Vogelinventur im Garten – ich habe bei der Stunde der Wintervögel mitgemacht

6. Januar 2019
Die Stunde der Wintervögel - große Vogelinventur im Garten.

Die Stunde der Wintervögel – große Vogelinventur im Garten.

Durch Vogelgezwitscher wurde ich heute morgen geweckt. Nicht durch das Gepiepse von unseren beiden Wellensittichen Sinatra und Dr. Watson, sondern von den Vögeln aus dem Garten. Und damit erinnerten sie mich, dass ich mich an der großen Vogelzählung des Landesbundes für Vogelschutz beteiligten wollte.

Der LBV zählt in der Aktion „Stunde der Wintervögel“ wieviele gefiederte Freunde in der Natur zu Hause sind. Jetzt der Witz: „Ich bin gut zu Vögeln.“ Also mache ich mit, denn heute ist es noch möglich. 

Was ist der Hintergrund?

Die „Stunde der Wintervögel“ gilt als die größte Vogelzählung in Deutschland. Im Grunde ist es eine Art Vogelinventur, die bereits zum neunten Mal stattfindet. Also werden die Vögel gezählt, um wissenschaftlich herauszubekommen, wie sich die Piepser an die kalte, futterarme Zeit anpassen und mehr.

Ausgangssituation

Nun, ich wohne auf einem Dorf und habe einen Garten. Und in diesem Garten füttere ich ganzjährig. Dazu haben wir vier Futterstationen, die wir als Familie auch benannt haben. Das klassische Vogelhaus aus Holz heißt Fresshalle, das stylischere Vogelhaus aus Metall ist der Freisitz und die beiden hängenden Futtersilos heißen Restaurants. Die Restaurants werden im Winter nicht angenommen. Am besten läuft die Fresshalle. Gefüttert wird mit eine Mischung aus Sonnenblumenkernen (immer große Sauerei), Nüssen, Haferflocken – dazu haben wir ein eigenes Amazon-Sparabo abgeschlossen. 

Und dann schaut mindestens einmal am Tag eine Katze aus der Nachbarschaft vorbei. Paule dreht seine Runde und ich bin dankbar, dass die Katze uns in ihrem Revier duldet. Sie schleicht sich immer an die Vögel an und hat bisher nur einmal einen Spatz erwischt und stolz nach Hause gebracht. 

Die Stunde der Vogelbeobachtung

Ich habe also meinen Sessel an die Terrassentür geschoben. Neben mir liegen Smartphone, Fernglas, Block und Stift sowie eine große Tasse bereit. Startzeit ist 10:21 Uhr. Die Familie schläft noch oder ist in der Kirche. Der Garten ist schneebedeckt. Es schneit, dann taut es wieder etwas. Kein Vogel. Das Windspiel dreht sich im Kreise und ich hänge meinen Gedanken nach. Immer noch kein Vogel. Wo sind die Typen hin?

Die Wellensittiche Sinatra und Dr. Watson quietschen fleißig, aber im Garten ist kein Verwandter zu sehen. Ich beginne einen Podcast zu hören und zeichne Strichmännchen auf meinen Block. Da, um 10:40 Uhr kommen Herr und Frau Amsel vorbei. Sie hüpfen durch die Sträucher, picken herunterfallende Körner auf. Ich kenne Herr und Frau Amsel schon länger. Sie sind eigentlich die ganze Zeit bei uns im Garten, quasi alte Vogelbekannte. Also Amsel 2x in meinem Zählbogen notiert. 

Um 10:56 Uhr kommen zwei Kohlmeisen vorbei. Sie sitzen in einem der beiden Apfelbäume. Gleich auf die Liste und ein Foto. Ich ärgere mich, dass ich nur das Smartphone genommen habe. Die Nikon mit der fetten Tüte hätte bessere Bilder geschossen. Aber ich will ja in erster Linie nur zählen und nicht ablichten, ich bin ja kein Vogelkundler oder Ornithologe, also eine Art Vogelspanner. 

Um 11:08 Uhr kommen meine beiden Amsel wieder vorbei und haben noch einen Kollegen mitgebracht, also Anzahl der Amseln wird auf 3 erhöht. Kurz vor Ende meiner Zählung kommen die beiden Elstern vorbei, die auch seit Jahren in der Gegend wohnen und täglich vorbeischauen. Ihre Flügel haben eine ganz schön große Spannweite und mit ihrer Erscheinung vertreiben sie die kleineren Vögel. Im Sommer habe ich mal erlebt, wie die Katze Paule von den Elstern vertrieben wurde. Die Vögel flößen einem ganz schön Respekt ein. 

Die Anzahl der Amseln erhöht sich auf 3.

Die Anzahl der Amseln erhöht sich auf 3.

11:21 Uhr – meine Stunde der Vogelzählung ist zu Ende, mein Kaffee ist leer und ich mache meine Meldung an den LBV online. Der Server der Vogelfreunde ist ziemlich überlastet. Mit dem guten Gefühl etwas für die Wissenschaft und die Vogelwelt getan zu haben, beginne ich nun mein Tagwerk. 

Nun Freundinnen und Freunde ist es an euch, bei der Vogelzählung mitzumachen. Wer hat schon mal, wer will nochmal? 

Star Wars Imperium schlägt zurück live in Concert im Gasteig München 2019

5. Januar 2019
Das Imperium schlägt zurück mit Live Musik im Gasteig - was will der Fan mehr?

Das Imperium schlägt zurück mit Live Musik im Gasteig – was will der Fan mehr?

