Archive for the ‘Medien’ Category

Persönliche Erinnerung an den großen Journalisten Peter von Zahn

26. Juli 2021

Die Reporterstimme, die mich als Kind geprägt hat, gehört ohne Zweifel dem großen Peter von Zahn. Am 26. Juli 2021 Heute vor 20 Jahren verstarb der große Hörfunk- und Fernsehjournalist in Hamburg. Und ich muss zugeben: Ich bin ein absoluter Fan von Peter von Zahn. Er hat mich sicherlich in meiner Berufswahl stark beeinflusst.

Als Kind saß ich gebannt vor dem Grundig-Fernseher meiner Eltern und sah mir Woche für Woche die Sendung „Bilder, die die Welt bewegten“ an. Die Serie brachten mir die großen Katastrophen näher, wie beispielsweise den Hindenburg-Absturz oder das Kennedy-Attentat. Die drei Staffeln mit insgesamt 34 Folgen liefen in den Jahren 1980 und 1983 im ZDF. Peter von Zahn moderierte sämtliche Sendungen mit seiner bemerkenswerten Stimme und eigentümlichen Betonung. Diese Stimme hab ich noch immer im Ohr.

Wenn der Vorspann der Serie auf der Mattscheibe erschien, lief es mir als junger Zuschauer kalt den Rücken herunter. Eine Tickermeldung zog sich in der Schrift American Typewriter über den Bildschirm, während Katastrophenbilder abliefen. Dazu eindringliche Musik. Das wirkt noch immer und war überzeugend. Fakten eindringlich präsentiert – das war ein Journalismus mit dem ich aufgewachsen bin.
Mein Papa berichtete mir von US-Sendungen von Zahn, die Papa als junger Mensch im Schwarzweiß-Fernseher sah. Als erster festangestellter deutscher Auslandskorrespondent nach dem Zweiten Weltkrieg ging Peter von Zahn von 1951 bis 1960 in die USA. ES gibt einige Sendungen von ihm bei YouTube. Das Tempo war anders, von Zahn brachte den Deutschen die unbekannte USA-Gesellschaft ins Wohnzimmer. Es war eine spannende Zeit für Reportagen, für Storytelling wie man heute es nennen würde.

Im Nachlass meines Vaters entdeckte ich Bücher von Peter von Zahn: Stimme der ersten Stunde: Erinnerungen 1913–1951 und Reporter der Windrose. Erinnerungen 1951–1964. Ja, es sind Reporterbücher aus einer anderen Zeit. Ich kaufte mir einige Bücher nach wie Fremde Freunde. Bericht aus der Neuen Welt (1953) und verschiedene Dokumentarspiele auf DVD wie Kuba-Krise. Peter von Zahn gehörte eine großen Generation von Journalisten an. Dazu zähle ich Persönlichkeiten wie Peter Scholl-Latour, Gerd Ruge, Dieter Kronzucker und noch ein paar mehr. Ich erinnere mich als ich mit einem Podcaster mit umgedrehter Mütze in Diskussion geriet. Der Kollege, der sonst zu allem seinen Senf dazu gibt, kannte Peter von Zahn nicht. Das tat weh – eine große Stimme des Radios ist bei der neuen Generation nicht bekannt.

Als Erinnerung an Peter von Zahn hängt in meinem Arbeitszimmmer ein Foto mit Autogramm. „Eines ist genug“ steht da zu lesen. Das kommt davon, wenn man um zwei Autogramme bittet. Immer wieder stehe ich davor und denke mir: Was für ein großartiger Geschichtenerzähler.

Nachruf auf Alfred Biolek – was hat er mir bedeutet?

23. Juli 2021

Oh, nun ist es doch passiert. Alfred Biolek ist im Alter von 87. Jahren verstorben. Der große, feinsinnige Mann des deutschen Fernsehens ist nicht mehr. Die TV-Kultur hat ihm viel zu verdanken.
Den ganzen Tag laufen Nachrufe über Bio. Viele von ihnen habe ich gelesen. Und ich habe nachgedacht, was Alfred Biolek für mich privat bedeutet hat.

