Little Big Man (USA 1970) – Matinee am 17. Mai im Scala Fürstenfeldbruck

15. Mai 2026

Little Big Man, der epische Western von Arthur Penn aus dem Jahr 1970, ist eines jener seltenen Meisterwerke des amerikanischen Kinos, das seinen Zuschauer von der ersten Minute an in einen Sog zieht, aus dem es kein Entkommen gibt – und aus dem man auch gar nicht entkommen möchte. Ich bespreche und zeige diesen Western in meiner Matinee am 17. Mai im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Der Film erzählt die Geschichte des 121-jährigen Jack Crabb, gespielt von Dustin Hoffman in einer seiner eindringlichsten Rollen, der als angeblich einziger weißer Überlebender der Schlacht am Little Bighorn seine unglaubliche Lebensgeschichte zu Protokoll gibt. Was folgt, ist kein gewöhnlicher Western, sondern ein schillerndes, vielschichtiges Panorama amerikanischer Geschichte, das die Mythen des Wilden Westens mit schonungsloser Ironie demontiert und gleichzeitig ein zutiefst menschliches Portrait zeichnet.

Die eigentliche Faszination des Films beginnt mit seiner erzählerischen Kühnheit. Penn und Drehbuchautor Calder Willingham, der den gleichnamigen Roman von Thomas Berger adaptierte, wählen die Form der Rahmenerzählung – der greise Crabb erinnert sich, und mit ihm stürzen wir uns in ein Leben, das schier unglaublich erscheint. Jack war Adoptivkind der Cheyenne, Schützling eines frommen Betrügers, Kleinstadtladenbesitzer, Gewehrschütze, Trapper, Alkoholiker, Soldat unter General Custer und immer wieder Zeuge historischer Schlüsselmomente. Diese episodische Struktur könnte fragmentiert wirken, doch Penn beherrscht die Kunst, aus diesen disparaten Lebensabschnitten ein kohärentes, atembenehmendes Ganzes zu weben. Jede Episode besitzt ihr eigenes Gewicht, ihren eigenen Ton, ihre eigene emotionale Wahrheit.

Besonders revolutionär war der Film in seiner Darstellung der amerikanischen Ureinwohner. Während Hollywood jahrzehntelang die Indigenous Peoples als anonyme, bedrohliche Masse oder bestenfalls als edle Wilde inszeniert hatte, zeigt Little Big Man die Cheyenne als vollständige Menschen mit einer komplexen Gesellschaft, mit Humor, Trauer, Würde und individuellen Charakteren. Der Häuptling Kleines Pferd, gespielt vom unvergesslichen Chief Dan George, ist eine der liebevollsten und weisesten Figuren der Filmgeschichte – ein Mann von tiefer Spiritualität und trockenem Witz, dessen Lebensphilosophie den ganzen Film hindurch wie ein ruhender Pol wirkt. Die Szene, in der er sich feierlich zum Sterben begibt, dann aber feststellt, dass der Tod ihn offenbar noch nicht haben möchte, und sich kommentarlos wieder erhebt, gehört zu den schönsten und berührendsten Momenten des amerikanischen Kinos überhaupt.

Der Film ist auch ein Kind seiner Zeit, und das auf die bestmögliche Weise. Im Jahr 1970, inmitten des Vietnamkrieges und der gesellschaftlichen Erschütterungen der Bürgerrechtsbewegung, war Little Big Man eine unmissverständliche Allegorie. Das Massaker am Washita River, bei dem Custers Kavallerie ein schlafendes Cheyenne-Dorf niedermetzelt, ist nicht nur historische Rekonstruktion, sondern direkter Kommentar zum Massaker von My Lai, das ein Jahr zuvor publik geworden war. Penn zeigt das Gemetzel ohne Beschönigung – als sinnlose, bürokratische Vernichtung unschuldiger Menschen, angeordnet von einem narzisstischen, realitätsfernen Militärführer. Custers Darstellung durch Richard Mulligan ist dabei von bitterer satirischer Schärfe: ein eitel-wahnsinniger Despot, der seine eigene Legende für bedeutsamer hält als Menschenleben, ein Archetyp militärischer Hybris für alle Zeiten.

Und doch wäre es ungerecht, den Film auf seine politische Dimension zu reduzieren. Was Little Big Man letztlich so unwiderstehlich macht, ist seine emotionale Breite, sein Mut zur Zärtlichkeit neben der Grausamkeit, zur Komödie neben der Tragödie. Jack Crabb ist eine zutiefst tragische Figur, ein Mann ohne feste Identität, der zwischen zwei Welten pendelt und in keiner wirklich Heimat findet. Hoffman spielt diese innere Zerrissenheit mit einer Natürlichkeit, die es dem Zuschauer unmöglich macht, Distanz zu wahren. Man leidet mit Jack, lacht mit ihm, schämt sich mit ihm. Das Alter-Make-up, das Hoffman zum greisen Erzähler transformiert, ist für die damalige Zeit erstaunlich überzeugend, doch es ist die Performance, die trägt – die Art, wie die Augen des jungen Mannes noch immer hinter dem faltenreichen Gesicht des Alten leuchten.

Die Kameraarbeit von Harry Stradling Jr. verdient ebenfalls besondere Erwähnung. Die Landschaft des amerikanischen Westens wird in ihrer ganzen Weite und Unwirtlichkeit eingefangen, doch Stradling weiß auch, die Kamera dicht heranzuführen, Gesichter zu lesen, Emotionen zu dokumentieren, ohne je in Sentimentalität zu verfallen. Die Schlachtszenen besitzen eine chaotische, fast dokumentarische Qualität, die dem Krieg jede Romantik raubt, während ruhigere Momente im Cheyenne-Lager von fast malerischer Schönheit sind.

