Podcast Nah dran (3): Wo Journalismus wieder persönlich wird: Hildegard Tröger über Vertrauen, Austausch und den Blick hinter die Kulissen

16. August 2026

Journalismus entsteht nicht allein am Schreibtisch. Er lebt von Begegnungen, verlässlichen Netzwerken, kritischen Fragen und der Bereitschaft, die Welt aus immer neuen Perspektiven zu betrachten. Im Gespräch mit Matthias J. Lange erklärt Hildegard Tröger, stellvertretende Vorsitzende des PresseClubs München, warum ein traditionsreicher Medienclub gerade im digitalen Zeitalter gebraucht wird – und weshalb gute Geschichten häufig dort beginnen, wo sich eine Tür öffnet, die anderen verschlossen bleibt. Das ist der ehrenamtliche Podcast des PresseClub Münchens.

Der PresseClub München ist mehr als ein Veranstaltungsort im Herzen der bayerischen Landeshauptstadt. Für Hildegard Tröger ist er ein Resonanzraum: ein Ort, an dem Journalistinnen und Journalisten, Kommunikationsfachleute und andere Medienschaffende Erfahrungen austauschen, Themen diskutieren und neue Kontakte knüpfen können. Und hier ist der Podcast

Tröger gehört dem Club seit vielen Jahren an. Der genaue Zeitpunkt ihres Eintritts liegt nach ihrer Erinnerung etwa um das Jahr 2005. Ihr beruflicher Hintergrund führte sie unter anderem in die Unternehmenskommunikation. Dort beschäftigte sie sich mit interner und externer Kommunikation, mit der Formulierung von Botschaften und mit der Frage, über welche Kanäle diese Botschaften ihre Adressaten erreichen.

Schon damals faszinierte sie, wie sorgfältig Unternehmen ihre öffentliche Positionierung vorbereiten müssen. Zugleich war ihr die klare Trennung zwischen redaktionellen Inhalten und bezahlter Kommunikation wichtig. Werbung müsse als solche erkennbar sein. Diese Verbindung aus Sprache, Kommunikation, Verantwortung und Transparenz bildete einen wesentlichen Ausgangspunkt für ihr Engagement im PresseClub.

Tradition, Aktualität und Offenheit

Drei Begriffe beschreiben für Tröger den Charakter des PresseClubs besonders treffend: Tradition, Aktualität und Offenheit.
Die Tradition ist unübersehbar. Der PresseClub München wurde am 16. März 1950 als „Verein für auswärtige Presse“ gegründet. Im Jahr 2025 feierte er sein 75-jähriges Bestehen. Aus einer Arbeitsstätte mit Schreibmaschinen, Ofen und Fernschreiber entwickelte sich eine etablierte Institution am Münchner Marienplatz. Heute versteht sich der Club als Forum für Journalismus, Dialog, Pressefreiheit und demokratische Verantwortung.

Tradition allein genügt Tröger jedoch nicht. Ebenso wichtig ist ihr die Aktualität. Im PresseClub werden gegenwärtige politische und gesellschaftliche Entwicklungen aufgegriffen, aber auch Themen aus Wirtschaft, Kultur, Sport, Wissenschaft, Medizin und Medien.

Gerade diese thematische Breite betrachtet sie als Stärke. Journalismus dürfe sich nicht auf Politik beschränken, weil Politik nur einen Teil des Lebens abbilde. Auch Architektur, Technik, Gesundheit, Kunst und die Entwicklung von Städten und Gemeinden gehörten zur journalistischen Wirklichkeit.

Die dritte Eigenschaft ist Offenheit: Offenheit gegenüber unterschiedlichen Themen, Perspektiven, Berufswegen und Generationen. Der Club kann nach Trögers Überzeugung einen Raum bieten, in dem sich verschiedene journalistische und kommunikative Strömungen begegnen, aneinander reiben und voneinander lernen.

Ein Resonanzraum für einen häufig einsamen Beruf
Journalistische Arbeit entsteht oft allein. Recherchieren, ordnen, formulieren und redigieren sind Tätigkeiten, bei denen Medienschaffende über längere Zeit auf sich selbst zurückgeworfen sein können. Umso wichtiger sei ein professioneller Resonanzboden, sagt Tröger.

Der Austausch im PresseClub ermöglicht Begegnungen mit Menschen, die ähnliche Aufgaben erfüllen, ohne unmittelbar in derselben Redaktion zu arbeiten. Dadurch können Gespräche offener verlaufen, weil nicht jede Begegnung von direkter Konkurrenz geprägt ist.

Ein solcher Club bietet damit nicht nur Kontakte, sondern auch Distanz zum eigenen Arbeitsalltag. Mitglieder können über den Tellerrand der eigenen Redaktion, des eigenen Mediums oder Fachgebiets hinausblicken und trotzdem innerhalb der Medienbranche bleiben.

Der PresseClub erfüllt diese Funktion heute unter veränderten Bedingungen. Als er gegründet wurde, waren beheizte Räume, Telefon, Fernschreiber und andere technische Arbeitsmöglichkeiten für Journalistinnen und Journalisten von existenzieller Bedeutung. Heute stehen WLAN, digitale Produktionstechnik und moderne Kommunikationsmittel nahezu überall zur Verfügung. Dennoch nutzt Lange die Räume des Clubs weiterhin als Arbeitsplatz zwischen Terminen – mit Ruhe, technischer Infrastruktur und einem Blick über den Marienplatz.

Persönliche Begegnung bleibt unersetzlich
Digitale Besprechungen gehören längst zum Alltag. Tröger schätzt Onlinekonferenzen, weil sie Wege verkürzen und Besprechungen effizienter machen können. Besonders bei Teams, die sich bereits gut kennen und deren Arbeitsabläufe eingespielt sind, können digitale Treffen hervorragend funktionieren.

Dennoch ersetzt der Bildschirm nicht jede persönliche Begegnung. Menschen seien physische Wesen, betont Tröger. Vertrauen, spontane Gespräche und neue Beziehungen entstünden häufig leichter, wenn Menschen gemeinsam in einem Raum sitzen. Die sinnvolle Lösung liegt für sie deshalb nicht in einem Entweder-oder, sondern in einer bewussten Mischung aus digitalen und analogen Formaten.

Hybride Veranstaltungen betrachtet sie dagegen differenziert. Wenn ein Teil des Publikums im Raum sitzt und andere Teilnehmer nur zugeschaltet sind, geraten die Menschen vor den Bildschirmen schnell ins Hintertreffen. Erfolgreiche hybride Formate benötigten deshalb eine besonders klare Moderation und eine zusätzliche Person, die Fragen, Reaktionen und technische Probleme der Onlinegäste im Blick behält.

Zugleich eröffnen digitale Formate internationale Möglichkeiten. Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern können sich einschalten, ohne nach München reisen zu müssen. Die Technik schafft damit Reichweite – die redaktionelle und organisatorische Gestaltung entscheidet jedoch darüber, ob aus einer Übertragung tatsächlich eine gemeinsame Veranstaltung wird.

Die Geschichten liegen auf der Straße
Ein besonderer Schwerpunkt von Trögers Arbeit sind die Exkursionen des PresseClubs. Nach dem Rückgang der früher üblichen größeren Clubreisen entwickelte sie ein Format, das sich auf München und das nähere Umland konzentriert. Die Idee dahinter ist pragmatisch: Ziele im Stadtgebiet oder im Bereich von U- und S-Bahn sind für Mitglieder leichter erreichbar. Gleichzeitig bietet die Region eine große Zahl journalistisch interessanter Orte.

Die Exkursionen führten unter anderem in das Werksviertel-Mitte, in das Bayerische Wirtschaftsarchiv, in die Anatomische Anstalt der Ludwig-Maximilians-Universität, zu Energie- und Kulturstandorten sowie in Museen und Gemeinden. Auch aktuelle Programme zeigen die thematische Bandbreite: 2026 organisierte Tröger unter anderem Besuche in der Pinakothek der Moderne und in Freising. Auf die Frage, woher ihre Ideen stammen, hat sie eine einfache Antwort: Die Themen lägen auf der Straße. Man müsse sie nur aufheben.

