Majestätskritik – die Fotos von Stanley Kubrick

24. April 2021

Dass ich ein Fan des Regisseurs Stanley Kubrick bin, habe ich schon oft Kund getan. Aber ich bin auch ein Fan des Fotografen Stanley Kubrick. Dies ist mir wieder bewusst geworden als ich für ein Seminar wieder das Buch Stanley Kubrick Photographs. Through a Different Lens: vom Taschen Verlag und den Ausstellungskatalog aus Wien vom Kunstforum Wien Eyes wide Open in die Hand nahm.

Zwei Fotobücher über die Fotokarriere von Stanley Kubrick.

Wenn ich mir seine Fotos ansehe, dann bin ich fasziniert. Kubrick schafft es mit Fotos emotionale Geschichten zu erzählen. Und das ist die Aufgabe eines guten Pressefotos: Geschichten erzählen.

Beim Geschichtenerzählen darf die Wahrheit aber nicht unter den Tisch fallen. Es stellt sich mir die Frage, wie weit darf der Fotograf in die Komposition eingreifen? Ja durch Ausschnitt, Belichtung, Schärfe tut er es automatisch, doch wo ist die Grenze? Kubrick hat die Grenze überschritten. Was ist bei seinen Fotos inszeniert? Ich habe mit Inszenierung kein Problem, wenn ich es als Kunstform sehe. Aber ich habe ein Problem, wenn Inszenierung mir als journalistische Berichterstattung verkauft wird. Und diese Unsicherheit schwingt mir beim Betrachten der Fotos von Stanley Kubrick immer mit.

Wie gesagt: Kubrick ist mein Held, aber er ist mein Held des bewegten Bildes. Bei seinen gelungenen Fotografien schwingt mir immer das Gefühl der Unsicherheit mit: Ist dieses Bild inszeniert? Ist dieses Bild damit manipuliert?

Mit nur 16 Jahren machte Kubrick im April 1945 ein Foto, das einen alten Zeitungsverkäufer an seinem Kiosk zeigt. Das Gesicht in die Hände gestützt, blickt er auf die feilgebotenen Zeitungen, welche die Schlagzeilen „Roosevelt Dead!“ und „F.D.R. DEAD!“ verkünden. Mit diesem Foto – übrigens angeblich alles andere als ein Schnappschuss sondern das Ergebnis intensiver „Regiearbeit“ mit dem Zeitungsverkäufer – stellte sich Kubrick bei mehreren New Yorker Zeitungen vor und verkaufte es schließlich an den Meistbietenden: das Look Magazine. In einem Interview gab der Meister zu, dass er den Verkäufer bat, doch etwas verzweifelter zu schauen. Hier zeigte sich bereits der Drang des Meisters, die Szene zu inszenieren. Und es ist gut, dass Kubrick auf Dauer kein journalistischer Bildberichterstatter geblieben ist und den Schritt zum fiktionalen Erzähler im Film gegangen ist.

Als Kubrick 1946 die High School verließ, hatte er einen wöchentlichen Auftrag von Look um 50 $ in der Tasche und fotografierte für das Magazin sämtliche Inhalte, die Leser versprachen. Zeitschriften wie Look oder LIFE lösten ab den 1940er-Jahren in der US-amerikanischen Gesellschaft einen regelrechten Hunger nach neuen Bildern und Geschichten aus. Während sich LIFE dem American Century verschrieb, nahm sich Look der Hintergrundgeschichten, oft auch mit New York-Bezug, an. Kubrick war zwischen 1946 und 1950 staff photographer bei Look, in dessen Auftrag ca. 27.000 Fotografien entstanden von denen an die 1.000 Aufnahmen auch publiziert wurden. Die Lehrjahre bei Look ermöglichten es Kubrick, seine Leidenschaft, visuelle Geschichten zu inszenieren nach und nach zu perfektionieren. Die Entscheidung, nicht bei der Fotografie zu bleiben, sondern 1951 seinen ersten (Dokumentar-)Film zu drehen – Day of the Fight, der um den Boxer Walter Cartier konzipiert ist, den er auch für Look fotografiert hatte – wirkt rückblickend als logische Konsequenz.

