Posts Tagged ‘Keith Emerson’

Persönlicher Nachruf auf Greg Lake

10. Dezember 2016

Das Jahr 2016 fordert ein weiteres Todesopfer unter meinen Lieblingsmusikern. Vor kurzem verstarb Greg Lake im Alter von 69 Jahren an Krebs. Lake gehörte zwei meiner Lieblingsbands an, die ich bis heute sehr gerne höre: King Crimson und Emerson, Lake & Palmer. Nachdem Keith Emerson in diesem Jahr Selbstmord beging, verlor jetzt Greg Lake den Kampf mit dem Krebs. Ich bin fassungslos. Nun kann die Besetzung Keith Emerson, Greg Lake und Cozy Powell im Himmel weiterrocken, wie sie es auch kurzzeitig auf der Erde getan an. Powell starb vor Jahren bei einem Autounfall.

Die Todesmeldung von Greg Lake in Facebook.

Die Todesmeldung von Greg Lake in Facebook.

Als ich das erste Mal die Stimme von Greg Lake hörte, war ich von deren Klarheit fasziniert. Sie führte mich an den komplizerten Prog-Rock der siebziger Jahre heran. Das erste Mal hörte ich ELP wohl im Musikunterricht beim Thema Programmmusik. Herr Kemper, unser Musiklehrer, spielte uns Bilder einer Ausstellung vor und brachte mir den Prog-Rock näher. Diese Musikstunde bedeutete viel für mein späteres musikalisches Leben und zeigt mir, wie wichtig Musik in der Schule ist. Ich hörte die Stimme von Greg Lake und das geniale Zusammenspiel von Keith Emerson und Carl Palmer. Von dieser Minute an war ich ELP-Fan. Die ersten Alben waren musikalisch eine Offenbarung. Die Stimme von Greg Lake immer dabei. Weiter ging es dann mit King Crimson: die Musik wurde komplizierter, aber Greg Lakes Stimme sorgte mit den Texten von Peter Sinfield für eine Konstante.

Gedanken von Carl Palmer zum Tode seines Freundes.

Gedanken von Carl Palmer zum Tode seines Freundes.

Die Streithälse Emerson und Lake drifteten immer weiter auseinander. Der eine Richtung Wagner, der andere Richtung Kommerz. Sogar ein Weihnachtslied gab es von Greg Lake – Schwamm drüber. Als ELP zerbrachen, kaufte ich mir die Soloprojekte der drei Musiker, die mich aber so richtig nicht mehr überzeugten. Einzig Keith Emerson hatte ein paar gute Momente und Alben. Jede Wiedervereinigung von ELP bejubelte ich, auch wenn das Resultat mal gut, mal mäßig war. Ich hielt ELP die Treue. Leider habe ich die Herrschaften nie live gesehen. Nach dem Selbstmord von Keith Emerson zerplatze auch dieser Traum. Und jetzt ging Greg Lake von uns, ich wusste nicht mal, dass er krank ist. Wieder einer meiner musikalischen Helden ging dieses Jahr für immer. Das Jahr 2016 ist ein schlimmes Jahr für die Rockmusik: Lemmy, Bowie, Emerson, Russell und jetzt Greg Lake. Vielen Dank für die Freunde Greg – und im Moment höre ich Still… You turn me on:

Do you want to be an angel,
Do you wanna be an angel
Do you wanna be a star
Do you wanna play some magic
On my guitar
Do you wanna be a poet
Do you wanna be my string
You could be anything

Konzertkritik: Jean-Michel Jarre in Nürnberg 2016

20. November 2016

Ich weiß nicht, ob mir der neue Jean-Michel Jarre gefällt. Ich weiß nicht, ob es mir gefällt, was ich im Konzert in der Nürnberg Arena gesehen und gehört habe. Ich weiß es einfach nicht.
Fest steht auf jeden Fall, dass es der alte Recke mit seinen 68 Jahren noch immer kann. Auf der Bühne wirkt der Pionier der elektronischen Musik frisch, nahezu jung. Begleitet von zwei Musikern an seiner Seite lieferte er in Nürnberg eine eindrucksvolle Show im Rahmen der Electronica World Tour ab bei der richtig Stimmung aufkam.
Hart und kräftig waren die Beats, die das elektrische Trio von der Bühne ins Publikum abfeuerte. Elektronik pur und schneidende Klänge, die den Körper durchdrangen, die zum Tanzen und Bewegen aufforderten.

So etwas habe ich bei einem Jean-Michel Jarre Konzert nicht erwartet und hatte damit die erste Zeit zu kämpfen. Jarre führt auf der Bühne das fort, was er mit seinen jüngsten beiden Alben begonnen hat. Mein Problem nur: Ich mag die beiden jüngsten Alben Electronica 1 und 2 nur teilweise. Ich bin dem musikalischen Weg von Jarre jahrelang, jahrzehntelang gefolgt. Nur bei den jüngsten Alben versagte meine Gefolgschaft. Jarre kooperierte mit Musikern, die ihn und uns beeinflussten. Das klingt gut, aber die meisten der Musiker mag ich nicht.


