Posts Tagged ‘Peter Jackson’

Filmtipp: Der Hobbit – die Schlacht der fünf Heere – Extended Version

30. Dezember 2015

hobbit

Ich habe Herr der Ringe als Extended Version und nun habe ich auch den Hobbit als Extended Version komplett. Im Herbst 2015 erschien die längere Version von Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere –  Extended Edition. Obwohl der Film dieses Mal nur 19 Minuten an zusätzlichen Szenen enthält, haben es dieses 19 Minuten in sich. Mir hat der Film als Abschluss der Trilogie im Kino gefallen und mir hat er auch als Blu ray Version gefallen. Hauptsächlich umfasst das Zusatzmaterial unfangreiches Schlachtengemetzel, bietet aber neue Sichtweise und neue Handlungsstränge. Regisseur Peter Jackson hat den dritten Teil nicht nur verlängert, sondern er hat ihn inhaltlich ergänzt. Die zusätzlichen Szenen mit dem Drachen zu Beginn des Films habe ich zunächst nicht bemerkt. Es gibt etwas mehr Feuer und Bums, aber das ist nicht ausschlaggebend.
Ich gebe zu, ich hätte gerne noch etwas mehr Sauron in der Festung Dol Goldur gehabt. Es gibt zwar ein bisschen mehr Geschwätz zwischen Gandalf und Radagast – darauf kommt es auch nicht an.


Die opulente Schlacht am Ende wurde deutlich erweitert und neue Handlungsstränge eingefügt. Dain Eissenfuss kommt nun besser in Szene und auch seine Zwergenarmee darf sich intensiver mit den Orks auseinandersetzen. Am auffälligsten ist allerdings die Szenenabfolge mit den Zwergenstreitwagen. Diese Szene gab es bisher nicht und das CGI-Spektakel ist sicherlich ein Höhepunkt der Schlussschlacht. Das brutale Gemetzel ist rasant un eindringlich geschnitten. Das Abschlagen und Zermanschen der Köpfe und Abtrennen von Gliedmaßen wird zelebriert – wir wissen ja um die Gore-Vergangenheit von Peter Jackson.
Ein bisschen Pathos gibt es dann noch mit mehr Trauer um die toten Helden in der Grabkammer des Berges samt kurzer Krönung von Dain Eisenfuss, da Thorin Eichenschild ja ins Gras gebissen hat.
Obwohl die Trilogien Herr der Ringe und Hobbit beide von Peter Jackson stammen, lassen sich beide Reihen nur bedingt vergleichen. HdR hat mehr Pathos, mehr Tiefe, aber im Vergleich zum Hobbit deutlich schlechtere CGI. Der Hobbit ist schneller, spontaner, nimmt sich weniger ernst. Aus dem Kinderbuch der kleine Hobbit ist zwar kein Kinderfilm geworden, aber die Handlung wurde schon arg gestreckt, um auf drei Teile zu kommen. Und dennoch: Die Filme machen Spaß und auch das Zusatzmaterial auf den beiliegenden Blu rays der Extended Version ist wieder einmal vorbildlich. Gut gemacht Peter Jackson und ich glaube, dass war es dann mit dem Mittelerde-Universum. Die beiden Werke Nachrichten aus Mittelerde und vor allem Das Silmarillion gelten für mich als nicht verfilmbar. Das schafft auch ein Peter Jackson nicht. Vielleicht gelingt es mit Die Kinder Húrins, aber das wird mit Sicherheit kein Kassenknüller.

Christopher Lee – Mein persönlicher Nachruf

12. Juni 2015

Meine erste Begegnung mit Christopher Lee war eine ganz üble Verwechslung. Ich hatte als Kind Dracula von 1930 mit dem großen Bela Lugosi gesehen und hatte vor diesem Vampirfilm keine Angst. Als meine Kumpels sagten, dass Dracula im Fernsehen wiederholt werden sollte, schlug ich vor, den Film gemeinsam anzusehen. Ich hatte den Mund großmäulig weit aufgerissen und war Wortführer, wie harmlos dieser Streifen sei. Also versammelten sich vier junge Menschen im Wohnzimmer meiner Eltern und wir schauten im Rahmen der ZDF-Reihe der phantastische Film Dracula. Allerdings schauten wir nicht den Dracula von 1930, sondern den Dracula von 1958. Hauptdarsteller war nicht Bela Lugosi, sondern Christopher Lee. Der Film war nicht in schwarzweiß, sondern in Farbe und blutig. Und uns Jugendlichen ging die Muffe. Lee spielte den Vampir elegant, aber brutal und blutrünstig.
Später kaufte ich mir zahlreiche Hammer-Filme mit Christopher Lee auf DVD, wobei mir aber die Dracula-Filme am liebsten waren. Frankenstein ging, die Mumie mochte ich nicht so. Richtig gerne mochte ich Dracula jagt Mini-Mädchen und die Komödie Die Herren Dracula. Irgendwann sah ich mal den The Wicker Man in einer Horror-Nacht im Kino und war fasziniert – heute ist der Film einer meiner liebsten Horror-Filme mit Christopher Lee, auch wenn den Film wohl kaum einer kennt. Fein war auch der Bond-Film Der Mann mit dem goldenen Colt.

