Live-Analyse im Stream: Sturm aufs Capitol

18. Januar 2021

In den USA haben sich in den vergangenen Wochen die Ereignisse überschlagen. Als ich vom Sturm auf das Capitol erfahren hatte, erwachte der Tageszeitungsjournalist wieder in mir. Für mich stand fest: „Ich erlebe Geschichte live“.

Und für mich stand auch fest: So eine Tat muss aufgearbeitet und reflektiert werden. Ich sprach noch in der Nacht mit Erich Kornberger, meinem Ansprechpartner für internationale Politik bei der Hanns-Seidel-Stiftung, und wir beschlossen ein Streaming-Seminar durchzuführen. Wir hatten bereits ein Seminar zur Wahl des US-Präsidenten durchgeführt und Erfahrungen gesammelt. Dieses bewährte Format wollen wir etablieren. Und: Es ist schon Wahnsinn, was heute technisch alles möglich ist.

Streaming aus dem Wohnzimmer.

Innerhalb von drei Tagen stand das Programm und über 150 Teilnehmer meldeten sich zum Zoom-Seminar an. Also: Der Bedarf an politischer Bildung ist vorhanden und im Lockdown haben Menschen Zeit sich auch längere Online-Schulungen anzuhören und zu diskutieren.

Also hat die ganze Familie zusammengearbeitet und aufgebaut. Im meinem Wohnzimmer wurde das Streaming-Studio mit Green-Screen, drei Kamera, mehreren Scheinwerfer und Videomischer ATEM mini und drei Stehpulte sowie Monitor errichtet. Auch eine Studio-Uhr gab es. Mit dem ATEM mini konnte ich auf verschiedene Kameraperspektiven schalten, damit der Zuschauer auch optisch eine Abwechslung erhält. Als virtueller Hintergrund wurde eine US-Fahne im Wind eingeblendet, denn: Auch der Hintergrund erzählt eine Geschichte.

Als erster Referent wurde Christian Forstner von der HSS aus Washington live zugeschaltet. Er beschrieb eindrucksvoll die Atmosphäre in den USA in der Zeit des Wechsels. Er berichtete, wie er den Sturm auf das Capitol erlebt hatte und wie die Stimmung in der US-Hauptstadt ist.

Der USA-Experte Dr. Josef Braml sprach aus Potsdam deutliche Worte und sortierte den Vorfall ein.

Dr. Josef Braml

Zudem organisierten wir den ehemaligen Polizeidirektor Gerhard Danzl, der uns viel zu Polizeitatik bei Großveranstaltungen erzählte.

Polizeidirektor Gerhard Danzl

Außerdem gab der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung Markus Ferber uns seine Einschätzung und gab die Richtung vor. Dass sich der Vorsitzende der HSS in einem von mir mitorganisierten Seminar äußert, hat mich besonders gefreut.

Der Vorsitzende der HSS sprach live

Weil die Resonanz fantastisch war, werden wir zur Amtseinführung von Joe Biden am 20. Januar 2021 wieder ein Live-Streaming Event für die HSS durchführen. Anmeldung auf der HSS Website. Vielleicht sieht man sich ja dort.

Meine Experimente mit YouTube Live-Formaten

16. Januar 2021

Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen mit Live-Video zu experimentieren. Dazu starte ich zwei Formate: „Morgengedanken“ und „Der Lange und der Gerlach – wir müssen reden.“ Beide Formate werden über YouTube ausgespielt. Ich halte Youtube für mich persönlich für meinen reichweitenstärksten Kanal mit dem besten Long Tail-Effekt.

Morgengedanken
Im Zeiten des Lockdowns mache ich wochentags einen einstündigen Morgenspaziergang um fit zu bleiben. Ausgestattet mit iPhone, Gimbal DJI Osmo mobil 3 und AirPods spaziere ich durch die Gegend und spreche meine Gedanken vor mich hin. Im Moment habe ich drei Folgen live gesendet, wobei ich Heini die dritte Folge aus Versehen wieder gelöscht habe. Es sind Live-Sendungen mit rund fünf Minuten Dauer.

Ein Problem war es das <a href="http://<a target="_blank" href="https://www.amazon.de/gp/product/B07QGGBNMN/ref=as_li_tl?ie=UTF8&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=B07QGGBNMN&linkCode=as2&tag=httpwwwredakt-21&linkId=5f6b9ec6e94ead5a5a871bad30f496e8">RØDE Wireless Go</a>""Rode Wireless Go ans iPhone anzuschließen. Dazu wird ein extra SC 7 -Kabel benötigt. Hier das Unboxing-Video und das Anschluss-Video dazu:

Die Sendungen werden anschließend von mir in meinem Kanal verschlagwortet und eingestellt. Zunächst hatte ich durch den eisigen Wind Tonprobleme, aber ich habe für kommende Übertagungen technisch aufgerüstet mit dem Rode Wireless Go samt toter Katze. Ich bin auf die nächsten Übertragungen und Reaktionen gespannt.

Der Lange und der Gerlach
Das zweite Format heißt „Der Lange und der Gerlach – wir müssen reden“ und dies erstelle ich künftig in regelmäßigen Abständen mit meinem Kollegen Thomas Gerlach aus Nürnberg. Via Zoom, verarbeitet mit OBS und gestreamt über YouTube sprechen wir eine halbe Stunde über Besonderheiten, die uns aufgefallen sind. Der Auftakt war schon prima. Der Ton hat auch hier noch nicht gepasst, aber wir arbeiten daran. Ausgespielt wird es live zunächst über den YT-Kanal von Thomas Gerlach, weil er eine bessere Bandbreite hat. Ich capture mir das File und stell es anschließend auf meinen Kanal redaktion42 ein.

