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aniMUC 2026: Wo Popkultur, Nostalgie und Begegnung verschmelzen

12. April 2026

Es gibt Orte, an denen die Zeit sich anders anfühlt. Orte, an denen Welten aufeinanderprallen und sich dabei, wider aller Erwartung, nicht abstoßen, sondern umarmen. Das Veranstaltungsforum Fürstenfeld ist so ein Ort — und an einem Wochenende im April wird er jedes Jahr zu etwas, das sich kaum in Worte fassen lässt. Auch ich war wieder einmal mit von der Partie. Zum einen wollte ich in die Welt der Cosplayer eintauchen, zum andere durfte ich wieder einen Vortrag in einem Panel halten. Nachdem ich vergangenes Jahr zu Godzilla sprach, widmete ich mich dieses Jahr dem emotionalen Thema GameBoy.

Vom 10. bis 12. April 2026 verwandelt sich das alte Klosterareal in Fürstenfeldbruck in ein Stück Japan — unter dem Motto Yokai, der Welt der Geisterwesen. Spürbar: Eine Leidenschaft. Eine Sehnsucht. Eine Zugehörigkeit.

Seit 2009 hat sich die aniMUC zu einem bedeutenden Treffpunkt für Fans von Anime, Manga, Cosplay, J-Pop und japanischer Kultur in Bayern entwickelt — ehrenamtlich, aus Liebe, von Menschen, die wissen, wie es sich anfühlt, wenn man für etwas brennt. Hier findet man sie. Hier sind sie alle. Leider regnete es am ersten Tag, aber am zweiten Tag war prächtiges Fotowetter.

Das Veranstaltungsforum Fürstenfeld ist aus ehemaligen Klostergebäuden entstanden, und gegenüber dem Congelände steht noch immer die Klosterkirche — still, geduldig, jahrhundertealt. Und davor: ein junges Mädchen in einem aufwendigen Kimono, das lacht, weil ihre Freundin sie gerade anrempelt. Ein Typ mit aufgemalten Dämonenaugen, der einem Fremden erklärt, woher seine Figur stammt. Ein Kind, das zum ersten Mal einen echten Cosplayer sieht und den Mund nicht mehr zumacht. Ich hatte einen einfachen Pac Man-Anzug an, schließlich drehte sich mein Vortrag über Videospiele.

Vor 25 interessierten Besuchern sprach ich zum Thema GameBoy. Der Game Boy ist weit mehr als eine kleine graue Spielkonsole – er ist ein Stück Kindheit, ein kulturelles Phänomen und ein Symbol für eine Zeit, in der digitale Unterhaltung plötzlich in jede Hosentasche passte. Der Game Boy prägte die Popkultur wie nur wenige technische Geräte zuvor. Pokémon, Zelda, Super Mario – ikonische Marken wuchsen auf diesem kleinen Bildschirm und formten die Träume einer Generation. In einer Welt, die heute von Smartphones, Streaming und VR geprägt ist, wirkt der Game Boy fast naiv – und doch berührt er uns tiefer denn je. Der Game Boy zeigt uns, dass große Geschichten nicht viel brauchen: nur ein paar Knöpfe, eine Idee – und manchmal ein paar fallende Klötzchen, die unser Herz erobern. Hier mein kompletter Vortrag. Dabei entstand auch gleich eine Idee für einen Vortrag im kommenden Jahr.

Wer ein bisschen Ruhe von all dem Trubel braucht, schlendert über die schönen Wiesen im Zentrum des Geländes und bewundert die liebevoll gestalteten Cosplays der Besucher. Und ja, manchmal braucht man diese Pause — nicht weil es zu viel wird, sondern weil man innehalten und begreifen möchte, was man gerade erlebt. Dass da Hunderte, Tausende Menschen zusammengekommen sind, weil sie etwas lieben. Einfach so.

