Helmut Newton – Polaroids: Eine Ausstellung in München und die Faszination der Polaroid Sofortbildkamera

22. Februar 2026

Jetzt aber flott. Die Ausstellung „Helmut Newton. Polaroids“ im Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung in München neigt sich dem Ende zu. Noch heute können Besucher an der Thierschplatz 6 in München eintauchen in eine Welt der Sofortbilder, die den schnellen Blick und die spontane Idee von Helmut Newton offenbaren. Die Schau zeigt über 150 Arbeiten, bestehend aus einzeln gerahmten SX‑70‑ und Polacolor‑Prints sowie vergrößerten Polaroids. Sie ist mehr als eine Retrospektive des legendären Fotografen: Sie ist zugleich ein tiefer Einblick in die Geschichte und Technik der Polaroid‑Fotografie. Es ist das zweite Mal, dass eine Helmut Newton Ausstellung in München stattfindet – und es lohnt sich.

Polaroid – Schnelle Magie aus Chemie und Technik
Polaroid‑Fotografien verdanken ihre Faszination der unmittelbaren Bildentstehung. Beim klassischen Polaroidprozess werden zwei Blattmaterialien – ein Negativ und ein Positiv – zusammen mit einem Beutel mit Entwicklerflüssigkeit durch eine Walze gezogen. Dabei platzt der Beutel auf, und der Entwickler verteilt sich zwischen Negativ und Positiv; die ungelösten Farbstoffe diffundieren in die Positivschicht, während belichtete Bereiche im Negativ fixiert werden. Innerhalb einer Minute kann das Positiv abgezogen werden und trocknet zu einem festen, glänzenden Bild. Diese Diffusions‑Transfer‑Technik, die Edwin H. Land seit 1947 entwickelte, ermöglichte die ersten schwarz‑weißen Sofortbilder und wurde 1963 mit Polacolor für Farbfotografien weiterentwickelt. Ich bin ein Fan dieser Fotografie und nutze selbst verschiedene Kameramodelle. Das Filmmaterial ist vergleichsweise teuer, aber es macht einen riesigen Spaß. Hier ein VR 360 Rundgang durch die Ausstellung:

Das Besondere an Polaroidbildern ist, dass sie Unikate sind; jedes Foto ist ein endgültiges Original. Frühere Polaroids benötigten eine Fixierpaste, die manuell über das Bild gestrichen wurde, doch mit der populären SX‑70‑Kamera entfiel dieser Schritt. Die SX-70 ist meine Liebslingskamera und ich habe verschiedene Ausgaben. Bei ihr war die Chemie bereits im Papier integriert, und das Bild wurde nach dem Auslösen automatisch aus dem Schlitz der Kamera ausgegeben. Die Polaroid SX‑70, produziert von 1972 bis 1981, war eine faltbare Einäugige Spiegelreflexkamera mit komplexem Sucherlichtweg; sie besaß einen vierlinsigen 116‑mm‑Glasobjektiv, automatische Belichtungssteuerung und eine Klappkonstruktion, die sich auf Jackentaschengröße zusammenfalten ließ. Die Filmkassetten enthielten einen integrierten 6‑Volt‑Polapulse‑Akku, der Kameraelektronik und Motor versorgte, so dass jede Packung automatisch eine frische Stromquelle mitbrachte.

Solche Sofortbildgeräte wie das SX‑70‑System revolutionierten die Fotografie und können in ihrer Spontaneität als Vorläufer der digitalen Kameradisplays betrachtet werden. Polaroid‑Fotografie war jedoch immer experimentell: Die Emulsion blieb nach dem Ausstoß mehrere Minuten lang weich und konnte zur Bildmanipulation verwendet werden – Künstler wie Lucas Samaras prägten damit einen malerischen Polaroid‑Stil. Die SX‑70‑Filme wurden 2008 eingestellt; seitdem produziert die Nachfolgefirma „Polaroid Originals“ neue Filme mit leicht anderer Chemie.

Ein Blick in Newtons kreative Werkstatt
Helmut Newton (1920–2004) nutzte die Polaroid‑Technik nicht nur als Spielerei, sondern als Arbeitsinstrument. Bei Modeaufträgen – insbesondere für Zeitschriften wie „Vogue“ – drängte es ihn, sofort zu sehen, wie seine Inszenierungen als Bild wirken würden. Das Polaroid diente ihm als Ideenskizze, um Lichtführung und Bildaufbau zu prüfen; anschließend setzte er die endgültigen Aufnahmen mit Mittelformatkamera und Film um. In Interviews gestand Newton, er sei „ungeduldig“ und wolle sofort das Ergebnis sehen.

Das Kunstfoyer präsentiert daher nicht nur perfekte Fotografien, sondern auch Entwürfe: kleine, quadratische SX‑70‑Prints und größere Polacolor‑Abzüge, auf denen Newton mit Filzstift Notizen zu Model, Auftraggeber, Aufnahmeort oder Datumsangaben hinterließ. Diese handschriftlichen Bemerkungen und Gebrauchsspuren verleihen den Bildern eine intime, arbeitsnahe Aura. Für Newton markierten viele Polaroids den Anfang eines später berühmt gewordenen Bildes; anhand der gegenübergestellten Serien erkennt man den Prozess vom spontanen Entwurf zum finalen Icon.

Newton experimentierte mit verschiedenen Polaroid‑Systemen: Er verwendete klassische SX‑70‑Kameras, Polacolor‑Material und Sofortfilm‑Rückteile, die seine Mittelformatkameras zu Sofortbildgeräten machten. Selbstverständlich hat er die Polaroids nie als reine Probebilder abgetan. Einige gab er an Kunden oder Models weiter, um ihre „Kooperation“ zu sichern; die meisten aber bewahrte er wie Schatzstücke auf. 1992 veröffentlichte er mit Schirmer/Mosel das Buch „Pola Woman“, das ausschließlich seine Polaroid‑Bilder präsentiert. Newton bezeichnete dieses Buch als „Herzensprojekt“; Kritiker beanstandeten die Unvollkommenheit der Aufnahmen, doch gerade deren Spontaneität war das Reizvolle . Posthum brachte die Helmut‑Newton‑Foundation 2011 einen weiteren Polaroid‑Band heraus.

Die Ausstellung in München – mehr als nur Fotos
„Helmut Newton. Polaroids“ ist sorgfältig kuratiert von Matthias Harder, Direktor der Helmut Newton‑Foundation. Sie zeigt ikonische Sofortbilder, die Newtons unverwechselbare Ästhetik – erotische Eleganz, provokante Blickwinkel, szenische Inszenierungen – in einem spontanen Medium einfangen. Besucher erleben gerahmte Originale: SX‑70‑Abzüge und Polacolor‑Prints werden wie eigenständige Kunstwerke präsentiert. Dann gibt es vergrößerte Polaroids zu sehen. Newton ließ manche Sofortbilder vergrößern; die Schau zeigt diese raritätenreichen Abzüge .
Interessant auch die Zwei-Bilder-Vergleiche: Anhand von Bildpaaren wird der Weg vom Polaroid‑Entwurf zum finalen Foto nachvollziehbar. Wer geduldigt ist, kann auch die Handschriftliche Notizen entziffern: Newtons Randbemerkungen erzählen Anekdoten zum Entstehungsprozess.