Nun, ich habe Alfred Biolek viel zu verdanken, denn er brachte mir eine Künstlerin näher, die ich bis heute sehr, sehr gerne verehre: Kate Bush
Als ich so die Nachrufe las, erinnerte ich mich an meine Kindheit. Ich saß mit meinen Eltern als kleiner Junge vor dem heimischen Grundig-Fernseher im Wohnzimmer. Meine Eltern wie immer auf dem Sofa, ich lümmelte in einem Sessel herum. Blick gerichtet auf den Hausaltar.
Es lief eine neue Sendung. Wir sahen uns am 9. Februar 1978 die neue Show Bio‘s Bahnhof mit Alfred Biolek an. Der sympathische Mann kündigte eine Weltpremiere an. Das gab es damals noch im deutschen Fernsehen. Eine junge, zarte Frau im roten Kleid mit einer Wahnsinnsstimme trat auf. Kate Bush sang unter anderem Wuthering Heights. Was schreibe ich sang: Sie performte, sie sang, tanzte, bewegte sich, sie wiegte sich in der Musik – so was hatte ich als Kind noch nie gehört, geschweige denn gesehen. Ich war Musik ist Trumpf und die Hitparade mit Dieter Thomas Heck gewohnt. Kate Bush war anders. Kate Bush war das erste Mal im Fernsehen überhaupt und Bio hatte sie nach Deutschland gebracht.
Eine gute Seele hat den Auftritt in YouTube eingestellt. Ein Einbetten ist leider nicht möglich.


Ich weiß noch, wie meine Familie begeistert war. So begeistert, dass wir später die Single kauften. Auf der B-Seite war Kite. Und auf der Rückseite des Covers gab es die Pressemitteilung des WDR. Das hab ich auch noch nicht gesehen.


Ich brauche keinen Nachruf über die Leistung von Alfred Biolek verfassen. Er war ein wacher, kluger Geist und er war ein Mensch mit Geschmack. Das sagt doch eigentlich alles, oder?

Buchtipp: Corona ante portas von Isolde Stöcker-Gietl

15. Juli 2021

Als langjähriger Tageszeitungsjournalist weiß ich, wie schwer es ist, eine Glosse zu schreiben. Ich konnte meinen Volontären alle journalistischen Darstellungsformen beibringen, doch für die Glosse muss der Verfasser Talent haben. Die einen haben es, die anderen – und das sind die meisten, – haben es eben nicht. Mit dieser Tatsache müssen sich der Journalist und der Leser abfinden.

Daher war ich entsprechend nervös und neugierig zugleich, als mir der battenberg gietl Verlag mir das Buch Corona ante portas – eine Redaktion lüftet durch zur Verfügung stellte. Das Buch Corona ante portas: Eine Redaktion lüftet durch, herausgegeben von Isolde Stöcker-Gietl, umfasst Glossen aus der Mittelbayerischen Zeitung zum Thema Corona. Also nicht berichtende Artikel über Infektionszahlen und Intensivbetten, sondern meinungsbildende Geschichten aus dem Alltag im HomeOffice mit Familie, Arbeit und Alltag.

Von den schreibenden Kollegen kenne ich leider keinen persönlich. Aber durch ihre kurzen Geschichten bin ich ein Stück näher an ihren Alltag und ihr Leben herangerückt. Bei einigen der Geschichten musste ich schmunzeln, bei anderen lachte ich sogar laut auf. Aber bei wiederum anderen verstand ich die Glosse und das dahinterstehende Weltbild nicht. Es kann eben nicht jeder ein begnadeter Glossist und Edelfeder sein.
Ich stelle mir bei der Lektüre die Frage: Darf man sich über Corona lustig machen? Darf man über die Pandemie lachen? Ja, ein klares Ja, denn diese Glossen nehmen Corona ernst, halten uns aber einen Spiegel vor unser Leben. Wir glauben und auch die Autoren des Buches glauben, dass wir einfach so weitermachen können, trotz dieser Einschnitte. Das alte Leben muss auch unter neuen Voraussetzungen weiterlaufen und dies muss zwangsläufig scheitern. Diese Einstellung vermitteln diese Geschichten und daraus kommt der Wortwitz: Weitermachen, aber unter anderen Umständen. Jeder kommt mit Corona anders zurecht.
Jetzt ist eine Glosse nicht das Medium für nachdenkliche Zeilen wie Ausführungen in einem Kommentar oder einem Essay. Vielmehr überzeichnet die Glosse den Alltag des Einzelnen mit der Jagd nach Toilettenpapier oder Hefe.

