Tipps eines passionierten Bahnfahrers

26. März 2018

Als Bahnfahrer kann ich euch nur raten: Der erste freie Platz ist der richtige Platz. Es klingt komisch, ist aber absolut richtig und ein wichtiger Rat.
Ich fahre sehr viel mit der Deutschen Bahn. In der Regel reise zu meinen Seminaren mit der Bahn an. Das hat verschiedene Gründe: Gesundheit, Stress, Kosten, Umwelt – aber ich kann euch sagen: Bahnfahren ist kein Zuckerschlecken.
Es beginnt schon beim Einsteigen. Wenn ein ICE neu eingesetzt wird, dann werden die Abteile zunächst gereinigt. Fleißige Bienchen von der Bahn räumen den Dreck weg, den Bahngäste liegen gelassen haben. Interessant ist, dass kein Gast den ich zuhause habe, seinen Müll bei mir liegen lässt. Bei der Bahn lassen die so genannten Gäste ihren Müll zurück. In den dafür vorgesehenen Behältern wäre es kein Problem, aber so manche hinterlassenen Sitze sehen schon interessant aus.
Der Spaß Bahnfahren beginnt also vor der Reise. Während das Schild „Wir reinigen“ am Eingang steht, drücken so manche Reisende wie wild auf den grünen Öffnungsknopf am Wagon. Es passiert nichts, außer dass die Reisenden nervös werden und zur nächsten Türe rennen. Gleiches Spiel.

Beim Reinigen ist der Einstieg blockiert.

Beim Reinigen ist der Einstieg blockiert.

Wenn sich die Türen öffnen, bitte sofortigen Blick auf das Display über den Sitzen. Wenn die Bahn fit ist, werden vor Reisebeginn die Reservierungen dort angezeigt. Und wenn ein Platz nicht reserviert ist, dann gilt mein Eingangsrat: Der erste freie Platz ist der richtige Platz.

Der erste Platz ist der richtige Platz.

Der erste Platz ist der richtige Platz.

In meiner Jugend war dies noch anders. Als ich mit meiner Mutter als kleiner Bub mit der Deutschen Bundesbahn gereist bin, haben wir erst geschaut, welcher Platz uns am besten gefällt: Ist der Blick aus dem Fenster schön? Sitze ich in Fahrtrichtung? Dies spielt heute keine Rolle mehr. Der erste freie Platz ist der richtige Platz. Die Bahn ist zu Stoßzeiten rappelvoll. Die freien Plätze sind begrenzt. Eine Reservierung für 4,50 Euro sehe ich oft nicht ein – außer bei Langstrecken. Bahnfahren kann zum Stress werden. Obwohl ich den Bahncomfort-Status habe, ist es nur mit Androhung von Gewalt möglich, Leute von den BC-Plätzen zu vertreiben. Da kann ich ein wirklicher Assi sein.
Wenn man dann Platz genommen hat, gilt es einen USB-Strom-Verteiler in die Steckdose zu packen und seinem Sitznachbar Strom zu Verfügung stellen. Strom im Zug ist wichtig und wer einen Verteiler hat, sollte ihn benutzen – so will es das Gesetz unter digitalen Nomaden.

Ich liebe die Bahn.

Ich liebe die Bahn.

Und soll ich euch sagen, auf wen ich aggressiv reagiere? Auf diese Rücksackträger, die in den engen Gängen der zweiten Klasse (dort findet ihr mich) sich hin und her bewegen. Immer wieder habe ich den Rucksack in der Fresse, weil sich diese Grobholze umdrehen müssen, ob ihr Kompanion noch hinter ihnen ist. Wo soll er denn sein? Oder man wendet sich um mit den Sätzen wie „heute ist aber voll“ oder „wo ist denn Platz 67?“ Diese Typen nerven. Mit ihren Rucksäcken reißen sie mein iPad herunter, dass ich auf den Klapptischen aufgebaut habe oder ich bekomme den Rucksack ins Gesicht und meine Brille fliegt durch die Weltgeschichte. Ich gehe also in Deckung, wenn ein Rucksackträger den Wagon betritt.

München, ich komme.

München, ich komme.

Bayreuth: Beste Bratwurst in der Stadt im Bratwursthäuschen

25. März 2018
Wenn ich in Bayreuth bin, muss ich zum Bratwursthäuschen.

Wenn ich in Bayreuth bin, muss ich zum Bratwursthäuschen.

