Archive for the ‘Musik’ Category

Musiktipp: Versatile von Van Morrison

9. Januar 2018

Er hat es wieder getan. Van the Man – Van Morrison hat im Jahr 2017 einfach mal so zwei Alben veröffentlicht. Zuerst kam am 22. September Roll with the Punches und nun folgte am 5. Dezember Versatile. Da frag ich mich: Musikalischer Ausverkauf oder kreative Schaffensphase?
Nun, ich habe beide Alben ausführlich gehört. Roll With the Punches hatte ich bereits besprochen und den Blues für gut befunden und nun kommt mit Versatile ein Album ganz anderer Art. Van Morrsion ist hier in den Jazz eingetaucht, ganz, ganz tief und verdammt, der Mann kann es einfach. Van Morrison hält Rückschau auf seine Geschichte des Jazz und steuert selbst sechs neue Songs bei. Er zelebriert, es lässt sich nicht anders ausdrücken – also er zelebriert die Klassiker von Nat King Cole („Makin‘ Whoopee“), von den Righteous Brothers („Unchained Melody“), von Frank Sinatra („A Foggy Day“) oder von Tony Bennett („I Left My Heart In San Francisco“). Wenn euch mal richtig Gänsehaut spüren wollt, dann hört euch die Unchained Melody an. Es ist wirklich ein Wahnsinn, was Van Morrsion aus diesem Song herausholt. Ich dachte, die Originalversion von den Righteous Brothers ist genial. Denkste, Van Morrison hängt die hohe Latte noch etwas höher.
Das Album startet laut mit Broken Record. Ich hab den Song laut, ganz laut aufgedreht und bin durch die Hütte geswingt (hoffentlich hat mich keiner gesehen, aber es tat wirklich gut). Der alte Mann weiß noch, wie es geht mit der Musik.
Beim Anhören von Versatile habe ich mich an Morrisons Kollegen Dylan erinnert gefühlt. Er hatte in seinen jüngsten offiziellen Veröffentlichungen das American Songbook durchgearbeitet und Van Morrison folgt seinem Freund Dylan und interpretiert Sinatra auf seine Weise. Vielseitig ist der Mann und seine Musik, daher auch der Albumtitel Versatile. Morrison ist ein Sturschädel und wer eine schöne Jazz-Stimme erwartet, der wird enttäuscht. Morrison passt sich keinem Geschmack an, sondern zieht wie immer sein Ding durch. Vielleicht ist nicht alles schön, was der großartige Eigenbrödler macht, aber es ist auf jeden Fall authentisch. Er macht, was ihm gefällt – und wenn ich ehrlich bin, das gefällt mir auch. Versatile ist kein Album zum Stillsitzen, sondern mir geht dieser Jazz in die Beine und ich will mich bewegen. Und das geht sogar auch ohne die prägende Stimme des Meisters. Das Lied „Skye Boat Song“, ist eigentlich ein schottisches Volkslied und dann kommt Van the Man daher und macht Swingjazz daraus – das ist Können.

Musiktipp Eye in the Sky (35th Anniversary Boxset) von The Alan Parsons Project

3. Januar 2018
Ist das wirklich schon 35 Jahre her? Eye in the Sky

Ist das wirklich schon 35 Jahre her? Eye in the Sky

Wieder eine Zeitreise in meine Jugend zu meiner damaligen Lieblingsband The Alan Parsons Project. Zum 35. Geburtstag der Albumveröffentlichung erschien noch im vergangenen Jahr die Geburtstagsedition von Eye in the Sky. Obwohl sie mit rund 85 Euro völlig überteuert war, musste ich die Box freilich haben.
Ich erinnere mich noch als ich 1982 durch die Münchner Einkaufszentren streifte und in den Schallplattenabteilungen mich inspirieren ließ. Ich glaube, es war der Karstadt Oberpollinger, der damals eine große Vinyl-Abteilung im obersten Stockwerk hatte. Überall stieß ich auf Poster mit einem Auge im Himmel. Alan Parsons Project hatte das Album Eye in the Sky veröffentlicht und die Marketingwelle rollte an. Als APP-Fan griff ich natürlich zu und Woche für Woche hörte ich das Album. Ich glaube, meine Vinyl-Ausgabe hatte ein Auge mit Goldprägung.

Daher war ich jetzt gespannt, was es zum 35. Geburtstag gab. Insgesamt hat die Box Eye in the Sky (35th Anniversary Boxset) sechs Datenträger und allerhand Merch-Material wie das damalige Werbeposter. Alan Parsons veröffentliche das Original-Album mit sechs Bonus-Tracks auf der ersten CD. Die beiden CDs 2 und 3 beinhalten nichtveröffentlicht Demos und Proben in verschiedenen Mixen. Mir machte es Spaß, sich durch die verschiedenen Versionen zu hören und zu lauschen, wie die Songs entstanden sind. Der vierte Datenträger ist eine Blu Ray im fetten 5.1-Sound, der mir die Ohren wegfetzte. Alan Parsons versteht sein Handwerk als Toningenieur nach wie vor und lieferte hier eine exzellente Abmischung ab. Den Abschluss machte eine Doppel-LP, wobei mein damaliges Vinyl-Album eine einfache Langspielplatte war. Hier das Unboxing Video mit Vorstellung des Inhalts.

