Posts Tagged ‘Medienkompetenz’

Kommentar: digitale Spaltung wird vertieft

27. Juni 2017

Ein eher seltenes Bild: Android und ich

Ein eher seltenes Bild: Android und ich

Und wieder wird gejammert. Fast sieben Stunden am Tag verbringen junge Erwachsene im Alter von 21 bis 30 Jahren im Internet. Ich habe eine Studie von Ernst & Young gelesen und ich werde den Verdacht nicht los, die Herrschaften haben es nicht verstanden, was da passiert. Übrigens bei mir läuft das Internet eigentlich immer. Schaltet ihr den Browser oder Mail oder soziale Netzwerke aus? Das mache ich nur, wenn ich hoch konzentriert an etwas arbeite oder mich auf Freunde, Musik oder einen Film konzentriere. Aber in der Regel unterscheide ich nicht in eine Welt mit und ohne Internet.
Die Studie erklärt, dass die junge Altersgruppe das Internet größtenteils über ihr Smartphone nutzt. Knapp drei Stunden sind sie über das Gerät online, vor allem in Messengerdiensten wie WhatsApp. Gut, dass mit WA halte ich für gefährlich, aber hauptsächlich aufgrund des Verlustes der digitalen Daten wie Adressbücher.

Twitter in der Buchstabensuppe.

Twitter in der Buchstabensuppe.

Jugendliche seien viereinhalb Mal so lange mit dem Handy online, wie die Altersgruppe 60 plus. Sagt mal, wundert ihr euch wirklich darüber? Deswegen fordert die Studie Politik und Unternehmen auf, einer – so wörtlich – „digitalen Spaltung“ entgegenzuwirken und bei der Entwicklung neuer Angebote, die Bedürfnisse der älteren Generation nicht zu vergessen.
Wenn ich solche Studien und vor allem die Empfehlung von Ernst & Young lese, hab ich Angst um die digitale Entwicklung dieses Landes. Immer wieder kommt da durch: Früher war alles besser. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass für diese Typen die digitale Entwicklung besser nicht voranschreiten sollte. Stillstand ist für sie der neue Fortschritt, ein bisschen wie der Heizer auf der E-Lok.
Studie um Studie: Der durchschnittliche Nutzer greift pro Woche 1.500 Mal zu seinem Smartphone, das heißt 214 Mal pro Tag, so eine Studie der britischen Marketing-Agentur Tecmark. Das Smartphone wird den PC als wichtigsten Zugang zum Internet bis 2021 ablösen. Das geht aus der aktuellen Ausgabe des CISCO VNI Forecast hervor. Der Desktop-Anteil wird beim IP-Internet-Traffics von heute über 40 Prozen in vier Jahren auf 25 Prozent fallen. Gleichzeitig wird der Smartphone-Anteil am weltweiten IP-Traffic auf 33 Prozent steigen. Mehr dazu im Blog meines Kollegen René Hesse.


Liebe Leute, macht einfach Platz für etwas neues. Macht Platz für Innovationen und Fortschritt. Das Smartphone ist kein Telefon. Wer glaubt, dass das iOS-, Android- oder Windows-Device ein Telefon zum Telefonieren ist, der irrt sich gewaltig. In meinem Seminaren in Schulen zur Medienkompetenz frage ich immer gerne die Schülerinnen und Schüler: Was macht ihr mit eurem Smartphone? Die Antworten lauten etwa so: Chatten, YouTube, Fotos, Videos, Musik hören, Spielen, Taschenrechner, Lesen, Einkaufen, Navigation und und und – irgendwann kommt auch Telefonieren. Wer glaubt, das Smartphone sei ein Telefon, der hat schon längst verloren. Smartphones haben heute so viele Funktionen übernommen, für die wir bisher mehrere verschiedene Geräte benötigten. Dennoch benötigt es klare Regeln im Umgang mit dem Smartphone. Medienkompetenz steht dabei im Vordergrund und nicht die Verteufelung eines Geräts.
Wir leben zu Beginn eines Post-PC-Zeitalters und das Smartphone ist im Moment für eine ganze Generation das Zentrum ihres digitalen Lebens geworden. Natürlich ergibt sich dadurch längere Nutzungszeiten.
Natürlich muss die digitale Spaltung überwunden werden. Aber durch solche Studien überwinden wir nicht, sondern der Graben wird immer tiefer. Wir sprechen nicht mehr miteinander, sondern übereinander. „Ihr mit eurem doofen Smartphone – ihr könnt ja gar nicht mehr anders“, höre ich in Seminaren immer wieder. Gegenseitiges Verständnis und ein klarer Blick für die Chancen der digitalen Zukunft ohne die Gefahren zu leugnen – das ist das Gebot der Stunde.

Houston, wir haben ein Problem,

Houston, wir haben ein Problem,

Die Top Ten der Spammer

22. Juni 2017
Und immer wieder Spam im Postfach. Ich hab gar kein WA.

Und immer wieder Spam im Postfach. Ich hab gar kein WA.