Es gibt auch eine Vitrine mit Polaroid‑Kameras: Eine Berliner Privatsammlung präsentiert diverse kleinere Polaroid‑Kameras, deren Formen und Funktionen den spielerischen Umgang mit der Sofortbildtechnik widerspiegeln. Dabei wird auch die Popularität der Geräte deutlich – von der Pocket‑Kamera bis zur klappbaren SX‑70 und neuere Modelle. Irgendwann besorge ich mir die I-2 noch.

Die Ausstellung bettet Newtons Arbeiten in die Geschichte der Sofortbildfotografie ein: Texttafeln erläutern Edwin Lands Erfindung der Polaroid‑Kamera und den Siegeszug der Sofortbilder seit den 1960er‑Jahren. So wird deutlich, dass Newtons Polaroids nicht nur als Arbeitsmittel dienten, sondern einen eigenen künstlerischen Stellenwert besitzen.

Polaroid‑Kameras – ikonische Technik für den Schnellschuss
Polaroid produzierte zahlreiche Kameramodelle, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind. Land Cameras wie die Model 95 (1948) erforderten noch das manuelle Abziehen des Positivs und das Auftragen einer Fixierpaste; später folgte das Modell SX‑70, das dank einer klappbaren Spiegelreflexkonstruktion und integrierter Filmkassette mit Batterie den Entwicklervorgang automatisierte und beliebig oft wiederholbar machte. Die Kameras verfügten über einen 116‑mm‑Glaslinsensatz, manuellen oder später sonar‑gesteuerten Autofokus und eine Belichtungsautomatik. Die Filme selbst waren quadratisch (rund 79 × 79 mm), wiesen eine Filmempfindlichkeit von ASA 150 auf und enthielten alle Chemikalien für Entwicklung und Fixierung. In den 1980er‑Jahren erschienen robuste „Box“-Kameras der 600‑Serie mit höherer Filmempfindlichkeit; sie waren einfacher und sollten den Massenmarkt bedienen.

Polaroid‑Farbdrucke entwickelten sich rasch zu einem Bestandteil der Pop‑ und Modeszene. Künstler nutzten die Unvorhersehbarkeit von Farbstichen und chemischen Artefakten für experimentelle Bildmanipulationen. Die Gerüche und Farbreste gehören für viele zur Polaroid‑Erfahrung: „Jeder, der jemals eine solche Kamera benutzt hat, wird den Geruch der Entwicklungsemulsion und die Faszination für das Sofortbild nicht vergessen“, heißt es im Ausstellungstext. Heute gilt die Sofortbildtechnik als Vorläufer der Digitalfotografie, weil sie das Ergebnis unmittelbar sichtbar macht  – ein Aspekt, der Newtons Arbeitsweise nachhaltig beeinflusst hat.

Nichts wie hin
Die Münchner Ausstellung „Helmut Newton. Polaroids“ ist ein Muss für Fotoliebhaber. Sie zeigt, wie der Fotograf das Sofortbild als kreatives Werkzeug nutzte und dabei eigenständige Kunstwerke schuf. Gleichzeitig lädt die Schau dazu ein, sich mit der Geschichte der Polaroid‑Kamera zu beschäftigen, die durch ihre technische Raffinesse und chemische Magie die Fotografie revolutionierte. Wer die Ausstellung vor dem 22. Februar 2026 besucht, erlebt eine faszinierende Reise vom ersten Bildentwurf zum Ikonenfoto – und erhält einen nostalgischen Blick auf die Ära der Sofortbilder, die in Newtons Händen zu Meisterwerken wurden.

BistroTalk: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern tägliche Arbeit

21. Februar 2026

Mein jüngster BistroTalk ist ein Beitrag zur Demokratie-Stärkung in meiner Wohnortgemeinde Maisach. Im BistroTalk aus der Bar SixtyFour in Maisach sprach ich mit Florian Wiesent, Amtsleiter für Öffentliche Sicherheit und Ordnung der Gemeinde Maisach, über die anstehenden Kommunalwahlen – und damit über ein Thema, das unmittelbar den Kern demokratischer Selbstverwaltung berührt. Gleich zu Beginn wurde deutlich, dass es nicht um parteipolitische Werbung geht, sondern um Aufklärung: Wie funktioniert die Wahl konkret, welche Regeln gelten, welche Verantwortung trägt die Verwaltung – und welche Rolle haben Bürgerinnen und Bürger, damit Demokratie vor Ort lebendig bleibt. Hier die Aufzeichnung:

Organisatorische Vorbereitung
Florian Wiesent beschrieb die Gemeinde bereits mitten in der organisatorischen Vorbereitung. Die Wahlbenachrichtigungen seien verschickt, aktuell laufe vor allem die Abwicklung der Briefwahl auf Hochtouren. Dahinter stecke echte Handarbeit: Antrag, Wahlschein, Stimmzettel, mehrere Umschläge, Merkblatt – alles müsse korrekt zusammengestellt, kuvertiert und versandfertig gemacht werden. Der Versand starte dann; die Gemeinde übergibt diese Aufgabe nicht einfach vollständig an Dienstleister, sondern organisiert wesentliche Schritte selbst. Wiesent betonte den Aufwand, machte aber ebenso klar, dass die Verwaltung als Team arbeite, um die Abläufe zuverlässig zu stemmen. Die Wahl sei eine logistische Großaufgabe, aber vor allem eine Aufgabe, die Vertrauen verdient – und dafür brauche es Sorgfalt.

Die Arbeit der Wahlhelfer
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war das Thema Wahlhelferinnen und Wahlhelfer als tragende Säule demokratischer Praxis. Wiesent nannte konkrete Zahlen: In Maisach gebe es einen Pool von rund 320 Wahlhelfern, benötigt würden für die Kommunalwahl 244 Personen in den Wahllokalen sowie zusätzlich etwa 15 Mitarbeitende in der Verwaltung für Annahme, Prüfung und Weitergabe der Schnellmeldungen. Das Werben um genügend Unterstützung sei nicht ganz einfach gewesen, doch alle Positionen seien derzeit besetzt. Zugleich ermutigte er zur Beteiligung: Wer sich für künftige Wahlen engagieren wolle, könne sich weiterhin melden und in den Pool aufnehmen lassen. Damit wurde ein Grundgedanke des Abends greifbar: Demokratie findet nicht nur am Stimmzettel statt, sondern auch durch Mitarbeit und Verantwortung im Ablauf.

