Posts Tagged ‘Medienkompetenz’

Buchtipp: Einfach erklärt – Social Media – Cybermobbing – Deine Daten im Web von Manfred Theisen

20. April 2022

Grundsätzlich bin ich ja in Sachen Medienkompetenz an deutschen Schulen unterwegs, aber ich denke, die Vorträge werden aufgrund von Corona erst zum Schuljahresende und hoffentlich zum neuen Schuljahr wieder beginnen. Daher nutze ich die Zeit, um mich ein wenig auf den Literaturmarkt umzusehen und bin aufgrund eines Tipps des Twitterkollegen Astrozwerge auf das lesenswerte Buch Einfach erklärt – Social Media – Cybermobbing – Deine Daten im Web von Manfred Theisen gestoßen.

Zunächst dachte ich, dass es sich wieder um so ein hyperpädagogisches Werk mit mahnenden Zeigefinger handelt, wie es von vielen analogen Vertretern herausgegeben wird, um die Angst bei analogen Eltern zu schüren. Ich habe mich geirrt.
Das Buch ist wirklich gut. Es ist für Kinder ab zehn Jahre geschrieben und zwar gut geschrieben. Natürlich ist die Sprache einfach, aber der Inhalt ist technisch richtig und sehr gut aufbereitet. Das wichtige Thema Daten im Netz wird gut erklärt. Der gewaltige Bogen reicht von der Nachrichtenpyramide und Nachrichtenschwelle über die richtige Suche mit Suchmaschinen und Verschwörungsmythen bis hin zu verschiedenen sozialen Netzwerken und Messengern. Die Themen Geldverdienen und Influencer sowie Persönlichkeitsrechte kommen ebenso vor wie Cybermobbing und Online Games.

Und vielleicht ist der enorme Spagat das einzige Problem des Buches. Der inhaltliche Umfang ist sehr groß und würde bei meinen Vorträgen ein gesamtes Wochenseminar ausmachen. Manfred Theisen erklärt jeden Themenkomplex, reißt ihn an und kann natürlich nicht in die Tiefe der Materie eintauchen, obwohl er mit jeder gedruckten Zeile genau weiß, was er da veröffentlicht. Vielleicht kann der Bindlacher Verlag Loewe sich einen Ruck geben und diese Medienkompetenz-Reihe erweitern bzw. aufbauen und vertiefen. Sehr gut sind auch die Illustrationen von Ole Häntzschel, der eigentlich ein Spezialist für Infografiken ist und daher die richtige Wahl für die unterhaltsame und faktenvermittelnde Illustration ist.
Ich empfehle das Buch Familien zu Hause und der Schulfamilie, die sich einen schnellen Überblick verschaffen wollen. Mit rund 13 Euro ist das Buch Einfach erklärt – Social Media – Cybermobbing – Deine Daten im Web von Manfred Theisen auf jeden Fall einen Blick wert und wenn ich meine Vorträge an Grundschulen wieder halte, dann weise ich auf jeden Fall auf diesen Buch hin.

Medienkompetenz in der Familie

1. März 2022

Egal ob Schule, Job oder soziale Kontakte: die zunehmend online verbrachte Zeit bringt Herausforderungen für Verbraucher mit sich – insbesondere was IT-Sicherheit und Datenschutz anbelangt. Gerade jetzt im Ukraine-Krieg ist Medienkompetenz eine Schlüsselqualifikation.

Mediennutzung haufenweise

Für diese Medienkompetenz gibt es einen bestimmten Tag Jetzt liegt der Safer Internet Day am 8. Februar hinter uns, aber mich ist jeder Vortrag ein Safer Internet Day, denn die Herausforderungen lauern jeden Tag in den Familien.
Wie stark das Thema „Digitale Gewohnheiten“ den Alltag von Familien prägt, zeigen die Ergebnisse einer Studie aus 2021 von Kaspersky: Laut 39 Prozent der befragten Eltern in Europa erhalten Kinder das erste digitale Gerät bereits im Alter von sieben Jahren oder jünger. Sieben von zehn Kindern in Europa verbringen damit mehr als zwei Stunden pro Tag, etwa ein Fünftel sogar mehr als fünf Stunden.

Meine Online-Seminare zur Mediennutzung

Wie groß der Einfluss von Eltern auf Kinder hinsichtlich der Digitalnutzung ist, zeigt die Kaspersky-Studie: Kinder, deren Eltern beim Essen nicht auf Smartphone und Co. verzichten können, widmen sich elektronischen Geräten pro Tag 39 Minuten länger als Kinder, deren Eltern darauf verzichten. Wenn Eltern des Öfteren laute Telefonate in der Öffentlichkeit führen, ergibt das bei Kindern 53 Minuten mehr als bei Kindern, deren Eltern dies nicht tun. Während fast alle Eltern die Gerätenutzung ihres Nachwuchses regulieren möchten, bekennt dabei eine deutliche Mehrheit (61 Prozent) der Befragten im Umgang mit digitalen Geräten selbst nicht immer vorbildlich zu sein und sich an die den eigenen Kindern gesetzten Regeln auch selbst zu halten.
Da muss ich mich auch an die eigene Nase fassen. Zwar sind meine Kinder schon groß, aber ich ertappe mich selbst immer wieder mit starker Mediennutzung, erst in der Pandemie und nun als Informationsjunkie im Ukraine-Krieg.
Kaspersky hat dazu auch einen sinnvollen Beitrag zur Mediennutzung ins Netz gestellt. Die Seite nennt sich shareaware-hub und ich verweise immer wieder gerne in meinen Vorträgen auf diese Materialien.
„Angesichts steigender Online-Zeit und der hohen Relevanz von Social Media, vor allem in jüngeren Altersgruppen, möchten wir mit unserem Kaspersky #ShareAware Hub einen Ort im Netz bieten, an dem Familien sich gemeinsam und auf spielerische Weise mit dem Thema Cybersicherheit und Datenschutz auseinandersetzen können. So können beispielsweise über ein Quiz Einsichten in die eigenen Digital-Gewohnheiten gewonnen werden“, so Anne Mickler, Pressesprecherin bei Kaspersky. Die Frau hat recht. Also ruhig mal einen Blick riskieren und sein eigenes Verhalten überprüfen.

