Archive for the ‘Musik’ Category

Wolf Biermann spielt Heinrich Heine in München

16. September 2022

Ich dachte immer, im Alter kommt die Milde. Ich habe mich getäuscht: Bei Wolf Biermann ist das absolut nicht der Fall. Mit seinen 85 Jahren ist Biermann ein starkes Denkmal und Mahnmal der deutsch-deutschen Geschichte, der sich trotz oder vielleicht auch wegen des hohen Alters immer wieder zu Wort meldet. Und Diplomatie war nie sein zweiter Vorname.

Im ausverkauften jüdischen Gemeindezentrum in München spielte er vor ausverkauftem Saal. Drei Tage zuvor trat er in der Elbphilharmonie seiner Geburtsstadt Hamburg auf. Kern des Programms waren aber nicht nur die klassischen nachdenklichen und provokanten Lieder und Gedichte, sondern Wolf Biermann war im Zwiegespräch mit dem deutsch-jüdischen Dichter Heinrich Heine. Geschickt führte uns Biermann in die Welt Heines ein, führte Dialoge mit dem Dichter und da durften Wintermärchen und Loreley nicht fehlen – zudem gab es zu diesen Werken die musikalischen Interpretationen aus Sicht Biermanns.

Sehr bewegt war für mich persönlich Auseinandersetzung Biermanns mit Heine mit dem Gedicht „Sie saßen und tranken am Teetisch“ und seiner Mutter – hier das Video dazu.

Spott und klare Worte fand Biermann immer wieder zum Kommunismus, mit dem er gebrochen hat. Dieses Mal bekam die Partei der Linken als Nachfolger der SED- und Stasi-Dikaturpartei nicht direkt seinen Zorn und Häme zu spüren. Dafür bekam Brecht und seiner Verehrung des Kommunismus in seinen Werken das Fett ab.

Und Biermann bezog Stellung zum Ukraine-Krieg und dem deutschen Pazifismus. Er präsentierte ein neues Lied in München. Ein Vers lautet:

„Und jetzt wedelt mit seinem russischen Hund
Manch deutschnational-pazifistischer Schwanz
Mein Herz spielt verrückt im Ukrainekrieg
verrückt Toleranz mit der Intoleranz.“


Mit klaren Worten bezieht der 85jährige Stellung. Er muss nicht mehr gefallen und er hat sich nie angebiedert, was ja auch 1976 zu seiner Ausbürgerung aus der DDR führte. Es hat gut, einen solchen Mahner mal live zu erleben. Der Mann hat seine Verdienste. Ich wollte mich in der anschließenden Autogrammstunde persönlich bei ihm mit einem Händedruck bedanken, was er aber auch Corona-Hygienevorschriften ausschlug.

Dennoch: Danke Wolf Biermann für Ihr Werk. Und es tat gut, den Song Ermutigung aus seinem Mund live zu hören.
Du, lass dich nicht verhärten
In dieser harten Zeit
Die allzu hart sind, brechen
Die allzu spitz sind, stechen
Und brechen ab sogleich
Und brechen ab sogleich

Musiktipp: Silberblick von Joachim Witt auf Vinyl

14. September 2022

Wahrscheinlich war es die üblichen Geldsorgen, die Joachim Witt dazu veranlassten, sein musikalisches Meisterwerk Silberblick nochmals auf Vinyl herauszubringen. Ich mag die Aufnahme und hab mir die neu abgemischte Version gekauft, obwohl ich noch das Original von 1980 vom Label WEA Records habe.

Es war das Zeitalter der Neuen Deutschen Welle. Es war wieder in auf deutsch zu singen und in der Flut der Veröffentlichungen gab es ein paar wirkliche Perlen. Eine der wichtigsten Veröffentlichtungen war für mich die Schallplatte Silberblick, die ich mir im örtlichen Schallplattengeschäft Sound beim Rudi kaufte, nachdem ich die Singleauskopplung Goldener Reiter auch schon gekauft habe. Single und LP waren seinerzeit ein großer Erfolg.

Ich hab mir die Neuauflage der Schallplatte auf weißem Vinyl wieder bestellt. Ich sag es ganz ehrlich: Meine Schallplatte von 1980 klingt irgendwie besser.

Da hilft es auch nichts, dass Klaus Voormann bei der Singleauskopplung (heuet als Stream) Hand angelegt hat. Die heute erhältliche Singleversion von „Goldener Reiter“ wurde für die Veröffentlichung 1981 von Klaus Voormann neu abgemischt – jenem Klaus Voormann, der als einer der wenigen Deutschen in den 60ern in der britischen Beatszene Fuß gefasst hat. Er hat, das Cover des Beatles-Albums „Revolver“ entworfen und später in John Lennons Plastic Ono Band den Bass bedient. Mit dieser Single-Version konnte sich „Goldener Reiter“ am 14. Dezember 1981 in den deutschen Singlecharts platzierten und sich dort insgesamt 29 Wochen halten. Die höchste Platzierung war Position 2.

Nun, bei den Songs hat sich nichts neues getan. Es sind die gleichen wie damals, keine Ergänzungen oder Mixes. Die gibt es nur als Stream.
Seite 1
Kosmetik (Ich bin das Glück dieser Erde)
Goldener Reiter
Der Weg in die Ferne (Heaven)
Meine Nerven
Seite 2
Ich hab‘ so Lust auf Industrie
Mein Schatten (Na, na, na, du Bandit, du)
Ja, ja…
Sonne hat sie gesagt
Und wisst ihr was? Ich kann noch jede Zeile dieses genialen Albums mitsingen.

