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London – meine Enttäuschung bei HMV und Co

8. Juni 2018
Früher bin ich mit einem leeren Koffer nach London geflogen und kam mit einem Koffer voller Schallplatten zurück.

Früher bin ich mit einem leeren Koffer nach London geflogen und kam mit einem Koffer voller Schallplatten zurück.

Als Jugendlicher bin ich oft nach London gefahren, denn London war für mich das Mekka der Pop-und Rockmusik in Europa. Ich bin mit einem leeren Koffer in die Stadt gefahren, verbrachte Tage in Schallplattenläden und bin mit einem vollen Koffer wieder zurückgefahren. So baute ich mir in der Vergangenheit eine stolze LP- und Singlesammlung auf, von der Stadt London selbst mit den Sehenswürdigkeiten hatte ich einige Jahre nichts gesehen. 

Früher war es für mich der erste Anlaufpunkt: HMV

Früher war es für mich der erste Anlaufpunkt: HMV

Jetzt bin ich wieder mit meiner Familie nach London gefahren und suchte die Wirkungs- und Konsumstätten meiner Jugend auf. Meine Tempel der Jugend waren einst die Filialen von Tower Record oder die Zweigstellen von His Masters Voice (HMV). Und dann gab es noch viele kleine Plattenläden. Und heute traf ich wieder auf HMV an der 363 Oxford-Street und ich war enttäuscht. Amazon hat zugeschlagen und das Musikgeschäft auf den Kopf gestellt. Hatte ich früher seltene Ausgaben gefunden, habe ich heute nur Standardware gesehen. Die Preise waren etwas teuerer als bei Amazon, ein paar Sachen waren billiger. 

Das wirkliche Geschäft macht der Laden wohl weniger mit Musik als vielmehr mit Merch-Zeugs wie Funko Pop-Figuren, T-Shirts oder Tassen. Die Abteilungen für DVDs und Blu Rays waren bei meinem Besuch kaum besucht, einzig in der blutigen Horror-Abteilungen tummelten sich ein paar Fans. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass diese Schlachter-Filme nicht per Video on Demand bei Netflix und Co zu bekommen sind. Ein gewisses Revival hat wohl die Vinyl-Abteilung. Es gab einige Reihen mit Schallplatten für teures Geld, aber kein Vergleich zu den schwarzen Scheiben meiner Jugend. Ich selbst war auf der Suche nach Picture Discs von Soundtracks und habe nicht eine Scheibe gefunden. Ich habe vor Frust in der kleinen Soundtrack-Abteilung zwei, drei Scores auf CD gekauft, die es bei Amazon auch gegeben hätte.

Ich sag es nicht gerne: Bei meinem nächsten Besuch spare ich mir den Besuch von HMV und Co und werde mich den Sehenswürdigkeiten von London widmen.  

Limitierte Vinyl-Ausgabe: Game of Thrones Season 5 Soundtrack ausverkauft

10. Oktober 2015

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Als Soundtrack-Fan freue ich mich über neue Veröffentlichungen. Jetzt kam die Meldung, dass der Soundtrack von Game of Thrones veröffentlicht wurde – und zwar auf Vinyl.
Den Soundtrack als CD oder Download gibt es bereits seit 10. Juli 2015. Nun kam in limitierter Version die Vinyl-Ausgabe. In einer exklusiven Auflage sind die ersten 2500 LPs nummeriert und auf silberfarbenen Vinyl gepresst. Innerhalb eines Tages war der Soundtrack restlos ausverkauft. Der ausschließlich im HBO Shop erhältliche Game of Thrones Season 5 Soundtrack bestand aus zwei Vinyl Schallplatten mit Klappcover. Die 180 Gramm schweren Schallplatten beinhalten die 17 Titeln der mehrfach ausgezeichneten Serie. Das Ganze gab es beim HBO Global Licensing-Shop für Europa für 50 Euro. Jetzt gibt es nur noch die CD und die Download-Datei.
Das klingt alles ganz fein und ich freue mich grundsätzlich über den Erfolg des Soundtracks. Und jetzt kommt das Aber. Die Musik stammt wie bei den anderen Teilen auch von Ramin Djawadi. Und ich mag die Musik nicht. Die Musik hat sich mit dem Teil 5 weiterentwickelt, aber im Grunde ist es das alte Zimmer-Schema. Themen zu Tode reiten. Ich finde sie schrecklich. Es ist die klassische Musik meines Hass-Komponisten Hans Zimmer. Kennste einen Soundtrack aus dem Zimmer-Universum, dann kennste alle. Es gibt ein paar Ausnahmen von Hans Zimmer, aber die meiste Musik aus seiner Industriefirma gefällt mir einfach nicht. Ich habe die Game of Thrones-CDs wegen der allgemeinen Beliebtheit gekauft und in den Schrank gestellt, aber ich höre sie nur ganz selten an. Es gibt soviel besseres. Und so habe ich die Vinyl-Ausgabe trotz aller Sammlerleidenschaft auch nicht bestellt.