So sitze ich also wie ein Jugendlicher mit dem Kopfhörer auf dem Kopf und lausche der Musik von APP. Das Merch-Zeug habe ich gleich weggepackt, dafür um so länger in dem Booklet gelesen, gute Interviews zum Teil. Und vor allem die alten Fotos hatten es mir angetan. Mensch, waren die Jungs damals noch jung und Eric Woolfson war noch am Leben. Er starb ja leider am 2. Dezember 2009. Ich habe noch so viel APP-Zeugs von der Zeit im Archiv stehen und verglich die abgebildeten Single mit meinen Schätzen aus dem Keller. Also klarer Musiktipp zu Eye in the Sky (35th Anniversary Boxset).

Vielleicht ein Musiktipp: Chapter one – the wild Bunch von The Sweet

2. Januar 2018
Ich schäme mich für diese Musik, aber sie gefällt mir: the Sweet

Ich schäme mich für diese Musik, aber sie gefällt mir: the Sweet

Ok, ich geb es zu, ich schäme mich für diesen Kauf. Noch im vergangenen Jahr habe ich die Box Chapter 1 the Wild Bunch von (The) Sweet erworben. Die Musik ist zum großen Teil schrecklich, aber es ist die Musik meiner Jugend und daher gefällt sie mir (zumindest ein Teil davon).
Musikalisch sozialisiert wurde ich in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Es war die Zeit von Hardrock, Punk, Disco und Glam Rock. Und genau in diese Zeit fielen The Sweet. Von einer Schlagerband entwickelte sich die Band um Brian Connolly und Andy Scott zu perfekten Glam Rockern. Während David Bowie in seinen Ziggy Stardust-Kostümen cool war, so waren The Sweet und später Sweet in ihrem Outfit einfach nur peinlich. Als Kind glaubte ich, in Sweet eine Hardrockband zu erkennen. Als ich dann Deep Purple oder ACDC hörte, bemerkte ich, dass meine Gedanken ein schwerer Fehler waren.
The Sweet waren eine erfolgreiche Hitparadenband und ich habe damals viele Songs auf Kassette vom Radio aufgenommen: Hell Raiser, The Ballroom Blitz und Teenage Rampage sowie Love is like Oxygen und natürlich Fox on the Run. Die Songs waren nicht mehr als aufgemotzte Schlager und gingen wunderbar ins Ohr. Abba war für alle und Sweet war für die härtere Fraktion von uns Normalen. Heute ist Abba immer noch wegweisend, während Sweet einfach nur peinlich sind. Und trotzdem habe noch einige Singles und LPs.

Nun gut, ich stehe dazu: Ich habe mir diese peinliche Musik gekauft und im Kreise meiner Familie angehört. Kopfschütteln war die freundlichste Reaktion, nur K2 hatte ein wenig Verständnis. Grund: Fox on the Run lief im Trailer zu Guardians of the Galaxy 2 und damit war dieser Song von K2 zumindest geduldet.
Die Box enthält Chapter one eine Zusammenstellung der Alben bis in Jahr 1978. Danach wurden Sweet noch schlechter. Enthalten sind die sechs Studioalben „Funny How sweet Co-Co can be“ (1971), „Sweet Funny Adams“ (1974), „Desolation Boulevard“ (1974), „Give us a Wink“ (1976), „Off the Record“ (1977) und „Level Headed“ (1978). Als Bonus gibt es die Live-Scheibe „The Rainbow – Live in the UK 1973“, die wirklich schrecklich ist und zeigt, dass die Band hoffnungslos überschätzt war. Vielleicht wäre es besser gewesen, weniger zu schminken als vielmehr die Instrumente zu üben. „At the Beep – The BBC Radio Sessions“ ist besser und „The Lost Singles“ mit A- und B-Seiten der Singles.
Interessant, und das ist es wirklich, sind die 30 Songs, die als Bonus-Material auf den Alben abgelegt sind. Und ich habe das beiliegende Booklet gerne gelesen, denn es war eine Reise in meine Jugend. Hier kommt als Fotomaterial viele Bilder der Bravo zum Tragen. Die Bravo war das Zentralorgan der deutschen Jugend und liebte Sweet. Mein roter Schal kam einmal sogar mit Sweet auf das Titelbild der Bravo. Die Geschichte dazu gibt es hier nachzulesen.
Ich möchte die Box empfehlen, aber nur denjenigen, der Sweet in seiner Jugend gut fand – so wie ich. Wer noch nie von Sweet gehört hat, sollte seine Finger von der Box lassen.

Dominik Plangger: Baby Mavis und seine Pläne für 2018

27. Dezember 2017
Im Dezember 2017 hatte ich die Freude mit Dominik Plangger ein Interview mit Schlachthof zu führen.

Im Dezember 2017 hatte ich die Freude mit Dominik Plangger ein Interview mit Schlachthof zu führen.

Dominik Plangger war der letzte Musiker, den ich 2017 live gesehen habe. Der Südtiroler Musiker gastierte im Wirtshaus im Schlachthof in München und für meine Frau und mich war es natürlich ein Pflichttermin. Es war mir eine Freunde und Ehre zugleich Dominik Plangger zu sehen, zu hören und zu sprechen. Das Konzert war ein doppeltes Wiedersehen: Zum einen diesen großartigen Liedermacher zu treffen, zum anderen nach Jahren wieder im legendären Wirtshaus im Schlachthof zu sein.
Dominik Plangger haben wir vor Jahren auf der Wiese vor Kloster Banz kennen und schätzen gelernt als er bei den Songs an einem Sommerabend auftrat. Er ist einer der neuen Liedermacher, die uns begeistern. Über die Jahre haben wir den Kontakt gehalten und ich freue mich immer wieder auf ein Wiedersehen. Das ist ein Typ, der sein Ding durchzieht und dafür gebürt ihm mein Respekt. Vor dem Münchner Konzert hatten wir die Chance auf ein 360 Grad Videointerview.

