Wer heute durch die Münchner Altstadt schlendert, den Blick zum Alten Peter erhebt und einmal um den Chor der ehrwürdigen Peterskirche geht, entdeckt hoch oben in der Mauer ein unscheinbares Relikt vergangener Zeiten: eine eiserne Kanonenkugel. Tausende Menschen laufen täglich daran vorbei, ohne ihre Geschichte zu kennen. Dabei erzählt sie von einem Tag, an dem der Krieg plötzlich mitten in den Frieden einer Kirche eindrang.
Es war das Jahr 1796. Europa befand sich in den Wirren der Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich. München war in die militärischen Auseinandersetzungen hineingezogen worden. Österreichische Truppen beschossen die von französischen Soldaten besetzte Stadt vom Gasteig aus. Eine der abgefeuerten Kanonenkugeln verfehlte ihr eigentliches Ziel und durchschlug während eines Gottesdienstes ein Fenster der Peterskirche. Sie landete im Altarraum. Die Gläubigen gerieten in Panik und flohen aus der Kirche. Nur der Stadtpfarrer und seine Ministranten sollen unbeirrt geblieben sein und die Messe ruhig bis zum Ende gefeiert haben. Erstaunlicherweise wurde niemand verletzt.
Anstatt die Kugel einzuschmelzen oder zu entsorgen, entschied man sich später für eine ungewöhnliche Form des Erinnerns. Die eiserne Kugel wurde in das Fenstersims der Chorapsis eingemauert. Dort steckt sie bis heute – nicht als Kriegsdenkmal im klassischen Sinn, sondern als stummer Zeuge dafür, wie zerbrechlich Frieden sein kann und wie eng Hoffnung und Gefahr manchmal beieinanderliegen.
Der Alte Peter selbst ist weit älter als diese Geschichte. Als älteste Pfarrkirche Münchens begleitet er die Stadt seit mehr als acht Jahrhunderten. Generationen von Münchnerinnen und Münchnern wurden hier getauft, heirateten oder nahmen Abschied von ihren Angehörigen. Kriege, Brände und Zerstörungen hat die Kirche überstanden – zuletzt auch die schweren Bombenschäden des Zweiten Weltkriegs, nach denen sie liebevoll wieder aufgebaut wurde. Die kleine Kanonenkugel fügt sich in diese lange Geschichte ein wie eine Narbe, die zwar geblieben ist, aber nicht mehr schmerzt.
Vielleicht liegt gerade darin ihre besondere Wirkung. Sie erinnert nicht an einen großen Sieg oder eine berühmte Schlacht. Sie erzählt von einem ganz gewöhnlichen Gottesdienst, der jäh unterbrochen wurde, von Menschen, die erschraken, und von einem Pfarrer, der Ruhe bewahrte. Wer heute unter ihr steht, hört keine Kanonen mehr, sondern das Glockengeläut des Alten Peters und das Stimmengewirr der Münchner Altstadt. Die kleine eiserne Kugel ist damit weit mehr als ein kurioses Detail – sie ist ein stilles Stück Stadtgeschichte, das seit über 230 Jahren davon erzählt, wie kostbar Frieden ist.
Bein Aufräumen entdeckte ich als Godzilla-Fan den Comic Pacific Rim – Geschichten aus dem Jahre Null, der 2013 erschienen ist. Ich hatte ihn mir damals gekauft und ungelesen ins Archiv gestellt, fragt nicht warum. Jetzt fiel er mir wieder in die Hände und kopfschüttelnd über meine Vergesslichkeit freute ich mich auf eine monstermäßige Lektüre. Leider ist der Comic ausverkauft, aber vielleicht findet ihr ihn noch auf Flohmärkten oder Börsen.
Ich sag es gleich: Ich mag die Monsterfilme, die Comics und die Scores – allen voran die Godzilla-Filme. Als die Pacific Rim-Filme ins Kino kamen, genoss ich das Pop Corn-Kino mit viel Action. Der vorliegende Comic ist eine Geschichte aus dem Jahre Null, also die offizielle Vorgeschichte zum damaligen Filmevent.
Guillermo del Toros Pacific Rim war nie nur ein Film über riesige Roboter und gigantische Monster. Hinter den spektakulären Kämpfen gegen die Kaiju steckte eine überraschend ernsthafte Geschichte über Opferbereitschaft, Zusammenarbeit und den Überlebenswillen der Menschheit. Genau dort setzt der Comic Pacific Rim – Geschichten aus dem Jahr Null an. Anstatt lediglich bekannte Actionszenen nachzuerzählen, erweitert die offizielle Vorgeschichte das Universum sinnvoll und verleiht vielen Figuren und Ereignissen zusätzliche Tiefe. Der Band wurde von Drehbuchautor Travis Beacham gemeinsam mit Guillermo del Toro entwickelt und erzählt die Entstehung des Jaeger-Programms sowie die ersten Jahre des Kampfes gegen die Kaiju.
Besonders gelungen ist die erzählerische Struktur. Die Handlung folgt nicht einer klassischen Actiongeschichte, sondern nutzt Interviews und Rückblicke verschiedener Figuren, um den Beginn der Kaiju-Invasion aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Dadurch entsteht fast der Eindruck einer dokumentarischen Chronik der Apokalypse. Die politischen Diskussionen um den Bau der Jaeger, die technischen Probleme der ersten Maschinen und die psychologischen Belastungen der Piloten erhalten deutlich mehr Raum als im Film. Gerade diese ruhigeren Momente machen den Comic überraschend stark, weil sie den gigantischen Materialschlachten ein menschliches Fundament verleihen.
Die Zeichnungen stammen von mehreren Künstlern, darunter Sean Chen, Yvel Guichet und Pericles Junior. Trotz der unterschiedlichen Handschriften wirkt der Band erstaunlich homogen. Die Kaiju besitzen eine beeindruckende Wucht und Größe, während die Jaeger glaubwürdig als tonnenschwere Maschinen inszeniert werden. Die Farbgebung unterstützt den oft düsteren Grundton, ohne die Übersichtlichkeit der Action zu beeinträchtigen. Besonders in den großformatigen Panels wird deutlich, wie gut sich das monumentale Design des Films in das Medium Comic übertragen lässt.
Erfreulich ist zudem, dass sich Geschichten aus dem Jahr Null nicht allein auf spektakuläre Kämpfe verlässt. Die eigentlichen Gegner sind häufig Angst, Zweifel und persönliche Traumata. Der Comic zeigt eindrucksvoll, dass die Menschheit nicht nur gegen die Kaiju kämpfen muss, sondern auch gegen politische Trägheit, technische Rückschläge und menschliche Schwächen. Dadurch gewinnt die Geschichte eine emotionale Dimension, die vielen Filmadaptionen als Comic fehlt.
Kleinere Schwächen ergeben sich aus der episodischen Erzählweise. Manche Figuren bleiben trotz der zusätzlichen Hintergrundinformationen etwas blass, und durch die wechselnden Zeichner verändert sich der visuelle Stil gelegentlich spürbar. Wer ausschließlich pausenlose Monsterkämpfe erwartet, dürfte zudem überrascht sein, wie viel Platz Dialogen und Charakterentwicklung eingeräumt wird.
Gerade darin liegt jedoch die größte Stärke des Bandes. Pacific Rim – Geschichten aus dem Jahr Null versteht sich nicht als bloße Ergänzung zum Film, sondern als eigenständige Science-Fiction-Geschichte über den Beginn einer globalen Katastrophe. Der Comic erweitert die Mythologie sinnvoll, macht bekannte Figuren greifbarer und vertieft die Welt von Pacific Rim erheblich. Für Fans des Films gehört er nahezu zur Pflichtlektüre – und selbst Leser, die den Film nicht kennen, erhalten eine spannende Mischung aus Militär-Science-Fiction, Katastrophendrama und klassischem Kaiju-Abenteuer.
Pacific Rim – Geschichten aus dem Jahr Null ist einer der gelungensten Film-Prequel-Comics der vergangenen Jahre. Statt sich in reiner Action zu verlieren, erzählt der Band von den Anfängen einer Menschheit im Ausnahmezustand und schafft es, den Mythos der Jaeger mit glaubwürdigen Figuren und einer überraschend vielschichtigen Handlung zu bereichern. Wer Guillermo del Toros Vision liebt, findet hier eine ebenso spannende wie atmosphärische Ergänzung zum Film.
In der Zeit vor Corona war ich sehr viel auf Reisen. Nun bin ich die meiste Zeit zu Hause und verschlinge Bücher, gehe mehr virtuell auf Reisen oder nehme den Zug. Das Flugzeug nehme ich nur noch ganz selten. Jetzt habe ich einen Reiseführer aus alter Zeit gefunden, aus ganz alter Zeit. Es ist ein ganz besonderer Reiseführer aus Japan, ein Land, das ich gerne einmal bereisen möchte, ja mit dem Flugzeug.
