iPhone X – mein erster Eindruck

23. November 2017

Im Grunde bin ich ein alter iPhone-Hase. Seit der ersten Generation habe ich im Grunde jedes wesentliche iPhone in Gebrauch gehabt. Anschließend wanderte es in mein persönliches Apple-Museum. Als das iPhone X auf den Markt kam, bestellte ich mir pflichtbewusst das Gerät. Und ich dachte, der ganze Hype lässt mich kalt. Aber denkste – der Apple Virus hat mich wieder befallen.


Es begann schon mit dem Bestellvorgang. Ich habe das iPhone X nicht in der ersten Versandrunde bestellen können und hab schwer beleidigt darüber gebloggt. Das iPhone 8 wollte ich nicht, ich wollte den neuen heißen Scheiß. Ich war Mitte-November-Lieferung an der Reihe.
Nun kam die Überraschung: Das iPhone X wurde sogar ein paar Tage vor dem von Apple genannten Zustelltermin geliefert. Ich war überrascht über Apple und mein zuständiger DHL-Mann war ebenso überrascht über meine gute Laune und die Einladung auf einen Espresso am Gartentor. Voller Vorfreude packte ich das Gerät aus dem brauen Paketkarton aus.
Dann aber die Ernüchterung. Ich habe keine Zeit für ein Unboxing-Video und noch weniger Zeit für die Installation. Ich musste auf ein Drei-Tages-Seminar und da hab ich nicht nebenbei Zeit für die Installation. Der Kunde geht vor. Also blieb das Apple Device auf dem Küchentisch liegen. Bestellt habe ich ein iPhone X mit 256 GByte (keine Experimente beim Speicher) in Silber.
Eine Hülle für das Gerät hatte ich mir schon vor Wochen besorgt. Ich habe auf ein Angebot von hardwrk aus Hannover angenommen. Sie haben einen ultra-Slim-Case für das iPhone X herausgebracht. Ich habe die metallic rote Variante in der 0,35 Millimeter dicken Polycarboat besorgt – ich mag rot. Das Teil ist 4 Gramm leicht – quasi ein Fliegengewicht. Ich habe ein Unboxing der Hülle gedreht.

Nach drei Tagen kam endlich der große Moment der Installation. Zuvor pflichtbewusst ein Unboxing-Video angefertigt und bei YouTube online gestellt. Ich muss zugeben: Apple-Zeugs auszupacken ist immer eine Freude. Cupertino macht selbst das Auspacken zu einem Einkaufserlebnis. Hier passt einfach alles – es beginnt mit dem Spruch: „Designed by Apple in California“.  Das Teil liegt gut in der Hand, das randlose Display sieht gut aus und die Stiftung Warentest warnt vor der Empfindlichkeit des Gerätes. Also aufpassen.

Die Inbetriebnahme ist einfach. Bisher besitze ich ein iPhone 7 Plus. Also wählte ich für die Datenübertragung die Schnellstart-Variante. Hier wird das alte Gerät über das neue gehalten, eine Animation gescannt und ab geht die Post. Allerdings muss das alte Gerät iOS 11 besitzen. Das klappte reibungslos.
Jetzt wollte ich das Backup meines iPhone 7 Plus via iTunes einspielen. Das scheiterte aus dem Grund, weil mein iPhone 7 Plus das Backup unter der Version 11.1.2 erstellte, aber auf dem iPhone X nur iOS 11 aufgespielt war. Wichtig ist, dass das Backup verschlüsselt erstellt wurde, dann gehen die meisten Passwörter und Maileinstellungen auf das neue Gerät über. In meinem Fall wurde aber das Einspielen des Backups verweigert.
Ein Backup über die iCloud scheitert bei mir, weil ich ein extrem langsames Internet habe – von wegen Laptop und Lederhosen. Rund 200 GByte Backup über die Cloud einzuspielen ist bei mir unmöglich – außer ich werde inzwischen alt und grau.
Mein Amtsvorvorvorgänger als Chefredakteur der MACup, der legendäre Volker Riebarscht, hat mir einen guten Workaround von Apple empfohlen. Es gibt ein sehr gutes Apple Support-Dokument für meinen Fall. Das hat reibungslos geklappt und das 200 GByte Backup wurde eingespielt und ich war zufrieden.
Natürlich erst einmal ein paar neue Features ausprobieren. Kein Home Button scheint kein Problem zu sein, das Entsperren via Face ID klappt wunderbar und auch das Versenden der animierten Emoji, wie von K1/2 gewünscht, erzielte den gewünschten Erfolg. Die neuen Beleuchtungseinstellungen bei der Kamera sind wundervoll.
Der erste Eindruck überzeugt und nun geht es an den Tagesgebrauch. Allerdings beschloss ich nach dem ersten Tag mich von der preiswerten Handwrk-Hülle zu verabschieden. Das iPhone X kostet rund 1300 Euro, da brauch ich keine billige Hülle. Ich entschied mich wieder für das Leather Case in Rot von Apple. Diese Art von Case habe ich schon für das iPhone 6 und 7 Plus gehabt und bin gut gefahren. Also auch jetzt für das iPhone X. Ich bin in den Apple Retail Store in der Münchner Rosenstraße gefahren und hab das Case für rund 60 Euro gekauft und auch hier ein Unboxing-Video gedreht.