Das Baby von Claudia und Dominik
Sicherlich die wichtigste Nachricht für den Musiker: Dem Baby geht es gut. Anfang Dezember kam Mavis in Wien auf die Welt. Ihre Namenspatronin ist die großartige Mavis Stapels. Und Dominik Plangger verriet mir, wie es zu diesem Namen kam. Zusammen mit seiner Frau Claudia waren wie auf der Alm, hörten die Musik der Bürgerrechtlerin Mavis Staples und berieten über einen Namen für das Kind. „Mavis ist ein schöner Name und man kann ihn auch in Deutsch aussprechen und der Name funktioniert auch international“, so Dominik Plangger. Und in Altenglisch bedeutet Marvis zudem „Singdrossel“ – was ist passender für eine Musikerfamilie?
Dominik Plangger war bei der Geburt seiner Tochter dabei. Mavis hat sich genau an den Geburtstermin gehalten. „Um 7 Uhr früh ging es ins Krankenhaus und um 9 Uhr kam die Tochter auf die Welt.“ Also eine vorbildlich reibungslose Geburt eines neuen Erdenbürgers.

Tour läuft 2018 weiter
Mit der Tour Wintersunn und Raunacht ist Dominik Plangger zufrieden. Es mehren sich die Auftritte, das Publikum wird größer. Vor München war er in der Kofferfabrik in Fürth. „Die Größe meines Publikums und ich wachsen zusammen”, so Plangger im Gespräch mit mir. „Mit der Musik, die ich mache, spreche ich die Generation an, die Hannes Waader und Reinhard Mey von jung auf kennen.“ Es mache in der Liedermacherszene viel aus, dass die alten Dinosaurier Waader, May, Wecker noch unterwegs und noch aktuell sind. „Diese Menschen muss man wirklich live erleben.“ Gerade Wecker habe eine Bühnenpräsens eine Intensität und Wucht, die Plangger als 37jähriger beneidet.

Neues Album kommt 2018 von Dominik Plangger
Im Jahr 2018 kommt ein neues Album von Dominik Plangger, soviel steht fest. Aber der ursprüngliche Plan, ein klassisches Studioalbum zu veröffentlichen, hat sich zerschlagen. „Ich war im Oktober für drei Tage im Studio und bin herausgekommen und für mich stand fest, das ist es nicht. Ich habe einfach zu wenig Material und es hat sich noch nicht richtig angefühlt.“ Das Studioalbum liegt also auf Eis.
Aber: Im Jahr 2018 kommt ein Live-Album auf den Markt. Plangger feiert 2018 sein zehnjähriges Jubiläum. Das Live-Album wird ein Querschnitt der Lieder und neuem Material. Der Titel könnte lauten „Zehn Jahre unterwegs“. Die Idee: Das Album wird im Studio aufgenommen mit Live-Publikum. Drei Tage im Großraumstudio mit 50-60 Gästen – das könnte ein interessantes Experiment werden. Das Album wird alleine und mit Band eingespielt – Claudia ist natürlich mit der Geige dabei.
Und Dominik Plangger goes electric. Ich hab es bei dem Puristen aus Südtirol nicht geglaubt, aber Dominik Plangger verriet mir, dass er sich eine Fender Stratocaster gekauft habe. Jetzt muss er aber seinen Gitarrenstil ändern. Die Strat verlangt einen weicheren Anschlag. „Die Akustikgitarre verlangt einfach mehr Kraft.“ Zudem muss sich Plangger beim Spiel mit der E-Gitarre um mehr Technik kümmern. „Auf dem Live-Album kommt ganz sicher ein, zwei Lieder mit E-Gitarre.“ Lassen wir uns also überraschen.

Musiktipp: Trouble No More – The Bootleg Series Vol. 13 von Bob Dylan

24. Dezember 2017

Was passt musikalisch besser zu Weihnachten als christliche Musik? Nun, seit November liegt die Sammlung Trouble No More – The Bootleg Series Vol. 13 von Meister Bob Dylan vor und ich hatte nun zwei Monate Zeit, diese ungewöhnliche Phase Dylans zu lauschen.

