Die Gemeindebücherei Maisach ist längst mehr als ein Ort, an dem Bücher ausgeliehen werden. Sie entwickelt sich zunehmend zu einem Treffpunkt für Menschen aller Generationen. In der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Seitensprung“ sprechen Büchereileiterin Beate Seyschab und Journalist Matthias J. Lange über die Begeisterung für Tonies, den Ärger über Diebstähle, neue Veranstaltungsformate und die Herausforderungen knapper kommunaler Kassen. Auch die kommenden Veranstaltungen bis Weihnachten stehen im Mittelpunkt des Gesprächs.

Schnell wenden sich die beiden einem Thema zu, das besonders bei jungen Büchereibesuchern hoch im Kurs steht: den Tonies. Die kleinen Hörspielfiguren haben sich zu einem beliebten Ausleihmedium entwickelt und füllen inzwischen ganze Regale in der Gemeindebücherei Maisach.
„Was früher die CD oder die Kassette war, ist heute der Tonie“, erklärt Seyschab. Die Figuren werden auf eine sogenannte Toniebox gestellt und spielen anschließend Geschichten, Hörspiele oder Musik ab. Das Konzept ist einfach und begeistert vor allem Kinder. Allerdings hat die Begeisterung ihren Preis. „So eine Figur kostet 16,99 Euro. Und auch wir zahlen den vollen Preis“, betont die Büchereileiterin. Entgegen einer verbreiteten Vorstellung erhalten öffentliche Büchereien keineswegs sämtliche Medien kostenlos.
Problematisch wird es, wenn die begehrten Figuren verschwinden. In mehreren Büchereien des Landkreises Fürstenfeldbruck kam es bereits zu größeren Diebstählen. Maisach blieb von solchen gezielten Aktionen bislang verschont, doch auch hier gibt es Verluste. Seyschab möchte dabei nicht grundsätzlich kriminelle Absichten unterstellen. Manchmal könne eine Figur versehentlich im Kinderwagen landen und werde anschließend nicht zurückgebracht. Dennoch stellt sie klar: „Wenn sich Einzelne bereichern auf Kosten der Allgemeinheit, ist das eine Straftat.“
Die Büchereileiterin verweist auf die gesellschaftliche Bedeutung öffentlicher Bibliotheken. Gerade Menschen mit geringem Einkommen sollen unkompliziert Zugang zu Bildung, Literatur und Unterhaltung erhalten. Kinder können in Maisach sogar kostenlos ausleihen. Jeder verschwundene Tonie bedeutet deshalb einen Verlust für die gesamte Gemeinschaft. „Wir haben nicht das Geld, alle, die weg sind, neu zu kaufen“, erklärt Seyschab mit Blick auf die angespannte kommunale Haushaltslage. Bei nachgewiesenem vorsätzlichem Diebstahl würde sie die betreffende Person von der Büchereinutzung ausschließen und Anzeige erstatten.
Neben dem finanziellen Wert haben die Figuren inzwischen auch einen erheblichen Sammlerwert. Manche älteren oder limitierten Tonies werden auf Internetplattformen zu Preisen gehandelt, die über dem ursprünglichen Verkaufspreis liegen. Lange erinnert sich in diesem Zusammenhang an seine Kindheit mit Märchenschallplatten, Pumuckl und Hui Buh. Besonders die Hörspielproduktionen des Labels Europa sind ihm in Erinnerung geblieben. „Ich komme ja noch aus dem Zeitalter der Schallplatte“, erzählt er und schwärmt von den Geschichten, die ihn als Kind begleitet haben.
Viele dieser Klassiker erleben auf den neuen Tonträgern eine Renaissance. Auch Figuren aus den Büchern von Otfried Preußler sind vertreten. Für Lange ist das ein schönes Beispiel dafür, wie alte Geschichten durch neue Technik weitere Generationen erreichen können. Gleichzeitig interessiert ihn, ob künftig auch klassische Gruselliteratur von Edgar Allan Poe oder andere anspruchsvollere Stoffe ihren Weg auf die Toniebox finden könnten.
