Archive for Mai 2011

Tageszeitung aufwachen: Die Flut steigt

30. Mai 2011
Adli verzichtet auf Anzeigen in Tageszeitungen und macht lieber Direktmarketing in der S-Bahn.

Adli verzichtet auf Anzeigen in Tageszeitungen und macht lieber Direktmarketing in der S-Bahn.

Die Anzeigen bei Tageszeitungen brechen weiter weg. Bei meinen Seminaren beklagen die Teilnehmer, dass sie die viele Werbung in den Zeitungen massiv stört. Moment, welche Werbung? Ich finde kaum noch Werbung in Zeitungen, stattdessen oberflächliche Artikel – auch in diesen Qualitätszeitungen. Das liegt nicht an den Journalistenkollegen, die in der Regel besser recherchieren könnten – wenn sie denn die Zeit dafür hätten. Die Redaktionen werden weiter dezimiert, weil Anzeigenerlöse ausbleiben.

Die Anzeigen wandern ins Netz: Ich verkaufe kein Auto mehr über eine Zeitung, ich suche heute keine Wohnung mehr über eine Zeitung, ich bekomme keinen qualifizierten Job mehr über meine Zeitung. Viele dieser Rubriken sind bereits in Netz gewandert. Und auch die Todesanzeigen werden digital, wie Dirk Ippen mit seiner Plattform trauer.de zeigt. Und was ist noch in den Zeitungen? Discounter, Supermärkte usw. Und was passiert? Der Aldi Süd belegt immer weniger Tageszeitungen: Erst Stuttgart, dann München – und jetzt folgt der Aldi Nord. Die Leipziger Volkszeitung verliert dadurch über 1 Mio Euro, so Schätzungen. So soll das Geld für die Qualitätszeitungen denn jetzt herkommen? Vielleicht vom Leser? Also Abo-Preise erhöhen und noch weiter Redaktionen ausdünnen. So schaffen wir die Tageszeitungen ab. Na toll.

Social Media: 10 goldene Twitter-Regeln für alle

29. Mai 2011

Bei Ike Pigott habe ich via Twitter @ikepigott eine ganz einfache Zusammenfassung über Twitterregeln gelesen, die ich jedem nur ans Herz legen kann. Wer keine Lust hat, lange Guidelinies zu lesen, sind mit diesen Aussagen bestens bedient.

Be human.

Be humane.

Be yourself.

Be interesting.

Be brief.

Share.

Laugh.

Listen.

Learn.

Repeat.

Mehr braucht es eigentlich nicht, um in Twitter erfolgreich zu sein und vor allem: Mehr braucht es nicht, um mit und in Twitter Spaß zu haben. Künftig werde ich diese Tipps in meinen Schulungen verwenden, um das Twitter-Feeling zu erklären.

Social Media: Facebook hat seine Richtlinien zu Gewinnspielen geändert

28. Mai 2011

Facebook hat mal wieder seine Richtlinien geändert. Dieses Mal sollten alle Agenturen hinschauen, die ihren Kunden Gewinnspiele für die Facebook-Seite aufschwätzen, um Userzahlen zu erhöhen. Hier hat Facebook die Kriterien deutlich verschärft und mahnt dringend zur Einhaltung.

So gilt zum Beispiel: Du darfst keine Facebook-Funktionen – wie z. B. die „Gefällt mir“-Schaltfläche – zur Abstimmung über eine Promotion verwenden. Zudem müssen Promotions auf Facebook im Rahmen der Anwendungen auf facebook.com organisiert werden, entweder auf einer Canvasseite oder über eine Anwendung auf dem Reiter einer Facebook-Seite.

Auch klar geregelt sind: Du darfst die Gewinner nicht über Facebook benachrichtigen, wie z. B. über Facebook-Nachrichten, -Chat oder -Beiträge in Profilen bzw. auf Facebook-Seiten. Die genauen Feinheiten über Gewinnspiele auf Facebook gibt es hier. Ich empfehle, die Richtlinien genau zu lesen und zu beholfen.