Gleich vorweg: Mit den fundamentalistischen christlichen Inhalten der Aufnahmen von 1979 bis 1981 hab ich zeitweise meine Schwierigkeiten. Ich akzeptiere seine Hinwendung zum Christentm, bin ihm aber nicht gefolgt, getreu seinem Motto „Don’t follow Leaders“. Und dennoch sind wahnsinnig intensive Aufnahmen herausgekommen und es war richtig, diese uns endlich offiziell zur Verfügung zu stellen. Der Gospel-Dylan ist eine weitere Maske des Musikers und zeigte wohl Ende der siebziger Jahre zeitweise sein wahres Gesicht. Voller Inbrunnst sind seine Lieder, seine Interpretationen und seine Suche nach dem Heiland. Immer wieder rutscht er in den christlichen Fundamentalismus ab, das alte Testament ist allgegenwärtig, nach dem Motto „wer nicht für mich ist, der ist gegen mich“. Aus dieser Haltung heraus, schreibt man nicht einfach ein lockeres Liebeslied. Seine Liedeslieder dieser Phase sind eine Verehrung an Gott, dem Heiland und die Erlösung, die er bringt. Von Lockerheit und Selbstironie ist in dieser Phase bei Dylan nichts zu spüren. Verehrung und Ehrfurcht dagegen um so mehr. Es tauchen immer wieder textliche und musikalische Perlen auf, die klar machen, welcher Meister hier schreibt und singt. „Every Grain of Sand“ sei nur genannt und allein bei diesem Song ist klar, weshalb dieser Mann einen Nobelpreis für Literatur bekam: „In the time of my confession, in the hour of my deepest need, When the pool of tears beneath my feet floods every newborn seed, There’s a dying voice within me reaching out somewhere, Toiling in the danger and the morals of despair.“
Die Sammlung von Aufnahmen grenzt die Zeit der offiziellen Dylan-Alben „Slow Train Coming“ (1979), „Saved“ (1980) und „Shot Of Love“ (1981) ein und bringt zahlreiche Demos. Aber vor allem die Live-Aufnahmen sind interessant. Ich habe mir gleich die DeLuxe-Version von Trouble No More – The Bootleg Series Vol. 13 gekauft und ein Unboxing gedreht.

Das Deluxe-Box-Set mit 8 CD und einer DVD. enthält ein schön gemachtes Hardcover-Buch mit einer Einführung von Dylan-Forscher Ben Rollins sowie Liner-Notes von Amanda Petrusich, Rob Bowman und Penn Jillette. Für Dylanologen ist es interessant, bei einem Glas Wein das Buch zu lesen, um Dylans christliche Phase vielleicht besser verstehen zu können.
Ich habe nur einen Bootleg und das war das Toronto-Konzert, das auch nun offiziell erhältlich ist. Interessanter ist da schon da für mich der Mitschnitt von „Shot Of Love“ vom Konzert in Avignon 1981.
Etwas nervös, war ich als ich mir den Konzertfilm „Trouble No More: A Musical Film“ ansah, der als NTSC-DVD der Box beilegt. Die Musik ist grandios und Dylan habe selten zuvor so ernsthaft erlebt. Wer will, kann sich das Konzert mit Spoken-Word-Passagen des Schauspielers Michael Shannon („Take Shelter“) aus der Feder des Schriftstellers Luc Sante ansehen. Das hätte ich besser nicht gemacht. Das ist schrecklicher christlicher Fundamentalismus pur und tut nur weh. Beim zweiten Ansehen, habe ich dies ausgeblendet und nur die hervorragenden Konzertmitschnitte angehört. Das reicht dann auch mit Christentum und Erlösung durch Gott.

Buchtipp: Jimi Hendrix von Hannes Fricke

19. Dezember 2017
Jimi Hendrix - ein neues Buch über ihn und eine alte Platte von ihm.

Jimi Hendrix – ein neues Buch über ihn und eine alte Platte von ihm.

Mein Gott, Jimi Hendrix wäre vor kurzem 75 Jahre alt geworden und anlässlich seines Geburtstages höre ich verstärkt wieder Songs dieses Ausnahmegitarristen und lese eine neue Biografie von Hannes Fricke.
Es gibt viele großartige Gitarristen, aber es gibt nur einen Jimi Hendrix, der viel zu früh verstorben ist. Ich verehre Clapton, Vaughan, Blackmore, Page und viele mehr, aber ich liebe Jimi Hendrix. Er hat gezeigt, was möglich ist. Schade, dass er dem Club 27 angehört, sonst wäre noch so viel interessantes auf uns zugekommen.
Meine erste Begegnung mit Jimi Hendrix war eine Picture Disc, die ich in einem Einkaufszentrum in Fürstenfeldbruck erstand. Dort gab es eine Wühlkiste mit Vinylplatten und ich hatte mir bereits eine Elvis-Scheibe auf Seite gelegt. Ich mochte den King und blätterte weiter die bedruckten Vinylscheiben durch. Dann sah ich das Album Second Time Around mit einem wilden Hendrix-Bild auf die Platte gepresst. Ich kannte von der Plattensammlung meiner Eltern die Hendrix-Aufnahme Hey Joe und dachte, diese Musik sei ähnlich. Zu Hause angekommen, war ich zunächst enttäuscht. Es war einer von vielen vielen Hendrix-Bootlegs mit fünf Songs und stammt aus der Zeit mit Curtis Knight. Die Aufnahmequalität war eher bescheiden. Sie blieb erst einmal im Plattenschrank als Fehlkauf. Erst später hörte ich sie, nahm sie auf eine Audio-Cassette C60 für den Walkman auf (um das Bild zu schonen). Die Platte war genau 29:26 Minuten lang und passte wunderbar auf eine Cassettenseite. Jahre später überspielte sie mir mein Kumpel Franz Neumeier auf CD, der konnte so etwas damals.
Inzwischen war ich zu einem Hendrix-Fan geworden. Zahlreiche Aufnahmen besaß ich, doch was war mir die liebste? Ich habe drei Alben, die ich sehr gerne höre: Der Klassiker: Are you experienced? Und die beiden Live-Alben Monterey und Band of Gypsys (in allen Ausgaben). Electric Ladyland faszinierte mich aufgrund des Covers als Teenager, Insider wissen, was Sache ist. Und die besten Lieder? Nun, der erste Hendrix-Song für meine Ohren war Hey Joe, er gefällt mir bis heute. Und natürlich das absolute Überding: All along the Watchtower. Das Original stammt von Bob Dylan, doch die Version von Hendrix hatte alles auf den Kopf gestellt und keinen Stein mehr auf den anderen gelassen.
Und hier kommt die neue Biografie Jimi Hendrix von Hannes Fricke genau richtig. Das Buch ist zum 75. Geburtstag von Jimi Hendrix bei Reclam erschienen und der Verlag stellte mir ein Exemplar dankenswerterweise zur Verfügung. Es ist eine weitere Biografie mit Zahlen, Daten und Fakten, die ich im Grunde schon alle kenne. Für mich liegt der absolute Mehrwert des 100seitigen Buches auf den Ausführungen zu meinem Lieblingssong All along the Watchtower. Hannes Fricke analysiert Stück für Stück das Lied und weißt ausführlich auf die Komplexität und die Detailverliebtheit von Hendrix hin. Da ich selbst kein Musiker bin, wird mir der Aufbau des Songs und die Spielweise von Hendrix genau erklärt. Als Dylan- und Hendrix-Fan habe ich es verschlungen und empfehle daher dieses Buch.
Und als ELP-Fan habe ich das Buch mit neuen Infos erwartet. Leider war nichts neues zu lesen. Ich würde so gerne mehr wissen über eine die mögliche Supergroup HELP – Hendrix, Emerson, Lake und Palmer. Ich werde wohl ewig darauf warten müssen. Aber jetzt den Kopfhörer auf und volle Pulle All along the Watchtower hören.