Ich habe mich bei vielen Geschichten dieses Büchleins Corona ante portas: Eine Redaktion lüftet durch amüsiert, aber auch Systemkritik gefunden: Digitalisierung ist bei vielen noch ein Fremdwort, HomeOffice am Küchentisch funktioniert nur bedingt. HomeSchooling zeigt die brutalen Lücken in unserem Bildungssystem. Die familiären Situationen, die zwar hier humorvoll beschrieben sind, zeigen aber auch die angespannte soziale Situation der Familien. Und auch das Thema Tod wird nicht ausgespart.
In dem Moment, wenn ich diese Zeilen schreibe, gehen die Infektionen wieder hoch. Wenn wir nicht aufpassen, dann droht uns die vierte Welle. Sind wir denn dafür gerüstet?

Was die Bienen mit KI zu tun haben?

14. Juli 2021

Ein Hightech-Bienenstock sammelt Umweltdaten auf dem Dach des bayerischen Digitalministeriums. In dem mit Sensoren vernetzten Bienenstock befinden sich rund 15.000 Insekten. Mittels künstlicher Intelligenz werden die hochsensiblen Biosensoren der kleinen Tiere unter anderem dazu genutzt, Vorhersagen über Unwetter, Trockenperioden oder andere Wetterextreme zu machen.

Ministerin Judith Gerlach (Mitte), Wolfgang Schwirz (r.) und ich links im Digitalministerium vor interessanter Tapete.

Die bayerische Staatsministerin für Digitales Judith Gerlach stellte sich in einem Online-Seminar den Fragen von Wolfgang Schwirz, Referatsleiter Landwirtschaft, Umweltschutz, Energie, Verbraucherschutz bei der HSS und mir. Es war eine hybride Veranstaltung. Die Teilnehmer des Seminars waren online über ein iPad zugeschaltet.

„Klimaschutz ist eine Generationenfrage“, so Judith Gerlach. Das Bienenprojekt sei ein kleines Projekt und stehe symbolhaft für Nachhaltigkeit. Wichtig sei das Generieren der KI-Daten durch die Bienen. Bei dem vom Digitalministerium unterstützten Projekt des Unternehmens we4bee in Kooperation mit der Julius-Maximilians-Universität Würzburg werden mit Hilfe eines Netzwerks digital überwachter Bienenstöcke Informationen über die Bedürfnisse der Bienen zum Schutz unserer Umwelt gesammelt. Da Bienen außerdem hochsensible „Biosensoren“ sind, können Datenauswertungen mittels Künstlicher Intelligenz sogar für Vorhersagen über Unwetter, Trockenperioden und andere Naturkatastrophen genutzt werden. „Die digitale Beobachtung der Bienen und KI-gestützte Auswertung der Daten liefern wertvolle Erkenntnisse über Umweltereignisse.

Insgesamt erfasst das Projekt inzwischen Daten aus mehr als 100 Bienenstöcken weltweit, darunter Standorte in Österreich, Liechtenstein, Luxemburg, Italien, Ungarn und Mexiko. Mithilfe von Big-Data-Analysen und Prognosemethoden für maschinelles Lernen werden die Daten ausgewertet. Ziel sei es, Erkenntnisse über die Bienen und ihre jeweiligen Lebensbedingungen zu gewinnen, so Judith Gerlach. Mit Hilfe gleichzeitig erhobener Wetterdaten sollen künftig auch Umweltereignisse wie beispielsweise Unwetter oder Trockenperioden prognostiziert werden können.

Das zeigt einmal mehr: Digitalisierung ist eine große Chance für den Klima- und Umweltschutz.“ Es sei eine schöne Verbindung zwischen dem Umweltgedanken und den Gedanken der Digitalisierung. „Ich versuche immer das Technikthema in die Diskussion mitreinzunehmen“, so die Ministerin, die Werbung für die HighTech-Agenda machte. Sie sieht die die Chance durch Innovation den Klimaschutz vorantreiben und dadurch Wertschöpfung für die Wirtschaft zu genieren. „Da ist sehr viel Potenzial, das wir noch nicht abschöpfen.“
„Im Digitalbereich machen wir uns oft nicht Gedanken über Nachhaltigkeit und Energieverbrauch“, so Schwirz. „Wir haben einen Ressourcenverbrauch“ bei seltenen Erden und einen hohen Energieverbrauch von Rechenzentren. „Aber wir dürfen es nicht nur einseitig sehen, sondern müssen schauen, wo wir Digitalisierung nutzen können, um einen Vorteil für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu generieren“, so die Ministerin.

