Posts Tagged ‘Matinee’

Meine Kino-Matineen im zweiten Halbjahr

17. Juli 2026

Ich liebe das Kino und ich freue mich sehr, das im Scala Fürstenfeldbruck meine Matineen für das zweite Halbjahr ankündigen darf. Scala-Geschäftsführer Markus Schmölz und ich haben ziemlich gerungen ein ansprechendes cineastisches Programm auf die Beine zu stellen.

Wir starten jetzt auch eine Reihe von Science-Fiction-Filmen. Die Wunschliste ist lang und die groben Planungen für das erste Halbjahr 2027 laufen an. Es ist aber natürlich alles abhängig von der Resonanz des Publikums. Unsere Zuschauer entscheiden, ob die Wahl für das zweite Halbjahr ansprechend ist. Ich bin gespannt. Also es geht los. Der Kartenvorverkauf ist gestartet.

Matinee: Der Herr der Ringe
Am Sonntag, 9. August von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

Der Zeichentrickfilm „Der Herr der Ringe“ von Ralph Bakshi aus dem Jahr 1978 ist eine eigenständige und bis heute interessante Umsetzung von J. R. R. Tolkiens Fantasy-Epos. Die Handlung folgt Frodo Beutlin, der den Einen Ring aus dem Auenland fortbringen muss, um ihn vor dem Zugriff Saurons zu schützen. Gemeinsam mit seinen Gefährten beginnt er eine gefährliche Reise durch Mittelerde.
Besonders sehenswert ist die besondere Bildsprache des Films, die klassische Animation mit real gefilmten Bewegungsabläufen verbindet. Dadurch entsteht eine ungewöhnliche, stellenweise düstere Atmosphäre, die gut zur Bedrohung durch Mordor passt. Der Film zeigt zentrale Stationen der Geschichte – von Bruchtal über die Minen von Moria bis zu den Kämpfen gegen Sarumans Truppen – und bietet einen spannenden Zugang zu Tolkiens Welt. Für Fantasy-Fans und Liebhaber klassischer Animationsfilme ist diese Fassung eine lohnende Wiederentdeckung.

Matinee: Ferris macht blau
Am Sonntag, 30. August von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Ferris macht blau“ ist eine charmante und bis heute äußerst unterhaltsame Komödie aus den 1980er-Jahren. Im Mittelpunkt steht Ferris Bueller, ein einfallsreicher Schüler, der einen freien Tag vortäuscht und gemeinsam mit seinem besten Freund Cameron und seiner Freundin Sloane Chicago unsicher macht. Während der Schuldirektor alles daransetzt, Ferris zu überführen, entwickelt sich der Tag zu einem turbulenten Ausflug voller Witz, Tempo und überraschender Momente.
Der Film überzeugt durch seinen leichten Ton, pointierte Dialoge und eine Hauptfigur, die mit viel Charme und Selbstbewusstsein durch die Geschichte führt. Besonders gelungen ist die Mischung aus jugendlicher Rebellion, Slapstick und warmherziger Freundschaftsgeschichte. „Ferris macht blau“ ist damit ein echter Komödienklassiker, der auch heute noch frisch wirkt und beste Unterhaltung für alle bietet, die intelligente, gut gelaunte Filmkomödien schätzen.

Matthew Broderick, Mia Sara, and Alan Ruck publicity portrait for the film ‚Ferris Bueller’s Day Off‘, 1986. (Photo by Paramount/Getty Images)

Matinee: Erdbeben
Am Sonntag, 20. September von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Erdbeben“ ist ein packender Katastrophenfilm aus den 1970er-Jahren, der das Genre mit eindrucksvollen Bildern und großer Spannung prägt. Im Mittelpunkt steht Los Angeles, das von einem schweren Beben erschüttert wird. Der Film begleitet verschiedene Menschen, deren Wege sich vor und nach der Katastrophe kreuzen – darunter Architekten, Rettungskräfte und ganz normale Bürger, die plötzlich um ihr Überleben kämpfen müssen.
Besonders wirkungsvoll ist die Mischung aus persönlichem Drama, spektakulären Zerstörungsszenen und klassischer Spannungserzählung. „Erdbeben“ setzt auf große Schauwerte, ein prominentes Ensemble und die für seine Zeit beeindruckende Inszenierung der Naturgewalt. Dadurch entsteht ein intensiver Filmabend, der Fans klassischer Katastrophenfilme ebenso anspricht wie Zuschauer, die spannendes Unterhaltungskino mit nostalgischem Flair schätzen.

Matinee: Starship Troopers
Am Sonntag, 4. Oktober von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Starship Troopers“ ist ein temporeicher Science-Fiction-Film, der actionreiches Unterhaltungskino mit satirischen Elementen verbindet. Im Mittelpunkt steht eine futuristische Gesellschaft, in der junge Menschen zum Militärdienst ermutigt werden, um gegen eine außerirdische Insektenrasse zu kämpfen. Der Film folgt Johnny Rico und seinen Freunden auf ihrem Weg von der Ausbildung bis zu brutalen Einsätzen auf fremden Planeten.
Besonders sehenswert ist die Mischung aus spektakulären Effekten, intensiven Kampfszenen und einer bewusst überzeichneten Darstellung von Militär, Propaganda und Heldentum. „Starship Troopers“ bietet nicht nur packende Science-Fiction-Action, sondern auch eine bissige Gesellschaftssatire, die dem Film bis heute seinen besonderen Reiz gibt. Für Fans von genrebewusstem, provokantem und visuell eindrucksvollem Kino ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung.

Matinee: Ein Fressen für die Geier
Am Sonntag, 11. Oktober von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Ein Fressen für die Geier“ ist ein unterhaltsamer Western mit Abenteuercharakter, der klassische Genreelemente mit Humor und ungewöhnlichen Figuren verbindet. Im Mittelpunkt steht der Söldner Hogan, der in Mexiko auf eine vermeintliche Nonne trifft. Gemeinsam geraten sie in eine gefährliche Mission während der französischen Besatzung – mit überraschenden Wendungen, rauem Charme und pointierten Dialogen. Besonders reizvoll ist das Zusammenspiel der Hauptfiguren Clint Eastwood und Shirley MacLaine, die sich zunächst misstrauisch begegnen, aber nach und nach zu einem schlagkräftigen Duo werden. „Ein Fressen für die Geier“ überzeugt durch seine Mischung aus Spannung, lakonischem Witz und klassischer Westernatmosphäre. Für Freunde des Genres ist der Film eine sehenswerte Wiederentdeckung mit starken Darstellern und einem angenehm eigenständigen Ton.