Der Reiseführer beschreibt die Rasthäuser von der Reise von Tokio nach Kyoto. Nun das wäre originell, aber nicht der Bringer. Aber der Reiseführer stammt aus dem Jahr 1835 als Tokio noch Edo hieß. Die Bilder sind eindrucksvolle Holzschnitte, die der Taschen Verlag in einem Buch Die neunundsechzig Stationen des Kisokaido aufgelegt hat. Meine Frau überraschte mich mit diesem XXL-Buch, das mich in eine andere Zeit entführte. Der Weg durch Japan wurde Anfang des 17. Jahrhunderts vom damaligen Herrscher Tokugawa Ieyasu angelegt. Auf dem mühsamen Weg von Edo (dem heutigen Tokio) nach Kyoto ließ er in regelmäßigen Abständen Rastplätze einrichten, an denen Gasthäuser, Läden und Restaurants den erschöpften Reisenden Kost und Logis boten.
Ein zentrales Motiv der gesamten Serie ist das Reisen. Während Reisen in Europa des 19. Jahrhunderts häufig als Abenteuer oder Entdeckungsreise dargestellt wurde, vermittelt der Kisokaidō einen anderen Eindruck. Der Weg ist Teil des Alltags. Händler transportieren Waren, Beamte reisen zwischen den Provinzen, Pilger ziehen zu Tempeln, Familien sind unterwegs. Dadurch entsteht eine Erzählung über Bewegung, Begegnung und Vergänglichkeit – Themen, die tief in der japanischen Ästhetik verwurzelt sind.
Im Jahre 1835 erhielt der Holzschnitzer Keisai Eisen den Auftrag, die Reise auf der Kiso-Straße in einer Reihe von Schnitten abzubilden. Nachdem er 24 Holzschnitte fertiggestellt hatte, wurde Eisen durch Utagawa Hiroshige abgelöst, der die Reihe von 70 Holzschnitten schließlich 1843 vollendete.
Besonders bemerkenswert ist die unterschiedliche Handschrift der beiden Künstler. Keisai Eisen richtet seinen Blick stärker auf den Menschen. Seine Blätter wirken lebendig, manchmal sogar theatralisch. Er interessiert sich für Charaktere, Mode und das geschäftige Leben in den Stationen. Seine Figuren stehen im Mittelpunkt, während die Landschaft eher den Rahmen bildet.
Utagawa Hiroshige verfolgt dagegen einen anderen Ansatz. Bei ihm werden Landschaften zum eigentlichen Protagonisten. Berge, Flüsse, Wälder, Regen, Schnee oder Nebel bestimmen die Bildwirkung. Die Menschen erscheinen häufig klein und fast beiläufig, wodurch die Natur eine geradezu spirituelle Präsenz erhält. Dieser Blick auf die Landschaft beeinflusste später zahlreiche europäische Künstler des Impressionismus und Postimpressionismus, darunter Monet und Van Gogh.
Sowohl Eisen als auch Hiroshige waren renommierte Holzschnittkünstler. In den Bildern lassen beide ihre charakteristische Handschrift erkennen, ohne dabei den harmonischen Gesamteindruck zu verraten. Von der belebten Ausgangsstation Nihonbashi bis zur Festungsstadt Iwamurata wählte Eisen in seinen Bildern gedecktere Farben, zeichnet sich jedoch durch die Darstellung von Personen – vor allem glamourösen Frauen – aus und schwelgt in Momentaufnahmen des Treibens entlang der Strecke, vom Beschlagen eines Pferdes bis zum Fegen von Reis. Hiroshige demonstriert mit atmosphärischen Szenen, wie souverän er die Landschaftsdarstellung beherrscht, von den friedvollen Ufern des Ota bis zum Furcht einflößenden Wada-Pass und einem Aufstieg zwischen Yawata und Mochizuki im Mondschein.
Die Sammlung Die neunundsechzig Stationen des Kisokaidō stellt nicht nur einen Höhepunkt der Holzschnittkunst dar – mit kühnen Kompositionen und experimentellem Einsatz von Farbe –, sondern bildet auch einen reizvollen Bildteppich vom Japan des 19. Jahrhunderts, lange bevor die Industrialisierung über das Reich der aufgehenden Sonne hereinbrach. Die XL-Ausgabe von Taschen zeigt das einzige bekannte Exemplar dieser Serie, das fast vollständig aus seltenen Erstdrucken besteht, und lässt so den Bilderzyklus in großem Format und gebührender Pracht wiederauferstehen. Das Buch wurde von Andreas Marks und Rhiannon Paget aufbereitet und herausgegeben. Andreas Marks studierte ostasiatische Kunstgeschichte an der Universität Bonn und wurde an der Universität Leiden mit einer Dissertation in Japanologie zu Schauspielerdrucken des 19. Jahrhunderts promoviert. Von 2008 bis 2013 war Marks Direktor und Chefkurator des Clark Center for Japanese Art im kalifornischen Hanford. Seit 2013 ist er Mary Griggs Burke Curator of Japanese and Korean Art, Leiter der Abteilung für japanische und koreanische Kunst sowie Direktor des Clark Center for Japanese Art am Minneapolis Institute of Art. Rhiannon Paget studierte an der Universität der Künste in Tokio und promovierte über japanische Kunstgeschichte an der University of Sydney. Sie ist Kuratorin für asiatische Kunst am John & Mable Ringling Museum of Art in Sarasota, Florida, und hat Studien zu japanischen Holzschnitten, Textilien, Brettspielen und Nihonga veröffentlicht.
Der von Andreas Marks und Rhiannon Paget herausgegebene Bildband ordnet jedes Blatt kunsthistorisch und geografisch ein. Die hochwertige Reproduktion – insbesondere in der großformatigen Ausgabe – erlaubt es, Details der Drucktechnik und Farbgebung zu erkennen, die in kleineren Veröffentlichungen oft verloren gehen. Damit wird das Buch selbst zu einem Kunstobjekt und nicht nur zu einem Nachschlagewerk. Die neunundsechzig Stationen des Kisokaidō“ ist kein gewöhnlicher Bildband, sondern eine visuelle Reise durch das Japan des 19. Jahrhunderts. Die Verbindung aus Landschaft, Alltag, Architektur und menschlichen Begegnungen macht die Serie zu einem einzigartigen Zeitdokument. Während Eisen das Leben entlang der Straße mit erzählerischer Lebendigkeit einfängt, verwandelt Hiroshige dieselbe Route in eine poetische Meditation über Natur, Jahreszeiten und Vergänglichkeit. Gerade diese Balance zwischen dokumentarischer Genauigkeit und künstlerischer Verdichtung erklärt, warum die Serie bis heute als einer der Höhepunkte der japanischen Holzschnittkunst gilt und weltweit zu den bedeutendsten Werken der Ukiyo-e-Tradition gezählt wird.
Im Podcast „Nah dran“ des PresseClub München geht es nicht um fertige Schlagzeilen, sondern um die Frage, wie sie entstehen. In der aktuellen Folge spricht Matthias J. Lange mit Hubertus Klingsbögl, stellvertretender Pressesprecher der Hanns-Seidel-Stiftung. Beide gehören dem Vorstand des PresseClub München an. Das Gespräch führt mitten hinein in ein Berufsleben an der Schnittstelle von Journalismus, politischer Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit – und zugleich in die Frage, was gute Pressearbeit heute leisten muss.
Klingsbögls Weg in die Medien begann früh. Schon als Schüler interessierte er sich für Hörfunk und Journalismus. In der Unterstufe des Gymnasiums galt er nach eigener Erinnerung als jemand mit „den besten Connections zum Bayerischen Rundfunk“, weil er für den Medienunterricht Material der Rundfunkwerbung organisiert hatte. Später führte dieser frühe Enthusiasmus tatsächlich ins Radio. Anfang der 1990er Jahre gründete er mit Freunden einen Lokalsender mit, der zunächst Studio 1 FM hieß und später als Radio Alpenwelle bekannt wurde. Möglich wurde dies durch die neuen Strukturen des privaten Rundfunks in Bayern. „Das war irgendwie so die Goldgräberzeit“, erinnert sich Klingsbögl. Der private Lokalfunk habe damals eine ähnliche Aufbruchsstimmung erzeugt wie später die digitalen Plattformen – nur eben regional verwurzelt. Hier der Podcast:
Bei Radio Alpenwelle stieg Klingsbögl in die Redaktion ein und wurde Redaktionsleiter. Es war klassischer Lokaljournalismus im Radio, aber mit besonderer Nähe zur Landespolitik: Edmund Stoiber wurde gerade Ministerpräsident, Manfred Fleischer war Oppositionsführer der Grünen im Landtag. „Das war ja die Landespolitik im Lokalen eigentlich“, sagt Klingsbögl. Lokalradio bedeutete damals vor allem Live-Arbeit. Was gesagt war, war draußen. Vorproduktionen, wie sie heute üblich sind, gab es kaum. Diese Spontanität habe ihn geprägt, aber auch die Verantwortung für das gesprochene Wort. Später arbeitete er unter anderem beim Liechtensteinischen Rundfunk in der Nachrichtenredaktion – „Journalismus in einer Monarchie“, wie er es beschreibt. In einem Land mit rund 40.000 Einwohnern habe man am Staatsfeiertag auch direkt mit dem Fürsten über Politik, Demokratie und das Rechtssystem sprechen können.