Die ganze Veranstaltung gibt es auch als VR 360 Video

Digitalpremiere des Streamingformats #HSStag

6. Juli 2021

Neue Zeiten verlangen nach neuen Formaten. Corona hat die Digitalisierung vorangebracht und für mich gilt es weitere Erfahrungen in den digitalen Welten zu sammeln und an Kunden weiterzugeben. Aus diesem Grund arbeitete ich zusammen mit meinen Kollegen Christian Jakubetz und Thomas Gerlach an einem neuen Live-Format für Karl-Heinz Keil von der Hanns-Seidel-Stiftung. Das Format nennt sich #HSStag

Es ist politisches Plauderformat zum Thema Digitalisierung im freundlichen Ton. Gestern hatte dieses Format Premiere und es lief wie am Schnürchen. Ich bin zufrieden und hab viel gelernt.
Wir drei Digitalexperten diskutierten mit einem Gast über das Thema digitaler Wahlkampf. Unser Gast war die Bürgermeisterin der oberbayerischen Gemeinde Anzing Kathrin Alte. Kathrin Alte sammelte Digitalerfahrung in verschiedenen Funktionen wie im Bayerischen Landtag, der CSU-Fraktion des Landtags, des Bayerischen Bauministeriums und mehr.

Unser Fazit der Veranstaltung: Der Wahlkampf wird digitaler und auch die Bürgerbeteiligung auf kommunaler Ebene muss digitaler werden durch Streaming von Gemeinde- und Stadtratssitzungen, Bürgerversammlungen oder Bürgersprechstunden. Auf kommunaler Ebene geht noch mehr. Und obwohl die analoge Seniorengeneration im anstehenden Bundestagswahlkampf wohl wahlentscheidend sein wird, müssen die richtigen Weichen in den Wahlkampfteams und Rathäusern gestellt werden.

Die Veranstaltung wurde in Webex durchgeführt und auf den Youtube-Seminarkanal der Hanns-Seidel-Stiftung zudem gestreamt. Den Stream gibt es hier zum Anschauen.

Die Vorbereitung und Abstimmung für das neue Format waren nicht ohne. In zahlreichen Online-Meetings wurde an dem Konzept gefeilt. Die Rollenverteilung musste ebenso geklärt werden, wie die technische Betreuung während der Veranstaltung. Webex kann eine verflucht komplizierte Sache sein. Hier sprang der Kollege Ronald Kaiser ein. Das OnAir-Design wurde von Thomas Gerlach konzipiert und die verschiedenen Einspieler wurden von Christian Jakubetz produziert, nachdem unser Trio die Videoeinspieler vor Greenscreen aufgesagt hatte. Die Kollaborationsplattform im Hintergrund unseres Trios war Google Drive um Sendepläne und Konzepte abzulegen. Cloud-Computing funktioniert. Und natürlich musste alles vom Kunden Karl-Heinz Keil von der HSS abgenommen und abgestimmt werden.

Gelernt habe ich sehr viel über Abläufe, Technik, Organisation. Mit der ersten Sendung bin ich zufrieden. Und nach der ersten Sendung kommt die zweite. Die Planungen für die nächste #hsstag laufen bereits. Sendetermin ist Donnerstag, 29. Juli um 18 Uhr. Wir haben das Thema: Die großen Vier im Internet: Amazon, Apple, Facebook und Google.

Wer in meinem Newsletter aufgenommen will und die Einladungen erhalten möchte, kann sich gerne bei mir melden – einfach in die Kommentare schreiben. Ich schalte den Kommentar nicht frei, sondern nehme die Adresse in meine Datenbank auf.

