einige Smartphones lassen sich darüber drahtlos laden.

Wireless Charging bei Starbucks.

Wireless Charging bei Starbucks.

Öffentliche Hotspots in New York
Eindrucksvoll fand ich, dass in New York Zug um Zug die klassischen Telefonzellen abgebaut und durch öffentliche WLAN-Hotspots ersetzt werden. Es sind große Monolithen, wie einstmals bei 2001. An zahlreichen Straßenecken befinden sich diese Hotspots LinkNYC. Die Digital Signage prägen das Straßenbild. An beiden Seiten läuft Werbung zur Finanzierung. Der Terminal bietet die Möglichkeit Google Maps und andere Dienste aufzurufen.

Ich habe dort Google Maps einige Male genutzt, um mich in der Umgebung zurecht zu finden. Zudem gibt es eine Notruffunktionalität und das Smartphone lässt sich via USB kostenlos aufladen. Das entsprechende Kabel ist allerdings selbst mitzubringen. Wenn ich den Streit in meiner Heimatstadt München über öffentliches WLAN verfolge und dann in New York stehe, dann kommen mir die Tränen. Das ist der Unterschied, weshalb wir über Digitalisierung reden und andere es machen.

WLAN im Museum und U-Bahn
Dabei will ich gar nicht von öffentlichen Orten sprechen. Das gesamte American Museum of Natural History ist mit einem kostenlosen und leistungsstarken WLAN ausgestattet. Und das Museum ist wirklich groß. So sind interaktive Führungen und neue Konzeptionen möglich.
Und dann wäre dann noch die New Yorker U-Bahn. Auch hier gibt es ein kostenloses WLAN. Zumindest in den Bahnhöfen hat es funktioniert, während der Fahrt allerdings nur bedingt. Hinweisschilder in den Bahnhöfen weisen auf die SSID hin. Während man auf seine U-Bahn wartet, kann man kostenlos im Netz surfen – in New York eine Selbstverständlichkeit, bei uns in München eine Utopie.

Full Power bei Apple
Richtig leistungsfähig war das kostenlose WLAN übrigens bei Apple. Ich besuchte zwei Apple Stores in New York, um vergeblich nach den Apple Air Pods Ausschau zu halten. Sowohl in Stores Grand Central Station als auch im Glaswürfel an der 5th Avenue war das WLAN einfach nur fantastisch. Ich konnte Filme zu YouTube hochladen und das in einer Windeseile. Immer wieder bin ich von dem Phänomen Apple fasziniert. Beide Shops haben rund um die Uhr geöffnet und egal, zu welcher Zeit ich den Stores besuchte, die Läden waren voll oder zumindest gut besucht.

Obwohl ich mit den Apple Devices ausgestattet bin, streifte ich durch die Geschäfte, lauschte den Beratungsgesprächen an der Genius Bar, verunsicherte junge Apple-Mitarbeiter mit Fragen zu Shake und aktualisierte meine Apps über das WLAN. Im Store an der 5th Avenue musste ich die Glastreppe herabsteigen und mit dem Glasaufzug wieder hoch fahren – so etwas macht mir einfach Spaß.

Pokemon Jagd dank mobilen Router.

Pokemon Jagd dank mobilen Router.

Anschaubefehl: Keith Haring in der Hypo Kunsthalle München

24. August 2015

Keith Haring Ausstellung in der Hypo Kunsthalle.

Keith Haring Ausstellung in der Hypo Kunsthalle.

Noch bis 30. August läuft in München in der Hypo Kunsthalle die Keith Haring-Ausstellung, die ich jedem ans Herz legen kann. Und auch der Katalog der Ausstellung Gegen den Strichist eine Augenweide und reich an Information über das Gesamtwerk des Pop Art-Künstlers Keith Haring. Der Katalog geht weit über die Ausstellung hinaus und ich kann ihn bedenkenlos empfehlen.
Als Familie machten wir einen Ausflug in die Hypo Kunsthalle und jedes Familienmitglied konnte etwas für sich mitnehmen. Meine Kinder erfreuten sich an der bunten Kraft der Bilder, meine Frau war von der Aktionskunst in der New Yorker-U-Bahn restlos begeistert und mich faszinierte der Stil des Künstlers, der leider viel zu früh an Aids gestorben ist.

 

 

Gegen_den_Strich

Gegen den Strich heißt die Ausstellung und sie ist nicht nur als Kunst, sondern auch als ein politisches Statement zu verstehen. Keith Haring bezieht in seinen Kunstwerken klar Stellung. Und das ist das Neue an dieser Ausstellung, die nicht gefällig sein will. Keith Haring lehnte sich auf gegen einen kapitalistischen Exzess und engagierte sich für nukleare Abrüstung, Umweltschutz und die Gleichberechtigung des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Sexualität. All dies wirkt auf den Betrachter in München ein. Auf diesem in Ausstellungen bisher wenig thematisierten politischen und sozialkritischen Aspekt von Harings Lebenswerk liegt der Fokus dieser Retrospektive in der Hypo Kunsthalle in München und das ist absolut sehenswert.

