Archive for November 2011

Zum Tode von Ludwig Hirsch

25. November 2011

Mein Gott Ludwig!

Als sich Ludwig Hirsch in den Tod stürzte, verlor die Welt einen hervorragenden Musiker, Liedermacher und Künstler. Ich hoffe, er hat nicht gelitten und dass es schnell ging. Ludwig Hirsch hat sein ganzes Leben lang gelitten, wenn ich mir seinen musikalischen Nachlass Revue passieren lasse. Schwarzer Humor, Düsterkeit, die dunkle Seite der Menschen und depressive Provokation.

Lange bevor die toten Hosen oder Ärzte lautstark auf Provokation machten, hatte Ludwig Hirsch den Platz des leisen Provokateurs in der deutschen Musikszene erobert. Mit feiner Stimme, hervorragender Instrumentierung und zum Teil bitterbösen Textnuancen eroberte der Österreicher sich die Gemüter seiner Fans. Als sein Landsmann Falco mit Jeanny in der Kritik stand, konnte Ludwig Hirsch nur grinsen: Sein „Herr Haslinger“ behandelte schon Jahre zuvor Pädophilie und Scheinheiligkeit, aber eben auf seine charmante, depressive Art.

Das erste Mal kam ich mit Ludwig Hirsch in meiner Schulzeit in Kontakt. Mein Klassenkamerad Robert brachte mir eine Schallplatte seinen großen Bruders mit, die ich mir unbedingt anhören müsse. Es waren die Dunkelgraue Lieder und beim beiläufigen Hören auf meiner Universum-Kompaktanlage der Quelle gingen die Melodien sofort ins Ohr. Bei meinen Hausaufgaben konnte ich Mitwippen, doch als ich das erste Mal den Sinn der Texte erfasste, war es um mich geschehen. Mit einzelnen Zeilen traf mich Ludwig Hirsch mitten ins Herz. Ich hatte und habe zwar nie einen Hang zur Depression, aber ich bewunderte die Beobachtungsgabe von Ludwig Hirsch. Wie sehr konnte der Mann die Schrullen seiner Mitmenschen erfassen und zu Lieder eingängig formulieren. Das ist große Kunst und davor zog ich meinen Hut.

Ich kaufte mir als nächstes seine Schallplatte Komm, Grosser Schwarzer Vogel. Ich hoffe, dieser Vogel hat Ludwig Hirsch in die Lüfte getragen und ihn schnell von seinem Krebsleiden erlöst. Ich geb es zu, mir standen beim ersten Mal hören des Liedes die Tränen in die Augen. Und als ich Jahre später diesen Song auf einer Beerdigung hörte, konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Es traf mich tief und meine Gefühle überwältigten mich. Das ist große Kunst und davor zog ich meinen Hut.

Heute höre ich immer wieder gerne „Ich hab’s wollen wissen“. Die Zeilen von Ludwig Hirsch gelten weiter und mehr denn je:

„Und trotzdem

Ich fordere Sie auf

Gnädige Frau

Und auch Sie

Mein Herr:

Ein bisserl den Hintern bewegen!

Ja

Ich weiß

Er wiegt zwar ziemlich schwer

Aber wollen wir nicht auch einmal ein bissl

Was riskieren?

Weil

Alles geht

Es müssen nur mehr probieren!“

Danke Ludwig Hirsch für deine Arbeit.

Filmtipp Rainer Erler

21. November 2011

Im Moment liebe ich die Filme von Rainer Erler. Ich entdeckte ihn wieder beim Aufräumen im Keller, als ich die Bücher zu seiner Blauen Palais-Reihe in die Finger bekam. Das war Science-Fiction mit Niveau und es war völlig neu für mich. Keine Weltraumkämpfe oder böse Monster, auf die ich als Kind und Jugendlicher stand, sondern Science Fact. Wissenschaftsthriller mit einem Hauch von Science Fiction.

Als Jugendlicher entdeckte ich durch Rainer Erler eine neue Welt: Science Fiction mit Anspruch und das alles im deutschen Fernsehen. Zug um Zug kaufte ich mir bei Amazon ein Teil seines Werkes auf DVD zusammen. Leider hab ich die Reihe Blaue Palais (1974–1976) noch nicht gefunden, sie ist noch nicht einmal veröffentlicht. In YouTube gibt es alle fünf Folgen in VHS-Qualität. Was mich sehr freut, dass Blaue Palais wurde in Schloss Weyern im Landkreis gedreht und ich war ich als Kind oft im Biergarten. Im Schloss sind heute Eigentumswohnungen. Ich hab stattdessen ein Autogramm von Rainer Erler an der Wand in meinem Arbeitszimmer hängen.

Die Filme hatten Ethik, Wissenschaft, Kernenergie, Organhandel zum Inhalt – Themen, die noch Jahre später aktuell sind. Natürlich ist das Erzähltempo der Filme im Vergleich zu heute langatmig, doch die Filme waren faszinierend und das sind sie noch immer. Schaut mal rein und lernt einen deutschen Filmvisionär kennen. Hier eine Auswahl: Rainer Erler Kultfilme (6 DVDs)

Und Steve hatte doch recht

13. November 2011

Ich bin es leid, den Leuten folgendes zu erklären:

Ja, Adobe hat aufgehört, seine Software Flash für mobile Endgeräte weiter zu entwickeln und geht stattdessen auf HTML 5.

Nein, Adobe hat nicht aufgehört, Flash für den Rechner weiter zu entwickeln.

Es ist doch eigentlich ganz einfach: Nix Flash für unterwegs, aber auch künftig Flash für stationäre Maschinen.

Ich erinnere mich an zahlreiche Messen: IBC, NAB, Adobe-Roadshows auf denen ich immer wieder hinter vorgehaltener gehört habe: Man habe ein Flash-Lösung für das iPhone, doch Apple verweigere die Installation auf dem Device. Steve Jobs wollte kein Flash auf seinen mobilen Geräten iPhone und iPad. Als Grund wurde der hohe Stromverbrauch genannt, der bei den Devices sowieso extrem ist.

Und die Apple Stänkerer war dies zuviel: Android öffne sich für Flash und was wollte man denn mit der Diktatur von Apple? Flash läuft auf den Samsungs, HTC usw und saugt ratz fatz die Batterie leer.

Und nun? Steve Jobs hat recht behalten. Flash in der jetzigen Form ist nichts für mobile Endgeräte. In einem Blogbeitrag gab Adobe die Entscheidung bekannt. Nach dem Update auf Flash 11.1 ist mit mobil Schluss. HTML 5 und die breite Marktmacht von Apple haben wohl zu dieser Entscheidung geführt.

Steve, du hattest mit deinem offenen Brief recht gehabt: Flash ist von gestern. Dir bringt es zwar nichts mehr, aber es war mal wieder eine visionäre Entscheidung.