Schulung und Vernetzung für Admins russischsprachiger Facebookgruppen

5. Juli 2021

Eine Zielgruppe, die ich im klassischen Kommunalwahlkampf berücksichtigt habe, aber im Netz noch nicht so viel Aufmerksamkeit gewidmet habe, ist die Klientel der Russlanddeutschen und Migranten aus den Ländern der Ex-UdSSR. Bis jetzt: Zusammen mit meiner Kollegin Maria Fillina habe ich im Auftrag der Hanns Seidel Stiftung in Kooperation mit dem BVRE (Bundesverband der russischsprachigen Eltern) ein Wochenendseminar im Bildungszentrum Kloster Banz für Facebook-Admins russischsprachiger Facebookgruppen in Deutschland organisiert. Sie erreichen über 180000 Facebooknutzer mit ihren unterschiedlichen Gruppen. 

Die russischsprachige Community ist mit ca. 3 Millionen die größte Gruppe unter den 6,5 Millionen deutschen Wählern mit Migrationshintergrund. Zwei gesetzte Ziele haben wir erreicht: Schulung und Vernetzung.

Die Seminarteilnehmer mit dem Leiter des Bildungswerkes Banz Michael Möslein (Mitte) und Seminarleiter Artur Kolbe (r).

Wirtschaftspsychologin Maria Fillina, selbst in Moskau aufgewachsen und Altstip der HSS, ist die neue Beauftragte für Russlanddeutsche der Stiftung. Zusammen mit mir veranstaltet sie Präsenz- und Onlineseminare sowie Workshops mit großem Erfolg zu den Themen Verschwörungsmythen und Hassreden sowie Cybermobbing. Als gelernter Journalist vermittelte ich an die Admins praktische Handwerkszeug, wie Falschmeldungen im Netz enttarnt werden können. Meine Tipps, die ich ausführlich erläutert habe:

Quellen prüfen

Argumente prüfen

Vergleichen mit seriösen Nachrichtenseiten

Bilder zurückverfolgen

Metadaten auslesen

Video zurückverfolgen

Informationen bewerten auf Datum und Zusammenhang

oder ist es einfach nur Satire 

Maria Fillina erläuterte die psychologischen Hintergründe, warum ein Mensch dazu neigt, lieber Falschmeldungen und Verschwörungen im Netz zu teilen. Der Glaube an Verschwörungen kommt verschiedenen menschlichen Bedürfnissen entgegen, die mit individuellen psychischen und sozialen Dispositionen verbunden sind. Je einschneidender das auslösende Ereignis, desto stärker die Neigung, außergewöhnliche Ursachen dahinter zu vermuten. Wenn Menschen aufgrund privater Problemlagen oder gesellschaftlicher Krisen das Gefühl haben, keine Kontrolle zu haben und sich ohnmächtig fühlen, versuchen sie Strategien zu finden, um damit umzugehen – und Verschwörungserzählungen können so eine Strategie sein. Eine andere Erklärung, warum Menschen an Verschwörungen glauben, hat eher instrumentellen Charakter. „Die Wahrheit“ zu sehen, kann nicht nur Kontrolle erzeugen, sondern auch das Gefühl verstärken, „Unwissenden“ etwas voraus zu haben, besonders zu sein und damit den eigenen Selbstwert erhöhen. 

Jurij Sargelis von BVRE bei seinen Erläuterungen.

In Arbeitsgruppen tauschen sich die Admins aus und erarbeiten gemeinsame Konzepte, um in ihren Gruppen Verschwörungen, Hatespeech und Falschmeldungen einzudämmen. Dabei kamen immer wieder Probleme mit Facebook gegenüber zur Sprache. Die Bots des Social Media-Riesens erkennen Wörter in den Posts der Mitglieder, die als sensibel gewertet werden, und verwarnen oder sperren gar die jeweiligen Gruppen.

Maria Filina und Barbara Becker, MdL.

Spontan erklärte sich die CSU-Landtagsabgeordnete Barbara Becker bereit, mit den Admins ins Gespräch zu kommen. Die Abgeordnete hielt sich mit ihrem Team in Banz für eine Klausurtagung auf. Sie bot den Admins einen Gesprächstermin im Landtag an und will dort eine Schnittstelle zwischen Politik und Admins schaffen. Das Statement gibt es hier als Video. 