Welche Dracula Roman-Übersetzung ist die beste?

8. Januar 2021

Ich mag den blutsaugenden Grafen. Ich liebe Dracula-Filme, egal ob mit dem theatralischen Bela Lugosi, dem gnadenlosen Christopher Lee, den irren Klaus Kinski, den verführerischen Frank Langella, den erschreckenden Max Schreck oder den opulenten Gary Oldman. Und wer diese großartigen Verfilmung liebt, der greift auch immer wieder zur literarischen Vorlage von Bram Stoker.

Welche Übersetzung von Bram Stokers Dracula ist die beste?

Der Roman des Iren hat eine besondere Form der Erzählweise. Dracula ist eine Mischung aus Reise-, Liebes-, Abenteuerroman und Schauergeschichte und besteht aus einer Folge von Tagebucheintragungen, Mitschriften von Phonographaufnahmen, Briefen und Zeitungsartikeln. Was sehr abstrakt klingt, liest sich auch heute noch genial. Obwohl der Roman 1897 erschienen ist, hat er nichts an Modernität und Spannung verloren. Wer des Englischen mächtig ist, der liest seinen Dracula natürlich im Original.

Bei den deutschen Übersetzungen liegen eine Vielzahl von Versionen vor und ich will versuchen, sie einzuordnen und gar zu bewerten. Die Frage ist also: Welche Dracula Übersetzung ist die beste?

Ulrich Bossier und Andreas Nohl
Die beiden modernsten Übersetzungen stammen aus dem Jahre 2012 zum 100. Todestag des Autors. Die Übersetzer Ulrich Bossier und Andreas Nohl haben sich dem Werk angenommen. Zunächst mochte ich die Version von Andreas Nohl, der eigenständiger an das Buch herangeht, sogar Dialekt einbaut. Manches Mal interpretiert er seinen Stoker auch, womit ich aber kein Problem habe. Dem Leser des 21. Jahrhunderts wird die Übersetzung gefallen und er liest Dracula in einem Rutsch ungestört durch. Und dennoch: Irgendwie bin ich Purist und hab mich dann gegen die glatte Übersetzung von Andreas Nohl entschieden und lieber zu Ulrich Bossier gegriffen.

Die Übersetzung von Ulrich Bossier

Ulrich Bossier hält sich näher ans Original. Ich kenne den Übersetzer nicht persönlich, aber er scheint ein Pedant zu sein und übersetzt sehr akribisch. Damit bleibt er für mich sehr nahe am englischen Ausgangstext, auch wenn jüngere Leser mit der Satzstrukturen auf den ersten Blick ihre Probleme haben werden. Da müssen Dracula-Fans aber durch. Mir hat der Reclam-Verlag eine schöne Taschenbuch-Ausgabe des Buches Dracula im Mai 2020 überlassen. Ich kam aber erst über die Weihnachtstage zum Lesen und Vergleichen, aber Dracula ist zeitlos.

Karl Bruno Leder und Stasi Kull
Wer noch ein wenig weiter in die Geschichte der Übersetzungen zurückgeht und sich vor der alten Rechtschreibung sich nicht scheut, dem empfehle ich die Übersetzungen von Karl Bruno Leder und Stasi Kull. Beide Übersetzungen sind vollständige Übersetzungen, was für die Beurteilung des Werkes von Stoker wichtig ist.

Stasi Kulls Übersetzung aus dem Jahre 1967

Mein erstes Dracula-Buch stammte aus der schwarzen dtv Phantastica-Reihe von 1981, die Übersetzung von Stasi Kull selbst stammt aus dem Jahre 1967. Stasi Kull ist ein Pseudonym. Dahinter verbirgt sich der österreichische Lyriker, Schriftsteller und Übersetzer H. C. Artmann. Dabei übersetzte der im Dezember 2000 verstorbene Artmann auch Lovecraft ins Deutsche und schuf eine wienerische Ausgabe von Asterix als Legionär. Ich mag die Übersetzung, sicherlich vor allem weil es mein erstes Dracula-Buch als Jugendlicher war.

Dracula in der Übersetzung von Karl Bruno Leder.

Karl Bruno Leder hat für den Insel-Verlag auch den von mir sehr geschätzten Roman Frankenstein von Mary Shelley übersetzt. Seine Übersetzung stammt aus dem Jahre 1968 und liest sich flüssiger und leichter als die Version von Kull.

Es gibt zudem noch Übersetzungen von Heinz Widtmann aus dem Jahre 1908, Tausendsassa Wulf Bergner (bekannt durch zahlreiche Stephen King Übersetzungen) von 1967, Bernhard Willms 1993. Nun als Fazit: Greift zur Ausgabe von Ulrich Bossier, dann könnt ihr als Dracula-Fan nichts falsch machen.

Live-Streaming: Periscope wird abgeschaltet

7. Januar 2021

Mach’s gut Periscope. Der Streamingdienst wird am 31. März 2021 abgeschaltet. Ich hab ihn oft genutzt, aber in Zeiten von Facebook-Live, YouTube-Live und anderen Diensten konnte sich das zu Twitter gehörende Unternehmen wohl nicht halten. Schade, denn ich hab viel damit gearbeitet als Zuschauer und als Sender.

Die App hat einen festen Platz auf meinem Smartphone.