Workshops, Konzerte, Showacts auf mehreren Bühnen, ein Videoprogramm, AMV-Wettbewerb, Gamesroom, Trading Card Games und Tabletop, ein großer Marktplatz und eine Kreativallee für Artists — das Programm ist reich, aber das ist es nicht, was einen am Ende bewegt. Was einen bewegt, ist das Gefühl, das man mitnimmt. Dieses warme, leicht erschöpfte, tief zufriedene Gefühl auf dem Heimweg, wenn die Füße schmerzen und das Herz voll ist – und der Geldbeutel leer ist, weil man wieder viel zu viel gekauft hat. Beispielsweise bei der Mangaküche bei der bezaubernden Angelina Paustian, für mich ist ihr Shop ein Groschengrab.

Man kann jeden ansprechen, sich mit jedem anfreunden, und die Stimmung ist so, dass man sich wie in einer großen Familie fühlt — einer seltsamen, bunten, lauten, herzlichen Familie, die sich einmal im Jahr im Schatten eines alten Klosters findet und einfach sie selbst sein darf. Vollständig. Ohne Erklärung. Ich traf wieder auf meinen Kollegen Bernhard, der in seinem Obi Wan Kostüm unterwegs war.

Bei der Animuc gehe ich auch immer gerne auf Entdeckungstour und lauschte dieses Mal der Musik von YUZU, mit bürgerlichem Namen Yuzu Natsumi. Sie begeistert als Shamisen-Sängerin mit einer mitreißenden Mischung aus traditioneller japanischer Musik und modernem Pop. Während sie gleichzeitig singt und Shamisen spielt, entstehen kraftvolle, energiegeladene Shows, die musikalische Grenzen überschreiten und ein internationales Publikum faszinieren. Bereits in 28 Ländern stand sie auf der Bühne, darunter in den USA, Frankreich, der Ukraine, Ägypten und Thailand.

Charakteristisch für ihre Auftritte sind farbenprächtige Kimonos, starke Bühnenpräsenz und eigene Songs wie „Kawaii Sensation“ und „TURN UP!“. Mit der Verbindung aus traditionellen Klängen und zeitgemäßen Pop-Beats eröffnet YUZU einen frischen, modernen Zugang zur japanischen Kultur. Hier ein sympathisches Lied.

Interaktive Elemente und mitreißende Call-and-Response-Momente machen ihre Konzerte zu lebendigen, charmanten und energiegeladenen Erlebnissen voller kulturellem Selbstbewusstsein. YUZUs Live-Auftritte sind weit mehr als klassische Konzerte – sie sind moderne Kulturshows, die zeigen, wie spannend und zeitgemäß traditionelle Instrumente heute klingen können. Ideal für alle, die japanische Kultur und moderne Musik auf besondere Weise erleben möchten. Nach dem Konzert traf ich sie am Stand der Ehrengäste, kaufte ihre CD und hielt ein kleines Schwätzchen.

animuc 2024 – wieder ein Fest für die Sinne

7. April 2024

Die animuc ist Fürstenfeldbruck ist für unsere Familie ein Pflichttermin. Einmal im Jahr findet die großartige Cosplayer-Veranstaltung im Veranstaltungsforum Fürstenfeld auf dem Klostergelände statt. Tausende begeisterte Manga-, Anime- und Japan-Fans sind zu diesem dreitätigen Event gepilgert. Wer keine Karten mehr bekommen hat, der ließ sich bei bestem Wetter auf dem Klostergelände nieder, fachsimpelte oder schoss Fotos vor der wunderbaren Kulisse.

Nachdem im vergangenen Jahr der Strom durch einen Schaden an einem Umspannwerk ausfiel, lief dieses Jahr alles glatt. Und auch das Wetter spielte mit. Nur das Handy-Netz war wieder einmal überlastet. Ein Streaming war aufgrund der fehlenden Bandbreite unmöglich, schließlich hatten die zumeist jungen Besucher ihr Smartphone dabei und nutzen es entsprechend.