Das Thema „Debattenkultur“ bewegt die Teilnehmer ebenfalls sehr: Wie kann in Foren eine effiziente Diskussion geführt werden, bei der einzelne Meinungen argumentiert vorgebracht werden, ohne dass dabei Emotionen hochkochen oder gar in Hass umschlagen! Zu diesem Thema soll in naher Zukunft ein praktisch orientierter Workshop stattfinden.

Der familiäre Update-Frust – bei euch auch?

22. Juni 2021

Kommt es bei euch auch zu Streit wegen Updates? Ich hab ein morgendliches Ritual. Jeden Morgen schau ich, welches Apps am iPhone eine Aktualisierung benötigen und führe sie durch. Andere in der Familie haben die automatische Aktualisierung eingestellt und dort werden Apps im Laufe des Tages aktualisiert.

Mein tägliches Update gib mir heute.

Bei den mobilen Geräten klappt es, schwieriger wird am Mac. Ich habe auf meinen Produktionsrechner noch ein älteres MacOS laufen und Apple mahnt mich Regelmäßig zu aktualisieren – kann ich aber nicht, weil dann die eine oder andere Software nicht mehr läuft. Richtig lässig ist mein Dokumentenscanner, der sich einmal am Tag meldet, dass er aktualisiert werden möchte – nix da: Never change an running System – vor allem bei diesem Scanner.

Der ganze Update-Zirkus wird heftiger, wenn ich meine Mutter besuche. Sie hat ein iPad von mir, um mit der Familie in Corona-Zeiten in Kontakt zu bleiben. Das funktioniert prima, die alte Dame ist mit Facetime und Skype unterwegs. Allerdings verlangt das System und die Apps dann und wann ein Update und dann wieder die Passwörter. Und dann wird Muttern nervös. Meine Kinder, meine Frau und ich sind gefordert.

Hast du schon das Update eingespielt?

Das dies nicht nur meine Familie betrifft, zeigt eine Umfrage von Kaspersky. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Nutzer technischer Geräte in Deutschland sagt, dass Kinder oder ältere Familienmitglieder bei der Installation von Updates Unterstützung benötigen. Die regelmäßigen Software-Aktualisierungen führen dabei jedoch auch immer wieder zu Konflikten: Mehr als ein Drittel (35 Prozent) hatte schon einmal Meinungsverschiedenheiten mit einem Familienmitglied hinsichtlich der Notwendigkeit und Häufigkeit der Durchführung von Updates.

Elektronische Geräte sind aus dem Leben aller Altersgruppen nicht mehr wegzudenken. Kinder nutzen sie vor allem für Games und mediale Inhalte, Erwachsene, um den Kontakt mit Freunden und der Familie zu halten. Die dafür genutzten Geräte sollten deshalb stets auf dem aktuellen Stand sein, damit die Leistung nicht nachlässt, etwaige Sicherheitslücken geschlossen werden und damit das gesamte IT-Sicherheitsniveau hoch bleibt.

Die Installation von Updates ist dennoch auch unter den in Deutschland Befragten alles andere als beliebt: 33 Prozent der Erwachsenen empfinden die Aktualisierungen als eine frustrierende und lästige Tätigkeit. Dennoch kümmern sich 77 Prozent der Studienteilnehmer, ob Single oder mit Familienanschluss, selbst um die Updates der im Haushalt vorhandenen Geräte. Bei 10 Prozent übernimmt diese Aufgabe der jeweilige Partner, bei 3 Prozent sind es die Kinder und 10 Prozent der Befragten sagen, dass bei ihnen jedes Familienmitglied selbstständig die Verantwortung für den aktuellen Stand der eigenen Geräte trägt.

In meinen Seminaren stelle ich eine ähnliche Problematik fest. Viele Teilnehmer scheuen sich vor dem Update. Gerade Android-Nutzer wissen nicht, wie sie ihr jeweiligen Betriebssystem aktualisieren. Und ich habe immer wieder Teilnehmer in Seminaren, die noch mit Windows 98 und dem Internet Explorer unterwegs sind. Das macht mich dann doch nervös.

Rode Wireless go ans iPad 12,9 USB-C/iPhone Lightning

6. Juni 2021

Für mich ist das RØDE Wireless Go die ideale Funk-Mikrofonlösung, wenn ich etwas weiter entfernt vom Aufnahmegerät bin. Rode liefert Sender und Empfänger samt toter Katze und ein Verbindungskabel für Sender zur Kamera mit 3,5 mm-Aux-Stecker. Das ist ein TRS zu TRS-Kabel. Ich hab es natürlich zum falschen Zeitpunkt gekauft, denn inzwischen bietet Rode ein System Rode Wireless GO II mit zwei Sendern und einem Empfänger. Die Technik ist die gleiche.