Hier ein paar Tipps
Folgende Empfehlungen der Sicherheits-Experten von Kaspersky können erste Anhaltspunkte für Eltern sein, um für sich selbst und ihre Kinder eine effektivere Online-Sicherheit und einen höheren Datenschutz zu erreichen. Zudem gebe ich in meinem wöchentlichen Newsletter Hinweise.
. Nachwuchs von Beginn an begleiten: Je früher Kinder online gehen, desto stärker müssen sie dabei von ihren Eltern begleitet werden. So lässt sich am besten rechtzeitig und beispielhaft erklären, wo im Internet überall Gefahren lauern, und warum man bestimmte Dinge wie persönliche Daten besser nicht preisgibt.
. Soziale Medien mit Augenmaß nutzen: Für Eltern wie Kinder gilt die goldene Regel „Vor dem Posten Kopf einschalten“. Vor der Veröffentlichung also daran denken, wer alles Zugriff auf geteilte Information haben könnte und welcher Eindruck damit hinterlassen wird.
. Grenzen setzen: Kinder brauchen Struktur. Dazu gehört auch das Setzen altersgerechter Grenzen für den Umgang mit digitalen Geräten, zeitlich wie auch inhaltlich. Die Installation einer Kindersicherungssoftware leistet hier wertvolle Unterstützung.
. Selbst Vorbild sein: Regeln sind nur insoweit sinnvoll, wie sich alle daranhalten; das gilt auch für die erwachsenen Familienmitglieder.
. Online ist nicht das ganze Leben: Wenn Fernunterricht oder Home-Office zur Daueranstrengung werden, ist es besonders wichtig, sich Offline-Pausen zu gönnen – ab Besten gemeinsam mit der Familie und mit Bewegung an der frischen Luft. Das macht den Kopf frei und sorgt für Entspannung.

Online-Dating birgt Risiken – Medienkompetenz zum Valentinstag

14. Februar 2022

Am heutigen Valentinstag möchte ich auf ein Problem mit Dating-Plattformen hinweisen. Dazu plane ich im April auch ein Seminar mit der Verbraucherzentrale Bayern, um die Medienkompetenz zu stärken.
Auch Kaspersky weist in einer Mitteilung auf die Datensammelwut der Plattformen hin. Dabei werden viele persönliche Daten in den Dating-Profilen veröffentlicht, die unter anderem für Doxing – das Sammeln und widerrechtliche Offenlegen personenbezogener Daten Dritter im Internet – missbraucht werden können.

Foto: Kaspersky

Kaspersky liefert dazu interessante und erschreckende Zahlen. Laut Analysen waren bereits viele Online-Dating-Nutzer von Cyberbedrohungen betroffen: Jeder sechste Dating-App-Nutzer (16 Prozent) war bereits von Doxing betroffen. 15 Prozent fielen bereits einem Scam zum Opfer und insgesamt 31 Prozent wurden von Scammern über Dating-Apps kontaktiert. Jeder Fünfte (21 Prozent) hat bereits einen schädlichen Link oder Anhang per Dating-App erhalten. Bei acht Prozent der Nutzer wurden intime Fotos online geleakt.

Vor dem heutigen Valentinstag meldet Kaspersky zudem verstärkte Betrugsaktivitäten und empfiehlt Nutzern von Online-Dating-Apps und -Websites, ihre Daten und ihre digitale Privatsphäre zu schützen. Zudem warnt das Unternehmen vor Nachahmungen beliebter Dating-Apps, um die persönlichen Daten der Opfer zu sammeln.

Foto: Kaspersky

E-Mails von Cyberkriminellen, in denen diese vorgeben, Frauen zu sein, die nach einem Partner suchen. Das Schema umfasst E-Mails mit einem Link zu einer Phishing-Seite, die das Profil einer Dating-Website nachahmt und die Person auffordert, ein Formular mit ihren persönlichen Präferenzen für einen zukünftigen Partner auszufüllen. Zuletzt wird der Nutzer aufgefordert, seine Bankdaten hinzuzufügen. Tut dies das Opfer, erleidet es einen Daten- wie auch finanziellen Verlust.

Die Kaspersky-Tipps für sicheres Online-Dating gebe ich gerne weiter und werde sie auch in meinem Seminar mit der Verbraucherzentrale erläutern.
Das Instagram-Konto (oder andere Social-Media-Konten) nicht mit dem Dating-App-Profil verknüpfen, um nicht zu viele potenziell nutzbare Informationen über sich selbst preiszugeben. Selbst wenn auf Instagram bereits Einstellungen für Datenschutz und Sicherheit vorgenommen wurden, besteht ein Risiko in der Verknüpfung.
Niemals Telefonnummern oder andere Messaging-App-Handles weitergeben. Die Kommunikation sollte nur innerhalb der Dating-Apps erfolgen, bis eine Vertrauensbasis mit dem Gegenüber entstanden ist. Beim Wechsel zu einer anderen Messaging-App sollte diese ebenfalls so eingerichtet sein, dass alle privaten Daten geschützt sind.
Aufmerksam sein, wenn der Chatpartner dazu auffordert, eine App auf dem Telefon zu installieren, eine bestimmte Website zu besuchen oder anfängt, verdächtige oder ungewöhnliche Fragen zu stellen, beispielsweise zum Lieblingslehrer oder dem ersten Haustier – das sind häufige Fragen zur Website-Sicherheit. Cyberkriminelle nutzen diese Informationen für Phishing, um Geld oder Identitäten zu stehlen.
Auf Dating-Apps können auch Bots vertreten sein, bei denen es sich nicht um reale Personen handelt. Diese können versuchen, Nutzer dazu zu verleiten, Geld oder Daten preiszugeben. Wenn Nutzer also ein komisches Bauchgefühl bei einem Chat beschleicht und die Antworten des Gegenübers nicht ganz mit den eigentlich gestellten Fragen übereinstimmen, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um einen Bot handelt.
Einstellungen in der App so ändern, dass das eigene Profil nur den Personen angezeigt wird, mit denen man gematcht hat. So erhalten nicht alle Nutzer Zugriff auf die Daten. Wird diese Ansicht auf eine begrenzte Anzahl von Personen eingeschränkt, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass Profilinformationen in die falschen Hände geraten.