Periscope war für mich der Übertragungswagen in der Hosentasche. Ich habe Veranstaltungen wie für Kunden gestreamt, von der Eröffnung der DB-Lounge gestreamt, als Zuschauer auf Konzerten das Handy hochgehalten und auf Senden gedrückt und ich habe nette Diskussionen dort gehabt. In meinem Seminaren habe ich den Teilnehmern gezeigt, was es heißen kann, von Veranstaltungen live zu senden – ohne großen technischen Aufwand. Und ich habe in den meine Teilnehmer auf eine Reise durch die Welt eingeladen. Wir haben entfernte Orte besucht und dort mit anderen Periscope-Nutzern gesprochen. Das war oft nett, manches Mal wurden wir angemacht – so wie das Netz eben tickt.

Und ich habe Periscope für meine journalistische Arbeit genutzt. Ich war live im Hurrikan Irma dabei, beobachtete Black Live Matter oder die US-Wahlen. Ich sah Notre Dame niederbrennen oder einen Brand eines Wolkenkratzers in Dubai zu Silvester. Erschüttert war ich vom IS-Attentat in Paris auf die Konzerthalle Bataclan am 13. November 2015 sowie vom Attentat am OEZ in München am 22. Juli 2016. Jetzt habe ich mir gerade die Demonstrationen und den Sturm aufs Kapitol live angesehen.

Aber das ist vorbei: Twitter hat die Entscheidung getroffen, die Periscope-App herunterzufahren. Die Periscope iOS- und Android-Apps sind ab dem 31. März 2021 nicht mehr in Betrieb. Die Periscope-Webseite unter periscope.tv/periscopeco wird weiterhin als schreibgeschütztes Archiv öffentlicher Live-Videos verfügbar sein. Twitter wird sich verändern und Live-Videos wohl noch stärker integrieren. Wir können auf Twitter mit Twitter Live senden, indem wir das In-App-Kamerasymbol auswählen. Darüber hinaus können Marken, Verlage und Entwickler mithilfe von Twitter live gehen, indem sie Media Studio verwenden. Schon jetzt können Nutzer keinen Persicope-Account mehr erstellen.

Harter Lockdown geht weiter und damit auch Homeoffice

5. Januar 2021

Der harte Lockdown geht weiter, die Ausgangssperren bei uns bleiben und damit auch für viele meiner Freunde und Nachbarn das Thema Homeoffice. Als Selbstständiger kenne ich die Arbeit vom heimischen Arbeitszimmer und ich weiß auch, dass es eine gewisse Disziplin benötigt. Daher habe ich meinen Schreibtisch im Heimbüro perfekt eingerichtet und arbeite auch nicht vom Küchentisch aus.

HomeOffice – mein Schreibtisch.

Im Jahr 2020 haben doppelt so viele Berufstätige wie im Vorjahr mobil oder von zu Hause aus gearbeitet: 32 Prozent der Befragten nutzten Telearbeit, Homeoffice oder mobiles Arbeiten. Bei den Berufstätigen mit Bürojob liegt der Anteil sogar bei rund 60 Prozent – auch dies ist eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr. Diesen deutlichen Corona-Effekt beim Homeoffice zeigt die Studie D21-Digital-Index 2020/2021 der Initiative D21, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und durchgeführt von Kantar.

Arbeitsalltag verändert sich
Sowohl bei Homeoffice-Erfahrenen als auch bei bisherigen Nicht-Nutzer hat die Corona-Pandemie den Arbeitsalltag stark verändert: 34 Prozent der im Homeoffice Arbeitenden sind Erstnutzer, die im Zuge der Pandemie erstmals von dieser Möglichkeit Gebrauch machten. Von den erfahrenen Nutzer haben 38 Prozent in Folge der Pandemie mehr Homeoffice gemacht als vorher. Ob Neuling oder Routinier – die Mehrheit der Nutzer (59 Prozent) fand die Arbeit im Homeoffice teilweise effizienter, weil es weniger Ablenkung gab. Die große Mehrheit fühlt sich von den Arbeitgeber beim Umstieg ausreichend unterstützt (64 Prozent). Einen großen Vorteil des Homeoffice sehen 63 Prozent der befragten Berufstätigen in Bürotätigkeit in der größeren Flexibilität bei der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben.

Krise wird zur Chance
„Das mobile Arbeiten hilft Unternehmen aktuell dabei, arbeitsfähig zu bleiben und die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen. Die Krise wird so auch zur Chance: Firmen und Behörden bauen im Eiltempo die notwendige Infrastruktur auf und können so zukünftig flexibler agieren. Das macht die deutsche Wirtschaft widerstandsfähiger“, sagt Thomas Jarzombek, Beauftragter des Bundeswirtschaftsministeriums für Digitale Wirtschaft und Start-ups. Und das gilt auch bei uns zu Hause: Wenn zwei Kinder Homeschooling machen und auch meine Frau mal von zu Hause arbeitet, dann geht unser Internet in die Knie. Wir haben nicht das Problem der digitalen Endgeräte, wir haben das Problem der Bandbreite. So arbeite ich oft über LTE als über LAN.