Wasserschaden – reinigende Wirkung und Verlust zugleich

31. August 2015

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Ich hatte in meinem persönlichen Archiv einen Wasserschaden. Ein Kaltwasserventil war undicht und es tropfte in einen meiner Archivräume im Keller. Es muss schon eine ganze Weile getropft haben, denn der Schaden war enorm. Es erwischte einen Teil meiner Sammlung, die komplett aufweichte. Um die paar Holzregale war es mir nicht schade, aber um viele Inhalte tut es mir weh, persönlich und materiell.

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Was wurde alles getroffen? Zunächst zahlreiche Bücher. Sie sogen das Wasser auf und sind komplett unbrauchbar. Es handelte sich in der Regel um Fotobücher. Darunter waren Erstausgaben von Büchern über den 11. September von Magnum, Fotobände von Annie Leibovitz, die BILD-Sonderausgabe und Wirtschaftswunder-Ausgabe von Taschen in der Erstauflage, ein paar Bücher von Helmut Newton, ein Sammelband von Tween-Ausgaben und eine Originalausgabe von The end of Print von David Carson. Zudem erwischte es den schweren Ausstellungskatalog zur Documenta aus Kassel und einen Gutenberg-Katalog aus Mainz.
Ein Opfer des Wassers wurden zahlreiche Seminarunterlagen, die ich für meine Arbeit benötige, wie verschiedene Zeitschriften seit den sechziger Jahren, an denen ich die Layoutentwicklung zeige. Sehr ärgerlich, denn ich hatte die Layouts nicht gescannt, weil ich in den Seminaren immer gerne die Originale gezeigt hatte. Außerdem waren einige Bücher über die Geschichte der Fotografie und erste Experimentalbücher über digitale Fotografie darunter. Signierte Ausgaben von Sonderveröffentlichungen sind für den Müll.


Es erwischte auch einen Teil meiner Schallplattensammlung. Ich habe, nein ich hatte, eine große Sammlung von Vinyl-Schallplatten der sechziger und siebziger Jahre. Viele Erstveröffentlichungen von Pink Floyd (noch mit Poster), Emerson, Lake & Palmer als sie noch bei Atlantic unter Vertrag waren, Klaus Schulze Unikate versanken in den Fluten. Mehrere kostbare Dylan-Bootlegs, viele seltene Schallplatten von den Doors, Fats Domino, Buddy Holly und viele mehr wie eine Who Leeds-Ausgabe mit Fotos und Vertragstexten kann ich wegwerfen. Ich habe in den vergangenen Tagen eine Auflistung für die Versicherung gemacht. Mir blutet das Herz als ich die Original-Elvis Scheiben im Wasser sah. Die Covers waren aufgelöst und sogar die Labels von den LPs hatten sich bei einigen Platten gelöst. Der Sammlerwert ist heute nach dem Wasserschaden gleich null.
Einen tiefen Stich gab es im Herzen, als ich sah, dass es auch meine Postersammlung erwischt hatte. Als passionierter Apple Fanboy litten einige Think different-Plakate und 20 Plakate von der MacWorld Expo aus San Francisco mit dem iMac G4 2002 sind unwiderruflich verloren. Sie waren nur noch ein Klumpen. Einige teuere Plakate der ersten iPhone-Kampagne waren auch darunter. Ich bin also in Trauer.
Es wurden die Sachen Zug um Zug fotografiert und eine Liste für die Versicherung geschrieben. Ich hoffe, der Münchener Verein kann den materiellen Schaden ausgleichen. Meine Frau hat sofort unseren Ansprechpartner bei MV informiert. Der immaterielle Schaden ist enorm. Der Schadensregulierer vom Münchener Verein war schon vor Ort und wir haben den Schaden aufgelistet.
Aber bei all den Schattenseiten gibt es auch positives. Ich gehe jetzt daran, mein Archiv neu zu ordnen und zu strukturieren. Zudem haben meine Frau und ich viele Altkleider, Schuhe zu Kleidersammlungen gebracht. Auch Kuscheltiere der Kinder wurden an syrische Kinder gespendet, ich habe darüber gebloggt. Wir haben viele Regalmeter an durchweichten Bretter zum örtlichen Wertstoffhof gefahren und Teile des Kellers und der Garage aufgeräumt. Das hätte ich nicht in Angriff genommen ohne Wasserschaden. Aber ehrlich: Auf dieses Dreckwasser hätte ich verzichten können.