Ich habe von Christopher Lee noch ein Autogramm bekommen.

Ich habe von Christopher Lee noch ein Autogramm bekommen.

Jahre später hatte ich mit Christopher Lee ein Interview auf einem Fantasy Filmfest in München. Ich war damals für meine Schülerzeitung vor Ort und furchtbar nervös. Ich hatte eine ganze Liste von Fragen vorbereitet. Aber anstatt meine Fragen zu stellen, erzählte ich ihm die Verwechslungsgeschichte und er amüsierte sich köstlich. Ich bekam ein Autogramm auf einem alten Aushangfoto von 1958, das heute noch in meinem Arbeitszimmer hängt. Später 1982 traf ich ihn nochmals bei der Premiere des Zeichentrickfilms „Das letzte Einhorn“. Dort sprach er den bösen König Haggard und war verblüfft, dass Lee die deutsche Synchronisation selbst vornahm. Er sprach ein sehr gutes Deutsch und ich kasperte mich damals mit meinem Schulenglisch ab. Er war ein cooles Schlitzohr, sehr, sehr britisch.

Mein Autogramm von Sir Christopher Lee auf einem Original-Aushangfoto von Dracula 1958.

Mein Autogramm von Sir Christopher Lee auf einem Original-Aushangfoto von Dracula 1958.

Nach dem Horror-Film Das Haus der langen Schatten wurde es für mich still um Christopher Lee. Vielleicht spielte er noch irgendwo mit, aber ich bekam es nicht mehr mit. Auf einem Flohmarkt kaufte ich einmal wunderschöne Musik aus Herr der Ringe, aufgenommen vom dänischen Tolkien Ensemble und der Stimme von Christopher Lee. Später erschien die 4 CD-Box unter dem Titel The Lord of the Rings: Complete Songs and Poems – Christopher Lee vom Tolkien Ensemble und ich habe im Dezember 2012 darüber gebloggt. Die Metal-Sachen waren nicht mein Fall.
Erst als er bei Star Wars Count Dooku und bei Herr der Ringe als Saruman wieder erschien, sah ich den großen Mann im Kino und vor allem auf Blu ray. Gerade bei Herr der Ringe kam Lees Schauspieltalent in der Extended Version von Herr der Ringe zu Tage, Peter Jackson sah das wohl zunächst nicht so. Auch beim Hobbit durfte er wieder auf der Leinwand erscheinen und ich bin gespannt auf die Extended Version vom dritten Hobbit.
Nun ist Sir Christopher Lee im Alter von 93 Jahren verstorben. Vielen Dank für Ihre Filme Sir Christopher.

Eins, zwei, drei – die große Klopperei im Hobbit 3

29. Dezember 2014
Endlich kam ich dazu, den dritten Teil vom Hobbit anzusehen.

Endlich kam ich dazu, den dritten Teil vom Hobbit anzusehen.

Mit einiger Zeit Verspätung aufgrund von Krankheit kam ich jetzt erst in den Genuss des dritten Hobbits – die Schlacht der fünf Heere. Das Warten hat sich gelohnt – das große Finale war die erwartete Klopperei mit Pathos und Landschaft. Im Grunde geht es nur darum: Klopperei, Pathos und Landschaft.
Aber mir hat der Abschluss der Trilogie gehörig Spaß gemacht, auch wenn wieder Tolkien-Fans aufschreiben, was Peter Jackson aus dem freundlichen Kinderbuch Der kleine Hobbit gemacht hat. Ja, ja, die Argumente kennen wir schon: Das wunderbare Buch wurde zu einem Blockbuster aufgeblasen, Figuren eingefügt, Figuren erfunden – na und? Wenn ich eine Literaturverfilmung sehen will, muss ich mir etwas anderes ansehen als den Hobbit. Wobei ich natürlich als Tolkien-Fan der siebziger Jahre schon das eine oder andere Mal schlucken musste, was Jackson aus der Vorlage gemacht hat, aber egal.
Für mich war es ein großartiges Kinoereignis. Und auch schauspielerisch hat dieser Film eine neue Wendung erreicht. Mir hat das Ringen der Figuren Bilbo und Thorin miteinander sehr gut gefallen. Es war glaubhaft, den aufsteigenden Wahnsinn bei Thorin zu beobachten und die Zerrissenheit von Bilbo zu sehen, ob er un den Arkenstein herausrücken soll oder nicht. Das hat fast das Niveau zwischen Gollum und Bilbo.