Konzertkritik: Yello in der Olympiahalle München

7. Dezember 2017

Wieder kann ich eine Band auf meiner privaten Konzertliste abstreichen. Bands, die ich unbedingt mal live sehen wollte. Abgestrichen habe ich das Schweizer Duo Yello, die auf ihrer Race Tour in der Münchner Olympiahalle gastierten.

Das Konzert begann mit einer Enttäuschung. Eigentlich waren es zwei Enttäuschungen. Zum einen war die Münchner Olympiahalle zu Hälfte mit schwarzem Tuch abgehängt und auch die restlichen Plätze waren nicht komplett ausverkauft. Die Plätze neben mir und vor mir waren leer. Das Münchner Publikum weiß anscheinend nicht, was hervorragende, coole Elektronikmusik bedeutet und war wohl beim Bayernspiel. Da macht sich Yellow nach gefühlten 100 Jahren auf zu einer Tour durch Deutschland und der Kartenvorverkauf in München lief schleppend. 3000 bis 4000 Fans waren in der 12000 Menschen fassenden Konzerthalle. Fußball schlägt Kultur, das war wohl schon immer so. Das ist schade und enttäuschte mich. Yello ist seit 1978 das erste Mal auf Tour und das in München vor leeren Stühlen – das ist peinlich.

Zum zweiten sind die Schweizer auch nicht mal das, was sie waren, nämlich pünktlich. Vergesst also die Schweizer Uhren. Mit 15 Minuten Verspätung startete das Konzert, vielleicht in der Hoffnung, dass sich die leeren Plätze noch füllen würden. Das taten sie nicht. Und Dieter Meier trat auf die Bühne und sagte dann auch noch, ob man überhaupt spielen sollte: die Band antwortete mit dem Opener just do it. Ob es einstudiert oder Zufall war, weiß ich nicht. Aber es passte genial.
Und dann rockte der Betonbunker durch die Mischung aus Elektronik, Bläser und Percussions. Beginnen wir mal mit dem Sound. Die Akustik in der Münchner Olympiahalle war noch nie die beste, aber Yello holte das Optimum heraus. Der elektronische Sound war glasklar, wirklich eindrucksvoll. Leider ging die coole Stimme von Dieter Meier etwas unter, die Stimmen von den beiden Gastsängerinnen Malia und die Asiatin Fifi Rong (top) kamen gut herüber. Perfektionist Boris Blank war der Herr über die Technik und der Effekte. Die Show war große Klasse, die Projektion perfekt. Allerdings hatte ich das Gefühl, bei den Stop-Motion-Filmen wieder in die Zeit der Videoclips der achtziger MTV-Jahre zurückversetzt worden sein. Da war die Idee, eine GoPro am drehenden Autoreifen zu befestigen, deutlich innovativer.
Es war kein herkömmliches Konzert, sondern die Olympiahalle verwandelte sich zu einem Kunsthappening. Nichts anderes hatte ich von Yello erwartet.
Bei der ausgezeichneten musikalischen Darbietungen war ich über die Mischung aus Blech, Percussions und Elektronik überrascht. Wer Yello auf eine reine Elektroband wie Kraftwerk reduziert, der wurde enttäuscht. Hier wird trotz Synthesizer Musik von Menschen gemacht – und was für starke Musik. Wem die Musik nicht gepackt hat und wer nicht zumindest mitwippen musste, der war im Grunde schon tot. Auf meinem Sitzplatz wackelte ich hin und her und hätte gerne einen Platz in der Arena gehabt zum Abtanzen.
Musikalisch ging es quer durch das Repertoire des Yello-Werks. Die Werkschau der Schweizer tat gut und brachte alte Erinnerungen hervor. Das erste Mal hörte ich Yello als Jugendlicher bei meinen Kumpel Christian. Er hatte 1983 eine Schallplatte mit einem Affen angeschleppt und das Ding hieß „you gotta say yes to another excess“. Der Spruch prägte sich mit in mein Unterbewusstsein ein. „you gotta say yes to another excess“ war schon cool. Und als ich damals hörte, dass zwei Schweizer diese coole Mucke machten, war ich sprachlos. Schweiz bedeutete mir als Jugendlicher nichts, vielleicht Krokus ein paar Jahre später. Yello war cool, absolut cool, aber Yello blieb ein Insidertipp. Zwar hatten die Schweizer ihre Erfolge, aber es war nie das ganz große Ding. Dafür waren Boris Blank und Dieter Meier nicht kommerziell genug – danke dafür.