Fünfundfünfzig Jahre nach seiner Entstehung hat Little Big Man nichts von seiner Kraft verloren. Im Gegenteil: In einer Zeit, in der die Auseinandersetzung mit kolonialer Geschichte und den Mythen nationaler Identität dringlicher denn je erscheint, wirkt der Film erschreckend aktuell. Er ist eine Liebeserklärung an die Verlierer der Geschichte, an die Unsichtbaren und Vergessenen, an alle, die zwischen den Welten leben. Er ist ein Requiem für eine zerstörte Zivilisation und zugleich eine bitterkomische Abrechnung mit dem amerikanischen Selbstbild. Und er ist, am Ende, schlicht und ergreifend großes Kino – das Werk eines Regisseurs auf dem Höhepunkt seines Könnens, das die Grenzen eines Genres sprengt und zu universeller Menschheitserzählung wird. Ich freue mich auf diesen Western in meiner Matinee am 17. Mai im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Radio-Aktivität / Radio-Activity von Kraftwerk – 50 Jahre Picture Disc

14. Mai 2026

Mit Radio-Aktivität veröffentlichten Kraftwerk 1975 ein Album, das rückblickend wie ein Scharnier im Werk der Düsseldorfer wirkt. Nach Autobahn war klar, dass Ralf Hütter und Florian Schneider mehr wollten als bloße elektronische Experimente: Sie arbeiteten an einer eigenen Klangsprache, kühl, reduziert, deutsch, modern. Radio-Aktivität ist dabei weniger unmittelbar eingängig als der Vorgänger, aber konzeptionell vielleicht noch radikaler. Jetzt kam zum 50. Geburtstag die Picture Disc mit dem Sound von 2009 heraus. Hier das Unboxing:

Der Titel ist doppeldeutig: Radioaktivität als atomare Strahlung und Radio-Aktivität als Sendung, Empfang, Äther, Kommunikation. Diese Ambivalenz zieht sich durch das ganze Album. Schon das eröffnende „Geiger Counter“ tickt bedrohlich, bevor „Radioactivity“ mit seiner fast sakralen Melodie einsetzt. Der Song klingt wie ein Kinderlied aus dem Atomzeitalter: einfach, schön, unheimlich. Genau darin liegt die Kraft des Stücks. Kraftwerk moralisieren nicht laut, sie inszenieren eine Atmosphäre, in der Technik zugleich Verheißung und Gefahr ist.

Musikalisch ist das Album karger und fragmentarischer als Autobahn. Viele Stücke sind Miniaturen, Übergänge, Klangbilder: „Radioland“, „Airwaves“, „Intermission“, „News“, „The Voice of Energy“. Das wirkt beim ersten Hören spröde, fast unfertig. Doch gerade diese Kürze macht das Album zu einer Art Hörspiel über Medien, Energie und moderne Wahrnehmung. Radiosignale, Stimmen, Rauschen, elektronische Pulse und monotone Melodien formen eine Welt, in der der Mensch zunehmend durch Apparate spricht.

Nicht alles besitzt die zwingende Prägnanz späterer Kraftwerk-Alben wie Trans Europa Express, Die Mensch-Maschine oder Computerwelt. Manche Passagen bleiben eher Skizze als Song. Doch Radio-Aktivität ist ein wichtiges Zwischenwerk: Es verabschiedet sich stärker vom Krautrock-Erbe und nähert sich jener maschinellen Eleganz, die Kraftwerk später perfektionieren sollten.

Besonders faszinierend ist die emotionale Temperatur des Albums. Kraftwerk klingen hier nicht kalt im Sinne von gefühllos, sondern distanziert wie Beobachter einer neuen Epoche. Die Melancholie steckt in der Reduktion. Wenn Stimmen aus dem Radio auftauchen oder Synthesizerflächen wie ferne Signale schweben, entsteht eine fast poetische Einsamkeit. Das Album beschreibt keine Zukunft voller Lärm, sondern eine Zukunft des leisen Summens.

Radio-Aktivität ist kein perfektes Popalbum, aber ein visionäres Konzeptalbum. Es verlangt Geduld, belohnt aber mit einer einzigartigen Mischung aus technischer Faszination, unterschwelliger Bedrohung und minimalistischer Schönheit. Wer Kraftwerk nur über ihre großen Hits kennt, findet hier ein stilleres, dunkleres, experimentelleres Werk – und eines, das gerade wegen seiner Strenge bis heute nachhallt.

Ein kleiner Griff nach Glück – die Löwennasen der Münchner Residenz

13. Mai 2026

Es sind die kleinen Geschichten, die mir an einer Stadt wie München einfach gefallen. Geschichten liegen quasi vor den Füßen, man muss nur hinschauen. So geschehen bei meinem Besuch der Residenz in München zu der ich zum Roman Herzog Forschungspreis eingeladen war.


Beim Warten auf meine Gattin fielen mir der bayerische Löwe auf, der vor dem Eingang zur Residenz aufgestellt war. Vor der Münchner Residenz berührt man die Nase des bayerischen Löwen, weil daraus im Lauf der Zeit ein beliebter Münchner Glücksbrauch geworden ist. Wer an den Bronzelöwen am Eingang der Residenz vorbeikommt, streicht kurz über die glänzende Nase – oft ganz beiläufig im Vorübergehen, manchmal bewusst vor einer Prüfung, einem wichtigen Termin oder einfach, weil man ein bisschen Glück gebrauchen kann. Genau deshalb sind die Nasen der Löwen so auffällig hell und blank: Nicht, weil sie ursprünglich anders gestaltet waren, sondern weil unzählige Hände sie über Jahre hinweg poliert haben. Eigentlich handelt es sich dabei nicht um die Nase des großen Löwen selbst, sondern um die kleinen Löwenköpfe beziehungsweise Masken auf den Schilden, die die großen Bronzelöwen in ihren Tatzen halten. Im Alltag spricht man aber einfach von den „Löwennasen“ an der Residenz.

Die wahren Wächter der Tugend
Eigentlich berühren die Menschen nicht die Schnauzen der großen Wappentiere selbst, sondern die sogenannten Maskarons – kleine Fratzenköpfe am unteren Ende der bronzenen Schilde, die von den vier Löwen gehalten werden. Diese Statuen, die den westlichen Eingang bereits seit dem 17. Jahrhundert bewachen, repräsentieren die vier Kardinalstugenden eines würdigen Herrschers: Klugheit, Gerechtigkeit, Stärke und Mäßigkeit. Einem erweiterten Aberglauben zufolge sollen diese Tugenden auf diejenigen übergehen, die die Schnauzen streicheln, wobei das Glück angeblich nur dann eintritt, wenn man alle vier Schilde nacheinander berührt.

Der Brauch lebt vor allem von der einfachen Vorstellung, dass das Berühren Glück bringt. Solche Rituale gibt es in vielen Städten: Man reibt an einer bestimmten Statue, legt eine Hand auf ein Denkmal oder berührt eine Figur, weil Generationen von Menschen es vor einem schon getan haben. Dadurch wird aus einem Kunstwerk ein Teil des städtischen Alltags. Bei den Löwen vor der Residenz passt das besonders gut, weil der Löwe in Bayern ohnehin ein starkes Symbol ist: Er steht für Herrschaft, Stärke, Schutz und bayerische Identität. Vor der ehemaligen Residenz der Wittelsbacher wirken die Löwen wie Wächter am Eingang – und gerade deshalb eignet sich die kleine Geste des Berührens so gut als persönlicher Glücksmoment mitten in der Stadt.