Jeden Tag kommt neuer Spam in mein Mail-Postfach und wer nicht aufpasst, fällt auf die Betrüger herein. Im Rahmen meiner Medienkompetenz-Seminare kommt das Thema Spam immer wieder zur Sprache. Die verschiedenen Angriffe aus dem Netz ist bekannt – das jüngste Beispiel war der Trojaner, der die Anzeigetafeln der Deutschen Bahn lahmlegt.
Aber die klassischen Spammer lassen nicht locker. Ein beliebter Trick der Spammer ist es, sich als legitimes Unternehmen auszugeben und die Empfänger damit über den schädlichen Inhalt zu täuschen. Für das erste Halbjahr 2017 veröffentlichte die Sicherheitsexperten F-Secure jetzt eine Rangliste der beliebtesten gefälschten Absender. Die klassischen Spammer wie der Prinz aus Liberia wird bei mir im Postfach immer seltener.
Die Liste enthält die Namen von Schwergewichten wie Microsoft, Amazon oder Apple. Das zeigt deutlich: Je größer der Name, desto verlockender der Missbrauch in Spam-Mails. Die ein oder andere Mail dieser Spammer hatte ich selbst schon im Mailpostfach. Medienkompetenz ist daher angesagt.
„So viele Leute nutzen die Dienste oder Produkte dieser großen Unternehmen, entsprechend macht es für die Kriminellen Sinn, diese bekannten Namen zu missbrauchen“, so Rüdiger Trost, Head of Cyber Security Solutions bei F-Secure Deutschland.
Neben den Größen aus dem Tech-Bereich bevorzugen Spammer Angebote aus dem Bereich Online-Dating oder Finanzanbieter wie PayPal und Giropay. Auch Lieferdienste wie UPS sind hoch auf der Liste, oft setzen die Kriminellen auf vermeintliche Versandbenachrichtigungen. Das kommt bei mir eigentlich regelmäßig vor.
„Für Spammer sind Social-Engineering-Attacken leichter als jemals zuvor“, sagt Trost. „Der E-Commerce ist inzwischen so weit verbreitet, dass eine einfache E-Mail mit dem Betreff ‚Ihre Bestellung konnte nicht zugestellt werden!‘ oft schon ausreicht. Bei der schieren Masse an ausgeliefertem Spam ist es fast garantiert, dass ein Teil der Empfänger tatsächlich auf Waren wartet. Und genau dieser Zusammenhang hebelt oft alle gelernten Vorsichtsmaßnahmen aus.“
In den Anhängen der gefälschten E-Mails steckt oft Schadsoftware wie etwa Ransomware, Keylogger oder Bank-Trojaner. Während sie vordergründig angeben, legitime Produkte zu verkaufen, versuchen sie im Hintergrund an sensible Daten, wie etwa Kreditkarteninformationen zu gelangen. Andere Spam-Kampagnen haben den Diebstahl von Zugangsdaten als Ziel.
Lange Zeit waren Exploit-Kits die bevorzugten Angriffswaffen der Kriminellen. Diese versteckten sich auf gehackten oder bösartigen Webseiten und attackierten Besucher automatisch durch Schwachstellen im genutzten Browser. Mit dem Rückgang von Zero-Day-Schwachstellen und immer kürzeren Update-Zyklen von genutzten Programmen geht diese Art des Angriffs allerdings zurück. Parallel dazu wächst die Anzahl an E-Mails mit bösartigem Inhalt – auch Kriminelle unterwerfen sich dem Marktzwang.
Laut Trost wird sich das so schnell nicht ändern. Daher hat er drei Tipps, um die Ausbreitung von Malware per Spam einzudämmen:
Müssen Nutzer wirklich ZIP-Dateien verschicken? Cloud-Dienste erlauben das sichere Teilen von Inhalten. Der Einsatz solcher Dienste erlaubt es, den Empfang von ZIP-Dateien komplett zu verbieten, diese Maßnahme schließt eine der häufigsten Infektionswege.
In Office sollte der Einsatz von Makro-Skripten deaktiviert werden.
Trennen Sie jscript von Code, der tatsächlich auf der Maschine ausgeführt wird.
Und ich ergänze: Einüben von Medienkompetenz

Rangliste: Die am häufigsten gefälschten Absender in Deutschland , 1 HJ 2017
Paypal
Amazon
Ebay
Giropay
Lyft
Apple
Microsoft
Mercedes

Rangliste: Die am häufigsten gefälschten Absender weltweit, 1 HJ 2017
USPS
Amazon
Fedex
Apple
Paypal
Walgreens
Microsoft
Eharmony
Lyft
Facebook
Bank of America
Match.com

Welttag des Buches – mein absolutes Lieblingsbuch

23. April 2017
Mein Lieblingsbuch als Kind habe ich neulich erst wiedergefunden. Es heißt: Mein allerschönstes Buchstaben-Bilderbuch.

Mein Lieblingsbuch als Kind habe ich neulich erst wiedergefunden. Es heißt: Mein allerschönstes Buchstaben-Bilderbuch.

Heute ist der Welttag des Buches und natürlich feiere ich diesen Tag gerne mit. Ich liebe Bücher in all seinen Formen, sei es als gedrucktes Buch, sei es ein Taschenbuch, sei es ein aufwendig gebundenes Buch, sei es als elektronisches Buch. Ich lese sehr viele Büchern, in der Regel ein Buch die Woche, mal ein Sachbuch, mal Literatur, mal einfach nur Schund.
Es gibt viele wichtige Bücher in meinem Leben, unzählig viele. Mein Lieblingsbuch als Kind habe ich neulich erst wiedergefunden. Es heißt: Mein allerschönstes Buchstaben-Bilderbuch. Es wurde geschrieben von Richard Scarry. Er lebte von 5. Juni 1919 in Boston bis 30. April 1994 in Gstaad. Er war ein Kinderbuchautor und Illustrator, der über 300 Bücher veröffentlicht hat, wovon weltweit über 300 Millionen Exemplare verkauft wurden.

So lernte ich das ABC

So lernte ich das ABC

Ich liebte das Buch abgöttisch und lernte mit diesem Buch das ABC. Damit passt es für mich ideal zum Welttag des Buches. Bücher helfen uns, das Gehirn auf Trab zu halten, sie beflügeln die Fantasie und unser Einfühlungsvermögen. Lesen findet im Kopf statt und Lesen ist einfach super. Bücher sind einfach Medienkompetenz pur. Diese tolle Welt entdeckte ich durch Mein allerschönstes Buchstaben-Bilderbuch. Es wurde im Dezember 1994 wieder beim Delphin-Verlag in Köln neu aufgelegt. Ich habe allerdings noch die deutsche Erstausgabe aus dem Jahr 1971. Meine Eltern mussten mit mir das Buch Tag für Tag lesen und so lernte ich in jungen Jahren das ABC.


Jeder Buchstabe in dem Buch hat eine Doppelseite und sogar ä, ü und ö sind dabei und das erstaunt mich heute mehr als früher. Ein US-Autor, der an die Umlaute denkt.
Es sind viele, viele kleine Geschichten in diesem Buch zu finden. Heute sagt man wohl Wimmelbilder dazu. Ich machte mich als Kind auf, diese Geschichten zu erkunden. Der Buchstabe, um den es auf der Doppelseite ging, war in den Wörtern Rot gedruckt und so lernte ich das ABC. Ich schaute, suchte, malte mir meine Welt im Kopf aus. Geholfen haben mir die Figuren von Richard Scarry. Seine Figuren sind vermenschlichte Tiere, die ich in mein Herz geschlossen hatte. Und wenn ich heute das Buch durchblätterte, dann kommen mir die Geschichten um die Häschen, Schweinchen, Kätzchen ins Gedächtnis zurück. Und ich stoße immer wieder auf Egon. Egon ist so eine Art Regenwurm mit Tirolerhut, der auf den meisten Seiten auftaucht. Als Kind machte ich mir zur Aufgabe, Egon als erstes auf den Seiten zu suchen. Hatte ich den Wurm gefunden, dann war ich begeistert und jubelte. Beim Schreiben dieses Blogbeitrags musste die beste Ehefrau von allen mit mir Egon suchen, sie schien ein wenig genervt zu sein.
Das ist also meine Empfehlung und Erinnerung am Welttag des Buches. Ich mach mich jetzt mal auf die Suche im Netz, was andere für Bücher am heutigen Tag gepostet haben.