Bataclan – der Terror als Comic

20. November 2017

An Terror kann ich mich nicht gewöhnen und will mich auch nicht gewöhnen. Und ich will mich auch dem Terror nicht beugen. Natürlich habe ich Angst um das Leben meiner Familie, um das Leben meiner Freunde und natürlich nicht zuletzt um mein Leben. Immer wieder gibt es Terroranschläge in der Welt, mal nah – mal fern. Ein Anschlag, der mich erschüttert hat, war der islamistische Angriff auf die Pariser Konzerthalle Bataclan, als am 13. November 2015 die Band Eagles of Death Metal spielte. 89 Besucher starten im Kugelhagel der Angreifer, viele wurden schwer verletzt.
Jeder hat seine persönliche Art mit diesem feigen Terrorakt umzugehen. Und als ich von Panini hörte, dass es einen Comic zu dem Ereignis gab, horchte ich auf.
Panini stellte mir den Comic-Band Bataclan: Wie ich überlebte kostenlos zur Verfügung und ich begann zu lesen. Ich las die Geschichte von Fred Dewilde, einem Konzertbesucher, der das Morden überlebte und jetzt ein Buch darüber veröffentlichte. Ein ganz besonderes Buch – einen Comic.
Fred Dewilde, geboren 1966, ist als Grafiker auf medizinische Illustrationen spezialisiert. Er lebt mit seiner Familie in einem Vorort von Paris und liebt Rockmusik. Er besuchte das Konzert und er überlebte körperlich unversehrt, aber traumatisiert.


Jetzt veröffentlichte er seine persönliche Aufarbeitung mit dem Attentat als Grafic Novel. Und ich war neugierig auf seine Gedanken und seine Zeichnungen. Als visueller Mensch liebe ich visuelle Geschichten. Auf dem Buchrücken ist zu lesen: „Mitten im Blut eines Toten habe ich gelegen. Mitten unter den zerfetzten Körpern war ich geschützt. Mitten unter den zerstörten Leben habe ich gedacht, dass ich mitten im Entsetzen und im Wahnsinn noch einmal die Chance bekommen habe, euch zu lieben.“ Das schwarzweiße Cover versprach viel.


Es ist natürlich kein schöner Comic geworden. Die Zeichnungen sind brutal und sie dienen Fred Dewilde wohl als Therapie. Seine Übersetzerin Bettina Frank ist der gleichen Meinung. Sie sagt: „Für ihn war das reine Therapie. Er hat mir erzählt, dass sich das Schlussbild des Comics so in seinen Kopf gebrannt hatte und er den Drang verspürte, den Comic zu zeichnen. Darin sah er einen Weg, mit der Sache abzuschließen.“
Und als ich die Texte las, die Zeichnungen auf mich wirken ließ, war mir unwohl. Ich habe kein Problem mit Fiction, aber das war keine erfundene Geschichte eines kreativen Geistes. Das war die Wahrheit und sie wurden von einer gequälten Seele wiedergegeben. Darf man so etwas privates überhaupt ansehen? Nun, nach einigem Überlegen entschied ich mich dafür. Viele Künstler verarbeiten ihre Dämonen und es kommt faszinierende Kunst heraus – die Malerei und Literatur ist voll davon. Warum darf es so etwas nicht bei Comics auch geben? Es darf und es muss.
Als ich den gezeichneten Alptraum betrachtete und die wenigen Seiten des Comics durchblätterte, überlegte ich mir, wie ich in dieser Situation reagiert hätte. Dabei sind diese Gedanken sinnlos, denn so eine Situation kann man nicht trainieren. Vielleicht aufmerksam durchs Leben zu gehen und das Leben zu genießen – das könnten Schlussfolgerungen sein.


Der gezeichnete Augenzeugenbericht von Fred Dewilde ist in Schwarz/Weiß. Er verzichtet auf explizite Gewaltdarstellungen, um nicht in den Verdacht des Voyeurismus zu geraten. Das ist gut.
Die Terroristen stellt er als entmenschlichte Gestalten mit Totenschädeln dar; die Toten, inmitten derer er lag, als formlose Masse. Zwischen all den Leichen, so beschreibt er es im Comic, habe er mit einer weiteren Überlebenden, der schwer verletzten Élisa, neben der er lag, einen „Kokon der Menschlichkeit“ geschaffen, um sich von dem Wahnsinn um ihn herum abzuspalten. Diesem Stück Menschlichkeit inmitten der Unmenschlichkeit verdanke er sein Überleben, sagt er. Letztlich war es aber reiner Zufall, dass er nicht auch erschossen wurde. Die Frage nach dem Wieso und warum ausgerechnet er überlebt hat, macht ihm bis heute zu schaffen.
Die zeichnerische Auseinandersetzung mit dem Terror hat mir sehr imponiert. Diese Auseinandersetzung umfasst 17 Seiten. Dann folgenden zahlreiche Seiten mit Texten. Er beschreibt dort zum Beispiel, wie sich sein Leben und er selbst nach Bataclan verändert haben, wie er überhaupt wieder ins Leben zurückfand. Er sinniert über Psychotherapie, Schuldgefühle, das Menschsein und den Wert von schwarzem Humor. Außerdem macht er sich Gedanken zu den Eagles of Death Metal, die nach dem Anschlag nicht nur positiv in Erscheinung traten, über den Islam und zur aktuellen Politik – dies im Übrigen sehr differenziert, ohne Hass und vor allem ohne verallgemeinernde Anschuldigungen. Auch die Anschläge von Brüssel, Nizza und auf die Redaktion von Charlie Hebdo bleiben nicht unerwähnt.

Das ist interessant, ohne Zweifel wichtig für Fred Dewilde, aber ich habe die 25 Seiten Texte nicht komplett gelesen. Es war mir zu anstrengend. Fred Dewilde ist kein Autor. Es wäre für mich sehr interessant gewesen, wenn er diese Auseinandersetzung in der Kunstform Comic verarbeitet gewesen wäre.
Versteht mich richtig: Fred Dewilde hat ein gutes Recht, sich in reiner Textform mit seinem Leben und seinem Schicksal auseinandersetzen, aber ich habe mich das Buch Bataclan: Wie ich überlebte als Comic ausgesucht. 17 Seiten Comic gegenüber 25 Seiten Text zum Preis von rund 17 Euro.