Bemerkenswert ist, dass Klingsbögl keinen klassischen journalistischen Ausbildungsweg ging. Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen. Für ihn ist das kein Widerspruch: Der Zugang zu Medien müsse auch abseits einer Fachausbildung möglich sein. „Quereinstiege sind vom Grundgesetz gewollt und durchaus möglich“, sagt er. Entscheidend seien Neugier, Einordnungskraft und Glaubwürdigkeit.
Genau diese Glaubwürdigkeit ist für Klingsbögl bis heute der zentrale Begriff – inzwischen nicht mehr als Journalist, sondern als Kommunikator einer politischen Stiftung. Gute Pressearbeit müsse schnell, verlässlich und faktenbasiert sein. „Ohne Glaubwürdigkeit auf Dauer ist es schwierig zu bestehen“, betont er. Als Pressesprecher sei man Dienstleister für Journalistinnen und Journalisten, müsse aber zugleich die eigene Institution schützen, Sachverhalte erklären und manchmal auch verhindern, dass unzutreffende oder einseitige Informationen in die Öffentlichkeit gelangen. Das habe nichts mit „Nebelkerzen“ zu tun, sondern mit verantwortlicher Einordnung.
Zwischen Journalismus und Pressearbeit sieht Klingsbögl vor allem einen Perspektivwechsel. Journalistinnen und Journalisten suchten die gute Geschichte, Pressestellen müssten Fakten liefern, abwägen und reflektieren. Während Tageszeitungen unter hohem Zeitdruck arbeiten, könne eine Pressestelle Themen oft länger vorbereiten und in ein Agenda-Setting einordnen. Trotzdem bleibe die Anforderung hoch: „Die Fakten müssen immer stimmen und zwar nachprüfbar.“ Lügen oder Schummeln gehe nicht. Die Kunst der Darstellung dürfe sein, aber sie müsse erklärbar bleiben.
Eine wichtige Rolle spielt für ihn das Vertrauen zwischen Pressestellen und Redaktionen. Klingsbögl erzählt dazu eine Erfahrung aus seiner Lokalradiozeit: Ein Kripo-Chef habe ihm anvertraut, dass am nächsten Morgen eine Hausdurchsuchung stattfinde, aber noch keine Details genannt. Der Journalist wusste also mehr, als er senden durfte. Erst am nächsten Morgen nach der Durchsuchung gab es die Informationen für die Berichterstattung. „Diese zwölf, fünfzehn Stunden, das ist die Vertrauensspanne“, sagt Klingsbögl. Wer dieses Vertrauen missbrauche, bekomme solche Informationen nur einmal.
Das Verhältnis zu Journalistinnen und Journalisten habe sich in den vergangenen Jahren verändert. Früher hätten Redaktionen nach einer Pressemitteilung häufiger angerufen, nachgefragt, Hintergründe recherchiert und eigene Zusatzinformationen gesucht. Heute werde eine Mitteilung oft nur noch gekürzt und übernommen. „Dieses Feedback und dass man nochmal darüber spricht, das ist eher der Einzelfall mittlerweile“, beobachtet Klingsbögl. Das sei keine gute Entwicklung, aber Realität.
Auch die Instrumente der Pressearbeit haben sich verändert. Die klassische Pressemitteilung ist für Klingsbögl weiterhin wichtig, weil sie fundiert und verlässlich ist. Doch Social Media habe sie in der Geschwindigkeit überholt. Kurze Sätze, schnelle Reaktionen und direkte Ansprache prägen heute die Kommunikation. Institutionen wie die Hanns-Seidel-Stiftung sind längst nicht mehr nur Zulieferer für Medien, sondern selbst Sender. Mit digitalen Formaten kann die Stiftung etwa Auslandsmitarbeiter aus Asien, Lateinamerika oder Afrika zusammenschalten und politische Bildung international vermitteln. „Wir können das selbst in die Hand nehmen“, sagt Klingsbögl.
Gleichzeitig warnt er vor Oberflächlichkeit. Die Verkürzung in sozialen Medien bringe die Gefahr mit sich, dass Komplexität verloren geht. Gerade in Zeiten von Desinformation, hybrider Kriegsführung und Angriffen auf die Demokratie sei Faktenorientierung entscheidend. Klingsbögl erinnert an den bekannten Slogan von Helmut Markwort: „Fakten, Fakten, Fakten“. Dieser Satz habe an Aktualität nichts verloren. „Das zählt genauso für soziale Medien, wie das für den klassischen Journalismus immer gegolten hat“, sagt er.
Als Vertreter einer politischen Stiftung betont Klingsbögl zugleich die Rolle von Werten. Die Hanns-Seidel-Stiftung stehe auf christlicher Grundlage und im christlich-sozialen Wertefeld. Wer dort anrufe, wisse, dass er es mit einem Tendenzbetrieb zu tun habe. Journalistinnen und Journalisten erwarteten von einer solchen Stiftung keine beliebige Position, sondern eine konservative Einordnung.
Der PresseClub München spielt für Klingsbögl eine wichtige Rolle als Ort des Austauschs. Er beschreibt ihn als Plattform zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus, als Raum, in dem man abseits des Tagesdrucks miteinander sprechen kann. Besonders wichtig sei dabei der Nachwuchs. Junge Journalistinnen, Journalisten und Kommunikatoren seien zwar digital hervorragend vernetzt, müssten aber auch persönliche Begegnung lernen. Klingsbögl nennt dafür einen passenden Begriff: „Networking in natura“. Man müsse sich begegnen, von Angesicht zu Angesicht. Digitale Netzwerke seien wichtig, aber sie könnten persönliche Kontakte nicht ersetzen.
Für junge Journalistinnen und Journalisten nennt Klingsbögl vor allem zwei Eigenschaften: Neugier und Geduld. Nicht alles lasse sich sofort recherchieren, nicht jede Information liege fertig auf dem Tisch. Für angehende Pressesprecherinnen und Pressesprecher sei dagegen vor allem Krisenkommunikation die Nagelprobe. Wer in die Pressearbeit wolle, müsse „den Überblick und die Nerven behalten“. Gerade wenn eine Lage unübersichtlich werde, brauche es Menschen, die ruhig bleiben.
Am Ende des Gesprächs steht noch einmal der Lokaljournalismus im Mittelpunkt. Für Klingsbögl ist er unverzichtbar, weil Menschen wissen wollen, was vor ihrer Haustür passiert. Die große offene Frage sei allerdings die Finanzierung. Wenn Bürgerinnen und Bürger lokale Berichterstattung wollten, müssten sie möglicherweise auch bereit sein, dafür zu bezahlen. Ohne tragfähige Modelle werde unabhängiger Lokaljournalismus schwer zu halten sein.
Eine lehrreiche Erfahrung aus seiner Reporterzeit fasst Klingsbögl mit dem Satz zusammen: „Man trifft sich zweimal.“ Als Journalist berichtete er einst über die bevorstehende Schließung einer Tochtergesellschaft, nachdem ihm der Vorstand einer Holding diese Information gegeben hatte. Die Meldung stimmte, doch der Betriebsratsvorsitzende war verärgert. Zwei Wochen später brannte es in derselben Firma – und ausgerechnet dieser Betriebsratsvorsitzende war als Feuerwehrchef vor Ort. Informationen bekam Klingsbögl diesmal keine. Für ihn blieb das eine prägende Lektion über Vertrauen, Verantwortung und die Folgen journalistischer Entscheidungen.
So zeigt das Gespräch im Podcast „Nah dran“, wie eng Journalismus und Pressearbeit miteinander verbunden sind – und wie sehr beide Seiten auf Verlässlichkeit angewiesen bleiben. Schlagzeilen entstehen nicht nur durch schnelle Informationen, sondern durch Vertrauen, Erfahrung, Einordnung und Fakten. Genau darin liegt für Hubertus Klingsbögl bis heute der Kern professioneller Kommunikation
Ich liebe das Kino und ich freue mich sehr, das im Scala Fürstenfeldbruck meine Matineen für das zweite Halbjahr ankündigen darf. Scala-Geschäftsführer Markus Schmölz und ich haben ziemlich gerungen ein ansprechendes cineastisches Programm auf die Beine zu stellen.
