Versionsüberblick über die Einspielungen von Across the Stars von Anne-Sophie Mutter und John Williams

22. Januar 2020
Es wird zeigt für einen Überblick, welche Versionen es von Across the Stars es überhaupt gibt.

Es wird zeigt für einen Überblick, welche Versionen es von Across the Stars es überhaupt gibt.

Für mich ist „Across the Stars“ eines der herausragenden Alben vom vergangenen Jahr. Die musikalische Zusammenarbeit zwischen zwei Giganten. Filmkomponist John Williams trifft auf Violinistin Anne-Sophie Mutter.
Frau Mutter trat an John Williams heran, bestach ihn mit Lebkuchen und bat, dass er seine kompositorischen Meisterwerke für Geige arrangierte und herauskam das vortreffliche Album „Across the Stars“. Vor kurzem traten beide zusammen mit den Wiener Philharmoniker im Goldenen Saal des Musikvereins auf – ein Konzert der absoluten Extraklasse. Es wurde für die Nachwelt auf Video und Audio aufgezeichnet.

Voll bepackt mit allen Ausgaben. Foto: DG

Voll bepackt mit allen Ausgaben. Foto: DG

Im Hinein posierten die beiden Musiker auf einem PR-Foto der Deutschen Grammophon und den verschiedenen Ausgaben von Across the Stars. Und nachdem ich aufgrund meiner Berichterstattung Anfragen bekam, wollte ich jetzt einmal Klarheit in die verschiedenen Versionen der Veröffentlichungen bringen, denn es gibt unterschiedliche Ausgaben. Übrigens, der Albumtitel Across the Stars ist ein Titel aus dem Film Star Wars II Attack of the Clones. Der Stand der Veröffentlichung ist 22. Januar 2020.

Album Vinyl Across the Stars inklusive Audio CD
Sehr schön ist die Doppel-LP Across the Stars, die zusätzlich eine Audio-CD beinhaltet. Es ist eine 180 Gramm Pressung. Sowohl Vinyl als auch CD umfassen folgende 12 Titel

1. Rey’s Theme – from STAR WARS: THE FORCE AWAKENS
2. Yoda’s Theme – from STAR WARS: THE EMPIRE STRIKES BACK
3. Hedwig’s Theme – from HARRY POTTER AND THE PHILOSOPHER’S STONE
4. Across the Stars (Love Theme) – from STAR WARS: ATTACK OF THE CLONES
5. Donnybrook Fair – from FAR AND AWAY
6. Sayuri’s Theme – from MEMOIRS OF A GEISHA
7. Night Journeys – from DRACULA
8. Theme – from SABRINA
9. The Duel – from THE ADVENTURES OF TINTIN: THE SECRET OF THE UNICORN
10. Luke and Leia – from STAR WARS: RETURN OF THE JEDI
11. Nice to Be Around – from CINDERELLA LIBERTY
12. Theme – from SCHINDLER’S LIST

Die Audio CD Across the Stars
Es wird eine Digi-Pack-Audio-CD Across the Stars angeboten, die mit dem Inhalt der Doppel-LP identisch ist. Bei meiner Version habe ich ein Autogramm von Anne-Sophie Mutter (Angeberpost)

Album Vinyl Across the Stars Special Editon
Und nun wird es komplizierter: Wer sich nur für die Einspielungen der Star Wars-Kompositionen interessiert, da gibt es eine auf 6000 Exemplare limitierte Special Edition von Across the Stars. Ich habe die Version 3660. Die Edition gibt es ausschließlich auf 180 Gramm Vinyl. Eine Plattenseite ist eine Picture Disk vom Todesstern, die Plattenfirma spricht von einer Gravur. Hier sind folgende Titel zu finden, wobei Princess Leia’s Theme nicht auf dem regulärem Album zu finden ist:

1. Rey’s Theme – from STAR WARS: THE FORCE AWAKENS
2. Yoda’s Theme – from STAR WARS: THE EMPIRE STRIKES BACK
3. Across the Stars (Love Theme) – from STAR WARS: ATTACK OF THE CLONES
4. Luke and Leia – from STAR WARS: RETURN OF THE JEDI
5. Princess Leia’s Theme – from STAR WARS: A NEW HOPE

Album Vinyl Single Remembrances/Markings
Dann kam eine Vinyl-Single Remembrances mit zwei Titeln auf den Markt, die ebenso nicht auf dem regulären Album zu finden ist:


1. Remembrances – from SCHINDLER’S LIST
2. Markings for solo violin, strings and harp

Album Vinyl Single A Prayer for Peace/The Chairman’s Waltz
Und wieder kam eine Vinyl-Single The Chairman’s Waltz/ A Prayer for Peace mit zwei Titeln auf den Markt, die ebenso nicht auf dem regulären Album zu finden ist. Die Single ist auf 1100 Exemplare limitiert. Ich habe die Ausgabe 209:

1. A Prayer for Peace – from MUNICH
2. The Chairman’s Waltz – from MEMOIRS OF A GEISHA

Album CD/DVD Across the Stars – Dexluxe Edition
Wer mehr haben möchte, aber nicht alles, der sollte zur Deluxe Edition von Across the Stars greifen. Sie beinhaltet eine CD mit 17 Titeln sowie eine DVD mit zwei Gesprächen zwischen John Williams und Anne-Sophie Mutter. Leider sind keine Aufnahmen von den Proben oder Aufnahmen aus Los Angeles dabei.
Die Titel sind die Abfolge des regulären Albums und Bonus-Tracks, die auf den Vinyl-Singles erschienen sind. Dies ist also die Fassung mit allen offiziell veröffentlichten Einspielungen.