 Benedict Cumberbatch kann alles spielen - sogar nen Drachen.

Benedict Cumberbatch kann alles spielen – sogar nen Drachen.

Da ich die deutsche Fassung in 2D angesehen hatte, musste ich mir die Interpretation von Benedict Cumberbatch als Drache aus dem Netz besorgen. Es gibt wohl nichts, was Benedict Cumberbatch im Moment nicht spielen kann: Sherlock, Star Trek-Bösewicht Khan und einen fiesen Drache. Als Star Wars-Bösewicht wird er entgegen allen Gerüchten nicht beteiligt sein, sagt er.
Dabei sind die Hobbit-Filme über die Jahre gereift, der Humor ist über die Teile fast verschwunden und das hat der Serie gut getan. Natürlich warten wir jetzt auf den Extended Cut durch Peter Jackson mit noch mehr Klopperei und noch mehr Pathos und noch mehr Landschaft.
Von Peter Jackson hört man, dass er nach dem Extended Cut mal wieder einen normalen Film drehen will. Schade, kann ihm bitte jemand das Silmarillion schicken, da wären ein paar Anregungen für weitere Filme aus dem HdR-Universum enthalten.

Wunderbarer Soundtrack zum Film von Howard Shore.

Wunderbarer Soundtrack zum Film von Howard Shore.

Sehr schön fand ich übrigens das Ende vom Hobbit und das Anknüpfen an Herr der Ringe. Bilbo hat den Ring, feiert seinen 111. Geburtstag und Herr der Ringe nimmt Fahrt auf. Das wird auch musikalisch vorbereitet. Der Soundtrack von Howard Shore für den dritten Hobbit ist wieder absolut großartig. Dieses Mal nicht so dunkel wie in Teil 2. Der Score The Hobbit : The Battle Of The Five Armies als Extended Version gefällt mir bis auf die Verpackung hervorragend. Der Pappschuber ist eine Zumutung. Die Musik ist wieder eine Wohltat, die Themen aus dem zweiten Teil werden aufgegriffen und weitergeführt. Moderne Programmmusik im 21. Jahrhundert mit allerei Leitmotiven, die uns Wagner in die Musik gebracht hat. Der letzte Song The Last Goodbye wurde von Billy Boyd gesungenen und ist nicht mein Fall. Vielleicht kommt irgendwann eine komplette Version von Hobbit 1-3 heraus, wie es beim Herr der Ringe der Fall war. Dann heißt es wieder zugreifen – bis es soweit ist, muss ich muss mit der Extended Version begnügen.

Comictipp: Der Hobbit als Grafic Novel

12. Juni 2014

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Nachdem der Erlanger Comic Salon wieder vor der Tür steht, ist es an der Zeit sich wieder mit Comics zu befassen. Ich nehme dieses Mal Tolkien zur Hand. Der Hobbit als Grafic Novel? Muss das sein? – Ja es muss und vor allem die Idee ein Kinderbuch als Comic umzusetzen ist hervorragend.

Das literarische Werk von J.R.R. Tolkien ist wegweisend und da ist es natürlich klar, dass hier viele von dem Erfolg etwas abhaben wollen. Bestes Beispiel ist Peter Jackson mit seinen Hobbit-Verfilmungen. Dieses Jahr droht uns ja Teil 3.

Aber zurück zum Comic. 2008 kam Der Hobbit als Comic auf den Markt und erschien vor einiger Zeit wieder – in überarbeiteter Version. Rund 30 Seiten wurden neu gescannt und farblich überarbeitet, so dass die Farben nicht mehr so blass daherkommen. Auch das Cover des Buches wurde gewechselt.

Autor Charles Dixon ist eigentlich Kinderbuchautor und arbeitete für Disney. Hier lässt sich Schlimmes befürchten, wenn sich ein Disney-Mann um Tolkien kümmert. Aber Charles Dixon ist die ganze Sache mit viel Gefühl und Gespür angegangen und hat das Kinderbuch von Tolkien in die Welt der Grafic Novels transferiert, ohne dass das Original Schaden nimmt. Einige Texte wurden modernisiert, denn die Sprache Tolkiens von 1937 entspricht nicht mehr den Lesegewohnheiten der jungen Comic-Leser. Was in der klassischen Übersetzungsliteratur ein Frevel wäre, ist hier eine konsequente Weiterentwicklung, die vor allem eines macht: Spaß.