Was wird gewählt?
Inhaltlich ordnete das Gespräch die Kommunalwahl als besonders vielschichtig ein. Gewählt werden nicht nur Gemeinderat und Bürgermeister, sondern auch Landrat und Kreistag. Gerade diese Vielfalt, kombiniert mit den komplexen Stimmzetteln, mache die Kommunalwahl organisatorisch anspruchsvoll. Wiesent erklärte, dass es diesmal vier Stimmzettel gebe, wobei insbesondere der Kreistagsstimmzettel durch die große Zahl an möglichen Stimmen herausrage: Bis zu 70 Stimmen können dort vergeben werden. Beim Gemeinderat in Maisach sind es 24 Stimmen, passend zur Anzahl der Sitze. Damit wird sichtbar, wie stark kommunale Wahlen auf Personen und konkrete örtliche Vertretung ausgerichtet sind – und wie sehr sie Bürgerinnen und Bürgern Gestaltungsspielraum geben.

Auszählen mit Barcodes
Zur Bewältigung dieser Komplexität setzt die Gemeinde bei der Auszählung auf EDV-Unterstützung. Wiesent erläuterte das System mit Barcodes neben den Kandidatennamen und Barcode-Lesestiften: Die Stimmen werden gemäß Markierung erfasst, das Programm prüft im Hintergrund die Gültigkeit des Stimmzettels. Zugleich betonte er die Kontrollmechanismen: Es werde nicht „automatisch“ im Sinne eines Wahlautomaten entschieden, sondern die Technik unterstütze die Arbeit, während Menschen weiterhin prüfen und kontrollieren. Der Umgang mit Technik werde zudem geschult; die Geräte seien dauerhaft angeschlossen, um Ausfälle zu vermeiden. Damit wurde ein demokratischer Kernpunkt angesprochen: Moderne Verfahren können helfen, Transparenz und Verlässlichkeit zu sichern – aber Vertrauen entsteht durch nachvollziehbare Prozesse, klare Regeln und menschliche Kontrolle.

Kumulieren und Panaschieren
Sehr ausführlich ging es um die Wahlmöglichkeiten selbst, insbesondere um Kumulieren und Panaschieren. Wiesent erklärte die Begriffe pragmatisch: Kumulieren bedeutet, einer Person bis zu drei Stimmen geben zu können; Panaschieren heißt, Stimmen über verschiedene Listen hinweg zu verteilen. Auch das Streichen einzelner Kandidaten trotz Listenkreuz sei möglich. Gleichzeitig wurde deutlich, wo typische Fehler entstehen: Der häufigste Fehler sei das Vergeben zu vieler Stimmen. Korrekturen seien jedoch möglich, wenn sie eindeutig vorgenommen werden – etwa durch sauberes Durchstreichen und klare Neumarkierung. Das Gespräch blieb dabei bewusst auf der Ebene der Regeln und Abläufe und machte klar: Die Verwaltung bewertet nicht politische Inhalte, sondern allein die formale Gültigkeit.

Wahl des Bürgermeisters
Ein besonders demokratierelevanter Punkt war die Frage nach Kandidaturen und Alternativen. Im Gespräch wurde angesprochen, dass es bei der Bürgermeisterwahl nur einen offiziellen Vorschlag gibt – und dass Demokratie dennoch Wahlmöglichkeiten kennt. Wiesent erläuterte, dass Bürgerinnen und Bürger beim Bürgermeister in der vorgesehenen Zeile eine andere wählbare Person aus dem Gemeindegebiet handschriftlich eintragen können. Das zeige: Selbst wenn das Bewerberfeld klein ist, bleibt das Wahlrecht in seinem Grundprinzip offen. Gleichzeitig wurde realistisch eingeordnet, dass eine solche Wahl in der Praxis selten vorkommt und dass eine gewählte Person die Wahl auch annehmen muss. Das Gespräch streifte damit eine Herausforderung vieler Kommunen: demokratische Auswahl lebt von Beteiligung – und Beteiligung setzt Menschen voraus, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Die Wahllokale
Auch die Wahllokale und deren Einteilung wurden thematisiert – inklusive des Spannungsfelds zwischen organisatorischer Effizienz und lokalem Selbstverständnis. Wiesent nannte die konkrete Struktur: vier Wahllokale im Hauptort Maisach, drei in Gernlinden (darunter eines im Pflegeheim), sowie je ein Wahllokal in Überacker, Rottbach und Malching. Besonders Rottbach wurde als Beispiel genannt: Aus verwaltungstechnischer Sicht hätte eine Zusammenlegung wegen der Wählerzahlen und des Personalbedarfs Sinn ergeben, politisch und im Ort bestand jedoch der Wunsch nach einem eigenen Wahllokal. Der Gemeinderat habe 2024 beschlossen, der Verwaltung nahezulegen, das Wahllokal beizubehalten – und die Verwaltung sei dem gefolgt. In dieser Passage wurde ein Demokratieprinzip im Kleinen sichtbar: Verwaltung handelt nach Regeln und Zweckmäßigkeit, demokratisch legitimierte Gremien artikulieren den politischen Willen, und am Ende wird ein Ausgleich gesucht, der nachvollziehbar bleibt.

Stimmabgabe
Zu den Wahlzeiten stellte Wiesent klar: Am Wahlsonntag ist die Stimmabgabe von 8 bis 18 Uhr möglich. Nach 18 Uhr wird niemand mehr eingelassen, aber wer rechtzeitig im Wahllokal ist, darf auch dann noch wählen. Für Menschen, die es zeitlich nicht schaffen, ist die Briefwahl die Alternative. Briefwahlunterlagen müssen spätestens bis 18 Uhr am Wahlsonntag im Rathausbriefkasten eingegangen sein – später eintreffende Wahlbriefe werden nicht mehr berücksichtigt, ungeöffnet als verspätet gekennzeichnet und entsprechend aufbewahrt, bis die gesetzliche Frist zur Vernichtung abläuft. Die Formulierung „ungeöffnet“ war hier zentral: Die Verwaltung schützt das Wahlgeheimnis konsequent, auch wenn Neugier menschlich sein mag.

Enorme Interesse an Briefwahl
Breiten Raum nahm die Briefwahl ein, weil sie in Maisach voraussichtlich den größten Anteil ausmacht. Wiesent sprach von einer erwarteten Briefwahlquote von rund 70 Prozent. Ein Grund sei die Größe der Stimmzettel: Viele Wählerinnen und Wähler möchten die umfangreichen Listen in Ruhe zu Hause durchgehen, statt in der Wahlkabine mit begrenztem Platz zu entscheiden. Briefwahl kann online beantragt werden – über einen QR-Code auf der Wahlbenachrichtigung – oder persönlich im Rathaus. Online gelte eine frühere Frist, damit der rechtzeitige Postlauf gewährleistet bleibt; persönlich ist der Antrag bis zum Freitag vor der Wahl, 6. März, 15 Uhr möglich. Zudem wies Wiesent darauf hin, dass Briefwahl heute ohne Begründung beantragt werden kann – ein Beispiel dafür, wie Verfahren bürgerfreundlicher geworden sind, ohne den rechtlichen Rahmen aufzugeben.

