Archive for the ‘Musik’ Category

Warum Pink Floyd wirklich Space Music macht

15. Januar 2019
Dark Side of the Moon ist für mich eines der wichtigsten Alben überhaupt.

Dark Side of the Moon ist für mich eines der wichtigsten Alben überhaupt.

Wenn ich Leute über Pink Floyd reden höre, vernehme ich oft den Ausdruck Space Music? Was soll diese Art von Weltraummusik darstellen? Es liegt wohl den psychedelischen Sound, den Pink Floyd zu Beginn ihrer Karriere gemacht haben. Als Stammband des UFO-Clubs in London war die Band 1967/68 für ihre langen Improvisationen und Soundexperiemente bekannt geworden. Das sollte sich in den späteren Jahren nicht ändern. 

Improvisationen bei Pink Floyd im Londoner UFO-Club.

Improvisationen bei Pink Floyd im Londoner UFO-Club.

Als 1969 Neil Armstrong den Mond betrat, sorgte Pink Floyd im britischen Fernsehen für die Live Musik. Die Musik dazu findet sich übrigens auf der Doppel-CD The Early Years 1967 – 1972 Cre/ation mit anderen Schätzen. Ich kaufte mir bei Erscheinen damals die komplette Box für teuer Geld und hab es nie bereut.

Kommen wir zurück zur Space Music. Im Laufe der Jahre kommen auch andere Musiker zu der Ehre solche Musik zu machen: Jean-Michel Jarre, Tangerine Dream, Klaus Schulze und mehr. Dennoch hat Pink Floyd sicherlich eine außergewöhnliche Stellung. 

In der Pink Floyd-Ausstellung in Dortmund gibt es zwei Hinweise auf diese besondere Stellung. Bis 15. Februar 2019 läuft die multimediale. Erlebnis-Ausstellung: „The Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains“ noch in Dortmund und ich musste sie mir einfach ansehen. 

Dedicate Sound of Thunder im Weltall

Zum einen war das Live-Album Delicate Sound of Thunder im Jahr 1988 bei einem russischen Kosmonauten auf der Sojus MT-7 mit dabei. Die Band Pink Floyd ohne Roger Waters verfolgte damals den Start der Rakete. Der Kosmonaut hatte die Kassette im Gepäck, die Hülle blieb auf der Erde zurück, um Gewicht zu sparen. Damit war Dedicate Sound of Thunder wohl das erste Rockalbum im Weltall in der Geschichte, also wahre Space Music.

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Dark Side im Space Shuttle

Zum anderen wird in der Pink Floyd-Ausstellung ein Dankesschreiben des britischen Astronauten Piers Sellers (1955-2016) ausgestellt. Er hatte zum 30. Geburtstag von Dark Side Of The Moon die SCAD-Version des Albums im Weltraum mit dabei. Es war der NASA-Shuttle Flug STS-132 im Jahr 2010. Sellers flog dreimal zur ISS und machte sechs Weltraumspaziergänge. Im Weltraum hörte er seine Space Music von Pink Floyd. In der Ausstellung ist das Schreiben und die Original-CD und eine Fotografie von Piers Sellers samt CD im Weltraum zu sehen.

Dankschreiben der NASA für Dark Side of the Moon.

Dankschreiben der NASA für Dark Side of the Moon.

Also jetzt verstehe ich den Begriff Space Music in Zusammenhang mit Pink Floyd. 

 

Star Wars Imperium schlägt zurück live in Concert im Gasteig München 2019

5. Januar 2019
Das Imperium schlägt zurück mit Live Musik im Gasteig - was will der Fan mehr?

Das Imperium schlägt zurück mit Live Musik im Gasteig – was will der Fan mehr?

Leider wird es mir wohl nicht mehr vergönnt sein, den großen John Williams live am Dirigentenpult zu erleben. Der große Filmkomponist ist inzwischen 86 Jahren alt und wird wohl nicht mehr in seinem hohen Alter auf Tournee gehen. Daher will ich wenigstens die Musik von John Williams genießen und war natürlich dabei als der Film Star Wars V Das Imperium schlägt zurück mit Livemusik im Münchner Gasteig aufgeführt wurde. Die Musik kam vom Pilsen Philharmonic Orchestra unter dem Dirigat von Christian Schumann. 

Aber das Erlebnis begann schon im Vorfeld. Wie schon ein Jahr zuvor liefen im Foyer kostümierte Star Wars Fans einher. Ich habe nur die böse Seite gesehen, also Imperium und Neue Ordnung. Das liegt nah, dass es sich um Mitglieder der 501st Legion handelte, obwohl ich kein Logo gesehen habe. Die 501st Legion „Vader’s Fist“ ist eine internationale Star-Wars-Fanvereinigung mit über 10000 Mitgliedern aus mehr als 40 Ländern und irgendwann möchte ich dem Verein beitreten. 

Vor dem Konzert noch ein Fototermin vor der Bühne.

Vor dem Konzert noch ein Fototermin vor der Bühne.

Also konnte man im Vorfeld mit Sturmtruppen, Darth Vader oder Kylo Ren für ein Foto posieren, was ich als Fan ausgiebig gemacht habe. Irgendwie hatte das Konzert einen Convention-Charakter und so was gefällt mir. Und das Thema Film plus Livemusik scheint ein finanzieller Renner zu sein, denn es wurde gleich Werbung für Abende mit James Bond, Ratatouille, Harry Potter gemacht und ich hab gleich Karten für Star Wars 2020 die Rückkehr der Jedi-Ritter online gekauft. 

