Archive for the ‘Medien’ Category

Datenschutz: Sprachnachrichten beim Echo löschen

2. Januar 2020
Zu Weihnachten machte Amazon massiv Werbung für die Echo-Familie.

Zu Weihnachten machte Amazon massiv Werbung für die Echo-Familie.

Der Sprachassistent Echo ist in zahlreichen deutschen Haushalten eingezogen. Auch wir haben mit Alexa ein paar neue Familienmitglieder mit denen wir das Smarthome steuern. Vor Weihnachten hat Amazon nochmal richtig Werbung gemacht.
Die Diskussionen um dem Datenschutz kenne ich und die potenziellen Risiken von Sprachassistenten ist unserer Familie bewusst. Wir haben die Diskussionen verfolgt, wer die Sprachnachrichten bei Amazon auswerten kann. Um das Risiko zu minimieren, gibt es in der Alexa-App auf dem Smartphone oder Tablet die Möglichkeit, die eigenen Sprachaufnahmen zu löschen.
Hierbei rufen Sie in der Alexa-App unter Einstellungen den Punkt Alexa Datenschutz auf.


Dort zeigt Ihnen die App, welche Möglichkeiten Sie nun haben, Ihre Daten zu schützen. Beim Bereich Sprachaufnahmen-Verlauf überprüfen können Sie nun wählen, wie lange Amazon Ihre Sprachbefehle speichern soll.


Hier können Sie nun einstellen, von welchem Datum an die Aufnahmen gelöscht werden sollen. Wenn eine Party bei Ihnen war und viele Besucher dem Echo-System wild durcheinander Befehle gegeben haben, reicht vielleicht die Löschung von heute.


Aber Sie können auch tiefer in der Vergangenheit Ihre Sprachaufnahmen löschen: Heute, gestern, diese Woche, dieser Monat, gesamter Verlauf oder Benutzerdefinierte.
Jetzt müssen wir nur noch glauben, dass Alexa unsere Daten wirklich gelöscht hat. Ein Restrisiko bleibt, aber wer kein Vertrauen in Sprachassistenten hat, der hat sich auch kein Siri, Echo oder Google Home angeschafft.

Hier zwei Unboxing-Videos von meinen neuesten Amazon Echo-Geräten. Einmal der Amazon Echo Show 8

Und einmal der Amazon Echo Dot 3:

Gebrauchte eBooks dürfen nicht weiterverkauft werden – warum eigentlich?

27. Dezember 2019

Ich liebe Bücher, nein genauer: Ich liebe Inhalte – in welcher Form mir ein Inhalt dargeboten wird, ist mir in der Regel egal. Da bin ich flexibel. Ich lese Romane und Fachbücher in der Regel am Kindle, bildgewaltige Kunstbücher in der Regel aus Papier.

Der goldene Handschuh ist prima als eBook, aber weiterverkaufen darf ich ihn nicht.

Der goldene Handschuh ist prima als eBook, aber weiterverkaufen darf ich ihn nicht.

Aber ich merke, wie stark der Lobbyismus von Verlagen in unserer Gesellschaft ist. Der Europäische Gerichtshof hat unlängst geurteilt (Az. C-263/18): Gebrauchte E-Books dürfen nicht weiterverkauft werden.
Ich halte mich mit einer Richterschelte zurück, aber dennoch passt so ein Urteil nicht in ein digitales Zeitalter. Anlass für diese Urteil war eine Klage der niederländischen Verlegerverbände Verlegerlobbys NUV und GAU, die gegen die niederländische Firma Tom Kabinet geklagt hatte. Diese betreibt nach Nicholas Negropontes Idee Total digital einen Marktplatz für gebrauchte E-Books. Negroponte schrieb schon 1995 in seinem Buch Total digital/being digital den für die Digitalwirtschaft wichtigen Satz „move bits, not atoms!“
Das Urteil des EuGH ist für mich ein Rückschritt in analoge Zeiten. Die Weitergabe entspreche einer öffentlichen Wiedergabe, die eine Zustimmung der Urheber voraussetzt.
Damit kann der Börsenverein des deutschen Buchhandel zum Jahresende ein Fass aufmachen und feiern. Die Entscheidung sei ein großer Erfolg, „denn sie sichert ein faires Urheberrecht“, erklärt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. Seine ausführliche Begründung: „Das Urteil ist somit ein wichtiges Zeichen für alle Rechteinhaber und Anbieter digitaler Medien und die gesamte Buch- und Kreativbranche. Es ermöglicht Verlagen und Händlern, weiter an innovativen Geschäftsmodellen mit digitalen Medien zu arbeiten, wovon letztlich die Verbraucher profitieren. Anders als physische Medien können digitale Inhalte praktisch unendlich vervielfältigt und weitergegeben werden, ohne sich jemals abzunutzen. Der Primärmarkt etwa für E-Books und Hörbücher würde komplett zerstört werden, wenn es einen legalen ‚Gebrauchtmarkt‘ für sie gäbe.“

Schon 2015 urteilte ein deutsches Gericht so und ich habe darüber gebloggt.
Doch leider sehe ich keine „innovativen Geschäftsmodellen mit digitalen Medien“ von denen der Lobbyist da spricht. Es ist analoges Denken in einer digitalen Welt. Ich frage mich, welche berechtigten Interessen beim Urheber verletzt werden, wenn die Lizenz einfach den Besitzer wechselt?
Ich kann auch keine Lösung anbieten, stelle aber fest: Meine gedruckten Bücher kann ich nach dem Lesen in öffentliche Bücherschränke einstellen, an Freunde verschenken oder am Flohmarkt oder Online-Marktplätzen versilbern. Bei digitalen gekauften Inhalten wie Musik, Filme, Spielen, Hörbücher und eben eBooks geht das nicht. Wenn ich diesen Content nicht mehr mag, bleibt nur das Löschen. Mit dem Kauf des E-Buches habe ich aber das Recht erstanden, es jederzeit lesen zu können. Wenn ich dieses Recht nicht mehr benötige, dann muss ich es auch verkaufen können.
Wo ist hier eine Lösung? Was ist eure Meinung?