Mein Besuch der Passionsspiele in Oberammergau

22. August 2022

Ich bin wahrlich kein religiöser Mensch, aber die Passionsspiele in Oberammergau wollte ich dann doch sehen. Meine Frau und ich schlossen einen Deal: Sie begleitet mich nach Bayreuth zu Wagner und ich begleite sie nach Oberammergau zum Leidenweg Jesu. Beide Aufführungen waren ein Erlebnis.

Alle zehn Jahre werden in Oberammergau die Passionsspiele aufgeführt. Aufgrund von Corona mussten die Aufführungen verschoben werden, so dass die nächste Show schon in acht Jahren ansteht.

Meinen allergrößten Respekt, was Oberammergau da auf die Beine gestellt hat. Alle Mitwirkenden sind Einheimische. Im Vorfeld gab eine Diskussion, dass ein Teilnehmer noch nicht 20 Jahre im Ort wohnt – Schwamm drüber, was soll das? Was hier geboten wurde, war komplexes Laienschauspiel. Die Mitwirkenden sind keine Profis, sondern haben meist solide Berufe am Ort. Und sehr nett anzusehen: Zur Aufführung kommen viele Darsteller mit dem Fahrrad angeradelt und fahren in der dreistündigen Pause wieder nach Hause. Und was für ein Anblick: Lange Bärte, wallendes Haar auf dem Fahrrad.

Durch die Inszenierung von Christian Stückl, ein Vollbuttheatermann allererster Güte, kam ein hervorragendes Schauspiel auf die Bühne des Passionstheaters.

Durch Stückls Engagement und Ehrgeiz, vielleicht auch Fanatismus, wurde dem Zuschauer ein eindrucksvolles Schauspiel über fünf Stunden präsentiert mit Text und Gesang. Stückl gilt als Revolutionär und auf seine Art auch als ein Provokateur, der die Oberammergauer Festspiele auf ein neues künstlerisches Niveau hob. Das ist allerdings nicht ganz unumstrittenen. Konservative wehrten und wehren sich gegen den neuen, frischen Stil.

Christian Stückl wählte aus den drei Chören des Ortes aus und gibt den Sängerinnen und Sängern eine hervorragende Ausbildung. Talent alleine reicht nicht, um in Oberammergau Tag für Tag auf der Bühne zu stehen. Kettenraucher Stückl bekam vor der Premiere einen Infarkt und hat versprochen, das Rauchen sein zu lassen – gut so.
Diskussionswürdig sind die Textänderungen, die Stückl vornahm. Selbst ich, der nicht gerade Bibelfest ist, bemerkte die Änderungen. Aus „führe uns nicht in Versuchung“ wurde „führe uns durch die Versuchung“. Konservative sind hier wahrscheinlich tot umgefallen.

Obwohl das Spiel nur die letzten Tage im Leben Jesu darstellt, geht es uns um das Ganze des Evangeliums, insbesondere um die Botschaft Jesu und sein Menschenbild. Im Vordergrund steht der Aufruf Jesu zur radikalen Umkehr und seine Hinwendung zu jedem einzelnen Menschen.

Die dreistündige Pause ist ein Paradies für die Gastronomie und den Handel des Ortes. Man musste reservieren, um einen Platz für sein Pausenmahl zu erhalten. Nun, wir kauften uns beim Supermarkt einen Cappuccino und belegte Semmel und kauften dafür im Einzelhandel ein. Empfehlen kann ich das Hutgeschäft Kronburger und den Holzschnitzer Franz Barthels (mit einer hervorragenden Braun Anlage.)

Wie kam es eigentlich zu den Oberammergauer Festspielen? Nun vor rund 400 Jahren wütete die Pest in Oberbayern. Wenn der Ort vom schwarzen Tod im Dreißigjährigen Krieg einigermaßen verschont bliebe, dann legten die Gemeindeverantwortlichen 1633 einen Schwur ab, alle zehn Jahre ein Passionsspiel aufzuführen. Und siehe da, die Pest machte einen Bogen um Oberammergau. Die erste Aufführung des „Spiel[s] vom Leiden, Sterben und Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus“ fand 1634 auf dem Friedhof, neben der Pfarrkirche – über den frischen Gräbern der Pestopfer – statt. Und so wurden die Passionsspiele zum Dauerbrenner, mal von der Obrigkeit hofiert, mal kleiner gehalten. 1750 gab es eine eigene Passionsfassung, die in Grundzügen heute noch gilt.

Als Wagner-Fan sehe ich viele Gemeinsamkeiten zwischen Oberammergau und Bayreuth, obwohl in Oberbayer die Kleidung eher locker war. Fünf Stunden Aufführung, für Fans ein heiliger Inhalt und im Grunde immer knappe Karten. Bisher war es schwierig an Karten in Oberammergau zu kommen, aber dieses Jahr war es kein Problem. Das Publikum war international. Die Passionsspiele laufen noch bis 2. Oktober und Karten gibt es auch noch. Schwarzhändler haben schlechte Karten.