Falsches Like abgegeben: War doch gar nicht so gemeint

26. Januar 2022

Einfach mal das Hirn einschalten und nicht hinterher jammern. Das wäre die beste Like-Strategie in den Welt der Datensammelnden Sozialen Netzwerken. Dass dem nicht so ist, zeigt eine interessante Untersuchung von Kaspersky. Ergebnis: 82 Prozent der Deutschen würden gerne eine Spur im Internet aus dem Jahr 2021 dauerhaft löschen.

Digitaler Fußabdruck – auch bei Google.

Medienkompetenz bedeutet auch das Wissen um einen digitalen Fußabdruck. Medienkompetenz muss noch gestärkt werden und damit hab ich noch viel Arbeit in meinen Seminaren vor mir. Ob Internetsuche, negativer Post oder ein getaggtes Foto, tatsächlich würden 82 Prozent der in einer Kaspersky-Studie befragten Nutzer in Deutschland die eine oder andere Spur aus ihrer Internetpräsenz im Jahr 2021 dauerhaft löschen wollen.
Generell bringt die Kaspersky-Studie einige Unterschiede zwischen Altersgruppen, Geschlechtern und auch anderen europäischen Ländern ans Licht, wenn es um mögliche Reputationsschäden oder die Kontrolle des eigenen digitalen Fußabdrucks geht. Dies zeigt sich in mehreren Aspekten, die von einfachen Likes über mögliche Folgen am Arbeitsplatz bis hin zum digitalen Nachlass reichen.

Auch Postings, die wir „nur“ liken, haben gravierende Auswirkungen darauf, wie wir von anderen gesehen werden. Dies spiegelt sich auch in der Kaspersky-Studie wider. So sind sich europaweit alle Befragten einig, dass Online-Aktivitäten folgenreich sind und schon die Befürwortung bestimmter Themen kritisch gesehen werden kann.

Q in Neumarkt.

Nach Meinung der in Deutschland befragten Verbraucher sollten bestimmte Themen aufgrund negativer Auswirkungen auf zukünftige Berufsaussichten und Beziehungen eher nicht geliked werden. Achtung: Like heißt aber nicht gleich Zustimmung, sondern Reaktion. Frauen sehen mögliche Konsequenzen von Likes zu den folgenden Themen übrigens besonders kritisch. Die europaweiten Ergebnisse der Kaspersky-Studie sind verfügbar unter https://kas.pr/6zqf

Top-5 der Like-Themen mit dem meisten Konfliktpotential
. Beiträge über Tierquälerei: 56 Prozent (Frauen: 60 Prozent)
. Posts mit rassistischen Untertönen: 52 Prozent (Frauen: 56 Prozent)
. Abfällige Äußerungen über das Aussehen einer anderen Person: 49 Prozent (Frauen: 52 Prozent)
. Sexistische Beiträge: 47 Prozent (Frauen: 52 Prozent)
. Bedrohliche Kommentare einer anderen Person (z. B. gegenüber Politikern oder Prominenten): 46 Prozent (Frauen: 50 Prozent)

Top-5 der Like-Themen mit dem meisten Konfliktpotential
. Beiträge über Tierquälerei: 56 Prozent (Frauen: 60 Prozent)
. Posts mit rassistischen Untertönen: 52 Prozent (Frauen: 56 Prozent)
. Abfällige Äußerungen über das Aussehen einer anderen Person: 49 Prozent (Frauen: 52 Prozent)
. Sexistische Beiträge: 47 Prozent (Frauen: 52 Prozent)
. Bedrohliche Kommentare einer anderen Person (z. B. gegenüber Politikern oder Prominenten): 46 Prozent (Frauen: 50 Prozent)

Und mal ganz ehrlich, wer Tierquälerei, Rassismus, Mobbing, Sexismus oder Bedrohungen gut findet und durch einen positiven Like unterstützt, dem gehört gehörig der Kopf gewachsen und er braucht nicht jammern. Da hab ich nur wenig Verständnis.

Top-5 geteilter Inhalte mit dem meisten Konfliktpotential
Aktuell haben nach Meinung der Befragten in Deutschland das Teilen folgender Aussagen im Internet besonders gravierende Folgen:
. Ablehnung der Covid-Impfkampagne: 35 Prozent (Frauen 39 Prozent)
. Abwertende Aussagen über Menschen mit Behinderung: 35 Prozent (Frauen: 40 Prozent)
. Anti-Trans-Sprache: 30 Prozent (Frauen: 35 Prozent)
. Leugnung des Klimawandels: 28 Prozent (Frauen: 31 Prozent)
. Ablehnung von Vegetarismus und Veganismus: 21 Prozent (Frauen: 22 Prozent)

„Wir können unseren Daten häufig nicht entkommen. Sie sind ein Teil von uns und bleiben es ein Leben lang. Doch oftmals gehören Informationen, die wir heute teilen, nicht mehr zu der Person, die wir morgen sein wollen“, so Christian Milde, General Manager Central Europe bei Kaspersky. „Wir müssen lernen, die Langzeitfolgen geteilter Daten und deren Auswirkungen auf unser Leben besser einzuschätzen. Vor allem sollten wir bedenken, ob und in welchem Maß wir eine veraltete digitale Identität, die nicht mehr unseren heutigen Werten entspricht, dauerhaft wieder löschen können. Also die Wandlung vom Saulus zum Paulus will uns Kaspersky damit sagen. Wie wäre es dagegen mit klaren Werten in Erziehung und Gesellschaft?

