Corona-Virus: Tag 8 der Ausgangsbeschränkung – Gottesdienst via Zoom – Beerdigungen eingeschränkt

29. März 2020
Wie sieht es in Zeiten von Corona mit dem Glauben aus?

Wie sieht es in Zeiten von Corona mit dem Glauben aus?

In der Krise suchen Menschen nach Halt und Führung. Das ist in der derzeitigen Corona-Krise ebenso. Seit zwei Jahrtausenden gibt die katholische Kirche ihren Gläubigen Halt und ich wollte mal wissen, wie sich der Pfarrverband Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck positioniert.
Zudem ist ein Freund unserer Familie überraschend verstorben. Ich konnte aufgrund von Corona nicht an der Beerdigung dieses großartigen Mannes teilnehmen und meinen Respekt bezeugen. Er wurde im engsten Familienkreis bestattet. Ein Gedenkgottesdienst soll nachgeholt werden.

Papst Franziskus hat am Freitagabend den Segen „Urbi et Orbi“ auf dem menschenleeren Petersplatz in Rom gesprochen – ein historisches Ereignis. Der höchste katholische Segen wird sonst nur zu Weihnachten, Ostern und nach der Wahl eines neuen Papstes gesprochen. Historisch ist auch, dass der Pfarrverband Maisach für heute Sonntag um 10 Uhr einen Videogottesdienst mit Pfarrer Terance via Zoom anbietet. Achtung: Es gilt seit heute Sommerzeit. Wer Interesse am Video-Gottesdienst hat, möge sich bitte mit einer Email bei pia.heininger@gmail.com anmelden. Hier bekommen Gläubige dann die Zoom-Adresse mitgeteilt. Bitte entsprechende Zoom-App laden.
Der Aufruf des Pfarrverbandes: „Für den Videogottesdienst schalten Sie bitte Ihre Ton- und Videoübertragung aus. Wenn Sie ein Gotteslob zuhause haben, dann legen Sie das bereit. Zum vereinbarten Termin öffnen Sie dann den Link. Bitte pünktlich und nicht lange vorher. Die Gottesdienstzeit ist auf 40 min begrenzt, da es eine kostenlose Version ist.“

Ich fragte bei Thomas Bartl nach, der im Pfarrverband Maisach für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

St. Vitus ist geöffnet und Gläubige kommen zum Beten und Singen.

St. Vitus ist geöffnet und Gläubige kommen zum Beten und Singen.

Gottesdienste finden im Gemeindegebiet von Maisach nicht statt. Die Kirchen sind teilweise aber für Gläubige geöffnet. Wird die Geste angenommen? Können Sie einen Überblick geben, welche Kirchen geöffnet sind.
Thomas Bartl: Einzelne kommen in die Kirche zum persönlichen Gebet. Die Kirche in Maisach ist wie gewohnt täglich (außer Montag) offen. Malching, Germerswang, Rottbach und Überacker sind wie immer an den Sonn- und Feiertagen geöffnet. Gernlinden kann voraussichtlich ab der Karwoche wieder offen sein.

Ist die seelsorgerische Tätigkeit dennoch gewährleistet?
Thomas Bartl: Sie ist natürlich wegen der Kontakteinschränkungen ganz anders. Wir Seelsorger dürfen nur Weniges tun, wie z. B. telefonieren oder per Email kommunizieren. Die Seelsorge im Notfall ist gewährleistet und muss es auch sein. Wir Seelsorger sind grundsätzlich per Telefon oder Email erreichbar. Und bei Notfällen kann man immer die 01523-8596476 anrufen.

Seelsorge ist mehr als Gottesdienst. Wie werden andere seelsorgerische Aufgaben wahrgenommen?
Thomas Bartl: Im Moment müssen wir viel kommunizieren, informieren und koordinieren. Das ist unter den Einschränkungen deutlich mühsamer, aber doch gut möglich. Wir verweisen auf Online-Angebote, stellen Hausgottesdienste zum Herunterladen zur Verfügung und führen Bestattungen im kleinsten Kreis durch.

Wenden sich in dieser Krisenzeit mehr Menschen an die Seelsorger?
Thomas Bartl: Im Moment nur ein bisschen mehr, die Hemmschwelle ist meiner Wahrnehmung nach für viele doch hoch, bei einem Seelsorger anzurufen. Es wäre leichter, wenn wir in der Öffentlichkeit sichtbar sein könnten und die Leute uns auf der Straße treffen würden, aber das geht zurzeit ja leider nicht. Der Druck der Krise kann aber auch noch höher werden, und dann trauen sich die Menschen auch bei uns anzurufen.

Pfarrer Terance zelebriert jeden Tag um 19:00 Uhr einen privaten Gottesdienst und schließt die Intentionen und Sorgen der Menschen im Pfarrverband ein. Wäre ein Streaming nicht jetzt angebracht?
Thomas Bartl: Ein Streaming mit Pfarrer Terance bieten wir sonntags um 10:00 Uhr an. Für ein tägliches Angebot sind wir nicht professionell genug, da findet man im Internet bessere Formate, z. B. die täglichen Gottesdienste des Erzbistums.

Das Hochfest Ostern findet statt. Wie können Gläubige in der Gemeinde Maisach jetzt Ostern feiern?
Thomas Bartl: Persönlich und in der Familie. Wir bieten dann wieder einen Hausgottesdienst an, für manche sind auch die Fernsehgottesdienste gut geeignet. Wir werden auch ein Segensgebet für die Osterspeisen zur Verfügung stellen.
Jetzt kommt es, glaube ich, auf den persönlichen Glauben der Einzelnen an. Aber das sehe ich auch als Chance: Es kann im Notfall auch mal ohne Priester gehen. Die Gemeinden in Amazonien etwa kennen das nicht anders, wenn zu ihnen nur einmal im Jahr ein Priester zum Gottesdienst kommt, den Rest des Jahres versorgen sie sich selbstständig.

Im Landkreis gibt es zwei Tote durch Corona. Aber auch durch Krankheit und Schwäche gibt es weiterhin Todesfälle. Wie können wir unsere Toten beerdigen?
Thomas Bartl: Es gibt Beerdigungen im engsten Kreis, die Staatsregierung erlaubt bis zu 15 Angehörige. Ich hatte letzte Woche so eine Trauerfeier am Leichenhaus und dann die Beisetzung am Friedhof. Die Angehörigen dürfen natürlich nicht krank sein und müssen den 2m-Abstand einhalten. Wir müssen auch auf Weihwassersprenger und Erdschäufelchen verzichten wegen der Gefahr der Virusübertragung. Ein größerer Trauer-Gottesdienst kann leider erst später stattfinden, wenn das Versammlungsverbot wieder aufgehoben ist. Was mich besonders beeindruckt hat: Die Menschen im Dorf haben sich etwas Kreatives einfallen lassen, um ihre Anteilnahme irgendwie auszudrücken.

