Berlin hat Mülleimer mit frechen Sprüchen

2. Oktober 2017

Sie haben so nette Aufdrucke wie „Kippendiener“, „Häufchenhelfer“ oder „Würstchenbude“. Gemeint sind die Berliner Mülleimer. In Knallorange zieren sie die Straßen von Berlin und zaubern mir ein Lächeln auf die Lippen, wenn ich daran vorbeigehe.

Ähnliche Mülleimer habe ich bereits in Hamburg gesehen und ausführlich darüber gebloggt. Jetzt sind mir diese Mülleimer in der Hauptstadt Berlin aufgefallen. Wer die Idee eher hatte, weiß ich nicht, aber Spaß macht sie allemal.In meiner Heimatstadt München sind sie eher grau trist.
Orange ist eine frische Farbe und die orangen Müllereimer, die an Straßenlaternen angebracht sind, fallen auf. Und das sollen sie auch, denn in einer Touristenstadt wie Berlin fällt viel Müll an. Und bevor Schmutzfinken den Müll einfach auf den Boden werfen, kommt er in die Tonnen rein. Die Berliner Stadtreinigung BSR hat einiges zu tun, die vollen Tonnen zu leeren.
Mehr als 130.000 Euro hat die Berliner Stadtreinigung (BSR) im Jahr 2014 für den Ersatz oder die Reparatur von alten, kaputten oder zerstörten Papierkörben und Mülleimern ausgegeben. Deppen gibt es überall, die Mülleimer zerstören und damit Kosten für den Steuerzahler produzieren.

Berlin wäre nicht Berlin, wenn diese Mülleimer nicht gleich von irgendwelchen mitteilungsbedürftigen Menschen verziert oder beschmiert werden: Sprüche, Aufkleber, Farbe, Graffiti – alles ist zu finden in den orangen Mülleimern mit den freundlichen Aufschriften. „Danke für die Hot Dogs“, „Gib Gummi“, „Gib‘s mir!“, „Für die Zigarette danach“, „Flotte Charlotte“ – diese Sprüche habe ich bei einem eintägigen Berlinaufenthalt gefunden.

Restauranttipp: Grüner Baum in Premach – Hähnchen pur

29. September 2017

Bei meinen Medienkompetenz-Vorträgen verschlägt es mich in viele Gegenden Deutschland, zuletzt nach bayerisch Schwaben. Bei der Rückfahrt machte ich in einem meiner Lieblingswirtshäuser Station. Im Grünen Baum in Premach.
Dort gibt es keine abwechslungsreiche Sterneküche, die ich auch gerne genieße, hier gibt es ganz bodenständige Hausmannskost. Es gibt Hähnchen, eigentlich gibt es Gockel/Gockl/Goggl – irgendwie wie Google ohne e. Ihr seht, ich tu mich schwer mit dem schwäbischen Dialekt. Vielleicht gibt es beim Grünen Baum auch noch was anders als Hähnchen bzw. Hendl (ich bleib bei der oberbayerischen Variante). Das kann schon sein, aber mein Lieblings- und Standardgericht ist dort Hendl mit Pommes.


Seit 57 Jahren gibt es den Grünen Baum. Wirt Thomas Mayer treibt die Wirtschaft samt schönen Biergarten um. Als meine Frau und ich kurz vor Schluss noch hereinkam, war der Gastraum fast leer, die Küche bereits am Schließen. Thomas Mayer erbarmte sich und servierte uns noch zwei halbe geliebte Geflügeltiere. Lecker. Der Grüne Baum ist in der Gegend bekannt, wobei die Hochzeiten der Wirtschaft in den Neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren. Der Umsatz an Hendl ist heute zurückgegangen, die Konkurrenz ist größer geworden. Aber auf treue Stammkunden kann der Grüne Baum weiterhin zurückgreifen. Der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel wohnte in der Gegend und schaut dann und wann vorbei. Und auch Besucher des Klosterkomplexes Ursberg sind immer wieder zu sehen. Der Einzugsbereich reicht rund 50 Kilometer um Premach herum, also von Memmingen, Dillingen und aus dem wunderschönen schwäbischen Naherholungsgebiet Stauden.