Matinee: The Fog – Nebel des Grauens
Am Sonntag, 1. November von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„The Fog – Nebel des Grauens“ ist ein atmosphärischer Horrorklassiker von John Carpenter, der seine Spannung weniger aus grellen Schockeffekten als aus Stimmung, Andeutung und unheimlicher Erwartung bezieht. Im Mittelpunkt steht die Küstenstadt Antonio Bay, die kurz vor ihrem Jubiläum von einem geheimnisvollen Nebel heimgesucht wird. Mit ihm kehrt ein dunkles Kapitel aus der Vergangenheit zurück – und eine tödliche Bedrohung nähert sich der Stadt.
Besonders wirkungsvoll ist die dichte, maritime Atmosphäre des Films: Leuchtturm, Küste, nächtliche Straßen und der langsam heranziehende Nebel erzeugen eine stetig wachsende Spannung. „The Fog – Nebel des Grauens“ überzeugt durch seine klassische Inszenierung, den prägnanten Soundtrack und seine unheilvolle Stimmung. Für Freunde des gepflegten Gruselkinos ist der Film eine sehenswerte Wiederentdeckung und ein starker Vertreter des atmosphärischen Horrors.

Matinee: Die Wildgänse kommen
Am Sonntag, 15. November von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Die Wildgänse kommen“ ist ein spannender Abenteuer- und Kriegsfilmklassiker, der mit einem starken Ensemble, klarer Dramaturgie und viel Spannung überzeugt. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe erfahrener Söldner, die den Auftrag erhält, einen afrikanischen Politiker aus der Gefangenschaft zu befreien. Was zunächst als präzise geplante Mission beginnt, entwickelt sich bald zu einem gefährlichen Überlebenskampf.
Besonders sehenswert ist das Zusammenspiel der markanten Hauptdarsteller, darunter Richard Burton, Roger Moore, Richard Harris und Hardy Krüger. „Die Wildgänse kommen“ verbindet klassische Action, militärische Spannung und persönliche Konflikte zu einem packenden Film mit rauem Ton und nostalgischem Abenteuerflair. Für Freunde großer Ensemblefilme und klassischer Spannungskinos ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung.

Matinee: Blade Runner
Am Sonntag, 29. November von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Blade Runner“ ist ein stilprägender Science-Fiction-Klassiker, der düstere Zukunftsvision, Kriminalfilm und philosophische Fragen eindrucksvoll verbindet. Im Mittelpunkt steht Rick Deckard, ein sogenannter Blade Runner, der in einem verregneten, neonhellen Los Angeles des Jahres 2019 künstlich erschaffene Menschen – sogenannte Replikanten – aufspüren soll. Doch seine Mission führt ihn zunehmend an die Grenzen zwischen Menschlichkeit, Erinnerung und künstlichem Leben.
Besonders sehenswert ist die einzigartige Bildsprache des Films: Großstadt, Schatten, Dauerregen, Werbetafeln und elektronische Musik schaffen eine dichte Atmosphäre, die bis heute viele Science-Fiction-Filme geprägt hat. „Blade Runner“ überzeugt durch seine starke Inszenierung, seine nachdenkliche Grundstimmung und die faszinierende Frage, was einen Menschen eigentlich ausmacht. Für Freunde anspruchsvoller Science-Fiction ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung und ein Meilenstein des Genres.

Matinee: Dark Star
Am Sonntag, 6. Dezember von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Dark Star“ ist ein ungewöhnlicher Science-Fiction-Film, der Weltraumabenteuer, schwarzen Humor und philosophische Absurdität auf sehr eigenständige Weise verbindet. Im Mittelpunkt steht die Besatzung des Raumschiffs Dark Star, die seit Jahren durchs All reist, um instabile Planeten zu zerstören. Der Alltag an Bord ist geprägt von technischer Überforderung, Langeweile, skurrilen Zwischenfällen und zunehmender Erschöpfung.
Besonders sehenswert ist der lakonische Ton des Films, der klassische Science-Fiction-Motive bewusst gegen den Strich bürstet. „Dark Star“ überzeugt durch seinen trockenen Humor, seine originellen Ideen und den Charme einer frühen Low-Budget-Produktion von John Carpenter und Dan O’Bannon. Für Freunde schräger Science-Fiction und kultiger Genreklassiker ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung.

Matinee: Auf dem Highway ist die Hölle los
Am Sonntag, 27. Dezember von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Auf dem Highway ist die Hölle los“ ist eine turbulente Actionkomödie mit hohem Tempo, viel Situationskomik und einem großen Staraufgebot. Im Mittelpunkt steht ein illegales Autorennen quer durch die USA, bei dem sehr unterschiedliche Teilnehmer mit allen Tricks versuchen, als Erste ins Ziel zu kommen. Dabei geraten sie in aberwitzige Verfolgungsjagden, Täuschungsmanöver und komische Zwischenfälle.


Besonders unterhaltsam ist die Mischung aus rasantem Roadmovie, Slapstick und lockerem Ensemblefilm. „Auf dem Highway ist die Hölle los“ lebt von seinem unbeschwerten Ton, den exzentrischen Figuren und dem nostalgischen Charme des Unterhaltungskinos der frühen 1980er-Jahre. Für Freunde klassischer Actionkomödien ist der Film eine vergnügliche Wiederentdeckung mit viel Tempo und guter Laune.

Also es geht los. Der Kartenvorverkauf ist gestartet.

The Breakfast Club – Matinee am 12. Juli im Scala Fürstenfeldbruck

10. Juli 2026

Ein Samstag in der Schule. Fünf Jugendliche, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben wollen. Ein Streber, ein Rebell, eine Prinzessin, ein Sportler und eine Außenseiterin. Sie alle müssen nachsitzen – und glauben zunächst, genau zu wissen, wer die anderen sind. Doch im Laufe dieses einen Tages bröckeln die Fassaden. Aus Vorurteilen werden Gespräche, aus Abwehr wird Nähe, aus Rollenbildern werden Menschen. Ich bespreche und zeige den Teenie-Klassiker The Breakfast Club in meiner Matinee am 12. Juli im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

„The Breakfast Club“ ist weit mehr als ein Jugendfilm der 80er-Jahre. Es ist ein Film über das Erwachsenwerden, über den Druck von Eltern, Schule und Gesellschaft, über Einsamkeit, Unsicherheit und den Wunsch, endlich gesehen zu werden. Regisseur John Hughes schafft es, mit wenigen Räumen und einer scheinbar einfachen Ausgangssituation ein zeitloses Kammerspiel über Jugend, Identität und Verletzlichkeit zu erzählen.

Der Film lebt von seinen Figuren. Jede und jeder von ihnen scheint zunächst ein Klischee zu sein: Brian, der pflichtbewusste Musterschüler; Bender, der aufmüpfige Provokateur; Claire, das beliebte Mädchen aus gutem Haus; Andrew, der erfolgreiche Sportler; und Allison, die stille Außenseiterin. Doch je länger sie miteinander eingeschlossen sind, desto klarer wird: Hinter jeder Maske steckt Angst. Angst, nicht zu genügen. Angst, enttäuscht zu werden. Angst, nicht dazuzugehören.