Die Akustik im Gasteig ist gewöhnungsbedürftig.

Die Akustik im Gasteig ist gewöhnungsbedürftig.

Platz genommen in der Philharmonie und zu Beginn zogen die kostümierten Fans vor die Bühne zum nächsten Fototermin. Später nahmen sie auf den Seitenrängen Platz und verfolgten das Konzert. Natürlich hatten auch Sturmtruppen ihr Smartphone dabei und schossen Erinnerungsfotos von dem Auftritt nach dem Motto: Auch eine Sturmtruppen braucht eine Erinnerung – aber waren das nicht Klone? 

Auch Sturmtruppen brauchen Erinnerungsfotos.

Auch Sturmtruppen brauchen Erinnerungsfotos.

Dann der Auftritt des Pilsen Philharmonic Orchestra und der Auftritt von Christian Schumann. Er ist in der Musikszene wahrlich kein Unbekannter. Christian Schumann, geboren in Freiburg i. Br., studierte Dirigieren sowie Komposition in Weimar und Zürich und assistierte bei Peter Eötvös, Esa-Pekka Salonen, David Stern und Frank Strobel und ist auch als Filmmusiker bekannt. Gerne würde ich mal mit mit ihm ein Interview mit ihm über John Williams führen.

Über den Film brauche ich nicht viel zu schreiben. Es ist für mich der beste Film der Reihe. Gezeigt wurde die digital überarbeitete Fassung, die ich als Purist nicht so gerne mag. Klar, Krieg der Sterne hat den Mythos erschaffen, aber Imperium ging für mich tiefer und machte Lust auf mehr. „Ich bin dein Vater“ und all die anderen Klassiker „Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.“, „Ich hab ein verdammt schlechtes Gefühl.“ Die Dialoge in dem Film konnte ich auswendig, musste ich auch, denn die Musik in der Aufführung war so laut, dass sie die meisten Dialoge übertönte. Das ist vielleicht die einzige Kritik an dem Abend: Nicht die Musik war zu laut, sondern der Ton war zu leise – und die Akustik des Gasteigs ist, naja, für solche Aufführungen wohl eher nicht geeignet. 

Christian Schumann und seine Musiker haben den Applaus verdient.

Christian Schumann und seine Musiker haben den Applaus verdient.

Danke Christian Schumann und seinen tschechischem Musikern für den schönen Abend. Zum Abschluss gab es noch den Imperial March als Zugabe – was will ich mehr?

Musikritik: Bruce Springsteen on Broadway

16. Dezember 2018

Der Boss hat mich auf dem falschen Fuß erwischt. Ich bin ein Bruce Springsteen Fan der ersten Garde und mein absolutes Lieblingsalbum ist Nebraska. Aber ich muss zugeben, dass ich die Karriere meiner Musikstars nicht mehr so im Auge habe – einzige Ausnahme ist Bob Dylan. Und als ich las, dass Springsteen mit Springsteen on Broadway ein neues Live-Album veröffentlichte, griff ich blind zu. Was der Boss macht, das hat Qualität. Ich habe ihn live erlebt und weiß, welche Power der Kerl hat. Über den Hintergrund von On Broadway hatte ich nichts gelesen, kaufte blind und bin nun enttäuscht.

Ich hatte mir was anderes vorgestellt und bin vom neuen Springsteen-Album enttäuscht.

Ich hatte mir was anderes vorgestellt und bin vom neuen Springsteen-Album enttäuscht.

Die Songs, die Bruce Springsteen auf diesem Doppelalbum Springsteen on Broadway darbringt, sind außergewöhnlich gut. Solo, mal mit Gitarre, mal mit Klavier und eine super Stimme – alles so, wie ich den Boss kenne und ich ihn mag. Aber dann kommt dieses Gequatsche. Was ist jetzt das? Das Album on Broadway enthält Storytelling allererster Güte, aber darauf war ich nicht vorbereitet. Ich wollte Musik hören und nicht die Monologe vom Boss anhören.
Ich war enttäuscht und bin ich es beim dritten, vierten, fünften Anhören noch immer. Ich geb ja zu, der Fehler liegt bei mir. Hätte ich vorher bei Apple Musik hineingehört, dann hätte ich mir dieses Album nicht gekauft. Und hätte ich mich vorher erkundigt, was Springsteen da macht, wäre ich anders an den Kauf herangegangen.
Der Hintergrund des On Broadway-Albums ist gewaltig. In den vergangenen 14 Monate hat Springsteen viele Abende im Walter Kerr-Theater am New Yorker Broadway verbracht. Seit Oktober 2017 hat er dienstags bis samstags vor je 1000 Leuten seine Show dargeboten- ein gewaltiges Pensum für den fast 70jährigen Bruce Springsteen. Und er hat keine Rock‘n Roll-Show abgeliefert, sondern er er lieferte eine Broadway-Performance. Er erzählte aus seinem Leben, spielte wichtige Songs, erzählte wieder und lieferte eine interessante Performance. Gestern Abend spielte er seine letzte Show im Walter Kerr-Theater. Übrigens: Alle Shows waren komplett ausverkauft – die Ticketpreise stiegen auf 1400 US-Dollar pro Karte. Ich geb zu, ich hätte gerne so eine Performance gesehen. Nun, das kann ich noch: Netflix hat die Show mitgedreht und zeigt sie ab heute in seinem Streamingdienst.
Ich werde mir jetzt die Show ansehen und gebe dann dem Album eine neue Chance. Der Trailer bei Netflix ist vielversprechend und ich freue mich, wenn der Stream heute online ist. On Broadway ist kein typisches Konzertalbum, was ich eigentlich erwartet habe. Springsteen erzählt viel von seinem Elternhaus, von seiner Mutter, vom seinem Vater. Obwohl Springsteen nie Fabrikarbeiter war, kann er sich hervorragend in die Rolle des kleinen Mannes hineinversetzen. Er ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Ich will seine Geschichten, aber in musikalischer Form und nicht in Erzählform. Ich will im Moment kein Hörbuch, ich wollte musikalisches Storytelling.
Nun, ich werde mir das Konzert auf Netflix in Ruhe ansehen und werde von der Bühnenpräsens eines Bruce Springsteen sicher gefesselt sein. Dann werde ich das Doppelalbum On Broadway nochmal anhören und nachdem ich darüber geschlafen habe, werde ich wohl davon schwärmen. Im Moment bin ich enttäuscht, aber gebt mir ein wenig Zeit.

