Archive for the ‘Musik’ Category

Konzertkritik: Burt Bacharach in München 2019

13. Juli 2019
Burt Bacharach Im Gasteig

Burt Bacharach Im Gasteig

Burt Bacharach ist ein Künstler, den ich schon immer einmal live erleben wollte. Viel Zeit bleibt nicht mehr, denn Burt Bacharach hat das stolze Alter von 91 Jahren. So viele Welttourneen wird der Mann nicht mehr machen. Als ich hörte, dass diese Musiklegende nach München kommen würde, musste ich Karten kaufen. Leider war die Philharmonie im Gasteig schwach besucht, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat. Teure Plätze wurde mit Besuchern von billigen Karten aufgefüllt – warum habe ich mir eigentlich teure Karte gekauft?

Burt Bacharach ist eine Legende des Easy Listening (keinesfalls Schlager) und so lehnte ich mich in meinen Stuhl, schloss die Augen und ging auf eine musikalische Reise. Bacharach ist einer der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Immer wieder erhob sich der 91jährige von seinem Klavier und richtete das Wort an sein begeistertes Publikum. So erfuhren wir, dass er schon einmal in München war – als Bandleader für die große Marlene Dietrich – das war vor meiner Geburt. Er war damals der Boy in the Backroom.

Mitte der Sechziger Jahre komponierte Bacharach selbst und schreib Songs für die damaligen Größen des Showgeschäfts wie Dionne Warwick. Im Gasteig war  What the World Needs Now Is Love, damals gesungen von Jackie DeShannon der Einstieg. Die jüngeren kennen ihn aus dem Film Austin Powers in Goldmember.

Es folgte ein Medley und weiter ging es durch die musikalische Geschichte Amerikas. Bacharach erzählte von seinen Scheidungen (die schnellste in Mexico), was zum Lied Mexian Divorce führte. Immer wieder wurde er politisch ohne Trump zu nennen, aber der 91jährige bezog eindeutig in seinen Aussagen Stellung. Sein Songs „Live to See Another Day“ ist eine Anklage gegen das Schulmassaker in den USA. 

Der Meister am Klavier.

Der Meister am Klavier.

Im letzten Drittel sang Burt Bacharach selbst. Er ist kein Sänger und hatte in seinem künstlerischen Leben viele große Stimmen zur Seite. Gegen Ende des Münchner Konzerts sang er aber selbst mit brüchiger Stimme eines alten Mannes. Für mich als Filmfan waren die Filmmusiken des Abends das pure Vergnügen. Das erste Zusammentreffen mit der Musik von Burt Bacharach war der großartige Soundtrack zu Casino Royale und später dann Raindrops Keep Fallung on my Head. Und in München das Highlight für mich war die Musik für The Man who Shot Liberty Valance – einfach großartig. Und am Ende der Zugaben durften wir alle gemeinsam Raindrops singen – danke für den schönen Abend, an dem es aber nicht regnete. 

Hier die Setlist des Abends:

What the World Needs Now Is Love

Don’t Make Me Over / Walk On By / This Guy’s in Love with You / I Say a Little Prayer / Trains and Boats and Planes / Wishin‘ & Hopin‘ / (There’s) Always Something There to Remind Me

Do You Know the Way to San Jose

Anyone Who Had a Heart

This House Is Empty Now

Mexican Divorce

Falling Out of Love

My Little Red Book

Stronger Than Before

Live to See Another Day

Baby It’s You / Message to Michael

Make It Easy on Yourself / On My Own

With a Voice

(They Long to Be) Close to You

The Look of Love / Arthur’s Theme (Best That You Can Do) / What’s New Pussycat? / The World Is a Circle / The April Fools / Raindrops Keep Fallin‘ on My Head / The Man Who Shot Liberty Valance / Making Love / Wives & Lovers / Alfie

A House Is Not a Home

Zugaben:

Hush

Any Day Now

That’s What Friends Are For

Raindrops Keep Fallin‘ on My Head

 

Konzertkritik: Bob Dylan in Stuttgart 2019 – Jazz Open

12. Juli 2019

Bereits zum zweiten Mal habe ich Bob Dylan live in diesem Jahr gesehen. Nach Augsburg jetzt vor kurzem in Stuttgart beim Jazz Open. Bereits zum zweiten Mal war es ein herausragendes Konzert. Mit 78 Jahren rockt er zusammen mit seiner bewährten und famosen Combo die Hütte.