Buchtipps vom Literarischem Quartett aus München

20. Dezember 2019
Literarisches Quartett im Bayerischen Landtag.

Literarisches Quartett im Bayerischen Landtag.

Rechtzeitig vor Weihnachten kam die Einladung zu einem literarischen Quartett auf den Schreibtisch. Ein befreundetes Ehepaar hat meine Frau und mich zur illustren Runde in den Bayerischen Landtag gebeten, wohin der Aktionskreis Wirtschaft, Politik und Wissenschaft geladen hatte. Und zum Abschluss der Veranstaltung gab es sogar eine Weltpremiere, die mich aufhorchen ließ.

Es diskutierten Tobias Kurzmaier, Vorsitzender Aktionskreis für Wirtschaft, Politik und Wissenschaft e.V., Sonja Zekri, Leiterin Feuilleton Süddeutsche Zeitung, Dr. Klaus Beckschulte, Geschäftsführer Börsenverein des Deutschen Buchhandels Bayern und Michael Lemling, Geschäftsführer Buchhandlung Lehmkuhl München. Jeder der vier Diskutanten stellte ein Buch vor, das von den anderen unterhaltsam zerpflückt oder gelobt wurde.

Freinacht von Thomas Lang
Den Einstieg machte der Gastgeber mit dem Roman Freinacht von Thomas Lang. Eine Feier in der Nacht auf den 1. Mai, ein Toter und vier junge Menschen, für die nichts mehr so ist, wie es vorher war. Aus einer wahren Hintergrundgeschichte entwickelt Thomas Lang einen hellsichtigen Gesellschaftsroman über Ziellosigkeit und Verantwortung, Schuld und Sühne. Nach der Kritik der Runde ein wohl eher düsterer Gesellschaftsroman, packend erzählt mit explizierter Brutalität in Wort und Tat. Vielleicht ist Freinachtnicht gerade das Richtige zu Weihnachten, aber durchaus interessant.

Das Jahr von Tomas Espedal
Der zweite Roman war Das Jahr von Tomas Espedal, vorgestellt von Sonja Zekri von der Süddeutsche Zeitung. Tomas Espedals neues Buch beginnt an einem 6. April, dem Tag, an dem Petrarca seine Laura zum ersten Mal sah. Ausgehend von dieser unerfüllten Liebe, der Quelle für Petrarcas Liebesgedichte, geht Espedal der Frage nach, ob eine solch große, einzigartige Liebe, die alle Zeiten überdauert, heute noch möglich ist, ob sie überhaupt jemals möglich war. Gemeinsam mit seinem gebrechlichen Vater unternimmt er eine Kreuzfahrt durchs Mittelmeer und bemerkt erst dort, als der Vater aufzublühen scheint, dass er auch ihn bald verlieren wird. In der Liebe seines Vaters für seine verstorbene Mutter wie auch in seiner eigenen Liebe für Janne, die ihn bereits vor Jahren verlassen hat, erkennt Tomas etwas ähnlich Bedingungsloses und Andauerndes wie bei Petrarca. Am Ende waren sie dennoch alle allein. Nicht nur die Erfahrung einer so tiefen Liebe ist lebensverändernd, sondern auch deren Verlust. Wie ist es möglich, angesichts einer so umfassenden Erfahrung weiterzuleben wie bisher?


Nun es ist schwere Kost: Es handelt von den großen und einschneidenden Erfahrungen: Liebe, Verlust, Krieg, Tod, von Altern und Verzweiflung, von Stagnation und der ewigen Wiederholung des Immergleichen. Vielleicht ist Das Jahrauch ein bisschen zu schwer zu Weihnachten.

Otto von Dana von Suffrin
Michael Lemling empfahl Otto von Dana von Suffrin. Sie wurde 1985 in München geboren. Sie studierte Politikwissenschaft, Neuere und Neueste Geschichte und Komparatistik in München, Neapel und Jerusalem. Seit 2009 ist sie Museums- und Stadtführerin in München. 2017 Promotion mit einer Arbeit zur Rolle von Wissenschaft und Ideologie im frühen Zionismus, seitdem Postdoc an der LMU. Sie lebt in München.