Was Typo vermitteln kann

27. Mai 2011

Es ist enorm wichtig über den Tellerrand hinaus zu blicken. Ich beobachte regelmäßig ausländische Websiten und wenn ich im Asien oder Arabien bin, kaufe ich Zeitschriften und Zeitungen. Ich versteh natürlich kein Wort, will aber ein Gefühl für ausländische Designs bekommen. Diese Beobachtungen versuche ich dann in meine eigenen Arbeiten einzubringen.

Vor diesem Hintergrund passt eine neue Meldung von Linotype sehr gut. Die Schriftendesigner haben die neue Headline-Schrift für die führende libanesische Tageszeitung An-Nahar entworfen, die gestern Abend in Beirut in komplett überarbeitetem Design vorgestellt worden ist. Nadine Chahine, Expertin für arabische Schriften bei Linotype, entwarf die Gebran2005 eigens für An-Nahar, mit deren Lektüre die aus dem Libanon stammende Schriftdesignerin aufgewachsen ist.

Inspiriert wurde Chahine bei ihrem Entwurf durch ein libanesisches Sprichwort, das übersetzt soviel wie „Oh Berg, kein Sturm kann dich ins Wanken bringen“ heißt. Die Schrift liegt in den Schnitten Bold und Heavy vor, die jeweils eng proportioniert sind, um platzsparende Überschriften in der An-Nahar zu ermöglichen.

„Die Gebran2005 drückt unverwechselbare Autorität und Selbstsicherheit aus. Sie wirkt gleichzeitig elegant und zeitgemäß“, erläutert Chahine die moderne Schlagzeilen-Schrift. „Es ist ein wagemutiges Design für beherzte Zeiten.“

Zwei weitere Schriften von Chahine zeigen zusammen mit der auch bisher in der An-Nahar verwendeten Marwan die Vielseitigkeit arabischen Schriftdesigns: Univers Next Arabic findet sich unter anderem in Zusammenfassungen, Untertiteln und Auszeichnungen. Palatino Sans Arabic wird für Fließtext und Untertitel in einer der Beilagen verwendet.

Wenn es was zum Designen gibt, dann kommt auch immer Mario Gracia in Spiel. Der Zeitungsdesignerguru konnte für die Neugestaltung des Layouts der Zeitung gewonnen werden (und bezahlt werden). „Bei bestimmten Projekten erkennt man deren Bedeutung sofort“, so Garcia, der in den vergangenen 40 Jahren bereits mit mehr als 50 Presseorganisationen zusammengearbeitet hat und für das Layout großer Publikationen wie beispielsweise des Wall Street Journals verantwortlich zeichnet. „Die An-Nahar ist für mich eine Zeitung der Zukunft, weil sie sich für die Meinungsfreiheit einsetzt und mit ihrem Design eine jüngere Leserschaft anspricht.“

Die Gebran2005 ist nach Gebran Tueni benannt, dem ehemaligen Chefredakteur und Herausgeber der An-Nahar. Im Dezember 2005 kam er bei einem Bombenattentat ums Leben. Die Neugestaltung der An-Nahar ist nicht nur seinem Gedenken gewidmet, sondern setzt auch ein weiteres Zeichen im Hinblick auf Meinungs- und Pressefreiheit, denen sich die Zeitung seit ihrer Gründung durch Tuenis Großvater im Jahre 1933 verpflichtet.

Fotoshooting: Starfotograf Andreas Ortner

26. Mai 2011

Normalerweise hat Starfotograf Andreas Ortner die Starmodels in Mailand, Paris und New York vor der Linse. Ortner ist Jury-Mitglied von Germany´s Next Top Models, arbeitet für die Beauty-Industrie unter anderem La Biosthétique. Aber Andreas Ortner hat auch für den Nachwuchs ein Herz. Er war der Modefotograf für die Image-Kampagne eines lokalen Friseurs. Josef Wieser, Friseurmeister aus Mammendorf (Landkreis Fürstenfeldbruck), erfüllte sich einen Traum: Eine eigene Frisurenkampagne.