Routiniert begann der Bühnenaufbau. Auf der linken Seite (von der Bühne aus gesehen) stand die Statue aus Tempest und dahinter der Oscar für Things have Changed. Die Clubscheinwerfer waren zunächst während der Abendsonne über Stuttgart ausgeschaltet. Dylan sprach wie immer kein Wort in Richtung Publikum.

Oscar links, Tempest rechts

Oscar links, Tempest rechts

Und dennoch war es anders als sonst: Ich habe viele Dylan-Konzerte in aller Herren Länder gesehen, doch dieses war anders: Es gab links und rechts neben der Bühne zwei große Display-Wände, die Dylan den rund 7000 Zuschauern auf dem Stuttgarter Schlossplatz näher brachten. Ich hatte Dylan noch nie zuvor auf einer Monitorwand gesehen. So nah war ich optisch den Meister noch nie begegnet.

Zwar hatte ich in Stuttgart Front of Stage Karten, aber der Bühnenaufbau in Stuttgart war katastrophal. Wer vorne stand, sah Dylan aufgrund der hohen Bühne kaum, der die meiste Zeit hinter seinem Klavier stand oder saß. Ab und zu kam bis Bobness hervor und sang posend hinter dem Standmirko – wunderbar seine Gesten. Daher genoss ich es, Dylan auf den Großbildleinwänden zu sehen. Und wenn der Kameramann bei Charlie Sexton vielleicht die Sache mit der Schärfe hinbekommen hätte, wäre es perfekt gewesen. 

Und was anderes war neu: Der erste Song des Abends war Ballad of a Thin Man. Damit wich Dylan von der klassischen Setlist seiner Tour ab und machte Stuttgart zu einem Highlight unter uns Dylan-Fans.

Ich hatte den Eindruck, dass es Dylan auch gut gefallen hat. Er hatte Spiellaune. Ab und zu sah es fast so aus, als ob er zu uns Fans was sagen wollte, was er freilich nicht tat. Er grinste, zog Grimassen und genoss scheinbar den Abend. Als er im letzten Drittel des Konzerts seinen Hut abnahm und die wilde Lockenpracht des 78jährigen hervorkam, wurde heftig applaudiert. Offiziell gibt es keine Fotos, denn der Meister hat wie immer ein Fotoverbot ausgesprochen. Das wird von den Ordnern auch durchgesetzt – und von den Fans. Als eine Reihe vor mir ein Mann sein Smartphone zücken will, raunzt ihn ein Fan an. Wir wissen ja, was vor kurzem in Wien passiert ist. Und ich will mir den Abend wegen eines solchen Deppen nicht versauen lassen. Fans überwachen Fans – so beginnt es. 

Keine Fotos bei Bob Dylan.

Keine Fotos bei Bob Dylan.

Musikalisch war Bob Dylan top. Neue Arrangements seiner alten Lieder, wunderbar verändert, dass man sie zunächst nur am Text erkannte. Er gab uns ein Best-of, ohne uns ein Best-of der alten Sachen zu geben. Genau so etwas erwartet der Fan von Dylan. Alte Songs in neuen Kleidern – damit mögen ein paar neue Fans in Stuttgart nicht gerechnet haben. Hinter mir maulte eine Mitfünfzigerin in breitesten Württembergschwäbisch, dass es anders sei als auf CD. Ja gute Frau und deshalb gehen wir zu einem Dylan-Konzert. A daube Nuss und halt dei Gosch.

Die Band war wieder grandios. Tony Garnier am Bass hat den Chef im Auge und gibt die Kommandos weiter. Die Combo ist so perfekt eingespielt, wie selten eine Tourband. Schlagzeuger George Recile, Gitarrist Charlie Sexton und Multiinstrumentalist Donnie Herron sind eine Einheit. Dylan dirigiert sie mit Blicken, Handzeichen – alles ist aufeinander abgestimmt und sie rocken, was das Zeug hält. 

Nach einer Zugabe ist alles vorbei. Exakt 1 Stunde 45 Minuten war vereinbar und bezahlt, exakt 1 Stunde 45 Minuten wurde gespielt. Am Ende verbeugt sich die Band und Abgang. Vielleicht sagt Dylan in London im Hyde Park etwas, wenn er mit seinem Kumpel Neil Young auftritt. Karten hab ich keine, aber das Netz wird uns Fans versorgen. 