In acht Jahren will ich wiederkommen und hoffe, dass Christian Stückl sich weiter gegen die Konservativen behauptet.

45. Todestag von Elvis Presley und welche Biopics von Musikern gibt es?

16. August 2022

Der King war immer der König in unserer Familie. Heute vor 45 Jahren verstarb Elvis Presley. Meine Mutter, mein Onkel waren große Elvis-Fans, ein Kumpel aus Jugendzeiten ist ein wandelndes Elvis-Lexikon und auch meine Frau und ich verehren den Sänger. Unser Repertoire an Elvis-Aufnahmen kann sich sehen lassen, sowohl auf Vinyl als auch auf CD.

Vor kurzem habe ich mir zweimal die neue Elvis-Verfilmung von Baz Luhrmann im Kino angesehen, einmal mit fettem Sound in meinem Lieblingskino Scala in Fürstenfeldbruck, einmal mit durchschnittlichen Sound im Kinosommer in Fürstenfeldbruck. Der Film hat mir außerordentlich gut gefallen, auch wenn er die Sichtweise von Colonel Tom Parker erzählt, genial von Tom Hanks verkörpert. Elvis wird hervorragend von Austin Butler gespielt. Optisch, musikalisch und schauspielerisch großes Kino. Ich mag auch die Biopic Elvis von John Carpenter mit Kurt Russell in der Hauptrolle. Es ist zwar nur eine TV-Produktion, die mir aber viel Spaß bereitet hatte. Die deutsche Version ist leider gekürzt.

Biopics über Musiker und Bands scheinen eine Geldquelle zu sein. Nach dem unglaublichen Erfolg der Freddie Mercury-Bio Bohemian Rhapsody, für die es zahlreiche Oscars gab, kam dann Rocket Man ins Kino Der Film zeigt den Aufstieg von Elton John.
Freddie Mercury und Elton John haben vieles gemeinsam. Beide haben ihre Namen geändert. Aus Farrokh Bulsara wurde Freddie Mercury, aus Reginald Kenneth Dwight wurde Elton John. Beide waren bzw. sind homosexuell, beide prägten maßgeblich die Musik ihrer Zeit. Queen eher mit lauten Tönen, Elton John eher mit Balladen. Und noch eine entscheidende Gemeinsamkeit haben die beiden Filmbiografien über die Musiker. Regie führte beide Male Dexter Fletcher. Das Drehbuch beim neuen Film schrieb Lee Hall, der das Buch zum Tanzfilm „Billy Elliot – I Will Dance“ verfasste.

Rocket Man
Der Film Rocket Man beleuchtet die wichtigsten Momente aus der Karriere des britischen Popmusikers Elton John. Ich mag Elton John sehr. Bereits im Alter von elf Jahren studierte er an der Royal Academy of Music und konnte schon kurz darauf erste Erfolge mit seiner Band Bluesology vorweisen. Sein erstes Album Empty Sky floppte und die Karriere Elton Johns war beinahe vorbei, ehe sie überhaupt begann. Aufhalten ließ sich der Ausnahmekünstler davon nicht. Vor allem durch die langjährige musikalische Partnerschaft mit seinem kongenialen Liedtexter Bernie Taupin gelang Elton John der Durchbruch. Das hat sich gelohnt: Elton John war im Jahr 2012 mit umgerechnet 80 Millionen US-Dollar der Musiker mit dem dritthöchsten Jahreseinkommen gewesen.

Gespielt wird Elton John in Rocket Man von Taron Egerton. Laut Egerton soll sein Rocket Man kein reguläres Biopic werden, sondern ein Fantasy-Musical, bei dem die live vor der Kamera eingesungenen Songs einige der größten Momente in Elton Johns Leben widerspiegeln sollen. Naja, hört sich ein wenig stark nach PR an. Übrigens, der Titel Rocket Man ist ein Songtitel aus dem Jahre 1972. Die Produktion des Musiktitels Rocket Man (I Think It’s Going to Be a Long, Long Time) übernahm der Brite Gus Dudgeon. 1969 arbeitete Dudgeon mit David Bowie zusammen, als dieser seinen Erfolgstitel Space Oddity einspielte. Da beide Lieder ähnliche Weltrauminhalte hatten, hielt sich lange das Gerücht, John und Taupin hätten von Bowie kopiert, was beide aber stets abstritten.

Sex & Drugs & Rock‘n Roll
Biopics von Musikern sind nicht neu. Es gab schon öfters solche Versuche, die Geschichte von Musikern und Bands auf Film zu bannen. Auf der Streaming-Plattform Netflix läuft die Bio The Dirt über Mötley Crüe, die ich nicht so sehr schätze. Der Film zeigt den Aufstieg der Glam-Metaller, bei der es hauptsächlich um das Posergehabe der Band geht. Sex & Drugs & Rock‘n Roll pur. Die Band wird gespielt von Douglas Booth, Colson Baker, Daniel Webber und Iwan Rheon. Großes Kino ist es allerdings nicht geworden, dafür viel nackte Haut und pubertäre Sprüche.