Illustriert wurde das Buch von David Wenzel, der Tolkien-Fans kein Unbekannter ist. Er lieferte Zeichnungen zu Lin Carters Middle Earth, The World of Tolkien Illustrated. Seine Zeichnungen schaffen für mich eine Figurenwelt, wie sie sich Tolkien in großen Teilen wohl vorgestellt hätte. Ich bin zwar nicht mit allem einverstanden, wie beispielsweise die Figur des Gollums, aber das ist wohl Ansichtssache. Die Illustrationen im Der Hobbit sind detailreich mit der Aquarelltechnik gestaltet, frisch gescannt und die Farben kommen jetzt im Druck vom Carlsen Comics prächtig daher.

 

Filmtipp: King Kong – Produktionstagebücher

23. April 2014

Irgendwann habe ich in einer DVD-Ramschkiste die Doppel-DVD King Kong – Produktionstagebücher mitgenommen und jetzt wieder im Rahmen meines King Kong-Fiebers ausführlich angeschaut.

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Ich muss schon sagen: Peter Jackson hat es einfach begriffen. Er sammelte bei der Produktion mit Herr der Ringe wichtige Erfahrungen, wie ein Film schon während der Produktion zu vermarkten ist und legte eine Fanseite im Netz an. Bei King Kong ging er einen Schritt weiter und veröffentliche auf einer speziellen Website und in YouTube umfangreiche Making of-Berichte und ließ die Fans während der Produktion einen Blick hinter die Kulissen werfen. Trotz aller Geheimniskrämerei bei solchen Großproduktionen war das Webteam von Peter Jackson bei den Dreharbeiten und der Postproduktion mit dabei und dokumentierte das Geschehen. Das gesamte Material wurde als Produktionstagebücher im Web veröffentlicht und es gab es auch als Doppel-DVD.  Ingesamt gibt es  237 Minuten Humorvolles und Interessantes über die Produktion von King Kong zu erfahren.

Es ist im Grunde genial. Der Filmfan Peter Jackson veröffentlicht ein Making of mit den Mitteln des Films. So sollten im Grunde Making of-Inhalte von Filmen dargebracht werden. In der Regel werden Filmbücher veröffentlicht, die auch ihre Berechtigung haben. Aber Hintergrundmaterial in solcher Hülle live im Netz zu einem Blockbuster ist eher eine Seltenheit. Ich finde den Schritt sehr mutig und zeigt, welches Gespür hier Jackson hat.

In der Zeit von September 2004 bis April 2005 kann der Zuschauer zwischen den Drehtagen zu King Kong wählen, die entweder nach Datum oder Drehort sortiert anwählbar sind. Jackson oder Teile seiner Crew berichten, an was sie gerade arbeiten, wie die Umstände der Produktion ablaufen. So erfahren wir aus erster Hand die Infos über eine Großproduktion.

Interessant auch, wie die Darsteller reagieren, als sie die Kamera der Tagebücher-Crew das erste Mal sehen. Sofort kommen die Fragen wie “dürfen die das überhaupt?” Und auch Peter Jackson war im ersten Spot zunächst kurz angebunden und er kannte aber später das riesige Potential der Produktionstagebücher im Web.

Also King Kong-Fans: King Kong – Produktionstagebücher Ansehen und genießen. Und alle Filmverantwortlichen: King Kong – Produktionstagebücher Ansehen und vom Meister Jackson lernen.

 

Buchkritik: Der neue King Kong von Bruce Bahrenburg

22. April 2014

Kong4

Ich gebs zu, ich mag die King Kong-Verfilmung von 1976 nicht. Ich saß damals als Kind im Kino und wollte “das aufregendste Kino-Erlebnis aller Zeiten” genießen und es war eine große Enttäuschung. Auch als ich mir den Film Jahre später auf DVD wieder angeschaut habe, konnte ich den Film nicht genießen. Ich war einfach nur genervt. Am meisten nervten mich die Darsteller Jessica Lange und Jeff Bridges. Es war wie viele Produktionen von Dino De Laurentis, die groß angekündigt waren, sich aber am Ende nicht als Knaller, vielmehr als Knallerbse entpuppten.

Heute habe ich mir den Film wieder angesehen und muss zugeben, die kurzen Robotertricks waren nicht von schlechten Eltern und vor allem die Musik von John Barry war fabelhaft. Ich werde über den Soundtrack wohl einen gesonderten Blogpost schreiben. Dennoch bleibe ich dabei: Für mich ist der Film eine Enttäuschung, anders als sein Nachfolger King Kong von Peter Jackson.

