Archive for the ‘Musik’ Category

No Filters: The Rolling Stones in München

14. September 2017
Zum neuen Mal in München: The Rolling Stones

Zum neuen Mal in München: The Rolling Stones

It’s only Rock’n’Roll but I like it – Die Rolling Stones in München und ich war mitten drin. Zum wiederholten Male habe ich die britischen Rocker gehört und zum wiederholten Male habe ich ein Vermögen für die Karten ausgegeben – und zum wiederholten Male hat es mir sehr gut gefallen. No Filters heißt ihre Tour und wenn man das Alter der Stones anschaut, dürfte es sich um ihre letzte Tour handeln. Und dennoch sind sie fit: Mick Jagger springt mit seinen 74 Jahren besser herum als ich es je konnte. Keith Richards bringt es auf 73 Jahren – hier hat der Lebenswandel seine Spuren hinterlassen, aber seine Riffs kann er noch. Charlie Watts sah schon immer alt aus und mit seinen gesegneten 76 Jahren ist er es auch. Ron Wood, ist dem Krebs entkommen, kommt als Jungspund auf 70 Jahre und hält die Stones am Laufen.

Von 9. September bis 25. Oktober läuft in Europa die No Filters Tour und die Konzerte sind fast ausverkauft. Hamburg war ein grandioser Auftakt und München wurde von den Stones hinweggerockt. Zum neunten Mal waren die Stones in München und Mich Jagger postete am Nachmittag ein Foto eines Spaziergangs im Englischen Garten. So etwas gefällt den Münchner natürlich.

Mick Jagger flaniert durch den englischen Garten in München.

Mick Jagger flaniert durch den englischen Garten in München.

Die Show im Olympiastadion war großartig, wie man es von den Herren gewohnt war und doch war es dieses Mal anders als die Jahre zuvor. Die Band spielte ruppiger als früher. Die Songs klangen nicht so einstudiert, wie in den früheren Jahren. Es rumpelte mehr, die Musik hatte mehr Ecken und Kanten als in früheren Shows, die mir fast zu perfekt und zu glatt waren. Natürlich sind die Abläufe bei einer Band dieser Größe geplant, aber es kam mir vor, als ob nicht alles gescript war wie in den früheren Jahren. Und ich habe den Verdacht, dass Keith Richards gar nicht Gitarre spielen kann und das meine ich mit dem höchsten Respekt. Gebeugt steht der Darsteller aus Flucht der Karibik auf der Bühne und schlägt ein Riff nach dem anderen an. Das klassische Gtarrenspiel überlässt Herr Richards den jüngeren Kollegen Ronnie Wood, der die Arbeit machen muss. Es ist ein Genuss dieses Zusammenspiel anzuschauen.
Sorgen mache ich mir immer wieder um Charlie Watts hinter der Schießbude. Der Mann zieht sein Ding durch, obwohl ich ab und zu denke, schafft er es noch, ein zweieinhalb ständiges Konzert durchzuspielen. Er schafft es und es ist prima – aber ein Showman wird Charlie Watts in seinem Alter nicht werden.
Showman pur dagegen ist natürlich Mick Jagger. Er springt, zappelt, hüpft, rockt die meiste Zeit auf der Bühne umher – es ist eine Wohltat ihm zuzusehen. Was allerdings der dauernde Klamottenwechsel soll, weiß ich nicht. Humor bewies der Sänger mit seinem letzten Outfit. Dort stand auf dem Shirt ganz groß Stones – damit auch jeder weiß, wo er ist. Jagger ist nicht Laga Gaga und muss keine Teenager mit seinem Outfit begeistern. Apropos Outfit: Die silbernen Glitzerturnschuhe von Ronnie Wood waren der Hammer.
Die Setlist von München unterschied sich nur wenig von der in Hamburg. Positiv finde ich bei den Stones, dass sie immernoch den Blues huldigen, auch wenn er nicht hitparadentauglich ist. Ein bisschen mehr Mut würde ich mir von den Herren wünschen – also nicht nur die Hits spielen, sondern mehr Experimente bitte. Aber die Stones geben das, was die meisten Fans hören wollen: Hits am laufenden Band. Dabei startete es nicht ideal: Sympathy for the Devil war der etwas wacklige Einstand, der sofort wieder wett gemacht wurde durch ein fabelhaftes It’s Only Rock ’n’ Roll (But I Like It). Das Publikum wählte Beast of Burben und wenn man ehrlich ist, war es eine eher unglückliche Wahl, ebenso Dancing with Mr. D.

Die Publikumswahl fand ich nicht perfekt dargebracht.

Die Publikumswahl fand ich nicht perfekt dargebracht.

So richtig fand die Band hier nicht den Zugang. Wenn dann auch noch Keith Richards zum Mikro greift, ist es in der Regel für mich die Zeit Biernachschub zu holen. Und meiner Meinung nach ging Happy gerade noch, während Slipping Away einfach daneben war. Anschließend übernahm Jagger wieder das Mikrofon und die Band trumpfte im letzten Teil der Show nochmals auf und alle durften mitsingen. Ein Feuerwerk musikalisch und optisch noch am Ende und fein war es. Sehr nett fand ich am Konzertende den Hinweis „Bis bald“. Sollte es doch nicht die letzte Tour der Rolling Stones gewesen sein?

Bis bald - doch nicht die letzte Tour?

Bis bald – doch nicht die letzte Tour?