 

Videos von Zimmerchecks in Hotels – Teil 12

17. November 2017

Meine Arbeit macht es notwenig, dass ich auf Reisen gehe. Da ich manches Mal über Nacht bleibe, bette ich mein müdes Haupt in dem einen oder anderen Hotel zur Ruhe. Bevor es aber ans Auspacken geht, drehe ich ab und zu mal ein Video von meinem Zimmer. Es ist eine Art spontaner Hotel- und Zimmercheck, der nicht den Anspruch auf Vollständigkeit hat. Es sind nur spontane Eindrücke, die ich sammle. Ab und zu werde ich in meinem Blog einige dieser Hotel- und Zimmerchecks vorstellen – viel Spaß.

Hotel- und Zimmercheck Goldenes Kreuz, Moosbach Oberpfalz

Hotel- und Zimmercheck Gästehaus Susanne, Oberstaufen

Hotel- und Zimmercheck Hotel Marrakech, New York

Hotel- und Zimmercheck Hotel Maritim, Berlin Friedrichstraße

Hotel- und Zimmercheck Jugendhaus Josefstal, Schliersee

 

Musiktipp: Kraftwerk 3-D Der Katalog

16. November 2017

 

Kraftwerk am Straßenrand - Autobahn war nur einer der Songs.

Kraftwerk am Straßenrand – Autobahn war nur einer der Songs.

Immer wenn ich den Sound von Kraftwerk höre, staune ich, wie wegweisend Kraftwerk für die Musikwelt und natürlich auch für mich persönlich war. Ich wuchs mit diesen Pionieren der elektronischen Musik auf und ihre Musik war und ist in meinem Leben immer präsent. Ich höre viel Musik, aber immer wenn Kraftwerk läuft, dann merke ich die Tiefe der Kompositionen. Musik als Träger von Ideen, wie wahr, wie wahr. Ich habe einmal Kraftwerk live in der Lichtburg in Essen gesehen und war absolut begeistert. Mein Blogpost von damals zeugt von dieser Begeisterung.
Vor längerer Zeit im Mai 2017 haben Kraftwerk eine Albumbox mit acht Datenträger eben von dieser Tour vorgelegt und natürlich musste ich CD und Blu Ray auf Deutsch und Englisch haben. Seit Wochen höre ich immer die Tracks – meist via Kopfhörer – und nun komme ich endlich zu einem Blogpost. Wenn ich Umfrage höre, was sei die beste deutsche Band, dann werden viele Namen genannt. Für mich ist es Kraftwerk ganz klar der Spitzenreiter. Aber ich bin auch enttäuscht, dass Kraftwerk von vielen jungen Leuten gar nicht mehr gekannt wird. Ich hatte neulich ein Seminar über Roboterspielzeug und ließ zur Einstimmung „Die Roboter“ laufen. Keiner, wirklich keiner, meiner rund 30 Seminarteilnehmer im Durchschnittsalter von 22 Jahren kannte den Song. Schämt euch ihr kulturlose Bande!
Als ich die CD-Alben 3-D Der Katalog – Deutsche Version und Englische Version auspackte, dachte ich mir, wie doof ist es eigentlich, eine Live Platte von Kraftwerk anzuhören. Und natürlich wurde auch konsequent die Live-Atmosphäre herausgefiltert. Die neuen Aufnahmen der acht offiziellen Alben entstanden von 2012 bis 2016 weltweit bei Konzerten in 13 Städten. Glasklare Musik ohne Nebeneinflüsse befinden sich auf dem Alben. Der Sound via Kopfhörer zog mich sofort wieder in den Bann. Die Band tritt hinter der Musik zurück. Gerne hätte ich von Kraftwerk mal wieder neues Material, aber Ralf Hütter lässt sich dazu wohl nicht bewegen. Das alte Material wird neu interpretiert. Dabei stehen nicht die Musikanten im Vordergrund. Kraftwerk bedeutet Entpersonalisierung der Musik, kein Stargehabe, sondern Musik pur: Der Mensch-Maschine-Komplex in absoluter Vollendung. Hütter spricht von sich selbst als Musik-Arbeiter.

Der Katalog in Deutsch und in Englisch

Der Katalog in Deutsch und in Englisch

Insgesamt umfasst der Katalog acht Datenträger mit Livemusik – bei all den Live-Aufnahmen bedeutet mir die siebte CD The Mix am meisten. Sie wurde besonders für Kopfhörer abgemischt in einem so genannten Headphone Surround 3D-Verfahren. Was es ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass es absolut göttlich klingt und im Kopf fetzt.
Um an meinen Kraftwerk-Besuch zu erinnern, habe ich mir zudem die Blu ray/DVD 3-D Der Katalog – Deutsche Version zugelegt. Sie beinhaltet die Multimedia-Performances von Ralf Hütter, Henning Schmitz, Fritz Hilpert und Falk Grieffenhagen. Es ist die Show, wie sie im Konzert gezeigt wurde – mir haben die Sachen gefallen, meine Kinder sind vor Langeweile der 3D-Animationen geflüchtet.