Kubrick hat viel über die Welt erfahren. Und er hat seinen Blick geschärft. Und das sieht der Leser der außergewöhnlichen Bücher Stanley Kubrick Photographs. Through a Different Lens und Eyes wide Open auf jeder Seite. Daher auch meine klare Empfehlung für diese exzellenten Fotobücher.
Ich habe einen Kompromiss mit mir geschlossen: Ich sehe seine Bilder in erster Linie nicht als journalistischen Beitrag, sondern ich sehe sie als Kunstform. Die Bilder Kubrick sind wunderbar komponiert und können als Vorlage für jeden Fotografen dienen. Der Blick durch die Kamera ist ein eindringlicher Blick in die Welt der damaligen Zeit und die Bilder sind ein wertvolles historisches Dokumennt des Nachkriegsamerika.

Apple: Die Farbe kommt zurück und ein iPad mit Superkräften

21. April 2021

Es kommt alles wieder heißt es in der Mode – das dachte ich mir beim Betrachten der ersten Apple Keynote des Jahres 2021. Ich erinnere mich noch an die Einführung der farbigen iMacs G3 durch Steve Jobs und meine Wirkung auf mich. Jetzt im Jahre 2021 kommt die Farbe zurück den iMacs und schon in der Keynote von Tim Cook hab ich mich für die rote Variante entschieden.

Sieben Farben werden angeboten, ich wähle rot. Mit technischen Daten will ich hier nicht langweilen, aber es passt für mich: M1, 1080p FaceTime, vier USB-C, davon zwei Thunderbold, Netzwerkport im Netzteil usw.

Das Zuckerl für den kleinen Geldbeutel (in Apple Verhältnissen natürlich) waren die AirTags, um beispielsweise einen Schlüsselbund zu finden. Wobei ich nie Probleme habe, meinen Schlüsselbund zu finden, aber die Idee ist gut. Mein Schlüsselbund hat einen festen Platz und basta, aber reizvoll sind die Tracker allemal. Vielleicht passen sie in Hüte. Der Familienrat muss wohl zusammenkommen und beraten, wo unsere Familie die Tracker einsetzen kann. Leider sind sie wohl ungeeignet für das Tracking unserer Kater Parsifal und Atari, um die Racker wieder zu finden.

Das neue Apple TV 4K ist sicherlich interessant, aber bei meiner ungenügenden Internet-Verbindung auf dem bayerischen Land stelle ich die Investition erst mal zurück. Ich nutze mein Apple TV nur bedingt. Und ein violettes iPhone brauche ich auch nicht.

Aber vorne, ganz vorne bin ich mit dabei als das neue iPad Pro 12 Zoll angekündigt wurde. Wir wussten ja, dass da was kommen wird. Aber ich hätte nie so ein Hammergerät erwartet. Das iPad Pro 12 Zoll ist für mich ein klares Must-have. In Vor-Coronazeiten war ich als digitaler Nomade unterwegs und mein iPad Pro war immer am Mann. Aber auch als Corona mein Leben grundlegend veränderte, ich gar nicht mehr auf Reisen bin, war das iPad noch immer mein Lieblingsgerät. Diesen Text schreibe ich auf meinem iPad und möchte diese Mobilität und Flexibilität nicht missen. Ich texte gerne auf dem Tablet und ich schneide gerne meine Filme darauf. Und wenn jetzt Superkräfte hinzukommen, dann ist meine Kaufentscheidung klar. M1 im iPad Pro und Liquid Retina XDR Display und Thunderbold und bis zu 2 TBye – hossa. Mehr Power gab es noch nie in einem Tablet und so sieht die Zukunft aus. Allerdings werden auf G5 verzichten und nur die WLAN-Variante kaufen, da das iPhone als Hotspot mir reicht.
Ich stelle fest: Mein Feuer für Apple ist wieder da. Danke Tim und danke Steve da oben.