Der Gastraum der Wirtschaft ist einfach gehalten. Gebrandet wird mit ein paar Hahnfiguren, sonst ist alles einfach reduziert. Hier war kein Innenarchitekt am Werke, sondern die Wirtschaft ist gewachsen. Im Herrgottswinkel hängt der Jesus, ein Collage über die Entwicklung der Mark hängt auf der anderen Seite des Gastraums. Die einfachen Holztische haben keinen großen Schmuck. Einfach ein Deckchen, die Salz- und Pfefferstreuer – das wars.
Bevor die Hendl kommen, gibt es zwei Scheiben frisches Brot samt Besteck, Ketchup und Zitrusreinigungstücher zum Entfetten der Hände im Anschluss an das köstliche Mahl.


Die Hendl kommen ebenso wie die Pommes aus der Fritteuse. Ketchup ist standardmäßig dabei. Als Besteck gibt es eine Gabel und fertig. Mit den Fingern wird gegessen, so schmecken Hendl am besten. Für mich ist das ein wunderbares Erlebnis. Ich konzentrierte mich aufs Essen, während meine Frau im schönsten Schwäbisch die Gespräche führt. Den Inhalt hab ich allerdings nicht verstanden.

 

Meine Meinung: Twitter geht auf 280 Zeichen und warum ich mich unwohl fühle

28. September 2017

Twitter soll nun statt 140 Zeichen 280 Zeichen bekommen. Ganz Twitter heult auf, denn damit wird sich der Mikroblogging-Dienst in Deutschland verändern.

Ich bin seit 2008 bei Twitter dabei unter @redaktion42.

Ich bin seit 2008 bei Twitter dabei unter @redaktion42.

Bisher konnten Twitterer nur 140 Zeichen für ihre Tweets verwenden, eine alte SMS hatte 160 Zeichen. Die Folge war, dass überall auf der Welt von allen Menschen getwittert wurde. US-Präsident Donald Trump erkannte recht schnell, die Macht des Kurznachrichthendienstes und macht offizielle US-Politik über Twitter. Man kann Trump viel vorwerfen, aber die Macht von sozialen Netzwerken hat er absolut verstanden und er nutzt sie.
Twitter wird von den Menschen akzeptiert auf der Welt, in Deutschland hatte Twitter dagegen ein Problem. Das lag nicht daran, dass die Deutschen das Volk der Dichter und Denker sind, sondern es liegt einfach banal daran, dass unsere deutsche Sprache zu lange Worte umfasst. Donau­dampfschifffahrts­elektrizitäten­hauptbetriebswerk­bauunterbeamten­gesellschaft – und meine 140 Zeichen sind voll. Englisch, Spanisch oder Türkisch hat viel, viel kürzere Wörter.

Die Zahlen sind zwar von 2012 aber an der grundsätzlichen Aussage hat sich nichts geändert.

Die Zahlen sind zwar von 2012 aber an der grundsätzlichen Aussage hat sich nichts geändert.

Die Konsequenz war, dass Twitter in Deutschland ein Nischenthema blieb. Gewittert hat nur eine gewisse Sprachelite (schreckliches Wort). Also Menschen, die mit Sprache umgehen können. Darunter viele Journalisten, Medienfuzzis, Blogger und Politiker. Ich habe mich in diesem Twitter und diesem Umfeld wohlgefühlt. Für mich ist Twitter eine Art Stammtisch, der 24 Stunden 365 Tage geöffnet hat. Für mich ist Twitter mein erstes Nachrichtenmedium, meine Unterhaltung, meine Information, meine Sicht auf die Welt, mein Dialogmedieum. Ohne Twitter hätte ich viele Meinungen nicht kennengelernt, über viele Witze nicht gelacht, viele Lebenseinstellungen nicht reflektieren und auch auf viele Provokationen nicht reagieren können. Aber: Lieschen Müller und Kinder/Jugendliche waren bei Twitter in Deutschland eher nicht so dabei – die konnte ja auf Facebook ausweichen oder gleich die Datenkrake WA nutzen. Mir ist natürlich bewusst, wie pauschal so eine Einteilung ist.
Das könnte sich jetzt ändern. Wenn die 280 Zeichen jetzt für alle bei Twitter kommen, dann wird sich Twitter verändern. Nachdem es bereits für Nachrichten die Begrenzung der Zeichenzahl aufgehoben wurde, geht Twitter jetzt einen Schritt weiter. Das wird Twitter populärer machen. Es hat die Chance von einem Nischenmedium zu einem Marktplatz der Massen in Deutschland aufzusteigen (und vielleicht endlich mal Geld verdienen). Twitter wird sich verändern – und ich weiß nicht, ob es mir gefällt. Ich habe mich doch in meiner Nische ohne Lieschen Müller so wohl gefühlt. Es war doch so schön in meinem Spielplatz und jetzt kommen andere in meine Spielkiste dazu. Will ich das wirklich?