Deutsche Biopic Gundermann
Auch in Deutschland gab es eine musikalische Biopic. Es war Andreas Dresens Film Gundermann, der sechs Lolas Gewinner des Deutschen Filmpreises 2019 war. Der Liedermacher Gerhard Gundermann, dargestellt von Alexander Scheer, arbeitet tagsüber als Baggerfahrer im Braunkohletagebau in der Lausitz. Abends nach seiner Schicht steigt er als Sänger auf die Bühne und bewegt die Menschen mit seiner Musik. Die sehr persönlichen und authentisch wirkenden Texte machen Gundermann in den 1980ern zum Idol vieler Menschen in der DDR, was sogar den Mauerfall überdauert. Bis sich das Gerücht verbreitet: War er ein Stasi-Spitzel? Ich als Wessi habe Gundermann erst nach der Wende kennengelernt. Und für mich als Dylan-Fan interessant. Gundermann durfte ein paar Worte mit dem Meister wechseln.

Biocpics zur Country-Musik
Zwei Beispiele von Biopics aus dem Country-Umfeld ließen Film- und Musikfans aufhorchen. Zum einen Walk the Line, der Erlebnisse aus dem Leben von Johnny Cash darstellte und I Saw the Light aus dem Jahre 2015, der den legendären Countrystar Hank Williams portraitierte.

Walk the Line ist eine Filmbiografie aus dem Jahr 2005 über das Leben des Country-Sängers Johnny Cash. Regie führte James Mangold, der zusammen mit Gill Dennis auch das Drehbuch schrieb, das auf den Biografien Man in Black sowie Cash: The Autobiography basiert. Die Hauptrollen spielen Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon. Johnny Cash stimmte der Wahl von Joaquin Phoenix als Hauptdarsteller zu, er bewunderte ihn bereits für seine Darstellung im Film Gladiator. June Carter Cash stimmte ebenso der Wahl von Reese Witherspoon für ihre eigene Rolle zu. Leider konnten Johnny Cash und June Carter die Premiere des Films nicht erleben. Beide verstarben vor Beginn der Dreharbeiten. June Carter am 15. Mai 2003 und Johnny Cash am 12. September 2003. Der Film hatte einen großen finanziellen Erfolg: Die Produktionskosten werden auf rund 28 Millionen US-Dollar geschätzt. Der Film spielte in den Kinos weltweit etwa 186 Millionen US-Dollar ein, davon etwa 119 Millionen US-Dollar in den USA und circa 12,9 Millionen US-Dollar in Deutschland.

Bei der Hank Williams Verfilmung I Saw the Light führte Marc Abraham Regie, der ebenfalls das Drehbuch schrieb. Es basierte auf der 1994 erschienenen Biografie Hank Williams: The Biography von Colin Escort. Die Hauptrollen im Film spielten Tom Hiddleston und Elizabeth Olsen. Der Film erschien bei uns direkt auf DVD/Blu ray und kam erst gar nicht ins Kino, was wohl daran liegt, dass Hank Williams bei uns nicht so bekannt ist. Coal Miner’s daughter/Nashville Lady (1980) über Loretta Lynn, wofür Sissy Spacek einen Oscar bekam, ist eine hervorragende filmische Biografie geworden.

Die Türen aufstoßen
Meine erste Biopic, die ich bewusst im Kino gesehen hatte, war The Doors von 1991. Regie führte der Altmeister des Polarisierens, Oliver Stone. Den charismatischen Sänger Jim Morrison spielte Val Kilmer sehr eindrucksvoll. Ich mag die Musik der Doors und empfand den Musikfilm äußerst gelungen. Doors-Keyboarder Ray Manzarek kritisierte den Film. Ihm hat die Darstellung der Person Morrison nicht gefallen. Zu wenig authentisch war der Vorwurf. Ich war nicht dabei, fand das Schauspiel aber sehr gut, auch wenn sich der Doors-Film vor allem um Morrison drehte.

Nur für Fans
Schwer verdaulich war für Nichtfans der Film I‘m Not there, eine Interpretation über mein Genie Bob Dylan. 2007 von Todd Haynes in Szene gesetzt, zeigt er sechs verschiedene Episoden aus Dylans Leben, dargestellt von sechs verschiedenen Darstellern. Der Film war wie zu Zeiten der Novelle Vogue inszeniert und verwirrte das klassische Kinopublikum. Dylan wird dargestellt von Christian Bale, Cate Blanchett (absolut sehenswert), Marcus Carl Franklin, Richard Gere, Heath Ledger und Ben Whishaw. Wer eine Chance hat, den Film einmal zu sehen, sollte diesen Streifen ansehen und genießen. Cate Blanchett wurde 2007 für ihre Interpretation von Bob Dylan mit der Coppa Volpi, dem Darstellerpreis der 64. Filmfestspiele von Venedig, preisgekrönt.

Soul und Chanson
Eher konventionell, aber dennoch eindrucksvoll ging es bei Ray zu. Der Film von 2004 geht um den großen Ray Charles, der von Jamie Foxx dargestellt wird. Regie führte Taylor Hackford. Die Dreharbeiten wurden von Ray Charles begleitet, doch der Soulmusiker konnte die Premiere aufgrund seines Todes nicht mehr erleben.

Großes Schauspielkino war die Biopic über die kleine große Édith Piaf in La Vie en Rose von 2007. Ich muss zugeben, nach Genuss dieses Films habe ich wieder die Musik des Spatzes von Paris gehört. Marion Cotillard spielte die Rolle von Piaf und erhielt dafür einen Oscar. Der Film war natürlich in Frankreich sehr erfolgreich.