Buchtipp: Können Maschinen denken? von Alan Turing

14. April 2021

Immer wieder erwische ich mich, dass ich mich tiefer in das Computerzeugs hineinarbeite. Ich meine jetzt nicht unbedingt Hard- und Software, sondern ich beschäftige mich auch gerne mit den gesellschaftskritischen und philosophischen Aspekten des Themas. Gerade im Zeitalter von KI sollten wir uns darüber Gedanken machen. Nach Joseph Weinzenbaum und Kurzweil habe ich mich am Wochenende mit Alan Turing beschäftigt.

Alan Turing in München.
Alan Turing in München.

Dabei meine ich nicht nur den sehenswerten Film The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben, sondern seine Streitschrift Können Maschinen denken? Der Reclam-Verlag hat mir dankenswerterweise ein zweisprachiges Exemplar des Buches Können Maschinen denken? überlassen, das unter der Reihe Great Papers Philosophie herausgegeben wurde. 1950 hat Turing, den viele als den Enigma-Knacker kennen und der im Grunde die Wende gegen Hiterdeutschland eingeleitet hat, diese Schrift veröffentlicht. Nun liegt sie in neuer Übersetzung und ausführlicher Kommentierung vor, so dass auch ich als interessierter Laie den Ausführungen folgen kann.

Der Turingtest ist in vielen meiner Seminare zum Thema KI fester Bestandteil. Antwortet eine Maschine so, dass ein Mensch die Antworten als menschlich einordnet und nicht mehr erkennt, dass eine Maschine antwortet, dann ist der Turingtest bestanden. Die Rechner zu Zeiten Alan Turings waren dazu nicht in der Lage, aber er widmete sich theoretisch diesem spannenden Thema und diskutierte es in dieser Streitschrift Können Maschinen denken?.

Eliza von Joseph Weizenbaum
Immer wieder erinnere ich mich an meine Begegnung mit Eliza im Jahre 2017 im Computerspielemuseum in Berlin. Elizas Schöpfer war Joseph Weizenbaum. Eliza stammt aus dem Jahre 1966. Eliza war Teil von Joseph Weizenbaums Forschung im Bereich Mensch-Maschine-Kommunikation. Seine Idee, den Computer ein Gespräch simulieren zu lassen, sorgte damals international für Aufsehen und markiert einen wichtigen Wendepunkt im Verhältnis zu Computern. Es war im Grunde ein Versuch eines Gesprächs mit einem elektronischen Psychologen. Das Ergebnis mutet heute humorvoll an, war aber bahnbrechend.

Eliza von Joseph Weizenbaum
Eliza von Joseph Weizenbaum

Ich denke, dass Siri, Alexa, Chatbots oder ein anderes System bald soweit sind und den Turingtest bestehen. Bis es soweit ist, bleibt die theoretische Auseinandersetzung mit diesem Thema. Hier hat Alan Turing entscheidende Grundlagenarbeit geleistet. Spät wurde ihm die Anerkennung zuteil, die er verdient. Für mich ist er einer der Helden der IT und das Buch Können Maschinen denken? eine empfehlenswerte Lektüre.

Dracula im Film (15): Draculas Rückkehr (1968)

12. April 2021

Eigentlich ist Draculas Rückkehr aus dem Jahre 1968 der vierte Dracula-Film der Produktionsgesellschaft Hammer, aber für mich als Christopher Lee-Fan ist es Teil 3. Der Film Dracula und seine Bräute wurde 1960 von Terence Fisher gedreht, aber Dracula spielt im Film gar nicht mit und wird nur zweimal erwähnt.

Obwohl Peter Cushing als Van Helsing dabei ist, zählt der Film für mich nicht als Hammer-Dracula.
Also ist Draculas Rückkehr – im Original heißt der Film Dracula Has Risen From the Grave – ein Wiedersehen mit Christopher Lee, der anders als in Teil 2 Blut für Dracula wieder spricht. In Blut für Dracula hat unser Graf ja aufgrund des schlechten Drehbuchs nur gezischt und geknurrt. Ich hatte darüber gebloggt. In Draculas Rückkehr, der mit Blick auf einen Sargdeckel im Jahre 1905 spielt, ist alles wieder in Hammer-Ordnung und schließt direkt an Blut für Dracula an, als der Graf im vereisten Fluss verendete.