Auch künftig mehr Homeoffice
Mehr als jede/r dritte Berufstätige mit Bürojob will zukünftig überwiegend im Homeoffice arbeiten
Mit Blick auf die Zukunft nach der Corona-Pandemie möchten 36 Prozent der befragten Berufstätigen mit Bürojob künftig mindestens die Hälfte der Arbeitszeit von zu Hause aus arbeiten. Von den Befragten mit Homeoffice-Erfahrung kann sich sogar mehr als die Hälfte vorstellen, den Anteil auszubauen. 51 Prozent wünschen sich mindestens die Hälfte ihrer Arbeitszeit als Homeoffice. Unter den befragten Führungskräften (aus allen Branchen und Tätigkeiten) gab dagegen nur jede vierte Person (25 Prozent) den Wunsch an, dass ihre Mitarbeiter nach der Corona-Krise mehr im Homeoffice arbeiten sollten als vorher. „Beim Anteil des Homeoffice herrschen unterschiedliche Vorstellungen zwischen Führungskräften und Nicht-Führungskräften. Das digitale Arbeiten wird zum Kulturwandel im Berufsleben führen, der alle Beteiligten in den nächsten Jahren herausfordern wird“, so Initiative D21-Präsident Hannes Schwaderer. Diese Aussage kann ich nur anstreichen und dann aus Erfahrungen meiner Festanstellungen unterstreichen. Schlechte Führungskräfte wollen überwachen und wollen wichtig sein. Sie leiden unter Homeoffice, weil sie nicht präsent sein können. Solche Führungskräfte brauche ich nicht. „Die Erfahrungen der Berufstätigen im Corona-Jahr 2020 zeigen, dass die Barrieren für Homeoffice in der Vergangenheit weniger in der Hardware lagen als in den Köpfen vieler Führungskräfte.“

Software-Lösungen bringen Durchbruch fürs digitale Arbeiten
74 Prozent der Befragten, die während der Corona-Pandemie zu Hause arbeiteten, bewerteten die technische Ausstattung durch ihr Unternehmen als ausreichend. Während sich die Ausstattung mit Laptop (49 Prozent) oder Smartphone (23 Prozent) während der Pandemie kaum veränderte (+3 bzw. +1 Prozentpunkte), nahm die Bedeutung von Möglichkeiten zur sicheren mobilen (Zusammen-)Arbeit stark zu. Der Anteil der Berufstätigen mit Bürojob, denen das Unternehmen einen Fernzugang/VPN, einen Videokonferenzdienst oder Kollaborationstools zur Verfügung gestellt hat, hat sich jeweils verdoppelt. Die Ausstattungsquote stieg sowohl beim Fernzugang/VPN als auch bei Videokonferenzdiensten auf 33 Prozent (+ 17 Prozentpunkte) sowie bei Kollaborationstools für gemeinsames Arbeiten in Dokumenten auf 26 Prozent (+15 Prozentpunkte). Es gibt allerdings auch Unternehmen, die monatelang mit der Bestellung von Webcams warten in der Hoffnung, dass die Rückkehr ins Büro vielleicht doch wieder bevorsteht.

Wirtschaftliche Veränderungen durch Corona – wie sieht bei euch aus?

3. Januar 2021

Die Corona-Krise hat einschneidende Veränderungen im Leben zur Folge. Ich meine nicht nur die massiven Versäumnisse bei der Digitalisierung der Bildung, sondern vor allem die schleppende Digitalisierung des Mittelstands. Durch Festhalten an alten Strukturen wird das Lebenswerk ganzer Unternehmerfamilie vernichtet.

Appelle alleine reichen nicht, es muss schon ein digitalisiertes Angebot vorhanden sein.

Die COVID-19-Pandemie stellt die Kundenbeziehungen der deutschen Unternehmen derzeit auf eine harte Probe. Dies ist das Ergebnis einer Entscheider-Umfrage, die das Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag von Adobe durchgeführt hat. Ich präsentiere mal die Studie und bitte jeden Unternehmer (auch ich bin ein solcher) persönliche Rückschlüsse für sein Geschäft zu ziehen. Für mich steht fest: Auch wenn wir Corona besiegen werden, lässt sich die Zeit nicht mehr vor März 2020 zurückdrehen. Kunden haben gelernt, die Digitalisierung zu nutzen und werden beispielsweise online Einkaufen beibehalten. Da helfen auch keine Forderungen nach Paketsteuern für Internetbestellungen, wie sie von manchen Politikern alten Denkens gefordert wird.

63 Prozent der befragten Unternehmen arbeiten demnach intensiv daran, ihre Konsumentenansprache und Produktkommunikation auf die veränderten Verhaltensweisen und Anforderungen ihrer Kunden einzustellen. 40 Prozent der befragten Unternehmen sehen diese Veränderungen dabei als dauerhaft an und erwarten, dass sie auch nach Abklingen der Pandemie Bestand haben werden.

Handel in der Pandemie

Wie wichtig digitale Technologien in den vergangenen sechs Monaten für die Beziehung von Marken und Konsumenten geworden sind, zeigt ihre fortschreitende Nutzung in deutschen Unternehmen. Vieles deutet auf eine neue Ära der Erlebnisse hin, in der sich Marken neu orientieren, umdenken und Customer Experience aus einer anderen Perspektive betrachten müssen. Insbesondere in den Bereichen E-Commerce, personalisierte Services und Kommunikation haben sich diese Veränderungen manifestiert. Regelmäßig erhalten ich von meinen Geschäften Mailings mit der Erinnerung wieder Kaffee oder ähnliches zu erwerben. Manches nervt, aber wenn die Mailings intelligent und gut gemacht sind, ist es eine Bereicherung für mich.

