Gedanken zum 65. Todestag von Humphrey Bogart

14. Januar 2022

„Louis, ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“ So lautet der Schlussatz in Casablanca. Dieser und viele andere Sätze sind in unseren Sprachgebrauch übergegeben. Sie kamen alle aus dem Mund des großen Schauspielers Humphrey Bogart, der heute seinen 65. Todestag begeht.

Wenn mir das Leben übel mitspielt, dann ist Humphrey Bogart zur Stelle. Er hat für alle Lebenslagen die richtige Aussage – und diese war durch und durch cool. Es ist nicht ganz so wie bei Woody Allens Komödie Mach’s noch einmal, Sam von 1972 wo Boogy (eine Double versteht sich) dem schüchternen Filmkritiker Allan Felix mit männlichen Sprüchen zur Seite steht. Aber Humphrey Bogart ist sicherlich eine Ikone der Popkultur geworden.

Mein erster Buchkontakt mit Bogart war im Jahr 1984. Ich war Schüler und kaufte mir das Das Humphrey Bogart Fan-Buch der Autoren Berndt Schulz, Adolf Heinzelmeier und Jürgen Menningen (Autor). Es hatte viele Bilder und war mit viel, viel Herzblut geschrieben. Das Buch gibt es nur noch antiquarisch.
Humphrey Bogart ist für mich einer der großen Stars des alten, vergangenen Hollywoods, der wenige gute Filme in seiner langen Karriere mit vielen schlechten Filme gedreht hat. Für mich sind seine wichtigsten Filme: 1941: Die Spur des Falken (The Maltese Falcon), 1942: Casablanca, 1944: Haben und Nichthaben (To Have and Have Not), 1946: Tote schlafen fest (The Big Sleep), 1948: Der Schatz der Sierra Madre (The Treasure of the Sierra Madre), 1948: Gangster in Key Largo (Key Largo), 1951: African Queen (The African Queen) und 1954: Die Caine war ihr Schicksal (The Caine Mutiny).

Humphrey Bogart ist einfach ein cooler Typ gewesen. Harte Schale, weicher Kern, der das Herz am richtigen Platz hat. Ich habe mich über meinen Lieblings-Bogart in Casablanca schon 2019 in meinem Blog ausgelassen, als Casablanca 77 Jahre alt wurde.

An Bogarts Todestag schaue ich mir Tote schlafen fest an: Das Drehbuch zu Howard Hawks Film noir, der Verfilmung des ersten Marlowe-Romans von Raymond Chandler, stammt übrigens vom späteren Literatur-Nobelpreis-Träger William Faulkner. Bogart spielt den Privatdetektiv Philip Marlowe. Seine kongeniale Partnerin an seiner Seite ist Lauren Bacall, die später Bogarts Frau bis zu seinem Todestag am 14. Januar 1957 in Los Angeles) war.

Folgenreiche Social-Media-Posts

13. Januar 2022

Ein Problem in sozialer Kommunikation über das Netz sind die daraus entstehenden möglichen Missverständnisse. Schon oft ist es mir selbst passiert, dass ich auf meinen privaten Accounts die eine oder andere Bemerkung losgelassen habe und damit dem Empfänger auf die Füße getreten bin.

Eine falsche Bemerkung in sozialen Netzwerken und der wilde Affe kommt hervor.

Jüngstes Beispiel: In einer Facebook-Gruppe schrieb jemand zum traurigen Tode des großartiges Schauspielers Sidney Poitier. „Das Jahr fängt aber gut an.“ Es war ein ironisch gemeinter Post, doch bei mir kam diese Ironie nicht gut an und ich polterte zurück, dass man so einen Post auch falsch verstehe könne im Hinblick auf Rassismus. Und schon kamen die Hater aus dem Busch und die Post ging ab.

Bei beruflichen Accounts bin ich vorsichtiger. Aber das sind nicht alle. Allzu flotte und flapsige Bemerkungen in Sozialen Medien können gravierende Folgen haben – auch in der Arbeitswelt. So das Ergebnis einer weltweiten Kaspersky-Studie, die es hier zum kostenlosen Download gibt. Demnach hatten bereits vier Prozent der in Deutschland befragten Nutzer erhebliche Probleme am Arbeitsplatz in Folge eines Posts – bis hin zum Verlust der Stelle. Zehn Prozent haben sich zudem deswegen mit einer nahestehenden Person zerstritten, 14 Prozent ihre emotionalen Statements später bereut; bei den 18- bis 34-Jährigen sind es sogar 21 Prozent. Acht Prozent hätten die Wortwahl ihrer Posts im Nachhinein geändert. Zudem sagen 11 Prozent, sie hätten lieber auf den Rückgang des eigenen Alkoholpegels warten sollen. Damit Soziale Medien nicht zur sozialen Falle werden, hat Kaspersky in einem #ShareAware Hub praktische Tipps und Hinweise für die Social-Media-Community zusammengestellt.