Hier das Buch ausführlich im Video:

blauweiß weißblau – egal, Hauptsache Twitter

16. April 2017

Nachdem ich meinen jüngsten Beitrag für die IronBlogger-Parade zum Thema blauweiß/weißblau über unsere Wellensittiche Lilly und Sinatra geschrieben habe, liegt es nahe, dass ich beim Gezwitscher bleibe: Welches Vögelchen passt am besten in eine solche Parade? Klar, der Twitter-Vogel.


Ich bin ein überzeugter Twitterer und zwitschere unter @redaktion42 den lieben langen Tag. Mit meiner Frau @spinosa1967 sind wir wie andere auch als als twitterndes Ehepaar bekannt. Aber Twitter ist für mich mehr als ein bisschen Zeitvertreib. Es ist für mich eine Art Stammtisch, der 24 Stunden 365 Tage lang geöffnet hat. Ich finde hier Weisheiten, dumme Sprüche, aktuelle News, schlüpfrige Anmache, Kampagnen, Provokationen, Hilferufe und vieles mehr unter einem Dach. Ich nutze Twitter zur Unterhaltung, als Inspiration, als Newsquelle, als Recherchetool und und und.
In meinem Seminaren über Medienkompetenz an Schulen kommt Twitter leider nur am Rande vor. Twitter ist vielen Leuten einfach zu blöd. Die formale Begrenzung auf 140 Zeichen sorgt dafür, dass Jugendliche in meinem Umfeld nicht so stark vertreten sind. In 140 Zeichen muss man mit der deutschen Sprache umgehen können und bei Donaudampfschifffahrtsgesellschaft wird es in Twitter recht eng. Auch der Humor mutet für viele Seminarteilnehmer etwas seltsam an. #hach, #flausch, #ausgruenden geht ja gerade so – bei #mimi blicke in in meinem Seminaren in fragende Gesichter. Wer will denn schon mit Beaker vom Muppet Labor von Professor Bunsenbrenner identifiziert werden, dessen einziger Wortschatz eben das mimi ist?

Ich sag nur mimi

Ich sag nur mimi

Aber egal: Twitter ist für mich eine wunderbare Bereicherung. Leute glauben manches Mal, dass man Twitter komplett auslesen muss. Viel Spaß dabei. Ich habe durch Twitter den Satz eines US-Studenten begriffen: „Wenn die Nachricht wichtig für dich ist, wird sie einen Weg zu dir finden.“ Für mich ist Twitter ein wichtiger Bestandteil meiner Social Media-Kultur. Auch für meine politische Kundschaft gehört Twitter dazu: @RegSprecher habt es in Deutschland vorgemacht, der US-Präsident hat die absolute Macht von Twitter verstanden und publiziert an den Medien vorbei direkt zu seinen Anhängern und zu den Medien. Twitter ist ein geniales Massenmedium mit Rückkanal – einfach der Hammer. Ich muss nicht via in Facebook befreundet sein, sondern kann folgen wem ich will, ohne dass ich mit ihm befreundet sein muss. Und wenn einer glaubt, dass er nur senden will im Sinne von traditionellen Massenmedien, dann wird er auch bald wieder entfreundet – so einfach ist das. Liebe Politiker – nur senden ist so 20. Jahrhundert.

Ich bin seit 24. Oktober 2008 dabei.

Ich bin seit 24. Oktober 2008 dabei.

In Twitter habe ich neue Bekanntschaften, ja sogar Freundschaften geschlossen. Einige sind auch wieder zerbrochen. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Ich habe durch Twitter Personen kennengelernt, die ich im realen Leben nie getroffen hätte. Ich wurde mit Meinungen konfrontiert, die niemals meine eigenen wären. Ich lernte durch Twitter mehr Toleranz, den anderen Blick auf eine Sache. Nicht so eine Filter Bubble wie in Facebook, in der ich nur in meiner eigenen Meinung bestätigt werde. Für mich bedeutet Twitter eine neue von Freiheit und Verantwortung zugleich. Der weiße Vogel auf blauem Hintergrund ist für mich ein Symbol der neuen Zeit geworden. Die Welt wäre ohne Twitter ärmer und es wäre schade, wenn dieses Tool verschwinden würde.
Twitter bedeutet Senisbilität. Ich habe Leute kennengelernt, die ohne dieses Tool noch einsamer wären als sie es ohnehin sind. Ich habe Selbstmordankündigungen erlebt und wie eine ganze Gemeinschaft zur Rettung eilte. Ich habe kollektive Trauer und Freude erlebt. Ich habe Trolle und Social Bots erlebt, die herumholzen. Und ich habe Aktionen wie Twittagessen oder Weihnachtstwicheln erlebt und ich bin im Mai 2014 zu den IronBlogger über Twitter gestoßen. Jeder hat seine Geschichte in Twitter und ich bin gespannt auf eure. Was bedeutet Twitter für dich?

Ein Presenter für das iPad und iOS

11. Februar 2017
Für meine Präsentationen habe ich mir für iOS den Kensington PresentAir Pro gekauft.

Für meine Präsentationen habe ich mir für iOS den Kensington PresentAir Pro gekauft.

