Posts Tagged ‘Wikipedia’

Wikipedia & Co aus Protest für 24h offline

18. Januar 2012
Wikipedia offline

Wikipedia offline

Die englischsprachige Plattform von Wikipedia ist am heutigen Mittwoch nicht erreichbar. Damit protestieren die Macher der Enzyklopädie gegen Pläne der US-Regierung, zum Schutz von Urheberrechten künftig Sperren im Netz einzubauen. Andere Plattformen unterstützen diesen Protest und haben sich angeschlossen. So protestiert auch die Blog-Software WordPress auf der auch dieser Blog läuft. Die Suchmaschine Google in den USA protestiert mit einem Link unter der Suchmaske, der zu einer Online-Petition gegen das Gesetz führt.

Grund für den Protest sind der „Stop Online Piracy Act“ (Sopa) und der „Protect IP Act“ (Pipa), zwei Gesetzesentwürfe, die sich gegen Online-Piraterie richten. Die Kritiker meinen, mit dem neuen Gesetz würde eine Infrastruktur für Zensur geschaffen, die auch für andere Zwecke einsetzbar ist. In Deutschland sind die genannten Plattformen nicht betroffen.

Protest auf Google

Protest auf Google

Social Media: Buchkritik Social Web von Anja Ebersbach, Markus Glaser und Richard Heigl

23. Mai 2011

Oberflächliche Bücher, wie das Bedienen von sozialen Netzwerken gibt es mehr als genug. Es wird Zeit, dass wir uns tiefer, grundsätzlicher, wenn nicht gar wissenschaftlich mit dem Phänomen der sozialen Netzwerke auseinandersetzen. Hier wurde mir von meinem Kollegen Thomas Gerlachdas Buch des Autorentrios Anja Ebersbach, Markus Glaser und Richard Heig lSocial Web empfohlen. Und es war eine ausgezeichnete Empfehlung. Das Trio geht dem Phänomen auf dem Grund, ohne aber in eine wissenschaftliche Fachsprache zu verfallen. Alle Paletten des Social Webs werden behandelt, fein säuberlich zum Web 2.0 abgegrenzt. Die drei weissagen sogar die Zukunft und stellen Thesen über ein anstehendes Web 3.0 auf. Etwas oberlehrerhaft finde ich allerdings die Zwischenfragen, mit denen das neu erworbene Wissen abgefragt und ggf. vertieft werden kann.

Aber schön der Reihe nach: In der jetzt vorliegenden zweiten Auflage des Buches werden alle vorhandenen Social Web-Plattformen beschrieben und eingeordnet. Dies geschieht auch mit Plattformen zum Monitoring und Geotagging. Für die Techniker und Soziologen unter uns gibt es dann eine Beschreibung, wie diese Plattformen funktionieren und was sich unter der Oberfläche abspielt. Sehr interessant waren für mich die Gruppenprozesse, die im Social Web stattfinden. Als Beispiel sei nur die Weisheit der Masse bei Wikipedia genannt. Rundum ein gutes Buch für tiefergehendes handfestes Wissen. Also klarer Lesebefehl!

Goodbye Tony – Nachruf auf Tony Curtis

1. Oktober 2010

Tony Curtis ist tot. Der Schauspieler starb mit 85 Jahren in Hollywood. Ich erinnere mich an viele Rollen von Tony Curtis, aber ein richtiger Fan wurde ich erst durch zwei Filme – und ich muss enttäuschen: Es war nicht „Manche mögen´s heiß“. Mein Tony Curtis war Antoninus. Er spielte 1960 in Spartacus (Oscar-Edition, Special Edition, 2 DVDs) von Meisterregisseur Stanley Kubrick. Der Film war kein üblicher Sandalenfilm, sondern ein früher Kubrick und er beinhaltete einen Skandal. In einer Szene gab es Anklänge von Bisexualität. Antoninus badet Crassus (Laurence Olivier) und soll verführt werden. Ich hab diese Szene erst auf einer restaurierten DVD gefunden. In der TV-Ausstrahlung gab es diese Szene nicht. Den Dialog fand ich hervorragend, wobei Olivier sicher der bessere Schauspieler war. Bei Wikipedia hab ich gelesen: Allerdings war die Szene ohne Ton gedreht worden, da man offenbar davon ausging, sie werde ohnehin der „Zensur“ zum Opfer fallen. Da Olivier aber bereits 1989 verstorben war, synchronisierte Anthony Hopkins Crassus, und Tony Curtis seinen Antoninus. Cool der Satz: „Ich esse Austern und Schnecken!“