Um die Löwennasen rankt sich außerdem eine Münchner Legende aus dem Jahr 1848. Sie erzählt von einem Studenten, der eine Spottschrift gegen Lola Montez, die Geliebte König Ludwigs I., verfasst und an der Residenz angebracht haben soll. Statt zu fliehen, habe er sich später mutig gestellt. Der König soll ihm daraufhin nicht nur verziehen, sondern ihn sogar belohnt haben. Ob diese Geschichte historisch in allen Einzelheiten stimmt, ist weniger wichtig als ihre Wirkung: Sie erklärt den Brauch als Erinnerung an Mut, Glück und einen unerwartet guten Ausgang. Wer heute die Nase berührt, knüpft also an eine Mischung aus Aberglauben, Stadtlegende und Münchner Tradition an. 

Die Löwen selbst gehören schon seit Jahrhunderten zum Erscheinungsbild der Residenz. Die Bayerische Schlösserverwaltung beschreibt sie als bronzene Torwächter; die Figuren gehen auf die frühe Neuzeit zurück und waren ursprünglich Teil eines größeren dynastischen und künstlerischen Zusammenhangs. Weil die Originale durch Witterung und ständige Berührungen stark belastet wurden, stehen vor Ort inzwischen Repliken, während die kostbaren Originale geschützt werden. Der Brauch ist dadurch aber nicht verschwunden. Im Gegenteil: Gerade die blank geriebenen Nasen zeigen, dass diese Figuren nicht nur Museums- oder Denkmalsobjekte sind, sondern lebendige Stadtzeichen. 

Kurz gesagt: Man berührt die Nase des Löwen vor der Münchner Residenz, weil es Glück bringen soll. Dahinter steckt keine offizielle Zeremonie, sondern ein gewachsener Volksbrauch – eine kleine, liebevolle Münchner Gewohnheit, die Geschichte, Aberglauben und Stadtidentität miteinander verbindet. Und natürlich habe ich es auch gemacht.

PresseClub Räume – Tagen, begegnen, begeistern am Marienplatz

12. Mai 2026

Der PresseClub München ist weit mehr als nur ein Veranstaltungsort – er ist eine Bühne für Begegnungen, für starke Worte, für Ideen mit Wirkung. Mitten im Herzen der Stadt, direkt am Marienplatz, eröffnet sich hier eine Eventlocation für Firmen und Verbände, wie sie München kaum ein zweites Mal zu bieten hat: zentral, elegant, repräsentativ und voller urbaner Strahlkraft. Die Räume sind u.a. geeignet für Pressekonferenzen, Podiumsdiskussionen, Seminare und Workshops, Buchvorstellungen, Preisverleihungen, Netzwerktreffen, Führungsmeetings auch hybrider, Netzwerktreffen, Produktpräsentationen und vieles mehr.

Wer seine Gäste an einem Ort empfangen möchte, der sofort Eindruck hinterlässt, findet im PresseClub München die vielleicht attraktivste Location der Stadt – mitten im pulsierenden Zentrum und doch mit der besonderen Atmosphäre eines Hauses, das für Austausch, Relevanz und Qualität steht.
Der Konferenzraum verbindet anspruchsvolles Ambiente mit moderner Technik und bietet Platz für bis zu 100 Personen. Ergänzt wird das Raumangebot durch einen stilvollen Loungebereich, der Interviews, Gesprächen oder einem hochwertigen Buffet den passenden Rahmen gibt. Mehr Infos, Fotos und Raumplanungen gibt es hier.

Dazu kommt ein erfahrenes, eingespieltes Team, das jede Veranstaltung professionell begleitet und von der Technik über die Bestuhlung bis hin zu Getränken für einen reibungslosen Ablauf sorgt. Besonders wertvoll ist dabei nicht nur der Raum selbst, sondern auch das Umfeld: Der PresseClub ist ein Ort mit Ausstrahlung, mit Netzwerk, mit Nähe zu Medien, Öffentlichkeit und Stadtgesellschaft. Genau das macht Veranstaltungen hier besonders – sie finden nicht irgendwo statt, sondern an einer Adresse, die Bedeutung hat. Wer in München nach einem exklusiven, zentralen und atmosphärisch herausragenden Ort für Events sucht, findet im PresseClub München eine Location, die Lage, Stil und Professionalität auf einzigartige Weise vereint.

Der PresseClub München ist weit mehr als nur ein Veranstaltungsort: Er ist eine Institution mit Geschichte. Seit seiner Gründung am 16. März 1950 steht der Club für journalistischen Austausch, gesellschaftliche Relevanz und den Dialog mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Ursprünglich unter dem Namen „Verein Auswärtige Presse“ gegründet, war er zunächst am Lenbachplatz beheimatet, zog später ins Regina-Palast-Hotel und fand 1958 schließlich seinen festen Platz am Marienplatz – mit direktem Blick auf das Münchner Rathaus. Über Jahrzehnte hinweg gingen hier bedeutende Gäste ein und aus, darunter Hildegard Knef, Franz Josef Strauß, Hans-Dietrich Genscher, Olof Palme, August Everding, Mario Adorf, Helmut Kohl und Gerhard Schröder. Diese lange Tradition macht den PresseClub München bis heute zu einem besonderen Ort: einem Haus mit Geschichte, Haltung und einer unverwechselbaren Adresse im Herzen der Stadt. Mehr Infos, Fotos und Raumplanungen gibt es hier.

Podcast Seitensprung: Lesen in der Gegenwartsgesellschaft – Besuch in der Gemeindebücherei Maisach

11. Mai 2026

Auf kleinen Kinderstühlen, die Knie fast auf Ohrhöhe, sprach Büchereileiterin Beate Seyschab mit mir in der dritten Folge des Videopodcasts Seitensprung der Gemeindebücherei Maisach über eine Frage, die simpel klingt und es doch nicht ist: Wie bekommt man Kinder heute noch zum Lesen?