Gerade deshalb wirkt „The Breakfast Club“ bis heute so stark. Der Film nimmt junge Menschen ernst. Er belächelt ihre Probleme nicht, sondern zeigt, wie schwer es sein kann, in eine Rolle gedrängt zu werden – und wie befreiend es ist, diese Rolle für einen Moment abzulegen. Dabei ist der Film mal witzig, mal bitter, mal rebellisch und immer überraschend ehrlich.

Unvergessen ist auch die Musik: „Don’t You (Forget About Me)“ von Simple Minds wurde zur Hymne einer ganzen Generation. Der Song fasst perfekt zusammen, worum es in diesem Film geht: um den Wunsch, nicht vergessen, nicht übersehen, nicht auf ein Etikett reduziert zu werden.

„The Breakfast Club“ ist Kult, weil er eine einfache Wahrheit erzählt: Niemand ist nur das, was andere in ihm sehen. Dieser Film ist ein Plädoyer für Offenheit, Empathie und den Mut, hinter die Oberfläche zu blicken. Ein Klassiker, der Jugendliche berührt, Erwachsene an ihre eigene Schulzeit erinnert und bis heute zeigt, wie viel Kraft in einem echten Gespräch liegen kann.

Ein Film für alle, die wissen wollen, warum manche Geschichten nicht altern – sondern mit jeder Generation neu verstanden werden. Ich bespreche und zeige den Teenie-Klassiker The Breakfast Club in meiner Matinee am 12. Juli im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Rückblick auf meine Matinee: Die Glücksritter (Trading Places, 1983)

3. Juli 2026

John Landis’ Die Glücksritter ist auf den ersten Blick eine temporeiche Verwechslungskomödie mit Eddie Murphy und Dan Aykroyd. Bei genauerem Hinsehen ist der Film aber eine ziemlich bissige Satire auf Klassendenken, Rassismus, Geldgier und den Glauben, der soziale Status eines Menschen sei entweder angeboren oder allein durch Leistung verdient. Der Originaltitel Trading Places bringt das genauer auf den Punkt als der deutsche Titel: Es geht um das Tauschen von Plätzen – sozial, wirtschaftlich und moralisch. Ich hatte den Film bei meiner Matinee im Scala. Die nächste Matinee ist ein wunderbarer Film der 80er Jahre: The Breakfast Club am Sonntag, 12. Juli. Karten gibt es hier.

Der Film erschien 1983, wurde von John Landis inszeniert und von Timothy Harris und Herschel Weingrod geschrieben. Die Hauptrollen spielen Dan Aykroyd als Louis Winthorpe III, Eddie Murphy als Billy Ray Valentine, Jamie Lee Curtis als Ophelia, Denholm Elliott als Butler Coleman sowie Don Ameche und Ralph Bellamy als die Duke-Brüder. Die Geschichte dreht sich um zwei alte, reiche Börsenmakler, die aus einer Laune heraus eine Wette abschließen: Was passiert, wenn man einem privilegierten Mann alles nimmt und einem mittellosen Außenseiter plötzlich Reichtum, Ansehen und Einfluss gibt? Hier der Vortrag auf meiner Matinee zum Anschauen.

Die Handlung ist bewusst einfach konstruiert. Louis Winthorpe III ist ein wohlhabender, kultivierter, eingebildeter Mann der oberen Gesellschaft. Billy Ray Valentine ist ein armer Trickbetrüger, der sich auf der Straße durchschlägt. Randolph und Mortimer Duke manipulieren beide Leben: Winthorpe wird verleumdet, verliert Beruf, Verlobte, Wohnung und Vermögen; Valentine wird in die Firma der Dukes geholt und erhält genau jene Chancen, die Winthorpe zuvor selbstverständlich besaß. Aus dieser Versuchsanordnung entwickelt der Film seine zentrale Frage: Sind Menschen „von Natur aus“ erfolgreich oder werden sie durch Umstände, Bildung, Netzwerke und Geld geformt?

Gerade darin liegt die politische Schärfe des Films. Die Duke-Brüder betrachten Menschen wie Versuchstiere. Für sie sind Winthorpe und Valentine keine Persönlichkeiten, sondern Spielmaterial. Ihre Wette ist der eigentliche Skandal: Zwei Männer, die durch Kapital fast unbegrenzte Macht besitzen, zerstören Leben aus Langeweile. Der Film zeigt damit eine Gesellschaft, in der Reichtum nicht nur Besitz bedeutet, sondern Zugriff auf Institutionen, Polizei, Justiz, Arbeitsmarkt und soziale Reputation.

Louis Winthorpe ist anfangs keineswegs ein sympathischer Held. Er ist höflich, aber arrogant; gebildet, aber blind für seine eigenen Privilegien. Erst als ihm alle Sicherheiten entzogen werden, begreift er, wie dünn die Fassade von Ansehen und Würde ist. Sein sozialer Absturz ist komisch inszeniert, aber bitter gemeint. Der Film macht deutlich: Gesellschaftlicher Status kann erstaunlich schnell verschwinden, wenn Geld, Wohnung, Arbeit und soziale Anerkennung wegfallen.

Billy Ray Valentine wiederum ist nicht deshalb erfolgreich, weil er plötzlich „veredelt“ wird, sondern weil er Fähigkeiten besitzt, die im alten Umfeld nur kriminalisiert oder missachtet wurden: Beobachtungsgabe, Schlagfertigkeit, Menschenkenntnis, Improvisation. Sobald diese Fähigkeiten in einem anderen sozialen Rahmen eingesetzt werden, gelten sie plötzlich als geschäftstüchtig. Das ist einer der klügsten Punkte des Films: Talent ist nicht gleichmäßig sichtbar, weil Gesellschaften entscheiden, welche Talente belohnt und welche bestraft werden.

Der Film arbeitet stark mit Elementen der klassischen Screwball-Komödie. Reiche werden lächerlich gemacht, soziale Rollen werden vertauscht, Liebes- und Betrugshandlungen laufen ineinander, und am Ende werden die Mächtigen durch ihre eigene Gier geschlagen. Kritiker haben Trading Places deshalb häufig mit sozial bewussten Komödien der 1930er- und 1940er-Jahre verglichen, etwa mit Filmen von Preston Sturges oder Frank Capra. 

Besonders interessant ist die Verbindung zu Mozarts Le nozze di Figaro. John Landis nutzte Motive aus dieser Oper bewusst als musikalischen Bezugspunkt. In Figaro setzt sich ein Diener gegen die Anmaßungen seines adeligen Herrn zur Wehr; in Die Glücksritter wehren sich Winthorpe, Valentine, Ophelia und Coleman gegen die Macht der Duke-Brüder. Auch hier wird eine hierarchische Ordnung nicht frontal revolutioniert, aber listig unterlaufen. 