Otto ist ihr erster Roman. Zwei Schwestern – und ein Vater, der mehr als genug ist für eine Familie. In ihrem Romandebüt erzählt Dana von Suffrin, was es heißt, wenn ein starrköpfiger jüdischer Familienpatriarch zum Pflegefall wird. Und wie schwer es fällt, von einem Menschen Abschied zu nehmen, den man sein ganzes Leben eigentlich loswerden wollte. Für sein Umfeld war Otto, der pensionierte Ingenieur, schon immer eine Heimsuchung. Aber als er aus dem Krankenhaus zurückkehrt, ist alles noch viel schlimmer. Nach wie vor ist er aufbrausend, manipulativ, distanzlos und von wahnwitzigen Einfällen beseelt – aber jetzt ist er auch noch pflegebedürftig. Seinen erwachsenen Töchtern macht er unmissverständlich klar: Ich verlange, dass ihr für mich da seid. Und zwar immer. Auch Otto ist schwierige Kost zu Weihnachten.

Herkunft von Saša Stanišić
Einig waren sich alle vier Kritiker dagegen bei der Schlussvorstellung von Herkunft von Saša Stanišić. Der Autor wurde ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2019 und der Roman Herkunft ist im Moment in jeder Buchhandlung zu finden.

Saša Stanišić wurde 1978 im ehemals jugoslawischen Višegrad geboren und lebt heute im ehemals dänischen Altona. Er ist leidenschaftlicher Anhänger von Toast, Literatur und stationärer Buchhandel. Saša Stanišić erzählt in seinem autobiografischen Buch, wie er aus Bosnien nach Heidelberg kam und lernte, Eichendorff, Hölderlin und natürlich gefällt es den deutschen Literaten, wenn jemand Eichendorff und Hölderlin zitieren kann. Der Buchtext: „Herkunft ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem die Bundesregierung die Grenzen nicht schloss und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.“

Hier ein Auszug aus einem Video, wobei mir die Sprache sehr gut gefallen hat. Bitte achtet auf den ersten Satz. Schon dafür gebührt Saša Stanišić der Deutsche Buchpreis.

Weltpremiere: Der General muss weg von Michael und Elisabeth Buback
Zum Abschluss gab es eine Weltpremiere. Tobias Kurzmaier gelang es, vier Exemplare des Sachbuches „Der General muss weg“ druckfrisch aus Norddeutschland direkt aus der Druckerei zu besorgen. Das Buch erscheint erst 2020 und das werde ich mir auf jeden Fall besorgen.
Es ist ein Buch von Michael Buback über seinen von der RAF ermordeten Vater Siegfried Buback. Am Gründonnerstag 1977 wird Generalbundesanwalt Siegfried Buback in Karlsruhe ermordet, mit ihm sein Fahrer Wolfgang Göbel und der Justizbeamte Georg Wurster. 2007 wird seinem Sohn Michael Buback zugetragen, dass für das Attentat die Falschen verurteilt wurden. 2008 fasst Michael Buback seine damaligen Rechercheergebnisse in dem Buch Der zweite Tod meines Vaters zusammen. Diese führen 2010 zum Prozess vor dem Oberlandesgericht Stuttgart, in dem das frühere RAF-Mitglied Verena Becker wegen dreifachen Mordes angeklagt wird.

Der General muss weg! ist das akribische, erschütternde Protokoll der Verhandlungen vor dem OLG Stuttgart – aus der Feder von Michael Buback und seiner Ehefrau Elisabeth, beide Nebenkläger des Verfahrens. In diesem bestätigt sich, dass Verena Becker, die letztlich 2012 nur wegen Beihilfe verurteilt wird, geheime Informantin des Verfassungsschutzes gewesen ist. Mehr noch als das Ergebnis ist es der Verlauf der Verhandlungen, der die beklemmende Frage aufwirft: Wie weit geht der Staat in der Verteidigung seiner Interessen?
Dieses Buch „Der General muss weg!“: Siegfried Buback, die RAF und der Staatmuss ich mir besorgen, denn das Thema interessiert mich wirklich. Hier das Video von der Weltpremiere:

Buchtipp: Samstagabendhelden von Tim Pröse

16. Dezember 2019
Tim Pröse in Maisach Tim Pröse in Maisach

Wer noch auf der Suche nach einem Buchgeschenk zu Weihnachten ist, dem empfehle ich die unterhaltsame Lektüre von Samstagabendhelden: Persönliche Begegnungen mit den legendärsten Stars aus Film, Funk und Fernsehen – aus der Feder von Tim Pröse.
Vor einiger Zeit war Tim Pröse bei uns im Dorf zu einer Lesung in der Gemeindebücherei Maisach und es war ein unterhaltsamer Abend. Ich bin Tim Pröse in der Vergangenheit als Journalist immer wieder mal begegnet als er noch bei der Abendzeitung und beim Focus war, aber so richtig gesprochen haben wir nicht. Er war im People-Ressort unterwegs und wurde von Stars und Sternchen sehr geschätzt. Daher wollte ich Tim Pröse endlich kennenlernen und besuchte seine Lesung in Maisach und ließ mir sein Buch signieren. Als Retro-Freund interessierte mich sein Thema. Ich wurde in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts medial sozialisiert und kenne die nostalgischen Verklärungen des Samstagabend-Fernsehens, wenn die ganze Familie die großen Shows vor dem Grundig-Fernseher genoss. Daher war das Buch Samstagabendhelden eigentlich genau für mich geschrieben, denn ich wusste mit Peter Frankenfeld, Rudi Carrell, Hans-Joachim „Kuli“ Kulenkampff, Joachim „Blacky“ Fuchsberger und wie sie alle hießen viel anzufangen. Einige von ihnen kommen in Samstagabendhelden vor und ich war neugierig, wie Tim Pröse das Promi-Thema anging.

