Gabriel Filmtheater: Das Ende des ältesten Kinos der Welt

22. September 2019

Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich in diesen Räumen verbracht habe. Ich weiß aber, dass es nun vorbei ist. Das Gabriel Filmtheater, das älteste Kino in München und zugleich das älteste Kino der Welt, ist Geschichte. Mit einem Tag der offenen Tür konnte sich das Publikum vom Kino und seinen Betreibern verabschieden. Es war für mich ein sentimentales Ereignis und eine Selbstverständlichkeit dabei zu sein.
Das Gabriel Filmtheater war für mich als Filmfreund und Filmkritiker in erster Linie ein Ort der Arbeit, aber auch ein Ort der Inspiration. Nun, ich gehöre schon lange nicht mehr zum engen Pulk der eingeschworenen Münchner Filmkritiker, die Tag ein, Tag aus ins Kino zu den Pressevorführungen gehen. Ich bekomme nur noch ab und zu Einladungen zu den Vorführungen und schreibe meine Kritiken u.a. in meinem Blog. Und ein Ort dieser exklusiven Filmvorführungen war das Gabriel Filmtheater in der Dachauer Straße 16 in München.

Im April diesen Jahres musste das Gabriel Filmtheater schließen. Nun gab es die Möglichkeit, sich von den Räumlichkeiten zu verabschieden und tief in die Geschichte eines der ältesten Kinos einzutauchen. Diese Möglichkeit wollte ich mir nicht entgehen lassen und ich musste mich persönlich verabschieden.
Die ehemaligen Betreiber Alexandra Gmell und ihr Vater Walter Büche sowie die Schauspielerin Selma Schwesig erzählten Geschichten aus dem traditionsreichen Haus und das Filmpublikum konnte alle Räumlichkeiten – einschließlich der Katakomben – alte Filmrollen und -Plakate bestaunen.
Das Gabriel Filmtheater galt als eines der ältesten Kinos der Welt. Am 21. April 1907 wurde es von Carl Gabriel unter dem Namen „The American Bio-Cie. – Carl Gabriels Theater lebender Bilder“ eröffnet. Seit 1936 war das Kino in der Hand von Alexandra Gmells Familie. Ihre Urgroßeltern Ludwig und Franziska Büche kauften das Haus, der Sohn Hans übernahm den Kinobetrieb, ihm folgte seine Frau Beatrix nach. Später übernahm ihr Sohn Hans Walter Büche, der das Gabriel bis zuletzt mit seiner Tochter betrieb.
Das Kino hatte ursprünglich einen großen Saal. Der Balkon wurde 1964 abgetrennt und es wurde das Kino 2 daraus. Hier liefen dann die Filme, die weniger Publikum anzogen. Ach ja Filme: Das Gabriel war einst auch ein Kino für Erwachsene. Das Aki im Hauptbahnhof und das Gabriel lieferten die Pornos der siebziger und achtziger Jahre. Im Keller vom Gabriel gab es noch viele Filmrollen und Plakate mit Sex-Filmchen: Die Nymphomanin Catrice, Event L’amour, Wild Lovers, Villa der Perversionen und viele mehr. Auch der sexy Historienschinken der Turm der verbotenen Liebe mit Uschi Glas war dabei.
Als Kino-Fan bin ich traurig, wenn ein Lichtspielhaus oder Filmtheater stirbt. Ich mag die Paläste der Träume. Hier bin ich ein verklärter Träumer. In meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck hat sich ein Verein gebildet, der das örtliche Lichtspielhaus als Kulturkino trägt. Ich bin hier Mitglied geworden und unterstützte das Programm mit meinem Eintritt und Mitgliedsbeiträgen. In München ist so eine Umwandlung bisher gescheitert, trotz Aufschrei der Politik.
Aber zurück zum Gabriel: Danke, dass wir in den Keller absteigen durften. Dort liegt noch allerhand Filmmaterial, Rollen, Plakate – ein Schatz für Trash-Filmfreunde. Ich hab Material zu B- und C-Movies gesehen. Viel nackte Haut, Sexfilmchen und ein bisschen Western mit Django und Franco Nero. Die Rollen stauben ein. Was mit den Schätzen passiert, wusste Alexandra Gmell noch nicht. Vielleicht gibt es eine Versteigerung. Ich habe mich auf jeden Fall auf eine Interessentenliste setzen lassen.
Die Projektoren sind schon lange abgebaut. Es gab einst noch 35 Millimeter Projektoren, die Mitte der 90er durch Beamer und Server ersetzt wurde. Zunächst gab es Festplatten, dann Download-Links für Filme – die Romantik war verschwunden.

In aller Form möchte ich mich bei den Betreibern des Gabriel für die vielen angenehmen Stunden in Ihrem Hause bedanken und wünsche alles Gute auf dem weiteren Lebensweg. – Und wir Filmkritiker müssen uns eine neue Heimat suchen. Und hier noch die Demontage des Gabriel-Schriftzugs in voller Länge.

Ausflugtipp: Längste Hängebrücke im Tibetstyle highline179 in Tirol

21. September 2019
Na, wer traut sich?

Na, wer traut sich?

Im modernen Tourismus gibt es ein Problem. Es muss immer eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden, um attraktiv zu blieben. Eine solche Neuerung gibt es in Tirol bei Reutte, die ich ausprobieren wollte.