Beate Seyschab, die die Gemeindebücherei Maisach leitet, ist in dieser Sache tatsächlich auf einer Mission – auch wenn sie das Wort selbst mit einem Lächeln relativiert. Regelmäßig besucht sie Kindergärten, Kinderkrippen und Horte in der Umgebung, liest vor, zeigt Bücher, macht neugierig. Die Resonanz ist, nach eigener Aussage, erstaunlich herzlich. „Kannst du nicht jeden Tag kommen?“, fragen die Kinder. Was die Büchereifachfrau dabei immer wieder erlebt: Es gibt Kinder, die zu Hause schlicht keine Bücher haben. Kein Bilderbuch, keine Gutenachtgeschichte. Das sei keine Ausrede der Kinder, betont Seyschab – die Verantwortung liege bei den Erwachsenen, die sich irgendwann vom Buch verabschiedet hätten.

Ich merke an, was viele Eltern im Speckgürtel Münchens kennen: Beide Partner arbeiten, die Mieten sind hoch, abends ist man schlicht erschöpft. Bleibt da noch Kraft für eine Vorlesestunde? Seyschab lässt diese Erklärung nicht gelten – zumindest nicht als Entschuldigung. Sie selbst sei alleinerziehend gewesen, habe bis 19 Uhr in der Bücherei gearbeitet und sei trotzdem jeden Abend mit ihren Kindern zum Buch gekommen. „Man kommt dabei selbst runter“, sagt sie. Und es brauche keine epischen Lesestunden: Ein Bilderbuch, eine kurze Geschichte – eine Viertelstunde reiche völlig. Ihr erwachsener Sohn, inzwischen 23, verlangt bei jedem Weihnachtsfest noch immer, dass seine Mutter die Briefe vom Weihnachtsmann von Tolkien vorliest. Manches hält eben.

Ein weiteres Thema, das die beiden beschäftigt, ist die Integration. Die Mittelschule Maisach schickt regelmäßig ihre Deutschklasse in die Bücherei – eine Lehrerin, die seit zwei Jahren hartnäckig daran arbeitet, dass Kinder mit Migrationshintergrund über das gemeinsame Lesen die neue Sprache besser erschließen. Fremdsprachige Literatur bietet die Bücherei kaum an, Englisch ist die Ausnahme. Der Zugang sei schwierig, gibt Seyschab zu, aber gelegentlich finde ein Kind privat den Weg in die Bücherei – und das sei dann jedes Mal ein kleiner Erfolg.

Dass Bücher teuer geworden sind, ist ein weiterer Gesprächsfaden. Das einstige Taschenbuch als erschwingliches Volksbuch existiert praktisch nicht mehr – 20 Euro und aufwärts sind heute üblich. Seyschaб sieht die Bücherei hier als demokratisches Korrektiv: kostenlos ausleihen, ausprobieren, zurückgeben wenn’s nicht gefällt. Rund zwei Neuanmeldungen täglich sprechen dafür, dass das Modell ankommt – auch bei Erwachsenen, die jahrelang nicht mehr gelesen haben und nun durch die Onleihe wieder den Weg zurück finden.

Besonders lebendig wurde unser Gespräch beim Thema Leseberatung. Seit der stationäre Buchhandel im Landkreis weitgehend verschwunden ist – in Maisach gibt es keinen klassischen Buchladen mehr, auch Fürstenfeldbruck bietet wenig –, übernimmt die Bücherei zunehmend die Beratungsfunktion. Seyschab schildert, wie das in der Praxis aussieht: nachfragen, herantasten, mehrere Vorschläge mitgeben. Und manchmal rettet ein rechtzeitig gestelltes Nachfragen vor einer Fehlberatung – wie im Fall der Dame, die einen „richtig blutigen Krimi“ wollte und dabei an Volker Klöpfels vergleichsweise harmlosen Kommissar Kluftinger dachte. Ein Griff zu Karen Rose oder ähnlichen Autoren hätte sie, so Seyschab trocken, „wahrscheinlich nicht schlafen lassen“.

Zum Abschluss gibt Seyschab noch einen Ausblick auf das Programm: Am 12. Mai steht eine englische Vorlesestunde an, am 20. Mai liest die Autorin Thea Lehmann aus ihrem neuesten Sachsen-Krimi – einem Roman, in dem der Hauptkommissar aus Mammendorf stammt und in die sächsische Schweiz versetzt wird, was dem Gespräch noch einen lokalpatriotischen Schmunzler beschert. Wer sich für die Pfingstferien (25. Mai bis 8. Juni, Bücherei geschlossen) mit Lesestoff eindecken möchte, sollte vorher vorbeikommen.

Rückblick auf meine Matinee: Die glorreichen Sieben (1960)

10. Mai 2026

Manche Filme altern. Und manche werden mit jedem Jahr, das vergeht, nur größer. Die glorreichen Sieben gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Ich habe diesen Film in meiner Matinee im Scala Kino besprochen. Die nächste Western-Matinee im Scala ist Little Big Man am Sonntag, 17. Mai. Karten gibt es hier.

Am 23. Oktober 1960 feierte der Western von Regisseur John Sturges in den USA Premiere – und trat damit eine Lawine los, die bis heute nicht zur Ruhe gekommen ist. Was auf den ersten Blick wie ein klassisches Abenteuer im Wilden Westen wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als präzise destillierter Mythos über Würde, Opfer und die seltsame Melancholie des Heldentums. Hier die Aufzeichnung meines Vortrags.

Von Tokio nach Mexiko
Die Ursprünge des Films liegen in Japan. John Sturges adaptierte den Stoff von Akira Kurosawas berühmtem Film Die sieben Samurai für ein Western-Szenario – und ließ dabei aus einem Klassiker einen weiteren Klassiker entstehen. Kurosawa selbst war offenbar beeindruckt: Er soll John Sturges nach Erscheinen des Films ein zeremonielles Schwert als Geschenk geschickt haben. Eine schönere Würdigung lässt sich kaum vorstellen.

Die Handlung ist einfach und zugleich zeitlos: Ein armes mexikanisches Dorf wird regelmäßig von einer Banditenbande unter dem Anführer Calvera bedroht und ausgeraubt. Einige der Dorfbewohner machen sich auf, um Männer mit Gewehren zu engagieren – und finden in Chris einen Anführer, der es schafft, mit dem wenigen Geld der Bauern fünf weitere fähige Revolverhelden zu gewinnen.