Klassik im Kino
Vielleicht die beste, größte und unterhaltsamste Biopic über einen Musiker ist Amadeus von Miloš Forman aus dem Jahr 1984. Es geht um die musikalische Auseinandersetzung von Wolfgang Amadeus Mozart (Tom Hulce) mit Antonio Salieri (F. Murray Abraham). Das wichtigste Verdienst des oscarprämierten Films ist es sicherlich, die Musik des Genies Wolfgang Amadeus Mozarts einem breiteren Kinopublikum bekannter zu machen, das sich nicht so für klassische Musik interessierte. Der Film gewann übrigens acht Oscars im Jahr 1985 und zahlreiche andere Filmpreise. 2002 kam Amadeus nochmals als Director’s Cut in die Kinos und ich hatte mir die 13 Minuten längere Version damals wieder angesehen. Salieri wurde 2002 von Joachim Höppner gesprochen, weil der ursprüngliche Synchro-Sprecher Gottfried Kramer 1994 verstorben war.

Noch viel mehr gibt es zu sehen. Sid und Nancy (1986) über den Sex Pistols-Bassisten Sid Vicious, Amy (2015) über Amy Winehouse, Control (2007) über den Joy Division-Sänger Ian Curtis und ganz stark Love & Mercy (2014) über das musikalische Mastermind der Beach Boys Brian Wilson.
Aber zurück zum King. Ich mag den frühen Elvis und ich mag den späten Elvis. Der Konzertfilm Elvis – That’s the Way It Is von 1970 unter der Regie von Denis Sanders ist ein Paradebeispiel für die enorme musikalische Wirkung von Elvis in Las Vegas. Wer diesen Konzertfilm ansieht und ihn mit der Elvis-Verfilmung von 2022 vergleicht, wird sehr viele Gemeinsamkeiten erkennen.

Musiktipp: Deus Arrakis von Klaus Schulze

30. Juni 2022

Es fühlt sich irgendwie seltsam an, das letzte Album von Klaus Schulze zu hören. Auf der einen Seite freue ich, wenn die Musik des Electronic-Musikanten aus Berlin zu hören, auf der anderen Seite ist mein Herz volle Trauer, weil Schulze ja am 26. April 2022 verstarb und das vorliegende Album nun sein Vermächtnis ist.

Deus Arrakis heißt das Album und ich habe mir die auf 500 Exemplare limitierte Sammler-Box geleistet. Ich habe die Nummer 441. Sie enthält drei goldene Vinyl-Schreiben, die CD, einen Pin sowie Sand (!) und ein gerahmtes Artwork mit Autogramm vom Meister. Für letzteres suche ich noch einen Ehrenplatz in meiner Bleibe. Es gibt die CD und Vinyl auch einzeln. Die Box war schnell ausverkauft.

Hier das Unboxing-Video:

Mein erstes Klaus Schulze Album war 1979 Dune, das 2017 neu remastered erschienen ist. Schulze war nach eigenen Worten ein Fan von Frank Herberts Wüstenplanet. Da sind wir Brüder im Geiste, denn Dune gehört auch zu meiner Lieblingslektüre und ich habe die verschiedenen Übersetzungen verglichen. Klaus Schulze war auch am Score von Hans Zimmer zur Neuverfilmung von Dune beteiligt. Ich bin absolut kein Zimmer-Fan, aber der Score zu Dune ist prima.

Schulze Pressestelle verbreitete das humorvolle Zitat „Ich brauche noch mehr von diesem Spice.“ Und so dreht sich sein letztes 77 minütiges Werk auch um den Wüstenplaneten Arakis.

Als ich die Musik hörte, kamen mir dank der „Schulze Atmosphäre“ zahlreiche Assoziationen in den Sinn. Ich sehe vor meinen geistigen Auge, wie der Wind auf die Dünen von Arrakis weht. Manches Mal kommt sogar die Erinnerung an Dune von 1979 hoch. Der Sound ist Schulze pur – ohne Rhythmus eines Richard Wahnfried. Keine Musik des Godfathers of Techno, sondern klassischer Schulze, so wie ich ihn immer geliebt habe. Spice für die Sinne. Während ich den Klängen lausche, tragen mich meine Gedanken zu Frank Herbert und seinem Werk, ich denke an die beiden großartigen Verfilmungen von Dune und ich denke immer wieder an Meister Klaus Schulze selbst, wie er meine Musik revolutioniert hat. Berliner Schule und so – die großen Keyboarder, die verstorben sind, kommen mir in den Sinn: Keith Emerson, Vangelis, Edgar Froese, Richard Wright, Jon Lord – nicht immer ähnliche Musik, aber Musik, die mein Leben bereichert hat.
Ich werde die nächsten Tagen Deus Arrakis hören, lauschen, genießen – am besten über Kopfhörer und die Musik von Schulze ist so kostbar wie Spice.