BTS in Berlin – BTS will wieder kommen

6. Dezember 2018
BTS in Berlin in der Mercedes Benz Arena.

BTS in Berlin in der Mercedes Benz Arena.

Wow, das war eine Atmosphäre, das war eine Show, das war ein Event. Vor einigen Wochen besuchte ich mit K2 das Kpop-Event des Jahres: BTS in der Berliner Mercedes Benz Arena. Ja, ich geb zu: Es ist nicht unbedingt meine Musik, aber der Auftritt und der ganze Auftrieb der ARMY haben es mir angetan.
K2 ist im Kpop-Fieber und so besuchten wir dieses Jahr die Shows von G-Dragon, GOT7 und eben nun BTS. Alle drei waren auf ihre Weise sehr eindrucksvoll – aber sicher heimste BTS bei den Fans die meisten Lorbeeren ein.
Es war die Welttournee der Boygroup aus Südkorea und das erste Mal in großen Hallen in Deutschland. Es gab zwar schon mal eine Art Mini-Tour vor Jahren als BTS noch keinen bekannt war, aber das zählt nicht so richtig. In Berlin gab es an zwei Abende hintereinander Auftritte in der ausverkauften Mercedes Benz Arena und der Kartenbedarf für ein paar weitere Konzerte bestand durchaus. Nur mit viel, sehr viel Glück hatte ich zwei Karten für BTS bekommen. Innerhalb von Sekunden waren die Tickets verkauft und die Schwarzmarktpreise schossen in perverse Höhen. Wir hatten also Karten für den Innenraum.

Von München nach Berlin mit dem ICE, schnell ins Hotel und Gepäck abgelegt und dann begann etwas, was ich in meiner Karriere als Konzertbesucher nicht kannte: Numbering. An einem Stand wurden Armbändern mit Nummern ausgegeben und dann konnte man sich als Konzertbesucher gestaffelt in abgesperrten Arealen auf den Eintritt einreihen. Besucherinnen erzählten mir, dass man sich für niedrige Nummern, also einen vorderen Stehplatz, schon am frühen Morgen anstellen musste. Nun denn: Ich hatte die Nummer 2765.

Die Warterei vertrieben sich die Fans mit Musikhören und singen. Und genau darum mag ich die Kpop-Fans, ebenso wie die Anime- und Mangafans. Man lässt sich einfach auf dem Boden nieder, teilt mit seinem Nachbarn ein paar Gummibärchen, philosophiert über den anstehenden Auftritt. Also wunderbar friedlich und respektvoll.

Warten vor der Halle auf BTS
Da wir ja feste Plätze hatten, streiften wir ein wenig durch die Gegend um die Mercedes Benz Arena. Mir wurde Random Dance erklärt, was ich als alter Mann auch nicht kannte. Es werden Takte von BTS-Songs gespielt und Fans stürmen auf eine Tanzfläche und machen die komplizierten Moves nach. In der Regel sind es nur ein paar Takte und der Zirkus beginnt von vorne. In Berlin wurden ganze Lieder gespielt und so bekam das Ganze nicht die Dynamik anderer Random Dances, die ich aus YouTube kennenlernen durfte.
Natürlich gab es eine große, ganz große Fotowand mit Fotos der Bandmitglieder. Hier konnten sich Fans mit ihren BTS-Stars fotografieren lassen. Warten, Posen, Smartphone klick und der nächste. Auch hier lief das Ganze ohne Gedränge und Geschupse ab. Großes Lob an die BTS-Fans.