Eine Besetzung wie ein Traum
Was den Film unsterblich gemacht hat, ist weniger die Handlung als das Ensemble, das Sturges vor die Kamera holte. In den Hauptrollen sind Yul Brynner, Eli Wallach, Steve McQueen, Charles Bronson, Horst Buchholz, Robert Vaughn, Brad Dexter und James Coburn zu sehen. Jeder von ihnen bringt eine eigene Energie mit – und gemeinsam erzeugen sie ein Charisma, das die Leinwand regelrecht zum Glühen bringt. Man spürt hinter jeder ruhigen Geste, jedem kurzen Blick, dass hier nicht Figuren agieren, sondern Archetypen: Mut, Einsamkeit, Coolness und stille Melancholie, auf sieben Männer verteilt.

Musik, die größer ist als der Film
Kein Rückblick auf Die glorreichen Sieben wäre vollständig ohne die Musik. Elmer Bernsteins Filmmusik wurde 1961 für den Oscar nominiert. Das Titelthema gilt bis heute als eine der bekanntesten Western-Filmmusiken überhaupt – und wurde später unter anderem auch in der Werbung verwendet, am bekanntesten in der Version für die Zigarettenmarke Marlboro. Das heroische Thema ist mehr als Begleitung – es ist ein unsichtbarer Erzähler, der jede Szene adelt.

Ein Film, der Geschichte schrieb
Die glorreichen Sieben wurde 2013 in das National Film Registry aufgenommen – jene Sammlung, in der die Library of Congress Filme von herausragender kultureller, historischer oder ästhetischer Bedeutung bewahrt. Eine Auszeichnung, die kein Preisgeld kennt, aber vielleicht die ehrlichste von allen ist.

Der Film taucht seit über fünfzig Jahren als einer der besten Western überhaupt in unzähligen Lieblingslisten auf. Und das zurecht: Denn hinter dem Staub, den Revolverduellen und dem donnernden Bernstein-Thema verbirgt sich eine zutiefst menschliche Geschichte – über Menschen, die für andere kämpfen, nicht weil es sich lohnt, sondern weil es das Richtige ist. Diese Haltung macht Die glorreichen Sieben zeitlos. Und sie macht ihn, heute wie damals, zu einem der edelsten Abenteuer, die das Kino je hervorgebracht hat.

Die nächste Western-Matinee im Scala ist Little Big Man am Sonntag, 17. Mai. Karten gibt es hier.

Die ARTMUC und das große Versprechen der Kunst

9. Mai 2026

Es gibt Momente in einer Stadt, in denen man plötzlich spürt, dass sie mehr ist als Pflaster, Fassaden und Verkehrslärm. Dass unter der Oberfläche des Alltäglichen etwas pulsiert, das sich nicht in Nützlichkeit übersetzen lässt. München erlebt solche Momente zweimal im Jahr, wenn die ARTMUC ihre Tore öffnet und das MTC an der Ingolstädter Straße im Norden der Stadt für ein Wochenende zu einem Ort wird, an dem die Zeit sich anders anfühlt als sonst. Auf Einladung des PresseClubs München bekamen die Mitglieder eine Führung von der Kunsthistorikerin Mirjam Gaschler.

Die ARTMUC ist Bayerns größte hybride Kunstmesse und wurde im Jahr 2014 gegründet. Ein vergleichsweise junges Kind also im großen Konzert der europäischen Kunstmessen — und doch ist sie in dieser kurzen Zeit zu etwas geworden, das weit über eine bloße Verkaufsveranstaltung hinausragt. Hier ein Video mit meinen Eindrücken.

Sie ist ein Versprechen. Das Versprechen, dass Kunst nicht nur in den weißen, klimatisierten Sälen der großen Museen existiert, nicht nur für jene, die ihre Ausbildung in Kunstgeschichte hinter sich haben oder die Sprache der Hochkultur fließend sprechen. Sondern dass sie mitten unter uns lebt — greifbar, käuflich, menschlich. Ich habe mehrere Stunden verbracht und interessante Gespräche geführt – und auch Kunst erworben. Sehr fein ein kurzer Austausch mit Wiener Kunstprofessor Felix Haspel.

Die ARTMUC fokussiert eine deutliche Steigerung der Sichtbarkeit von Künstlerinnen und Künstlern und deren Förderung sowie der Außenwahrnehmung Münchens als Kunst- und Kulturstadt. Das klingt nach einem Leitbild aus dem Marketingprospekt, und doch steckt dahinter eine echte Haltung, die man spürt, sobald man durch die Hallen geht. Raiko Schwalbe, der Gründer und Veranstalter der Messe, ist nicht der Typ, der mit glänzenden Schuhen und kühlem Lächeln durch die Gänge flaniert. Er ist morgens schon mit dem Team unterwegs, um zu putzen oder den Müll wegzuräumen. Das ist keine Anekdote am Rande. Das ist eine Aussage über die Seele dieser Veranstaltung. Amort Anton hat mich fasziniert mit seinem Schleifbild auf Edelstahl.

Die exklusive Kunstmesse wurde 2014 in München gegründet und beschreibt sich selbst als Bayerns größte hybride Kunstmesse. Im Zentrum steht weiterhin die Idee, Künstlerinnen und Künstlern, Galerien, Verbänden und Projekten eine bezahlbare Plattform für den direkten Kontakt mit einem breiten Publikum zu bieten. Bezahlbar — dieses Wort verdient es, kurz innezuhalten. Die Kunstwelt hat ein Demokratieproblem. Wer einmal durch die Art Basel geschlendert ist, weiß, wie schnell Kunst zu einem Statussymbol gerinnt, zu einem Vehikel für Reichtum, zu einer Währung in Kreisen, in denen über Millionen mit derselben Lässigkeit gesprochen wird wie über den Wochenmarkt. Die ARTMUC setzt dagegen. Die Preise beginnen zum Teil schon bei 100 Euro und gehen hinauf in den mittleren fünfstelligen Bereich. Das ist kein Hobby-Basar, aber es ist auch kein exklusiver Klub. Es ist ein Raum, in dem jemand, der noch nie ein Kunstwerk besessen hat, das erste Mal den merkwürdigen Schwindel erleben darf, vor einem Bild zu stehen und zu denken: Das könnte bei mir zu Hause hängen. Das könnte meines sein. Andrea Wich aus Olching wohnt quasi um die Ecke. Leider war die Künstlerin nicht am Stand, so dass ich nur die Bilder ansehen konnte.

Dieser Gedanke ist emotional aufgeladener, als er auf den ersten Blick wirkt. Denn Kunst zu kaufen bedeutet nicht, Kunst zu konsumieren. Es bedeutet, in eine Beziehung einzutreten. Mit dem Werk, mit dem Menschen dahinter, mit einem Stück Gegenwart, das man festhalten möchte. Mika van Dot aus Greifenberg hat mich mit deinem Schnittstelle zwischen Ponitilismus und digitaler Kunst fasziniert.

