Musiktipp: Springtime In New York: The Bootleg Series, Vol.16 (1980-1985) von Bob Dylan

24. September 2021

Meine erste Bob Dylan Schallplatte war 1985 das Album Empire Burlesque und ich war gelinde gesagt überrascht über das überproduzierte Album von Remixer Arthur Baker. Das sollte der Dylan sein, der die Musikgeschichte auf den Kopf gestellt hatte? Die veröffentlichten Alben der achtziger Jahre waren zugegeben gewöhnungsbedürftig. Böse Zungen sagen, die Platten waren grottenschlecht.

Aber was hätte die Achtziger für eine starke musikalische Zeit für den Meister werden können? Dylan löste sich von seiner religiösen Phase und musste sich im MTV-Zeitalter neu orientieren. Diese Orientierungsphase ging aber vollkommen in die Hose. Viele der Veröffentlichungen waren schauderhaft.
Aber jetzt legt Bob Dylan die 16. Ausgabe seiner Bootleg Series mit dem Titel Springtime in New York: the Bootleg Series Vol. 16 vor. Noch mehr Müll aus der grausamen Zeit? Weit gefehlt – was für geniales Material hatte Dylan 1980–1985 geschrieben und aufgenommen, aber nicht veröffentlicht? Die Musik ist schlichtweg der Hammer: Unveröffentliches Material, das so frisch, so spielfreudig, so engagiert, so frech daherkommt. Musiker wie Tom Petty, Mark Knopfler, Mick Taylor, Sky & Robbie und viele mehr.

Dylan, was hast du für Schätze damals aufgenommen und dann ins Archiv gestellt und einen Mist stattdessen auf Vinyl gebrannt? Ich habe mir Sprintime In New York 1980–1985 als Box-Set mit 5 CDs angeschafft und bereue die finanzielle Ausgabe nicht einen Moment. Das Deluxe Boxset enthält auf fünf CDs ingesamt 57 Tracks, bis auf drei Tracks alle bislang unveröffentlicht, und zusätzlich in gewohnt opulenter Ausstattung ein 100-seitiges Hardcover-Buch u.a. mit Fotos von seltenen Dylan-Memorabilien dieser Zeit. Das Album gibt es auch als preisgünstigere Doppel-CD/LP.

Wir haben Aufnahmen aus der Ära Shot of Love, Infidels und Empire zu entdecken, also die letzten Ausläufer des religiösen Dylan und seine Hinwendung zum Rock.
Unter den Goldstücken gibt es einige Perlen zu entdecken. Blind Willie McTell kannten wir schon aus der Bootleg Series 1 – nun gibt es den Take 5 der Infidels Outtake zudem Fool of Pride. Mir persönlich gefallen Don’t Fall Apart on Me Tonight (Version 2) (Infidels Alternate Take), Too Late (Band Version) (Infidels Outtake), New Danville Girl (Empire Burlesque Outtake – das später Brownsville Girl werden sollte) und Sweet Caroline. Letzteres kommt wohl aus der Bekanntschaft mit Neil Diamond durch den Last Walz Auftritt von The Band.

Nachdem Empire mein erstes Dylan-Album war, war ich neugierig auf die Versionen von Tight Connection to My Heart (Has Anyone Seen My Love) (Empire Burlesque Alternate Mix), Emotionally Yours (Empire Burlesque Alternate Take) und vor allem Dark Eyes.
Wenn Dylan in den achtziger Jahren das richtige Gespür gehabt hätte, dann hätte er diese Zeit musikalisch bestimmen können. Gut, dass er die Sachen nicht weggeworfen hat und nun nach 40 Jahren veröffentlichte. Ich empfehle Springtime in New York: the Bootleg Series Vol. 16 jedem, der gute Musik zu schätzen weiß. Dylan-Fans werden die Bootleg Series 16 sowieso kaufen und genießen.

Ford, was habt ihr mit dem Mustang gemacht?