Eine weitere Möglichkeit bieten sogenannte Kreativ-Tonies, die sich mit eigenen Aufnahmen bespielen lassen. Eltern können damit beispielsweise Gute-Nacht-Geschichten für ihre Kinder aufnehmen. Daraus entwickelt sich während des Gesprächs spontan eine Idee für die Gemeindebücherei: ein Ferienprogramm, bei dem Kinder eigene Hörbücher produzieren. „Wir machen ein Hörbuch“, schlägt Lange vor. Seyschab zeigt sich aufgeschlossen: „Ja, also warum nicht?“
Die Bücherei als Wohnzimmer der Gemeinde
Ein besonderes Anliegen der Büchereileiterin ist es, die Einrichtung als sozialen Treffpunkt weiterzuentwickeln. Dazu gehört ein neues Angebot, das am Mittwoch, 4. November, erstmals stattfindet. Von 10 bis 11.30 Uhr treffen sich die „Maisacher Maschenmacher“ im Lesecafé. Willkommen sind alle, die gerne stricken oder häkeln, unabhängig von Alter oder Vorkenntnissen. Eigene Handarbeiten können mitgebracht werden, gleichzeitig bereitet eine Mitarbeiterin kleine gemeinsame Projekte vor.
„Wir möchten einfach so ein bisschen die Geselligkeit, das Miteinander fördern, vielleicht mal mit dem Nachbarn ins Gespräch kommen“, erläutert Seyschab. Kaffee und Tee gehören selbstverständlich dazu. Das neue Format ist zunächst ein Versuch, dessen Fortsetzung vom Interesse der Besucher abhängt.
Lange begrüßt die Initiative ausdrücklich. Für ihn muss eine moderne Bücherei mehr sein als ein stiller Raum voller Bücher. „Ich sage immer, die Bücherei ist das Wohnzimmer des Ortes“, formuliert er seinen Anspruch. Seyschab kann diesem Gedanken viel abgewinnen: „Das möchte ich auch erreichen, dass die Leute, wenn sie hier reinkommen, sich wohlfühlen.“
Gleichzeitig soll die Bücherei weiterhin Rückzugsmöglichkeiten zum konzentrierten Lesen, Lernen und Arbeiten bieten. Seyschab sieht darin keinen Widerspruch. Gerade am Mittwochvormittag sei der Publikumsverkehr überschaubar, sodass sich geselliges Beisammensein im Lesecafé und ruhiges Arbeiten gut miteinander vereinbaren ließen. Die positive Resonanz der Besucher bestätigt die Büchereileiterin in ihrem Konzept.
Krimilesung mit Weinprobe und Weihnachtsdekoration für einen guten Zweck
Auch der Veranstaltungskalender der kommenden Wochen zeigt, wie vielseitig die Gemeindebücherei aufgestellt ist. Am 29. Oktober findet von 15 bis 16 Uhr eine Vorlesestunde für Kinder ab vier Jahren statt. Am 10. November folgt von 15 bis 15.30 Uhr die englischsprachige Vorlesestunde.
Ein besonderer literarischer Höhepunkt steht am 11. November auf dem Programm. Dann besucht die österreichische Autorin Fanny Svoboda die Gemeindebücherei und stellt ihre Kriminalromane „Marillenknödelmord“ und „Sonnenwendmord“ vor. Passend zum Schauplatz ihrer Geschichten bringt sie Wein aus der Wachau mit, den die Besucher probieren können. „Da freue ich mich sehr drauf. Das ist mal was ganz anderes“, sagt Seyschab über die Verbindung von Literatur und Weinverkostung.
Eine feste Größe im Veranstaltungskalender ist inzwischen die Weihnachtsdekotauschbörse. Sie beginnt am 17. November und läuft bis einschließlich 13. Dezember. Das Prinzip ist einfach: Wer Weihnachtsdekoration übrig hat, kann sie vorbeibringen. Andere Besucher dürfen sich kostenlos etwas aussuchen. Dabei geht es nicht nur um Nachhaltigkeit und die Wiederverwendung gut erhaltener Gegenstände, sondern auch um soziale Unterstützung.