Und damit sind wir beim großen, unbequemen Thema: Kunst als Markt. Es gibt kaum einen Widerspruch, der so tief in das kollektive Unbehagen schneidet wie dieser: Kunst und Geld. Wir wollen Kunst rein, erhaben, frei von Kalkulation. Wir wollen den Künstler als Getriebenen, als Seismographen des Menschlichen, der schafft, weil er nicht anders kann. Und gleichzeitig wissen wir, dass ohne Markt keine Kunst überlebt — nicht auf Dauer, nicht in einer Form, die über das Private hinausgeht. Corinna Mikeler aus Rammingen hat mich fasziniert und ich habe mir einen Druck gekauft.

Die Geschichte ist da eindeutig. Die Medici haben Michelangelo nicht aus reiner Menschenliebe finanziert. Die großen Auftraggeber des Barock haben nicht selbstlos für die Verbreitung des Schönen gesorgt. Der Kunstmarkt ist so alt wie die Kunst selbst. Was sich verändert hat, ist seine Sichtbarkeit — und seine Ehrlichkeit darüber. Eine Kunstmesse wie die ARTMUC macht diesen Zusammenhang sichtbar, anstatt ihn zu verschleiern. Die Preisschilder hängen offen. Die Gespräche zwischen Künstlerinnen und Besuchern finden statt, nicht hinter den Kulissen von Galeriegesprächen, sondern direkt, Auge in Auge, Mensch zu Mensch. Das ist, bei allem romantischen Unbehagen, eine Form von Ehrlichkeit.

Das Angebotsspektrum der Kunstmesse umfasst Malerei, Illustration, Radierung, Fotografie, Skulptur sowie auch Performance, Objekt- und Digitalkunst. Diese Breite ist kein Zeichen von Beliebigkeit, sondern von Lebendigkeit. Ein Markt — und damit auch ein Kunstmarkt — ist ein Ort des Austauschs, des Dialogs, des Aushandelns von Bedeutung. Was wert ist, was bleibt, was weitergetragen wird: Das entscheidet sich nicht allein in den Redaktionen der Kunstmagazine oder den Jurys der Biennalen. Es entscheidet sich auch dort, wo jemand vor einem Gemälde stehen bleibt, nicht weitergeht und schließlich fragt: Was kostet das?

Ich habe einen Tag voller kreativer Impulse, spannender Entdeckungen und inspirierender Begegnungen erlebt — abseits des Mainstreams. Abseits des Mainstreams: Das klingt nach einem Marketing-Versprechen, ist aber, wer durch die Hallen der ARTMUC geht, ein zutreffendes Gefühl. Hier hängt keine institutionell abgesicherte Kunst. Hier zeigen Menschen, die noch ringen, die noch suchen, die noch nicht wissen, ob ihr Weg sie tragen wird.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2014 verzeichnet die ARTMUC ein stetiges Wachstum. Lediglich Corona hat da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber die Messe hat sich erholt — und mehr noch, sie hat sich geöffnet. Nach den ersten Schritten der ARTMUC auf dem internationalen Kunstmarkt zwischen 2023 und 2025 in Dubai, der Türkei und Indien verstärkt das Team um Veranstalter Raiko Schwalbe den Gang nach Asien und legt einen ersten Fokus auf China. Die ARTMUC verweist auf ihre Aktivitäten der vergangenen Jahre und will 2026 den Fokus stärker nach Asien ausbauen. Das ist kein eitles Streben nach Größe. Es ist die Erkenntnis, dass Kunst kein nationales Projekt ist. Dass das Gespräch, das ein Bild beginnt, keine Sprachgrenze kennt.

Yan Sun, internationale Kunstsammlerin aus München, geboren in Yantai in China, engagiert sich leidenschaftlich für Kunst und kulturellen Austausch. Ihr Anliegen ist es, dass die Welt in Frieden zusammenwächst — denn: Kunst verbindet, Wirtschaft belebt. Dieser Satz, so einfach er klingt, trägt eine große Wahrheit in sich. Kunst verbindet, weil sie das Inkommensurable kommunizierbar macht — das Gefühl, das keine Worte hat, die Erfahrung, die kein Bericht erfassen kann. Und ja: Wirtschaft belebt, weil ohne die materielle Grundlage, ohne den Markt, ohne den Preis, der sagt „das hat Wert“, die meisten Künstlerinnen und Künstler früh scheitern würden, nicht an ihrem Talent, sondern an der schieren Unmöglichkeit, vom Schaffen zu leben.

Wenn ich so einen Maitag durch die großen Hallen des MTC geht, wenn das Licht durch die Hallenfenster fällt und auf hunderte von Werken trifft, wenn das Murmeln der Besucher sich mit dem leisen Kratzen von Pinseln an der Live-Malstation mischt, dann spürt man etwas, das schwer zu benennen ist. Es ist nicht Ehrfurcht — dafür ist die ARTMUC zu ungekünstelt, zu warm, zu menschennah. Es ist eher so etwas wie Erleichterung. Die Erleichterung, dass es das noch gibt. Orte, an denen Schönheit verhandelt wird, ohne dass man einen Anzug braucht. Orte, an denen ein junger Künstler aus der Ukraine neben einer Galerie aus der Schweiz ausstellen kann, wo eine chinesische Sammlerin Terrakotta-Figuren mitbringt, die an die älteste und kostbarste Tradition ihres Landes erinnern, und wo ein irischer Streetart-Künstler namens FinDAC live vor den Augen der Besucher ein Bild entstehen lässt. Hier ein kurzer Austausch mit FinDAC.

Fast 450 Bewerbungen sind beim Messeteam eingegangen — und das MTC bietet famose Ausstellungsmöglichkeiten. 450 Menschen, die gesagt haben: Ich will gesehen werden. 450 Stimmen, die einen Platz im Gespräch beanspruchen. Nicht alle können kommen. Aber dass sie fragen, dass sie anklopfen, dass sie an eine Messe glauben, die in einer Industrie-Location im Münchner Norden stattfindet und nicht in den Tempeln der Hochkultur — das sagt alles über die Wirkung der ARTMUC.