Franken ist für mich auch gleichbedeutend mit deftiger Kost und als ich jetzt eine halbe Woche aufgrund von zahlreichen Seminaren in Bayreuth weilte, probierte ich sie wieder: Die fränkische Bratwurst. Lecker kann ich euch sagen.
Im Moment warte ich auf den Internet-Metzger Claus Böbel, der in Rittersbach in Mittelfranken eine eigene Bratwursterlebniswelt neben seinen Bratwurstseminaren auf die Beine stellt mit Bratwursthotel (Schlafen unter dem Bratwursthimmel), Im September 2018 soll das die Genusswelt eröffnet werden. Derweil habe ich im oberfränkischen Bayreuth ein paar Bratwürste verköstigt.

Auf den Weg zu Haus Wahnfried überkam mich der Bratwursthunger. Ich ging an zahlreichen roten Buden vorbei, aber ich bliebt wie immer beim roten Bratwursthäuschen stehen. Es befindet sich in der Richard Wagner Straße 8. Die Semmeln oder Brötchen (wie auch immer) waren frisch und die Wurst hat super geschmeckt. Ich probierte erst eine Wurst im Brötchen, dann nahm ich als Nachschlag zwei Würste im Brötchen. Vor dem Bratwursthäuschen bildete sich immer eine Schlange. Diese Schlange bestand nicht nur aus Touristen wie mir, sondern es waren viele Bayreuther darunter, die die Qualität des Bratwursthäuschens schätzen.

Während ich meine erste Wurst genoss, betrachtete ich die Plakate, die aufgehängt waren. Darunter waren die Bratwurst-Schildkröte, die Sensation in der Tierwelt: Die Bratwurst-Schnecke und immer wieder „Guten Appetit“ und „Mund auf“. Und immer wieder fränkisch: „Unsa Bratworscht löscht kann Dorscht! Dess iss worscht. Sie zergeht auf der Zunga und beseitigt jeden Hunga!“ – Impressionen nach dem Motto „Reim dich oder ich fress dich“
Und was ich feststellen könnte: Die Bratwürste im Bayreuther Raum sind individuell. Jeder bereitet sie auf seine Art zu. Ich war in Leupoldsgrün im Gasthaus Löhner, dort genoss ich sie auf ausgezeichnetem Kraut.

In Leupoldgrün wurden sie so serviert ...

In Leupoldgrün wurden sie so serviert …

Richtig gut hat sie auch in Creußen im Landgasthof „Im Gärtlein“ geschmeckt, hier war sie ein wenig dunkler und ein Kraut – zum Reinlegen.

... und in Creußen so.

… und in Creußen so.

Also Franken, ich komm wieder.

Die perfekte Schülerzeitung

20. März 2018
Noch ist der Saal leer, aber in einer Stunde war er voll besetzt und ich durfte über Schülerzeitungen sprechen.

Noch ist der Saal leer, aber in einer Stunde war er voll besetzt und ich durfte über Schülerzeitungen sprechen.

Zum Lesetag 2018 war ich von der Regierung von Oberfranken nach Scheßlitz eingeladen und durfte zum Thema Schülerzeitung referieren. Rund 200 Lehrerinnen und Lehrer folgten dieser Einladung. Zu meiner Schulzeit war ich selbst Schülerzeitungsredakteur, doch das liegt lange zurück. Seit Jahren betreue ich für die Hanns Seidel Stiftung die Schülerzeitungsseminare, bin immer wieder Jurymitglied des Schülerzeitungspreises Die Raute und habe zusammen mit meinem Kollegen Thomas Gerlach das Standardwerk „1×1 der Schülerzeitung“ geschrieben. Im Moment überarbeiten wir gerade den Inhalt für eine dritte Auflage und werden 2018 noch ein Workshop-Buch für Schülerzeitungredakteure herausgeben.

Mit einem halbstündigen Vortrag eröffnete ich den Lesetag 2018 und habe meine Keynote mitgefilmt und bei YouTube eingestellt, um das Wissen zu verbreiten. Schülerzeitung ist für mich eine bunte Spielweise der Kreativität gepaart mit den drei T. Es ist toll zu sehen, welche Ideen die jungen Leute entwickeln.

Das Buch 1x1 der Schülerzeitung, herausgegeben von der HSS, legte ich aus.

Das Buch 1×1 der Schülerzeitung, herausgegeben von der HSS, legte ich aus.