In mein Herz hat sich Tony Curtis allerdings mit der Serie „Die Zwei“ gespielt – aber nur in der deutschen Synchronisation. Die Fassungen stammten von Rainer Brandt und waren Schenkelklopfer meiner Jugend. Coole Sprüche, tolle Frauen, starke Autos und Luxus pur. Curtis spiele Danny Wilde, einen US-selfmade Millionär, während Roger Moore den blasierten Lord Brett Sinclair spielte. Aus dieser schönen Polarität US-Proll und britischer Adel entstanden nette Krimis in London und Südfrankreich auf den Bildschirm. Die Mode war bunt, klar es waren die siebziger, die Autos waren flott – so gab es einen Aston Martin DBS und einen Dino 246 GT, der aber nicht mein Fall war. Curtis war in der Serie schon Mitte 40 Jahre, doch kam er bei Die 2 jugendlich rüber.

Zur Erinnerung schau ich mir Spartakus an und kram die besten Folgen von „Die Zwei“ noch mal auf DVD raus. Die besten Folgen waren für mich „Schwesterchens Muttermal“, „Der Lord ist fort“ und „Seine Lordschaft Danny Wilde“.

Social Media: Kommunikation ist wie ein Orchester

17. März 2010
Bei vielen Gesprächen mit Kunden über Social Media-Aktivitäten ist es meine Aufgabe, den Leuten die Angst zu nehmen. Es ist interessant, wieviel Angst die Leute haben, Social Media einzusetzen. Diese Angst gilt es zu überwinden und in der Regel gelingt es.
Das erste Vorurteil ist in der Regel: „Was interessiert es die Leute, was ich zu mittag gegessen habe oder wem ich alles einen guten Morgen wünsche?“ Doch liebe Kunden, das kann interessant sein, muss es aber nicht. Das ganze Ding heißt Social Media und Social bedeutet Sozial. Wikipedia sagt: Das Wort sozial (von lat. socius‚ gemeinsam, verbunden, verbündet‘) bezeichnet wechselseitige Bezüge als eine Grundbedingtheit des Zusammenlebens, insbesondere des Menschseins (der Mensch als soziales Wesen). Und was machen wir im Falle Social Media? Wir kommunizieren mit Menschen. Wir treten in einen Dialog? Wir hören zu und wir geben eine Antwort.
Nur wer etwas von seiner Persönlichkeit anderen Preis gibt, der wird etwas zurückbekommen. Die Vorwürfe, ein gläserner Surfer zu werden, sind natürlich Blödsinn. Wir haben es selbst in der Hand es zu steuern. Wir selbst stellen Informationen zur Verfügung und das sind natürlich nicht alle Infos. Keiner zwingt jemanden über sein Mittagessen zu twittern, aber wenn es relevant ist.
Viel mehr Angst haben manche Kunden vor dem Dialog, der entsteht. Es war so schön in der Vergangenheit nur als Sender aufzutreten. Es war ein einseitig linearer Ansatz, wie es so schön hieß. Ich schütte oben was rein und die lieben Kollegen in den Medien haben darüber zu berichten und fertig. So einfach ist es im Social Media-Zeitalter nicht. Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Kommunikation bedeutet Dialog. So sind dann auch die Kunden erstaunt, wenn man ihnen sagt: Twittern müssen Sie schon selbst, das kann Ihnen keine Agentur abnehmen, wenn es glaubhaft sein soll.
Hier twittert der Chef (selbst). Aber Strukturen (vor allem im Kopf) lassen dies nicht zu. Vorurteile sind: Dafür bin ich zu wichtig und hab für so Zeug keine Zeit. Und dennoch werden diese Herrschaften die Quittung bekommen, wenn sie die Sozialen Netzwerke kaum oder gar nicht betreuen.
Kommunikation ist wie ein Orchester und wenn klassische PR Trompete, Posaune und Schlagzeug sind, dann sind Social Media eben die Streicher und Triangeln. Natürlich kann ich sie weglassen, aber dann klingt es eben schief.