Musiktipp: Tubular Bells – the Ultimate Edition von Mike Oldfield

25. Mai 2015

Ein Musiker, mit dem ich mich immer wieder schwer tue, ist Mike Oldfield. Im Grunde habe ich über die Jahre sein komplettes musikalisches Oeuvre zusammengekauft, darunter auch zahlreiche seltene Singles und Maxis. Viele seiner Aufnahmen höre ich gerne, wie beispielsweise die sinfonischen Ergüsse zu Beginn seiner Karriere. Auch den Pop-Liedlichen aus den achtziger Jahren wie Moonlight Shawdow kann ich vieles abgewinnen. Ratlos bin ich dann über den Murks der neunziger Jahre mit Ausnahme von Amarok (1990), seiner Rache an Richard Branson.

The Ultimate Edition von Tubular Bells.

The Ultimate Edition von Tubular Bells.

Nachdem nun Mike Oldfields Sohn Dougal im Alter von 33 Jahren am 17. Mai 2015 plötzlich verstorben ist, stand Mike Oldfield wieder im Mittelpunkt meines Interesses. Zunächst aber mein Beileid für den Tod des Sohns. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Eltern ihr Kind begraben müssen.


Ich schaute meine Aufnahmen von Oldfield durch und blieb mal wieder bei seinem Debüt-Album Tubular Bells hängen. Es gibt ja zig verschiedene Versionen der Aufnahme der Röhrenglocken, aber ich möchte die Tubular Bells – the Ultimate Edition besonders hervorheben. Über das Album selbst, braucht man nicht viel schreiben. Es ist DER Klassiker aus dem Jahre 1972. Der damals 19jährige nahm im Alleingang dieses wichtige Werk der Rockgeschichte auf und spielte zahlreiche Instrumente selbst. Es war Oldfields erstes Album bei Richard Bransons Virgin und wurde ein Kassenschlager. Virgin kam mit dem Pressen der Vinyl-Alben gar nicht hinter her. Ich lernte Tubular Bells durch meinen inzwischen verstorbenen Freund Michael kennen. Als ich dann im Kino den Exorzisten anschaute, erkannte ich die Musik von Oldfield wieder und wurde sofort Fan des Musikers. Das Thema im 7/8-Takt von Tubular Bells hatte mich gefangen und wenn ich Tubular Bells – the Ultimate Edition auflege, dann ist dieses elektrisierende Feuer wieder da.

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Die Tubular Bells – the Ultimate Edition erschien bereits im Jahr 2009 und ist eher etwas für den Sammler. Wer nicht soviel Oldfield braucht, der sollte die Deluxe Edition wählen. the Ultimate Edition bringt Tubular Bells als Vinyl-Platte sowie drei CDs und eine DVD. Die CDs sind die Originalaufnahmen der Röhrenglocken und der geniale Stereo Mix von 2009. Hier hat der Meister selbst gemixt und der versteht den Umgang mit Nuendo. Er kitzelt Instrumentierungen heraus, die auf dem Original-Album verborgen waren. Hier hat sich die Überarbeitung und das Warten wirklich gelohnt. Oldfield konnte nach der Loslösung von Branson endlich wieder über seine Musik verfügen und hat bei Tubular Bells ganze Arbeit geleistet.

Ein absoluter Schatz sind allerdings die Demo-Aufnahmen von Tubluar Bells mit dem sich Oldfield damals bei Branson und Virgin vorgestellt hat. Die technische Qualität ist eher bescheiden, aber die musikhistorische Erkenntnisse sind phänomenal. Der 19jährige Oldfield hatte Talent, ein Wahnsinnstalent. Zum ersten Mal konnten wir Fans die Demos und Rohmaterial hören und die Komplexität des späteren Meisterwerkes erahnen. Dafür hat sich die Anschaffung der Ultimate Edition absolut gelohnt.

Humor von 1973.

Humor von 1973.