Gesucht wurde über ein Voting, das Wieser-Gesicht 2011. Über 24000 Stimmen wurden abgegeben. Für die Aktion wurde in Facebook-Werbung gemacht. Als Modelle bewarben sich Kundinnen des Friseursalons. Die drei Gewinnerinnen des Wettbewerbs wurden das Wieser-Gesicht 2011. In den Münchner Milk-Studios fand das Fotoshooting statt.

Die Amateurmodelle wurden vom Wieser-Team professionell gestylt. Es war für die jungen Damen ungewohnt. Im Shooting wurde die Damen in Pose gesetzt: Mal hier Lächeln, mal dort Grinsen – so posen, hier posen. Shooting ist richtig Stress. Andreas Ortner bewies viel Geduld mit den Amateurmodellen. Die Modelle mussten besonders geführt werden. Die ersten Bilder waren noch verkrampf, doch im Laufe des Shootings gewannen die Modelle mehr an Selbstbewusstsein und wurden sicherer. Dieses neugewonnene Selbstbewusstsein zeigt sich auf den späteren Fotos. Die Fotos wurden digital aufgenommen und gleich von einem Mitarbeiter am Mac mit Wacom-Tablett vorbereitet. Die richtige Retouche fand natürlich später statt.

Am Ende des Tages hatte der Fotograf gigabyteweise Fotos im Kasten und die Modelle waren trotz riesigem Spaß komplett erledigt. Zufrieden mit dem Ergebnis ist Friseurmeister Josef Wieser. „Wir können als lokaler Friseursalon mit lokalen Modellen punkten. Die Bilder sind großartig geworden. Gerade im Lokalen kennen die Kunden die Modelle und die Bindung zum örtlichen Friseursalon nimmt zu.“

Der Meister setzt das Modell ins rechte Licht.

Der Meister setzt das Modell ins rechte Licht.

Social Media: Erfolg für mittelständischen Friseur

25. Mai 2011

Wie Social Media bei einem mittelständischen Friseur erfolgreich sein kann, zeigt mein Beispiel des Haarstudios Wieser in Mammendorf. Ich unterstütze den Friseurmeister Josef Wieser mit seinen vier Salons in Mammendorf, Fürstenfeldbruck, Eichenau (Mittelpreissalons – alle Landkreis Fürstenfeldbruck) sowie München (Hochpreissalon). Nach Aufsetzen einer Facebook-Seite und eines YouTube-Kanals baten wir die Mitarbeiter der Friseursalons ihren Freunden die Facebook-Seite zu empfehlen. Damit hatten wir ein gewisses Grundrauschen an Usern. Nach einer Schulung der Mitarbeiter hatte Friseurmeister Josef Wieser die Idee eines Wettbewerbs, der über Facebook beworben wurde. Gesucht wurde das Wieser-Gesicht des Jahres 2011. Die Wettbewerbsbedingungen wurden auf der WordPress-Seite und in einem Videointerview bei YouTube erklärt.

Die Idee des Wettbewerbs: Die Kundinnen des Haarstudios konnten sich in einem der vier Salons fotografieren lassen. Anschließend konnten die Kunden des Haarstudios über einen Monat abstimmen. Zu gewinnen gab es für die ersten drei Siegerinnen ein professionelles Fotoshooting mit Modefotograf Andreas Ortner sowie ein Jahr kostenloses Hairstyling und ein Wochenende mit einem Volvo-Cabrio.

Wir setzen eine kostenlose WordPress-Seite auf und stellten die geschossenen Fotos ein. Anschließend begann das Voting. Beworben wurde es über die Facebook-Seite des Salons. Insgesamt nahmen 32 Amateurmodelle am Voting teil und wir bekamen über 24.000 Klicks. Es konnte alle sechs Stunden neu abgestimmt werden. Der Erfolg haute uns von den Socken. Natürlich versuchten die Freunde von dem einen oder anderen Modell mit einem IP-Wechsler zu schummeln, wurden aber entlarvt, noch dazu weil sich so mancher in Facebook damit brüstete. Das Netz vergisst nichts.