Damit ist keine Beliebigkeit gemeint. Tröger sucht Orte, die ungewöhnliche Einblicke ermöglichen und deren Verantwortliche bereit sind, mehr zu zeigen als eine übliche Besucherführung. Mitglieder sollen mit Kuratoren, Wissenschaftlern, Bürgermeistern, Museumsleitungen oder anderen Fachleuten sprechen können. Entscheidend sind Informationen aus erster Hand.

Hinter den Kulissen beginnt die eigentliche Recherche
Der journalistische Mehrwert einer Exkursion liegt häufig nicht allein im offiziellen Thema. Entscheidend sind die kleinen Entdeckungen am Rand: ein historisches Dokument, eine unerwartete Entstehungsgeschichte, ein Problem beim Transport eines Exponats oder ein Einblick in die alltäglichen Sorgen einer Institution.

Im Bayerischen Wirtschaftsarchiv stieß die Gruppe beispielsweise auf Dokumente aus der Münchner Medien- und Wirtschaftsgeschichte. Solche Funde machen abstrakte Entwicklungen greifbar. Aus einem Archivbesuch wird plötzlich eine unmittelbare Begegnung mit Stadt- und Pressegeschichte. Auch Führungen durch anatomische Sammlungen oder einen Seziersaal eröffnen Perspektiven, die eine gewöhnliche Pressekonferenz kaum vermitteln kann. Medizinische Sachverhalte, über die sonst theoretisch gesprochen wird, werden sichtbar und verständlich. Besonders nachhaltig blieb Tröger und Lange der Besuch in der Anatomischen Anstalt der LMU in Erinnerung. Die unmittelbare Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper führte sogar zu persönlichen Gesprächen über die Frage, ob man seinen Körper nach dem Tod der medizinischen Forschung zur Verfügung stellen sollte. Hier zeigt sich, was gelungene journalistische Vermittlung leisten kann: Sie liefert nicht nur Fakten, sondern setzt Denkprozesse in Gang.

Bilder sind Teil moderner Berichterstattung
Für heutige journalistische Exkursionen ist auch die Möglichkeit zur Bebilderung entscheidend. Wer über ein außergewöhnliches Dokument, ein Kunstwerk oder eine technische Anlage berichtet, möchte es fotografieren oder filmen können.

Tröger erlebt bei vielen Institutionen eine große Offenheit. Der journalistische Hintergrund des PresseClubs erleichtert den Zugang. Gleichzeitig profitieren die besuchten Einrichtungen von der späteren Berichterstattung. So entsteht ein Austausch mit beiderseitigem Nutzen. Die Institutionen erhalten Aufmerksamkeit, während Medienschaffende Zugang zu Fachwissen, Ansprechpartnern und visuellen Eindrücken bekommen. Aus Sicht Trögers funktioniert dieses Modell besonders gut, wenn beide Seiten transparent mit ihren Interessen umgehen.

Journalismus muss die ganze Welt erklären
Für Tröger gehört die Beschäftigung mit Kultur, Medizin, Technik, Wirtschaft und gesellschaftlichem Leben selbstverständlich zum Journalismus. Dessen Aufgabe bestehe darin, Menschen dabei zu unterstützen, ihre Umwelt besser zu verstehen. Dazu braucht es nicht nur lange Analysen. Tröger wünscht sich in seriösen Medien zusätzlich klarere und kompaktere Einordnungen. Viele Leser hätten weder die Zeit noch das Vorwissen, um sich durch umfangreiche Dossiers zu arbeiten. Prägnante Zusammenfassungen, historische Hintergründe und wichtige Eckdaten könnten helfen, neue Entwicklungen schneller einzuordnen.

Künstliche Intelligenz kann dabei unterstützen, Texte zusammenzufassen und große Informationsmengen zu strukturieren. Sie ersetzt jedoch nicht die Prüfung der Quellen. Entscheidend bleibt, ob Informationen aus einer seriösen und nachvollziehbaren Quelle stammen.

Vertrauen entsteht durch überprüfbare Arbeit
Fake News, Desinformation und gezielte Manipulation stellen den Journalismus vor erhebliche Herausforderungen. Tröger sieht deshalb auch den PresseClub in der Verantwortung, Themen wie Faktenprüfung, Quellenkritik und redaktionelle Qualität regelmäßig aufzugreifen.

Die Glaubwürdigkeit der Medien werde nicht nur von außen angegriffen. Die Branche müsse auch eigene Fehler kritisch betrachten. Erfundenes dürfe niemals deshalb veröffentlicht werden, weil es sich besonders gut liest. Eine eindrucksvolle Geschichte ist noch keine wahre Geschichte. Journalistische Institutionen müssen deshalb deutlich machen, wie seriöse Berichterstattung entsteht: durch Recherche, Gegenprüfung, transparente Quellenarbeit und die Bereitschaft, eine attraktive These zu verwerfen, wenn sie den Fakten nicht standhält. Der PresseClub beschreibt sich selbst als eine Gemeinschaft, die journalistischer Qualität, Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit verpflichtet ist. Auch Ausbildung, Austausch und die Auseinandersetzung mit Fake News gehören zu seinem Selbstverständnis.

Mehr Raum für konstruktive Nachrichten
Neben sorgfältiger Faktenprüfung wünscht sich Tröger einen stärkeren Blick auf positive Entwicklungen. Der bekannte Mechanismus, dass schlechte Nachrichten besonders viel Aufmerksamkeit erzeugen, hat nachvollziehbare psychologische Ursachen. Bedrohungen ziehen den Blick des Menschen stärker an als Normalität.

In einer digital vernetzten Welt werden Nutzer jedoch über zahlreiche Kanäle nahezu ununterbrochen mit Krisen, Konflikten und Katastrophen konfrontiert. Dieses dauerhafte Nachrichtenbombardement kann belasten. Konstruktiver Journalismus bedeutet dabei nicht, Probleme schönzureden. Ebenso wenig wäre es sinnvoll, einen Flugzeugabsturz mit dem Hinweis zu relativieren, dass gleichzeitig Tausende Flugzeuge sicher gelandet sind. Gefragt sind vielmehr relevante Geschichten über Lösungen, Fortschritte und Menschen, die konkrete Verbesserungen erreichen.

Gute Nachrichten müssen journalistisch genauso sorgfältig recherchiert werden wie schlechte. Sie benötigen Konflikt, Relevanz und nachvollziehbare Fakten – nicht bloß Optimismus.

Junge Medienschaffende brauchen passende Angebote
Der PresseClub ist kein reiner Seniorenverein, auch wenn ältere und erfahrene Mitglieder einen bedeutenden Teil seiner Gemeinschaft bilden. Der generationsübergreifende Austausch gehört nach Ansicht Trögers ausdrücklich zu seinen Stärken. Gleichzeitig müsse der Club noch mehr jüngere Medienschaffende gewinnen. Nachwuchsförderung, Mentoring und Vernetzungsabende seien wichtige Grundlagen. Das Mentoring-Programm des PresseClubs wurde 2004 gegründet und begleitet seitdem junge Journalistinnen und Journalisten beim Einstieg in den Beruf.

Allerdings stehen Berufseinsteiger heute unter hohem Zeit- und Produktionsdruck. Viele arbeiten unter unsicheren Bedingungen, für mehrere Auftraggeber oder in schnell getakteten digitalen Redaktionen. Ein Berufsclub muss deshalb Formate entwickeln, die zu diesem Alltag passen und für junge Menschen einen unmittelbar erkennbaren Nutzen bieten. Dabei sollten jüngere Mitglieder nicht nur als Zielgruppe betrachtet werden. Sie müssen an der Entwicklung neuer Formate beteiligt sein.