Hier das Unboxing:

Matcha Tee – der asiatische Espresso als kleines Ritual

14. November 2017

Mein Kollege Lutz Prauser von den Münchner Iron Bloggern hat eine sehr interessante Blogparade zum Thema Eigene Rituale. Und ich bedanke mich, dass er den Einsendeschluss zu dieser Blogparade ein wenig verlängert hat, damit ich auch teilnehmen kann.
Beim Nachdenken über das Thema musste ich laut loslachen. Ich war in Gedanken über die gestellte Aufgabe als ich mein tägliches Ritual absolvierte: Ich bereite mir meinen morgendlichen Matcha-Tee vor. Und siehe da, ich habe schon mein Thema für die Blogparade. Ich schreibe über diesen Espresso aus Asien.


Wenn möglich rühre ich mir am Morgen meinen Matcha-Tee an und zelebriere ein persönliches Ritual. Wie kam es dazu? Nun, ich leide an Bluthochdruck. Dafür habe ich von meinem Doktor entsprechende Medikamente verschieben bekommen. Das ist gut, die Medizin wirkt. Aber ich will noch mehr tun. Sport ist das eine, Surfen im Internet ist das andere. Bei den Tagesangeboten von Amazon wurde mir irgendwann mal der grüne Tee aus Asien in die Timeline gespült. Interessiert daran, was die Filterblase so für mich ausgedacht hat, klickte ich und las über die Eigenschaften des Produktes. Neben Ausführungen über Geschmack und Herkunft stand am Ende etwas über Blutdrucksenkende Wirkung des Matcha Tees. Das macht mir neugierig und die klassische Recherche im Internet zeigte auf: Das Ganze stimmt wohl. Also eine kleine Packung bestellt und ausprobiert. Das feine Pulver muss in 80 Grad Celsius heißem Wasser verrührt werden. In Ermangelung eines entsprechenden Rührers nahm ich einen kleinen Schneebesen.

Matcha – ich trinke keine Algen
Der erste Schluck war ungewöhnlich. K2 meinte, die ganze Sache schmecke nach Algen und K2 werde garantiert keine Algen im Tee trinken. K1 schloss sich an, zudem etwas Grünes für Kinder grundsätzlich Gift ist. Also war das Thema für meine Kinder durch. Meine Frau probierte es, war aber nicht ganz so ablehnend, aber nach Begeisterung sah es nicht so aus. Egal, Damm bleibt mehr für mich.
Tag für Tag bereitete ich meinen Tee in einer Müslischale mit meinem Schneebesen zu. Mir schmeckte das Zeug und die Probepackung war bald aufgebraucht. Der Blutdruck veränderte sich zum Positiven – aber natürlich nahm ich weiterhin die verschriebenen Tabletten vom Arzt.

Matcha – gebt mir mehr von dem Zeug
Also, für mich stand fest: ich will mehr von dem Zeug, denn es schmeckt und hilft. Ich habe mir einen größeren Vorrat an Matcha-Tee besorgt, zusätzlich drei Keramikschalen und zwei Messlöffel sowie zwei Bambusrührer. Eine Schale, ein Messlöffel und ein Rührer kam in meinen Reisekoffer sowie eine kleine Dose vom grünen Pulver. Eine Schale, ein Messlöffel und ein Rührer kam in die Küche auf mein Frühstücksregal und eine Schale kam in den Schrank als Backup, falls mal etwas zu Bruch geht.
Und so beginnt mein tägliches Ritual: Schale herrichten, mit dem geeichten Messlöffel ein Gramm Matcha aus der Dose löffeln und heißes Wasser dazu. Mit dem Bambusrührer wird dann der Matcha-Tee schaumig gerührt. Ich rühre in Form eines großen M, so schäumt die ganze Sache relativ schnell – vor und zurück – zurück und vor. Rührer abklopfen und dann mit beiden Händen die Schale zum Mund führen und genießen. Dieses Ritual mache ich jeden Tag, ob ich zu Hause oder auf Reisen bin. Meine Familie hat sich an den Anblick des meditativen Rührens gewöhnt und es ist für mich eine kurze Zeit der Ruhe – ein schönes Ritual. Ach ja, der Bluthochdruck ist auch besser geworden.

Pfiffige Ideen für den Mittelstand zur Kundenbindung

13. November 2017

Kundenbindung im Handwerk muss kein Zauberwort sein. Pfiffige Ideen zeigen, wie es gehen kann. Auf gleich zwei gute Ideen bin ich bei Sandra Büttner von der Spezialitätenbäckerei Büttner im oberbayerischen Bad Tölz gestoßen: Umtauschbare Thermobecher und bargeldloses Bezahlen durch eine Kundenkarte.

Thermobecher als Coffee to Go
Schon längst haben wir die (Un-)Sitte von Coffee to Go aus den USA übernommen. Unterwegs noch schnell einen Kaffee oder Tee schlürfen, wenn man auf dem Weg zur Arbeit oder Freizeit ist. Der leere Pappbecher wird dann weggeworfen.

Sandra Büttner von der Bäckerei Büttner in Bad Tölz hatte eine gute Idee für Coffee to go

Sandra Büttner von der Bäckerei Büttner in Bad Tölz hatte eine gute Idee für Coffee to go

Jetzt stehen wir vor einem riesigen Müllberg an Kaffeebechern, die nicht recycelt werden können. Bei meinen Reisen durch Deutschland ist mir Sandra Büttner von der Spezialitätenbäckerei Büttner im oberbayerischen Bad Tölz mit einer prima Idee begegnet. Sie bietet in ihren Bäckereizweigstellen einen besonderen Thermobecher an. Der schicke rote Becher kostet 9,95 Euro und wird einmal mit Kaffee oder Tee befällt. „Nach Gebrauch können unsere Kunden ihre Becher tauschen und einen neuen gefüllten Becher bekommen“, so Sandra Büttner. Die Schlagworte sind Kaufen, Befüllen und Tauschen. Die gebrauchten Becher werden gespült und wieder eingesetzt.
Ich finde die Idee sehr gut, denn meine Thermobecher stehen in der Regel zu Hause im Schrank. Ich vergesse sie, wenn ich aufbreche. Den dichten Thermobecher der Bäckerei Büttner kann ich im Auto lassen und beim nächsten Besuch der Bäckerei umtauschen. So kann ich unterwegs den Coffee to Go genießen und vermeide Müll. Die Bäckerei stärkt das Umweltbewusstsein und ich habe frisches Kaffeearoma, denn ich habe immer einen neuen befüllten Becher. Die Bäckerei hat mich als Kunden gebunden und alle sind zufrieden – tolle Idee.