Musikalisch und aufnahmetechnisch allerste Sahne ist die DVD mit einem 5.1. Mix des Albums und Videomaterial der BBC 2 Serie „2nd House“, einer Tubular-Bells-Session aus dem Jahre 1973. Als Fan-Artikel liegen noch bei u.a. Poster, Fotos und zwei Gitarrenplektren.
Tja und dann haben wir noch en fettes 60seitiges Buch mit einem Vorwort von Mike Oldfield. Das Hardcoverbuch im LP-Format beschreibt mit seltenen Fotos die Entstehungsgeschichte von Tubular Bells. Einige der Fotos waren komplett neu und zeigen die Atmosphäre in Studio The Manor. Besonders interessierte mich die Einteilung der Aufnahmespuren von 1972 und von 2009 – einmal handschriftlich, einmal digital in Nuendo von Steinberg. Ich habe mit dem Coffee Table-Book eine schöne Zeit auf dem Sofa verbracht und die Kopfhörer mit der 5.1-Aufnahme auf den Ohren.
Also eine klare Kaufempfehlung von mir für alle Freunde der guten Musik.

Heute ist RECORD STORE DAY

18. April 2015

Heute ist der RECORD STORE DAY. Jede Branche hat ihre Feier- und Gedenktage und heute am 18. April 2015 ist eben der RECORD STORE DAY. Ich komme noch aus einer Ära, in der wir Schallplatten gehört haben. Kassetten waren nicht so mein Ding, ich mochte die Langspielplatte und die Covers.

Plakat zum RECORD STORE DAY in Coburg.

Plakat zum RECORD STORE DAY in Coburg.

Meine Bezugsquelle für Schallplatten war der Sound in Fürstenfeldbruck, der aber trotz RECORD STORE DAY vor Jahren schließen musste. Ich habe darüber gebloggt. Eine andere Quelle war der damalige Saturn Hansa (so hieß der Laden damals noch). Er befand sich auf der Theresienhöhe in München und das Schallplattenangebot war enorm. Und es gab in München noch zweimal den WOM – World of Music. Der Laden in der Münchner Sonnenstraße hatte die Billigplatten à la Nice Price für 10 Mark und in der Fußgängerzone war im Keller der hochpreisige Dealer. Ein guter Freund arbeitete dort und versorgte mich immer mit Infos über Neuerscheinungen – so lief Kommunikation damals. Später kam für mich dann der Drogeriemarkt Müller als Quelle für LPs hinzu. Im Bereich des Sendlinger Tors und in Schwabing waren die Second Hand-Händler, bei denen ich so manche D-Mark für Schallplatten ließ. Berüchtigt waren auch die Fahrten als Schüler nach London, um eine Woche die Second Hand-Läden unsicher zu machen, um vor allem britische Singles zu kaufen.

Nein, Vinyl ist kein Massenmarkt.

Nein, Vinyl ist kein Massenmarkt.

All das ist vorbei. Der Schallplattenmarkt ist zusammengebrochen. Musik ist digital. Es gibt ein gewisses Revival des Vinyls, aber wir sprechen hier nicht von einem Massenmarkt. Wenn jemand meint, seine Karriere als Plattenhändler steht aufgrund des RECORD STORE DAY bevor, kann man ihn nur warnen. Das Zeitalter der Schallplatte als Massenmarkt ist vorbei und kommt auch nicht wieder. Geblieben ist der Liebhabermarkt und ein paar Audiophile, die über richtig Geld verfügen. Der Spiegel spricht sogar von einem „Vinyl-Boom“ und das zeigt die journalistische Qualität des Magazins. Es gibt wieder Vinyl-Charts und der Spiegel veröffentlicht sie auch – für mich ein Sturm im Wasserglas.
In Zahlen heißt es: Der Bundesverband Musikindustrie meldet für 2014 insgesamt 1,8 Millionen verkaufte Schallplatten. Das sind die Zahlen von 1992. Aber um realistisch zu bleiben: Der Marktanteil des Vinyls an allen Musikverkäufen beträgt nur schlappe 2,6 Prozent.