Ein Wort noch zur Sicherheit: Der Zugang zum Olympiastadion war mit hohen Sicherheitsauflagen versehen. Das finde ich gut, sehr gut. Keine Rucksäcke und Taschen oder Regenschirme (es regnete allerdings zeitweise heftig) waren erlaubt. In meiner Reihe wurde scharf kontrolliert, Abtasten und Metalldetektor. Einige Besucher in der Schlange fanden das nervig, aber ich halte es für zeitgemäß. Lob also an die Sicherheitsleute und die Polizei, die zudem noch ein Spiel des FC Bayern bewachen musste.

Die Setlist von München, soweit ich es mitbekommen habe:
Sympathy for the Devil
It’s Only Rock ’n’ Roll (But I Like It)
Tumbling Dice
Out of Control
Just Your Fool
Ride ’Em on Down
Dancing with Mr. D
You Can’t Always Get What You Want
Beast of Burben
Paint It Black
Honky Tonk Women
Vorstellung
Happy keith mit Zigarette
Slipping Away Keith
Midnight Rambler
Miss You
Street Fighting Man
Start Me Up
Brown Sugar
(I Can’t Get No) Satisfaction
Gimme Shelter
Jumpin’ Jack Flash

Meine Songs zur Sonnenfinsternis

22. August 2017

In welcher Welt leben wir? Ich liege gemütlich auf meinem Sofa und schau mir via iPad und iPhone die Sonnenfinsternis in den USA an – und es großartig.
Ich hatte am 11. August 1999 eine totale Sonnenfinsternis in München erlebt. Ich war damals als Pressereferent bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern beschäftigt und alle Mitarbeiter konnten das Spektakel trotz Kernzeitverletzung betrachten. Meine spätere Frau und ich trafen uns mit Kollegen im Münchner Hofgarten und hatten unsere Pappbrillen dabei. Der Übergang von Tag zur Nacht war drastisch. Es wurde merklich kühler. Die Hunde jaulten. Die Vögel im Hofgarten verstummten – und die Menschen auch. Alle blickten nach oben und schauten zu, wie sich der Mond vor die Sonne schob. Absolut eindrucksvoll.


Das gleiche Gefühl hatte ich jetzt bei der Sonnenfinsternis in den USA wieder. Die NASA hatte eine kostenlose App Solar Eclipse bereitgestellt und übertrug das Naturphänomen live. Ich konnte zwischen verschiedenen Teleskopen in den USA hin und her schalten. Zudem gab es Erklärvideos, was da am Himmel passierte. Gleichzeitig verfolgte ich die BBC live in Facebook, las die Kommentare, drückte Like und genoss das Schauspiel.
Zur Vorbereitung auf das Ereignis am Vormittag dachte ich zunächst an Stanley Kubricks 2001 Odyssee im Weltraum und da kam mir vor der Sonnenfinsternis die Idee, meine persönliche Playlist für das Ereignis von meinem Musikserver zusammenzustellen. Hinterher habe ich gelesen, dass die Rockoma Bonnie Tyler mit Total Eclipse sogar zeitweise in der iTunes-Hitparade war. Während der Sonnenfinsternis wurde auf der NASA-App auch ein Improvisationskonzert des Kronos Quartetts übertragen. Kronos hatte ich von einigen Soundtracks.


Also hier meine Playlist rund um den Moon:
Moonage Daydream von Davide Bowie
Moon River von Audrey Hepburn
Bad Moon Rising von CCR
Moon Over Bourbon Street von Sting
Dark side of the Moon von Pink Flyod
Moondance von Van Morrison
Moonraker von Shirley Bassey
Fly Me to the Moon von Frank Sinatra
Full Moon and Empty Arms von Bob Dylan
Fay Bewitching the Moon von Tangerine Dream
Moonshadow von Cat Stevens
Ticket to the Moon von ELO
Moonchild von King Crimson
Höhepunkt war natürlich: Also sprach Zarathustra von Richard Strauss
Here comes the sun von den Beatles

Wo ist der Score zu Ghost in the Shell?

16. August 2017

Was ist bloß los mit dem Soundtrack zum neuen Ghost in the Shell? Ich habe mir die Realverfilmung des Mangas im Kino und jetzt auf Blu Ray angeschaut und viele Details haben mich bei dem Film begeistert. Ich habe darüber gebloggt. Als ich den Film im Kino gesehen hatte, bestellte ich mir bei Amazon den Soundtrack noch am gleichen Abend. Jetzt beim Ansehen der Blu Ray habe ich bemerkt, dass ich nie den Soundtrack erhalten habe. Was ist da los?

Der Score ist nicht lieferbar.

Der Score ist nicht lieferbar.

Der Fehler liegt nicht bei Amazon, sondern scheinbar gibt es hinter den Kulissen fetten Ärger. Der fabelhafte Soundtrack von Clint Mansell und Lorne Balfe ist bisher noch nicht veröffentlicht worden. Es lag schon ein Cover vor. Dabei ist der Score zum Film ein absoluter Hammer. Als ich mir den futuristischen Film angesehen hatte, kamen sofort die Erinnerungen an die beiden Soundtracks Blade Runner von Vangelis und Tron Legacy von Daft Punk in den Sinn. Blade Runner ist für mich der wichtigste Film der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und der Soundtrack von Vangelis in seinen Zig-Versionen und Bootlegs läuft bei mir sehr oft.

