Archive for the ‘Medien’ Category

Online-Shopping beherrscht meinen Weihnachtseinkauf

12. Dezember 2017
Ich kaufe meine Weihnachtsgeschenke oft im Internet.

Ich kaufe meine Weihnachtsgeschenke oft im Internet.

Es kommt mir vor, dass die Diskussion um die Ladenöffnungszeiten am Heiligen Abend ein Sturm im Wasserglas ist. Meine Meinung: Am Heiligen Abend sollen die Menschen im Einzelhandel bei ihren Familien sein. Also lasst die Läden zu.
Die wirkliche Herausforderung ist nicht, ob der Laden offen oder geschlossen hat. Die wirkliche Herausforderung ist doch, gibt es den Laden künftig überhaupt noch. Der Einkauf über das Internet schreitet mit großen Schritten voran: Die Schlacht Amazon gegen Rewe wird gerade ausgefochten.
Die aktuellen Zahlen zu Weihnachten sprechen eine deutliche Sprache: Deutsche Konsumenten investieren 2017 durchschnittlich 565 Euro in Weihnachtsgeschenke – dies sind rund 20 Prozent mehr als im vergangenen Jahr (2016: 471 Euro). Im direkten Ländervergleich liegen die Deutschen damit weit hinter Großbritannien (1.963 britische Pfund, umgerechnet nach aktuellem Wechselkurs: 2.214 Euro), aber erstmals vor Europas Xmas-Sparfüchsen aus Frankreich (498 Euro). Dies ist das Ergebnis der aktuellen „Adobe Digital Insights (ADI) Holiday Retail Survey 2017”, für die weltweit mehr als 5.000 Konsumenten befragt wurden (davon über 1.000 in Deutschland).

Mehr als jeder Zweite kauft seine Weihnachtsgeschenke im Internet
Internet-Handel boomt weiterhin und steigt. Bereits bis Ende November wollte demnach jeder fünfte Deutsche (18 Prozent) alle Weihnachtsgeschenke beisammenhaben. Ich gehöre nicht dazu. Meine Deadline ist eine Woche vor Weihnachten. Die große Mehrheit (30 Prozent) startete in der zweiten November-Hälfte mit der Geschenkejagd. Nur 15 Prozent zählen sich zu den Last Minute-Shoppern, die ihren Weihnachtseinkauf auf den letzten Drücker erledigen (Frankreich und Großbritannien: 21 Prozent). Geshoppt wird dabei bevorzugt online: Mehr als jeder zweite Deutsche (51 Prozent) nimmt sich in diesem Jahr vor, sämtliche Weihnachtsgeschenke im Internet einzukaufen (F: 46 Prozent, GB: 53 Prozent). Knapp drei Viertel (74 Prozent) nutzen beim Weihnachtsshopping ihr Smartphone (F: 70 Prozent, GB: 71 Prozent). 42 Prozent verfügen bereits über entsprechende Apps ihrer Lieblingshändler (F: 41 Prozent, GB: 53 Prozent). Ich habe vier Fünftel meiner Weihnachtsgeschenke online eingekauft. Grund: Ich hasse den Stress in den Läden und es reicht mir, wenn ich Lebensmittel für die Feiertage im klassischen Einzelhandel einkaufe.
„Das deutsche E-Weihnachtsgeschäft 2017 bricht erneut alle bisherigen Umsatz-Rekorde! Insbesondere Online-Händler, die ihren Kunden begeisternde Shopping-Erlebnisse bieten, werden überproportional daran partizipieren. Denn die Qualität der gebotenen Customer Experience macht im Xmas-Shopping einmal mehr den Unterschied“, so Axel Schäfer, Senior Manager, Product & Industry Marketing EMEA bei Adobe. „Die Einzelhändler benötigen jetzt die passenden Strategien und Technologien, um ihren Kunden im Weihnachtsgeschäft relevante mobile Erlebnisse zu bieten. Profitieren werden davon am Ende beide Seiten. Und das nicht nur zu Weihnachten: Ihre erfolgreiche Ausrichtung aufs Experience Business sollten Unternehmen auch danach noch als Best Practice und wichtigen Erfolgstreiber fürs komplette Jahresgeschäft nutzen!“

Weihnachtsausgaben 2017. Foto: Adobe

Weihnachtsausgaben 2017. Foto: Adobe

Social Media und Chatbots spielen bei der Geschenkesuche keine Rolle
Ein guter Preis ist für 61 Prozent der Deutschen die Hauptmotivation, Präsente online zu bestellen. Aber auch die große Produktvielfalt der Online-Anbieter (60 Prozent) sowie der stressfreie Einkauf ohne Gedrängel und überfüllte Straßen (55 Prozent) überzeugen. Ein wenig überraschend: Nur jeder fünfte deutsche Shopper (19 Prozent) nutzt soziale Medien wie Facebook, Twitter & Co., um sich beim Geschenkekauf inspirieren zu lassen (61 Prozent), die Produktbewertungen anderer Nutzer zu checken (43 Prozent) oder auch, um in den Profilen ihrer Freunde und Familienmitglieder nach möglichen Weihnachtswünschen zu recherchieren (39 Prozent). Ich habe allerdings zwei Geschenkideen durch gesponserte Anzeigen bei Facebook entdeckt. Die Filterblase wirkt bei mir. Neue Technologien wie Chatbots werden bei der Geschenkesuche ebenfalls von nur acht Prozent der Deutschen als nützlich angesehen. Ich glaube allerdings, dass die meisten Deutschen Chatbots überhaupt nicht erkennen.

Praktische Geschenke stehen auf der Geschenkeliste ganz weit oben
Rund die Hälfte aller Deutschen (45 Prozent) hat zwar schon eine vage Idee, welche Geschenke die richtigen sein könnten. Wirklich festgelegt haben sie sich aber noch nicht. Auf dem Weg zur perfekten Weihnachtsüberraschung setzt jeder Vierte (24 Prozent) auf eine konkrete Geschenkeliste und Termine, bis wann die Einkäufe erledigt sein sollten. Knapp ein Drittel (31 Prozent) verfügt über keine Shopping-Strategie und kauft Geschenke ganz spontan, wenn sie etwas Passendes sehen. Insgesamt wollen die Deutschen am ehesten Geschenke kaufen, die einen praktischen Nutzen versprechen (72 Prozent). Aber auch Bücher, Musik oder Filme (20 Prozent) sowie Produkte für die Gesundheit und Körperpflege (9 Prozent) liegen bei der diesjährigen Bescherung hoch im Kurs. Deutsche Männer würden sich 2017 am meisten über Computer und Elektronikartikel (29 Prozent, Frauen: 10 Prozent) freuen. Die deutschen Frauen wünschen sich hingegen Kleidung und modische Accessoires (27 Prozent, Männer: 16 Prozent). Ich verrate nicht, was ich zu Weihnachten schenke, weil meine Frau und der Rest der Familie diesen Blog verfolgen.