1. Rey’s Theme – from STAR WARS: THE FORCE AWAKENS
2. Yoda’s Theme – from STAR WARS: THE EMPIRE STRIKES BACK
3. Hedwig’s Theme – from HARRY POTTER AND THE PHILOSOPHER’S STONE
4. Across the Stars (Love Theme) – from STAR WARS: ATTACK OF THE CLONES
5. Donnybrook Fair – from FAR AND AWAY
6. Sayuri’s Theme – from MEMOIRS OF A GEISHA
7. Remembrances – from SCHINDLER’S LIST
8. Night Journeys – from DRACULA
9. Theme – from SABRINA
10. The Duel – from THE ADVENTURES OF TINTIN: THE SECRET OF THE UNICORN
11. Princess Leia’s Theme – from STAR WARS: A NEW HOPE
12. The Chairman’s Waltz – from MEMOIRS OF A GEISHA
13. Luke and Leia – from STAR WARS: RETURN OF THE JEDI
14. Nice to Be Around – from CINDERELLA LIBERTY
15. Theme – from SCHINDLER’S LIST
16. Markings for solo violin, strings and harp
17. A Prayer for Peace – from MUNICH

Und Devil´s Dance?
Da wäre noch Devil´s Dance aus dem Film The Witches of Eastwick. Der wunderbare Song wurde unter anderem in Wien aufgeführt, ist aber auf keiner der offiziellen Veröffentlichungen enthalten. Wie ich gelesen habe, entstand die Aufnahme nach den offiziellen Album-Aufnahmen. Ich hoffe damit auf ein Volume 2. Das Stück gibt es im Netz zu finden. Mir wurde aus der deutschen John Williams Facebook ein Indy-Jones-Podcast empfohlen, in dem das Stück mit Genehmigung der Produzenten veröffentlicht wurde – ca. 12 Minuten am Ende des Podcasts.

Meine Frage: Kennt jemand noch weitere Veröffentlichungen?

Konzertempfindung: John Williams und Anne-Sophie Mutter in Wien 2020

21. Januar 2020
John Willams bedankt sich bei seinen Fans. Foto: Lange

John Willams bedankt sich bei seinen Fans. Foto: Lange

Endlich konnte ich ihn sehen, nachdem ich ihn jahreslang nur gehört habe. John Williams kam nach Wien zu den Wiener Philharmoniker in den Goldenen Saal des Musikvereins und hatte zudem Anne-Sophie Mutter mit dabei. Und ich war dabei.

John Williams ist für mich der größte lebende Filmkomponist und seit Jahren bin ich ein Fan seiner Musik. Er steht für mich in der Tradition des Musikdramas, der Programmmusik und der Leitmotive im Stile des musikalisch von mir verehrten Richard Wagners. Und zu Weihnachten machte mir meine Frau das wunderbare Geschenk des Konzertbesuchs in Wien. Und weil die Familie von meiner Begeisterung angesteckt wurde, kauften wir kurzerhand für die ganze Familie Eintrittskarten, die wir über Wartelisten und die geniale John Williams-Facebook-Gruppe erhielten.
Den Goldenen Saal des Musikvereins Wien kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen. Es war uns noch nie gelungen Karten für das Neujahrskonzert zu erhalten. Neujahrskonzert ist gut, aber John Williams ist besser, viel besser – und es wurde ein musikalisches Fest.

Gut gelaunter John Williams
Im Vorfeld haben wir Fotos der Proben gesehen. Die Philharmoniker schienen ihren Spaß mit dem Maestro zu haben und brachten Star Wars-LPs zur Probe mit. Vielleicht war es für sie auch mal was anderes, wenn sie Filmmusik spielen mussten. Und auch John Williams war konzentriert und wirkte glücklich.
Beim Betreten des Goldenen Saals wurde mir klar, warum der 87jährige den Stress einer Konzertreise nach Wien auf sich genommen hatte. Am Geld kann es nicht liegen. John Williams hat gut verdient und sein Häuschen längst abgezahlt. Aber der Goldene Saal des Musikvereins Wien hat eine ganz besondere Atmophäre. Williams würde mit Kusshand in jedem Konzertsaal der Welt genommen, aber er entschied sich für Wien – und das aus gutem Grunde. Berühmte Komponisten und Dirigenten haben hier mit den berühmten Wiener Philharmoniker gespielt. Die Akkustik ist hervorragend und die Atmosphäre kann ausgezeichnet, wenn das Publikum dein Freund ist.

Standings Ovations für John Williams
Williams kam, sah und siegte. Das internationale Publikum erwartete ihn mit donnernden Applaus. John Williams war sichtlich gerührt, erfreut und genoss es vor so einem begeisterten Publikum zu spielen. Es gab Applaus, Standing Ovations und Beifallsrufe. Die Stimmung im ehrbaren Musikverein war eher die eines Rockkonzerts und Williams war unser gefeierter Star. Wir hingen bei seinen Statements an den Lippen, beobachteten jede Geste mit seines Dirigats und nahmen auch wahr, dass sich der 87jährige mit der linken Hand immer wieder festhielt. Und als dann noch von ihm Anne-Sophie Mutter auf die Bühne gebeten wurde, brach Jubelsturm um Jubelsturm los. Der Musikverein wurde zum Tollhaus. Während die Musik dargebotene wurde, war es mucksmäuschenstill – am Ende eines jeden Stück brachen die Emotionen hervor.