Soundtrack im Netz
Bei YouTube gibt es zu Ghost in the Shell drei Stücke Lights of Soho und seit kurzem Ambush sowie Glitch, letztere wurden vom Komponisten Lorne Balfe in seinem Kanal veröffentlicht. Immer wieder tauchen im Netz neue Mixes auf, aber den kompletten Soundtrack gibt es nicht – offiziell und inoffiziell.

So sollte der Score aussehen.

So sollte der Score aussehen.

Lakeshore Records teilte nach dem Filmstart mit, dass es keine Veröffentlichung geben wird. Einen Grund nannte die Plattenfirma nicht. Lakeshore Records gibt nur Soundtracks heraus und wird von Sammlern wie mir geschätzt. Im Netz formiert sich nun massiv Stimmung gegen diese völlig unverständliche Entscheidung. Es gibt eine Online-Petition, bei der über 3600 Soundtrack-Fans unterschrieben haben, um Druck auf Paramount und Lakeshore aufzubauen. Ich hoffe, es nutzt etwas.
Seit Anfang August 2017 tut sich etwas. Regisseur Rupert Sanders deutete in einem Interview an, dass der Score nun doch veröffentlicht werden soll. Das wäre absolut großartig. Wörtlich sagte er: „And I will follow up, and I will make sure that there’s a release.“ Das gibt Hoffnungen und ich wäre sehr dankbar, den Score in den Händen zu halten.

Doppelpack Die Meistersinger von Nürnberg

13. August 2017
Einmal im Jahr versuche ich nach Bayreuth zu kommen.

Einmal im Jahr versuche ich nach Bayreuth zu kommen.

Für mich ist der August auch immer mit einem Besuch an einen heiligen Ort verbunden: Dem grünen Hügel von Bayreuth. Wenn ich irgendwie Karten für die Richard Wagner Festspiele ergattere, dann reise ich zu einer Aufführung an diesem Hort der Kultur. In der Regel startet mein Wagner-Erlebnis mit der Kino-Übertragung und einem späteren Live-Besuch vor Ort. Dieses Jahr habe ich mir ein Doppelpack Meistersinger gegönnt.

Die Meistersinger von Nürnberg in der Inszenierung von Barrie Kosky, Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, war für mich ein Erlebnis. Die 4,5 stündige Oper, es ist die längste Wagner-Oper überhaupt, kam fast wie eine flotte Operette daher – fast. Den Ring zähle ich hier mal nicht als einzelne Oper, sondern als Mehrteiler. Verzeihung wenn ich Operette mit der heiligen Musik von Wagner assoziiere.

Ich hatte die Meistersinger zuvor noch nie live gesehen und war von der Neuinszenierung sehr positiv überrascht. Ich schmunzelte über die beiden tierischen Stars zu Beginn und den Humor der Inszenierung im Hause Wahnfried im Allgemeinen. Die Neufundländer Möhre und Bingo, alias Marke und Molly waren vor der Oper ein wahrer Publikumsmagnet. Festspielleiterin Wagner weiß einfach, die Hunde ziehen und nachdem auch Barrie Kosky ein Hundebesitzer ist, waren entsprechende Storys in der Presse vorprogrammiert. So sieht moderne PR-Arbeit aus.

Barrie Kosky ist der erste Jude, der eine Wagner-Oper in Bayreuth inszeniert. Was so locker und flockig begann, wurde dann ernst. Es blieb mir das Schmunzeln im Halse stecken, spätestens am Ende des zweiten Aufzugs als ich mit Wagner schrecklichen Antisemitismus konfrontiert wurde. Wagner als Musiker ist genial, Wagner als Politiker ist verabscheuungswürdig. Der Jude als Witzfigur. Hermann Levi, der erste „Parsifal“-Dirigent, wurde von Wagner immer wieder verspottet. Das sah man bereits im Vorspiel der Meistersinger, als sich der Jude dem Christentum beugen musste. Und auch das Bühnenbild änderte sich von Wohnzimmer zu Gerichtssaal. Die Ouvertüre von Wahnfried endet im dritten Aufzug im Gerichtssaal der Nürnberger Prozesse.

Das Selfie vor dem Festspielhaus mit Doris Ortlieb. Danke, dass sie mich begleitet, obwohl Wagner nicht so ihr Ding ist.

Das Selfie vor dem Festspielhaus mit Doris Ortlieb. Danke, dass sie mich begleitet, obwohl Wagner nicht so ihr Ding ist.

Ich hab Rücken bei den Meistersingern
4,5 Stunden Wagner kann ein Genuss sein, muss es aber nicht. Ich hatte im zweiten Aufzug, der nur eine Stunde dauerte, Rückenprobleme aufgrund der Holzstühlen. Das Sitzen auf meinem Klappstuhl tat mir dieses Jahr weh. Das Holz drückte unangenehm in den Rücken, schlimmer als in den vergangenen Jahren. Sollte ich gar jetzt so alt sein, dass ich ein lächerliches Sitzkissen mit nach Bayreuth nehmen sollte?

In der zweiten Pause schaute ich sogar am Merch-Stand bei der Post gegenüber des Festspielhauses die Kissen an. Aber nein, ich blieb hart. Ich kauf kein Kissen und nahm in 2,5 stündigen dritten Aufzug wieder auf dem harten Holzstuhl Platz. Insgesamt gibt es 1974 Plätze im Zuschauerraum mit gleichmäßig ansteigenden Sitzreihen nach Vorbild antiker Amphitheater. Der Blick vom Publikum aus ist genial, die Akustik auch.