Das erste T: Texte
Da wäre die Beschäftigung mit Texten. Was kann ich wie über journalistische Darstellungsformen ausdrücken? Dabei steht nicht die Selbstverwirklichung im Vordergrund, sondern der Dienst am Leser. Journalisten, auch Schülerzeitungsredakteure, sollen komplizierte Sachverhalte so aufbereiten, dass es der Leser versteht. Nicht missionieren ist angesagt, sondern vermitteln – dabei auch natürlich unterhaltend. Das passt natürlich ideal zum Lesetag 2018, um Schülerinnen und Schülern das Lesen wieder mehr zu vermitteln.

Das zweite T: Technik
Schülerzeitungen werden heute nicht mehr wie zu meiner Zeit geklebt. Es gibt keine Letraset-Buchstaben mehr zum Rubbeln, sondern Schülerzeitungen werden am Computer erstellt – die Online-Schülerzeitung erst recht. Der Umgang mit dem Computer, das Einhalten eines Workflows und das Datei-Ablagesystem in Server oder Cloud sind heute Grundkenntnisse in der Wirtschaft. Leider können dies viele Schülerinnen und Schüler nicht und lernen über die Arbeit an der Schülerzeitung diese Grundfertigkeiten der IT. Spielerisch so für das spätere digitale Leben vorbereitet – was will man mehr?

Ich durfte zudem noch zwei Workshops am Lesetag 2018 halten.

Ich durfte zudem noch zwei Workshops am Lesetag 2018 halten.

Das dritte T: Team
In der Schule lernt jeder für seine persönliche Note. Teamfähigkeit steht zwar irgendwo im Lehrplan, doch viele Schülerinnen und Schüler sind klassische Einzelkämpfer. Benötigt werden in Projekten – und die Schülerzeitung ist klassisches Projektmanagement – allerdings Teamplayer. Und hier wird spielerisch ein Team samt dazugehörige Hierarchien eingeübt: Chefredakteur, Text- und Layoutchef, Fotografen, Redakteure, Layouter, Anzeigentruppe, Controlling und Marketing – die Schülerzeitung bietet für jeden einen Platz und eine Rolle. Das Zusammenspiel als Team macht dann diesen Erfolg aus.

Klares Angebot
Gerne stehe ich als Referent für Schülerzeitung Print und Online zur Verfügung und vermittle auch gerne den Kontakt zur HSS, die hier sehr engagiert für das Thema einsteht.

Gerne stehe ich als Referent zur Verfügung und stelle den Kontakt zur HSS her.

Gerne stehe ich als Referent zur Verfügung und stelle den Kontakt zur HSS her.

Der lange Weg zu Karten für die Bayreuther Festspiele

19. März 2018

Es war schon eine Geduldsprobe, die ich mir da zugemutet habe. Gestern stand der Online-Verkauf für die Bayreuther Festspiele auf meinem Nachmittagsprogramm. Und es hat auch wirklich den ganzen Nachmittag gedauert, bis ich zwei Karten für die beste Ehefrau und mich erstanden habe. Zufrieden bin ich aber dennoch nicht.
Um 14 Uhr war der Ticket-Shop am Grünen Hügel in Bayreuth geöffnet. Um 13:58 Uhr stand ich auf der Matte. Das iPad war online. Kundennummer und Kreditkarte sowie Kalender lagen bereit – also die magischen 3 K. Dieses Jahr steht eine Neuinszenierung von Lohengrin auf dem Programm und ich würde gerne die Inszenierung sehen. Anja Harteros soll die Elsa singen. Ich sag es gleich: Ich habe keine Karten für Lohengrin bekommen und bin deswegen enttäuscht. So muss ich mir wohl die Neuinszenierung wieder im Kino ansehen, wenn es übertragen werden sollte. So habe ich es in der Vergangenheit immer gemacht. Und Lohengrin war die erste Oper, die ich in Bayreuth jemals gesehen habe.

Der Ticket-Shop öffnet
Nun um 14 Uhr öffnete der Shop seine Pforten und ich reihte mich ein. Vergangenes Jahr habe ich so auch Karten für die wunderbaren Meistersinger erstanden und hoffte wieder auf mein Glück. Aber ich war wohl zu spät. Es waren einige Wagnerianer vor mir und das bedeutet dann stundenlanges Warten.
Nach 20 Minuten viel mir auf, dass die Veranstalter die Website geändert hatten. Im vergangenen Jahr waren es animierte Figuren, die sich Platz um Platz nach vorne schoben. Dieses Jahr gab es einen klassischen Ladebalken und der stand bei mir ganz weit links. Wie öde!

Ganz links ist der Ladebalken um 14:09 Uhr. Das kann dauern und die animierten Figuren sind auch nicht mehr da.