81 Prozent der in der Bundesrepublik Befragten nutzen aktuell Soziale Medien, 40 Prozent seit mindestens zehn Jahren. Trotz dieser Erfahrung passiert es vielen, dass so manches Foto oder Statement unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht – manchmal erst Jahre später. Vorsicht und Überlegung sind also angebracht, bevor eigene Posts in den Sozialen Medien unwiderruflich für Aufsehen sorgen, zu viele persönliche Daten offenbaren oder die eigene Sicherheit gefährden, bis hin zum Identitätsdiebstahl.

Folgen beim Posten: Verbraucher verkennen Auswirkungen auf ihr berufliches Umfeld
Offenbar sind sich die in Deutschland befragten Umfrageteilnehmer der Folgen ihrer Hinterlassenschaften in Sozialen Medien besonders dann bewusst, wenn es um Freunde (48 Prozent) beziehungsweise Familie (44 Prozent) geht. Weniger im Fokus stehen aktuelle, beziehungsweise zukünftige Arbeitgeber. An sie wird bei Posts stets oder regelmäßig nur von 31 Prozent beziehungsweise 28 Prozent gedacht. Demzufolge hatten bereits vier Prozent der Befragten genau dementsprechende Probleme.

Kompromittierung persönlicher Daten bei jedem Dritten
Fast jeder Dritte (30 Prozent) der Befragten in Deutschland (49 Prozent bei den 18-bis 34-Jährigen) gab innerhalb der Kaspersky-Studie an, dass seine persönlichen Daten in den Sozialen Medien bereits kompromittiert wurden. Weitere 36 Prozent (61 Prozent bei den 18-bis 34-Jährigen) kennen jemanden in ihrem Umfeld, der oder die über Social-Media aufgrund von Datenmissbrauch bloßgestellt wurde.

Dracula im Film (20): Vampire Hunter D Bloodlust

12. Januar 2022

Gleich vorweg: Dracula spielt in diesem Film nicht mit, aber Vampire, viele Vampire, und daher erscheint dieser Beitrag in meiner Dracula-Reihe.

Vampire Hunter D Bloodlust ist ein Anime aus dem Jahre 2000 und ich wurde in einem Anime-Forum auf den Film aufmerksam. Anime sind japanische Zeichentrickfilme und haben auch in Deutschland eine riesengroße Fanbase. Ich schätze Animes für ihre visionäre Ausdrucksweise, die anders als amerikanische Animationsfilme deutlich emotionaler und wandlungsfähiger sind.

Vampire Hunter D: Bloodlust spielt in der Zukunft in der Vampire nahezu ausgerottet sind. Die schöne, viktorianisch anmutende Schönheit Charlotte wird von Vampirbaron Meier Link entführt. Der Bruder setzt ein Lösegeld auf und Vampire Hunter D geht auf die Jagd. D selbst ist ein Halbvampir oder Dhampir. Hier greifen die Japaner die südosteuropäische Folklore auf, dass ein Dhampir das Kind eines Vampir-Vaters und einer menschlichen Mutter ist. In der westlichen Welt wurden die Wesen in Filmen wie der Blade Trilogy mit Wesley Snipes bekannt.

D findet Charlotte und erkennt, dass die Entführte freiwillig geflohen ist, um mit ihrer Liebe zusammen zu sein. Weitere Söldner, unter ihnen Leila, komplizieren freilich die Situation und es taucht noch eine Vampirherrscherin Carmilla auf. D und Leila schließen einen Pakt: Wer von den beiden länger lebt soll am Grab des anderen Blumen ablegen. Leila fürchtet, dass sie allein und unbeweint sterben wird.

Wir erinnern uns: Carmilla ist eine 1872 erschienene Novelle des irischen Autors Sheridan Le Fanu, in der die Begegnung einer jungen Frau mit einem weiblichen Vampir namens Carmilla erzählt wird. Die Japaner greifen diese Tradition auf, bauen sie in ihr Anime ein und interpretieren die alte Geschichte neu. Gleichzeitig gibt es auch ein Raumschiff im Schloss, dass die Geliebten in die Stadt der Nacht bringt. Alles schön romantisch, ziemlich blutig und hübsch anzusehen. Der ganze 102minütige Film Vampire Hunter D: Bloodlust ist ein Spaß aus blutigem Horror, Liebesgeschichte, Vampirfilm, Kopfgeldjäger-Film und Action-Kino.