Ich bin sehr oft für Vorträge in Sachen Medienkompetenz unterwegs und ich gestehe es, ich bin faul. Ich mag nicht schweres Equipment durch die Gegend schleppen. Meine Präsentationen habe ich auf Apple Keynote an einem der Bürorechner vorbereitet, aber ich will mein goldenes Seminar-MacBook nicht immer durch die Gegend schleppen. Das habe ich nur dann und wann auf Seminare dabei, wenn es um DTP oder so geht.
Da ich nicht Keynote auf einen Stick spielen möchte und dann vor einer Windows-Kiste beim Kunden stehe will, muss ich doch mein eigenes Zeug mitnehmen. In der Regel wähle ich dazu mein iPad Pro 12 Zoll.
Da ich bei meinen Präsentationen gerne ein wenig herumlaufe und mich nicht hinter dem iPad verstecken möchte, brauche ich einen Presenter. Bisher habe ich die Keynote-Präsentationen via iPhone oder AppleWatch gesteuert, aber das ist manches Mal eine Fummelei und sieht außerdem doof aus, wenn man die ganze Zeit auf das Smartphone glotzt. Also muss ein klassischer Presenter her.


Für den Mac habe ich einen Standard Kensington Presenter und so einen wollte ich für das iPad mit iOS auch haben. Apple hat dafür nichts im Angebot und nach ein wenig Recherche kaufte ich den Kensington PresentAir Pro. Das Ding sieht aus wie ein schwarzer Stift und liegt gut in der Hand. Mit dem roten Laserpointer hatte ich das Gefühl eines Laserschwertes, aber hier bricht der Star Wars-Fan in mir durch. „Luke ich bin dein Vater“ sagte ich, als ich das rote Licht entzündete.


Zurück zum Presenter. Kensington ist nicht gerade fit, wenn es um die Vermarktung des PresentAir Pro geht. Es steht auf der Packung groß, dass das Ding für Windows und Android geeignet sei. Die Schlafmützen haben iOS vergessen und lassen sich damit ein fettes Geschäft durch die Lappen gehen. Viele iOS-Jünger sind auf der Suche nach einem Presenter. Via Bluetooth verbindet sich der PresentAir Pro mit dem iPad und schon kann es losgehen. Ich kann meine Präsentationen abspielen und steuern – und wenn ich will, auch meinen Laserpointer einsetzen, wobei den kleinen roten Punkt kaum einer im Publikum sieht. Dafür verwende ich einen klassischen Zeigestab als den elektronischen Schnickschnack.
Der Presenter hat noch einen Touch-Kopf fürs Smartphone, den ich allerdings nicht brauche. Betrieben wird er von einer AAAA-Batterie und ich muss mir noch eine Ersatzbatterie besorgen, nicht dass schlagartig das Energieteil schlapp macht.

Medienkompetenz: Verkauf von Bewegungsdaten durch Telefónica widersprechen

8. Dezember 2016

Die Big Data-Welle rollt langsam auf uns zu. In diesem Umfeld macht es mich nervös, dass Telefónica das Geschäft mit den Nutzerdaten in Angriff genommen hat und die anonymisierten an Interessierte verkaufen will. Der Verkauf wird von der Firma Telefónica Germany NEXT GmbH durchgeführt. Zu Telefónica gehören O2 und E-Plus. 2012 ist Telefónica mit dem Verkauf erstmals gescheitert und unternimmt jetzt einen neuen Anlauf. Thorsten Dirks, noch bis Ende März als Vorstandschef von Telefónica Deutschland die Aktion zu verantworten hat, wechselt dann als Chef dann zu Eurowings.

Widerspruch einlegen
Wer nicht will, dass seine Daten, ob anonymisiert oder personalisiert, verkauft werden, der sollte umgehend handeln und dem Vorhaben des Telefonanbieters widersprechen. Im Rahmen meiner Vorträge über Medienkompetenz weise ich darauf immer wieder hin. Ich persönlich empfehle jedem das Verkaufen der anonymisierten Standort- und Nutzungsdaten zu untersagen. Aus den Nutzungsdaten von Mobilfunkkunden lassen sich Bewegungsprofile erstellen. Verbraucherschützer warnen:
Bewegungsprofile können beispielsweise Aufschluss darüber liefern, wie Kundenströme durch ein Einkaufszentrum verlaufen. Sie können allerdings auch viel über Lebensgewohnheiten, Eigenarten, Kontakte und politische Einstellungen aussagen. Also meine Empfehlung ist, der Datensammlung zu widersprechen.

Wie geht der Widerspruch?
Telefónica hat eine Widerspruchsseite im Netz eingerichtet. Unter Selbst entscheiden kann der Kunde dem Vorhaben widersprechen. Dieser Service steht für Kunden aller Marken in den Netzen von O2 und E-Plus bereit. Also jetzt handeln.

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Und ewig lockt das Geld. Der Telefonanbieter versucht über den kostenlosen Dienst o2 More Local die Daten zu vermarkten. Der Telefinkunde bekommt dafür Vorteilsangebote von Partnermarken in der Nähe per SMS aufs Handy. O2 sagt zudem: „Datenschutz hat höchste Priorität – kein Transfer der Kundendaten an Partner.“ Allerdings: Infos über Geschlecht und Standort müssen übermittelt werden. Mein Tipp: Ich würde vorsichtig sein, trotz aller Bekenntnisse. Aber der Gier auf Schnäppchen ist wohl bei einigen stärker, oder?

1 Milliarde iPhone – 1 Milliarde Mal das Leben verändert

30. Juli 2016
Apple Chef Tim Cook und das erfolgreiche Apple Produkt. Foto: Apple

Apple Chef Tim Cook und das erfolgreiche Apple Produkt. Foto: Apple

Apple hat mit dem iPhone mein Leben verändert. Vor kurzem hat Apple-CEO Tim Cook den Verkauf von einer Milliarde iPhones verkündet. Er sagte: „iPhone ist zu einem der wichtigsten und erfolgreichsten Produkte in der Geschichte geworden und hat die Welt verändert. Es ist mehr als nur ein ständiger Begleiter. iPhone ist ein fester Bestandteil unseres täglichen Lebens und ermöglicht vieles von dem, was wir den ganzen Tag machen.“
Zeit also sich zu erinnern, wie die Zeit vor dem iPhone war. Ich schleppte damals viele viele Geräte zu einem Termin mit. Heute trage ich viel leichter und fühle mich als mobiler Journalist mit dem iPhone im Zentrum meiner Arbeit.
Als ich vor neun Jahren in der Keynote auf der Macworld Expo in San Francisco saß auf der Steve Jobs damals das iPhone präsentierte, erahnten wir irgendwie, was das auf uns zukommt. Nach der Revolution um den Personalcomputer und des iPods erfand das Apple das Telefon neu. Jobs kündigte es im Stile von 2001 an und er hat Recht behalten. Es kam zu einem neuen Abschnitt in der Technikgeschichte, die unser Leben veränderte. Das iPhone war schlichtweg eine Revolution.
Wir saßen nach der Keynote mit Kollegen beim Kaltgetränk zusammen und darunter war auch ein Manager eines bekannten Handyherstellers (Firma spielt Rolle). Er verabschiedete sich kurz von unserer Runde, um mit Verantwortlichen seiner Firma zu telefonieren. Ich stand neben ihn und bekam nur zwei Sätze mit: „Da muss ein Computerhersteller kommen und uns zeigen, wie man ein Telefon baut.“ Und der zweite Satz war (sorry für die Sprache): „Da hat uns Apple richtig in den Arsch getreten.“ Dann kam der Kollege zu uns zurück an den Tisch und betrank sich.