Ganz links ist der Ladebalken um 14:09 Uhr. Das kann dauern und die animierten Figuren sind auch nicht mehr da.

Das Neuladen der Seite ist strengstens verboten und auch die Seite im Hintergrund laufen lassen, dass will die Familie Wagner nicht. Ob das stimmt, habe ich nicht ausprobiert, denn ich wollte meinen wertvollen Platz in der Ticketschlange nicht aufgeben. Links oben auf der Website gab es ein Ampelsystem, ob Karten für die jeweilige Oper noch verfügbar sind. Dieses Jahr gab es online Karten für Holländer, Lohengrin, Meistersinger, Parsifal, Tristan und Wallküre. Nach 20 Minuten waren noch alle Ampeln auf Grün.

Alle Ampeln auf Grün. Ich beginne zu hoffen auf Lohengrin.

Alle Ampeln auf Grün. Ich beginne zu hoffen auf Lohengrin.

Ich hoffte also auf Lohengrin. Doch dann wechselte Lohengrin auf Gelb, die Karten wurden knapp und ich war noch ganz hinten in der Warteschlange.

Lohengrin wird um 14:33 Uhr knapp. So ein Mist.

Lohengrin wird um 14:33 Uhr knapp. So ein Mist.

Ich wurde nervös und nervte die Twittergemeinde mit meinen Bedanken. Das viele Jammern nutzte nichts. Nach einer Stunde war Lohengrin immer noch auf Gelb und ich hatte gerade mal ein Drittel des Ladebalkens geschafft. Und dann, um 15:06 Uhr sprang Lohengrin auf Rot um – alle Karten weg und mein Ärger war da. Über eine Stunde gewartet und keine Karten.

Und weg war Lohengrin.

Und weg war Lohengrin.

Nun, dann begann das Alternativprogramm. Ich hatte die Inszenierungen von Holländer, Meistersinger, Parsifal und Tristan in Bayreuth bereits genossen, also blieb nur noch die Wallküre übrig. Ich konzentrierte mich also auf die Wallküre. Sie ist die erste Oper des Bühnenfestspiels für drei Tage und einen Vorabend, der aus dem Rheingold besteht. Es handelt sich um den Castorf-Ring, der 2017 auslief, aber 2018 noch in Einzelvorstellungen zu sehen ist. Ich habe Teile des Castorf-Rings gesehen und er hat mir nur teilweise gefallen. Aber Bayreuth ist eben Bayreuth und ich will auch 2018 wieder dabei sein und blöde daherreden.

Um 15:20 Uhr wurden auch die Karten für die Meistersinger knapp. Die Ampel schaltete auf Gelb. Karten für die Wallküre scheint es noch zu geben und ich wartete bereite 1:20 Uhr vor dem iPad mit der Ticketseite online. Und nun der Schock: Um 15:29 Uhr schaltete auch die Wallküre auf Gelb. Sollte ich eineinhalb Stunden umsonst gewartet haben? Ich wurde nervös. In dem Ladebalken hatte ich das Opernhaus noch nicht mal erreicht und die Karten wurden eng. Minute um Minute schob ich mich vor. Ich war sogar soweit, dass ich den lächerlichen Figuren auf dem Display Namen gab und meinen Kindern immer verkündete, wenn ich Herrn Maier, Frau Müller und Frau Schmidt überholt habe. An der Spitze der Schlange stand übrigens Herr Theobald, so hab ich den Typen genannt, der hinter einer Straßenlaterne versteckt war. Es galt diesen Theobald zu überrunden, der vor mir stand. Ich entwickelte einen regelrechten Zorn auf diesen virtuellen Pixeltypen, der so unscheinbar da stand.

Um 15:49 Uhr hatte ich den Herrn Theobald erreicht.

Um 15:49 Uhr hatte ich den Herrn Theobald erreicht.

Ich näherte mich Herrn Theobald Meter für Meter. Um 15:46 Uhr war ich schon ganz nah dran. Um 15:49 Uhr war der Eintritt ins Opernhaus zum Greifen nahe und ich freute mich schon. Um 15:55 Uhr hatte ich Herrn Theobald überholt. So Theo jetzt hab ich dich und zeig dir, was eine Harke ist. Doch ich wurde abermals von Bayreuth enttäuscht. Obwohl ich der erste in der Reihe der Personen war und noch vor diesem Herrn Theobald, galt dies wohl nicht für den Ladebalken. Der Balken musste bis ganz rechts laufen um vollständig geladen zu sein. Was soll das? Bayreuth, ich fühle mich von dieser GUI betrogen.
Nun standen Lohengrin und Meistersinger auf Rot und Wallküre auf Gelb und es war 16:02 Uhr. Zwei Stunden in der Schlange gewartet und ich drohte zu scheitern.