Das Auszählen
Auch die Auszählung der Briefwahl wurde transparent erklärt: Ab 16 Uhr dürfen die roten Wahlbriefe geöffnet und formal geprüft werden (Wahlschein vorhanden, unterschrieben, Stimmzettelumschlag vorhanden). Der eigentliche Stimmzettelumschlag wandert danach wieder in die Urne, die bis 18 Uhr verschlossen bleibt. Erst ab 18 Uhr dürfen die weißen Umschläge geöffnet und die Stimmen ausgezählt werden. Diese zeitliche Trennung schützt das Wahlgeheimnis und verhindert, dass Ergebnisse vor Schließung der Wahllokale entstehen. Damit wurde ein wichtiger Aspekt demokratischer Fairness betont: alle sollen unter gleichen Bedingungen wählen können, ohne Einfluss durch vorzeitige Trends.

Das Auszählen
Die Reihenfolge der Auszählung erläuterte Wiesent ebenfalls: Zuerst Bürgermeister, dann Landrat, anschließend Gemeinderat und zuletzt Kreistag. Erste Ergebnisse beim Bürgermeister seien möglicherweise schon gegen 18.20 Uhr sichtbar, weitere Ergebnisse folgten gestaffelt. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Geschwindigkeit nie auf Kosten der Richtigkeit gehen dürfe. Gerade weil Wahlhelfer auch „Feierabend“ möchten, brauche es im Rathaus und in den Wahllokalen klare Abläufe und Ruhe, um Fehler zu vermeiden. Als Anerkennung für den Einsatz gibt es weiterhin Erfrischungsgeld sowie Verpflegung – Brotzeit, Obst und „Nervennahrung“ – ausdrücklich nicht als Luxus, sondern als Zeichen, dass demokratisches Engagement wertgeschätzt wird.
Ein zentrales Demokratieelement des Gesprächs war die Öffentlichkeit der Auszählung. Wiesent stellte klar: Wahlbeobachtung ist erlaubt, die Auszählung ist öffentlich, jede und jeder darf zuschauen – solange der Ablauf nicht gestört wird. Diese Transparenz ist ein Grundpfeiler des Vertrauens: Demokratie braucht nicht nur korrekte Ergebnisse, sondern auch nachvollziehbare Verfahren. Ergänzend erklärte Wiesent, dass die Verwaltung am Wahltag erreichbar ist, bei Streitfällen berät und im Zweifel auch vor Ort unterstützt. Entscheidungen trifft der Wahlvorstand, bei Bedarf mit Rückkopplung an die Verwaltung – auch hier wieder das Prinzip: Regeln, Verantwortung und Kontrolle greifen ineinander.

Wahlwerbung
Praktische Hinweise rundeten das Gespräch ab: Wahlwerbung ist am Wahltag in und unmittelbar vor Wahllokalen nicht erlaubt; Kandidaten, die als Wahlhelfer eingesetzt sind, dürfen nicht mit Parteiabzeichen oder „Wählt mich“-Symbolik auftreten. Filmen und Fotografieren im Wahllokal ist grundsätzlich untersagt, auch wenn es im Einzelfall mediale „klassische Motive“ gibt. Außerdem wurde thematisiert, dass Wahlplakate eine Woche nach der Wahl abgebaut sein müssen; Beschädigungen sind Sachbeschädigung und können angezeigt werden. In der Gemeinde gibt es Informationsmaterialien in Broschürenform am Empfang des Rathauses, außerdem auf der Gemeindehomepage einen eigenen Bereich zur Kommunalwahl. Besonders hervorgehoben wurde ein interaktiver Probestimmzettel, mit dem Bürgerinnen und Bürger das korrekte Wählen üben und prüfen können, ob ihre Stimmabgabe gültig wäre.

Auch die Frage, wer überhaupt was wählen darf, wurde erläutert – ein Punkt, der oft unterschätzt wird. Wiesent erklärte, dass für Gemeinderat und Bürgermeister bestimmte Wohnsitzfristen gelten: Wer erst kürzlich innerhalb des Landkreises zugezogen ist, kann unter Umständen Landrat und Kreistag wählen, aber noch nicht Bürgermeister und Gemeinderat. Diese Regelung sei nicht „Maisach-spezifisch“, sondern gesetzlich im Kommunalwahlrecht verankert. Damit zeigte das Gespräch, dass Demokratie immer auch aus klaren, manchmal komplexen Regeln besteht – Regeln, die Gleichheit und Zugehörigkeit definieren und deshalb erklärt werden müssen.

Der demokratische Leitgedanke zog sich bis zum Schluss durch: Wiesent wünschte sich eine möglichst hohe Wahlbeteiligung und nannte als Orientierung die letzte Kommunalwahl mit rund 65 Prozent. Die Aussage war eindeutig: Wer nicht wählt, sollte sich mit Kritik zurückhalten – nicht als moralische Keule, sondern als Erinnerung an Verantwortung. Gleichzeitig wurde der positive Gegenentwurf betont: Wer unzufrieden ist, kann sich einbringen – durch Wahl, durch Mitarbeit, durch Engagement in Parteien, Gruppierungen oder im Ehrenamt. Kommunalpolitik betrifft das unmittelbare Lebensumfeld: Infrastruktur, Finanzen, Entscheidungen über den Ort und seine Ortsteile. Gerade deshalb ist die Kommunalwahl für die Demokratie im Alltag so entscheidend.

Am Ende stand ein sachlich-optimistischer Ton: Die Organisation ist aufwendig, die Verantwortung groß, der Wahltag für alle Beteiligten anstrengend – aber das Ziel ist klar: ein Verfahren, das korrekt, transparent und vertrauenswürdig abläuft. Der BistroTalk machte damit nicht nur praktische Abläufe verständlich, sondern vermittelte vor allem, warum diese Abläufe wichtig sind: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern tägliche Arbeit – in der Verwaltung, bei den Wahlhelfern und bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die ihre Stimme abgeben.

Die glorreichen Sieben (1960) – Western-Matinee am 22. Februar im Scala Fürstenfeldbruck

20. Februar 2026

Der Westernklassiker Die glorreichen Sieben ist pures Kinoabenteuer in seiner edelsten Form – ein Film, der schon nach wenigen Minuten das Gefühl vermittelt, man säße mitten in einer Legende. Ich präsentiere diesen Klassiker am am 22. Februar im Scala Fürstenfeldbruck in meiner Western-Matinee. Karten gibt es hier.

Regisseur John Sturges entfacht hier ein episches Feuerwerk aus Spannung, Charisma und Mythos, getragen von einer Besetzung, die wirkt, als sei sie direkt aus dem kollektiven Traum des Westernkinos entstanden. Yul Brynner, Steve McQueen, Charles Bronson und ihre Mitstreiter sind nicht einfach Figuren – sie sind Archetypen, die Mut, Coolness und stille Melancholie verkörpern.