Koordinierte Army Bombs
Interessant war auch ein Stand, an dem die Fans ihre mitgebrachten Lichter, genannt Army Bombs, ab Version 3 synchronisieren konnten. Diese Army Bombs werden von den Hardcore-Fans während des Konzerts nach oben gehalten und im Takt gewippt. Was früher Feuerzeuge, später Smartphone waren, sind heute Army Bombs. Ab Version 3 könnten die Dinger via Blauzahn farblich aufeinander abgestimmt werden. Hinter der Bühne werden die Farben dann koordiniert und so wird der Fan ein Teil der perfekten Show. Wir hatten nur eine Army Bomb Version 2 und uns war das Upgrade zu teuer.
Dann nach ein paar Stunden Warterei ging es los. Die einzelnen Area-Zonen wurden aufgerufen und durften die Mercedes Benz Arena betreten. Wir kamen ziemlich nah an die Bühne ran, die ins Publikum gebaut war. So etwas habe ich bei den Stones erlebt und die Atmosphäre war genial.
Dann wieder Warten bis das Konzert begann. Ich besorgte Getränke, denn die Hitze stieg und die Luft wurde schlechter. Dabei hatte das Konzert noch gar nicht begonnen. Vor allem junge Damen drängelten sich nach vorne. Die Gespräche unter den Fans drehten sich um das Privatleben der Stars. Sie waren tagsüber in Berlin aufgetaucht, residierten in Adlon und bummelten durch Berlin. Sollte man als Fans nun Fotos von den bummelnden BTS-Musikern machen oder die Privatsphäre respektieren?
Dann kam eine Durchsage, dass Jeon Junkook nicht mittanzen kann, weil er sich verletzt hatte. Von den Fans wurde dies mit viel Mitgefühl aufgenommen. Dann ging das Spektakel los. Die Show war perfekt, die Stimmung kochte über, es gab viel Geschrei und Jubel. Ich habe ein paar Videos im Auftrag von K2 gemacht, die dann in den entsprechenden Gruppen geteilt wurden.

BTS sprechen Deutsch und kündigen Besuch in Deutschland an
Gegen Ende des Konzerts gab es noch eine Ansprache der Jungs. Es wurden einige Zeilen auf Deutsch gesprochen, was mit wahnsinnigen Geschrei der Fans quittiert wurde. Unter anderem sagten die Herrschaften auf der Bühne, dass sie 2019 wieder nach Deutschland kommen würden. Ob wir da mit dabei wären? JAAAA brüllte die Halle – inklusive K2. Ich weiß also, dass ich 2019 wieder auf ein Kpop-Konzert gehen darf. Ein Datum steht freilich noch nicht fest.

Hier ein paar Videos, die bei dem Konzert entstanden sind.

Vor 25 Jahren verstarb Frank Zappa

4. Dezember 2018

Heute vor 25 Jahren verstarb Bürgerschreck Franz Zappa an Krebs. Grund genug, sich an diesen interessanten Typen zu erinnern und auf eine Bucherschreinung bei Reclam hinzuweisen.
Meine erste Langspielplatte von Frank Zappa war Thing-Fish, die ich mir im November 1984 auf Empfehlung eines Schulfreundes gekauft habe. Und ich scheiterte grandios mit meinem Schulenglisch an den Texten dieses Tripple-Albums, das eigentlich als Musical angelegt war. Thing-Fish war ein Bühnenstück über ein Bühnenstück. Ich war verwirrt, was ich dort zu hören bekam und mein Langenscheidt-Wörterbuch hatte die ausdrucksstarken Wörter eines Zappas nicht parat. Obwohl ich weniger als die Hälfte verstand, gefiel mir das Album mit seinen Broadway-Melodien des Künstlers Franz Zappa. Beim nächsten Album wollte ich weniger Texte als vielmehr Musik hören und griff zu Joe‘s Garage von 1979. Dieses Album hatte mich wieder versöhnt – die Texte bekam ich im großen und ganzen mit und die Musik war tadellos.

Erinnerungen an Frank Zappa - auch durch ein neues Buvon von Reclam.

Erinnerungen an Frank Zappa – auch durch ein neues Buvon von Reclam.