16:02 Uhr - es wird verdammt eng.

16:02 Uhr – es wird verdammt eng.

Um 16:16 Uhr hatte ich Herrn Theobald und die ganze Schlange weit hinter mich gelassen und näherte mich dem Eingang des Festspielhauses. Im Original gehe ich dort immer wieder rein und finde eine Säule mit einer Inschrift von der damaligen Premiere des Rings wieder. Langsam bekam ich Schnappatmung. Meine Gattin meinte nur lakonisch „Ja mei“ und meinte wohl: Dann eben Bayreuth nicht. Für sie ist es kein großer Verzicht, denn sie kommt zum Grünen Hügel nur mir zuliebe mit. Sie selbst ist nicht eine Wagnerverehrerin und kommt aus Liebe mit mir mit – ein schöner Liebesbeweis sich vier Stunden den Hintern auf unbequemen Klappstühlen wund zu sitzen.

16:16 Uhr - ich fühle mich von der GUI betrogen.

16:16 Uhr – ich fühle mich von der GUI betrogen.

Aber ich wollte nicht klein beigeben. Um 16:35 Uhr – zwei Stunden und 35 Minuten nach Öffnung des Ticketshops durfte ich für 10 Minuten den Store betreten und meine Karten auswählen. Oh wie gnädig. Ich bekam noch Restkarten für Wallküre – leider nicht wie gewohnt vorne, sondern ziemlich weit hinten. Und wir bekamen auch keine zusammenhängenden Plätze. Das bedeutet, meine Frau und ich müssen die Oper getrennt verfolgen. 3:45 Stunden dauert die Wallküre mit zwei Pausen, die wir zum Spazieren gehen nutzen können. Ich werde in den Pausen quatschen und meine Frau die Umgebung des Festspielhauses genießen.
Karten wurden mit der Kreditkarte bezahlt. Über die Preise schweige ich mich aus. Dann machte ich mich auf die Hotel-Suche. Da machte ich es mir leicht. Wir sind immer in Heinersreuth im Hotel Opel. Ich mag dieses fränkische Landgasthaus mit der lustigen Besitzerin. Das Essen ist bodenständig und ich freue mich auf den Pressack und das Bier. Online ein Zimmer gebucht, es war Gott sei Dank noch etwas frei. Dann zurückgelehnt und dann vom Musikserver die Wallküre geladen. Im Keller habe ich noch eine DVD vom Jahrhundertring des Jahres 1976 von Pierre Boulez, damit werde ich meine Umgebung beglücken. Bis zur Festspielsaison habe ich noch ein wenig Zeit das Libretto zu studieren und mir schlaue Sprüche auszudenken. Ach Richard Wagner, ich mag einfach deine Musik.

Es ist 16:35 Uhr und ich darf mein Geld ausgeben.

Es ist 16:35 Uhr und ich darf mein Geld ausgeben.

Richard Wagners Hund Russ

18. März 2018
Wagners Hund Russ am Eingang des Hotels Lindenmühle in Bad Berneck.

Wagners Hund Russ am Eingang des Hotels Lindenmühle in Bad Berneck.

Ich bin auf den Hund gekommen, auf Wagners Hund Russ. Ich bin ihn in jüngster Zeit gleich zweimal begegnet. Einmal in Bayreuth, als ich das Grab von Richard Wagner besuchte. Dort steht neben der Marmorplatte unter der Wagner liegt ein Grabstein mit der Aufschrift „Hier ruht und wacht Wagners Hund Russ“.

Das Grabschild für Russ im Garten der Villa Wahnfried in Bayreuth.

Das Grabschild für Russ im Garten der Villa Wahnfried in Bayreuth.

Ob der Hund wirklich dort liegt, weiß ich nicht, aber ich finde die Geste schön, den besten Freund des Menschen in der Nähe seines Herrchens zu begraben. Ich war früher schon mal da und habe darüber geschrieben.

Neben Wagner liegt auch Russ begraben.

Neben Wagner liegt auch Russ begraben.