15 Jahre Apple iPhone – ich war dabei

11. Januar 2022

Es gibt Ereignisse, die in die Geschichte eingehen und bei einem solchen Moment war ich dabei. Ich saß vor 15 Jahren in San Francisco im Moscone Center als Steve Jobs das iPhone vorstellte. Apple erfindet das Telefon neu – lautete ein Slogan.

Auf der Bühne führte uns Jobs zunächst an der Nase herum und sprach von drei neuen Produkten: ein iPod mit Touch-Control, ein Telefon, ein Internet-Device. Und dann als der Groschen gefallen ist, der legendäre Satz: „Wir nennen es iPhone.“ Der Rest ist Geschichte.
Ich habe meine Erinnerungen in diesem Video zusammengefasst: Viel Spaß

Happy Birthday David Bowie – 75. Geburtstag

8. Januar 2022

Es gibt in der Welt der Pop- und Rockmusik viele Stars, aber es gibt nur wenige wirkliche Genies. David Bowie war eines davon. Heute würde David Robert Jones, wie Bowie einstmals hieß, seinen 75. Geburtstag feiern. Leider ist der Musiker und Schauspieler, der Innovator im Bereich Musik, Mode, Maskerade am 10. Januar 2016 verstorben. Sein Todestag jährt sich in wenigen Tagen.

Die Todesmeldung von David Bowie auf der Facebookseite.
Die Todesmeldung von David Bowie auf der Facebookseite.

Das Lebenswerk von David Bowie zu beschreiben, bedeutet Eulen nach Athen zu tragen. Er erfand sich immer wieder selbst, schuf archetypische Figuren, löste musikalische Stile und Richtungen aus, zerstörte seine Schöpfungen und war immer auf der Suche nach Grenzen, um sie einzureißen. Er führte mit seinem Glamour Rock eine Jugendbewegung an, er stieß mit Major Tom in den Weltraum vor, war wegweisend mit seinen kalten Elektronikalben der Berliner Phase und eroberte den Pop-Himmel in seinen späteren Jahren ohne kitschig oder rein kommerziell zu werden und sich anzubiedern. Und Bowie förderte andere Künstler, wie den Deutschen Klaus Nomi, Lou Reed oder seinen Berliner Wohnungsgenossen Iggy Pop. Die Wohnung in der Hauptstraße 155 in Berlin-Schöneberg ist heute noch ein touristischer Höhepunkt von musikalischen Berlinbesuchern.

Bowie ist in erster Linie Musiker, aber er zog seine Inspiration auch aus dem Kino. Sein Major Tom ist die Verneigung vor Stanley Kubricks Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum. Hunky Dory ist eine Verbeugung vor der großen Greta Garbo. Und der deutsche Expressionismus zeigt sich in Thin White Duke.
Bowie als Schauspieler begann 1973 als seine eigene Kunstfigur Ziggy Stardust: The Motion Picture mit einem eindrucksvollen Abschiedskonzert. Doku-Filmerstellung DA Pennebaker drehte den Film – Bowie setzte sich in Szene.

Mit seinem wichtigem Album The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars (1972) baute er sich diese Kunstfigur Ziggy Stardust auf, die bei weiblichen und männlichen Fans gleich gut ankam und die Gesellschaft sexuell schockierte. Er hatte mit seinem androgynen, manchmal fast femininen Auftreten sich ein einmaliges Image geschaffen.
Von Drogen ausgezehrt spielte er einen androgynen Außerirdischen in Der Mann, der vom Himmel fiel (1976) von Nikolas Roeg, dem wir 1973 auch den Klassiker Wenn die Gondeln Trauer tragen zu verdanken haben. Der Mann, der vom Himmel fiel ist Melancholie pur. Der überlegende Außerirdische zerbricht aber an der Rücksichtslosigkeit, Oberflächlichkeit, Schnelllebigkeit und Brutalität der menschlichen Zivilisation. Die 138 Minuten sind perfektes Arthouse-Kino mit einem ausgezehrten Bowie, der eigentlich kein Schauspieler war. Er ergriff die Rolle, um sein Starman-Image aus Ziggy Stardust-Zeiten verändert weiter zu pflegen. Bei David Bowies 1976 entstandenem Album Station to Station wird die Filmszene, als Bowie als Außerirdischer Thomas Jerome Newton das Innere der Raumkapsel betritt, als Cover-Foto verwendet. Film, Musik, Mode bildet bei Bowie eine Einheit. Der Film war riskant, hat zunächst keine klassische Erzählweise und verwirrt den Zuseher auf den ersten Blick. Wer den Film nicht gesehen hat, sollte sich die Zeit nehmen und ihn genießen.