Lobenswert war, dass der Besucher in der Ausstellung fotografieren durfte – freilich ohne Blitz, Stativ und Selfie-Stange. Das finde ich sehr lobenswert und viele Besucher machten ihre Erinnerungsbilder. So verbreitet sich die Kunst von Keith Haring online – denn viele Besucher machten ihre Selfie vor den Werken des Künstlers und posteten sie soziale Netzwerke. So bekommt die Ausstellung eine Verbreitung im virtuellen Raum. Kunst für die Masse auch außerhalb von Museen und Ausstellungsräumen – ein sehr interessanter Aspekt der Museumsdidaktik. Hier können viele Museum von der Hypo Kunsthalle in München lernen.

 

Ich habe schon einzelne Bilder von Haring gesehen, wie beispielsweise im Museum of Modern Art (MoMA), aber noch nie so viele Bilder Harings in einer einzelnen Ausstellung. In München sind es rund 160 Kunstwerke ausgestellt. Unterstützt werden die Bilder und Installationen und Gegenstände von Filmen und Fotos. Didaktisch hervorragend aufbereitet macht die Ausstellung einfach Spaß und regt zum Nachdenken an.

Eingang

Wunderbar die Provokation am Eingang der Ausstellung Gegen den Strich: Auf einer gelben Motorhaube eines Taxis fertigte Haring seine markanten Zeichnungen an. Dann gleich nochmal eine Provokation im ersten Raum: Jeder weiß, woher das Fleisch kommt. Es kommt aus dem Laden. Die damals aufkommende vegetarische Bewegung war entsetzt.

Laut lachen und fasziniert war ich von der ausgestellten Straßenkunst der New Yorker U-Bahn. Für die einen Schmierereien in der U-Bahn wurde aus der Aktionskunst interessante Werke neben klassischer Plakatwerbung. Kunst im öffentlichen Raum provoziert. Wie würde der Münchner Tarifverbund MVV reagieren, wenn auf den Plakatflächen der Münchner S- und U-Bahn so etwas stattfinden würde? Vandalismus, Geschmier oder würde man mehr darin sehen? Richtig gelacht habe ich bei einem verzierten U-Bahn-Plan von New York. Tolle Idee.

Als Medienmensch war ich natürlich interessiert, wie Keith Haring die Medien und das aufkommende Computerzeitalter sah. Ein Raum der Hypo Kunsthalle widmet sich diesem Thema. Allerdings sieht der Künstler dies mehr als Bedrohung. Ein Roboter schwebt über den Menschen. Diese Sicht ist mir persönlich zu negativ.

Mein Paris: Fahren mit der Metro

8. November 2010

Vorlesestunde in der Pariser Metro.

Vorlesestunde in der Pariser Metro.

In Paris braucht man kein Auto und ein Taxi nehm ich in der Regel nur spät am Abend. Das U-Bahn-Netz ist hervorragend ausgebaut, die Metro-Stationen sind optimal über die Stadt verteilt. Es gibt verschiedene Arten von Tagestickets, das umfassendste ist sicherlich das Paris visité – hier sind noch der Eintritt zu ein paar Museen reduziert.

Allerdings Metro-Fahren ist vergleichsweise laut. Und das nicht nur aufgrund des Lärms der fahrenden Züge. Es ist ein wahres Geschepper, Gequietsche und Gerumpel – eben Paris authentisch. Da ist es verständlich, dass der Pariser jeden Alters Kopfhörer aufgezogen hat und sich seine Musik reinzieht. Ach ja Musik: Natürlich wird in der Metro musiziert. Mal mit Kontrabass, mal elektrische Gitarre, mal steigt einer in den Wagon und spielt Akkordeon. Während in Münchner S-Bahnen der Himmel auf die Erde fällt, scheint es hier alltäglich. Und auch wenn gesammelt oder gebettelt wird, sind die Pariser stoisch.

Und die Metro ist eng und bestenfalls kuschelig. Hier vermischen sich die Kulturen. Der Banker nimmt ebenso die U-Bahn, wie der Bauarbeiter oder die coolen Checker mit Migrationshintergrund. Eine Beobachtung machte ich, die mir sehr gefallen hat. Eine Oma ließt ihrer Enkelin aus einem Kinderbuch vor. Um die beiden herum tobt der Bär, der Berufsverkehr ist auf dem Höhepunkt und nervige Touristen fahren von A nach B. Doch Oma und Enkelin lassen sich nicht auf der Ruhe bringen. Oma liest, Enkelin mit goldenen Locken hört zu. Ab und zu schaut sie vom Buch auf – scheinbar kann sie noch nicht lesen – und schaut ihre Oma an. Diese erklärt dem Kind die Worte, nickt und dann geht es weiter mit dem Lesen. Die weißhaarige Frau mit Brille blättert um und Enkelin mit ihrer rosa Tasche hört gebannt der Geschichte zu. So geht es ein paar Stationen. Dann packt Oma das Buch zusammen und Hand in Hand verlassen sie die Metro. So lange es solche Episoden in der U-Bahn gibt, habe ich den Glauben noch nicht verloren.

Musik gehört in der Metro dazu.

Musik gehört in der Metro dazu.