Jetzt holt ihn das Blut eines Priesters wieder zurück ins untote Leben und die Jagd nach dem roten Saft beginnt von neuem. Die Kulissen waren dieses Mal sorgsamer ausgewählt und es macht vielmehr Spaß die Karpaten im Londoner Studio zu erleben.

Für mich machen zwei Eigenschaften den Reiz an diesem Film Draculas Rückkehr aus. Zum einen ist es die schöne Kameraarbeit von Kameramann Arthur Grant. Immer wenn Dracula auftritt, dann verändert sich das Bild. Ein violetter-orangener Farbverlauffilter legt sich über den linken und rechten Rand der Bildes – ein interessanter Effekt und schön psychedelisch.

Zum zweiten ist es der Dracula-Score von Hammer-Komponist James Bernard. Ich mag das Thema, ich mag seine Kompositionen und schade, dass Bernards Karriere nicht erfolgreicher war. Das Talent hatte er wohl, aber als Haus- und Hofkomponist für Hammer waren keine großen Möglichkeiten vorhanden.

Eine tiefgründige Geschichte darf der Zuschauer bei Draculas Rückkehr nicht erwarten. Dafür schön Trash aus vergangenen Hammer-Zeiten mit Christopher Lee. Was kann es Schöneres für eine nette Abendunterhaltung geben?

Musiktipp: The Bride of Frankenstein auf Vinyl von Franz Waxman

11. April 2021

Für mich eine der wichtigsten Geschichten überhaupt ist Mary Shelleys Frankenstein. Ich finde das Thema um die Erschaffung eines künstlichen Menschen einfach schauderhaft. In Zeiten von KI ist die Idee noch dramatisch aktuell. Und natürlich mag ich die Frankenstein-Filme – allen voran die Universal-Version mit Boris Karloff.

Endlich auf Vinyl - der Score zu Frankensteins Braut
Endlich auf Vinyl – der Score zu Frankensteins Braut

Ein Nachfolger des Frankensteins von James Whale war Frankensteins Braut, wiederum von James Whale aus dem Jahre 1935. Dazu erschien zum ersten Mal der Score von Franz Waxman auf Viny The Bride of Frankensteinl. Der Score beruht auf Leitmotiven und wird als einer der ersten Horrorfilmvertonungen angesehen. Der deutsche Jude Waxman emigrierte aus Nazi-Deutschland in die USA und wurde dort einer der bedeutendsten Filmkomponisten überhaupt. Ich liebe seine Musik zu den Hitchcock-Filmen Rebecca, Verdacht, Fenster zum Hof. Frankensteins Braut war die Grundlage für Waxmans Erfolg in Hollywood. Die Musik Waxmans ist jedem Filmfreund bekannt: Er komponierte die Metro-Goldwyn-Mayer-Fanfare.

Das Vinyl ist stilecht in Schwarzweiß.

Zur Feier des 85-jährigen Jubiläums des Films erschien die erste Vinyl-Veröffentlichung der Filmmusik als Deluxe-Album mit neu gemastertem Ton, neuem Artwork und der Genehmigung des Konterfeis der berühmten Schauspielerin Elsa Lanchester. Sie spielt die Braut des Monsters, der das Monster zu unheimlich war.
Der Film selbst gilt als Meisterwerk von James Whale. 1998 wurde der Film von der Library of Congress als „kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsam“ in das National Film Registry der Vereinigten Staaten aufgenommen.

Das vorliegende Album The Bride of Frankenstein wurde von den Original-Master-Acetaten, die im Archiv des Komponisten an der Syracuse University aufbewahrt werden, und den Original-Mastern von Universal sorgfältig restauriert und neu gemastert. In enger Zusammenarbeit mit Universal Pictures markiert diese historische Veröffentlichung das allererste Mal, dass die Original-Filmmusik auf Vinyl erhältlich ist. Das Album enthält ein neues Artwork von Phantom City Creative, ein 12″x12″ großes Booklet mit Artwork und Original-Fotos der Filmmusik-Sessions sowie Linernotes von Album-Produzent und Restaurator Mike Matessino.