Hier die Setlist vom Stuttgarter Konzert: 

Ballad of a Thin Man

It Ain’t Me, Babe

Highway 61 Revisited

Simple Twist of Fate

Can’t Wait

When I Paint My Masterpiece

Honest With Me

Tryin‘ to Get to Heaven

Scarlet Town

Make You Feel My Love

Pay in Blood

Like a Rolling Stone

Early Roman Kings

Girl From the North Country

Love Sick

Thunder on the Mountain

Soon After Midnight

Gotta Serve Somebody

Zugabe:

Blowin‘ in the Wind

 

Konzertkritik: Neil Young in München, Olympiahalle 2019

7. Juli 2019

Ja, Neil Young war gut aufgelegt, trotz der persönlichen Rückschläge in jüngster Zeit. Der Kanadier zog in der Münchner Olympiahalle eine Show ab, die einfach gepasst hat: Laut, intensiv, melodiös – mal Punk, mal Folkie, mal Hardrock, genau wie ich es mir von dem musikalischen Chamäleon Neil Young gewünscht hatte. Ok, Jazz war nicht dabei, aber egal. Unterstützt wurde er dieses Mal nicht von Crazy Horse, aber die jungen Männer von Promise of the Real standen dem Meister perfekt zur Seite.

Das Bühnenset war wie bei den meisten Shows von Neil Young eher schlicht gehalten. Bei meinen letzten Konzert war es eher eine Country-Umgebung. Dieses Mal mal waren die Instrumente da und das wars. Neil Young – und ein Großteil seines gealterten Publikums  erinnert sich noch an die Zeiten des Röhrenfernsehers. Und so hingen die Monitorwände links und rechts von der Bühne in Verkleidung als Röhrenfernseher mit Neil Young-Testbild. Schöner Humor. 

Einziges Showelement am Ende des Konzerts war eine Art Engel, der sich in die Lüfte zu einem genialem Like a Hurrican schwebt. 

Schön ist, dass Neil Young auf ein umfangreiches Repertoire an Songs zurückgreifen kann, deren Hits er an einem Abend gar nicht alle spielen kann. So gibt es eine Auswahl aus vielen Perioden des grimmigen Herrn. Es begann mit Buffalo Springfield und ihrem Mr. Soul. Kein großes Geblubber wie „ich liebe dich München“ und so Zeug, sondern Licht aus, Musik an – los gehts. Und Neil Young kann es: Mit der „Old Black“, seiner legendären Les Paul, und der Gretsch „White Falcon“ zauberte er den typischen Neil Young Sound. Mit was er an dem Münchner Abend akustisch gespielt hatte, konnte  ich nicht erkennen. 

Die einen nennen es Krach, ich nenne es Musik, die Young und seinen Mannen da ihren Instrumenten entlocken. Und wenn schon beim zweiten Song Mansion on the Hill das gesamte Auditorium mitsingt und mitwippt, dann hat Neil Young etwas richtig gemacht. There’s a mansion on the hill – Psychedelic music fills the air – Peace and love live there still – In that mansion on the hill – und muss es sein und nicht anders. 

2014 wurde der nächste Song im Rolling Stone Sonderheft Neil Young als sein bester Song ausgezeichnet. Gemeint ist natürlich Powderfinger, 1979 auf Rust Never Sleeps zum ersten Mal öffentliche und immerfort ein extrem starker Song samt Text. Hätte Neil mal besser die Knarre nicht abgeschossen. 

Harvest Moon ist für mich persönlich eines der schönsten Lieder von Neil Young. Sehr schön interpretiert mit Mond und Love auf den Großbildmonitoren und der Bühne. Spätestens hier hat Neil Young sein Publikum in der Hand und sein Publikum weiß, dass sich der heftige Eintrittspreis gelohnt hat. Ein paar Songs spielte er Words (Between the Lines of Age), für mich einer der besten Songs von Harvest, der es aber nie richtig zur Berühmtheit gebracht hatte. 

Neil Young wurde als Papa des Grunge bezeichnet, was ich für Quatsch halte. Dennoch war Mirror Ball ein Album, dass der jungen Holzfällerhemd-Generation zeigte, wo der Hammer hängt. Throw Your Hatred Down interpretierte er einst mit Pearl Jam, heute mit seinen Mitmusikanten und es ist nachwievor ein intensiver Song. Hart und klar – so wollen wir das, danke Neil.