Kong in Action.

Kong in Action.

In meinem Archiv entdeckte ich aber ein wunderbares Filmbuch von Bruce Bahrenburg: Der neue King Kong. Es war das damals einzig autorisierte Buch zur Neuverfilmung und bei aller Kritik an dem Film: Das Buch macht Spaß. Anders als die heutigen Filmbücher, die im Grunde eine Art opulentes Bilderbuch mit etwas längeren Bildunterschriften sind, ist dieses Buch ein umfangreiches  Lesebuch. Es ist sehr flüssig geschrieben und Fans können es an einem Nachmittag lesen. Natürlich wird der Film durch eine rosarote Brille gesehen, aber wer zwischen den Zeilen lesen kann, erfährt eine Menge über den Hintergrund des neuen King Kongs und wie Produktion ablief. Groß wollte Dino De Laurentis einsteigen, musste aber dann sparen, sparen, sparen. Es gibt von dem Film eine deutlich längere TV-Fassung, die ich allerdings nie gesehen habe und meines Wissens bisher nur im US-Fernsehen lief. Vielleicht würde mich diese Fassung versöhnlicher machen, die Kinofassung von rund 134 Minuten mag ich einfach nicht. Und die Fortsetzung ein paar Jahre später ist ebenso schrecklich.

Wir erfahren viele, viele Details, darunter dass Roman Polański und Sam Peckinpah die Regie des Filmes ablehnten. Nicht im Buch steht die Geschichte, dass Meryl Streep vorsprach, aber von De Laurentis in italienischer Sprache abgelehnt wurde, was aber Meryl Streep wiederum verstand und sauer abzog. Ob die Geschichte wirklich stimmt, weiß ich nicht, aber sie passt zur Arbeitsweise von De Laurentis, der zahlreiche Flops ablieferte, aber auch enorm wichtige Filme wie La Strada produzierte.

Ich mochte den Roboterarm von Kong, aber ich mochte nicht die schreiende Jessica Lange.

Ich mochte den Roboterarm von Kong, aber ich mochte nicht die schreiende Jessica Lange.

Das Buch von Bruce Bahrenburg bringt neben einigen schwarzweiß Filmfotos auch eine paar Blicke hinter die Kulissen. Am meisten hat mich natürlich die Robotertechnik von King Kong interessiert. Leider ist der Robo-Kong nur ein paar Sekunden im fertigen Film zu sehen, denn ein Darsteller im Affenkostüm wirkte einfach glaubwürdiger. Aber über den Roboter wurde damals richtig Wirbel gemacht, so dass ich Kino über eine Stunde auf King Kong warten musste, um die Bestie dann auf der Leinwand zu erleben. Carlo Rambaldi konstruierte den Roboter. Rambaldi ist Mitglied der Akademie der Schönen Künste, Maler und Bildhauer und arbeite zuvor 24 Jahre für VFX in italienischen Filmen. King Kong war sein größtes Projekt bis dahin und er scheiterte. In dem Buch wird der Produktionsprozess des Roboters schön beschrieben. Vielen Filmzuschauern wird vor allem die Roboterhand in Erinnerung sein, in der Jessica Lange Platz nehmen und schreien durfte. Im Grunde war der Roboter aus heutiger Sicht nicht mehr als eine bewegliche Figur aus der Geisterbahn. Die Tricktechnik der damaligen Zeit war eben nicht soweit und der Meister der mechanischen Objekte bliebt nun einmal für mich Stan Wilson.

Aber das Buch Der neue King Kong macht Spaß und ich kann es allen Filmfans ans Herz legen. Ich hätte gerne die bildgewaltigen Filmbücher von heute mit dem langen und ausführlichen Text von früher. Ich hoffe, es muss kein Traum bleiben.

Es gab unterschiedliche Plakate - hier mit Flugzeug, obwohl Hubschrauber den Kong angriffen.

Es gab unterschiedliche Plakate – hier mit Flugzeug, obwohl Hubschrauber den Kong angriffen.

 

Buchkritik: the Making of King Kong von Jenny Wake

21. April 2014

Kong

Während die Welt und ich auf die Neuverfilmung von Godzilla warten, hab ich mir mal wieder den King Kong von Peter Jackson reingezogen. Der Affe verkörpert für mich den klassischen Abenteuerfilm pur. Jackson hat viel Prügel für den Film kassiert, doch ich mag ihn. Er hat seine ganz eigene Stimmung und ist eine Erinnerung von die alte Verfilmung. Den Mist aus den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts lassen wir lieber unter den Tisch fallen. Die Idee zu King Kong stammte übrigens von Edgar Wallace, was die wenigsten wohl wissen.