Bargeldloses Bezahlen mit der Kundenkarte
Ich bin ein Freund des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Ich mag keine dicken Geldbörsen mit Kleingeld, weil sie die Jacke ausbeulen. Ich freue mich auf den Tag an dem Apple Pay endlich auch in Deutschland verfügbar ist.
In Bäckereien fallen in der Regel kleine Geldbeträge an. Ein, zwei Brezn hier, eine belegte Semmel da und wenn ich mit dem Schein bezahle, bekomme ich das ungeliebte Münzgeld zurück. Das wandert zu Hause dann wieder ins Sparschwein bei der abendlichen Leerung des Geldbeutels.
Sandra Büttner von der Spezialitätenbäckerei Büttner hatte hier eine sinnvolle Lösung, die zudem auch Kunden bindet. Bei der Bäckerei gibt es Kundenkarten, die der Kunde mit Geldbeträge aufladen kann. Ich kenne so was von der Schulmensa von K1/2, in Kantinen oder in der Uni-Mensa. Man zahlt einen gewissen Betrag auf die Kundenkarte ein und bei jedem Einkauf wird der zu zahlende Betrag abgebucht. Das geht schneller, ist deutlich hygienischer als Münzgeld, der Unternehmer hat nicht die verlorene Zeit mit der abendlichen Kassenabrechnung, es gibt keine Schwarzgelder und der Geldbeutel ist nicht mehr mit Münzen aufgebläht. Mir hat das Konzept von Sandra Büttner sehr gut gefallen und es ist übertragbar auf viele Handwerksunternehmen.

 

Mein Treffen mit Gerhard Polt

12. November 2017

Gerhard Polt ist für mich einer der größten Humoristen der Gegenwart. Ich bin mit seiner Serie „Fast wie im richtigen Leben“ aufgewachsen, habe die Kinofilme – allen voran Kehraus – genossen. In meinem Blog habe ich ihm zum Geburtstag gratuliert und so war es nun an der Zeit, diesen Mann einmal persönlich zu treffen. Ich kannte Polt von Auftritten, aber richtig nah bin ich ihm bisher (leider) noch nicht gekommen. Das sollte sich ändern.

Werbung für den Auftritt von Gerhard Polt bei Ludwig Beck.

Werbung für den Auftritt von Gerhard Polt bei Ludwig Beck.

Ich hatte die Gelegenheit am Faschingsstart am 11.11. in München. Gerhard Polt hatte zwei Lesungen im Münchner Zentrum, einmal im Ludwig Beck, einmal im Hugenbubel in den Fünf Höfen. Er präsentierte sein Buch Der große Polt – ein Konversationslexikon. Zu Hause suchte ich mir zwei Polt-Bücher aus, die ich mir vom Meister signieren lassen wollte. Einmal handelte es sich um das gesammelte Werk Circus Maximus, zum anderen das Buch zum Film Kehraus. Bei letzten hoffte ich, dass Polt den Humor versteht, schließlich ist es für mich der Faschingsfilm schlechthin und schließlich ist heute Faschingsstart.

Diese beiden Bücher von Gerhard Polt wollte ich mir signieren lassen: Circus Maximus und Kehraus.

Diese beiden Bücher von Gerhard Polt wollte ich mir signieren lassen: Circus Maximus und Kehraus.

Ab ging es in den fünften Stock vom Ludwig Beck in die Musikabteilung. Ich kam etwas spät aufgrund des üblichen Chaos mit der Münchner S-Bahn und fand Gerhard Polt auf einem grünen Sessel hinter einem Tisch mit schwarzem Tuch beim Lesen eines Konversationslexikons. Sehen konnte ich Gerhard Polt anfangs leider nicht, weil zu viele Menschen da waren und auch die vordere Reihe nicht auf dem Boden Platz nehmen wollte.

Aber ich hörte Polt und ich genoss es. Die Geschichten aus dem Der große Polt sind für mich nicht mehr so brillant wie die früheren Werke. Ich schloss die Augen und genoss die Betonungen, den feinen Humor in seiner Stimme und fühlte mich trotz der Wärme der eng stehenden Menschen wohl. Ich wusste wieder, warum ich den Polt so mag. Neben dem leider verstorbenen Loriot ist er für mich der Geschichtenerzähler per excellence. Er schaut uns Bayern einfach aufs Maul, eben ein Grantler und Poet in einer Person.

Nach rund 45 Minuten war die Lesung vorbei und Gerhard Polt war bereit für Autogramme. Ich hätte mir den Der große Polt kaufen können, wollte aber lieber meine mitgebrachten Bücher signieren lassen. Ich hatte Glück und war relativ schnell an der Reihe und ließ ein Buch für meine Frau und ein Buch für mich signieren. Meine Frau bekam den Spruch Mit Respekt und ich bekam die Widmung Mit Freude hineingeschrieben.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich ein kurzer poltscher Dialog entwickelte. Ich sprach ihn auf den 11.11. an, schließlich hatte ich Kehraus dabei. Er antwortete mit der Nachfrage nach dem Verspeisen einer Martinsgans und ich betonte, wie wichtig mir der Schweinsbraten sei. Ich genoss es und mich zerriss es innerlich. Am liebsten hätte ich laut losgebrüllt in der Autogrammstunde. Ich fand es witzig, zum Brüllen komisch – ob Gerhard Polt es auch so verstanden hat, das weiß ich leider nicht. Ich hab davon ein Video gemacht.

