Corona: Vorbildliches Hygienekonzept mit QR-Codes im Gasthaus Heinzinger, Rottbach

3. August 2020
Vorbildliches Hygienekonzept im Gasthaus Heinzinger in Rottbach.

Vorbildliches Hygienekonzept im Gasthaus Heinzinger in Rottbach.

Corona macht der Gastronomie stark zu schaffen. Ich bin gerne bereit, die lokalen Wirte zu unterstützen, wenn Qualität und Service passen. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Auch unterschiedliche Hygienekonzepte in den Wirtshäusern sind festzustellen.
Mein Lieblingslokal im Landkreis Fürstenfeldbruck ist bei uns um die Ecke, das Gasthaus Heinzinger. Der Wirt Denis Kleinknecht ist in der nationalen Gastro-Szene wohlbekannt und die ganze Familie liebt sein Essen. Also nichts wie raus nach Rottbach. Es gab Wiener Schnitzel für meine Mutter, Kuddeln für die Gattin und für mich ein Tomahawk, zuvor Radieschenkaltschale und panierter Schweinskopf als Grüße aus der Küche. Absolut lecker.

Bemerkenswert ist aber auch das Hygienekonzept. Kontaktnachverfolgung ist ja üblich. Aber wenn ein Wirt sein Konzept ernst nimmt, dann muss die Speisekarte nach jedem Gast gereinigt werden. Das ist aufwändig und bindet Personal. Leider habe ich schon einige Gasthäuser auch im Dorf erlebt, die dieses Corona wohl nicht so eng sehen.
Denis Kleinknecht dagegen hat seine Speisekarte ins Netz gestellt und gibt eingeschweißte QR-Codes aus. Die Gäste können sich via Smartphone die Karte auf ihr Mobiltelefon laden und auswählen. Da wir auf dem Land in Bayern sind und kein Netz vorhanden ist, bietet Denis Kleinknecht seinen Gästen einen kostenlosen WLAN-Zugang. Das ist Digitalisierung in Corona-Zeiten. Die eingeschweißten Karten werden dann abgewischt. In diesem Video erklärt Denis Kleinknecht sein Konzept:

Für die Gäste, die kein Smartphone haben oder mit dem QR-Code und Technik generell überfordert sind, hält Denis Kleinknecht Papierausdrucke seiner Speisekarte bereit, die nach dem Bestellvorgang vernichtet werden.
Also im Gasthaus Heinzinger esse ich nicht nur gerne, weil Qualität und Service stimmen. Nein, ich fühle mich auch sicher, weil der Gastronom den Schutz seiner Kunden sehr ernst nimmt.

Buchtipp: Playboy 1926 bis 1979

29. Juli 2020

Natürlich hat man den Playboy nur wegen der Geschichten gelesen. Dass da auch Fotos in einem Männermagazin waren, konnte Mann als überraschter Leser nicht wissen. Genug gescherzt. Gründer und Chef des Bunnyverlages und was damit verbunden war, war ein gewisser Mr Morgenmantel Hugh M. Hefner, der im September 2017 verstarb.
Ich entdeckte aus dem Taschen-Verlag eine interessante Autobiografie eben von diesem Hefner: Playboy 1926 bis 1979. Hugh M. Hefner präsentiert seine illustrierte Autobiografie mit chronologischen Highlights aus den ersten rund 25 Jahren des Playboy – natürlich mit den entsprechenden Fotos.
Die pralle Anthologie in sechs Bänden, die einst zum 60. Geburtstag des Magazins erschien, ist eine Hommage an den Lebensstil der Mutter aller Männermagazine und ihres Schöpfers. Sie beleuchtet die außergewöhnlichen Jahre 1953 bis 1979 und enthält neben einer Auswahl der Centerfolds jeder Ära auch Texte von Kultautoren wie Gore Vidal, Norman Mailer, Jack Kerouac und Ray Bradbury sowie einige der wichtigsten Playboy-Interviews mit Zeitgenossen wie Martin Luther King, John Lennon, Richard Nixon und Roman Polanski. Ich muss wirklich sagen, die Geschichten sind wirklich gut. Und es ist interessant, wie sich das Layout, das von Playboy inszenierte Schönheitsideal und die Art der Aktfotografie über die Jahre bis 1979 entwickelte.