Wir starten jetzt auch eine Reihe von Science-Fiction-Filmen. Die Wunschliste ist lang und die groben Planungen für das erste Halbjahr 2027 laufen an. Es ist aber natürlich alles abhängig von der Resonanz des Publikums. Unsere Zuschauer entscheiden, ob die Wahl für das zweite Halbjahr ansprechend ist. Ich bin gespannt. Also es geht los. Der Kartenvorverkauf ist gestartet.
Matinee: Der Herr der Ringe Am Sonntag, 9. August von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
Der Zeichentrickfilm „Der Herr der Ringe“ von Ralph Bakshi aus dem Jahr 1978 ist eine eigenständige und bis heute interessante Umsetzung von J. R. R. Tolkiens Fantasy-Epos. Die Handlung folgt Frodo Beutlin, der den Einen Ring aus dem Auenland fortbringen muss, um ihn vor dem Zugriff Saurons zu schützen. Gemeinsam mit seinen Gefährten beginnt er eine gefährliche Reise durch Mittelerde. Besonders sehenswert ist die besondere Bildsprache des Films, die klassische Animation mit real gefilmten Bewegungsabläufen verbindet. Dadurch entsteht eine ungewöhnliche, stellenweise düstere Atmosphäre, die gut zur Bedrohung durch Mordor passt. Der Film zeigt zentrale Stationen der Geschichte – von Bruchtal über die Minen von Moria bis zu den Kämpfen gegen Sarumans Truppen – und bietet einen spannenden Zugang zu Tolkiens Welt. Für Fantasy-Fans und Liebhaber klassischer Animationsfilme ist diese Fassung eine lohnende Wiederentdeckung.
Matinee: Ferris macht blau Am Sonntag, 30. August von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Ferris macht blau“ ist eine charmante und bis heute äußerst unterhaltsame Komödie aus den 1980er-Jahren. Im Mittelpunkt steht Ferris Bueller, ein einfallsreicher Schüler, der einen freien Tag vortäuscht und gemeinsam mit seinem besten Freund Cameron und seiner Freundin Sloane Chicago unsicher macht. Während der Schuldirektor alles daransetzt, Ferris zu überführen, entwickelt sich der Tag zu einem turbulenten Ausflug voller Witz, Tempo und überraschender Momente. Der Film überzeugt durch seinen leichten Ton, pointierte Dialoge und eine Hauptfigur, die mit viel Charme und Selbstbewusstsein durch die Geschichte führt. Besonders gelungen ist die Mischung aus jugendlicher Rebellion, Slapstick und warmherziger Freundschaftsgeschichte. „Ferris macht blau“ ist damit ein echter Komödienklassiker, der auch heute noch frisch wirkt und beste Unterhaltung für alle bietet, die intelligente, gut gelaunte Filmkomödien schätzen.
Matthew Broderick, Mia Sara, and Alan Ruck publicity portrait for the film ‚Ferris Bueller’s Day Off‘, 1986. (Photo by Paramount/Getty Images)
Matinee: Erdbeben Am Sonntag, 20. September von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Erdbeben“ ist ein packender Katastrophenfilm aus den 1970er-Jahren, der das Genre mit eindrucksvollen Bildern und großer Spannung prägt. Im Mittelpunkt steht Los Angeles, das von einem schweren Beben erschüttert wird. Der Film begleitet verschiedene Menschen, deren Wege sich vor und nach der Katastrophe kreuzen – darunter Architekten, Rettungskräfte und ganz normale Bürger, die plötzlich um ihr Überleben kämpfen müssen. Besonders wirkungsvoll ist die Mischung aus persönlichem Drama, spektakulären Zerstörungsszenen und klassischer Spannungserzählung. „Erdbeben“ setzt auf große Schauwerte, ein prominentes Ensemble und die für seine Zeit beeindruckende Inszenierung der Naturgewalt. Dadurch entsteht ein intensiver Filmabend, der Fans klassischer Katastrophenfilme ebenso anspricht wie Zuschauer, die spannendes Unterhaltungskino mit nostalgischem Flair schätzen.
Matinee: Starship Troopers Am Sonntag, 4. Oktober von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Starship Troopers“ ist ein temporeicher Science-Fiction-Film, der actionreiches Unterhaltungskino mit satirischen Elementen verbindet. Im Mittelpunkt steht eine futuristische Gesellschaft, in der junge Menschen zum Militärdienst ermutigt werden, um gegen eine außerirdische Insektenrasse zu kämpfen. Der Film folgt Johnny Rico und seinen Freunden auf ihrem Weg von der Ausbildung bis zu brutalen Einsätzen auf fremden Planeten. Besonders sehenswert ist die Mischung aus spektakulären Effekten, intensiven Kampfszenen und einer bewusst überzeichneten Darstellung von Militär, Propaganda und Heldentum. „Starship Troopers“ bietet nicht nur packende Science-Fiction-Action, sondern auch eine bissige Gesellschaftssatire, die dem Film bis heute seinen besonderen Reiz gibt. Für Fans von genrebewusstem, provokantem und visuell eindrucksvollem Kino ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung.
Matinee: Ein Fressen für die Geier Am Sonntag, 11. Oktober von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Ein Fressen für die Geier“ ist ein unterhaltsamer Western mit Abenteuercharakter, der klassische Genreelemente mit Humor und ungewöhnlichen Figuren verbindet. Im Mittelpunkt steht der Söldner Hogan, der in Mexiko auf eine vermeintliche Nonne trifft. Gemeinsam geraten sie in eine gefährliche Mission während der französischen Besatzung – mit überraschenden Wendungen, rauem Charme und pointierten Dialogen. Besonders reizvoll ist das Zusammenspiel der Hauptfiguren Clint Eastwood und Shirley MacLaine, die sich zunächst misstrauisch begegnen, aber nach und nach zu einem schlagkräftigen Duo werden. „Ein Fressen für die Geier“ überzeugt durch seine Mischung aus Spannung, lakonischem Witz und klassischer Westernatmosphäre. Für Freunde des Genres ist der Film eine sehenswerte Wiederentdeckung mit starken Darstellern und einem angenehm eigenständigen Ton.
Matinee: The Fog – Nebel des Grauens Am Sonntag, 1. November von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„The Fog – Nebel des Grauens“ ist ein atmosphärischer Horrorklassiker von John Carpenter, der seine Spannung weniger aus grellen Schockeffekten als aus Stimmung, Andeutung und unheimlicher Erwartung bezieht. Im Mittelpunkt steht die Küstenstadt Antonio Bay, die kurz vor ihrem Jubiläum von einem geheimnisvollen Nebel heimgesucht wird. Mit ihm kehrt ein dunkles Kapitel aus der Vergangenheit zurück – und eine tödliche Bedrohung nähert sich der Stadt. Besonders wirkungsvoll ist die dichte, maritime Atmosphäre des Films: Leuchtturm, Küste, nächtliche Straßen und der langsam heranziehende Nebel erzeugen eine stetig wachsende Spannung. „The Fog – Nebel des Grauens“ überzeugt durch seine klassische Inszenierung, den prägnanten Soundtrack und seine unheilvolle Stimmung. Für Freunde des gepflegten Gruselkinos ist der Film eine sehenswerte Wiederentdeckung und ein starker Vertreter des atmosphärischen Horrors.
Matinee: Die Wildgänse kommen Am Sonntag, 15. November von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Die Wildgänse kommen“ ist ein spannender Abenteuer- und Kriegsfilmklassiker, der mit einem starken Ensemble, klarer Dramaturgie und viel Spannung überzeugt. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe erfahrener Söldner, die den Auftrag erhält, einen afrikanischen Politiker aus der Gefangenschaft zu befreien. Was zunächst als präzise geplante Mission beginnt, entwickelt sich bald zu einem gefährlichen Überlebenskampf. Besonders sehenswert ist das Zusammenspiel der markanten Hauptdarsteller, darunter Richard Burton, Roger Moore, Richard Harris und Hardy Krüger. „Die Wildgänse kommen“ verbindet klassische Action, militärische Spannung und persönliche Konflikte zu einem packenden Film mit rauem Ton und nostalgischem Abenteuerflair. Für Freunde großer Ensemblefilme und klassischer Spannungskinos ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung.