Neben der Verkaufsausstellung in der Tenne standen bei mir neben der Kontaktpflege vor allem die Vorträge im Mittelpunkt. Zusammen mit meiner Frau bekamen wir einen Platz bei Naraku Brock, die uns über zwei Stunden über japanische Küche informierte. Hat mir persönlich viel gegeben und Naraku Brock, weiß sich in Szene zu setzen und es machte ihr einfach Spaß ihre Show anzuhören. Die Frau versteht ihr Handwerk. In meiner Funktion als Speaker, Referent und Dozent schaute ich mir auch immer ihre Form der Darbietung an und genoss sie.

Seit 2009 findet mit der gewohnten Corona-Unterbrechung einmal jährlich die Convention statt und jedes Jahr werden relevante Programmpunkte vom Verein Animexx e.V. Zusammengestellt. Als ich dem Vortrag von Naraku Brock lauschte, kam mir die Idee für einen eigenen Vortrag. Ich werde die Idee mal bei Animexx einreichen, vielleicht darf ich 2025 als Speaker tätig sein. Über das Thema wird allerdings noch nichts verraten. Lassen wir uns überraschen.

Vielleicht noch ein Wort zu den Besucherinnen und Besuchern in ihren eindrucksvollen Kostümen. Selten haben ich so viele junge Leute mit so guter Laune erlebt. Diese Community ist friedlich und rücksichtsvoll. Und sie ist am Austausch interessiert. Ich führte viele kleine und große Gespräche.

Im Klosterhof standen Imbisswägen oder Foodtrucks, wie es neudeutsch heißt. Ich probierte das erste Mal Tako-yaki und bin sehr angetan von diesem gebratenen Krake, ein kleines warmes Gericht aus Osaka.

Und weil Katzen eine besondere Rolle spielen, hat sich unser Kater Parsifal auch gleich in Szene gesetzt.

Mein Vortrtag über Nosferatu – Kino ist mehr als Filme abspielen

8. März 2022

In zweifacher Hinsicht war ich etwas angespannt als ich einen Einführungsvortrag zum Meisterwerk Nosferatu – eine Symphonie des Grauens als Matinee halten durfte. Zum einen bin ich es als Dozent und Rampensau zwar gewöhnt vor Publikum zu sprechen, aber dies war das erste Mal in meinem Lieblingskino dem Scala Fürstenfeldbruck. Zum anderen spreche ich über ein 100jähriges Meisterwerk der Filmkunst, wie es kein zweites gibt.

Im Großen und Ganzen verlief mein Vortrag zu meiner Zufriedenheit, ein paar kleine Zahlendreher waren aufgrund der Nervosität dennoch enthalten, die man mir verzeihen möge. Das Publikum und der Veranstalter waren sehr zufrieden und jetzt geht es daran, weitere Filme dort vorzustellen, wohin sie gehören: Ins Kino – denn auch Kino muss sich nach Corona verändern. Ich habe euch meinen Vortrag als Video angefügt.

Bei der Bewerbung des Vortrags testeten wir verschiedene Wege aus: Klassisch analog und digital. Markus Schmölz, der engagierte Geschäftsführer des Scala-Kino nahm die Matinee in die Plakatvorschau des Kinos auf und hängte sie im Kino und an verschiedenen Plätzen in de Umgebung auf. Er nahm ein paar Euro in die Hand und schaltete Instagram-Werbung, setzte den Vortrag auf die Website des Kinos und postete die Matinee in soziale Netzwerke. Ich nahm den 100. Geburtstag von Nosferatu zum Anlass und bloggte über den Film, berichtete viral in verschiedenen Facebook-Gruppen und verschickte einen Newsletter, der einmal wöchentlich erscheint.