23. September 2021

Der neue Mustang ist da. Ich werde nur bei ein paar Autos wirklich schwach: Dazu gehören der Aston Martin und der Ford Mustang. Und wie ich den entsprechenden Diensten entnehme, hat Ford jetzt einen elektrischen Ford Mustang mit dem Namen Mustang Mach-E auf den Markt gebracht. Ich habe nichts gegen Elektro-Autos, mein nächstes Fahrzeug wird wohl auch ein Elektrovehikel sein. Aber liebe Designer bei Ford: Was habt ihr mit meinem Mustang gemacht?

Der neue Mustang als Elektro-Variante Mach-E von Guy Kawasaki.

Das Design ist, sagen wir es mal freundlich, gewöhnungsbedürftig. Die Rücklichter sind die einzige Konstante, aber sonst. Ich bekomm die Krise und weiß, welches Auto ich mir nicht kaufen werden.
Bei meinem Frust habe ich auf einen Fotoband Art of the Mustang zurückgegriffen und mich an vergangene Zeiten schwermütig erinnert. „So haben Sie den Ford Mustang noch nie gesehen“, steht auf dem Rückumschlag und die Autoren Tom Loeser und Donald Farr haben absolut recht. Die Vorstellung des Ford Mustang im Jahr 1964 bildete eine Zäsur in der Geschichte der amerianischen Automobilindustrie.

Das Buch Art of the Mustang aus dem Jahre 2015 hat zwar schon ein paar Jahre auf dem Pferderücken (Wortspiel), aber zeigt für mich noch immer die Faszination an der Marke. Über einen Zeitraum von 50 Jahre demonstriert das Buch die schönen Modelle und die grausamen Designmodelle des Mustangs. Die schrecklichen Fahrzeuge der achtziger Jahre überblättete ich geschwind. Die Fotos „meiner“ Mustangs sind großartig, detailreich und fesselnd. Und ich werde hier nicht eine berechtigte Diskussion um Spritverbrauch und CO2-Belastung anstellen – diese Autos bleiben für mich Traumautos und in meinen Träumen fahren diese PS-Boliden klimaneutral.
Was ich an diesem Buch Art of the Mustang unheimlich schön finde, ist das Storytelling. Es werden nicht nur technische Daten der verschiedenen Modelle verarbeitet, sondern es werden zwischendurch Geschichten erzählt. Wie die Geschichte als der Mustang zum Mietwagen wurde.

Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts trat der US-Autovermieter Hertz an Ford heran. Sie hatten gerade die gesamte Flotte von GM auf Ford umgestellt. Nun wurde Ford gebeten 200 Mustangs für das Hertz-Sports-Car-Club-Programm zu liefern. Gesagt, getan und es entstand ein schwarzer G.T. 350 mit Goldstreifen. Das waren die Farben, die Herz bei der Unternehmensgründung im Jahr 1925 zur Kennzeichnung seiner Mietwagen verwendet hatte. Das Auto kam so gut an, dass Hertz daraufhin nochmals 800 Fahrzeuge bestellte. Von Ende 1965 bis Anfang 1967 konnte man die 1966er Shelby G.T. 350H Mustangs bei Hertz für 17 Dollar pro Tag plus 17 Cent pro Meile mieten. Dann wurden sie ausgemustert und sind heute begehrte Sammlerobjekte. Die

Für Fotografen und Filmer: Antireflex-Gegenlichtblende gegen Spiegelungen und Reflexionen

20. September 2021

Immer wieder bin ich mit dem Zug, dem Flugzeug oder mit dem Auto aus Beifahrer unterwegs und will fotografieren oder filmen. Das Problem sind die Spiegelungen oder Reflexionen in der Scheibe, die in der Regel die Aufnahmen ruinieren. Ich will mich ja auf meinen Aufnahmen nicht gespiegelt sehen.

Abhilfe schafft da eine einfache Gegenlichtblende aus Silikon. Das leichte, faltbare Teil wird vor das Objektiv gehalten und schon hat man perfekt klare, blendfreie Aufnahmen durch Fenster. Der schwarzer Silikonkegel, der sich grundsätzlich an jedes Standardobjektiv anpasst, blockiert unerwünschte Blendungen und Reflexionen. Diese faltbare Antireflex-Gegenlichtblende habe ich in der Tasche. Sie wiegt weniger als 90 Gramm und hat mir gute Dienste geleistet. Klare Empfehlung für Fotografen und Filmer.