Fuckin‘ Up war immer mein Gassenhauer-Song von 1990 aus Ragged Glory neben Mansion on the Hill. Promise of the Real gingen ab wie ein Zäpfchen und schaukelten sich mit Neil Young in den Rock‘n Roll Himmel. Tolle, eindringliche Interpretation, wie ich meine. 

ok, dann ging es Schlag auf Schlag und Neil Young ließ uns keine Luft mehr. Cortez the Killer und später Cinnamon Girl. 

Und wer bei Rockin‘ in the Free World noch nicht weggedreht wahr, der ist bereits tot. Der Song kam aus einer Phase, in der Young nicht unbedingt wegweisend war, aber hier schuf er ein Meisterwerk. Die Halle sang mit und der Ohrwurm setzte sich für den Heimweg fest. Und schön, wie die Band mit dem Publikum spielte. 

Die Zugaben waren I’ve Been Waiting for You und Like a Hurricane mit dem Vocoder aus Trans von 1982, eines der unterschätzen Alben. Like a Hurricane ist der Live-Klassiker von Neil Young und ein wirklicher Abschluss eines eindrucksvollen Konzerts in München. In anderen deutschen Städten habe ich gemischte Kritiken von dortigen Kritiken gelesen, von München kann ich sagen. Obwohl Hey Hey, My My (Into the Black) nicht gespielt wurde, war es immer präsent: „it’s better to burn out than to fade away“

Hier nochmals die komplette Setlist:

Mr. Soul

Mansion on the Hill

Powderfinger

Harvest Moon

Winterlong

Walk On

Words (Between the Lines of Age)

Lotta Love

Throw Your Hatred Down

Milky Way

Fuckin‘ Up

Cortez the Killer

Cinnamon Girl

Change Your Mind

Rockin‘ in the Free World

Zugaben:

I’ve Been Waiting for You

Like a Hurricane

Konzertkritik: Rainbow in München Juni 2019

14. Juni 2019
Rainbow in München - ich wollte Herrn Blackmore nochmal sehen.

Rainbow in München – ich wollte Herrn Blackmore nochmal sehen.

Memories of Rock – so war die Tour betitelt und wenn ich mich an Rainbow erinnere, dann kommt mir als erstes der legendäre Auftritt der Jungs um Ritchie Blackmore von 1977 in der Münchner Olympiahalle in den Sinn. Gleich vorweg: So ein Auftritt ist es im Juni 2019 am gleichen Ort nicht geworden.
Ich war kein Freund von Blackmores Mittelalter Gedöns und so freute ich mich, dass der ehemalige Guitar Hero wieder mit seiner Hardrock Combo Rainbow auf Tour ging. Und er kam für ein einziges Konzert nach Deutschland und sogar in meine Heimatstadt München. Die bayerische Landeshauptstadt bedeutet für Blackmore viel und er strengte sich an.
Nachdem Ronnie James Dio und Cozy Powell von 1977 ja nicht mehr unter uns weilen, musste Blackmore seine Band neu aufbauen und es ist ihm gelungen. Die Spielfreude der Band ist ihnen hoch anzurechnen.
Aber was ist aus unserem Helden Blackmore geworden? Einst ein Berserker auf der Bühne, der musikalisch provozierte, der den meisten der heutigen Gitarristen „den Arsch“ abspielen konnte (Zitat Blackmore) – ja was ist aus ihm geworden? Der launische Mann an der weißen Stratocaster ist ruhig geworden. Keine emotionalen Ego-Ausbrüche mehr wie zu alten Zeiten. Er steht ruhig da und konzentriert sich auf sein Gitarrenspiel. Sein Instrument beherrscht er noch, ohne Zweifel. Aber lieber Ritchie – schau mal zu Steve Morse rüber und da sieht man wie man heute Gitarre in einer Hardrock-Band spielt.