Er ist ein guter Beobachter, ein guter Zuhörer und er bewegt sich vorsichtig in der Welt der Stars. Anders als seine Klatsch-Kollegen wie Michael Greater (den ich auf seine Art auch sehr schätze) poltert er nicht, sondern tritt bescheidend auf. Vielleicht war er zunächst schüchtern, wie sein Gespräch mit Kulenkampff zeigt, aber er war immer neugierig und er ließ sich auf seine Gesprächspartner ein. Als Reporter, der sich auf Porträts und Reportagen versteht, ist er ein Freund der Details und der ungewöhnlichen Sichtweise. Das hat mich eigentlich am meisten gefreut, denn Samstagabendhelden ist zwar ein Buch des Who-is-Who der deutschen Showbranche, aber Tim Pröse nimmt sich nicht so wichtig und protzt nicht mit eleganten Namedropping und aufgeblasener Wichtigtuerei, wie es leider viele Kolleginnen und Kollegen der Branche tun. Und Tim Pröse geht vorsichtig mit unseren Stars um. Er bedient freilich den Mythos, die Legende, das Image, aber entdeckt in seinen Porträts immer neue Facetten der Person. Der gelernte Journalist sucht und findet die Geschichte, denn im Grunde ist Tim Pröse ein Geschichtenerzähler, ein moderner Storyteller. Er sieht nicht den Star, sondern den Menschen in seinen Gesprächspartnern und kitzelt mit journalistischen Spürsinn die Geschichte heraus. Das hat er als Journalist gelernt, aber er hat nun die Sprache eines Buchautoren. Waren in Zeitung und Zeitschrift immer der Platz zu knapp, ist für den Autoren Tim Pröse das Buch im Moment die richtige Darreichungsform.
Und als ich ihn bei uns in der Bücherei Maisach erlebt hatte, schloss ich für kurze Zeit die Augen und lauschte seiner Stimme. Leise, betonend, intensiv – eine wunderbare Erzählstimme und für mich absolut unverständlich, warum der Heyne-Verlag von Samstagabendhelden kein Hörbuch herausgebracht hat. Ein Print-Journalist mit einer genialen Erzählstimme – so muss es doch sein.

Mit seiner Erlaubnis habe ich die Lesung mitgeschnitten und auf YouTube veröffentlicht. Dabei gab es zu jedem Kapitel eine musikalische Einleitung, die ich aber aus GEMA-Gründen geschnitten habe. Pröse nutzte die Macht der Erkennungsmelodien, die sofort Bilder in den Köpfen der Zuhörer aufkommen lässt. Sehr gute Show, würden die Amerikaner sagen.

Pierre Brice
Mit der Musik von Martin Böttcher und Winnetou ging das Kapitel zu Pierre Brice los. Brice hatte mit der Figur von Karl May die Rolle seines Lebens und kam davon nicht mehr los. In Samstagabendhelden erzählt Pröse eine schöne Geschichte aus dem Leben des Franzosen.

Udo Lindenberg
Weiter ging es mit Udo Lindenberg, Drummer, Musiker und Provokateur der alten Zeit, der heute riesige Erfolge feiert. Aber Udo hatte seine dunklen Zeiten, die er nicht vergessen hat.

Thomas Gottschalk
Über Thomas Gottschalk wusste Tim Pröse viel über das Elternhaus zu berichten. Nicht der Klatsch der Scheidung oder flotte Episoden aus Herbstblond, sondern Pröse hat erkundet, woher Gottschalk seine Energie schöpft.

Hans-Joachim Kulenkampff
Der Titan der Titanen des deutschen Showgeschäfts war sicherlich Hans-Joachim Kulenkampff. Pröse berichtet von einer Begegnung zu Beginn seiner journalisten Karriere in der Garderobe von Kulenkampff – einfach köstlich.

Barbara Schöneberger
Barbara Schöneberger war nie so mein Fall, aber die Begegnung Pröses mit der blonden, lauten Diva hat die Person für mich interessant gemacht. Ich habe meine Meinung über die Dame geändert und finde die Marke heute amüsant.

Hape Kerkeling
Und beim Eingang der Bücherei war die DVD Der Junge muss an die frische Luft zum Ausleihen aufgestellt. So passte es, dass Tim Pröse am Ende seiner Lesung über Hape Kerkeling sprach.

Natürlich muss der Journalist Pröse den stellvertretenden Chefredakteur des fiktiven Grevenbroicher Tagblatts Horst Schlämmer erwähnen, aber Pröse geht tiefer, wird ernster. Er befragte Freunde von Kerkeling, da der sensible Künstler nicht über selbst reden wollte. Und dann: Das Sterben der Mutter war in einem überraschenden Interview mit Kerkeling das Thema. Beeindruckende Geschichte und großartiges Storytelling.

Und hier die komplette Lesung in der Bücherei Maisach und nochmals meine Buchempfehlung Samstagabendhelden für Leute zwischen 40 und 70 Jahren.