Bei Amazon einkaufen und einer Hilfsorganisation wie der Togihilfe etwas Gutes tun.

Bei Amazon einkaufen und einer Hilfsorganisation wie der Togihilfe etwas Gutes tun.

Togohilfe unterstützen über Amazon Smile
Natürlich bestelle ich meine Geschenke bei Amazon. Wenn nicht Amazon Logistics die letzte Meile beliefert, ist mein Einkaufserlebnis in der Regel prima. Und wenn ich über Amazon einkaufe, dann gehe ich über die Plattform Amazon Smile. Amazon Smile ist eine einfache Möglichkeit, soziale Organisation meiner Wahl bei jedem Einkauf zu unterstützen, ohne dass dafür Kosten anfallen. Als Kunde erfahre ich auf der Website das identische Shopping-Erlebnis, das ich von http://www.amazon.de kenne. Die Adresse lautet http://www.smile.amazon.de Der Charme bei diesem Shopping im Internet: Amazon 0,5% gibt der Einkaufssumme an eine vom Kunden gewählte soziale Organisation weiter. Als Kunde kann ich unter Tausenden von Organisationen wählen. Wer meinen Blog kennt, der weiß, dass ich die Aktion PiT Togohilfe unterstütze. Auch diese Togohilfe ist bei Amazon Smile registriert und ich bitte meine Leser bei der eine Bestellung über Amazon Smile die Aktion PiT Togohilfe auszuwählen.

Filmtipp: The Secret Man

7. November 2017

Kennen Sie Howard Hughes? Oder vielleicht Charles Colson oder die Herren Gordon Liddy und E. Howard Hunt? Oder wie wäre es mit John Dean, John N. Mitchell, Bob Haldeman und John Ehrlichman? Wahrscheinlich kennen die wenigsten Leser meines Blogs heute diese Namen. Wären wir in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, dann würden wir diesen Personen unsere volle Aufmerksamkeit widmen. Diese Personen gehören zum Watergate-Komplex. Der Skandal um US-Präsident Richard Nixon, der ihm das Amt kostete. Nixon wurde durch zwei Reporter der Washington Post (die heute zu Amazon gehört) publizistisch massiv angeschossen und dankte 1974 ab. Die Infos über Richard Nixon an die beiden jungen Reporter lieferte eine geheimnisvolle Quelle namens Deep Throat (ja, nach dem gleichnamigen Porno-Klassiker benannt). Und dahinter verbarg sich niemand anderes als der stellvertretende FBI-Direktor Mark Felt.
Und da wären wir endlich bei dem aktuellen Film „The Secret Man“. Ich habe diesen Film in einem extra für mich eingerichteten Pressescreening sehen können und bin schwer beeindruckt. Es ist ein lohenswerter Politthriller nach meinem Geschmack geworden. Das Thema Watergate fasziniert mich seit meinen frühen Tagen als Reporter. Heute würde man sagen, Mark Felt sei ein Whistleblower gewesen, andere würden ihn als Verräter bezeichnen, wiederum andere, wie seine Familie, als American Hero.

Der Film zeigt eindringlich die Zerrissenheit des stets loyalen und patriotischen Mark Felt. War es Rache, weil er nicht Nachfolger von FBI-Chef Edgar G. Hoover geworden ist, war er vom Politikstil Nixons schockiert? Immer wieder schwenkt das Pendel und der Zuschauer erlebt die Hexenjagd der Nixon-Ära mit. Nixon selbst taucht in dem Film nur in Original-TV-Aufnahmen auf und bleibt auf Distanz. Aber er ist ganz nah, seine Männer stellen die US-Verwaltung auf den Kopf, um die undichte Quelle, den Verräter, zu finden.

Starkes Set bei The Secret Man.

Starkes Set bei The Secret Man.

Das ist kein Film, in dem die Watergate-Reporter als Helden gezeigt werden. Ich muss aber zu geben, dass ich den Moment herbeigesehnt habe, als Mark Felt endlich den jungen Bob Woodward in der Tiefgarage trifft. Endlich sehen wir die andere Seite der Medaille und natürlich schießt mir sofort der Alan Pakula-Film „Die Unbestechlichen“ (All the Presidents Men) von 1978 in den Kopf. Diesen Film habe ich gefühlte 1000 Mal gesehen. „The Secret Man“ werde ich mir ebenso oft ansehen, wenn er auf Bluray nächstes Jahr veröffentlicht wird.
Medial läuft bei mir während der Betrachtung des spannenden Films viel im Kopf ab. Mir fallen die zahlreichen Bücher über Watergate ein, ich habe das Buch Der Informant: Deep Throat – Die geheime Quelle der Watergate-Enthüller aus dem Archiv geholt und wieder gelesen und vor allem „all the President’s men“, der Klassiker des modernen investigativen Journalismus. Mir fallen die wichtigen Filme zum Thema ein, wie eben Die Unbestechlichen oder den auch geniale Frost vs Nixon. Und in diese Reihe gesellt sich jetzt „The Secret Man“ dazu, um das Trio komplett zu machen. Vielleicht mache ich mal ein Filmseminar zu diesem Film-Trio, die Watergate aus ihrer eigenen Sichtweise zeigen: Reporter – Präsident – und nun der Whistleblower.
Aber wenn ich über „The Secret Man“ als spannenden Politthriller schreibe, dann meine ich keinen schnöden Actionstreifen, sondern einen sorgsam durchkomponierten Film nach wahren Begebenheiten. Es geht um nichts mehr als die Unabhängigkeit des FBI von der Regierung. Im Grunde ist dieser Film eine  Allegorie auf moderne Zeiten von Donald Trump. Zumindest war Nixon nicht dumm, aber er war geprägt durch seine Zeit und seinen Machthunger. Oliver Stone hat es in seinem Nixon von 1995 sehr schön dargestellt. Und da taucht Mark Felt als Antiheld auf; Korrekt, loyal (nun nicht immer), ein Familienmensch auf der Suche nach seiner Tochter. Der Demokrat Felt ist anders als der Republikaner Nixon und anders als das Duo Woodward/Bernstein und genau das macht den Reiz dieses Films aus. Felt ist Teamplayer und berechnend.
Mark Felt wird genial dargestellt von Liam Neeson. Zunächst dachte ich in den ersten Minuten des Film, was für ein Technokrat, was für ein Langweiler. Findet man in das Tempo des Films, dann wird die Person immer faszinierender. Regisseur Peter Landesman kann inszenieren und er inszeniert Mark Felt wohl so, wie er wirklich war. Felt ist in kein Langweiler, er hat Macht – absolute Macht. Wenn er leise spricht, wird er gehört. Seine Reaktionen werden wahrgenommen und was er sagt, das gilt. Die Darstellung von Liam Neeson ist hervorragend.