Aber nachdem ich mit Fans gesprochen habe, die sich die letzten Konzerte von ihm angetan haben, ist München wohl dagegen ein Hochgenuss gewesen. Blackmore hat sich bemüht, aber mit Arthritis spielt sich halt nicht mehr meisterhaft Gitarre. Mit den Hochgeschwindigkeitssolos ist es vorbei, aber für eine Memories in Rock-Tour reicht es dann noch. Experimente ließen sich nicht erwarten, dennoch hatte ich den Eindruck, dass viele Songs spontan angestimmt wurden. Sänger Ronnie Romero ist nicht Dio, aber er machte seine Sache sehr, sehr gut. Manches wirkte für mich uninspiriert, wie die Solos in Mistreated – ich habe immer David Coverdale im Ohr.

Schön war, dass ein Brite Freude schöner Götterfunken in Difficult to Cure zitierte. Ein Synthesizer mag in den Siebzigern und Achtzigern noch eine Innovation gewesen sein, aber das Thema ist durch, egal welche Improvisation da Jens Johansson abgibt.

Die Setlist variierte im Vergleich zu früheren Konzerten der Tour. Und natürlich bei Memories in Rock durften die Gassenhauer nicht fehlen. Das meist ältere Publikum feierte ihren Helden, wippte mit und nachdem die Plattencover auf der Videowand eingespielt wurden, konnte man sich erinnern, was so die Klassiker sind, die man haben musste. Emotional wurde es dann noch zum Schluss – eine Verbeugung an den alten Kumpel Jon Lord und als Abschluss noch Smoke on the Water. Was will man mehr?

Bei der Heimfahrt mit dem Auto legte ich erst einmal Live in Munich 1977 ein. Das war eben noch ein richtig gutes Konzert, eben Rock Memories von 1977 und nicht ein gutes Konzert von 2019.

BT21 London eine Enttäuschung trotz begeisterter BTS-Fans

12. Juni 2019

Auch wenn ich mir jetzt den Zorn der Army zuziehe. Ich war vom BT21-Shop der koreanischen Band BTS in London enttäuscht. Über eine Stunde in der Schlange gestanden für ein paar T-Shirts, Postkarten und Kissen.

K2 und ich waren in London beim Konzert der wohl erfolgreichsten Kpop-Band BTS im Wembley Stadium. Es war ein großartiges Event und dazu gesellte sich ein Merch-Rausch ohnegleichen. Neben einem offiziellen BTS-Shop in London gab es auch BT21 im Stadtteil Camden Market. Da wir sowieso auf den Markt wollten, stand damit auch BT21 auf dem Programm. BTS ist nicht nur musikalisch erfolgreich, sondern das koreanische Management ist enorm geschäftstüchtig. Im Camden Market mietete man für ein paar Tage eine große Verkaufsfläche und siehe da, viele Fans – darunter wir – fanden sich ein. Bevor allerdings der Verkaufsraum im ersten Stock über eine Treppe betreten werden kann, hieß es erst einmal warten. Lange warten. Die Schlange war enorm und bewegte sich langsam vorwärts. Die Stimmung bei den Wartenden war gut. Es wurde fotografiert, ein wenig gesungen, Musik gehört und gequatscht. Meter um Meter ging es voran, um eine Kurve und wieder weiter ins Merch-Paradies für BTS-Fans. 

Endlich gab die Security den Weg für uns frei. K2 und ich stiegen eine Treppe hinaus und gingen über eine Brüstung. K2 stürzte sich ins Paradies, ich machte noch ein paar Fotos. Zudem drehte ich einen Video, dass den Merch-Rausch zeigt.

Wer den Raum betritt, muss natürlich ein Selfie machen. Geschickt im Eingangsbereich postiert und klick, klick, klick. Dann der großzügige Raum, aber ich war von dem Angebot enttäuscht. In der Mitte hingen T-Shirts, aber bei unserem Besuch waren nicht mehr alle Größen vorrätig. Dann gab es zahlreiche Postkarten und Flyer. Papier ist geduldig, aber das wollten wir auch nicht. Und zum Schluss noch Kissen. Die sahen zwar nett aus, passten aber nicht ins Handgepäck und so richtig der Hammer waren sie meiner Meinung nach auch nicht.

Natürlich nahmen wir ein T-Shirt mit, standen an der Kasse an, machten noch ein paar Selfies zum Abschluss und verließen das Gebäude. 

Die Idee eines mitreisenden Merch-Ladens ist genial und das BTS-Management versteht es, aus der Band ein Geschäft zu machen. 