Wer den Wandel annimmt, hat die Nase vorn
Die gute Nachricht: Bei vielen Unternehmen sind schon heute erhebliche Fortschritte bei der Nutzung entsprechender Technologien festzustellen. Mehr als jedes vierte befragte Unternehmen (27 Prozent) gibt an, dass sich die Online-Kommunikation mit den Kunden bereits verbessert hat. 22 Prozent der befragten Unternehmen haben die Möglichkeit zur Personalisierung ihrer Services mit Hilfe von Kundendaten ausgebaut. Jedes fünfte befragte Unternehmen (20 Prozent) hat zudem einige Services online gestellt und dafür positives Feedback von Kunden erhalten.

Ein sehr gutes Beispiel von Offline- und Online-Kommunikation habe ich bei den Tierfreunden Brucker Land gesehen. Nun, das ist kein Unternehmen, sondern ein Tierheim mit sehr engagierten und innovativen ehrenamtlichen Kräften. Es gibt im örtlichen Supermarkt Spenderboxen für Tierfutter, aber auch Online-Amazon-Wunschlisten bei denen Tierfreunde bestellen und in die Tierauffangstation liefern lassen könne.

Diese Unternehmen sehen auch Verbesserungen in ihrer Arbeitsweise: Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen (32 Prozent) sind davon überzeugt, dass sich die Remote-Arbeit verbessert. Bei 28 Prozent der befragten Unternehmen hat sich auch die interne Kommunikation weiterentwickelt. Schon bei Microsoft habe ich nach dem Umzug in die Parkstadt Schwabing festgestellt, dass auf HomeOffice gesetzt wird. Im Gebäude gibt es weniger Arbeitsplätze als Mitarbeiter im Unternehmen. Corona hat HomeOffice verstärkt. Leider kenne ich aber auch Unternehmer und Führungskräfte für die gilt: Gearbeitet wird nur dann, wenn man auch im Büro sitzt. Ich hatte mal einen Chef, der ist jeden Morgen durch die Büros gegangen und hat meine meine Mitarbeiter per Handschlag begrüßt. Meine Mitarbeiter schätzten dies, aber ich bekam heiße Ohren, wenn der eine oder andere Mitarbeiter nicht am Platz war. HomeOffice braucht Vertrauen und wenn ich kein Vertrauen in meine Mitarbeiter habe oder die falschen Mitarbeiter habe, dann gibt es ein Problem.

Während viele Marken in Deutschland umfassende Veränderungen vornehmen, um ihre Kunden besser erreichen zu können, geben fast vier von zehn der befragten Marken (37 Prozent) an, dass sie im Zuge der Pandemie keine Veränderungen vorgenommen haben, wie sie ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten. Darüber hinaus haben 28 Prozent der befragten Unternehmen über einen Rückgang der Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen berichtet. Dies deutet darauf hin, dass es noch viel Raum für Verbesserungen gibt. Unternehmen aller Größenordnungen sollten sich daher auch in den nächsten Monaten weiter mit den unterschiedlichen Möglichkeiten der internen Zusammenarbeit und der Kommunikation mit ihren Kunden auseinandersetzen.

Musiktipp: Hang on to Your Hat von Video Game Jazz Orchestra

2. Januar 2021

Das erste Mal habe ich das Label Black Screen Records 2019 bei der GamesCom in Köln entdeckt und war angetan über das Angebot an Scores zu Videogames. Ihr Schwerpunkt liegt auf hochwertigen Vinylpressungen. Und als Freund von Retro-Games musste ich bei dem Album Hang on to Your Hat einfach zuschlagen.

Auf der GamesCom 2019 hab ich das Label für mich entdeckt.

Es ist die legendäre Musik von Super Mario 64, aber in einem neuen Sound – und wenn ich neu schreibe, dann meine ich auch wirklich neu. Der Score wurde als Bigband-Arrangement in Nashville in den Ocean Way Studios eingespielt und nistete sich sofort in mein Ohr ein. Interpreten sind das Video Game Jazz Orchestra.

Nachdem ich die Musik bei AppleMusic geladen hatte, musste ich mir die Veröffentlichung als Doppelalbum auf 180 Gramm Vinyl holen und bin hin und weg von dem Sound von Super Mario 64. Die zeitlosen Melodien stammen von japanischen Maestro Koji Kondo.
Das Album „Hang on to Your Hat“ ist in einer eindrucksvollen, geprägten und goldfolierten Gatefold-Hülle erscheinen und enthält ein 8-seitiges 12″-Booklet, gestaltet von Rozen & Isa Alcántara mit zusätzlichem Layout von Dane Baudoin. Mit stimmungsvollen Art-Deco-Details von José Acosta Calva und Innenillustrationen von David René Christensen macht es Spaß beim Durchblättern. Die Musik ist erhältlich auf rot/blauem, goldenem/goldenem und schwarzem/schwarzem Doppelvinyl. Ich hab die goldene Version. Es gibt noch ein Grün/Blaues Vinyl exklusiv erhältlich bei Materia Collective .

Also nichts wie zurücklegen, Hang on to Your Hat hören und an Mario und Bowser denken – und vielleicht mal wieder zocken.

VR-Silvesterkonzert von Jean-Michel Jarre in Notre Dame

1. Januar 2021

Er hat es wieder getan und er hat es wieder richtig gut gemacht. Zum Jahresende absolvierte der französische Altmeister der elektronischen Musik Jean-Michel Jarre in einem virtuellen Auftritt zum Jahresabschluss. Ort des Geschehens war das Netz und der ehrwürdige Sakralbau Notre Dame.