Fallen Bestattungen unter die bundesweite Allgemeinverfügung und sind demnach „grundsätzlich verboten“? Wie wird in der Gemeinde verfahren?
Thomas Bartl: Bestattungen sind grundsätzlich nur verboten, wenn mehr als 15 Angehörige teilnehmen. Zunächst gab es eine Verordnung der Staatsregierung, nach der die Bestatter jede einzelne Beerdigung im Landratsamt genehmigen mussten. Inzwischen ist das wieder zurückgenommen. Es müssen nur die Bedingungen eingehalten werden. Also wir können im kleinen Kreis beerdigen. Wer einen Todesfall hat, wendet sich ganz normal zuerst an ein Bestattungsunternehmen, und die vereinbaren dann einen Termin mit uns Seelsorgern für eine kleine Trauerfeier im engsten Kreis.

Corona-Virus: Tag 7 der Ausgangsbeschränkung – Maisach hinter Plexiglas

28. März 2020

Grundsätzlich gilt: Bleiben Sie zu Hause – vor allem wenn Sie zu den betroffenen Risikogruppen gehören, dann sollten Sie nicht zum Einkaufen gehen. Das dürfte doch nicht so schwer sein. Es gibt genügend hilfsbereite Mitmenschen in der Gemeinde Maisach, die Besorgungen machen.
Wer zum Einkaufen in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck geht, stellt aber fest, dass sich Läden optisch verändert haben. Zum einen heißt es ganz klar Abstand halten. Zum anderen haben viele Geschäfte Plexiglasscheiben aufgebaut, um ihre Mitarbeiter zu schützen.

Ein bisschen Glaskäfig, aber egal. Plexiglas beim Edeka.

Ein bisschen Glaskäfig, aber egal. Plexiglas beim Edeka.

Beispielsweise hat Toni Leich vom Edeka in Maisach Plexiglaskästen für seine Kassenkräfte aufgebaut. Auf bei der Fleisch- und Wursttheke sind die freundlichen Mitarbeiter hinter Glas. Es sieht ein wenig gewöhnungsbedürftig aus, dient aber zum Schutz. Zudem tragen die Kassenkräfte jetzt auch Handschuhe. Da ich in der Regel kontaktlos mit dem iPhone via ApplePay bezahle, sind mir die Änderungen beim bar kassieren erst einmal nicht aufgefallen. Das Geld wird nicht mehr direkt überreicht, sondern kommt in eine orange Schale. Das Wechselgeld kommt wieder in die Schale. So wird der körperliche Kontakt vermieden – gute Idee. Ich bitte alle Gewerbetreibenden im Dorf auf so eine Art von kontaktlosen Bezahlen umzustellen.

Ähnliche Plexiglas-Varianten habe ich in der Birken-Apotheke gesehen. Es dürfen nur noch wenige Leute in die Apotheke. Gerade in so sensiblen Bereichen wie Apotheken oder Arztpraxen begrüße ich solche Schutzvorrichtungen.

Bei einem Lungenarzt in Fürstenfeldbruck habe ich sogar eine Variante mit durchsichtiger Folie gesehen – sieht zwar nicht toll aus, funktioniert aber großartig. Die komplette Rezeption war in Folie verpackt. In Zeiten von Corona muss Design wohl in den Hintergrund treten.


Wir wissen ja, das es wichtig ist, Abstand zu halten. Und so gibt es vermehrt Aufkleber oder Markierungen am Boden, die den Abstand der Kunden einfordern. Im Supermarkt, beim Bäcker, bei Auto Walter  – eigentlich überall. Wenn mir persönlich jemand zu nah auf die Pelle rückt, dann erlaube ich mir freundlich aber entscheiden darauf hinzuweisen. Im großen und ganzen klappt das Einhalten des Abstands in den Geschäften sehr gut. 1,5 Meter sind Pflicht.

Ich war gespannt, wie es auf dem Maisacher Wochenmarkt funktioniert. Als ich nachmittags vorbeischaute, staunte ich über die Disziplin nicht schlecht. Vor den drei Ständen hatten sich Reihen mit großzügigen Abständen gebildet. Es gab kein Gedränge, kein Geschupse oder böse Worte der Hatz. Die Einkäufer brachten Geduld mit. Es entzerrt sich, alle haben Zeit bei der Ausgangsbeschränkung eingeplant. Alles läuft bei uns im Dorf entspannter ab – so soll es sein. Gemeinsam überstehen wir die Krise.

 

Corona-Virus: Tag 6 der Ausgangsbeschränkung – Maisacher Gastronom: Wir kämpfen ums Überleben

27. März 2020
Dampfnudeln vom Gasthof Heinzinger in Rottach. Immer Donnerstags.

Dampfnudeln vom Gasthof Heinzinger in Rottach. Immer Donnerstags.

Gerne bin ich mit meiner Familie oder meinen Foodblogger-Kollegen Thomas Gerlach in der Vergangenheit zum Essen gegangen. Aber in Zeiten von Corona gibt es für die Gastronomie klare Einschränkungen, die der Branche weh tun. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, hat Ministerpräsident Markus Söder grundlegende Ausgangsbeschränkungen verhängt. Zuvor wurde bereits der Katastrophenfall in Bayern ausgerufen. Seit Samstag, den 21.3., mussten deshalb alle Gastronomiebetriebe schließen, To-Go, Drive-In und Lieferungen sind aber weiterhin möglich.
Ich möchte meine lokalen Gastronomen in der Gemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck unterstützen – und zudem hab ich von gebunkerten Nudeln und Reis (das war ein Witz) genug.
Einige gastronomische Einrichtungen in Maisach haben ein Lieferangebot bzw. einen Abholservice während der Corona-Krise eingerichtet. Jetzt zeigt es sich, wer rechtzeitig auf die Digitalisierung seines Geschäftsbetriebes gesetzt hat. Die strengen Hygieneregeln in der Gastronomie sind nun wichtiger als je zuvor. Lebensmittel werden aktuell nicht als Überträger von Corona gesehen.
Andere Betriebe haben geschlossen und hoffen auf das Ende der Krise. Meine beiden Lieblingsgriechen, Aleco der Grieche und die liebe Sula von der Sportgaststätte Olympia, haben vorübergehend geschlossen. Auch Deniz Kebap-Haus, mein Döner-Dealer im Dorf, hat die Rollos erst einmal runterlassen.