Leider wird es mir wohl nicht mehr vergönnt sein, den großen John Williams live am Dirigentenpult zu erleben. Der große Filmkomponist ist inzwischen 86 Jahren alt und wird wohl nicht mehr in seinem hohen Alter auf Tournee gehen. Daher will ich wenigstens die Musik von John Williams genießen und war natürlich dabei als der Film Star Wars V Das Imperium schlägt zurück mit Livemusik im Münchner Gasteig aufgeführt wurde. Die Musik kam vom Pilsen Philharmonic Orchestra unter dem Dirigat von Christian Schumann. 

Aber das Erlebnis begann schon im Vorfeld. Wie schon ein Jahr zuvor liefen im Foyer kostümierte Star Wars Fans einher. Ich habe nur die böse Seite gesehen, also Imperium und Neue Ordnung. Das liegt nah, dass es sich um Mitglieder der 501st Legion handelte, obwohl ich kein Logo gesehen habe. Die 501st Legion „Vader’s Fist“ ist eine internationale Star-Wars-Fanvereinigung mit über 10000 Mitgliedern aus mehr als 40 Ländern und irgendwann möchte ich dem Verein beitreten. 

Vor dem Konzert noch ein Fototermin vor der Bühne.

Vor dem Konzert noch ein Fototermin vor der Bühne.

Also konnte man im Vorfeld mit Sturmtruppen, Darth Vader oder Kylo Ren für ein Foto posieren, was ich als Fan ausgiebig gemacht habe. Irgendwie hatte das Konzert einen Convention-Charakter und so was gefällt mir. Und das Thema Film plus Livemusik scheint ein finanzieller Renner zu sein, denn es wurde gleich Werbung für Abende mit James Bond, Ratatouille, Harry Potter gemacht und ich hab gleich Karten für Star Wars 2020 die Rückkehr der Jedi-Ritter online gekauft. 

Die Akustik im Gasteig ist gewöhnungsbedürftig.

Die Akustik im Gasteig ist gewöhnungsbedürftig.

Platz genommen in der Philharmonie und zu Beginn zogen die kostümierten Fans vor die Bühne zum nächsten Fototermin. Später nahmen sie auf den Seitenrängen Platz und verfolgten das Konzert. Natürlich hatten auch Sturmtruppen ihr Smartphone dabei und schossen Erinnerungsfotos von dem Auftritt nach dem Motto: Auch eine Sturmtruppen braucht eine Erinnerung – aber waren das nicht Klone? 

Auch Sturmtruppen brauchen Erinnerungsfotos.

Auch Sturmtruppen brauchen Erinnerungsfotos.

Dann der Auftritt des Pilsen Philharmonic Orchestra und der Auftritt von Christian Schumann. Er ist in der Musikszene wahrlich kein Unbekannter. Christian Schumann, geboren in Freiburg i. Br., studierte Dirigieren sowie Komposition in Weimar und Zürich und assistierte bei Peter Eötvös, Esa-Pekka Salonen, David Stern und Frank Strobel und ist auch als Filmmusiker bekannt. Gerne würde ich mal mit mit ihm ein Interview mit ihm über John Williams führen.

Über den Film brauche ich nicht viel zu schreiben. Es ist für mich der beste Film der Reihe. Gezeigt wurde die digital überarbeitete Fassung, die ich als Purist nicht so gerne mag. Klar, Krieg der Sterne hat den Mythos erschaffen, aber Imperium ging für mich tiefer und machte Lust auf mehr. „Ich bin dein Vater“ und all die anderen Klassiker „Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.“, „Ich hab ein verdammt schlechtes Gefühl.“ Die Dialoge in dem Film konnte ich auswendig, musste ich auch, denn die Musik in der Aufführung war so laut, dass sie die meisten Dialoge übertönte. Das ist vielleicht die einzige Kritik an dem Abend: Nicht die Musik war zu laut, sondern der Ton war zu leise – und die Akustik des Gasteigs ist, naja, für solche Aufführungen wohl eher nicht geeignet. 

Christian Schumann und seine Musiker haben den Applaus verdient.

Christian Schumann und seine Musiker haben den Applaus verdient.

Danke Christian Schumann und seinen tschechischem Musikern für den schönen Abend. Zum Abschluss gab es noch den Imperial March als Zugabe – was will ich mehr?

Hackerangriff – meine Reaktion, die Hacks und die Verantwortung

4. Januar 2019

Seit gestern ist der jüngste große Hackerangriff auf Institutionen und Personen des öffentlichen Lebens bekannt. Via Twitter wurden persönliche Kommunikation, Telefonnummer, Verträge für alle online gestellt. Der Account existiert seit Februar 2015 und hat vor Weihnachten begonnen in einer Art Weihnachtstürchen-Manier die Dokumente zu veröffentlichen. 

Ich habe mir heute vormittag die Sachen angeschaut. Moment – was habe ich da geschrieben? „Ich habe mir heute vormittag die Sachen angeschaut.“ Ja richtig gelesen, der Twitter-Account aus Hamburg war bis heute Mittag weiterhin online und die Sachen konnten abgerufen werden. Ich habe mir ein paar Dokumente angeschaut und bin erschüttert.