Dann griff ich in den kommenden Jahren immer tiefer in die Zappa-Kiste und kaufte mir Scheibe und Scheibe, erst auf Vinyl, dann auf CD. Was ist die beste Scheibe von Zappa? Ich weiß es nicht, ich kann es nicht sagen. Je nach Stimmung liefert mir Zappa das musikalische Erlebnis, manches Mal humorvoll, manches Mal brutal direkt.
Einmal schaffte ich es, mit der Musik von Zappa eine Party zu sprengen – und nein, ich spreche nicht von Bobby Brown. Ich hatte eine Scheibe von Shut Up ’n Play Yer Guitar-Serie aufgelegt und die Party löste sich auf. Zappa war einer der besten Gitarristen seiner Zeit – ein absoluter Wahnsinn. Als Jugendlicher schaute ich mir im Schulkino den Zappa-Film 200 Motels an und verstand ihn nicht, aber der Typ auf dem Klo übte eine magische Anziehungskraft aus. Und immer wenn ich die Deep Purple höre, dann denke ich an Zappa – Insider wissen natürlich warum.
Ein Konzept von ihm zu sehen, das war mir nie vergönnt. Von den Mothers of Invention habe ich eine Show gesehen und war angetan. Musikalisch allererste Sahne, aber ganz schön verrückt. So richtig eingängige Musik hat der Knabe kaum gemacht.
In Sachen Literatur über Zappa sah es eher mau aus. Es gab ein paar Artikel über den Bürgerschreck Zappa, aber im großen und ganzen kam die Musikpresse erst nach dem Tod des Meisters auf den Geschmack. Von der Heyne Discothek habe ich noch ein uraltes Buch über ihn in meinem Archiv gefunden, das lesbar ist und nicht ganz an der Oberfläche blieb. Da kam jetzt ein neues Buch von Reclam auf den Markt, dass mich interessierte. Aus der Reihe Reclam 100 Seiten erschien Frank Zappa. 100 Seiten , geschrieben von Ingo Meyer. Reclam stellte mir das Buch zur Verfügung – vielen Dank dafür. Meyer ist Experte in Sachen Zappa. Er hatte 2010 schon ein Buch über den Musikanten bei Reclam veröffentlicht und nun die damals 200 Seiten auf 100 Seiten eingedampft. Dieses Eindampfen tat dem Inhalt gut, der Stil des Literaturwissenschaftlers wurde lektoriert und herausgekommen ist ein Blick auf Zappa aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Würdigung in Sachen Rockmusik brauchte es dieses Mal nicht, aber sehr gut waren die Erklärungen zu Zappa als Bandleader und als Musiker (Achtung, ein gewisses musiktheoretisches Wissen wird vorausgesetzt).
Für mich interessant war natürlich Zappas Beitrag zur Rockmusik, aber auch seine Beschäftigung mit Orchestermusik. Hier muss ich zugeben, hab ich noch viel Wissen nachzuholen. Zappa war geprägt von Edgar Varèse und der lässt sich nicht gerade als leichte Musikunterhaltung beschreiben.
Zum 25. Todestag gönne ich mir einen Frank Zappa Tag. Ich werde ihn mit ein paar exzellenten Live-Scheiben krönen: Zappa in New York, Fillmore East-June 1971, Roxy & Elsewhere und Halloween 77: The Palladium, NYC.

Buchtipp: Yellow Submarine von Bill Morrison

23. November 2018
YES - die Beatles in Buchform - hier mit Yellow Submarine.

YES – die Beatles in Buchform – hier mit Yellow Submarine.

Für mich sind die Beatles die beste Band der Welt und so achte ich darauf, was es neues an Veröffentlichungen der Fab Four gibt. Musikalisch kam ja eine interessante Version des weißen Albums auf den Markt und sehr zu meiner Freude kam von Panini die Graphic Novel The Beatles : Yellow Submarine zu uns Fans.
Um mich richtig auf das Buch vorzubereiten, habe ich mir die Musik zu Yellow Submarine der Beatles in den CD-Player gelegt, mich aufs Sofa gelegt und in dem Buch gelesen, das mir Panini dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat. Schlagartig wurde mir bewusst: Der Film ist jetzt 50 Jahre alt. Ich habe ihn zum ersten Mal im österreichischen Fernsehen gesehen und war von der Machart begeistert. Die Animationen von Heinz Edelmann waren so was von visionär, so was von kreativ und so was von genial, so dass mir der Film sofort gefallen hat.
Und nun die Graphic Novel: Der Künstler heißt nicht mehr Heinz Edelmann. An seine Stelle ist Bill Morrison getreten. Er ist Chefredakteur des US-Magazins MAD, kennt sich also mit Zeichnungen aus. Zudem ist Bill Morrison der Mitbegründer von Bongo Comics, war Illustrator bei Disney, wo er Werbematerial für verschiedene Filme anfertigte, darunter für Bambi, Peter Pan und Arielle, die Meerjungfrau. Außerdem schrieb und zeichnete er seine eigene Comic-Serie Roswell – Ein Grünling auf Erden, die bei Bongo Comics erschien.
Nun Morrison ist nicht Edelmann. Er kann es mit der kreativen Kraft des im Juli 2009 verstorbenen Edelmanns nicht aufnehmen. Ich hatte als Kind immer Schiss vor einem Werk von Edelmann: Der Vorspann zur damaligen ZDF-Reihe Der phantastische Film war von ihm und ich habe darüber gebloggt.
Zurück zu Yellow Submarine. Es ist die bekannte Geschichte der Beatles im Pepperland und dessen Befreiung von den Blaumiesen. Die Zeichnungen laden zur einer Zeitreise ein, sie machen Lust auf die Musik der Beatles und den Film. Und das ist das Wichtigste. Beim Blättern verspüre ich den Drang zur guten Laune. Die Musik, der Film und das Buch versprühen positive Energie und sorgen für gute Laune. Wir wissen ja: All you Need is Love – und dafür ist das Buch immer hervorragend.

Musikkritik: Equinoxe Infinity von Jean Michel Jarre

19. November 2018
Lange habe ich auf dieses Album von Jean Michel Jarre gewartet.

Lange habe ich auf dieses Album von Jean Michel Jarre gewartet.