Der entscheidende Anruf.

Der entscheidende Anruf.

Vielleicht gelingt es Peter Landesman es so gut die Geschichte zu erzählen, weil Landsman nicht nur ein visueller sondern auch ein Geschichtenerzähler ist. Landsman arbeitet auch Journalist des New York Magazines und des Harper’s Magazines. Ich mag Landsman seit seinem Politikfilm Parkland von 2013. Der Film zeigt Geschichten um das Attentat auf John F. Kennedy.
Aber zurück zu „The Secret Man“. Der Soundtrack stammt von Daniel Pemberton. Ich stieß das erste Mal bewusst auf diesen Namen als Pemberton den Score für den The Awakening (2011) komponierte und dann wieder 2015 als er die Musik für den Film Steve Jobs schrieb. Bei The Secret Man hat Daniel Pemberton wiederum ganze Arbeit geleistet und sein Score trägt den ganzen Film. Leider hab ich den Soundtrack bisher noch nicht auf CD gefunden, sondern nur als Stream.
Eigentlich weiß ich, warum mir die Machart von The Secret Man so gefällt: Ja, es ist das Thema – ja, es sind die Darsteller und die Musik, aber eigentlich ist es der Produzent Ridley Scott. Er ist für mich der Altmeister und sein Werk steht außer Frage. Seit Jahren ist Scott auch als Produzent tätig und hier erfolgreich.
Also mein Fazit: Nimmt euch zwei Stunden Zeit und schaut euch The Secret Man in Ruhe an. Lasst euch nicht verwirren, auch wenn ihr die Namen Howard Hughes, Charles Colson, Gordon Liddy, E. Howard Hunt, John Dean, John N. Mitchell, Bob Haldeman und John Ehrlichman nicht kennt. Lasst euch darauf ein und zieht Parallelen zu heute. Mal sehen, wann der nächste Whistleblower von Format auftaucht.

Der Roboterhund Aibo kommt wieder und die Digitalisierung schreitet voran

2. November 2017
Ich mag meine beiden Roboterhunde Aibo von Sony.

Ich mag meine beiden Roboterhunde Aibo von Sony.

Ich habe ein sehr seltsames Hobby. Ich sammle Roboterspielzeug und einem ausgewählten Kreis von Besuchern zeige ich meine Schätze gerne. Ich gebe sogar ein- bis zweimal im Jahr Vorträge zum Thema Roboterspielzeug. Und als Sammler bekam ich gestern feuchte Augen: Sony will die Aibos wieder aufleben lassen. Hurra, die Aibos kommen wieder.
Aibos sind intelligente Roboterhunde, die Sony von 1999 bis 2006 im Programm hatte. Dann geriet Sony in die finanzielle Schieflage und stellte die Produktion der Aibos ein. Zurück blieb eine treue Fangemeinde mit ihren Roboterhunden. Darunter befinde ich mich auch. Ich besitze zwei voll funktionstüchtige Aibos der Generation Aibo ERS-210 in Silber und Gold. Alle Gelenke funktionieren einwandfrei, nur die Akkus meiner Hunde machen relativ schnell schlapp. Die Originalverpackungen und das Spielzeug sowie Software sind vorhanden.

Wuff Wuff - die Aibos zu Hause in Gold und Silber.

Wuff Wuff – die Aibos zu Hause in Gold und Silber.

Aibos kommen ab 2018
Warum jetzt meine Aufregung? Sony hat gestern mitgeteilt, dass man die Produktion der Aibos wieder aufnehmen will. Die Hunde sollen ab Januar 2018 verkauft werden. Das freut das Sammlerherz. Es ziehen aber auch dunkle Wolken auf. Sony will die Aibos nur in Japan verkaufen und verknüpft sie mit einem relativ kostspieligen Abo-Dienst. Der neue Aibo soll umgerechnet 1500 Euro kosten – nun ein Schnäppchen, wenn ich mir die Preise für alten Aibos ansehe. Die gehen locker bis 4000 Euro und mehr. Ärgerlich ist für mich der geplante Abo-Dienst, damit das Hündchen lernen kann. Dafür werden noch einmal umgerechnet 22 Euro im Monat fällig. Ein Servicevertrag kostet nochmals gut 150 Euro pro Jahr, um ggf. die Gelenke auszutauschen. Das Spielzeug bei meinen Aibos war ein rosa Plastikball. Nun soll es ein Plastikknochen für 22 Euro sein.

Sony will 2018 den neuen Aibo verkaufen. Foto: Sony

Sony will 2018 den neuen Aibo verkaufen. Foto: Sony

Der Akku meiner Aibos halten rund 30 Minuten durch, dann machen meine Hunde schlapp. Die neuen Aibos sollen zwei Stunden durchhalten und müssen dann wieder drei Stunden Strom tanken.
Während frühere Aibos dank Steckkarten lernen konnten, sitzt jetzt die Künstliche Intelligenz im Hundehirn. Die Entwicklung bei KI ist enorm und bin ich gespannt, was der Aibo leisten kann.
Das Design des Hundes ist knuffiger geworden. Der 2,2 Kilogramm schwere Hund entspricht vom Aussehen jetzt eher einem echten Hund anstatt einem Robo-Hund wie damals. Das Kindchenschema wirkt sofort bei mir, als ich die ersten Bilder aus Japan sah. Die OLED-Augen sind nun rund und auch die Schnauze sieht putzig aus. Hinter den Augen sind zwei Kamera, die auf Wunsch Bilder schießen. Der ganze Körper, Schwanz, Ohren und Pfoten, sieht heute eher nach Hund aus. Und natürlich reagiert der neue Aibo auf Audiokommandos, denn die KI ist lernfähig, schließlich hat der Aibo auch LTE an Bord. Nochmal: Der Aibo lernt.