Ich habe gesehen, dass das Triplico in Maisach eine spezielle Takeaway-Karte eingerichtet hat und Speisen zum Abholen anbietet. Zudem hat das Lokal von 11:30-15 Uhr geöffnet. Lebensmittel, Personal und Geräte können weiterhin sinnvoll genutzt werden. Und auch von vielen anderen Gastronomen höre ich, dass sie sich auf die Krise einstellen, wie die Pizzaria Salerno in Gernlinden (meine Pizzeria als in noch in Gerlinden wohnte) oder Essraum Gernlinden mit Takeaway. Und Alberto verkauft auch to go. Wie mir Klaus Stanke mitteilt, hat das Maisacher Restaurant Ristorante I‘Italiano auch geöffnet.

Mein Lieblingsrestaurant im Gemeindegebiet ist allerdings der Gasthof Heinzinger. Wenn ich anspruchsvolle Gäste habe, lade ich sie zu Denis Kleinknecht zum Steakessen ein. Bei den Steaks setzt er auf Nachhaltigkeit und er legt Wert auf Qualität. Das Roastbeef stammt von der Allgäuer Färse, das Filet vom Simmentaler Biorind, das Filet vom Galizischen Rind, Valles de Leon (21 Tage trocken gereift), das T-Bone vom irish Black Angus (21 Tage trocken gereift), das Tomahawk vom Emsrind (21 Tage trocken gereift).
Aber in Zeiten von Corona hängen die Steaks im Reifeschrank und die wirtschaftlichen Sorgen des Gastronoms sind enorm.
Daher macht Denis Kleinknecht aus der Not eine Tugend und bietet einen Lieferservice an. Zudem verkauft er vorbestellte Speisen vom Fenster in Rottbach aus. Das musste ich ausprobieren und bestellte am Mittwoch für Donnerstag die legendären Dampfnudeln für meine Familie vor. Donnerstag 12:15 Uhr holte ich sie zusammen mit meiner Frau ab. Denis Kleinknecht gab mir aus der Entfernung – Sicherheitsabstand muss sein – folgendes aufschlussreiches Videointerview.

Dabei spricht er über die Lage der Gastronomie, der Zusammenhalt in der Krise. „Wir kämpfen ums Überleben“, so Denis Kleinknecht sehr ernst. Nach Nächten voll Existenzängsten hat er einen Entschluss zum Lieferservice und Fensterverkauf gefasst und eine hochwertige Speisekarte zusammengestellt.

Denis Kleinknecht.

Denis Kleinknecht.

Er braucht wie seine Kollegen den Umsatz, um seine Mitarbeiter vor Kurzarbeit zu bewahren und laufende Kosten zu bedienen. Wie funktioniert es? Alle Sous-Vide-Gerichte (Vakuumbeutel) werden frisch auf Vorbestellung zubereitet und am nächsten Tag gekühlt zum Besteller nach Hause geliefert. Bestellungen können bis 22:00 Uhr angenommen werden. Die Kunden können dann die fertigen Gerichte samt Kochbeutel in einem Wasserbad erhitzen, Beutel aufschneiden und genießen. Haltbarkeit für alle Speisen vier Tage – alle Speisen sind ohne Zusatz- und Konservierungstoffe. Und Denis Kleinknecht berichtet, woher er die selten gewordene Hefe für seine Dampfnudeln bezieht.

Ich würde mich freuen, wenn wir in der Gemeinde an unsere Gastronomie denken und ab und zu mal etwas dort bestellen. Und sonst können wir ja weiter unsere gehamsterten Nudeln essen.

Corona-Virus: Tag 5 der Ausgangsbeschränkung – Feuerwehr Maisach voll einsatzbereit

26. März 2020

Die Corona-Krise hat das öffentliche Leben in Maisach so gut wie lahmgelegt. Wie reagieren die Einsatz- und Rettungsorganisationen in meiner Gemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck am fünften Tag der Ausgangsbeschränkung auf das Virus? Ich wollte vom Maisacher Feuerwehrkommandant Andreas Müller wissen: Ist die notwendige Einsatzstärke sichergestellt? Und wie schützen sich Feuerwehrleute vor einer Ansteckung?
„Wir haben in unserer Truppe keine Verdachtsfälle und sind daher mit 49 aktiven Feuerwehrkameraden voll einsatzbereit“, beruhigte Müller. Das Wichtigste sei in so einer Krisensituation die Kommunikation untereinander. Der Digitalfunk der Feuerwehr funktioniert zwischen Fahrzeugen und Feuerwehrhaus. Untereinander kommuniziere man mit E-Mai, Messenger und es wird verstärkt telefoniert. „Ich habe einen gewaltigen Respekt vor meiner Mannschaft. Ich bin seit 26 Jahren bei der Feuerwehr dabei, aber so eine Krise habe ich noch nie erlebt. Der Zusammenhalt ist hervorragend,“ so der 41jährige Müller. Er ist seit März 2019 erster Kommandant der Maisacher Wehr und war seit 2013 Stellvertreter.