Innerhalb weniger Minuten war alles vorbei. Die Schlange hinter mir war lang, sehr lang und alle wollten noch ein Autogramm von Gerhard Polt haben. Also machte ich mich vom Acker.
Zu Hause nahm ich die Bücher bei einem Weißbier in die Hand und blätterte die Geschichten durch. Vielen Dank lieber Gerhard Polt. Ich habe die Momente mit Ihnen sehr genossen und freue mich auf ein Wiedersehen.

Erinnerung an die Pogromnacht 1938

9. November 2017

Vergessen wir unsere Vergangenheit? Nein, ein klares Nein, ich zumindest nicht. Für mich ist es wichtig, meinen Kindern Geschichte weiterzugeben, denn aus der Geschichte lernen wir. Daher war es für mich heute wichtig, an die Pogromnacht 1938 in Deutschland zu erinnern. Niemals wieder darf so etwas passieren und dennoch begegne ich heute einen Hass auf der Straße und im Netz, den ich nicht für möglich gehalten hätte. Immer wieder stoße ich auf eine Neiddiskussion, auf eine Unzufriedenheit, auf ein Geschwätz von oben und unten.
Heute wurde es mir wieder bewusst, wie wichtig an die Erinnerung an die Pogromnacht von 1938 ist. Und ich habe an verschiedene persönliche Ereignisse gedacht: Mir sind spontan zwei Ereignisse eingefallen: Zum einen der Besuch in der neuen Synagoge in München, zum anderen das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.

Synagoge in München
Mit meiner Frau besuchte ich im Frühjahr diesen Jahres die Synagoge in München. Das Jüdische Zentrum München ist das Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern in der Altstadt Münchens. Zu ihm zählen die im November 2006 geweihte Hauptsynagoge Ohel Jakob, ein Kultur- und Gemeindehaus mit Versammlungsräumen, Schule, Kindergarten, Jugendzentrum und Restaurant sowie das Jüdische Museum. Ich hatte das Haus zu seiner Eröffnung besucht und mir war es wichtig, das Gemeindezentrum zusammen mit meiner Frau zu besuchen und den Erklärungen zu lauschen. Die Münchner Bauwerke befinden sich am Sankt-Jakobs-Platz zwischen der Schrannenhalle, dem katholischen Kloster der Armen Schulschwestern mit angegliederter Kirche St. Jakob und dem Oberanger.


Wikipedia beschreibt das Innere der Synagoge wie folgt: „Der Sockel der 28 Meter hohen Synagoge, die 585 Sitzplätze aufweist, erinnert an die Klagemauer, den einzig erhaltenen Teil des Jerusalemer Tempels. Darüber thronen – in einem quaderförmigen Oberlicht – ineinander verschachtelte Davidsterne aus Stahl. Sie sind verglast und mit einem bronzefarbenen Metallnetz verhängt. Das Oberlicht soll tagsüber Licht einlassen und nachts Licht in die Umgebung abgeben. Die einfallenden Sonnenstrahlen werden mehrfach gebrochen und tauchen das Innere der Synagoge, das mit Zedernholz aus dem Libanon und hellem Jerusalem-Stein verkleidet ist, in warmes Licht.

Der Glasaufbau deutet ein Zelt an, das die 40-jährige Wanderung der Juden durch die Wüste Sinai symbolisiert. Das sechs Meter hohe Portal wurde in Budapest gefertigt. Darauf stehen (von oben nach unten, von links nach rechts) die ersten zehn Buchstaben des hebräischen Alphabets, das auf hebräisch auch zum Zählen benutzt wird; sie erinnern damit an die Zehn Gebote.


Für mich haben die Räume eine würdevolle Atmosphäre. Ich verstehe die umfangreichen sichtbaren und unsichtbaren Sicherheitsmaßnahmen vor der Synagoge und zugleich widert es mich an, dass ich so ein Haus vor hirnlosen Deppen beschützen muss. Mir war es wichtig für mein Verständnis des Judentums, dieses Haus einmal zu besuchen. Und – nur so nebenbei – das Essen im Restaurant ist wirklich gut. Bei der Besichtigung war es mir wichtig, dass meine Frau und ich Hand in Hand durch den Gang der Erinnerung gehen. In einem 32 Meter langen, unterirdischen Gang der Erinnerung zwischen dem Gemeindezentrum und der Synagoge sind rund 4500 Namen von Münchner Juden verewigt, die während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. 4500 Namen, 4500 Schicksale – es hat mich schwer erschüttert.

Holocaust-Mahnmal
Wenn ich in Berlin bin und es meine Zeit erlaubt, besuche ich das Mahnmal in Berlin für die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten im Holocaust ermordeten Juden. Das Mahnmal hat nicht direkt mit der Pogromnacht zu tun, aber ist für mich ein wichtiges Denkmal. Das Mahnmal, das von Peter Eisenman entworfen wurde und aus 2711 Beton-Stelen besteht, wurde zwischen 2003 und Frühjahr 2005 auf einer rund 19.000 Quadratmeter großen Fläche in der Nähe des Brandenburger Tors errichtet. Ich sehe immer wieder Jugendliche, die mit Selfies in dem Steinmeer posieren und es ist natürlich geschmacklos.