Das Konzept von Josef Wieser voll ging auf. Nicht nur die Votingklicks gingen in die Höhe, sondern auch die Freunde der Facebook-Seite explodierten. Freude luden andere Freunde ein. Damit veränderte sich auch die Kundschaft der vier Friseursalons. Viele junge Kundinnen interessierten sich für die Friseurleistungen und buchten einen Friseurtermin. Also auch der wirtschaftliche Erfolg setzte ein.

Nur eine Voting-Aktion isoliert zu machen, darf nicht sein. Das Voting sorgte dafür, dass wir die Klickzahlen einen Monat drastisch steigern konnten. Doch wichtig war es, dauerhaft zielgruppenrelevanten Content zu produzieren. Um zu vermeiden, dass nach Abschluss des Votings die Klickzahlen einbrachen, setzte die nächste Stufe unseres Marketingplans ein. Das Haarstudio Wieser veranstaltete eine große Modenschau in Fürstenfeldbruck. Dort wurden die Gewinnerinnen des Votings verkündet und eine richtig fette, innovative Friseurenshow gezeigt. Die Modenschau wurde über klassische Werbung und über Website und sozialen Netzen beworben. Der Erfolg: Über 600 Gäste genossen die großartige Show. Die hier geschossenen Fotos wurden natürlich wieder in die Sozialen Netzen eingestellt und sorgten wieder für Klicks. An jeden Besucher der Modenschau wurde eine Postkarte verteilt, auf denen die Adresse der Facebook-Seite und des Salons abgedruckt wurde. Zusätzlich gab es einen QR-Code, um noch ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Und es funktionierte: Die Facebook-Freunde stiegen wiederum und es wurde diskutiert und kommentiert.

Postkarte mit Facebook und Webadresse und QR-Code.

Postkarte mit Facebook und Webadresse und QR-Code.

In der nächsten Stufe werden nun die Mitarbeiter der vier Salons geschult und berichten über Aktionen, Frisuren und Mode aus der lokalen Ebene. Ich bin davon überzeugt, dass der eingeschlagene Weg weiterhin erfolgreich ist.

Happy Birthday Columbia recording artist Bob Dylan

24. Mai 2011
Unveröffentliches Dylan-Foto von 1978 im Backstage-Bereich von Nürnberg.

Unveröffentliches Dylan-Foto von 1978 im Backstage-Bereich von Nürnberg.

Heute feiert Bob Dylan seinen 70. Geburtstag. Ich gratuliere von ganzem Herzen. In den vergangenen Tagen ist tonnenweise Material über diesen „Shakespeare des 20. Jahrhunderts“ veröffentlicht worden, viel geistloses Zeug, aber auch so manche Perle. Ich will nicht mit biografischen Daten langweilen, dies lässt sich besser bei Wiki nachlesen. Was bedeutet aber Bob Dylan für mich?

Vielleicht sollten wir dabei erst einmal über Masken reden, denn die wahre Person Dylan kenne ich nicht. Ich kenne nur die vielen Masken, die der Barde ständig wechselt. Ich kam mit Dylan Mitte der achtziger Jahre in Verbindung, als ich bei meinem örtlichen Schallplattenladen Sound die Scheibe Empire Burlesque (1985) in die Finger bekam. Absolut modern produziert, doch es war anders als die Sachen, die sonst populär waren. Diese Stimme war anders. Ich habe bis dato kaum Country oder Blues gehört und war an das Timbre nicht gewohnt. Es faszinierte mich, die Art und Weise wie Wörter betont oder herausgebellt wurden. Ich höre zu und ich war angetan: Hier hatte jemand etwas zu sagen. Das letzte Lied der zweiten Seite war Dark Eyes. Hier knöpfte Dylan an die Tradition des Folkie Dylan an. Davon wollte ich mehr. Und so kaufte ich Dylan Aufnahmen aus all den Jahren. Ich las über die sechziger Jahre, die Folk-Bewegung und auf einem Flohmarkt bekam ich zwei Bootlegs in die Finger: Das Judas-Teil und Newport 1965 – zwei absolute Glückstreffer. Von diesem Moment an, war es um mich geschehen. Ich wollte für mich dem Phänomen Dylan auf die Spur kommen. Darüber bin ich heute hinweg. Ich kaufe nach wie vor die Aufnahmen und freue mich, dass der Meister in Würde alt geworden ist. Privat ist Dylan wohl eher schwierig, aber ich muss ihn ja nicht ertragen. Mir reichen seine Musik und seine Filme.