Roboter sorgen für Digitalisierung
Ob der neue Aibo nach Europa kommt, steht noch nicht fest. Aber ich sehe in der Aktion einen Test für Roboter im Haushalt. Ich bin davon überzeugt, dass Roboter und KI stärker durch die Digitalisierung in unsere Wohnungen kommen. Der Aibo ist dabei selbstverständlich ein Spielzeug und nur der Anfang. Japan scheint mir bei seiner Technikbegeisterung das richtige Land dafür zu sein. Ich höre jetzt schon wieder die Kritiker: Früher haben wir mit echten Hunden gespielt. Blabla, Blubblub.
In meinen Vorträgen diskutiere ich die Frage nach Pflegerobotern immer wieder. Ich habe mal gesehen, dass Robo-Robben in der Pflege von Demenzkranken eingesetzt werden. Selbstfahrernde Systeme unterstützen Altenpfeger bei der Versorgung von Senioren mit Trinkwasser. Die Post lässt einen Roboterboten hinter dem Postboten hinterher spazieren. Das Militär experimentiert mit der ehemaligen Google-Firma Boston Dynamics schon lange mit Roboters als Kriegs- und Unterstützungsgerät. Leute, es passiert etwas und die Zukunft wird spannend.

Retro-Gamer: Spiel und Spaß beim SNES

1. November 2017
Das SNES im heimischen Betrieb - nebenan andere Nintendo-Konsolen.

Das SNES im heimischen Betrieb – nebenan andere Nintendo-Konsolen.

Irgendwann in seinem Leben hat man Glück. Bei mir war es neulich der Fall, als ich am Erstveröffentlichungstag das SNES Mini Classic in den Händen hielt. Es geschehen noch Wunder.
Ich hatte die Retro-Konsole von Nintendo am ersten Tag bei Amazon gelistet gesehen und auf den Button Vorbestellen geklickt. Hurra, hurra und es hat geklappt. Ich war dabei und hielt im September mein SNES nun in den Händen. Inzwischen ist über einen Monat vergangen und das System macht noch immer Spaß.
Das Nintendo Classic Mini: Super Nintendo Entertainment System ist eine Replika der Nintendo Konsole von 1991/92. Und Nintendo machte den gleichen Fehler wie bei der Veröffentlichung des NES, sie produzierten einfach viel zu wenige Geräte. Hallo Nintendo, ihr seid nicht Apple, die durch Verknappung zum Kult wurden. Ihr seid ein Spielkonsolenhersteller, der einfach einen Markt verpennt. Aber was soll’s – ich hab ja mein SNES, was rege ich mich auf?

Also ausgepackt und über den HDMI-Port an die große Glotze angeschlossen. Dieses Mal hat Nintendo etwas längere Kabel für die beiden Controller mitgeliefert. Siehe da, das Unternehmen ist lernfähig. Weggelassen hat man das USB-Ladegerät, was mir nichts ausmacht, denn die Konsole hängt an einem USB-Hub bei dem auch das NES angeschlossen ist. Das hatte Nintendo auch schon so beim Vorgänger praktiziert.
Es sind dieses Mal 20 Spieleklassiker vorinstalliert. Und – das war einer der Gründe, weshalb ich das SNES haben musste: Es gibt eine bis dato unveröffentlichte Version von StarFox 2.

Die Spiele sind Contra III: The Alien Wars (wir kennen es noch als Super Probotector: Alien Rebels), Donkey Kong Country, EarthBound, Final Fantasy III, F-Zero, Kirby Super Star, Kirby’s Dream Course, The Legend of Zelda: A Link to the Past, Mega Man X, Secret of Mana, Star Fox, Street Fighter II′ Turbo: Hyper Fighting, Super Castlevania IV, Super Ghouls ’n Ghosts, Super Mario Kart, Super Mario RPG: Legend of the Seven Stars, Super Mario World, Super Mario World 2 Yoshi’s Island, Super Metroid und Super Punch-Out!!.

K1 und ich mussten als erstes natürlich Star Fox 2 spielen. Um das bisher unveröffentlichte Spiel zocken zu können, mussten wir die ersten Level von Star Fox 1 über uns ergehen lassen. Pixelwelle um Pixelwelle wurde niedergekämpft, um dann endlich Star Fox 2 spielen zu können. Nintendo war gut beraten, das Spiel damals nicht zu veröffentlichen. Gegen die Mitbewerber hätte es keine Chance gehabt. Heute macht es dagegen Spaß und sorgte bei unserer Familie für kurzweilige Unterhaltung. Nur bei so manchen Spielen war die Bildschirmauflösung eine regelrechte Zumutung am HD-Fernseher – am Schlimmsten war Donkey Kong Country, eine reine Pixelwüste.

 

Ich will spielen und nicht basteln 
Wer damals die Spiele mochte, wird sie auch heute mögen. Als Retrogamer erfreue ich mich und höre gleich schon wieder Kritik von wegen überteuertes Teil, das man über andere Emulatoren viel billiger mit ein bisschen basteln selbst machen kann. Wisst ich was? Es interessiert mich nicht, ob ihr mit Lötkolben und Schraubenzieher eure Konsole selbst klöppelt. Ich habe daran kein Interesse. Ich will spielen und nicht basteln. Wenn ich basteln will, nehme ich die Mindstorms von Lego und bin glücklich.
Ich habe auch gelesen, dass Atari auch wieder in den Markt einsteigt. Allerdings setzt man wohl nicht auf Retro. Im kommenden Jahr soll eine neue Atari-Konsole erscheinen mit Ausrichtung auf neuen Indie-Games. Mal sehen, was daran der Wahrheit entspricht. Und dann soll noch ein C64 veröffentlicht werden, als wirkliche Retro-Konsole. Nun, das Original steht bei mir noch im Keller. Mal sehen, ob ich bei der Neuauflage zuschlagen werde – langsam werden die HDMI-Ports knapp.
Aber heute widme ich mich wieder dem SNES und hab meinen Spaß daran.