Es gibt dort eine sehr interessante Burgruine Ehrenberg, die mit EU-Fördergeldern restauriert wurde. Es macht Spaß, durch das Burggelände zu laufen. Der Blick von den Burgzinnen ist enorm und ich setzte mich ein wenig Abseits, um meinen Gedanken nachzuhängen. Die Burg Ehrenberg ist die Ruine einer Höhenburg in 1100 m Höhe südlich über Reutte im Außerfern in Tirol. Die Burgruine ist der Mittelpunkt eines der bedeutendsten Festungsensembles Mitteleuropas. Die Burg wird von der barocken Festung Schlosskopf überragt, unterhalb sperrt die Ehrenberger Klause das Tal. Östlich der Bundesstraße vervollständigt das Fort Claudia das Befestigungssystem.

Über die Brücke highline179
Zur Burg kann man zu Fuß aufsteigen, aber seit wenigen Monaten gibt es auch eine Gondel, die den Fußkranken in die Höhe bringt. Oben angekommen kommt die Herausforderung: Die highline179, die längste Fußgängerbrücke der Welt im Tibetstyle in 114 Meter Höhe. Diesen Titel wurde der Konstruktion im Dezember 2014 vom Guinnessbuch der Rekorde verliehen.

 

Am 22. November 2014 wurde die highline179 für alle Besucher offiziell eröffnet. Und ich muss sagen: Es ist wirklich hoch. Die Brücke verbindet die Burgruine Ehrenberg mit dem Fort Claudia. 406 Meter ist der Fußweg über die Brücke lang und es weht und schwankt wirklich. Ich habe viele Besucher gesehen, die verweigerten. So mancher Hund an der Leine scheute den Weg. Nicht umsonst hat man den Hashtag BlickmitKick vergeben. Insgesamt können 500 Personen gleichzeitig über die 70 Tonnen schwere Brücke spazieren. Na, wer traut sich?

Warten auf James Bond No Time to die

20. September 2019

James Bond ist eine der erfolgreichsten Kinoserien der Filmgeschichte. Im Moment laufen die Dreharbeiten zum 25. Bond-Film No Time to die, die aber unter keinem guten Stern stehen. 

Der Start des neuen James Bond hat sich bereits zweimal verschoben. Der ursprünglich geplante Regisseur Danny Boyle (28 Days Later, Slumdog Millionär oder Steve Jobs) trat „wegen kreativer Differenzen“ vom Bond-Projekt zurück. Die Produzenten wählten nun den US-Amerikaner Cary Joji Fukunaga, der seit 4. März die Fäden in der Hand hält. Er verfilmt jetzt ein neues Drehbuch der Bond-Autoren Neal Purvis und Robert Wade. 

Rami Malek als Gegenspieler

Bond-Bösewichter haben in der Regel große Namen. Dieses Mal wird der böse Bube von Rami Malek gespielt, der eben für seine Darstellung des Freddie Mercury in Bohemian Rhapsody den Oscar erhalten hat. Ich bin sehr gespannt, ob er sich in die Riege der großen Bond-Bösewichter wie Gerd Fröbe, Curd Jürgens, Christopher Lee oder Christopher Walken einreihen kann. Welche Rolle und welchen Typ Schurke Rami Malek darstellt, ist noch völlig ungewiss. Lashana Lynch („Captain Marvel“) und Ana de Armas („Blade Runner 2049“) sind für den nächsten Bond verpflichtet. 

Ach ja und das Auto steht auch schon fest: Es wird ein Elektrofahrzeug von Aston Martin: Valhalla. Das bringt mich zurück in meine Kindheit, als ich meinen DB 5 als Spielzeugauto von Corti hatte. Es handelte sich um Corgi 271 James Bond 007 – Aston Martin DB 5, der noch original verpackt aus dem Jahre 1978 bei mir herumliegt. Ich hab mal ein Unboxing dieses wunderbaren Spielzeugs gemacht, nachdem der DB 5 im neuen Bond auch wieder vorkommen soll. Das alleine ist schon ein Grund, den neuen Bond im neuen Jahr anzusehen. 

Dreharbeiten zu No Time to Die laufen

Neuer Starttermin wird wohl der April 2020 sein. Die Dreharbeiten laufen auf Hochtouren. Der Titel des Jubiläumsbond lautet No Time to Die. Und eben bei diesen Dreharbeiten hatte sich Hauptdarsteller Daniel Craig auf Jamaika verletzt und fiel aus. Die Arbeiten konnten aber weiterlaufen. Dabei hat Craig gar keine richtige Lust den britischen Geheimagenten zu spielen, aber der entsprechende Scheck überzeugte dann doch. Es soll für ihn wirklich der letzte Bond-Film sein. 

Für mich war Craig nie die Idealbesetzung der Rolle. Ich bin ein Fan von Sean Connery, gefolgt von George Lazenby und Timothy Dalton, Roger Moore und Pierce Brosnan – in dieser Reihenfolge. David Niven, der in der verrückten Bond-Parodie Casino Royale spielt, steht außer der Reihe. George Lazenby hat im Sommer den Ort seines damaligen Wirkens besucht. 