Was diesen Film so unwiderstehlich macht, ist seine Mischung aus rauer Action und unerwarteter Wärme. Hinter den Revolverduellen und staubigen Landschaften verbirgt sich eine zutiefst menschliche Geschichte über Ehre, Opferbereitschaft und die Frage, was ein Leben wirklich wertvoll macht. Wenn die sieben Revolverhelden beschließen, ein schutzloses Dorf zu verteidigen, spürt man, dass es ihnen nicht um Geld geht, sondern um Würde – und genau diese Haltung verleiht dem Film seine emotionale Wucht. Vorbild waren der japanische Klassiker die sieben Samurai.

Unvergesslich ist auch die Musik von Elmer Bernstein, deren heroisches Thema sofort Bilder von galoppierenden Pferden, wehenden Mänteln und staubigen Horizonten heraufbeschwört. Sie trägt den Film wie ein unsichtbarer Erzähler und macht jede Szene größer, mutiger und bedeutungsvoller.

Die glorreichen Sieben ist deshalb mehr als ein Western – er ist ein Mythos über Freiheit, Freundschaft und den letzten Funken Idealismus in einer harten Welt. Wer ihn sieht, versteht sofort, warum er zu den zeitlosesten Abenteuern der Filmgeschichte zählt. Also wir sehen uns am 22. Februar im Scala Fürstenfeldbruck in meiner Western-Matinee. Karten gibt es hier.

Harold & Maude (1971) – Sonder-Matinee am 21. Februar im Scala Fürstenfeldbruck

19. Februar 2026

Der Film Harold & Maude ist kein gewöhnliches Kinoerlebnis – er ist ein poetischer Befreiungsschlag für Herz und Geist. Zum Tode von Bud Cort veranstaltete ich im Scala-Fürstenfeldbruck eine Sondermatinee am Samstag, 21. Februar um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Regisseur Hal Ashby erschafft hier eine Welt, in der Morbidität und Lebenslust ein unwahrscheinliches, aber vollkommen harmonisches Paar bilden. Was zunächst wie eine schräge schwarze Komödie beginnt – die Geschichte eines todesfaszinierten jungen Mannes und einer lebenshungrigen 79-jährigen Frau – entfaltet sich schnell zu einer tief berührenden Feier des Daseins selbst.

Die Magie des Films liegt in seiner scheinbaren Leichtigkeit. Mit trockenem Humor, surrealen Einfällen und einer zärtlichen Menschenliebe erzählt er von Freiheit, Individualität und dem Mut, gegen gesellschaftliche Erwartungen zu leben. Ruth Gordon spielt Maude mit einer warmen, unbändigen Lebensenergie, die jede Szene zum Leuchten bringt, während Bud Cort als Harold eine wunderbar skurrile Mischung aus Melancholie und Staunen verkörpert. Ihre gemeinsame Chemie wirkt nicht konstruiert, sondern wie ein kleines Wunder – als hätte das Kino selbst beschlossen, zwei Seelen füreinander zu erfinden.

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Besonders bezaubernd ist die Atmosphäre: getragen von der Musik von Cat Stevens, durchzogen von leisen philosophischen Gedanken und gespickt mit Bildern, die zugleich absurd und zutiefst menschlich sind. Harold & Maude ist ein Film, der nicht nur unterhält, sondern verwandelt. Wer ihn sieht, verlässt ihn selten unverändert – meist mit einem Lächeln, einem Kloß im Hals und dem leisen Wunsch, das Leben ein bisschen mutiger, freier und liebevoller zu leben. Hier ein Nachruf von mir zum Tode von Burt Cox. Karten gibt es hier. Powered by filmreport.

Podcast: In Bewegung gegen die Angst – wie Physiotherapie Krebspatienten neue Kraft schenkt

18. Februar 2026

Im Podcast „Dombo bewegt“ spreche ich mit Norman Dombo vom Zentrum für Gesundheit Maisach anlässlich des Weltkrebstages über ein Thema, das viele Menschen betrifft und oft sprachlos macht: Krebs – und die Zeit danach. Ausgelöst durch die Nachricht vom Tod einer engagierten Persönlichkeit wird deutlich, wie nah Krankheit, Verlust und Leben beieinanderliegen. Doch der Blick richtet sich bewusst nach vorn: auf das, was möglich ist, was stärkt und was hilft.

Physiotherapie spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie beginnt nicht erst nach einer überstandenen Erkrankung, sondern kann bereits während der Krebstherapie begleiten. Bewegung wird hier nicht als Leistung verstanden, sondern als behutsamer, individuell angepasster Weg zurück zu Kraft, Stabilität und Lebensqualität. Gerade Krebspatientinnen und -patienten sind häufig körperlich geschwächt, leiden unter Erschöpfung, Schmerzen oder der sogenannten Fatigue – einer tiefgreifenden körperlichen und seelischen Müdigkeit. Ohne gezielte Unterstützung droht ein weiterer Abbau.

Genau hier setzt die spezialisierte physiotherapeutische Betreuung an. Durch angepasstes Kraft- und Ausdauertraining, durch gezielte Mobilisation und achtsame Bewegung werden Stoffwechsel, Durchblutung und Lymphfluss angeregt. Muskeln übernehmen wieder ihre natürliche Pumpfunktion, der Körper kommt in Bewegung – und damit auch seine Selbstheilungskräfte. Studien belegen eindeutig: Menschen mit Krebserkrankungen, die in Bewegung bleiben, gewinnen Energie zurück, empfinden mehr Lebensfreude und erleben eine spürbare Verbesserung ihrer körperlichen und psychischen Situation.

Physiotherapie ist dabei weit mehr als Ablenkung. Sie ist aktive Nachsorge, gezielte Unterstützung und ein wichtiges Instrument, um dem Gefühl der Ohnmacht etwas entgegenzusetzen. Unter fachkundiger Anleitung, angepasst an die jeweilige Diagnose und den individuellen Zustand, entsteht ein sicherer Raum, in dem Betroffene wieder Vertrauen in ihren Körper fassen können. Die Lebensqualität steigt, Beschwerden nehmen ab – und mit jedem Schritt wächst das Gefühl, der Krankheit nicht ausgeliefert zu sein.

„Dombo bewegt“ macht deutlich, wie wichtig dieses Thema ist – nicht nur am Weltkrebstag, sondern jeden Tag. Die klare Botschaft lautet: In Bewegung bleiben. Für den Körper, für die Seele, für das Leben.

Wenn der Recorder verstummt: Das leise Verschwinden einer ganzen Film-Ära

17. Februar 2026

Sony zieht sich schrittweise aus dem Geschäft mit Blu‑ray‑Recordern und bespielbaren Blu‑ray‑Speichermedien zurück; damit setzt sich ein Medienwandel fort, der physische Datenträger seit Jahren zugunsten digitaler Angebote an den Rand drängt.