Die Inszenierung lebt stark von den Gegensätzen: Philadelphia im Winter, elegante Clubs, Börsenräume, Luxushäuser, Obdachlosigkeit, Gefängniszellen, Weihnachtsdekoration und soziale Kälte. Landis nutzt die Weihnachtszeit nicht als gemütliche Kulisse, sondern als ironischen Kontrast. Während überall Nächstenliebe behauptet wird, handeln fast alle Figuren zunächst aus Eigennutz. Das macht den Film auch zu einer zynischen Weihnachtskomödie.

Eddie Murphy ist der große Motor des Films. Seine Energie, sein Timing und seine Fähigkeit, Rollen innerhalb der Rolle zu spielen, geben Die Glücksritter enorme Lebendigkeit. Billy Ray Valentine ist Trickster, Überlebenskünstler und später Mitverschwörer gegen das System. Dan Aykroyd spielt dagegen hervorragend den Zusammenbruch eines Mannes, der sein ganzes Leben für naturgegeben hielt. Seine Komik entsteht aus dem Verlust der Kontrolle. Jamie Lee Curtis als Ophelia ist ebenfalls wichtig: Sie ist nicht nur romantische Nebenfigur, sondern eine pragmatische Frau, die die Spielregeln des Geldes besser versteht als viele Männer im Film.

Trotzdem ist Die Glücksritter nicht frei von Problemen. Manche Witze über Rasse, Geschlecht und soziale Milieus sind deutlich im Ton der frühen achtziger Jahre verankert und wirken heute stellenweise unangenehm oder grob. Besonders der Umgang mit Stereotypen zeigt, dass der Film zwar Rassismus kritisiert, aber selbst nicht immer frei von klischeehaften Darstellungen ist. Auch Ophelia wird einerseits als kluge, selbstbestimmte Figur gezeichnet, andererseits stark sexualisiert. Diese Ambivalenz gehört zur heutigen Neubewertung des Films.

Das Finale an der Warenterminbörse ist mehr als nur ein komödiantischer Coup. Die Helden besiegen die Dukes mit deren eigenen Waffen: Insiderwissen, Spekulation, Marktmanipulation und Timing. Moralisch ist das interessant, weil der Film das System nicht abschafft. Winthorpe und Valentine werden nicht zu Revolutionären, sondern schlagen die Kapitalisten, indem sie bessere Kapitalisten werden. Genau darin steckt eine gewisse Begrenzung der Satire: Der Film kritisiert Gier, aber am Ende besteht der Sieg darin, selbst reich zu werden.

Dennoch funktioniert der Schluss dramaturgisch hervorragend. Die Duke-Brüder, die Menschen wie Waren behandelt haben, werden selbst vom Markt vernichtet. Das ist die poetische Gerechtigkeit des Films. Aus der sozialen Versuchsanordnung wird eine Rachekomödie: Die Figuren, die benutzt wurden, übernehmen die Kontrolle über das Spiel.

Filmgeschichtlich gehört Die Glücksritter zu den prägenden amerikanischen Komödien der achtziger Jahre. Der Film war ein großer Publikumserfolg und spielte laut den verfügbaren Produktionsdaten weltweit rund 120 Millionen Dollar ein. Außerdem erhielt er mehrere Auszeichnungen und Nominierungen, unter anderem eine Oscar-Nominierung für Elmer Bernsteins Filmmusik sowie BAFTA-Auszeichnungen für Jamie Lee Curtis und Denholm Elliott. 

Die Glücksritter ist bis heute unterhaltsam, weil der Film seine Gesellschaftskritik nicht trocken formuliert, sondern in Tempo, Dialogwitz und Situationskomik verpackt. Seine zentrale Beobachtung bleibt aktuell: Wer oben steht, hält Erfolg gern für Charakter; wer unten steht, wird schnell für sein Scheitern verantwortlich gemacht. Landis’ Film dreht diese Behauptung um und zeigt, wie stark Herkunft, Geld, Zufall und Macht darüber entscheiden, wer als Gewinner und wer als Verlierer gilt.

Als Komödie ist Die Glücksritter schnell, laut und stellenweise derb. Als Satire ist er nicht perfekt, aber erstaunlich treffsicher. Der Film lacht über Reiche, über Börsenrituale, über Standesdünkel und über die Vorstellung, dass gesellschaftlicher Erfolg etwas Naturgegebenes sei. Sein Humor ist manchmal gealtert, seine Grundidee aber nicht: Menschen sind mehr als ihr Kontostand, und eine Gesellschaft, die alles zur Wette macht, ist selbst der eigentliche Witz.
Die nächste Matinee ist ein wunderbarer Film der 80er Jahre: The Breakfast Club am Sonntag, 12. Juli. Karten gibt es hier.

Über dem Jenseits (1980) – Matinee am 7. Juni im Scala Fürstenfeldbruck

6. Juni 2026

Es gibt Filme, die sieht man nicht einfach. Man betritt sie. Lucio Fulcis „Über dem Jenseits“, in Deutschland lange auch als „Geisterstadt der Zombies“ bekannt, ist so ein Film: ein fiebriger Albtraum aus verfallenen Hotels, okkulten Geheimnissen, untoten Körpern und einer Hölle, die nicht laut aufbricht, sondern langsam in die Wirklichkeit sickert. Ich bespreche und zeige diesen Film am Sonntag, 7 Juni um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Über viele Jahre war der Film in Deutschland indiziert und sogar beschlagnahmt. Das allein macht ihn noch nicht bedeutend – aber es erzählt viel über seine Wirkung. Fulcis Werk galt als zu drastisch, zu verstörend, zu kompromisslos. Inzwischen ist die Beschlagnahmung aufgehoben, der Film kann neu betrachtet werden: nicht nur als berüchtigter Splatterklassiker, sondern als eigenwilliges, surreales Stück italienischer Horrorgeschichte.

„The Beyond“ ist kein Horrorfilm, der brav einer logischen Handlung folgt. Er funktioniert wie ein Alptraum: Bilder, Musik und Atmosphäre sind wichtiger als Erklärungen. Fabio Frizzis düsterer, fast sakraler Score legt sich wie ein Trauergesang über die Szenen. Die Kamera zeigt eine Welt, in der Augen nicht mehr sehen wollen, Körper zerfallen und Räume ihre eigene böse Erinnerung besitzen.

Gerade auf der großen Leinwand entfaltet dieser Film seine volle Kraft. Was im Heimkino vielleicht nur als blutiger Kultfilm erscheint, wird im Kinosaal zu einer Erfahrung: unheimlich, hypnotisch, abgründig und seltsam schön. Fulci führt sein Publikum nicht einfach durch eine Geschichte, sondern an einen Ort, an dem die Grenze zwischen Leben, Tod und Jenseits zusammenbricht.