Das schien aber nur mein Problem in Nürnberg zu sein. Das Publikum quittierte jeden Song mit donnernden Applaus. Und richtig: Jean-Michel Jarre hat seine Sache in Nürnberg wirklich gut gemacht. Die Show war großartig. Er hat die Nürnberg Arena zum Kochen gebracht.
Das lag zum einen an der harten elektronischen Musik, es lang zum anderen aber auch an einer gewaltigen Licht- und Tonanlage. Der Sound war nahezu perfekt. Und die Lightshow war absolut state of the art und hat die Zuschauer in ihren Bann gezogen. Jarre wich selbst bei vielen Stücken hinter die Light- und Lasershow zurück und trat mit seinen Keyboards und Controllern in den Hintergrund.


Absolut faszinierend war auch sein Ausflug in die Laserharfe. Direkt, wenige Meter vor dem Publikum, spielte er auf dieser grünen Lichtharfe und entlockte ihr intensive Klänge. Ich war fasziniert, begeistert und dann erstarrte ich. Jarre spielte mit seiner Laserharfe und erzeugte einen Lichtdom. Verdammt, wusste Jean-Michel Jarre nicht, wo er gerade auftritt? Hat es ihm keiner gesagt, dass er nur wenige Hundert Meter von Hitlers Aufmarschgebiet in Nürnberg spielte? Hat ihm keiner gesagt, dass Leni Riefenstahl und Albert Speer Lichtdome in Nürnberg nutzten, um den Nationalsozialismus zu feiern? Ich bekam die Bilder nicht aus den Kopf. Ich denke, ich hoffe, dass die Konzertagentur dies dem Franzosen verheimlicht haben. Mir lief es bei diesem technisch und musikalisch perfekten Auftritt der Kombination von Musik, Licht, Farbe, Sound und Effekte kalt den Rücken herunter.


Ich brauchte einige Zeit, bis ich mir wieder gefangen hatte und die schrecklichen Bilder der deutschen Vergangenheit an diesem Ort abschütteln konnte. Dann genoss ich allerdings das Konzert, wobei ich die früheren Stücke der Klassiker einfach besser fand. Sie wurden zwar härter auf der Bühne gespielt, aber für mich kamen schöne Erinnerungen an meine Jugend hoch, als ich die Musik von Jean-Michel Jarre entdeckte. Ich weiß noch, wie ich mir mit meinen Schulfreunden heftige Wortgefechte lieferte, ob Equinux oder Oxgene nun Fahrstuhlmusik oder ernstzunehmende Unterhaltung war. Ich war der Meinung, dass die Musik von Jarre eine besondere Art von Kunst darstellen. Durch ihn entdeckte ich die elektronische Musik. Jarre ebene die Wege für Tangerine Dream, Klaus Schulze, Kitaro, Tomita, Cluster, Autechre, Yello, Keith Emerson und immer wieder Kraftwerk. Ohne Jarre hätte ich nie Kraftwerk entdeckt und dafür bin ich ihm noch heute Dank schuldig. Kraftwerk war minimal, Jarre war maximal.
Der erste Höhepunkt des Nürnberger Konzertes war für mich eindeutig der Song Exit, bei dem Jarre den Whistleblower Edward Snowden zu Wort kommen ließ. Jarre unterstützt ausdrücklich die Arbeit von Snowden und dem schließe ich mich an. Wenn nicht wir gegen Überwachung aufstehen, wer sollte es denn sonst tun? Weise Worte.
In meinen Stuhl lehnte ich mich zurück, als Jarre Gedanken aus meiner Jugend wieder zurück in mein Bewusstein brachte. Er spielte auf der Bühne nicht nur Oxygene 8, sondern auch Souvenirs of China. Mein Gott, ist diese Musik lange her. 1987 habe ich das Stück zum ersten Mal gehört. Wirklich begeistert war ich von den alten Stücken des Meisters – und das Publikum war es ebenso.


Als Abschluss gab es noch ein Zuckerl. Es gab einen Ausblick auf das neue Album Oxygene 3. Die Musik ist eine versöhnliche Geste an die alten Fans wie mich, die mit dem Techno-Sound der vergangenen beiden Alben nicht viel anfangen konnte. Oxygene 3 wird im Dezember veröffentlicht und wir durften in Nürnberg aus der Überraschungstüte naschen. Gut hat es getan.

Musiktipp: Jean-Michel Jarre: Electronica 2

16. Mai 2016
Durchwachsen: Das neue Album von Jean-Michel Jarre.

Durchwachsen: Das neue Album von Jean-Michel Jarre.