Film- und Buchtipp Chernobyl und Tschernobyl

11. Dezember 2019

Nachdem die Sky-/HBO-Serie Chernobyl bei den 2019 Emmys mit 10 Auszeichnungen und 19 Nominierungen der große Abräumer war, kaufte ich mir die sechs Teile Chernobyl auf Bluray und schaute sie mir gefesselt in einem Rutsch durch. Spannend und erschreckend und eine klare Empfehlung von meiner Seite.
Das Thema Reaktorunfall in der Ukraine hat mich sehr betroffen gemacht, damals und heute. Ich hatte die Vorfälle um Tschernobyl als Jugendlicher hautnah miterlebt, ich spielte draußen als der große Regen kam. Die Angst ging um, obwohl doch laut Politik „zu keiner Zeit die Bevölkerung gefährdet war“. Alles Lüge.
Die Mini-Serie brachte nur die Hilflosigkeit der Sowjets an den Tag. Der große Reformer Michail Gorbatschow reagierte zunächst nach alter sowjetischer Devise: Alles leugnen und klein reden, so wie es Apparatschiks in Diktaturen gerne machen. Es ist im Film nur die Sichtweise der Sowjets dargelegt, vielleicht etwas eindimensional, aber so ist nun mal Hollywood.
Natürlich handelt es sich bei Chernobyl um eine Unterhaltungsserie, da muss schon ein wenig Dramatik rein. Schöpfer war Craig Mazin und Regie führte Johan Renck und entstand Fernsehunterhaltung mit viel Realität und viel Fiktion.
Aber ich wollte mich nicht mit der Serie zufriedengeben und suchte nach mehr Stoff. Dr. Johannes Grotzky, ein Bekannter über all die Jahre, schickte mir sein Buch Tschernobyl: Die Katastrophe samt Widmung. Grotzky war Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks, lange Jahre Moskaukorrespondent und ist heute für mich immer noch der Russland-Experte schlechthin. Ich durfte als junger Journalist den Auslandskorrespondenten Johannes Grotzky bei seiner Arbeit begleiten und habe sehr, sehr viel von ihm gelernt. Vielen Dank dafür. Immer wieder kreuzen sich unsere Wege und so schickte er mir sein Buch Tschernobyl – die Katastrophe.

Mittlerweile gibt es viel Literatur zum Thema Tschernobyl, aber interessant für mich war, wie ein Journalist hinter dem eisernen Vorhang über den Reaktorunfall berichten konnte. Es gab kein Internet, keine sozialen Netze. Die Kommunikation war streng überwacht. Die Berichte über die Reaktorkatastrophe waren wie die Berichte über einen Krieg. „Die wirkliche Berichterstattung findet erst nach Abschluss des Krieges statt, wenn alle Quellen zugänglich sind und alle Seiten gehört wurden“, so Grotzky. Mich haben die Dokumente der damaligen Zeit besonders interessiert. Grotzky hat viele davon gesammelt: Ticker-Meldungen unterschiedlicher Sichtweisen, Zeitungsausschnitte, Briefe, Fernschreiben und vieles mehr. Russische Quellen werden übersetzt. Grotzky erläutert die Dokumente und setzt sie ins Verhältnis zueinander – und das hat der Journalist gelernt. Dabei fließt viel Hintergrundwissen über die handelnden Personen ein, denn Grotzky ist lange im Nachrichten- und Berichterstatttergeschäftund weiß, über was er spricht. Genau diese Infos haben für mich das Buch Tschernobyl lesenswert gemacht. „Die Zurückhaltung sowjetischer Medien bei Katastrophen im eigenen Land ist typisch. Meist werden nur solche Ereignisse gemeldet wie Erdbeben oder größere Umweltverschmutzungen, die ohnehin durch internationale Messungen erkennbar sind. Dagegen gibt es in der Regel keine Hinweise auf Flugzeug- oder Bahnunglücke“, beschreibt Grotzky die Situation.

Widmung im Buch.

Widmung im Buch.

Wie eine Art Tagebuch stellt der Journalist den Informationsfluss dar, der von sowjetischer Seite geliefert wurde. Er zeigt, wie Zug um Zug, Andeutung um Andeutung das Unglück durchsickert, das aus sowjetischer Sicht noch als „lokaler Unfall“ dargestellt wird. Interessant auch die Reaktionen von offizieller sowjetischer Seite auf westliche Berichterstattung. Man sprach vom „Gefühl der Bitterkeit“ beispielsweise von einem sowjetischen Ingenieur. Die westlichen Berichte wurden als „reine Provokation“ bezeichnet. Eine Berichterstattung von westlichen Medien, wie Journalist Johannes Grotzky in der Sowjetunion war zudem stark von offizieller Seite eingeschränkt.
Interessant war auch die Informationspolitik der deutschen Botschaft an die deutschen Landsleute in Moskau, „deutsche Kolonie“ genannt. Grotzky hat die Originaldokumente aufgehoben und abgedruckt. Es dreht sich dabei vor allem, welche Obst- und Fleischprodukte man essen kann und wie hoch die Verstrahlung war. er zeigt, wie Amerikaner und Engländer in Moskau reagierten und welche Maßnahmen sie trafen.
Ich möchte dieses Buch allen Medieninteressierten empfehlen. Es zeigt hervorragend, wie schwierig die Berichterstattung in einer Diktatur ist und wie genau sich man als Journalist an die Faktenlage halten muss. Ich bin wieder Johannes Grotzky dankbar, denn ich habe durch sein Buch Tschernobyl wieder viel gelernt.