In der Matinee wollen wir diesen besonderen Film gemeinsam neu entdecken: als umstrittenes Werk, als Beispiel für die Radikalität des italienischen Horrorkinos und als Film, der noch immer Fragen auslöst. Warum schockieren uns solche Bilder? Was macht ihren Reiz aus? Und weshalb übt ein Film, der lange als Skandal galt, bis heute eine solche Faszination aus?

Wer Horror nur als Schock versteht, wird überrascht sein. Wer Kino als Reise in dunkle, fremde Welten liebt, sollte diese Matinee nicht verpassen. „Geisterstadt der Zombies“ ist mehr als ein reißerischer deutscher Titel. Dahinter verbirgt sich ein verstörendes, bildgewaltiges und einzigartiges Kinoerlebnis – ein Blick über die Schwelle, dorthin, wo das Grauen beginnt.
Ich bespreche und zeige diesen Film am Sonntag, 7 Juni um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Rückblick auf meine Matinee: Dressed to Kill (USA 1980)

30. Mai 2026

Brian De Palmas „Dressed to Kill“ ist kein Thriller, der sein Publikum einfach nur durch eine Geschichte führt. Er zieht es hinein in ein Spiel aus Blicken, Täuschungen, Verlangen und Angst. Von Beginn an entsteht eine Atmosphäre, in der Traum und Realität, Erotik und Bedrohung, Eleganz und Gewalt gefährlich nah beieinanderliegen. Ich besprach den Film in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Die nächste Matinee am 7 Juni dreht sich um Über dem Jenseits von 1981, der auch unter dem Titel Die Geisterstadt der Zombies bekannt ist Karten gibt es hier.

De Palma inszeniert in „Dressed to Kill“ ein Kino der Beobachtung. Figuren sehen einander an, verfolgen einander, deuten Zeichen und geraten dabei immer tiefer in Unsicherheit. Was ist wirklich? Was ist Fantasie? Wer blickt – und wer wird selbst zum Objekt eines fremden Blicks? Aus dieser Spannung entwickelt „Dressed to Kill“ seine besondere Kraft. Der Film ist weniger ein geradliniger Krimi als ein nervöser, hoch stilisierter Albtraum über Begehren, Schuldgefühle und die dunklen Winkel der menschlichen Psyche. Hier die Aufzeichnung meines Vortrags.

Zu Beginn steht Kate Miller im Zentrum, eine Frau, die in einem geordneten, aber innerlich leeren Leben festzustecken scheint. Sie sehnt sich nach Nähe, nach Leidenschaft, nach einem Ausbruch aus der Routine. Diese Sehnsucht führt sie in eine der berühmtesten Szenen des Films: eine fast stumme Begegnung in einem Museum. Ohne viele Worte erzählt De Palma hier von Anziehung, Unsicherheit, Verführung und Kontrollverlust. Die Kamera folgt Blicken und Bewegungen, lässt Räume zu Labyrinthen werden und verwandelt das Museum in einen Ort der Versuchung. Doch was zunächst wie ein Moment möglicher Befreiung wirkt, kippt plötzlich ins Grauen. Aus Verlangen wird Gefahr, aus Schönheit wird Schock, aus einem Spiel der Blicke eine Katastrophe.

Unübersehbar steht „Dressed to Kill“ in der Tradition Alfred Hitchcocks, besonders von „Psycho“. De Palma greift Motive auf, spiegelt sie, überhöht sie und treibt sie in ein bewusst künstliches, fast opernhaftes Kino. Der abrupte Perspektivwechsel, die Unsicherheit über Identität, der Psychiater als erklärende Instanz, die Verbindung von Sexualität und Gewalt – all das erinnert an Hitchcock. Doch De Palma macht daraus keinen bloßen Nachbau. Er formt ein eigenes Werk, das mit Split Screens, Spiegeln, langen Kamerafahrten und raffinierten Bildkompositionen arbeitet. Die Kamera wird zum Komplizen des Voyeurismus. Wir schauen hin, obwohl wir spüren, dass dieses Schauen selbst Teil des Problems ist.

Gerade deshalb bleibt der Film bis heute reizvoll und schwierig zugleich. „Dressed to Kill“ ist brillant fotografiert, elegant montiert und ungeheuer spannend. Gleichzeitig ist er ein Werk, das aus heutiger Sicht Fragen aufwirft. Seine Darstellung von Geschlecht, Sexualität und Gewalt ist problematisch und fordert Widerspruch heraus. Der Film fasziniert und irritiert, oft im selben Augenblick. Genau darin liegt seine Aktualität als Gesprächsanlass: Wie betrachten wir heute einen Thriller von 1980, der damals provozierte und heute anders gelesen wird? Wo liegt die Grenze zwischen stilistischer Meisterschaft und fragwürdiger Projektion? Warum entfalten diese Bilder trotz aller berechtigten Kritik noch immer eine solche Wirkung?

Die Matinee bietet die Möglichkeit, „Dressed to Kill“ nicht nur als spannenden Klassiker zu erleben, sondern ihn auch gemeinsam einzuordnen. Es geht um die Macht des Kinos, Angst und Lust miteinander zu verknüpfen. Um Frauenbilder im Thriller. Um Masken, Identitäten und verdrängte Wünsche. Und natürlich um Brian De Palma, einen Regisseur, der sein Publikum selten beruhigt, sondern es gezielt verunsichert.

Auf der großen Leinwand entfaltet der Film eine besondere Wirkung. Die Musik, die Farben, die gleitenden Kamerabewegungen und die plötzlichen Schocks machen „Dressed to Kill“ zu einem körperlichen Kinoerlebnis. Das ist kein Film für nebenbei, sondern ein Werk, das im dunklen Kinosaal seine ganze suggestive Kraft entwickelt. Man glaubt, die Mechanismen zu durchschauen, und merkt doch immer wieder, wie sehr man selbst in De Palmas Spiel aus Täuschung, Begierde und Angst verstrickt wird.

„Dressed to Kill“ ist ein Film wie ein Spiegel in einem dunklen Raum. Er zeigt nicht nur Täter, Opfer und Abgründe, sondern auch unsere eigene Lust am Sehen. Darum lohnt sich diese Matinee: als Wiederentdeckung eines großen, umstrittenen und sinnlichen Thrillers, als Blick auf ein prägendes Stück Suspense-Kino und als Einladung zum Gespräch über die Schattenseiten der Popkultur. Ein Film, der nicht einfach endet, wenn das Licht wieder angeht. Er bleibt haften – in Bildern, Fragen und vielleicht auch in einem leichten Schauder auf dem Heimweg.
Die nächste Matinee am 7 Juni dreht sich um Über dem Jenseits von 1981, der auch unter dem Titel Die Geisterstadt der Zombies bekannt ist. Karten gibt es hier.