Gerne unterstütze ich Kaspersky mit der Aufklärungsarbeit, denn sie ist äußerst notwendig. In meinem wöchentlichen Newsletter ist Medienkompetenz ein großes Thema.
„Jeder Mensch verfügt heute über ein digitales Ich im Internet. Es offenbart meine Interessen und Vorlieben und kann über meine Kreditwürdigkeit und Datensicherheit entscheiden. Hier besteht Nachholbedarf in der Aufklärungsarbeit – nicht einmal jeder zweite befasst sich mit seinem digitalen Ich. Es geht um ein stärkeres Bewusstsein für den Wert persönlicher Daten im Netz bis hin zur sicheren Nutzung und Verwaltung von Onlinekonten. Diese Kenntnisse müssen bereits in der Schule vermittelt, aber auch älteren Menschen zugänglich gemacht werden“, ergänzt Dr. Michael Littger, Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins Deutschland sicher im Netz (DsiN).

Buchtipp: Die Fake-Jäger von Tom Wannenmacher und Andre Wolf

2. August 2021

Seit Jahren bin ich als Referent in Sachen Digitalisierung, Verschwörung, Fakenews und Hatespeech unterwegs und habe bis März 2020 auch viel an Schulen vorgetragen. Es freut mich, dass sich die Gesellschaft diesem Thema angenommen hat. Verlage und Behörden werfen zahlreiche Publikationen auf den Markt. Mal sehen, ob ich auch was zu Papier bringe.

Ich verweise in meinen Vorträgen immer auf die Website mimikama.at, die ich für eine der besten Anlaufstellen im Netz halte. „Mimikama“ ist Suaheli und bedeutet „gefällt mir“. Und vor Jahren haben die Betreiber dieser Seite Tom Wannenmacher und Andre Wolf das noch immer lesenswertes Buch Die Fake-Jäger auf den Markt gebracht.

Ein Buch zum Thema Fakenews im Internet? Kann das überhaupt gehen? Ja, es geht, weil die Autoren nicht den Fehler machen und auf Aktualität setzen und jedem neuen Fall hinterher hecheln. Das würde nicht funktionieren, dafür ist freilich das Netz zu schnell und dafür ist die Website da. Vielmehr setzen die Autoren in diesem Buch auf Zusammenhänge und erklären Muster, wie die Hetzer und Verschwörer im Internet und vor allem in Facebook vorgehen.

Und diese Muster werden anhand von anschaulichen Beispielen erklärt, von denen der aktive Netznutzer sicherlich schon oft gelesen hat. Klarer Tipp Die Fake-Jäger
Das Buch ist für mich ein absolut gelungener Beitrag zur Medienkompetenz. Medienkompetenz halte ich für eine Schlüsselqualifikationen in einer zunehmend digitalisierten Welt. Natürlich müssen hier Kinder geschult werden, aber noch mehr sehe ich einen enormen Schulungsbedarf bei den Erwachsenen, die in einer analogen Welt sozialisiert wurden.

Mein persönlicher Jahresrückblick 2020

31. Dezember 2020

Ich denke, ich muss nichts mehr schreiben: 2020 war ein Desaster, privat und geschäftlich. Und trotz der schlechten Situation gab es bei mir Weichenstellungen in eine hoffentlich optimistischere Zukunft.
Der drastische Einschnitt des Jahres war der Tod meines Vaters am 8. Mai. Er starb nicht an Corona. Zusammen mit meiner Frau war ich in der Stunde seines Todes im Krankenhaus an seinem Bett mit dabei. Um 4.11 Uhr verstarb er. Die Erinnerungen kommen immer wieder hoch. Er fehlt uns allen sehr und sein Tod hat mein Jahr geprägt. Seine Beerdigung fand unter strengen Corona-Auflagen im ersten Lockdown mit wenigen Trauergästen statt.

Bloggen aus dem Dorf im Lockdown
In der Phase des ersten Lockdowns ging ich mit meinem Blog redaktion42 auf die sublokale Ebene. An 45 Tagen berichtete ich aufeinanderfolgend über mein Dorf in dem ich wohne und wie die Bewohner mit Corona umgingen. Ich machte das, was ich einstmals gelernt hatte: Klassischen Tageszeitungsjournalismus im Blogformat mit Texte, Fotos und Videos. Die Resonanz war überwältigend. Jeden Tag um 7 Uhr stellte ich einen neuen Blogpost online. Verbreitet wurde er auch über die örtliche Facebookgruppe mit rund 2000 Mitgliedern. Es war ein riesiger Erfolg: Die Zugriffe explodierten und ich wurde beim Einkaufen, beim Bäcker, beim Tanken und beim Spazierengehen auf den Blog angesprochen. Ich werde aus den Posts noch ein eBook machen und es kostenlos zum Herunterladen anbieten, quasi eine Zweitverwertung. Mein Vorhaben war, Corona aus der Sicht einer kleinen Gemeinde westlich von München darzustellen und ich wollte auch ein bisschen die örtlichen Lokalzeitungen ärgern. Ich wollte ihnen zeigen, was Blogs im Lokalen ausrichten können. Als der Blog richtig Fahrt aufgenommen hat, verstarb mein Vater und ich hatte erst mal den Nachlass zu ordnen.