Aber in Zeiten von Corona gibt es besondere Vorkehrungen. Die Feuerwehr Maisach habe alle Treffen oder den gemeinsamen Sport abgesagt. Nur noch am Samstag findet von 10 bis 10.30 Uhr die Bewegungsfahrten in kleiner Besetzung statt, damit im Notfall die Fahrzeuge der Maisacher Wehr einsatzbereit sind.
Das Feuerwehrhaus ist für die Öffentlichkeit gesperrt. Während früher Eltern mal mit ihren Kindern vorbeischauen und die Fahrzeuge bestaunen konnten, so bleibt die Öffentlichkeit jetzt komplett außen vor. Mögliche Paketlieferungen an die Feuerwehr kommen über die Gemeinde oder werden privat organisiert.
Zu Zeiten von Corona habe es bisher nur einen Einsatz gegeben und das war ein Ölschaden. Sollte es aber brennen und die Feuerwehr sei personell richtig gefordert, dann gilt auch hier: Abstand halten. Es gibt klare Bestimmungen des Gesundheitsamtes, die Müller seinen Leuten vermittelt und eingeübt hat.
Bei der Feuerwehr Maisach sind Atemschutzmasken FFP2 vorhanden. Nachschub sei unterwegs.
Atemschutzmasken schützen vor lungengängigem Staub, Rauch und Flüssigkeitsnebel (Aerosol), nicht aber vor Dampf und Gas. Das Klassifizierungssystem unterteilt sich in drei FFP Klassen, das Kürzel FFP steht dabei für „filtering face piece“. Eine Atemschutzmaske bedeckt Nase und Mund und setzt sich zusammen aus verschiedenen Filtermaterialien und der Maske selbst. Vorgeschrieben sind sie an Arbeitsplätzen, an denen der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) überschritten wird. Dies ist die maximal zulässige Konzentration von Stäuben, Rauch und Aerosolen in der Atemluft, die nicht zu gesundheitlichen Schäden führt. Wird sie überschritten, sind Atemschutzmasken verpflichtend. Atemschutzmasken der Schutzklasse FFP2 eignen sich für Arbeitsumgebungen, in denen sich gesundheitsschädliche und erbgutverändernde Stoffe in der Atemluft befinden. Sie müssen mindestens 94% der in der Luft befindlichen Partikel bis zu einer Größe von 0,6 μm auffangen und dürfen eingesetzt werden, wenn der Arbeitsplatzgrenzwert höchstens die 10-fache Konzentration erreicht.
Die Feuerwehr hat aber natürlich die Masken, welche für den Pressluftatmer benötigt werden, heißen Atemschutzmaske. Diese gibt es als Voll- oder Halbmaske.

Andreas Müller reinigt mit Flächendesinfektionsmittel regelmäßig Lenkräder, Schaltknüppel undWerkzeuge der Feuerwehr, um ein Ansteckungsrisiko zu minimieren.
Gleichzeitig steht er im Kontakt mit den anderen freiwilligen Feuerwehren im Gemeindegebiet und im Landkreis. „Wir sind einsatzbereit und stehen zur Verfügung, wenn man uns braucht“, so Feuerwehrkomandant Andreas Müller.

Persönlicher Nachruf auf den Asterix-Zeichner Albert Uderzo

25. März 2020
Meine Asterix aus den vergangenen Jahren.

Meine Asterix aus den vergangenen Jahren.

Ohne ihn hätte es die weltberühmten Comic-Helden Asterix und Obelix nicht gegeben: Nun ist Albert Uderzo im hohen Alter von 92 Jahren im Kreis seiner Familie an einem Herzinfarkt verstorben.
Gemeinsam mit dem Geschichtenerzähler René Goscinny erschuf er das Asterix-Universum, welches seit Generationen für Jung und Alt ein weltweiter gallischer Dauerrenner ist. Sein Motto lautete, dass das Arbeiten in der Comic-Branche jung hält.
Ich wurde zu Asterix gezwungen. Ich mochte die Figuren überhaupt nicht. Als ich Schüler war und miserable Englischnoten hatte, kamen meine Eltern auf die Idee, mir die englische Version von Asterix und Kleopatra zu kaufen. Es war eine Qual und die beiden gallischen Helden waren bei mir unten durch.
Englisch besserte sich und bei einem Familienurlaub im Garadasee in Italien gab es einen Zeitschriftenstand mit deutschsprachigen Zeitungen. Als einzige Comics gab es nur Asterix auf Deutsch und aus dieser Not heraus, näherte ich mich Asterix. Im Laufe der Jahre kaufte ich mir mehr und mehr der Hefte, konnte auf Parties lateinische Sprüche zum Angeben aufsagen und „Die spinnen die Römer“ wurde zu meinem Wortschatz. Jetzt ist mit 92 Jahren der Asterix-Zeichner gestorben.
Albert Uderzos langjähriger deutscher Verlag Egmont Ehapa Media GmbH zur traurigen Nachricht: „Die Welt hat einen großen Zeichner verloren. Zugleich bleiben wir reich beschenkt zurück mit den einzigartigen Comic-Geschichten aus Gallien. Durch die Abenteuer von Asterix wird Albert Uderzo uns und den Lesern in bunter, humorvoller Erinnerung bleiben. Wir bedanken uns bei ihm für eine vertrauensvolle und außergewöhnliche verlegerische Partnerschaft über ein halbes Jahrhundert und für all seine pointierten Zeichnungen und Geschichten.“ Einige der Comics hab ich mal aus dem Archiv geholt und stelle sie in diesem Video vor. Mein Lieblings-Asterix ist „Asterix bei den Schweizern“.

Albert Uderzo wurde am 25. April 1927 geboren. Alles deutete darauf hin, dass er mit seinen Händen Großes vorhatte: Albert Uderzo kam mit sechs Fingern an jeder Hand zur Welt. Seine Eltern beschlossen jedoch diese beiden überzähligen Finger entfernen zu lassen. Als Sechsjähriger Knirps lieferte er schon die ersten, beinahe druckreifen Zeichnungen zu Hause ab. Da erst bemerkte man, dass der Junge farbenblind war. Auch dieses Hindernis konnte ihn nicht stoppen. Mit 14 Jahren engagierte ihn ein Pariser Verlag. Mit 18 zeichnete er bereits seine eigenen Comic-Strips. Das Zeichentalent scheint ihm wirklich in die Wiege gelegt worden zu sein, denn er besuchte zu keiner Zeit eine Kunstakademie. Seinen unverwechselbaren Strich bringt er sich selbst bei und verbessert sich durch permanentes Üben. 1951 schlägt seine große Stunde. Er begegnet Jean Michel Charlier und insbesondere René Goscinny. Mit Charlier
entstehen die Abenteuer der beiden tollkühnen Piloten „Tanguy und Laverdure“. Zusammen mit René Goscinny entwickelt er zunächst „Umpah-Pah“. Zwischen den beiden Künstlern bahnt sich eine lebenslange, sehr innige Freundschaft an. Seinen großen Durchbruch feierte er 1961, als die gallischen Abenteuer in Frankreich schon in Form von kompletten Comic-Geschichten in 48-seitigen Alben erscheinen. Der Asterix-Funke zündet und nur wenige Jahre später und begeistert in ganz Europa.
Seinen größten Verlust erlebte er 1977: Nach dem plötzlichen Tod seines besten Freundes René Goscinny wollte das Zeichnergenie mit Asterix Schluss machen. Aber seine Fans überzeugten ihn weiterzumachen und so soll es auch jetzt sein: Auch wenn er diese Welt verlassen hat, durch Asterix wird der großartige Künstler in den Herzen der Leser für immer weiterleben.