Die Zusammenarbeit von Jean-Michel Jarre mit anderen Elektronikmusikern geht in die zweite Runde und wieder bin ich mit dabei. Teil 1 The Time Machine hat mir weniger gut gefallen, Teil 2 Electronica 2: the Heart of Noise ist für mich persönlich besser gelungen. Ich weiß nicht, wie viele Teile der Elektronikpionier Jarre noch veröffentlichen will, am Ende werde ich mir meine eigene Kompilation zusammenstellen und den ganzen Schrott rauswerfen. Und Schrott gibt es für mich sehr viel in den Alben.
Freilich positiv: Alle Tracks sind absolut sauber produziert und gemischt, erwarte ich bei diesen Namen aber auch nicht anders. Und auch klar war, dass es nach dem ersten Teil wieder kein Oxygene u.a. werden wird. Diese Zeiten sind wohl für JMJ vorbei. Also die Musik vom Amazon-Server geladen und reingehört – die CD kam mit der Post hinterher. Eine Homage an sein Frühwerk sind die Stücke im Heart of Noise bei dem der alte JMJ durchklingt.
Besonders großes Lob und Anerkennung gebührt Jarre, das er es geschafft hat, Edward Snowden zur Mitarbeit zu bewegen. Der Whistleblower hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Angebote von Musiker und Künstlern bekommen, bei Jean-Michel Jarre hat er Ja gesagt und das Ergebnis überzeugt. Ich hatte Snowden gerade in einer Übertragung auf der #rpTEN gesehen und kam von Berlin nach Hause und fand die Aufnahme mit Jean-Michel Jarre vor. Das Stück Exit hat mich berührt Und es freut mich, dass die Botschaft von Snowden so verbreitet wird.


Jean-Michel Jarre hat sich eine illustre Schar von Mitstreitern eingeladen: neugierig war ich vor allem auf die Zusammenarbeit mit Gary Numan und Yello. Und das zeigt auch schon, aus welcher Zeit ich stamme und wer mich bei elektronischer Musik sozialisiert hat. Die Zusammenarbeit mit Gary Numan ist New Wave pur und das Stück mit Yello versetzte mich Jahre in wunderbare Zeiten zurück, als die Schweizer innovativ waren. Auch ganz klar auf der hörenswerten Seite ist das Stück These Creatures in Zusammenarbeit mit Julia Holter. Für mich ist die US-amerikanische Künstler die Entdeckung auf dem Album Electronica 2: the Heart of Noise und habe mich gleich mit Material von ihr eingedeckt. Absolut hörenswert.
Das Album schwankt zwischen Kunst und Kommerz. Bei so vielen poppigen Sachen war ich genervt. Die Pet Shop Boys haben sicherlich ihre Zeit gehabt und ihr Beitrag Brick England gehört ganz eindeutig zu den guten Pop-Sachen des Albums. Aber bei Primal Scream und ihrem As One war ich genervt von zuviel Kommerz. Und so sehr ich auch Cyni Lauper für ihre frühen Girls just to have fun-Sachen und die späteren Blues-Stücke verehre, bei einem Album von Jean-Michel Jarre ist die Dame fehl am Platze.
Und ja, es gibt den absoluten Schrott. Ich kann es nicht fassen, was für ein seichtes Gesülze zu finden. Es gibt den Schrott, dazu gehört für mich der Krampf den Jarre mit Hans Zimmer fabriziert hat. Ja, mein Groll gegen Zimmer wächst weiter. Das Geblubbere von Jarre-Synthis und das Gesäusel von Hans Zimmer – einfach unerträglich, wie das Großteil des Soundtrack-Werkes von Hans Zimmer.
Und nun? Ich habe mir für den Herbst eine Konzertkartenbesitzer gekauft, weil ich Jean-Michel Jarre zum ersten Mal live erleben will, obwohl mich Teil 1und 2 nicht restlos überzeugten. Und ich warte auf Teil 3 der Electronica-Serie. Hoffe auf die Zusammenarbeit mit den großen Elektronikmenschen, die mich geprägt haben. Keith Emerson wird leider nicht dabei sein, er hat seinen Stecker gezogen. Dieter Moebis ist auch leider schon tot. Aber Kraftwerk, Karl Bartos, Wakeman … leben noch.

Persönliche Gedanken zum Tod von Prince

23. April 2016
Purple Rain war es nicht am Todestag von Prince. Aber Purple war der Sonnenuntergang.

Purple Rain war es nicht am Todestag von Prince. Aber Purple war der Sonnenuntergang.