Autobiografisch ist für mich der erste Band, in dem Hefner auf seine Jugend und seine Inspiration eingeht. Er war ein Mann von Trash. Er hat die Popkultur seiner Zeit aufgesaugt wie ein Schwamm und sie dann später in seinem Magazin mit eigenem Style wiedergegeben. Hefner hat damit ein popkulturellen Kunstwerk geschaffen. Sein Frauenbild war geprägt durch die starken Frauen der Filme der dreißiger und vierziger Jahre, Serien wie Flash Gordon und anderer Trash. Jean Rogers als Dale Arden spielte die weibliche Hauptrolle und im Grunde sind die Damen in den ersten Playboy-Jahren Kopien dieser Jean Rogers, angefangen beim ersten Centerfold mit Marilyn Monroe.


Schön auch die Episode, wie es zum Playboy-Häschen als Markenlogo kam. Hefner war von der Comicreihe Phantom geprägt und war gefesselt von Totenkopfsiegelring des Phantoms. So etwas brauchte er auch und so entstand der markante Hase, ein bis heute unglaublich starkes Markensymbol. Ach ja, Hefner war ein Fan von Sir Arthur Conan Doyle und seiner Kunstfigur Sherlock Holmes. Daher kam auch die Vorliebe Hefners für Pfeife und Morgenmäntel – ob er auch Geige spielte, weiß ich allerdings nicht. Viel ist über den Verleger zu lesen und damit sind die Bände auch Mediengeschichte pur.
Man kann von Hugh Hefner halten, was man will. Mir gefällt, dass er sein Ding durchgezogen hat und das bis zum Ende.

Urlaub daheim: Räuber-Kneißl-Radweg

27. Juli 2020
Kneißl-Rastplatz in Überacker.

Kneißl-Rastplatz in Überacker.

Wenn ich dieses Jahr schon nicht in den Urlaub fahre und aufgrund Corona zu Hause bleibe, will ich meine Heimat näher erkunden. Da trifft es sich gut, dass der Räuber Kneißl Radweg vor kurzem offiziell eröffnet wurde. Ich hab den Weg vor der Eröffnung während der ersten Corona-Welle mal abgefahren und darüber mit vielen Videos gebloggt. Hier der Link zu meinen ersten Eindrücken.
Jetzt kam eine Einladung der WestAllianz ins Postfach, die eine Presse- und Bloggertour des Räuber Kneißl Radwegs in meiner Heimatgemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck durchführten. Klar, bin ich da mitgefahren. Neben Bewegung gab es auch Geschichte und Kultur zu erleben. Die Themen-Strecke ist in vier Etappen unterteilt und führt über 110 Kilometer durch die Gemeinden Bergkirchen, Gröbenzell, Karlsfeld, Maisach, Sulzemoos, Odelzhausen und Pfaffenhofen a.d. Glonn, die im Wirtschaftsverbund WestAllianz zusammengeschlossen sind. Was die WestAllianz eigentlich ist, erklärte Helmut Zech, Leiter der Arbeitsgruppe Naherholung und Tourismus der WestAllianz und gleichzeitig Bürgermeister von Pfaffenhofen a.d. Glonn. Er erklärte uns in Maisach den Hintergrund in diesem Video.

Auf der Website www.räuber-kneissl-radweg.de gibt es Hintergrundinformationen zum Radweg, zudem stehen die GPS-Daten der Etappen, die offizielle Radwanderkarte sowie ein Audio Guide zum Download bereit. Der kleine Tross von Medienmenschen ist natürlich nicht die ganze Strecke geradelt, sondern haben symbolisch rund 10 Kilometer des Kneißl-Radwegs erkundet (und sogar dabei noch abgekürzt). Hier ein Zeitraffervideo unserer Tour von Maisach über Überacker und Frauenberg.

Das neue Ausflugsziel ist nach Mathias Kneißl (1875-1902) benannt, der in den Gemeinden der WestAllianz gelebt hat und als „Kneißl Hias“, „Räuber Kneißl“ oder auch „Schachenmüller- Hias“ in die Lokalgeschichte einging. Zahlreiche Bücher, Schriften, Lieder, Filme und Theaterstücke widmeten sich seinem Leben, das von Armut und Dramatik, aber auch von Kriminalität geprägt war.