Kennen Sie die Coburger Erker?

27. September 2017

Zu Coburg habe ich eine ganz besondere Beziehung. Ein Teil meiner Familie stammt aus der Herzogsstadt und ich arbeite immer wieder in diesem Ort, der sich nach dem zweiten ersten Weltkrieg freiwillig Bayern anschloss. Zur Spezialität gehört unter anderem die Coburger Bratwurst. Und wenn ich so am Marktplatz am Prinz-Albert-Denkmal herumstehe, fallen mir die Coburger Erker auf.

Anstehen für eine Bratwurst in Coburg

Anstehen für eine Bratwurst in Coburg

Erker gibt es natürlich viele, gerade in historischen Städten. Aber Coburg hat ganz spezielle, eben die Coburger Erker.
Der Coburger Erker ist eine Variante des Eckerkers, die so nur in Coburg gebaut wurde. Der Erker stammt aus dem Ende des 16. Jahrhunderts und zeichnet sich durch drei architektonische Besonderheiten aus. Das sind eine tragende Säule vor der Hausecke, eine zweistöckige Konstruktion und der Abschluss durch eine welsche Haube – so sagt es Wikipedia.


Und wenn ich so in Ruhe meine Bratwurst esse, mache ich mich auf die Suche nach den Original Coburger Erkern. Im Stadtbereich gibt es insgesamt fünf dieser Originalerker und zahlreiche Nachbildungen. Und ich habe Glück, am zentrale Marktplatz finde ich gleich welche. Da ich für eine zweite Bratwurst anstehe, habe ich einen Erker im Rücken. Im Coburger Stadthaus, gegenüber dem Rathaus, gibt es an der Gebäudeseite zum Markt gleich zwei dieser besonderen Erker. Da im Moment die bayerische Landesausstellung in Coburg stattfindet, lohnt sich der Besuch von Coburg auf jeden Fall und wenn man schon mal da ist, kann man auch Erker anschauen.

Pop Art-Künstler Tom Boston in Schloss Nymphenburg

25. September 2017

Als ich die Ausstellung von Tom Boston im Münchner Schloss Nymphenburg betrat, wurde ich schlagartig in meine Kindheit versetzt. Und ich fühle mich wohl. Tom Boston sorgte für eine persönliche Zeitreise mit „My Heros“. Auf Einladung der Galerie Mensing präsentierte er Pop Art-Kunst meiner Idole.

Tom Boston wurde 1970 geboren und ist damit zwei Jahre jünger als ich. Und wurden wir mit den gleichen Figuren der Populärluktur sozialisiert. In seiner Ausstellung traf ich auf Micky Mouse, Bugs Bunny, die Muppets, Lucky Luke, Homer Simson, den rosaroten Panther und viele mehr. Alles Ikonen der Popkultur, die der aufsteigende Stern am Kunsthimmel humorvoll verarbeitet.
Tom Bostons Kunst macht Freude, macht unheimlich gute Laune. Als ich durch die Ausstellung flanierte, ging mir im wahrsten Sinne des Wortes das Herz auf. Schlagartig verliebte ich mich in mein Idol Snoopy mit Woodstock. Faul liegt der Beagle auf dem Rücken, Bauch in die Luft gestreckt und auf dem Gipsfuß sitzt Woodstock mit dem Regenschirm. Die Technik Sprayfarbe und Schablonen-Graffiti setzt er kreativ ein. Er setzt die Figuren auf Ikonen der Fotografie oder Malerei. Lucky Luke steht The Duke John Wayne aus Die Comancheros von Michael Curtiz gegenüber.