Buchtipp: Alien Covenant: David’‘s Drawings

3. Dezember 2019

Meine Gattin ist ein großer Fan von Alexander von Humboldt und dieser Universalgelehrte ist wirklich ein Genie. Wir schauen immer wieder die Ergebnisse seiner Reisen an und bewundern die Erkenntnisse dieses Mannes. Er brachte von seinen Reisen zahlreiche Skizzen und Zeichnungen von Flora und Fauna mit. Das gefällt mir – und als Filmfan hab ich ähnliches erlebt. Ich habe vor kurzem wieder Bücher zum Ridley Scott Film Alien Covenant zusammengetragen. Darunter auch das Buch Alien Covenant: David’’s Drawings. Das 1,9 Kilogramm schwere Buch beinhaltet die kompletten Zeichnungen von David, die zeigen, wie ein Android langsam verrückt wird. Ich habe dieses Buch in London bei Forbidden Planet erstanden.
Im Grunde ist das Buch wie ein wissenschaftliches Nachschlagewerk aufgebaut. Eigentlich befinden sich in dem eleganten Schuber zwei Bücher zum gleichen Thema. Das dünnere ist ein Interview-Sammelband mit den Künstlern Dane Hallett und Matt Hatton, die das Werk von David für den Film geschaffen haben. In den Gesprächen geht es sehr darum, wie die Zusammenarbeit mit Regisseur Ridley Scott war und welche Anforderungen er an die Künstler stellte. Die Zeichnungen wirkten alt, sind aber zumeist digital erstellt. Das Interessante: Obwohl die beiden unterschiedlichen Zeichner an Davids Zeichnungen gearbeitet haben, wirken sie so, als seien sie aus einem Guss. Hier haben die Concept-Artists wirklich Großartiges geleistet. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich gerne so eine signierte Zeichnung von den beiden Künstlern. Sie bekäme einen Ehrenplatz in meiner Sammlung.
Das zweite Buch im Schuber ist das Hauptwerk. Es enthält die Zeichnungen von David, die wir im Film sehen. Huschte die Kamera in Alien Covenant über die Bilder nur hinweg und zeigte uns eine viktorianische Hexenküche, so haben wir nun die Gelegenheit, die feinen Zeichnungen im Detail zu bewundern. Und es ist wirklich eine Abenteuerreise in die verrückte Gedankenwelt von David. Die Zeichnungen, die freilich digital erstellt wurden, zeigen die Feingliedrigkeit, die Details und die Tiefe der von David gesammelten Exponate. Es ist wie das Blättern in einem Anatomieatlas oder in einem Bestimmungsbuch für Pflanzen. Es ist eine Art visueller Führer durch eine unbekannte Welt, in der es immer wieder Neues zu entdecken gilt. Beim Durchblättern des Buches erschaudert es mich immer wieder, denn die Zeichnungen haben eine unglaubliche Tiefe – hier sieht man als Zuschauer, wie wichtig Ridley Scott ein perfektes Setdesign gewesen ist. Es wäre nur schön gewesen, wenn er beim Drehbuch von Alien Covenant auch so eine Tiefe an den Tag gelegt hätte bzw. den Film nachträglich nicht beschnitten hätte. Also klarer Buchtipp für Alien Covenant: David’’s Drawings

Buchtipp: The Art and Making of Alien Covenant von Simon Ward

2. Dezember 2019
Mein Buchtipp: The Art and Making of Alien Covenant

Mein Buchtipp: The Art and Making of Alien Covenant

Komisch, ein Film, der mir immer wieder im Kopf herumgeht, ist Alien Covenant von Ridley Scott. Es ist der jüngste Ableger der Alien-Reihe aus dem Jahr 2017 und hat damit schon ein paar Tage auf den Buckel. Ich habe mir nach der Bluray nun auch die 4K-Version des Film Alien: Covenant gekauft.
Bei YouTube gibt es Szenen, die nicht im Film verwendet wurden, die die Geschichte noch klarer machen. Die Fortsetzung spielt zehn Jahre nach den Ereignissen in Prometheus. Es ist mir unverständlich, warum Ridley Scott diese Szenen geschnitten hat.
Der Prolog mit David und dem Schöpfer ist schlichtweg genial, mit dem eindrucksvollen Klavierauszug von Wagners Entrance of the Gods into Valhalla und es gibt eine wunderbare Fan-Interpretation dazu auf YouTube, die ich euch nicht vorenthalten will.

Besonders die Eingangsszene des Films und die Entwicklung Davids faszinieren mich. Eigentlich ist Alien Covenant ein zutiefst negativer Film und ich war beim Buch The Art and Making of Alien: Covenant von Simon Ward neugierig, wie auf David eingegangen wird. Das Buch zeigt die üblichen Making of-Bilder und auch zahlreiche Sketches von Raumschiffe, Städten und Waffen. Faszinierend natürlich die Entwicklungsformen des Aliens, die hier klar gezeigt werden. Es ist weniger der Zauber von Giger als vielmehr detailreiche Darstellung eines der schrecklichsten Monster der Filmgeeschichte. Als 3D-Fan sah ich, wie Z-Brush als Gestaltungssoftware wunderbar eingesetzt wurde, um das Alien zu formen. Der Alien-Kopf ziert auch das Cover des Bildbandes.
Aber dieses Mal stand David im Mittelpunkt meines Interesses. Michael Fassbender spielt den Androiden eindrucksvoll in einer Doppelrolle – David und Walter. Leider wird das Ende des Films im Buch nur angedeutet, wenn David die Kinder ins Bett bringt. Schade, ich hätte mehr von Alien und den Kolonisten gesehen, wenn diese Szene ging mir nach meinen Kinobesuch nicht aus dem Kopf.
Und es wird im Buch ein wenig die Zeichnungen Davids angerissen. Über Jahre hinweg studierte er die Körper des Menschen, der Aliens, der Bewohner und der Flora. Es sieht ein wenig aus wie in der Bibliothek von Frankenstein. Das Buch gibt einen kleinen Einblick dieser Welt und bei einem Besuch von Forbidden Planet in London stieß ich auf das Buch mit allen David Zeichnungen. Der Titel Alien Covenant: David’s Drawings und ich musste das schwere Buch sofort kaufen und werde es in den nächsten Tagen besprechen.
Fazit: Also Alien-Fans werden beide Bücher brauchen. Hier das Unboxing der Art of Buches The Art and Making of Alien: Covenant:

Begegnung mit dem großen Georg Stefan Troller – ein Erlebnis

14. November 2019
Vielen Dank Georg Stefan Troller

Vielen Dank Georg Stefan Troller

Ab und zu treffe ich Menschen, die mich absolut flashen. Sie beeindrucken mich von ihrer Persönlichkeit oder ihrer schöpferischen Kraft. Und so war es auch dieses Mal als ich auf Georg Stefan Troller traf. Troller ist einer der Männer, die mich bewogen, den Beruf des Journalisten zu ergreifen. Jahrelang wollte ich den großen Erzähler Georg Stefan Troller kennenlernen und jetzt ergab sich die Möglichkeit.
Auf Vermittlung von meiner Twitter-Kollegin Catharina Wilhelm besuchte ich eine Lesung des 97jährigen Trollers im jüdischen Gemeindezentrum in München. Er stellte sein neues Buch Liebe, Lust und Abenteuer: 97 Begegnungen meines Lebens vor. 97 Begegnungen weil 97 Jahre. Ich nutzte die Gelegenheit und sprach einfach mein journalistisches Vorbild an. Ein Interview war nicht möglich.

Georg Stefan Troller ist ein Journalist der alten Schule. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war ein hervorragender Fernsehjournalist, Dokumentarfilmer und ein Vorläufer eines Talkmoderators. Er erzählte perfekte Geschichten. Der Österreicher Troller ist Jude und entkam nur knapp den Nationalsozialisten, emigrierte in die USA und berichtete nach dem Krieg aus Paris. 1962 begann er Sendungen seines Pariser Journals. Er porträtierte damalige Prominente in seinen Sendungen. Ich habe noch eine Erstausgabe des Pariser Journals und ließ es mir von Troller signieren. Mir wurde das Buch von Walther von La Roche, dem großen Mann der Ausbildungsredaktion des BR, empfohlen und ich habe das Buch verschlungen. Es sind auf der einen Seite Interviews zu lesen, aber es ist vor allem zu lesen, wie Troller seine Interviews vorbereitete, wie er sie führte und wie er arbeitete.

Jedes Jahr bringt Troller Bücher auf den Markt. Sein neuestes Buch ist Liebe, Lust und Abenteuer: 97 Begegnungen meines Lebens. Entstanden ist eine Mischung aus intimen Interviews, Aphorismen, Anekdoten, Bonmots, Fotografien und Geschichten, die in vielfältiger Form das Kernthema der menschlichen Existenz umkreisen: den Eros, unsere Trieb- und Antriebskraft. Die Liebe in ihrer körperlichen und geistigen Gestalt, der Sprung vom petite mort zu dessen großem Bruder, die latente Gefahr des Lebens und der Liebe selbst: Dies ist der Stoff des ewig alten aber ständig neuen Abenteuers mit seinen 97 Jahren, unwiderstehlich dargeboten von prominenten Protagonisten.
Ich habe mir auf der Veranstaltung neben dem Pariser Journal noch ein anders Buch signieren lassen. Es war Paris geheim – hier beschreibt Troller interessante Orte in Paris abseits der Touristenströme. Im Grunde ist der Pionier Troller ein moderner Reiseblogger. Gerne hätte ich mit ihm ein Interview zum Thema Blogs gemacht, doch leider hat der Verlag das Interview abgelehnt. Schade, denn ich hätte gerne eine Einschätzung von ihm gehabt. Vielen Dank an Ellen Presser vom Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde, die sich redlich bemüht hatte.
Interessant war seine Meinung über die Vergänglichkeit von Büchern. Der Buchautor, der daran zweifelt, ob Buch als Darstellungsform eine Zukunft hat. Damit haben viele Besucher der Lesung sicherlich nicht gerechnet. Schließlich ist das Schlitzohr Georg Stefan Troller ja auch langjähriger Dokumentarfilmer.

Ich habe viele seiner Werke und seiner Interviews in YouTube gefunden und sie wenden sich an eine ganz andere Generation. Es gibt ein tolles Interview mit ihm, dass ich jedem empfehlen möchte.

Troller ist ein genialer Storyteller. Ich hänge an den Lippen bei seinen Erzählungen. Und auch wenn diese Erzählungen schockierend sind. Er berichtete von der Befreiung des KZ Dachau als US-amerikanischer GI und von den Verhören der Bevölkerung.

Er erzählt noch der Nachkriegszeit und von seiner Anfangszeit als Journalist. Er machte seine ersten journalistischen Schritte in München. Berichtete von dem Vorwurf: „Ihr Juden seid am Krieg Schuld“ und wie er die Frauenkirche gerettet hat.