Musiktipp: ASIA in Asia Live at Budokan, Tokyo, 1983

20. Juni 2022

Meine Lieblingsbands aus dem Bereich Prog-Rock sind eindeutig Emerson, Lake & Palmer sowie King Crimson. Gemeinsam haben die beiden Bands, dass Greg Lake dort als Bassist und Sänger tätig war. Und er führte diesen Job kurzzeitig bei einer Band aus, die ich als enorm reizvoll in den achtziger Jahren inmitten von Disco, Pop und Rock empfand: ASIA

Jetzt erschien das ASIA in Asia Live at Budokan, Tokyo, 1983 als Deluxe-Boxset. Die Box musste ich einfach haben, denn die Aufnahme ist in vieler Hinsicht bemerkenswert. Zum einen ist es die erste Satellitenübertragung zwischen Japan und MTV America, zum anderen hatte Greg Lake ein kurzzeitiges Gastspiel in der Supergroup, nachdem John Wetton vor der Japan-Tour das Handtuch schmiss und erst nach der Tour wieder einstieg.

ASIA waren für mich eine wirkliche Offenbarung. Ihr Album AISA 1982 mit dem Chartbreaker Heat of the Moment taten meinen Prog-Rock-Ohren einfach gut. Hier hatten sich vier Meister ihres Fachs gefunden und eine wirkliche Supergroup gegründet. Es waren Geoff Downes (The Buggles & YES), Steve Howe (YES) und Carl Palmer (Emerson, Lake & Palmer) und John Wetton (King Crimson, Roxy Music). Es folgte mit Alpha ein zweites starkes Album 1983. Dann kam noch das schwächere Album Astra 1983 und dann ging es auf Tour und John Wetton hatte keine Lust und stieg aus. Guter Rat war teuer, aber Greg Lake stieg ein, nachdem sich ELP ja aufgelöst hatte und Palmer bereits bei AISA untergekommen war.

Jahreslanges Zusammenspiel mit Carl Palmer zahlte sich aus. Lake mit seiner eindrucksvollen Stimme lernte die Songs und ab ging es zu drei Konzerten nach Budokan, Tokyo. Das zweite Japan-Konzert am 6. Dezember 1983 wurde per Satellit übertragen. Ich habe davon in der Prawda der jungen Leute Bravo gelesen und wollte das Konzert unbedingt haben. Erst Jahre später bekam ich eine japanische Laserdisc in die Hände. Es umfasste die Songs der ersten beiden ASIA-Alben. Trotz dem Neuling Lake macht das Konzert wirklich Spaß – wenn man den Prog-Rock der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts mag.

In dem Deluxe-Boxset gibt es das Konzert auf zwei farbigen Vinyl, einer Doppel-CD und Bluray, wobei die Bildqualität gegenüber der Laserdisc wohl etwas aufgehübscht wurde. Zudem gibt es ein kleines Buch mit Tourbildern und Schnickschnack wie Eintrittskarten.

Introduction From Mark Goodman (MTV)
Time Again
The Heat Goes On
Here Comes The Feeling
Eye To Eye
Steve Howe Solo (Sketches In The Sun)
Only Time Will Tell
Open Your Eyes
Geoffrey Downes Solo (Ihiri – The Setting Sun / Bolero)
The Smile Has Left Your Eyes
Wildest Dreams
Carl Palmer Solo
Heat Of The Moment
Sole Survivor
Cutting It Fine
Daylight

Sixty 2022 – Rolling Stones in München

6. Juni 2022

„Servus Minga“ – zwei Worte genügten, damit war alles gesagt. Die Rolling Stones rockten München und ich war dabei. Dabei sah es am Abend nicht so aus: Gewitter und Wolkenbrüche über dem Olympiastadion, so dass das Konzert um eine Stunde verschoben werden musste.
Aber als Mick Jagger, Keith Richards und Ronnie Wood samt Band die Bühne betraten, kam die Sonne heraus und es wurde zu einem kraftvollen Konzertabend. Die Briten feierten das 70. Thronjubiläum der Queen, die Münchner feierten das 60. Bandjubiläum der Rolling Stones.

Jagger gilt als München Fan. Er postete in Instagram tags zuvor Fotos vom Chinesischen Turm, vom Englischen Garten und aus Schwabing und Friedensengel. 116 Mal waren die Stones in Deutschland, ein paar Mal war ich mit dabei und es immer noch eine Freude, die Herren auf der Bühne zu sehen. Vorfreude kam auf, als schwarze Vans mit dunklen Scheiben ins Stadion einfuhren. Die Helden des Abends entstiegen den Fahrzeugen und machten sich bereit für einen Abend voller Rock‘n Roll.

Natürlich ist Jagger mit seinen fast 79 Jahren etwas ruhiger geworden, etwas, aber nicht viel. Seine Bühnenpräsenz ist nach wie vor einzigartig. Richards mit blauer Wollmütze spielte Riff um Riff, während Wood für konstante Gitarrenklänge sorgte. Alles wie gehabt. Alles? – Nein natürlich nicht. Charlie Watts fehlte – ich habe die Stones noch nie ohne Charlie Watts gesehen, aber der Schlagzeuger verstarb im August 2021. Die Stones beschlossen dennoch weiterzumachen. Aber die Erinnerung an den ruhigen Mann hinter den Drums war zu spüren. Vor dem Startschuss des Konzerts erinnerte ein Film an Charlie Watts.

Mick Jagger würdigte seinen verstorbenen Bandkollegen. Watts Nachfolger Steve Jordan machte seine Sache hervorragend, blieb aber im Hintergrund.
Die Europa-Tour startete in Madrid und der zweite Termin war nun München. Die Songs der beiden Europakonzerte variierten ein wenig. München bekam Ruby Thuesday statt Beast of Bruden. Genügend Material haben die Steine ja im Laufe der sechs Jahrzehnte angehäuft. Richards dufte auch zwei Songs anbringen: Happy Connection und Slipping Away – Zeit für Mick ein wenig durchzuschnaufen.