Nachdem ich bereits ein King Kong-Buch vorgestellt habe, kommt hier The Making of King Kong. Es ist der offizielle Guide zum Film. Geschrieben wurde das Buch von Jenny Wake. Es führt einen zurück in die Ära der dreißiger Jahre als Art Deco noch Stilgebend war. 200 Fotos darunter einiges an Concept Arts, digitale Storyboards und einige hinter den Kulissen-Schnappschüssen liefert dieses Buch. Aber wie bereits bei anderen Making of-Büchern bleibt es an der Oberfläche. Zuviel Content in einem Buch, obwohl Material für eine ganze Reihe von Filmbüchern dagewesen wäre. Für den klassischen Filmfan mag es ausreichen, für den Spezialisten ist The Making of King Kong im Grunde eine Enttäuschung. Oberflächlich werden Motion Capture oder die Agents von Massive abgehandelt. Gerne hätte ich einmal ein wirkliches Making of aus diesem Bereich gelesen.

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Am meisten interessiert hat mich natürlich der Affe selbst, also Meister King Kong. Leider kommt er erst in der zweiten Buchhäfte in Erscheinung. Und hier kommt natürlich der großartige Andy Serkis ins Spiel. Serkis ist der Star der Branche. Peter Jackson  arbeitete bereits mit Andy Serkis bei seiner Darstellung als Gollum in Herr der Ringe und auch im ersten Teil des Hobbits. Andy Serkis hat aktuell bei der neuen Verfilmung von Planet der Affen: Revolution mitgewirkt und wird hier seine Leistungen im Bereich Motion Capture einbringen. Wir dürfen auf die Affenfolge gespannt sein.

Der große Andy Serkis

Der große Andy Serkis

Mir kommt der ganze Bereich von Andy Serkis in diesem Buch zu kurz. Andy Serkis hat das künstlerische Handwerk des Performance Capture revolutioniert. Performance Capture ist eine spezielle Art des Motion Capture, bei dem die Mimik und Gestik eines Schauspielers getracked, digital verarbeitet und im Anschluss auf einen computergenerierten Charakter übertragen werden. Serkis‘ Arbeit als Motion Capture-Darsteller und Sprecher von CG-Figuren wie Gollum brachten ihm große Bekanntheit ein. Andy Serkis gewann weltweit unzählige Fans für seine Darstellung des Gollum in Peter Jacksons Oscar-prämierter Der Herr der Ringe-Trilogie. Für diese Rolle wurde Serkis mit einem Empire Award sowie Outstanding Ensemble Cast Awards ausgezeichnet, darunter auch mit dem Screen Actors Guild Award. Bei einer erneuten Zusammenarbeit mit Jackson spielte Serkis in King Kong gleich zwei prominente Rollen. Serkis‘ Fähigkeit, die Motion Capture-Möglichkeiten so auszuschöpfen, dass ein differenzierter und glaubwürdiger Character entsteht, wurde 2014 mit einem CinemaCon Vanguard-Award gewürdigt.

Vor kurzem wurde bekannt, dass Serkis bei der Warner Bros.-Adaption von Richard Kiplings Das Dschungelbuch Regie führen wird. Er war bereits als Second-Unit-Regisseur bei Peter Jacksons Der Hobbit-Trilogie (aktuell: Der Hobbit: Smaugs Einöde) tätig und übernahm zudem die Rolle des Gollum in Der Hobbit: Eine unerwartete Reise. Im Oktober 2012 kündigte Serkis die Übernahme von zwei Projekten an, die von seinem Londoner Performance-Capture Studio The Imaginarium produziert werden; bei The Bone Season wird Serkis sowohl als Produzent als auch als Regisseur in Erscheinung treten. Zu seinen weiteren bekannten Rollen zählt die Verkörperung des Captain Haddock in Steven Spielbergs Die Abenteuer von Tim und Struppi sowie Nebenrollen in Death of a Superhero und Brighton Rock. 2010 erntete Serkis Darstellung der Punk-Rock-Legende Ian Dury in dem Film Sex & Drugs & Rock & Roll von Mat Whitecross viel Beifall und brachte ihm außerdem eine BAFTA Nominierung als bester Schauspieler ein.