Apples Fitness+ bedrängt Sportvereine und Fitness-Studios

19. September 2021

Konsequent geht Apple den Weg der Digitalisierung und treibt mit Apples Fitness+ den Plattform-Gedanken weiter voran. Das virtuelle Fitness-Studio Apples Fitness+ kommt im Herbst nach Deutschland und wird Fitnessstudios und Sportvereine auf lange Sicht das Leben schwer machen.

In der Pandemie waren Fitnessstudios geschlossen und der Sport spielte sich in den heimischen vier Wänden ab. Auch in unserer Familie wurden abends die Yoga-Matten ausgerollt und via YouTube Übungen geturnt und geschwitzt.

Hier hat Apple auf den kostenpflichten Dienst Fitness+ installiert, der bisher nur in den USA freigeschaltet war. Im Herbst wird dieser Dienst nach Deutschland kommen und arbeitet zudem mit den Apple Produkten iPhone, iPad und Apple TV zusammen. Wir haben in der Pandemie HomeOffice gelernt, warum nicht auch Sport zu Hause – zeitlich und räumlich unabhängig von klassischen Fitness-Studio oder Sportverein.
Da Sport ein Gemeinschaftserlebnis sein kann, hat Apple Fitness+ zum Gruppentraining aufgebohrt. Bis zu 32 Sportbegeisterte können an einem gemeinsamen Training teilnehmen. Das technische Geheimnis des Gruppentrainings basiert auf Share Play. Diese Funktion hat die Apple auf WWDC 2021 für gemeinsames Filme-Schauen vorgestellt. Dies wird nun auf Apple Fitness+ ausgeweitet.

Ich persönlich trainiere in meinem örtlichen Sportverein Qigong zu festgelegten Zeiten. Gerne würde ich flexibler sein und die Übungen auch zu anderen Zeiten mit Freunden durchführen. Leider wird Qigong (noch) nicht bei Apple Fitness+ angeboten. Dennoch interessiere ich mich für andere Angebote wie Yoga oder Ausdauertraining. Die Übungszeiten in meinem Sportverein für diese Sportarten sind ungünstig und daher überlege ich mir eine Teilnahme bei Apple Fitness+. Zudem bin ich künftig vielleicht wieder öfters auf Reisen und könnte mein Workout im Hotel machen.
Die Preise für Deutschland stehen noch nicht fest: In den USA kostet das Abo entweder knapp 8 US-Dollar pro Monat oder rund 80 US-Dollar pro Jahr. Mein Sportverein oder ein Fitnessstudio sind deutlich teuerer. Fitness+ ist bei Apple One mit dabei, bei der Premium-Option für rund 30 US-Dollar pro Monat. Dieses Bundle ist in Deutschland noch nicht verfügbar. Warten wir auf den Herbst.

Batman Tag 2021 – ich feier die Fledermaus

18. September 2021

Heute am 18. September ist der Tag des Handwerks und zugleich ist heute der internationale Batman-Tag. Für mich sind beide Termine wichtig, arbeite ich doch für das bayerische Friseurhandwerk und bin ein Fan der Fledermaus.

Für die hiesigen Fans des Fledermaus-Detektivs gibt es an diesem Tag in den Comic-Shops viele Aktionen, in deren Mittelpunkt der Dunkle Ritter steht. Unter anderem gibt es Batman-Gratis-Comic-Material und Sonderpublikationen für Sammler. Interessant für mich ist die Veröffentlichung des Batman: The World-Bandes, der auch in einer auf 666 Exemplaren limitierten und signierten Version vorhanden ist.

Es ist Anthologie-Band, in dem Batman den Joker um den Globus verfolgt und dabei 14 Länder passiert. Für die Umsetzung der Kapitel wurden jeweils einheimische Kreativteams gefunden, um die Geschichten umzusetzen. Also 14 Länder, 14 Kreativteams in einer Geschichte – das Konzept gefällt mir. Natürlich gibt es auch eine in Deutschland, genauer in Bayern spielende Episode, die vom Münchner Duo Benjamin von Eckartsberg (Story) und Thomas von Kummant (Artwork) erstellt wurde.