Der göttliche Klang im Festspielhaus
Der komplette Innenraum besteht aus Holz, unter dem Zuschauerraum ist ein Hohlraum, der einen wunderbaren Resonanzboden für die Musik liefert. Am Ende merkt es auch der Zuschauer, wenn er mit den Füßen vor Begeisterung stampft. Und natürlich gibt es in Bayreuth den mystischen Abgrund. Der Orchestergraben ist mit einem Schalldeckel vom Publikum abgeschirmt. Die Musik des Orchesters fließt vom Graben auf die Bühne und vermischt sich mit den Stimmen zu dem Bayreuther Mischklang bevor er zum Publikum strömt. Das hat man ausgezeichnet gemerkt, wenn man die Meistersinger im Kino und dann live genoss. Der Klang im Kino war gut, der Klang im Festspielhaus war genial und lässt sich durch nicht toppen. Klangfetischisten werden von Klang in Bayreuth absolut begeistert sein. Für Wagnerianer ist es der Himmel.

Während ich bei der Premiere im Kino noch ein paar Buh-Rufe gehört habe, war von einem Buh im Festspielhaus nichts mehr zu hören. Fast 15 Minuten dauerte der Schlussapplaus an, wie mein Video zeigt.

Charme der siebziger Jahre am Grünen Hügel
Und noch zahlreichen Besuchen der Wagner Festspiele habe ich auch die Umgebung gewöhnt und rege mich schon gar nicht mehr über das siebziger Jahre Ambiente um das Konzert auf. Das Festspielhaus wird Zug um Zug saniert, vielleicht fällt auch endlich etwas für die Restaurants auf dem Gelände ab. Zum einen Mensa-Atmosphäre, zum anderen runtergerocktes Ambiente vergangenen Zeiten. Das ist eines Richard Wagner nicht würdig und habe auf den Besuch der Restaurants verzichtet.

Wagner goes Social Media
Allerdings habe ich unbedingt Hannes Richter auf dem Gelände besuchen wollen. Er ist der Social-Media-Beauftragter der Bayreuther Festspiele und macht einen verdammt guten Job mit seinem Team. Ich habe ihn im Büro besucht und mich als Vorsitzender des Bloggerclubs vorgestellt.

Hannes Richter ist der Social-Media-Beauftragte der Bayreuther Festspiele

Hannes Richter ist der Social-Media-Beauftragte der Bayreuther Festspiele

Wenn die Festspielzeit vorbei ist, nehme ich nochmals mit ihm Kontakt auf. Vielleicht können wir 2018 die Bayreuther Festspiele und der Bloggerclub etwas auf die Beine stellen. Im Moment folge ich den Bayreuther Festspielen auf Twitter (sehr gut) und YouTube (nett gemacht). Facebook beachte ich, finde aber die Geschwindigkeit von Twitter deutlich besser.

Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg im Kino

2. August 2017
Verachtet mir die Meister nicht!

Verachtet mir die Meister nicht!

Jahr für Jahr genieße ich Richard Wagner im Kino und live in Bayreuth. Da ich bisher nie in den Genuss von Premierenkarten gekommen bin, aber den göttlichen Richard Wagner zum Auftakt von Bayreuth nicht verpassen will, gehe ich zu Richard Wagner for the rest of us. Ich bin in mein Stammkino Scala Fürstenfeldbruck gepilgert und haben einen wunderbaren Abend erlebt, aber es wird wohl das letzte Mal gewesen sein. Warum? Ich habe gesehen, dass die Premiere der Meistersinger von Nürnberg dieses Jahr live ins Internet vom Bayerischen Rundfunk gestreamt wurde. Warum zahle ich 40 Euro pro Karte fürs Kino, wenn ich Wagner kostenlos im Netz schauen kann?

Der BR streamte ins Netz, warum also 40 Euro ausgeben?

Der BR streamte ins Netz, warum also 40 Euro ausgeben?

Ich hab es auch bequem zu hause per HD-Beamer und die Soundanlage rockt auch. Ich schaue mir die Meistersänger nächste Woche live am Grünen Hügel in Bayreuth an und werde es auch genießen. Aber Wagner im Kino hat sich für mich erledigt, wenn der Stream weiter ins Netz geht. Nächstes Jahr wird es zur Premiere eine Neuinszenierung des Lohengrins geben. Regie wird Yuval Sharon führen, die musikalische Leitung hat Christian Thielemans.

Ein Glas Sekt gab es zum Einstand.

Ein Glas Sekt gab es zum Einstand.

Aber ich will ein großes Lob für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Scala Fürstenfeldbruck aussprechen. Sie haben sich alle Mühe mit den Wagnerianern gegeben. In der Regel ist es bei uns im Kino ein älteres Publikum, die nicht so stark in Blockbuster gehen. Der Service im Kino war super. Zur Einstimmung gab es erst einmal ein Glas Sekt. Irgendwie erkannte die freundliche Mitarbeiterin, wer zu Wagner und wer zu den Minions geht, die parallel liefen. Gut, ein Blick auf die Klamotte hat in der Regel ausgereicht. Für Wagner putzte ich mich raus, für die Minions hätte ich eine Banane ins Kino mitgenommen.

Hier nochmal das Programm.

Hier nochmal das Programm.