Anfang 2017 kam es zu einer von den Medien stark beachteten Aktion von Shahak Shapira. Er zeigte in seinem Projekt Yolo­caust den leichtfertigen Umgang mit dem Denkmahl. Er kombinerte Selfies, die am Mahnmal geschossen wurden, mit historischen Fotos von Konzentrationslagern und Massengräbern. Die Reaktion war enorm.

 

Filmtipp: The Secret Man

7. November 2017

Kennen Sie Howard Hughes? Oder vielleicht Charles Colson oder die Herren Gordon Liddy und E. Howard Hunt? Oder wie wäre es mit John Dean, John N. Mitchell, Bob Haldeman und John Ehrlichman? Wahrscheinlich kennen die wenigsten Leser meines Blogs heute diese Namen. Wären wir in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, dann würden wir diesen Personen unsere volle Aufmerksamkeit widmen. Diese Personen gehören zum Watergate-Komplex. Der Skandal um US-Präsident Richard Nixon, der ihm das Amt kostete. Nixon wurde durch zwei Reporter der Washington Post (die heute zu Amazon gehört) publizistisch massiv angeschossen und dankte 1974 ab. Die Infos über Richard Nixon an die beiden jungen Reporter lieferte eine geheimnisvolle Quelle namens Deep Throat (ja, nach dem gleichnamigen Porno-Klassiker benannt). Und dahinter verbarg sich niemand anderes als der stellvertretende FBI-Direktor Mark Felt.
Und da wären wir endlich bei dem aktuellen Film „The Secret Man“. Ich habe diesen Film in einem extra für mich eingerichteten Pressescreening sehen können und bin schwer beeindruckt. Es ist ein lohenswerter Politthriller nach meinem Geschmack geworden. Das Thema Watergate fasziniert mich seit meinen frühen Tagen als Reporter. Heute würde man sagen, Mark Felt sei ein Whistleblower gewesen, andere würden ihn als Verräter bezeichnen, wiederum andere, wie seine Familie, als American Hero.

Der Film zeigt eindringlich die Zerrissenheit des stets loyalen und patriotischen Mark Felt. War es Rache, weil er nicht Nachfolger von FBI-Chef Edgar G. Hoover geworden ist, war er vom Politikstil Nixons schockiert? Immer wieder schwenkt das Pendel und der Zuschauer erlebt die Hexenjagd der Nixon-Ära mit. Nixon selbst taucht in dem Film nur in Original-TV-Aufnahmen auf und bleibt auf Distanz. Aber er ist ganz nah, seine Männer stellen die US-Verwaltung auf den Kopf, um die undichte Quelle, den Verräter, zu finden.

Starkes Set bei The Secret Man.

Starkes Set bei The Secret Man.

Das ist kein Film, in dem die Watergate-Reporter als Helden gezeigt werden. Ich muss aber zu geben, dass ich den Moment herbeigesehnt habe, als Mark Felt endlich den jungen Bob Woodward in der Tiefgarage trifft. Endlich sehen wir die andere Seite der Medaille und natürlich schießt mir sofort der Alan Pakula-Film „Die Unbestechlichen“ (All the Presidents Men) von 1978 in den Kopf. Diesen Film habe ich gefühlte 1000 Mal gesehen. „The Secret Man“ werde ich mir ebenso oft ansehen, wenn er auf Bluray nächstes Jahr veröffentlicht wird.
Medial läuft bei mir während der Betrachtung des spannenden Films viel im Kopf ab. Mir fallen die zahlreichen Bücher über Watergate ein, ich habe das Buch Der Informant: Deep Throat – Die geheime Quelle der Watergate-Enthüller aus dem Archiv geholt und wieder gelesen und vor allem „all the President’s men“, der Klassiker des modernen investigativen Journalismus. Mir fallen die wichtigen Filme zum Thema ein, wie eben Die Unbestechlichen oder den auch geniale Frost vs Nixon. Und in diese Reihe gesellt sich jetzt „The Secret Man“ dazu, um das Trio komplett zu machen. Vielleicht mache ich mal ein Filmseminar zu diesem Film-Trio, die Watergate aus ihrer eigenen Sichtweise zeigen: Reporter – Präsident – und nun der Whistleblower.
Aber wenn ich über „The Secret Man“ als spannenden Politthriller schreibe, dann meine ich keinen schnöden Actionstreifen, sondern einen sorgsam durchkomponierten Film nach wahren Begebenheiten. Es geht um nichts mehr als die Unabhängigkeit des FBI von der Regierung. Im Grunde ist dieser Film eine  Allegorie auf moderne Zeiten von Donald Trump. Zumindest war Nixon nicht dumm, aber er war geprägt durch seine Zeit und seinen Machthunger. Oliver Stone hat es in seinem Nixon von 1995 sehr schön dargestellt. Und da taucht Mark Felt als Antiheld auf; Korrekt, loyal (nun nicht immer), ein Familienmensch auf der Suche nach seiner Tochter. Der Demokrat Felt ist anders als der Republikaner Nixon und anders als das Duo Woodward/Bernstein und genau das macht den Reiz dieses Films aus. Felt ist Teamplayer und berechnend.
Mark Felt wird genial dargestellt von Liam Neeson. Zunächst dachte ich in den ersten Minuten des Film, was für ein Technokrat, was für ein Langweiler. Findet man in das Tempo des Films, dann wird die Person immer faszinierender. Regisseur Peter Landesman kann inszenieren und er inszeniert Mark Felt wohl so, wie er wirklich war. Felt ist in kein Langweiler, er hat Macht – absolute Macht. Wenn er leise spricht, wird er gehört. Seine Reaktionen werden wahrgenommen und was er sagt, das gilt. Die Darstellung von Liam Neeson ist hervorragend.