Mein Eindruck war: Im ersten Lockdown zogen wir alle an einem Strang, waren rücksichtsvoll und ausgeglichen. Im zweiten Lockdown ist meines Erachtens nicht soviel davon geblieben. Egoismus ist allerorts anzutreffen. Mal sehen, vielleicht nehme ich den sublokalen Blog im dritten Lockdown wieder auf, der wohl kommen wird.

Neue Geschäftsmodelle gefragt
Mit Corona brach ein Teil meines Geschäftsmodells zusammen. Ich war bis Corona dreimal die Woche in Deutschland an Schulen mit dem Thema Medienkompetenz unterwegs. Hinzu kamen Wochenend-Seminare und Abendveranstaltungen in Bayern. Das alles brach weg. Eigentlich wollte ich im Sommer das zehnjährige Bestehen meines Unternehmens redaktion42 mit einer fetten Party feiern. Daraus wurde nichts.

Ich packte im März meine Reisekoffer aus und hängte alles in den Schrank. Soforthilfe oder ähnliches gab es für mich nicht. Neidvoll schau ich auf Lufthansa, Automobilindustrie oder die Tourismus-Industrie.
Wie heißt es, in der Krise liegt die Chance. Ich tastete mich mit Online-Schulungen vor. Ein guter Kunde, die Hanns-Seidel-Stiftung, entpuppte sich als agiler Bildungsanbieter und ließ ihren festangestellten Referenten freie Hand. So entwarfen wir Woche für Woche neue Konzepte für Seminarmodelle, probierten Software wie Zoom, GotoWebinar oder Jitsi aus. Ich eignete mir eine digitale Didaktik an, investierte größere Summen in Studiotechnik wie Kameras, Greenscreen, Videomischer, Beleuchtung, Mikros und mehr. Höhepunkt war sicher ein Zwei-Tages-Streaming aus dem Wohnzimmer zur US-Wahl.

Experimente mit Greenscreen.

Ich wurde gebucht und durfte einige Bildungsanbieter in Bezug auf Online-Schulungen schulen. Leider gibt es noch zuviele schlechte Webinare da draußen, Webcam und PowerPoint reichen nicht. Die finanziellen Verluste der Präsensseminare wurden natürlich nicht durch die Einnahmen der Online-Schulungen aufgefangen, aber ich kam mit einem blauen Auge davon. Es ist klar: Der Weg der Digitalisierung lässt sich nicht mehr zurückdrehen und das ist gut so.

Neues Hobby und neuer Blog
Durch Corona hatte ich mehr Zeit. Während andere Leute diese Zeit nutzten und neue Sprachen lernten oder Netflix leer schauten, entdeckte ich für mich ein neues Hobby: Golfen

Zusammen mit meiner Frau und K2 machten wir einen Platzreifekurs auf der Golfanlage in Rottbach. Ich habe im Golfen eine neue Art der Freizeitbeschäftigung gefunden: Es ist enorm anstrengend, ich bin an der frischen Luft und es kostet gewaltige Konzentration. Es ist eine Symbiose aus mentaler und körperlicher Beanspruchung, die es in sich hat. Ich war fast jeden Tag auf dem Golfplatz und ich rief meinen Golfblog Golffieber42 ins Leben, der sich gut entwickelt. Golf ist ein prima Hobby für mich, trotz den doofen Sprüchen aus dem Bekanntenkreis.

Und ich entdeckte das Fahrradfahren (wieder). Da Reisen dieses Jahr 2020 nicht möglich waren, machten wir Urlaub zu Hause im Garten (oder auf dem Golfplatz). Genau rechtzeitig wurde bei uns ein neuer, sehr schöner Radweg mit Namen Räuber-Kneißl eröffnet.

Familie gefestigt
Durch Corona hat sich unser Familienleben verändert. Die Gattin war und ist durch ihren Job voll eingespannt und kommt kaum zum Durchschnaufen. Sie kann ins Büro radeln oder zu Fuß laufen und ist dort die meiste Zeit am Telefon, in virtuellen Konferenzen oder beantwortet Mails und ich unterstütze meine Frau wo ich nur konnte. Zusammen stellten wir eine geniale Aktion auf die Beine.

Das Internet lief zu Hause heiß: Die Kinder hatten Teams-Konferenzen, versuchten mit Mebis zu arbeiten, um Home-Schooling zu bewerkstelligen. Insgesamt ist es eine Schande, wenn ich die Digitalisierung in der Schule sehe. Und es ist eine noch größere Schande, weil ich mit diesem Thema seit Jahren an den Schulen unterwegs bin und vertröstet werde.

Auf jeden Fall kochten wir täglich alle zusammen und verbrachten viel Zeit miteinander. Da wir uns an die Kontaktbeschränkungen hielten, bekamen wir kaum Besuch. Mit meiner Mutter konferierte die Familie via FaceTime. Ich bin dankbar, dass meine Mutter mein abgeschriebenes iPad verwenden kann und es auch nutzt. Digitalisierung ist auch für die ältere Generation kein Fremdwort.

Mitte Parsifal und rechts Atari – ganz links bin ich.

Im Sommer verstarb ein geliebtes Haustier: Sinatra unser alter treuer Wellensittich. Nun ist Dr. Watson alleine und steht mit seinem Käfig bei uns im Wohnzimmer und piept in jeder familiären Unterhaltung mit. Die Familienkonferenz entschied, dass kein weiterer Sittich angeschafft wird, dafür aber zwei junge Kater. Wir bekamen sie von der vorbildlichen Tierauffangstation in Maisach. Die beiden Kater hießen dort Rocky und Mailo, aber wir taufen die Herrschaften um in Parsifal und Atari um. Egal welchen Namen die tragen, so richtig folgen sie auf keinen. Meine Frau wurde zugegebenermaßen bei der Namensvergabe etwas überrumpelt. Parsifal kommt von Richard Wagners letzter Oper und Atari von meiner ersten Videospielkonsole Atari 2600. Seitdem toben die Herrschaften in der Hütte und wir haben die neuen Rabauken lieben gelernt. Die Entscheidung für Parsifal und Atari war eine richtige Wahl zum Wohle aller.