Ab und zu gehe ich noch auf Börsen, kaufe die eine oder andere CD oder sogar noch seltene Schallplatten. Erst neulich habe ich für einen Soundtrack in Vinyl viel Geld hingelegt. Es handelte sich um den Soundtrack zum Kubrick-Film The Shining von 1980. Der wunderbare Score von Wendy Carlos mit der Musik von György Ligeti, Béla Bartok und Krzysztof Penderecki ist meines Wissens nie auf CD erschienen. Also musste die analoge Scheibe für viel Geld her und sie wurde dann gleich digitalisiert. Die letzte Schallplatte, die ich mir gekauft habe, war eine Single von den Kinks für meine Rock-o-la.
Am heutigen RECORD STORE DAY werde ich mich auf meine schwarzen Scheiben besinnen. Ich werde dieser Tage in mein Archiv hinabsteigen und meine Schallplatten durchschauen. Vielleicht finde ich den ein oder anderen Schatz zum Digitalisieren. Gerade Bootlegs von Bob Dylan hatte ich einige auf Vinyl, die ich ins digitale Zeitalter retten möchte.
Und endlich konnte ich Gladsax nutzen. Gladsax ist kein spezielles Saxophon, sondern ein Bilderrahmen für Schallplatten von IKEA. Bei meinem jüngsten IKEA-Besuch habe ich drei Gladsax-Rahmen mitgenommen. Ich rahmte drei Picture Disc, über die schon einmal gebloggt habe. Gladsax hat die Größe von 32×32 Zentimeter und ist ideal für Schallplatten. Also kamen unlängt Bob Dylan, Elvis Presley und Jimi Hendrix hinter Glas. Die Herrschaften hängen jetzt zum RECORD STORE DAY  an den Wändern zum Archiv.

Amazon startet AutoRip für CDs aber wo bleibt AutoRip für Bücher?

26. Juni 2013

Amazon startet auch in Deutschland sein Feature AutoRip. Was verbirgt sich hinter diesen seltsamen Namen? Wenn der Amazon-Kunde eine CD oder ein Vinyl-Album kauft, dann erhält er eine kostenlose MP3 Version des Albums gratis dazu. Diese Musik wird dann im Amazon Cloud Player abgelegt. Ein nettes Feature, aber ich will einen AutoRip für Bücher.

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Mit diesem neuen Feature versucht Amazon der digitalen Spaltung der Gesellschaft zu entgegnen und geht daran, diese Spaltung zu überbrücken. Das größte Internet-Kaufhaus der Welt geht auf die Verfechter der analogen Welt zu, die immer noch Hardware in der Hand halten müssen – eigentlich ein geschickter Schachzug. In vielen Gesprächen hörte ich, dass deutsche Kunden gerne noch etwas in der Hand halten wollen. Musik aus der Cloud, sei sie von Amazon oder von iTunes, kommt in der Regel nackt daher. Dieses Problem hat Amazon erkannt und versucht es auf seine Art zu lösen.

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Bei mir persönlich wird dieses Geschäftsmodell keinen Erfolg haben. Ich kaufe mir noch ganz, ganz wenige CDs. Die Masse meiner Musik kommt schon direkt aus der Cloud. Aber ich darf nicht von dir auf andere schließen.

Als großen Vorteil sehe ich die MP3-Version von Vinyl-Alben halten. Eine CD zu rippen ist nicht großer Aufwand, aber eine Schallplatte zu digitalisieren – dazu habe ich in der Regel keine Lust. Problem nur, dass ich mir keine Vinyl-Alben mehr kaufen – nur ab und zu ein paar alte Singles für die Jukebox.

Insgesamt hat Amazon 500.000 CDs und 14.000 Vinyl-Schallplatten im AutoRip-Angebot. Auch ein nettes Features: Es gibt zahlreiche MP3-Versionen meiner früheren CD-Einkäufe zum Abruf aus der Cloud – wenn sie als AutoRip-Album verfügbar sind. So kann ich meine CDs in der Cloud auf Tablels oder Smartphones anhören. Apple hat ähnliches mit iTunes Match im Angebot. Hier schließt Amazon die Lücke und holt gegenüber Apple auf, die mit dem Internet-Radio iTunes Radio einen neuen Weg gehen. Amazon wird sicher hier bald nachziehen, um sich diesen Mark nicht entgehen zu lassen.

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Aber ich will AutoRip für Bücher. Warum gibt es das nicht? Warum muss ich ein Buch aus Papier kaufen und dann nochmals ein elektronisches Buch für den Kindle? Ein paar Verlage (ganz wenige) bieten diesen Service an, aber die Masse will weiter mit mir als Kunde Kasse machen. Beim Kauf eines Buches die kostenlose digitale Kopie. Was wäre endlich ein Fortschritt und würde die elendige Schwarz-Weiß-Denke überwinden. Aber in Deutschland gibt es die Buchpreisbindung und unterschiedliche Mehrwertsteuern und solange digitale Bücher fast genau teuer sind wie gedruckte (und Verlage den fetten Reibach machen) kaufe ich mir kaum digitale Bücher in Deutschland. Hier wäre ein AutoRip von Amazon für Bücher wirklich eine Revolution. CDs kaufe ich schon lange nicht mehr, da reißt mich AutoRip nicht vom Hocker.

 

Wo bleibt AutoRip für den Kindle?

Wo bleibt AutoRip für den Kindle?