Wenn der Beruf krank macht
Ein weiteres Thema, das Tröger persönlich beschäftigt, ist die Burnoutprävention. Neben ihrem Engagement im PresseClub ist sie auch im Deutschen Bundesverband für Burnoutprävention aktiv. Journalistische Berufe können besonders belastend sein: ständiger Zeitdruck, die Jagd nach der neuesten Meldung, unregelmäßige Arbeitszeiten, Konkurrenz und die fortwährende Beschäftigung mit Krisen. Was heute aktuell ist, kann morgen bereits überholt sein.

Früher wurden Überlastung und psychische Probleme in manchen Redaktionen mit Alkohol, Zigaretten oder Durchhalteparolen verdrängt. Inzwischen ist die Offenheit größer geworden. Dennoch existiert weiterhin die Vorstellung, Medienschaffende müssten belastbar sein und dürften keine Schwäche zeigen. Tröger hält dieses Denken für gefährlich. Mentale Gesundheit müsse ernst genommen werden. Burnout ist nicht automatisch mit einer Depression gleichzusetzen, kann jedoch in schwere psychische Erkrankungen münden. Prävention, frühe Unterstützung und eine offenere Gesprächskultur sind deshalb zentrale Aufgaben – nicht nur im Journalismus.

Eine Exkursion des PresseClubs nach Dießen am Ammersee führte die Mitglieder auch in eine auf mentale Gesundheit ausgerichtete Klinik. Der offizielle Clubbericht hält fest, dass der Bedarf an Unterstützung bei der Wiederherstellung psychischer Stabilität voraussichtlich bestehen bleiben oder sogar wachsen wird.

Ein Knotenpunkt für die Zukunft des Journalismus
In den kommenden Jahren wird sich der PresseClub mit grundlegenden Veränderungen beschäftigen müssen. Künstliche Intelligenz ist dabei eines der zentralen Themen. Sie wird redaktionelle Abläufe, Recherche, Produktion und Distribution weiter verändern.

Hinzu kommen internationale Krisen, politische Polarisierung, wirtschaftlicher Druck und eine immer schnellere Zirkulation von Informationen und Falschinformationen. Gerade deshalb hält Tröger einen unabhängigen Ort des persönlichen und fachlichen Austauschs für unverzichtbar. Der PresseClub der Zukunft wird nicht allein durch seine Räume definiert. Seine Bedeutung entsteht durch die Menschen, die sich dort begegnen, widersprechen, gegenseitig informieren und gemeinsam über Qualitätsmaßstäbe nachdenken.

Für Tröger ist entscheidend, was Mitglieder und Gäste nach einer Veranstaltung mitnehmen. Fachlich sollten sie das Gefühl haben, etwas Relevantes gelernt und ihr Weltbild um ein weiteres Mosaikstück ergänzt zu haben. Menschlich sollten sie Menschen begegnet sein, neue Gedanken kennengelernt und Hinweise erhalten haben, die ihnen sonst entgangen wären. Damit beschreibt sie zugleich den Kern jedes gelungenen journalistischen Formats: Es erweitert nicht nur das Wissen. Es verändert den Blick.

Fit für den Schulstart: Mit spielerischem Gehirntraining in den Ferien durchstarten

15. August 2026

Die Sommerferien sind die perfekte Gelegenheit, um nicht nur zu entspannen, sondern auch spielerisch die geistige und körperliche Fitness zu fördern. Im Podcast „Dombo bewegt“ spricht Matthias J. Lange mit Norman Dombo vom Zentrum für Gesundheit Dombo in Maisach über das Ferienprogramm am SkillCourt und erklärt, warum Bewegung und Gehirntraining ideal miteinander kombiniert werden können.

Während viele Kinder die Ferien im Freibad oder auf dem Spielplatz verbringen, bietet das Zentrum für Gesundheit Dombo in Maisach mit dem SkillCourt ein besonderes Ferienprogramm für Schülerinnen und Schüler an. Im Mittelpunkt steht ein abwechslungsreiches Training, das Bewegung mit kognitiven Übungen verbindet. Ziel ist es, Konzentration, Wahrnehmung, Reaktionsgeschwindigkeit und Koordination zu verbessern – und dabei vor allem Spaß an der Bewegung zu vermitteln. Im Podcast berichtet Dombo darüber:

Im Podcast „Dombo bewegt“ erklärt Norman Dombo im Gespräch mit Moderator Matthias J. Lange, dass sich das Angebot in erster Linie an Kinder zwischen acht und vierzehn Jahren richtet. Grundsätzlich können jedoch bereits Kinder ab sechs Jahren teilnehmen. Trainiert wird einzeln oder in kleinen Gruppen, wodurch sowohl individuelles Lernen als auch spielerische Wettkämpfe möglich sind. Verschiedene Sportgeräte wie Fuß-, Hand- oder Basketbälle sorgen zusätzlich für Abwechslung und steigern den Schwierigkeitsgrad der Übungen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Augenbewegung und Körperkoordination. Norman Dombo betont: „Eine visuelle Wahrnehmung und dabei die Augen zu bewegen, hilft dem Körper auch, die Muskulatur im gesamten Körper zu bewegen.“ Gerade als Ausgleich zum langen Sitzen vor Computer, Tablet oder Smartphone soll dieses Training die körperliche Aktivität fördern.

Die Übungen richten sich jedoch nicht ausschließlich an Kinder. Das Konzept eignet sich grundsätzlich für Menschen aller Altersgruppen, die ihre geistige Leistungsfähigkeit verbessern möchten – sei es für Schule, Studium, Beruf oder Alltag. Dombo beschreibt den Ansatz so: „Meine kognitiven Fähigkeiten, meine Reaktion, meine Wahrnehmung – alles, was das Hirn steuert, kann ich trainieren und verbessern.“

Für das Ferienprogramm sind insgesamt sechs Trainingseinheiten vorgesehen. Die Termine werden individuell abgestimmt und können bis Anfang September stattfinden, sodass die gesamte Ferienzeit genutzt werden kann. Trainiert wird in angenehm temperierten Räumen, wodurch auch an heißen Sommertagen gute Bedingungen herrschen.

Ein weiterer Vorteil des SkillCourt-Trainings ist die Messbarkeit der Fortschritte. Nach einem Eingangstest werden die Ergebnisse digital erfasst. Künftig sollen Teilnehmer ihre persönlichen Auswertungen per QR-Code auf das Smartphone laden und als PDF speichern können. Dadurch lassen sich Trainingsfortschritte dokumentieren und später miteinander vergleichen. Für Norman Dombo ist genau dieser Aspekt entscheidend: „Was ich hier anbiete, ist messbar. Das bleibt messbar – und nur die Dinge sind für mich die interessanten.“

Auch der spielerische Charakter des Trainings steht im Vordergrund. Kleine Gruppen, gemeinsame Aufgaben und freundschaftliche Wettbewerbe sorgen für Motivation. Moderator Matthias J. Lange fasst das Konzept treffend zusammen: „Im Grunde ist es ein richtig großes Spiel – aber es hat Folgen. Es steckt Wissenschaft dahinter.“

Mit seinem Ferienangebot verbindet der SkillCourt spielerische Elemente mit wissenschaftlich entwickelten Trainingsmethoden. In kleinen Gruppen entstehen Motivation, Spaß und kleine Wettkämpfe, während gleichzeitig Konzentration, Koordination und geistige Leistungsfähigkeit gefördert werden – ideale Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start ins neue Schuljahr.

Privatkonzert: The Truffle Valley Boys – Wie eine italienische Band den ursprünglichen Bluegrass der 1950er Jahre wieder zum Leben erweckt

14. August 2026

Während viele Bluegrass-Bands moderne Einflüsse mit traditionellen Elementen verbinden, verfolgen The Truffle Valley Boys einen anderen Ansatz: Sie widmen sich kompromisslos dem authentischen Klang der frühen Bluegrass-Ära und begeistern damit Fans in ganz Europa. Ich durfte die Band bei einem Privatkonzert in München erleben und war restlos begeistert.