Matinee: Blade Runner Am Sonntag, 29. November von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Blade Runner“ ist ein stilprägender Science-Fiction-Klassiker, der düstere Zukunftsvision, Kriminalfilm und philosophische Fragen eindrucksvoll verbindet. Im Mittelpunkt steht Rick Deckard, ein sogenannter Blade Runner, der in einem verregneten, neonhellen Los Angeles des Jahres 2019 künstlich erschaffene Menschen – sogenannte Replikanten – aufspüren soll. Doch seine Mission führt ihn zunehmend an die Grenzen zwischen Menschlichkeit, Erinnerung und künstlichem Leben. Besonders sehenswert ist die einzigartige Bildsprache des Films: Großstadt, Schatten, Dauerregen, Werbetafeln und elektronische Musik schaffen eine dichte Atmosphäre, die bis heute viele Science-Fiction-Filme geprägt hat. „Blade Runner“ überzeugt durch seine starke Inszenierung, seine nachdenkliche Grundstimmung und die faszinierende Frage, was einen Menschen eigentlich ausmacht. Für Freunde anspruchsvoller Science-Fiction ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung und ein Meilenstein des Genres.
Matinee: Dark Star Am Sonntag, 6. Dezember von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Dark Star“ ist ein ungewöhnlicher Science-Fiction-Film, der Weltraumabenteuer, schwarzen Humor und philosophische Absurdität auf sehr eigenständige Weise verbindet. Im Mittelpunkt steht die Besatzung des Raumschiffs Dark Star, die seit Jahren durchs All reist, um instabile Planeten zu zerstören. Der Alltag an Bord ist geprägt von technischer Überforderung, Langeweile, skurrilen Zwischenfällen und zunehmender Erschöpfung. Besonders sehenswert ist der lakonische Ton des Films, der klassische Science-Fiction-Motive bewusst gegen den Strich bürstet. „Dark Star“ überzeugt durch seinen trockenen Humor, seine originellen Ideen und den Charme einer frühen Low-Budget-Produktion von John Carpenter und Dan O’Bannon. Für Freunde schräger Science-Fiction und kultiger Genreklassiker ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung.
Matinee: Auf dem Highway ist die Hölle los Am Sonntag, 27. Dezember von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Auf dem Highway ist die Hölle los“ ist eine turbulente Actionkomödie mit hohem Tempo, viel Situationskomik und einem großen Staraufgebot. Im Mittelpunkt steht ein illegales Autorennen quer durch die USA, bei dem sehr unterschiedliche Teilnehmer mit allen Tricks versuchen, als Erste ins Ziel zu kommen. Dabei geraten sie in aberwitzige Verfolgungsjagden, Täuschungsmanöver und komische Zwischenfälle.
Besonders unterhaltsam ist die Mischung aus rasantem Roadmovie, Slapstick und lockerem Ensemblefilm. „Auf dem Highway ist die Hölle los“ lebt von seinem unbeschwerten Ton, den exzentrischen Figuren und dem nostalgischen Charme des Unterhaltungskinos der frühen 1980er-Jahre. Für Freunde klassischer Actionkomödien ist der Film eine vergnügliche Wiederentdeckung mit viel Tempo und guter Laune.
Gutes Brot ist mehr als eine Beilage. Es ist Handwerk, Geduld, Erfahrung – und für viele Kundinnen und Kunden längst wieder ein bewusst gewähltes Genussmittel. Darüber sprach Matthias Lange im Podcast der Bäckerei Konditorei Martin Reicherzer mit Bäckermeister Martin Reicherzer in der Backstube in Fürstenfeldbruck.
Für Reicherzer ist klar: Gutes Brot war eigentlich nie wirklich aus der Mode. Verändert habe sich vor allem die Haltung der Verbraucher. „Man merkt ganz einfach, dass Brot bewusster gegessen wird heutzutage“, sagt der Bäckermeister. Viele Menschen kauften heute nicht mehr Brot in Masse, sondern achteten stärker auf Qualität. Brot sei für viele nicht mehr bloß ein Grundnahrungsmittel, „sondern eigentlich ein Genussmittel“. Und wer Genuss wolle, so Reicherzer selbstbewusst, „der kann den kaufen bei uns“. Hier der Podcast.
Der Unterschied zwischen handwerklich gebackenem Brot und industriell hergestellter Ware beginnt für ihn bereits beim Teig. Industriebrot sei natürlich günstiger, räumt Reicherzer ein. Doch der Preis sage nicht alles. In der industriellen Produktion müsse der Teig vor allem „maschinengängig“ sein. Das bedeute: „Da wird der Teig an die Maschine angepasst.“ Im Handwerk sei es genau umgekehrt. Dort gehe es darum, mit dem Teig zu arbeiten, ihn zu verstehen und ihm die Zeit zu geben, die er brauche. Besonders hochwertige, weiche Teige könnten oft nur noch mit der Hand bearbeitet werden. Genau darin liege ein wesentlicher Unterschied.
Stolz ist Martin Reicherzer auf seine gesamte Brotauswahl. „Ich bin eigentlich auf alles Brot, was ich mache, stolz“, sagt er. Besonders hebt er saisonale Brote hervor, etwa leichte Weizenbrote mit langer Teigführung, die im Sommer auch als Grillbrote beliebt seien. Langzeitführung bedeutet, dass der Teig über Nacht im Kühlhaus ruht und reifen kann. „Da arbeiten die Enzyme“, erklärt Reicherzer. Dabei würden unerwünschte Bestandteile abgebaut und der Geschmack intensiviert. „Das Gute wird hervorgehoben“, fasst er zusammen.
Ein besonderer Klassiker der Bäckerei ist das Urkorn-36-Stunden-Brot. Die lange Reifezeit ist dabei nur ein Teil des Prozesses. Reicherzer beschreibt, wie aus Dinkelmehl zunächst ein Kochstück hergestellt wird – „wie ein Pudding machen sozusagen“. Dazu kommen ganze Körner, die mit Honig, Sauerteig, Salz und Wasser quellen dürfen. Über Nacht ruhen sie im ausgeschalteten Ofen. Das erinnere fast an Pumpernickel: Die Stärke werde abgebaut, das Korn entwickle eine leichte Süße, werde dunkel, groß und aromatisch. „Das bringt einfach Geschmack“, sagt Reicherzer. Diese Vorstufen seien zusätzliche Geschmacksgeber für das Brot.
Doch gutes Brot endet für den Bäckermeister nicht beim Backen. Es muss auch erklärt werden. Deshalb spielt die Beratung in den Filialen in Fürstenfeldbruck und Aubing eine wichtige Rolle. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verkauf müssten wissen, was in den Broten steckt und worin sie sich unterscheiden. „Das macht vielleicht auch noch ein bisschen den Unterschied aus zwischen einem Industriebäcker und einem Fachhandwerker“, sagt Reicherzer. Wer Fragen zu Inhaltsstoffen, Dinkel, Weizen oder Unverträglichkeiten habe, solle eine qualifizierte Antwort bekommen.
Nicht selten wird der Chef selbst gerufen. „Das passiert bei uns häufig“, erzählt Reicherzer. Dann stehen er oder sein Sohn den Kundinnen und Kunden mit Fachwissen zur Seite. Manche Fragen seien so tiefgehend, dass sie nur aus der Backstube heraus beantwortet werden könnten. Den direkten Kontakt zum Kunden sieht Reicherzer nicht als Belastung, sondern als wichtigen Teil seines Berufs. „Mir ist es wichtig, dass ich den direkten Kontakt zum Kunden habe“, sagt er. Das gelte nicht nur für Lob, sondern gerade auch für Kritik: „Wenn es Kritik gibt, ist es für mich das beste Mittel, etwas zu ändern.“ Genau darin liege die Stärke des Handwerks: „Wir können ja was ändern, das kann die Industrie nicht.“
Auch neue Ideen entstehen laufend. Reicherzer experimentiert, beobachtet Entwicklungen und bringt Eindrücke aus Reisen und Urlauben mit in die Backstube. Konkretes verraten möchte er noch nicht, nur so viel: Es gehe derzeit eher in Richtung Dauergebäck. „Lass dich überraschen“, sagt er schmunzelnd. Ideen habe er „noch für 30 Jahre“. Gleichzeitig sei es wichtig, seinem Sohn einen guten Start zu geben und ihm zu zeigen, „wie funktioniert sowas“.
Dass handwerkliches Backen auch bei scheinbar einfachen Produkten einen Unterschied macht, zeigt Reicherzer am Beispiel Toastbrot. Viele Verbraucher hielten Toastbrot für ein austauschbares Industrieprodukt. Der Bäckermeister widerspricht entschieden: „Nein, ist es nicht.“ In der Bäckerei Reicherzer kämen keine Zusatzstoffe, Weichmacher oder Haltbarkeitsstoffe ins Brot. Beim Toastbrot brauche es lediglich eine leichte Anreicherung mit Fett für die feine Porung und etwas Zucker, damit es beim Toasten schön röste. „Das ist der ganze Trick eigentlich bei einem Toastbrot“, erklärt er.
Dass ein handwerkliches Toastbrot nach einigen Tagen schimmeln könne, sei völlig normal. Gerade wenn es in Plastik verpackt werde, dürfe das nach drei bis vier Tagen passieren. Skeptisch blickt Reicherzer dagegen auf Fabriktoast, der nach Wochen noch aussehe wie am ersten Tag. „Dass das nicht normal ist, das ist wohl jedem klar“, sagt er. Ein Brot, das ohne sichtbare Veränderung über lange Zeit haltbar bleibe, werfe Fragen auf.
In der Backstube selbst setzt Reicherzer auf breite Ausbildung und vielseitiges Können. Jeder im Team solle möglichst alles beherrschen – vom Mischen bis zum Ofen. Auch Auszubildende sollen am Ende die Grundlagen aller Stationen können. Das sorge für Abwechslung und helfe zugleich, besondere Talente zu entdecken. Der eine arbeite später vielleicht lieber in der Mischerei, der andere am Ofen. Entscheidend sei, dass alle das Handwerk von Grund auf verstehen.
Am Ende bleibt die Botschaft des Gesprächs einfach und klar: Gutes Brot braucht gute Rohstoffe, Zeit, Wissen, handwerkliche Erfahrung und Menschen, die erklären können, was sie tun. Für Martin Reicherzer ist Brot kein anonymes Massenprodukt, sondern ein Stück gelebtes Bäckerhandwerk – mit Geschmack, Haltung und direktem Kontakt zu den Menschen, die es kaufen.
Virtual Reality und Augmented Reality verändern, wie wir digitale Inhalte erleben. VR versetzt Menschen vollständig in künstliche Welten – etwa für Spiele, Training, Bildung oder virtuelle Rundgänge. AR ergänzt dagegen die reale Umgebung um digitale Informationen, zum Beispiel über Smartphone, Tablet oder Datenbrille. Pierre Kretschmer aus Gernlinden ist Admin der Facebook-Gruppe VR-Familie mit über 12000 Mitglieder. Um 18 Uhr hier: https://www.youtube.com/@redaktion42/streams
Die Bedeutung dieser Technologien liegt darin, dass sie Inhalte greifbarer, anschaulicher und interaktiver machen. Komplexe Themen können sichtbar werden, Orte lassen sich virtuell besuchen, Produkte vor dem Kauf erleben und Arbeitsabläufe realistischer trainieren. VR und AR verbinden die digitale mit der realen Welt – und eröffnen damit neue Möglichkeiten für Lernen, Unterhaltung, Kommunikation und Wirtschaft.
Im gemütlichen Ambiente des Maisacher Bistros sixtyfour geht das lebendige Talk-Format: der BistroTalk in eine weitere Runde. Gastgeber Matthias J. Lange hat mit Pierre Kretschmer aus Gernlinden den Admin der größten VR/AR-Facebookgruppe in Deutschland zu Gast – direkt vor Ort und live im Netz. Wir diskutieren offen, nahbar und ganz ohne Script. Termin ist am Mittwoch, 15. Juli um 18 Uhr, der Talk dauert etwa eine Stunde und wird ab 18 Uhr live auf YouTube gestreamt. Die Adresse ist: https://www.youtube.com/@redaktion42/streams
Stillstand ist für Norman Dombo keine Option. In der neuen Folge des Podcasts „Dombo bewegt“ spricht der Inhaber des Zentrums für Gesundheit Dombo in Maisach mit Matthias J. Lange über Weiterbildung, Messebesuche, medizinische Entwicklungen und die Frage, was Patientinnen und Patienten konkret davon haben, wenn ein Unternehmen fachlich am Ball bleibt.
Für Dombo gehört Fortbildung fest zum Selbstverständnis seines Betriebs. „Wir machen eigentlich eine ständige Fortbildung“, sagt er. Dabei gehe es um verschiedene Ebenen: medizinische Weiterbildung, fachlichen Austausch, neue Geräte, wissenschaftliche Entwicklungen und die Frage, welche Angebote Patientinnen und Patienten tatsächlich weiterbringen. Besonders in der Physiotherapie seien Fortbildungen notwendig, auch weil Krankenkassen entsprechende Nachweise verlangten. Doch Dombo macht deutlich: Weiterbildung ist für ihn nicht nur Pflicht, sondern Haltung.
Ein aktueller Anlass war der Besuch der Fachmesse „Therapie“ in München. Erstmals fand diese nicht auf dem Messegelände in Riem, sondern im MOC statt. Für das Zentrum für Gesundheit Dombo war der Messebesuch ein besonderer Tag: Die gesamte Mannschaft wurde eingeladen, Praxis und Trainingsbereich blieben geschlossen. „Es gab hier keinen Betrieb, aber wir konnten uns alle informieren“, berichtet Dombo. Das Team verteilte sich auf der Messe, sammelte Eindrücke und brachte neue Impulse zurück nach Maisach.
Solche Impulse haben im Zentrum für Gesundheit Dombo schon mehrfach konkrete Folgen gehabt. Dombo nennt unter anderem den strahlenfreien Rückenscan, den Skillcourt und Cupping. Viele dieser Angebote seien aus Fortbildungen, Kongressen oder Messebesuchen entstanden. „Das sind für uns dann Alleinstellungsmerkmale, mit denen wir hier natürlich unser Angebot erweitern“, erklärt er. Es gehe darum, das Leistungsspektrum sinnvoll auszubauen und den Patientinnen und Patienten moderne, wirksame Methoden anbieten zu können.
Besonders interessiert zeigte sich Dombo auf der Messe an der stochastischen Resonanztherapie. Mit dieser Methode hatte er sich bereits vor mehr als 20 Jahren beschäftigt. Inzwischen habe sie sich deutlich weiterentwickelt. „Das war für mich unter anderem das Interessanteste, was an der Messe geboten wurde“, sagt Dombo. Entscheidend sei für ihn aber nicht der Neuigkeitswert allein, sondern die Wirkung. „Messbar erfolgreich, das ist immer das, was wir hier auch immer machen wollen.“
Genau dieser Anspruch zieht sich durch das gesamte Gespräch. Dombo betont, dass im Zentrum für Gesundheit Dombo evidenzbasiert und evaluiert gearbeitet werde. Es gehe nicht darum, jedem Trend hinterherzulaufen, sondern um Angebote, deren Nutzen nachvollziehbar ist. „Wir wollen immer messen, dass das, was wir tun, hinterher auch zu Erfolg führt“, sagt er. Patientinnen und Patienten sollen sehen können, welche Entwicklung sie durchlaufen und welchen Weg sie in der Therapie oder im Training zurückgelegt haben.
Auch wirtschaftlich sieht Dombo Weiterbildung und Investitionen als wichtige unternehmerische Aufgabe. Gerade in schwierigen Zeiten dürfe ein Unternehmen nicht nur auf die Bremse treten. „In den schlechten Zeiten zu investieren, ist immer richtig“, sagt er. Wer dann nur spare, könne später schnell ins Hintertreffen geraten. Natürlich müsse Kapital vorhanden sein und verantwortungsvoll gewirtschaftet werden. Aber für Dombo ist klar: Wer vorne bleiben will, muss sich bewegen.
Neben fachlichen Informationen spielt für ihn auch das Netzwerken eine große Rolle. Messebesuche seien immer auch Begegnung, Austausch und Orientierung. „Für mich persönlich ist es extrem wichtig, zu wissen, was geht, was tun die anderen, wo gehen die Reisen hin“, sagt Dombo. Er sei in einem großen Netzwerk von Physiotherapeuten aktiv und stehe im Austausch mit Fachleuten, Ärzten und Wissenschaftlern. Besonders erwähnt er Prof. Dr. Klaus Baum von der Sporthochschule Köln sowie medizinische Kongresse und Symposien in München.
Auch der Kontakt zu Institutionen ist für das Unternehmen wichtig. Auf der Messe führte Dombo Gespräche mit der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Dabei geht es um Themen, die im Alltag eines Gesundheitsbetriebs eine große Rolle spielen: Zuständigkeiten bei Arbeitsunfällen, BG-Ärzte, Rezepte und Zulassungen. Das Zentrum für Gesundheit Dombo verfügt nach seinen Angaben über die Zulassung, auch Patientinnen und Patienten mit BG-Rezept behandeln zu dürfen.
Am Ende des Gesprächs wird deutlich, dass Weiterbildung für Norman Dombo mehr ist als ein Termin im Kalender. Sie ist Teil der Identität seines Unternehmens. Das Zentrum für Gesundheit Dombo will fachlich auf dem aktuellen Stand bleiben, neue Entwicklungen prüfen und sinnvolle Methoden in die Praxis bringen. „Waren wir und wollen wir sein und werden wir bleiben, garantiert“, sagt Dombo mit Blick auf den Anspruch, up to date zu sein.
Sein Fazit ist eindeutig: Wer sich nicht weiterbildet, bleibt stehen. Und Stillstand passt nicht zu einem Unternehmen, das Gesundheit, Bewegung und Entwicklung schon im Namen trägt.
„Gleicher Planet, aber eine andere Welt“: Unter diese Überschrift stellte Andy Kopp, stellvertretender Vorsitzender der Aktion PiT Togohilfe, seinen Bericht bei der Mitgliederversammlung des Vereins 2026 in Maisach. Dieses Mal in einem anderen Format. Im Gespräch mit Matthias J. Lange nahm Kopp die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine persönliche Reise durch Togo – ein Land, in dem die Aktion Pit seit Jahrzehnten aktiv ist, Schulen baut, Brunnen finanziert, Patenkinder begleitet und soziale Projekte unterstützt.
Kopp war mit Unterbrechungen rund ein Jahr in Togo. Am 2. September 2024 reiste er nach Lomé, sein letzter Tag dort war der 14. Dezember 2025. Die Hauptstadt beschreibt er als „riesiges Dorf“ mit inzwischen rund 2,4 Millionen Einwohnern. Hochhäuser gebe es kaum, stattdessen breite sich die Stadt flach immer weiter aus. Hühner, Ziegen und andere Tiere gehörten ebenso zum Straßenbild wie das dichte Gewirr aus Häusern, Märkten und Verkehr. Lomé sei eine der wenigen Hauptstädte, die direkt an einer Landesgrenze liege – auf der anderen Seite beginne Ghana, allerdings mit einer harten Grenze, für die Europäer ein Visum benötigen. Hier unsere Aufzeichnung:
In Lomé hat die Aktion PiT Togohilfe ihren Sitz. Das Haus des Vereins dient als Büro, Lager und organisatorisches Zentrum. Dort werden unter anderem Pakete für Patenkinder zusammengestellt, deren Inhalte direkt in Togo eingekauft werden. Das Gebäude steht auf dem Gelände des OCDI, der togolesischen Caritas. Sollte die Aktion PiT es irgendwann nicht mehr benötigen, falle es an die Caritas zurück – eine Lösung, die Kopp ausdrücklich begrüßt.
Seine erste Unterkunft hatte Kopp bei einem Projektpartner, dem Arzt Dr. Kodom. Doch das große Anwesen mit Pool und Angestellten wurde ihm schnell zu einsam. Schließlich mietete er sich ein kleines Apartment bei einer togolesischen Familie. Dort fand er Anschluss, hatte eine Dachterrasse mit Wind und Ausblick, WLAN zum Arbeiten, kaltes Wasser am Morgen und warmes Wasser am Abend, wenn die Sonne den Tank aufgeheizt hatte. Zu seinen täglichen Begleitern gehörten ein Boxerhund und ein Pfau. Unvergesslich blieb ihm auch der Eisverkäufer, der jedes Wochenende mit Megafon durch die Straßen zog und „Crème-Choco“ für 50 Francs, umgerechnet etwa acht Cent, anbot. Probiert hat Kopp das Eis allerdings nicht – westlichen Besuchern würde er es auch nicht empfehlen.
Von Lomé aus führte seine Arbeit immer wieder in verschiedene Regionen des Landes. Im Süden besuchte er Togoville am Togo-See, einen historisch wichtigen Ort. Dort wurde in der Kolonialzeit der Schutzvertrag mit dem deutschen Reich geschlossen, aus dem später Togoland wurde. Heute gilt Togoville auch als Zentrum des Voodoo in Togo. Kopp betonte, dass Voodoo dort nichts mit den aus westlichen Horrorfilmen bekannten Klischees zu tun habe. Es sei eine offen praktizierte Religion, in der Ahnen und verschiedene Gottheiten eine wichtige Rolle spielten.
Ein wichtiger Projektpartner der Aktion Pit ist der König von Zoti. Mit ihm wurde unter anderem ein Krankenhaus für die Region aufgebaut und eingeweiht. Kopp schilderte die Einweihung als großes Ereignis mit Musik, Trommeln, traditionellen Gewändern und einer Voodoo-Zeremonie, bei der sogar ein echtes Krokodil anwesend war. Das neue Krankenhaus ersetzt ein altes, baufälliges Gebäude, in das es bereits hineinregnete. Für Kopp ist bei solchen Projekten entscheidend, dass die Zusammenarbeit nicht von oben herab geschieht. „Auf Augenhöhe“ bedeute für ihn nicht, sich künstlich herabzusetzen, sondern gegenseitigen Respekt zu zeigen, zuzuhören und zugleich klar zu sagen, was möglich ist und was nicht.
Auch Schuluniformen wurden in Zoti übergeben. In Togo besteht Schuluniformpflicht, doch viele Kinder tragen alte, weitergereichte Kleidung. Neue Uniformen seien deshalb für die Kinder ein großes Geschenk. Die Aktion PiT baut außerdem Schulen, wobei die Initiative meist aus den Dörfern selbst kommt. Die Projektpartner kümmern sich um Genehmigungen, Baufortschritt und lokale Organisation. Die Aktion PiT prüft, finanziert, begleitet und dokumentiert – auch, um den Spenderinnen und Spendern in Deutschland zeigen zu können, was mit ihrem Geld geschieht.
Ein weiterer wichtiger Ort ist Kpalimé, touristisch einer der besser erschlossenen Orte Togos. Dort ist das Klima angenehmer als in Lomé, weil die Stadt etwas höher liegt. Ein Projekt der Aktion Pit ist dort Aklala Batik, ein Frauenhaus und Ausbildungszentrum, gegründet von Madame Chantal. Dort werden Frauen in Batik und Schneiderei ausgebildet. Früher erhielten die Absolventinnen nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Nähmaschine, oft aus den Containern, die aus Deutschland nach Togo geschickt wurden. Heute ist das schwieriger geworden, weil die Containertransporte nicht mehr wie früher möglich sind. Zum Üben verwenden die Frauen teilweise alte Zementsäcke, weil Stoffe fehlen. Kopp schilderte dies als eindrucksvolles Beispiel dafür, mit wie wenig Material dort gearbeitet wird.
Die Reise führte ihn auch ins Hochland, in Klöster, Plantagenlandschaften und an Aussichtspunkte. Im Benediktinerkloster von Dzogbégan traf er Patenkinder und sah Kaffee, Kakao und Kochbananen wachsen. Am Aussichtspunkt „Golden Eye“ erzählte er von einem französischen Aussteiger, der dort ein kleines Hotel aufbaute, weil ihn der Blick über Togo nicht mehr losließ.
Ein Schwerpunkt seiner Reise waren Schulprojekte in ländlichen Regionen. In Gando-Kouka etwa besuchte Kopp mit Mitarbeitern der Aktion Pit mehrere Schulen, die kaum mehr als provisorische Unterstände waren. Kinder lernten unter Bäumen oder in einfachen Verschlägen, ohne ausreichende Bänke, Tische oder Tafeln. Sobald es regnet, sei dort kaum Unterricht möglich. Dennoch seien diese Schulen oft bereits staatlich anerkannt und mit Lehrern besetzt. Für Kopp zeigen solche Orte besonders deutlich, weshalb die Arbeit des Vereins notwendig ist: Die Menschen vor Ort wollen Bildung ermöglichen, können aber die Gebäude nicht selbst finanzieren.
In Kara, der zweitgrößten Stadt Togos, lernte Kopp die Evala kennen, traditionelle Ringkämpfe, die als Initiationsritus junger Männer gelten. Auch hier spielte Musik eine zentrale Rolle. Überhaupt, so Kopp, sei in Togo kaum eine Veranstaltung ohne Trommeln, Gesang oder Tanz denkbar. In der Region unterstützt die Aktion Pit zudem ein Blindenzentrum. Dort wurden ein Computer, ein spezieller Drucker für Brailleschrift und eine kleine Brücke finanziert. Diese Brücke sei für sehbehinderte Menschen besonders wichtig, weil ein Weg zwischen Wohnbereich und Schule bei Regen regelmäßig unpassierbar wurde.
Touristisch eindrucksvoll, aber zugleich sozial herausfordernd, sind die Lehmbauten der Tamberma im Norden, die sogenannten Tatas. Sie gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe und werden bis heute bewohnt. Kopp schilderte die Bauweise, die Wohnbereiche, die Küche und die Ahnenfetische vor den Häusern. Die Ahnen seien in Togo nicht Vergangenheit, sondern Teil des Alltags. Auch in dieser Region entstanden Brunnenprojekte der Aktion PiT. Kopp zeigte ältere und neuere Brunnen, darunter den Gerhard-Landgraf-Brunnen aus dem Jahr 2002, der noch immer funktioniert. Viele Brunnen werden von Hand ausgeschachtet, ohne schwere Maschinen. Das erklärt auch, warum solche Projekte Zeit brauchen.