Little Big Man (USA 1970) – Matinee am 17. Mai im Scala Fürstenfeldbruck

15. Mai 2026

Little Big Man, der epische Western von Arthur Penn aus dem Jahr 1970, ist eines jener seltenen Meisterwerke des amerikanischen Kinos, das seinen Zuschauer von der ersten Minute an in einen Sog zieht, aus dem es kein Entkommen gibt – und aus dem man auch gar nicht entkommen möchte. Ich bespreche und zeige diesen Western in meiner Matinee am 17. Mai im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Der Film erzählt die Geschichte des 121-jährigen Jack Crabb, gespielt von Dustin Hoffman in einer seiner eindringlichsten Rollen, der als angeblich einziger weißer Überlebender der Schlacht am Little Bighorn seine unglaubliche Lebensgeschichte zu Protokoll gibt. Was folgt, ist kein gewöhnlicher Western, sondern ein schillerndes, vielschichtiges Panorama amerikanischer Geschichte, das die Mythen des Wilden Westens mit schonungsloser Ironie demontiert und gleichzeitig ein zutiefst menschliches Portrait zeichnet.

Die eigentliche Faszination des Films beginnt mit seiner erzählerischen Kühnheit. Penn und Drehbuchautor Calder Willingham, der den gleichnamigen Roman von Thomas Berger adaptierte, wählen die Form der Rahmenerzählung – der greise Crabb erinnert sich, und mit ihm stürzen wir uns in ein Leben, das schier unglaublich erscheint. Jack war Adoptivkind der Cheyenne, Schützling eines frommen Betrügers, Kleinstadtladenbesitzer, Gewehrschütze, Trapper, Alkoholiker, Soldat unter General Custer und immer wieder Zeuge historischer Schlüsselmomente. Diese episodische Struktur könnte fragmentiert wirken, doch Penn beherrscht die Kunst, aus diesen disparaten Lebensabschnitten ein kohärentes, atembenehmendes Ganzes zu weben. Jede Episode besitzt ihr eigenes Gewicht, ihren eigenen Ton, ihre eigene emotionale Wahrheit.

Besonders revolutionär war der Film in seiner Darstellung der amerikanischen Ureinwohner. Während Hollywood jahrzehntelang die Indigenous Peoples als anonyme, bedrohliche Masse oder bestenfalls als edle Wilde inszeniert hatte, zeigt Little Big Man die Cheyenne als vollständige Menschen mit einer komplexen Gesellschaft, mit Humor, Trauer, Würde und individuellen Charakteren. Der Häuptling Kleines Pferd, gespielt vom unvergesslichen Chief Dan George, ist eine der liebevollsten und weisesten Figuren der Filmgeschichte – ein Mann von tiefer Spiritualität und trockenem Witz, dessen Lebensphilosophie den ganzen Film hindurch wie ein ruhender Pol wirkt. Die Szene, in der er sich feierlich zum Sterben begibt, dann aber feststellt, dass der Tod ihn offenbar noch nicht haben möchte, und sich kommentarlos wieder erhebt, gehört zu den schönsten und berührendsten Momenten des amerikanischen Kinos überhaupt.

Der Film ist auch ein Kind seiner Zeit, und das auf die bestmögliche Weise. Im Jahr 1970, inmitten des Vietnamkrieges und der gesellschaftlichen Erschütterungen der Bürgerrechtsbewegung, war Little Big Man eine unmissverständliche Allegorie. Das Massaker am Washita River, bei dem Custers Kavallerie ein schlafendes Cheyenne-Dorf niedermetzelt, ist nicht nur historische Rekonstruktion, sondern direkter Kommentar zum Massaker von My Lai, das ein Jahr zuvor publik geworden war. Penn zeigt das Gemetzel ohne Beschönigung – als sinnlose, bürokratische Vernichtung unschuldiger Menschen, angeordnet von einem narzisstischen, realitätsfernen Militärführer. Custers Darstellung durch Richard Mulligan ist dabei von bitterer satirischer Schärfe: ein eitel-wahnsinniger Despot, der seine eigene Legende für bedeutsamer hält als Menschenleben, ein Archetyp militärischer Hybris für alle Zeiten.

Und doch wäre es ungerecht, den Film auf seine politische Dimension zu reduzieren. Was Little Big Man letztlich so unwiderstehlich macht, ist seine emotionale Breite, sein Mut zur Zärtlichkeit neben der Grausamkeit, zur Komödie neben der Tragödie. Jack Crabb ist eine zutiefst tragische Figur, ein Mann ohne feste Identität, der zwischen zwei Welten pendelt und in keiner wirklich Heimat findet. Hoffman spielt diese innere Zerrissenheit mit einer Natürlichkeit, die es dem Zuschauer unmöglich macht, Distanz zu wahren. Man leidet mit Jack, lacht mit ihm, schämt sich mit ihm. Das Alter-Make-up, das Hoffman zum greisen Erzähler transformiert, ist für die damalige Zeit erstaunlich überzeugend, doch es ist die Performance, die trägt – die Art, wie die Augen des jungen Mannes noch immer hinter dem faltenreichen Gesicht des Alten leuchten.

Die Kameraarbeit von Harry Stradling Jr. verdient ebenfalls besondere Erwähnung. Die Landschaft des amerikanischen Westens wird in ihrer ganzen Weite und Unwirtlichkeit eingefangen, doch Stradling weiß auch, die Kamera dicht heranzuführen, Gesichter zu lesen, Emotionen zu dokumentieren, ohne je in Sentimentalität zu verfallen. Die Schlachtszenen besitzen eine chaotische, fast dokumentarische Qualität, die dem Krieg jede Romantik raubt, während ruhigere Momente im Cheyenne-Lager von fast malerischer Schönheit sind.