Bluegrass gilt als eine der traditionsreichsten Musikrichtungen Nordamerikas. Entstanden in den 1940er Jahren und geprägt von Musikern wie Bill Monroe, entwickelte sich das Genre zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Folk- und Country-Musik. Dass ausgerechnet eine italienische Band heute zu den bekanntesten Vertretern dieses historischen Stils zählt, überrascht viele und auch ich war komplett baff. Genau das macht The Truffle Valley Boys zu einer außergewöhnlichen Erscheinung in der internationalen Bluegrass-Szene.

Die Band wurde 2014 in Norditalien gegründet und benannte sich nach den Trüffeln, die in den Tälern ihrer Heimatregion wachsen. Von Beginn an verfolgten die Musiker ein klares Ziel: den rauen, unverfälschten Sound des Bluegrass aus den späten 1940er- und frühen 1950er-Jahren möglichst originalgetreu wiederzugeben.

Im Mittelpunkt ihres Konzepts steht absolute Authentizität. Die Gruppe spielt mit historischen beziehungsweise stilgetreuen Instrumenten, tritt häufig um ein einzelnes Mikrofon auf und orientiert sich sowohl musikalisch als auch optisch an den frühen Bluegrass-Bands der Nachkriegszeit. Auch die mehrstimmigen Gesänge und die bewusst reduzierte Bühnentechnik sollen das Live-Erlebnis jener Zeit möglichst exakt nachbilden. Als Fan der Stanley Brothers und des großen Bill Monore war ich begeistert.

Anders als viele moderne Bluegrass-Formationen verzichten The Truffle Valley Boys weitgehend auf zeitgenössische Einflüsse. Stattdessen widmen sie sich selten gespielten oder nahezu vergessenen Stücken aus der Frühzeit des Genres. Gleichzeitig ergänzen sie ihr Repertoire gelegentlich durch eigene Kompositionen, die sich stilistisch eng an historischen Vorbildern orientieren. Dadurch gelingt es ihnen, das musikalische Erbe des klassischen Bluegrass lebendig zu halten, ohne lediglich bekannte Standards zu reproduzieren.

Auch bei ihren Studioaufnahmen verfolgen die Musiker konsequent ihren historischen Ansatz. Das Album Sing And Play Authentic Blue Grass wurde beispielsweise mit einem einzigen Mikrofon aus den 1950er Jahren live auf Band aufgenommen. Ziel war es nicht, eine technisch perfekte Produktion zu schaffen, sondern die Dynamik und Natürlichkeit einer damaligen Aufnahme möglichst originalgetreu einzufangen. Das Album enthält zwölf Titel, darunter zahlreiche seltene Klassiker sowie eine Eigenkomposition. Ich habe mir das Album Come Back To The Valley gekauft und es spielt den ganzen Tag rauf und runter.

Mit diesem Konzept haben sich The Truffle Valley Boys einen hervorragenden Ruf innerhalb der europäischen Bluegrass-Szene erarbeitet. Sie treten regelmäßig auf renommierten Festivals in mehreren Ländern auf und absolvieren jedes Jahr zahlreiche Konzertreisen. Ich durfte sie bei einem Privatkonzert in München erleben, schweißgebadet mit einem Lächeln auf den Lippen bin ich nach dem Konzert nach Hause gefahren. Ihre Live-Auftritte zeichnen sich durch hohe musikalische Präzision, authentische Bühnenpräsenz und eine energiegeladene Performance aus, die sowohl eingefleischte Bluegrass-Fans als auch neugierige Erstbesucher anspricht.

Auch Fachmedien haben die Band mehrfach positiv bewertet. Insbesondere ihre konsequente Orientierung am ursprünglichen Klangbild der frühen Bluegrass-Musik wird regelmäßig hervorgehoben. Darüber hinaus fanden ihre Aufnahmen internationale Beachtung und wurden unter anderem in der Bluegrass Music Hall of Fame & Museum in Owensboro (Kentucky) im Rahmen einer Ausstellung zur internationalen Entwicklung des Genres berücksichtigt.

Heute gelten The Truffle Valley Boys als eine der wichtigsten europäischen Bands für traditionellen Bluegrass. Ihr Erfolg zeigt, dass musikalische Authentizität und historische Detailtreue auch Jahrzehnte nach der Entstehung des Genres ein begeistertes Publikum finden können. Gerade weil sie nicht versuchen, Bluegrass neu zu erfinden, sondern dessen ursprünglichen Charakter möglichst unverfälscht zu bewahren, nehmen sie innerhalb der internationalen Folk- und Country-Szene eine besondere Stellung ein.

Gesichert ist, dass die Band seit 2014 aktiv ist, sich konsequent dem authentischen Bluegrass der frühen 1950er Jahre verschrieben hat und europaweit auf Festivals und Tourneen auftritt. Die Einschätzung ihrer Bedeutung innerhalb der europäischen Bluegrass-Szene beruht auf ihrer regelmäßigen Festivalpräsenz, positiven Resonanz in Fachmedien und ihrer internationalen Wahrnehmung.

Filmkritik: Steckerlfischfiasko – Kein Fiasko, aber das bewährte Erfolgsrezept stößt ohne neue Ideen an seine Grenzen

13. August 2026

Zehn Teile Niederkaltenkirchen: Wenn das Erfolgsrezept schal schmeckt, dann ist es auch mal gut. Variation des ewig Gleichen legen ein baldiges Ende der Krimireihe nahe.
Mit Steckerlfischfiasko schlägt der bayerische Kult-Dorfpolizist Franz Eberhofer bereits zum zehnten Mal auf der Kinoleinwand auf. Nach den heftigen kreativen Querelen und öffentlichen Dissonanzen rund um den Vorgänger war man gespannt, ob die Jubiläums-Adaption nach den Romanen von Rita Falk zu alter Stärke findet oder endgültig im Leerlauf versauert. Das Ergebnis ist eine zweischneidige Angelegenheit: Der Film funktioniert als verlässliche Wohlfühl-Komödie für eingefleischte Fans – enttäuscht jedoch cineastisch auf ganzer Linie durch kreative Ermüdungserscheinungen.

Der Krimi als lästiges Pflichtprogramm
Inhaltlich dreht sich im beschaulichen Niederkaltenkirchen diesmal alles um den gewaltsamen Tod des lokalen „Steckerlfischkönigs“, dessen Leiche im exklusiven Wellness-Bereich eines neu errichteten Golfclubs gefunden wird. Zusammen mit seinem dauerleidenden Kumpel Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) stürzt sich Franz in die Ermittlungen, die sie tief in eine verfahrene Familienfehde verfeindeter Volksfest-Clans führen.
Wer hier jedoch einen packenden Whodunit-Krimi erwartet, wird bitter enttäuscht. Wie so oft in der Reihe dient der Mordfall lediglich als fadenscheiniges Konstrukt, um die Figuren von einer skurrilen Situation zur nächsten zu scheuchen. Das Miträseln wird dem Publikum durch mangelnde Indizien und erzählerische Beliebigkeit nahezu unmöglich gemacht. Stattdessen dominieren die altbekannten Nebenbaustellen: Susi (Lisa Maria Potthoff) treibt ihre politischen Ambitionen als Bürgermeisterkandidatin voran, während der private Alltag auf dem Eberhofer-Hof im gewohnten Chaos versinkt.