Nachdem er bereits am 21. Juni 2020 sein Alone Together Konzert in VR gespielt hatte, war nun das Silvesterkonzert an der Reihe. Und wieder blieb mir die Spucke weg, wenn ein 72jähriger der Masse der Musiker und Veranstaltungstechniker zeigt, wo es langgeht in Corona-Zeiten. Er warb damit für sein neues Album Welcome to the other Side, das es leider bisher nur Download vorliegt. Ich hoffe, ein Datenträger folgt 2021.

Jarre war schon immer ein Pionier gewesen und ging an die Grenzen, nur nich musikalisch, sondern auch dramaturgisch. Seine Mammutkonzerte sind legendär und nun sucht der Musikant aufgrund Corona neue Wege im Netz. Siehst so die Musik der Zukunft aus?

Das Konzert war aber auch ein Statement zur Virtual Reality VR. Leider, ich muss es gestehen, habe ich das Konzert nur via YouTube live in 2D verfolgen können. Freunde mit passenden VR-Brillen schwärmten von einem noch intensiverem Konzerterlebnis. Leider war das Konzert mit meiner Sony VR-Brille nicht kompatibel.
Die Musik war so enorm kraftvoll und mit Kopfhörer beamte sie uns Zuschauer so richtig weg. Genau der richtige Knaller als Auftakt für 2021 – ein gutes neues Jahr.

Mein persönlicher Jahresrückblick 2020

31. Dezember 2020

Ich denke, ich muss nichts mehr schreiben: 2020 war ein Desaster, privat und geschäftlich. Und trotz der schlechten Situation gab es bei mir Weichenstellungen in eine hoffentlich optimistischere Zukunft.
Der drastische Einschnitt des Jahres war der Tod meines Vaters am 8. Mai. Er starb nicht an Corona. Zusammen mit meiner Frau war ich in der Stunde seines Todes im Krankenhaus an seinem Bett mit dabei. Um 4.11 Uhr verstarb er. Die Erinnerungen kommen immer wieder hoch. Er fehlt uns allen sehr und sein Tod hat mein Jahr geprägt. Seine Beerdigung fand unter strengen Corona-Auflagen im ersten Lockdown mit wenigen Trauergästen statt.

Bloggen aus dem Dorf im Lockdown
In der Phase des ersten Lockdowns ging ich mit meinem Blog redaktion42 auf die sublokale Ebene. An 45 Tagen berichtete ich aufeinanderfolgend über mein Dorf in dem ich wohne und wie die Bewohner mit Corona umgingen. Ich machte das, was ich einstmals gelernt hatte: Klassischen Tageszeitungsjournalismus im Blogformat mit Texte, Fotos und Videos. Die Resonanz war überwältigend. Jeden Tag um 7 Uhr stellte ich einen neuen Blogpost online. Verbreitet wurde er auch über die örtliche Facebookgruppe mit rund 2000 Mitgliedern. Es war ein riesiger Erfolg: Die Zugriffe explodierten und ich wurde beim Einkaufen, beim Bäcker, beim Tanken und beim Spazierengehen auf den Blog angesprochen. Ich werde aus den Posts noch ein eBook machen und es kostenlos zum Herunterladen anbieten, quasi eine Zweitverwertung. Mein Vorhaben war, Corona aus der Sicht einer kleinen Gemeinde westlich von München darzustellen und ich wollte auch ein bisschen die örtlichen Lokalzeitungen ärgern. Ich wollte ihnen zeigen, was Blogs im Lokalen ausrichten können. Als der Blog richtig Fahrt aufgenommen hat, verstarb mein Vater und ich hatte erst mal den Nachlass zu ordnen.

Mein Eindruck war: Im ersten Lockdown zogen wir alle an einem Strang, waren rücksichtsvoll und ausgeglichen. Im zweiten Lockdown ist meines Erachtens nicht soviel davon geblieben. Egoismus ist allerorts anzutreffen. Mal sehen, vielleicht nehme ich den sublokalen Blog im dritten Lockdown wieder auf, der wohl kommen wird.

Neue Geschäftsmodelle gefragt
Mit Corona brach ein Teil meines Geschäftsmodells zusammen. Ich war bis Corona dreimal die Woche in Deutschland an Schulen mit dem Thema Medienkompetenz unterwegs. Hinzu kamen Wochenend-Seminare und Abendveranstaltungen in Bayern. Das alles brach weg. Eigentlich wollte ich im Sommer das zehnjährige Bestehen meines Unternehmens redaktion42 mit einer fetten Party feiern. Daraus wurde nichts.

Ich packte im März meine Reisekoffer aus und hängte alles in den Schrank. Soforthilfe oder ähnliches gab es für mich nicht. Neidvoll schau ich auf Lufthansa, Automobilindustrie oder die Tourismus-Industrie.
Wie heißt es, in der Krise liegt die Chance. Ich tastete mich mit Online-Schulungen vor. Ein guter Kunde, die Hanns-Seidel-Stiftung, entpuppte sich als agiler Bildungsanbieter und ließ ihren festangestellten Referenten freie Hand. So entwarfen wir Woche für Woche neue Konzepte für Seminarmodelle, probierten Software wie Zoom, GotoWebinar oder Jitsi aus. Ich eignete mir eine digitale Didaktik an, investierte größere Summen in Studiotechnik wie Kameras, Greenscreen, Videomischer, Beleuchtung, Mikros und mehr. Höhepunkt war sicher ein Zwei-Tages-Streaming aus dem Wohnzimmer zur US-Wahl.