Ich kann viele, sehr viele seiner Sachen auswendig. Ich habe viele Konzerte gesehen und habe alle regulären Alben zu Hause. Zudem Hunderte von Bootlegs, bei dem ich dieses Konzert mit jenem verglichen habe. Doch was ist die beste Dylan-Platte? Ich denke, die gibt es nicht. Es gibt wahnsinnig starke, starke und durchschnittliche. Ja, natürlich gibt es auch ein paar weniger gute (schlechte werde ich nicht sagen). Ich glaube, die Frage nach der besten Dylan-Scheibe ist falsch gestellt. Was ist der Dylan für welche Stimmung? Und hier hat Dylan viele Masken zu bieten: Protest, Liebeslied, Rock, Ballade, Lagerfeuer, Kirche, Highway, Spieler – im Moment bin ich in der Las Vegas-Stimmung von at Budokan, zeitweise aber auch bei den neuveröffentlichen Mono-Aufnahmen von Highway und Blonde on Blonde und – steinigt mich bitte – in die Born Again-Aufnahme des Toronto-Konzerts 1980. Nur die Weihnachtsplatte höre ich bei den sommerlichen Temperaturen derzeit nicht.

Früher habe ich viel Geld für Bootlegs des Song and Dance-Mans ausgegeben. Das hat auch ein Ende. So dann und wann erstehe ich noch eine Aufnahme. Aber ich suche noch die Zeppelinfeld-Aufnahme von 1978 als Dylan das erste Mal deutschen Boden betrat und der Jude Zimmerman auf dem ehemaligen Reichparteitagsgelände in Nürnberg spielte. Mein Freund Bertold Brackemeier ließ mir unveröffentlichte Fotos von dem Konzert zukommen, wo von ich zur Feier des 70. Geburtstag Dylan hier einfach eines veröffentliche. Bertold, verzeih mir dies, aber eines der vielen Schätze dürfen nach über 30 Jahren gehoben werden.

Die Dylan-Konzerte, die ich besuchte, waren ein Erlebnis. Mein erstes war mit Tom Petty und seinen Heartbreakern. Rock´n Roll pur, aber Dylan in einer persönlich schwierigen Phase. Dann ein Konzert im Zirkus Krone mit einem stark alkoholisierten Meister. Mit meiner Frau besuchte in ein zauberhaftes, völlig verregnetes Konzert in Bad Reichenhall bei dem Dylan Humor bewies. Gerade als ein Wolkenbruch einsetze, brach er ein Lied ab und stimmte Hard Rain an. Die Band musste schauen, wo sie bliebt, wenn Dylan schlagartig das Tempo, Tonart oder gar das komplette Lied wechselte. Aber die Begleitband hatte die Sache voll im Griff. Wie drückte es Dire Straits-Cheffe Mark Knopfler mal zur Aufnahme des religiösen Slow Train-Albums aus. „Spielen mit Dylan, ist wie Sprechen mit Gott!“ Wieder eine Mär mehr im großen Dylan-Kosmos. Das letzte Konzert, was ich live gesehen habe, war im Münchner Zenit, wo Dylan zeitweise nur sang und an die Las Vegas-Zeiten erinnerte.