Audiotipp: Amazonia von Jean-Michel Jarre

10. April 2021

Wenn andere den Ruhestand genießen, ist Jean-Michel Jarre weiterhin produktiv tätig. Seine beiden jüngsten VR Konzerte hauten mich vom Hocker. Jetzt legt der 72jährige einen Soundtrack zu einer Fotoausstellung vor: Amazônia nach den Fotografien von Sebastião Salgado. Der Meister der Schwarzweiß-Fotografie war in Südamerika unterwegs und hat Eindrücke vom Amazonas eingefangen, Jarre liefert jetzt den Sound dazu. Ich schreibe bewusst nicht, dass er die Musik dazu liefert, denn es ist weitaus mehr. Es ist die Atmosphäre des Amazonas in Klang gepackt. Stimmen, Sprachsamples, Geräusche, Klänge, Wörter, Husten, Kreischen, das Prasseln des Feuers als wiederkehrendes Element, verknüpft mit Rhythmen, Schläge, Ambient-Klängen – eine elektronische Weltmusik, die inspiriert und provoziert.

Wie schon bei Zoolook 1984, also vor Jahrzehnten, geht Jarre weit über die klassische elektronische Musik hinaus. Er, der eigentlich auch für Bombastik bekannt ist, reduziert in Amazonia und durchbricht als 72 etablierter Musiker wieder Grenzen. Jarre lässt sich nicht einengen. Er macht keinen gefälligen Sound und stößt mit diesem Album die Tanzbären des Techno vor den Kopf. Amazônia ist ein Album für den Kopf und ich habe mir einen älteren Fotoband von Salgado mit dem wegweisenden Titel GENESIS herausgeholt. Amazonia erscheint erst im Mai 2021 bei meinem Lieblingsverlag Taschen. Sebastião Salgado bereiste sechs Jahre lang das brasilianische Amazonasgebiet und fotografierte die unvergleichliche Schönheit dieser einzigartigen Region: den Regenwald, die Flüsse, die Berge, die Menschen, die dort leben – ein unersetzlicher Schatz der Menschheit, in dem die ungeheure Kraft der Natur wie nirgendwo sonst auf der Erde zu spüren ist. 200 Bilder umfasst die Ausstellung, die seit dem 7. April 2021 in der Pariser Philharmonie zu sehen ist. Mal sehen, ob und wann die Ausstellung nach Deutschland kommt.

Seite für Seite habe ich den Band Genesis durchgeblättert und mich in den teils meditativen Sound von Jean-Michel Jarre vertief und verloren. Ja, der Sound ist gewöhnungsbedürftig und ich möchte das Album nicht als Musiktipp, sondern eher als Audiotipp bezeichnen. Es ist der Klang eines Ökosystems. Ich habe es mir genau zum Erscheinungstag bei Apple Music geladen und am selben Tag traf die CD bei mir ein.

Mein Rat: Lasst euch auf den Meister und seine Interpretation von Amazônia ein.

Eine Seefahrt, die ist lustig: Godzilla und Kong kämpfen auf See

6. April 2021

Ich bin ja auf meinem ganz persönlichen Godzilla-Trip und warte sehnsüchtig, dass der neue Streifen Godzilla vs Kong in den deutschen Kinos anläuft. So einen Film muss ich im Kino genießen. In den USA läuft er schon in den Filmtheatern und auf HBO Max, aber aufgrund Covid-19 eben (noch) nicht bei uns. Streamen über VPN oder gar irgendwelche Screeners will ich nicht, also heißt es warten und mich auf die Suche nach News aus dem Godzilla-Universum begeben.

Team Godzilla

Während wir Fans noch auf den Termin warten, haben Wargaming, Legendary Entertainmaint und Toho Co, Ltd eine Kooperation angekündigt, in der die Titanen in der Online-Seekriegssimulation World of Warships (PC) und dem MMO World of Warship: Legends (PlayStation, Xbox) gegeneinander antreten. Die In-Game-Aktion ist nur für begrenzte Zeit verfügbar und enthält an Godzilla und Kong angelehnte Kriegsschiffe, Kommandanten, Tarnungen und mehr.