Fürwahr, es ist ein schlimmes Jahr für den Rock’n Roll. Viele meiner musikalischen Helden sind verstorben. Wer den Blog verfolgt, der weiß, wie ich um Lemmy, Keith Emerson und David Bowie getrauert habe und noch trauere. Jetzt ist Prince verstorben und für die Musikwelt war es ein Schock.
Ich muss zugeben, ich war kein allzu großer Prince-Fan. Aber meinen Respekt hat dieser Musiker, der sich zur Wehr gesetzt hatte. Vielleicht oute ich mich jetzt als Banause, aber Funk war nicht mein Ding und die zahlreichen Alben von Prince gingen meist an mir vorbei.
Ich erinnere mich an meine Jugend als Purple Rain auf den Markt kam. Das Video mit Rüschen und Motorrad gefiel mir. Und auch der Song hat mir gefallen. Unter meinen Freunden entbrannte der kindliche Streit, wer der bessere Musiker sei: Michael Jackson oder Prince. Mir war es egal, weil ich keinen von beiden so sehr verehrte. Es war ein Streit unter verblendeten Jugendlichen. Heute rückblickend hätte ich mich auf die Prince-Seite geschlagen, weil der kleine Mann musikalisch viel auf der Pfanne hatte. Wie gesagt, es war im großen und ganzen nicht meine Art von Musik, aber das größere musikalische Talent hatte zweifelsohne Prince. Jetzt können Michael Jackson und Prince im Himmel den Streit weiter austragen. Groß bewandert war ich in Prince-Songs nicht. Ich mochte Sign o‘ the Times und ich fand Kiss wunderbar witzig, aber die ganzen Metamorphosen des von Prince hin zum Symbol und Tafkap machte ich nicht mit.
Nach deinem Tod habe ich jetzt zahlreiche Prince-Alben durchgehört und ein paar Live-Videos gesehen und ich muss mich heute entschuldigen. Der Mann hatte Talent, absolut. Leider habe ich es zu seinen Lebzeiten nicht erkannt. Prince war mir meist egal. Heute ist er mir nicht mehr egal. Es ist schade, dass ich erst durch den Tod von Prince auf ihn richtig aufmerksam geworden bin. Dafür möchte ich mich bei ihm entschuldigen. Ich denke, dieser Mann hatte wahnsinniges Talent und mit 57. Jahren ist es viel zu früh zum Sterben, egal was die endgültige Todesursache war.
Respekt habe ich vor seinem Kampf gegen die Musikindustrie und gegen die Kostenloskultur des Netzes. Er war ein Wahrer seiner Rechte. Er schaffte es, sich gegen Konzerne und Fans aufzulehnen und seine Marke zu verknappen. Diese Verknappungspolitik haben ihn viele übel genommen. Beim Schreiben dieses Nachrufes ist es mir erst aufgefallen, wie erfolgreich der Rechteinhaber Prince im Internet war. Es ist schwierig an Bild- und Videomaterial über ihn zu kommen. YouTube und andere Plattformen sind fast leer.
Ein paar Tage vor seinem Tod hatte ich Prince nochmals auf dem Schirm. Die beiden Musikerinnen Heidi Joubert und Kiddo Kat spielten eine Session in der Frankfurter S-Bahn. Sie performten Kiss und das Handyvideo anlässlich der Frankfurter Musikmesse ging durch die sozialen Netzwerke. Die beiden Damen und die Zuschauer legten sich voll ins Zeug und zeigten, wie cool dieser Song eigentlich war.

Persönlicher Nachruf zum Tod von Keith Emerson

12. März 2016

Zum ersten Mal hörte ich ihn im Schulunterricht in den achtziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Im Musikunterricht nahmen wir gerade Programmmusik durch. Gustav Holst – die Planeten und von Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung waren meine Highligts. Am Ende der Unterrichtsstunde holte unser Musiklehrer Herr Kemper eine Schallplatte hervor und spielte uns die Rockversion von Bilder einer Ausstellung vor: Emerson, Lake & Palmer: Pictures at an Exhibition. An den Keyboards der legendäre Keith Emerson, der jetzt im Alter von 71 Jahren verstarb.
Mich haute es im Musiksaal der Schule vom Stuhl. So einen Sound haben meine jungen Ohren damals noch nicht gehört. Das Zusammenspiel der drei Musiker war perfekt. Die Abfolge war damals: Promenade: – The Gnome – Promenade und dann ein Synthesizersolo. Was war jetzt das?
So einen Klang kannte ich nicht. Ich war von den Top Ten im Radio den Klang von Roland gewohnt, Mike Oldfield spielte gerade ein wenig mit dem Fairlight herum, Jean-Michel Jarre experimentierte mit Loops. Doch der Klang vom Moog auf der Schallplatte von ELP überragte einfach alles. Ich war gebannt, fasziniert, begeistert über die Wärme dieses elektronischen Instruments. Ich wollte mehr, viel viel mehr. Keith Emerson war für mich der Zauberer – der Magier, der aus dem riesigen Moog-Koloss mit Kabel, Schalter und Lichter so eine Musik hervorbringen konnte. Von dieser Minute an war ich Fan dieser progressiven Formation. Bis heute häufe ich Aufnahmen von ELP an, kaufte die Alben auf LP, später auf CD, orderte Bootlegs, und saugte YouTube-Videos auf. Ich verfolgte die wechselvolle Geschichte der Band. Höhenflüge, Bankrott, Vereinigungen, Trennungen, Aufbäumen und immer wieder neue Ansätze.
Natürlich gab es für mich viele gute Keyboarder: Richard Wright von Pink Floyd, Rick Wakeman von Yes seien hier stellvertrend genannt. Aber Keith Emerson war im Tasten-Olymp. Der Richard Wagner des Rocks spielte nicht nur fantastisch, sondern war auch eine richtig coole Frontsau. Er zeigte, dass Keyboarder nicht im Hintergrund stehen müssen – nein: Keith Emerson stand gleichberechtigt auf der Bühne. Bei ELP waren drei Vollblutmusiker voll präsent – die wenigste Show machte vielleicht Frontman Greg Lake. ELP brachte die Gigantomie auf die Bühne. Das Klavier schwebte und drehte sich, die Orgel wurde mit Messern traktiert. Das alles machte auf mich Eindruck. Ich war als Zuhörer und als Zuschauer Teil der Show: Welcome back my friends to the show that never ends.


