Posts Tagged ‘Krautrock’

Musiktipp: Box 1971-1981 von Cluster

17. November 2016

cluster

Ich wurde wieder auf Cluster aufmerksam als ich mir die neue Jean-Michel Jarre kaufte und eine Kritik über das Album schrieb. Ich philosophierte herum, mit wem würde der französische Elektronik-Pionier auf eine Kooperation eingehen? Dabei dachte ich auch an den im Juli 2015 leider verstorbenen Dieter Moebuis. Moebius war Gründungsmitglied von Cluster und schon hatte ich das Bedürfnis wieder Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius, die Pioniere der deutschen Elektromusik zu hören.
Cluster war und ist enorm wichtig, aber wenn ich in meinen näheren Bekanntenkreis herumfrage, hat sie kaum jemand gehört. Den Bandnamen Cluster kennt man wohl, aber richtig gehört haben die innovative Band wohl eher die wenigsten aus meinem Umfeld. Das war bei meinen amerikanischen Bekanntschaften anders, die bezeichnen Cluster als Krautrock. Naja, der Begriff passt zum Ausland und zeigt, was Anfang der Siebziger Jahre musikalisch in Deutschland passiert ist.
Man braucht auch die richtige Muse, diese Klangkollagen anzuhören. Cluster im Auto macht mich, gelinde gesagt, verrückt. Am besten, ich ziehe mich in ein verdunkeltes Zimmer zurück, Kopfhörer aufgesetzt und Musik aufgedreht. Ich empfinde die Musik als radikal, wirklich radikal. Es erfasst mich eine gewissen Trance. Ich konzentrierte mich auf Einspielungen, Rhythmen, Gepiepe und Gepfeife. Der Synthesizer als neues Instrument wurde in die Musik eingeführt. Ja ist denn das noch Musik? Ja, aber sicher eine spezielle Art von Kopfmusik. In die Beine oder zum Mitschunkeln eignet sich das Werk von Cluster nur bedingt.
Wired nannte die Cluster eine Band, die zu den 100 wichtigsten Bands der Musikgeschichte gehörte und deren Musik kaum einer je gehört habe. Passt ganz gut.
Dabei war die deutsche Band ungeheuer produktiv. Ich kaufte mir vor kurzem als Ergänzung zu den einzelnen Cluster-Alben die Box 1971-1981 mit der Musik der Jahre 1971 bis 1981. Der Inhalt ist nicht neu. Es handelt sich um die einzelnen Alben auf CD ohne Ergänzungen. Auf die Albencover der Originalalben wurde verzichtet und es gibt nur pastellfarbene Pappcover mit Titelaufdruck und auf der Rückseite die Titel des Albums. Obwohl ich schon ein paar Alben von Cluster besaß, wollte ich jetzt die Frühphase der Band komplett haben. Als einziger Bonus der Box gab es eine Live-CD mit zwei Konzerten. Das sind die wirklichen Neuveröffentlichungen. Also mal wieder reinhören.

Persönliche Gedanken zum Tod von Edgar Froese

24. Januar 2015

In später Freitagnacht habe ich über soziale Netzwerke erfahren, dass Edgar Froese im Alter von 70 Jahren in Wien an einer Lungenembolie verstorben ist. Das tut mir leid. Obwohl ich eher mit handgemachter Musik wie Rock’n Roll und Country aufgewachsen bin, hat mir Froese und seine Tangerine Dream (TD) einiges bedeutet. Für mich gab es im elektronischen Musikbereich lange Zeit nur Kraftwerk, Klaus Schulze und eben Tangerine Dream – und zwar in dieser Reihenfolge. So musikalisch innvoativ war dieses Land und brachte solche Ausnahmemusiker hervor.

Tangerine-dream
Edgar Froese als Gründungsmitglied der Tangerine Dream hat die Musik verändert – und wer kann das schon von sich sagen. Ich sah Konzerte auf DVD als Tangerine Dream wie Hohepriester in ihren Synthesizer-Burgen standen. Froese achtete mit Argusaugen darauf, dass sich keiner seiner Kollegen hervortat und gab die Richtung der Band vor.

Rubycon - ein erstes Album von TD.

Rubycon – ein erstes Album von TD.

Ich glaube, meine erste Schallplatte von Tangerine Dream war Rubycon, die 1975 erschien. Schon das Cover faszinierte mich, denn es war kein Bandfoto zu sehen. Stattdessen gab es auf dem Blau gehaltenen Bild einen Tropfen zu entdecken, der auf eine Flüssigkeitsoberfläche eintrat. Eine Makro- und Zeitrafferaufnahme der frühen Zeit. Und die Musik faszinierte mich. Jede Schallplattenseite eine rund 17minütige Komposition. Synthesizer standen im Mittelpunkt, ich glaube, ein Moog war auch zu hören. Was war das für Musik? Krautrock nein, das machten eher Can, Rock auch nicht. Der Begriff New Age war noch nicht geboren und so kam eine neue Stilrichtig Art Rock oder Progressive Rock und elektronischer Musik. Solche Kompositionen kannte ich als Kind nur von den Klassikplatten meiner Eltern. Die meditative und zum Teil intensive Musik faszinierte mich. Der innovative Sound schlug mich in den Bann und hat mich bis heute nicht losgelassen. Allerdings und das muss ich sagen, haben mir die alten Aufnahmen von Tangerine Dream weitaus besser gefallen als die neuen. Tangerine Dream und Froese veränderten sich musikalisch und ich folgte den Weg nur zum Teil. Es war mir in den späteren Jahren einfach zu viel Gedudel und Geplätscher. Ich folge eher dem ehemaligen TD-Mitglied Klaus Schulze, der dem alten Stil treu blieb und sich in eine Richtung weiter entwickelte, die mir gefallen hat. Durch TD entdeckte ich den Moog und damit auch später ELP.
Ich liebte die alten Tangerine Dream mit Alpha Centauri (1971), Zeit (1972), Phaedra (1974), Ricochet (1975), Stratosfear (1976) und Cyclone (1978) und auch in den achtziger Jahre brachten tolle Sachen heraus. Und ich war baff, wie gut Tangerine Dream als Liveband waren. Viele Schallplatten und später CDs kaufte ich mir und war begeistert, welche Live-Atmosphäre elektronische Musik erzeugen konnte. In einem Konzert im Münchner Circus Krone vor etlichen Jahren konnte ich davon selbst live überzeugen. Es war schon klasse, was die alten Herren da auf die Bühne zauberten. Die Lightshow war wunderbar abgestimmt auf eine eher rhythmische Musik. Ich weiß nicht, ob ein Teil des Publikums die Show aufgrund des großen Amphetamin- und Haschkonsums überhaupt mitbekommen hat. Mir hat es gefallen und ich kaufte mir Karten für das Münchner Konzert 2014, das ich aber versäumte. Die Karten liegen als Mahnung noch immer zu Hause.
Nun verstarb Edgar Froese als einer der wirklichen musikalischen Pioniere, die dieses Land hatte. Ich werde mir meine Tangerine Dream-Aufnahmen wieder heraussuchen und anhören. Ich nehme mir mal die Soundtracks vor, denn davon hat Tangerine Dream ja eine Menge aufgenommen. Ich starte mit einem Klassiker: Das Mädchen auf der Treppe vom Album White Eagle. Es war die Musik zu einem frühen Tatort mit Götz George. Wer solche Musik komponiert, der ist im wahrsten Sinne ein Klassiker.