Daniel Craig verkörperte für mich nicht die Rolle des Gentleman, nicht die kultivierte Figur, die sich Ian Fleming erdacht hat. Craig könnte auch in klassischen Action-Filmen wie Bourne-Identität oder John Wick mitspielen, für die es keinen britischen Stil braucht. Erst im jüngsten Bond Spectre von 2015 hatte für mich Daniel Craig das Niveau eines James Bond erreicht. Ich bin gespannt, wie er seine Rolle nun zum fünften Mal im 25. James Bond interpretiert. Wer ist denn eigentlich für euch der beste Bond-Darsteller? 

Sollte James Bond in Rente geschickt werden? 

Es ist wohl eindeutig, dass Daniel Craig nach diesem Bond keine Lust mehr hat, den Agenten zu spielen. Bond-Produzentin Barbara Broccoli muss nun einen neuen Bond finden. Auf die Idee, die Serie einzustellen, wird sie wohl nicht kommen. Ich habe das Gefühl, dass sich James Bond überlebt hat und das sage ich als absoluter Bond-Fan. Bitte Barbara, mach James Bond nicht kaputt. 

James Bond war für mich eine Figur des Kalten Krieges. Dieser Krieg ist in seiner damaligen Form vorbei. Diese Art der Bedrohungslage ist vorbei und sie bildete damals eine eindrucksvolle Stimmungskulisse. Die Superbösewichte waren damals glaubhafter als heute. Die Schurken hatten eine Form, die es in anderen Filmen nicht gab. Sie waren verrückt, bizarr, überheblich, aber immer irgendwie glaubhaft. Das ist heute vorbei. In den Craig-Bonds kam zwar Spectre wieder zu Tage, aber der Reiz dieser Verbrecherorganisation war verpufft. 

Einen Reiz der Bond-Filme machten auch die exotischen Schauspielorte aus. Es waren Orte, zu denen man als Normalsterblicher nie reisen konnte. Heute leistet sich der Prolet von nebenan eine Reise in die Karibik. Die Faszination von Bond ist entzaubert. Die beeindruckenden Bond-Girls posen jetzt selbst in Instagram. Die Wunderwaffen von damals sind der Realität gewichen und die schicken Autos wie ein DB5 werden nicht mehr gebaut. Für mich ist die Luft bei James Bond irgendwie raus. Da ist es ja noch schön, wenn Ernst Stavro Blofeld als Bösewicht der Vergangenheit auftritt und an die alten Bond-Filme erinnert. Christopher Walz hat einen hervorragenden Job gemacht und meinen Lieblings-Blofeld Telly Savalas abgelöst. 

Wer sollte Daniel Craig nachfolgen?

Meine Idee, die James Bond-Serie einzustellen, ist natürlich unrealistisch. Die Gelder, die Bond und das Merchandising einspielen, sind gewaltig. Auf dieses Geld will Sony sicher nicht verzichten. Also wird nach Craig ein neuer Schauspieler gesucht werden – wahrscheinlich läuft hinter den Kulissen die Suche bereits fieberhaft. 

Hier mein Autogramm von Daniel Craig von Taschen.

Hier mein Autogramm von Daniel Craig von Taschen.

Immer wieder wird Tom Hardy genannt. Er ist ein harter Hund und kommt Daniel Craig sicherlich sehr nahe. Und interessant wäre Idris Elba – er wäre der erste nichtweiße Bond und hat es in der BBC-Serie Luther zu Ansehen gebracht. 

Der Name Richard Madden fällt immer wieder und wäre ein humorvoller, jüngerer Schauspieler, der in Games of Thrones eine Fangemeinde hat. Er wird hoch gehandelt, für mich wäre es allerdings eine stillose Fehlbesetzung. 

Filmkritik: Rambo: Last Blood

19. September 2019

Ein Mann, ein Messer und John Rambo weiß damit umzugehen. Der neue Rambo: Last blood bietet das, was sich Fans vom alten Sylvester versprechen: brutal, brutaler, John Rambo.

Die Rambo-Filme haben mich Zeit ihres Bestehens auf die Palme gebracht. Jeder Film löste einen journalistischen Beißreflex in mir als Kritiker aus. War Rambo von 1982 noch ein interessantes Vietnam- Erlebnis, versuchten sich Teil 2 und 3 als Propaganda-Inszenierungen für Reagan, einmal Vietnam, einmal Afghanistan und beim Film John Rambo war es dann eben Burma. Und so auch Rambo: Last Blood, der Tuamp in die Hände spielt. Dieses Mal sind es die Mexikaner, die sich als böse Mädchen- und Drogenhändler entpuppen und von unserem Helden abgeschlachtet werden müssen. Während die alten Filme als Comic zu sehen sind (ich hab sie mir als Vorbereitung für den neuen Film bei Netflix angesehen), haben John Rambo und vor allem Rambo: Last Blood das Problem, das sie sich ernst nehmen. Teil 1-3 war Reagan, Teil 5 war Trump und er hat eine gefährliche Botschaft

Zunächst sieht im Film alles prima aus. Rambo wohnt auf der Farm des Papas in Arizona, das wissen wir aus dem Film John Rambo. Rambo hat aber ein Rad ab und haust in einem Tunnelsystem. Die Tunnelratte Rambo macht auf Familie, erleidet einen Rückschlag, tickt aus und räumt dann rücksichtslos auf. 

Ich sah im Kino Brutalität pur. In alten Zeiten wäre Rambo: Last Blood sofort auf den Index gekommen. Es ist ein systematisches Abschlachten, Meucheln, Killen, Zerquetschen, Verbrennen, Zerlegen und Ermorden der Gegner mit mehr oder weniger ausgefallenen Methoden  wie Sprengladung, Schusswaffe, Eisenstange, Messer und Pfeil & Bogen. 