Batman sind für mich aber nicht nur die Comics, sondern vor allem die Filme. Es soll ja noch ein neuer Batman in die Kinos kommen, aber heute greife ich zu den erschienen Klassikern, die unterschiedlicher nicht sein können.

Ich bin ein absoluter Fan der Tim Burton Reihe von 1989. Die quietschbunten Popcorn-Filme hatte ich damals in Kino gesehen und kaufte sie mir später auf Laserdic, UMD-Träger und Bluray. Es war Spaß mit großen Namen der damaligen Zeit und es steckte sehr viel Symbolik in diesen Unterhaltungsfilmen, obwohl sie von Folge zu Folge schlechter wurden. 1992: Batmans Rückkehr (Regie: Tim Burton), 1995: Batman Forever (Regie: Joel Schumacher) und dann 1997: Batman & Robin (Regie: Joel Schumacher).

Dann kam Jahre später Christopher Nolan 2005 und ließ den dunklen Rächer in einem Dreiteiler wieder auferstehen. Batman Begins haute richtig rein, The Dark Knight lebte vor allem durch Heath Ledger in der Rolle als Joker. 2012 erschien der dritte und letzte Teil der Trilogie unter dem Namen The Dark Knight Rises, den ich aber vergleichsweise als schwach empfand. Vielleicht war mein Batman-Fieber in der Zwischenzeit geheilt.

Als ich ein Webinar über die Batman-Filme vorbereite, entdeckte ich eine Perle, die ich lange Zeit nicht mehr gesehen hatte: Batman hält die Welt in Atem von 1966. Der Film basiert auf einer US-Batman-Fernsehserie und nimmt sich selbst nicht zu ernst. Aber genau das macht seinen Reiz aus, wenn Batman und Robin gegen die Bösewichte zu Felde ziehen. In den Hauptrollen der Comicverfilmung sind Adam West als Batman und Burt Ward als Robin zu sehen. Und wenn ich ehrlich bin: Adam West ist für mich der Batman-Darsteller schlechthin. Vielleicht liegt es daran, dass meine Eltern mir als Kind das Batmobil des Films Batman hält die Welt in Atem geschenkt hatten und ich sehr gerne mit diesem Fahrzeug spielte. Leider ging es im Laufe der Jahre verloren.

Der Film kommt so flott und leichtfüßig daher, hat überdehnte Einfälle und versucht sich als Comic-Film mit entsprechenden Bild-/Ton-Effekten mit Pows, Bangs und Splashs. Er hat den Charme der Sechziger Jahre ohne in den Verdacht von Filmkunst zu kommen. Mir hat er gefallen und er ist für den Batman-Tag genau die richtige Unterhaltung.

Drei Container für Togo beladen

17. September 2021

Drei Container mit Schulmöbel aus der Stadt Olching gingen auf die Reise ins westafrikanische Togo. Organisiert und koordiniert wurde der Transport von der Aktion PiT Togohilfe, die seit September 2019 in Fürstenfeldbruck ist. Ich bin seit Jahren für den Verein ehrenamtlich tätig und hab bei der Beladung richtig angepackt. Insgesamt reisen nun über 500 Stühle, 350 Tische, 50 Spinde, 30 Regale, 30 Tafeln, 200 Schultaschen, diverse Kartons mit Kindersachen, Schuluniformen, Schuhen, Stoffen und natürlich Geschenke für die Patenkinder nach Togo.