Ein großes Thema war die Sicherheitslage im Norden Togos. In der Savannenregion nahe Burkina Faso ist die Situation angespannt. Immer wieder kommt es zu Übergriffen dschihadistischer Gruppen, genaue Informationen sind schwer zu bekommen. Reisen mit Gruppen seien dort derzeit nicht mehr möglich. Kopp fuhr dennoch hin, teils unter Militärbegleitung, weil er den Patenkindern zeigen wollte: Die Aktion PiT ist weiterhin da. Besonders berührend war das Wiedersehen mit Nata, einem Jungen, der als Baby mit einer Geschwulst am Kopf geboren wurde und von der Aktion PiT zur Operation nach Deutschland geholt worden war. Heute lebt er wieder in Togo, ist fröhlich, lacht viel und wird von seiner Familie begleitet.
Neben Projekten sprach Kopp auch über Alltag, Essen und Reisen. Fufu, das Nationalgericht aus Yamswurzeln, Erdnusssoße, Fisch, Perlhuhn und das Bier „Eku Bavaria“ gehörten für ihn ebenso zu Togo wie staubige Straßen, lange Fahrten in Toyota-Bussen und die große Herzlichkeit der Menschen. Die Reisen der Aktion PiT dauern in der Regel 16 Tage, davon 14 Tage im Land. Besucht werden Projekte, Patenkinder und touristische Stationen – allerdings nicht mehr die gefährdete Savannenregion. Wer mitreist, müsse sich gesundheitlich vorbereiten, etwa wegen Gelbfieberimpfung und Malariaprophylaxe, die ärztlich abgeklärt werden sollte.
Zum Schluss machte Kopp deutlich, dass die Aktion PiT heute keine Projekte von außen überstülpt. Die Vorschläge kommen aus Togo selbst: Dörfer, Schulen, Projektpartner oder Initiativen melden sich, wenn sie Hilfe brauchen. Die Mitarbeiter vor Ort prüfen die Angaben, erst dann wird ein Projekt entwickelt. Genau dieser Ansatz ist für Kopp entscheidend. Sein Jahr in Togo habe ihm gezeigt, wie wichtig das Team vor Ort ist und wie viel Freude die gemeinsame Arbeit macht. Er sei nicht als „großer Chef“ aufgetreten, sondern als jemand, der beobachtet, mitarbeitet und lernt.
Im September will Andy Kopp wieder nach Togo reisen – diesmal etwas früher als die Reisegruppe und für gut einen Monat. Die Verbindung zu Land, Menschen und Projekten ist für ihn längst mehr als Vereinsarbeit. Es ist eine Aufgabe, die ihn geprägt hat. Oder, wie seine Überschrift es ausdrückt: gleicher Planet, aber eine andere Welt.
Drei Jahre Zwangspause. Drei Jahre, in denen die Welt auf die Rückkehr der sieben Südkoreaner warten musste. Doch als am Freitag 11. Juli 2026 die ersten Basstöne durch die Münchner Allianz Arena wummerten, war klar: BTS haben nicht nur nahtlos an ihre alten Erfolge angeknüpft, sie haben sich noch einmal neu erfunden. Die Arirang World Tour machte für zwei restlos ausverkaufte Abende in Deutschland halt – und lieferte eine Show ab, die eindrucksvoll erklärte, warum das Phänomen K-Pop die globale Musiklandschaft dominiert.
Auch die Army, die starke Fan-Base von BTS, zeigte sich wieder von der besten Seite. Man verschenkte Freebies, sogar ich als alter Mann wurde mit dem Fan-Material überhäuft. Viele der zumeist weiblichen Fans war gestylt im Look der Band. Es gab kein Schubsen, keinen Streit unter den 72.000 Fans vor und in der Allianz-Arena. Für mich bedeutet BTS auch ein Teil meiner Familiengeschichte. Meine Tochter war einst ein Hardcore-Fans und wir besuchten verschiedene K- und J-Pop-Fans zu ihrer Schulzeit. Bei BTS waren wir zum ersten Mal in Berlin dabei. Dann reisten wir extra zu einem Konzert nach London in die Wembley-Arena. Und nach drei Jahren Pause wollten wir das Tochter-Vater-Erlebnis nochmal mit dem Comeback-Konzert in München krönen.
Mehr als Musik: Die Magie der „Arirang World Tour“ Wer ein K-Pop-Konzert besucht, geht nicht einfach nur hin, um ein Live-Songs zu hören. Es ist ein dreistündiges Hochleistungsspektakel. In München wurde das Stadion von den ARMY Bombs, den Bluetooth-gesteuerten Leuchtstäben der Fans, in ein perfekt synchronisiertes, lila Lichtermeer getaucht, das auf jeden Takt der Musik reagierte. RM, Jin, SUGA, j-hope, Jimin, V und Jungkook bewiesen auf der Bühne, dass sie die militärische Auszeit genutzt haben, um musikalisch und persönlich zu reifen. Die Setlist war eine schöne Balance:
Die Klassiker: Hymnen wie Dynamite und Spring Day sorgten für ohrenbetäubende Fanchöre, die selbst den Verkehr am Fröttmaninger Ring übertönt haben dürften.
Die neue Ära: Die Tracks ihres Frühjahrs-Comebacks zeigten eine erwachsenere Seite der Band, die modernen Pop, rohen Hip-Hop und traditionelle koreanische Elemente nahtlos verschmelzen lässt.
Die Solo-Stages: Jeder der sieben Musiker bekam den Raum, seine individuelle künstlerische Identität zu präsentieren – von SUGAs intensivem Rap-Feuerwerk bis zu Jimins eleganter Contemporary-Dance-Performance.
Die Architektur der Faszination: Warum K-Pop die Welt erobert Der unfassbare Hype um dieses Konzert – für das Fans Ticketpreise von mehreren hundert Euro zahlten und aus ganz Europa anreisten – wirft für Außenstehende oft die Frage auf: Warum eigentlich? Die Antwort liegt in der einzigartigen DNA des K-Pop, die BTS in den vergangenen zehn Jahren maßgeblich geprägt und perfektioniert haben:
Absolute visuelle und akustische Perfektion K-Pop überlässt nichts dem Zufall. Die Choreografien sind bis in die Fingerspitzen synchronisiert, die Bühnenbilder wechseln im Minutentakt und die Outfits haben Haute-Couture-Niveau. Es ist ein multisensorisches Erlebnis. Dass der Live-Gesang trotz der atemraubenden Tanzeinlagen so stabil sitzt, ist das Ergebnis eines jahrelangen, extrem harten Trainingssystems. Westliche Pop-Acts wirken im direkten Vergleich oft fast minimalistisch.
Der Spagat zwischen Übermenschen und besten Freunden Die größte Leistung von BTS ist die emotionale Bindung zu ihrer Fangemeinde. Auf der Bühne agieren sie wie unnahbare Pop-Gottheiten, doch in ihren Ansprachen zwischen den Songs in München zeigten sie sich unfassbar nahbar, humorvoll und verletzlich. Da durfte sogar das FC Bayern Trikot getragen werden. Durch unzählige Vlog-Formate, Livestreams und Behind-the-Scenes-Material haben Fans das Gefühl, mit ihnen aufgewachsen zu sein. Es ist eine intensive parasoziale Beziehung, die sich für die Fans sehr real und stützend anfühlt.
Botschaften mit Substanz Während die klassischen Boybands der 90er und 00er Jahre fast ausschließlich auf reine Liebeslieder setzten, adressiert BTS Themen, die wehtun. Sie singen über psychische Gesundheit, den enormen Leistungsdruck der Gesellschaft, Systemkritik und den oft steinigen Weg zur Selbstliebe. Sie geben einer ganzen Generation eine Stimme, die sich in ihren Texten – Sprachbarriere hin oder her – zutiefst verstanden fühlt. In München wurde die koreanische Community aktiviert.
Ein Abend für die BTS-Geschichtsbücher Das Konzert in München war nicht nur ein Beweis für die ungebrochene Strahlkraft von BTS, sondern auch ein Statement für das Genre selbst. K-Pop ist längst keine kuriose Nische mehr, die von westlichen Medien belächelt wird. Es ist die Speerspitze der modernen Popkultur. Als das Konzert gegen 22 Uhr endete und sich die sieben Mitglieder tief vor ihrem Publikum verbeugten, blieb ein Stadion voller erschöpfter, aber restlos glücklicher Menschen zurück. Die Könige sind zurück – und sie sitzen fester im Sattel denn je.