Team Kong

Die Titanen sind an Bord ihrer eigenen Schiffe anzutreffen und auch als Kommandanten spielbar. Außerdem stehen im Rahmen der Aktion, die später im Mai startet, an den Film angelehnte Tarnungen, Aufnäher, Flaggen und mehr im Spiel zur Verfügung.
In diesem Kampf der Schwergewichte kann es nur einen Sieger geben. Team Godzilla, in Blau, wird vom 41.217 Tonnen schweren, japanischen Schlachtschiff Amagi vertreten. Die USS North Carolina mit 37.484 Tonnen repräsentiert Team Kong in der orangenen Ecke. Beide Teams sind mit ihren eigenen, an den Film angelehnten permanenten Tarnungen ausgestattet und bringen außerdem einmalig verwendbare Tarnungen, Aufnäher, Flaggen und mehr mit an Bord. Die Konsolenversion World of Warship: Legends wartet mit dem Schlachtschiff Heat Ray für Godzilla und dem Kong-Gegenstück Primal auf. Auch diese Schiffe sind mit den dazugehörigen Kommandanten, einmalig verwendbaren Tarnungen, Aufnähern, Flaggen usw. ausgestattet.
Die Trailer machen mir als Fan schon Spaß, wobei ich ja bei der PS4-Umsetzung des Godzilla-Spiels mehr als skeptisch bin.

Merch total

Die Merch-Trommel läuft auf jeden Fall auf vollen Touren. „Vor fast 60 Jahren standen sich King Kong und Godzilla in Japan erstmals auf der Kinoleinwand gegenüber. Seitdem haben diese beiden sagenumwobenen Kreaturen Millionen an Fans auf der ganzen Welt in ihren Bann gezogen“, meint Aleksandr Nikolaev, Senior Publishing Producer bei Wargaming. „Für World of Warships suchen wir immer nach neuen und spannenden Inhalten für unsere Spieler und freuen uns, unsere Vision dieses Kampfes der legendären Titanen mit ihnen teilen zu können.“

„Wargaming ist der perfekte Partner, um es den Fans möglich zu machen, sich an der Action zu beteiligen und in der lang erwarteteten Schlacht zwischen diesen zwei riesigen Titaten mitzumischen“, so Sam Rappaport, Director of Interactive Media bei Legendary Entertainment. „Dank dieser Zusammenarbeit erleben Fans durch den epischen Zusammenprall zwischen den beiden Schlachtschiffen von Team Godzilla und Team Kong das immense Ausmaß des Films.“

700. Todestag von Dante – gleich zweimal feiern

25. März 2021

Eigentlich ist am 14. September der 700. Todestag von Dante Alighieri und dennoch wird heute am 25. März an den bedeutenden Florentiner gedacht. Warum? Die Italiener haben den 25. März als Dantetag eingeführt und so wird heute gefeiert und auch am eigentlichen Jubiläum des Todestages noch einmal.

Heute schon Dante gelesen oder gehört?

Ich habe mir zur Feier des Tages meinen Dante herausgesucht. Ich habe verschiedene Ausgaben in verschiedenen Übersetzungen. Wie die Dante-Gesellschaft auflistet, gibt es noch einige mehr. Ich mag die von Wilhelm G. Herz Übersetzung Die Göttliche Komödie am liebsten, vielleicht weil ich mit ihr aufgewachsen bin und sie mir am vertrautesten ist. Die Prosa-Übersetzungen aus jüngeren Jahren kenne ich gar nicht, werde aber irgendwann man reinschauen – versprochen.

Über die Bedeutung von Dante Alighieri muss ich nicht schreiben. Einfach wunderbar diese Sprache – und ich habe Dante nie im Original gelesen, weil ich es Italienischen nicht mächtig bin. Er hat Italienisch zur Literatursprache gemacht. Seine Göttliche Komödie ist auch in der deutschen Übersetzung lesbar und ich rate Interessierten einen Blick in das Werk zu werfen. Nur Mut, die ersten Zeilen sind vielleicht etwas schwer, aber wenn man im Flow ist, will man Dante nicht zur Seite legen.