Happy Birthday Wikipedia

22. Januar 2009

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Als Schüler hatte ich das rote dtv Lexikon. Ich glaube, es hat 100 Mark gekostet und war das universale Nachschlagewerk für die ganze Familie. Irgendwann hatte mein Vater gemeint, dass ich auch einen Brockhaus bekommen sollte, aber die Sache ist im Sande verlaufen. Meine Frau hat aus Familienbestand noch ein Meyers Konversationslexikon von 1898. Cool, da ist die Badewanne eine neue Erfindung gewesen.

Und heute? Ich nutze nur noch Wikipedia. Die Enzyklopädie hatte vor kurzem den 8. Geburtstag. Die „Intelligenz der Masse“ sorgt in der Regel dafür, dass ein großer Quatsch auf den Seiten steht. Alle Menschen können unmittelbar Artikel erstellen oder bearbeiten. Bestand hat, was von anderen Bearbeitern akzeptiert wird. Bisher haben international etwa 285 000 angemeldete und eine unbekannte Anzahl von nicht angemeldeten Benutzern Artikel zu diesem Projekt beigetragen. Mehr als 7000 Autoren arbeiten regelmäßig an der deutschsprachigen Ausgabe mit. Seit Mai 2001 sind so 855.233 Artikel in deutscher Sprache entstanden. Ich nutze Wikipedia aktiv als Autor und passiv als Konsument. Immer wieder denke ich über das geniale System der „Weisheit der Vielen“ nach. Die genauen Ausführungen gibt es hier. Wenn viele Menschen Beiträge einstellen und gegenseitig überprüfen, wird das Wissen optimiert und verbreitert. Einfach, aber genial.

Dieser Web 2.0-Dienst hat die Welt verändert und meine sowieso. Früher war es doch eine gewisse Mühe aufzustehen und zum Regal zu laufen, wenn man ein Wort nicht gewusst hat. Und oft war ich einfach zu faul. Irgendwann kam ich dann doch zu meinem Brockhaus. Allerdings nicht auf Papier, sondern auf DVD. Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich diese DVD kaum genutzt, genau so wenig wie meine Encyclopedia Britannica. Faulheit siegte bei mir über die Neugierde. Und heute? MacBook ist immer online und außerdem nutze ich das iPhone, um Infos nachzuschlagen.

Der Brockhaus stirbt, ob er nochmals als Druckwerk herauskommt, das wird fraglich und wird immer wieder diskutiert. Im Dezember 2008 wurde bekannt, dass die Bertelsmann-Dienstleistungstochter Arvato zum 1. Februar 2009 alle Rechte an der Marke Brockhaus übernehmen wird. Arvato plant, die gedruckte Ausgabe des Brockhaus fortzuführen, das im Februar 2008 angekündigte Online-Portal soll jedoch nicht realisiert werden. Egal, wie die Entscheidung fällt: Ich brauche keinen Brockhaus mehr. Die Zeit ist vorbei. Genauso wie die Zeit meines dtv Lexikons vorbei ist. Das habe ich unlängst im Altpapiercontainer entsorgt. 