Dann verteilte ein Mitarbeiter ein Programm, um was es in den Meistersinger überhaupt geht. Ich hatte die Handlung zuvor schon gelesen und besitze zahlreiche Aufnahmen der Meistersinger. Live hatte ich diese bedeutende Oper noch nie gesehen. Ich tu mir schwer mit den politischen Aussagen von Wagner, aber darauf wurde in dem Programm keine Aussagen gemacht. Die Inszenierung war locker, schon fast operettenhaft und am Ende des zweiten Aufzugs erstarrte ich. Da war wieder diese Judenfeindlichkeit und Anitsemitismus von Wagner, den ich so verabscheue.


Vor dem dritten Aufzug gab es eine lecker Häppchen-Platte im Kino. Das war genau die richtige Stärkung vor dem langen dritten Akt mit seinem Höhepunkt „Verachtet mir die Meister nicht!“ Die Kunstdebatte war bei mir wieder entbrannt und da ich da auch für das Handwerk mit seinen Innungen arbeite, saß der Stoß von Richard Wagner genau richtig. Was kümmern mich Regeln?

Meiner Frau und mir hat es prima gefallen.

Meiner Frau und mir hat es prima gefallen.

 

Gut ausgerüstet für den ersten Aufzug - ich bin so ein Banause.

Gut ausgerüstet für den ersten Aufzug – ich bin so ein Banause.

Warum allerdings der Stream im Kino um 18 Uhr startete, während die Premiere in Bayreuth um 16 Uhr losging, konnte mir im Kino keiner beantworten. Ich hatte zumindest zu Beginn die dritten Aufzugs die Möglichkeit gehabt, erste Kritiken und Blogposts im Netz zu lesen.
Ach ja: Wunderbar frech war wieder einmal Axel Brüggemann, manches Mal für meinen Geschmack sogar zu frech. Am besten fand ich sein Interview mit Katharina Wagner vor dem Klo in Festspielhaus. Über Hochkultur reden vor dem WC-Eingang – das hat was. Da habe ich lauthals im Kino losgelacht – so einen Humor (hoffentlich beabsichtigt) hätte ich der Wagner-Truppe nicht zugetraut.

Interview vor dem Klo - gut gelacht bei Wagner.

Interview vor dem Klo – gut gelacht bei Wagner.

Die Nacht der Fontänen – auch so wird Togo geholfen

14. Juli 2017
Die Nacht der Fontänen der Togohilfe Maisach.

Die Nacht der Fontänen der Togohilfe Maisach.

Auch eine Hilfsorganisation muss neue Wege gehen, um an Gelder zu kommen. Es reicht nicht nur, mit Argumenten zu überzeugen. Dass es zusätzlich auch anders geht, zeigt die Aktion PiT Togo Hilfe in Maisach. Der Hilfsverein für Togo veranstaltet am 28. Juli 2017 in der Kreisstadt Fürstenfeldbruck die Nacht der Fontänen.
Das ist eine Wassershow mit Tanz und Musik im Stadtsaal des Veranstaltungsforums Fürstenfeld. In Anlehnung an Las Vegas und die Wasserspiele von Dubai präsentiert die „Nacht der Fontänen“ eine Symbiose aus Wasser, Licht und klassischer Musik: Musikalisch untermalt das Puchheimer Jugendkammerorchester Tanzvorführungen des Ballettstudios Sinzinger, während eine spektakuläre Show eindrucksvolle Effekte aus Licht und Wasser zaubert. Dazu wird in das Veranstaltungsforum ein großes Wasserbassin aufgebaut und mit kostbaren Nass befällt.
Und natürlich gibt es einen Togo-Bezug auch: Mit dabei ist auch die amtierende „Miss Togo Diaspora“ Pascaline Amagio, die im Februar in Paris gewählt wurde und sich für soziale Anliegen im Ausland lebender Togolesen einsetzt. Die Benefizveranstaltung zugunsten von Hilfsprojekten der Aktion PiT-Togohilfe e.V. ist Teil der Kreiskulturtage Fürstenfeldbruck.

Diese Werbezettel verteilte ich die vergangenen Tage.

Diese Werbezettel verteilte ich die vergangenen Tage.

Ich habe für meine ganze Familie Karten gekauft, um dem Spektakel beizuwohnen. Ich unterstützte die Togohilfe aktiv durch zwei Patenschaften durch mein Unternehmen redaktion42, packe Hilfscontainer für den afrikanischen Staat und jetzt auch durch diese ungewöhnliche Aktion Nacht der Fontänen. Ich liebe Kunstinstallationen und ich hoffe hier auf eine intensive visuelle und akustische Erfahrung durch Licht, Ton und Effekte. Das reizt mich und zugleich unterstützte ich eine gute Sache.
Die Technik selbst kommt aus einer Nachbargemeinde Olching. Das Unternehmen wateract hat sich auf Wasserspiele spezialisiert und hat langjährige Erfahrungen mit Fontänen aller Art. Ich habe im Netz ein Video gefunden, das ein wenig die Arbeit von wateract zeigt und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Show mit der richtigen Musik und Tanz auf mir wirkt. Ich freue mich auf jeden Fall auf die Nacht der Fontänen und bin neugierig, wen ich dort treffen werde. Karten gibt es direkt bei der Togohilfe, bei München Ticket oder an der Abendkasse.