Fünfundfünfzig Jahre nach seiner Entstehung hat Little Big Man nichts von seiner Kraft verloren. Im Gegenteil: In einer Zeit, in der die Auseinandersetzung mit kolonialer Geschichte und den Mythen nationaler Identität dringlicher denn je erscheint, wirkt der Film erschreckend aktuell. Er ist eine Liebeserklärung an die Verlierer der Geschichte, an die Unsichtbaren und Vergessenen, an alle, die zwischen den Welten leben. Er ist ein Requiem für eine zerstörte Zivilisation und zugleich eine bitterkomische Abrechnung mit dem amerikanischen Selbstbild. Und er ist, am Ende, schlicht und ergreifend großes Kino – das Werk eines Regisseurs auf dem Höhepunkt seines Könnens, das die Grenzen eines Genres sprengt und zu universeller Menschheitserzählung wird. Ich freue mich auf diesen Western in meiner Matinee am 17. Mai im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Unternehmen Petticoat (USA 1959) – Matinee am 10. Mai im Scala Fürstenfeldbruck

8. Mai 2026

Ein rosa U-Boot, zwei ungleiche Offiziere und eine Handvoll Krankenschwestern mitten im Pazifikkrieg – das klingt nach einem Rezept für Chaos. Und genau das ist es auch. Aber was Blake Edwards aus diesen Zutaten im Jahr 1959 gemacht hat, ist weit mehr als eine bloße Klamotte: Es ist eine der elegantesten Komödien, die Hollywood je produziert hat. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 10. Mai im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Cary Grant und Tony Curtis – zwei der charismatischsten Männer, die je vor einer Kamera standen – liefern sich ein Duell der Stile, das bis heute vergnügt. Grant, der unerschütterliche Kommandant mit trockenem Witz und makellosem Auftreten. Curtis, der schlaue Drückeberger und Organisationstalent, der keine Skrupel kennt, aber das Herz am rechten Fleck hat. Dass Curtis damals privat ein glühender Verehrer Grants war und ihn sogar in Manche mögen’s heiß parodiert hatte, macht ihre Leinwandchemie zu etwas ganz Besonderem – man spürt die gegenseitige Zuneigung hinter jedem Wortgefecht.

Was viele nicht wissen: Der Film steckt voller echter Geschichte. Das rosa U-Boot ist kein reiner Gag – tatsächlich kämpfte ein amerikanisches U-Boot im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit rotem Grundieranstrich, weil die Farbe knapp war. Der berühmte Brief des Kommandanten über den Mangel an Toilettenpapier geht auf ein reales Dokument zurück. Und für die Dreharbeiten stellte die US-Marine gleich drei echte U-Boote aus dem Zweiten Weltkrieg zur Verfügung – eines davon ließ sie tatsächlich rosa streichen. So viel Realismus steckt in diesem vermeintlich leichten Schwank.

Blake Edwards, der kurz darauf mit Frühstück bei Tiffany und dem Rosaroten Panther Filmgeschichte schreiben sollte, zeigt hier schon sein ganzes Handwerk: die präzise Situationskomik, das sichere Gespür für Rhythmus, die Fähigkeit, aus Enge und Bedrängnis Heiterkeit zu destillieren. Unternehmen Petticoat wurde zum größten Kassenerfolg in der damals 50-jährigen Geschichte von Universal Studios – und zum profitabelsten Film in Cary Grants gesamter Karriere.

Wir zeigen den Film in der restaurierten Fassung dieses hinreißende Stück Kinogeschichte: Im Vortrag beantworten wir die Frage, warum manche Filme einfach nicht altern. Kommen Sie – es lohnt sich. Versprochen. Karten gibt es online und an der Kinokasse.

Dressed to Kill (USA 1980) – Matinee am 3. Mai im Scala Fürstenfeldbruck

1. Mai 2026

Brian De Palmas „Dressed to Kill“ ist ein Film, der nicht nur erzählt, sondern verführt, irritiert und verfolgt. Schon die ersten Minuten ziehen das Publikum in eine Welt, in der Begehren und Angst, Traum und Wirklichkeit, Schönheit und Gewalt unauflöslich miteinander verbunden sind. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 3. Mai um 10:45 Uhr in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Es ist ein Kino der Blicke, der Spiegelungen und der geheimen Wünsche. Menschen beobachten einander, werden selbst beobachtet und verlieren dabei immer mehr die Kontrolle über das, was sie zu sehen glauben. Genau darin liegt die große Faszination dieses Thrillers: „Dressed to Kill“ ist weniger ein klassischer Kriminalfilm als ein fiebriger Albtraum über Sehnsucht, Schuld und die dunklen Räume der menschlichen Psyche.

Im Mittelpunkt steht zunächst Kate Miller, eine Frau, die in ihrem bürgerlichen Leben gefangen scheint. Ihre Einsamkeit, ihre unausgesprochenen Wünsche und ihre Suche nach einem letzten Moment von Leidenschaft führen sie in eine der berühmtesten Sequenzen des Films: eine fast wortlose Begegnung im Museum, inszeniert wie ein erotisches Ballett aus Blicken, Bewegungen und verpassten Momenten. De Palma zeigt hier seine ganze Meisterschaft. Ohne viele Dialoge entsteht Spannung, weil jeder Blick, jede Geste und jede Kamerabewegung Bedeutung bekommt. Das Museum wird zu einem Labyrinth der Versuchung, in dem sich Kate selbst verliert. Doch der Traum von Freiheit kippt in Entsetzen. Aus Begehren wird Bedrohung, aus Eleganz wird Gewalt, aus einem Moment der Selbstbestimmung eine Katastrophe.

„Dressed to Kill“ steht deutlich in der Tradition Alfred Hitchcocks, besonders von „Psycho“. Doch De Palma kopiert nicht einfach, sondern steigert, überzeichnet und spiegelt die Motive seines Vorbilds. Die Duschszene, der abrupte Verlust einer scheinbaren Hauptfigur, der Psychiater, der am Ende eine Erklärung anbietet, die Unsicherheit über Identität und Schuld – all das verweist auf Hitchcock. Aber De Palma macht daraus ein eigenes, schillerndes, bewusst künstliches Kino. Seine Kamera gleitet, lauert, spaltet Bilder, zeigt Vorder- und Hintergrund zugleich und macht uns als Zuschauer zu Komplizen des Voyeurismus. Man schaut hin, obwohl man ahnt, dass man vielleicht lieber wegsehen sollte.

Gerade deshalb ist „Dressed to Kill“ bis heute ein Film, über den man sprechen muss. Er ist elegant, spannend und handwerklich brillant, aber auch problematisch, verstörend und moralisch ambivalent. Seine Darstellung von Geschlecht, Sexualität und Gewalt fordert aus heutiger Sicht Widerspruch heraus. Der Film fasziniert und stößt ab, oft im selben Moment. Das macht ihn zu einem idealen Werk für eine Matinee, die nicht nur zeigen, sondern auch einordnen will. Wie blicken wir heute auf einen Thriller von 1980, der damals provozierte und heute noch kontrovers diskutiert wird? Wo endet stilistische Brillanz, wo beginnt fragwürdige Projektion? Warum üben solche Bilder trotz aller Kritik weiterhin eine so starke Wirkung aus?

In der Matinee bietet sich die Gelegenheit, „Dressed to Kill“ nicht nur als spannenden Filmklassiker zu erleben, sondern gemeinsam über seine Mechanismen nachzudenken. Über die Macht des Kinos, Angst lustvoll zu inszenieren. Über Frauenbilder im Thriller. Über die Verbindung von Erotik und Gewalt. Über das Spiel mit Identitäten, Masken und verdrängten Sehnsüchten. Und natürlich über Brian De Palma als Regisseur, der das Publikum nie in Sicherheit wiegt, sondern es gezielt verunsichert.