Smartphone-Spiel in der Schule
In meinem Schulungen zur Medienkompetenz mache ich bei Grundschülern und Unterstufenschüler ein Spiel. Das ist die Generation, die eine Welt vor dem Smartphone nicht kannte. Ich frage die Schülerinnen und Schüler, welche Geräte das Smartphone ersetzt hat und es kommt eine ganze Menge zusammen: Kalender, Wecker, Taschenrechner, Taschenlampe, Fotoapparat, Videokamera, Kompass, Spielkonsole, Brief, MP3-Player, Wetterbericht und viele, viele mehr.
Die Kinder haben ihre Smartphone immer dabei, es ist ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens geworden. Und die Kinder kennen auch den Spruch ihrer Eltern: „Leg halt endlich das Smartphone weg!“ Eltern, die noch in einer anderen Zeit aufgewachsen sind und damals sozialisiert wurden. Durch das Smartphone ist eine Zeitenwende bei den Mediennutzung eingetreten. Apple hat mal wieder die Welt revolutioniert und ich bin gespannt, ob die Revolution weitergeht.

Umgang mit Videospielen – Meine Schlüsse nach dem Amoklauf in München

24. Juli 2016

Ich bin seit Jahren mit dem Thema Medienkompetenz in Vorträgen vor Schülern, Lehrern und Eltern unterwegs. Nach dem Amoklauf in München setzt wieder die Debatte um die Killerspiele ein. Auf dem Rechner des Täters wurden solche Spiele gefunden. Ich höre aus dem Netz wieder Rufe nach einem Verbot solcher Spiele. Ich rufe zurück: Informiert euch und lernt Medienkompetenz.
In einem ZDF Spezial „Amoklauf in München – Eine Stadt im Ausnahmezustand“ wurde Bundesinnenminister Thomas de Maizieres vom ZDF-Moderator Matthias Fronoff interviewt. Vielen Dank an Patrick Heyer @patthemav für den Link. Der Moderator Fronoff gibt die Vorlage nach der Frage zu „gewaltlastigen Computerspielen“. Die Ursache sei nicht zu belegen, aber eine Verrohung liegt nahe. Er fragte den Minister: „Wollen Sie ran an dieses Thema?“

Bundesinnenminister Thomas de Maizieles im ZDF Interview.

Bundesinnenminister Thomas de Maizieles im ZDF Interview.

Bundesinnenminister Thomas de Maizieres forderte in diesem Interview kein Verbot solcher Spiele, wie jetzt immer wieder aus dem Netz zu hören ist. Bundesinnenminister Thomas de Maizieres antwortete eindeutig. „Ich beobachte seit längerem mit Sorge die Verrohung der Gesellschaft. … Es ist eine Hasssprache eine Beleidigung eingezogen, insbesondere auch im Internet, die unserer Gesellschaft nicht gut zu Gesicht steht. So sind wir nicht und so wollen wir nicht sein. … Ich glaube, dass die extremen Gewaltspiele, die wir dort erleben, ob die nun Ursache sind oder Beschleuniger für solche Radikalisierungen und Gewaltexzesse ist mir fast schon egal. Aber wir müssen darüber reden, es ist kein gutes Spielmaterial für junge Menschen. Jetzt rufen alle nach einem Verbot. Das wird nicht gehen. Aber ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Internet, raus aus der Anonymität, den Namen sagen, unser Gesicht zeigen und mit Respekt miteinander umgehen. Das ist etwas, was uns nach solchen Tagen beschäftigen muss.“

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Mit der Debatte über Medienkompetenz stimme ich mit dem Bundesinnenminister Thomas de Maizieres überein und stehe zur Verfügung. Das ist aktive Gesellschaftspolitik. In meinen Vorträgen über den Umgang mit Videospielen erkläre ich: „Videospiele sind heute ein Leitmedium der jungen Generation!“ Mit dieser Aussage konfrontierte ich beispielsweise Eltern und Schüler des Gymnasiums Münchberg. Die Regionalbeauftragte für Oberfranken der Hanns Seidel Stiftung Sabine Habla hatte in Kooperation mit dem Gymnasium zu Vorträgen geladen und über 200 Eltern und Schüler folgten der Einladung.