Seit den 1960er‑Jahren haben sich die dominierenden Medienformate mehrfach grundlegend verändert: Auf frühe Heim‑Videorekorder wie das Philips‑System von 1964 folgte in den 1970er/80er‑Jahren der „Formatkrieg“ zwischen VHS, Betamax und Video 2000, den VHS mit Marktanteilen von über 90 Prozent klar gewann. In den 1990er‑Jahren löste die DVD die VHS‑Kassette ab, bot bessere Bildqualität, Bonusmaterial und war deutlich platzsparender; kurze Zeit später kam die Blu‑ray als HD‑Nachfolger, konnte aber nie an die DVD‑Verkaufszahlen anknüpfen. Parallel dazu erlebten Musik‑CDs und später auch DVD‑Video eine ähnliche Erfolgskurve, bevor Downloads und Streaming‑Dienste sie in vielen Alltagsanwendungen verdrängten.

Ein Rekorder, freilich KI generiert, um keine Rechte zu verletzen.

In der Gegenwart zeigt sich der Wandel vor allem an zwei Entwicklungen: Erstens dominiert im Unterhaltungsbereich das Streaming, im deutschen Musikmarkt etwa liegt der digitale Anteil inzwischen bei rund 87,5 Prozent, während physische Tonträger nur noch etwa ein Achtel des Umsatzes ausmachen. Ähnlich gering ist der Anteil physischer Medien in den globalen Film‑ und Games‑Märkten, wo Discs teils nur noch für wenige Prozent des Gesamtumsatzes stehen. Zweitens ziehen sich Hersteller nach und nach aus der Produktion klassischer Hardware zurück: LG und andere Unternehmen haben bereits Blu‑ray‑Player eingestellt, Sony beendet die Fertigung von wiederbeschreibbaren Blu‑ray‑Rohlingen und stellt nun auch den weltweiten Verkauf von Blu‑ray‑Recordern ein, wobei reine Abspielgeräte vorerst im Programm bleiben.

Für Filmsammler hat diese Entwicklung ambivalente Konsequenzen. Positiv ist, dass bestehende Blu‑ray‑ und UHD‑Blu‑ray‑Filme vorerst weiter produziert und verkauft werden, da sich viele Studios aufgrund der hohen Bild‑ und Tonqualität sowie der Sammlerzielgruppe weiterhin auf Premium‑Editionen konzentrieren. Gleichzeitig steigt jedoch der Druck auf die Infrastruktur: Wenn Recorder und perspektivisch auch weitere Player wegfallen, wird es schwieriger, eigene Aufnahmen anzufertigen, TV‑Ausstrahlungen zu archivieren oder beschädigte Discs zu ersetzen; zudem können Reparaturen und Ersatzgeräte teurer oder nur noch gebraucht erhältlich sein.

Hinzu kommen langfristige Risiken für Verfügbarkeit und Kuratierung: Streaming‑Kataloge ändern sich laufend, Lizenzen laufen aus, und bestimmte Nischenfilme, Schnittfassungen oder Bonusmaterialien erscheinen möglicherweise gar nicht mehr digital, wodurch physische Editionen zu letzten materiellen Zeugnissen bestimmter Fassungen werden. Für Sammler bedeutet das, dass die Rolle des physischen Mediums sich von der alltäglichen Gebrauchskopie hin zum bewussten Archiv‑ und Liebhaberstück verschiebt, bei dem sorgfältige Lagerung, funktionstüchtige Abspielgeräte und ein strategischer Aufbau der Sammlung zunehmend wichtiger werden.

Kommentar aus der Sicht eines Sammlers

Für jemanden, der Filme sammelt, fühlt sich diese Entwicklung an, als würde eine Tür zur eigenen Vergangenheit langsam zufallen. Da steckt nicht nur Technik drin, sondern ein Stück Biografie – jede Disc, jede Hülle steht für einen Moment, in dem man sich bewusst für einen Film entschieden hat, für eine bestimmte Fassung, ein bestimmtes Cover, ein bestimmtes Label. Wenn nun klar wird, dass Recorder verschwinden und die Gerätewelt rund um Discs immer dünner wird, kommt leicht das Gefühl auf, dass das, was man mühsam aufgebaut hat, von der Industrie einfach hinter sich gelassen wird.

Streaming wirkt dagegen oft kalt und flüchtig: Heute im Abo, morgen verschwunden, neu synchronisiert, gekürzt oder durch eine andere Version ersetzt. Als Sammler hat man gelernt, sich auf das zu verlassen, was im Regal steht – man sieht die Spine, zieht die Box heraus, erinnert sich wieder an ein Making‑of, ein besonderes Booklet, ein limitierte Nummer. Es ist eine Form von Kontrolle und Wertschätzung: Dieser Film gehört wirklich einem selbst, er kann nicht per Knopfdruck aus einem Katalog gelöscht werden. Wenn Hersteller nun Signale senden, dass diese Welt „ausläuft“, fühlt sich das an, als würde das eigene Hobby von der Zeit überrollt.

Gleichzeitig schwingt da auch Trotz mit: Gerade weil alles digital und beliebig wird, bekommt das physische Medium einen neuen, fast rebellischen Charakter. Man pflegt seine Geräte, hortet vielleicht noch einen Ersatz‑Player, investiert bewusster in Editionen, die einem wirklich etwas bedeuten, statt wahllos zu klicken. Die Sammlung wird weniger zum Konsumarchiv und mehr zu einem persönlichen Museum – ein Ort, an dem Filme nicht nur „verfügbar“, sondern wirklich präsent sind. Und auch wenn der Markt sich weiterdreht, bleibt dieses Gefühl, eine kleine, eigene Insel gegen das Vergessen aufgebaut zu haben.

Ein Kommentar von mir: Wenn das Recht auf Leben weniger zählt als der Ruf nach Datenschutz

16. Februar 2026

Ich bin ein konsequenter Nutzer von Bussen und Bahnen und ich kommentiere die derzeitige Debatte aus Sicht eines Fahrgastes:
Ein Zugbegleiter wird bei der Fahrscheinkontrolle totgeprügelt, die Bahn reagiert mit mehr Schutz für ihre Leute – und der erste Impuls mancher ist: „Aber der Datenschutz!“


Wenn die Deutsche Bahn sagt: Alle Beschäftigten mit Kundenkontakt bekommen auf freiwilliger Basis eine Bodycam und einen Notfallknopf, weil Übergriffe zunehmen und einer von ihnen gerade gestorben ist, dann ist das kein autoritärer Panikreflex, sondern eine längst überfällige Verteidigung elementarer körperlicher Unversehrtheit. Wer da reflexhaft Grundrechtsapokalypse ruft, ohne auch nur einen Gedanken an das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit der Beschäftigten zu verschwenden, hat die Debatte bereits moralisch verloren.