Zunächst fragte ich mich, ob Rambo die Todesrate des Vorgängerfilms von 236 Toten einholen wird. Aber nein, in Rambo: Last Blood sind es (etwas) weniger Tote, aber der Tod kommt brutaler daher und findet seinen Höhepunkt bei der Entnahme des Herzens bei lebendigem Leibe. Freunde der menschlichen Anatomie kommen auf ihre Kosten. 

Und der Film selbst 

War Rambo nun ein guter Film? Handwerklich lässt sich kaum etwas meckern. Regisseur Adrian Grunberg hat einen soliden Film gemacht. Herausragend ist der Score von Brian Tyler, der bereits John Rambo vertonte und die wesentlichen Themen von Jerry Goldsmith aufnahm und in die moderne Zeit transferierte. Leider wird der Score bisher nur als Download angeboten. 

Und ein ernstzunehmender Schauspieler wird Stallone auf seine alten Tagen nicht mehr mehr. Er spielt allerdings seine Rolle des verzweifelten und gepeinigten Rächers überzeugend und Fans werden ihre Freude haben. Schauspielkunst gibt es nicht zu sehen. Die Personen agieren im Rahmen ihres Klischees. 

Die größte Schwäche des Films ist aber das Drehbuch von Matthew Cirulnick und Sylvester Stallone. Rambo: Last Blood braucht eine geschlagene halbe Stunde, um in die Gänge zu kommen. Das Intro der Rettungsmission erinnert schön an die Menschenjagd in Rambo 1 mit Regen und Wind, spielt aber im weiteren Film keine Rolle mehr. Erst Regen und Sintflut und ab in die Wüste von Arizona.  

Eine mexikanische Journalistin darf später auch kurz helfen, spielt dann auch wieder keine Rolle mehr und fällt aus dem Drehbuch. Dann haben sich die  Drehbuchautoren ein wenig an den alten Hitchcock erinnert und bauen für jugendliche Zuschauer die Geschichte des Teenager-Mädchens aus, die dann nach der Hälfte des Films stirbt. Aber seien wir doch mal ehrlich: Wer hat sich bei Rambo schon je um die Story gekümmert?

Ach ja, dann beginnt die blutige Rache von Rambo, das wollen wir eigentlich sehen. Denn im letzten Drittel geht ans Töten. John Wick erblasst und kann bei John Rambo noch was lernen. Rambo gibt Nachhilfeunterricht. Es kommt das alte Testament ins Spiel – Auge um Auge – Zahn um Zahn und am Ende von ein wenig Hosentaschenphilosophie für Arme. Stallone sagte unlängst, dass er gerne aus Rambo eine Reihe machen will. Wir sind ja inzwischen bei Teil 5. Kann er, wird er, aber muss er wirklich?

Europäisches Hansemuseum – so muss Museum heute sein

18. September 2019
Die Kaufleute der Hanse.

Die Kaufleute der Hanse.

So stelle ich mir ein Museum mit moderner, zeitgemäßer Museumskonzeption vor. Am Ende meines Aufenthalts in Lübeck besuchte ich das Europäische Hansemuseum und es war schlichtweg ein Erlebnis.
Die Hanse ist eine Mischung aus EU, NATO und OPEC des Mittelalters und nachdem ich bereits in zahlreichen Hansestädten war, war Lübeck das Zentrum dieses Reichs von Kaufmänner. Ich war von dem Museum so begeistert, dass ich mir gleich den Museumskatalog und zwei Bücher Die Hanse und Die Deutsche Hanse: Eine heimliche Supermacht im Shop kaufte und auf der 6 stündigen Heimfahrt nach Bayern verschlang.

Der Eingang zum Museum.

Der Eingang zum Museum.

Was begeisterte mich an dem Europäischen Hansemuseum? Es begann mit dem Ticket. Der Preis von 13 Euro beinhaltete das Museum und das Burgklosters, was aber aufgrund von Renovierungsarbeiten und Aufbau einer Tanzveranstaltung nur teilweise zu besichtigen war. Einen Preisnachlass gab es aber nicht. Nun, mir ging es erst mal um das Hansemuseum. Ein Eintrittskarte beinhaltet einen NFC-Code. Im Eingangsbereich mache ich meine Karte scharf, wähle aus einer von vier Sprachen. Bei mir war es Deutsch, aber es gibt auch Englisch, Schwedisch und Russisch – interessant, denn in Bayern hätte Italienisch oder Französisch dazu gehört und sicherlich Chinesisch. Dann kann ich eine von 50 europäischen Städten wählen unter deren Sichtweise meine Führung steht und zum Schluss kann ich noch ein Interessengebiet auswählen. So stelle ich mir eine individuelle Führung durch das Hansemuseum zusammen. Ich halte meine Karte vor die Monitore und ein individueller Inhalt wird angespielt – so muss Museum heute sein.

An einem Einführungsmonitor am Anfang jeder Szene gibt es einen Überblick über die dort dargestellte historische Situation. Sie wurde auf Basis aktueller Forschungsergebnisse rekonstruiert, wird mir von den Guides zu Beginn meiner Tour vermittelt. Der Rundgang ist didaktisch hervorragend aufgebaut. Es gibt so genannte Kabinette mit historischem Material und zahlreichen Erläuterungen. Dem schließen sich Räume mit Szenen in historischen Kulissen an.
Der Rundgang startet mit einer Fahrt eines Aufzugs nach unten. Hier gibt es eine Art Luftschleuse, damit die historische Grabung nicht beschädigt wird. Es zeigt die Ursprünge Lübecks und historische Schichten des Burghügels.