Digitalisierung und Medienkompetenz hängen zusammen

25. Oktober 2017

Vor kurzem habe ich über die Angst vor der Digitalisierung gebloggt und jetzt ist es mir wieder passiert: Fehlende Medienkompetenz gemischt mit Angst vor Digitalisierung.
Was ist passiert? Ich führte ein Schülerzeitungsseminar durch und wir erstellten eine Seminarzeitung zum Thema Social Media. Meine Schülerinnen und Schüler machten unter anderem eine Umfrage unter anderen Gästen des Bildungszentrums. Auf die Frage: „Was ist Ihre Meinung zu sozialen Netzwerken?“ wurden auch zwei Erwachsene befragt, deren Angst vor Social Media anzumerken war und aufgrund fehlendes Wissens in die WhatsApp-Falle liefen. „Ich lehne Facebook ab. Soziale Medien behindern die Privatsphäre und sie sind sehr gefährlich für die Jugend“, meine eine erwachsene Interview-Partnerin. Alles klar, mit dieser Meinung kann ich leben. Dann kommt aber am Ende des Interviews: „WhatsApp als Möglichkeit für schnelle Kommunikation dagegen empfinde ich als nützlich.“
Wie bitte? Facebook ablehnen und die Datenkrake WhatsApp als nützlich empfinden? Ein Netzwerk, dass die privatesten Daten – das Adressbuch ausliest, auf US-Server überspielt und für Big Data verwendet – als „nützlich“ zu empfinden, zeugt von fehlender Medienkompetenz. Bitte versteht mich richtig. Ich habe nichts gegen die Dame, aber ich habe etwas gegen die fehlende Medienkompetenz.
Auf der gedruckten Seite der Seminarzeitung kam auch noch ein kritischer Herr zu Wort: „Das ständige zur Schaustellen des eigenen Lebens finde ich gar nicht gut.“ Klare Aussage, die ich unterschreiben kann. Aber dann: „Als Vorteile sehe ich aber, dass man per WhatsApp schnell und großflächig Nachrichten verbreiten kann. Wir haben zum Beispiel eine Familiengruppe, die oft sehr nützlich ist.“ Auch hier wieder das Thema WhatsApp und damit fehlende Medienkompetenz.
Und hier bin ich wieder bei meinem Thema Digitalisierung. Nicht alles was digital daherkommt ist automatisch gut. Digitalisierung kann die Welt voranbringen, aber nur wenn sie mit Medienkompetenz verbunden ist. Für mich ist diese Medienkompetenz eines der Schlüsselqualifikationen des 21. Jahrhunderts. Dabei meine ich nicht die Fähigkeit des Wissens, welches Knöpfchen für was nützlich ist. Ich meine die Fähigkeit zu wissen, was und warum etwas so passiert. Die Wirtschaft im 21. Jahrhundert besteht schließlich auch aus Daten.

Computerspiele als Kulturgut #KultBlick

11. Oktober 2017
Pac Man auf so einem Joystick - da bekommt das Wort eine interessante Bedeutung.

Pac Man auf so einem Joystick – da bekommt das Wort eine interessante Bedeutung.

Als Retro-Fan liebe ich alte Rechner und alte Spielkonsolen. Alte Technik ist Kulturgeschichte und daher freue ich mich, bei der Blogparade des Archäologischen Museum Hamburg #KultBlick mitzumachen. Bei einem Besuch in Berlin habe ich mich auf eine Zeitreise begeben und das Computerspielemuseum besucht.

„Die Geschichte der Computerspiele wird hier lebendig“, hieß es in einem Flyer des Museums, das fünf Minuten vom Alexanderplatz entfernt liegt. 2017 hat das Museum den Sonderpreis der Jury des Deutschen Computerspielpreises erhalten, was mich noch mehr neugierig machte. Ziel des Deutschen Computerspielpreises ist die Förderung des Wirtschaftsstandorts Deutschland im Bereich der Entwicklung digitaler Spiele und interaktiver Unterhaltungssoftware. Naja, ob ein Museum den Wirtschaftsstandort fördert, müssen andere entscheiden. Ich war einfach interessiert daran und wollte meine Pixelhelden aus den alten Zeiten treffen. Hier der Rundgang als 360 Grad Video.

Ein Museum für Computerspiele – wie geil ist das denn?
Das Computerspielemuseum Berlin wurde im Jahr 1997 gegründet. In den Jahren von 1997 bis 2000 besaß es eine dauerhafte Ausstellung in Berlin. Danach trat es nur noch online auf. Seit dem 21. Januar 2011 ist das Museum mit einer neuen Ausstellung im ehemaligen Café Warschau in der Karl-Marx-Allee präsent. Ich war über den repräsentativen Bau erstaunt und begeistert. Voller Vorfreude betrat ich die Räume. Die Sammlung des Computerspielemuseums ist Eigentum des Fördervereins für Jugend und Sozialarbeit e.V., das neue Museum selbst wird von der Gameshouse GmbH betrieben.

Ich streifte durch die Ausstellung mit den zahlreichen Geräte hinter Glas. Als erstes stieß ich auf meine alten Gefährten: Commodore C64, Atari 2600, GameBoy oder Mac Classic. Auch ein Apple II mit Original Woz-Unterschrift war da. Zu jedem der Geräte könnte ich meine Geschichte erzählen, meine persönlichen Erinnerungen an das frühe Siliconzeitalter, als ich ein Fan der 8-Bit-Spiele war. Ich habe früher schon mal über meine Liebe zu den 8-Bit-Spielen geschrieben. Es ist enorm wichtig gewesen, dass ich mich für Computerspiele interessiert habe. Hier öffnete sich das Zeitalter der Digitalisierung. Als Teenager bekam ich von meinen Eltern meinen ersten HomeComputer geschenkt, es war ein Sinclair ZX 81. Ich schielte allerdings schon auf einen C64, weil meine Kumpels den Brotkasten auch hatten und ich mehr anstellen konnte als mit den ZX 81. Vor allem konnte ich Spiele zocken. In einem Einkaufszentrum entdeckten meine Eltern den C64, der zum Weihnachtsgeschäft 1985 reduziert wurde. Meine Eltern riefen mich über einen Fernsprecher zu Hause an und ich gab meine Weihnachtsbestellung auf. Aus Kostengründen bekam ich kein Diskettenlaufwerk, sondern eine Datasette.

Indizierte Kunst: River Raid
Spiele zockte ich auch auf dem Atari 2600 weiterhin – und im Computerspielemuseum stieß ich auf das schreckliche ET – der Außerirdische. Schlechtes, schlechtes Spiel, dessen Spielprinzip ich damals und heute nicht verstanden habe. Und ich entdeckte River Raid, das mir als Kind ziemlich Ärger einbrachte. Es ist Activision-Spiel, das 1984 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert wurde. Ich kaufte das Spiel normal im Handel (ohne 18 Jahre zu sein) und spielte es zu Hause. Mein Papa bekam mit, dass das Spiel als jugendgefährdend eingestuft war und stellte mich zur Rede. Am Ende zockten wir beide das Spiel vor dem heimischen Grundig-Fernseher und hatten unseren Spaß, mein Papa und ich. Im Computerspielemuseum hing die Begründung für die Indizierung aus. „Das Videospiel River Raid ist kriegsverherrlichend und -verharmlosend. Wie der Antragsteller zurecht hervorhebt, soll sich der Spieler in die Rolle eines kompromisslosen Kämpfers und Vernichters hineindenken. Das geht klar aus der Spielanleitung hervor. Scharfschützenqualitäten sind im Spiel gefordert. Der Abschuss eines gegnerischen Tankers, Hubschraubers, Treibstofflagers oder Jets bringen bis zu 100 Punkte, die Vernichtung einer gegnerischen Brücke 500. Die Anwendung kriegerischer Gewalt wird belohnt. Wer die meisten Ziele zerstört hat, bekommt die meisten Punkte.“ Selten so gelacht. Noch heute habe ich eine Originalverpackte Version von River Raid zu Hause und werde sie feierlich irgendwann entdecken.

River Raid - ein Hammerspiel

River Raid – ein Hammerspiel

Die Ausstellung im Computerspielemuseum ist interaktiv gestaltet – vom ersten Röhrenungetüm bis zur jüngsten Hightech-Konsole. Eindruck machte auf mich auch eine Spielhölle. Verschiedene Arcademaschinen standen herum und luden zum Zocken ein. Ich spielte mal wieder Frogger – oh Mann, was habe ich Frogger geliebt und viel Geld versenkt. Und dann war auch Asteroid. Schwarzweiß mit dröhnenderen Bass fasziniert mich das Spiel noch heute. Und ich habe noch immer Schwierigkeiten mit der Steuerung und rase mit Beschleunigung in einen Felsbrocken hinein. Game over.

Kommunikation mit dem Computer durch Joseph Weizenbaum
Als Jugendlicher beachtete ich Joseph Weizenbaum nicht und als heutiger Referent für IT-Themen war ich begeistert, in dem Berliner Museum auf Eliza von 1966 zu treffen. Eliza war Teil von Joseph Weizenbaums Forschung im Bereich Mensch-Maschine-Kommunikation. Seine Idee, den Computer ein Gespräch simulieren zu lassen, sorgte damals international für Aufsehend markiert einen wichtigen Wendepunkt im Verhältnis zu Computern. Heute sind Social Bots überall anzutreffen – Weizenbaum sah es 1966 mit Eliza voraus.

Eliza von Joseph Weizenbaum

Eliza von Joseph Weizenbaum

Künstler Chris Hülsbeck
Und dann immer wieder die Frage: Sind Spieleentwickler auch Künstler? Ohne Zweifel ja: Sie sind Künstler. So gibt es eine Ecke in Berlin in der Score für Computerspiele darstellt werden. Chris Hülsbeck mit seinem 1991 komponierten Turrican Soundtrack. Noch heute lebt Chris Hülsbeck von diesem Ruhm und ich werde ihn bald wieder treffen. Seine Turrican Anthology, eine komplette Neueinspielung, ist heute wegweisend. Turrican II war nicht nur ein zu seiner Zeit sehr erfolgreiches Spiel aus Deutschland, sondern auch eines der ersten, dessen Soundtrack schnell Kultstatus erreichte. Es ist Kultur pur. Entwickelt und komponiert hat ihn Chris Hülsbeck, der zusammen mit Jochen Hippel die sogenannte 7-Voice-Routine programmierte. So konnte der eigentlich nur vierstimmige Amiga-Computer siebenstimmig betrieben werden. Auch dem ursprünglichen nur dreistimmigen C64 entlockte Hülsbeck fünf Stimmen.

Digitalisierung – der Angst entgegenwirken

10. Oktober 2017

Wir müssen den Menschen die Angst vor der Digitalisierung nehmen. Immer wieder gebe ich Seminare rund um Big Data, IT-Sicherheit, Social Media oder Künstliche Intelligenz und ich stelle fest, viele Menschen haben Angst vor Veränderung. Angst ist aber immer ein schlechter Ratgeber. Daher ist Information angesagt. Nur Wissen und Information kann den Menschen die Angst nehmen und treibt sie nicht in die Arme von seltsamen Heilsversprechern. Natürlich gilt es die Digitalisierung zu hinterfragen und zu diskutieren. Aber dies kann man nur durch Information.
Mir begegnen als Referent immer wieder Menschen, die irre stolz sind, wenn sie ihren Mailaccount beim Smartphone einrichten können. Für diese Menschen ist dies bereits ein großer Schritt in Richtung Digitalisierung. Da sind manche meiner Vorträge nahezu Science Fiction, wenn ich über KI oder Sprachassistenten spreche. Für uns IT-Fuzzis ist dies schon normal. Wir diskutieren die Feinheiten zwischen Siri, Alexa und Google Assistent. Die biometrische Gesichtserkennung beim kommenden iPhone X grenzt für diese Seminarteilnehmer nahezu an ein Wunder und von autonomem Fahren haben die Leute nur am Rande etwas gehört.

Die MS Hololens ist für viele Science Fiction.

Die MS Hololens ist für viele Science Fiction.

Hier greifen meine Vorträge zur Digitalisierung, denn ich will diese Leute mitnehmen in eine spannende technische Zukunft, die kritisch hinterfragt werden muss. Wenn ich im Spiegel lese, dass viele Wirtschaftslenker in Deutschland von Digitalisierung keine Ahnung haben, macht es mir um unser Land und unsere Wirtschaft Angst. Hier setze ich mit meinen Seminaren an – und sehe dies als Beitrag zur Medienkompetenz. Aber dazu braucht es auch aufgeschlossene, interessierte Zuhörer.
Vielen Menschen geht die technische Veränderung zu schnell. Sie fühlen sich überfahren, oft allein gelassen und von den Entwicklungen überfordert. Das darf aber in einem Bildungsland wie Deutschland meiner Meinung nach nicht sein.

Technische Neuerungen setzen sich langsam durch.

Technische Neuerungen setzen sich langsam durch.

Technische Neuerungen hatten früher lange gedauert. Ich erinnere mich als Kind, wie der erste Farbfernseher von Grundig die Schwarzweißröhre abgelöst hat, und dann veränderte sich jahrelang nichts mehr im elterlichen Wohnzimmer. Als der Videorekorder kam, musste ich ihn bedienen, meine Eltern waren überfordert. Von der Wählscheibe zum Tastentelefon war es auch ein langer Weg. Die Einführung von technischen Neuerungen beschleunigte sich und meine Eltern waren neugierig, geschockt und verharrten in ihrer alten, oftmals analogen Welt. Jetzt will ich die Erfahrungen mit meinen Eltern nicht auf die Gesellschaft übertragen und dennoch merke ich bei vielen Leuten eine Angst vor etwas Neuem.

Der Computer war eine Revolution.

Der Computer war eine Revolution.

Und im Vordergrund stehen auch immer Sicherheitsbedenken. Smart Home wird verteufelt, weil in irgendeiner Reportage gesagt wurde, wie leicht man ausspioniert werden kann. Ich will mich nicht über die Bedenken lustig machen, sondern wir müssen die Angst ernst nehmen und die Leute informieren. Nicht Panikmache ist wichtig, sondern Information. Information über die Chancen und Risiken, so dass ich am Ende ein Urteil fällen kann und die Digitalisierung in das Leben einbeziehen kann. Wir stehen erst am Anfang der Digitalisierung. Die digitale Welle ist schon am Horizont zu sehen und die Vogel-Strauß-Taktik ist sicher der falsche Weg.

50. Todestag von Ernesto „Che“ Guevara – Buchtipps

9. Oktober 2017
Che im Amerika Haus Berlin für einen Euro.

Che im Amerika Haus Berlin für einen Euro.

Für die einen ist er ein Freiheitskämpfer gewesen, für die anderen ist er ein Terrorist. Manch einer sah in ihm ein Idol, andere wiederum verteufelten ihn. Eines ist aber ganz gewiss: Che ist ein eine Kulturikone des 20. Jahrhunderts geworden. Heute jährt sich sein 50. Todestag.
In den Studentenbuden der sechziger und siebziger Jahre hing sein Poster an den Wänden. Beim RAF-Terroristen Andreas Baader hing ein Bild in seiner Zelle. Im kommunistischen Kuba hängt sein Abbild an jeder Ecke. Mal sehen, wer den Todestag von Ernesto Rafael Guevara de la Serna, genannt Che Guevara, begeht. Die Gazetten sind voll von Che. Vor kurzem wurde die Landshut zurück nach Deutschland transportiert. Im Deutschlands heißem Herbst trug einer Landshut Entführerin ein T-Shirt von Che – von wegen Freiheitskampf und so.
Ches berühmtestes Foto stammt von Alberto Korda aus dem Jahre 1960. Es wurde beschnitten und ein wenig nachbearbeitet. Das Resultat schlug ein, wie eine Bombe und wurde immer wieder reproduziert. Es gehört sicherlich zu den meist verbreitesten Motiven in der Fotografie, hat aber seinem Fotografen kein Geld eingebracht. Für manche gilt der argentinische Kämpfer als Synonym für Widerstand, Emanzipation und Rebellion. Ich habe neulich im Amerika-Haus Berlin (!) eine Postkarte von Che gesehen. So kommt Kapitalismus und Kommunismus zusammen. Die Postkarte kostete einen Euro.
Ich selbst habe ein paar Porträtbilder von Che aus Kuba mitgenommen. Und eine rote Fahne mit dem Antlitz von Che Guevara hab ich mir in Kuba gekauft und seitdem nicht ausgepackt. So eine große Rolle spielt Che in meinem Leben dann doch nicht. Ich persönlich fand das Porträt von Andy Warhol am besten und werde mir mal einen Druck besorgen.
Irgendwann hatte sich Che bei der Revolution verzettelt. Er gab seinen Job als Minister in Kuba auf und machte wieder ein bisschen Revolution und wollte die Welt befreien. Er wollte den Volksaufstand in Bolivien vorantreiben. In Bolivien wurde er 1967 von bolivianischen Regierungssoldaten gefangengenommen und heute vor 50. Jahren erschossen.
Irgendwie seltsam, dass bolivianische Politiker die Idee hatten, den Todestag von Che zu feiern. Die Militär des lateinamerikanischen Staates schüttelten den Kopf und die Feierlichkeiten für den Terroristen Che wurden abgeblasen. Und die Kommunisten in Kuba stilisierten Che nach seinem Tod zum Märtyrer und Idol. Nach seinem Tod wuchs der Ruhm von Che weiter an. Und das Interesse an diesen Berufsrevolutionär geht bis ins 21. Jahrhundert. Daher ist es kein Wunder, dass zum 50. Todestag das interessante Buch Che Guevara von Matthias Rüb bei Reclam erschienen ist. Matthias Rüb ist Lateinamerika-Korrespondent der FAZ, also einer Zeitung, die traditionell dem linken Gedankengut eher skeptisch gegenüber steht. Er widmet sich in seinem Buch nicht nur dem Revolutionär, sondern auch dem Menschen Ernesto „Che“ Guevara. Reclam stellte mir das Buch für meinen Blog kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung und ich möchte nach der ausführlichen Lektüre es empfehlen.
Rüb ist ein gelernter Journalist, daher lesen sich die 100 Seiten des Büchleins sehr flüssig. Ich hatte schon sein Buch über den Kosovo-Krieg gelesen. Natürlich lässt sich das Leben und Wirken von Che bei Wikipedia auch nachlesen, doch Matthias Rüb Schreibstil ist einfach besser.
Als Jugendlicher schmökerte ich einstmals in Ches Bolivianisches Tagebuch und sah mir 2004 auch den verklärten Kinofilm Die Reise des jungen Che an, in dem Che mit dem Motorrad durch Südamerika bretterte. Matthias Rüb räumt mit diesem verklärendem Mythos schnell auf.
Dann habe ich ein wenig in meinem Archiv gekramt und ein interessantes Fotobuch gefunden. Fidel’s Cubastammt von 1998 und zeigt die Revolution in Bildern. Im Mittelpunkt der Fotografien von Osvaldo und Roberto Salas steht natürlich der Maximunm Leader Fidel, aber auch von Che Guevara sind einige interessante und stimmungsvolle Aufnahmen zu finden. Wer es noch im Antiquariat findet, sollte zuschlagen. Text auf Englisch und Bilder in Schwarzweiß lohnen sich.
Also, Ernesto „Che“ Guevara – Ruhe in Frieden: Dein Ausruf „zwei, drei, viele Vietnams“ zu schaffen hat nicht immer so geklappt und die Parole „Auf immer bis zum Sieg – Hasta la Victoria siempre“ wird immerfort von der politischen Linken gerufen.

Meine Meinung: Twitter geht auf 280 Zeichen und warum ich mich unwohl fühle

28. September 2017

Twitter soll nun statt 140 Zeichen 280 Zeichen bekommen. Ganz Twitter heult auf, denn damit wird sich der Mikroblogging-Dienst in Deutschland verändern.

Ich bin seit 2008 bei Twitter dabei unter @redaktion42.

Ich bin seit 2008 bei Twitter dabei unter @redaktion42.

Bisher konnten Twitterer nur 140 Zeichen für ihre Tweets verwenden, eine alte SMS hatte 160 Zeichen. Die Folge war, dass überall auf der Welt von allen Menschen getwittert wurde. US-Präsident Donald Trump erkannte recht schnell, die Macht des Kurznachrichthendienstes und macht offizielle US-Politik über Twitter. Man kann Trump viel vorwerfen, aber die Macht von sozialen Netzwerken hat er absolut verstanden und er nutzt sie.
Twitter wird von den Menschen akzeptiert auf der Welt, in Deutschland hatte Twitter dagegen ein Problem. Das lag nicht daran, dass die Deutschen das Volk der Dichter und Denker sind, sondern es liegt einfach banal daran, dass unsere deutsche Sprache zu lange Worte umfasst. Donau­dampfschifffahrts­elektrizitäten­hauptbetriebswerk­bauunterbeamten­gesellschaft – und meine 140 Zeichen sind voll. Englisch, Spanisch oder Türkisch hat viel, viel kürzere Wörter.

Die Zahlen sind zwar von 2012 aber an der grundsätzlichen Aussage hat sich nichts geändert.

Die Zahlen sind zwar von 2012 aber an der grundsätzlichen Aussage hat sich nichts geändert.

Die Konsequenz war, dass Twitter in Deutschland ein Nischenthema blieb. Gewittert hat nur eine gewisse Sprachelite (schreckliches Wort). Also Menschen, die mit Sprache umgehen können. Darunter viele Journalisten, Medienfuzzis, Blogger und Politiker. Ich habe mich in diesem Twitter und diesem Umfeld wohlgefühlt. Für mich ist Twitter eine Art Stammtisch, der 24 Stunden 365 Tage geöffnet hat. Für mich ist Twitter mein erstes Nachrichtenmedium, meine Unterhaltung, meine Information, meine Sicht auf die Welt, mein Dialogmedieum. Ohne Twitter hätte ich viele Meinungen nicht kennengelernt, über viele Witze nicht gelacht, viele Lebenseinstellungen nicht reflektieren und auch auf viele Provokationen nicht reagieren können. Aber: Lieschen Müller und Kinder/Jugendliche waren bei Twitter in Deutschland eher nicht so dabei – die konnte ja auf Facebook ausweichen oder gleich die Datenkrake WA nutzen. Mir ist natürlich bewusst, wie pauschal so eine Einteilung ist.
Das könnte sich jetzt ändern. Wenn die 280 Zeichen jetzt für alle bei Twitter kommen, dann wird sich Twitter verändern. Nachdem es bereits für Nachrichten die Begrenzung der Zeichenzahl aufgehoben wurde, geht Twitter jetzt einen Schritt weiter. Das wird Twitter populärer machen. Es hat die Chance von einem Nischenmedium zu einem Marktplatz der Massen in Deutschland aufzusteigen (und vielleicht endlich mal Geld verdienen). Twitter wird sich verändern – und ich weiß nicht, ob es mir gefällt. Ich habe mich doch in meiner Nische ohne Lieschen Müller so wohl gefühlt. Es war doch so schön in meinem Spielplatz und jetzt kommen andere in meine Spielkiste dazu. Will ich das wirklich?

Buchtipp: The Art of Hammer: Posters From the Archive of Hammer Films von Marcus Hearn

17. September 2017

Als Jugendlicher habe ich mein Taschengeld für Filmplakate ausgegeben. Ich war auf Filmsammlermärkten und Kinos unterwegs und habe nach diesem besonderen Marketingmaterialien Ausschau gehalten. Ich sammelte, was mir gefiel: Bond, Horror, Kubrick – ein System in der Sammlung hatte es nicht. Dieses Hobby ist ein wenig eingeschlafen, was auch am Platz liegt. Wohin mit Hunderten Als ich jetzt das Buch The Art of Hammer: Posters From the Archive of Hammer Films von Marcus Hearn erwarb, musste viele meiner alten Schätze wieder ansehen.

Ich mag viele Hammer-Filme. Hammer war ein britisches Produktionsstudio deren Filme meinen Geschmack von Horrorfilmen geprägt haben. Ich kam aus der Tradition des sogenannten gothischen Horrors und liebte Filme mit Bela Lugosi (Dracula) oder Boris Karloff (Frankenstein/Mumie). Diese Schwarzweiß-Filme hatten eine tolle, gruselige Atmosphäre mit Friedhöfen, Schlössern und Laboren. Doch dann kamen in mein nächtliches TV-Programm auf einmal Filme von Hammer, die ebenso von Dracula, Frankenstein und die Mumie handelten, aber eine viel stärkere Wirkung auf mich hatten.

Diese Hammer-Filme waren in Farbe, sie hatten Action und sie boten Sex. Ich geb es ja zu, das alles hat mir gefallen. Auch die wichtigsten Darsteller dieser Hammer-Filme hatten mich fasziniert: Christopher Lee und Peter Cushing, beide leider inzwischen verstorben und der jüngeren Generation als Saruman (Herr der Ringe) und Großmoff Tarkin (Krieg der Sterne) bekannt.
Das Buch The Art of Hammer zeigt eine Auswahl an internationalen Postern aus der Filmwelt von Hammer mit dem Schwerpunkt auf englischen Marketingmaterialien. Es ist eine Bibel für Freunde von Hammer.
Die frühen Hammer-Filme kannte ich nicht. Mein Interesse setzt 1958 mit Blood for Dracula ein. Für mich waren die goldenen Zeiten des Hammer-Films die Sechziger und frühen Siebziger Jahre. Hammer revolutionierte den Horrorfilm und fegte die alten Schinken hinweg. Hollywood hatte keine Antwort auf Hammer, gegebenenfalls die Poe-Verfilmungen von Roger Corman hatten einen ähnlichen Charme wie Hammer. Die Hammer-Filme sprachen durch ihre Aggressivität eine jüngere Zielgruppe an, was durch Filme wie Dracula 1972 AD – Dracula jagt Mini Mädchen (geiler deutscher Titel) deutlich wurde. Im Mode- und Drogenrausch des Swinging London triebt Dracula sein Unwesen. In einer hervorragenden Doku des Kultursenders Arte wurde berichtet, dass Hammer oft als erstes ein reißerisches Plakat mit Titel hatte, sich dann einen Verleih suchte und dann erst den Film drehte. Ein ungewöhnliches Vorgehen, aber scheinbar erfolgreich.

Dann kam der Bruch. Hammer-Filme, die für eine Zeitlang modern waren, sind auf einmal auf dem Abstellgleis gelandet. Neue Formen des Horrorfilms etablierten sich. Hitchcock hatte es Jahre zuvor mit Psycho vorausgesehen. Der irre Schlitzer. Das Grauen kam nicht mehr von Monstern aus fernen Ländern wie Transsilvanien oder von verrückten Wissenschaftler, sondern das Grauen kam vom Nachbarn um die Ecke oder gar vom Teufel selbst. Der vor kurzem verstorbene Tobe Hooper setzte mit Blutgericht in Texas Maßstäbe an Terror und die Branche sowie Publikum richteten sich daran aus. Hammer wirkte auf einmal verstaubt. Zwar ließen die Darstellerinnen mehr und mehr die Hüllen fallen, doch wenn ich Sex und nackte Haut sehen wollte, gab es andere entsprechende Filme. Hammer ging den Bach runter.
Erst in den 2000 Jahren hatten die Hammer-Studios ein Comeback. Ich habe allerdings noch keinen Film gesehen. Die Blu rays liegen noch Originalverpackt hier herum. Die Frau in Schwarz soll ganz gut sein – ich bin gespannt.