Neue Fans für Anne-Sophie Mutter
Anne-Sophie Mutter hat lange um John Williams geworben und ihn sogar mit Lebkuchen zu Weihnachten gelockt, damit der Meister seine Stücke für Geige arrangierte. Herausgekommen ist das formidable Album Across the Stars, die zum Teil auch in Wien zu Gehör gebracht wurden. Anne-Sophie Mutter hat es damit geschafft einen weiteren, neuen Fankreis für sich zu erschließen. Sie ist sicherlich eine der berühmtesten Violinistinnen dieses Planeten, aber einem klassisch interessierten Publikum bestens bekannt. Mit ihrem Berliner Club-Album versuchte sie neue Hörer zu erschließen. Mit Across the Stars schaffte sie aber den Sprung in die Filmmusik und damit zu weiteren neuen Hörerkreisen. Dass sah man auch im Musikverein. Neben den Besuchen in feiner Abendgarderobe saßen Fans mit Star Wars- oder John Williams-T-Shirts und es passte einfach zusammen.

Die Musik von John Williams
Die Musik an beiden Konzerttagen war ein Streifzug durch die Werke von John Williams. Hook, Unheimliche Begegnung, Sabrina, In einem fernen Land, Harry Potter, ET – und auf einmal der Devil‘s Dance aus dem Film „Die Hexen von Eastwick“. Dieses Stück ist auf keinem Album oder Single mit Anne-Sophie Mutter bisher herausgekommen. Es wurde nach den Album Across the Stars arrangiert und ist bisher beispielsweise in einem IIndy-Jones Podcast am Ende (ca 12. vor Schluss) zu hören. Dürfen wir also auf eine Fortsetzung von Across the Stars hoffen?
Auf jeden Fall hat die Deutsche Grammophon angekündigt, die beiden Wiener-Konzerte als CD und DVD/Bluray herauszubringen. Die Konzerte wurden mitgeschnitten und veröffentlicht. Es soll auch eine TV-Ausstrahlung bei ARTE vorgesehen sein. Für mich eine Premiere: Ich war bei vielen Konzerten, aber es wird das erste Mal sein, das MEIN Konzert offiziell veröffentlicht wird.

Vielen Dank für das geniale Konzert. Foto: Lange

Vielen Dank für das geniale Konzert. Foto: Lange

Meine Empfindung zu John Williams
Zur Musik von John Williams etwas zu schreiben, wäre Eulen nach Athen zu tragen. Am Ende des Beitrags habe ich die Setlist der Konzerte aufgeführt. Aber ich möchte eine Empfindung festhalten, die ich am ersten Konzertabend verspürte. Nach der Pause gegen Ende des offiziellen Parts kam die Musik mit der sich John Williams 1977 in mein Herz komponierte. Das Thema zu Star Wars erklang.
Ich hab Krieg der Sterne als Neujähriger im Kino gesehen und mir dann die Doppel-LP von meinem Taschengeld gekauft. Ich glaubte, dass ich das Hörspiel erworben hatte, aber es lief der Soundtrack von John Williams auf dem Plattenteller meiner Grundig-Anlage. Und die Musik packte mich, ich verschlang die Leitmotive, sog sie in mich auf. Und nun kam dieses Gefühl in Wien wieder als ich das berühmte Star Wars Thema live hörte.
Ich schloss die Augen und ließ seine Musik wirken. Und mitten im Goldenen Saal des Musikvereins erschien der Todesstern, da flog der Falke, ich sah die Weite von Tatooine, ich traf Luke, Leia, Han und Vader und mir kamen die Tränen vor Glück. Was löst diese Musik für Emotionen bei mir aus?
Aber nicht nur bei mir: Mit dieser Musik hatte es John Williams geschafft, dass sich Scharen von Kindern und Jugendlichen 1977 und später aufmachten auch klassische Musik zu hören. Williams brachte mir durch seine Kompositionen die Musik von Bach, Beethoven, Mahler, Mozart und Wagner näher – ohne Williams hätte ich diese Musik nie entdeckt. Ich hätte nie Erich Wolfgang Krongold, Franz Waxman, Max Steiner, Alfred Newman oder Bernard Herrmann entdeckt oder später Jerry Goldsmith, Ennio Morricone, Howard Shore, James Horner, Danny Elfman, James Newton Howard und viele mehr.

Die Setlist von beiden Wiener Konzerten
Flight to Neverland from Hook (1991)
Excerpts from Close Encounters of the Third Kind (1977)
Hedwig’s Theme from Harry Potter and the Philosopher’s Stone (2001/2019)
Theme from Sabrina (1995/2019)
Donnybrook Fair from Far and Away (1992/2019)
Devil’s Dance from The Witches of Eastwick (1987/2019)
Adventures on Earth from E.T. The Extra-Terrestrial (1982)
Theme from Jurassic Park (1993)
Dartmoor, 1912 from War Horse (2011)
Out to Sea / Shark Cafe Fugue from Jaws (1975)
Marion’s Theme from Raiders of the Lost Ark (1981/2017)
The Rebellion is Reborn from The Last Jedi (2017)
Luke and Leia from The Return of the Jedi (1983)
Main Title from Star Wars: A New Hope (1977)
Nice to Be Around from Cinderella Liberty (1973/2019)
The Duel from The Adventures of Tintin (2011/2019)
Remembrances from Schindler’s List (1993)
Raiders March from Raiders of the Lost Ark (1981)
The Imperial March from The Empire Strikes Back (1980)

Autogramm-Jagd auf John Williams und Anne-Sophie Mutter im Musikverein Wien

20. Januar 2020
Ein Traum geht in Erfüllung: John Williams, Anne-Anne Sophie Mutter und die Wiener Philharmoniker im Musikverein Wien.. Foto: Lange

Ein Traum geht in Erfüllung: John Williams, Anne-Anne Sophie Mutter und die Wiener Philharmoniker im Musikverein Wien.. Foto: Lange

Ja, ich verehre John Williams als den besten lebenden Filmkomponisten und ich wäre stolz, wenn ich ein Autogramm vom Meister bekommen würde. Ich weiß nicht warum, aber es würde mich stolz machen. Bei seinem Konzert in Wien hab ich vielleicht die Chance. Doch wie sollte ich das anstellen? Wie sollte ich sein Autogramm bekommen? Ich stand auf keiner Gästeliste, Meet and Greet-Karten gab es für mich auch nicht, was sollte ein einfacher Fan also machen? Ich habe meine Eindrücke in diesem Video zusammengefasst:

Auswahl an Scores – was nehme ich mit?
Im Vorfeld meiner Wien-Reise zum Konzert im Goldenen Saal des Musikvereins sichtete ich erst einmal meine Scores von John Williams, unter auch meine verschiedenen Star Wars-Ausgaben. Eine LP mitzunehmen schied aus Platzgründen aus, so blieben die gleich im Archiv. Also nur CDs hervorgesucht. Ich entschied mich für Jaws, Empire Strikes Back, Nixon und natürlich Across the Stars, falls mir Anne-Sophie Mutter über den Weg laufen sollte. Dazu einen Edding mit silberner Farbe zum Unterschreiben.

Warten vor dem Hotel Imperial
Wo ist Williams am besten anzutreffen? Aus Facebook wusste ich, dass er im Hotel Imperial nächtigt (wo er wahrscheinlich den Imperial March hört – Sparwitz). Das Hotel befindet sich genau gegenüber des Künstlereingangs des Musikvereins. Williams und Gefolge mussten nur durch die Türe des Hotels raus, die Straße überqueren und zur Türe des Musikvereins rein. Und da würde ich ihn abpassen. So war mein Plan.

Auf die Idee kamen rund 50 andere John Williams Fans übrigens auch. Also warteten wir geduldig vor dem Konzerthaus. In Wien begann es derweil zu schneien. Das Konzert begann um 15:30 Uhr. Ich war mit meiner Familie gegen 14 Uhr vor dem Musikverein und postierte mich strategisch. K2 stattete ich mit dem Stift und den Covers meiner Scores aus. Wenn Williams Autogramme gibt, dann eher meiner Tochter als mir alten Mann. Der Rest der Familie wartete mit ihren Smartphone auf den großen Moment.
Wir Fans brachten uns in Stimmung und in Stellung. Viele hatten schöne LP-Covers dabei. Ich habe seltene Star Wars-Aufnahmen gesehen. Es wurde in allen Sprachen gefachsimpelt und dabei die Tür des Imperial im Auge behalten. Immer wieder fuhren Taxis vor und die Musikerinnen und Musiker der Wiener Philharmoniker steigen aus und bahnten sich den Weg durch die wachsende Fanmenge in der ich auch ganz vorne stand.
Wenn sich die Tür des Hotel Imperial öffnete, dann ging ein Raunen durch die Menge. Ist er es? Aber es waren in der Regel nur Hotelgäste, die über den Rummel etwas verwundert waren. Dann gab es auch Menschen aus dem Umfeld der Künstler, die ich nicht kannte, aber die wichtig zu sein schienen. Und dann kam auch noch die Security, darunter ein freundlicher Österreicher und ein finster dreinblickender US-Sicherheitsmann mit Knopf im Ohr.
Die Uhr rückte vor und meine Familie wurde langsam nervös. Wann erscheint der Meister und würden wir ein Autogramm bekommen? Und würden wir es dann noch rechtzeitig in den Goldenen Saal schaffen? Wir mussten schließlich unsere nassen Mäntel an der Garderobe abgeben und den Platz suchen. Meiner Gattin wurde es schließlich zu kalt und zu bunt und zog mit K1 ab. K2 und ich harrten noch aus.
Gegen 15:15 Uhr trat dann die Security auf den Plan. Der Eingang vom Hotel wurde geräumt und eine Gasse gebildet. Auch vor dem Künstlereingang wurde der Weg freigemacht. Wir Fans wussten: Es geht gleich los. Fotoapparate wurden gezückt, Smartphones eingeschaltet, Stifte bereit gehalten – es würde schnell gehen, doch wir waren bereit.
Und dann kam es anders. Ein BMW kam mit hohem Tempo um die Ecke gefahren. Aufgrund des Schneefalls hatte der Meister beschlossen mit dem Auto die paar Meter zu fahren. Das Tor des Künstlereingangs öffnete sich, der BMW fuhr hinein und darin wohl John Williams – gesehen hab ich ihn nicht. So eine Pleite: Kein Autogramm, kein Blick, dafür komplett nass und durchgefroren. Also ab in den Musikverein – wir hatten nur noch 15 Minuten bis Konzertstart.

Goldener Saal des Musikvereins Wien

Über das Konzert blogge ich noch separat. Nur soviel: Es war schlichtweg genial und hat mich tief berührt. Es gab fünf Zugaben. Nach dem Konzert traf sich die John Williams Facebook-Fangruppe noch in einem Restaurant zum Meinungsaustausch. Da es noch ein wenig Zeit bis dahin war, schaute ich mit meiner Frau den wunderbaren Goldenen Saal des Musikvereins an. Wir genossen die Atmosphäre, während sich der Saal immer mehr leerte. Hier finden die Neujahrskonzerte statt, zu denen wir eigentlich immer mal wollten, aber nie Karten bekommen hatten. Nun, bei John Williams hat es geklappt und ich war dankbar.

Backstage bei Anne-Sophie Mutter
Beim Hinausgehen ging meine Frau zur Garderobe und traf sich mit den Kindern. Ich wollte nochmal mein Glück versuchen und hinter die Bühne kommen. Ich wollte schließlich mein Autogramm von John Williams. Also suchte ich den Backstage-Bereich, wo ein paar Fans warteten. Die Security versperrte uns den Weg. Eintritt nur, wer auf der Gästeliste stand. Wenn die Tür aufging, konnten wir einen Blick erhaschen. Aber für mich gilt die umgedrehte Regel von Herbert Wehner. Wer reingeht, der kommt auch wieder raus. Also warten war angesagt.