Das Ensemble-Dilemma: Wenn Kult zur Pflichtübung wird
Das größte Problem von Steckerlfischfiasko ist sein mittlerweile gewaltiges Figurenarsenal. Regisseur Ed Herzog steht vor der unlösbaren Aufgabe, jeder noch so kleinen Kult-Nebenfigur (von der Oma bis zum Flötzinger) ihre obligatorische Leinwand-Präsenz und den dazugehörigen Schenkelklopfer-Gag einzuräumen.
Da folgt leider der Autopilot-Effekt: Die Gags wirken dadurch oft erzwungen und wie im Autopiloten abgespult.
Fehlende Ecken und Kanten: Die Figuren haben sich im Laufe der Jahre zu reinen Karikaturen ihrer selbst entwickelt, deren Macken allzu berechenbar geworden sind.
Für mich ist der Film kein völliges Fiasko, aber das bewährte Erfolgsrezept stößt ohne neue Ideen spürbar an seine Grenzen.

Steckerlfischfiasko krankt vor allem daran, dass sich das Franchise im Kreis dreht. Die filmische Umsetzung verlässt sich zu stark darauf, dass die bloße Anwesenheit der vertrauten Gesichter und die malerische bayerische Provinzidylle ausreichen, um ein abendfüllendes Kinoerlebnis zu rechtfertigen. Es mangelt an inszenatorischem Mut, an bissigem Humor, der über platten Lokalkolorit hinausgeht, und an echten erzählerischen Risiken.

Getreu dem Motto „Ein neuer Eberhofer ist wie ein Essen bei der Oma – man weiß genau, was man kriegt“ werden Fans des Franchise vermutlich auch diesmal bestens unterhalten. Wer jedoch anspruchsvolles deutsches Kino oder einen auch nur halbwegs ernstzunehmenden Kriminalfilm sucht, wird hier vor eine schwere Geduldsprobe gestellt. Es ist an der Zeit, dass Niederkaltenkirchen bald in den wohlverdienten Ruhestand geht, bevor der Kult endgültig zur Karikatur verkommt.

DWARF mini: Dieses winzige Smart-Teleskop macht Astrofotografie erstaunlich einfach

12. August 2026

Nur 840 Gramm schwer, automatisch auf Sterne und Galaxien ausgerichtet und Langzeitbelichtungen ohne klassische Teleskopausrüstung: Der DWARF mini von DWARFLAB zeigt, wie stark sich der Einstieg in die Astrofotografie verändert hat. Doch seine extreme Kompaktheit verlangt an entscheidender Stelle einen Kompromiss.

Das klassische Bild der Astrofotografie ist von großen Teleskopen, schweren Montierungen, Kameras, Kabeln und einer nicht unerheblichen Einarbeitungszeit geprägt. Smart-Teleskope verfolgen einen anderen Ansatz: Optik, Kamera, motorisierte Nachführung und Software werden zu einem weitgehend automatisierten Gesamtsystem verbunden. Der DWARF mini des Herstellers ⁠DWARFLAB treibt dieses Konzept besonders weit – vor allem durch sein geringes Gewicht und seine kleinen Abmessungen.

Das Gerät wiegt nach Herstellerangaben lediglich 840 Gramm. Damit ist es deutlich leichter als der ebenfalls von DWARFLAB angebotene DWARF 3 mit 1,3 Kilogramm. Der Hersteller vermarktet den Mini entsprechend als besonders transportables Smart-Teleskop.

Ein Teleskop, das einen großen Teil der Arbeit selbst übernimmt
Der entscheidende Unterschied zu einem herkömmlichen Einsteigerteleskop liegt allerdings nicht im Gewicht, sondern in der Bedienung. Der DWARF mini kombiniert Teleskop, Digitalkamera und motorisierte Montierung und wird über eine Smartphone-App gesteuert. Funktionen wie Autofokus, GoTo-Navigation und automatische Nachführung sollen dafür sorgen, dass Nutzer ein gewünschtes Himmelsobjekt auswählen können und das System anschließend die Ausrichtung und Verfolgung übernimmt.

Gerade für Einsteiger beseitigt das eine der größten Hürden der Astronomie: Wer beispielsweise die Andromedagalaxie fotografieren möchte, muss sie nicht erst mühsam anhand von Sternkarten am Himmel lokalisieren und anschließend von Hand nachführen.

Das bedeutet allerdings auch, dass der DWARF mini weniger mit einem klassischen visuellen Teleskop als mit einer automatisierten Astrofotografie-Kamera vergleichbar ist. Das Beobachtungserlebnis findet primär auf dem Display statt. Wer dagegen unmittelbar durch ein Okular schauen möchte, sucht eine andere Art von Instrument.

Sony-Sensor und 30 Millimeter Öffnung
Im Inneren arbeitet ein Sony IMX662 im 1/2,8-Zoll-Format. Seine Pixelgröße beträgt 2,9 Mikrometer, die Bildauflösung liegt bei rund 2 Megapixeln. Das Teleobjektiv besitzt eine Öffnung von 30 Millimetern und eine Brennweite von 150 Millimetern. DWARFLAB nennt außerdem ein Kleinbildäquivalent von 1.016 Millimetern. Die Teleoptik besteht laut Hersteller aus sechs apochromatischen Linsenelementen.

Zusätzlich gibt es eine Weitwinkelkamera. Sie erleichtert unter anderem das Anvisieren und Einrahmen eines Motivs und kann für großflächigere Aufnahmen wie Milchstraße oder Sternspuren eingesetzt werden. Das gesamte System kann horizontal um 360 Grad rotieren. Die Kombination ist für ein so kleines Gerät bemerkenswert, die physikalischen Grenzen verschwinden dadurch jedoch nicht. Eine Öffnung von 30 Millimetern sammelt deutlich weniger Licht als größere astronomische Teleskope. Der DWARF mini versucht diesen Nachteil mit digitaler Bildaufnahme, langen Belichtungen und der Kombination mehrerer Aufnahmen auszugleichen.

Der EQ-Modus ist eines der interessantesten Features
Besonders relevant für Deep-Sky-Aufnahmen ist der äquatoriale beziehungsweise EQ-Modus. Dabei wird die Bewegung des Teleskops an die scheinbare Bewegung des Sternenhimmels angepasst, die durch die Erdrotation entsteht.

Nach Herstellerangaben sind im EQ-Betrieb Belichtungszeiten von bis zu 90 Sekunden vorgesehen. Eine präzise Nachführung reduziert dabei Sternspuren und erlaubt es, über längere Zeit Licht von lichtschwachen Objekten zu sammeln.

Das ist gerade in dieser Größen- und Preisklasse interessant. Auch der Test von Live Science hebt die äquatoriale Nachführung als bemerkenswerte Funktion hervor. Dort gelang es mit dem Gerät, Sternhaufen, Galaxien und schwache Nebel selbst unter lichtverschmutztem Stadthimmel abzubilden. Dabei ist eine wichtige Unterscheidung nötig: Ein Smart-Teleskop macht Lichtverschmutzung nicht ungeschehen. Durch Nachführung, Bildstapelung und digitale Verarbeitung kann es jedoch Informationen sichtbar machen, die bei einer rein visuellen Beobachtung mit einem kleinen Teleskop wesentlich schwieriger zu erkennen wären.

Der größte Kompromiss: nur zwei Megapixel
Genau hier zeigt sich zugleich die wichtigste Einschränkung. Die 2-Megapixel-Auflösung ist für heutige Digitalkameras ausgesprochen niedrig. Live Science bezeichnet sie im Test als den wesentlichen Nachteil des besonders kleinen und preisgünstigen Systems. Für die Betrachtung auf einem Smartphone und das Teilen der Aufnahmen im Internet sei die Auflösung dennoch ausreichend.

Wer seine Astrofotos stark beschneiden, großformatig drucken oder möglichst viele feine Strukturen herausarbeiten möchte, stößt entsprechend früher an Grenzen. Der größere DWARF 3 arbeitet beispielsweise mit einem Sony IMX678. Auch aktuelle Konkurrenzmodelle können eine deutlich höhere Bildauflösung bieten. Der DWARF mini positioniert sich damit weniger als maximale Bildqualitätsmaschine, sondern als Kompromiss aus Mobilität, Automatisierung und Astrofotografie-Funktionen.