Corona-Virus: Tag 4 der Ausgangsbeschränkung – Bürgermeister Hans Seidl über den Zusammenhalt in Maisach

25. März 2020
Bürgermeister Hans Seidl von Maisach zur Situation in der Gemeinde Maisach. Bürgermeister Hans Seidl zur Situation in der Gemeinde Maisach.

Als ich mich am Dienstag, dem vierten Tag der Ausgangsbeschränkung, auf den Weg zum Maisacher Rathaus machte, musste ich erst einmal kräftig über mich selbst lachen. Die Straßen unseres Dorfes waren menschenleer. Kein Fußgänger, kein Radler, kein Auto waren auf der sonst vielbefahrenen Kreuzung Bahnhofstraße/Aufkirchner Straße unterwegs, aber ich wartete brav an der roten Ampel.
Den Kindern ein Vorbild drückte ich automatisch den Knopf der Ampel und wartete auf mein grünes Lichtzeichen für Fußgänger. Während ich wartete, kam kein Auto. Die Ampel sprang auf Grün um und ich ging über die Straße. Ja, ich kann aus meiner Haut nicht raus. Ich weiß, es ist einfach lächerlich.

Vor dem Maisacher Rathaus hatte ich mich mit Bürgermeister Hans Seidel zum Interview verabredet. Wir trafen uns vor dem Rathaus, nicht im Amtszimmer des vor kurzem wiedergewählten Rathauschefs. Grund: Corona. Die Begrüßung erfolgte ohne den üblichen Handschlag mit einem Abstand von mindestens zwei Meter.
Im Netz sehe ich Bundes- und Landespolitiker, aber ich wollte von dem gewählten Gemeindeoberhaupt meiner Gemeinde Maisach wissen, wie die Situation sich vor Ort darstellt.
Hier das komplette Videointerview. Der eiskalte Wind auf dem Vorplatz war ziemlich heftig, daher Ohren auf und Ton hochdrehen.

Wichtigste Aussage für mich: Nur im Zusammenhalt könne Maisach die Krise überstehen. Als Bürgermeister nehme er die Probleme der Bürgerinnen und Bürger sehr ernst, wie die Diskussion um das Schließen der großen Wertstoffhöfe. Hier werde an einer Lösung gearbeitet. Wie die Lösung aussehen kann, erklärte Seidl nicht.
In Bezug auf Corona gebe es keine Zahlen aus der Gemeinde. Allerdings rechnet der Bürgermeister mit einer Dunkelziffer. Im Moment sei die Lage noch entspannt. Der Kontakt der Bürgermeister und der Verwaltungen im Landkreis funktioniere und man stehe auch im intensiven Kontakt mit dem Landratsamt. Wichtig für Hans Seidl: „In der Krise muss man Nähe zeigen“ – daher auch mein Dank an den Maisacher Bürgermeister für dieses Interview.

Corona-Virus: Tag 3 der Ausgangsbeschränkung – der Blick ins Maisacher Netz

24. März 2020

Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten hatten sich am Sonntag auf bundesweite Einschränkungen verständigt. Generell gilt eine Abstandsregelung von mindestens eineinhalb Metern. Begegnungen in der Öffentlichkeit sind in anderen Bundesländern generell auf zwei Menschen beschränkt, bei uns in Bayern dürfen weiterhin nur Familien beziehungsweise Mitglieder eines Haushalts gemeinsam unterwegs sein. Mein Eindruck in unserem Dorf ist: Es klappt – die Straßen im Dorf sind leer. In der Frauenstraße, einer der wichtigen Straßen zum Gewerbegebiet, fahren kaum Autos. Das Dorfzentrum ist kaum besucht, ein paar Menschen laufen noch von der S-Bahn zu den Firmen.

Wenn die Kontakte nicht im realen Leben stattfinden können, dann gibt es das virtuelle Leben. Meine wichtigsten Werkzeuge sind eMail, Threema, Facetime, Skype sowie Zoom. Und hier kommt auch das größte soziale Netzwerk der Welt ins Spiel: Facebook.
Für mein Dorf gibt es eine Facebook-Gruppe „Du kommst aus Maisach, wenn …„. Administrator der Gruppe mit derzeit 1695 Mitgliedern ist Claus Bender. Ich wollte wissen, ob sich durch Corona im Netz etwas verändert hat.

Spürst du durch Corona einen verstärkten Zugriff auf die Maisacher-Facebook-Gruppe?
Claus Bender: Ja, es passiert gewaltig etwas im Netz. Ich stelle eine Steigerung von rund 100 Prozent fest. Das Informationsbedürfnis ist enorm. Gleichzeitig sind die Mitglieder verstärkt zu Hause und schauen, was sich in der Gruppe tut. Viele möchten sich informieren, viele sich unterhalten und sich zum aktuellen Geschehen äußern. Corona hat derzeit einen extrem starken Einfluss auf die sozialen Medien, im Grunde ist nichts anderes mehr zu lesen.
Allerdings nehmen die pseudowitzigen Bilder und Sprüche seit einer Woche ab, auch hier ist zu spüren, dass diese Pandemie kein Spaß ist.

Seit wann besteht die Gruppe eigentlich und wie sieht ihre Entwicklung aus?
Claus Bender: Die Gruppe wurde am 19. Dezember 2017 von Thomas Wagner gegründet, der mich als Administrator mit ins Boot geholt hat, und ist seitdem stetig gewachsen. Durch die aktuelle Lage bekommen wir vermehrt neue Mitglieder.

Um welche Themen drehen sich die Gespräche in der Maisach-Gruppe?
Claus Bender: Der Schwerpunkt der Beiträge kommt aus Maisach und Gernlinden, weil sie ja die bevölkerungsreichsten Ortsteile sind. Aber auch die kleineren Ortsteile im Gemeindegebiet sind in der Facebook-Gruppe vertreten. Es werden alle möglichen Themen diskutiert von unterschiedlicher Qualität. Immer wieder werden Tiere gesucht, die entlaufen sind, so dass hier eine eigene Gruppe entstanden ist. Natürlich dürfen kleine Kabbeleien nicht fehlen – vor allem durch die historische Rivalität zwischen Maisach und Gernlinden.

Die Gruppe ist ja, trotz zurückliegendem Kommunalwahlkampf, in der Regel politikfrei. Geht das in Zeiten von Corona noch oder spürst du Veränderungen?
Claus Bender: Die Gruppe ist politisch, aber nicht parteipolitisch. Das ist ganz wichtig. Immer wieder gibt es Diskussionen, ob die eine oder andere Veranstaltung von einer politischen Gruppierung eine Parteienwerbung ist oder ob sie der allgemeinen Information dient. Aber Maisach klappt die Kommunikation im Großen und Ganzen sehr gut, ein paar Ausreißer gibt es natürlich immer.