Kennt ihr noch Picture-Discs? Record Store Day (2)

18. April 2013

Der Record Store Day steht am 20. April vor der Tür und es ist einmal wieder Zeit in den Keller zu gehen, um mehrere Meter Langspielplatten durchzusehen. Ich habe zwar noch zwei Schallplattenspieler, aber ich nutze sie nur noch zum Digitalisieren von seltenen Scheiben. In der Regel kaufe ich mir alte Aufnahmen bei Amazon oder iTunes nach, weil ich keine Lust habe, alte Rauschescheiben zu digitalisieren und schlimmer noch, anschließend nachzuarbeiten. Ich bin einfach zu faul oder mir fehlt schlichtweg die Zeit.

Beim Durchblättern der LP-Covers denke ich an schöne Zeiten zurück. Als ich als Jugendlicher in meinem Bett lag und mir die LPs rauf und runter anhörte. Ich kannte jedes Knacken, jedes Rauschen und natürlich jeden Song. Ich lernte Texte auswenig, entdeckte die Cover-Arts von Pink Floyd oder Yes. Ich war ein LP-Fan und mochte immer gerne das Gesamtwerk eines Künstlers. Singles oder gar Maxi-Singles waren nicht so mein Fall. Ich gab viel Geld für Bootlegs aus, verbrachte meine Freizeit auf Schallplattenbörsen und Flohmärkten und reiste sogar einmal mit zwei leeren Koffern nach London, um dort in Second Hand-Läden Vinyl im großen Stil einzukaufen.

Bei meinem jüngsten Kellergang zog ich vergessene Picture-Discs hervor. Sie hatten einen schlechteren Klang als herkömmliche Schallplatten, aber waren damals in Sammlerkreisen beliebt. Zunächst hatte ich ein paar farbige und transparente LPs und sah bei meinem Schallplattenbegeisterten Onkel eine Johnny Cash Picture-Disc. Wenn ich mal Schallplatten mit dem Konterfei meines Stars gefunden hatte, kaufte ich sie.

Auswahl meiner Picture Discs: Hendrix, Elvis und Dylan.

Auswahl meiner Picture Discs: Hendrix, Elvis und Dylan.

Auf die Schnelle fischte ich bei meinem Kellergang aus meinen LP-Regalen drei Scheiben hervor: Elvis, Hendrix und Dylan. Ich habe noch andere, wie Beatles, Who und Led Zeppelin – muss aber wohl mein Ordnungssystem verbessern.

Die LP Pictures of Elvis stammt aus dem Jahr 1984 von dem dänischen Label All Round trending. Es sind die üblichen willkürlichen Hits enthalten von Heartbreak Hotel bis Hound Dog. Das Bild zeigt einen Elvis der siebziger Jahre – also insgesamt ein schrecklicher Mix. Der Verkaufswert liegt heute bei 20 Euro, also hab ich mit dem Kauf der Platte damals keine große Wertsteigerung erfahren.

Die nächste Aufnahme hörte ich gerne, weil es mich an eine Session erinnerte. Es handelt sich um die Jimi Hendrix-LP: Second Time Around aus dem Jahre 1979. Es ist eine schreckliche Bootleg-Platte. Produzent war ein Ed Chalpin und das Schweizer Label hieß Astan Music AG. Der Preis liegt heute bei 30 US-Dollar – hey ich bin reich.

Meine Lieblings-Picture Disc war aber eine Platte ohne Musik. Es handelt es sich um die legendäre Pressekonferenz von Dylan 1965. Es ist die vollständige Aufnahme der San Francisco Press Conference vom Dezember 1965. Das Teil liegt es auch auf DVD, aber ich hatte damals eine Picture-Disc aus London. Sie kostete 5 englische Pfund. Die LP mit zwei verschiedenen Bildern aus der PK stammt aus dem Jahr 1988 und kommt vom Label HIGHWAY 61. Sie bringt heute um die 60 US-Dollar.

Schallplatten werden immer seltener, trotz eines gewisser Liebhaber. Vor kurzem ist eines der letzten Schallplatten-Presswerke Europas ist bei einem Feuer fast vollständig zerstört worden. Warum der Brand in der Produktionshalle der Pallas Group im niedersächsischen Diepholz ausbrach, ist noch unklar. Dort wurden Schallplatten aus Vinyl gepresst – zum Teil mit museumsreifen Maschinen. Etwa 200 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Der Schaden geht in die Millionen. Und das Sterben der Schallplatte hat sich dadurch beschleunigt.