Dann folgen Informationen über den wegweisenden Zusammenschluss an der Newa um 1193. So geht es weiter mit Lübeck um 1226, London 1550, Hansetag 1518, Handel & Glaube, die Pest um 1367 und Brügge um 1361. Mir als Filmfreund kamen die Setbauten von Filmbau Decotec entgegen. Auch das Filmstudio Babelsberg Potsdam schuf Figuren. Den Vorwurf von „erdachten Welten“ halte ich für nicht angebracht, basiert die Konzeption und Darstellung auf historischen Fakten. In dieser Art kann ich historisches Wissen vermitteln – und es macht auch noch Spaß. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und kann gar nicht sagen, welcher Raum mir am besten gefallen hat. Wahrscheinlich war es die Idee der Hanse: Der Zusammenschluss von Menschen mit gleichem Interesse, die die Welt verändern.

Leider hatte ich nur 2,5 Stunden Zeit, die sollte man sich aber auch nehmen. Beim nächsten Lübeck-Besuch nehme ich mir einen Tag Zeit, denn alle Tafeln und Hinweise konnte ich vor Ort nicht lesen – aber ich habe ja den exzellenten Ausstellungskatalog gekauft und verschlungen. Bald fahre ich nach Riga und werde mein Hanse-Wissen dort angeberisch anbringen.

Ein paar Zahlen und Fakten um das Hansemuseum. Das Hansemuseum war im April 2015 Tagungsort der Außenminister der G7-Staaten. Offiziell eröffnet wurde es am 27. Mai 2015 von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Museumsbetrieb wurde am 30. Mai 2015 aufgenommen.

Hier mein Videorundgang in drei Teilen:

Von Luigi Colani bleibt ein Spielzeugauto und ne Tasse

17. September 2019

Luigi Colani wird für viele Ideen in Erinnerung bleiben. Autos, Flugzeuge, Haushaltsgeräte. Die Design-Welt trauert um den 91jährigen Stardesigner. Persönlich habe ich ein paar Erinnerungen an Colani, der den Mund immer zu voll nahm. Ich besuchte 2005 die Ausstellung in Karlsruhe und erwarb den Katalog mit dem schichten Titel „Das Gesamtwerk“. Ich war damals ziemlich beeindruckt von diesem streitbaren Designer im weißen Pulli. Aus Anlass seines Todes holte ich den Katalog aus meinen Archiv hervor und blätterte darin. 

Colani bei mir zu Hause.

Colani bei mir zu Hause.

Obwohl ich ja ein Apple Fanboy durch und durch bin und das Design von Dieter Rams und Sir Jonathan Ive verehre, staunte ich nicht schlecht als Luigi Lutz Colani 1993 für Vobis Windows-Rechner designte. Die Linie hieß Highscreen und ein paar Freude hatten sich so eine Maschine gekauft. Sie sah irgendwie organisch aus, nicht so kalt und technisch wie andere Windows-Dosen ihrer Zeit. Es gab von Highscreen Desktop-Rechner und Laptops mit einem typischen Colani-Design. Irgendwo hab ich mal ein Zitat von ihm gelesen in der Art: „Die Welt ist rund.“ Ich weiß nicht, ob die Rechner gut waren, aber sie sahen zumindest ungewöhnlich aus. 

Ich lernte als Schüler erstmals den Begriff Biodesign gehört zu haben und mochte diese Art. Unser Kunstlehrer hatte uns mit dieser Gedankenwelt vertraut gemacht. Colanis Einfälle erinnerte mich immer wieder an den Schweizer Künstler H.G. Giger, den ich ebenso gerne mag.

Als Nikon-Fotograf schaute ich voller Begeisterung auf die Kollegen, die sich eine Canon im Colani-Design geleistet haben. Die T90 war der Vorläufer der heutigen EOS-Serie und sah bedeutend besser aus als meine Nikon. Rückblickend war Colani damit ein Wegbereiter der moderne Fotografie. 

Als Brillenträger bin ich ziemlich langweilig, was mein Brillendesign angeht. Ich trage seit Jahren, Jahrzehnten die Clubmaster von Ray-Ban. Ich hätte nur einmal eine Ausnahme gemacht, als ich die Wing Commander auf einem Flohmarkt anprobierte. Die Sonnenbrille von Colani war eine Aviator-Design-Brille aus den 80ern mit geschwungenen Metallrahmen. Die hätte mir gefallen. Aber meine Gattin zeigte bei so viel organischen Brillendesign die rote Karte und so blieb ich also bei Ray-Ban. Colani kam mir nicht auf die Nase. 

Tja und dann hatte ich ne Zeitlang eine Colani-Maus. Ich konnte mich eigentlich nicht an die Maus gewöhnen, denn sie lang etwas ungewöhnlich in der Hand. Leider hab ich sie weggeworfen – schade eigentlich. 