Experimente mit Greenscreen.

Ich wurde gebucht und durfte einige Bildungsanbieter in Bezug auf Online-Schulungen schulen. Leider gibt es noch zuviele schlechte Webinare da draußen, Webcam und PowerPoint reichen nicht. Die finanziellen Verluste der Präsensseminare wurden natürlich nicht durch die Einnahmen der Online-Schulungen aufgefangen, aber ich kam mit einem blauen Auge davon. Es ist klar: Der Weg der Digitalisierung lässt sich nicht mehr zurückdrehen und das ist gut so.

Neues Hobby und neuer Blog
Durch Corona hatte ich mehr Zeit. Während andere Leute diese Zeit nutzten und neue Sprachen lernten oder Netflix leer schauten, entdeckte ich für mich ein neues Hobby: Golfen

Zusammen mit meiner Frau und K2 machten wir einen Platzreifekurs auf der Golfanlage in Rottbach. Ich habe im Golfen eine neue Art der Freizeitbeschäftigung gefunden: Es ist enorm anstrengend, ich bin an der frischen Luft und es kostet gewaltige Konzentration. Es ist eine Symbiose aus mentaler und körperlicher Beanspruchung, die es in sich hat. Ich war fast jeden Tag auf dem Golfplatz und ich rief meinen Golfblog Golffieber42 ins Leben, der sich gut entwickelt. Golf ist ein prima Hobby für mich, trotz den doofen Sprüchen aus dem Bekanntenkreis.

Und ich entdeckte das Fahrradfahren (wieder). Da Reisen dieses Jahr 2020 nicht möglich waren, machten wir Urlaub zu Hause im Garten (oder auf dem Golfplatz). Genau rechtzeitig wurde bei uns ein neuer, sehr schöner Radweg mit Namen Räuber-Kneißl eröffnet.

Familie gefestigt
Durch Corona hat sich unser Familienleben verändert. Die Gattin war und ist durch ihren Job voll eingespannt und kommt kaum zum Durchschnaufen. Sie kann ins Büro radeln oder zu Fuß laufen und ist dort die meiste Zeit am Telefon, in virtuellen Konferenzen oder beantwortet Mails und ich unterstütze meine Frau wo ich nur konnte. Zusammen stellten wir eine geniale Aktion auf die Beine.

Das Internet lief zu Hause heiß: Die Kinder hatten Teams-Konferenzen, versuchten mit Mebis zu arbeiten, um Home-Schooling zu bewerkstelligen. Insgesamt ist es eine Schande, wenn ich die Digitalisierung in der Schule sehe. Und es ist eine noch größere Schande, weil ich mit diesem Thema seit Jahren an den Schulen unterwegs bin und vertröstet werde.

Auf jeden Fall kochten wir täglich alle zusammen und verbrachten viel Zeit miteinander. Da wir uns an die Kontaktbeschränkungen hielten, bekamen wir kaum Besuch. Mit meiner Mutter konferierte die Familie via FaceTime. Ich bin dankbar, dass meine Mutter mein abgeschriebenes iPad verwenden kann und es auch nutzt. Digitalisierung ist auch für die ältere Generation kein Fremdwort.

Mitte Parsifal und rechts Atari – ganz links bin ich.

Im Sommer verstarb ein geliebtes Haustier: Sinatra unser alter treuer Wellensittich. Nun ist Dr. Watson alleine und steht mit seinem Käfig bei uns im Wohnzimmer und piept in jeder familiären Unterhaltung mit. Die Familienkonferenz entschied, dass kein weiterer Sittich angeschafft wird, dafür aber zwei junge Kater. Wir bekamen sie von der vorbildlichen Tierauffangstation in Maisach. Die beiden Kater hießen dort Rocky und Mailo, aber wir taufen die Herrschaften um in Parsifal und Atari um. Egal welchen Namen die tragen, so richtig folgen sie auf keinen. Meine Frau wurde zugegebenermaßen bei der Namensvergabe etwas überrumpelt. Parsifal kommt von Richard Wagners letzter Oper und Atari von meiner ersten Videospielkonsole Atari 2600. Seitdem toben die Herrschaften in der Hütte und wir haben die neuen Rabauken lieben gelernt. Die Entscheidung für Parsifal und Atari war eine richtige Wahl zum Wohle aller.

Riga samt Heinz Erhardt
Eigentlich war ich beruflich viel auf Achse, aber aufgrund Corona kam alles zum Erliegen. Zusammen mit meiner Frau machte ich zu Jahresbeginn eine einwöchige Reise nach Riga, der Hauptstadt Lettland. Ich hab von dort ausführlich gebloggt und ich habe es vor allem genossen. Ich war früher schon mal in der Stadt und konnte meiner Frau ein bisschen was zeigen. Organisiert hat die Reise eine Freundin und Arbeitskollegin und eigentlich wollten wir 2021 wieder mit ihr ins Baltikum. Daraus wird zumindest 2021 nichts, aber ich zehre von der Riga-Fahrt noch immer mit vielen Erinnerungen und Eindrücken. Und ich habe Heinz Erhardt wieder für mich entdeckt, der in Riga aufwuchs.

John Williams – mein einziges Konzert
Und der musikalische Höhepunkt des ganzen Jahres und darüber hinaus war das Weihnachtsgeschenk 2019 meiner Frau: Ich bekam eine Karte für das John Williams Konzert im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Ich war so gerührt, dass wir noch für die ganze Familie Karten besorgten. Finanziell war es schon ambitioniert, aber wir alle genossen Wien und den wichtigsten lebenden Filmkomponisten, der mit den Wiener Philharmonikern und Anne-Sophie Mutter spielte.