Ich folgte Keith Emerson auch auf seinen Solopfaden. Ich erwarb gute und schwache Alben von ihm aus dem Soundtrack-Genre. Irgendwie musste Emerson sein Einkommen sichern. Italo-Horror und Godzilla vertonte er, bei Nighthaws versuchte er sogar zu singen. Ich hab die Alben alle, aber die Begeisterung stellte sich nicht mehr ein. Ein Verbrechen war übrigens das Christmas Album.
Mein wirkliches Interesse kam erst wieder bei Emerson, Lake & Powell zurück. Hier blühte für mich Keith Emerson wieder auf. Three war ok, das Comeback von Nice war wunderschön und die anschließende Keith Emerson Band war hörenswert.
Nun ist Keith Emerson von uns gegangen. Weggefährte und Ausnahmedrummer Carl Palmer veröffentlichte in Facebook einen schönen Nachruf: Keith Emerson habe “ein zartes Gemüt, dessen Liebe zur Musik und Leidenschaft für die Performance als Keyboard-Spieler noch viele Jahre unerreicht bleiben werden.“

Der Nachruf via Facebook von Carl Palmer über Keith Emserson.

Der Nachruf via Facebook von Carl Palmer über Keith Emserson.

Gerade eben starb George Martin und dieses Jahr 2016 ist ein grausames Jahr für meine Musikwelt: David Bowie und Lemmy machten den Anfang. Jetzt ist ein weiterer Held meiner Jugend gestorben. Keith Emerson hat mein musikalisches Bewusstsein erweitert, hat mich zu neuen musikalischen Ufern gebracht und er wird immer einen Platz in meinem Herzen haben. Nach Angaben der Polizei hat sich Keith Emerson erschossen – die Gründe gehen uns nichts an. Die Musikwelt hat einen weiteren Ausnahmemusiker verloren. What a Lucky Man he was.

Musiktipp: Electronica 1: the Time Machine von Jean Michel Jarre

19. Oktober 2015
Von mir lange erwartet: Das neue Album von Jean Michel Jarre: Electronica 1: the Time Machine

Von mir lange erwartet: Das neue Album von Jean Michel Jarre: Electronica 1: the Time Machine

Zum ersten Mal hörte ich Jean Michel Jarre als Schüler bei meinem Schulfreund Ingo. Eigentlich wollten wir für den Leistungskurs Chemie lernen, doch Ingo legte die Schallplatte Equinoxe auf und vorbei war es mit chemischen Formeln. Ich lernte an diesem Nachmittag elektronische Musik kennen und war seitdem ein Fan von Jean Michel Jarre, wobei ich seinen Vater Maurice Jarre als Filmfan ebenso schätzte.


Als ich nun hörte, dass Jean Michel Jarre mit knapp 75 67 Jahren ein neues Album herausbringen wollte, interessierte mich es sehr. Er hat die elektronische Musik massiv beeinflusst und vielleicht sollte es wieder so etwas Grandioses wie Zoolook werden. Ethnicolor auf Zoolook hatte mich damals wie heute begeistert. Die Doku auf Arte über Jarre machte mich noch neugieriger.

Im Booklet beschreibt Jarre sein Vorhaben.

Im Booklet beschreibt Jarre sein Vorhaben.

Nach drei Tagen intensiven Hören von Electronica 1: the Time Machine stelle ich fest: Jean Michel Jarre hat eine große Chance vertan, ich bin enttäuscht. Zwar ist das Album absolut sauber produziert und technisch brillant, aber musikalisch gefällt es mir nur bedingt. Jean Michel Jarre wollte mit Electronica 1: the Time Machine eine Kooperationen mit aktuellen Elektronik-Musikern herstellen – er wollte Brücken zwischen seinem Werk und den Werken dieser Musiker schlagen. Das ist ihm gelungen, aber einige dieser Musiker interessieren mich überhaupt nicht. Wenn ich eine Compilation über elektronische Musik will, dann klick ich mir eine Playlist bei Spotify oder Apple Music zusammen. Aber wenn ich Jean Michel Jarre hören will, dann will ich eben Jean Michel Jarre hören. Zugegeben, in jedem der Stücke seines Albums höre ich Jean Michel Jarre heraus – das wäre noch schöner. Aber ich finde, die anderen Musiker dominieren und Jean Michel Jarre tritt zu oft in den Hintergrund.
Es gibt einige Kooperationen, die mir durchaus gefallen. Dabei handelt es sich beispielsweise um das Stück Zero Gravity mit Tangerine Dream. Die Krautrocker habe ich ebenso gerne gehört wie Jarre. Leider gibt es auf Electronica 1: the Time Machine keine Kooperation zwischen Klaus Schulze oder gar Kraftwerk. Aber Electronica 1 deutet ja an, dass eine Electronica 2, 3, … folgen und vielleicht kommt es hier zu einer Kooperation. Gerne, ja sehr gerne hätte ich auch ein Zusammenspiel mit den Art-Rockern Keith Emerson und Rick Wakeman. Oder wie wäre es mal richtig experimentell mit Autechre?

Irgendwie bekam ich eine Fehlpressung des Covers.

Irgendwie bekam ich eine Fehlpressung des Covers.

Sehr ergriffen lauschte ich auf Electronica 1 dem Beitrag von Laurie Anderson. Ich habe die Grand Dame der Kunst lange nicht gehört und war nach den ersten Tönen wieder fasziniert von ihrer Kunst. Ich zog mir gleich Home of the Brave wieder auf das iPhone.
Neugierig war ich auch auf die Kooperation mit Regisseur und Musiker John Carpenter. Hier schließt sich der Kreis für meine Vorliebe von Soundtracks. Carpenter ist ein Minimalist und seine Soundtracks für seine Filme sind frühe Synths-Erfahrungen.
Die Sache mit Air geht noch ganz gut, Lang Lang ist interessant, aber dann gibt es auch nur schlimmes Pop-Gedudel. Moby finde ich grenzwertig, Vince Clarke ist schrecklich, Fuck Buttons bitte nicht, Little Boots ist einfach nur schrecklich. Und was hat bitte der von mir hoch verehrte Pete Townshend in einem Elektronik-Album verloren? Der Who-Chef ist für mich Aushängeschild des harten britischen Arbeiterrocks und passt für mich absolut nicht auf das Albums eines Synthesizer-Pioneers.
Ich geb es zu, im Großen und Ganzen bin ich enttäuscht. Der große Wurf ist Electronica 1: the Time Machine für mich nicht geworden. Ich werde dem Album noch ein paar Wochen Zeit geben und dann wieder zu Zoolook und dem Frühwerk des Meisters greifen.

Kompletter Müll: Film und Soundtrack zu Murderrock

23. Juni 2014

murderrock

Ich bin ja als Fan vieles gewöhnt und hab auch für vieles Verständnis. Die Kombination Lucio Fulci und Keith Emerson hätte funktionieren können. Hätte, hätte, Fahrradkette – die Kombination ist absoluter Schrott, wie das Beispiel des Films und Soundtracks Murderrock zeigt.

Lucio Fulci ist ein großer Meister des italienischen Horrorfilms, eigentlich des Gorefilms oder dessen Italo-Version die Giallo. Jugendschützer hatten Schaum vor dem Mund, wenn man in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts seinen Namen nannte. Derb, billig und provokativ waren seine Filme und immer ein bisschen zu viel des Guten. Jetzt kam ich dazu, die restaurierte Fassung seines Films von 1984 anzusehen: Murderrock.

Ganz, ganz großer Mist ist der Film – im Original hieß der Streifen Uccide a passo di danza, in den USA hieß der Film Dancing Death, The Demon Is Loose oder Slashdance. Wobei Slashdance dem Thema am besten entsprach. Geprägt von dem Tanzfilm Flashdance wurde Lucio Fulci vom Produzenten eine Art Tanzfilm mit Gore-Elementen zu drehen. Das war einfach Mist.

Und für den Soundtrack eines Tanzfilms den großen Tastenzauberer Keith Emerson zu wählen, war eine vorhersehbare Fehlbesetzung. Emerson ist ein großes Talent und hat die Rockmusik mit ELP bewegt, doch Tanzmusik der 80er Jahre konnte und kann er einfach nicht. Aber Keith Emerson brauchte wohl Geld. Seine große Zeit war vorbei und er klimperte sich durch zahlreiche Soundtracks, die interessant oder absolut katastrophal waren. Murderock war einer der letzteren. Die Originalfassung des Soundtracks hatte ich noch mit 11 Tracks auf Langspielplatte und vor kurzem entdeckte ich eine erweiterte Version aus dem Jahre 1993. Das japanische Label SLC brachte die Fassung mit Archivmaterial aus dem Cinevox-Archiven heraus. Es handelt sich um Hintergrundmusik zu den Slasher-Szenen – ohne Gesang, sondern rein Keith Emerson. Wegen dieser vier Stücke mit einer Gesamtlänge von rund sieben Minuten hab ich mir das Album Murderock nochmal gekauft. Und – so ungern ich es als Fan sage: Es war ein Fehlkauf.

Hier der deutsche Trailer zum Film

Und hier ein Auftritt von Keith Emerson im italienischen Fernsehen

Musiktipp: Super Deluxe Box – Brain Salad Surgery von ELP

14. Juni 2014

Brain

Enttäuscht stelle ich als Fan fest: Es gibt nichts neues und das ist schade. Und das sage ich mit allem Respekt als Emerson, Lake & Palmer-Fan. Vor kurzem erschien zum 40. Geburtstag (eigentlich ist es der 41.) die Super Edition von Brain Salad Surgery und als ELP-Anhänger war der Kauf einer Selbstverständlichkeit.

Über die geniale Prog-Rock Musik von ELP muss ich nichts schreiben. Das Album von 1973 hat Geschichte gemacht. Ich kann sie jedem Fan moderner Rockmusik empfehlen – und wer es nicht kennt: Euch wird das Gehirn herausgeblasen. Als die Super Edition angekündigt wurde, habe ich mich innerlich auf neue Perlen vorbereitet. Aber es nix, was der Fan dieses Meilensteins des progressiven Rocks noch nicht hatte. Ok, die Aufnahmen sind besser abgemischt, aber so richtig bahnbrechendes neues Material ist wohl nach 41 Jahren nicht mehr aufzutreiben.

Der Inhalt der Super Box.

Der Inhalt der Super Box.

Bitte versteht mich nicht falsch: Die Musik ist genial und auch die Audio DVD-Abmischung ist erste Sahne – leider nicht mehr durch Steven Wilson, sondern durch Jakko Jakszyk, der sich schon um die genialen King Crimson kümmerte.

Die neue Edition bestehend aus dem remasterten Originalalbum einer zweiten CD mit Alternativversionen und fünf Bonustiteln. Zudem gibt es eine hochauflösende DVD-Audio mit einem digital optimierten High-Resolution Original Mix und eine LP sowie ein nettes Booklet und eine Film-DVD mit bekannten Material.

Sehr schön ist natürlich das Cover des unlängst verstorbenen HR Giger. Brain Salat Surgery ist sicherlich durch die beiden Giger-Bilder eines der bekanntesten LP-Covers der Geschichte geworden. Wenn einer die Musik nicht kennt, das geniale Cover hat er sicherlich schon irgendwann gesehen. Ich habe über Giger gebloggt. Leider gibt es im beiliegenden Booklet nicht neuere Infos über die Produktion des Covers und seine Entstehungsphase. Die beiden bekannten Bilder der Band mit Giger und mehr nicht – schade. Es macht zumindest Spaß das LP-Booklet wie früher wieder aufzuklappen und die Milchgesichter von ELP – vor allem Greg Lake mit Babyspeck – zu sehen.

Zurück zur Musik: Die Bonustracks sind nicht gerade wirklich neu, sondern bekanntes Material. “When The Apple Blossoms Bloom In The Windmills Of Your Mind I’ll Be Your Valentine“ und „Brain Salad Surgery“ sind bekannte Outtakes und waren bereits auf Works II veröffentlicht

2008 erschien zum 35. Geburtstag eine „Deluxe Edition” von Brain Salad Surgery und hier war eigentlich das Material bereits zu hören. Hier gab es die jetzt wieder veröffentlichten Songs „Jerusalem“, „Still … You Turn Me On“ und „Tocatta“. Ebenso „Karn Evil 9“, die auf der  „Deluxe Edition” von 2008 vertreten war. Unterschiede höre ich nicht, auch nicht beim mehrmaligen lauten Anhören, aber vielleicht hab ich etwas an den Ohren.

Wirklich neu ist der Original Backing Track von „Karn Evil 9: 3rd Impression“. Er zeigt, wie schlampig eigentlich Meister Emerson zu Werke ging. Ohne die Stimme von Greg Lake ist es ein historisches Dokument, das ich als Fan nicht kannte.

Bei den „Excerpts From Brain Salad Surgery“ handelt es sich um Soundschnipsel,, die für eine Flexidisc oder Schallfolie zusammengestellt wurden, die 1973 dem New Musical Express beilag. Ich hatte über die Folie bereits gebloggt. Nun jetzt höre ich das Material zum ersten Mal ohne Knistern in besserem Sound. Aber richtig neu ist das Zeug auch nicht.

Also für wen ist jetzt eigenlich die Super Deluxe Box mit insgesamt fünf Discs plus LP von “Brain Salad Surgery”? Sie ist wohl für den Sammler, der sich die Box ins Archiv stellt. Der Fan hat das Material bereits, dem neugierigen Neuhörer ist es wohl zu viel und zu teuer.

Brain3

This is the end – persönlicher Nachruf auf Ray Manzarek

21. Mai 2013
So werden Todesnachrichten heute überbracht. Todesanzeige via Facebook.

So werden Todesnachrichten heute überbracht. Todesanzeige via Facebook.

Ray Manzarek ist tot. Der ehemalige Keyboarder der Doors verstarb im Alter von 74. Jahren an Krebs im bayerischen Rosenheim. Technisch und musikalisch gab es bessere Keyboarder als Manzarek wie Jon Lord, Rick Wakeman oder Keith Emerson. Dennoch machte Manzarek den Sound der Doors aus. Das war für mich sein Markenzeichen. Der Sound, eine immer erkennbare Musik.

Das erste Mal kam ich als Kind mit der Musik der Doors in Kontakt. Zusammen mit meinen Eltern besuchte ich Passau. Als einer der touristischen Höhepunkte schauten wir uns auch die größte Orgel der Welt an. Ein Organist war am Üben und spielte Choräle rauf und runter. Und mitten drin rockte er „Light my Fire“. Als Kind wusste ich nicht, welche Musik das war, kannte weder die Doors noch den Titel des Stückes. Ich wusste aber, das Zeug gefällt mir.

Besuch am Grab von Kim Morrison in den achtziger Jahren.

Besuch am Grab von Jim Morrison in den achtziger Jahren.

Als Schüler war ich auf dem Doors-Trip. Nicht zuletzt mein längst verstorbener Kumpel Roland brachte mir den Blues näher. Stundenlang saßen wir in seinem Zimmer und hörten uns The End, Riders in the Storm, Strange days und die anderen Stücke an. Zur Klassenfahrt ging es nach Paris und dort besuchten wir Jim Morrisons letzte Ruhestätte. Wir hatten Glück (?), als wir am 3. Juli das Grab auf dem Père Lachaise besuchten. Die Doors-Fans machten eine riesige Party auf dem Friedhof. Die Musik der Doors war mit im Walkman dabei.

Irgendwann bekam ich die Morrison-Biografie „Keiner kommt hier lebend raus“ aus dem Heyne Verlag in die Hand und erfuhr, welch wichtige Rolle Ray Manzarek für die Doors spielte. Unbewusst gewusst hatte ich es schon immer. Als Gründungsmitglied hielt er den Laden zusammen, wenn Oberguru Jim Morrsion mal wieder im Drogenrausch versank. Ich hörte bei den Doors genauer hin und erkannte ein exzellentes Orgelspiel. Aber er hielt nicht nur die Band zusammen, nein, sein exzellentes Orgelspiel hielt die Songs zusammen. Als Erinnerung an Ray Manzarek suche ich mir Doors-Songs zusammen und trinke ein Glas auf ihn. Lieber Ray, schau bitte, dass dein Kumpel Jim da oben keinen Scheiß macht, so wie du es hier auch gemacht hast. Das ist wirklich das Ende.

Ohrenschmaus bei zwei ELP-Frühwerken

1. Oktober 2012

Auch alte Musiker müssen von etwas leben und so werden erfolgreiche Alben immer wieder neu aufgelegt. So auch im Falle einer meiner Lieblingsbands Emerson, Lake & Palmer (ELP). Nach allen regulären Alben, vielen offiziellen und inoffiziellen Bootlegs habe ich wieder zwei neuaufgelegte Klassiker der Dinosaurier des Progrocks erstanden: Das erste Album Emerson,Lake & Palmer und das nachfolgende Bombastwerk Tarkus von 1971. Über die Musik brauche ich wohl nichts sagen: Fans wissen sowieso Bescheid und den Ignoranten fallen beim Hören dieser wunderbaren Mischung zwischen Rock, Klassik und Jazz wahrscheinlich die Ohren ab. Hier wurde Musikgeschichte geschrieben.

Beide Veröffentlichungen liegen als dreifach Deluxe Box vor. Es gibt zum einen das Originalalbum, das ich natürlich schon lange als verschiedene LPs und einer CD-Version im Schrank habe. Dann gibt es einen 2012 Stereo-Mix und eine DVD mit 5.1 Mix. Dazu gibt es je ein nettes Booklet mit zahlreichen Bildmaterial – einiges war mir als Fan durchaus neu. Die Texte sind keine Offenbarung, erwarte ich aber nicht. Sie beinhalten harmlose Insidergeschichten aus der Frühphase der Kapelle. Ich habe die Boxen vor allem wegen der neuen Mehrkanalabmischung gekauft.

Diese neuen Abmischungen von Steven Wilson (Porcupine Tree) haben den angestaubten Werken von Andy Pearce wirklich gut getan. Sony hat im Großen und Ganzen gute Arbeit geleistet. Allerdings: Ich entdecke Töne, die ich beim Hören meiner LP nicht vernommen habe, wie bei Tarkus „The Three Fates“. Ich muss mich wohl an die neuen Versionen gewöhnen, viele Sachen sind bisher noch nie erschienen und liegen als Alternativversion vor. Aber natürlich gilt immer: Die Verschmelzung von verschiedenen Musikstilen ist hier gelungen. ELP war der Anfang, der Durchbruch kam dann mit der ersten LP-Seite von Tarkus. Kleine Kritiken an den Boxen schmälern nicht den Status der Band und Wichtigkeit der beiden Alben für die Rockmusik.

Der neue Sound ist nun glasklar und vor allem beim Hören über Kopfhörer erwischt einem die volle Wucht der Kompositionen. Orgel, Piano und Analogsynthesizer von Meister Keith Emerson sind aggressiv, Bass und Gitarren von Greg Lake kommen klarer, der jugendliche Gesang ist voller – aber was vor allem reinhaut sind die Drums von Carl Palmer. Die Musiker beherrschen ihre Instrumente und die Spielfreude der Engländer ist wahnsinn. Klar, gekünstelt wie es Progrock war, aber handgemacht und unglaublich innovativ. Das ist progressive Rockmusik wie sie sein sollte. Nur Robert Fripp mit King Crimson ging noch darüber hinaus. Aber diesen Streit, will ich hier nicht führen. Und ich hoffe auch, dass ELP Geschichte bleiben, denn die 2010-Aufnahmen aus London, waren nur wirklich was für absolute Fans.