Während ich diese Zeilen so in mein iPad tippe, trinke ich einen Kaffee. Und schlagartig wird mir bewusst, dass ich meinen Espresso aus einer Colani-Tasse trinke. Die habe ich mir mal bei der Metro aufgrund ihres Designs gekauft und sie ist nahezu täglich im Einsatz. Vielleicht würdige ich so, diesen einzigartigen Designer. 

Als ich K1 vom Tode Colanis erzählte, ging mein Kind in den Keller und kramte in seiner Spielzeugauto-Kiste. Er zog einen Colani-Truck hervor, der extrem stromlinienförmig geformt war. So wird Colani in unserer Familie in Erinnerung bleiben. Auch irgendwie traurig, dass einer der berühmtesten deutschen Designer mit einem Spielzeugauto und einer Kaffeetasse bei uns in Erinnerung bleibt. 

Flüchtige Eindrücke von Lübeck – ein Spaziergang

16. September 2019

In diesem Blog habe ich über zahlreiche Ausflugstipps zu Lübeck gebloggt – einfach Lübeck in die Suchmaske eingeben. Hier noch ein paar kleinere Tipps und Impressionen aus dieser Stadt der Hanse.

Tanzbär Maria Magdalena
Am 22. Juli ist der offizielle Gedenktag der Heiligen Maria Magdalena. Und eine interessante Skulptur der Maria gibt es auf dem ehemaligen Gefängnishof des Burgklosters, oberhalb des Europäischen Hansemuseums.
Die Lübecker sind Maria-Fans, denn sie soll bei der Schlacht von Bornhöved am 22. Juli 1227 die Feinde mit Sonnenlicht geblendet haben. Als Dankeschön bauten die Lübecker das Burgkloster oder Maria Magdalena-Kloster.

Ich schaute mir die Maria-Skulptur von Kiki Smith an, als ein älteres Ehepaar zu mir trat und sich über die Nacktheit der Maria beklagte. Nun, die US-amerikanische Künstlerin wollte mit ihrer Bronzeskulptur aus dem Jahr 1994 die Heilige als nackte Sünderin zeigen, die eine zerbrochene Eisenkette am Fuß trägt. Ich dachte ursprünglich, dass die Eisenkette aufgrund des ehemaligen Gefängnishofes angebracht war, aber falsch gedacht. Es sollte an einen Tanzbären erinnern.

„Wild Woman“ lautet der Titel der Skulptur im Original. Es ist die Geschichte von Maria von Ägypten, einer bekehrten Prostituierten, die aus Reue in die Wüste wandert. Der Haarwuchs, der ihren einst sündigen Körper verdeckt, ist das Resultat dieser langjährigen Buße und ein Zeichen der Scham und des göttlichen Schutzes. Vom vielen Beten auf den Knien ist ihr Haarkleid an diesen Stellen allerdings abgetragen.

Paradies für Musik
Wahrlich profan geht es weiter mit einem 2nd Hand Laden für Vinyl, CDs und Laserdiscs. Ich musste mich im Studio 1 zusammenreißen, dass ich nicht stundenlang in dem Geschäft verbrachte. Ich wählte aus dem Soundtrack-Regal ein paar Sachen aus, um meine Sammlung von John Williams, Jerry Goldsmith und Howard Shore zu vervollständigen. Im Bereich Picture Disc Vinyl Soundtracks habe ich leider nichts gefunden, dafür holte der Inhaber eine LaserDisc-Box mit der Götterdämmerung von Wagner aus dem Jahrhundertring hervor. Das Teil war noch original eingeschweißt. Der Händler empfahl mir, die Box zu öffnen, ob alles in Ordnung sei und siehe da, die LaserDiscs hatten Laser-Rot und gingen daher zurück. Sehr fair von dem Händler mich beim Kauf darauf hinzuweisen und daher klare Empfehlung für alle Musikfreunde in Lübeck.

Erinnerung an den Todesmarsch
Vor unserem Hotel war ein kleiner Grünstreifen und darauf stand eine Erinnungsstele an einen Todesmarsch. Diese Stele erinnert an den Todesmarsch von 500 Häftlingen aus Auschwitz und Mittelbau-Dora. Sie wurden im April 1945 durch Holstein getrieben. Die meisten verloren ihr Leben während der Cap Arcona Katastrophe am 3. Mai 1945 in der Lübecker Bucht.

Die Cap Arcona war das Flaggschiff der Hamburg-Südamerika-Linie. Es wurde nach dem Kap Arkona auf der Insel Rügen benannt. Das Schiff wurde am 3. Mai 1945 durch britische Flugzeuge versenkt, wobei die meisten der an Bord befindlichen ca. 4.600 KZ-Häftlinge ums Leben kamen.

Marzipan-Schock
Lübeck steht für Marzipan – und ich hab das Glück, dass ich Marzipan nicht mag. Daher konnte ich ganz entspannt durch die Verkaufsräume von Marzipan Niederegger gegenüber dem Rathaus spazieren und mir die Naschereien ansehen. Ich bin begeistert, was die Künstler alles so produzieren.

Als ich meinem Netzwerk ankündigte, dass ich ein paar Tage in Lübeck verbringen würde, kam der Hinweis, dass ich unbedingt bei Niederegger Café am Rathausplatz einen Kaffee mit Marzipan trinken müsse. Hab ich gemacht. Der süße Trank hat einen um, eine Tasse war prima, aber mehr brauch ich auch nicht.