Videospiele bestimmen das Freizeitverhalten
Videospiele bestimmen das Freizeitverhalten der Jugendlichen in einem hohen Maß.. Ich selbst begann in seiner Jugend mit dem Atari 2600 und steift heute durch die Welt der Spiele. Während früher die Welten getrennt waren, wächst heute alles zusammen. Wir haben eine Vermischung der Medien, die Konvergenz nimmt zu und dadurch auch die Mediennutzung in der Gesellschaft. Wichtigstes Device ist sicherlich das Smartphone, das die Mediennutzung revolutioniert hat. Wir haben das Smartphone immer und überall dabei – und als Zeitvertreib werden Spiele-Apps am Smartphone stark genutzt. Aber auch Streaming-Angebote wie Apple TV oder Amazon Fire TV setzen nicht nur auf das Ausstrahlen von Filmen, sondern auch auf das Laden von Spielen.
Vor allem durch YouTube als zweitwichtigstes soziales Netzwerk verbreiten sich Spiele bei der jungen Zielgruppe rasant. YouTuber wie Gronkh haben mit ihren Let’s play-Videos riesigen Erfolg. Dabei kennt kaum ein Erwachsener die Namen wie Gronkh, Dner, PietSmiet, Sarazar, ungespielt, GermanLetsPlay, ConCrafter, Rewinside, GommeHD oder Paluten. „Hier haben sich Eltern von der Mediennutzung ihrer Kinder völlig entkoppelt, „stelle ich klar und mahne Medienkompetenz bei Eltern und Schülern an.
Zudem sind Videogames heute ein offizieller Beitrag zur Kultur. „Videogames sind junge künstlerische Ausdrucksform, die eine Fusion aus Musik, Film und Literatur bilden, ergänzt um interaktive Elemente. Damit gebührt Videospielen der Platz als gleichberechtigte Säule im kulturellen Kanon unserer Gesellschaft“, so ein Leitsatz der Vereinigung Videospielkultur e.V. Videospiele haben seit 2008 einen festen Platz im Deutschen Kulturrat. Zur Begründung hieß es, die Branche sei Auftraggeber für Künstler unterschiedlicher Sparten wie Designer, Drehbuchautoren bis hin zu Komponisten. Drehbuchautoren, die früher die Grundlagen für Kino-Filme lieferten, schreiben jetzt Drehbuch für Videospiele und Filmmusiker, die früher Filmmusik für Kinoschlager produzierten, schaffen nun die Musik für Videospiele. Klar sei aber auch, nicht jedes Spiel sei ein wertvoller kultureller Beitrag, ebenso wie nicht jedes Musikstück ein Beitrag zur Hochkultur sei.
In 40 Jahren haben Videospiele die Populärkultur beeinflusst, wie kaum eine andere Kunstform des 20. Jahrhunderts. Markennamen wie Mario, GameBoy, Lara Croft oder Pokémon kennen heute viele und sind mit ihnen groß geworden. „Videospiele zählen kulturell als auch ökonomisch zu den bedeutendsten Medientrends des 21. Jahrhunderts“ zitier ich den heutigen Leiter der BLM Siegfried Schneider.

Eltern müssen hinsehen
Bei all der Eurphorie müssten aber Eltern genau hinschauen, was ihre Kinder spielen. Der Bereich der Egoshooter sei extrem populär. Counter Strike sei nach wie vor ein Klassiker und werde bei eSports-Veranstaltungen als Wettbewerbsspiel gespielt. Vor 15 Jahren war das Gymnasium Münchberg in den Medien als ein Schüler online Maps für Counter Strike vom Gymnasium bereit stellte. Hier hört für mich der Spaß auf. Ich brauche keine Maps von der Schule, um dann dort einen Ego-Shooter zu spielen. Klar ist aber auch: Nicht jeder der Counter Strike spielt, ist ein potenzieller Massenmörder.
Starken Eindruck auf die Eltern machte die nächste Generation von Spielen, die über VR Brillen gespielt werden. Brillen wie Samsung VR, Sony VR für PS4, Microsoft Hololens oder das Highend-Modell Oculus Rift werden das Spiel in eine neue Dimension tragen. Der Spieler taucht durch die Brille voll in die Spielewelt ein. Ablenkungen wie sie heute noch möglich sind, werden ausgeblendet. Das Spielerlebnis wird gesteigert und auch die Gefahr sich in der virtuellen Spielewelt zu verlieren. Es gilt jetzt mehr denn je genau hinzuschauen. Ich rufe besonders die Schüler auf, ein Auge auf Mitschüler zu achten. Spielsucht ist eine ernstzunehmende Krankheit.

Merkmale von Spielsucht
Die Merkmale von Spielsucht sind vielfältig. Die Nutzung von Spielen wird immer häufer, länger und intensiver und die realen Freundschaften brechen immer mehr weg. Die Beziehungskontakte werden ausschließlich virtuell und die Leistungsfähigkeit in Schule und Beruf nehmen rapide ab. Ein weiteres Kennzeichen: Wenn das Spielgerät nicht zur Verfügung steht, dann treten innere Unruhe, Depressionen und Aggressionen auf. Es kommt zum ständigen Streit zwischen den Angehörigen über die Nutzung des Spielgeräts und trotz negativer Konsequenzen ändert sich nichts am Verhalten.
Damit es nicht soweit kommt, empfehle ich: Sprechen Sie mit Ihrem Kind im Vorfeld. Informieren und interessieren Sie sich, was Ihr Kind spielt. Und spielen Sie doch einfach mal mit. Hinweise wie Altersfreigabe und klare Regeln sind eigentlich selbstverständlich. Aber auch: Bieten Sie Alternativen und seien Sie als Erwachsene ein Vorbild.

Pokemons als Teil des digitalen Lebens

21. Juli 2016

Seit 13. Juli bin ich Pokemon-Jäger. Ja, ich bin auch seit dem ersten Update von PokemonGo in Deutschland dabei. Ich kann nicht Woche für Woche über Medienkompetenz und Spiele referieren und die kleinen Monster nicht gejagt haben. Dabei stehen mir K1 und K2 als langjährige Pokemon-Experten zur Seite, um mich in die Thematik schneller einzuarbeiten. Von Kindern lernen, heißt in diesem Fall siegen lernen.

Während ich blogge, kommt ein Pokemon vorbei und sagt Grüß Gott.

Während ich blogge, kommt ein Pokemon vorbei und sagt Grüß Gott.

Die Sache macht Spaß, soviel steht fest. Und soviel habe ich mich lange schon nicht mehr bewegt. Die Gattin und ich (beide Pokemon-Jäger) sind freiwillig am Samstag zum Bäcker gegangen, um auf den Weg ein paar Monster zu sammeln. Sonst ist es eine Familiendiskussion, wer denn zum Bäcker geht. Interessant ist, dass wir in der Schlange beim Bäcker auch einen Pokemon-Jäger getroffen haben. Wir kannten uns nicht, kamen aber gleich ins Gespräch. Pokemon-Jäger sind gesellige Typen. Leider war am Samstag auch der Zusammenbruch der Server, so dass die Ausbeute des Tages eher gering war.

