Gigantische außerirdische Insekten, gewaltige Raumschlachten, junge Soldaten voller Kampfgeist und ein Krieg, der über das Schicksal der Menschheit entscheiden soll: Auf den ersten Blick präsentiert sich Paul Verhoevens „Starship Troopers“ aus dem Jahr 1997 als ebenso aufwendiges wie kompromissloses Science-Fiction-Spektakel. Ich besprach den Film bei meiner Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Die nächste Matinee ist am 1. November um 10:45 Uhr im Scala der John Carpenter-Film The Fog – Nebel des Grauens. Karten gibt es hier.

Doch wer genauer hinsieht, entdeckt hinter der glänzenden Oberfläche und der brachialen Action eine der bissigsten politischen Satiren, die das Hollywoodkino der 1990er-Jahre hervorgebracht hat. Ein Film, der unterhalten will, aber zugleich verstört, provoziert und unbequeme Fragen stellt. Hier die Aufzeichnung meines Vortrags.
Schon mit „RoboCop“ hatte der niederländische Regisseur Paul Verhoeven bewiesen, dass sich spektakuläres Genrekino hervorragend als Transportmittel für scharfe Gesellschaftskritik eignet. Mit „Starship Troopers“, frei nach dem Roman von Robert A. Heinlein, treibt er dieses Prinzip auf die Spitze. Seine Zukunftsgesellschaft erscheint zunächst geradezu beneidenswert: attraktive, sportliche und erfolgreiche Menschen, blitzsaubere Städte, technische Wunderwerke und scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten. Doch hinter dieser perfekten Fassade verbirgt sich ein autoritärer Staat, in dem politische Mitbestimmung an den Dienst für die Föderation geknüpft ist. Militärische Tugenden bestimmen das gesellschaftliche Ideal, Gehorsam wird belohnt und der Krieg zum identitätsstiftenden Gemeinschaftserlebnis verklärt.
Im Mittelpunkt steht Johnny Rico, gespielt von Casper Van Dien. Der junge Mann meldet sich weniger aus patriotischer Überzeugung zum Militär als vielmehr aus Liebe zu seiner Freundin Carmen, dargestellt von Denise Richards. Was als jugendliches Abenteuer beginnt, entwickelt sich zu einer blutigen Odyssee durch Ausbildung, Verlust, Kameradschaft und Krieg. Rico wächst an seinen Aufgaben, übernimmt Verantwortung und wird schließlich zum gefeierten Soldaten. Doch genau hier liegt die perfide Ironie des Films: Erleben wir tatsächlich die Reifung eines jungen Menschen zum Helden oder beobachten wir vielmehr die erfolgreiche Formung eines Individuums zum gehorsamen Werkzeug eines militaristischen Systems?




Besonders brillant ist Verhoevens Umgang mit den Medien. Immer wieder unterbrechen propagandistische Nachrichtenbeiträge, Rekrutierungsfilme und vermeintlich objektive Informationssendungen die Handlung. Die legendäre Frage „Would you like to know more?“ wird zum Markenzeichen einer Gesellschaft, in der Information und Manipulation kaum noch voneinander zu unterscheiden sind. Krieg wird als Unterhaltung inszeniert, Gewalt als notwendige Konsequenz verkauft und der Feind auf eine gesichtslose Bedrohung reduziert. Zweifel sind unerwünscht, einfache Antworten dagegen jederzeit verfügbar.
Was 1997 noch wie eine groteske Überzeichnung medialer Propaganda erschien, wirkt heute beinahe erschreckend vertraut. In einer Welt der sozialen Netzwerke, algorithmisch gesteuerten Nachrichtenströme, emotionalisierten Videoclips und gezielten Desinformation gewinnen Verhoevens Beobachtungen eine neue Aktualität. Bilder ersetzen Argumente, Empörung verdrängt Differenzierung und politische Botschaften werden zunehmend nach den Regeln der Unterhaltungsindustrie verbreitet. „Starship Troopers“ zeigt, wie wirkungsvoll Propaganda sein kann, wenn sie nicht als plumpe Belehrung daherkommt, sondern als aufregendes Spektakel, das sein Publikum begeistert.
Dabei ist der Film selbst ein Meisterwerk dieser Doppelbödigkeit. Verhoeven liefert genau jene Bilder, deren manipulative Kraft er gleichzeitig entlarvt. Die Schlachten sind überwältigend, die Spezialeffekte auch Jahrzehnte später beeindruckend, die außerirdischen Bugs furchteinflößend und die Actionsequenzen von geradezu hemmungsloser Intensität. Dazu kommen schwarzer Humor, bewusst überzeichnete Figuren und eine Ästhetik, die sich unübersehbar an totalitären Propagandabildern orientiert. Das Publikum soll mitfiebern, jubeln und sich anschließend fragen, warum es sich von dieser Inszenierung so bereitwillig hat mitreißen lassen.




Gerade darin liegt die außergewöhnliche Qualität von „Starship Troopers“. Der Film liefert keine bequeme moralische Orientierung. Stattdessen zwingt er dazu, die vermeintlich selbstverständliche Einteilung in Gut und Böse zu hinterfragen. Wer hat diesen Krieg eigentlich begonnen? Welche Interessen verfolgt die Föderation? Was erfahren die Menschen tatsächlich über ihren Gegner? Und weshalb scheint eine Gesellschaft, die sich selbst für überlegen und zivilisiert hält, so wenig Interesse an friedlichen Alternativen zu besitzen?
Auch fast drei Jahrzehnte nach seiner Premiere hat „Starship Troopers“ nichts von seiner Sprengkraft verloren. Im Gegenteil: Die politische Dimension des Films ist heute womöglich noch leichter zu erkennen als bei seiner Veröffentlichung, als zahlreiche Kritiker die Satire missverstanden und den Film lediglich als brutales Actionabenteuer wahrnahmen. Inzwischen gilt Verhoevens Werk längst als moderner Science-Fiction-Klassiker, dessen Bedeutung weit über seine spektakulären Schauwerte hinausreicht.

Damit bietet „Starship Troopers“ den idealen Stoff für eine Kinomatinee im Scala Fürstenfeldbruck. Ein Film, der auf der großen Leinwand mit seiner visuellen Wucht begeistert, zugleich aber reichlich Gesprächsstoff über Militarismus, Demokratie, Propaganda, Medienmacht und die Mechanismen politischer Verführung liefert. Denn Verhoeven erinnert uns daran, dass die gefährlichste Manipulation häufig jene ist, die wir gar nicht als solche erkennen, weil sie uns so hervorragend unterhält.
Ein ebenso intelligenter wie kompromissloser Kultfilm, der kracht, provoziert und zum Nachdenken zwingt. Eine bitterböse Satire über eine Gesellschaft, die den Krieg feiert und das kritische Denken verlernt hat.
Would you like to know more?
Die nächste Matinee im Scala Fürstenfeldbruck ist am 1. November um 10:45 Uhr im Scala der John Carpenter-Film The Fog – Nebel des Grauens. Karten gibt es hier.
















































