Seine weitere Filmografie umfasst Filme und Serien wie Burke & Hare, die BBC Miniserie Little Dorrit, die BBC/HBO Produktion Einstein und Eddington, Oliver Twist oder Christopher Nolans The Prestige. Für seine überzeugende Darstellung des Ian Brady in der HBO Produktion Longford wurde er mit einem Golden Globe und einer BAFTA TV Award Nominierung geehrt. Als renommierter Bühnendarsteller erwarb sich Serkis für seine Arbeit in London und ganz Großbritannien großes Ansehen und debütierte darüber hinaus als Regisseur mit dem Stück The Double Bass am Londoner Southwark Playhouse. Zu seinen weiteren Regiearbeiten gehört das preisgekrönte Spiel Heavenly Sword für Playstation3 sowie Enslaved: Odyssey to the West für Namco Bandai Games. Für den Kurzfilm Snake, bei dem seine Frau Lorraine Ashbourne und Rupert Graves mitspielten, schrieb er das Drehbuch und führte außerdem Regie.

In Planet der Affen: Revolution stehen sich das neu entstandene Volk der intelligenten Affen unter der Führung von Caesar und eine Gruppe von Menschen gegenüber, die das vor zehn Jahren freigesetzte, verheerende Virus überlebt hat. Sie beschließen ein Friedensabkommen, das sich aber als so fragil erweist, dass ein letzter Kampf unausweichlich scheint – ein Kampf, der die Vorherrschaft über die Erde entscheiden wird. Planet der Affen: Revolution wird ab dem 7. August 2014 in den deutschen Kinos zu sehen sein.

Foto 3

Bei King Kong konnte Andy Serkis seine Erfahrungen als Affe sammeln. Ausgestattet mit einem Performance Capture-Anzug spielt er, kopiert er, limitiert er einen Affen perfekt. Aber leider auch das kommt im Buch The Making of King Kong etwas zu kurz. Ich hätte gerne ein Buch wie zu Gollum über die Leistungen von Andy Serkis gehabt. Schade.

Buchtipp: Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs von Gary Russell

20. Januar 2014

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Der dritte Band der Concept-Art-Reihe von Gary Russell Titel ist sicherlich der dunkelste Band dieser Reihe: Der Herr der Ringe. Die Rückkehr des Königs. Die Erschaffung eines Filmkunstwerks. Sammler lieben dieses Buch, so dass die Preise auf entsprechenden Börsen nach oben gegangen sind. In diesem Band geht es um Stimmungen und Eindrücke, weniger um Details wie Waffen oder Kostüme. Wer das will, dem seien die beiden ersten Bände der Reihe eher zu empfehlen. Hier dazu meine Blogpost und hier.

Wir begeben uns auf die letzte Etappe unserer Reise und da wird es dunkel und gefährlich. Die bekannten Orte sind unter anderem Ithilien, Dunhard und die Pfade der Toten, Minas Morgul, die Schlacht um Gondor, die Prlrnnot Felder, das schwarze Tor und schließlich Mordor.

Der Text steht, wie bei diesen Büchern üblich, eher im Hintergrund. Es wirken die großartigen, eindrucksvollen Bilder. Ob es Kunst ist, muss jeder für sich selbst beurteilen. Auf jeden Fall erzeugen sie eine eindrucksvolle Stimmung, die die Herr der Ringe-Verfilmung von Peter Jackson widerspiegeln. Ich durfte selbst John Howe und Alan Lee mal kennenlernen und bin von ihrer Kreativität schwer beeindruckt. Weta hat hier hervorragende Leute unter Vertrag genommen. Immer wieder wird davon geschwärmt, mit welch hoher Sensibilität sie an ihre Arbeit gingen und wer die Bilder des vorliegenden Buches Der Herr der Ringe. Die Rückkehr des Königs. Die Erschaffung eines Filmkunstwerks betrachtet, wird diese Sensibilität erkennen. Das schon alleine reicht aus, um das Buch immer wieder in die Hand zu nehmen und darin zu blättern. Herr der Ringe war ein opulentes Filmkunstwerk und dieses Buch zeigt auch warum.

Buchtipp: George Lucas Star Wars: Frames

23. November 2013

Im Frühjahr 2014 starten die Dreharbeiten vom neuen Star Wars-Film. Bis es soweit ist, genieße ich die alte Serie und hab mir ein persönliches Weihnachtsgeschenk schon heute gemacht: Die legendäre Frames-Box von George Lucas allerdings in der preiswerten Volksausgabe und nicht die 3000 US-Dollar Variante.