In der Kombination waren unsere Bemühungen ein schöner Erfolg. Das Publikum kam und der Saal 5 des Scala-Kinos füllte sich. Uns wurde klar: Es gibt ein Publikum abseits vom Mainstream-Kino, das wir erreichen können. Und ich hab selbst viel gelernt über Kinotechnik, nachdem ich aus einer Zeit stamme, als es noch klassische Filmprojektoren im Kino gab und nicht Hochleistungsbeamer, die via Computer gesteuert wurden.
Wenn das Kino zustimmt, dann mache ich gerne weiter. Im Moment arbeite ich an einer Verfeinerung des Formats. Ideen hab ich so einige, denn für mich ist es wichtig, dass Kino weiterlebt, sich verändert und ein Ort der Community wird. Vielleicht irgendwann eine Convention, vielleicht eine Ausstellung – da geht noch mehr. Der Anfang ist gemacht, jetzt gehen wir (hoffentlich) den nächsten Schritt.

Meine Erinnerungen an die CeBIT

29. November 2018

Die einstmals größte Computermesse der Welt, die CeBIT ist Geschichte. Wie die Deutsche Messe AG (per Fax – nein, das war böse) mitteilte, wird die CeBit 2019 nicht mehr stattfinden. Nun, das wirft ein bezeichnendes Licht auf den IT-Standort Deutschland und dennoch: Die CeBIT hat sich überholt.
Als Gründe nennt die Messegesellschaft wirtschaftliche Gründe und der Besucherschwund in den vergangenen Jahren. Ich muss zugeben, ich war auch lange schon nicht mehr in Hannover mit dabei.
Im Jahre 1986 fand die erste eigenständige CeBIT in Hannover statt und es folgten glorreiche Jahre. Das kleine Hannover war mit der immer größer werdenden Messe überfordert. Verkehrskollaps pur. Wenn ich auf der CeBIT war, kehrte ich immer krank nach München zurück. Es zog wie Hechtsuppe in den Messehallen und ich holte mir regelmäßig eine Erkältung. Schwitzen und Frieren war dort immer angesagt. Damals prägte sich der Spruch ein: Nichts ist doofer als Hannover.
CeBIT bedeutete auch immer die Unterbringung in Privatzimmer. Irgendwelche Familien räumten das Kinderzimmer ihrer Kinder und vermieteten die viel zu kurzem Kinderbetten an zahlende IT-Journalisten und Aussteller. Wie das gehasst habe, denn meine Verlage haben sich immer zu spät für die CeBIT entschieden, obwohl es eigentlich klar war, dass man dorthin musste. Ich erinnerte mich daran, dass ich Verwandtschaft in Hannover hatte und kam seitdem bei eben dieser Verwandtschaft unter. Das war zwar prima, aber ich musste dann aber auch Familiengeschichten beim Frühstück erdulden. Ich hätte so gerne meinen Rausch ausgeschlafen, denn die CeBIT-Nächte waren lang und feucht. Die Parties der Unternehmen waren der Renner. Die IT-Industrie schwamm damals in Geld und in Hannover rockte die Hütte. Oft waren es zwei, drei Parties am Abend, die es zu besuchen galt. Man wusste zu feiern.

So sah ich als Moderatir auf der CeBIT aus.

So sah ich als Moderatir auf der CeBIT aus.

Als ich noch Textchef der PC Professionell war, richtete der Verlag Ziff Davis und anschließend VNU auch eine Party in Hannover aus. Es war in einem Kino oder Theater. Und es war mit Abstand eine der besten Parties und das schreibe ich nicht, weil ich daran beteiligt war. Unsere Redaktion verlieh an dem Abend verschiedene Preise und Auszeichnungen und dann ging die Post ab. Ich weiß noch, wie ich mit den beiden Chefredakteuren Christoph Scholze und Franz Neumeier die Choreografie des Abends übernommen hatte. Unsere Redakteure mussten die Preise verleihen und sie waren zwar ausgezeichnete Technikredakteure, doch Sprechen auf einer Bühne war nicht so ihr Ding. Daher musste ich aus Technikern nun Rampensäue machen. Alles klappte und zudem war ich das erste Mal mit 3D-Animationen konfrontiert. Unser Layouter Clemens Strimmer bastelte aufwendige Animationen, die tagelang rendern mussten. Wehe, die Chefredaktion wollte dann die eine oder andere Szene anders, dann begann der ganze Spaß von vorne.