Aber in der Olympiahalle konnte ich vieles von alten LPs und spätere CDs wieder hören. Oh Yeah gehört einfach dazu und natürlich The Race. Das war die Musik, die die Jugendsendung Formel eins im bayerischen Fernsehen einläutete.
Die Setlist, wie ich sie mir notierte, war folgende:
Magma
Do It
The Evening’s Young
Limbo
Bostich
The Rhythm Divine mit Malia
30’000 Days
Tool of Love
The Time Tunnel (Boris Blank solo)
Kiss the Cloud mit Fifi Rong
Lost in Motion mit Fifi Rong
Tied Up
Liquid Lies
Starlight Scene mit Malia
Oh Yeah

Blue Biscuit
Si Senor The Hairy Grill
Zugaben: Bostich – dabei wurde auch die App Yellofier eingesetzt, die ich mir sofort zu Hause gekauft habe
Vicious Games mit Malia
The Race

Mein Fazit zu Yello in München: Es war gut, Yello gesehen zu haben und ich möchte mich für das fehlende Publikum bei Boris Blank und Dieter Meier entschuldigen. Das hat yello nicht verdient.

Musiktipp: Tales of Mystery and Imagination von The Alan Parsons Project

2. Dezember 2017
Meine erste LP überhaupt und meine Lieblingsplatte: Tales of Mystery and Imagination.

Meine erste LP überhaupt und meine Lieblingsplatte: Tales of Mystery and Imagination.

Obwohl ich es seit fast einen Jahr besitze und immer wieder höre, kam ich bis dato nicht dazu, die Special Edition zum 40. Geburtstag von Tales of Mystery and Imagination zu würdigen. Und nachdem jetzt im Dezember die Box zu Eye in the Sky ins Haus steht, will ich dies schleunigst nachholen und mich vor diesem Meisterwerk von The Alan Parsons Project verbeugen.
Wir schreiben das Jahr 1976 und es war das erste Album des Duos Alan Parsons und Eric Woolfson und es wurde für mich eines der besten Alben der Rockgeschichte. Für mich war es zudem mein erstes Rockalbum, das ich mir gekauft habe. Die Zeit der Märchenplatten und Hörspiele war zu Ende und ich machte mich auf, die Welt der Rockmusik zu erkunden. Von meinem Onkel mit Elvis und Rock’n Roll, mit Cash und Country ausgestattet, tat ich jetzt meine ersten eigenen musikalischen Schritte. Ich stieß auf das gründe Cover von Tales Of Mystery and Imagination. Es faszinierte mich. Edgar Allan Poe, den Namen hatte ich schon mal gehört, aber gelesen hatte ich nichts. Er hatte so eine Art Gruselgeschichten geschrieben, so meinte ich. Und als ich mitbekam, dass Tales of Mystery and Imagination auf den Geschichten von Poe basierten, hörte ich einfach mal rein.

Und seitdem höre ich immer wieder rein in das wunderschöne Album von The Alan Parsons Project und es verzauberte mich. Es war ein tolles Konzeptalbum, symphonisch, melancholisch, rockig, einfühlsam und es blieb im Ohr. Der Bass beim The Raven hat mich geprägt, dazu die Stimme vom Vocoder. So begann meine Liebe zum dem Progressive Rock oder Artrock, der dann später in ELP und King Crimson gipfelte.
Ich wurde Fan von APP und kaufte mir fast alle Alben. Bis 1984 Ammonia Avenue mochte ich APP sehr, dann ab Vulture Culture (1985), Stereotomy (1986) und Gaudi (1987) ebnet meine Begeisterung ab. 1979 gab es The Sicilian Defence, das erst 2014 erschien und nicht besonders war. Begeistert war ich dagegen als 1987 mein Album Tales of Mystery and Imagination neu abgemischt herauskam. Es war anders als meine Fassung von 1976. Der Tontechniker Alan Parsons hat das Album in eine neue Zeit gebracht. Noch immer höre ich beide Scheiben 1976 und 1987 gerne. Was ist die bessere? Ich weiß es nicht.
Und nun kam 2016 zum 40. Geburtstag von Tales Of Mystery and Imagination eine Box mit der CDs und einer BluRay heraus. Zudem gab es die beiden Alben auf LP und ein fettes Booktet. Hier gibt es Produktionsnotizen sowie viele Interviews mit den Beteiligten zu finden. Zudem sind natürlich die Texte abgedruckt, die der Fan sowieso auswendig kann. Die Box enthält die Versionen von 1976 und 1987 und allerhand göttliches Zusatzmaterial wie Demos, unveröffentlichten Tracks, Werbeclips und Interviews. Die Blu-ray enthält einen 5.1 Mix, wenn einer 5.1 kann, dann ist es Mr. Parsons himself. Zudem gibt es noch eine Doppel-LP auf Vinyl für die Retro-Fans, die ich aber nie gehört habe.
An Merch gibt es einen Aufkleber mit Mumienmotiv, eine Reproduktion einer Pressemitteilung und ein Ankündigungsposter.