Vormerken: Am 20. April ist der Record Store Day (1)

17. April 2013

Am 20. April ist der Record Store Day, also der Tag der Schallplattengeschäfte. Während ich als Kind jeden Samstag im örtlichen Schallplattenladen Sound verbracht hatte, ist für mich heute die Zeit der Plattenläden vorbei. Der Record Store Day ist eine Erinnerung an vergangene Zeiten. Im Grunde wird krampfhaft versucht, etwas Sterbendes am Leben zu erhalten.

Dazu zwei Geschichten aus meiner jüngsten Vergangenheit: Als ich vergangenes Jahr in New York weilte, wollte ich den Aufenthalt mit dem Kauf der Beatles-Box in Mono krönen. Ich dachte mir, naiv wie ich bin, wenn irgendwo die Beatles zu haben sind, dann wohl in New York. Denkste. Zusammen mit meiner Frau hielt ich Ausschau nach CD-Läden, konnte aber keinen größeren Stores mehr finden. Ich wollte so was wie Tower Records oder Virgin Mega Stores. Aber nichts fanden wir.

Hab ich schon mal etwas von Amazon gehört, wurde ich in NYC gefragt.

Hab ich schon mal etwas von Amazon gehört, wurde ich in NYC gefragt.

Als wir im ehemaligen Künstlerviertel in New York spazieren gingen, dem Greenwich Village, schaute ich bei der Bleecker Street vorbei und traf auf den legendären Bleecker Street Records (39 Bleecker St. zwischen Carmine und Leroy streets). Übrigens wird der Laden im April 2013 wohl schließen, weil der Vermieter die Miete auf  27.000 US-Dollar anheben will. Naja, dem Betreiber von Bleecker Street Records schilderte ich mein Beatles-Problem und fragte nach Stores in New York. Der Typ schaute mich kurz an und ordnete dann seine Vinyl-Schallplatten weiter. Er sagte lakonisch zu mir: „Hast du schon mal was von Amazon und iTunes gehört?“

Das nächste Erlebnis mit einem Schallplattengeschäft hatte ich in Köln. Neben dem Millowitsch Theater in der Aachener Strasse 5 ist der Parallel Schallplatten. Das Sortiment umfasst Jazz, Funk, Soul, HipHop, Reggae, Soundtracks, Entertainer, Easy Listening, Country, Rock, Pop, Indie, New Wave, Industrial, Avantgarde und Klassik. Der Online-Shop ist interessant. Ich verbrachte ein paar Stunden in dem Schallplattengeschäft, fachsimpelte und quatschte – und kaufte am Schluss eine CD mit Musik vom C64. Ja, ich geb es zu, ich schäme mich dafür. Ich wollte eigentlich eine paar Singles, wurde aber nicht mehr fündig.

Blick in eine Parallel-Welt bei Parallel Schallplatten in Köln.

Blick in eine Parallel-Welt bei Parallel Schallplatten in Köln.

Vielleicht bewege ich mich am Record Store Day doch noch in ein paar Shops. In München gibt es noch welche. Schließlich gibt es an dem Tag eine neue Dylan Single, die ich brauche. Columbia Records will eine neue Dylan-Single veröffentlichen: Es handelt sich um eine Demo-Version von Wigwam und damit ein Teil der anstehenden Bootleg Series Vol. 10. Auf der B-Seite gibt es eine unveröffentlichte Version von Thirsty Boots. Insgesamt handelt sich um Aufnahmen einer von Fans ungeliebten Dylan-Phase mit abgedroschenen Schlagern. Ich bin sehr gespannt auf die Aufnahmen.

Trotz einiger Vinyl-Platten und einer gewissen Szene halte ich den Schallplattenmarkt als Massenmarkt für tot. Dennoch kann ich mich nicht überwinden, meine Vinyl-Schätze im Keller zu verkaufen. Sie werden noch einige Jahre dort verstauben. Aber ich verspreche: Neue Schallplatten werde ich keine mehr kaufen, höchstens noch ein paar Singles.

Parallel Schallplatten in Köln.

Parallel Schallplatten in Köln.

Verspäteter Happy Birthday-Gruß an Roy Orbison

26. April 2011

Roy Orbison wäre vor kurzem 75. Jahre alt geworden. Und als Reminiszenz für den alten Rock´n Roller höre ich ein paar Alben des Meisters durch. Er war einer der ganz großen im Rock´n Roll-Zirkus. Über ihn kam nur noch Elvis und Buddy Holly. Orbison spielte für mich in der Liga von Carl Perkins, Jerry Lee Lewis – allerdings ohne dessen Skandale. Orbison wirkte immer bescheiden. Vielleicht ließ er im Privaten die Sau raus, aber in meiner Erinnerung war er ein zurückhaltender Star ohne Starallüren. Und mit seiner schwarzen Sonnenbrille, die er seit 1963 trug, weil er seine Brille vergessen hat, sah er einfach saucool aus.