Nun, John Williams wurde abgeschirmt und nahm einen anderen Ausgang – wohl wieder zum Auto. Aber Anne-Sophie Mutter stand auf einmal mit ihrem Geigenkoffer da und wollte nach getaner Arbeit nach Hause. Da musste sie an ein paar Fans und damit mir vorbei. Ich hatte ja das Cover zu Across the Stars dabei, bat sie um ein Autogramm. Zunächst war die Geigerin genervt, aber dann sofort wieder Profi und unterschrieb. Ihr Sohn schaute zu und grinste, wie Mama Mutter sich den Weg durch uns Fans bahnte. Der junge Mann hatte das Glück, sich lange mit John Williams zu unterhalten – ich bin neidisch und sagte es ihm auch. Ich wünschte ihm viel Erfolg, machte ein Selfie mit seiner Mutter. Anne-Sophie Mutter unterschrieb noch ein paar LP-Cover und ging ab durch die Mitte mit ihrem Gefolge.

Wunderbarer Abend mit John WIlliams und Anne-Sophie Mutter

Nun, von John Williams habe kein Autogramm und das ist sehr, sehr schade. Von Anne-Sophie Mutter habe ich eines und das freut mich sehr. Das nächste Konzert von John Williams ist in Pittsburgh im Juni. Aber nein, das ist wohl zu weit. Zurück bleibt die Erinnerung an einen wunderbaren Abend im Musikverein Wien mit John Williams, Anne-Sophie Mutter und den Wiener Philharmonikern.

Vielen Dank für das geniale Konzert. Foto: Lange

Vielen Dank für das geniale Konzert. Foto: Lange

Jugendstil in Riga – was fürs Auge

18. Januar 2020
Wo sind die meisten Jugendstilhäuser zu besichtigen? In Prag lautet oft die Antwort. Falsch! Es ist in der lettischen Hauptstadt Riga. Die meisten Prachtbauten findet man im so genannten Stillen Zentrum.
Der Jugendstil oder Art nouveau ist eine kunstgeschichtliche Epoche an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und hat heute noch viele Anhänger. Unter dem Einfluss deutscher Architekten ist in t Riga in Lettland der Jugendstil zu einer der noch heute das Stadtbild wesentlich prägenden Architekturrichtungen geworden. Riga gehört zu den glänzendsten Perlen des Jugendstils und wurde 1997 als „hochwertigste Konzentration an Jugendstilgebäuden“ auf die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes gesetzt.

Es gibt Hunderte von Häusern in diesem Baustil, aber das bekannteste ist sicherlich das Wohnhaus in der Elizabetes iela 10b, Elisabethstraße. Es stammt von Michael Eisenstein, was mich als Filmfreund sehr interessiert. Michael Eisenstein ist der Vater von Sergei Michailowitsch Eisenstein, einem der wichtigsten Regisseure Russlands. Von ihm stammen Klassiker wie die Revolutionsfilme Panzerkreuzer Potemkin und Oktober.
Michael Eisensteins Architekturstil wurde als „verrückter Zuckerbäcker“ verspottet, weil seine Fassaden mit Blumen, Tieren, Verzierungen aufmotzte. Detailreichtum an der Fassade, die exakt geplant waren, sind sein Markenzeichen. Und das Rigaer Wohnhaus in der Elisabethstraße ist sein Meisterstück, obwohl er 50 weitere Häuser in Riga plante.
Dieses Gebäude wurde 1903 erbaut und im Jahr 2000 restauriert. Seine Fassade ist eine prunkvolle Kompositionen von Masken, Pfauen, Skulpturköpfen und geometrischen Figuren in der Fassadenkrone fallen auf, wie auch die mit blauen Keramikplättchen verkleideten Fassadenflächen der oberen Stockwerke. Diese Fassade ist übrigens eine Kopie und Ergänzung der Fassadenzeichnung des Leipziger Architekten Georg Wünschmann und Hans Kozel, so das lettische Fremdenverkehrsamt. Diese Zeichnung wurde in einer Sammlung von Fassadenzeichnungen in Petersburg veröffentlicht.
Leider ist das Treppenhaus für die Öffentlichkeit gesperrt, aber kleiner Tipp: Ein paar Meter weiter ist ein sehenswertes Jugendstilmuseum in einem anderen Jugendstilhaus. Wer im Gebäude nicht ins Museum abbiegt, sondern sich der Treppe zuwendet, findet noch ein prachtvolles Treppenhaus. Aber bitte nicht hochgehen: Es wohnen Leute in den Wohnungen, die sicherlich nicht begeistert sind, wenn Touristen durch die Hütte marschieren.
Aber Augen auf, wer durch Riga spaziert. Es gibt wunderschöne Häuser zu entdecken.

Kurze Begegnung mit Ferdinand Schmidt-Modrow

17. Januar 2020

Ich habe Ferdinand Schmidt-Modrow nur einmal getroffen und es hat Spaß gemacht. Es war 2019 beim Sommerempfang der Bayerischen Landtagspräsidentin Ilse Aigner im Schloss Schleißheim.
Bevor der Empfang losgeht, steht das Defilee auf dem Programm. Bei der Parade warten die Gäste in der Schlange um dann der Gastgeberin – in unserem Fall Ilse Aigner – die Hand zu reichen und ein paar nette Worte zu wechseln. Und das Schlangestehen kann dauern. Soviel Zeit hatte Ferdinand Schmidt-Modrow freilich nicht, denn er spielte die Rolle des Pagen Vinzenz für den Bayerischen Landtag. Damit trat er in verschiedenen Spots des Bayerischen Landtags auf und es machte Spaß den 34jährigen in dieser Rolle zu sehen. Beim Sommerempfang war er wieder in dieser Rolle unterwegs und er fragte meine Frau und mich ob er sich beim Defilee vordrängeln dürfe.