Vier Stunden Akkulaufzeit und 64 GB Speicher
Für den mobilen Einsatz gibt DWARFLAB eine Akkulaufzeit von rund vier Stunden an. Im Gerät stehen zudem 64 GB Speicher zur Verfügung. RAW-Aufnahmen werden unterstützt, sodass Nutzer nicht ausschließlich auf die automatische Verarbeitung des Systems angewiesen sind.

Das ist eine interessante Eigenschaft des Konzepts: Anfänger können viele Arbeitsschritte automatisieren lassen, während ambitioniertere Anwender die aufgenommenen Daten anschließend selbst weiterverarbeiten können. Dass dieses Potenzial nicht nur theoretisch besteht, zeigen auch Nutzerberichte. Ein erfahrener Astrofotograf berichtete beispielsweise im August 2026 von mehrstündigen Aufnahmeserien mit dem DWARF mini und anschließender Bearbeitung in PixInsight. Solche Community-Ergebnisse sind allerdings Erfahrungsberichte und keine unabhängigen standardisierten Tests; sie zeigen, was unter bestimmten Bedingungen möglich ist, garantieren aber keine vergleichbaren Resultate für jeden Nutzer. Hier ein Film von der Sonne:

Nicht ausschließlich für Sterne gedacht
DWARFLAB bewirbt den Mini außerdem für Vogel- und Landschaftsbeobachtung. Das ergibt sich aus dem Kamerakonzept: Die motorisierte Teleoptik lässt sich prinzipiell auch tagsüber auf weit entfernte Motive richten.

Damit unterscheidet sich das Gerät ebenfalls von vielen klassischen astronomischen Teleskopen. Seine Stärke soll gerade darin liegen, dass die kompakte Einheit mitgenommen und für unterschiedliche Motive eingesetzt werden kann. Damit besetzt der Mini eine interessante Position: Er ist kein Ersatz für eine große Astrofotografie-Ausrüstung und seine 2-Megapixel-Kamera setzt der Detailauflösung klare Grenzen. Gleichzeitig bekommt der Käufer ein nur 840 Gramm schweres System mit automatischer Objektsuche, Nachführung, EQ-Modus, RAW-Aufnahme und integrierter Bildverarbeitung.

Gerade diese Kombination dürfte die eigentliche Zielgruppe definieren. Der DWARF mini richtet sich vor allem an Einsteiger und Reisende, die Deep-Sky-Fotografie ausprobieren möchten, ohne dafür eine komplette astronomische Ausrüstung transportieren und beherrschen zu müssen. Fortgeschrittene Fotografen, für die maximale Auflösung und optische Leistung entscheidend sind, werden dagegen bei größeren Smart-Teleskopen oder modularen Astrofotografie-Systemen mehr Reserven finden.

Der bemerkenswerteste Aspekt des DWARF mini ist deshalb vielleicht gar nicht eine einzelne technische Spezifikation. Das Gerät zeigt vielmehr, wohin sich ein Teil des Teleskopmarktes bewegt: Astronomie wird zunehmend zu einem softwaregestützten Fotoerlebnis, bei dem Automatisierung die technische Einstiegshürde drastisch reduziert. Der kleine DWARF ist ein besonders konsequentes Beispiel dafür.

Und hier die Sonnenfinsternis 2026 als Video:

Wenn in Langenneufnach die Bierkäpsele fliegen: Eine Meisterschaft, die aus einem Kronkorken ein Ereignis macht

11. August 2026

Eine Bierflasche, ein Kronkorken und möglichst viel Weite: In Langenneufnach wird aus dem Öffnen einer Flasche eine Disziplin mit Regeln, Schiedsrichtern und erstaunlich viel Ehrgeiz. Die Bierkäpsele-Weitschuss-Meisterschaft zeigt zugleich, wie aus einer ziemlich verrückten Idee ein Stück lokaler Festkultur werden kann. Ich besuchte den Heimatort meiner Frau und genoss einen spaßigen Nachmittag.

Im schwäbischen Langenneufnach im Landkreis Augsburg gibt es eine Meisterschaft, deren Sportgerät in jedem Getränkemarkt zu finden ist. Bei der Bierkäpsele-Weitschuss-Meisterschaft geht es darum, den Kronkorken einer Bierflasche beim Öffnen möglichst weit durch die Luft zu befördern. Was zunächst nach einer spontanen Wirtshausidee klingt, wird vor Ort als organisierter Wettbewerb mit viel Humor ausgetragen. Hier ein Video vom Wettbewerb,

Dass es sich dabei keineswegs nur um eine einmalige Kuriosität handelt, ist gut belegt. Zum 15. Mal fand diese Meisterschaft statt, zum zehnten Mal unter der Obhut des Vereins Landliebe. Sieger wird, wer den Flaschendeckel mithilfe einer Hebelwirkung am weitesten in das dafür markierte Spielfeld schießt. Es ist schon kurios, was es im Augsburger Land so alles gibt, beispielsweise auch Wettbewerbe wie Christbaum-Weitwurf und Senf-Wettessen.

Flasche öffnen allein reicht nicht
Die eigentliche Kunst liegt in der Technik. Der Kronkorken wird nicht einfach mit der Hand geworfen. Entscheidend ist der Moment des Öffnens: Über einen Hebel wird das „Käpsele“, wie der Kronkorken im schwäbischen Sprachgebrauch genannt wird, von der Flasche katapultiert. Je besser Hebelwirkung, Winkel und Krafteinsatz zusammenspielen, desto größer kann die erzielte Distanz ausfallen. Der Meterstab wird gerne genommen, aber auch eine Gartenschere. Schiedsrichter maßen anschließend die erzielten Weiten.

Auch der Umgang mit dem Bier gehört zum Regelwerk. Verschüttetes Bier konnte mit einer gelben Karte geahndet werden, im Wiederholungsfall drohte Gelb-Rot. Nach einem abgeschlossenen Versuch musste die geöffnete Flasche bis zum nächsten Schuss geleert werden. Kein Tropfen Bier darf den Boden berühren und die Flasche muss geleert werden, mit entsprechenden Folgen für die Teilnehmer bei den sommerlichen Temperaturen.

Austragungsort ist der Bahnhofsplatz in Langenneufnach. Für die Veranstaltung wurden dort unter anderem Strohballen, Bierbänke, Zelte und Sonnenschirme aufgebaut. Eine Sandbahn diente als Wettkampffläche, während Essen und Getränke das Programm ergänzten. Es gab auch nichtalkoholische Getränke, wie ich gehört habe. Bürgermeister Gerald Eichinger eröffnete das Fest. Sein eigener Versuch verlief dabei offenbar nicht ganz nach Plan.

Die Veranstaltung verbindet damit Wettbewerb und Dorffest. Gerade das scheint ein wesentlicher Teil ihres Charakters zu sein: Die Weite des Kronkorkens liefert zwar das sportliche Ziel, doch rundherum entsteht ein gesellschaftliches Ereignis.

Später trat der Akustikpunk-Liedermacher Andreas Kalb auf. Andreas Kalb ist ein Liedermacher aus dem Raum Augsburg, der sich musikalisch irgendwo zwischen Singer-Songwriter, Musikkabarett, Punk-Attitüde und gepflegtem Nonsens bewegt. Mit Akustikgitarre, markanter Stimme und einem ausgeprägten Hang zu schwarzem, bisweilen derbem Humor nimmt er Alltag, Gesellschaft und nicht zuletzt sich selbst aufs Korn. Seine Texte leben von Sprachwitz, absurden Einfällen und einer gehörigen Portion Selbstironie. Passend dazu bezeichnet sich der studierte Germanist augenzwinkernd als „Bayerns ohne superlativster Liedermacher Deutschlands“.