Dann traf ich Russ wieder – auf einer Veranstaltung des Ministerialbeauftragten für Oberfranken in Bad Berneck. Dort hielt ich in dem Hotel Lindenmühle einen Vortrag und im Foyer traf ich Russ wieder. Hier tauchte der Hund auf in Form einer Skulptur von Ottmar Hörl. Ich mag den Nürnberger Künstler sehr und habe ich auch einige seiner Kunstwerke, viele davon vom Künstler signiert.
Die Skulptur von Richard Wagners Hund Russ war im Jahre 2004 als Kunstobjekt ausgestellt. Die rund 80 Zentimeter große Figur des Neufundländers ist wesentlicher Bestandteil des Kunstobjekt Wagners Hund. Während des Festspielsommers wurden 800 Hunde neben Parkbänken in Bayreuths Innenstadt installiert. „Der Hund soll die menschliche Seite Wagners darstellen und zugleich ein Versuch sein, den Komponisten von seinem musikalischen Olymp zu holen“, erläuterte Künstler Ottmar Hörl bei der Vorstellung seines Hundes. Ich hab mir schon überlegt, ob so ein Hund nicht zu uns an den Eingangstür passen würde, aber meine Gattin zeigte mir die rote Karte. Wir haben genügend Hörls hier herumstehen. Klare Worte.

Ottmar Hörl schuf diesen Russ - ich finde in sehr schön.

Ottmar Hörl schuf diesen Russ – ich finde in sehr schön.

Persönliche Erinnerungen an Stephen Hawking

14. März 2018

Gott hat seinen Beraterstab um ein Genie erweitert. Aber Stephen Hawking wird Gott gehörig auf die Finger schauen und seine Entscheidungen hinterfragen. Mit 76 Jahren verstarb mit Stephen Hawking eines der Wissenschaftsgenies unserer Zeit. Seine Erkenntnisse über Schwarze Löcher oder die Relativitätstheorie waren wohl bahnbrechend. Ich selbst bin ein zu kleines Licht, um seine wissenschaftlichen Leistungen komplett zu würdigen, aber ich glaube, er hat viele Menschen beeinflusst und viele Leute vor den Kopf gestoßen. Er war faszinierend, wenn er mit seinen Sprachcomputer die Welt beschrieb. Von seinen 76 Jahren war er über 50 Jahre an den Rollstuhl gefesselt aufgrund der schrecklichen ALS-Krankheit, die mit 21 Jahren bei ihm diagnostiziert wurde.

Homer und Stephen - zwei, die sich verstehen beim Bier. Foto: Fox

Homer und Stephen – zwei, die sich verstehen beim Bier. Foto: Fox

Immer wieder begegnete mir Stephen Hawking in der populären Kultur. Ich traf ihn bei den Simpsons und ich traf ich bei Pink Floyd, ich traf ihn bei Monty Pythons, ich traf ihn bei der Big Bang Theory – Stephen Hawking war allgegenwärtig, weil er etwas zu sagen hatte, weil er sich einmischte, weil er einfach ein kluger Kopf war. Sein Buch „eine Kurze Geschichte der Zeit“ habe ich gelesen, den Kinofilm über ihn „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ habe ich gerne gesehen.
Als ich diese Zeile schreibe, erinnere ich mich wieder, wo mir Stephen Hawking noch begegnet ist: In einem Spind. Es war an der TU München. Ein Schulfreund studierte dort irgendwas mit Physik und ich besuchte ihn. Die Studis mussten sich für das Labor umziehen und konnten ihre Klamotten in klassische Metallspinde ablegen, wie man sie vom Bund oder der Jugendherberge kennt. Diese Spinde waren mit den üblichen Aufkleber (ihr wisst schon) und Sprüchen versehen. Ein Spind aber hatte in seiner Tür ein Bild von Stephen Hawking. Das ist Humor, wie er mir gefällt. Und ich glaube, Stephen Hawking hätte es auch gefallen.

Vernissage: Poetischer Realismus in den Bildern von Helmut Sacher

12. März 2018
Ein wunderbares, großes Pastellbild von Helmut Sacher (1926-2010) gibt es derzeit in FFB bei der Galerie Bild+Rahmen zu sehen.

Ein wunderbares, großes Pastellbild von Helmut Sacher (1926-2010) gibt es derzeit in FFB bei der Galerie Bild+Rahmen zu sehen.

Kunst erweitert meinen Horizont und so habe ich Kunst für dieses Jahr auf meine Bucket-List gesetzt. Und ich freute mich, dass ich eine Einladung von Bild+Rahmen aus der Kreisstadt Fürstenfeldbruck bekommen habe. Diese Galerie ist mein absoluter Spezialist, wenn es um Bilderrahmen aller Art geht. Ich lasse alle meine Bilder bei Elke und Peter Reinegger rahmen und bin höchst zufrieden mit der Beratung und der Ausführung.