Riga samt Heinz Erhardt
Eigentlich war ich beruflich viel auf Achse, aber aufgrund Corona kam alles zum Erliegen. Zusammen mit meiner Frau machte ich zu Jahresbeginn eine einwöchige Reise nach Riga, der Hauptstadt Lettland. Ich hab von dort ausführlich gebloggt und ich habe es vor allem genossen. Ich war früher schon mal in der Stadt und konnte meiner Frau ein bisschen was zeigen. Organisiert hat die Reise eine Freundin und Arbeitskollegin und eigentlich wollten wir 2021 wieder mit ihr ins Baltikum. Daraus wird zumindest 2021 nichts, aber ich zehre von der Riga-Fahrt noch immer mit vielen Erinnerungen und Eindrücken. Und ich habe Heinz Erhardt wieder für mich entdeckt, der in Riga aufwuchs.

John Williams – mein einziges Konzert
Und der musikalische Höhepunkt des ganzen Jahres und darüber hinaus war das Weihnachtsgeschenk 2019 meiner Frau: Ich bekam eine Karte für das John Williams Konzert im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Ich war so gerührt, dass wir noch für die ganze Familie Karten besorgten. Finanziell war es schon ambitioniert, aber wir alle genossen Wien und den wichtigsten lebenden Filmkomponisten, der mit den Wiener Philharmonikern und Anne-Sophie Mutter spielte.

Ich kann nur sagen: Es war mir eine Ehre bei so einem Ereignis dabei zu sein. Die ganze Familie war total aus dem Häuschen. Es war zudem das erste Konzert, bei dem ich dabei war, was auch als CD und Bluray herauskam – ich bin im Film sogar mal zu sehen, kurz, aber immerhin. Für 2020 hatte ich noch weitere Konzertkarten zu Elton John und Yes, aber die musikalischen Ereignisse wurden erst mal verschoben. Ich hoffe, dass wir die Künstler noch mal sehen können und wir nicht auf den teuren Tickets sitzen bleiben.

Vinyl lebt
Also bleibt nichts anderes übrig, als Musik von der Konserve oder via Stream zu hören. Ich machte mir dafür selbst ein Geschenk. Seit Jahren spielte ich mit dem Gedanken mir wieder einen Schallplattenspieler anzuschaffen. Ich hab zwar Modelle von Dual und Technics, aber ich als Retro-Liebhaber wollte ich mir eine besondere Freude machen: Einen Braun PT4 in weiß.

Und ein neuer Player will neues Futter haben. Zum Glück erschien der Gesamtkatalog von Kraftwerk in farbigen Vinyl. Und ich höre auf dem Schallplattenspieler meist abends bei einem Glas Rotwein Jazz-Platten und lasse mich treiben.


Meist lese ich in einem Filmbuch um abzuschalten, aber wirklich gefesselt hat mich 2020 wieder und wieder die Geschichte „die Maske des Roten Todes“ von meinem Lieblingsautor Edgar Allan Poe, die da endet: „And Darkness and Decay and the Red Death held illimitable dominion over all“. („Und unbeschränkt herrschte über alles mit Finsternis und Verwesung der Rote Tod.“) Mehr gibt es über 2020 nicht zu schreiben.

Ich wünsche euch einen guten Rutsch und bleibt gesund.

Ich heb mal den Finger: Bayern will mehr über Soziale Netze aufklären

3. Februar 2020

Heute vormittag im Allgäu: Schulung von allen sechsten Klassen des Gymnasiums Hohenschwangau.

Heute vormittag im Allgäu: Schulung von allen sechsten Klassen des Gymnasiums Hohenschwangau.

Gerade habe ich einen Vortrag über Medienkompetenz im Allgäu beendet und lese im Internet, bayerische Schüler besser vor Straftaten im Internet geschützt werden sollen.
Im Auftrag der Staatsregierung habe eine entsprechende Arbeitsgruppe heute ihre Arbeit aufgenommen. Die Vertreter von Justiz- und Kultusministerium sowie Lehrerverbänden wollen ein Konzept entwickeln, das Kinder und Jugendliche über die Gefahren in den sozialen Medien aufklärt. Gerne würde ich an einer solche Arbeitsgruppe teilnehmen und mein Fachwissen einbringen.
Seit mehreren Jahren bin ich mehrmals die Woche in Bayern mit meinem „Tag der Medienkompetenz“ unterwegs und schule Schüler, Lehrer und vor allem die Eltern im Umgang mit sozialen Netzwerken. Ich plädiere dafür, die ganze Schulfamilie zu schulen und nicht nur die Schülerinnen und Schülern.

Klassensprecher des Gymnasiums Haßfurt habe ich vergangene Woche im Auftrag der HSS geschult.

Klassensprecher des Gymnasiums Haßfurt habe ich vergangene Woche im Auftrag der HSS geschult.

Vielen Schülern sei nicht bewusst, so Justizminister Eisenreich, dass sie sich mit bestimmten Beiträgen auf Facebook oder WhatsApp strafbar machen. Konkret nannte er dabei neben Cybermobbing die Verbreitung von kinderpornographischen Bild – oder Tonaufnahmen, Gewaltdarstellungen sowie Volksverhetzung. Wichtig ist mir aber auch bei all den Gefahren, die Chancen der Digitalisierung zu sehen. Bayern als ehemaliges Hightech-Land darf den Anschluss nicht verlieren. Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Gegen Angst hilft nur Wissen und Bildung. Daher begrüße ich die Initiative und würde mich gerne einbringen. Mail genügt und gerne weitersagen.