Da hilft kein Doktor mehr – Dr. John ist tot

7. Juni 2019
Voodoo-Musiker Dr. John ist verstummt.

Voodoo-Musiker Dr. John ist verstummt.

Viele denken an Louis Armstrong, wenn sie an die Musik von New Orleans denken. Mir kommt als erstes Dr. John in den Sinn. Jetzt ist der Voodoo-Musiker im Alter von 77 Jahren verstorben und das tut mir leid.

Die Meldung kam per Twitter.

Die Meldung kam per Twitter.

Das erste Mal nahm ich Dr. John in den Film The Band wahr. Das war das Abschiedskonzert der legendären The Band, die eine Zeitlang auch mit Bob Dylan tourte. Im Winterland gab es ein großes Konzert und viele Musiker spielten mit. Darunter war auch Dr. John mit großer Fliege und großer Brille. Er spielte am Klavier seinen Song Such a night und begeisterte mich sofort. Ich kaufte mir die CDs The Sun, the Moon and Herbs sowie Gris-Gris.

Jahre später bei meinen ersten (und leider bisher einzigen) Besuch in New Orleans erkannte ich, was Dr. John für diese Stadt bedeutete. In den CD-Läden – ja so etwas gab es damals noch – waren große Aufsteller mit dem Bild von Dr. John gleich neben den damaligen Superstars wie Madonna, Springsteen und Co. New Orleans war stolz auf Dr. John, der die Musik seiner Heimatstadt widerspiegelte: Blues, Jazz, Pop, Boogie Woogie, Rock ’n‘ Roll, Psychedelic Rock und Funk. 

Ich mochte seine Voodoo-Musik, wie sie damals hieß. In New Orleans kaufte ich mir noch ein paar CDs, die ich bei entsprechender Stimmung gerne höre. Lieber Malcom John McRebennack vielen Dank für deine Musik. Hier eine wunderbare Zusammenstellung seiner Aufnahmen in dieser Box

Musik in der Londoner U-Bahn

5. Juni 2019

Wenn ich nicht in Eile bin, bleibe ich gerne mal bei Künstlern in der U-Bahn stehen und höre mir ihre Musik an. Ich habe einige dieser besonderen Art von Straßenmusiker gelauscht. 

Lemmy habe ich leider als Straßenmusikant nicht getroffen.

Lemmy habe ich leider als Straßenmusikant nicht getroffen.

Hier sind zwei Künstler, die ich eindrucksvoll fand und auf Video festhielt. Beide habe ich in der Londoner U-Bahn angetroffen und gerne zugehört. So etwas kenne ich von meiner Heimatstadt München nicht. Dort ist Musizieren nicht gestattet. Im Moment machen sich stattdessen Bettelmusikanten in der Münchner S- und U-Bahn breit, die extrem nerven und von den Leute Münzen schnorren. Musik ist das keine, sondern Qual. 

Aber zurück nach London: Eine Dame mit Saxofon traf ich an der Haltestelle Piccadilly Circus. Durch die Röhren des Londoner U-Bahn-Systems hatte die Musik einen tollen Klang. 

Zum anderen traf ich auf den Sänger der britischen Band Annexe the Moon. Der Gitarrist beeindruckte mich mit seiner wunderbaren Stimme. Er spielte das Art Garfunkel Lied Bright Eyes, das vielen noch als Titellied des schönen Films Watership Down bekannt ist. Witzig, er hatte den Text auf seiner Gitarre kleben, damit er den Text nicht vergisst. Ich hatte die GoPro dabei und hörte mir den Song an und nahm ihn auf Video auf. 

Zu Hause in Deutschland googlte  ich nach der Musik von Annexe the Moon und lud mir sofort die Musik bei Apple Music. Ich bin sehr begeistert. 

Konzertkritik: Bob Dylan in Augsburg 2019

26. April 2019
Bob Dylan in Augsburg - einfach großartig.

Bob Dylan in Augsburg – einfach großartig.Bob Dylan in Augsburg – einfach großartig.

Ich habe viele Konzerte von Bob Dylan erlebt, gute und weniger gute. Das Konzert in der Augsburger Schwabenhalle war eines der besten, die ich von his Bobness erleben durfte. Selten habe ich Dylan und seine großartige Combo so spielfreudig erlebt, selten war die Musik von ihm so kompakt und selten habe ich Bob Dylan so oft grinsen gesehen. Es war ein schlichtweg großartiger Abend.