München ist eine reiche Stadt. Sie hat exzellente Museen, hochkarätige Galerien, eine traditionsreiche Kunstszene. Aber Reichtum kann auch lähmen. Er kann Kunst in sichere, institutionell abgesicherte Bahnen drängen, in der alles schön und teuer und weit weg vom Leben der meisten Menschen ist. Die ARTMUC stört diese Ordnung ein bisschen. Nicht laut, nicht aggressiv, aber beharrlich. Sie sagt: Kunst gehört nicht nur denen, die sie sich leisten können. Sie gehört denen, die sie fühlen wollen.

Und das, am Ende, ist das eigentliche Versprechen dieser Messe. Nicht die Preisliste. Nicht die internationale Vernetzung. Nicht die Zahlen. Sondern das Gefühl, das entsteht, wenn jemand vor einem Bild stehen bleibt — und plötzlich weiß, dass er oder sie nicht mehr ganz dasselbe ist wie vorher.

Unternehmen Petticoat (USA 1959) – Matinee am 10. Mai im Scala Fürstenfeldbruck

8. Mai 2026

Ein rosa U-Boot, zwei ungleiche Offiziere und eine Handvoll Krankenschwestern mitten im Pazifikkrieg – das klingt nach einem Rezept für Chaos. Und genau das ist es auch. Aber was Blake Edwards aus diesen Zutaten im Jahr 1959 gemacht hat, ist weit mehr als eine bloße Klamotte: Es ist eine der elegantesten Komödien, die Hollywood je produziert hat. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 10. Mai im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Cary Grant und Tony Curtis – zwei der charismatischsten Männer, die je vor einer Kamera standen – liefern sich ein Duell der Stile, das bis heute vergnügt. Grant, der unerschütterliche Kommandant mit trockenem Witz und makellosem Auftreten. Curtis, der schlaue Drückeberger und Organisationstalent, der keine Skrupel kennt, aber das Herz am rechten Fleck hat. Dass Curtis damals privat ein glühender Verehrer Grants war und ihn sogar in Manche mögen’s heiß parodiert hatte, macht ihre Leinwandchemie zu etwas ganz Besonderem – man spürt die gegenseitige Zuneigung hinter jedem Wortgefecht.

Was viele nicht wissen: Der Film steckt voller echter Geschichte. Das rosa U-Boot ist kein reiner Gag – tatsächlich kämpfte ein amerikanisches U-Boot im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit rotem Grundieranstrich, weil die Farbe knapp war. Der berühmte Brief des Kommandanten über den Mangel an Toilettenpapier geht auf ein reales Dokument zurück. Und für die Dreharbeiten stellte die US-Marine gleich drei echte U-Boote aus dem Zweiten Weltkrieg zur Verfügung – eines davon ließ sie tatsächlich rosa streichen. So viel Realismus steckt in diesem vermeintlich leichten Schwank.

Blake Edwards, der kurz darauf mit Frühstück bei Tiffany und dem Rosaroten Panther Filmgeschichte schreiben sollte, zeigt hier schon sein ganzes Handwerk: die präzise Situationskomik, das sichere Gespür für Rhythmus, die Fähigkeit, aus Enge und Bedrängnis Heiterkeit zu destillieren. Unternehmen Petticoat wurde zum größten Kassenerfolg in der damals 50-jährigen Geschichte von Universal Studios – und zum profitabelsten Film in Cary Grants gesamter Karriere.

Wir zeigen den Film in der restaurierten Fassung dieses hinreißende Stück Kinogeschichte: Im Vortrag beantworten wir die Frage, warum manche Filme einfach nicht altern. Kommen Sie – es lohnt sich. Versprochen. Karten gibt es online und an der Kinokasse.

Kaufberatung: DJI Osmo Pocket 3 oder DJI Osmo Pocket 4

7. Mai 2026

Nun ist sie da und ich habe sie seit Erscheinen im Einsatz: Die DJI Osmo Pocket 4 ist eine sehr kompakte Gimbal-Kamera, die sich besonders für Vlogs, Social-Media-Clips, Interviews und schnelle Reportageaufnahmen eignet. Durch die integrierte 3-Achsen-Stabilisierung entstehen auch aus der Hand ruhige, professionell wirkende Videos. Der 1-Zoll-CMOS-Sensor, Aufnahmen in 4K mit bis zu 240 fps, 10-Bit D-Log und ein hoher Dynamikumfang machen die Kamera auch bei schwierigen Lichtverhältnissen interessant. Praktisch sind außerdem der drehbare Touchscreen, der verlustfreie 2-fach-Zoom, ActiveTrack 7.0 sowie der integrierte Speicher von 107 GB. Damit ist die Osmo Pocket 4 ein leichtes, flexibles Werkzeug für alle, die ohne großes Equipment hochwertige Bewegtbilder produzieren möchten. Doch lohnt sich der Kauf?

Wenn es weniger um technische Daten als um die praktische Kaufentscheidung geht, dann ist die DJI Osmo Pocket 3 vor allem die vernünftigere Wahl für alle, die eine sehr gute, kompakte Vlogging- und Alltagskamera suchen, ohne jedes neue Extra zu brauchen. Sie bietet bereits einen 1-Zoll-Sensor, 4K mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde, 3-Achsen-Stabilisierung und den drehbaren 2-Zoll-Touchscreen – also genau die Funktionen, die für Reisevideos, Familienaufnahmen, Social-Media-Clips und einfache Reportage-Situationen meist völlig ausreichen. Dazu kommt: Sie ist etwas leichter als die Pocket 4 und bleibt damit die etwas schlankere Immer-dabei-Kamera.

Die Osmo Pocket 4 lohnt sich dagegen vor allem für Nutzer, die häufiger und bewusster filmen, also etwa für ambitionierte >, Solo-Videografen oder Menschen, die regelmäßig unterwegs Inhalte produzieren. Ihr größter Vorteil ist nicht nur das Datenblatt, sondern die Summe kleiner Verbesserungen im Alltag: Sie filmt 4K mit bis zu 240 fps statt 120 fps, bietet laut DJI 14 Blendenstufen Dynamikumfang, 10-Bit D-Log, 107 GB internen Speicher, ein helleres 1000-Nit-Display und eine deutlich längere Laufzeit von bis zu 240 Minuten. Wer oft spontan dreht, längere Sessions aufnimmt oder stärker mit Slow Motion und Farbkorrektur arbeitet, bekommt damit einfach mehr Reserven.