Kino im Verfall
Als Kinofan stimmen mich verlassene Filmpaläste traurig. In Lübeck traf ich auf so ein altes Lichtspielhaus: Das Eden Kino. Es hat eine lange Kinohistorie hinter sich. Es begann am 22. Mai 1919 als Volks-Kino Bürgerverein, 1920 firmierte es als Kammer-Lichtspiele, wechselte immer wieder den Besitzer, nannte sich ab 1928 Eden, überstand den Krieg und nach der Währungsreform waren wohl Westernfilme hauptsächlich im Programm. 1975 kamen Pornos dazu und später war es für zwei Tage ein Art-Kino und dann gab es wieder nackte Haut. 1985 wurde der Kinobetrieb eingestellt und das war es dann mit dem Kino. So ist der Lauf der Dinge, aber als Filmfan macht mich die ganze Sache traurig.

Wie beschrieben, sind das nur ein paar Eindrücke von Lübeck. Im Blog findet sich mehr und ausführlichere Tipps.

Afrikaladen in Fürstenfeldbruck eröffnet

14. September 2019
Zahlreiche Ehrengäste kamen zur Eröffnung des Afrikaladens in FFB.

Zahlreiche Ehrengäste kamen zur Eröffnung des Afrikaladens in FFB.

Fürstenfeldbruck ist um eine Attraktion reicher: Das Togohaus und Afrikaladen der Aktion PiT Togohilfe ist von Maisach in die Kreisstadt Fürstenfeldbruck umgezogen und stellt sich heute der Öffentlichkeit mit einem Tag der offenen Tür vor.

Ein paar Tage zuvor, gab es die offizielle Eröffnung mit einer Reihe von Ehrengästen, an der Spitze der Brucker Oberbürgermeister Erich Raff. Mit dabei waren unter anderem der Maisacher Bürgermeister Hans Seidl (gefährlich auf Brucker Flur), der Brucker Landtagsabgeordnete Benjamin Miskowitsch, der ehemalige deutsche Botschafter in Togo Christoph Sahner sowie Etienne Baritsé, Partner der Aktion PiT Togohilfe im Norden von Togo. Zudem waren anwesend der Maisacher Altbürgermeister Gerhard Landgraf, der auch dem Togoverein angehört, die ehemalige Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner sowie zahlreiche Kreisräte. Auch zahlreiche Mitglieder des Vereins waren dabei. Der kirchliche Segen kam von Diakon Karl Schimmel.

Zum einen stand das neue Togohaus und Afrikaladen am Viehmarktplatz in Fürstenfeldbruck im Mittelpunkt der Feierlichkeiten, zum anderen natürlich Margret Kopp. Sie ist der Kopf des Vereins, der sich zum größten Togoverein in Deutschland entwickelt hat. 2020 wird der Verein 40 Jahre alt. Unterstützt wird sie von ihrem Mann Christian und ihrem Sohn Andy, der Togo-Contact leitet und die Reisen nach Togo organisiert sowie den Afrika-Laden betreibt. Andy Kopp beschreibt seine Funktion und den Afrika-Laden so:

„Eine Bereicherung für unseren Viehmarktplatz“ nannte OB Erich Raff das Togohaus.

Der Maisacher Bürgermeister Hans Seidl erklärte, dass die Gemeinde den Verein „mit etwas Wehmut“ ziehen lassen habe. „Was du geleistet hast, ist phänomenal“, sagte er in Richtung Margret Kopp.

Es gibt Menschen, die mehr tun als sie überhaupt müssten und dazu gehörst du liebe Margret“, sagte der Landtagsabgeordnete Benjamin Miskowitsch. Es sei Entwicklungshilfe, die wirklich an der Basis ankommt.

Der ehemalige Botschafter in Togo Christoph Sander berichtete, dass Deutschland einen guten Ruf in Afrika habe. Die Togohilfe sei ein Teil der vielen Aktivitäten der Deutschen in der Region. „Das ist ein wichtiger Teil des Images unseres Landes“, so Sander.

Etienne Baritsé, Partner von Aktion PiT Togohilfe im Norden des Landes, dankte Margret Kopp für ihr Engagement.

Und hier noch ein paar Bilder vom Empfang. Wer Lust hat, am Samstag 14. September hat der Afrika Laden einen Tag der offenen Tür mit abwechslungsreichem Programm. Ich werd mal hinschauen und ihr?

Enttäuschend: Das Buddenbrooks Museum in Lübeck

13. September 2019
Das Buddenbrooks-Museum.

Das Buddenbrooks-Museum.

Ich halte Thomas Mann für einen wirklich großen Schriftsteller. In der Schule machte ich Begegnung mit seinem Tod in Venedig, über die Ferien lasen wir in der Schule im Deutsch-Grundkurs freiwillig die Buddenbrooks und nach dem Abi kämpfte ich mich durch den Zauberberg. Thomas Mann war für mich ein Mann der Sprache. Und so stand fest: Bei meinem Besuch in Lübeck musste ich einfach das Buddenbrook-Haus besuchen. Tja, was soll ich sagen: Ich wurde vollkommen enttäuscht.

Zur Vorbereitung auf den Besuch lud ich mir die Buddenbrooks aufs iPad und versank bei 6,5 Stunden Zugfahrt in die Niedergang der Lübecker Kaufsmannsfamilie Buddenbrooks über mehrere Generationen. Die eigene Familiengeschichte diente Thomas Mann als Vorlage obwohl er Lübeck nicht einmal erwähnte. Mann bekam für die Buddenbrooks 1929 den Nobelpreis.