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Star Wars: Frames ist im Grunde ein hochwertiges Bilderbuch. Es umfasst 1416 Szenenbilder aus allen sechs Star Wars-Filmen, auf hochwertigen Papier gedruckt. In zwei Bänden sind die Bilder der beiden Dreiteiler auf über 730 Seiten zusammengefasst. Lucas selbst, so wird uns als Leser erklärt, habe die Bilder von den Negativen der Filme ausgewählt und J.W. Rinzler hat den Begleittext verfasst. Rinzler gehört zur Star Wars-Familie und hat einige Filmbücher für LucasFilm geschrieben.

Wenn ich die Bilder ansehe, höre ich die Dialoge der Schauspieler in meinem Kopf. Das Kopfkino ist voll da und ich genieße die Filme auf ein neues. Durch die umfangreichen Standbilder finde ich aber immer wieder neues, entdecke viele Details, die im bewegten Bild einfach untergingen. Das ist für mich eine große Bereicherung und stimmt mich gleichzeitig sehr traurig. Ich hätte Frames auch gerne von anderen Filmen, die mir viel bedeuten. Wie beispielsweise die Werke von Stanley Kubrick oder auch von Peter Jackson. Aber im Moment sitze ich eben Stunde um Stunde und durchlebe das Star Wars-Fieber. Für mich ist die Sammelbox auch eine Möglichkeit, mir dem ungeliebte Prequel wieder zu näheren. Ich machte die Teile nicht so sehr, sie waren mir einfach zu glatt und die Darsteller zu oberflächlich. An den Tricks und der Ausstattung kann man aber nicht herummeckern.

Dort sind es vor allem die Kostüme von Königin Amidala, die mich faszinieren. Kostümdesignerin Trisha Biggar hat ganze Arbeit für das Prequel geleistet und steht für mich ganz in der Tradition von meiner Lieblingsdesignerin Eiko Ishioka. Durch die Bilder zeigt sich, wie sauber hier von Trisha Biggar gearbeitet wurde, denn die Bilder legen ein ungeheures Detailreichtum an den Tag.

Star Wars: Frames ist für mich das ideale Geschenk für Star Wars-Fans und sicher ein heißer Tipp für das Christkind.

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Tolkiens Der Hobbit auf Vinyl

22. Oktober 2013

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Das Thema Vinyl ist eigentlich bei mir durch. Bis auf ein paar Singles für die Juxebox kaufe ich keine Schallplatten mehr. Eigentlich. Aber es gibt Ausnahmen, denn ich habe ja noch drei vollfunktionstüchtige Schallplattenspieler, die ab und zu Futter brauchen. Mein neuester Kauf ist eine kleine Liebhaberei. Ich habe mir die limitierte Vinyl-Box vom Der Hobbit angeschafft.

Ursprünglich sollte die Box mit sechs 180 Gramm schweren LPs in einer Auflage von 500 Exemplaren herauskommen. Der Münchner Hörverlag war über die Resonanz wohl selbst überrascht und erhöhte die Auflage schnell mal auf 7000 Stück und die gehen weg wie warme Semmeln.

Da gilt es für den Sammler aus Mittelerde schnell zuzuschlagen. Natürlich gibt es nichts neues, denn die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1980 und wurde schon lange auf CD veröffentlicht. Es handelt sich um das Hörspiel des WDR, das die zuständige Redakteurin Ingeborg Oehme-Tröndle zusammen mit Hörspielregisseur Heinz Dieter Köhler produziert hat. Das Teil hat nun mehr fast 35 Jahre auf dem Rücken und wirkt ein wenig angestaubt. Heutige Hörspiele klingen flotter, voller, schneller und bombastischer. Aber es hat auch seine unvergleichlichen Höhepunkte. Ich liebe beispielsweise den Auftritt von Wolfgang Spier als Ballin und vor allem die Gollum-Interpretation des legendären Jürgen von Manger. Es ist eben ein Spiel der Stimmen und die musikalischen Einlagen sind dezent. Es ist eine gelungene Inszenierung der Stimmen. Es ist nicht Peter Jacksons VFX-Kracher als Hörspiel. Wer dies erwartet, der wird massiv enttäuscht. Es ist ein Kammerspiel, das seine Wirkung durch ausgebildete Sprecher erzielt. Und die zwingen den Zuhörer wirklich zum Zuhören und sich auf das Einlassen der Stimmen. Beim Hören sollte man schließlich immer bedenken: Das Teil wurde für das Radio produziert.

Für mich als Herr der Ringe-Fan der frühen Jahre verstärkt die Vinyl-Ausgabe Der Hobbit nochmals den Reiz vergangener Tage. Ich habe mir gerne das Hörspiel zweimal auf LP angehört und bin dann dazu übergegangen, dass Hörspiel auf CD für unterwegs als mp3 zu rippen.

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