In den Achtziger Jahren stachen bei seinen unter anderem heraus Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (Bowie spielt hier Bowie bei einem Konzert), Begierde, Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence, Die Reise ins Labyrinth und der umstrittene Die letzte Versuchung Christi.

Ich habe ihn meinem Blog zahlreich über Bowie geschrieben. Bitte einfach die Suche auf der Startseite betätigen. Mein jüngsten Video über ihn war zur Veröffentlichung der Box Brilliant Adventure (1992-2001). Besonders: Erstmal ist das bisher nichtveröffentlichte Album Toy enthalten.

Dieser Beitrag erschien zunächst in der Facebook-Gruppe Erdbeben‘74.

Filmtipp: Das letzte Ufer (1959)

7. Januar 2022

Ein Film, auf den ich immer wieder traurig und nachdenklich zurückblicke, ist Stanley Kramers Produktion Das letzt Ufer aus dem Jahr 1959.

Es ist ein leiser Film vom Ende der Menschheit. Ein Atomkrieg hat die Menschheit fast vollständig ausgelöst. Die letzten Menschen warten in Australien auf die tödliche radioaktive Wolke. Das Ende ist unausweichlich. Der Tod kommt Tag für Tag näher und die Gesellschaft zerbricht. Ein amerikanisches U-Boot in Australien fängt noch ein mögliches rettendes Signal aus dem Norden auf, startet eine Reise dorthin und wird enttäuscht. Die Mannschaft tritt desillusioniert die letzte Reise ins strahlenverseuchte San Francisco an. Die Menschen in Australien bereiten sich derweil auf ihren Tod vor.

Die Stars des alten Hollywood liefern hier eine fantastische Darstellung ab: Gregory Peck, Fred Astaire, Anthony Perkins und eine begnadete Ava Gardner. Ich habe mir das Mediabook Das letzte Ufer mit Bluray und DVD angeschafft, wobei die Bluray mit 133 Minuten sieben Minuten länger ist als die DVD. Dazu gibt es ein Booklet, das zu weiten Teilen von Nando Rohner verfasst wurde.

Vorlage, Film und Neuverfilmung.


Der Film Das letzte Ufer war Wegbereiter für die Antiatomkriegsfilme Der Tag, an dem die Erde Feuer fing (1961), Angriffsziel Moskau (1964) und vor allem Stanley Kubricks Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben (1964). Das Thema wurde vom Publikum ernst genommen. On the Beach, wie das letzte Ufer im Original heißt, basiert auf dem gleichnamigen Buch Das letzte Ufer von Nevil Shute von 1957. Die Leser nahmen die Fiktionen des Autors ernst, der seine strahlende Zukunft im Jahr 1964 angesiedelt hatte. Damit war die Science Fiction nicht in eine weite Zukunft gerückt, sondern am Horizont. Der heutige Leser und Zuschauer müssen sich in die damalige Zeit versetzten, um die Wirkung der Geschichte zu verstehen. Die Welt stand aufgrund der Kuba-Krise 1962 kurz vor einem Atomkrieg. Das Gefühl der Verzweiflung wurde von Regisseur Stanley Kramer genial aufgenommen und in Filmbilder transportiert. Auch auf Deutsch wirkt der Film enorm, was sicherlich an der deutsche Dialogfassung unter Mitarbeit von Erich Maria Remarque lag.

Kramer, der sich im ideologischen Hollywood der 60er Jahre einen Namen mit eigenständigen Filmen gemacht hat, dreht nach On the Beach weitere Erfolge wie Wer den Wind sät (1961), Urteil von Nürnberg (1961) und 1963 Eine total, total verrückte Welt. Im Film stirbt die Menschheit, aber aus dem Off kommt die mahnende Stimme an den Zuschauer: „There is still Time … Brother“. Der Satz hat gesessen und riss mich beim Schauen des Films immer wieder vom Sessel.

Im Jahr 2000 drehte Russell Mulcahy das sehenswerte Remake USS Charleston – Die letzte Hoffnung der Menschheit, einen direkt für die Fernsehausstrahlung konzipierten Zweiteiler. Auch U.S.S. Charleston – Die letzte Rettung der Menschheit hat eine ähnliche Wirkung wie das letzt Ufer auf mich.