Olchings Bürgermeister Andreas Magg stellte dem Verein eine Halle in Gut Grasslfing zur Verfügung, in der gebrauchte und ausgemusterte Schulmöbel aus dem ganzen Stadtgebiet gesammelt wurden. Ehrenamtliche Helfer der Togohilfe verluden mit Unterstützung des Bauhofs die Bänke, Tische, Stühle und Schränke. Die drei Container, die in den vergangenen Tagen beladen wurden, machen sich jetzt per Schiff auf die sechswöchige Reise nach Togo, wo sie in der Hauptstadt Lomé von Mitarbeitern der Aktion PiT Togohilfe in Empfang genommen werden. Dort werden die Möbelspenden auf zehn Modelldörfer im ganzen Land verteilt.
„Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung der Stadt Olching“, so die Vereinsvorsitzende Margret Kopp. Nach dem Umzug von Maisach nach Fürstenfeldbruck stand dem Verein kein Lager mehr für regelmäßige Hilfstransporte zur Verfügung. Die Container-Lieferungen wurden erst einmal auf Eis gelegt werden. „Durch die Gelegenheit in Olching konnten wir diese drei Transporte auf den Weg bringen. Für den Herbst steht noch eine Containerladung mit den Schulmöbeln der ehemaligen Schule an der Heckenstraße an.“

Vor ein paar Wochen schaute sich Margret Kopp das Lager in Graßlfing an und wir nahmen ein Video dazu auf:

Seit 1980 engagiert sich die Aktion PiT Projekt in Togo im Gesundheitsbereich, Schulbildung, Kinderhilfe sowie Dorfentwicklung. Dank der beständig wachsenden Unterstützung durch Spender und Förderer ist aus einer kleinen Privatinitiative heute der größte Togo-Hilfsverein Deutschlands Aktion PiT – Togo­hilfe e.V. geworden, gemeinnützig anerkannt und Mitglied im „Eine Welt Netzwerk Bayern“.
Drei Videos von drei Beladungen habe ich gedreht. Hier der erste Tag:

Hier der zweite Tag:

Und hier der dritte Tag und die letzte Beladung:

Dass diese Arbeit der Togohilfe gewürdigt wird, zeigt sich an zahlreichen Auszeichnungen: Die Togohilfe gewann den 1. Preis des Bayerischen Eine Welt-Preises. Die Preisträger wurden von einer Jury ausgewählt, die aus Vertretern der Kommunalen Spitzenverbände, des Bayerischen Landtags, des Eine Weltnetzwerks Bayern e.V. und der Staatskanzlei bestand. Es wurde die intensive Teilhabe der ländlichen Bevölkerung in den Dörfern in Togo herausgestellt – vom ersten Schritt des Dorfentwicklungsprogramm Village Aimes-Afrique – das lebenswerte Dorf an, die wissenschaftliche Begleitung der Projektmaßnahmen und die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Partner-Verein Aimes-Afrique. Die Projekte der Aktion PiT Togohilfe sind sehr gut durchdacht, arbeiten mit den Partnern auf Augenhöhe zusammen und mobilisieren dadurch die vorhandenen Kräfte und Kapazitäten zur Selbsthilfe in hervorragender Weise.

Der öffentliche Bücherschrank als Medienschrank

14. September 2021

Sie kennen sicher öffentliche Bücherschränke. Es sind Regale, ausgemusterte Telefonzellen oder Schränke, die an frequentierten Plätzen stehen. Dort kann man gelesene Bücher abstellen und andere bei Bedarf mitnehmen – ein klassisches analoges Tauschgeschäft.
Bei uns in Maisach, im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck, ist der Bücherschrank im örtlichen Edeka Leich und ich nutze ihn regelmäßig. Vor kurzem habe ich aus dem Nachlass meines Vaters eine Reihe von Reiseführern dort abgelegt, die regen Zuspruch gefunden haben.

Dabei ist mir aufgefallen, dass im Bücherschrank nicht mehr nur Holzmedien wie Bücher und ein paar Zeitschriften zu finden sind, sondern auch Filme. Mehr und mehr tauchen dort VHS-Cassetten, DVDs und auch Blurays auf. Auch ein paar Muskikcassetten MC habe ich immer wieder gesehen.

Als Filmfan schlägt mir das Herz höher. Der Bücherschrank als Medienschrank. Medien vergangener und gegenwärtiger Zeiten werden ausgelegt und mitgenommen. Ich finde das eine wunderbare Idee. Für mich gehört das VHS-Zeitalter der Vergangenheit an, aber DVD und BD gehören noch zu meinen Mediengewohnheiten. Leider habe ich zwei Medienarten dort noch nicht gefunden, die ich sammle und extrem verehre: Super 8 und Laserdisc – also wer etwas übrig hat: Ich hebe die Hand.

Interessant ist, dass wir bei uns auf dem Dorf mit unserem Medienschrank auf einer internationalen Welle mitschwimmen. In den USA gibt es wohl die Bewegung FreeBlockbuster.org. Blockbuster war einstmals der größte Videoverleiher der Welt, der vor Jahren in Konkurs die Grätsche machte. Hier lassen sich in speziellen blauen Schränke alte analoge und digitale Medien tauschen. Die Amerikaner verwenden die ausgedienten Zeitungskästen, stumme Verkäufer genannt, nachdem Print-Zeitungen in den USA auf dem Rückzug sind.

100. Geburtstag von Stanisław Lem – Solaris

12. September 2021

Einer der Science Fiction-Romane, die mich seit frühester Jugend fasziniert haben, war Solaris von Stanisław Lem. Heute feiert der 2006 verstorbene polnische Autor seinen 100. Geburtstag und heute werde ich mich wieder mit Solaris beschäftigen.
Die Idee eines Planeten als intelligentes Leben finde ich gewaltig. Der Planet erzeugt aus Schuldgefühlen der menschlichen Astronauten reale Kopien.
Der Roman Solaris wurde dreimal verfilmt. 1968 für das sowjetische Fernsehen, wobei ich den Film nicht kenne. 1972 Solaris vom großen Andrej Tarkowski und 2002 Solaris von Steven Soderbergh. Meine persönliche Lieblingsversion ist die von Tarkowski.

Und ja, der Film ist schwierige Kost. Tarkowski sagte dazu: „Es geht um den Konflikt zwischen Selbstüberwindung, gefestigter Überzeugung und sittlicher Wandlungsfähigkeit einerseits sowie mit den Bedingtheiten des eigenen Schicksals andererseits.“ Immer wieder wird Solaris mit Kubricks 2001 verglichen. Das sehe ich nicht so: Ich ziehe Vergleiche zum unvergessenen Ingmar Bergman heran. Tarkowskis Filme sind eine Reise in die Seele. Ich kenne von dem Film nur die englische und die DDR-Übersetzung. Leider spreche ich kein Russisch, um das Gefühl der Sprache in Kombination mit den Bildern zu erfassen.
Von den Bildern geht eine Faszination aus: Achten Sie beim Ansehen des Films auf Die Jäger im Schnee von Pieter Bruegel dem Älteren. Es stellt wohl den kalten Dezember und Januar dar. Das Gemälde wird oft als typisches Beispiel für die sogenannte „Kleine Eiszeit“ in Mitteleuropa angeführt, da der Winter 1564/1565 der kälteste Winter seit Menschengedenken war. Das passt gut zum Film. Stanisław Lem war mit den Verfilmungen von 1972 und 2002 nicht einverstanden, weil wohl auch der Schwerpunkt auf Bilder gelegt wurde.
Die Romane von Stanisław Lem lese ich noch immer gerne und kann mich vor allem über die Robotermärchen, Märchen von Roboter für Roboter, erfreuen. Der Mann war schlichtweg ein heller Geist, sprach sich aber gegen Ende seines Lebens gegen das Internet und die Vernetzung aus.

20. Jahre – Gedanken zum 11. September 2001

11. September 2021

Die Attentate zum 11. September 2001 jährigen sich heute zum 20. Mal. Viel, sehr viel ist in den vergangenen 20 Jahren geschrieben worden – auch von mir in diesem Blog.
Ich habe zwei Seminare zu diesem Thema gemacht, die mir wirklich wichtig waren. Für mich steht fest: Ich werde diese Momente niemals vergessen und wenn ich im Laufe der Jahre immer wieder Enyas Only Time hören, dann hat sie für mich den Soundtrack zum 11. September. Für mich als Social Media-Fuzzi zeigt sich hier die Macht des Netzes. Der New Yorker Finanzmakler Steve Golding schnitt ein Video „Tribute to the World Trade Center“, unterlegte es mit Enyas Musik und stellte es ins Netz. CNN übernahm als erster US-Sender das Video samt Musik und sorgte in der alten Welt des Fernsehens für eine weltweite Verbreitung. Eine weltweite Trauerhymne für den 11. September.
Zum Jahrestag der Attentate will ich zwei Buchempfehlungen abgeben:

Das Buch: 11. September 2001. 100 Seiten von Philipp Gassert.

Das Buch 11. September 2001. 100 Seiten ist im Mai 2021 erschienen und zieht Bilanz. Der Autor arbeitet auf 100 Seiten die Ursachen, Reaktionen und Folgen des 11. September auf. Und er stellt die Frage: Markiert 9/11 den Übergang in ein neues Zeitalter? Nicht berücksichtig werden natürlich die aktuellen Vorgänge in Afghanistan und das Wiedererstarken der Taliban. Philipp Gassert, geb. 1965, ist Amerikanist und Professor für Zeitgeschichte an der Universität Mannheim. Das Buch ist weniger eine Auflistung der dramatischen Ereignisse, als vielmehr der Versuch eine Erklärung und Einordnung. Das macht gerade dieses Büchlein so spannend. Die wesentlichen Fakten wie die Bush-Doktrin werden im Wortlauf wiedergegeben, aber viel wichtiger war mir, was bedeuten diese Fakten. Die Terroristen wollten die Weltmacht USA in asymmetrische Kriege locken und der damalige US-Präsident Bush nimmt diesen Federhandschuh auf und gerät in die Falle der Terroristen weltweit. Bush reagiert mit militärischer Stärke, mit Eroberung, mit Regierungswechsel in Irak und Afghanistan. Doch ist die Welt dadurch eine bessere Welt geworden?
Ich empfehle die Lektüre ausdrücklich, denn der Autor stellt gute und wichtige Fragen ohne zu wissenschaftlich auszuufern. Auf 100 Seiten, die an einem Nachmittag gelesen werden können, ist kein Platz für wissenschaftlichen Diskurs, aber für gute und wichtige Fragen. Hier sind die 10 Euro gut investiertes Geld in 11. September 2001. 100 Seiten.

September 11: The 9/11 Story, Aftermath and Legacy von Associated Press

Das englischsprachige Buch September 11: The 9/11 Story, Aftermath and Legacy (English Edition) mit einem Vorwort von Robert De Niro ist Journalismus pur: Eine gewaltige Mischung von Texten und Fotos. Herausgeber ist die Presseagentur Associated Press, die über hervorragende Journalisten und Bildberichterstatter verfügt. Hier zeigt sich, dass Journalismus die Vorstufe der Geschichtsschreibung ist. Die kurzen Texte sind ein Vorbild für amerikanischen Journalismus und beim Lesen traf mit die optimale Auswahl der Bilder. Hier waren absolute Könner am Werk, die die Geschehnisse um die Attentate und die Folgen aus amerikanischer Sicht packend wieder aufleben lassen.

Heldenklasse bei der Schlütersche

10. September 2021

„Durch unsere Heldenklasse wollen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wertschätzen und ihnen eine Bühne geben“, so Roksana Leonetti von der Produktentwicklung und Marketing bei der Schlütersche auf dem jüngsten Corporate Influencer Breakfast Talk. Die Schlütersche unterstützt mit medienübergreifendem Fachwissen und Marketing-Services kleine und mittlere Betriebe bei der Unternehmensführung. Das Corporate Influencer Breakfast Talk findet unter Leitung von Klaus Eck regelmäßig am Mittwochmorgen auf Zoom statt. Dort treffen sich Kommunikationsprofis zum Gedankenaustausch mit ausgewählten Referenten. Unlängst war Roksana Leonetti zu Gast, die von der Heldenklasse berichtete.

Einige der Teilnehmer des Corporate Influencer Breakfast Talk.

Die Idee der Heldenklasse entstand während der Corona-Epidemie. „Jeder Mitarbeiter ist ein Held für uns“ und so stand es nahe, eine Heldenklasse zu bilden und den Mitarbeitern ein Gesicht zu geben. Alle Mitarbeiter der Schlütersche konnten sich um die Aufnahme in die Heldenklasse bewerben.

Rund 12 Verlagsmitarbeiter nahmen die Chance wahr und wurden in fünf Modulen innerhalb einiger Monate vom Kommunikationsberater Klaus Eck als Corporate Influencer ausgebildet. Dabei lag der Schwerpunkt des Coachings auf LinkedIn.

Hausaufgaben gab es auch, schließlich waren die Teilnehmer ja in einer Klasse. Themen waren unter anderen der Umgang mit Social Media, Interaktion, Profiloptimierung oder der Umgang mit Video und Audio.

Die Helden – die Corporate Influencer bei der Schlütersche – verleihen dem Unternehmen ein Gesicht. „Helden funktionieren nur im Zusammenspiel miteinander und können gemeinsam Leistungen für das Unternehmen und Kunden erbringen“, so Roksana Leonetti, denn „ohne die Menschen ist das Unternehmen nichts“

Ähnlich wie die Superhelden bei Marvel oder DC Comics stellten die Verantwortlichen bei der Schlütersche fest: „Helden gewinnen, wenn wir im Team arbeiten. Gemeinsam die Ziele erreichen und gegenseitig unterstützen.“ Damit profitiert der Verlag von einem Schneeballeffekt.Denn die Helden werden innerhalb der Organisation wahrgenommen. Je mehr sich die Helden zum Vorbild nehmen, desto mehr profitiert die Schlütersche davon. Sie wird zu einer lernenden Organisation, wenn die Helden ihr Wissen mit ihren Kollegen teilen.

Zunächst wurde Basisarbeit in der Heldenklasse geleistet: Der unterschiedliche Wissensstatus wurde ermittelt und daran gearbeitet, worin die eigene Superkraft besteht. Dann folgten Übungen und Trainings. Die Heldenklasse schloss mit einem Zertifikat ab, aber die Heldenreise ist damit noch nicht zu Ende. So tauschen sich die Teams weiterhin untereinander aus und lernen gemeinsam weiter.

„Es war wichtig, sehr einfach zu starten, sich einige Heldenfähigkeiten anzueignen und mit wenig Aufwand in den Arbeitsalltag zu integrieren“, so Roksana Leonetti. „Es reichen kleine, einfache Schritt, um große Themen wie Social Selling anzugehen.“ Klaus Eck ergänzte: „Erst Social, dann Selling.“ Ein Schritt vor dem anderen und nicht gleichzeitig.
Für den Mitarbeiterauftritt und die Kommunikation in sozialen Netzen wurden Guidelines entwickelt und die Mitarbeiter werden persönlich betreut. „Wir haben großes Vertrauen in unsere Mitarbeiter“, so Roksana Leonetti. Die Guidelines geben Orientierung und es gab ein Vier-Augen-Prinzip und viel Feedback vom Trainer. „Unsere Helden bleiben nicht alleine.“ So sind sogenannte einfache Heldentipps entwickelt worden, die Impulse für andere Helden geben. Auch die Idee von Helden-Sprechstunden wurde im Corporate Influencer Breakfast Talk geboren.

Beim Corporate Influencer Breakfast Talk erzählten drei Mitarbeiter von ihren ersten Erfahrungen: Patrick ist in seiner Freizeit DJ und lässt sein Wissen um Musik in seine LinkedIn-Posts einfließen. Bert trainiert in seiner Freizeit Fußballjugendmannschaften und konnte mit Bewegtbild experimentieren.

„Die Ergebnisse der Heldenklasse werden immer im internen Wiki veröffentlicht, um interne Kommunikation zu fördern“, berichtete Roksana Leonetti weiter. Nach der Heldenklasse sei vor der Heldenklasse. Für 2022 werde eine neue Heldenklasse bei der Schlütersche zusammengestellt. „Wir sind mit einem Piloten gestartet und jetzt geht die Heldenreise weiter.“