Dabei hätte es anders zugehen können. In Wien rastete der Meister aus, als ein Foto von ihm auf der Bühne gemacht wurde. Spielen oder posen war seine Antwort und er stolperte über eine Box. Dylan war richtig sauer. Aber seine Wut war in Augsburg komplett verflogen. Die Sicherheit vor dem Konzert wurde nochmals verschärft. Durchsagen vor dem Konzert machten eindeutig klar: Wer fotografiert, der fliegt raus. Das hat auch etwas Gutes: Ich kann mich auf die Musik konzentrieren und werde nicht durch grelle Handybildschirme abgelenkt. Bob weiß, was gut für mich ist. 

Strenge Sicherheitmaßnahmen bei Bob Dylan.

Strenge Sicherheitmaßnahmen bei Bob Dylan.

Das Bühnenset war wie immer. Dezente Scheinwerferbeleuchtung, reduziertes Licht, wie in einer Clubatmosphäre, keine Videowand. Die Musiker hochkonzentriert, verharren auf ihren Plätzen. Dylan selbst nur am Klavier, Gitarre spielt er schon lange nicht mehr auf Konzerten. Nur einmal verlässt er das Klavier und ergreift den Mikrophonständer und singt ein phänomenales „Scarlet Town“. Und er versucht sich im Posen, was bei Dylan immer ein wenig linkisch aussieht und dennoch: Der Mann hat eine Aura. Mit wenigen Fingerbewegungen steuert er seine Band. Bassist Tony Garnier achtet auf jede Geste des Chefs und die eingespielte Band mit Schlagzeuger George Recile, Gitarrist Charlie Sexton und Multiinstrumentalist Donnie Herron ist stets präsent. Wenn Dylan seine Band von der Leine lässt, dann hebt das Dach ab und die schreckliche Schwabenhalle wird zum intimen Club. Dylan selbst hackt auf dem Klavier herum und – oh Wunder – entlockt dem Instrument immer wieder zarte Töne. Er startete als Rock‘n Roller und er ist ein Rock‘n Roller mit wahnsinniger Spielfreude. 

Das Bühnenset in Augsburg.

Das Bühnenset in Augsburg.

Neben der Bühne steht wie seit langem der Oscar, den Dylan für Things Have Changed erhalten hat, davor die Büste vom Temnpest-Cover. Es handelt sich um eine Figur aus dem Pallas-Athene-Brunnen, der sich vor dem österreichischen Parlamentsgebäude befindet. Die Frau symbolisiert die Moldau, geschaffen von Carl Kundmann.

Die Setlist in Augsburg war bekannt. Vorbei die Zeiten als Dylan sein Werk spontan erstellte. Things Have Changed; It Ain’t Me, Babe; Highway 61 Revisited; Simple Twist Of Fate; Cry A While; When I Paint My Masterpiece; Honest With Me; Tryin’ To Get To Heaven; Scarlet Town; Make You Feel My Love; Pay In Blood; Like A Rolling Stone; Early Roman Kings; Don’t Think Twice, It’s All Right; Love Sick; Thunder On The Mountain; Soon After Midnight; Gotta Serve Somebody; Zugabe: Blowin’ In The Wind; It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry. Am Ende gemeinsame Verbeugung und Abgang – natürlich wieder kein Wort zu uns schnöden Publikum. 

Nach der Show dann große Diskussionen unter uns Fans. Vor der Halle trat dann noch TheBoband auf, ein Dylan-Imitator, der für ein wenig Stimmung auf dem Nachhauseweg sorgte. Die Leute klatschten mit, freuten sich. Einige waren dankbar, endlich wieder ihr Smartphone zücken zu dürfen und filmten mit – ich einschließlich. 

 

Übrigens: Am 7. Juni 2019 erscheint die 14 CD-Box zur Rolling Thunder Tour und ein paar Tage später der Martin Scorsese-Film zur Tour auf Netflix. Wir dürfen gespannt sein. Beide Termine sind bereits im Kalender eingetragen. 

Konzertkritik: Steve Hackett in der Tonhalle München 2019

25. April 2019
Steve Hackett in der Münchner Tonhalle 2019.

Steve Hackett in der Münchner Tonhalle 2019.