Ja, Bodycams sind ein Eingriff in Persönlichkeitsrechte, das ist unbestritten, und deswegen gibt es klare Forderungen: anlassbezogene Aufzeichnung, so wenig Daten wie möglich, klare Löschfristen, Kennzeichnung, dass gefilmt wird. Aber diese Abwägung findet ja längst statt – die Datenschutzbeauftragten sagen ausdrücklich, Schutz von Leib und Leben ist ein hohes Rechtsgut, nur müsse der Einsatz geregelt werden, nicht verhindert. Das ist etwas völlig anderes als das hysterische „Überwachungsstaat!“-Geschrei, das jede konkrete Schutzmaßnahme für Beschäftigte sofort moralisch delegitimieren will.
Ehrlich gesagt: Was ist das für ein Land, in dem manche offenbar lieber das theoretische Recht haben wollen, unerkannt andere Menschen anzupöbeln, anzuspucken oder zusammenzuschlagen, als praktische Maßnahmen zu akzeptieren, die genau diese Gewalt dokumentieren und abschrecken sollen? Wer wirklich etwas gegen eine „lückenlose Videoüberwachung der Bevölkerung“ hat, sollte gegen Vorratsdatenspeicherung, Massenüberwachung und datenhungrige Konzerne kämpfen – nicht gegen eine Zugbegleiterin, die nach einem tödlichen Angriff eine freiwillige Kamera trägt, um nach Feierabend lebend nach Hause zu kommen. Ihr habt doch einen Vogel,

Wechsel in der redaktionellen Verantwortung der Facebook-Seite „Filmreport“

15. Februar 2026

Die Facebook-Seite „Filmreport“, die seit dem 17. November 2015 besteht, geht in neue redaktionelle Hände über. Künftig liegt die Verantwortung bei dem Journalisten Matthias J. Lange, der die Seite weiterführen und mit neuen inhaltlichen Konzepten ausbauen wird.

Gegründet wurde „Filmreport“ von Markus Elfert, der die Seite über viele Jahre hinweg mit großem persönlichem Engagement aufgebaut, kontinuierlich gepflegt und erfolgreich etabliert hat. Mit seinem Einsatz, seiner Leidenschaft für Film und seinem Gespür für Themen hat er den „Filmreport“ zu einer festen Größe für Filminteressierte gemacht. „Markus Elfert ist eine feste Größe in der Filmberichterstattung und es war eine große Ehre mit ihm über Jahre hinweg zusammenzuarbeiten“, erklärt Matthias J. Lange. Er führe die Seite seit über vier Monaten kommissarisch.

Dem Gründer Markus Elfert gilt ein besonderer und herzlicher Dank. Sein unermüdlicher Einsatz, seine Kreativität und seine Begeisterung haben die Seite geprägt und eine lebendige Community entstehen lassen. Ohne seine langjährige Arbeit, seine Ausdauer und seine persönliche Handschrift wäre „Filmreport“ nicht das, was es heute ist. Für dieses außergewöhnliche Engagement gebührt ihm große Anerkennung und aufrichtiger Dank.

Mit Matthias J. Lange von redaktion42 übernimmt nun ein erfahrener Journalist die redaktionelle Leitung. Er wird die erfolgreiche Arbeit fortsetzen und „Filmreport“ zugleich mit neuen Ideen und Konzepten weiterentwickeln. Ziel ist es, die inhaltliche Vielfalt auszubauen und die Seite als Plattform für fundierte Filmberichterstattung weiter zu stärken.

Alfred Eisenstaedt – ein Meister des Augenblicks mit einer Überraschung

14. Februar 2026

Ich hab ein für mich wunderbares Schnäppchen gemacht. Bei eBay habe ich einen Fotoband von Alfred Eisenstaedt für einen schmalen Taler erworben, der eine riesige Überraschung verbarg.

Im Jahr führe ich meine Seminarreihe über politische Fotografen fort und auch sonst interessiere ich mich sehr für Fotografie (aktiv und passiv). Da darf in dieser Reihe auch Alfred Eisenstaedt nicht fehlen. Ich erwarb den Bildband Eisenstaedt über Eisenstaedt vom Schirmer/Mosel-Verlag. Das Buch umfasst eine Auswahl der Fotografien von 1913 bis 1980. Eisenstaedt selbst ist im August 1995 verstorben.

Beim Durchblättern des Buches entdeckte eine persönliche Einladung zur Vernissage für den 5. Mai 1986 bei der Alfred Eisenstaedt selbst anwesend war. Und nun der Hammer: Der großartige Fotograf unterschrieb meinen Fotoband mit Datumsangabe. Ich werde das Buch in Ehren halten.

Meister des Augenblicks
Alfred Eisenstaedt war ein Meister des Augenblicks – ein Fotograf, der nicht einfach Motive suchte, sondern menschliche Wahrheit. Seine Bilder sind stille Zeugen des 20. Jahrhunderts, erfüllt von jener seltenen Balance zwischen dokumentarischer Genauigkeit und poetischer Empfindsamkeit. In seinen Fotografien pulsiert das Leben, unverstellt und doch kunstvoll komponiert. Er verstand es, Menschen in ihren unbewachten Momenten festzuhalten, in jenen Sekunden, in denen das Herz stärker spricht als der Verstand.

Eisenstaedt gehörte zu jener Generation von Bildjournalisten, die nach den Verwüstungen des Krieges eine neue Sprache der Menschlichkeit suchten. Für „Life“ bereiste er Kontinente, porträtierte Mächtige und Unbekannte, Künstler und Arbeiter – stets mit dem gleichen aufmerksamen Blick. Seine berühmtesten Fotografien, etwa der Kuss des Matrosen am Times Square, sind längst Teil des kollektiven Gedächtnisses geworden. Doch hinter der ikonischen Oberfläche stand ein Mann, dessen größte Kunst vielleicht in seiner Empathie lag. Er sah nicht auf Menschen herab, er begegnete ihnen auf Augenhöhe – als Beobachter, der spürte, dass die Wahrheit oft im Zwischenton liegt, in einem Lächeln, einem Schatten, einer flüchtigen Geste.
Seine Fotografien erzählen keine abgeschlossenen Geschichten, sie öffnen Räume. Sie zeigen, wie Schönheit aus dem Moment erwächst, wenn Licht und Leben einander berühren. Eisenstaedt hatte das seltene Talent, Flüchtiges zu bewahren, ohne es zu erstarren – der Augenblick blieb lebendig, auch Jahrzehnte später. Seine Bilder erinnern uns daran, dass jedes Gesicht eine Geschichte trägt und dass die Kunst des Sehens immer auch eine Kunst des Mitfühlens ist.

Es gibt viele Fotos, die mich beeindruckt haben. Aber im Hinblick auf meine Reihe politischer Fotografien hat mich ein Bild besonders fasziniert. Das Bild, das Alfred Eisenstaedt 1933 von Joseph Goebbels im Garten des Carlton-Hotels in Genf aufnahm, gehört für mich zu den eindringlichsten fotografischen Entlarvungen nationalsozialistischer Machtpose. Es kondensiert in einem einzigen Blick die ideologische Menschenverachtung des NS-Regimes und die verletzliche Position eines jüdischen Fotografen, der diesem Hass frontal gegenübersteht.