Auf private Initiative von Klaus Engstler hat sich die Corona-Nachbarschaftshilfe Maisach als Facebook-Gruppe gegründet. Unterstützt du diese Aktion und in welcher Form?
Claus Bender: Wir haben die Initiative auf unserem Gruppenbild erwähnt und es ist toll, was Klaus da auf die Beine gestellt hat. Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob die Zielgruppe, die unsere Hilfe benötigt, in sozialen Netzwerken aktiv ist. Ich glaube, die Maisacher Senioren sind in der Masse da nicht so weit. Daher ist es gut, dass auch eine klassische Telefonnummer angegeben ist, an die sich die Leute wenden können. Wie stark die Hilfe angenommen wird, kann ich nicht sagen. Es gibt einige Postings von Angeboten in der Maisacher Gruppe.

Greifst du als Administrator in Maisach in die Diskussion ein und stimmst du dich mit Admins anderer Gruppen im Landkreis ab?
Claus Bender: Ich greife ab und zu ein, wenn Beleidigungen oder Beschimpfungen auftreten. Aber die Maisacher sind hier diszipliniert. Es gibt größere Gruppen im Landkreis, da geht es härter zur Sache und dort müssen Beiträge durch den Moderator freigegeben werden, sonst kommt es zu einer Flut an Beschimpfungen. Das ist in Maisach nicht so. Hier geht es gesittet zu. Wir haben auch keine Bilder von Corona-Parties bisher.
Allerdings stehe ich die Gefahr von FakeNews. Hier greife ich ein, denn falsche Informationen sollen nicht veröffentlicht werden. Da erlaube ich mir schon mal nachzufragen und die Quelle zu prüfen.

Eine private Frage: Du hast ja einen Hauptberuf und eine Familie – wie schaffst du das eigentlich?
Claus Bender: Ich weiß es nicht, wirklich nicht. Meine Frau steigt mir immer wieder aufs Dach, was ich mir hier ans Bein gebunden habe. Ich administriere ja nicht nur die Maisacher Gruppe, sondern unter anderem auch Olching und eine Foto-Gruppe im Landkreis.

Corona-Virus: Tag 2 der Ausgangsbeschränkung – die Versorgungslage im Dorf

23. März 2020

Sonntag morgen in Maisach. Es hat geschneit. Es ist kalt, also einfach nochmal umdrehen und die Bettdecke über den Kopf ziehen. Erst als später die Sonne herauskommt, wacht das Dorf langsam auf.

Der Kirchgang fällt aus. Die katholische Kirche St. Vitus ist um 10 Uhr leer. Es findet kein Gottesdienst statt und die Besucher bleiben aus, die Kirche selbst ist geöffnet. Jeder verarbeitet die Corona-Krise auf seine Art. Pfarrer Terance zelebriert jeden Tag um 19:00 Uhr einen privaten Gottesdienst und schließt die Intentionen und Sorgen der Menschen im Pfarrverband ein. „Verbinden Sie sich jeden Abend mit Pfarrer Terance und vielen von uns durch die gemeinsame Aktion, täglich um 19:00 Uhr eine Kerze ins Fenster zu stellen und ein Vaterunser (oder auch weitere Gebete) zu sprechen.“

Vereinzelt begegnet man Spaziergänger – freilich mit dem notwenigen Abstand. Die Ausgangsbeschränkung funktioniert.

Nachmittags, nach weiteren Netflix-Folgen am Sofa, beobachte ich im Garten die vorbeiziehenden Wolken und hänge meinen Gedanken nach.

 

Am Montag wird unser kleines Dorf wieder mit mehr Leben erfüllt. Der Lebensmitteleinzelhandel hat wieder geöffnet. Daher habe ich einfach mal bei unserem Betreiber des Edeka-Supermarktes im Dorfzentrum angeklopft und ihn um ein Interview gebeten. Toni Leich betreibt den Edeka Leich im Zentrum von Maisach.

Toni Leich führt den Edeka Leich in Maisach. Foto: Leich Toni Leich führt den Edeka Leich in Maisach. Foto: Leich

Wie geht es Ihnen, Ihrer Familie und Ihrem Team?

Toni Leich: Privat geht es uns gut. Allerdings leidet meine Frau mit unserem dreijährigen Sohn etwas darunter, dass ich so oft im Geschäft bin. Ich stehe um 3 Uhr morgens auf und bin um 3:45 Uhr im Geschäft. Bis 19 Uhr bin ich dort anzutreffen. Es gibt auch eine Nachtschicht bis 2:30 Uhr. Mein Team arbeitet sehr konzentriert, sehr intensiv und bleibt ein, zwei Stunden länger. Ich bin sehr dankbar, dass sich mein Team tapfer in dieser Situation hält. Wir haben zusätzliche Aushilfen eingestellt und suchen noch weitere Unterstützung.

 

Ist die Versorgung mit Lebensmitteln in Maisach gewährleistet?

Toni Leich: Es ist absolut kein Problem. Die Versorgung ist gesichert. Natürlich kann es in dieser Phase vorkommen, dass das eine oder andere Lieblingprodukt nicht vorhanden ist, aber es ist immer Ersatz da. Vor allem die gut&günstig-Artikel werden in erhöhtem Maß nachgefragt. Keine Angst, es gibt keinen Engpass an Lebensmitteln. Wir hatten die barilla im Angebot gehabt, der Rewe hatte barilla zuvor aus dem Sortiment genommen, da Rewe und barilla einen internen Streit hatten. Aus diesem Grund war die Nachfrage sehr groß gewesen. Aber es gibt immer Alternativen. Frische Ware wie Obst, Gemüse, Fleisch und Wurst werden jeden Tag geliefert, am Montag sogar zweimal am Tag. Die anderen Waren im Markt kommen Dienstag und Freitag.

 

Gab es bei Ihnen Hamsterkäufe?

Toni Leich: Die Masse unserer Kunden kauft ganz normal ein. Natürlich gibt es Menschen, die jetzt mehr einkaufen müssen, weil die ganze Familie zu Hause ist. Das haben wir eingeplant. Hamsterkäufe gibt es manches Mal, aber wir setzen auf die Vernunft unserer Kundinnen und Kunden. Unser Personal setzt auf Deeskalation und versucht auf aufgebrachte Kunden einzuwirken. Bisher klappt es sehr gut. Die Leute hier sind vernünftig.