Aber was tun, wenn die Kamera ein iPhone oder ein iPad 12,9 mit USB-C-Anschluss ist? Die Apple Geräte haben keinen klassischen Kopfhörereingang der alten Schule, sondern nur Lightning beim iPhone und USB-C beim iPad 12,9. Dazu wird zunächst ein anderes Verbindungskabel benötigt – ein TRS zu TRRS Adapter. Bei Rode heißt es SC7-Kabel. Ein Stecker hat drei Ringe, der andere hat zwei.

Jetzt benötigt man für das iPhone ein Aux-in zu Lightning. Das iPad benötigt ein Kabel Aux-in zu USB-C. Ich verwende dieses hier AUX USB C.

Street Photography – spannend wie nie

4. Juni 2021

Als Fotojunkie mag ich Street Photography und ich bewundere die Künstler, die hervorragende Werke mit ihrer Kamera schießen und veröffentlichen. Gerne würde ich das auch tun und hab auch schon einige gute Aufnahmen im Kasten. Aber das deutsche Persönlichkeitsrecht steht dieser Kunstrichtung entgegen.

Ich darf einfach nicht irgendwelche Leute in irgendwelchen Situationen ablichten und später irgendwo veröffentlichen. Eine Unterlassungserklärung wäre in Zeiten der Rechtsschutzversicherung die unvermeidliche Folge. Natürlich könnte ich mir die Genehmigung einholen, aber seien wir mal ehrlich: Wer unterschreibt mir denn einen Wisch von jemanden, der ein Foto von ihm gemacht hat? Damit ist die klassische Street Photography für mich in Deutschland gestorben.

Viele meiner Bilder bleiben im Archiv und das ist schade. In Wien habe ich ein Plakat zu der Ausstellung „Street. Life. Photography“ gesehen und mir sofort den Katalog besorgt. Neben hervorragenden Fotos wird in dem Katalog Street. Life. Photography, herausgegeben von Dr. Sabine Schnakenberg, das Thema Straßenfotos unterschiedlich diskutiert. Die Ausstellung war 2018 in Hamburg in den Deichtorhallen und zieht durch die Welt.

Auch ein Bildjournalist braucht Inspiration. Ich hole sie mir hier.

In sieben Kapiteln werden zentrale Themen der Street Photography beleuchtet: Street Life, Crashes, Public Transfer, Urban Space, Lines and Signs, Anonymity und Aliennation. 52 fotografische Positionen mit über 320 Fotografien zeigen eines der spannendsten Themen der Fotografie des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Besprechungen haben mich zum Nachdenken gebracht und mich von meinem konservativen Standpunkt der Straßenfotografie wachgerüttelt. Ich komme noch von Henri Cartier-Bresson mit seinem „entscheidenden Moment“. Peter Funch bezeichnet diesen Punkt als „Perfect Moment“. Das Buch hat mir Mut gemacht, das Thema weiter für mich zu verfolgen und ggf. auch andere Wege der Straßenfotografie einzuschlagen. Gerne würde ich auch ein Seminar zum Thema veranstalten, mal sehen, was in in einem anstehenden Fotoseminar davon einbauen kann. Auf jeden Fall klare Kaufempfehlung des Buches Street. Life. Photography.

Welche Kamera eignet sich?
Als Kamera für meine Fotos nehme ich zum einen das iPhone 12 Max, aber auch die Fujifilm X100V her. Manches Mal steuere ich auch die X100V mit dem Smartphone und löse über das Smartphone die Kamera über WLAN aus, die locker um den Hals hängt.

Was waren die Gründe für mein Upgrade auf die Fujifilm X100V? Ja, die Technik ist schneller geworden, es gibt ein noch besseres Linsensystem, die Videoaufnahmen sind optimiert. Aber die beiden wirklichen Kaufargumente für mich als Bildjournalist waren andere: Zum einen ist die Kamera gegen Spritzwasser geschützt. Meine bisherige X100F war einmal in Reparatur, als Feuchtigkeit bei Regen ins Innere drang und die Elektronik ruinierte. Und in unseren Breiten kommt Regen nun einmal vor und endlich hatte Fujifilm reagiert. Die X100F war im Grunde eine Schönwetterkamera, was Reportagefotografie deutlich einschränkte.