Klar, kein Problem. Wir wechselten ein paar Worte. Also ging er vor uns in die Reihe und flirtete mit unserer Landtagspräsidentin herum, wurde gedreht und fotografiert. Dann kamen meine Frau und ich an die Reihe und schüttelten Ilse Aigner ebenso die Hände.


Beim Weitergehen trafen wir nochmals auf Ferdinand Schmidt-Modrow und ich gratulierte ihm zu seiner Rolle. Meine Bodycam lief mit und fing diese Szene ein.

Jetzt ist der Ferdinand Schmidt-Modrow verstorben. Mein Beileid der Familie und den Angehörigen.

Markthallen in Riga – der Zentralmarkt als Paradies

17. Januar 2020

Fischers Fritze isst frische Fische, frische Fische isst Fischers Fritze – dieser Zungenbrecher kam mir sofort in den Sinn als ich die Fischhalle auf dem Zentralmarkt in Riga betrat. Fisch, wohin man schaut – ein Paradies.

Leider waren wir ziemlich spät in der Halle und konnten so das komplette Angebot optisch nicht genießen, viele Händler packten bereits zusammen. Aber was ich gesehen habe, erfreute mein Herz als Fischliebhaber. Kurzzeitig überlegt ich mir, Fisch zu kaufen und einschweißen zu lassen, damit ich sie zu Hause zubereiten kann. Aber das wäre zu kompliziert.

Interessant war, dass in der Markthalle zu Riga der Neuaugen verkauft wird. 2012 wurden sie zum „Fisch des Jahres“ gewählt, dabei sind sie taxonomisch gesehen gar keine Fische, sondern die ursprünglichste Gruppe der Wirbeltiere.


Neunaugen genießen europaweit Schutz nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, für die als Arten des Anhangs II besondere Schutzgebiet ausgewiesen worden sind. Zudem unterliegen sie in Deutschland dem Schutz nach der Bundesartenschutzverordnung und sind nach den Fischereiverordnungen der Länder ganzjährig geschont. Davon scheint in Riga keiner etwas zu wissen oder wissen zu wollen. Der Neuaugen wird gefischt und verkauft. Wie Neuaugen schmeckt kann ich nicht sagen, denn in den Restaurants wurde die einstige Spezialität der Reichen nicht angeboten.

Dabei ist die Fischhalle nur eine des weitreichenden Marktareals von Riga, das 1997 in die UNESCO Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Die Hallen waren einst als Zeppelin-Hangar gedacht, samt unterirdischer Versorgungsstadt. Nun, der Zeppelin hatte sich ja bald erledigt, 1930 wurden die Hallen als eine der modernsten Markthallen Europas eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg wurden aus den die Hallen erstmal Werkstätten. Nach dem Krieg unter Sowjetzeit wurde aus den Markthallen dann der Zentrale Kolchosenmarkt und von der roten Propaganda hochgejubelt.
Wie das lettische Fremdenverkehrsamt mitteilte, gehe aus einer Statistik aus dem Jahr 1961 hervor, dass hier jährlich bis zu 200 000 Tonnen Fleisch, 768 000 Liter Milch, 7 Millionen Eier, mehr als 9000 Tonnen Kartoffeln, 8000 Tonnen Gemüse und fast 5000 Tonnen Obst verkauft wurden – und wir sprechen von Sowjetzeiten.
Heute ist der Markt eine Art kulinarisches Schlaraffenland. An Obst, Gemüse, Fleisch, Käse, Fisch, Gewürze – vieles kann man probieren und in der Gastrohalle werden die Speisen frisch zubereitet. Ich wollte frische Austern essen, wurde aber durch die hohen Preise abgeschreckt. Austern aus der Ostsee habe ich keine gesehen, es gab welche aus Frankreich. In der Gastrohalle gab es zudem viele asiatische Garküchen – sicherlich gut gemeint, aber für mich als Riga-Tourist uninteressant.
Preiswert dagegen Honigschnaps von dem Freunde von mir sehr angetan waren und Kaviar. Ich versorgte mich mit entsprechenden Leckereien. Zudem habe Lorbeerblätter in größeren Mengen gekauft, die ich für Muscheln und Tintenfischgerichte brauche.
Beeindruckt hat mich in der Fleischhalle die Füllen an Innereien wie Zunge und Herz, aber auch Kalbsbäckchen, Schweineschnauze und -Ohren.

Der Dom zu Riga, der eigentlich eine Kathedrale ist

16. Januar 2020

Wer nach Riga kommt, der muss sich den Dom zu Riga ansehen. Daran führt kein Weg vorbei. Und wer schon mal da ist, der sollte sich um die Mittagszeit auch das kostenpflichtige Orgelkonzert anhören. Im eigentlichen Sinne ist der Dom zu Riga kein Dom, sondern eine Kathedrale. Das lettische Wort für „Kathedrale” ist „doms” und schon war es im Deutschen ein Dom.

20 Minuten Orgelkonzert und diese 20 Minuten haben es in sich. Die Orgel wurde am 31. Januar 1884 eingeweiht und war zu diesem Zeitpunkt das größte der Welt. Heute gibt es größere, mächtigere Orgel, aber bei mir hat das Musikinstrument in Verbindung mit dem Konzert einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. 1882/1883 baute die Orgelbauwerkstatt Walcker aus Ludwigsburg das jetzige Orgelwerk mit mechanischen Spieltrakturen, 6718 Pfeifen und 124 Registern auf 4 Manualen und Pedal. Der Klang ist wirklich mächtig.
Unter sowjetischer Herrschaft war das Gotteshaus ein schnöder Konzertsaal und die gottlosen Kommunisten haben den Alter entfernt, mehr Stuhlreihen eingeführt, um mehr Platz für Orgelkonzerte zu haben. Ich habe mein Orgelkonzert einmal auf Video mitgeschnitten.