Manch anderer Supermarkt musste Security beschäftigen. Gab es bei Ihnen solche Überlegungen?

Toni Leich: Ja, es gibt solche Überlegungen. Vor allem wenn die staatlichen Auflagen verschärft werden. Wir haben eine Security-Mannschaft an der Hand. Wenn es ernster wird und wir nur noch wenige Kunden im Laden haben dürfen, müssen wir zwei der drei Zugänge zu unserem Geschäft schließen und dann werden wir einen Türwächter einsetzen müssen. Allerdings haben wir verstärkt unsere Hausdedektive im Einsatz.

 

Das Toilettenpapier scheint deutschlandweit der Verkaufsschlager schlechthin zu sein. Wie oft bekommt Edeka Leich hier Nachschub?

Toni Leich: Es ist ein Phänomen. Immer wieder wird das Toilettenpapier als erstes gekauft – es ist wohl ein Symbol der Sicherheit. Viele Kunden machen Witze oder posten Bilder von leeren Regalen in Facebook. Wir sorgen für Nachschub. Neulich hatte ich einen Kunden, der für eine Großfamilie einkauft, der hat etwas mehr mitbekommen und da lege ich auch was zurück. Wir sind in einem Dorf und ich kenne meine Kunden – das ist ein großer Vorteil.

 

Die Bayerische Staatsregierung hat die Möglichkeit für den Einzelhandel geschaffen, die Supermärkte länger zu öffnen – sogar am Sonntag. Sie haben darauf noch nicht zurückgegriffen – warum?

Toni Leich: Meine Team braucht auch seine Ruhephasen und vor allem in dieser sehr stressigen Zeit. Da ist Ausgleich enorm wichtig. Veränderte Öffnungszeiten kann es geben, wenn wir nur noch beschränkt Kunden in unser Geschäft lassen dürfen. Dann müssen wir den Zugang auch zeitlich entzerren. Das ist aber im Moment nicht vorgesehen.

 

Wie motivieren Sie Ihr Team?

Toni Leich: Viele Gespräche sind nötig und meine Teamleiter wissen das. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft und stehe wenn möglich immer bereit für meine Leute. Natürlich komme ich den Wünschen meiner Mitarbeiter nach und höre zu.

 

Am Eingang zu Ihrem Supermarkt gibt es Desinfektionsmittel für die Hände. Wird es weiteren Schutz für Ihre Mitarbeiter geben?

Toni Leich: Es gibt Handschuhe für die Kassenkräfte. Zudem haben wir Desinfektionsspender am Eingang und an den Kassen. In der kommenden Woche werden Plexiglasscheiben an den Kassen und den Theken für Wurst, Fleisch, Käse und Fisch installiert, um mein Team vor Speichel zu schützen.

 

Letzte Frage: Hat Familie Leich noch ausreichend Toilettenpapier zu Hause?

Toni Leich (lacht): Wir haben eine Packung mit acht Rollen zu Hause. Wenn es eng wird, sitze ich aber an der Quelle.

Corona-Virus: Tag 1 der Ausgangsbeschränkung

22. März 2020
Es ist ruhig im Dorf.

Es ist ruhig im Dorf.

Es ist ruhig, ganz ruhig – nicht langweilig, sondern ruhig. Samstag war der erste Tag der Ausgangsbeschränkung bei uns im Dorf Maisach. Er verlief aus meiner Sicht wie geplant. Es wurde drastisch kälter, da hatte man sowieso keine große Lust auf Action outside.

Gegen Mittag nach Genuss von zwei Netflix-Folgen und einem Online-Lernkurs machte ich mich auf zum Einkaufen ins Dorf. Bäcker Dafner und Edeka Leich waren meine geplanten Ziele, aber es wurde dann doch mehr. Die Straßen waren ruhig. Wenn man Leute traf, dann kurzer Augenkontakt mit Zunicken und Abstand halten, es spielt sich ein. Der Parkplatz vor dem Edeka war leer, nur ein paar wenige Fahrzeuge standen herum. Die Bäckerei hatte geöffnet, aber das Café vorschriftsmäßig geschlossen. Die Stühle standen auf den Tischen oder waren gestapelt in der Ecke. Ein Schild wies die Kunden der Bäckerei Wünsche auf die staatlichen Vorgaben hin. Dazu gab es den Mutmacher „zsammhalten muss ma jetzt“.

Der Supermarkt von Toni Leich war bis auf Toilettenpapier hervorragend gefüllt mit Waren, aber nicht mit Kunden. Die wenigen Kunden, die einkauften, gingen sich aus dem Weg. Das Team war stets freundlich – wie man halt in einem bayerischen Dorf miteinander umgeht. Übrigens, wenn ich kein Bargeld anfassen muss, bin ich extrem dankbar. Apple Pay ist eine Wucht.

Toilettenpapier ist schon wieder Mangelware. Aber Nachschub kommt.

Toilettenpapier ist schon wieder Mangelware. Aber Nachschub kommt.

Beim Bäcker Dafner gleiches Bild. Die jungen Verkäuferinnen bedienten mich freundlich, der Chef im Hintergrund sorgte für Nachschub. Schon am ersten Tag hat mein Lebensmitteleinzelhandel eine Routine entwickelt, ohne Aufregung, aber konsequent.

Vor der Bäckerei hing ein Aushang, von unserer Corona-Facebook-Gruppe, bei der ich Mitglied bin. Hier können Dienstleistungen zum Einkaufen, Besorgungen erledigen, Fahrdienste angeboten und abgerufen werden. Engagierte Bürgerinnen und Bürger des Dorfes haben sich zusammengeschlossen und zeigen Initiative. Eine alte Frau las den Aushang und ich sprach sie an, ob ich oder jemand aus der Gruppe etwas für sie besorgen kann. Mein Angebot wurde erbost abgelehnt. Nicht freundlich, eher störrisch giftig war die Antwort, dass sie so etwas nicht bräuchte. Sie sei gut zu Fuß. Trotz Intervention und Argumente mit Risikogruppe blieb sie stur. In sozialen Netzwerken habe ich von Jugendlichen gelesen, die Corona-Parties veranstalten. Dies habe ich nicht erlebt, vielmehr junge Menschen, die sich um ihre Eltern, Großeltern oder ältere Nachbarn kümmern. Aber ich habe live eine verbohrte, unbelehrbare Seniorin erlebt. Versteh einer die Welt.