Ich habe noch in Erinnerung, wie manches Konzert im TV verfolgte. Gut erinnere ich mich an den Punkauftritt in Fort Collins, der im BR ausgestrahlt wurde. Dann das Konzert zum 30. Bühnenjubiläum, bei dem Dylan wohl am liebsten gar nicht teilnahm. Aber sein Song to Woody kam vom Herzen. Cool waren die Sachen vor dem Papst oder das Konzert an der Chinesischen Mauer. Aber richtig Rock´n roll war wohl der Live Aid-Auftritt als das Trio horrible Richard, Wood und Dylan sturzbesoffen drei Songs systematisch verhackstückte, während die ganze Welt dabei live zusah. Madonna und andere Stars mussten sich wohl ihren Teil gedacht haben, was die alten Männer da treiben – geniale Performance. Durch YouTube und Amazon kam ich zu einer stattlichen Konzertsammlung, die hard to handle sind: Woodstock ’94, Newport, das Zeug mit den Dead und natürlich Last Waltz.

Oh Mann, es gibt so viel über Bob Dylan zu sagen und zu schreiben. Da muss ich wohl meine Gedanken und Gefühle noch zehn Jahre ordnen und zum 80. Geburtstag kommt dann man Resümee. Vielleicht erst mal so, wie Bruce Springsteen in seiner Laudatio bei der Rock´n Roll Hall of Fame: Danke Dylan für alles, du warst der Bruder, den ich niemals hatte. Vielen Dank für deine Musik, deine Masken, deine Inspiration und Kraft. Ich freu mich auf weitere Treffen mit dir auf deiner Never Ending Tour oder bei iTunes.

Social Media: Buchkritik Social Web von Anja Ebersbach, Markus Glaser und Richard Heigl

23. Mai 2011

Oberflächliche Bücher, wie das Bedienen von sozialen Netzwerken gibt es mehr als genug. Es wird Zeit, dass wir uns tiefer, grundsätzlicher, wenn nicht gar wissenschaftlich mit dem Phänomen der sozialen Netzwerke auseinandersetzen. Hier wurde mir von meinem Kollegen Thomas Gerlachdas Buch des Autorentrios Anja Ebersbach, Markus Glaser und Richard Heig lSocial Web empfohlen. Und es war eine ausgezeichnete Empfehlung. Das Trio geht dem Phänomen auf dem Grund, ohne aber in eine wissenschaftliche Fachsprache zu verfallen. Alle Paletten des Social Webs werden behandelt, fein säuberlich zum Web 2.0 abgegrenzt. Die drei weissagen sogar die Zukunft und stellen Thesen über ein anstehendes Web 3.0 auf. Etwas oberlehrerhaft finde ich allerdings die Zwischenfragen, mit denen das neu erworbene Wissen abgefragt und ggf. vertieft werden kann.

Aber schön der Reihe nach: In der jetzt vorliegenden zweiten Auflage des Buches werden alle vorhandenen Social Web-Plattformen beschrieben und eingeordnet. Dies geschieht auch mit Plattformen zum Monitoring und Geotagging. Für die Techniker und Soziologen unter uns gibt es dann eine Beschreibung, wie diese Plattformen funktionieren und was sich unter der Oberfläche abspielt. Sehr interessant waren für mich die Gruppenprozesse, die im Social Web stattfinden. Als Beispiel sei nur die Weisheit der Masse bei Wikipedia genannt. Rundum ein gutes Buch für tiefergehendes handfestes Wissen. Also klarer Lesebefehl!

Social Media: Noch immer Nachholbedarf bei Journalisten und PR-Fachleute

22. Mai 2011

Einen Teil meiner Arbeit widme ich der Aus- und Fortbildung von Medienmenschen. Neben klassischen Schulungen zu den Themen Schreiben, Fotografieren und PR kommen immer mehr Social Media-Schulungen. Leider kann ich nur die Ergebnisse des Social Media Trendmonitor 2011 bestätigen.

Journalisten und PR-Fachleute haben noch immer Nachholbedarf in Sachen Social Media. Twitter & Co. sind zwar in den Redaktionen und Pressestellen als „wertvolles Arbeitswerkzeug“ angekommen, aber die Wahrnehmung als „notwendiges Übel“ ist noch immer weit verbreitet. Das ergab der Social Media Trendmonitor 2011 „Zwischen Hype und Hoffnung: Die Nutzung sozialer Netzwerke in Journalismus und PR“ von der dpa-Tochter news aktuell und Faktenkontor. 5.120 Fach- und Führungskräfte aus PR-Agenturen, Pressestellen und Redaktionen haben sich an der Untersuchung beteiligt.