Wikipedia.de wieder auf freiem Fuß

19. November 2008

wikipedia_klein

Es freu mich, das Wikipedia.de wieder auf freiem Fuß ist. Die Aktion von ehemaligen Stasi-Mitarbeiters und jetzigen Linken-Abgeordneten Lutz Heilmann hat Wikipedia enorme Sympathiewerte eingebracht. Mit etwas Abstand betrachtet, stellt man fest: Heilmanns Aktion ging komplett nach hinten los und was besonders interessant ist: Ein ehemaliger Stasi-Mann bedient sich rechtstaatlicher Methode.

Aufgrund einer einstweiligen Verfügung war wikipedia.de drei Tage nicht zu erreichen. Heilmann wollte die seiner Meinung nach undifferenzierte Berichterstattung über seine Stasi-Vergangenheit zurechtrücken. Und da nutzte der ehemalige Stasi-Mann die Mittel des Rechtsstaates. Er erwirkte beim Landgericht Lübeck eine einstweilige Verfügung gegen den Verein Wikimedia e. V. Dies führte zu einer Sperrung des Links Wikipedia.de.

Das war natürlich Blödsinn und zeigt, was Heilmann vom Web keine Ahnung hat. Vielleicht hätte ihn einer sagen sollen, dass die korrekte Adresse http://de.wikipedia.org/ ist und der Verein keine Verantwortung für die Inhalte trägt. Na ja, die Webgemeinde protestierte und die Initiative von Heilmann ging nach hinten los. Die Aktion spülte dem Internet-Lexikon Spenden von rund 15.000 Euro pro Tag in die Kassen, sonst sind es rund 3000 Euro.

Und seine Stasi-Vergangenheit wird nun heftiger denn je diskutiert. Heilmann musste nach Journalistenrecherchen zugeben, dass er beim DDR-Ministeriums für Staatssicherheit in Diensten war. Auf seiner Website klingt die Arbeit für die Überwachungsbehörde recht harmlos: 1985 bis 1990 verlängerter Wehrdienst (Personenschutz MfS). Dafür bekam er in der DDR ein Jahresgehalt von 15.444 Mark. Der normale DDR-Bürger bekam im selbsternannten Arbeiter- und Bauernstaat deutlich weniger. 

iPhone bekämpft Aufschneider und Angeber

4. August 2008

Aufschneider und Angeber haben es zu Zeiten des iPhones schwer. Da sitze ich doch im Warteraum des Flughafens Hannover herum und warte auf meinen LH-Flieger. Kommt er, kommt er nicht? Streik ja oder nein? Auf jeden Fall kommt eine Gruppe auf mich zu, Typ Manager – ein Mann und zwei Frauen. Alle Mitte/Ende dreißig, im edlen Zwirn gekleidet und Laptoptasche am Mann bzw. Frau. Der Mann ist der große Hecht und Wortführer. Und, Sie erraten es bereits, er nervt kolossal mit seinem Gequatsche. Er erzählte über dies und jedes und kam auch zu den Themen Geige und Konzerte. Ich hab zwar keine Ahnung über Geigen, außer dass meine Frau eine solche hat und mal im letzten Jahrtausend spielte. Unser Schwätzer erzählte, ein Künstler habe in seinem Konzert eine Original-Stradivari von 1592 gespielt. Dass müsse man sich mal vorstellen. Ich hielt es nicht mehr aus und witterte meine Chance. Ich nahm das Apple iPhone, wählte unter Wikipedia „ Stradivari“ und belehrte dann oberlehrerhaft die Gruppe: „Antonio Giacomo Stradivari (auch latinisiert Antonius Stradivarius, * um 1644 oder, laut neuerer Forschungen, 1648), der Geburtsort ist unbekannt; † 18. Dezember 1737 in Cremona) war ein italienischer Geigenbaumeister.“ Ha, das hatte gesessen. Vor seiner Geburt hatte Stradivari also seine berühmten Geigen gebaut. Die Damen erkannten sofort ihren Gesprächspartner als Schwätzer und vor Scharm wandte sich der Jung-Manager ab. Ich hatte meine Ruhe. Also Aufschneider und Angeber aufgepasst, das iPhone überführt als Schwätzer.