Tag des Bloggens

13. November 2019
Er wäre heute ein Blogger: Sigi Sommer

Er wäre heute ein Blogger: Sigi Sommer

Heute ist der 13. November – heute ist der Tag des Bloggens. So steht es zumindest im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt. Und gerne will ich diesen Feiertag begehen, denn für mich als Blogger gehören Blogs eindeutig zu den modernen Massenmedien und zur Massenkommunikation.
Ich selbst blogge seit Juni 2008 und das nahezu täglich für redaktion42.com. Ich bin hin und wieder als Corporate Blogger für Mittelständler tätig. Ich schule Interessierte zum Thema Blogs. Un ich war Gründungsmitglied und eine zeitlang Vorsitzer des Bloggerclubs und halte es für enorm wichtig, dass Blogger eine Interessenvertretung haben.
Habe ich als Blogger Vorbilder? Klar, denn ich bin gelernter Tageszeitungsjournalist und komme aus der Tradition des journalistischen Bloggens. Viele berühmte Journalisten wären Blogger gewesen, wenn es die Technik früher gegeben hätte: Heinrich Heine, Martin Luther oder auch Spaziergänger Siegfried Sigi Sommer. Sommer war Autor der Blasius-Kolumne. Sie war in meiner Heimatstadt München sehr erfolgreich, sie erschien ununterbrochen fast vierzig Jahre lang in der AZ, die letzte von ungefähr 3500 Kolumnen kam am 2. Januar 1987 heraus. Im Grunde wäre der Sigi ein Blogger gewesen.

Ich gehe immer wieder an einer lebensgroßen Bronzestatue Sommers vorbei, die vom Bildhauer Max Wagner gestaltet wurde. Sie zeigt ihn als Spaziergänger mit einer Zeitung unter dem rechten Arm. Die Statue wurde von der Verlegerfamilie R. S. Schulz gestiftete Standbild gestiftet. Sie steht in der Fußgängerzone am Roseneck in der Rosenstraße beim Apple Store und wurde am 28. Juli 1998 enthüllt.

Buchtipp: The Art of Star Wars VII – das Erwachen der Macht

6. November 2019
Star Wars VII als die Welt noch in Ordnung war.

Star Wars VII als die Welt noch in Ordnung war.

In wenigen Wochen kommt Star Wars IX in die Kinos und ich hoffe, ich bete, ich flehe, dass es ein guter Film werden wird. Je mehr ich über den achten Teil nachdenke, desto mehr Wut steig in mir auf. Nun, warten wir es ab und bis the Rise of Skywalker im Dezember in die Kinos kommt, schau ich mir das Art of-Book des siebten Teils an.
Ich habe die deutsche Ausgabe des Panini-Buches The Art of Star Wars: Das Erwachen der Macht aus dem Archiv geholt. Normalerweise habe ich ja immer die englischen Bücher, aber hier habe ich zur deutschen Ausgabe gegriffen. Star Wars VII war für mich ein guter Film, ein Wiedersehen mit Freunden, eine Art Klassentreffen. Und so lese ich auch das Art of Buch. Beim Durchblättern war mir klar, welch großartige Saga es in den nächsten Teilen werden könnte und Disney hat es bisher vergeigt.

Als ich den Band zum ersten Mal durchblätterte, erkannte ich Symbole des Nationalsozialismus. Im Buch wird als Vorlage des Kreativen die Olympischen Spiele im Dritten Reich angegeben. Aber wer sich nur ein wenig auskennt, sieht die wirkliche Vorlage: Der Parteitag der Nazis in Nürnberg, gefilmt von Leni Riefenstahl. Die Bilder wirken eindrucksvoll, aber ich weiß nicht, ob es mir gefällt. Das Imperium im Film ist böse, aber ein Vergleich zu den Nationalsozialisten ist dann doch heftig. Dennoch wusste Leni Riefenstahl wie ihre Bilder wirken.
J.J. Abrams sagte neulich in einem Interview, er werde die Ideen von Star Wars VII in Star Wars IX aufnehmen – ggf. meinte er, Star Wars VIII zu überspringen. Egal was es heißt. Für mich bedeutet es, die Konzeptzeichnungen von Star Wars VII genauer anzuschauen. Vielleicht erkenne ich dann im Dezember 2019 beim Kinostart von Skywalker gewisse Parallelen. Im Moment ist es ja nur ein Herumstochern im Nebel.
Ich habe vor Jahren die Zeichnungen von Ralph McQuarrie – Star Wars Art: Ralph McQuarrie erworben und stelle im Vergleich zum vorliegenden Buch fest, welches Genie Ralph McQuarrie wirklich war. Ohne ihn hätte es Lucas und Krieg der Sterne nie gegeben. Bei den neuen Büchern fehlt mir eine gewisse Linie. Die Ideen der Zeichner sind gut, sogar sehr gut, aber die klare Linie vermisse ich, obwohl es einen Supervisor gibt. Regisseur J.J. Abrams gab vor, dass das Design die Story nicht überdecken sollte. Ich finde bei Erwachen der Macht ist dies gelungen, weil es im Grunde ein Familienfest war. Nun Han Solo biss ins Gras, aber die neuen Figuren waren interessant. Teil VIII machte dann alles kaputt.