Zwischen Gaudi und erstaunlichem Ernst
Der Reiz der Bierkäpsele-Weitschuss-Meisterschaft liegt gerade in diesem Widerspruch. Niemand dürfte einen Kronkorken-Weitschuss mit klassischem Leistungssport verwechseln. Gleichzeitig erhält die absurde Ausgangsidee durch Spielfeld, Messung, Regeln, Moderation und Schiedsrichter die äußere Form eines ernsthaften Wettbewerbs.

Das Augenzwinkern funktioniert deshalb so gut, weil die Beteiligten die selbst geschaffenen Regeln offenbar ernst genug nehmen. Aus einer alltäglichen Handlung – dem Öffnen einer Bierflasche – wird eine Disziplin, über deren Technik diskutiert und deren Ergebnis gemessen werden kann.

Darin steckt auch etwas typisch Lokales. Die Veranstaltung muss nicht zur überregionalen Großveranstaltung werden, um für Langenneufnach Bedeutung zu haben. Es ist ein Ausdruck von Gemeinschaft und Heimatverbundenheit. Vielleicht ist genau das das Erfolgsrezept: Man nehme eine Bierflasche, erkläre ihren Kronkorken zum Sportgerät und entwickle rund um dessen Flugbahn genügend Regeln, Rituale und Gemeinschaftsgefühl. Dann wird aus einer kleinen Gaudi etwas, worüber Jahre später noch berichtet wird.

Und wenn in Langenneufnach wieder ein Käpsele durch die Luft segelt, dürfte spätestens beim Griff zum Maßband klar sein: Ein bisschen Spaß ist das schon – aber die Weite wird trotzdem genau gemessen.

Podcast: Seitensprung – Mehr als Bücher ausleihen: Ein Blick hinter die Kulissen der Gemeindebücherei Maisach

10. August 2026

Wer glaubt, in der Bücherei werde außerhalb der Öffnungszeiten vor allem gelesen und Kaffee getrunken, wird in der neuen Folge des Podcasts „Seitensprung“ eines Besseren belehrt. Büchereileiterin Beate Seyschab und Journalist Matthias J. Lange nehmen die Hörerinnen und Hörer mit hinter die Kulissen – und zeigen, wie viel Herzblut, Organisation und Kreativität in der Gemeindebücherei Maisach stecken.

„Den ganzen Tag Bücher lesen und Kaffee trinken? Nein, ist es leider nicht“, sagt Beate Seyschab lachend gleich zu Beginn der Podcast-Folge. Tatsächlich beginnt die Arbeit oft erst dann richtig, wenn die Türen der Bücherei geschlossen sind. Dann werden Veranstaltungen geplant, neue Medien eingearbeitet, Schulklassen betreut, Lesungen organisiert oder Termine mit Autorinnen und Autoren abgestimmt. Und hier ist der Podcast:

Wie vielseitig der Alltag einer modernen Bücherei ist, wird im Gespräch schnell deutlich. Seyschab besucht regelmäßig Kindergärten, Schulen und Senioreneinrichtungen, um vorzulesen. „Wir sind im Altersheim, im Naturkindergarten, bei den Zwergen in Maisach – da geht schon mal ein ganzer Vormittag drauf“, erzählt sie. Dazu kommen Leseförderung, Ferienprogramme und zahlreiche Veranstaltungen für Jung und Alt.

Dass hinter jeder Lesung weit mehr steckt als ein paar aufgestellte Stühle, schildert sie am Beispiel der ersten Sommerlesung im Rathausgarten. Bierbänke organisieren, Technik aufbauen, Getränke besorgen, den Bauhof koordinieren – vieles geschieht im Hintergrund. Der Aufwand hat sich gelohnt: „22 Gäste waren da, alle haben sich amüsiert. Das war völlig anders als eine klassische Lesung – und wir hatten richtig Spaß.“

Auch die Arbeit mit Schulklassen gehört inzwischen zum festen Programm. Mehrere Klassen besuchen die Bücherei im Vier-Wochen-Rhythmus. „Es ist wie Flohzirkus – es macht Spaß, aber es ist auch anstrengend“, beschreibt Seyschab die lebhaften Vormittage. Gerade dienstags, dem ausleihstärksten Tag der Woche, ist organisatorisches Geschick gefragt.

Ein weiteres Thema ist der sorgsame Umgang mit den Büchern. Für Seyschab geht es dabei nicht nur um beschädigte Medien, sondern auch um den verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Geldern. „Das Geld, das mir anvertraut worden ist, möchte ich bestmöglich verwalten“, betont sie. Gleichzeitig freut sie sich, wenn ein Bilderbuch nach mehr als hundert Ausleihen sichtbare Gebrauchsspuren trägt. „Dann hat es gelebt.“

Gemeinsam sprechen Seyschab und Lange außerdem über die Herausforderungen moderner Öffentlichkeitsarbeit. Weil klassische Anschlagtafeln zunehmend verschwinden, müssen neue Wege gefunden werden, um Veranstaltungen bekannt zu machen. Website, soziale Medien und digitale Kanäle gewinnen an Bedeutung – auch wenn nicht alle Nutzerinnen und Nutzer dort unterwegs sind.

Natürlich dürfen zum Schluss die Veranstaltungstipps nicht fehlen. Im Ferienprogramm wartet ein Stop-Motion-Workshop für Kinder, nach der Sommerpause folgen wieder Vorlesestunden und Ende September die nächste Ausgabe der „Maisacher Gespräche zur Popkultur“. Diesmal dreht sich alles um Harry Potter, Merlin und die Faszination von Magie in Literatur und Film.

Die neue Folge von „Seitensprung – der Podcast der Gemeindebücherei Maisach“ zeigt eindrucksvoll, dass eine Bücherei heute weit mehr ist als ein Ort zum Ausleihen von Büchern. Sie ist Treffpunkt, Kulturzentrum, Lernort und Begegnungsstätte – getragen von Menschen, die mit großem Engagement dafür sorgen, dass Geschichten lebendig werden.

Deutschland droht den Anschluss zu verlieren: Games-Branche fordert jetzt entschlossenes Handeln

9. August 2026

Milliardenmarkt, Innovationstreiber und Kulturgut zugleich – die Games-Branche sieht Deutschland an einem Wendepunkt. Zum Start der gamescom 2026 fordert der Branchenverband mehr politische Unterstützung, um den Standort international konkurrenzfähig zu machen und die Chancen der Digitalisierung konsequent zu nutzen. Und ich schreibe dies als Betroffener: Meine Tochter hat Programmierung für Games als Jahrgangsbeste studiert und bekommt keine Chance in diesem Markt zu arbeiten. Alle reden von Nachwuchsförderung, aber die Realität ist eine andere. Gerne kann der Lebenslauf u.a. bei mir angefordert werden

Mit der politischen Erklärung „Lust auf Zukunft: Potenziale von Games nutzen“ richtet der game – Verband der deutschen Games-Branche einen eindringlichen Appell an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Diesen Appell kann ich nur unterstützen. Anlässlich der gamescom 2026 macht der Verband deutlich, dass Deutschland und Europa ihre Chancen im internationalen Wettbewerb nicht verspielen dürfen. Games seien längst weit mehr als Unterhaltung – sie seien ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, Innovationstreiber und wichtiger Bestandteil der digitalen Zukunft. Natürlich fährt die Familie auf die gamescom und wird sich informieren, genießen, Netzwerken und mehr. Ich werde natürlich wieder bei den Retro-Spielen zu finden sein.

Rund sechs von zehn Menschen in Deutschland spielen Computer- oder Videospiele. Weltweit sind es mehr als drei Milliarden. Gleichzeitig erwirtschaftet die Games-Branche jährlich über 200 Milliarden US-Dollar und treibt zahlreiche technologische Entwicklungen voran. Aus Sicht des Verbands macht das Games zu einem entscheidenden Baustein für digitale Souveränität und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit.

