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Musiktipp: ASIA in Asia Live at Budokan, Tokyo, 1983

20. Juni 2022

Meine Lieblingsbands aus dem Bereich Prog-Rock sind eindeutig Emerson, Lake & Palmer sowie King Crimson. Gemeinsam haben die beiden Bands, dass Greg Lake dort als Bassist und Sänger tätig war. Und er führte diesen Job kurzzeitig bei einer Band aus, die ich als enorm reizvoll in den achtziger Jahren inmitten von Disco, Pop und Rock empfand: ASIA

Jetzt erschien das ASIA in Asia Live at Budokan, Tokyo, 1983 als Deluxe-Boxset. Die Box musste ich einfach haben, denn die Aufnahme ist in vieler Hinsicht bemerkenswert. Zum einen ist es die erste Satellitenübertragung zwischen Japan und MTV America, zum anderen hatte Greg Lake ein kurzzeitiges Gastspiel in der Supergroup, nachdem John Wetton vor der Japan-Tour das Handtuch schmiss und erst nach der Tour wieder einstieg.

ASIA waren für mich eine wirkliche Offenbarung. Ihr Album AISA 1982 mit dem Chartbreaker Heat of the Moment taten meinen Prog-Rock-Ohren einfach gut. Hier hatten sich vier Meister ihres Fachs gefunden und eine wirkliche Supergroup gegründet. Es waren Geoff Downes (The Buggles & YES), Steve Howe (YES) und Carl Palmer (Emerson, Lake & Palmer) und John Wetton (King Crimson, Roxy Music). Es folgte mit Alpha ein zweites starkes Album 1983. Dann kam noch das schwächere Album Astra 1983 und dann ging es auf Tour und John Wetton hatte keine Lust und stieg aus. Guter Rat war teuer, aber Greg Lake stieg ein, nachdem sich ELP ja aufgelöst hatte und Palmer bereits bei AISA untergekommen war.

Jahreslanges Zusammenspiel mit Carl Palmer zahlte sich aus. Lake mit seiner eindrucksvollen Stimme lernte die Songs und ab ging es zu drei Konzerten nach Budokan, Tokyo. Das zweite Japan-Konzert am 6. Dezember 1983 wurde per Satellit übertragen. Ich habe davon in der Prawda der jungen Leute Bravo gelesen und wollte das Konzert unbedingt haben. Erst Jahre später bekam ich eine japanische Laserdisc in die Hände. Es umfasste die Songs der ersten beiden ASIA-Alben. Trotz dem Neuling Lake macht das Konzert wirklich Spaß – wenn man den Prog-Rock der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts mag.

In dem Deluxe-Boxset gibt es das Konzert auf zwei farbigen Vinyl, einer Doppel-CD und Bluray, wobei die Bildqualität gegenüber der Laserdisc wohl etwas aufgehübscht wurde. Zudem gibt es ein kleines Buch mit Tourbildern und Schnickschnack wie Eintrittskarten.

Introduction From Mark Goodman (MTV)
Time Again
The Heat Goes On
Here Comes The Feeling
Eye To Eye
Steve Howe Solo (Sketches In The Sun)
Only Time Will Tell
Open Your Eyes
Geoffrey Downes Solo (Ihiri – The Setting Sun / Bolero)
The Smile Has Left Your Eyes
Wildest Dreams
Carl Palmer Solo
Heat Of The Moment
Sole Survivor
Cutting It Fine
Daylight

Brauche ich das nächste Asia-Album Gravitas?

9. März 2014

Aisa

Ihr kennt das? Das freut man sich wie ein Schneekönig auf ein neues Album, aber man weiß eigentlich, dass es nichts Besonderes mehr sein wird. So ergeht es mir im Moment mit der Vorfreude auf das neue Album der ehemaligen Superband Asia. Ich will hier nicht lang die Geschichte der Kapelle erzählen. Experten wissen, was Heat of the Moment für Progrock-Fans bedeutet. Es war die einzige Band, die uns im Achtzigerjahre Pop-Zeitalter noch gefallen hat. Aber natürlich war der Glanz von Asia nicht von Dauer. Viele Umbesetzungen und viele mäßige Alben waren die Folge.

Im neuen Jahrtausend horchten wir Fans noch mal kurz auf, als die Originalbesetzung mit John Wetton, Geoff Downes, Steve Howe und Carl Palmer auf Tour ging. Es entstanden ein paar annehmbare Alben und wir waren gespannt, was kommt. Mit Angst reagierten wir auf dem Ausstieg des Gitarristen Steve Howe im Jahr 2012. Er wurde durch Sam Coulson ersetzt. Ein Jüngling, mit seinen knapp 26 Jahren, zupft die Gitarre bei der Altherrenband. Unsere Angst sollte begründet sein, leider.

Für 21. März ist nun ein neues Album namens Gravitas von Asia angekündigt. Die Alben mit A als Anfangsbuchstaben haben wir hinter uns gelassen. Der erste Song bei Valkyrie liegt bereits vor. USAToday durfte als erste das Video zeigen. Und es kam, wie es kommen musste. Ich finde den Song lahm. Gut, er sauber produziert, aber für mich ist der Drive vorbei. Gedreht wurde das Video am Strand von Topanga in Kalifornien.