Meine Aufgaben auf der CeBIT
Auf der CeBIT habe ich viele Kolleginnen und Kollegen getroffen. Es war ein Stelldichein der Branche. Da ich als Textchef der PC Professionell nicht als Berichterstatter eingesetzt war, fungierte ich als eine Art Frühstücksdirektor. Ich begleitete Redakteure bei ihrer Arbeit und war für Smalltalk zuständig. Eine Kollegin, die Ingenieurin war, recherchierte für ein Taiwan-Special und ich durfte sie zu den asiatischen Ständen begleiten. Lüfter, Trafos, Netzteile – das alles ist wirklich nicht meine Welt, aber natürlich ging ich mit. Interessant war, dass die asiatischen Aussteller kein Wort mit meiner Kollegin sprachen, sondern das komplette Gespräch über mich den Ahnungslosen lief. Die Kollegin war die Expertin und sprach zudem noch die Sprache der Kunden, aber die Asiaten wollten nur mit mir sprechen. Eine seltsame Welt war das damals auf der CeBIT.

Gespräch mit dem Vater des Internets: Vint Cerf.

Gespräch mit dem Vater des Internets: Vint Cerf.

Und ich traf auf der CeBIT die eine oder andere Berühmtheit. Für mich sicherlich am bedeutendsten war Vint Cerf. Der Normalsterbliche hat den Namen wohl noch nie gehört, aber Vint Cerf ist eine Berühmtheit. Er ist nicht mehr als der Vater des Internets. Im September 1973 präsentierte er eine erste Version von TCP/IP, die im Mai 1974 auch veröffentlicht wurde. Darauf basiert heute die Kommunikation im Netz. Viel weiß ich nicht mehr über unser Gespräch. In Erinnerung ist mir nur geblieben, dass er seit frühester Jugend ein Hörgerät trägt und dass er es als Wearable Device bezeichnete. Jahrzehnte später erkannte ich, was er damals schon voraussah.

Ein wirklich weiser Mann.

Ein wirklich weiser Mann.

CeBIT zu Hause
Und die CeBIT ist jeden Tag bei uns zu Hause präsent. Ich brachte einmal eine Tasse von der CeBIT mit nach Hause. K1 beschlagnahmte diese rote Tasse mit CeBIT-Logo sofort und trinkt seit frühester Jugend den Kakao ausschließlich aus dieser Tasse. Ich hab richtig Angst vor dem Tag, wenn diese Tasse mal kaputt gehen sollte. Nachdem die CeBIT jetzt Geschichte ist, kann ich mir niemals wieder eine Ersatztasse besorgen und K1 wird keinen Kakao mehr trinken.

Die Lieblingstasse von K1 - wehe sie geht mal kaputt.

Die Lieblingstasse von K1 – wehe sie geht mal kaputt.

Aber jetzt Schluss mit den nostalgischen Erinnerungen. Die CeBIT ist Geschichte und es ist gut so. Messen in dieser Form haben sich überlebt. Messen als Ort, um neue Produkte zu entdecken wurden, vom Internet hinweggefegt. Für mich wurden Messen im IT-Bereich durch Conventions ersetzt, bei der Gleichgesinnte zusammenkommen und ihrer Passion frönen. Aber eine Show der Neuigkeiten brauche ich in der Form nicht mehr. Hier hat die Messegesellschaft richtig gehandelt. Teile der CeBIT werden nun in die Hannover Messe integriert, aber ob die Hannover Messe nun Community-affin ist, sei mal dahingestellt. Es ist eine wichtige Industriemesse, aber es fehlen Herz und Seele. Zur CeBIT kamen zu wenig Leute. Ich erinnere mich, dass viele Vorträge im Konferenzprogramm gekauft, aber nicht interessant waren. So macht man als Messe eine Messe auch kaputt bei der Gier den Ausstellern, Kohle zu entlocken.