Der Dom wurde im Jahre 1226 fertiggestellt und wirkt auf mich sehr eindrucksvoll, wie alle Gebäude des Mittelalters. Verschiedene Baustile greifen hier ineinander, so eine Kathedrale baut man nicht eben über Nacht. Das Nordportal ist gotisch, die Rundbögen sind romanisch.
Geplant waren zwei Türme, es wurde nur einer, der dann abbrannte und der Holz-/Steinturm später ersetzt wurde. Im Jahr 1776 kam dann der jetzige Barock-Turm mit von 90 Metern Höhe.
Mir hat vor allem der Taufstein gefallen. Er stammt aus dem Ende des 12. Jahrhunderts und kommt aus der Kirche in Ikšķile, der ersten Kirche im heutigen Lettland. Der Stein wurde bei der Renovierung des Domes 2009 im Mittelgang des Hauptschiffes aufgestellt.

Wenn man beim Betrachten richtig steht, spiegeln sich die wunderbaren Fenster der Kirche wider. Vier von ihnen stammen aus Bayern – ich vermute von der Mayer’sche Hofkunstanstalt aus München. Leider konnte ich keine genauen Angaben finden. Ein Fenster zeigt die Gründung des Gotteshauses durch Bischof Albert I., ein anderes den Schwedenkönig Carl Gustav.

Einen Blick sollte man auch auf die Kanzel werfen. Hier sehen wir sehr schöne Schnitzereien – sie zählen zu den wirklichen Kunstschätzen des Doms.

Für meine Frau, die den Blog Hahnologie betreibt, war sicherlich der Wetterhahn eine tolle Entdeckung. Er stammt aus dem Jahre 1595 und war bis 23. April 1985 auf dem Turm. Heute ist eine Kopie auf dem Dach.

Riga Black Balsam – der Zaubertrank aus Lettland

15. Januar 2020

Er soll gegen alles helfen außer gegen Liebeskummer und Alkoholismus: Der Schwarze Balsam aus Riga, auch Riga Black Balsam genannt.
In Lettland sieht der Besucher dieses Nationalgetränk an jeder Ecke. Keine Kneipe, kein Markt, kein Fest an dem der Kräuterschnaps nicht ausgeschenkt wird. Er wird pur getrunken oder mit allem gemixt, was flüssig ist: Cola, Tee, Kaffee, Saft – ich habe ihn im Winter mit heißem Johannisbeersaft angeboten bekommen.

Der Schwarze Balsam gilt als Allheilmittel. Der Rigaer Apotheker Abraham Kunze stellte Mitte des 18. Jahrhunderts erstmals Kunzer Balsam her. Damit heilte er die Zarin Katharina die Große und das war die beste Werbung für sein schwarzes Produkt. In Windeseile verbreitete sich das Produkt durch das Russische Reich und der Rigaer Schwarze Balsam war bekannt – auch für seine abführende Wirkung.
In einem Selbstversuch habe ich den Schwarzen Balsam probiert – er schmeckt wie ein traditioneller Kräuterschnaps. Wer solch ein Getränk mag, wird am Balsam seinen Gefallen finden. Mit dem richtigen Marketing könnte das Teil auch bei uns zum Szenegetränk werden.

Im Balsam sind 25 Zutaten verarbeitet, die erste Lagerung erfolgt dabei in Eichenfässern.. Mein Reiseführer nannte darunter Lindenblüten, Birkenknospen, Honig, Arnika und Baldrian, Pfefferminze, Wermut, Kalmuswurzeln, Heidel- und Himbeeren, Eichenrinde und Orangenschalen, Ingwer, Muskat und Schwarzer Pfeffer. Ich muss zugeben, ich habe die Zutaten nicht herausgeschmeckt, wohl aber die 45 Prozent Alkohol bemerkt, die dem Riga Black Balsam inne wohnen. Mehr als zwei Gläschen tun mir nicht gut.

Richard Wagner in Riga

14. Januar 2020

Richard Wagner ist in Riga, der Hauptstadt von Lettland, allgegenwärtig, obwohl er nur kurze Zeit dort verweilte. Als Wagner-Fan ging ich ein bisschen auf Spurensuche.

Richard Wagner war ja Zeit seines Lebens ein Blender, machte Schulden, beteiligte sich an revolutionären Gedanken und war damit immer auf der Flucht vor der Obrigkeit und seinen Gläubigern. So auch bei seinem Aufenthalt in Riga als der 24jährige junge Musiker im August 1837 in der lettischen Hauptstadt ankam. Riga gehörte damals zum russischen Reich und der junge Wagner trat eine Stelle im städtischen Deutschen Theater an. Es war im Grunde eine renovierungsbedürftige Bude – und so ganz toll sieht das Gebäude in der nach ihm benannten Straße heute auch nicht gerade aus.

Voller Eifer machte sich ans Werk und schon am 1. September dirigierte er sein 24köpfiges Orchester, lag aber schon bald im Klinsch mit dem Direktor. Er begann in Riga mit der Komposition seiner ersten Oper Rienzi, die viel später (ohne ihn) auch in Riga in der Oper aufgeführt wurde.

In der Oper in Riga wurde Rienzi aufgeführt (ohne Wagner) und die Personen mit Hund gehören auch nicht zu Wagner.

In der Oper in Riga wurde Rienzi aufgeführt (ohne Wagner) und die Personen mit Hund gehören auch nicht zu Wagner.

Wie es heißt, soll er in Riga auch erste Ideen für das Bayreuther Festspielhaus gehabt haben. So hatten in Riga die Musiker keinen Blick auf die Bühne, was ihn wohl zum berühmten Bayreuther Graben inspirierte.