Eine Ikone der Pressefotografie wird verarbeitet: Der Sieg von Boxer Ali über Sonny Liston, fotografiert von John Rooney für Associated Press, wird herangezogen und Liston durch Home Simpson ausgetauscht.


Humor hat Tom Boston als er Marylin Monore von Andy Warhol mit Bugs Bunny kombiniert, der das Schönheitsideal mit Farbtopf und Pinsel verschönert und sich davonmacht.


Etwas schwer tat ich mich mit Rembrands Die Nachtwache in Kombination mit Bugs Bunny, der eine Getränkedose zerquetscht. Sternchen ums Bild – das war nicht so mein Fall. Aber nicht jede Kunst muss gefallen.


Sammler sollten sich Tom Boston als Wertanlage ins Auge fassen. Die Resonanz in München war enorm. Das Publikum schaute sich interessiert die Werke an, zahlreiche wurden auch verkauft. Tom Boston meint, dass seine Werke aufgehängt werden, um Freude zu machen. Ich wäre so ein Sammler, aber es gab auch einige zahlungskräftige Besucher, die Boston als Wertanlage für einen steigenden Kunstmarkt sahen.

Hier ein Interview, das ich mit dem Künstler geführt habe.

 

Musiktipp Roll with the Punches von Van Morrison

22. September 2017

Gut, dass ich im Bett lag als ich die ersten Töne des neuen Van Morrison Albums Roll with the Punches via Amazon Music hörte. Ich lag in meinem Hotelbett als Amazon per Mail meldete, dass ich das Album via Stream hören könnte. Pflichtbewusst hatte ich mir das neue Van Morrison-Album Roll With the Punches vor Wochen vorbestellt, nun wurde es veröffentlicht und es haute mich um.


Van Morrison bringt in schöner Regelmäßigkeit Alben auf den Markt, in den vergangenen Jahren waren keine wegweisenden Aufnahmen mehr dabei. Der Tiefpunkt war für mich Duets von 2015. Aber Van Morrison kann es noch. Er lebt den Blues. Roll with the Punches ist Blues pur und er haut dich um. Gut, dass ich ja noch im Bett lag.
15 Blues Songs, davon fünf aus eigener Feder, zeigen, warum John Lee Hooker den Musiker als „besten weißes Bluessänger“ bezeichnet hat. Die anderen Songs sind Klassiker, immer wieder gehört, aber selten in so einer intensiven Interpretation. Und Van the Man hat darauf geachtet, dass die Aufnahmen perfekt zusammenpassen. Es ist kein Album mit einzelnen Songs, sondern ein kompaktes, aufeinander abgestimmtes Blues-Album.
Die Wirkung auf mich war grandios. Ich lag im Bett, wollte eigentlich aufstehen und mich auf den Tag vorbereiten. Aber ich war in Bluesstimmung, hörte den Blues und bliebt liegen. Roll with the Punches haute mich um, knockte mich aus. Van Morrison traf den Ton, traf die Stimmung: Er singt intensiv wie lange nicht mehr, aus tiefster Seele. Der Blues im Mittelpunkt seines Albums, dazu ein wenig Jazz, dann ein wenig Rock. Die Rezeptur ist perfekt, die Präsentation des Ergebnisses ebenso.
Bei Roll with the Punches hatte der musikalische Eigenbrödler wieder ein paar Helfer an seiner Seite. Georgie Fame und Chris Marlowe durften wieder mal mitspielen und vor allem Jeff Beck zupfte bei „Bring it on Home to me“ mit. Mit dem Aufruf „Allright Jeff“ motiviert Van seinen Gastgitarristen zu einer intensiven Einlage.
Also klar Musiktipp aus dem Bett. Wer auf Blues steht, der sollte sich von Van Morrison und seinem Roll With the Punches einen Schlag versetzen lassen.

 

 

Tipps & Tricks: Dateien synchronisieren mit iTunes 12.7

21. September 2017

Still und heimlich schlich sich das Update von iTunes auf 12.7 auf meinen Mac. Ich mache als guter Macianer immer brav meine Software-Updates und lud auch ohne Bedenken das Update von iTunes auf 12.7. Und es passierte: Der Reiter „App“ ist weg. Das ist für mich ein echtes Problem. Aber es gibt einen Workaround.