Ich habe gemerkt, dass in meinem persönlichen Umfeld zwei Kulturphänomen das Interesse an Dante wieder aufleben ließen. Das eine war der Roman Inferno von Dan Brown und das andere war David Finshers Film Sieben – in beiden Werken kommt Dantes göttliche Komödie vor und hat einer neuen Generation Dante näher gebracht. Das ist gut. Brown habe ich gerne gelesen, aber Finshers Film war eine wirkliche Offenbarung.

Zur Feier des Tages lege ich ein Hörbuch Die göttliche Komödie aus dem Hörverlag ein. Es ist eine Produktion des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahre 1957 – 316 Minuten die göttliche Komödie in einer wunderbaren Interpretation der deutschen Schauspielelite der 50er und 60er Jahre. Also denkt daran: Lasst all die Hoffnung fahren und nehmt mal wieder euren Dante zur Hand.

Spezieller Filmtipp: The Crazies (1973) auf Bluray

23. März 2021

Manche Filme waren in der Erinnerung besser als dann auf der heimischen Leinwand. Ich hatte mich so sehr auf George A. Romeros Wiederveröffnung von The Crazies aus dem Jahre 1973 auf Bluray gefreut, die Box mit drei Filmen bestellt und in den Player gelegt.

Ich erinnerte mich an einen harten Pandemiefilm mit ernsten politischen Hintergrund, den ich einst auf einem Filmfestival und dann auf VHS gesehen habe. Nun, einen Pandemiefilm mit ernsten politischen Hintergrund habe ich auf Bluray wieder gesehen, aber leider auch eine hektische Regiearbeit und schwache Schauspieler.
Crazies war Romeros fünfter Spielfilm und das Thema über eine unkontrollierte Ausbreitung des tödlichen Virus Trixie ist beunruhigend. Das Militär riegelt die Kleinstein Evans City ab und reibt die Bewohner in der örtlichen Schule zusammen. Die bewaffnete Staatsgewalt in weißen Schutzanzügen und Gasmaske greift hart durch. Wer nicht pariert, der wird erschossen. Das schafft Bilder, die in die Genregeschichte eingegangen sind. Und diese Bilder habe ich immer in Erinnerung.

Was aber genau los ist, das weiß der einzelne Soldat auch nicht – Befehl und Gehorsam und das obwohl den Verantwortlichen das Zepter des Handelns längst entglitten ist. 1973 war der Vietnamkrieg in seinen letzten Zügen und natürlich gibt es im Film zahlreiche Anspielungen auf diesen Polizeiansatz, der zum Krieg ausuferte. Netter Hinweis auf Präsident Nixon, der natürlich bei Romero nicht als solcher gezeigt, aber dem zeitgemäßen Zuschauer sofort zu erkennen ist – mit dem Rücken zur Kamera.

Damals empfand ich den Film als extrem hart. Das Blut spritzte beim Eintreffen der Kugeln in die Körper und die Köpfe. Heute wirken diese Effekte überzogen oder der Zuschauer hat schon längst Härteres gesehen. Aber dafür kann der Film nichts, denn er entstand 1973 in einer Zeit als auch der Horrorfilm politisch war und zumindest sich so gab. Der Film kann sich nicht entscheiden, wer nun eigentlich der Böse ist: Das Virus, die Militärs, die Bürokratie oder gar die vom Virus befallenen Bürger der Kleinstadt? Egal, erst einmal schießen und dann hysterisch schreien.

Was mich aber wirklich gestört hat beim Betrachten bei Bluray ist die hektische Regiearbeit von George A. Romero. Der Mann verstand ja grundsätzlich sein Handwerk, bei Crazies war er aber noch auf der Suche nach seinem Stil. Die Schnitte sind zu schnell, der ganze Film findet keinen richtigen Rhythmus und viele der Schauspieler tun sich schwer – einig wohltuende Ausnahme ist Lynn Lowry, die ein virusverseuchtes Hippiemädchen spielt. Ich hatte sie zuerst als Cronenberg-Fan in Parasiten-Mörder gesehen, der Romero sehr ähnlich war. Und in Katzenmenschen von 1982 von Paul Schrader spielte sie auch. Es gab mal 2010 ein Remake des Films Crazies, das ich mir (noch) nicht angeschaut habe – nur den Score von Mark Isham fand ich interessant. Lynn Lowry hatte dort wohl einen Cameo-Auftritt.