Pokestop bei der Eisdiele
Bei uns am Dorf sind Pokemons eher spärlich, aber ich hab selten so viele Jugendliche unterwegs getroffen: Alle mit Smartphones in der Hand und auf der Suche nach Pokemons. Wir sind auf dem Dorf auch nicht gerade gesegnet mit Pokestops. Vor der örtlichen Eisdiele Alberto ist einer und dort trifft man sich und munitioniert sich mit Pokebällen auf. Eisdealer Alberto weiß wahrscheinlich gar nicht, welches Glück er mit diesem Pokestop hat, der ihm jugendliche Kundschaft bringt. Ich habe auch einen Espresso getrunken und gewartet, dass der Pokestop wieder Bälle bereit stellt. Der Pokestop ist ein klarer Wettbewerbsvorteil im Einzelhandel. Apropos Pokestop: Meine Gattin hat genau vor ihrem Büro in München einen Pokestop und kann den ganzen Tag sammeln, sammeln, sammeln – die Welt ist ungerecht. Sie braucht nur Himbeeren als Lockmittel ausstreuen und die Pokemons kommen von selbst. Vielleicht werde ich ein paar Tage bei meiner Frau im Büro verbringen.

PokemonGo auf Basis von Ingress
Ich habe die App geladen als ich in Italien im Kurzurlaub war. Es war ein kleines Dorf in Südtirol und auf dem Dorfplatz das gleiche Phänomen. Die Menschen kommen zusammen und jagen Pokemons. Wir kommen ins Gespräch, lachen und freuen uns. Was gibt es denn Schöneres? Und wenn Kommunikation nur über doofe japanische Pokemons zustande kommt, es ist gut, wenn Menschen miteinander reden.
Als alter Ingress-Fan kenne ich die Portale. Niantic steckt hinter PokemonGo und hat zuvor mit Ingress einen Coup geladen. Allerdings stelle ich auch fest: Seitdem PokemonGo auf dem Markt ist, kämpfen weniger Leute in Ingress. Das Portal am örtlichen Bahnhof halte ich schon verdächtig lange. Wahrscheinlich sind viele Ingress-Spieler jetzt zu PokemonGo abgewandert.

Fotos von Pokemons
Ich mache mir einen persönlichen Spaß und schieße einige Fotos von Pokemons in freier Natur. K1 machte mich auf die Fotofunktion in der App aufmerksam und wenn es interessante Motive gibt, dann drücke ich ab. Und ich setzte Pokemons als Marketing für meine Kunden ein. Vor kurzem fand ein Vorentscheid eines Barber-Wettbewerbs statt. Der German Barber Award wird auf der HAARE 2016 in Nürnberg ausgetragen und mein Kunde, der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks, organisiert diese wichtige deutsche Friseurmesse mit. Beim Vorentscheid sind einige Pokemons in dem Barber-Salon aufgetaucht und ich habe sie über die entsprechende Facebookseite des Verbandes gepostet und siehe da, es kommen Likes.

Pokemons im Marketingeinsatz für einen Kunden.

Pokemons im Marketingeinsatz für einen Kunden.

Also mache ich immer wieder Pokemons ein paar Fotos – nicht als Siegestrophäe, sondern als Unterhaltung. Hier eine kleine Auswahl: Pokemons am Zebrastreifen, bei der Kaffeemaschine, in der S-Bahn, im Schaufenster, am Stachus in München, am Isator, bei uns im Garten, auf meiner Tastatur, im Auto. Und ja, natürlich achte ich auf den Verkehr. Das habe ich beim Walkman in den achtziger Jahren gemacht und natürlich weiß ich, wann Schluss ist. Und auch die Kinder lernen es – es nennt sich Medienerziehung.


Pokemons sind überall. Aber hier muss Niantic nachbessern. Es gibt viel Kritik und Verbesserungsvorschläge bei Pokemon Go, wie Server- und App-Stabilität. Aber manche Orte sollten von Pokemon Go ausgespart bleiben. In den Medien wurden Konzentrationslager genannt. Hier brauche ich wirklich nicht auf die Jagd nach Pokemons gehen. Ich selbst hab es an verschiedenen sensiblen Orten ausprobiert. Zum Beispiel in der örtlichen Kirche und dem anstehenden Friedhof. Vor dem Firmgottesdienst tauchte ein Pokemon im Gotteshaus auf, kurz bevor der Weihbischof seinen Einsatz hatte. Und beim Besuch des Friedhofs erschien ein anderes Pokemon zwischen den Gräber. Natürlich bin ich selbst Schuld, denn ich sollte an diesen Orten das Smartphone ausschalten, aber ich wollte es testen. Hier sollte Niantic No-Go-Zonen errichten, sie nutzen ja die Datenbasis von Google und somit sollte es möglich sein, solche Orte zu identifizieren.

Medienkompetenz: Für mich ist das Glas eher halb voll als halb leer

4. April 2016

Ich freue mich immer wieder, wenn ich positiv in Presse, Funk und Fernsehen erwähnt werde. Im vergangenen Monat durfte ich in Oberfranken einige Vorträge zum Thema Medienkompetenz und Videogames halten. Im Vorfeld der Vorträge gab ich der Frankenpost, das ist die örtliche Tageszeitung in der Region Münchberg, ein ausführliches Interview. Ganz herzlichen Dank dafür. Das Interview erschien mit einer halben Seite und ich wurde bei den Vorträgen immer wieder auf das Interview angesprochen. Ich habe hier mal das Interview in meinem Blog veröffentlicht.

Eine halbe Seite Interview mit mir - coole Sache und vielen Dank.

Eine halbe Seite Interview mit mir – coole Sache und vielen Dank.

Herr Lange, empfinden Sie die zunehmende Digitalisierung der Welt als bedrohlich oder sehen Sie im technischen Fortschritt in erster Linie eine Chance?
Für mich ist das Glas eher halb voll als halb leer. Neugierde war und ist immer eine Triebkraft des Menschen, sonst würden wir heute noch in der Steppe leben. Ich halte es mit dem großen Douglas Adams: Was erfunden wird, bis man etwa 30 Jahre alt ist, wird als große Chance empfunden. Und alle Neuerungen und Trends, die nach dem 30. Geburtstag entstehen, nimmt der Mensch als Bedrohung wahr – und als sicheres Zeichen für den Niedergang der Kultur.