Aber ich warte erst das Album Gravitas für ein endgültiges Urteil ab. Dennoch bin ich skeptisch. Bei Amazon kann man schon in die ersten Takte der neuen Songs reinhören. Öde, öde und langweiliger Mainstream, was ich da so höre. Wo ist denn die Power? Das Album erscheint in zwei Versionen, als Standard CD und Deluxe Edition. Dazu gibt es u.a, das Valkyrie-Video und eine Live-Aufnähme vom Heat of the Moment mit dem bulgarischen Plovdiv Philharmonic Orchestra, von dem ich noch etwas gehört habe.

Eine Tour ist zudem auch für Europa 2014 geplant, da werde ich mir die alten Herren einmal ansehen. John Wetton hatte ich in den 90er Jahren mal getroffen, als er bei uns im Landkreis spielte. Ein einstiger Weltstar bei uns im nächsten Dorf – soweit sind wir schon gekommen.

Die Songs von Gravitas:

01. Valkyrie

02. Gravitas

03. The Closer I Get To You

04. Nyctophobia

05. Russian Dolls

06. Heaven Help Me Now

07. I Would Die For You

08. Joe Di Maggio’s Glove

09. Till We Meet Again

10. The Closer I Get To You (acoustic bonus)

11. Joe Di Maggio’s Glove (acoustic bonus)

Steve Hackett bei der SAE im Stream

23. Januar 2013

studio

Das Internet ändert alles! Natürlich ist es eine Binsenweisheit, aber ab und zu wird es mir schlagartig bewusst, was sich dramatisch verändert. So zum Beispiel als ich auf Einladung der SAE Alumni einen Livestream mit dem britischen Gitarristen Steve Hackett ansehen konnte. Hackett ist groß rausgekommen als er Bandmitglied von Genesis war – zu einer Zeit als Genesis mit Peter Gabriel noch richtig gute Musik machte.

Vor Jahren war es eine absolute Ehre, wenn man ein Interview mit einer der Rockgrößen machen konnte. Journalisten mussten sich akkreditieren lassen, wurden ausgewählt und bekamen großzügig von Plattenfirma oder PR-Agentur zeitlich enge Slots zugeteilt. Ich erinnere mich, dass ich für 15 Minuten Interview mit Pixar-Größen um die halbe Welt geflogen bin.

Und heute? Heute sitze ich mit einer Tasse Kaffee vor dem iPad und klinke mich in einem Livestream ein. In diesem Fall saß Steve Hackett in einem SAE-Studio in London und beantworte die Fragen des Moderators und der Gäste, die via Chat Fragen stellen konnten. Die Fans konnten wirklich fragen, was sie interessiert und nicht dass, was ein Journalist glaubt, dass die Fans interessiert. Hier liegt ein bedeutender Unterschied. Das Internet fördert die Demokratie.

Live am iPad zu Hause dabei.

Live am iPad zu Hause dabei.

Die Fragen aus dem SAE-Stream waren zum Teil technischer Natur, was wohl daran liegt, dass die SAE eine der größten Medienschulen der Welt ist und aus einer School of Audio Engineering hervorging. Aber es waren die Antworten eines sympathischen Steve Hackett, die es ausmachten. Der Kerl ist ein verdammt guter Gitarrist, aber er ist kein Techniker. Er nannte die „Gitarre ein Symbol der Freiheit“ und zu seiner Zeit klang eine Gitarre wie ein Synthesizer. Für ihn war die Kommunikation entscheidend – nicht nur die Kommunikation in einer Band, sondern auch mit dem Toningenieur oder den Produzenten. Sie alle seien Priester, Coach, Kritiker und dürften keine Ja-Sager sein – ehrliche Worte, darauf kommt es in der Musik an.

Interessant war auch, dass Hackett sein neuestes Album Genesis Revisited II mit neuem Equipment einspielte, obwohl es Genesis-Klassiker (und vier neue Songs) enthält. Flexibilität sei eben wichtig. Um den genauen technischen Fragen der Fans auszuweichen, glitt er immer wieder in die Vergangenheit ab. „Die sechziger Jahre waren die Gitarren-Ära, die siebziger die Ära der Keyboards und die achtziger Jahren waren die Drums-Ära!“ Als er nach dem Einsatz von Mikrofonen gefragt wurde, las er brav Sennheiser und Neumann ab, gab aber zu: „Ich bin glücklich zu lernen. Es gibt hier viele Leute, die mehr Ahnung davon haben, als ich.“ Ungefiltert und live kommt so eine Aussage bei den Fans an – das hätte es in alten Zeiten vor dem Internet nicht gegeben. PR-Strategen wären dazwischen gegangen und hätten das Image des Stars aufrecht erhalten. Weg mit dem Ego, weg mit dem Starrummel durch das Netz und so kommt ein Steve Hackett wunderbar herüber.

Als Kind der sechziger Jahre benannte Hackett auch sein prägendstes Album, obwohl er nach dem bestproduziertesten Album gefragt wurde: Bluesbreakers with Eric Clapton. Dieses Album gilt als eines der wichtigsten Blues-Alben überhaupt und war für Hackett „die Geburt des Feuers“, ebenso wie für die Gitarristen Steve Howe (Yes) und Brian May (Queen). Es sei die Geburtsstunde des Guitarheros gewesen. Als weitere Einflüsse nannte Hackett das Beatles-Album Revolver und – die Jugend staune – Johann Sebastian Bach mit seiner mathematischen Musik.

Nochmals großen Dank an die SAE für diesen Stream. Er soll in nächster Zeit als Video auf die SAE-Seite kommen. Dann können alle, die es versäumt haben, einen sympathischen Steve Hackett nochmals erleben.

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