Die restaurierte Bluray Crazies kam bei Capelight Pictures heraus und beinhaltet noch zwei weitere Romeros Filme Season of the Witch (Hungry Wives, 1972) und There’s Always Vanilla. Das Bild (1080p / 1,66:1) ist klar und für das Alter sind die Farben und Kontrast prima. Allerdings nervt der Score von Bruce Roberts. Das Bonusmaterial und das Booklet sind sehenswert. Also damit nur ein spezieller Filmtipp für Fans der siebziger Jahre.

Gedanken zum 90. Geburtstag von William Shatner

22. März 2021

Als Kind grübelte ich lange darüber nach was das T. in James T. Kirk bedeutet und ich war etwas verwundert, dass es nicht Thomas oder Theodor war. James Tiberius Kirk ist der volle Name des für mich prägendsten Raumschiffkommandanten der Galaxis, dessen Darsteller William Shatner heute seinen 90. Geburtstag feiert.

Ein wenig Enterprise zum 90. Geburtstag von William Shatner

Ich mag Shatner und treffe ich nahezu täglich. Nein, nicht im RL, sondern in Twitter. Hier stellt sich William Shatner seinen Fans und geht nicht immer sanft mit ihnen um. Ich wollte mit ihm über seine Rolle in SeaQuest diskutieren, aber Shatner wollte nicht so richtig. So lese ich also fleißig mit, wie Shatner austeilt und probiere es immer wieder mit ihn in Kontakt zu treten.

An die Lebensrolle von Kirk hat er sich inzwischen gewöhnt und obwohl Shatner in zahlreichen TV-Serien und Filmen mitspielte: Für mich ist und bleibt er James Tiberius Kirk. Ich bin eine seltene Mischung aus bekennender Trekkie und Star Wars-Fan, was ja im Grunde nicht geht, aber es funktioniert.
Star Trek war lange vor Star Wars in meinem Herzen. Als Kind sah ich bei meiner Großmutter auf ihrem Schwarzweiß-Fernseher immer die „Mondmänner“, wie meine Oma Kirk, Spock, Pille, Scotty und Co bezeichnete. Ich mochte die Serie Raumschiff Enterprise, das war komplett anders als deutsche Fernsehunterhaltung. Meine Eltern schenkten mit ein Enterprise-Raumschiff, das noch immer im Arbeitszimmer neben einen X-Wing steht. Es konnte Torpedos abschießen, die mittlerweile in den Weiten der verschiedenen Kinderzimmer verloren gingen.
Ich mochte die Animationsserie bei der Shatner seinen Kirk sprach und schaut mir später die DVD immer wieder an. Später kaufte ich mir die komplette Enterprise-Serie auf Laserdisc mit all den Diskussionen, was denn nun wirklich die erste Folge war. Vom revolutionären Kuss der US-TV-Geschichte zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Uhura und Kirk bekam ich zunächst nichts mit – ich interessierte mehr für die Monster in den Pappwelten. Noch heute liebe ich die Folgen von Ich heiße Nomad (Staffel 2, Folge 3) und den Kennen Sie Tribbles? (Staffel 2, Folge 15).
Ich kaufte mir die Filmbücher der TV-Serie und konnte im Geiste die Geschichten nachlesen. Kirk war mein Held, Shatner war mein Held, Kirk und Shatner waren für mich ein und dieselbe Person. Ich las seine Autobiografie Durch das Universum bis hierher und hörte mir seine Musikalben an. Wie ein Schnitzel freute ich mich auf den ersten Kinofilm von Star Trek, der zwar sturz langweilig war, aber die Mannschaft unter Führung von James Tiberius Kirk war wieder zusammen. William Shatner war mein Typ und wenn er heute seinen 90. Geburtstag feiert, dann zieh ich mein Convention-Shirt an und stoße auf William Shatner an. Alles Gute Captain.