„Was ich so schön finde, gerade an dieser Weihnachtsgeschichte, ist, dass wir dadurch auch die Altersheime beglücken können“, erklärt Seyschab. Ein Teil der gespendeten Dekoration wird an Senioreneinrichtungen weitergegeben. Besonders pflegebedürftige Bewohner, die ihre Zimmer nur selten verlassen können, freuen sich über weihnachtlichen Schmuck. Die Einrichtungen entscheiden selbst, welche Gegenstände sie benötigen.
Am 26. November steht eine weitere Vorlesestunde auf dem Programm. Für Donnerstag, 3. Dezember, ist von 15 bis 16.30 Uhr ein Weihnachtsbasteln für Kinder ab sechs Jahren geplant. Mitgebracht werden sollen Stifte, Schere und Kleber. Gerade bei solchen Angeboten zeigt sich allerdings erneut, wie wichtig ein sparsamer Umgang mit den vorhandenen Mitteln geworden ist.
Die Bücherei freut sich deshalb auch über Sachspenden, beispielsweise gut erhaltene Scheren oder anderes Bastelmaterial. „Bevor wir für viel Geld wieder irgendwelches Material kaufen, das dann vielleicht auch verschwindet, lieber, wenn es zu Hause rumliegt“, sagt Seyschab. Solche Spenden helfen, auch Kindern eine Teilnahme zu ermöglichen, die ihre eigenen Bastelutensilien vergessen haben.
Neue Versäumnisgebühren sollen für mehr Verbindlichkeit sorgen
Zum Abschluss des Podcasts informiert Seyschab über eine Änderung der Büchereisatzung. Seit dem 23. Oktober gelten neue Gebühren für überfällige Medien. Wer die Leihfrist überschreitet, muss künftig 20 Cent pro Medium und Tag bezahlen. Die entsprechende Änderung wurde vom Gemeinderat beschlossen.
Seyschab hält die Anpassung für angemessen. „Wir sind von den Gebühren, die wir insgesamt im Haus haben, nicht besonders extrem“, betont sie. Viele Dienstleistungen bleiben weiterhin kostenlos. Dazu zählen beispielsweise Vormerkungen oder die Ausleihe aktueller Bestseller. Auch im Vergleich mit anderen Büchereien des Landkreises bewege sich Maisach mit der neuen Versäumnisgebühr weiterhin im unteren Bereich.
Lange unterstützt die Entscheidung. Angesichts der zahlreichen kostenlosen Leistungen sei die Gebühr vertretbar. Schließlich müsse eine öffentliche Einrichtung ihre Medien zuverlässig zurückerhalten, damit sie möglichst vielen Menschen zur Verfügung stehen.
Zum Ende der Folge bedanken sich beide Gesprächspartner ausdrücklich bei den Mitarbeiterinnen der Gemeindebücherei und der Pressestelle der Gemeinde Maisach. Deren Unterstützung sei für die Öffentlichkeitsarbeit und die Durchführung der Veranstaltungen von großer Bedeutung.
Die aktuelle Ausgabe von „Seitensprung“ macht deutlich, wie sehr sich das Selbstverständnis öffentlicher Büchereien verändert hat. Bücher und Hörmedien bleiben das Fundament, doch hinzu kommen Begegnung, Kreativität, gemeinsames Lernen und gesellschaftlicher Austausch. Zwischen Toniefiguren, Krimilesungen, Stricknadeln und Weihnachtsdekoration entsteht in Maisach ein Ort, der Menschen zusammenbringt.
Oder, wie Matthias J. Lange es auf den Punkt bringt: „Die Bücherei ist das Wohnzimmer des Ortes.“























