Ich lernte ihn musikalisch durch meinen Onkel kennen, der Rock´n Roller erster Güte war und mir Cash, Presley, das Sun-Label und die gute alte Zeit auf Vinyl näher gebracht hatte. Aus dem Radio kannte ich natürlich Pretty Woman, lange bevor es den Hurenfilm Pretty Woman gab. Ich startete mit ein paar Singles und Best-of-Alben. Roy Orbison blieb immer irgendwie im Ohr, kein Problem mit dieser Stimme. Mein Onkel schickte mir eine LP mit dem Titel Class of ’55, die in 1985 in den alten Sun Studios mit den alten Recken Cash, Perkins, Lewis und Orbison – ein schönes Album. 1988 kam dann die Hammerscheibe schlechthin: The Traveling Wilburys. Die Musiksuperstars Dylan, Petty, Harrison, Lynne und eben Orbison. Hier zeigte sich, welchen Status Orbison einnahm. Er und Dylan waren die musikalischen Größen der Scheibe, die heute als absoluter Klassiker gilt. Der Unterschied zwischen Dylans Bluesstimme und Orbisons Tenorstimme könnte nicht größer sein, wurde aber genial eingefangen. Dann starb Orbison mit 52. Jahren an Herzversagen. Er konnte den Erfolg seines veröffentlichten Solo-Albums Mystery Girl nicht mehr genießen. Das Album war von Jeff Lynne produziert und das Who-is-Who der Rockmusik wirkte mit. Es wurde ein Denkmal für einen großen Mann und dieses Album zeigt, weshalb Orbison in den Rock´n Roll Olymp aufgenommen wurde.

Das Ende der Kompaktkassette

20. Juli 2010

Ich weine der Audio-Kassette keine Träne nach. Vor kurzem habe ich gelesen, dass die Produktion der Audio-Kassette eingestellt wurde – zumindest in Niedersachsen bei Pallas. Die Kompaktkassette gehört damit der analogen Vergangenheit an. Aus, Schluss, Ende, vorbei. MP3 oder optische Datenträger haben die Kassette gekillt. Hier haben wir zum Beispiel die Sony C-90 HF Audiokassetten (90min) 5er Pack

Ich erinnere mich vor allem an Bandsalat, wenn das Band mal wieder gerissen ist. Mit einem Bleistift oder Kugelschreiber im Transporträdchen wollte ich das Band aufwickeln. Meist vergebens, gleich wegwerfen wäre besser gewesen. Was gab es nicht alles: Chrome, Eisen/Ferro oder ganz teuer Metallbänder. Meine erste Schneider-Kompaktanlage – das Geld dafür bekam ich von meiner Konfirmation – hatte nur eine Taste Chrom an/aus. Den Genuss von Reineisenbändern hatte ich nie bei meinen Kassetten. Später kamen Kassettendecks von JVC hinzu. Vor allem ein Doppeltape-Deck hatte es mir angetan – zum Kassettenkopieren. Theoretisch, denn praktisch habe ich es meiner Erinnerung nach nur einmal gemacht. Es war bei Queen: Flash – auch eine schreckliche Aufnahme. Ich habe in der Regel Kopien von meinen Schallplatten auf Kassette gezogen, um Mucke fürs Auto zu haben. Im Handschuhfach flogen die Dinger durch die Gegend. Aufnahmen vom Radio mochte ich nicht, denn die DJs quatschten oftmals in den Song oder blendeten ihn zu früh aus. Ganz schlimm waren auf Bayern 3 die Verkehrsdurchsagen, die mitten in einen Song platzen. Ich hab noch eine Beatles-Aufnahme mit einer Stauwarnmeldung vor Marktheidenfeld.

Damit ist jetzt Schluss. Ich habe nie bespielte Audiomusikkassetten gekauft und auch als Kind waren mir Märchenkassetten ein Ekel. Ich wollte Vinyl und hab davon zum Leidwesen meiner Frau noch Tonnen im Keller. Während ich Kassetten sofort wegwarf, hüte ich LPs wie meinen Augapfel. Auch meinen Kindern bleiben Kassetten erspart. Sie setzen gleich auf MP3 und den iPod. Ich habe sogar noch einen 10er Pack Audiokassetten im Keller gefunden. Originalverpackt von TDK, Chrome – ich werde sie entsorgen.