In seinem Vortrag zeigte Illya Trubman von Meta, welches Potenzial KI-Brillen künftig vor allem in Unternehmen entfalten könnten. Im Mittelpunkt stand bei seinem Vortrag bei der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft vbw im Rahmen der Veranstaltung XR-Technologien im Unternehmen dabei weniger die Nutzung als Lifestyle-Produkt, sondern der praktische Einsatz in Produktion, Wartung, Logistik, Schulung und Wissensmanagement. Interessant für mich auch die Statements vom vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossard und dem Amtschef des bayerischen Digitalministeriums Dr. Hans Michael Strepp.

Trubman betonte zunächst, dass Meta zwar Hersteller und Plattformanbieter sei, der eigentliche wirtschaftliche Nutzen aber erst durch Partner und Unternehmen entstehe, die Anwendungen für die Brillen entwickeln. Eine wichtige Rolle spiele dabei das europäische Ökosystem. Als zentralen Partner nannte er EssilorLuxottica, zu dessen Marken unter anderem Ray-Ban und Oakley gehören. Über ein Entwickler-Kit könnten Unternehmen zudem eigene Anwendungen erstellen und dabei auf Kamera, Mikrofone und Lautsprecher der Brillen zugreifen. Nach Angaben Trubmans hätten dies bereits mehr als 5.000 Entwickler getan. Hier der Vortrag als Video.
Als entscheidenden Punkt bezeichnete er die Wertschöpfung durch die praktische Anwendung neuer Technologien. Nicht allein die Erfindung einer Technologie entscheide über deren wirtschaftliche Bedeutung, sondern vor allem die Fähigkeit von Unternehmen und Volkswirtschaften, sie produktiv einzusetzen. Dies gelte seiner Ansicht nach für künstliche Intelligenz ebenso wie für KI-Brillen.
Eine KI-Brille besteht nach Trubmans Definition aus drei wesentlichen Komponenten: Zunächst bleibt sie eine vollwertige Brille, die auch mit individuellen Sehstärken erhältlich sein kann. Hinzu kommt die fest integrierte künstliche Intelligenz, die beispielsweise die Umgebung beschreiben, Fragen beantworten, Texte übersetzen oder Bilder analysieren kann. Mikrofone, Lautsprecher und Kamera ergänzen das System. Entscheidend sei dabei die Multimodalität: Die KI könne visuelle und akustische Informationen miteinander verbinden und gleichzeitig per Sprache mit dem Nutzer kommunizieren.


Besonders großes Potenzial sieht Trubman bei Beschäftigten, die nicht am Schreibtisch arbeiten, sondern beispielsweise an Maschinen, in Werkstätten oder Lagern tätig sind. Gerade dort sei eine freihändige Bedienung entscheidend. Ein Mitarbeiter könne während seiner Arbeit Fragen stellen, ohne Werkzeug oder Bauteile aus der Hand legen zu müssen. Gleichzeitig erfasse die Kamera den jeweiligen Arbeitskontext, sodass die KI ihre Antworten auf die konkrete Situation beziehen könne.
Als Beispiel stellte Trubman das Münchner Unternehmen Circus SE vor. Das Unternehmen entwickelt automatisierte Küchenrobotik, mit der große Mengen unterschiedlicher Mahlzeiten zubereitet werden können. Für Betrieb, Wartung und Schulung werden dennoch qualifizierte Mitarbeiter benötigt. Bei einer internationalen Expansion sei es jedoch weder praktikabel, sämtliche Mitarbeiter zur Schulung nach München zu holen, noch große Maschinen für Trainingszwecke durch die Welt zu transportieren.
Hier sollen KI-Brillen eine dezentrale Ausbildung ermöglichen. Trainingsunterlagen, Prozesswissen und standardisierte Abläufe können in ein KI-System integriert werden. Mitarbeiter erhalten damit Unterstützung genau in dem Moment, in dem sie vor einer Maschine stehen und Hilfe benötigen. Erkennt die Kamera beispielsweise einen bestimmten Zustand oder eine Warnanzeige, kann das System erklären, welche Arbeitsschritte als Nächstes notwendig sind.
Trubman hob zudem die Möglichkeiten einer individuelleren Wissensvermittlung hervor. Informationen könnten abhängig von Situation und Nutzer über Sprache, visuelle Hinweise oder ein Display vermittelt werden. Auch Sprachbarrieren ließen sich durch Übersetzungsfunktionen reduzieren. Statt umfangreiches Wissen ausschließlich vor einer Tätigkeit zu vermitteln, werde Unterstützung unmittelbar während der Arbeit verfügbar.

Bei Circus komme dafür eine als „Operator AI“ bezeichnete Anwendung zum Einsatz. Sie verbindet vorhandenes Trainings- und Unternehmenswissen mit dem aktuellen Arbeitskontext. Nach Trubmans Darstellung soll das System zudem aus den Interaktionen lernen und dadurch die Unterstützung für nachfolgende Anwender verbessern.
Über dieses Beispiel hinaus sieht Meta zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für KI-Brillen. Dazu gehören Instandhaltung und Service, Logistik und Produktion, Qualitätskontrolle, Schulung sowie Dokumentation und Wissensmanagement. In einem Lager könnten Mitarbeiter beispielsweise bei der Navigation und Kommissionierung unterstützt werden. Bei Wartungsarbeiten könnten Arbeitsschritte dokumentiert, Bauteile erkannt oder festgestellte Mängel protokolliert werden.
Eine weitere Möglichkeit ist die Verbindung mit menschlichen Experten. Reicht die Unterstützung der KI nicht aus, könnte ein Mitarbeiter über die Brille Kontakt zu einem Spezialisten aufnehmen. Dieser sieht aus der Perspektive des Mitarbeiters das Kamerabild und kann unmittelbar Hinweise geben. Damit verbindet das Konzept automatisierte KI-Unterstützung mit klassischem Remote-Support.

Trubmans zentrale Botschaft lautete damit: Der Wert von KI-Brillen liegt weniger in der Hardware selbst als in ihrer Integration in konkrete Arbeitsprozesse. Besonders dort, wo Beschäftigte beide Hände benötigen und gleichzeitig Informationen, Schulungswissen oder Unterstützung brauchen, könnten solche Systeme zu einer neuen Schnittstelle zwischen Mensch, Unternehmenswissen und künstlicher Intelligenz werden. Entscheidend werde sein, welche Anwendungen Unternehmen auf dieser technischen Grundlage entwickeln und wie sinnvoll sie diese in ihre bestehenden Prozesse integrieren.



