Der Konzertstart war der klassische Street Fighting Man und es folgten die klassischen Hits, ein bisschen Best of ohne Überraschungen. Zum ersten Mal live hörte ich Living in a Ghost Town von 2020, die zweite Nummer 1 der Stones in Deutschland nach Jumpin’ Jack Flash, der auch in München gespielt wurde. Jagger sagte auch etwas, dass der Song nach Madrid zum zweiten Mal gespielt werde.

Persönlich empfand ich meine beiden Klassiker Sympathy for the Devil, You Can’t always … sowie Start me up als Höhepunkte. Die Zugaben waren Gimme Shelter und natürlich (I Can’t Get No) Satisfaction zum Abschluss. Während die Stones spielten leuchtete der Olympiaturm in den Farben der Ukraine – eben gibt uns Schutz – ein großes Symbol.

Das meist ältere Publikum war zufrieden, sehr sogar und ich auch. Das Olympiastadion war ausverkauft, die Kasse für die Stones stimmte. Und auch das Wetter spielte mit, also alles prima. Nachdem ich bereits zahlreiche Abschiedstouren der Stones gesehen habe, war Sixty im Hinblick auf das hohe Alter der Herrschaften vielleicht wirklich die letzte. Ich hab sie genossen.

Rückschau: Online-Seminar zum 81. Geburtstag von Bob Dylan

2. Juni 2022

Jedes Jahr feiere ich den Geburtstag eines meiner musikalischen Helden Bob Dylan. Dieses Jahr hatte ich an seinem 81. Geburtstag am 24. Mai eine besondere Ehre. Ich durfte zusammen mit meinem Kollegen Stefan Preis ein Online-Seminar zu Bob Dylan halten.

Bereit für Dylans Geburtstag – neben mir ein Stapel CDs.

Ich habe meinen Vortrag mit einer externen Kamera aufgezeichnet, damit es zu keinen Problemen wegen Persönlichkeitsrechte-Verletzungen kommen konnte. Auch neu war dieses Mal, dass ich keine Keynote-Präsentation erstellt habe, sondern nur mit ein paar Notizen bewaffnet meinen Vortrag hielt. Freies Reden war angesagt. Ich wollte mal schauen, ob ich das genauso kann und bei einem Thema wie Bob Dylan fühlte ich mich sicher (obwohl sich der eine oder andere kleine Fehler eingeschlichen hat).

Nach einer allgemeinen Einführung zum Thema Dylan mit entsprechender Würdigung und persönlicher Herangehensweise stellte ich das Werk des Meisters anhand seiner veröffentlichen Alben vor. Ich habe die meisten offiziellen Bob Dylan-Alben auf CD dabei und zeigte sie mit einer Dokumentenkamera dem Publikum. Das Switchen zwischen den Hauptkameras und der Dokumentenkamera erfolgte über das ATEM von Blackmagic.

Ich bewertete und bezog Stellung in dem Vortrag, ließ zumeist die Bootlegs aber weg. Zwar vorbereitet, aber aus Zeitgründen weggelassen habe ich Literatur wie die Autobiografie oder die Zeichnungen sowie die Sammelbände mit Songtexten. Eigentlich wollte ich als Schlussgag noch eine Flasche Whisky von Dylan öffnen und auf den Geburtstag vor laufender Kamera anstoßen, entschied mich aber am Ende doch dagegen.

Für einen Kunden darf ich immer wieder verschiedene Online-Seminare zur Populärkultur halten. Wer darüber informiert sein möchte, dem bitte ich, meinen kostenlosen E-Mail-Newsletter zu abonnieren.

Star Wars in Concert – Rückkehr der Jedi in München

23. Mai 2022

Aller guten Dinge sind drei – und so habe ich mir den dritten Teil der mittlerem Star Wars Trilogie mit Live Musik angeschaut bzw angehört. Ursprünglich sollte das Konzert samt Film in der Münchner Philharmonie (Gasteig) stattfinden, doch Corona machte dem einen Strich durch die Rechnung. Inzwischen ist der Gasteig Baustelle und so wichen die Veranstalter in die Münchner Olympiahalle aus, die deutlich mehr Besucher fasst als ein Konzerthaus.

Ich habe mich auf das Event richtig gefreut. Star Wars in Concert bedeutet auch immer ein Fan Treffen. So war es auch. Viele Anhänger der Lucas-Filme rückten mit T-Shirts und Fan-Outfit an. Ich denke, es waren auch Mitglieder der German Garrison vertreten in ihren Kostümen. Die German Garrison ist die deutsche Untereinheit der 501st Legion, dem 1997 gegründeten und weltgrößten Star-Wars-Kostümclub mit über 14.000 aktiven Mitgliedern in mehr als 60 Ländern rund um den Globus.

Ich traf auch meinen alten Freund Michi Bernhard in seinem Obi-Wan-Kostüm, den ich seit über zwei Jahren aufgrund Corona nicht getroffen habe.
Mein Platz in Reihe sechs war ausgezeichnet. Hinter mir zwei übereifrige Jugendliche mit Vater, die erklärten, dass eine Oper vier Stunden am Stück ohne Pause lief, während hier nach der Hälfte eine Pause eingelegt werde.