Nur jede dritte Redaktion (33 Prozent) und jede vierte Pressestelle (28 Prozent) hält sich laut Studie für den Umgang mit Social Media „gut“ bis „sehr gut“ gerüstet. Hier sehen vor allem Online- Redaktionen (43 Prozent) und Nachrichtenagenturen (33 Prozent) optimistisch in die Zukunft. Weniger selbstbewusst zeigen sich dagegen Zeitschriften- und Tageszeitungsredaktionen. Nur jede fünfte unter ihnen (jeweils 21 Prozent) fühlt sich gut gewappnet im Umgang mit dem Web 2.0. In den Unternehmen attestieren vor allem Sprecher aus Handel (30 Prozent) und Dienstleistung (28 Prozent) ihren Firmen „gutes“ oder sogar „sehr gutes“ Rüstzeug für Social Media. Starken Nachholbedarf haben laut Studie noch immer Verwaltungen und Verbände (18 Prozent).

Doch auch wenn es um den persönlichen Umgang mit Social Media im Berufsalltag geht, hält sich das Selbstbewusstsein noch immer in Grenzen. Rund jeder dritte Befragte aus Redaktionen (35 Prozent), Pressestellen (42 Prozent) und PR-Agenturen (31 Prozent) gibt persönliche Unsicherheit im Umgang mit den neuen Kommunikationskanälen zu („Habe noch Nachholbedarf“). „Bin Profi“ behauptet nur jeder sechste Journalist (15 Prozent) und Mitarbeiter einer PR-Agentur von sich (17 Prozent), von den Pressesprechern sogar nur jeder zehnte (9 Prozent). Mit „einiger Erfahrung“ ist laut Studie aber doch fast jeder zweite Befragte ausgestattet (Journalisten: 46 Prozent; Pressestellen: 47 Prozent; PR-Agenturen 51 Prozent). Laut Studie attestieren sich die Mitarbeiter aus PR- Agenturen die größte Kompetenz im Umgang mit dem Web 2.0.

Social Media ist in Redaktionen und Unternehmen angekommen. Fast jeder zweite Journalisten (44 Prozent) empfindet Social Media als „wertvolles Arbeitswerkzeug“. Vor allem in Online-Redaktionen (61 Prozent), Nachrichtenagenturen (52 Prozent) und Rundfunksendern (50 Prozent) ist man überdurchschnittlich aufgeschlossen gegenüber Informationen aus dem Web 2.0. In Pressestellen und PR-Agenturen ist die Begeisterung noch größer. Mehr als die Hälfte aller PR-Profis setzt Social Media inzwischen im Arbeitsalltag ein (Pressestellen: 54 Prozent; PR-Agenturen: 62 Prozent).

Allerdings zeigt die Studie auch, dass „wertvolles Arbeitswerkzeug“ in den Redaktionen nicht gleichbedeutend ist mit „großer Relevanz“ für die eigene Arbeit. Denn mehr als die Hälfte aller befragten Journalisten attestiert Social Media gleichzeitig eine „geringe“ bis „gar keine Relevanz“ (63 Prozent). Nur für gut jeden dritten Redakteur (35 Prozent) spielen die sozialen Medien im Arbeitsalltag eine wichtige Rolle. Ein ähnlich kritisches Bild gegenüber Social Media zeigt sich auch in den Pressestellen. Für die Mehrheit aller Pressesprecher hat Social Media noch immer „geringe“ bis „gar keine Relevanz“ (52 Prozent).