Digitale Spaltung: Leute, helft euren Eltern mit ihren Technikproblemen

2. Februar 2020
Da schenkt man den Eltern Technik wie hier Kamera, muss sie aber oft selbst installieren. Da schenkt man den Eltern Technik wie hier Kamera, muss sie aber oft selbst installieren.

Ihr kennt sicher den Witz, dass zur Weihnachtszeit die Jugend nach Hause aufbrechen muss, um die IT-Geräte ihrer Eltern zu reparieren, zu kalibrieren oder zu installieren. Da grinse ich immer, aber im Grunde ist es ein echtes Problem. Fehlende Medienkompetenz führt zu einer immer größeren Spaltung der Gesellschaft. Das bemerke ich bei meinen Seminaren, an denen ein Interesse besteht, die moderne Welt der Technik erklärt zu bekommen. Jetzt im Februar haben meine Seminare wieder begonnen und ich werde mit der digitalen Spaltung immer wieder konfrontiert.
Diesem Thema hat sich auch der Antivierenhersteller Kaspersky angenommen. Wie Kaspersky im Rahmen seiner Studie „Kannst Du mal kurz … herausgefunden hat, ist dies häufiger der Fall als man glaubt, da viele ältere Familienangehörige beim Umgang mit Technik und Gadgets ohne Hilfe von Freunden oder jüngeren Verwandten zu kämpfen haben. 43 Prozent der deutschen Eltern von Kindern über 16 Jahre bezeichnen sich als technologische Einsteiger, sagt die Studie.

Technik, wie hier in einer Apple Abteilung in Riga, wird von Jüngeren gekauft. Technik, wie hier in einer Apple Abteilung in Riga, wird von Jüngeren gekauft.

Und wie ist es bei mir? Ich bin jetzt Anfang 50 und ich muss mich an meine eigene Nase fassen. Gerne würde ich manches Mal das Bedienen von Hardware an meine Kinder übergeben. Aber das ist falsch. Ich muss es selbst machen, um die Anschluss zu behalten. Ich ertappte mich, dass ich zu faul war, Netflix, Apple TV, Amazon Prime Video und mehrere Konsolen und Player an einem Receiver zu installieren. Und jetzt bin ich mit Anfang 50 nicht ganz so alt.
Besonders ärgerlich ist es dann, wenn teure Technikgeschenke ungenutzt in Hinterzimmern verschwinden, weil ältere Familienmitglieder nicht in der Lage sind, diese einzurichten und zu nutzen. Bei meinem Vater war es beispielsweise ein Navi und der Amazon Kindle. Und immer wieder das Handy – und wir sprechen nicht einmal vom Smartphone. Mein Papa hat Schwierigkeiten mit der Menüführung und wenn etwas nicht so abläuft, wie es sollte, scheint er überfordert (oder er ist einfach bequem – ich weiß es nicht).

Amazon Echo wurde sicher viel verschenkt zum Fest, installiert hat es aber oftmals die Jugend. Amazon Echo wurde sicher viel verschenkt zum Fest, installiert hat es aber oftmals die Jugend.

Ich kenne aber auch das Gegenteil. Ein älteres Ehepaar mit denen meine Frau und ich sehr gut befreundet sind – die beiden Herrschaften sind fit, weil sie sich interessieren. Sie haben MacBooks, iPhones, Appe Watch und sie gehen sehr gut damit um. Das freut mich sehr, dass es auch so geht. Wenn das Interesse stimmt, klappt es auch mit der Technik.
Bei deutschen Eltern von Kindern über 16 Jahre bezeichneten sich sogar 43 Prozent als technologische Einsteiger, so die Kaspersky-Studie. Davon gab fast ein Drittel (29 Prozent) zu, ohne die Unterstützung ihrer älteren Kinder mit den technischen Herausforderungen des Alltags überfordert zu sein – 16 Prozent der selbsternannten Tech-Novizen mit Kindern über 11 Jahre gestanden sogar, in der Vergangenheit bereits mehr als einen Monat für die Einrichtung eines technischen Geschenks benötigt zu haben. Freunde, dass ist absolut gefährlich und so bekommen wir nicht den Anschluss und die digitale Spaltung wird immer größer.
Wie sind denn eure Erfahrungen?

Buchtipp: Ab ins Netz von Kaja Reim

31. August 2019

Langsam neigen sich die Sommerferien in Bayern dem Ende zu und ich organisiere wieder meine Tagungen und Vorträge zur Medienkompetenz. Dabei bin ich auf ein interessantes Buch der Kollegin Kaja Reim gestoßen: Ab ins Netz ?!
Es ist ein 224seiiges Buch wie Kinder sicher in der digitalen Welt ankommen und Eltern dabei entspannt bleiben. Das Buch ist für unsichere Eltern sehr gut geeignet, ihre Kinder auf die digitale Welt vorzubereiten. Ich habe anhand des Buches meine Schulungsunterlagen überprüft. Was mir bei dem Buch am besten gefallen hat, war die positive Einstellung gegenüber den digitalen Welt, die natürlich auch Nachteile hat. Keine Panikmache, wie ich es bei vielen anderen Autoren immer wieder antreffe. Bei meinen Elternabenden bemerke ich hier eher eine ablehnende Haltung gegenüber der Digitalisierung. Viele Eltern sind überfordert und können ihr Kind nicht auf eine digitale Welt vorbereiten.
Das Buch Ab ins Netz?! selbst ist flott geschrieben und lässt sich wunderbar konsumieren.
Und das ist aber auch meine Kritik an dem Buch: Beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass das Buch den Eltern die Zusammenhänge der digitalen Welt erklärt und nicht den Kindern. Daher ist das Buch aus meiner Sicht auch als Streitschrift für Aufklärung der Eltern zu sehen. Ich hätte gerne mal ein Buch, dass digital kompetenten Eltern hilft, ihre Kinder in der digitalen Welt großzuziehen ohne dass ich als Erwachsener einen Grundkurs Digitalisierung besuche.
Ein weiterer Nachteil des Buches ist, dass es ein Buch ist und die Informationen der digitalen Welt sich schneller aktualisieren als in der Vergangenheit. Ich will nicht sagen, dass die Informationen veraltet sind, vielmehr, dass man auf aktuelle Herausforderungen systembedingt nicht reagieren konnte. Vielleicht wäre eine Website besser gewesen, aber damit lässt sich eben kein Geld verdienen.