Es ist aber bezeichnend, dass die CeBIT als deutsche IT-Messe zu Grabe getragen wird. Ich trauere der alten CeBIT nicht nach, genauso wie ich der Systems in München nicht nachtrauere. Und auch meine geliebte MacWorld Expo in SF ist vorbei.

Als ich auf der AnimagiC einen Tachikoma fand

9. August 2018

Wenn eine Anime- und Manga-Convention wie die AnimagiC stattfindet, dann sind die Händler ein zentraler Bestandteil so einer Veranstaltung. So auch in Mannheim, als die AnimagiC ihr 20jähriges Bestehen feierte. Mitten in den großen Händlerbereich fand ich einen Verkaufsgegenstand, der mein Interesse weckte: Einen Tachikoma.

Für die Leute, die nicht wissen, was ein Tachikoma ist, denen sei geholfen. Es ist ein Kampfroboter aus dem Manga- und Anime-Universum Ghost in the Shell – the Stand alone Complex, der mit KI und Stimme ausgestattet ist und die Helden der Serie unterstützt. Das Ding sieht ein wenig aus wie eine blaue Spinne, hat eine umfangreiche Bewaffnung, zwei Arme und vier Beine. 

Ich fand den Tachikoma im untersten Regal eines Händlers. Dort stand er einzeln herum, dazu ein paar Flyer des Herstellers Cerevo. Der Roboter hatte das Größenverhältnis 1/8. Die meisten Besucher der AnimagiC interessierten sich nicht stark für das Gerät. In der Vitrine darüber war eine fette Knarre mit Namen Dominator aus Psycho Pass ausgestellt, die eher den Geschmack des jugendlichen Publikums traf. Als älterer Herr erinnere ich mich noch an die Klassiker des Genres und da gehört Ghost in the Shell einfach für mich dazu, sowohl als Manga, als Anime und als Realfilme. 

Dieser Tachikoma war aber nicht ein einfaches Spielzeug, wie es viele gibt, sondern es war ein ausgeklügeltes Stück Robotertechnik. Diese Replica kann sich bewegen und auf die Umwelt reagieren. Es kann via App für iOS und Android gesteuert werden, hat 600 Antworten aus Ghost in the Shell im Speicher. Die Stimme kommt von Sakiko Tamagawa – und ich muss sagen, dass sie mir im Anime und jetzt bei der Replica auf den Geist gehen. Aber so ist es eben. Das Objekt wird von 21 kleinen Elektromotoren angetrieben und ist mit einer Kamera ausgestattet, die Objekte erkennt. Dabei ist der Tachikoma lernfähig, also eine Mini-KI. Tachikoma kann sich aus der Cloud zudem Aktienkurse, die Wettervorhersage und den Kalender holen und aufsagen. 

Alles in allem Sachen, die mich als Roboterfan stark interessierten und die ich unbedingt ausprobieren wollte. Ab und zu halte ich Vorträge zum Thema Roboterspielzeug und zeige auch Teile meiner umfangreichen Sammlung. Dieses Teil wäre eine wunderbare Bereicherung meiner Sammlung und meiner Vorträge geworden. Ich habe mir den Tachikoma auf der AnimagiC dennoch nicht gekauft. Auf der Website des Herstellers wurde der Preis mit rund 2000 US-Dollar angegeben. Den Händler in Mannheim habe ich gar nicht erst nach dem Preis gefragt, denn der Tachikoma ist kein Aibo und mir nicht soviel Geld wert. Daher nur ein paar Fotos und ein Video als schöne Erinnerung.