Harry Potter wird 20 Jahre – und ich hab ihn bis dato nicht gelesen

26. Juni 2017

Heute vor 20 Jahren erschien in Großbritannien der erste Band von Harry Potter. 20 Jahre ist das nun her und Harry Potter löste eine Begeisterung fürs Lesen und Fantasy aus – und lässt mich auch nach 20 Jahren völlig kalt.

Mit Zauberstab und der Karte des Herumtreibers ausgestattet.

Mit Zauberstab und der Karte des Herumtreibers ausgestattet.

Ja, ich bin kein Fan von Harry Potter. Ich hab die Faszination um den Zauberlehrling einfach verpasst. Mich hat der Virus von Joanne K. Rowling nicht erfasst. Meine Familie ist dagegen voller Potter-Fans, ich bin irgendwie gegen diesen Zauber immun. Das soll nicht heißen, dass ich die Begeisterung um das Phänomen Harry Potter nicht teilen kann. Ich habe einfach nicht von der Droge Harry Potter gekostet, freue mich aber über den Erfolg der Figur. 500 Exemplare druckte der britischen Bloomsbury-Verlag vom Erstlingswerk Harry Potter und der Stein der Weisen. Und dann wirkt der Zauber. Harry Potter entwickelte sich zum Renner in den Buchläden und brachte Kinder (und Erwachsene) scharenweise zum Lesen. Es ist stark, dass so ein Buch so eine Faszination auslösen konnte.
Meine Frau und später meine Kinder waren, sind und bleiben Potter-Fans. Wir haben die Bücher, eBooks und ganz beliebt die animierten iBooks von Apple und Filme. Wir haben Umhänge, verschiedene Zauberstäbe, Bücher mit Zaubersprüchen, mehrere Quiz-Varianten und ich glaube sogar, dass meine Gattin einen Besen Feuerblitz Nimbus 2000 besitzt – zumindest blitzen ihre Augen, wenn sie einen bestimmten Besen aus der Garage in ihren Hand hält.
Wir besuchten Harry Potter-Lesepartys in Büchereien und Buchhandlungen. Ich genoss eine Ausstellung, ich fieberte mit der Familie der Auslieferung eines neuen Potter-Buches entgegen. Einmal organisierte Amazon eine Nachauslieferung und der Paketbote kam gegen 2 Uhr morgens und brachte das ersehnte Harry Potter-Buch. So etwas gefällt mir – fetter Hype und richtig Rock’n Roll. Die Ideen von Joanne K. Rowling sind wirklich wunderschön. Nachdem ich viele Verwaltungsschulungen durchführe mag ich natürlich das Zauberministerium, als Bahnfahrer liebe ich den Hogwarts-Express samt Gleis Neundreiviertel und als Journalist verehre ich den Tagespropheten als Vorbild für ePaper.
Ab und zu lese ich Sekundärliteratur über Harry Potter, um bei meinen Kindern zu punkten. Dabei ist es toll, wie die Autorin mit den verschiedenen literarischen Genren spielt: Krimi, Jugend, Fantasy, Internatsliteratur – das Wechseln der Erzählformen. So eine Besserwisserei von mir macht bei meinen Kindern Eindruck.

Harry Potter im Kino und Blu ray
Weil ich zu faul war, die Bücher zu lesen, habe ich mir die Filme angesehen. Die meisten davon im Kino, alle immer wieder auf Blu ray. Ich überlege, ob ich das Potter-Schloss als Blu ray-Box kaufen soll. Meine Kinder K1/2 entwickelten sich zu Potter-Experten und schauen sich die Filme immer wieder gerne an. Sie sprechen die Dialoge mit, fachsimpeln, klatschen und freuen sich. Ich erkenne mich in meinen Kindern. Was Harry Potter für sie ist, ist die klassische Trilogie von Star Wars für mich: Einfach nur Kult. Nicht verraten: Die Potter-Filme fand ich ganz okay, aber auch nicht mehr. Aber das geht vielen Leuten mit Star Wars und Star Trek ebenso – also will ich nicht darüber urteilen.

Harry Potter Soundtracks
Allerdings mag ich den Score der Harry Potter-Filme. Ich besitze alle Soundtracks, einige davon in Extendet Version. Die Preise für diese Teile sind explodiert, ich hatte sie damals als Komplettierung meiner Soundtrack-Sammlung gekauft.
Die ersten drei Teile Harry Potter und der Stein der Weisen, Harry Potter und die Kammer des Schreckens und Harry Potter und der Gefangene von Askaban wurden komponiert von Altmeister John Williams und sind über jeden Zweifel erhaben. Teil 4 Harry Potter und der Feuerkelch wurde von Patrick Doyle beigesteuert und dann folgten zwei Soundtracks von Nicholas Hooper Harry Potter und der Orden des Phönix und Harry Potter And The Half-Blood Prince. Den Score für die letzten beiden Potter-Filme steuerte der Franzose Alexandre Desplat bei. Diese Musik ist wirklich großartig.