Ich kann nur sagen: Es war mir eine Ehre bei so einem Ereignis dabei zu sein. Die ganze Familie war total aus dem Häuschen. Es war zudem das erste Konzert, bei dem ich dabei war, was auch als CD und Bluray herauskam – ich bin im Film sogar mal zu sehen, kurz, aber immerhin. Für 2020 hatte ich noch weitere Konzertkarten zu Elton John und Yes, aber die musikalischen Ereignisse wurden erst mal verschoben. Ich hoffe, dass wir die Künstler noch mal sehen können und wir nicht auf den teuren Tickets sitzen bleiben.

Vinyl lebt
Also bleibt nichts anderes übrig, als Musik von der Konserve oder via Stream zu hören. Ich machte mir dafür selbst ein Geschenk. Seit Jahren spielte ich mit dem Gedanken mir wieder einen Schallplattenspieler anzuschaffen. Ich hab zwar Modelle von Dual und Technics, aber ich als Retro-Liebhaber wollte ich mir eine besondere Freude machen: Einen Braun PT4 in weiß.

Und ein neuer Player will neues Futter haben. Zum Glück erschien der Gesamtkatalog von Kraftwerk in farbigen Vinyl. Und ich höre auf dem Schallplattenspieler meist abends bei einem Glas Rotwein Jazz-Platten und lasse mich treiben.


Meist lese ich in einem Filmbuch um abzuschalten, aber wirklich gefesselt hat mich 2020 wieder und wieder die Geschichte „die Maske des Roten Todes“ von meinem Lieblingsautor Edgar Allan Poe, die da endet: „And Darkness and Decay and the Red Death held illimitable dominion over all“. („Und unbeschränkt herrschte über alles mit Finsternis und Verwesung der Rote Tod.“) Mehr gibt es über 2020 nicht zu schreiben.

Ich wünsche euch einen guten Rutsch und bleibt gesund.

Filmkritik: Soul von Pixar

30. Dezember 2020

Es tut mir in der Seele weh, einen solchen Film nicht im Kino sehen zu können. Seit dem 25. Dezember 2020 ist der neue Pixar-Film Soul online beim hauseigenen Streamingdienst Disney+ anzuschauen – ohne Aufpreis wie bei Mulan. Pixar-Filme sind für das Kino gemacht und dort gehören sie auch hin.

Wunderbarer Film von Pixar. Foto: Pixar

Mein Kind zeigte mir ein Meme: „Pixar bei ToyStory: Wow, sie lassen Spielzeuge sprechen. Pixar bei Soul: Wow, sie sprechen über den Sinn des Lebens.“ Das ist eine ziemlich gute Beschreibung zu Soul, denn der Film geht in die Tiefe und berührt. Regie führte bei diesem Animationsmeisterwerk mit Humor und Tiefgang Pixar-Routinier Pete Docter, der bereits Oben und Alles steht Kopf für Pixar herstellte. Und er versteht dich auch die Komplexität des Themas, verpackt in eine schöne Geschichte.

Soul ist der 23 Pixar-Film und immer wieder überrascht das Studio trotz Disney mit Innovationen in jedem Bereich. Pixar kann einfach Geschichten perfekt erzählen mit Moral und Humor – und in einer absoluten technischen Perfektion.

Foto: Pixar

In Soul geht es um den Musiklehrer Joe Gardner aus New York, der erste Schwarze, der in einem Pixarfilm die Hauptrolle hat. Joe lebt für den Jazz und kaum hat er die Zusage für den Gig seines Lebens erhalten, da stirbt er. Er betritt die Himmelstreppe ins Jenseits, die Rolltreppe führt ins Licht des „großen Danach“. Joe weigert sich aber und entwischt in das „große Davor“ – eine Zone in der Seelen ihre Persönlichkeit erhalten. Dort trifft er auf 22, eine bockige Seele, an der sich bereits große Mentoren chancenlos versucht haben. Joe nimmt die Herausforderung an und es folgt eine wunderbare Körpertauschepisode mit einer Katze – aber schaut euch den Film selbst an.

Die Geschichte hat neben der Situationskomik aber eine zweite tiefere Ebene. Pete Docter schuf ein Plädoyer für das Leben. Er öffnet uns Zuschauern die Augen für die kleinen, aber so enorm wichtige Dinge des Alltags, und sei es auch nur der Biss in ein Pizzastück. Schon bei Ratatouille zeigte Pixar, wie Geschmack auf die Leinwand gebracht werden konnte – bei Soul ist es ebenso. Zunächst hatte ich die Angst, dass uns ein weiterer Aufguss des Thema „Lebe deinen Traum“ in Disney-Manier mit Pathos präsentiert wird, aber nein: Die Botschaft von Pete Docter ist subtiler und geht tiefer. Docter liebt beispielsweise Picasso und so verbeugt er sich im „großen Davor“ vor diesem Künstler und zaubert mit seinen Animatoren eine kunstvolle Landschaft samt kunstvollen Figuren. Er zeigt uns, was Fantasie leisten kann und was die Träumer bei Pixar im Sinn hatten. Und dazu kommt die hinreißende Jazz-Musik von Jon Batiste. Dazu mein CD-Tipp Soul: Music from and Inspired by the Disney/Pixar Motion Picture Was kann es Besseres geben?