Game-Geschäftsführer Felix Falk betont, dass die gamescom als weltweit größtes Games-Event eindrucksvoll zeige, welches Potenzial in der Branche steckt. Damit Deutschland künftig eine führende Rolle als Produktionsstandort einnehmen könne, brauche es jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen, weniger bürokratische Hürden und gezielte Investitionen.

Im Mittelpunkt der Erklärung stehen drei zentrale Forderungen. Der Verband spricht sich für eine stärkere Förderung von Games-Studios und Unternehmensgründungen, Investitionen in Infrastruktur und Ausbildung sowie eine erleichterte Fachkräfteeinwanderung aus. Zudem fordert er die Umsetzung der angekündigten steuerlichen Förderung für die Games-Produktion.

Darüber hinaus warnt die Branche vor einer zunehmenden Regulierungsdichte. Bewährte Jugendschutzsysteme wie USK, PEGI und IARC sollten gestärkt werden, anstatt durch zusätzliche Regelungen geschwächt zu werden.

Auch die gesellschaftliche Bedeutung von Games rückt der Verband in den Fokus. Studien deuten darauf hin, dass Spielerinnen und Spieler häufig ein stärkeres Vertrauen in demokratische Prozesse haben und eher zu gesellschaftlichem Engagement motiviert werden können. Aus Sicht des Verbands können Games daher einen wichtigen Beitrag für Demokratie, Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten.

Die gamescom 2026 findet vom 26. bis 30. August in Köln statt. Bereits ab dem 24. August beginnt das Fachprogramm mit der Entwicklerkonferenz gamescom dev, bevor am 25. August die Opening Night Live den offiziellen Auftakt für das Publikum bildet.

Die romantische Geschichte vom Affenturm im Alten Hof in München

8. August 2026

Zwischen den alten Mauern des Alten Hofes verbirgt sich eine der bekanntesten Münchner Legenden – eine Geschichte über Mut, Vertrauen und ein kleines Äffchen, das ausgerechnet das Leben eines späteren Kaisers beeinflusst haben soll. Als ich neulich eine kleine Stadtführung für einen Kollegen gemacht habe, ist mir die Geschichte wieder eingefallen.

Der Alte Hof war im 13. und 14. Jahrhundert die erste Residenz der Wittelsbacher in München. Dort soll sich einer Sage nach eine außergewöhnliche Begebenheit ereignet haben. Herzog Ludwig II. hielt angeblich einen zahmen Affen, der sich frei in der Burg bewegen durfte. Eines Tages nahm das Tier den kleinen Prinzen Ludwig – den späteren Kaiser Ludwig den Bayern – aus seiner Wiege und kletterte mit ihm auf den hölzernen Erker des Burgstocks, der heute als Affenturm oder Affentürmchen bekannt ist.

Unten gerieten Amme, Bedienstete und Hofstaat in große Aufregung. Niemand wagte es, den Affen zu erschrecken, aus Angst, er könnte das Kind fallen lassen. Stattdessen sprach man ruhig auf das Tier ein und lockte es geduldig zurück. Schließlich kletterte der Affe vorsichtig hinab und legte den kleinen Ludwig unversehrt wieder in seine Wiege. Seitdem trägt der Erker der Überlieferung nach den Namen „Affenturm“.

Die Geschichte wird oft als Sinnbild dafür erzählt, dass Geduld und Vertrauen mehr bewirken können als Gewalt oder Hektik. Gerade deshalb hat sie bis heute einen fast märchenhaften, romantischen Charakter und gehört zu den beliebtesten Sagen Münchens.

Historisch gesichert ist die Erzählung allerdings nicht. Forschungen zeigen, dass der heutige gotische Erker vermutlich erst im 15. Jahrhundert entstand – also lange nach der Kindheit Ludwigs des Bayern. Daher gilt die Geschichte als Legende und nicht als belegtes historisches Ereignis.

Der Herr der Ringe (1978) – Matinee am 9. August im Scala Fürstenfeldbruck

7. August 2026

Eine außergewöhnliche Reise nach Mittelerde – zurück zu den Anfängen der Fantasy-Filmgeschichte

Bevor Mittelerde durch die monumentale Realverfilmung von Peter Jackson weltweit Millionen von Kinobesuchern begeisterte, brachte Regisseur Ralph Bakshi J.R.R. Tolkiens berühmtes Werk bereits 1978 auf beeindruckende Weise auf die Leinwand. Mit seinem animierten Film Der Herr der Ringe schuf er eine außergewöhnliche und für ihre Zeit visionäre Interpretation des Fantasy-Klassikers, die bis heute als Meilenstein der Animationsgeschichte gilt. Wir besprechen und zeigen den Film bei unserer Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck am Sonntag, 9. August um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Bakshi kombinierte traditionelle Zeichentrickanimation mit der damals noch jungen Rotoskopie-Technik. Dabei wurden reale Schauspieler gefilmt und ihre Bewegungen anschließend Bild für Bild nachgezeichnet. Diese innovative Arbeitsweise verlieh den Figuren und den großen Schlachtszenen eine ungewöhnliche Dynamik und einen realistischen Charakter, der den Film deutlich von anderen Animationsproduktionen seiner Zeit abhob. Gerade dieser unverwechselbare Stil macht den Film bis heute zu einem faszinierenden Zeitdokument der Filmgeschichte.

Die Handlung folgt der bekannten Geschichte um den Hobbit Frodo Beutlin, der den Einen Ring übernimmt und sich gemeinsam mit seinen Gefährten auf eine gefährliche Reise begibt. Ihr Ziel ist es, den Ring im Schicksalsberg zu vernichten und damit die Rückkehr des dunklen Herrschers Sauron zu verhindern. Auf ihrem Weg begegnen sie treuen Freunden, mächtigen Verbündeten und gefährlichen Gegnern – eine zeitlose Erzählung über Mut, Freundschaft, Hoffnung und den Kampf zwischen Gut und Böse.

Obwohl der Film aus produktionstechnischen Gründen nur den ersten Teil der Geschichte erzählt und kein vollständiger Abschluss entstand, entwickelte sich Ralph Bakshis Werk im Laufe der Jahrzehnte zu einem echten Kultfilm. Viele Szenen, Figurenentwürfe und visuelle Ideen beeinflussten spätere Fantasyproduktionen und gelten heute als wichtiger Baustein der modernen Fantasyfilmgeschichte. Zahlreiche Filmhistoriker sehen in Bakshis Werk einen Wegbereiter für das weltweite Interesse an aufwendig produzierten Fantasyfilmen.

Für Fans von J.R.R. Tolkien bietet diese Kinomatinee die Gelegenheit, Mittelerde aus einer ganz besonderen Perspektive zu erleben. Gleichzeitig eröffnet sie auch jüngeren Zuschauerinnen und Zuschauern einen spannenden Blick auf die Entwicklung des Fantasykinos und der Animationskunst. Gerade auf der großen Leinwand entfaltet der Film seine atmosphärische Bildsprache, seine eindrucksvollen Landschaften und seine kraftvolle musikalische Untermalung in besonderer Weise.

Diese Matinee am Sonntag lädt dazu ein, einen Film neu zu entdecken, der trotz seines Alters nichts von seiner kreativen Ausstrahlung verloren hat. Er erinnert daran, wie mutig und innovativ Filmschaffende bereits vor fast fünf Jahrzehnten waren und mit welchen Ideen sie eines der bedeutendsten Werke der Fantasyliteratur einem Kinopublikum zugänglich machten.

Freuen Sie sich auf ein außergewöhnliches Kinoerlebnis, das Filmgeschichte, Nostalgie und Abenteuer miteinander verbindet. Tauchen Sie ein in die Welt Mittelerdes und erleben Sie einen Klassiker, der Generationen von Fantasy-Fans begeistert hat und bis heute seinen festen Platz in der Geschichte des Kinos behauptet. Karten gibt es hier.