Goebbels sitzt in einem einfachen Gartenstuhl, die knochigen Hände krallen sich an die Armlehnen, der Körper nach vorne gespannt, als würde er sich jederzeit in einen Angriff verwandeln können. Die Figur wirkt zwar klein und körperlich unspektakulär, doch gerade diese Mischung aus körperlicher Unsicherheit und aggressiver Spannung lässt ihn wie ein konzentriertes Bündel aus Ressentiment und Paranoia erscheinen.

Das Zentrum der Komposition sind die Augen: dunkel, verengt, der Blick nach oben direkt in die Kamera geschleudert, voll unverhohlener Feindseligkeit. Man spürt, dass hier kein flüchtiger Moment schlechter Laune eingefangen ist, sondern ein ideologisch aufgeladener Hass, der sich auf die Person vor der Kamera richtet – auf den jüdischen Fotografen, dessen Herkunft Goebbels kurz zuvor erfahren hatte.

Eisenstaedt betont diese psychologische Spannung, indem er nahe herangeht und den Raum um Goebbels herum nur als diffuse Umgebung sichtbar lässt. Der Hintergrund – eine harmlose Hotelszenerie im Grün – steht in brutalem Kontrast zu der inneren Dunkelheit des Dargestellten und verstärkt den Eindruck, dass sich der Hass mitten in einer bürgerlichen Normalität einnistet.
Entscheidend für die Wirkung ist die Doppelung, die in der Entstehungsgeschichte des Bildes liegt: Zuvor hatte Eisenstaedt Goebbels freundlich lächelnd fotografiert, erst mit der Kenntnis von dessen jüdischer Herkunft verwandelt sich das Gesicht in diese Maske aus Verachtung. Die Fotografie funktioniert deshalb auch als visuelle Demaskierung – sie zeigt, wie dünn die Fassade höflicher Diplomatie war und wie schnell der antisemitische Kern freiliegt.

Eisenstaedt selbst sprach davon, wie „horrible“ dieser Moment gewesen sei und dass es trotzdem ein stärkeres Bild wurde, gerade weil er so nah heranging und den Blick aushielt. In dieser Nähe liegt eine stille moralische Geste: Der jüdische Fotograf weicht dem Blick des Propagandaministers nicht aus, er hält ihn fest, verwandelt ihn in ein Dokument, das über den historischen Augenblick hinaus Zeugnis ablegt.

So ist das Foto nicht nur Porträt eines Mannes, sondern ein Bild der Machtverhältnisse und ihrer inneren Logik: Kleinheit, die sich zu ideologischer Gewalt aufbläst; Kälte, die sich hinter kultivierten Fassaden versteckt; Hass, der erst wirklich sichtbar wird, wenn ihm jemand standhält. Dass dieses Bild bis heute als „Eyes of Hate“ erinnert wird, zeigt, wie präzise Eisenstaedt den emotionalen Kern des Nationalsozialismus in einer einzigen fotografischen Sekunde eingefangen hat.

Erbarmungslos (Unforgiven, 1992) – Rückblick auf die Matinee

13. Februar 2026

„Erbarmungslos“ steht wie kaum ein anderer Western für die späte Selbstabrechnung eines Genres mit seinen eigenen Mythen. Clint Eastwood erzählt nicht mehr vom heldenhaften Revolvermann, sondern vom gebrochenen, alternden Killer, der erkennt, dass seine eigene Legende auf Blut, Alkohol und Zufall gebaut ist. Ich besprach diesen Film in meiner Western-Matinee im Scala. Die nächste Western-Matinee ist am Sonntag, 22. Februar der Film „Die glorreichen Sieben“. Karten gibt es hier.

Der Film kehrt die klassische Moralordnung des Westerns um: Der Mann des Gesetzes, Sheriff Little Bill, verkörpert nicht Gerechtigkeit, sondern Eitelkeit, Grausamkeit und die Gewalt des Staates, der sich selbst nicht reflektiert. Dem gegenüber stehen ausgerechnet Prostituierte als moralischer Motor der Handlung, die aus einer ökonomischen Kränkung – der Verstümmelung einer Kollegin ohne echte Strafe – eine eigene Form von Gerechtigkeit organisieren und damit das Gewaltmonopol der Männer infrage stellen. Schon darin steckt eine bittere Diagnose: Recht ist käuflich, Würde nicht. Hier mein Referat:

Zugleich ist „Erbarmungslos“ ein Film über das Scheitern von Erlösung. William Munny hat dem Alkohol abgeschworen, versucht sich als jämmerlicher Schweinefarmer, als Witwer, der den Kindern ein anderer Mensch sein will – und doch reicht ein Bündel Geld, um ihn zurück in die Hölle zu ziehen. Jeder Schritt zurück zur Waffe ist von Unbeholfenheit, körperlicher Schwäche, Angst und schlechtem Gewissen geprägt; Eastwood inszeniert das Töten als mühsame, hässliche Arbeit, ohne Spur von Glanz oder heroischer Choreografie. Dass Munny am Ende wieder zur eiskalten Tötungsmaschine wird, macht ihn nicht zum Helden, sondern zum Beweis dafür, dass manche Vergangenheiten sich nicht abstreifen lassen.

Von großer Bedeutung ist auch, wie der Film mit dem Mythos des Revolverhelden umgeht. In der Figur des schreibenden Biografen, der aus banalen, chaotischen Schießereien glatte Heldengeschichten formt, zeigt „Erbarmungslos“, wie Legenden gemacht werden: durch Auslassungen, Übertreibungen, den Wunsch nach klaren Gut-und-Böse-Erzählungen. Die Realität, die der Film zeigt, ist dagegen schmutzig, feige, zufällig: Männer, die vor Angst zittern, schlecht zielen, in den Rücken schießen und sich selbst belügen, um mit dem, was sie getan haben, leben zu können. Der Western erinnert sich so an seine eigene Funktion als nationaler Gründungsmythos – und zerlegt sie.

Damit wird „Erbarmungslos“ zu einem Spätwerk, das zugleich Testament und Widerruf ist. Eastwood, der jahrzehntelang das Gesicht des stoischen, unfehlbaren Schützen war, hält diesem Bild gewissermaßen die Waffe an den Kopf und zeigt, was hinter der Pose liegt: Schuld, Reue, Angst vor dem Sterben, aber auch die verführerische Einfachheit von Gewalt, wenn alle anderen Ordnungen versagen. In einer Zeit, in der der klassische Western bereits aus dem Mainstream verschwunden war, formuliert „Erbarmungslos“ so etwas wie den letzten, ernüchterten Satz des Genres – ein düsteres Resümee, das sowohl die Faszination wie die Lüge des Western-Mythos sichtbar macht.
Die nächste Western-Matinee ist am Sonntag, 22. Februar der Film „Die glorreichen Sieben“. Karten gibt es hier.