Insgesamt ist Ab ins Netz?! ein gutes Buch zur Medienkompetenz.

Werbung: Herausforderung FakeNews

11. August 2019

Bei meinen Schulungen zur Medienkompetenz stelle ich fest, dass Schülerinnen und Schüler mit zwei massiven Herausforderungen konfrontiert sind: die klassische Suchfunktionen von Google und FakeNews

Schulung zur Medienkompetenz in einer Berliner Grundschule.

Schulung zur Medienkompetenz in einer Berliner Grundschule.

Bei Referaten, Seminararbeiten und ähnlichem ist die Recherche im Internet bei Jugendlichen die erste Wahl. Die Bücherei hat längst verloren: Aber die Jugendliche haben nicht mehr das Problem wie zu meiner Zeit in den 80er Jahren, woher sie die Informationen bekommen, sondern wie sie die Fülle von Suchergebnissen begrenzen können. Google liefert Millionen von Ergebnissen. Viele Jugendliche können nicht suchen, geschweige denn Suchmaschinen wie Google richtig bedienen.
Daher beziehen viele Jugendliche und zunehmend auch viele Erwachsene ihre Informationen aus sozialen Medien: Und hier treffen wir massiv auf FakeNews und Hatespeech. Wenn mein Freund eine Nachricht weiterschickt, dann ist die Glaubwürdigkeit hoch, denn er ist ja mit mir befreundet. Medienkompetenz würde dann einsetzen, wenn darüber nachgedacht wird, bevor man den Teilen-Knopf drückt oder eine Botschaft retweeted.

Soziales Kapital steigt beim Teilen
Es setzt ein psychologischen Effekt ein: Ich habe eine Neuigkeit und daher habe ich hohes soziales Kapital. Wenn ich diese Neuigkeit teile, dann wächst mein soziales Kapital, mein Ansehen. Ich erhalte ein Like, einen Daumen – eine klassische Belohnung und damit Anerkennung. Dabei ist es gar nicht mal so wichtig, ob die Information stimmt, fast stimmt oder gar nicht stimmt. Die digitale Sau wird durchs digitale Dorf getrieben.
Für mich eine erste Anlaufquelle zur Überprüfung ist die österreichische Website minikama. Politische News überprüfe ich beispielsweise mit dem Faktenfinder der Tagesschau. Hier auch interessant ein Blogpost einer Casinoseite.

Warum steht in unterschiedlichen Zeitungen der gleiche Inhalt?

Warum steht in unterschiedlichen Zeitungen der gleiche Inhalt?

Und in sozialen Netzwerken tummeln sich bewusste Wahrheitsverdreher. Oft höre ich Aussagen: Im Netz gibt es andere News als in den klassischen Massenmedien – hier wird uns als Bürger etwas vorenthalten. Die Medien manipulieren, denn überall stehen die gleichen Nachrichten. Schnell wird von Lügenpresse gesprochen. Wie Medien funktionieren und welche Bedeutung beispielsweise die dpa hat, kennen die meisten Bürger nicht.
An die Stelle der klassischen Massenmedien treten so genannte alternative Medien, die scheinbar die Wahrheit gepachtet haben. Hier hat die Medienerziehung versagt, hier haben die Verlagen und Verlegerorganisationen versagt, die Funktionsweise von Massenmedien zu erklären. Lügenschleudern sind stattdessen im Netz entstanden und produzieren ihre FakeNews rund um die Uhr.

AfD als FakeNews-Produzent
Interessant ist in diesem Fall, eine Bildfälschung der AfD mit der bayerischen Landtagsprädientin Ilse Aigner. Die Pressestelle des Landtags hat am 5. Juli 2019 ein Foto veröffentlicht, das Aigner mit eine Kindergruppe zeigt, die blaue Luftballons steigen lassen. Es wurde im Rahmen des „Entdeckertag für Kinder im Bayerischen Landtag“ aufgenommen.

Das Originalbild der Pressestelle des Bayerischen Landtags.

Das Originalbild der Pressestelle des Bayerischen Landtags.

Der bayerische AfD-Abgeordnete veröffentlichte nun dieses Bild auf seiner Facebookseite und ergänzte den AfD-Schriftzug auf den Luftballons. „Die AfD wirkt auch in Bayern“ hieß es. Also die ganze Sache ist eine reine Fälschung und eine klassische FakeNews. Als die AfD bei der Fälschung ertappt wurde, nannte es die AFD einen Gag.

Und was die AfD als FakeNews daraus gemacht hat.

Und was die AfD als FakeNews daraus gemacht hat.

Das ist eine typische AfD-Reaktion. Die Reaktion von Ilse Aigner war einen Strafantrag gegen den AfD Abgeordneten gestellt. Aigner meinte, die Foto-Montage sei geeignet, sie als Person des politischen Lebens verächtlich zu machen. „Eine parteipolitische Werbeaktion auf dem Gelände des Landtags wäre mit meinem überparteilichen Amt als Landtagspräsidentin nicht vereinbar.“
Für mich als Fazit: Meine Medienkompetenz-Schulungen sind wichtiger denn je.