Da ist es also: Equinoxe Infinity von Altmeister Jean-Michael Jarre. Nervös packe ich die CD aus dem Cover – ich habe die feurige Version bekommen. Die CD ab in den Player, Kopfhörer auf und full Power. Mann oh Mann, wie habe ich dieses Album erwartet, was habe ich in dieses Album an Hoffnungen gesetzt. Und ich kann nach dem vier-/fünfmaligem Hören nicht sagen, ob es die Erwartungen erfüllen kann. Wir sprechen ja von der direkten Fortsetzung, nein den Abschluss von Equinoxe, also einem legendären Album der elektronischen Musik. 40 Jahre hat Jean-Michel Jarre für diesen Abschluss gebraucht.
Zug um Zug hatte Jean Michel Jarre einige Stücke in sozialen Netzwerken im Vorfeld gepostet, nun höre ich das Gesamtwerk am Stück. The Watcher begeistert mich, dann tu ich mich schwer. Es blubbert und wummert zwar schön, doch wo ist die Eleganz der Space-Musik von damals? Der Rhythmus der Neuzeit macht vieles kaputt. Jarre ist mit der Zeit gegangen und hat sich weiterentwickelt, doch dieses Entwicklungen ist mir manches Mal zu Nahe am Mainstream. Ich erinnere mich, wie Tangerine Dream einstmals Mainstream wurde und ich mich abgewendet hatte. Droht jetzt Jarre dieses Schicksal ebenso? Seine Konzerte habe ich geliebt und immer besucht, wann es für mich möglich ist. Doch jetzt Equinoxe Infinity?
Stück Nummer drei, Robots don‘t cry, mag ich einfach nicht. Mir fehlt einfach die Tiefe. Und ewig dieses Rhythmus-Generve, auch bei All that you leave behind, dem vierten Stück.
Mal was Positives? Das Album ist hervorragend produziert. Jarre versteht sein Handwerk und das Genie kommt immer wieder durch, es bricht durch den Rhythmusteppich, aber es beherrscht leider nie komplett die Szene. If the Wind Could speak ist großartig, aber leider mit 1,32 Minuten das kürzeste Stück.
Dann geht das Geholze mit Infinity wieder los. Schrecklicher Pop, aufgemotzt und es wird auf der Melodie herumgetrampelt. Und auch bei Don‘t Look back sehe ich keine großen Ideen, so leid es mir tut.
Mit The Opening (Track 8) und dem Titelstück Equinoxe Infinity (Track 10) gelingt es Jean-Michel Jarre sich nochmal zur alten Größe aufzuschwingen. Immer wieder hört der Fan große Alben der Vergangenheit durchscheinen, vielleicht als Verbeugung vor sich selbst hat Jarre sich immer wieder selbst zitiert. Der Schluss des Albums versöhnt mich als langjährigen Fan. Ein würdiger Abschluss von Equinoxe ist Equinoxe Infinity nicht geworden. Es ist ein gutes Album, aber den Namen Equinoxe muss es nicht tragen. Da hätte ich mir mehr erwartet.

 

Beatles: Let it be im Deutschen Theater München

1. November 2018
Hat mir Spaß gemacht: Let it Be im Deutschen Theater München.

Hat mir Spaß gemacht: Let it Be im Deutschen Theater München.

Bin ich eigentlich alt, wenn ich in einem Konzert alle Lieder fehlerfrei mitsingen kann? Diese Frage stellte ich mir nach dem Besuch der Beatles-Revue „Let it be“ im Deutschen Theater München. Das Stück aus London gastiert ein paar Tage in München und zusammen mit meiner Beatles-begeisterten Gattin besuchte ich die Show.
Immer wieder wurde mir während der Veranstaltung bewusst, welche unglaubliche Power die Lieder der Fab Four haben. Die Songs der Beatles haben für mich Volkslied-Charakter. Sie sind allgemeines Liedgut geworden, jeder kennt die Lieder von John, Paul, George und Ringo. Und jeder kann irgendwelche Strophen mitsingen. Und genau das wollte ich erleben, als ich vor einen halben Jahr die Karten für die erste Reihe für die Let it be-Show in München erwarb. Und genauso ist es gekommen.

Das Münchner Publikum ging voll mit.

Das Münchner Publikum ging voll mit.

Die Beatles-Revival-Band auf der Bühne sang und spielte die Lieder und warf dann und wann berühmte Zitate ein, meist durch das John Lennon-Double. Mir fehlte aber das Berühmter-als-Jesus-Zitat, mit dem sich Lennon damals den Mund verbrannte und zurückrudern musste.


Die Bühne verwandelte sich in wichtige Stationen der Beatles, das Aussehen der Musiker ebenso. Es wurde mit der naiven Phase der Beatlemania gestartet als Pilzköpfe mit She Lobes you, dann ging es in die Ära der Stadionkonzerte von Shea. Hier hatte ich den Eindruck, dass der Ton im Deutschen Theater falsch ausgesteuert war. Oder es war geniale Absicht, denn im Konzert in Shea Stadium 1965 war aufgrund der nichtvorhandenen Technik kaum etwas von den Beatles zu hören. Die Technik war für Stadium-Konzerte wie in New York noch nicht ausgereift und der Gesang der Beatles ging im Geschrei der Fans unter.


Farbenfroh ging es in die Zeit von Sgt. Pepper mit der Lonely Hearts Club Band, für mich der beste Teil der Show. Nach der Pause kamen die Solo-Projekte der Beatles zum Tragen, nett im Design der jeweiligen Zeit. Lennon im Militär-Anzug oder in Jeansjacke mit New York-T-Shirt. Am besten gefiel mir George Harrison im weißen Anzug und orangen Hemd und Spitzbart. So veranstaltete er damals 1971 das legendäre Konzert für Bangladesch. Die Musik war für mich Purist etwas durcheinander, zeitlich nicht chronologisch, aber was soll’s. Die Hits der Soloprojekte waren unter anderem natürlich My Sweet Lord, Got My Mind Set on You, Live and Let Die, Band on the Run, Watching the Wheels (was eigentlich allerdings 1981 nach dem Mord an Lennon veröffentlicht wurde) oder das wunderschöne Imagine.