Zum anderen hat die X100V einen Klappmonitor. Ich dachte ursprünglich, dass ich so ein Feature nicht benötige, aber gerade im Bereich der Straßenfotografie ist das Klappdisplay goldwert. Den damit verbundenen Touchmonitor brauche ich nicht.

Nach ein paar Monaten herumspielen mit der Kamera stelle ich fest: Verdammt – die Linse ist wirklich besser geworden. Und verdammt – die Kamera zieht deutlich mehr Strom – also Ersatzakku immer einpacken. Es sind neue Filmsimulationen dazugekommen, die ich noch probieren muss. Schön ist, dass die aufschraubbaren Objektive Weitwinkel und Tele aus alter Zeit noch immer passen.

Fotobuchtipp: Executive Order von Susan Ressler – die siebziger Jahre grüßen

17. Mai 2021

Im Moment mache ich mir Gedanken über die Arbeitswelt von gestern, von heute und von morgen: Begriffe wie New Work, Out of Office, aber auch digitales Proletariat schwirren mir durch den Kopf. Und auch Gedanken, wie eigentlich ein Büro auszusehen hat, beschäftigen mich. Und bei diesen Recherchen fiel mir ein wunderbares Fotobuch von Susan Ressler in die Hände: Executive Order: Images of 1970s Corporate America

Wundervolles Fotobuch über die Büros der 70er Jahre.

Executive Order ist ein scharfsinniger Blick auf das Amerika der Konzerne, mit Porträts und Bürointerieurs, die in den 1970er Jahren in Los Angeles und im Westen der USA aufgenommen wurden. Ressler übt eine fotografische Kritik an Reichtum und Macht und setzt die Fotografie mit Humor und Einfühlungsvermögen ein, und ihre Arbeit ist heute im Zeitalter von New Work besonders relevant. Susan Ressler ist Fotografin, Autorin und Pädagogin. Ihre Arbeiten befinden sich unter anderem im Smithsonian American Art Museum und in den Library Archives of Canada.

Einen Nachmittag lang habe ich diese Schwarzweißbilder von amerikanischen Führungskräften aus den siebziger Jahren genossen. Mal habe ich schmunzelt, mal gestaunt, mal war ich entsetzt und mal war ich fasziniert. Es ist erstaunlich, wie sich Büros verändert haben und was den Herren, zumeist waren es Herren, die die Büros bevölkerten, wichtig war. Schreibtische, Sitzmöbel, Bilder, Nippes und auch Teppiche sowie Accessoires aller Art. Sie symbolisierten oft den alten Spruch: Ich Chef, du nix. Das war das Managementprinzip, was schon alleine durch die Büroeinrichtung vermittelt wurde.

Computer war noch wenig in den Büros vertreten, dafür ein Telefon samt imposanter Telefonanlage. Sofort kommen Erinnerungen an Filme der siebziger und achtziger Jahre durch mit Aussprüchen „Der Präsident auf Leitung 3!“ Dann gab es natürlich Stifte. Aber nicht einfach eine Stiftebox mit Kugelschreiber und Bleistiften. Es musste schon imposanter sein. Füller-Ständer aus Ahorn, Rosenholz und schwarz Leder. Damit konnte man seinen Kaiser Wilhelm unter wichtige Dokumente setzen. Als Kind wollte ich auch so einen Füller-Ständer haben, aber ich war wohl nicht wichtig genug.

Interessant war, dass damals noch in Büros geraucht wurde. Auf zahlreichen Bilder sind imposante Aschenbecher zu sehen. Ich erinnere mich noch an mein Volontariat, als Rauchen in Redaktionsstuben noch üblich war: Die Sportredaktion rauchte Zigaretten in Kette, der Feuilletonchef paffte Pfeife und ich als Nichtraucher mitten drin. Protest gegen den blauen Dunst in den Siebziger eher unüblich.

Also klarer Tipp für Fotofreunde ist das Buch Executive Order: Images of 1970s Corporate America