 

Gemäß einer Bitkom-Umfrage aus dem Jahr 2015 besitzen 85 Prozent der 12- bis 13-Jährigen in Deutschland ein Smartphone. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie diese Zahl hören?
Die digitale Welle kommt auf uns zu. Die ersten Ausläufer sind bereits da. Das Smartphone hat die Welt verändert und tut es. Viele Geräte wurden durch das Smartphone ersetzt: Kamera, Kalender, Wecker, Radioapparat, mp3-Player, Taschenrechner, Navi, Taschenlampe und es geht weiter. Die Zeitungsbranche hat sich verändert, die nächste Branche ist der Einzelhandel. Wir müssen uns als Gesellschaft auf diese digitale Welle vorbereiten. Nicholas Negroponte als er Chef vom MIT erklärte schon 1995: „move bits, not atoms!“ – Alle Waren und Dienstleistungen, die digital erbracht werden können, werden künftig digital erbracht.
Was möchten Sie Kindern und Jugendlichen vermitteln, wenn Sie Vorträge an Schulen halten?
Sie sollen sich bewusst werden, was um sie herum geschieht. Sie sollen die Veränderung begreifen und ihre Chance für sich und ihr Leben ergreifen. Viele der neuen Techniken sind faszinierend – beinhalten positive und negative Folgen. Plakativ sage ich: Leute, schaltet euer Hirn ein.
Was möchten die Schüler von Ihnen zum Thema Medien wissen? Wo liegen ihre Ängste und Hoffnungen?
Das ist natürlich altersabhängig. Das Thema Schutz der Privatsphäre zieht sich durch die Fragen. Immer wieder wollen die jungen Menschen wissen, wie sich die Welt verändert und wie sie sich auf die Herausforderungen einstellen können. – Und ein paar wollen auch ganz einfach nur ein paar Spieletipps.

 

Würden Sie Eltern raten, strikt zu kontrollieren, was der Nachwuchs an Smartphone, PC, Tablet und Co treibt, oder plädieren Sie eher dafür, die Kinder – ganz liberal – einfach mal machen zu lassen?

Extreme Positionen sind falsch. Kinder brauchen Grenzen und testen Grenzen aus. Es wäre wichtig, dass Eltern ihren Erziehungsauftrag annehmen und sich mit ihren Kindern beschäftigen und die Kinder nicht mit Geräten abschieben. Dazu gehört Medienkompetenz auch für die Eltern, nur so können sie diese an ihre Kinder weitergeben. Wer heute ein Kind erzieht, muss ihm nicht nur gutes Benehmen beibringen, sondern auch den Umgang mit neuen Medien vermitteln.
Finden Sie Restriktionen wie Internet- und Handyverbote sinnvoll?
Wichtig ist, dass jeder in der Familie weiß, wo sich der Ausknopf befindet. Es hat sich bewährt, dass die Familie gemeinsam Familienregeln aufstellt und einhält. Zu Regeln gehören natürlich auch Sanktionen.
Was halten Sie von Computer und Videospielen? Kulturgut oder Trash? Harmloser Zeitvertreib oder gefährliches Laster mit Suchtpotenzial?
Videospiele sind junge künstlerische Ausdrucksform, die eine Fusion aus Musik, Film und Literatur bildet, ergänzt um interaktive Elemente. Damit gebührt Videospielen der Platz als gleichberechtigte Säule im kulturellen Kanon unserer Gesellschaft. Aber nicht jedes Videospiel ist ein Kulturgut, so wie nicht jedes Buch oder Musikstück automatisch ein Kulturgut darstellt. Aber es gilt auch: Computerspielsüchtige verdrängen die Realität und suchen Erfolge im Internet. Nicht Jeder der viel spielt ist süchtig, aber wenn man kaum noch Kontakte hat, wird es problematisch. Oftmals werden reale Probleme verdrängt.
Medienkompetenz ist ein weitreichender Begriff. Wie würden Sie ihn definieren?
Medienkompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend sachkundig zu nutzen.
Wen sehen Sie in der Pflicht, wenn es um die Vermittlung von Medienkompetenz geht? Die Schule oder das Elternhaus? Was kann welche Sozialisierungsinstanz leisten?
Die Mediennutzung durchdringt unser gesamtes Leben. Damit sind alle, die an der Erziehung von Kindern und Jugendlichen mitwirken auch bei der Vermittlung von Medienkompetenz gefragt. Es beginnt in der Familie und muss sich in der Schule fortsetzen.
Wie ist es um die Medienkompetenz der Eltern bzw. der Lehrer selbst bestellt? Sehen Sie hier Nachholbedarf?
Ja.

Was treibt immer mehr junge Menschen in die sozialen Netzwerke?
Kommunikation ist ein Grundbedürfnis des Menschen.

Es ist eine weitverbreitete Meinung, dass durch die ständige Kommunikation per Chat und SMS Sprachschatz und Kommunikationsvermögen der Jugend verarmen. Teilen Sie diese Ansicht?
Sprache verändert sich. Sprache ist im Fluß. Viele Erwachsenen sind mit einem Roman von Thomas Mann überfordert. Aber wir müssen zwischen gesprochener Sprache und computergestützte Kommunikation unterscheiden.
Wer private Informationen und Fotos in den sozialen Netzwerken der Öffentlichkeit zugänglich macht, macht sich selbst gläsern – das ist hinlänglich bekannt. Setzen sich aber Kinder und Jugendliche auf Plattformen wie Facebook, Twitter, Instagram und Co besonderen Gefahren aus?
Durch soziale Netzwerke haben wir das erste Mal in der Geschichte der Menscheit einen Zugang zu einem Massenmedium. Wir sind Sender und Empfänger zugleich. Ein Klick kann eine Lawine ins Rollen bringen, positiv wie negativ. Es muss den Nutzern klar sein, dass sie ein Massenmedium und kein privates Medium bedienen. Zudem muss klar sein: Der Nutzer von sozialen Netzwerken ist nicht der Kunde, sondern das Produkt. Der Kunde von Facebook und Co ist die werbetreibende Wirtschaft.

Was können Erziehungsberechtigte tun, um ihr Kind zu schützen?
Sprechen, sprechen, sprechen, ein Vorbild sein und den Kindern bewusst machen, was dort passiert. Dazu gehört, dass Eltern sich mit den Entwicklungen beschäftigen. Angst war nie ein guter Ratgeber. Keine Mama und Papa würde sein Kind an eine sechsspurige Autobahn stellen und sagen: „Geh rüber und pass auf – wie es geht weiß ich auch nicht.“ Seltsamerweise machen wir genau das, wenn es um soziale Netzwerke geht.