Nach zwei Zugaben und einem zu schnell gespielten Let it Be und einem mitreißenden Hey Jude war der schöne Gesangsabend im Deutschen Theater München zu Ende. Überall begeisterte Gesichter. Die Beatles-Imitatoren hatten es geschafft, dass sich das zumeist ältere Münchner Publikum von ihren Sitzen im Deutschen Theater erheben und mitrockten, mitsangen und mitwippten. Ein paar Jugendliche, die von ihren Eltern zum Beatles-Abend gezwungen wurden, konnten es gar nicht fassen, wie sehr ihre Alten ausflippten.
Also wer Lust auf die Beatles hat, sollte sich Karten für Let it Be besorgen und mitsingen. Ja, ich weiß auch, dass es nicht die Original Beatles sind, aber John und George spielen woanders, Paul hab ich schon live gesehen und Ringo ist für mich der Glückspilz des Jahrtausends. Also hoch den Hintern und mitsingen.

Homage an Wagnersängerinnen Birgit Nilsson und Astrid Varnay im Märktgräflichen Opernhaus

7. September 2018

Wenn ich als Wagner-Fan gefragt werde, welche Sängerinnen und Sänger ich sofort mit Richard Wagners Musik verbinden würde, dann muss ich neben vielen anderen vor allen an Birgit Nilsson denken. Meine erste Wagner-Oper auf Schallplatte als Jugendlicher war Tristan und Isolde aus Bayreuth von 1966 mit Karl Böhm und ich konnte mich an der Dame nicht satthören. Nach Birgit Nilsson feierte Astrid Varnay in Bayreuth ähnliche Erfolge, wobei ihre hinterbliebenen Tondokumente eher von schlechterer Qualität sind.

Micaela di Catalano vor dem Veranstaltungsplakat.

Micaela di Catalano vor dem Veranstaltungsplakat.

Beide großartigen Damen werden 100 Jahre und ihnen zu ehren gibt es am 22. September im Marktgräflichen Opernhaus eine Homageabend für die Diven vergangener Zeiten. Das Marktgräfliche Opernhaus wurde aufwendig renoviert und erstrahlt im neuen Glanz – der Besuch dieses Theaters alleine rechtfertig den vielversprechenden Abend. Auf Initiative von Micaela di Catalano kommt dieser Event zustande, nachdem in Bayreuth bisher keine Erinnerungsveranstaltung für die beiden großartigen Sängerinnen organisiert wurde. Also kann ich das Engagement von Micaela di Catalano nicht hoch genug würdigen. 

Frisch renoviert ist das Marktgräfliche Opernhaus einen Besuch wert.

Frisch renoviert ist das Marktgräfliche Opernhaus einen Besuch wert.

Also am 22. September um 19:30 Uhr gibt es 100 Jahre Birgit Nilsson und Astrid Varnay in 100 Minuten in Form von Wort und Gesang. Das Wort kommt vom ehemaligen Agenten der Nillson Dr. Germinal Hilbert, die Musik kommt von Micaela di Catalan, die von Christian Hornef am Klavier unterstützt wird. Die Moderation hat Dr. Frank Pinotek inne. Ich bin mir sicher, es gibt die eine oder andere schöne Anekdote für Richard Wagner-Fans zu genießen – und was mich ärgert: Ich kann nicht dabei sein, denn ich muss arbeiten. Vielleicht wird der Abend ja auf Video aufgezeichnet und für die Nachwelt erhalten. Karten für das Event gibt es übrigens hier.

Ich finde das Engagement von Micaela di Catalano bemerkenswert. Micaela di Catalano ist in Oberfranken geboren und aufgewachsen. Nach einem Studium des klassischen Gesanges inzwischen mit dem Mariinsky-Theater St. Petersburg in Russland  ist sie Wagner verfallen. Ihr Schwerpunkt liegt im Wagnerfach. „Zu meinen großen Vorbildern gehören die Sängerinnen Birgit Nilsson und Astrid Varnay, die heuer ihren 100. Geburtstag gefeiert hätten. Mir war aufgefallen, dass auf den Kulturkalendern in Bayreuth, wo beide Sängerinnen über viele Jahre hinweg, große Triumphe feierten, kein Erinnerungskonzert zu finden war“, erzählt sie. „So habe ich spontan beschlossen, eine Hommage zu veranstalten.“

Dank Youtube gibt es einige Auftritte der Sängerin mit Wagner-Material. Anschauen und vor allem Anhören und genießen und dann ab nach Bayreuth zum Homage-Abend.

 

 

Mit der Walküre hat das Grauen sein Ende

4. September 2018
Ausdrücklich danke ich meiner Frau, dass sie mich tapfer zu Wagner begleitet. Ausdrücklich danke ich meiner Frau, dass sie mich tapfer zu Wagner begleitet.