Im Schwarzhäupter-Haus, einem gotischen Wohnhaus der Kaufmannsgilde und Zentrum von Riga, gab es zudem einen Konzertsaal. Auch hier dirigierte Wagner, so dass im Eingang des berühmten Hauses eine Plakette mit einem Bildnis eines jungen Richard Wagners hängt.

Das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg vernichtet und wieder aufgebaut – samt Konzertsaal. Detailgenau ist es wohl nicht, gibt aber einen guten Eindruck von den alten Zeiten wieder. Hier ein VR 360 Video vom Konzertsaal im Schwarzhäupter-Haus.

Schon zwei Jahre später war Wagner mit Gattin Minna wieder auf der Flucht – dieses Mal ging es mit dem Schiff nach England. Aufgrund der stürmischen Überfahrt kam ihm wohl der Gedanke zum Fliegenden Holländer.

Storytelling um Statuen – Freiheitsdenkmal in Riga

13. Januar 2020
Das Freiheitsdenkmal in Riga

Das Freiheitsdenkmal in Riga

In Riga, der Hauptstadt Lettlands, gibt es zahlreiche Statuen und Monumente zu berichten. Überall in der Hauptstadt stehen Denkmäler, die an berühmte Persönlichkeiten oder Taten der lettischen Geschichte erinnern. Und das Schöne ist, dass es immer wieder interessante Geschichten um diese Statuen gibt, die es wert sind, erzählt zu werden.

Freiheitsdenkmal
Das wichtigste Denkmal ist mit Sicherheit das Freiheitsdenkmal. Das 40 m hohe Denkmal wurde von den Bildhauer Karlis Zale gestaltet und symbolisiert die Freiheit des lettischen Volkes. Das Volk spendete die Mittel für das Monument, welches am 18. Dezember 1935 mit einer großen Feier eröffnet wurde. Der Hauptteil besteht aus einer Reihe von Skulpturen, die gemeinsam „Mutter Lettlands“ genannt werden. Auf der Vorderseite befindet sich die Inschrift mit den Worten „für Vaterland und Freiheit“. Das Freiheitsmonument krönt eine Frauenfigur, die drei goldenen Sterne in den Händen hält. Sie symbolisieren drei der geografischen Regionen Lettlands. Seit der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Lettlands posiert eine Ehrenwache zu Füßen des Moments.

Sex am Freiheitsdenkmal
Wer durch Riga spaziert, wird überall Kameras feststellen, die einen auf Schritt und Tritt begleiten. Das ist natürlich beim Freiheitsdenkmal erst recht der Fall. Das hätte sich ein 23jähriger Deutscher mit seiner 21jährigen spanischen Freundin merken sollen, als sie im Dezember 2016 Sex am Freiheitsdenkmal hatten. Sie wurden beim sündigen Treiben gefilmt und die Polizei verhaftete das triebhafte Paar. Jeder musste 250 Euro Strafe zahlen und das Video kursierte zudem noch im Internet. Wer suchet, der findet.

Freiheitsdenkmal als beliebter Treffpunkt
Zur Besatzung des Baltikums durch das Deutsche Reich galt das Freiheitsdenkmal als Treffpunkt. Allerdings sagten die deutschen Besatzer nicht Freiheitsdenkmal als Treffpunktadresse sondern man sprach von Metaxa. Metaxa ist der Markenname einer griechischen Weinbrand-Spirituose, die aus Weintrauben hergestellt wird. Die Zahl der Sterne auf der Flasche gibt die Qualität des Brandes an. Die einfachste Version ist der Drei-Sterne-Metaxa. Und da das Freiheitsdenkmal drei goldene Sterne hat, hieß es bei den Soldaten Metaxa.
Heute ist das Freiheitsdenkmal weniger der Treffpunkt der Jugend. Es ist die Laima-Uhr, die ein paar Meter entfernt steht. Laima ist ein Süßwarenhersteller, der 1870 gegründet wurde.

Digitaler Triumphbogen
Zu Zeiten der Sowjetunion stand in Riga ein Denkmal von Lenin. Er deutete mit dem Arm nach Osten Richtung St. Petersburg. Nach der Unabhängigkeit Lettlands im Jahre 1991 wurde das Lenin-Denkmal abgebaut und zur 100-Feier wurde modernes Digital Signage an gleicher Stelle errichtet. Es handelt sich im Volksmund um einen digitalen Triumphbogen. Auf ihn ist unter anderem der Satz zu lesen „Gold ist mein Zuhause“.

Witz aus der Sowjetzeit
In Riga gibt es einen Witz aus der Sowjetzeit, der den Humor seiner Epoche spiegelt. Da sagt der lettische Nationaldichter Rainis gedankenversunken: „Was für ein Blödsinn, was für ein Mist?“ Die Freiheitsstatue reißt die Arme empor und ruft aufgeregt „Was, wo?“ Und Lenin auf seinen Sockel mit dem Arm nach Osten ausgestreckt sagt „Da!“

Verbrannte Erde
Etwas ernster geht es bei einem Denkmal von Michael Andreas Barclay de Tolly. Er war war ein russischer Generalfeldmarschall und Kriegsminister zu Zeiten der napoleonischen Kriege. Eigentlich war er Deutschbalte von einer Familie mit schottischen Wurzeln aus dem Clan der Barclay. Er war für die Politik der verbrannten Erde verantwortlich, in dem er die französischen Truppen in die Tiefe Russlands lockte und Moskau anzündete und so Napoleon zermürbte. Falls jemand noch Krieg und Frieden von Leo Tolstoi gelesen hat, wird er sich erinnern, dass Michael Andreas Barclay de Tolly dort eine wesentliche Rolle gespielt hat.