Der entscheidende Anruf.

Der entscheidende Anruf.

Vielleicht gelingt es Peter Landesman es so gut die Geschichte zu erzählen, weil Landsman nicht nur ein visueller sondern auch ein Geschichtenerzähler ist. Landsman arbeitet auch Journalist des New York Magazines und des Harper’s Magazines. Ich mag Landsman seit seinem Politikfilm Parkland von 2013. Der Film zeigt Geschichten um das Attentat auf John F. Kennedy.
Aber zurück zu „The Secret Man“. Der Soundtrack stammt von Daniel Pemberton. Ich stieß das erste Mal bewusst auf diesen Namen als Pemberton den Score für den The Awakening (2011) komponierte und dann wieder 2015 als er die Musik für den Film Steve Jobs schrieb. Bei The Secret Man hat Daniel Pemberton wiederum ganze Arbeit geleistet und sein Score trägt den ganzen Film. Leider hab ich den Soundtrack bisher noch nicht auf CD gefunden, sondern nur als Stream.
Eigentlich weiß ich, warum mir die Machart von The Secret Man so gefällt: Ja, es ist das Thema – ja, es sind die Darsteller und die Musik, aber eigentlich ist es der Produzent Ridley Scott. Er ist für mich der Altmeister und sein Werk steht außer Frage. Seit Jahren ist Scott auch als Produzent tätig und hier erfolgreich.
Also mein Fazit: Nimmt euch zwei Stunden Zeit und schaut euch The Secret Man in Ruhe an. Lasst euch nicht verwirren, auch wenn ihr die Namen Howard Hughes, Charles Colson, Gordon Liddy, E. Howard Hunt, John Dean, John N. Mitchell, Bob Haldeman und John Ehrlichman nicht kennt. Lasst euch darauf ein und zieht Parallelen zu heute. Mal sehen, wann der nächste Whistleblower von Format auftaucht.

Kein Filmtipp: Zettl von Helmut Dietl

6. November 2017

 

Nein, Zettl ist kein guter Film und das ist schade.

Nein, Zettl ist kein guter Film und das ist schade.

Zeitweise habe ich mich geschämt, als ich mir Zettl angesehen habe. Der letzte Film von Helmut Dietl ist – Verzeihung – der letzte Mist. Entsetzt und voller Kopfschütteln habe ich mir endlich Zettl auf Blu ray angeschaut, weil ich den Dietl und seine Geschichten wirklich liebe. Bei Zettl kamen mir meine Zweifel, denn obwohl der Film zahlreiche sehr gute Ideen hat, sehr gute Einstellungen, sehr gute Darsteller, so war er doch ohne Liebe, ohne Herz.
Helmut Dietl ist für mich einer der ganz, ganz Großen des deutschen Films . Ich verehre den Monaco und Kir Royal, ich verehre seine Beobachtungsgabe und sein Interesse an Menschen, doch bei Zettl wirke alles leblos. Es kommt mir vor, dass Dietl seine Enttäuschung über Berlin filmisch verarbeiten musste.
Im Grunde ist Zettl eine Fortsetzung von Kir Royal in der Neuzeit. Aber lieber Herr Dietl: Ihre Zeit waren die 80er Jahre des vergangenes Jahrhunderts, die Zeit von Druckerpresse und Papierauflagen. Das Online-Zeitalter hat Dietl nicht verstanden und einen Film vor diesem Hintergrund zu drehen, ist einfach schwierig.
Bevor ich den Film gesehen habe, habe ich mir über Nacht das Drehbuch Zettl – unschlagbar charakterlos von Benjamin von Stuckrad-Barre reingezogen und immer wieder über die guten Einfälle gelacht. Von Stuckrad-Barre habe ich zuvor seine Autobiografie Panikherz gelesen und griff dann zu Zettl. So gut die Ideen in dem Drehbuch waren, so schlecht wurden sie filmisch umgesetzt. Und das tut mir weh dies zu schreiben, denn ich mag den Helmut Dietl. Seinen Tod habe ich betrauert und mir alles bis dahin angesehen, was er gedreht hatte. Bis auf Zettl – der hatte damals schlechte Kritiken bekommen. Immer wieder habe ich mir das Ansehen des Films erspart, vor mich hin geschoben, es gibt schließlich so viele Filme noch zu sehen. Tja und nun konnte ich nicht anders. Ich erwarb die Blu ray von Zettl und sah mir den Film an.
Michael „Bully“ Herbig spielt die Titelrolle eines bayerischen Chauffeurs Max Zettl, der um jeden Preis in Berlin Karriere als Chefredakteur eines Berliner New Yorkers „The New Berliner“ machen will. Die Berliner Gesellschaft aus TV- und Politik wird dabei gehörig durcheinander gewirbelt. Was den Charme bei Kir Royal ausmachte, ist in Berlin einfach nur noch langweilig. München passt nicht nach Berlin. Münchner Grant trifft Berliner Schnauze – das ging gehörig daneben. Und das tut mir wirklich leid. Gerne hätte ich Helmut Dietls letzten Film gelobt und empfohlen. Ich kann es beim besten Willen nicht. Es ist in Teilen ein toller Film geworden, als filmische Gesamtheit eine Katastrophe. Selten habe ich einen so leblosen Films eines Filmgenies gesehen. Schade, wirklich schade.

Helmut Dietl gab mir ein Autogramm auf mein iPad.

Helmut Dietl gab mir ein Autogramm auf mein iPad.