Neben dem Bäcker ist unsere Eisdiele Alberto. Romina hat den Straßenverkauf geöffnet – das Geschäft könnte besser sein. Spontan schaute ich herein. Mit Tischen hat der Familienbetrieb die Eisdiele geschlossen. Die Tische sind nett dekoriert. Die Eis- und Kuchentheken sind voll gefüllt. Auch die Handzettel der Corona-Gruppe liegen hier aus. Ich kaufte für die Familie je drei Kugeln im Becher. Der lokale Handel leidet und muss unterstützt werden.

Alle Veranstaltungen im Dorf sind abgesagt.

Alle Veranstaltungen im Dorf sind abgesagt.

Beim Heimgehen stieß ich auf die gemeindlichen Aushangwände. Alle Veranstaltungen sind abgesagt. Es bietet sich ein trauriges Bild. Ein Dorf kommt zur Ruhe und hält sich an die Ausgangsbeschränkungen. Es bricht eine neue Zeit an.

Corona-Virus: Eindrücke und Gedanken – vor der Ausgangsbeschränkung

21. März 2020

Was für meine Generation der 11. September war, ist für die Generation meiner Kinder das Corona-Virus – diesen Satz habe ich irgendwo in der Flut von Beiträgen in sozialen Netzwerken gelesen. Ich denke, die Aussage ist richtig.
Mich hat es als Freiberufler und Vortragsreisender voll erwischt. Alle Aufträge sind quasi über Nacht weggebrochen. Ab nächster Woche werde ich an neuen Ideen arbeiten, nach dem Motto Krise als Katalysator für den Wechsel. Die schönen Sonntagssprüche „In der Krise liegt die Kraft“ und „aus der Krise wird etwas neues entstehen“, könnt ihr euch übrigens sparen.
Dieser Tage hatte ich noch mit der Abwicklung verschiedener Sachen zu tun. Und ich musste Besorgungen machen und habe wahrgenommen, wie sich meine Umgebung verändert. In Bayern gilt seit heute um 0 Uhr eine Ausgangsbeschränkung, die das öffentliche Leben deutlich herunterfahren soll. Ob wirklich so viele Corona-Parties gefeiert wurden, kann ich nicht beurteilen. Aber ich habe gemerkt, wie Menschen sich in die eine oder andere Richtung verändern. Es widerstrebt mir, dass aufgrund einiger Volltrottel die Freiheitsrechte eingeschränkt werden. Ich halte die Entscheidung für richtig, aber Holzauge sei wachsam. Die Verkündigung des souveränen Ministerpräsidenten Söder habe ich im Büro meiner Frau gesehen. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Ausgangsbeschränkung und Ausgangssperre.

Der Lacher Toilettenpapier bewegt die ganze Nation. Ministerpräsident Söder bewies in der Krise auch Humor und besichtigte ein Verteilungszentrum von Rewe. Das Videostatement gab er ernst, im Hintergrund aufgeschichtete Rollen Toilettenpapier. Aber der Drang nach Toilettenpapier ist in der Nation enorm. Beim Rossmann im Nachbarort Puchheim gab es nur eine Packung pro Nase – „bitte jeder nur ein Kreuz“.
Bei meinen örtlichen Edeka wurde schnell aufgefüllt, wenn frische Ware eintraf. Aber der Hamster war auch bei uns im Dorf anzutreffen.

Nudeln, Mehl, Saucen – es waren schon deutliche Lücken in den Regalen festzustellen – so viele Nudeln kann man gar nicht fressen. Aber ich freue mich, wenn ich die Verkäuferinnen in „meinem“ EDEKA Leich in Maisach treffe. Gut gelaunt und freundlich – so muss es sein. Kleiner Plausch hier und dort – freilich mit dem notwendigen Abstand, aber zutiefst menschlich.
Beim Drogeriemarkt Rossmann in Puchheim musste ich eine Kundin mal rund machen – wenn ich mal explodiere, dann aber mit Wums. In unfreundlichen Worten wies ist die Zicke zurecht. Lautstark drängelte sie an der Kasse mit ihrem vollen Einkaufswagen.

Ich lernte das Schlange stehen, wie die Verwandtschaft einstmals im Sozialismus. Für meine Eltern musste ich in der Apotheke Medikamente besorgen und reihte mich ein – zwei Meter Abstand haben prima geklappt. Es durfte immer nur ein Kunde in die Apotheke. Die PTA schaute hinter Plastikfolie hervor.
Natürlich ist gestern – kurz vor der vorläufigen zweiwöchigen Schließung der Baumärkte, auch ein Abflussrohr im Bad undicht geworden und wir hatten nur noch drei Stunden, einen Baumarkt zu besuchen. Lange Schlangen davor am Hasenbau, wie der Hagebau in Fürstenfeldbruck familienintern heißt, aber die Menschen waren diszipliniert. Eine superfreundliche Security stand für Notfälle bereit, musste aber nicht eingreifen. Der Siphon wurde käuflich erworben und auch das Anstellen an der Kasse klappte mit dem notwendigen Abstand.

Beim örtlichen Döner-Laden (Döner ist die beste Medizin) klappte es ebenso gut wie beim örtlichen Bäcker Dafner im Dorf. Es wurden am Boden Abstandslinien angeklebt und die Kunden beachteten sie. Der Bäcker änderte seinen Eingang und die Laufrichtung der Kundschaft – gut mitgedacht. Unser Eisdealer Alberto verkauft nur noch mit Abstand im Straßenverkauf. Corona ist kein Spaß.

Wenn ich meine Familie zu Ärzten gebracht habe, dann wird deutlich: Corona ist wirklich kein Spaß. Ernsthaft gehen Mediziner, Schwestern, Pfleger, Arzthelfer ihrer Profession nach. Hinweisschilder an den Praxen und Kliniken verdeutlichen den Ernst der Lage. Meinen alten Herrn konnte ich nur an den Empfangsbereich der Herzklinik bringen, die Anmeldung und den Weg ins Zimmer musste er allein ohne meine Hilfe bewerkstelligen. Die schwierige Operation in den nächsten Tagen muss er ohne uns durchstehen. Ich kann nicht für ihn da sein – da muss ich schlucken.

Corona wird unser Leben verändern. Das Thema wird uns die nächste Zeit begleiten.
Die Straßen übrigens bei uns im Dorf sind leer. Kaum ein Auto unterwegs. Klappt doch mit der Ausgangsbeschränkung.