Für mich ist die Rückkehr der Jedi-Ritter der schwächste Teil der mittleren Star Wars Trilogie, aber besser als Teil 1-3 und besonders als der unsägliche Teil 9. Bei unserem Abend dirigierte der Österreicher Gottfried Rabl das Pilsen Philharmonic Orchestra mit sichtlich Spaß.

Meine Befürchtungen hinsichtlich der Münchner Olympiahalle bewahrheiteten sich leider. Die Sporthalle ist eben eine Sporthalle, wird als Konzerthalle für Rock und Pop genutzt, aber als Spielort für Filmmusik ist sie komplett ungeeignet. John Williams grandiose Musik war aufgrund der Akustik ein Matsch. Die leisen Töne des Werkes mit seiner Feinheit gingen komplett unter. Zudem war der Audioton der Dialoge zeitweise nicht hörbar und ging im Sounddesign von Sternenjäger und hochgedrehter Musik in der unsäglichen Halle leider unter. Star Wars in Concert war für Konzertsäle konzipiert und nicht für Sporthallen. Die beiden Teile Krieg der Sterne und Imperium schlägt zurück hatte ich noch im Gasteig gehört und genossen, bei Rückkehr der Jedi-Ritter litt ich zeitweise an der Akustik. Gezeigt wurde die digitalüberarbeitete Fassung des Film mit weiteren Effekten.

Gottfried Rabl und sein Orchester machten einen guten Job mit viel Show. Die German Garrison trat vor dem Konzert vor die Bühne zum Erinnerungsfoto. Nach dem Film reichte Darth Vader dem Dirigenten Rabel sein rotes Laserschwert und Rabl dirigierte den Imperial March als Zugabe mit dem Lichtschwert. Das kam bei uns Zuschauern gut an.

Ach ja Zuschauer: Mein Eindruck bei den Konzerten der Vergangenheit im Gasteig war ein diszipliniertes Publikum, das rechtzeitig zur Aufführung ihre Plätze einnahm. In der Olympiahalle kam man zu spät, ging mitten drin für Bier und Popcorn oder auf die Toilette. Gefällt mir es? Nein, aber ist egal, weil die Akustik sowieso eher schlecht war.

Im Februar 2023 wird nun Teil sieben der Saga Das Erwachen der Macht in der Isarphilharmonie in München aufgeführt. Bisher habe ich mir immer in der Pause. zu Star Wars in Concert Karten für das nächste Event gekauft. Das machte ich dieses Mal nicht, weil ich bei der Unvernunft der Menschen damit rechne, dass Corona im Herbst nach dem Oktoberfest wieder zuschlägt und alle Events zunichte macht. Und zum anderen haben die letzten Teile der Saga viel vom Glanz verloren, die das Star Wars Universum für mich ausgemacht haben. Die Musik von John Williams will ich lieber von Datenträger oder in einem Konzertsaal vom Meister selbst hören.

Persönlicher Nachruf: Vangelis ist tot – scheiß Corona

20. Mai 2022

Seine erste Schallplatte, die ich von ihm hörte war Heaven and Hell. Ich war als Jugendlicher vom Cover fasziniert. Die gläsernen Hände, die die Tasten spielen und dahinter Nebel mit Feuer. Die Musik klang wie ein Oratorium und schon vom ersten Lauschen hat mich die Musik gefangen. Ich kannte die Musik aus dem Fernsehen, denn sie war die Titelmusik der frühen Wissenschaftsserie Unser Kosmos von Carl Sagan.

Daran erinnerte ich mich wieder als ich vom Tode von Vangelis erfuhr. Er verstarb an Covid 19, das teuflische Virus, das noch immer nicht besiegt ist, obwohl alle so tun.
Meine Helden der elektronischen Musik sterben und immer wieder bricht mir es das Herz. Nach Edgar Froese, Richard Wright, Tomita, dem großen Keith Emerson und dem genialen Klaus Schulze nun auch Vangelis, wie der Künstlername von Evangelos Odysseas Papathanassiou war. Die Musik von Vangelis war immer ein Bestandteil meiner All Time Playlist, die ich immer hören kann, ohne dass sie mir zuviel wird.

Ich genoss freilich seine Soundtracks, allen voran habe ich mir alle Versionen von Blade Runner gekauft, die ich auftreiben konnte, 1492: Conquest of Paradise und natürlich Chariots of Fire. Aber Vangelis war mehr als ein Soundtrack-Komponist. Er schreib mit seiner Band Aphrodite’s Child und dem Album 666 sicherlich Progrockgeschichte. Gerne hätte ich ihn bei Yes gesehen, doch die Zusammenarbeit mit Jon Anderson lieferte uns schöne Popsongs.

Im Moment höre ich das Piano-Album Nocturne und Antarctica, dessen kaltes Thema ich rauf und runter im Sommer hören kann. Persönliches Highlight von Vangelis ist aber für mich das Stephen Hawking Tribute von 2018. Die Musik wurde beim Begräbnisgottesdienst in der Westminster Abbey aufgeführt und anschließend an die Gäste verteilt. Ich habe die CD Nummer 61 dieser Gottesdienst-Ausgabe, die auf 500 Exemplare limiert war. Das Stück selbst gibt es als Download und als Bootleg.