„Wir haben einen Themenweg geschaffen, der nicht nur landschaftlich überaus vielseitig ist und entlang vieler Attraktionen des Münchner Westens führt“, betont Helmut Zech. „Vielmehr erfährt man an den Informationstafeln in den Gemeinden auch viel Wissenswertes rund um das Leben von Mathias Kneißl, an dem sich ja bis heute die Geister scheiden.“ Wichtig war den Organisatoren, den durchaus umstrittenen Namensgeber keinesfalls zu glorifizieren. Die bewegende Geschichte des Räuber Kneißls wurde von Kulturwissenschaftlerin Dr. Annegret Braun erzählt.

Entlang der Strecke sind neun offizielle „Kneißl-Rastplätze“ eingerichtet. Tische und Bänke laden zum Verweilen ein, zudem gibt es Info-Tafeln rund um den Namensgeber sowie Fahrradständer und eine dekorative Stele, die der Künstler Helmut Fischer entworfen hat. Aber auch zu den Besonderheiten der einzelnen Gemeinden der WestAllianz und zu ihren Sehenswürdigkeiten wird in Wort und Bild informiert. Für den Notfall steht in jeder Gemeinde übrigens auch die nötige Ausrüstung zur Reparatur des Fahrrads bereit.

In der Radwanderkarte zur neuen Räuber-Kneißl-Route eingezeichnet sind lokale Sehenswürdigkeiten wie Klöster, Kirchen, Kapellen, Schlösser, Mühlen, Bademöglichkeiten, E-Bike-Ladestationen und Campingplätze sowie besondere Attraktionen wie der Kneißlkeller in Maisach, das Heimat- und Torfmuseum in Gröbenzell oder die Kapelle Maria Stern in Odelzhausen. Annegret Braun erzählte auch von einem nachgebauten Klassenzimmer wie zu Kneißls-Zeiten in Sulzemoos als Attraktion für die ganze Familie.

Die Streckenabschnitte, Sehenswürdigkeiten, Stationen und Rastplätze im Überblick
Abschnitt 1: Karlsfeld – Gröbenzell (30,2 Kilometer)
Karlsfeld
• Heimatmuseum (www.heimatmuseum-karlsfeld.de) mit E-Bike-Ladestation
• Ludl Kapelle, Andachts- und Feldkapelle von 1899
• Karlsfelder See
• Kneißl-Rastplatz am Waldschwaigsee
Gröbenzell
• Heimat- und Torfmuseum (www.torfmuseum.de) im historischen Schulhaus
• Lochhauser Sandberg, ein botanisches Naturdenkmal
• Kneipp-Anlage im Gröbenbach mit Armbadbecken
• Camping am Langwiedersee
• Kneißl-Rastplatz an der im Jugendstil errichteten Russenbrücke (1916) über den Gröbenbach

Abschnitt 2: Bergkirchen (25 Kilometer)
Bergkirchen
• Sankt Johann Baptist Kirche
• Kleiner Ampersee und Camping bei Geiselbullach
• Romantische, historische Eichenallee „Am Kreuzweg“ in Lauterbach, zu Beginn des
Verbindungswegs zu Abschnitt 3
• Kneißl-Rastplatz am Eisolzrieder See und am Aussichtspunkt in der Nähe der Pestsäule
und Mariengrotte von Kreuzholzhausen

Abschnitt 3: Maisach (23,3 Kilometer)
• Heilig Blut Kirche am Ende des Verbindungswegs von Abschnitt 2 in Einsbach
• Sankt Bartholomäus Kirche in Überacker auf der Strecke nach Maisach
• Sankt Vitus Kirche
• Räuber Kneißl Keller, Wirtshaus und Museum

• Idyllischer Aussichtspunkt vor Aufkirchen
• Kneißl-Rastplatz bei der Kapelle St. Wolfgang in Überacker und am Aussichtspunkt
Weinbergstraße südlich von Frauenberg

Abschnitt 4: Sulzemoos – Odelzhausen – Pfaffenhofen a.d. Glonn (27,3 Kilometer)
• Gut Schloss Sulzemoos und Sankt Johannes Baptist Kirche in Sulzemoos
• Sankt Florians Kirche in Wiedenzhausen und Maria Stern Kapelle kurz vor Odelzhausen
• Schlossgut Odelzhausen und Sankt Benedikt Kirche in Odelzhausen
• Furthmühle zwischen Odelzhausen und Pfaffenhofen a.d. Glonn
• Kirche St. Michael in Pfaffenhofen a.d. Glonn
• Kneißl-Rastplatz in allen drei Gemeinden