Für viele Käufer läuft die Entscheidung deshalb auf eine einfache Frage hinaus: Willst du eine sehr gute Pocket-Kamera – oder die aktuell rundere Arbeitsmaschine? Wer hauptsächlich unkompliziert filmen will, bekommt mit der Pocket 3 schon sehr viel Kamera in sehr kleinem Format. Wer dagegen öfter an Grenzen stößt, etwa bei Akkulaufzeit, Displayhelligkeit, interner Speicherung oder bei besonders flüssigen Slow-Motion-Aufnahmen, fährt mit der Pocket 4 besser. Besonders der integrierte Speicher ist ein praktischer Unterschied: Bei der Pocket 3 bist du auf microSD angewiesen, bei der Pocket 4 kannst du sofort loslegen und zusätzlich trotzdem Karten verwenden.

Auch für unterschiedliche Nutzertypen lässt sich das gut zuspitzen: Für Urlaub, Familienmomente, Vlogs nebenbei und unkomplizierte Social-Media-Videos reicht die Pocket 3 sehr wahrscheinlich vollkommen aus. Für regelmäßige Content-Produktion, bezahlte Videoprojekte, intensivere Nachbearbeitung und mehr Aufnahmezeit am Stück ist die Pocket 4 die sinnvollere Investition. Dass DJI bei der Pocket 4 zusätzlich Funktionen wie ActiveTrack 7.0, intelligenteres Fokussieren, Gesture Control und neue Bedienelemente wie zwei zusätzliche Tasten hervorhebt, zeigt auch, dass sie klar stärker auf Creator mit etwas höherem Anspruch zielt.

Unterm Strich ist die Osmo Pocket 3 die bessere Wahl für Preisbewusste und alle, die sagen: Ich will einfach eine kleine, sehr gute Kamera. Die Osmo Pocket 4 ist die bessere Wahl für alle, die sagen: Ich filme häufig genug, dass mir mehr Tempo, mehr Ausdauer und mehr Komfort wirklich etwas bringen. Wenn der Preisunterschied für dich überschaubar ist und du die Kamera oft nutzt, spricht vieles für die Pocket 4. Wenn du eher gelegentlich filmst, ist die Pocket 3 wahrscheinlich der klügere Kauf.

Eine Sache, die mich wirklich begeistert an der Version 4 ist das Synchronisieren des Bildes bei 50 Herz. Ich filme viel in Ausstellungen oder Küchen und bei den 50 Herz-Lampen an der Decke, entsteht auf dem Bild ein lästiges Flimmern. Das ist mit der Osmo Pocket 4 endgültig vorbei. Nach zwei Sekunden ist das Bild sychronisiert und man kann bedenkenlos ohne Flimmern filmen.

Künftig verwende ich die Osmo Pocket 3 als Streaming-Kamera in meinem Studio und schließe sie über OBSBOT UVC to HDMI an mein ATEM über HDMI an. Ist zwar teuer, läuft aber perfekt.

Regional, nachhaltig, handwerklich: Gasthof Heinzinger im Slow Food Genussführer

6. Mai 2026

Der Gasthof Heinzinger in Rottbach wurde nach langer Wartezeit in den Slow Food Genussführer aufgenommen und erhält damit eine besondere Anerkennung für seine konsequente Ausrichtung auf regionale, nachhaltige und handwerklich erzeugte Lebensmittel. Die offizielle Urkundenverleihung fand am 1. Mai im Gasthof in Rottbach statt.

Überreicht wurde die Auszeichnung durch das Slow Food Convivium München, vertreten durch Sonja Wirtz und Jörg Kersten, an Küchenchef und Gastgeber Denis Michael Kleinknecht. Der Slow Food Genussführer stellt seit 2013 Gasthäuser und Restaurants vor, die nicht auf teure Spitzengastronomie setzen, sondern die Slow-Food-Grundsätze „gut, sauber, fair“ im Alltag umsetzen. Im Mittelpunkt stehen unverfälschtes Kochhandwerk, transparente Bezugsquellen, regionale Verankerung, der Verzicht auf Geschmacksverstärker und Convenience-Produkte sowie eine Küche, die Genuss und Verantwortung miteinander verbindet. Jeder der im Gasthof Heinzinger zu Gast sein darf, weiß diese Qualität zu schätzen. Hier die Verleihung:

Für den Gasthof Heinzinger ist die Aufnahme in den Genussführer eine Bestätigung seiner kulinarischen Linie. Denis Michael Kleinknecht ist seit sieben Jahren Mitglied der Slow Food Chef Alliance, einem Netzwerk von Köchinnen und Köchen, die sich den Werten von Slow Food verpflichtet fühlen. Die Mitglieder arbeiten mit lokalen und saisonalen Zutaten, pflegen eine enge Beziehung zu ihrer Region, geben kulinarisches Wissen weiter und setzen sich für den Erhalt des Lebensmittelhandwerks ein.
Genau diese Haltung prägt auch die Küche in Rottbach: Regionalität wird hier nicht als Schlagwort verstanden, sondern konkret gelebt – über kurze Wege, persönliche Beziehungen zu Erzeugern und eine bewusste Auswahl der Produkte.

Im Rahmen der Verleihung wurden kleine kulinarische Kostproben gereicht, die diese Philosophie anschaulich machen. Dazu gehören Spezialitäten vom Waldschaf, einem sogenannten Archepassagier. Das Fleisch stammt direkt aus Rottbach aus der Zucht von Ruth Strähuber und steht damit beispielhaft für eine Küche, die Herkunft, Handwerk und Geschmack miteinander verbindet. Ergänzt werden die Waldschaf-Spezialitäten durch Hanfprodukte aus der Region, die von Elisabeth und Franz Rottenkolber aus Purk stammen. In dieser Kombination zeigt sich Kleinknechts Anspruch, traditionelle regionale Produkte mit neuen kulinarischen Ansätzen zu verbinden. In der Fachpresse wurde der Küchenchef bereits als „der Hanfmann“ bezeichnet. Seine Haltung bringt er mit dem Satz auf den Punkt: „Hanf ist der Gamechanger – die Antwort auf komplexe Herausforderungen.“

Die Auszeichnung durch Slow Food würdigt damit nicht nur einen einzelnen Gasthof, sondern auch ein gastronomisches Konzept, das auf Zukunftsfähigkeit setzt. Der Gasthof Heinzinger zeigt, wie regionale Küche heute aussehen kann: bodenständig, handwerklich, transparent und zugleich offen für neue Ideen. Die Aufnahme in den Genussführer macht sichtbar, dass Qualität nicht allein über Luxus oder Inszenierung entsteht, sondern über Haltung, Herkunft und die Bereitschaft, Verantwortung für Lebensmittel, Erzeuger und Gäste zu übernehmen.