Journalisten arbeiten am intensivsten mit Facebook (59 Prozent), gefolgt von Youtube (48 Prozent) und Xing (42 Prozent). Twitter logiert auf Platz vier. Erstaunlich, dass laut Studie noch immer jeder sechste Journalist (17 Prozent) komplett auf die Nutzung sozialer Dienste im Arbeitsalltag verzichtet. Auch in Pressestellen ist Facebook das beliebteste Social Network bei der täglichen Arbeit (62 Prozent), gefolgt von XING (48 Prozent) und Twitter auf Platz drei (47 Prozent). YouTube steht an vierter Stelle (41 Prozent). Überraschend auch hier: 15 Prozent aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Pressestellen verzichten komplett auf Social Media für ihre Kommunikation.

Gut jeder dritte Journalist empfindet Social Media als „Nervkram“ oder „notwendiges Übel“, so die aktuelle Studie (38 Prozent). Das gilt vor allem für Journalisten aus Zeitschriften- (46 Prozent) und Tageszeitungsredaktionen (39 Prozent). Auch gut jeder vierte Mitarbeiter einer Pressestelle kann dieses Gefühl nachvollziehen (28 Prozent). Doch zum Glück ist Social Media nicht nur Qual sondern bringt jedem vierten Nutzer, ob Journalist oder PR-Profi, auch „großen Spaß“. (Journalisten: 25 Prozent; Pressestellen: 21 Prozent; PR-Agenturen: 25 Prozent). Zuständig für den Einsatz von Social Media-Tools in Redaktionen sind vor allem die Online-Redakteure (39 Prozent). In Unternehmen sind es die Presseabteilungen (47 Prozent), gefolgt vom Marketingteam (27 Prozent).

Und obwohl sich alle einig sind, dass der Einsatz von Social Media im Arbeitsalltag weiter steigen wird (Journalisten: 64 Prozent; Pressestellen: 79 Prozent; PR-Agenturen: 84 Prozent), planen fast die Hälfte aller Unternehmen (46 Prozent) und Redaktionen (43 Prozent) keine Investition in Social Media. Bedauerlich: Denn laut Studie erleichtert Social Media den Austausch zwischen Redaktionen und PR-Verantwortlichen.

Steadicam für das iPhone

21. Mai 2011
Meine Steadicam für das iPhone 4.

Meine Steadicam für das iPhone 4.

Für kleine Drehs bin ich einfach zu faul die großen HD-Kameras mitzuschleppen. Für manche Aufträge, die nur auf YouTube veröffentlicht werden, reicht mein iPhone 4 durchaus als Kamera aus. Der Nachteil ist natürlich die enorme Verwacklung beim Filmen. Selbst der Puls oder der Herzschlag ist bei den iPhone-Aufnahmen zu bemerken. Diese Wackelei kann ja manchmal ein Underground-Feeling erzeugen, manchmal stört sie einfach nur. Aus diesem Grunde habe ich mir eine Steadicam-Halterung Steadicam Smoothee für das iPhone 4 zugelegt. Ich bin rundum zufrieden.

Das System federt Stöße ab und sorgt für verwacklungsfreie Aufnahmen. Nun kann ich eindrucksvolle Aufnahmen mit dem iPhone in Szene setzen. Das erste Mal als ich Steadicam-Aufnahmen im Kino gesehen habe, war das bei Stanley Kubricks The Shining im Jahre 1980. Hier erzeugte die Kamera einen wahren Sog und zog mich in das Geschehen. Damals war die Steadicam-Ausrüstung sauschwer und sauteuer, aber Garrett Brown, der auch Erfinder des Systems – eine Art Daniel Düsentrieb der Kameratechnik, war, überzeugte mich.  Auf vielen Veranstaltungen wie die NAB oder die IBC schaute ich mir Steadicam-Versionen an. Das deutsche Unternehmen P+S-Technik hatte sogar ein FreeStyle Rig für Stereo3D-Kameras. Das ist natürlich völlig überdimensionalisiert für meine Bedürfnisse. Mir reicht die low End Version Steadicam Smoothee erst einmal aus. Die Betonung liegt auf erst einmal.

Wichtig ist, dass der Kopfhöreranschluss frei bleibt, um Mikros anzuschließen.

Wichtig ist, dass der Kopfhöreranschluss frei bleibt, um Mikros anzuschließen.