Als ich gegen 12:20 Uhr wieder reingeschaut habe, wurde der Account von Twitter gesperrt. Warum hat Twitter so spät reagiert? Hier werden die privatesten Daten von verschiedenen Personen wie YouTuber, Politiker, Satiriker unrechtmäßig veröffentlicht und die Daten waren trotz eines öffentlichen Aufschreis weiterhin stundenlang abrufbar. Hallo Twitter, wir müssen über die Verantwortung von Plattformen reden.  Der Twitter-Account ist zwar gesperrt, die Daten auf der Plattform sind weiterhin abrufbar. Wer die Links besitzt, kann weiterhin die Infos holen. 

Der Twitter-Account wurde inzwischen gesperrt.

Der Twitter-Account wurde inzwischen gesperrt.

Neue Qualität von Hacks

Bisher tauchten solche Hacks im Deep Web oder tiefer im Darknet auf und waren nur für Eingeweihte auffindbar. Jetzt landen solche Hacks in Twitter, also einem Massenmedium für jedermann/-frau. Also ist doch davon auszugehen, dass hier gezielt Personen geschadet werden soll. Jeder in sozialen Netzwerken kann davon etwas mitbekommen. Es kostete mich vier Minuten Recherche, um den Twitter-Account aufzufinden. Dann wurde man auf eine Plattform geleitet und nach Eingabe des Passworts konnte man die Daten einsehen. Das Passwort wurde neben den Link gestellt. Das ist eine neue Qualität in der Kommunikation von Hacks. 

Es gab GByteweise Material zu laden. Ich bin erschüttert.

Es gab GByteweise Material zu laden. Ich bin erschüttert.

Wer ist betroffen? 

Nun, der Personenkreis ist enorm. Es sind alle im Bundestag vertretene Parteien bis auf die AfD betroffen. Die meisten Dokumente betreffen die CDU/CSU. Es gibt Adressen, Handynummern, Ausweise, Chatverläufe, Dokumente, Festnetz, Kontaktlisten etc.

Zum Teil sind die Chats sehr privat. Zudem findet sich Material von Jan Böhmermann (Neo Magazin Royal) und Christian Ehring (extra 3.) sowie von Bands und YouTubern. Ich habe mir die Verträge von Influencern angeschaut, die zwischen YouTubern und Vermarktern geschlossen wurden. Aber auch Kolleginnen und Kollegen aus den Medien sind betroffen. Es gibt auch Bilder von Kindern  und Gigabyteweise Urlaubsbilder der Prominenten. 

Das Passwort lag den Links dabei.

Das Passwort lag den Links dabei.

Zeigen die Hacks Wahrheit oder Lüge?

Achtung: Ob die durch den Hack verbreiteten Informationen wirklich wahr sind, kann ich nicht beurteilen. Wie ich aus den Medien entnehme, wurden viele Infos von den Betroffenen bereits bestätigt, andere haben erklärt, dass die Informationen gefälscht sind. Und somit beginnt das perfide Spiel von der Mischung zwischen Wahrheit und Täuschung. Echte Informationen werden mit Falschmeldungen vermischt. In der Literatur wird so etwas als hybride Kriegsführung bezeichnet. 

Persönliche Konsequenzen

Nun, was bedeutet dies für mich: Verstärkte Schulungen der Medienkompetenz. Immer wieder erlebe ich es in Seminaren, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Passwort für alles haben. Beim Verschlüsseln von E-Mails stoße ich auf völliges Unverständnis. Der richtige Umgang mit Medien muss in die Schulen. PGP statt Vorschläge wie Schafkopf.

Gedanken zum 50. Geburtstag von Michael Schumacher

3. Januar 2019

Heute wird Michael Schumacher 50. Jahre alt und natürlich gratuliere ich dem vielfachen Weltmeister zum Geburtstag und wünsche ihm alles Gute. Er kann sicher die Genesungswünsche brauchen. Michael Schumacher hatte bei einem Skiunfall im Dezember 2013 ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Es gibt so gut wie keine Meldungen über seinen aktuellen Gesundheitszustand. 

Gestern, am Tag vor seinen 50. Geburtstag, hatte sich seine Familie via Facebook gemeldet und den Fans für die Grüße und Wünsche gedankt: „Wir freuen uns darüber und möchten uns von ganzem Herzen bedanken dafür, dass ihr Michaels 50. Geburtstag morgen gemeinsam mit ihm und mit uns feiert.“ 

Familie Schumacher dankt und bittet um die Achtung der Privatsphäre.

Familie Schumacher dankt und bittet um die Achtung der Privatsphäre.

Im Netz lese ich neben vielen Genesungswünschen immer wieder Kommentare mit Forderungen nach Infos über seinen aktuellen Gesundheitszustand. Meinungen wie: Früher waren wir Fans gut genug und heute sind wir denen nichts mehr wert. 

Nun, Michael Schumacher ist natürlich eine Person der absoluten, nicht nur der realtiven Zeitgeschichte, aber solch dumme Kommentare hat der siebenfache Formel 1-Weltmeister nicht verdient. Wer ein wirklicher Fan oder einfach nur ein Mensch mit Manieren ist, für den gilt meiner Meinung nach: Lasst den Mann und seine Familie einfach in Ruhe. Wenn es entscheidende Fortschritte über seinen Gesundheitszustand gibt, wird es uns die Familie schon mitteilen, aber sonst einfach Fresse halten. 

Die Familie Schumacher dazu in Facebook: „Bitte habt Verständnis, wenn wir uns nach Michaels Wünschen richten und ein so sensibles Thema wie Gesundheit, so wie früher auch immer, in der Privatsphäre belassen.“

Natürlich sollen die Fans an Schumachers Geburtstag ihr Idol feiern und sich an die sportlichen Erfolge erinnern. Das steht außer Frage. Aber das permanente Einforderung des Gesundheitszustandes geht meiner Meinung nach zu weit. 

Und nachdem je mittlerweile jede durch soziale Netzwerke ein Massenmedium ist, wird im Falle Michael Schumacher schlimmer Schindluder getrieben. Fake News verbreiten sich in Windeseile. Ich habe hier eine solche Falschmeldung, die ich in meinen Seminaren über Fake News verwende. Mit dem Kommentar „Ruhe in Frieden“ wird über den Tod des Rennfahrers berichtet. „Michael Schumacher nach jahrelangen Kampf verstorben – Welt“ Durch den Zusatz „Welt“ wird der unbedarfte Leser aufs Glatteis geführt, denn man nimmt an, dass es sich um die Springer-Zeitung „Die Welt“ als Quelle handelt. Es ist aber alles komplett gelogen. Und es ist einfach nur ekelhaft.

Fake News zum vermeintlichen Tod von Schumacher. Ekelhaft.

Fake News zum vermeintlichen Tod von Schumacher. Ekelhaft.

 

Neujahrsvorsatz: Keller entrümpeln und dabei ein paar Euro umsetzen

2. Januar 2019

Ich habe in den Weihnachtsferien einen festen Termin. Nicht nur Weihnachten und Silvester, sondern auch Entschlackung in der Form von Keller aufräumen. Das ist ein Vorsatz im neuen Jahr, den ich seit Jahren praktiziere. Es sammelt sich über das Jahr so viel Zeug an, das jetzt einfach weg muss. Loslassen ist die Devise. Für meine Frau geht das Entrümpeln nicht weit genug, sie würde noch mehr finden, aber ein Anfang ist gemacht. 

Jetzt stellt sich die Frage: Wohin mit den Schätzen aus dem Keller? Natürlich wird säuberlich getrennt bei den Wertstoffen: Metall, Holz, Altpapier, Glas, Restmüll. Aber was mache ich mit den Sachen von Wert, und ich meine nicht nur ideellen Wert?

Vieles wird verschenkt. Ich bin Mitglied in einer Facebook-Gruppe „Verschenks FFB“. Dort stelle ich Sachen ein und in der Regel finden die Sachen schnell einen Abnehmer. Ich bin begeistert. Da sage noch einer, dass Facebook keinen Nutzen habe. 

Hilfstransport nach Togo

Einige Sachen gehen nach Togo. Ich bin Mitglied in einer Hilfsorganisation Aktion PiT Togohilfe Maisach. Dort packen wir jeden Monat einen Schiffscontainer für das afrikanische Land. Viele guterhaltende Sachen wandern dorthin. Gegen eine Transportspende werden meine Rucksäcke, Taschen usw. nach Afrika geliefert. Optiker sammeln über das Jahr Brillen für mich, die ich vor Weihnachten einsammle. Die Aktion PiT Togohilfe macht übrigens viele weitere wichtige Aktionen – schaut doch mal auf die Website. 

Hilfsgüter für Togo.

Hilfsgüter für Togo.

Öffentlicher Bücherschrank

Bücher, die ich gelesen habe oder nicht lesen will, wandern bei uns in den örtlichen Edeka Leich in Maisach. Dort gibt es einen öffentlichen Bücherschrank. Nach dem Einkaufen schaue ich immer wieder rein und hab schon tolle Sachen gefunden, die ich schon lange gesucht habe. Wenn so ein System wie ein öffentlicher Bücherschrank funktionieren soll, dann darf ich nicht nur nehmen, sondern muss auch geben. Also kommen viele Bücher dorthin. 

Hier ein Video von Beginn des Bücherschrankes. Heute ist der Schrank voll.

Verkauf über Apps wie Momox, ReBuy und Co

Sind es Bücher, DVDs, CDs, Blurays mit einem ISBN-Code, dann verwende ich zwei Verkaufsplattformen im Netz. Momox und ReBuy. Beide haben Apps für iOS und Android. Ich scanne den ISBN-Code und die Plattform macht mir ein Angebot. Ich verwende zwei Smartphone und lasse je eine App auf dem Smartphone laufen, um zu sehen, wer das höhere Angebot macht. Leider läuft die ReBuy-App nicht immer zuverlässig trotz Software-Aktualisierung. Ach ja Angebote: Die vorgeschlagenen Angebote sind nicht enorm, aber es ist ein nettes Zuckerl. Das verkaufte Material kommt in einen Karton und geht auf Kosten von Momox und ReBuy an die jeweiligen Plattformen. Das Geld kommt eine Woche später aufs Konto. Es sind keine großen Summen, aber es geht ja um Entrümpelung des Kellers. 

Es gibt noch eine App namens Studibuch, die ich allerdings noch nicht ausprobiert habe. Hier kann man Studien- und Schulbücher verkloppen. Bücher aus dem Studium habe ich kaum noch welche. Die sind einem Wasserschaden mal zum Opfer gefallen. Die App hab ich trotzdem, falls doch noch Bücher aus den unendlichen Kellern auftauchen. 

Die klassische Verkaufsplattform eBay und eBay Kleinanzeigen nutze ich nur noch ganz selten. Mir ist in der Regel der Aufwand zu groß. Meine persönlichen eBay-Zeiten sind im Moment vorbei. Ich habe zwar noch Kisten von Porzellan und Keramik im Keller, müsste mich aber erst mal über die Herkunft und Wert des Material beschäftigen. Dafür fehlt mir aber die Zeit, bzw ich will sie mir nicht nehmen. Übrigens, ich habe noch ein Masterkeyboard zum Verkauf. Ein SL-880 von Fatar – es hat der Familie gute Dienste erwiesen, aber wir sind jetzt auf ein klassisches Klavier umgestiegen. Wer es samt Klavierstuhl und Midischnittstelle käuflich erwerben will, bitte melden. 

Das Masterkeyboard SL-880 von Fatar muss auch raus.

Das Masterkeyboard SL-880 von Fatar muss auch raus.

Amazon Marketplace habe ich noch nicht ausprobiert. Es klingt verlockend, aber im Moment scheue ich noch den Aufwand. Mal sehen, was die Zukunft bringt. 

Mit den Marketplace-Anzeigen in Facebook habe ich grundsätzlich gute Erfahrungen gemacht. Aber bei einigen Käufern nervt die Kommunikation, weil sie es gerne so oder so hätten, 1000 Fragen haben. Bei manchen verstehe ich die Anfragen auch gar nicht, weil ich deren Landessprache nicht spreche und sie wohl meine auch nicht. 

Regalmeter mieten

In der Kreisstadt Fürstenfeldbruck, ein paar Minuten von mir, gibt es die Möglichkeit in der Innenstadt in einem Laden Regalmeter für einen gewissen Zeitraum zu mieten. Dann kann man dort seine Waren verkaufen. Den Laden gibt es schon einige Zeit und ich bin als Käufer ab und zu vor Ort, habe aber noch nichts verkauft, dafür darüber gebloggt.

Kunden können die Regale mieten und ihre Waren verkaufen.

Kunden können die Regale mieten und ihre Waren verkaufen.

Der klassische Flohmarkt

Und dann wäre noch der klassische Flohmarkt. In meiner Jugend liebte ich solche Flohmärkte. Ich war ein großer Verkäufer – und leider auch ein großer Käufer. Es hat Spaß gemacht, auf dem örtlichen Volksfestplatz seine Decke oder seinen Tapeziertisch aufzubauen und seine Waren zu präsentieren. Ich habe gelernt zu verhandeln, zu feilschen – der Film Leben des Brian war eine gute Schule. Heute gehe ich nur noch ab und zu als Käufer auf Filmsammler-, Videogames- oder CD-Börsen. Flohmärkte haben sich verändert. Es sind mehr Trödelmärkte geworden und auch die Klientel ist durch die weltpolitische Situation eine andere geworden. Und ich nehme mir nicht mehr die Zeit, einen Tag bei Wind und Wetter herumzustehen und für ein paar Euro zu verkaufen. Bei mir ist der Spaß hier im Moment nicht mehr vorhanden. Zudem muss ich im Keller ja dann wieder Sammelkisten errichten und die Aufgabe war doch, den Keller leer zu bekommen. 

Vor 20 Jahren wurde der Euro eingeführt

1. Januar 2019

Heute vor 20 Jahren wurde der Euro eingeführt. Erinnert ihr euch noch? Der Euro wurde am 1. Januar 1999 als Buchgeld, drei Jahre später, am 1. Januar 2002, als Bargeld eingeführt. Damit löste er die nationalen Währungen als Zahlungsmittel ab.

Der Euro hat seinen Teil zur Einheit Europa geleistet und natürlich ist die europäische Währung nicht unumstritten. Ich sehe die gemeinsame Währung als positiv an. Was war es für ein Graus in jedem Land die gültiges Landeswährung einzutauschen. In Österreich war der Kurs 1:7 – für eine DM bekam man sieben Schilling. Es gab einen doofen Spruch über den damaligen deutschen Postminister Christian Schwarz-Schilling (so ein Ministerium gab es wirklich). Der Spruch lautete: Der Postminister tauscht in Österreich schwarz Schilling. 

In Italien war von Mal zu Mal der Kurs anders. Als Kind reiste ich zum Gardasee und konnte mir für 1000 Lire ein YPS-Heft für 2,50 DM kaufen, später waren 1000 Lire nur noch eine DM wert. Und dann gab es in Italien noch diese Telefonmünzen. In Italien hießen sie gettone telefonico, die als Kleingeldersatz beim Trinkgeld benutzt wurden.

2002 gab es den Euro dann als Bargeld. Für den Kaufladen meiner Kinder wurde der Spielgeld-Euro als offizielles Zahlungsmittel eingeführt. Es gab die Scheine und Münzen zum Ausschneiden und so lernten meine Kinder den Euro kennen. Wir Erwachsenen bekamen das Euro-Starterpack. Der Abgabepreis war 20 DM und entsprach 10,23 Euro. Meine Frau und ich haben ihre Starterpacks noch heute, die verschweißt heute bei Sammlern rund 13 Euro bringen. Höher gehandelt werden die Starterkits aus dem Vatikan, San Marino oder Monaco. Die liegen bei rund 600 Euro.

Das Euro-Starterset kam 2002.

Das Euro-Starterset kam 2002.

Und die DM? Ab und zu ertappe ich mich, dass ich noch umrechne. Ich habe das Gefühl, dass sich Preise massiv angestiegen sind. Aus DM wurde Euro bei Waren und Dienstleistungen, dennoch hat sich mein Einkommen nicht so entwickelt. Aber das ist nur bei meiner Generation so. Meine Kinder sind mit dem Euro aufgewachsen und rechnen nicht um – und meinen Kindern gehört die Zukunft. Die DM spielt bei uns nur noch eine Rolle. Ich bin stolzer Besitzer einer Rock ola 403 aus dem Jahre 1963. Sie hat Platz für 100 Songs auf 50 Singles (A und B Seiten). Die Seriennummer der Wallmount lautet 257182. Und diese Jux Box muss mit DM-Münzen gefüttert werden. 

Meine Buchtipps zu Social Media und Digitalisierung

31. Dezember 2018
Ich freue mich auf meine Kunden auch im Jahre 2019.

Ich freue mich auf meine Kunden auch im Jahre 2019.

Nach Seminaren und Vorträgen kommt oftmals die Frage von Kunden oder Besuchern: „Kann ich bitte Ihre Folien haben?“ – „Nein, können Sie nicht, weil es sich um mein geistiges Eigentum handelt“, lautet meine Antwort. Aber gerne stelle ich meinen Seminar- und Vortragsteilnehmern eine Bücherliste von empfehlenswerten Social Media- und Digitalisierungsbüchern zusammen. Es sind Bücher, die ich empfehlen kann, die mich und mein Wissen bereichert haben. Wer mich übrigens für Seminare und Vorträge, Keynotes oder Diskussionsrunden buchen will, kann dies gerne tun. Termine ab dem zweiten Quartal 2019 sind noch frei. Kontakt über meine Website redaktion42.de

Aber hier meine Buchtipps. Sicher ist etwas für Sie dabei – viel Spaß beim Lesen und Fortbilden: 

Nicholas Negroponte: Total digital. Die Welt zwischen 0 und 1 oder Die Zukunft der Kommunikation

Jeff Jarvis: Was würde Google tun?: Wie man von den Erfolgsstrategien des Internet-Giganten profitiert

Jeff Jarvis: Mehr Transparenz wagen!: Wie Facebook, Twitter & Co die Welt erneuern

Jaron Lanier: Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst

Jaron Lanier: Wem gehört die Zukunft?: „Du bist nicht der Kunde der Internetkonzerne. Du bist ihr Produkt.“

Chris Anderson: The Long Tail – Der lange Schwanz

Chris Anderson: Free – Kostenlos: Geschäftsmodelle für die Herausforderungen des Internets

Sherry Turkle: Verloren unter 100 Freunden: Wie wir in der digitalen Welt seelisch verkümmern

Nassim Nicholas Taleb: Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse

Yuval Noah Harari: Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen

Yuval Noah Harari: 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert

Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker: Eine Utopie für die digitale Gesellschaft

Susan Pinker: The Village Effect: Why Face-to-face Contact Matters

Patrick Tucker The Naked Future: What Happens in a World That Anticipates Your Every Move?

David Weinberger: Das Cluetrain Manifest. 95 Thesen für die neue Unternehmenskultur im digitalen Zeitalter.

Tobias Kollmann: Deutschland 4.0: Wie die Digitale Transformation gelingt

Christoph Keese: Disrupt Yourself: Vom Abenteuer, sich in der digitalen Welt neu erfinden zu müssen

Sarah Diefenbach: Digitale Depression: Wie neue Medien unser Glücksempfinden verändern

Clayton M. Christensen: The Innovators Dilemma: Warum etablierte Unternehmen den Wettbewerb um bahnbrechende Innovationen verlieren

200 Jahre Frankenstein – aktueller denn je

28. Dezember 2018
Wahnsinns Buch: Frankenstein wird 200 Jahre

Wahnsinns Buch: Frankenstein wird 200 Jahre

Quasi über Nacht habe ich den Roman wieder verschlungen. Den Anstoß dazu gab mein Facebook-Kollege Björn Eichstädt, der seinem Sohn einen interessanten Frankenstein:-Comic vorgelesen hatte. Ich hab mir gleich die englische Version des Manga-Horror-Meisters Junji Ito gekauft und griff bis zum Eintreffen zum Original: Frankenstein: oder Der moderne Prometheus von Mary Shelley.
Der Roman feierte 2018 seinen 200. Geburtstag und ist für mich immer noch das Werk über den künstlichen Menschen. Gerade im Zeitalter von Sophia und KI hat der Roman Gültigkeit denn je. Der Roman ist eine Parabel auf den Forscherdrang. Die Roman und die Hauptperson Victor Frankenstein warnt vor einer entgrenzten menschlichen Vernunft, die sich selbst zu Gott macht und sich anmaßt, lebendige Materie zu schaffen. Durch Robotik, Kybernetik und künstlicher Intelligenz sind wir diesem Ziel näher denn je.
Natürlich ist Frankenstein auch ein erstklassiger Schauerroman. Das Monster aus Leichenteilen wird zum Leben erweckt – ich finde diese Vorstellung noch immer unglaublich unheimlich und obwohl der Gedanke jetzt schon 200 Jahre alt ist, hat er für mich nichts von seiner brutalen Grausamkeit verloren.
Wahrscheinlich haben weniger die Leute das Buch von Mary Shelley gelesen. Bei dem genialen Lord Byron und dessen Leibarzt John Polidori verbrachte sie mit ihrer Stiefschwester Claire Clairmont und ihrem (zukünftigen) Ehemann Percy Bysshe Shelley den Sommer 1816 in der Nähe des Genfer Sees. John Polidori schrieb hier den Klassiker Der Vampyr – eine Vampirgeschichte und Mary Shelly brachte Frankenstein zu Papier.
Viele kennen die Filme über Frankenstein. Sicherlich ist der Frankenstein mit Boris Karloff die berühmteste Verfilmung. In meiner Filmsammlung fehlt noch die ungeschnittene Fassung bei der Frankenstein mit dem kleinen Mädchen Maria und deren Blumen spielt, bevor er sie ins Wasser wirft und sie ertrinkt. Meine Fassungen sind allesamt geschnitten, um das Menschliche des Monsters zu tilgen. Im Netz der längere Clip:

Regie führte 1921 James Whale bei dieser typischen Universal Produktion, die für mich den Gothic Horror schuft. Auch die späteren Filme mit u.a. Christopher Lee sind nicht schlecht. Mir selbst hat die Verfilmung Mary Shelley’s Frankenstein von Kenneth Branagh am Besten gefallen mit Robert De Niro als Unhold. Klassiker sind auch Mel Brooks Frankenstein Junior und vor allem Ken Russells Gothic, der die Entstehungsgeschichte am Genfer See zeigt, psychodelisch wie immer.

Boris Karloff ist Frankenstein.

Boris Karloff ist Frankenstein.

Frankenstein gehört heute zur Popkultur. Seien es japanische Monsterfilme, Schockrocker Alice Cooper lässt mit Teenage Frankenstein grüßen, Ingolstadt ist der Studienort von Victor Frankenstein machte neben den Illuminaten- jetzt auch Frankenstein-Führungen und kurbelt den Tourismus an. Kaum eine Halloween-Party ohne Monster, wobei nicht klar ist, wer das Monster ist: Victor Frankenstein oder der Unhold.
Auf jeden Fall, hat es sich gelohnt, den Roman von Mary Shelly mal wieder zu lesen. Horror pur.

Auswahl an Frankenstein Verfilmungen.

Auswahl an Frankenstein Verfilmungen.

Schule: Schafkopfen als Herausforderung zur Digitalisierung

27. Dezember 2018
Weg mit dem Computer, raus mit den Karten.

Weg mit dem Computer, raus mit den Karten.

Ja gehts noch blöder? Jetzt überlegen die Großkopferten in Bayern sogar noch das Kartenspiel Schafkopf als Schulfach einzuführen. Man wünsche sich, dass das Kartenspiel gerade in digitalen Zeiten wieder an Bedeutung gewinnt, heißt es in einer Mitteilung des bayerischen Philologenverbandes. Schön, wenn der Lehrerverband seine veraltete Klientel mit Ideen aus der Zeit des Prinzregenten ködert, dann muss man sich über die Digitalisierung keine Gedanken machen. Ach ja und die Stundenzahl kann man sowieso gerne für Schüler erhöhen.
Und der neue Kultusminister Piazolo steigt gleich mit ein: Er würde sich freuen, wenn bayerische Kartenspiele einen Platz im Schulleben bekommen würden, beispielsweise in Arbeitsgemeinschaften oder bei schulischen Veranstaltungen. Gleich mal wieder der konservativen Klientel nach dem Mund reden.
So ist richtig: Mit analogen Kartenspiel der digitale Herausforderung entgegentreten. Wir sind sowieso im hinteren Mittelfeld der digitalen Entwicklung, da bringt uns das Kartenspiel einen gewaltigen Schritt voran. Wir karteln einfach unsere Mitbewerber unter den Tisch. China, USA, Indien und andere passt jetzt auf und seid bereit, wenn bayerische Schüler euch nicht in MINT-Fächern oder schnöden Programmieren und Hacken schlagen, sondern wenn wir beim Kartenspielen die Hosen ausziehen. Super Idee – Ironie aus.

Aber: Was wirklich an den Schulen fehlt ist Teamwork. Nach meiner Erfahrung heißt Teamarbeit in der Schule übersetzt Toll, ein anderer machts. Wirkliches Teamwork wäre enorm wichtig für die Entwicklung der Schülerin und Schülers in einer veränderten Gesellschaft. Da kann gerne Kartenspiel dabei sein, wenn es dem Zweck dient. Aber das hat nichts mit einer bayerischen Wirtshaustradition zu tun, sondern mit Lebenswirklichkeit.

Lust der Täuschung in der Kunsthalle München

25. Dezember 2018

Wem die Zeit zwischen Weihnachten und Jahreswechsel zu langweilig wird und etwas Zerstreuung sucht, dem sei die unterhaltsame Ausstellung Lust der Täuschung in der Kunsthalle München empfohlen. Es ist ein Streifzug von der antiken Kunst bis zur VR, ideal für ein breites Publikum. Bis zum 13. Januar 2019 hat die Ausstellung Lust der Täuschung geöffnet. 

Beim ersten Durchgang war ich zugegeben etwas enttäuscht. Ich hatte mir etwas anderes erwartet, mehr Ausstellungsstücke im Stile von Maurits Cornelis Escher und seinen unmöglichen Figuren. 