Haben wir das auch wieder hinter uns gebracht – leider kann ich den Spruch nicht in Fränkisch wiedergeben, aber das kam mir in den Sinn als ich aus dem Festspielhaus in Bayreuth nach mehreren Stunden Walküre schwitzend in die Abendluft trat. 

Es war schon heiß in dem ehrwürdigen Festspielhaus.

ref=“https://redaktion42.files.wordpress.com/2018/09/72d891a6-55c5-4b8f-a56c-141527192b67.jpeg“&gt; Es war schon heiß in dem ehrwürdigen Festspielhaus.[/ca

Nein, nein, die Oper mit der göttlichen Musik des Meisters hat mir gefallen, mich zutiefst berührt. Auch das Dirigat des viel kritisierten Plácido Domingo fand ich nicht schlecht, aber ich habe endlich Frank Carstorf hinter mich gebracht. Alle Teile der Tetralogie habe ich gesehen und die Walküre war der letzte Teil meines Rings der Nibelungen. Natürlich weiß ich, dass die Walküre der erste Tag der Aufführung ist, aber bekommen Sie mal Karten in der richtigen Reihenfolge in Bayreuth. Ja, träumen Sie weiter. 

Ich habe also meinen Ring komplett Das Rheingold („Vorabend“), Die Walküre („Erster Tag“), Siegfried („Zweiter Tag“) und Götterdämmerung („Dritter Tag“) und ich habe damit den kompletten Ring in der Inszenierung von Frank Carstorf hinter mich gebracht – und es war eine Qual. Das sozialistische Bühnenbild mit störenden Filmeinspielungen haben mir nie gefallen. Bei 30 Grad Celsius im Festspielhaus kam wohl Carstdorfs Rache am Bayreuther Publikum, als es im dritten Aufzug zur Verstoßung kommt. Da wird dann zum Schluss ein Ring aus Feuer auf der Bühne entfacht, der die Temperaturen weiter nach oben treibt. „Wer meines Speeres Spitze fürchtet, durchschreite das Feuer nie!“ Nie wieder Carstdorf, bitte. Im nächsten Jahr soll der Ring von jemand anders inszeniert werden. Wer das sein wird, hat Festspielleiterin Katharina Wagner noch nicht öffentlich verkündet. Ich bin gespannt, denn dann geht der Ring des Nibelungen für mich wieder von vorne los.

Den Carstorf-Ring hab ich Gott sei Dank jetzt durch.

ps://redaktion42.files.wordpress.com/2018/09/0b7549b6-81fd-4415-b75e-22e5266aee1d.jpeg“> Den Carstorf-Ring hab ich Gott sei Dank jetzt durch.

[/caption]Ungewöhnlich für Wagnerianer war der Aufführungstag der Walküre. Es war der Mittwoch, 29. August 2018. Da muss der traditionelle Wagnerianer ganz feste schlucken und stark sein, denn die Festspiele haben einen klar umrissenen Zeitraum und sonst ist am 28. August Schluss und die Wagner-Fans können in die Ferien fahren. Ich hab beim Social Media-Team in Bayreuth gleich mal nachgefragt und bekam folgende Antwort: „Auf Grund der hohen Nachfrage und wegen zwei Vorstellungen mehr als in den letzten Jahren, sind die Festspiele um einen Tag verlängert worden. Viele Grüße aus Bayreuth.“ Mir war es egal, aber so mancher Fan auf dem Grünen Hügel war sichtlich irritiert. Für den Rest der Welt ist es wohl der berühmte Sack Reis, der umfällt. 

Wie gesagt, wie Musik von Richard Wagner steht für mich außer Frage. Und im Vorfeld gab es Gemaule über das Dirigat von Plácido Domingo. Ein bisschen mehr Pepp hätte es der ganzen Sache gut getan, aber der Weltuntergang verzeih Götterdämmerung ist es nicht gewesen. Der Schlussapplaus war ganz ordentlich, ein paar Buhs in Bayreuth gehören dazu.

Ich mag ja die Stimmung bei den Festspielen, doch bemerke ich in den vergangenen Jahren ein Rückgang der Service-Qualität durch die Gastronomie Steigenberger bei gleichzeitigem Ansteigen der Preise. Zwei Beispiele: Die Türe einer Herrentoilette war defekt und konnte nicht verschlossen werden. Und so traten immer wieder Herren in die besetzte Kabine, was nicht zur Heiterkeit aller Beteiligten führte. Das Schloss war schon vor der Aufführung der Walküre kaputt. Den Kaffee konnte man sich für teuer Geld aus einer Kaffeemaschine herauslassen, während das Servicepersonal ein kleines Schwätzchen in der Pause hielt. Servicewüste ist eben ein deutsches Wort. 

Großes #mimi in Bayreuth - Wagner Festspiele dauerten einen Tag länger.

on42.files.wordpress.com/2018/09/991efc44-39d8-4f7d-a832-c7a563c660aa.jpeg“> Großes #mimi in Bayreuth – Wagner Festspiele dauerten einen Tag länger.

Und natürlich

[/caption]Und natürlich werde ich mich redlich bemühen, für 2019 wieder Karten für den Grünen Hügel zu bekommen. Ich danke meiner Gattin, die kein ausgesprochener Wagner-Fan ist, dass sie mich begleitet. Und für euch da draußen: Ich bin für Karten immer empfänglich.