Denke ich an britische Ausnahmegitarristen, kommen mir sofort die Namen Clapton, Fripp, Blackmore, Howe, Page oder Beck in den Sinn, Steve Hackett vergesse ich immer wieder. Das ist ein schwerer Fehler, wie der jüngste Auftritt des 69jährigen Musiker in der Münchner Tonhalle zeigte. 

Steve Hackett gehört ganz vorne in die erste Liga der Rockgitarristen. Was er musikalisch bei seiner Show in München ablieferte, war für mich als Prog-Fan ein klares Statement für gute Musik. Die Show teilte sich in zwei Teile. Der erste Part war Musik von Steve Hackett als Solo-Künstler, wobei mir die Aufnahmen aus dem Album Spectral Mornings von 1979 am besten gefielen. Irgendwie hatte ich gehofft, mal wieder  When the Heart Rules the Mind von GTR zu hören, dass ich bei meinen einzigen GTR-Konzert in meiner Jugend in München hörte, aber das war wohl zu kommerziell. Die Show wurde immer wieder mit Statements von Hackett zum anstehenden Brexit kommentiert. Aufkleber an den Keyboards mit FCK Brxt und entsprechende T-Shirts unterstützen diese Statements. 

Ein Ausnahmegitarrist.

Ein Ausnahmegitarrist.

Nach der Pause wusste ich wieder, warum ich die frühen Genesis zu meinen Lieblingsbands zählte. Es wurde Selling England By the Pound präsentiert, sein Lieblingsalbum von Genesis, wie Hackett einstmals sagte. Als Zugabe gab es unter anderem Deja Vu, ein Genesis-Song, der es damals nicht auf das Album geschafft hatte. Und auch Dance on a Volcano, von A Trick of the Tail, das erste Album ohne Gabriel.

Es tat gut, solche Musik wieder mal live zu hören. Der 69jährige beherrscht sein Instrument, seine Band ist hervorragend eingespielt. Vor allem Nad Sylvan ist außergewöhnlich. Vom Aussehen her ein gealterter David Coverdale, aber eine Wahnsinnsstimme. Ich musste immer wieder hinschauen, ob sich nicht doch ein früher Peter Gabriel auf die Bühne verirrt hatte.

Den einzigen Vorwurf, dem man Steve Hackett und seinen Mannen machen kann: Das war eine wunderbare Nostalgie-Show an vergangene Zeiten. Aber genau das wollte ich ja. Tolles Konzert Mr. Hackett. 

P.S. Danke an Björn Eichstädt für die Vermittlung der Eintrittskarte.

Persönlicher Nachruf an Martin Böttcher und seine Winnetou-Musik

22. April 2019
Die Old Shatterhand Melodie von Martin Böttcher war 17 Wochen in den deutschen Charts.

Die Old Shatterhand Melodie von Martin Böttcher war 17 Wochen in den deutschen Charts.

Als Kind liebte ich sie, als Jugendlicher lehnte ich sie ab und heute sind sie mir eigentlich egal, die Winnetou Filme der Sechziger Jahre. Was ich aber immer mochte, war die einzigartige Musik zu diesen Filmen. Jetzt verstarb im Alter von 91 Jahren der große deutsche Filmkomponist Martin Böttcher. 

Seine Melodien werden uns immer in Erinnerung bleiben. Ich habe aus meinem Archiv die Single von Martin Böttcher mit der Old Shatterhand Melodie geholt und habe sie gespielt. Toller Sound, tolle Melodie – einfach großartig. 

Böttcher selbst sollte im Zweiten Weltkrieg Kampfpilot auf der neuartigen Komet werden, kam aber nicht mehr zum Einsatz. In der Kriegsgefangenschaft spielte er Gitarre, entdeckte den Jazz und später entdeckte in das Orchester des NDR. Der große deutsche Nachkriegsfilmproduzent Artur Brauner holte Martin Böttcher zum Film. Bereits seine zweite Filmmusik zu „Die Halbstarken“ 1956 schlug ein. Später verpflichtete ihn Horst Wendlandt für seine Edgar Wallace und anschließend für die Winnetou-Filme. Beide Filmreihen verschlang ich als Kind. Die Musik von Martin Böttcher bliebt uns dabei immer im Ohr. Danke für die Musik. Und ich hab gleich noch  Die Große Karl May Soundtrack-Box bestellt, weil die Musik wirklich gut ist.