Und zum Schluss noch eine nette Fluchtgeschichte vom Räuber Kneißl. In einem Odlfass entkam der gesuchte Mathias Kneißl. Annegret Braun weiß mehr:

Arbeiten in Corona-Zeiten bei der HSS

29. Juni 2020

Am vergangenen Wochenende ging es wieder los. Ich durfte in die Bütt – ich durfte ein mehrtägiges Seminar vor Menschen halten. Auftraggeber war die Hanns-Seidel-Stiftung. Seminarort war Kloster Banz in Oberfranken und mein Thema war unter anderem Roger Stone und Ray Cohn. Nachdem meine Mutter eine Hochrisikopatentin ist, war ich vor allem an dem Hygienekonzept des Bildungsanbieters interessiert.


Vorbildlich, durchdacht und konsequent umgesetzt, so mein Eindruck. Diesen Eindruck bekommt man als Besucher schon am großen Eingangsportal des Klosters. Es herrscht Maskenpflicht. Gleich nach dem Eintritt wird klar, hier haben Mitarbeiter und Führung gemeinsam an einem Konzept gearbeitet und es umgesetzt. Es gilt eine Einbahnstraßenregelung und das ist auf den Wegen klar gekennzeichnet.

Im Foyer gibt es Plexiglas und die Mitarbeiter tragen zudem Masken. Wer als Gast seine Maske vergessen hat, wird spätestens hier freundlich, aber deutlich darauf hingewiesen, dass eine Maskenpflicht im Hause herrscht, sobald man sich bewegt. Wer keine Maske hat, kann sich an der Rezeption für kleines Geld eine kaufen.

Bevorzugte Bezahlweise der Seminargebühr ist e-Cash. Die Getränke, die man als Gast während des Seminars konsumiert, werden aufs Zimmer geschrieben und bei Abreise elektronisch bezahlt. Apple Pay funktioniert. Das gefällt mir. Die Unterschrift für Seminaranmeldung wird wenn möglich mit dem eigenen Stift geleistet.
Die Plexiglasscheiben im Hause werden mehrmals am Tag gereinigt. Hygiene steht im Vordergrund. Spender mit Desinfektionsmittel sind ausreichend vorhanden – Hinweisschilder ebenso.


Es werden noch wenige Seminare in Banz angeboten. Die HSS will Erfahrung sammeln. Mein Seminar The Race zum US-Wahlkampf ist auf 12 Teilnehmer begrenzt. Die Sitzplätze im Seminarraum stehen ausreichend auseinander, der Mindestabstand von 1,50 Meter wird eingehalten und die Seminarunterlagen werden vom Seminarleiter persönlich überreicht. Kein Durchgeben von Unterlagen und Stiften mehr. Wir Referenten tragen beim Referieren Gesichtsvisiere, ich trage im Hinblick auf meine Mutter meine Maske Urbandoo von Sina Trinkwalder sowie Baumwollhandschuhe. Während des Seminars bleibe ich konsequent am Platz sitzen, stehe ab und zu mal auf, aber bleibe am Platz, obwohl ich gerne beim Referieren durch den Seminarraum wandere. Aber Corona sorgt für Veränderung und neue Bedingungen.

Die Gruppenräume und auch die Freizeiträume sind für die einzelnen Gruppen entzerrt. Die einzelnen Seminare sollen sich so wenig als möglich begegnen. Es sind noch drei weitere Seminare im weitläufigem Haus, von denen ich praktisch kaum etwas mitbekomme. Auch die Essenseinnahme ist gestaffelt. Kein Buffet, das Essen wird serviert. Reduzierte Teilnehmeranzahl, neue Küchenchefin und Köche vor ihrer Abschlussprüfung sorgen für ein vorzügliches Essen. Auch in unserem Speisesaal wird auf Abstand und Hygiene geachtet. Beim Essen darf freilich die Maske abgenommen werden. Die Tischdeckel sind zudem noch mit einer durchsichtigen Plastikfolie überzogen, die nach dem Essen sofort gereinigt wird. Es sitzen nur zwei Personen an den langen Tischen, was zugegeben die Kommunikation ein wenig erschwert, aber Sicherheit geht vor.

In den Kaffeepausen schenkt ein Mitarbeiter den Kaffee aus und Seminarleiter und Referenten sorgen wieder für Abstand unter den Teilnehmer. Das gilt auch abends beim Zusammensitzen auf der Maintalterasse – Abstand auf einer Bierbank. Die anderen Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbad, Sauna oder Fitnessraum sind natürlich gesperrt.
Mein Fazit: Es tat mir gut, wieder direkt vor Menschen zu referieren, auch mein Firmenkonto als Selbstständiger freut sich. Das Hygienekonzept und die Umsetzung bei diesem Kunden ist vorbildlich. Ich fühle mich sicher und komme gerne wieder, wenn ich gebucht werde.

60 Jahre Psycho – Einladung zu Online-Seminar zu Hitchcock

24. Juni 2020

Vor 60 Jahren kam Psycho in die US-Kinos und veränderte den Thriller für immer. Alfred Hitchcock schuf den ultimativen psychologischen und physischen Horror, der dann Jahre später von Tope Hooper, John Carpenter und anderen aufgegriffen und bis ins Exzess weitergeführt wurde. Psycho war die Mutter aller Slasher-Filme.

Hier verschiedene meiner Psycho-Ausgaben

Hier verschiedene meiner Psycho-Ausgaben

Nach seiner großen Hollywood-Phase finanzierte Hitchcock den Film aus eigener Tasche und arbeitete mit Kameraleuten vom Fernsehen, die es gewohnt waren kostengünstig und schnell zu produzieren. Er veränderte mit dem Duschmord die Filmgeschichte. Auch ich habe mir Szene um Szene, Bild für Bild des Mordes angeschaut wie Tausende Filmstudenten vor und nach mir. Hitchcock als Meister der Montage, der sein Handwerk verstand. In Kombination mit der legendären Musik von Bernard Herrmann ist diese Szene ein geniales Zusammenspiel von Bild und Ton. Dieses Zusammenspiel hat so gut gewirkt, dass so mancher Zuschauer noch wochenlang Probleme hatte, unter die Dusche zu gehen.

Und Hitchcock war auch ein Fuchs, weil er den Star des Filmes: Janet Leigh im ersten Drittel des Films ermorden ließ. Das hatte kein Zuschauer erwartet, denn der Held eines Films muss überleben, so sieht es das Gesetz Hollywoods vor. Denkste. Irgendwie wird die Heldin schon aus der Situation herauskommen und zack, zack da liegt sie nun ermordet unter der Dusche. Was für ein Schock, denn dann kommen die wirklich handelnden Akteure. Allen voran natürlich Norman Mutter Bates.
Ich darf zum Thema Sir Alfred Hitchcock und die Politik einen kostenlosen Online-Vortrag am Donnerstag, 25. Juni 2020 um 18 Uhr halten. Wer Lust hat dabei zu sein, melde sich bitte hier an. Ich würde mich freuen.

Und hier die ultimative Box zu Psycho Legacy Collection als Deluxe-Version:

Jean-Michel Jarre: VR-Konzert Alone together – so geht Innovation

22. Juni 2020

Durch Corona leidet die Veranstaltungsbranche massiv. Konzerte fallen aus. Ich bin als Referent auch ein Opfer von Corona, aber auch als Konzertbesucher leide ich. Zwei Events wurden verschoben. Aufgrund der Ansteckungsgefahr halte ich aber die Maßnahmen für richtig.
Neue Wege gehe ich durch verstärkte Webinare. Und ich sehe auch, dass Künstler neue Wege beschreiten (müssen). Einen radikalen Weg eines Live-Konzerts ging der französische Elektronikkünstler Jean-Michel Jarre ein. Er übertrug am Sonntag abend live ein VR-Konzert ins Netz. Es war schlichtweg der Hammer, was der 71jährige da mit seinem Team auf die Beine gestellt hat. Unter dem Titel „Alone together“ wurde im VRChat ein Konzert vor Avataren gegeben, bei dem JMJ live spielte. Es war eine Weltpremiere, die in VR und 2D ausgestrahlt wurde, in Kooperation mit VRrOOm. Eine komplette virtuelle visualisiere Performance mit starker elektronischer Musik, obwohl ich als Purist natürlich gerne etwas von seinem Frühwerken gehört hätte. Aber es gab kein Equinoxe oder Oxygene – oder ich habe es in dem Techno-Gewitter der beiden Alben Electronica 1: The Time Machine und Electronica 2: the Heart of Noisenicht herausgehört.
JMJ zeigte mit dem Konzert, dass Musiker durch VR, augmented reality und künstlicher Intelligenz neue Wege gehen können – und wir sind noch lange nicht am Ende. Natürlich werden Puristen jetzt sofort schreien, dass Musiker auf die Bühne in einer Halle gehören vor Live-Publikum, aber so eine Haltung verweigert sich der Weiterentwicklung von Performance.

Ich war beim Konzert sprachlos. Die Avatare wie Frankenstein, Hamster oder Fuchs tanzten vor der virtuellen Bühne. Vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber durchaus nett anzusehen und eine Einladung zum Mittanzen. Die Musik dazu passte jedenfalls. JMJ betrat die Bühne, spielte an seinen Synthesizer und hinter ihm, um ihm veränderte sich die virtuelle Welt in Farben, Formen, Bewegungen. Ein LSD-Tripp ohne Drogen.
Zum Ansehen in VR brauchte das Publikum VR Headsets wie Oculus Rift, HTC Vive, Valve Index, Samsung Odyssey oder Windows MR. Leider war die Sony VR nicht kompatibel. Am Rechner konnte man es im VRChat ansehen, aber auch ganz konventionell in 2D in Facebook Live oder YouTube. Nach einer knappen Stunde war alles vorbei – es gab noch einen Chat mit den Avataren, aber ich war erst einmal geschafft.
Hier das Konzert bei Youtube – es beginnt bei Minute 25:40

Musiktipp: Rough and Rowdy Ways von Bob Dylan

20. Juni 2020

Acht lange Jahre mussten wir warten, bis Meister Bob Dylan neues, eigenes Material seit seinem 2012 erschienen Werk Tempest vorlegte. Nun ist sein 39. Studioalbum Rough and Rowdy Ways erschienen und ich bin wie vom Donner gerührt. Das Album wurde nachts sofort bei Apple Music geladen, am Tag kann dann die CD von Amazon. Mitte Juli folgt dann die Vinyl-Ausgabe von Rough and Rowdy Ways.
Es ist ein Doppelalbum geworden, ein Album mit dem ich mich mit dem Kopfhörer zurückziehe und es alleine genieße. Und es ist ein geschichtlicher Abriss geworden, der die volle Aufmerksamkeit erfordert. So locker nebenbei geht das Album nicht ins Ohr. Hier das Unboxing-Video:

Die Veröffentlichungspolitik von Rough and Rowdy Ways war für Dylan schon bemerkenswert. Drei Songs wurden vorab veröffentlich, quasi verschenkt. Darunter das 17minütige Hauptwerk „Murder Most Foul“ mit Gedanken über Kennedy und die Folgen für die USA.
Das Album ist dunkel, es ist die Arbeit eines Sehers, eines Geschichtenerzählers und eines Betrachters, der die Veränderung der Welt sieht und seine Schlüsse zieht. Es wird Wochen, Monate und vielleicht Jahre dauern, bis die Chiffren des Albums entschlüsselt sind. Der Sprechgesang führt uns durch eine sich wandelnde Welt voller Symbole. Persönliches gibt es von his Bobness auf den ersten Blick kaum. Bis auf eine Zeile: Vielleicht leidet Dylan noch immer darunter von seinen Fans vereinnahmt zu werden. „I opened my heart to the world and the world came in“ klingt nicht gerade euphorisch. Der 79jährige Song and Dance-Man geht weiter seinen Weg und wir dürfen ihn (hoffentlich) noch lange begleiten. Rough and Rowdy Ways ist wieder eine hervorragende Wegzehrung für diesen Weg. Klare Kaufempfehlung.

Buchtipp: The Art and Making of Kong Skull Island von Simon Ward

15. Juni 2020

Als Godzilla-Fan schaue ich mir immer wieder die sympathischen Monsterfilme meiner Jugend an und bin auch von der neuen Godzilla-Reihe schwer begeistert. Nachdem Godzilla King of the Monsters für mich eine Augenweide war und der nächste Monsterstreifen Godzilla vs Kong auf 2021 verschoben wurde und die Spekulationen steigen, schaute ich mir noch einmal Kong Skull Island an. Über den Film habe ich 2017 bereits gebloggt2017 bereits gebloggt, aber jetzt fiel mir das Buch The Art of Kong: Skull Island in die Hände.
Die Spezialisten von ILM haben für den Streifen die Tricks gemacht, aber davor standen die Sketches und Zeichnungen der Künstler. Und das bedeutet Kreativität und Hirnschmalz pur. Die Zeichnungen habe ich mir genauer angeschaut, nachdem ich solche Bücher ja liebe und sammle.
Was mir wieder bewusst wurde, dass der Film ja im Jahre 1973 spielt. Irgendwie hatte ich das verdrängt. Also der Dschungelkrieg in Vietman gegen den bösen Charlie wurde gegen den Dschungelkrieg gegen Kong ersetzt. Und wir kennen ja die Geschichte: Den Krieg gegen den Vietcong haben die Amerikaner verloren und den Krieg gegen Kong haben sie erst recht verloren. Kong haut so richtig auf den Putz und zerlegt die Eindringlinge.

Aber das muss zeichnerisch vorbereitet und gut durchdacht sein. Autor Simon Ward erzählt die Entstehungsgeschichte von den Konzeptzeichnungen bis zur großen Leinwand. Wobei er sich die ersten 20 Seiten des Buches hätte sparen können. Hier werden die Schauspieler und die Charaktere vorgestellt. Wer so ein Art of Buch kauft, will Zeichnungen und keine PR über Schauspieler haben. Dann geht es aber ins Detail. Es geht um den Affen, um die Location und die Gerätschaften. Viel wird verraten, einiges bleibt im Verborgenen. Der Affe kommt in dem Buch ursprünglich, gewalttätig daher. Aber die Monster der Insel sind noch böser, noch hinterrückser und aggressiver als Kong. Und mitten drin unser versprengter Haufen von GIs und Helden. Ich mag diese Art of-Bücher, weil sie meine Fantasie beflügeln. Gerne betrachte ich die Zeichnungen und Entwürfe, vergleiche sie mit dem späteren Film.
Und das Buch setzt auf aufklappbare Seiten, schließlich ist Kong ja King. Und das Buch entfaltet durch diese Klappseiten seine volle Pracht und seine voll Schönheit. Mir bereitete das Buch The Art of Kong: Skull Island auf jeden Fall einen schönen Nachmittag und macht Lust auf den neuen Godzilla vs Kong irgendwann 2021.

Urbandoo – Maske aus dem Hause Sina Trinkwalder

11. Juni 2020

Ich habe kein Verständnis um die Diskussion zum Tragen der Masken in Corona-Zeiten. Ich habe Vertrauen zur Wissenschaft und Politik und halte mich an die Vorgaben. Massenaufläufe ohne Abstand und Masken halte ich für leichtsinnig und sogar gefährlich. In meiner Familie leben Hochrisikobetroffene, die will ich nicht gefährden oder gar verlieren. Und ganz so jung bin ich auch nicht mehr.

Neuanschaffung - Masken von Urbandoo.

Neuanschaffung – Masken von Urbandoo.

Meine Frau hat mit ihrem handwerklichen Geschickt Masken für die ganze Familie genäht und ein paar Masken haben wir gekauft. Dieser Tage kam nach 14tägiger Lieferzeit meine neue Maske von Urbandoo an. Urbandoo ist ein Produkt aus der Schmiede von Manomama, also von der engagierten und streitbaren Sina Trinkwalder. Ich kenne Sina seit einigen Jahren und beobachte aufmerksam ihren Werdegang. Nicht mit allen Äußerungen von ihr bin ich einverstanden, aber ich respektiere sie, weil sie ihren Weg konsequent geht. Zu diesem Weg gehört auch mein „Schutzschild in Loopform“, wie es bei Urbandoo heißt.

Die Maske wird über den Kopf gezogen und mit einem Sicherheitsstopp hinter dem Kopf festgezogen. Vor dem Gesicht wird der Stoff über die Nase gezogen und hält dort prima durch eine Silikon-Beschichtung. Auch meine Brille beschlägt dadurch nicht. In die Maske ist antibakterielles Messing eingenäht, das abdichtet. Und nun das Wichtigste: Unter dem Stoff gibt es ein Filter-Inlay. Laut Urbandoo filtert das Ding gemäß DIN EN 149 bis zu 99,7 Prozent der Schadstoffe aus der Atemluft. Für K1, das schwer unter Pollen leidet, ermöglicht die Maske ein besseres Atmen und K1 geht mit der Maske wieder in die Natur – für K1 ist Urbandoo ein Stück Lebensqualität und dafür bin ich Sina Trinkwalder und ihrem Team dankbar. Da sind die rund 40 Euro für die Maske in Größe L eine hervorragende Investition. Allerdings: Und das ist wichtig: Urbandoo ist kein zertifiziertes Medizinprodukt und keine zertifizierte PSA.

Und wie man es bei Sina gewohnt ist, kommt das ökosoziale Produkt aus Deutschland und sichert dort Arbeitsplätze.
Ich nutze weiterhin die Maske meiner Frau und nun auch Urbandoo von Sina Trinkwalder und hoffe, dass bald ein Impfstoff gegen Corona gefunden wird.

Filmtipp: Susan … verzweifelt gesucht

10. Juni 2020

Als der Film in meiner Jugend im Kino lief, hatte sich das Outfit der Mädchen in meinem Bekanntenkreis schlagartig verändert. Gemeint war die Komödie Susan … verzweifelt gesucht. Überall waren jetzt bei den jungen Damen meiner Bekanntschaft Leggings, Spitzen, Nieten zu sehen. Dieser Film setze Maßstäbe im Fashionbereich meiner Umgebung, während ich weiterhin mit Cordhose und Pullunder unterwegs war. Ich war wohl einfach nicht so trendig, schließlich war ich in meiner Freizeit meist im Kino oder vor dem Videorekorder.
Das ist lange her. Jetzt kam allerdings das Mediabook von Susan … verzweifelt gesucht als kombinierte Bluray- und DVD-Version auf den Markt und wurde mir von der zuständigen Agentur zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.
Also begab ich mich auf die Reise in meine Jugend ins Jahr 1985. Für mich als Fan der Stadt New York war dieser Film eine Wohltat. Die Geschichte der Regisseurin Susan Seidelman ist eine klassische Verwechslungskomödie mit Rosanna Arquette und einer (noch) unbekannten Madonna. Es war ein nostalgischer Trip zurück, denn ich mag New York-Stories. Nun Seidelman ist kein New York-Erzählmeister wie Woody Allen und auch kein Screwball-Champignon wie Frank Capra, aber sie ist eine begabte US-amerikanische Autorenfilmerin, die mir New York näher brachte. Später drehte sie auch den Piloten von Sex and the City, der auch ein interessantes New York-Bild vermittelte.

Seidelmans Regie hat optisch einiges zu bieten. Szenen der biederen Familie sind in Rosa gehalten, das punkige New York East Village und SoHo eher in gelben und smaragdgrünen Farben. Sie spielt mit den Gegensätzen der Charaktere und überzeichnet sie freilich auch. Und diese Gegensätze werden überall deutlich: Im Licht, im Set, im Outfit, in der Ausstattung und in der Sprache. Es lohnt sich, den Film im englischen Original anzuschauen, um das New York der Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts genießen zu können. Große Filmkunst ist es natürlich nicht, obwohl es Szenen gibt, die sich mir eingeprägt haben. Dazu gehört sicherlich das Erscheinungsbild von Madonna, die erst nach dem Film ihren medialen Durchbruch hatte. Die Dreharbeiten mit ihr verliefen ohne Probleme, ohne Bodyguards und Security. Madonna konnte sich am Set frei bewegen – erst nach dem Film begann der Rummel um ihre Person.
Ob der Film heute noch funktioniert? Nein, denn wer liest noch eine Kleinanzeige in einer Tageszeitung? Was war nochmal dieses Holzmedium? Craigslist von heute bietet nicht mehr den Charme einer Verwechslungskomödie und somit ist Susan ein wunderbares Produkt einer alten Zeit.
Der Filmjournalist Christoph N. Kellerbach beschreibt im Booket die Entstehungsgeschichte des Films. Ich muss mir aus dem Archiv das Presseheft von damals raussuchen und mich in die Geschichte weiter einlesen. Kellerbach liefert eine hervorragende filmjournalistische Grundlage für den Film. Vor allem der These, dass Susan … verzweifelt gesucht einer der ersten Frauenfilme war, ohne Feminismus und dennoch mit klarem Fokus auf die Frau, ist eine interessante Information und damit hat Susan einen Platz in der Filmgeschichte.