Apple hat iTunes überarbeitet und ich habe es aktualisiert, ohne zu wissen, was ich tat. Neu ist unter anderem, dass der Reiter „App“ verschwunden ist. Dieser war für mich ein wichtiger Reiter, denn ich übertrage meine Keynote-Präsentationen via Lightningkabel vom MacBook Pro auf das iPad Pro. Da Keynote-Präsentationen zu meinem täglichen Brot gehören, bin ich auf einen reibungslosen Workflow zwischen Mac und iPad angewiesen. Und nun ist der Reiter „App“ verschwunden. Ein Übertragen ist scheinbar nicht mehr möglich.
Alternative? Ein Überspielen via iCloud scheitet bei mir aus aufgrund eines katastrophalen Internets bei mir am Land. Laptop und Lederhosn, dass ich nicht lache. Auch AirDrop klappt nicht, weildie Keynote-Dateien mehrere Gigabyte groß sind. Schließlich gebe ich Seminare zum Thema visuelle Präsentationen und da gehören Multimedia-Dateien einfach in eine Präsentation und die machen die Präsentation fett, richtig fett.
In meiner Panik entdeckte ich aber die neue Möglichkeit, Dateien zu übertragen. Hier der neue Workaround: In iTunes das iPad/iPhone anschließen und auf Übersicht des Geräts klicken.

Ganz unten gibt es einen neuen Reiter mit Namen „Dateifreigabe“.

Hier finden sich dann die App, die Dateien enthalten. Darunter auch Keynote mit meinen entsprechenden Keynote-Präsentationen. Hier haben sich die Herrschaften also versteckt und Apple geht irgendwie davon aus, dass man es schon findet. Puh, diese Gefahr ist gebannt, aber schlucken musste ich schon.

Haderner – Besuch bei Münchens erster Biobrauerei

20. September 2017

„Wir haben nur ein Standbein und das ist Qualität“ – so fasste Braumeister Johannes Perniß die Philosophie der ersten Münchner Biobrauerei Hadernder Bräu München zusammen. Seit Jahresbeginn erobert sich die neue Biermarkte ihren kleinen, aber feinen Markt. Auf Einladung des Bloggerclubs fand eine Brauereiführung und Bierverkostung in den Räumen der Biobrauerei im Münchner Stadtteil Hadern statt. Hier ein 360 Grad Video.

Mit Hadernder einen Lebenstraum verwirklicht
Die Brauerei ist ein klassischer Familienbetrieb. Veranstaltungstechniker Thomas Girg und seine Frau Marta erfüllten sich mit dieser Brauerei einen Lebenstraum. Thomas Girg, der u.a. für die Körperwelten arbeitete, hatte genug vom Reisen und seine Frau arbeitet im Schlossgut Oberambach, das renommierte Biohotel am Starnberger See. Nachdem sie auch mal ein Jazzfestival gegründet hatte, bekamen sie das Angebot eine kleine Brauerei in Hadern zu übernehmen. Thomas hatte sich als Biersommelier und Marta als Weinsommeliere fortgebildet und gute Erfahrungen mit dem Bierbrauen als Hobby gesammelt. So fiel Weihnachten 2015 die Herzensentscheidung und sie erwarben die kleine Brauerei in München.

Der Name Haderner
Nach viel Hirnschmalz und Brainstorming, bei denen auch die Vereine und Nachbarschaft der Brauerei einbezogen wurden, entstand der Name Haderner. Seit Januar 2017 wird unter diesem Namen das Bier gebraut. Das Logo der Flasche ziert ein Baum. Und dahinter verbirgt sich eine nette Geschichte. Marta Girg war mit dem Rad unterwegs und fuhr durch den Haderner Wald. Hadern bedeutet „Volk am Wald“. Hadern war ursprünglich ein Bauerndorf und wurde erstmals im 11. Jahrhundert unter dem Namen Haderun erwähnt. Und schon war das Logo geboren und musste nur noch vom Grafiker umgesetzt werden.