Bataclan – der Terror als Comic

20. November 2017

An Terror kann ich mich nicht gewöhnen und will mich auch nicht gewöhnen. Und ich will mich auch dem Terror nicht beugen. Natürlich habe ich Angst um das Leben meiner Familie, um das Leben meiner Freunde und natürlich nicht zuletzt um mein Leben. Immer wieder gibt es Terroranschläge in der Welt, mal nah – mal fern. Ein Anschlag, der mich erschüttert hat, war der islamistische Angriff auf die Pariser Konzerthalle Bataclan, als am 13. November 2015 die Band Eagles of Death Metal spielte. 89 Besucher starten im Kugelhagel der Angreifer, viele wurden schwer verletzt.
Jeder hat seine persönliche Art mit diesem feigen Terrorakt umzugehen. Und als ich von Panini hörte, dass es einen Comic zu dem Ereignis gab, horchte ich auf.
Panini stellte mir den Comic-Band Bataclan: Wie ich überlebte kostenlos zur Verfügung und ich begann zu lesen. Ich las die Geschichte von Fred Dewilde, einem Konzertbesucher, der das Morden überlebte und jetzt ein Buch darüber veröffentlichte. Ein ganz besonderes Buch – einen Comic.
Fred Dewilde, geboren 1966, ist als Grafiker auf medizinische Illustrationen spezialisiert. Er lebt mit seiner Familie in einem Vorort von Paris und liebt Rockmusik. Er besuchte das Konzert und er überlebte körperlich unversehrt, aber traumatisiert.


Jetzt veröffentlichte er seine persönliche Aufarbeitung mit dem Attentat als Grafic Novel. Und ich war neugierig auf seine Gedanken und seine Zeichnungen. Als visueller Mensch liebe ich visuelle Geschichten. Auf dem Buchrücken ist zu lesen: „Mitten im Blut eines Toten habe ich gelegen. Mitten unter den zerfetzten Körpern war ich geschützt. Mitten unter den zerstörten Leben habe ich gedacht, dass ich mitten im Entsetzen und im Wahnsinn noch einmal die Chance bekommen habe, euch zu lieben.“ Das schwarzweiße Cover versprach viel.


Es ist natürlich kein schöner Comic geworden. Die Zeichnungen sind brutal und sie dienen Fred Dewilde wohl als Therapie. Seine Übersetzerin Bettina Frank ist der gleichen Meinung. Sie sagt: „Für ihn war das reine Therapie. Er hat mir erzählt, dass sich das Schlussbild des Comics so in seinen Kopf gebrannt hatte und er den Drang verspürte, den Comic zu zeichnen. Darin sah er einen Weg, mit der Sache abzuschließen.“
Und als ich die Texte las, die Zeichnungen auf mich wirken ließ, war mir unwohl. Ich habe kein Problem mit Fiction, aber das war keine erfundene Geschichte eines kreativen Geistes. Das war die Wahrheit und sie wurden von einer gequälten Seele wiedergegeben. Darf man so etwas privates überhaupt ansehen? Nun, nach einigem Überlegen entschied ich mich dafür. Viele Künstler verarbeiten ihre Dämonen und es kommt faszinierende Kunst heraus – die Malerei und Literatur ist voll davon. Warum darf es so etwas nicht bei Comics auch geben? Es darf und es muss.
Als ich den gezeichneten Alptraum betrachtete und die wenigen Seiten des Comics durchblätterte, überlegte ich mir, wie ich in dieser Situation reagiert hätte. Dabei sind diese Gedanken sinnlos, denn so eine Situation kann man nicht trainieren. Vielleicht aufmerksam durchs Leben zu gehen und das Leben zu genießen – das könnten Schlussfolgerungen sein.


Der gezeichnete Augenzeugenbericht von Fred Dewilde ist in Schwarz/Weiß. Er verzichtet auf explizite Gewaltdarstellungen, um nicht in den Verdacht des Voyeurismus zu geraten. Das ist gut.
Die Terroristen stellt er als entmenschlichte Gestalten mit Totenschädeln dar; die Toten, inmitten derer er lag, als formlose Masse. Zwischen all den Leichen, so beschreibt er es im Comic, habe er mit einer weiteren Überlebenden, der schwer verletzten Élisa, neben der er lag, einen „Kokon der Menschlichkeit“ geschaffen, um sich von dem Wahnsinn um ihn herum abzuspalten. Diesem Stück Menschlichkeit inmitten der Unmenschlichkeit verdanke er sein Überleben, sagt er. Letztlich war es aber reiner Zufall, dass er nicht auch erschossen wurde. Die Frage nach dem Wieso und warum ausgerechnet er überlebt hat, macht ihm bis heute zu schaffen.
Die zeichnerische Auseinandersetzung mit dem Terror hat mir sehr imponiert. Diese Auseinandersetzung umfasst 17 Seiten. Dann folgenden zahlreiche Seiten mit Texten. Er beschreibt dort zum Beispiel, wie sich sein Leben und er selbst nach Bataclan verändert haben, wie er überhaupt wieder ins Leben zurückfand. Er sinniert über Psychotherapie, Schuldgefühle, das Menschsein und den Wert von schwarzem Humor. Außerdem macht er sich Gedanken zu den Eagles of Death Metal, die nach dem Anschlag nicht nur positiv in Erscheinung traten, über den Islam und zur aktuellen Politik – dies im Übrigen sehr differenziert, ohne Hass und vor allem ohne verallgemeinernde Anschuldigungen. Auch die Anschläge von Brüssel, Nizza und auf die Redaktion von Charlie Hebdo bleiben nicht unerwähnt.