Mit all dem Wissen im Kopf machte ich mich auf in die Mengstraße Nr. 4, dem Stammhaus der Buddenbrooks, das heute ein Literaturmuseum ist. Ich melde mich per Mail für eine Führung (12 Euro) an. Mit dabei waren sehr viele ältere Semester, die beige Fraktion. Die Führung war Standard, das Herunterbeten von historischen Daten gemischt mit ein wenig Storytelling. Die gelernte Literaturwissenschaftlerin wies mich gleich daraufhin, dass es nicht erlaubt sei, die Führung auszugsweise mitzufilmen. Schon hier vergibt man sich die Chance auf neue Kommunikation.

Die Ausstellung eher langweilig. In Schaukästen einige Fotos gepaart mit historischen Daten. Keine große Spur von einer modernen Museumskonzeption. Schaukasten um Schaukasten. Der Besucher konnte sich setzen und per Ohrhörer im Stile eines Telefons Tondokumente anhören. Es gab doch glatt einen Monitor, wo ein bisschen Filmmaterial lief. Vor zehn, zwanzig Jahren hätte ich mich vielleicht dafür erwärmen können, heute ist es einfach langweilig, so leid es mir tut. Das ist für mich kein zeitgemäßes Heranführen an Thomas Mann und sein grandioses Werk. Da kann ich Wikipedia lesen und habe sogar mehr davon. „Hinter der weißen Barockfassade aus dem Jahr 1758 verbirgt sich eines der außergewöhnlichsten Literaturmuseen der Welt“, so wurde es mir angepriesen.
Im zweiten Stock des Hauses wurden zwei Zimmer aus der Zeit der Buddenbrooks nachgebildet. Von den Originalmöbeln der Zimmer existiert nichts. Die beiden Zimmer machten ein wenig Laune und der Besucher bekommt einen guten Eindruck von den Verhältnissen der Kaufsmannsfamilie, denn die Räume orientieren sich an dem Roman. Gut war, dass die Buddenbrooks als Buch herumlagen und ich die Möglichkeit hatte, die Szenen mit den Räumen nachzulesen, die markiert waren. Das hat mir gefallen.

Dann wanderte ich weiter durch die Ausstellung. Eine Kopie der Nobelpreisurkunde war zu sehen, ebenso die deutsche Erstausgabe (noch in zwei Bänden) sowie verschiedene Sprachausgaben der Buddenbrooks. Viel Papier, wenig Innovation.


In einem Seitentrakt wird über die Verfilmungen des Romans eingegangen. Ich habe zu Hause die elfteilige TV-Serie Die Buddenbrooks – Die komplette Serieund die jüngste Verfilmung Die Buddenbrooksvon Heinrich Breloer mit Iris Berben (naja) und Armin Müller-Stahl (der mir in den die Manns deutlich besser gefallen hat). Wie schön wäre es gewesen, wenn man von den vier Verfilmungen Ausschnitte als Bewegtbild hätte sehen können, aber nein. Für mich war das ganze Museum angestaubt, nein verstaubt. Es lebt von einem großen Namen und seiner Vergangenheit. Ein zweites Mal würde ich die Mengstraße 4 nicht noch einmal als zahlender Gast besuchen.
Der Museumsshop war allerdings prima – Thomas Mann dreht sich gerade im Grabe um. Dort hab ich mir einen Armin Müller-Stahl gekauft, der in die heimische Sammlung passt. Und es gab die Buddenbrooks in verschiedenen Ausgaben, wen wundert es.

Steinreich in Lübeck

12. September 2019
Es gab Lübecker, die steinreich waren.

Es gab Lübecker, die steinreich waren.

In Lübeck bin ich immer wieder auf den Begriff „steinreich“ gestoßen. Der Begriff kommt wohl aus dem 15 Jahrhundert und hat natürlich mehrere Bedeutungen. So kann der Acker eines Landwirts reich an Steinen sein, aber es ist auch ein Synonym für umgangssprachlich stinkreich.
Man nimmt an, dass es bedeutet reich an Edelsteinen. Bei einer Stadtführung in Lübeck kamen wir auch auf eine interessante Idee:
Häuser im Mittelalter waren meist aus Holz. Die reichen Kaufmannsfamilien der Hanse konnten sich aber Häuser aus Stein leisten. Backsteine waren eine Seltenheit und eine teure Angelegenheit. Der Besitzer war reich an Steinen, also steinreich. Im reichen Lübeck gibt es zudem ein Zeichen von besonderem Reichtum: Schwarze Backsteine, die noch länger gebrannt und mit einer schwarzen Glasur überzogen sind. Wer solche Steine verbauen konnte, der war wirklich reich.

Das Holstentor
Und jetzt sehen wir uns beispielsweise das Holstentor in Lübeck an. Das ist das viertberühmteste Gebäude Deutschlands und es zierte einst den 50 Mark Schein. Es war ein Symbol des starken wehrhaften Lübecks. Das spätgotische Gebäude gehört zu den Überresten der Lübecker Stadtbefestigung. Das Holstentor ist neben dem Burgtor das einzige erhaltene Stadttor Lübecks. Und in diesem Wehrhaften Tor wurden auch schwarze Steine als Zeichen des Wohlstands verbaut. In Lübeck waren eben einige Leute steinreich.