Wer „Dressed to Kill“ auf der großen Leinwand sieht, erlebt ein Kino, das körperlich wirkt: die Musik, die Farben, die langsamen Kamerafahrten, die plötzlichen Schocks. Dieser Film ist kein beiläufiger Streaming-Titel, sondern ein Werk, das im Kinosaal seine volle Kraft entfaltet. In der Dunkelheit, gemeinsam mit anderen, wird spürbar, wie sehr De Palma mit unseren Erwartungen spielt. Man glaubt, die Geschichte zu durchschauen, und merkt doch immer wieder, dass man selbst Teil eines Spiels aus Täuschung, Begierde und Angst geworden ist.

„Dressed to Kill“ ist ein Film wie ein Spiegel in einem dunklen Raum: Er zeigt nicht nur Monster, Täter und Opfer, sondern auch unsere eigene Lust am Schauen. Gerade deshalb lohnt sich diese Matinee. Sie lädt dazu ein, einen großen, umstrittenen, sinnlichen und verstörenden Thriller neu zu entdecken – als Meisterstück des Suspense-Kinos, als Zeitdokument und als Gesprächsanlass über die Schattenseiten der Popkultur. Ein Film, der nicht einfach vergeht, wenn das Licht im Saal wieder angeht. Er bleibt. In den Bildern, in den Fragen und vielleicht auch in einem leichten Schauder auf dem Heimweg. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 3. Mai um 10:45 Uhr in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Die Glücksitter (Trading Places, 1983) – Matinee am 18. Januar im Scala Fürstenfeldbruck

16. Januar 2026

Mit Die Glücksritter erwartet das Publikum im Scala Kino bei unserer Matinee am Sonntag um 10:45 Uhr eine der intelligentesten und zugleich unterhaltsamsten Komödien der 1980er-Jahre. Karten gibt es hier.

Der Film verbindet rasantes Tempo, pointierte Dialoge und großen Schauspielwitz mit einer überraschend scharfen Gesellschaftsanalyse. Regisseur John Landis nutzt die klassische Verwechslungskomödie, um Fragen nach sozialer Herkunft, Macht, Geld und Moral zu stellen – und verpackt diese in eine perfekt geölte Unterhaltung.

Eddie Murphy und Dan Aykroyd brillieren als gegensätzliche Figuren, deren Leben durch ein zynisches Experiment reicher Börsenspekulanten auf den Kopf gestellt wird. Was zunächst als ausgelassene Komödie beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer bissigen Satire auf Klassenunterschiede, Kapitalismus und menschliche Manipulierbarkeit. Dabei verliert der Film nie seine Leichtigkeit: Slapstick, Wortwitz und ikonische Szenen sorgen bis heute für Lachsalven, während die inhaltliche Schärfe erstaunlich zeitlos geblieben ist. Und es gibt zudem eine wunderbare Jamie Lee Curtis zu sehen, außerhalb von Halloween.

Gerade auf der großen Leinwand entfaltet Die Glücksritter seine volle Wirkung: die präzise Inszenierung, der Rhythmus der Gags und das legendäre Finale an der Börse machen den Film zu einem idealen Matinee-Erlebnis. Ein Klassiker, der gleichermaßen zum Lachen, Staunen und Nachdenken einlädt – und beweist, dass große Unterhaltung und kluge Filmkunst sich nicht ausschließen.
Ich freue mich über diesen Film zu sprechen und gemeinsam diese bissige Kömodie zu schauen. Karten gibt es hier.

Schöne Bescherung (1989) – Rückblick auf meine Matinee

9. Januar 2026

„Schöne Bescherung“ ist nicht einfach nur eine Weihnachtskomödie, sondern ein liebevoll-chaotischer Spiegel all dessen, was dieses Fest so magisch – und so nervenaufreibend – macht. Ich besprach und zeigte den Film bei meiner Weihnachtsmatinee im Scala Fürstenfeldbruck. Die nächste Komödie ist Die Glücksritter am Sonntag, 18. Januar um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Clark Griswolds verzweifelt optimistischer Versuch in „Schöne Bescherung“, das ultimative Weihnachtsfest zu erzwingen, trägt einen Traum in sich, den fast alle kennen: einmal alles richtig machen, Harmonie herstellen, Glück planbar machen – koste es, was es wolle. Hier mein Vortrag

Gerade deshalb trifft sein grandioses Scheitern mitten ins Herz. Wenn Lichterketten explodieren, der Baum zur Gefahr wird und die Familie am Rand des Nervenzusammenbruchs steht, wirkt das zwar urkomisch, aber immer auch schmerzhaft vertraut. Clark ist keine plumpe Witzfigur, sondern ein Getriebener: einer, der zu viel will, weil ihm seine Familie unendlich viel bedeutet, der sich verausgabt, weil er dieses eine perfekte Bild von Weihnachten im Kopf hat. Sein legendärer Ausraster ist weniger Slapstick als ein emotionaler Kurzschluss – der Moment, in dem all der Druck, die Enttäuschungen und die stummen Erwartungen mit einem Mal aus ihm herausbrechen.

Der Film erinnert daran, dass Weihnachten fast nie so läuft, wie wir es planen. Verwandte sind anstrengend, Pläne kippen, Gesten gehen schief – und doch schimmert inmitten des Durcheinanders etwas Kostbares auf. In den kleinen Momenten liegt die eigentliche Magie: im Leuchten in Clarks Augen, wenn das Haus endlich im Licht erstrahlt; im gemeinsamen Lachen nach dem größten Desaster; in diesem leisen Gefühl, trotz allem auf der richtigen Seite des Chaos zu stehen – nämlich beieinander. „Schöne Bescherung“ macht sich nicht über Familie lustig, er nimmt sie ernst, mitsamt all ihrer Macken, Verletzungen und wunderbar absurden Seiten.

Vielleicht ist der Film deshalb so zeitlos. Er erlaubt es, herzhaft über die eigenen Weihnachtskatastrophen zu lachen – und gleichzeitig Trost darin zu finden, dass man damit nicht allein ist. Am Ende bleibt die stille Erkenntnis: Liebe zeigt sich selten in perfekten Momenten, sondern in gemeinsamen Fehltritten, in Streit, Versöhnung und der Entscheidung, trotz allem zusammenzubleiben. Und wenn draußen die Lichter glitzern, drinnen das Chaos tobt und trotzdem alle irgendwie an einem Tisch landen, fühlt sich genau dieses unperfekte Weihnachten plötzlich erstaunlich richtig an.
Die nächste Komödie ist Die Glücksritter am Sonntag, 18. Januar um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.