Das ist interessant, ohne Zweifel wichtig für Fred Dewilde, aber ich habe die 25 Seiten Texte nicht komplett gelesen. Es war mir zu anstrengend. Fred Dewilde ist kein Autor. Es wäre für mich sehr interessant gewesen, wenn er diese Auseinandersetzung in der Kunstform Comic verarbeitet gewesen wäre.
Versteht mich richtig: Fred Dewilde hat ein gutes Recht, sich in reiner Textform mit seinem Leben und seinem Schicksal auseinandersetzen, aber ich habe mich das Buch Bataclan: Wie ich überlebte als Comic ausgesucht. 17 Seiten Comic gegenüber 25 Seiten Text zum Preis von rund 17 Euro.

 

Musiktipp: Kraftwerk 3-D Der Katalog

16. November 2017

 

Kraftwerk am Straßenrand - Autobahn war nur einer der Songs.

Kraftwerk am Straßenrand – Autobahn war nur einer der Songs.

Immer wenn ich den Sound von Kraftwerk höre, staune ich, wie wegweisend Kraftwerk für die Musikwelt und natürlich auch für mich persönlich war. Ich wuchs mit diesen Pionieren der elektronischen Musik auf und ihre Musik war und ist in meinem Leben immer präsent. Ich höre viel Musik, aber immer wenn Kraftwerk läuft, dann merke ich die Tiefe der Kompositionen. Musik als Träger von Ideen, wie wahr, wie wahr. Ich habe einmal Kraftwerk live in der Lichtburg in Essen gesehen und war absolut begeistert. Mein Blogpost von damals zeugt von dieser Begeisterung.
Vor längerer Zeit im Mai 2017 haben Kraftwerk eine Albumbox mit acht Datenträger eben von dieser Tour vorgelegt und natürlich musste ich CD und Blu Ray auf Deutsch und Englisch haben. Seit Wochen höre ich immer die Tracks – meist via Kopfhörer – und nun komme ich endlich zu einem Blogpost. Wenn ich Umfrage höre, was sei die beste deutsche Band, dann werden viele Namen genannt. Für mich ist es Kraftwerk ganz klar der Spitzenreiter. Aber ich bin auch enttäuscht, dass Kraftwerk von vielen jungen Leuten gar nicht mehr gekannt wird. Ich hatte neulich ein Seminar über Roboterspielzeug und ließ zur Einstimmung „Die Roboter“ laufen. Keiner, wirklich keiner, meiner rund 30 Seminarteilnehmer im Durchschnittsalter von 22 Jahren kannte den Song. Schämt euch ihr kulturlose Bande!
Als ich die CD-Alben 3-D Der Katalog – Deutsche Version und Englische Version auspackte, dachte ich mir, wie doof ist es eigentlich, eine Live Platte von Kraftwerk anzuhören. Und natürlich wurde auch konsequent die Live-Atmosphäre herausgefiltert. Die neuen Aufnahmen der acht offiziellen Alben entstanden von 2012 bis 2016 weltweit bei Konzerten in 13 Städten. Glasklare Musik ohne Nebeneinflüsse befinden sich auf dem Alben. Der Sound via Kopfhörer zog mich sofort wieder in den Bann. Die Band tritt hinter der Musik zurück. Gerne hätte ich von Kraftwerk mal wieder neues Material, aber Ralf Hütter lässt sich dazu wohl nicht bewegen. Das alte Material wird neu interpretiert. Dabei stehen nicht die Musikanten im Vordergrund. Kraftwerk bedeutet Entpersonalisierung der Musik, kein Stargehabe, sondern Musik pur: Der Mensch-Maschine-Komplex in absoluter Vollendung. Hütter spricht von sich selbst als Musik-Arbeiter.

Der Katalog in Deutsch und in Englisch

Der Katalog in Deutsch und in Englisch

Insgesamt umfasst der Katalog acht Datenträger mit Livemusik – bei all den Live-Aufnahmen bedeutet mir die siebte CD The Mix am meisten. Sie wurde besonders für Kopfhörer abgemischt in einem so genannten Headphone Surround 3D-Verfahren. Was es ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass es absolut göttlich klingt und im Kopf fetzt.
Um an meinen Kraftwerk-Besuch zu erinnern, habe ich mir zudem die Blu ray/DVD 3-D Der Katalog – Deutsche Version zugelegt. Sie beinhaltet die Multimedia-Performances von Ralf Hütter, Henning Schmitz, Fritz Hilpert und Falk Grieffenhagen. Es ist die Show, wie sie im Konzert gezeigt wurde – mir haben die Sachen gefallen, meine Kinder sind vor Langeweile der 3D-Animationen geflüchtet.

Hier das Unboxing: