„Erdbeben“ gehört zu jener wunderbaren Ära des Katastrophenfilms, in der Hollywood keine halben Sachen machte. Wenn schon die Welt untergeht, dann bitte auf der großen Leinwand, mit einem gewaltigen Staraufgebot, spektakulären Miniaturen, berstendem Beton und einem Orchester, das den Untergang mit angemessenem Pathos begleitet. Mark Robsons Film aus dem Jahr 1974 ist ein geradezu exemplarisches Stück dieses Kinos – und zugleich ein faszinierendes Zeitdokument. Ich präsentiere diesen Klassiker bei meiner Matinee im Scala am Sonntag, 20. September im Scala Fürstenfeldbruck um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.
Im Mittelpunkt steht Los Angeles, das von einem verheerenden Erdbeben getroffen wird. Doch bevor Straßen aufreißen, Häuser einstürzen und Menschen um ihr Leben kämpfen, nimmt sich der Film erstaunlich viel Zeit für seine Figuren. Charlton Heston spielt den Bauingenieur Stewart Graff, dessen Ehe mit Remy, dargestellt von Ava Gardner, längst in einer schweren Krise steckt. Dazu kommen George Kennedy als Polizist, Lorne Greene, Geneviève Bujold, Richard Roundtree und weitere bekannte Gesichter. Wie bei den großen Katastrophenfilmen jener Zeit werden zunächst zahlreiche persönliche Geschichten aufgebaut, bevor das Unglück sie miteinander verbindet.
Gerade darin liegt heute ein Teil des Charmes. „Erdbeben“ stammt aus einer Zeit, als ein Katastrophenfilm noch nicht aus einer pausenlosen Folge digitaler Zerstörungsorgien bestand. Die Katastrophe musste vorbereitet werden. Das Publikum sollte die Menschen kennenlernen, deren Leben später buchstäblich aus den Fugen gerät. Manche Figurenzeichnung erscheint aus heutiger Sicht melodramatisch, gelegentlich sogar herrlich überzogen. Doch genau dieses Pathos gehört zum Genre.
Wenn schließlich das große Beben einsetzt, zeigt „Erdbeben“, weshalb der Film damals ein Ereignis war. Die Spezialeffekte verbinden aufwendige Modellbauten, Matte Paintings, reale Sets und Stuntarbeit zu eindrucksvollen Bildern der Zerstörung. Nicht alles hält heutigen Sehgewohnheiten stand, aber vieles besitzt eine physische Qualität, die modernen CGI-Bildern manchmal fehlt. Gebäude scheinen tatsächlich Gewicht zu haben, Trümmer tatsächlich zu fallen. Man spürt, dass hier Kulissen gebaut wurden, damit sie anschließend spektakulär zerstört werden konnten.
Legendär wurde zudem das für den Film entwickelte Sensurround-Verfahren. Besonders tiefe Bassfrequenzen sollten im Kinosaal nicht nur gehört, sondern körperlich gespürt werden. Sitze und Wände vibrierten, wenn das Erdbeben über Los Angeles hereinbrach. „Erdbeben“ wollte damit mehr sein als ein Film: Es sollte ein Kinoereignis werden, bei dem die Technik selbst Teil der Inszenierung war. Für das Publikum der siebziger Jahre muss diese akustische Attacke enorm gewesen sein.
Und dann ist da John Williams. Seine Musik entstand unmittelbar vor jener Phase, in der er mit „Der weiße Hai“, „Star Wars“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ endgültig zu einem der bedeutendsten Filmkomponisten Hollywoods aufstieg. Schon in „Erdbeben“ versteht Williams es, menschliches Drama und großes Spektakel musikalisch miteinander zu verbinden.
Natürlich ist der Film ein Kind seiner Zeit. Rollenbilder, Dialoge und manche dramatische Zuspitzung wirken heute antiquiert. Charlton Heston ist wieder jener nahezu unerschütterliche Mann, den Hollywood besonders gern ins Zentrum existenzieller Krisen stellte. Und Ava Gardner war in Wirklichkeit nur wenige Jahre älter als Heston, obwohl ihre Figur teilweise deutlich älter inszeniert wird – eine jener Merkwürdigkeiten des damaligen Starsystems.
Doch gerade deshalb sollte man „Erdbeben“ nicht allein mit den Maßstäben heutiger Blockbuster betrachten. Der Film gehört zusammen mit Werken wie „Airport“, „Die Höllenfahrt der Poseidon“ und „Flammendes Inferno“ zu einer Epoche, in der der Katastrophenfilm zu einem der großen Publikumsmagneten Hollywoods wurde. Das Rezept war einfach und wirkungsvoll: Stars, private Konflikte, eine gewaltige Bedrohung und die Frage, wer am Ende überlebt.
Fünf Jahrzehnte später besitzt „Erdbeben“ vielleicht nicht mehr denselben Schrecken wie 1974. Dafür hat er etwas anderes gewonnen: nostalgischen Glanz. Es ist großes, manchmal pathetisches, manchmal unfreiwillig komisches, aber mit beeindruckendem handwerklichem Aufwand produziertes Hollywoodkino. Ein Film aus einer Zeit, in der man für die Illusion einer zusammenbrechenden Stadt tatsächlich Modelle baute, Kulissen zerlegte und das Kino zum Vibrieren brachte.
Und wenn heute beim Abspann die Erde längst wieder stillsteht, bleibt vor allem die Erinnerung daran, was ein Katastrophenfilm einmal sein konnte: ein Ereignis, für das die große Leinwand nicht nur die beste, sondern eigentlich die einzig richtige Bühne war.
Ich präsentiere diesen Klassiker bei meiner Matinee im Scala am Sonntag, 20. September im Scala Fürstenfeldbruck um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.
Manchmal muss man einfach aussteigen. Aus dem Stundenplan, aus den Erwartungen, aus dem ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Genau das macht Ferris Bueller – und zwar mit einer solchen Mischung aus Charme, Dreistigkeit und Lebensfreude, dass „Ferris macht blau“ auch Jahrzehnte nach seiner Premiere nichts von seiner unwiderstehlichen Energie verloren hat. Daher präsentiere ich diesen Teenie-Klassiker der 80er in meiner Matinee am Sonntag, 30. August im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.
John Hughes’ Kultkomödie aus dem Jahr 1986 ist weit mehr als eine Geschichte über einen Schüler, der keine Lust auf Unterricht hat. Es ist eine Liebeserklärung an die Freiheit, an die Freundschaft und an jene kostbaren Augenblicke, in denen man beschließt, das Leben nicht auf später zu verschieben.
Ferris Bueller, gespielt von Matthew Broderick, ist der König des Schulschwänzens. Während seine Eltern glauben, ihr Sohn liege schwer krank im Bett, hat Ferris längst einen perfekten Plan geschmiedet. Gemeinsam mit seiner Freundin Sloane und seinem besten Freund Cameron macht er sich auf den Weg nach Chicago. Und weil ein gewöhnlicher Ausflug natürlich nicht reicht, gehört auch der kostbare Ferrari von Camerons Vater zum Programm.
Was folgt, ist einer der berühmtesten Tage der Filmgeschichte. Ferris und seine Freunde besuchen ein Baseballspiel, genießen ein vornehmes Restaurant, entdecken Kunst im Museum und stürzen sich mitten hinein ins pulsierende Leben der Großstadt. Ferris übernimmt sogar eine Parade und verwandelt „Twist and Shout“ in eine mitreißende Hymne auf die pure Lebensfreude. Gleichzeitig setzt Schuldirektor Ed Rooney alles daran, den vermeintlich kranken Schüler auf frischer Tat zu ertappen – und schlittert dabei von einer Katastrophe in die nächste.
Doch hinter all dem anarchischen Spaß steckt überraschend viel Gefühl. Vor allem Cameron macht „Ferris macht blau“ zu mehr als einer Teenagerkomödie. Während Ferris scheinbar unbeschwert durchs Leben tanzt, trägt sein bester Freund Ängste und Unsicherheiten mit sich herum. Für ihn wird dieser verrückte Tag zu einer Befreiung. Am Ende geht es deshalb nicht nur darum, die Schule zu schwänzen. Es geht darum, den Mut zu finden, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen.
John Hughes trifft dabei einen Ton, der nur selten so perfekt gelungen ist: frech und warmherzig, überdreht und melancholisch, romantisch und rebellisch zugleich. Ferris spricht direkt mit dem Publikum, durchbricht die vierte Wand und macht uns zu seinen Mitverschwörern. Wir schauen ihm nicht einfach beim Blaumachen zu – wir machen gewissermaßen mit.
Und natürlich besitzt der Film einen unschätzbaren Vorteil: Er macht einfach gute Laune. Das Chicago der 1980er Jahre wird zur riesigen Spielwiese, der Ferrari zum Symbol einer verbotenen Freiheit und Ferris selbst zum Botschafter einer ebenso einfachen wie zeitlosen Botschaft: Das Leben wartet nicht.
Darin liegt vielleicht das Geheimnis, warum „Ferris macht blau“ bis heute so hervorragend funktioniert. Hinter der Komödie steckt eine Wahrheit, die mit zunehmendem Alter sogar an Bedeutung gewinnt. Termine, Verpflichtungen, Arbeit und Alltag können unsere Tage bestimmen – und plötzlich stellen wir fest, wie schnell die Jahre vergangen sind.
„Ferris macht blau“ ist 1980er-Jahre-Kino in seiner schönsten Form: witzig, romantisch, rebellisch und voller Lebensfreude. Ein Kultfilm über Freundschaft und Freiheit – und eine Einladung, das Leben nicht an sich vorbeiziehen zu lassen.
Oder wie Ferris es auf den Punkt bringt: Das Leben bewegt sich ziemlich schnell. Wer nicht ab und zu innehält und sich umsieht, könnte es verpassen. In meiner Matinee am Sonntag 30. August im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.
Marilyn Monroe gehört zu den bekanntesten Gesichtern der Filmgeschichte. Kaum eine andere Schauspielerin wurde so oft fotografiert, porträtiert und interpretiert wie sie. Doch nur wenige Aufnahmen vermitteln einen so unmittelbaren und persönlichen Eindruck von Norma Jeane Baker, der Frau hinter dem Weltstar, wie jene Fotografien, die derzeit in der Kunsthalle Kloster Banz in Bad Staffelstein zu sehen sind. Kloster Banz wird von der Hanns-Seidel-Stiftung betrieben. Die Sonderausstellung „Marilyn 100“, die anlässlich ihres 100. Geburtstags entstanden ist, verzichtet bewusst auf den bekannten Glamour der Filmstudios und eröffnet stattdessen einen außergewöhnlich intimen Blick auf eine Frau, deren Leben bis heute von Mythen umgeben ist.
Bereits der Ausstellungsort verleiht der Präsentation eine besondere Atmosphäre. Die historischen Mauern des ehemaligen Benediktinerklosters Banz bilden einen spannenden Kontrast zur schillernden Popkultur Hollywoods. Zwischen barocker Architektur und moderner Ausstellungsgestaltung entsteht ein Raum der Ruhe, der den Besucher dazu einlädt, Marilyn Monroe nicht als unerreichbare Leinwandgöttin, sondern als Menschen kennenzulernen.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen 432 bislang unveröffentlichte Fotografien des renommierten LIFE-Magazin-Fotografen Allan Grant. Sie entstanden im Juli 1962 während des letzten großen Interviews mit Marilyn Monroe in ihrem Privathaus in Los Angeles – nur wenige Wochen vor ihrem frühen Tod. Jahrzehntelang blieben diese Aufnahmen im Familienarchiv Grants verborgen. Erst 2025 wurden sie gemeinsam mit rund vier Stunden Original-Tonmaterial wiederentdeckt und wissenschaftlich aufgearbeitet. Nun werden sie erstmals in diesem Umfang der Öffentlichkeit präsentiert.
Gerade diese Fotografien machen den außergewöhnlichen Wert der Ausstellung aus. Grant zeigt Marilyn nicht im Rampenlicht eines Filmsets oder auf einem roten Teppich. Seine Kamera begleitet sie in ihrer vertrauten Umgebung. Sie sitzt entspannt auf einem Sofa, blickt nachdenklich aus dem Fenster, lacht ungezwungen oder wirkt für einen Moment völlig in Gedanken versunken. Es sind Bilder ohne große Inszenierung, geprägt von natürlichem Licht und einer bemerkenswerten Nähe zwischen Fotograf und Porträtierter.
Viele Fotografien wirken fast dokumentarisch. Sie zeigen eine Frau, die sich ihrer Berühmtheit bewusst ist, gleichzeitig aber den Wunsch nach einem normalen Leben erkennen lässt. Der Blick der Kamera ist respektvoll und zurückhaltend. Gerade dadurch entstehen Momente großer Authentizität. Die berühmte Marilyn Monroe erscheint hier nicht als perfektes Hollywood-Produkt, sondern als verletzlicher Mensch mit Hoffnungen, Zweifeln und einer bemerkenswerten Intelligenz.
Besonders eindrucksvoll ist die Kombination aus den Fotografien und den erstmals öffentlich zugänglichen Tonaufnahmen des Interviews. Während die Besucher die Bilder betrachten, entsteht durch Marilyns eigene Stimme eine zusätzliche emotionale Ebene. Man hört ihre Gedanken, ihre Unsicherheiten, aber auch ihren Humor und ihre Selbstreflexion. Dadurch gewinnt jede Fotografie eine neue Tiefe. Die Ausstellung zeigt nicht nur ihr Gesicht, sondern vermittelt auch ihre Persönlichkeit. Genau diese Verbindung von Bild und Ton macht „Marilyn 100“ zu weit mehr als einer klassischen Fotoausstellung.
Kurator Stephan Zipfel beschreibt die Ausstellung als einen Blick auf Marilyn Monroe „frei vom Filter Hollywoods“. Tatsächlich gelingt genau das. Die Fotografien verzichten auf jede Überhöhung. Statt der ewigen Sexikone begegnet den Besuchern eine Frau, die in ihrem eigenen Zuhause für wenige Stunden einfach sie selbst sein durfte. Diese Authentizität verleiht den Bildern ihre außergewöhnliche Kraft.
Ergänzt werden die historischen Fotografien durch Werke des amerikanischen Pop-Art-Künstlers James Francis Gill, der bereits Anfang der 1960er-Jahre Marilyn Monroe zu einem zentralen Motiv seiner Kunst machte. Gemeinsam mit Andy Warhol trug Gill entscheidend dazu bei, Marilyn nach ihrem Tod zur Ikone der Pop-Art werden zu lassen. Für die Ausstellung schuf der heute über 90-jährige Künstler eigens ein neues „Marilyn Triptych“, das unmittelbar von Allan Grants Fotografien inspiriert wurde. Seine Werke schlagen eine faszinierende Brücke zwischen dokumentarischer Realität und künstlerischer Interpretation. Während Grants Kamera den Menschen zeigt, verwandelt Gill dieselbe Persönlichkeit in ein zeitloses Symbol der Popkultur.
Gerade dieser Dialog zwischen Fotografie und Kunst macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus. Die Besucher erleben zunächst den echten Menschen und anschließend die mediale Ikone, zu der Marilyn Monroe nach ihrem Tod wurde. So wird eindrucksvoll sichtbar, wie sich Erinnerung, Kunst und öffentliche Wahrnehmung gegenseitig beeinflussen.
Dabei verzichtet „Marilyn 100“ weitgehend auf spektakuläre Effekte. Die Fotografien sprechen für sich selbst. Viele Besucher dürften überrascht sein, wie still und nachdenklich zahlreiche Motive wirken. Statt Glamour dominieren leise Gesten, feine Gesichtsausdrücke und kleine Alltagsszenen. Gerade diese Zurückhaltung macht die emotionale Wirkung der Ausstellung aus.
„Marilyn 100“ ist deshalb weit mehr als eine Hommage an einen Filmstar. Die Ausstellung erzählt von Ruhm und Einsamkeit, von öffentlicher Verehrung und privater Verletzlichkeit. Sie erinnert daran, dass hinter jedem Mythos ein Mensch steht – mit Stärken, Schwächen und Sehnsüchten.
Die Kunsthalle Kloster Banz ist mit dieser außergewöhnlichen Präsentation Teil eines internationalen Ausstellungsprogramms, das Stationen in Europa und Nordamerika umfasst. Dennoch besitzt die Schau in Oberfranken ihren ganz eigenen Charakter. Die Verbindung aus den historischen Fotografien Allan Grants, den eindrucksvollen Original-Tonaufnahmen und den Pop-Art-Werken James Francis Gills macht „Marilyn 100“ zu einer der persönlichsten und berührendsten Ausstellungen über Marilyn Monroe, die bislang in Deutschland zu sehen waren. Sie lädt dazu ein, den Blick von der Legende zu lösen – und einer Frau zu begegnen, deren Ausstrahlung auch mehr als sechs Jahrzehnte nach ihrem Tod nichts von ihrer Faszination verloren hat. Die Ausstellung ist noch bis zum 9. August 2026 in der Kunsthalle Kloster Banz zu sehen.
Die Ausstellung „Introducing Johnny Depp“ in der Kunsthalle Kloster Banz war schon durch ihren Ort ein ungewöhnliches Ereignis: In den historischen Räumen des ehemaligen Benediktinerklosters, das heute als Bildungs- und Begegnungszentrum der Hanns-Seidel-Stiftung genutzt wird, traf oberfränkische Klosterkultur auf internationale Pop- und Kunstwelt. Wo sonst politische Bildung, Tagungen und Begegnungen stattfinden, öffnete sich ein Raum für eine andere Seite eines weltbekannten Schauspielers. Johnny Depp ist den meisten Menschen als Filmstar, Musiker und exzentrische Künstlerpersönlichkeit vertraut; in Kloster Banz aber stand nicht der Hollywood-Mythos im Vordergrund, sondern der bildende Künstler Depp. Die Kunsthalle zeigte unter dem Titel „Introducing Johnny Depp“ originale Arbeiten und signierte Editionen. Depp war leider nicht vor Ort, obwohl er im August mit den Hollywood Vampires in Nürnberg weilt.
Gerade diese Spannung macht den Reiz der Ausstellung aus. Johnny Depp kommt nicht als Schauspielerfigur nach Oberfranken, sondern über seine Bilder. Viele Jahre lang soll er seine künstlerischen Arbeiten nur im privaten Umfeld gezeigt haben, bevor er sich 2022 mit der Kollektion „Friends & Heroes“ erstmals öffentlich als bildender Künstler präsentierte. Darin setzte er sich mit Menschen auseinander, die ihn geprägt haben, mit kulturellen Ikonen ebenso wie mit persönlichen Bezugspunkten. In Kloster Banz wird diese künstlerische Seite nun einem bayerischen Publikum zugänglich gemacht. Nach Angaben zur Ausstellung bietet sich dort erstmals in Bayern die Möglichkeit, originale signierte Arbeiten von Johnny Depp zu sehen und auch zu erwerben. 
Zu sehen sind laut Berichten rund 30 Werke des 62-Jährigen, darunter Selbstporträts und Arbeiten aus verschiedenen Werkzusammenhängen. Besonders die unter dem Motto „Reflections“ stehenden Selbstporträts geben der Ausstellung eine sehr persönliche Note. Sie zeigen Depp nicht als glatt inszenierten Star, sondern als jemanden, der sich mit dem eigenen Bild, dem eigenen Zustand und der eigenen Veränderung auseinandersetzt. Seine Porträts wirken dabei weniger wie klassische Prominentenkunst, die nur vom bekannten Namen lebt, sondern wie Versuche, über Farbe, Gesicht, Blick und Geste einen inneren Zustand sichtbar zu machen. Depp nutzt die Porträtmalerei, wie es in der Ausstellungseinordnung heißt, als Mittel, um die menschliche Natur zu beobachten; seine Selbstporträts seien oft in mehreren Anläufen entstanden, um einen sich wandelnden Zustand festzuhalten. Als Dylan-Fan interessierte mich natürlich das Porträt des Musikers, aber rund 10.000 Euro hatte ich dann doch nicht dabei. 
Interessant ist auch, wie gut diese Arbeiten in die Atmosphäre von Kloster Banz passen. Der Ort liegt nicht neutral und anonym im Raum, sondern bringt Geschichte, Würde und eine gewisse Stille mit. Die barocke Klosteranlage über dem Maintal ist kein weißer Großstadt-Kubus, sondern ein historisch aufgeladener Ort. Dadurch entsteht ein besonderer Kontrast: Auf der einen Seite steht der weltberühmte Schauspieler, der durch Filmfiguren wie Captain Jack Sparrow, Edward mit den Scherenhänden oder den verrückten Hutmacher längst Teil der Popkultur geworden ist. Auf der anderen Seite stehen die Klostermauern, die Bildungsarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung und eine Umgebung, die eher Konzentration als Starkult nahelegt. Genau daraus gewinnt die Ausstellung ihre besondere Wirkung. Sie entschleunigt den Blick auf Johnny Depp und zwingt den Besucher, hinter die bekannte Maske des Stars zu schauen.
Die Ausstellung ist dabei auch ein Ereignis für die Region. Dass ein Hollywood-Star mit seinen Kunstwerken in Oberfranken präsent ist, sorgt verständlicherweise für Aufmerksamkeit. Berichte sprechen von großem Interesse und Andrang rund um die Präsentation. Für die noch junge Kunsthalle Kloster Banz ist „Introducing Johnny Depp“ damit ein deutlicher Schritt in Richtung überregionaler Wahrnehmung. Hinter der Ausstellung stehen die Queens Kunstgalerien; das Kloster selbst befindet sich seit 1978 im Eigentum der Hanns-Seidel-Stiftung und wird als Tagungsstätte genutzt. 
Neben den Arbeiten von Johnny Depp verdienen auch die dort gezeigten Bilder von SAXA besondere Aufmerksamkeit. SAXA, mit bürgerlichem Namen Dr. Sascha Lehmann, ist für seine besondere Form der Wortmalerei bekannt. Ich habe mir ein signierten Druck mit der Nummer 42 von Captain Jack Sparrow gekauft. SAXA malt seine Bilder nicht im klassischen Sinn, sondern „schreibt“ sie: Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort entstehen Porträts und Bildflächen, in denen Text und Bild untrennbar miteinander verbunden sind. Die Queens Kunstgalerien beschreiben diese Kunst als Wechselverhältnis von Bild und Text, das eine besondere Spannung erzeugt. 
Gerade im Umfeld einer Johnny-Depp-Ausstellung sind SAXAs Werke mehr als nur eine Ergänzung. Sie öffnen einen zweiten Zugang zum Thema Persönlichkeit, Porträt und öffentlicher Mythos. Während Depp in seinen eigenen Bildern mit Farbe, Gestus und Selbstbeobachtung arbeitet, nähert sich SAXA seinen Motiven über Sprache. Seine Kunst fordert den zweiten Blick: Aus der Entfernung erkennt man ein Bild, aus der Nähe erschließt sich die Schrift. Dadurch entsteht ein reizvoller Dialog zwischen Sehen und Lesen, zwischen Oberfläche und Bedeutung. Bei einem Künstler wie Johnny Depp, dessen öffentliches Bild stark von Rollen, Zitaten, Schlagzeilen und Erzählungen geprägt ist, passt diese Form der Wortmalerei besonders gut. SAXA zeigt, dass ein Porträt nicht nur aus Linien, Farben und Schatten bestehen muss, sondern auch aus Sprache, Erinnerung und Interpretation.
So gewinnt die Ausstellung in Kloster Banz eine zusätzliche Ebene. Sie ist nicht nur eine Schau über einen berühmten Schauspieler, der malt. Sie ist auch eine Begegnung mit der Frage, wie Bilder von Menschen entstehen: durch Selbstbetrachtung, durch Fremdwahrnehmung, durch Medien, durch Texte, durch Fans, durch Rollen und durch die Geschichten, die sich um eine Person legen. Johnny Depp ist dafür ein besonders spannendes Beispiel, weil sein öffentliches Bild über Jahrzehnte gewachsen ist und immer wieder zwischen Faszination, Exzentrik, Verletzlichkeit und Kontroverse schwankte. Die Kunstwerke in Kloster Banz erlauben einen ruhigeren Blick darauf. Sie laden nicht zum schnellen Urteil ein, sondern zur Betrachtung.
Gerade deshalb war „Introducing Johnny Depp“ eine Ausstellung, die über den bloßen Promi-Faktor hinausgeht. Natürlich zieht der Name Johnny Depp Besucher an. Natürlich ist die Neugier groß, wenn ein Weltstar seine Bilder in Oberfranken zeigt. Aber wer sich auf die Werke einlässt, entdeckt mehr als eine Randnotiz aus der Karriere eines Schauspielers. Man sieht einen Künstler, der sich mit Porträt, Identität und Erinnerung beschäftigt; man erlebt einen historischen Ort, der diese Arbeiten aus dem Lärm der Popkultur herausholt; und man begegnet mit SAXA einem Künstler, der auf ganz eigene Weise zeigt, wie eng Bild und Sprache miteinander verbunden sein können. So wurde Kloster Banz für die Dauer der Ausstellung zu einem Ort, an dem Hollywood, Kunstmarkt, regionale Kultur und persönliche Ausdrucksformen auf bemerkenswerte Weise zusammenkommen.
Ein Hauch Hollywood weht durch die schottischen Highlands: Harrison Ford, Whisky-Liebhaber, Schauspiellegende und längst selbst Teil der Glenmorangie-Geschichte, hat gemeinsam mit der traditionsreichen Destillerie seinen eigenen Highland Single Malt Scotch Whisky geschaffen. Die Glenmorangie Harrison Ford Limited Edition ist ganz nach seinem Geschmack entstanden – persönlich, elegant, charaktervoll und mit jener trockenen Direktheit beurteilt, für die Ford bekannt ist: „It’s nice. It’s very nice.“ Oder anders gesagt: Er ist gut. Sehr gut. Und als Glenmorangie muss ich natürlich probieren.
Die Verbindung zwischen Harrison Ford und Glenmorangie begann mit der humorvollen Miniserie „Once Upon a Time in Scotland“, in der sich der Schauspieler selbst spielte und dabei mit feinem Understatement seine Begeisterung für Glenmorangie zeigte. Ich hatte darüber berichtet. Nun bekommt diese Geschichte ein neues Kapitel. Gemeinsam mit Dr. Bill Lumsden MBE, Glenmorangies Director of Whisky Creation, entstand eine Limited Edition, die nicht einfach nur den Namen eines Hollywoodstars trägt, sondern tatsächlich seinen persönlichen Geschmack widerspiegelt. Am Rande der Dreharbeiten stellte Dr. Bill dem Schauspieler verschiedene Fässer vor, um herauszufinden, welche Aromen ihn berühren. In den folgenden Monaten reisten weitere Proben über den Atlantik, bis die finale Rezeptur gefunden war.
Das Ergebnis ist ein Whisky, der den eleganten Stil Glenmorangies mit einer überraschenden, pikanten Würze verbindet. Klassischer Glenmorangie, gereift in Bourbonfässern, wurde mit einer Partie Whisky aus raren, getoasteten portugiesischen Rotweinfässern vermählt. So entsteht ein Single Malt, der sanft und zugleich vielschichtig wirkt. Frische Zitrusnoten eröffnen den Genuss, begleitet von braunem Rohrzucker, Aprikose und weichem Toffee. Im langen Nachhall zeigen sich Orangenöl, Leder und feine Eichentannine – Aromen, die Wärme, Tiefe und Charakter verleihen. Also ein wunderbares Storytelling, wie ich es bei Whisky mag.
Enthüllt wurde die Edition in Harrisons Heimat Wyoming in einer weiteren Episode von „Once Upon a Time in Scotland“. Unter der Regie von Joel Edgerton blickt Ford auf seine Zeit in den schottischen Highlands zurück und probiert seinen eigenen Whisky erstmals vor laufender Kamera – standesgemäß im Kilt. Die Szene lebt von genau jener Mischung aus Humor, Würde und Lakonie, die Harrison Ford auszeichnet. Kein großes Pathos, keine übertriebene Geste, sondern ein Blick, ein Schluck und ein Satz, der alles sagt: „It’s nice. It’s very nice.“
Harrison Ford selbst beschreibt seinen Aufenthalt bei Glenmorangie als großartige Erfahrung. Er habe großen Respekt vor dem Destillerie-Team, das aus wahren Fachleuten bestehe. Die Zusammenarbeit mit Dr. Bill sei für ihn ein Privileg gewesen – auch, weil er miterleben konnte, wie Kunst und Wissenschaft zusammenfinden, um einzigartige Single Malt Scotch Whiskys zu erschaffen. Viele Fässer habe man gemeinsam probiert, vieles habe ihm gefallen. Doch die Glenmorangie Harrison Ford Limited Edition sei genau das, was er sich von einem Whisky wünsche. Auf diese gemeinsame Kreation sei er sehr stolz.
Auch Dr. Bill Lumsden zeigt sich begeistert von der Zusammenarbeit. Weil Harrison Ford ein großer Whisky-Liebhaber sei, habe er ihn kurzerhand zum Ehrenmitglied des Whisky Creation Teams ernannt. Das Ergebnis beschreibe er als elegant, harmonisch und zugleich würzig – ein Whisky, der zeitlos sei und dennoch überrasche. Ganz wie Harrison Ford selbst.
Die Glenmorangie Harrison Ford Limited Edition mit 46,5 Volumenprozent Alkohol ist bundesweit im Fachhandel, in ausgewählten Bars und in der Gastronomie erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 90 Euro.
Verkostungsnotiz Farbe: Das Orange eines Sonnenuntergangs An der Nase: Noten von spritzig-würzigen Zitrusfrüchten, die an Orangenmarmelade erinnern, erscheinen gemeinsam mit markant-floralen Noten von Geißblatt und Jasmin. Eine interessante Note erinnert zusätzlich an Bienenwachs oder Duftkerzen. Mit einigen Tropfen Wasser erscheinen weitere duftende Noten von Pfirsichblüten und Vanille. Am Gaumen: Ein kräftiger Biss lebhafter Zitrusnoten erreicht den Gaumen. Noten von Bitterorange, Zitrone und Grapefruit tanzen auf der Zunge, zusammen mit milden Noten gebackenem Brots, Aprikosen, braunem Rohrzuckers und Karamellbonbons. Eine betäubende, mentholhaltige Note ist im Hintergrund. Nachhall: Lang, mit Aromen von Orangenöl, Leder und Eichenholz-Tanninen
Der Film „Der Partyschreck“ („The Party“) aus dem Jahr 1968 ist eine der berühmtesten Komödien mit Peter Sellers und gilt bis heute als Meisterstück des Slapstick-Humors und der Improvisationskunst. Ich besprach den Film in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Die nächste Matinee am Sonntag, 21. Dezember ist der Weihnachtsklassiker Schöne Bescherung. Karten für das Event gibt es hier.
Unter der Regie von Blake Edwards, der bereits mit der „Pink Panther“-Reihe Comedygeschichte geschrieben hatte, entfaltet sich eine anarchische, episodenhafte Handlung, die weniger auf eine ausgefeilte Story als vielmehr auf situativen Witz, Timing und die Präsenz seines Hauptdarstellers setzt. Hier die Aufzeichnung meines Vortrags.
Im Mittelpunkt steht der indische Schauspieler Hrundi V. Bakshi, ein unbeholfener, aber gutmütiger Statist, der am Set einer großen Hollywoodproduktion ein Desaster nach dem anderen auslöst. Eigentlich sollte er daraufhin auf die berüchtigte schwarze Liste des Studios gesetzt werden. Durch ein bürokratisches Versehen landet sein Name jedoch nicht auf der Verbotsliste, sondern auf der Einladungsliste zu einer mondänen Party des Produzenten. Damit beginnt der eigentliche Kern des Films: eine Nacht voller Missgeschicke, chaotischer Verwicklungen und sozialer Fauxpas, die Bakshi unbeabsichtigt auslöst.
Die Party, die in einem luxuriösen Anwesen in den Hollywood Hills stattfindet, bildet die Bühne für eine lose Abfolge humoristischer Episoden. Bakshi versucht verzweifelt, sich in die glamouröse Gesellschaft einzufügen, doch seine Unbeholfenheit führt immer wieder zu Katastrophen: Er zerstört ein automatisiertes Bedienpult, löst mit seinem Schuh eine Wasserfontäne aus, missversteht kulturelle Codes der Dandys und Starlets oder gerät in Situationen, die die Absurdität der oberflächlichen Filmbranche entlarven. Viele Gags basieren auf leisen Gesten, Pausen und kleinen Reaktionen – ein Markenzeichen von Sellers, der den schüchternen, höflichen Bakshi mit viel empathischem Humor spielt.
Blake Edwards nutzt die Party als Mikrokosmos für Hollywoods Eitelkeiten und die gesellschaftlichen Kontraste der späten 1960er-Jahre. Die Satire bleibt dabei leichtfüßig, niemals bösartig, und steigert sich langsam zu einem immer größeren Chaos, das schließlich in einer wilden Schaumparty gipfelt. Besonders bemerkenswert ist die visuelle Komik: lange Einstellungen, sorgfältig komponierte Räume und die zunehmende Absurdität der Ereignisse machen den Film zu einer Art modernem Stummfilm, in dem Dialoge zwar vorkommen, aber die visuelle Erzählung dominiert.
„Der Partyschreck“ ist nicht nur wegen seines Slapsticks legendär, sondern auch wegen seiner Improvisationen. Große Teile des Films basieren auf spontanen Ideen von Sellers, dessen Spiel die Mischung aus Unschuld und komischer Katastrophe perfekt verkörpert. Der Film wirkt dadurch trotz seines Alters überraschend zeitlos und hat sich zu einem Kultklassiker entwickelt, der Komödien bis heute beeinflusst.
Insgesamt ist „Der Partyschreck“ eine elegante, chaotische und charmante Komödie, die weniger durch Handlung als durch Atmosphäre, Timing und die brillanten Einfälle ihrer Macher überzeugt. Der Film lädt dazu ein, sich einfach fallen zu lassen und dem unaufhaltsamen Strudel von Missgeschicken zuzusehen, den Hrundi V. Bakshi mit wunderbarer Naivität entfacht. Blake Edwards’ Regie zeigt große Präzision: Der Film ist wie ein choreografiertes Stück visueller Komik inszeniert. Die Kamera beobachtet ruhig, das Tempo steigert sich stetig, bis die Party völlig aus dem Ruder läuft – ein Paradebeispiel filmischer Timing-Kunst.
Aus heutiger Sicht ist die Darstellung eines Inders durch einen weißen Schauspieler im „Brownface“ jedoch klar problematisch. Zwar wird die Figur nicht boshaft verspottet, doch die kulturelle Aneignung und stereotype Anlage sind nicht mehr zeitgemäß. Der Film gilt deshalb als „komisches Meisterwerk“, das man heute nur mit kritischer Distanz genießen sollte.
Der Partyschreck von Blake Edwards mit Peter Sellers ist heute ein Kultklassiker – zugleich urkomisch und problematisch. Ich bespreche und zeige diesen wunderbaren Film am Sonntag in der komischen Matinee am Sonntag, 9. November im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.
Der Film besticht durch seinen zeitlosen Slapstick-Humor: eine fast handlungslose Abfolge perfekt getimter Missgeschicke, die in einem grandiosen Chaos kulminieren. Viele Gags – getragen von Mimik, Timing und Musik – funktionieren auch heute noch erstaunlich gut.
Peter Sellers liefert eine brillante, stark improvisierte Performance. Seine Figur Hrundi V. Bakshi ist ein liebenswerter, unbeholfener Außenseiter, den man trotz aller Tollpatschigkeit sympathisch findet. Schauspielerisch gehört die Rolle zu seinen besten Leistungen.
Blake Edwards’ Regie zeigt große Präzision: Der Film ist wie ein choreografiertes Stück visueller Komik inszeniert. Die Kamera beobachtet ruhig, das Tempo steigert sich stetig, bis die Party völlig aus dem Ruder läuft – ein Paradebeispiel filmischer Timing-Kunst.
Aus heutiger Sicht ist die Darstellung eines Inders durch einen weißen Schauspieler im „Brownface“ jedoch klar problematisch. Zwar wird die Figur nicht boshaft verspottet, doch die kulturelle Aneignung und stereotype Anlage sind nicht mehr zeitgemäß. Der Film gilt deshalb als „komisches Meisterwerk“, das man heute nur mit kritischer Distanz genießen sollte.
Filmhistorisch ist Der Partyschreck ein wichtiger Meilenstein der Filmkomödie. Er beeinflusste spätere Komiker wie Sacha Baron Cohen und zeigt, wie Improvisation und präzises Timing zusammenwirken können.
Ein grandios inszeniertes Slapstick-Feuerwerk mit einem genialen Peter Sellers – zugleich ein Zeitdokument, das heute wegen kultureller Stereotype kritisch gesehen werden muss, aber als Kunstwerk der Komik unvergessen bleibt. Ich freue mich auf diese herrliche Matinee. Karten gibt es hier.
Wenn es um Western geht, dann geht es bei mir immer um John Ford. In meiner Western-Matinee am Sonntag, 16.März im Scala Fürstenfeldbruck zeige ich den wegweisenden Film Der Mann, der Liberty Valanace erschoss. Karten gibt es hier.
John Fords Der Mann, der Liberty Valance erschoss (The Man Who Shot Liberty Valance) ist mehr als nur ein Western – er ist eine tiefgründige Reflexion über Mythos und Realität, das Ende des Wilden Westens und den Übergang in eine zivilisierte Gesellschaft. Mit John Wayne als rauem Cowboy Tom Doniphon, James Stewart als idealistischem Anwalt Ransom Stoddard und Lee Marvin als furchteinflößendem Outlaw Liberty Valance versammelt der Film einige der größten Stars seiner Zeit und inszeniert ein packendes Drama über Macht, Moral und den Einfluss der Medien.
Der Film beginnt mit einer Rahmenhandlung: Der angesehene Senator Ransom Stoddard (James Stewart) kehrt nach Jahren in den kleinen Ort Shinbone zurück, um an der Beerdigung eines alten Freundes teilzunehmen. In Rückblenden wird die Geschichte erzählt, wie der junge, idealistische Anwalt Stoddard in die Stadt kam und sich dort mit dem skrupellosen Banditen Liberty Valance (Lee Marvin) anlegte. Während Stoddard versucht, Recht und Gesetz mit friedlichen Mitteln durchzusetzen, hält Tom Doniphon (John Wayne) an der alten Ordnung fest, in der das Gesetz der Waffe zählt.
Der berühmteste Satz des Films lautet: “Wenn die Legende zur Tatsache wird, druckt die Legende.” Dies zeigt das zentrale Thema des Films: Die Legende von Stoddard als dem Mann, der Liberty Valance erschoss, hat ihm Ruhm, politische Macht und Einfluss gebracht. Der Film thematisiert damit, wie Geschichte oft durch Mythen geformt wird – besonders in der amerikanischen Kultur.
Für mich ist dieser Film einer meiner Lieblingswestern und zählt zu meinen Lieblingsfilmen überhaupt. Ich freue mich auf Ihren Besuch am 16. März um 10:45 Uhr Scala. Karten gibt es hier.
Ich mag viele Filme des Schwaben Roland Emmerich, nicht alle, aber viele. Sie sind perfekte Popcorn-Unterhaltung mit Pathos und einer Fülle von Vfx. Und so verhält es sich auch mit seinen neuem Film mit einem sehr amerikanischen Thema: Midway – für die Freiheit
Was für die US-Amerikaner der Wendepunkt des Krieges im Pazifikraum darstellte, ist bei uns in Deutschland nicht so bekannt. Daher nimmt uns der Geschichtenerzähler Emmerich gleich an die Hand und zeigt uns, wie der Krieg zwischen Japan und den USA mit dem Überfall auf Pearl Harbor begann. Nach dem Vergeltungsangriff Doolittle Raid am 18. April 1942, den Angriff der Amerikaner auf Tokyo, nahm der Krieg seinen Lauf.
Midway war die direkte Folge und zeigt eine gewaltige Seeschlacht, die vor allem mit Flugzeugen ausgetragen wurden. Vier japanische Träger wurden versenkt und die Vormachtstellung der kaiserlichen Flotte auf dem Meer war gebrochen. Natürlich erzählt der Wahlamerikaner Emmerich die Schlacht aus amerikanischer Perspektive mit allerhand Pathos, aber er stellt die kaiserliche japanische Marine auf See als gleichwertig dar. Die Truppe ist diszipliniert und ihrem Tennō ergeben, während die US-Streitkräfte ein Testosteron-Männerbund mit Machogehabe sind. Ein interessanter Konflikt, der auch optisch hervorragend von Kameramann Robby Baumgartner eingefangen wird.
Partei ergreift Emmerich nur, als es an Vergeltungsschläge gegen die chinesische Bevölkerung durch japanische Flugzeuge geht, nachdem die Chinesen abgestürzten US-Bomberpiloten Unterschlupf gewähren. Hier wird die chinesische Bevölkerung sinnlos massakriert. Nachdem chinesische Firmen den Film mitfinanziert haben, weiß ich nicht, ob sich Emmerich hier seinen asiatischen Finanziers beugen musste. Für mich bricht die Szenen aus dem Film heraus.
Eine große Rolle spielen bei Roland Emmerich die Spezialeffekte und bei Midway lässt sich er sich nicht lumpen. Kollege Computer zeigt, was geht und nimmt uns mit in den Kampf am Himmel: Packend und eindrucksvoll, was CGI aus dem Rechner in das Cockpit zaubert. Emmerich brachte einst das Eis nach New York, sprengte das Weiße Haus, ließ Godzilla durch Manhattan trampeln, ließ die Flut steigen und jetzt sind wir mitten im Zweiten Weltkrieg, wenn die Jagdflugzeuge und Bomber am Himmel kreisen, auf die Träger niedergehen und das Abwehrfeuer in die Luft ballert. Die Flak schießt Sperrfeuer und ich rutsche tiefer in den Kinosessel bei meiner Pressevorführung. Ich möchte den Film mal mit einem Kampfpiloten der deutschen Marine ansehen, den ich kenne: Bin gespannt, was er dazu sagt.
Bei den Charakterzeichnungen war Emmerich Standard. Es gibt nicht die herausragende schauspielerische Leistung aus meiner Sicht – das Team funktionierte gut. Der Score von Harald Kloser und Thomas Wanker tut sich schwer. Ich habe immer den fabelhaften Score von John Williams von der Verfilmung von 1976 im Ohr. Kloser/Wanker sind in Ordnung, haben aber gegen den Meister Williams keine Chance.
John Ford ist mit dabei
Richtig lachen musste ich bei Midway als es an die Szenen mit John Ford ging. Ich bin Emmerich dankbar dafür, dass er die Geschichte des US-Meisterregisseurs erzählt. Der echte Ford war mit seiner Filmcrew im Auftrag des US-Militärs auf den Midway-Insel als der japanische Angriff losbrach. John Ford wurde verwundert, ließ aber Material vom Angriff drehen und stellte 1942 einen Dokumentarfilm her. Als Sprecher in diesem Film war Henry Fonda zu hören. Fonda wiederum spielt die Rolle des US-Admirals Chester W. Nimitz in der Verfilmung von 1976.
Die Sequenz mit Ford bringt die Story in Midway nicht weiter voran, aber ich finde es großartig, dass Emmerich hier einen Einschub für uns Filmfreunde macht, denn der normale Kinobesucher wird mit John Ford nichts mehr anfangen können. Danke Roland Emmerich. Hier der Film von John Ford.
Buchtipp Roland Emmerich
Und damit komme ich auch zu einem Buchtipp. Es gibt ein sehr flottgeschriebenes Buch über Roland Emmerich von meinem großen Kollegen Jo Müller. Müller ist Redakteur beim SWF und ich traf ihn vor Jahren bei einer Disney-Pressereise nach Paris. Er traf Emmerich immer wieder und freundete sich mit dem Regisseur an.
Es entstand Roland Emmerich: Die offizielle Biografie, die anders ist, als die klassischen Biografien. Es handelt sich um Interviews, Hintergrundgespräche, Eindrücke von den Dreharbeiten und bringt dem Leser die Person Roland Emmerich aus unterschiedlichen Perspektiven näher, da die Gespräche sich über mehrere Jahre verteilten. Und ich muss sagen, ich habe Emmerich einmal getroffen, als er 1984 seinen HFF-Abschlussfilm Das Arche Noah Prinzip in der BR-Sendung Live aus dem Alabama vorstellte. Ich saß als Schüler im Publikum und war begeistert von Emmerich, der aus dem verkopften Hochschule für Fernsehen und Film endlich Unterhaltung machte. Seitdem hat Emmerich bei mir einen Stein im Brett. Ich hab es selbst nie zur HFF als Student geschafft, durfte aber verschiedene Gastvorlesungen halten.
Zurück zu Jo Müller und seinem Buch. Emmerich dreht Unterhaltungsfilme und ist stolz darauf. Kein Kluge, kein Wenders, kein Herzog – Emmerich ging seinen eigenen Weg und der war nicht der Neue deutsche Film. Er diesem Weg kennenlernen will, sollte die Biografie lesen.
„Es ist ein Hammer, was hier jedes Jahr im Retrogaming-Bereich aufgebaut wird.“ Mit diesen Worten lobt Komponist Chris Hülsbeck die Retrogaming-Area auf der weltgrößten Spielemesse gamescom in Köln.
Der Komponist und sein Fan: Chris Hülsbeck (r.) und Matthias J. Lange
Für einen Tag ist Hülsbeck aus den USA auf der gamescom zu Gast, um alte Freunde zu treffen, neue Kontakte zu schließen und vor allem mit seinen Fans ins Gespräch zu kommen. Und da komme ich ins Rennen. Ich bin ein großer Fan des Komponisten und hatte ihn in der Vergangenheit immer wieder verpasst. Aber dieses Mal sollte ich ihn treffen. Chris Hülsbeck ist der deutsche Komponist für Videospielsoundtracks. Er komponierte zahlreiche Klassiker, sein Meisterwerk ist die Musik zur Videospielreihe Turrican. Die Musik wurde in zahlreichen Versionen veröffentlicht, unlängst als opulente Orchesterversion mit klassischen Sinfonieorchester. Also traf ich ihn auf der gamescom, ließ mir ein paar Autogramme geben und machte ein Videointerview mit ihm.
Deutschland hat eine starke Heimcomputerszene
In den USA gibt es auch eine große Spielegemeinde, aber so Hülsbeck in meinem Interview, aber die Amerikaner seien mehr Konsolenspieler. Das Besondere in Deutschland sei die Begeisterung für die Heimcomputer der 80er und 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Chris Hülsbeck arbeitet im Moment an einem Bonus-Amiga-Album für Turrican. Hier wird mit alten Amiga-Tools und Rechner neuer Sound für ein imaginäres Turrican 4-Spiel erzeugt.
Fans halten Chris Hülsbeck die Treue
„Ich bin super dankbar, dass mir die Fans die Treue halten und diese Projekte möglich machen“, gibt Hülsbeck zu. Und er verrät einen Traum: Chris Hülsbeck würde gerne einen klassischen Filmscore für einen Spielfilm komponieren. Er klopft schon in Hollywood an und hat inzwischen auch eine US-Agentin. Bisher noch ohne Ergebnisse, aber Chris Hülsbeck arbeitet weiter an seinem Traum. Große Vorbilder gibt es schon: Michael Giacchino oder Jesper „Jakobson“ Kyd arbeiten für beide Welten – Kino und Videogames.
Hülsbeck als Wegbereiter
Musik im Film und im Spiel sei extrem wichtig, so Hülsbeck weiter. Wenn man bei einem audiovisuelles Medium die Musik abschaltet, dann fehlt auf jeden Fall etwas. Hülsbeck hat inzwischen sein 36. Album veröffentlicht und ist seine eigene Plattenfirma. Er war damit ein Wegbereiter in der Musikproduktion. Während andere Musiker große Musikstudios buchen mussten, produzierte Hülsbeck in den eigenen vier Wänden. Er sah damit den Tod der großen Studios voraus. Heute wohnt und fährt er mit seinem Wohnmobil durch die USA und arbeitet von unterwegs – ein musikalischer Nomade.
Chris Hülsbeck dankt den Fans.
Die Kampagnen in Kickstarter sind für Hülsbeck sehr wichtig. Einerseits ist es eine Art Wasserstandsmelder, um zu prüfen, ob seine Kunst noch nachgefragt wird. Andererseits könnte er große Projekte wie die Orchestermusik nicht aufziehen, ohne die Unterstützung der Fans zu haben. „Die Liveaufführung zu erleben, war der totale Wahnsinn“, so Hülsbeck weiter. „Ich wünschte, meine Großmutter hätte das erleben können.“ Sie war immer diejenige, die Chris ermutigte, seine Musik zu machen. „Meine Großmutter wäre total aus dem Häuschen gewesen, wenn sie das erlebt hätte.“
Beim Thema Wertschätzung der Soundtrackmusik hat Chris Hülsbeck einen Vorschlag: So könnte eine Kategorie „der beste Soundtrack“ beim Deutschen Computerspielpreis aufgenommen werden.
Hinweis: Dieser Text entstand ursprünglich im Rahmen eines Bloggerseminars für das Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter (AZK) in Königswinter.