1000 Liter Haderner Bier pro Tag
Die Biobrauerei produziert 10 Hektoliter Bier pro Tag, also 1000 Liter. Versorgt werden vor allem Biomärkte, Bioläden und Biofeste sowie Biorestaurants. Freitag kann der interessierte Kunde von 15 bis 18 Uhr in der Brauerei direkt vorbeischauen und sich sein Wunschbier zusammenstellen und mitnehmen. Wer die Ökokiste München abonniert hat, kann auch das Hadernder Bier dazu ordern. Hier findet sich traditionelle Braukunst in der ersten Bio-zertifizierten Brauereien Münchens. Bio boomt, das zeigt das wachsende Geschäft mit dem Biobier. Dabei ist das Wachstum begrenzt, wenn die Zutaten ausbleiben oder die Qualität nicht stimmt. Braumeister Johannes Perniß ist streng bei der Qualitätskontrolle. „Die Rohstoffbeschaffung ist ein sehr wichtiges Thema bei uns“. Im Moment findet die Hopfenernte sehr spät statt. Beim Gerstenjahr gibt es Hinweise auf eine schlechtere Ernte. „Wir produzieren hier ein ehrliches Bier“, so Perniß, der sehr viel Wert auf Transparenz liegt. „Unsere Kunden können jederzeit erfahren, woher wir unsere Produkte beziehen.“ Für ihn ist Bier, sein Bier ein ganz persönliches Produkt.
Die Bier sind ebraut nach dem bayerischem Reinheitsgebot mit biologischen Zutaten aus der Region.
Haderner Hell: Ein vollmundiges naturtrübes Bier, süffig und angenehm perlend, für jeden Freund handwerklich gebrauter Biere.
Haderner Weißbier: Bayerisches Weißbier, angenehm erfrischend und vollmundig, mit leichter Fruchtnote.
Haderner Dunkel: Echtes Dunkles Bier, nach alter Münchner Rezeptur. Sehr ausgewogen, mit leichten Bitterstoffen.
Haderner IPA: Bayerisches India Pale Ale. Schön ausbalancierte Bitternote, mit Zitrus-Aromen des verwendeten Hopfens.
Im Moment braut Johannes Perniß ein Festbier und ich durfte vorab eine Kostprobe genießen. Wunderbar, einfach Wunderbar. Och muss dringend schauen, dass ich einen Kasten kaufe, wenn das Bier marktreif ist.

Ein Whisky-Bock vom Haderner
Glück hatte ich, dass ich eine der streng limitierten Flaschen eines speziellen Whisky-Bocks ergatterte. Insgesamt gibt es nur 400 Flaschen. Familie Girg traf auf einen Schweizer Braumeister, der sich spontan bereit erkläre, einen Whisky-Bock zu brauen. Die Fässer kamen von der Brennerei Martin Meier aus Neuravensburg. Dort wurde Allgäuer Single Malt gelagert. Herausgekommen ist ein heller Bock mit leichtem Whisky Geschmack.

Buchtipp: The Art of Hammer: Posters From the Archive of Hammer Films von Marcus Hearn

17. September 2017

Als Jugendlicher habe ich mein Taschengeld für Filmplakate ausgegeben. Ich war auf Filmsammlermärkten und Kinos unterwegs und habe nach diesem besonderen Marketingmaterialien Ausschau gehalten. Ich sammelte, was mir gefiel: Bond, Horror, Kubrick – ein System in der Sammlung hatte es nicht. Dieses Hobby ist ein wenig eingeschlafen, was auch am Platz liegt. Wohin mit Hunderten Als ich jetzt das Buch The Art of Hammer: Posters From the Archive of Hammer Films von Marcus Hearn erwarb, musste viele meiner alten Schätze wieder ansehen.

Ich mag viele Hammer-Filme. Hammer war ein britisches Produktionsstudio deren Filme meinen Geschmack von Horrorfilmen geprägt haben. Ich kam aus der Tradition des sogenannten gothischen Horrors und liebte Filme mit Bela Lugosi (Dracula) oder Boris Karloff (Frankenstein/Mumie). Diese Schwarzweiß-Filme hatten eine tolle, gruselige Atmosphäre mit Friedhöfen, Schlössern und Laboren. Doch dann kamen in mein nächtliches TV-Programm auf einmal Filme von Hammer, die ebenso von Dracula, Frankenstein und die Mumie handelten, aber eine viel stärkere Wirkung auf mich hatten.

Diese Hammer-Filme waren in Farbe, sie hatten Action und sie boten Sex. Ich geb es ja zu, das alles hat mir gefallen. Auch die wichtigsten Darsteller dieser Hammer-Filme hatten mich fasziniert: Christopher Lee und Peter Cushing, beide leider inzwischen verstorben und der jüngeren Generation als Saruman (Herr der Ringe) und Großmoff Tarkin (Krieg der Sterne) bekannt.
Das Buch The Art of Hammer zeigt eine Auswahl an internationalen Postern aus der Filmwelt von Hammer mit dem Schwerpunkt auf englischen Marketingmaterialien. Es ist eine Bibel für Freunde von Hammer.
Die frühen Hammer-Filme kannte ich nicht. Mein Interesse setzt 1958 mit Blood for Dracula ein. Für mich waren die goldenen Zeiten des Hammer-Films die Sechziger und frühen Siebziger Jahre. Hammer revolutionierte den Horrorfilm und fegte die alten Schinken hinweg. Hollywood hatte keine Antwort auf Hammer, gegebenenfalls die Poe-Verfilmungen von Roger Corman hatten einen ähnlichen Charme wie Hammer. Die Hammer-Filme sprachen durch ihre Aggressivität eine jüngere Zielgruppe an, was durch Filme wie Dracula 1972 AD – Dracula jagt Mini Mädchen (geiler deutscher Titel) deutlich wurde. Im Mode- und Drogenrausch des Swinging London triebt Dracula sein Unwesen. In einer hervorragenden Doku des Kultursenders Arte wurde berichtet, dass Hammer oft als erstes ein reißerisches Plakat mit Titel hatte, sich dann einen Verleih suchte und dann erst den Film drehte. Ein ungewöhnliches Vorgehen, aber scheinbar erfolgreich.

Dann kam der Bruch. Hammer-Filme, die für eine Zeitlang modern waren, sind auf einmal auf dem Abstellgleis gelandet. Neue Formen des Horrorfilms etablierten sich. Hitchcock hatte es Jahre zuvor mit Psycho vorausgesehen. Der irre Schlitzer. Das Grauen kam nicht mehr von Monstern aus fernen Ländern wie Transsilvanien oder von verrückten Wissenschaftler, sondern das Grauen kam vom Nachbarn um die Ecke oder gar vom Teufel selbst. Der vor kurzem verstorbene Tobe Hooper setzte mit Blutgericht in Texas Maßstäbe an Terror und die Branche sowie Publikum richteten sich daran aus. Hammer wirkte auf einmal verstaubt. Zwar ließen die Darstellerinnen mehr und mehr die Hüllen fallen, doch wenn ich Sex und nackte Haut sehen wollte, gab es andere entsprechende Filme. Hammer ging den Bach runter.
Erst in den 2000 Jahren hatten die Hammer-Studios ein Comeback. Ich habe allerdings noch keinen Film gesehen. Die Blu rays liegen noch Originalverpackt hier herum. Die Frau in Schwarz soll ganz gut sein – ich bin gespannt.

 

Buchtipp: Die wilden Achtziger von Christian Schulz

16. September 2017

Ich war Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts das erste Mal in West-Berlin. Die Stadt erstaunte mich als Teenager. Ich war Teilnehmer eine Bildungsreise und nach dem offiziellen Programm machte ich mich abends auf und erkundete als Jugendlicher die fremde, große Stadt. Interessanterweise war ich zuvor aufgrund der DDR-Verwandtschaft früher in Ost-Berlin als in West-Berlin. Aber kein Zweifel, West-Berlin gefiel mir besser.
Daran erinnerte ich mich, als ich das Buch Die wilden Achtziger von Christian Schulz in die Hände bekam. Es sind Fotografien aus West-Berlin, geschossen von dem taz-Fotografen Christian Schulz. Als ich das Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, war ich fasziniert und ärgerlich zugleich.