Die Ausstellung fasst über vier Jahrtausende Augentäuschung zu einem Kunsterlebnis zusammen. Dabei gilt es, sowohl unbekanntere Künstler zu entdecken als auch Werke großer Meister der Kunst- und Designgeschichte zu bestaunen, darunter Cornelis Gijsbrechts, Viktor&Rolf, Laurie Anderson, Jean Paul Gaultier, Thomas Demand und viele weitere. Für mich waren Gerhard Richter und Andy Warhol sicherlich die absoluten Highlights. 

Zu Laurie Anderson konnte ich nur reinschauen, aber die Schlange der Besucher war zu lange und so hatte ich für diese großartige Künstlerin keine Zeit – und das tut mir sehr leid. Ein Foto des Raumes – mehr war nicht drin.

only you can make me feel this way von Philipp Messner

Als Medienfuzzi fand ich zwei, drei Werke sehr interessant, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Gleich zu Beginn der Ausstellung Lust der Täuschung traf ich auf die Masken des in München arbeitenden Künstlers Philipp Messner. Der Titel: only you can make me feel this way Er fragt in unseren digitalen Zeiten nach Identität und Privatsphäre. Gesichtserkennung und digitaler Daumenabdruck sind allgegenwärtig und Messner antwortet mit seinen Masken für jedermann, denn die Überwachungskameras lassen sich täuschen. Es gibt ein ausdrucksstarkes Foto von Philipp Messner unter einer Überwachungskamera am Münchner Hauptbahnhof, der durch den Grundig-Schriftzug erkennbar ist. 

Newspaper von Robert Gober

Nachdem ich als Referent im Moment sehr viel über Fake News spreche, hat mich das Werk Newspaper von Robert Gober von 1992 angesprochen. In einer Ecke der Kunsthalle liegt ein Stapel von gebündelten Tageszeitungen. Ich verstand die Absicht von Gober nicht, beugte mich über den Zeitungsstapel und bekam eine Ermahnung von einem Guide der Kunsthalle. Erst beim Lesen der Artikel erkannte ich die Fake News. Gober manipulierte die Artikel und Fotos. Es handelt sich um die Diskriminierung von Homosexuellen durch den Vatikan. Dieses Ausstellungsstück war für mich aktueller denn je: Fake News in den Medien – der Spiegel lässt zum Jahresende 2018 grüßen.

Virtuelle Welten

Im Vorfeld des Besuchs haben mir viele Besucherinnen und Besucher den Tipp gegebenen: „Du musst dir die VR-Installation ansehen, die haut dich um.“

Nun, das tat sie nicht. Es ist eine Standard-VR-Umgebung. Das Laufen auf einem Brett in großer Höhe. In den Staaten habe ich eine ähnliche Simulation mal ausprobiert, die aber noch mit Ventilatoren arbeitete, um einen 4D-Effekt heraufzubeschwören. 

Was mich mehr in München beeindruckte, war die Reaktion der Besucherinnen und Besucher, die das erste Mal mit virtueller Realität in Beruhigung kamen. Die Probanden schreckten auf, bekamen Angst, manche riefen auf, als die wohl das erste Mal in ihrem Leben eine VR-Brille übergezogen bekamen. Als Gamer, der seit längerer Zeit VR-Spiele mit der Sony VR spielt, ließ mich die Installation in der Kunsthalle völlig kalt. Und mit mir absolvierten viele jungen Menschen, die mit Videogames aufwachsen, das Abschreiten über das Brett mit Leichtigkeit.

Aber der Kunsthalle gehört hier meine größte Hochachtung. Sie bringen das Thema VR einer breiten Schicht von Bevölkerung näher. Menschen, die absolut keine Gamer sind oder in VR-Umfeld arbeiten. Hier leistet die Kunsthalle einen großen Dienst für die Medienkompetenz, in dem sie einen kunstinteressiertem Otto Normalverbraucher die virtuelle Realität näher bringen, eine Welt, die für eine ganze Generation bereits völlig normal ist. Das ist für mich vielleicht die größte Erkenntnis des Ausstellungsbesuchs Lust der Täuschung in der Kunsthalle München.

Aktionskunst in der Kunsthalle

Am Ende der Ausstellung stieß ich auf einen wunderbaren Scherz, eigentlich war es ein doppelter Scherz. In einer Ecke war ein junges Mädchen mit Cape gelehnt. Sie blicke Richtung Wand und hatte sich ein Shirt über den Kopf gezogen. Eine Puppe? Schließlich waren wir in dem Raum der Modepuppen mit Kostümen von Gautier. 

Auf einer Bank in der Nähe saß eine zusammengesunkene junge Frau in einem Hoodie mit der Aufschrift Abitur 2017. Sie bewegte sich auch nicht. Vielleicht auch eine Puppe? Besucherinnen und Besucher blätterten im Katalog und fotografierten die beiden Damen. Ist das eine Installation? Ist das Kunst? Ich setzte mich neben die Frau, machte ein Selfie. Irgendwann fragte eine Aufpasserin die Puppe bzw. Frau auf der Bank, ob es ihr nicht gut gehe. Und da löste sich die Aktionskunst auf. Das junge Mädchen lachte und erhob sich. Freunde von ihr hatten die ganze Aktion gefilmt. Besucherinnen und Besucher, auch ich, klopften der jungen Dame auf die Schulter und beglückwünschten sie zur gelungenen Kunstaktion. Die Truppe zog weiter, nur die Dame, die sich mit dem Kopf gegen die Wand lehnte, blieb bewegungslos zurück. Vielleicht doch eine Puppe? 

Die Lust der Täuschung endete mit dieser humorvollen Lust auf Täuschung.