Jetzt kam also eine Einladung zur Vernissage zu Gemälden von Helmut Sacher. Den Künstler kannte ich nicht. Helmut Sacher (1926 bis 2010) lebte nicht weit von mir entfernt in der Gemeinde Eichenau. Geboren ist er im Sudetenland, zog als junger Mann in den Zweiten Weltkrieg und kam gealtert zurück. In seiner Malerei hat die Gegenständlichkeit vervollkommnet – ein wunderbarer Gegenpol zur abstrakten Malerei seiner Zeit.

Elke Reinegger nannte den Stil von Helmut Sacher poetischen Realismus und ich finde, der Ausdruck passt. Die warmen, positiven Farben und die bodenständigen Motive schaffen eine besondere Atmosphäre. Die Bilder sind in Öl und später in Pastelltechnik gemalt. Die Zartheit der Blüten wurde hervorragend getroffen. „Ich habe sogar den Eindruck, die Blüten auf seinen Bildern duften“, so Elke Reinegger, die die Witwe des Malers bei der Vernissage begrüßen durfte.

Die Witwe von Helmut Sacher war bei der Vernissage anwesend.

Die Witwe von Helmut Sacher war bei der Vernissage anwesend.

Die Bilder sind noch bis zum 31. März 2018 in der Galerie Bild+Rahmen in der Landsberger Straße 11 in Fürstenfeldbruck zu besichtigen und zu erwerben.

VR-Kirchenrundgang in 360 Grad – Kapelle Johannisthal in der Oberpfalz

8. März 2018

Mit Sicherheit bin ich kein großer Kirchenexperte, aber ich schau mir gerne Gotteshäuser an. Dort halte ich inne, mache mir meine Gedanken und komme zur Ruhe und ab und zu schieße ich ein paar Fotos. Bei einem Seminar in der Oberpfalz bin ich auf die Kapelle in Johannisthal gestoßen und ich machte einen Kirchenrundgang mit der 360 Grad-Kamera.

Zwischen Falkenberg und Windischeschenbach in der Oberpfalz liegt das Naturschutzgebiet Waldnaabtal. Dort ist die Bildungseinrichtung Haus Johannisthal. Der Gebäudekomplex war in die Jahre gekommen. Seit 1948 wird das Gebäude für das Bistum Regensburg als Bildungseinrichtung genutzt und nun war es an der Zeit zu renovieren. So beschloss das Bistum Regensburg 2007 den ganzen Bereich zu modernisieren und zu überarbeiten. Optisch ist das ganze Projekt sehr interessant geworden, im Einzelfall muss es sich zeigen, ob es sich im Alltag bewährt. Die Aufteilung zwischen Essens-Verwaltungshaus und Seminargebäude gefällt mir gut. Die strikte Trennung der Einheiten tut der ganzen Sache gut. Die vier Gebäude gruppieren sich um einen symbolischen Dorfplatz herum. Es wurde heimisches Material verwendet und die Bauweise der Oberpfalz spiegelt sich.

Neue Kapelle vermittelt Schlichtheit
Zudem wurde eine neue Kirche geschaffen, die aus dem Gelände herausragt. Nachdem ich den ganzen Tag in den modernen, klaren Tagungsräumen verbracht und meinen Vortrag gehalten hatte, wollte ich auch mal etwas anderes sehen und schaute mir die Kapelle an. Am auffälligsten ist das extrem steile Satteldach mit grauen Ziegeln, steiler als die Dächer der anderen Gebäude. Die monochrome Gestaltung des Architektenteams Brückner & Brückner aus Tirschenreuth/Würzburg wirkt.
Das Innere der Kapelle ist fast schmucklos, nahezu karg. Ich war überrascht von der Wucht der Stille. Als ich die Kirche betrat, waren meine Seminarteilnehmer beim Essen. So hatte ich den Raum für mich und meine Gedanken alleine. Dieser Ort strahlt wirklich Stille aus und die Schlichtheit des hellen Fichtenholzes zwingt zur Konzentration auf das Wesentliche. Wand, Decke und Bänke sind aus diesem Holz. Kaum etwas lenkt meine Gedanken ab. Es gibt ein schlichtes Kreuz – vielleicht am Auffälligsten ist eine historische Madonna mit Kind in dem modernen Kirchenbau.
Ich setzte mich in die erste Reihe und bemerkte ein Lichterspiel hinter dem Alter. Die Sonne scheint durch ein schmales Fenster. Je nach Sonnenstand verändert sich das Licht im Raum – bei mir war es ziemlich windig und die Wolken sorgten für ein Licht- und Schattenspiel.