Fasziniert, weil das Buch ein unheimlich eindrucksvolles Zeitdokument ist – von einer Zeit, in der ich heranwuchs und von der ich unbewusst viel aufgenommen und mitgenommen habe. Ärgerlich, weil ich es versäumt habe, diese Zeit für mich zu dokumentieren. Ich hatte zwar einen Fotoapparat, eine Mintolta X700, und fotografierte in Schwarzweiß, aber die Kamera hatte ich nur zu besonderen Gelegenheiten ausgepackt wie Geburtstage, Weihnachten usw. Ich glaube, ich habe lückenlos die Christbäume und den Christbaumschmuck unserer Familie über all die Jahre dokumentiert, aber nicht wirklich wichtiges. Ich hatte später zwar ein Schwarzweiß-Labor, doch es war immer ein Aufwand im Badezimmer meiner Eltern das Teil aufzustellen. Was gab es damals für interessante Motive, die ich vielleicht gesehen, aber garantiert nicht fotografisch festgehalten habe. Meine Eltern knipsten nur und Streetfotografie gab es für mich nicht. Film war doch teuer.

Aber zurück zu Christian Schulz und seinem Buch. In dem lesenswerten Vorwort bezeichnet Arno Widmann den Fotografen Christian Schulz als Fotograf einer Übergangsgesellschaft. Ein wahrlich trefflicher Ausdruck. West-Berlin war in den achtziger Jahren eine Insel im Umbruch. Ein Abi-Kollege brach nach West-Berlin auf, um nicht zum Bund zu müssen. Die Wiedervereinigung machte ihn einen Strich durch die Rechnung. Die alternative Szene war in West-Berlin zu Hause und bei meinen Streifzügen als Teenager sah ich heruntergekommene Häuser und andere Lebensformen, die ich im konservativen, katholischen Bayern nie gesehen hatte. Ich empfand die Berliner als unfreundlich und gesellig zugleich. Berlin war ein anderes Pflaster als München. Es ging irgendwie rauer, härter zu. Das schreckte mich ab, faszinierte aber auch.

Und dieses Gefühl hatte ich wieder als ich die Fotos von Christian Schulz betrachtete. Es sind zunächst Alltagsszenen, erst später kommen Fotos von wichtigen Ereignissen hinzu. Fotos von Menschen, die Geschichte machen und ihre Geschichte erzählten. Es sind aber mehr Schnappschüsse aus dem Alltag, die mich faszinierten. Sie zeigen Leute, die in Berlin lebten und für mich Berlin verkörperten. Die Disco-Bilder waren abgefuckt als glitzernd. Der ehemalige taz-Fotograf zeigte im ersten Teil seines Buches nicht den Glamour, den ich in Berlin auch zu sehen bekam. Diese Fotos kommen im zweiten Teil, Fotos von Prominenz, Filmfestspiele oder Kurfürstendamm. Aber diese Art von Gesellschaftsfotografie habe ich bei anderen Fotografen für meinen Geschmack besser gesehen. Ich war verwöhnt durch Michael Graeter und die Abendzeitung als Promi-Lieferant. Also beschränke ich mich eher auf den rauhen und authentischen Teil des Buches.
Ob Christian Schulz bei seinen Streetfotos seine menschlichen Fotomotive um Erlaubnis zur Veröffentlichung gefragt hat, bezweifle ich. Streetfotos in Deutschland sind schwer geworden. Persönlichkeitsrechte werden verletzt und eine Erlaubnis zur Veröffentlichung zu erhalten, grenzt in Deutschland nahezu als ein Wunder. So gerne würde ich Streetfotografie machen, aber die rechtlichen Hürden sind mir zu hoch. Das ist in anderen Staaten anders. Als ich Silvester in den USA weilte, da war die Mentalität eine ganz andere. Leute hatten oftmals kein Problem, wenn ich sie fotografierte. Sie setzten sich sogar für mich in Szene. In Deutschland unmöglich.
Und das den Reiz des Buches von Christian Schulz aus. Damals, als es in den achtziger Jahren zwar auch Persönlichkeitsrechte gab, aber sich in Berlin die Leute wohl weniger darum kümmerten. Wenn man jemanden fotografierte, der es nicht wollte, bekam man eine aufs Maul und damit hatte es sich – so muss wohl die Mentalität gewesen sein. Für mich ist dieses Buch Die wilden Achtziger von Christian Schulz eine wunderbare fotografische Zeitreise in meiner Teenager-Zeit.