Retro 2022: Tascam bringt die Audio-Kassette wieder

5. Januar 2022

Obwohl ich ja ein Retro-Mensch bin, werde ich diesen Retro-Trend zur Compact-Cassette nicht mitmachen. Ich sehe in der Audio-Kassette keine Zukunft. Als Kind und Jugendlicher hatte ich Kassettenrekorder – erst Mono für meine Märchenkassetten, dann ein JVC-Tape-Deck (was im Keller liegt) und später sogar ein Doppel-Tape-Deck zum Kopieren von kostenbaren Audiokassetten. Ich hab fast alles rausgeworfen bis auf meine Datasette für den Commodore C64 und mein Reportergerät Recorder Sony TC-D5 M. Meine Kinder sind rein digital, ohne Kassetten aufgewachsen.

Meine Reporterlegende mit verpackten Audio-Kassetten.

Und jetzt kommt Tascam daher und kündigt wieder Audio-Kassetten für seine beliebten Portastudio-Geräte an. Das Teil soll TASCAM 424 Studio Master Cassette heißen und hat verlockend sexy große Spulen.

TASCAM 424 Studio Master Cassette – bisher nur für die USA.

Als Jugendlicher hatte ich ein Vierspur-Mischpult von Tascam das Portastudio 144 und wollte damit ein Hörspiel von Krieg und Frieden aufnehmen und bin dabei gescheitert. Der Roman und die Namen haben mich überfordert, es ging ja nicht eine Nummer kleiner. Die Audioqualität war für die damalige Zeit bemerkenswert. Wir hatten zu Hause noch ein großes Bandgerät von meinem Papa, das durfte ich aber nicht anfassen. Also spielte ich als Jugendlicher mit dem Portastudio herum. Motivation gab mir Bruce Springsteen, der sein Nebraska Album auf einem Portastudio zu Hause aufnahmen. Ich liebe dieses Album.

Vier getrennte Audiospuren auf einer Kassette, aber nur in einer Laufrichtung – das war die Herausforderung. Und die Möglichkeiten der vier Spuren waren der Hammer. Aufgenommen wurde alles auf eine Audio-Kassette. Ich habe noch einen Stapel C60 Kassetten von BASF ungeöffnet im Keller. Ich erinnere mich noch, dass es unter uns Jugendlichen immer einen Streit gab, welche Kassette nun die beste sein: Eisen, Chromdioxid und was es noch gab. Ich verwendete meist die C90, da passte eine LP auf eine Seite. Die C60 waren bei mir nur für Elvis-Platten, denn die waren kürzer. Die C120 konnte ich mir nicht leisten und es gab auch das Gerücht, dass sie beim Umspulen schneller reißen würden.

Nun will Tascam an die alten Zeiten anknüpfen und die zahlreichen Portastudio-Geräte am Markt mit neuen Bändern versorgen. Die Portastudio-Geräte erzielen bei eBay und Co noch immer sehr hohe Preise und scheinen unverwüstlich zu sein. Die MASTER 424 Studio Cassette ist eine C60-Kassette und soll erst mal nur in den USA erhältlich sein.

Für mich steht fest: So sehr ich Retro bin, so sehr bin ich auch Realist. Ich kaufe mir keine Kassettenrekorder und keine Kassetten mehr. Aber vielleicht entstaube ich meinen Recorder Sony TC-D5 M, reinige ihn und bestücke ich ihn mit neuen Batterien. Das Ding ist für mich ein Schlachtross der Audio-Reporter, wobei ich es persönlich mehr für die Vertonung von Super 8-Filmen genutzt habe. Und da sagt man ja auch, Super 8 stehe vor einem Comeback.

Filmtipp: The Lodge

4. Januar 2022

Im Genre des fanatischen Films mag ich eher die geheimnisvollen, spukhaften Vertreter der Zunft, die auf mich nachhaltig wirken. So ein Vertreter ist The Lodge, dessen Tipp ich aus einer Facebook-Gruppe über Horrorfilme erhalten habe.

The Lodge ist ein US-amerikanischer psychologischer Horrorfilm vom österreichischen Regieduo Veronika Franz und Severin Fiala. Im Film geht es um religiösen Wahn, Verlust der Mutter und Grausamkeiten von Kindern. Ein Grund, weshalb ich mir Lodge angeschafft habe, war, dass die britische Traditionsfirma Hammer mitproduziert hat. Ich bin ein Fan der alten und neuen Hammer-Studios.

Als ich den Film sah, erinnerte ich mich wieder an eine großartige Werbekampagne in Youtube. Dort wurde der Film als „unheimlichster Thriller aller Zeiten“ bezeichnet. Nun, das ist The Lodge nicht geworden, aber es ein unheimlich, psychologischer Genrebeitrag geworden, der in Kanada im verschneiten Bergen gedreht wurde. Die Aufnahmen von Kameramann Thimios Bakatakis verbeugen sich immer wieder vor Kubricks Shining. Das Duo war ja auch mal im Gespräch die Fortsetzung von Kubricks Film zu drehen, was aber im Schnee verlief.

Persönlicher Nachruf auf Ponkie

3. Januar 2022

Zu meiner Studentenzeit war ich dreimal am Tag im Kino. Ich war auf den Presseverteilern diverser Filmverleihe und schaute mit die Pressevorführungen der aktuellen Kinofilme mit kritischem Auge an. Da traf ich auch Ponkie, ohne dass ich wusste, wer Ilse Kümpfel-Schliekman eigentlich ist.
Ich kannte zwar ihren Namen, ich las gerne ihre Kritiken zu Kinofilmen in der Münchner Abendzeitung, aber gesehen hatte ich die große Dame der Filmkritik nie bewusst. Bis dann eine Vorführung Ende der 80er Jahren kam. Ich setzte mich in meinem Kinosessel, in der Nähe von mir waren für mich damals älteren Herrschaften und wartete auf den Beginn des Films. Die Gruppe von Leute scherzte, lachte und wetteiferte miteinander. Der Film begann, damals gab es noch Titel, und die Gruppe unterhielt sich angeregt weiter. Wenn ich etwas im Kino nicht haben kann, dann ist das Gequatsche oder schmatzendes Verspeisen von Popcorn. Als gut erzogener junger Mann sprach ich die Gruppe an und bat sie höflich um Ruhe. Buhen und Lachen kamen mir entgegen. Erbost setzte ich mich weg und schaute mir den Film an.

Diese Frau lockte mich früher ins Kino.
Diese Frau lockte mich früher ins Kino.

Nach der Vorstellung kam im Foyer eine ältere Dame mit Stubenfliegenbrille auf mich zu. Sie war der Mittelpunkt der störenden Gruppe. Ich dachte, sie wäre auf Streit aus, stattdessen entschuldigte sich die Frau für das Stören und ging. Ein Kollege kam auf mich zu und fragte, was denn die legendäre Ponkie von mir gewollt habe. Da wurde mir klar, wen ich da getroffen hatte. Die dienstälteste Filmkritikerin der Abendzeitung. Später traf ich sie immer wieder bei Vorführungen, aber gesprochen haben wir nicht. Ich hab sie dafür immer gerne gelesen. Nun ist Ponkie im Alter von 95 Jahren am 30. Dezember 2021 verstorben. Schade, ich hätte mal wirklich mit ihr sprechen sollen.

Mein persönlicher Jahresrückblick 2021

1. Januar 2022

Der Jahreswechsel ist vollzogen und damit steht ein sentimentaler Blick zurück auf das Jahr 2021 an. Die beste Nachricht: Meine Familie und ich sind alle gesund. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Durch sorgsamen Umgang, Abstand und Kontaktreduzierung konnten wir eine Ansteckung vermeiden.

Rückblickend kann ich von keinen großen Reisen erzählen (ich musste einmal beruflich nach Salzburg), von keinen großen Abendteuern, keinen großen Treffen oder Interviews. Ich war einfach das ganze Jahr meist zu Hause und nur ganz selten unterwegs. Mein Büro im Dach wurde technisch weiter optimiert und wir haben als Highlight einen schnelleren Internet-Anschluss. Zusammen mit meiner Frau haben wir Golf gespielt – 2022 will ich das Ding mit dem Handicap angehen. Unser Club ist nur 10 Minuten von zu Hause entfernt und so waren im Jahr 2021 wieder spontane 9-Loch-Partien möglich. Und ich habe Qigong und Yoga im örtlichen Verein gemacht und es tut mir gut. Qigong musste ich vereinsmäßig aber wieder beenden, weil sich die Trainerin nicht impfen lassen wollte. Und ich bin vermehrt Fahrrad gefahren.

Da ich die meiste Zeit zu Hause war, war ich auch erster Ansprechpartner für unsere beiden Kater Parsifal und Atari. Die Herrschaften sind seit September 2020 bei uns und in dem einen Jahr ziemlich groß und neugierig geworden – jeder auf seine Art. Nachts wird oft mit dem scheuen Atari gekuschelt, tagsüber mit dem Draufgänger Parsifal. Ich habe sie beide sehr sehr lieb. Mein verbliebener Wellensittich Dr. Watson ist zu meiner Mutter gezogen.

2021 aus beruflicher Sicht
Fest steht: Für 2022 muss sich etwas ändern. Ich werde mich mein Leistungsspektrum optimieren, nachdem Corona auch 2021 mir das Geschäft ziemlich versaut hat. Als Soloselbstständiger war das Jahr kein Zuckerlecken. Die meisten Vorträge und Seminare vor Menschen sind aufgrund Corona geplatzt. Online-Veranstaltungen habe ich massiv hochgefahren, aber können den Verlust von Präsenzveranstaltungen nicht kompensieren.

Hier war ich mal für den BLSV unterwegs.

Aber ich will nicht klagen. Das Glas ist bei mir immer halb voll statt halb leer. Ein Kunde war aufgrund von Corona sehr beratungsintensiv und ich hatte für ihn enorme PR-Erfolge zu verzeichnen. Agenturen wären bei diesen Aktionen reich geworden, ich bin es nicht. Aber neue Kunden sind zudem hinzu gekommen, auf denen sich aufbauen lässt. Es gibt neue Ideen für 2022.

Online-Engagement 2021
Am 16. Mai 2021 startete ich meinen redaktion42-Newsletter. Ich wollte das Kommunikationsmittel zunächst alle zwei Wochen einsetzen, entschied mich aufgrund der enormen Resonanz auf eine wöchentliche Erscheinungsweise. Ziel war es zunächst, die Seminare mit mir zu bewerben, um meine Marke zu schärfen. Jeden Sonntag geht der Newsletter an meine Abonnenten heraus, die Woche für Woche ansteigen. Der Inhalt sind heute Seminarhinweise, Neuigkeiten aus dem Bereich Social Media und Internet, Software-Vorschläge, Hinweise aus meinem Blog redaktion42.com, Buchtipps und mein Kollege Thomas Gerlach steuert ein Rezept aus seinem Kochblog bei. Die ganze Sache macht Arbeit, aber wenn ich mir die Analysetools ansehe, dann stell ich fest: Der Newsletter wird angenommen. Das Feedback meiner Abonnenten ist gut, es entstehen Dialoge. Ich werde in den nächsten Wochen den Newsletter weiter optimieren und neue Inhalte generieren. Ich spiele mit dem Gedanken, Beiträge über Metaverse einzubauen. Und ich will versuchen, den Newsletter mit Anzeigen zu kommerzialisieren, denn die ganze Sache nimmt gehörig Zeit in Anspruch. Wenn jemand Lust auf ein Sponsoring hat, der darf sich vertrauensvoll an mich wenden.

Streaming-Experiment 2021
Ein zweites Experiment habe ich zusammen mit meinen Kollegen Thomas Gerlach gestartet. Einen Live-YouTube-Stream der Lange und der Gerlach. Er ist für mich aus einem Corona-Experiment hervorgegangen: Um fit zu bleiben, gehe ich eine Stunde spazieren und habe da einen Live-Stream Morgengedanken gestartet. Das stellte sich als ziemliche technische Herausforderung heraus. Gestreamt wurde mit dem Smartphone, das in einen Gimbal hängt, um die Erschütterungen beim Gehen auszugleichen. Der Ton machte die meisten Probleme, denn es weht ziemlich auf meiner Spazierstrecke. Am Ende bin ich bei einer Funkstrecke von Roede gelandet.

Der Stream vor Silvester von Der Lange und der Gerlach

Der Stream Der Lange und der Gerlach spielt in einer anderen Liga. Wir streamen via Zoom live in YouTube auf meinem Kanal redaktion42. Inzwischen sind wir bei einem wöchentlichen Format angekommen und sprechen unterhaltsam über Neuerungen aus dem Netz, aber auch allgemeine Themen, die unsere Community interessant findet. Unsere Premiere war eine Übertragung aus Rom mit dem Smartphone, ganz ohne Ü-Wagen Ich habe eine eigene Playlist auf meinem Kanal angelegt, wer die früheren Folgen sich ansehen will. Mal sehen, wie sich dieses Format entwickelt, wie wir es ausbauen. Auf jeden Fall konnte ich enorme Erfahrungen sammeln.

Neues Betätigungsfeld Podcast
Nachdem es von Kunden immer wieder nachgefragt wird, stieg ich 2021 auch in das Podcasten ein. Radio, nur anders heißt die Devise. Dank meiner journalistischen Ausbildung und langjährigen Praxis ist es kein Problem die richtigen Fragen zu stellen, damit das Ganze nicht geschwätzig, sondern unterhaltsam und lehrreich wird. Ich habe mir dazu ein Tascam Mixcast 4 angeschafft und bin bisher mit der Hardware hoch zufrieden. Nun gilt es für 2022 weitere Kunden zu finden und den Workflow optimieren. Zudem möchte ich einen privaten Podcast starten mit vielen meiner Bekannten aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens. Ich kann Telefonanrufe mit dem Gerät einbinden und Gespräche aufzeichnen. Vielen Leuten fällt es leichter am Telefon über ihre Geschichte zu sprechen als vor einer Videokamera mit Scheinwerfern und Mikrofonen. Spannende Zeiten, was ich aus dem Büro alles so produzieren kann.

Die nächste Stufe der Seminare werden hybride Veranstaltungen sein. Also kleine Gesprächsrunden und Seminare mit Teilnehmern vor Ort und Teilnehmern im Netz. Ein paar Ideen dazu gibt es schon, jetzt geht es an die Feinarbeit.

Und ich habe gemerkt, wie sehr mir das Fotografieren fehlt. Ich bin Co-Admin einer Facebook-Fotogruppe und bekomme dadurch sehr viele optische Inspirationen. In meinem Newsletter habe ich ein Foto der Woche von mir. Das geht alles in die richtige Richtung. In der Familie teilt keiner diese Fotoleidenschaft und so wird es wohl eine einsame Beschäftigung bleiben.

Und ich will 2022 wieder die 360 Grad Fotografie für Google StreetView verstärkt aufnehmen und der Community etwas zurückgeben, die ich ja auch nutze. Ich habe mehrere Kameras herumliegen und werde mir überlegen, was ich mit ihnen anstelle.

360 Grad Kamera am eBike.

Retro-Hobbys pflegen
Als leidenschaftlicher Sammler pflegte ich einige Hobbys und will drei von ihnen 2022 weiterführen: Retrogames, Laserdiscs und Super 8.

Als Kind liebte ich Videospiele und mein erste wirkliche Konsole war das Atari 2600. Noch heute zocke ich die alten Cartridges mit Spielen wie Space Invaders, PacMan und Missle Command – allesamt Klassiker. Ein bisschen habe ich mich versteift Versoftungen von Filmen zu sammeln: King Kong, Krull, Star Wars, Superman – die jüngste Anschaffung war ein komplettes Star Trek-Spiel.


Und ich werde meine Laserdisc-Sammlung weiter ausbauen. Laserdisc war ein Groschengrab nach VHS und vor DVD, also große silberne Scheiben mit Filmen und Konzerten. Ich halte Ausschau nach ein paar Criterion-Ausgaben. Im Moment besitze ich drei Player von Pioneer und Sony, damit ich auch mögliche fehlerbehaftet Discs vielleicht doch abspielen kann.

Meine Kinoleidenschaft begann als Jugendlicher in den Siebzigern. Ich besuchte jeden Samstag die Jugendvorstellung des örtlichen Kinos und schaute mir Bud Spencer/Terence Hill, aber vor allem Godzilla-Filme an. Und ich träumte davon Kinofilme zu Hause anzuschauen und zwar unabhängig der TV-Programme, die wir damals empfingen: ARD, ZDF, BR, ORF 1, ORF 2. Fernsehen begann damals am Nachmittag und nachts war mit der Nationalhymne Schluss. Wie toll wär es, wenn man unabhängig vom Kino und Fernsehen sich einen Film anschauen könnte. Das war der Einstieg in Super 8. Zum ersten Mal konnte man Filme für zu Hause kaufen und anschauen. Die Sachen waren sehr teuer, die Filme zusammengeschnitten, aber die Tatsache war eine Revolution: Filme in den eigenen vier Wänden – ähnliches empfand ich bei Videospielen.

Im Zeitalter von Plattformen wird man darüber lachen, aber mich hatte das Fieber infiziert. 2021 holte ich die alten Projektoren hervor und nerve seitdem meine Familie mit Super 8-Filmabenden, wobei keiner hier meine Leidenschaft des knatternden Projektors teilen kann. K2 fragte, warum wir nicht den gleichen Film in 4K-Auflösung auf dem Beamer in Großprojektion schauen? Nun natürlich hat das Kind Recht.

Atari bewacht die komplett Super 8-Fassung von Caligari.

Als persönliches Highlight habe ich mir dieses Jahr die Super 8-Fassung eines der größten Klassiker des deutschen Expressionismus angeschafft: Das Kabinett des Dr. Caligari – was kann es schöneres geben?

Wenn Sie es bis hierin geschafft haben – in diesem Sinne: Ich wünsche ein gesundes Jahr 2022 und wer grüne Kekse findet, sollte vorsichtig sein (Soylent Green).