Nur für Fanboys: Apple Watch Ständer in Form eines Mac Classic

7. März 2018

Ein Gadget, das ist die Welt nicht braucht, ich aber als Apple Fanboy unbedingt haben musste. Es handelt sich um einen Ladegerät für meine Apple Watch in Form eines Mac Classic.
Der Original Mac Classic hat 1984 die Welt der IT auf dem Kopf gestellt und als Mac-Begeisterter habe ich natürlich so einen Rechner zu Hause in der Vitrine stehen. Wir wissen ja: „Am 24. Januar wird Apple Computer ‚Macintosh‘ vorstellen. Und du wirst sehen, warum 1984 nicht wie ‚1984‘ sein wird.“


Als ich bei Amazon diesen Elago W3 Vintage-Ständer für die Apple Uhr sah, musste ich das Teil einfach haben. Bisher hatte mir ein einfaches Ladegerät für meine Uhr gereicht. Das Ladekabel liegt neben meinem Bett und eines fährt in meiner Arbeitstasche mit mir mit, wenn ich auswärts übernachten muss. Nun, dass Ladegerät neben meinem Bett hat jetzt eine andere Verkleidung in Form eines Mac Classic. Das Teil ist aus biegsamen Plastik und nun steht meine Apple Watch aufrecht beim Laden im Ständer. Das Display der Uhr simuliert natürlich den Bildschirm des Mac Classic. So ist die Apple Watch im Weckermodus geparkt. Tippe ich die Uhr, den Ständer oder das ganze Nachtkästchen neben dem Bett an, dann wird die Uhrzeit für ein paar Sekunden angezeigt.


Bisher blickte ich aufs iPhone, wenn ich nachts aufwachte und wissen wollte, wie spät es ist. Nun blicke ich auf meine Apple Watch im Mac Classic. Was will man mehr?

Oscar-Musiktipp: The Shape of Water von Alexandre Desplat

5. März 2018
Dieser wunderbare Soundtrack von Alexandre Desplat gewann einen Oscar: The Shape of Water

Dieser wunderbare Soundtrack von Alexandre Desplat gewann einen Oscar: The Shape of Water

Die Musik fließt einfach so dahin und umschlingt den Zuhörer, hüllt ihn ein und trägt ihn davon – dies kam mir als erstes in den Sinn als ich den Soundtrack The Shape of Water von Alexandre Desplat hörte. Gestern nacht wurde der Score The Shape Of Water mit dem Oscar für beste Filmmusik ausgezeichnet und wer den Score hört, der weiß warum. Er ist wirklich wunderschön und eine Bereicherung.
Ich hatte mir das Album bei Erscheinen gekauft, weil ich die Karriere des Franzosen Alexandre Desplat seit Jahren verfolge. Ich hatte trotz des großen Umfangs seines Werks immer das Gefühl, dass Alexandre Desplat ein Geheimtipp war. Er hat viele, viele wirklich gute Soundtracks komponiert. Ich habe über Godzilla, Harry Potter und sein Ausscheiden bei Star Wars Rogue One bereits gebloggt. Nicht gefallen hat mir The Grand Budapest Hotel und dennoch hat seine Musik zu diesem Film gepasst.
Nun trifft also der der Filmverrückte Guillermo del Toro auf Alexandre Desplat – der frischgekürte Oscargewinner trifft auf den frischgekürten Oscargewinner und es passt einfach zusammen. Ich habe bisher nur die Trailer von The Shape of Water gesehen, aber bereits bei diesen kurzen Filmschnipsel war die Musik von Desplat eindrucksvoll und nachhaltig. Sie hat mich umschlungen und versetzt mich in den märchenhaften Zauber, den der Film wohl vermitteln will. Es ist die Liebe einer Putzfrau zu einem Fischwesen und Desplat vermittelt die Romantik und die daraus resultierenden Konflikte sehr gut mit seiner Musik. Auch die Einspielungen von Songs, ein Stilmittel das ich sonst nicht so mag, passen gut. Renée Fleming, Glenn Miller und die faszinierende Caterina Valente. Für mich ist der Soundtrack ein schönes Gesamtkunstwerk und einzelne Titel hervorzuheben, geht hier in dieser Kritik nicht. Die Musik hat den Oscar 2018 verdient und das sage ich mit allen Respekt gegenüber dem großen John Williams. Gebt der Musik eine Chance und auch wer den Film als moderne Version von Amélie nicht gesehen hat, wird an dem Soundtrack seine Freude haben.