Harry Potter als Videospiel
Ab und zu spielen wir Videospiele rund um Harry Potter. Die beiden Lego-Spiele finde ich – wie die meisten Lego-Spiele – großartig umgesetzt. Interessant ist, dass meine beiden jugendlichen Potter-Fans K1/2 diese Spieleumsetzung Lego Harry Potter Collection eher langweilig finden. Sie greifen dann doch lieber zu Star Wars, Batman und Indiana Jones. Und auch das Lego-Spielzeug von Harry Potter kommt nicht so gut an, wie ich gedacht habe. Die Figur des Rubeus Hagrid habe ich mal geschenkt bekommen als ich über ein Lego-Fußballstadium berichtete. Rubeus Hagrid war damals Brasilienfan – zumindest hatte die Figur Rubeus Hagrid eine brasilianische Fahne in der Hand. Die Figur steht heute auf meinem Schreibtisch, aber die restlichen Harry Potter-Bausätze lockten meine Kinder nicht. Wir bleiben in der Lego Star Wars-Welt – ohne Harry Potter.
Ich plane als nächstes mit K1/2 den Besuch der Harry Potter-Filmstudios in London. Das geht sicherlich ins Geld, aber den Spaß gönne ich mir. Mal sehen, ob die Gattin uns begleitet. Und wenn es wirklich klappt, dann verspreche ich nach 20 Jahren des Erscheinens des ersten Harry Potter-Buches die Buchreihe durchzulesen. Es gehört doch irgendwie zur Populärkultur dazu.

Persönlicher Nachruf auf Gunter Gabriel

23. Juni 2017

Als ich vom Tode von Gunter Gabriel gestern erfuhr, musste ich unwillkürlich an ein Jahresgespräch in einem Verlag denken, bei dem ich mal beschäftigt war. Der Verlagsleiter war ein fairer Chef und Mensch von dem ich viel gelernt habe. Ich eröffnete das Gespräch mit dem Klassiker: „Hey Boss, ich brauch mehr Geld!“ Der Verlagsleiter, gut bewandert in der Musik, antwortete mit einem Gunter Gabriel Zitat: „Wenn Du denkst, Du denkst, dann denkst Du nur, Du denkst.“ Insider wissen: Gabriel produzierte und komponierte für Juliane Werding. Nun, mehr Geld habe ich nicht bekommen, aber Spaß hat es trotzdem gemacht.
Wenn ich an Gunter Gabriel denke, fällt mir auch mein Onkel ein, der mich musikalisch sozialisiert hat. Er liebte Elvis und Johnny Cash – und irgendwie war Gunter Gabriel auch als deutscher Johnny Cash dabei. Deutscher Country war nicht unbedingt mein Fall, obwohl ich einige Alben habe. Meine Eltern besaßen von Gunter Gabriel ein paar Singles und ich habe Das Tennessee Projekt noch als CD in Langfassung.

Später erschien die CD in gekürzter Form. Beim Tennessee-Projekt nahm Gabriel Songs von Johnny Cash auf Deutsch auf und Cash sang sogar mit.
Einmal habe ich Gunter Gabriel bei einem Trucker- und Countryfest in der Kreisstadt Fürstenfeldbruck live gesehen. Ich war beim Münchner Merkur als Mitarbeiter tätig und erzählte in der Redaktionskonferenz, dass ich den Gunter Gabriel nicht unbedingt schlecht fände und durch diese unvorsichtige Bemerkung war ich schlagartig der Country-Berichterstatter und durfte über Country, Square Dance und Trucker berichten. Was macht man nicht alles in seiner Zeit als Lokalreporter? Gabriel lieferte einen soliden Auftritt ab, aber ein Interview habe ich mit ihm nicht gemacht. Im Nachhinein schade, denn Gunter Gabriel hatte sicherlich viel erzählen können. Wenn ich die Nachrufe heute in den Massenmedien lese, tut es mir leid, mich so wenig mit dem deutschen Johnny Cash beschäftigt zu haben.

Musiktipp: Is This The Life We Really Want? von Roger Waters

19. Juni 2017

Eine gefühlte Ewigkeit ist es her, seitdem Roger Waters, ehemaliges Mitglied von Pink Floyd, ein Album mit neuem Material veröffentlicht hat. Jetzt war es wieder soweit: Is This The Life We Really Want?
Hm, nach einigen Malen hören bin ich auf der einen Seite begeistert, auf der anderen Seite enttäuscht. Begeistert, weil Waters seine Songwriter-Qualitäten und seinen kritischen Geist nicht verloren hat. Enttäuscht, weil Waters außer Gejammere und Kritik keine Alternativen bietet.
Zunächst mag ich das Album. Es ist ruhig und kommt nachdenklich daher. Die Songs klingen, wie Songs von Roger Waters klingen sollen: Eindringlich, musikalisch eher in ruhigen Gewässern zu finden. Wer die Vorgängeralben The Pros and Cons of Hitch Hiking von 1984, Radio K.a.O.S. von 1987 und Amused to Death von 1992 mochte, der ist mit Is This The Life We Really Want? gut bedient. Der typische Song ist von der ersten Minute zu hören, ein paar Effekte hier, ein paar Einspielungen da und die typische Bass/Schlagzeug-Kombo im Hintergrund. Wer Pink Floyd mochte, der kann das neue Roger Waters Album mögen, muss es aber nicht. Für Floyd fehlt eben der Konterpart David Gilmour beim Songwriting, der ein wenig mehr Rock’n Roll in die Sache gebracht hat. Von Syd Barrett will ich gar nicht reden.
Das Album konnte ich nicht nebenbei hören. Roger Waters fordert volle Aufmerksamkeit. Der einzige Song, der gleich ins Ohr geht, mag vielleicht Smell the Roses sein, das auch mein Anspieltipp ist. Die anderen Songs brauchen ihre Zeit, um die Struktur und die Schönheit zu erkennen. Waters zwang mich, den Kopfhörer aufzusetzen und mich zu konzentrieren – und dann zu genießen.
Der CD lag ein Booklet bei, um den Gedanken von Roger Waters folgen zu können. Nachdem er sich bei Amused to Death dem legendären Thesen von Neil Postman gewidmet hat, kommt bei Is This The Life We Really Want? die große Antikriegskeule. Waters ist – oh Wunder – gegen Trump und die Mächtigen der Welt. Er wettert gegen den Hass und Diskriminierung. Oft spricht er mir aus der Seele. Alleine und ohnmächtig gegen die Herrschenden, er greift die Themen unserer Zeit wie Flüchtlinge und die Ursachen der Flucht auf, er erzählt die Geschichten vom Tod im Bombenhagel und in typischer Roger Waters Manier erhebt er den moralischen Zeigefinger. Ich wurde wieder wütend, als ich mir das Grauen dieser Welt ins Bewusstsein rief. Dafür bin ich Roger Waters dankbar, dass er diese Wut in mir aufsteigen lässt. In the Last Refugee erinnert er an den kleinen Flüchtingsjungen, der im September 2015 tot an den Strand gespült wurde.
Es sind Zeilen wie: „Picture a shithouse with no fucking drains! Picture a leader with no fucking brains!“, die mich aufrütteln. Früher nannte man das Punk, doch die Musik ist alles andere als Punk.
All das wirkt auf mich als Zuhörer. Das ist gut, aber er lässt den Zuhörer dann allein. Er bietet keine Lösung an, er jammert und kritisiert, aber zeigt keinen Weg aus der Misere. Die Liebe als Ausweg ist mir irgendwie zu wenig. Und daran krankt dieses Album meiner Meinung nach. Es ist einfach sich hinzustellen und zu kritisieren, aber es muss mehr sein als die Aussage, ob das das Leben sei, dass ich wirklich haben wollte. Und darum tu ich mich mit diesem Roger Waters Werk schwer. Ich bin hin und her gerissen, denn eigentlich mag ich den 73jährigen. Seine Aussagen zu Israel teile ich zwar nicht, aber zumindest hat der Punker Roger Waters eine politische Meinung und eckt an. Und wenn er 2018 wieder mal auf Tour gehen sollte, werde ich wohl dabei sein, wie damals bei seiner Interpretation von the Wall, nachzulesen in meinem Blog.
Jetzt werde ich aber erst wieder in meinen Hass und meiner Wut ergötzen, wenn ich mir Is This The Life We Really Want? anhöre.

Rolling Stones – ich komme

12. Juni 2017
Ankündigung der NoFilter-Tour der Stones.

Ankündigung der NoFilter-Tour der Stones.

Ich werde von meiner Frau verwöhnt. Die Rolling Stones gehen auf Tour und die Ehefrau hat mich nach München ins Olympiastadion eingeladen, wenn die Band aufspielt. Es heißt, es soll die letzte Tour der alten Herren sein. Nun, dies hieß es schon bei der Tour davor und auch bei der vorvorherigen Tour. Aber dieses Mal soll es wirklich die letzte Welttour sein – die Stones werden auch nicht jünger, obwohl Mick Jagger mit heute 73. Jahren fitter ist, als ich es je war. Keith Richards sieht mit seinen 73. Jahren so, wie er wohl immer aussehen wollte. Für mich steht fest: Ich geh zu den Stones – hurra.
Ich habe sie schon mehrmals gesehen. Bei der Voodoo Lounge Tour 1994/95, bei der Bridges to Babylon Tour 1997/98, bei der A Bigger Bang-Tour 2007 und nun bei der NoFilter Tour 2017. Ich glaube wirklich, dass es nun die letzte Tour ist. Die drei Konzerte in Deutschland in Hamburg, München und Düsseldorf sind ausverkauft. 180000 Tickets gingen über den Ladentisch. Und meine Frau muss mich wirklich lieben, denn die Ticketpreise sind abartig hoch. Sie war eine der ersten, die sich online um Karten für uns bemüht hat – dafür vielen lieben Dank. Ich hing in der U-Bahn in Hannover herum mit Edge und hätte nie die Chance auf Karten gehabt.
Für mich heißt es nun, Rolling Stones-Aufnahmen anhören und zwar konzentriert. Es liegen viele Live-Alben der Stones hier herum. Als erstes nehme ich mir das Album Havana Moon vor. Hier haben die Stones Geschichte geschrieben. Durch die Annäherung USA/Kuba durften die Rock’n Roll-Millionäre das erste Mal auf der kommunistischen Insel im März 2016 spielen. Und sie haben schön gespielt, obwohl ich skeptisch war. Können die Stones ihr Hyde Park-Konzert noch steigern? Nun, sagen wir es mal so: Es ist mindestens genauso gut.


Die üblichen Titel live, ein wenig Blues, viele Klassiker vor den 1,2 Millionen kubanischen Zuschauern. Und der Sound ist astrein. Die Stones brachten im Grunde nicht nur ihre Musik nach Kuba, sondern den ganzen Rock’n Roll Zirkus bis hin zum Aufnahmegerät. Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Die Songs in Kuba machen noch immer Spaß, vieles sind Klassiker. Und wenn die Stones vom Kuba nach München im September kommen, dann will ich die Songs ebenso genießen. Ich freu mich sehr.