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Podcast: Nah dran (4) „Verbessere dich“ – Dietmar Schmidt über Journalismus, Vertrauen in der Pressearbeit

1. Oktober 2026

Manche journalistischen Karrieren lassen sich anhand von Jahreszahlen erzählen. Andere erzählen zugleich ein Stück Zeitgeschichte. Bei Dietmar Schmidt ist beides kaum voneinander zu trennen. Im Podcast „Nah dran“ des PresseClubs München spricht Vorstandsmitglied Matthias J. Lange mit seinem Vorstandskollegen über ein langes Berufsleben zwischen Universität, Pressearbeit, Wissenschaftsjournalismus und PresseClub – und über eine journalistische Tugend, die sich durch das gesamte Gespräch zieht: Vertrauen.

Dietmar Schmidt wurde am 9. November 1939 in Mähren geboren. Seine ersten Erinnerungen sind geprägt von Krieg, Gefangenschaft und Vertreibung. 1945 geriet die Familie in tschechische Gefangenschaft, seine Eltern mussten Zwangsarbeit leisten. 1946 kam die Familie nach Deutschland. Schmidt erinnert sich noch an die Grenze und an die weißen Armbinden, die dort abgelegt werden durften. Es sind Erinnerungen eines Kindes an eine Zeit, die sich tief eingeprägt hat. Hier der Podcast des PresseClubs.

Nach Stationen in Franken und im Rheinland kam Schmidt 1959 zum Studium nach München. Zunächst begann er mit Chemie, wechselte jedoch bald zu Geschichte, Politischer Wissenschaft und der damaligen Zeitungswissenschaft. Der Weg in die Kommunikation zeichnete sich ab – auch wenn er zunächst anders geplant war.

1968 begann schließlich ein Berufsleben, das eng mit der Ludwig-Maximilians-Universität München verbunden werden sollte. Sein Doktorvater empfahl ihm, sich auf die neu geschaffene Stelle eines Pressereferenten zu bewerben. Schmidt bekam den Job. Aus dem jungen Akademiker wurde einer jener Männer, die Hochschulkommunikation in Deutschland überhaupt erst als professionelles Arbeitsfeld etablierten.

Der Zeitpunkt hätte kaum spannender sein können. Die Studentenbewegung erreichte die Universität, Hörsäle wurden besetzt, Senatssitzungen gesprengt, politische Auseinandersetzungen bestimmten den Alltag. „Es waren wilde Jahre“, erinnert sich Schmidt. Und er stand mittendrin.

Damals war er gerade 28 Jahre alt. Bei studentischen Veranstaltungen geriet er sogar unter Verdacht, ein „Polizeispion“ zu sein, und wurde von Studenten eingekesselt. Gleichzeitig musste er versuchen, die Position der Universität gegenüber einer kritischen Öffentlichkeit zu vermitteln.

„Es war zu Beginn ganz klar Pressearbeit“, sagt Schmidt. Dabei ging es ihm nicht nur darum, den Standpunkt der Universität zu verbreiten. Entscheidend war für ihn, Informationen einzuordnen und Sachverhalte richtigzustellen: „Da musste man natürlich schon schauen, dass man sozusagen das, was stimmt, versucht unter die Leute zu bringen.“

Die Bedingungen dieser frühen Hochschulkommunikation erscheinen aus heutiger Sicht beinahe abenteuerlich. Schmidt begann „mit einer halben Sekretärin in einem kleinen Kämmerchen“. Selbst eine elektrische Schreibmaschine war keine Selbstverständlichkeit.

Im Frühjahr 1969 gehörte er zu den Gründern des Arbeitskreises der Hochschulpressestellen in Deutschland. Gerade einmal sieben hauptberufliche Pressereferenten deutscher Universitäten kamen damals zusammen. Für Schmidt zeigt diese Zahl eindrucksvoll, welchen Stellenwert Hochschulkommunikation zu jener Zeit besaß – und wie grundlegend sich das später verändern sollte.

Aus der klassischen Pressestelle entwickelte sich über Jahrzehnte eine professionelle Hochschulkommunikation. Interne Medien kamen hinzu, Wissenschaftskommunikation gewann an Bedeutung, neue Kanäle entstanden. Kommunikation wurde schließlich zur strategischen Aufgabe der Hochschulleitungen.

Doch Technik und Organisationsstrukturen waren für Schmidt nie das Entscheidende. Pressearbeit lebte für ihn vor allem von persönlichen Beziehungen.

Zu den Journalistinnen und Journalisten der Münchner Medienlandschaft pflegte er einen engen Kontakt. Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Abendzeitung, Rundfunk – man kannte sich. Und man wusste, was man voneinander erwarten konnte.

„Die wussten, dass ich sie nicht belüge“, beschreibt Schmidt dieses Verhältnis mit einem bemerkenswert einfachen Satz. Ebenso wichtig sei gewesen, den Journalisten Hilfestellung zu geben und manchmal einen Hinweis auf eine interessante Geschichte.

Vertrauen war die eigentliche Währung.
Dabei konnte es durchaus turbulent werden. Die Universitätskliniken gehörten zeitweise ebenfalls zu seinem Verantwortungsbereich. Erste Herztransplantationen, Herz-Lungen-Transplantationen, prominente Patienten oder Mehrlingsgeburten sorgten für enormes Medieninteresse. Schmidt erzählt von Pressekonferenzen auf Parkplätzen, von Reportern, die sich mit Blumensträußen Zugang zu Patientenzimmern verschaffen wollten, und von Fotografen, die gegenüberliegende Dächer erklommen, um einen Blick durch Klinikfenster zu erhaschen.

Geschichten aus einer Medienwelt, die technisch weit von der heutigen entfernt scheint – und in manchen Mechanismen doch erstaunlich vertraut wirkt.

Eine zentrale Herausforderung war schon damals die Vermittlung komplizierter Wissenschaft. Wie erklärt man Forschung so, dass Journalisten und Öffentlichkeit sie verstehen können, ohne sie bis zur Unkenntlichkeit zu vereinfachen?

Schmidt entwickelte dafür einen bemerkenswert pragmatischen Ansatz. Eine freie Mitarbeiterin wählte er einmal ganz bewusst aus, weil sie zuvor nichts mit Wissenschaft zu tun gehabt hatte und aus der Modebranche kam. Seine Überlegung: Wenn man ihr ein wissenschaftliches Thema verständlich erklären konnte, konnte sie es anschließend auch anderen verständlich machen.

Bei aller Kommunikation blieb Schmidt die Trennung zwischen Pressearbeit und PR wichtig. Er bestand darauf, dass seine Abteilung „Pressereferat“ hieß. Der Weg über unabhängige und durchaus kritische journalistische Multiplikatoren war für ihn entscheidend. PR beschreibt er zugespitzt mit den Worten: „Wir sind schön, wir sind gut und wir sind besonders toll.“

Sein Verständnis von Pressearbeit war ein anderes: informieren, erklären, vermitteln – und dabei aushalten, dass Journalisten ihre eigenen Fragen stellen.

Diese Haltung führte Schmidt auch zur TELI, der Technisch-Literarischen Gesellschaft. Die traditionsreiche Organisation für Wissenschafts- und Technikjournalismus entstand in einer Zeit, als Pressestellen noch „literarische Büros“ genannt wurden. Schmidt war lange Vorsitzender der Münchner Gruppe. Die TELI hatte einst mehrere hundert Mitglieder, organisierte regelmäßige Veranstaltungen und brachte Wissenschaft, Wirtschaft und Journalismus miteinander ins Gespräch.

Heute blickt Schmidt mit einer gewissen Wehmut auf diese Entwicklung. Viele Funktionen solcher Vereinigungen haben sich durch digitale Medien verändert. Vorträge und Fachinformationen sind jederzeit online verfügbar, Kommunikationswege haben sich vervielfacht. Dennoch hält er seriöse Wissenschaftskommunikation keineswegs für überholt. Im Gegenteil.

„Es kommt immer auf den Weg an, den eine Nachricht nimmt“, sagt Schmidt. Wissenschaft brauche weiterhin ausführliche Formen, aber ebenso kurze Formate für Menschen, die keine langen Fachtexte lesen. Print, Fernsehen, Blogs und soziale Medien können dabei unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Auch der PresseClub München ist für Schmidt seit Jahrzehnten ein solcher Ort der Kommunikation. Seit den frühen 1970er Jahren gehört er dem Club an, seit vielen Jahren engagiert er sich im Vorstand beziehungsweise Beirat.

Ursprünglich sei er in den PresseClub gegangen, um Menschen kennenzulernen, Kontakte aufzubauen und sich beruflich auszutauschen. Der Netzwerkgedanke stand im Mittelpunkt.

Der PresseClub selbst hat sich seitdem grundlegend verändert. Früher war er nicht nur Veranstaltungsort, sondern Arbeitsstätte für Journalisten. Hier konnte man Texte schreiben und Nachrichten übermitteln. Bar und Sitzecken machten ihn zugleich zum Treffpunkt einer Branche.

Heute sitzt der PresseClub direkt am Marienplatz, gegenüber dem Münchner Rathaus. Die technische Funktion des Clubs ist weitgehend verschwunden – ein Smartphone reicht längst für viele Arbeiten aus. Umso wichtiger bleibt seine andere Funktion: Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Ein Thema liegt Dietmar Schmidt dabei besonders am Herzen: der Herwig-Weber-Preis.
Herwig Weber war Münchner Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Vorsitzender des PresseClubs. Schmidt beschreibt ihn als Journalisten, der „sehr liebevoll, sehr sachkundig“ über München schrieb. Nach Webers frühem Tod entstand Anfang der 1970er Jahre die Idee, mit einem Journalistenpreis an ihn zu erinnern.

Bis heute soll der Preis journalistische Arbeiten würdigen, die München nicht nur als touristische Kulisse betrachten, sondern sich mit dem tatsächlichen Leben der Stadt beschäftigen – mit seinen schönen und schwierigen Seiten, seinen Menschen, Konflikten und Besonderheiten.

Das Spektrum ist bewusst weit. Reportage, Bericht, Audio, Video oder Online-Beitrag können berücksichtigt werden. Entscheidend ist etwas anderes.

„Wir achten vor allen Dingen auf Qualität“, sagt Schmidt. „Es muss journalistisch gut geschrieben sein, es muss eine saubere Recherche sein. Und man muss es mit Freuden lesen können.“

Und vor allem muss München wirklich eine Rolle spielen. Eine Geschichte, die genauso gut in Hamburg oder Berlin spielen könnte, reicht nicht. „Es muss spezifisch München sein.“

Schmidt gehört seit vielen Jahren der Jury an. Das Verfahren ist gründlich: Beiträge werden auf mehrere Jurymitglieder verteilt, diskutiert, erneut gelesen und schrittweise ausgewählt. Gerade Nachwuchsjournalisten sollen dabei eine Chance erhalten. Volontäre und Journalistenschüler wurden in der Vergangenheit bewusst berücksichtigt.

Für Schmidt kann eine solche Auszeichnung gerade am Beginn einer Karriere wichtig sein. Ein Journalistenpreis im Lebenslauf kann Türen öffnen und Mut machen.

Doch die Zukunft des Herwig-Weber-Preises ist nicht selbstverständlich. Die Finanzierung bereitet zunehmend Schwierigkeiten. Für die kommende Preisvergabe konnte erstmals die FAZ-Stiftung als Unterstützer gewonnen werden. Schmidt macht zugleich deutlich, dass eine dauerhaftere finanzielle Basis notwendig ist, wenn der traditionsreiche Preis langfristig bestehen soll. 2027 soll er auf jeden Fall wieder verliehen werden.

Vielleicht liegt gerade darin eine Parallele zwischen dem Preis, dem PresseClub und dem Journalismus selbst. Alle drei müssen sich verändern, ohne ihren Kern aufzugeben.

Denn die Werkzeuge haben sich längst gewandelt. Auf Schreibmaschine und Fernschreiber folgten Computer, Smartphone, soziale Netzwerke und inzwischen Künstliche Intelligenz. Nachrichten verbreiten sich heute in Sekunden. Wissenschaftler können ihre Öffentlichkeit selbst erreichen. Journalisten konkurrieren mit Blogs, Plattformen, Influencern und Algorithmen.

Was aber bleibt?
Am Ende des Gesprächs stellt Matthias J. Lange seinem Gast eine persönliche Frage. Dietmar Schmidt hat Herwig Weber selbst nie kennengelernt. Doch welchen Rat, so die hypothetische Frage, würde dieser erfahrene Journalist heute wohl einem jungen Kollegen geben?

Schmidt muss nicht lange über journalistische Werkzeuge, Plattformen oder Reichweiten sprechen. Seine Antwort besteht aus zwei Worten: „Verbessere dich.“

Es ist ein bemerkenswert schlichtes Schlusswort nach einem Berufsleben, das von Schreibmaschinen über Fernschreiber und Pressekonferenzen bis zur digitalen Kommunikation reicht.

Vielleicht steckt darin tatsächlich vieles von dem, was guten Journalismus ausmacht: neugierig bleiben, genau hinschauen, sauber recherchieren, verständlich schreiben, Kritik aushalten und niemals glauben, dass man schon alles kann. Die Technik verändert sich. Diese Haltung nicht.

Zwischen Bierfass und Wiesn-Geschichte – der PresseClub München zu Gast im Bier- und Oktoberfestmuseum

21. September 2026

Wer München verstehen will, kommt am Bier nicht vorbei. Und wer verstehen möchte, warum das Oktoberfest weit mehr ist als eine riesige Veranstaltung mit Festzelten, Maßkrügen und Fahrgeschäften, sollte einen Blick in die Vergangenheit werfen. Genau das tat der PresseClub München bei einer Exkursion durch das Bier- und Oktoberfestmuseum. Mitten in der Münchner Altstadt führte die Reise durch Jahrhunderte bayerischer Bierkultur und mehr als zwei Jahrhunderte Wiesn-Geschichte.

Schon der Ort selbst ist ein Erlebnis. Das Museum befindet sich in einem historischen Bürgerhaus in der Sterneckerstraße 2, nur wenige Schritte vom Isartor entfernt. Wer das Gebäude betritt, merkt schnell, dass hier kein steriler Museumsneubau auf seine Besucher wartet. Enge Treppen, alte Balken, niedrige Räume und verwinkelte Gänge schaffen eine Atmosphäre, in der die Geschichte beinahe körperlich spürbar wird. Das Haus gehört zu den älteren erhaltenen Bürgerhäusern Münchens und bildet damit einen geradezu idealen Rahmen für die Geschichte des Münchner Bieres. Hier das Video von der Exkursion.

Für die Mitglieder des PresseClubs München war die Führung deshalb mehr als ein klassischer Museumsbesuch. Sie wurde zu einem Streifzug durch Münchner Stadt-, Alltags- und Wirtschaftsgeschichte. Denn Bier war über Jahrhunderte nicht einfach nur ein Getränk. Es war Lebensmittel, Handelsware, Steuerquelle, Wirtschaftsfaktor und nicht zuletzt ein wichtiger Bestandteil gesellschaftlicher Begegnung.

Bier erzählt Stadtgeschichte
Die Ausstellung macht deutlich, wie eng die Entwicklung Münchens mit seiner Braukultur verbunden ist. Brauereien prägten das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt. Wirtshäuser waren Treffpunkte, Kommunikationsorte und bisweilen auch politische Räume. Hier wurde gegessen, getrunken, diskutiert und gestritten. Nachrichten wurden ausgetauscht, Geschäfte angebahnt und Meinungen gebildet.

Gerade für Journalistinnen und Journalisten besitzt diese Seite der Wirtshauskultur einen besonderen Reiz. Lange bevor Nachrichten über Smartphones, soziale Netzwerke und Nachrichtenticker verbreitet wurden, waren Gasthäuser wichtige Orte der mündlichen Kommunikation. Wer wissen wollte, was in der Stadt geschah, konnte dort einiges erfahren. Stammtische waren gewissermaßen soziale Netzwerke einer analogen Zeit – mit allen Vor- und Nachteilen.

Historische Objekte, Krüge, Flaschen, Werbemittel, Fotografien und Dokumente lassen im Museum die Welt der Münchner Brauereien wieder lebendig werden. Dabei wird auch sichtbar, wie sich das Erscheinungsbild des Bieres wandelte. Markenbildung und Werbung wurden zunehmend wichtiger. Aus lokalen Brauereien entstanden Unternehmen, deren Namen weit über München hinaus bekannt wurden.

Ein zentrales Thema ist natürlich das Bayerische Reinheitsgebot. Es steht bis heute wie kaum eine andere Vorschrift für die Wahrnehmung bayerischer Bierkultur. Die Ausstellung ordnet solche Traditionen in ihren historischen Zusammenhang ein und zeigt, dass hinter der Geschichte des Bieres immer auch Fragen nach Rohstoffen, Qualität, Herstellung, Handel und staatlicher Regulierung stehen.

Vom Hochzeitsfest zum größten Volksfest der Welt
Der zweite große Schwerpunkt des Museums widmet sich dem Oktoberfest. Seine Geschichte beginnt 1810 mit der Hochzeit des bayerischen Kronprinzen Ludwig, des späteren Königs Ludwig I., und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Die Feierlichkeiten endeten mit einem Pferderennen auf einer Wiese vor den Toren Münchens.

Der Ort trägt bis heute den Namen der Braut: Theresienwiese.
Aus einem einmaligen Fest entwickelte sich eine Tradition. Jahr für Jahr veränderte sich das Oktoberfest, wurde größer, professioneller und spektakulärer. Aus dem Pferderennen und Volksfest entstand schließlich jenes Ereignis, das heute weltweit mit München verbunden wird.

Das Museum zeigt anschaulich, dass die Wiesn niemals eine statische Veranstaltung war. Sie veränderte sich gemeinsam mit der Stadt und ihren Menschen. Neue technische Möglichkeiten beeinflussten die Fahrgeschäfte, elektrische Beleuchtung verwandelte das Festgelände, Schausteller entwickelten immer spektakulärere Attraktionen und die Bierzelte wuchsen zu gewaltigen Festhallen.

Historische Plakate, Fotografien, Krüge, Souvenirs und andere Erinnerungsstücke erzählen von dieser Entwicklung. Gerade diese scheinbar alltäglichen Gegenstände besitzen ihren besonderen Reiz. Ein alter Maßkrug oder ein vergilbtes Plakat ist eben nicht nur ein Objekt hinter Glas. Es ist ein Stück Erinnerung an Menschen, die vielleicht vor hundert Jahren über die Theresienwiese schlenderten, in einem Festzelt saßen oder sich von einer damals sensationellen Attraktion begeistern ließen.

Die Wiesn als Spiegel ihrer Zeit
Besonders interessant ist der Blick darauf, wie sehr das Oktoberfest gesellschaftliche Veränderungen widerspiegelt. Moden kamen und gingen, technische Innovationen hielten Einzug, politische und wirtschaftliche Entwicklungen hinterließen ihre Spuren. Kriege, Krisen und Epidemien führten immer wieder dazu, dass das Fest ausfallen musste. Und doch kehrte die Wiesn zurück.

Vielleicht liegt gerade darin ein Teil ihrer besonderen Bedeutung für München. Das Oktoberfest steht für Kontinuität und zugleich für ständige Veränderung. Jede Generation erlebt ihre eigene Wiesn und verbindet persönliche Erinnerungen mit ihr. Für die einen sind es bestimmte Fahrgeschäfte, für andere das erste Hendl, der Einzug der Wiesnwirte, eine besondere Begegnung im Festzelt oder schlicht der Moment, wenn man vom U-Bahnhof auf die Theresienwiese kommt und sich plötzlich mitten im Trubel befindet.

Das Museum bewahrt solche Erinnerungen, ohne die Wiesn lediglich nostalgisch zu verklären. Es dokumentiert, wie aus einem Münchner Fest ein internationales Ereignis wurde. Heute kommen Besucher aus aller Welt nach München, um ein Fest zu erleben, das längst zu einem globalen Symbol für Bayern geworden ist.

Ein Haus voller Geschichten
Der besondere Charme des Bier- und Oktoberfestmuseums entsteht dabei nicht allein durch seine Exponate. Das historische Gebäude selbst gehört zur Inszenierung. Es zwingt den Besucher geradezu, langsam zu gehen. Hinter der nächsten Tür wartet ein neuer Raum, nach einer schmalen Treppe eine weitere Perspektive auf die Geschichte.

Das passt wunderbar zum Thema. Schließlich entstand auch die Münchner Bier- und Oktoberfestkultur nicht nach einem großen Masterplan. Sie entwickelte sich über Jahrhunderte, wurde immer wieder verändert, erweitert und neu interpretiert.

Für die Mitglieder des PresseClubs München bot die Exkursion deshalb zahlreiche Geschichten hinter der großen Geschichte. Gerade Journalisten wissen, dass oftmals das kleine Detail den Zugang zu einem großen Thema eröffnet. Ein historisches Foto kann mehr über eine Epoche erzählen als lange Zahlenkolonnen. Ein alter Bierkrug kann zum Ausgangspunkt einer Geschichte über Handwerk und Konsum werden. Ein Wiesn-Plakat dokumentiert nicht nur ein Volksfest, sondern auch Grafikdesign, Zeitgeschmack und gesellschaftliche Vorstellungen.

München zwischen Tradition und Moderne
Am Ende führt der Rundgang zu einer Erkenntnis, die eigentlich für ganz München gilt: Tradition funktioniert nur, wenn sie nicht zum unbeweglichen Museumsstück erstarrt.

Die Münchner Bierkultur hat sich immer wieder verändert. Das Oktoberfest von heute ist nicht mehr das Oktoberfest von 1810 und auch nicht das der 1950er oder 1980er Jahre. Dennoch gibt es eine historische Linie, die all diese Epochen miteinander verbindet.

Genau diese Verbindung macht das Bier- und Oktoberfestmuseum sichtbar. Es erzählt von Brauern und Wirten, Schaustellern und Festbesuchern, von wirtschaftlichen Interessen und gesellschaftlichen Ritualen, von technischen Neuerungen und liebgewonnenen Traditionen. Vor allem erzählt es von München und seinen Menschen.

Für den PresseClub München wurde die Exkursion damit zu einer kleinen Zeitreise mitten in der eigenen Stadt. Manchmal braucht es eben keinen weiten Weg, um Geschichte zu entdecken. Ein paar Schritte vom Isartor entfernt genügt eine alte Haustür – und schon geht es hinein in mehrere Jahrhunderte Münchner Lebensgefühl.

Und natürlich gehört zu diesem Lebensgefühl auch die Erkenntnis, dass Bier in München niemals nur Bier war. Es ist Handwerk und Wirtschaftsgeschichte, Geselligkeit und Tradition, gelegentlich Politik und immer wieder Anlass für Geschichten. Für einen PresseClub könnte es kaum ein passenderes Getränk geben.

54 Jahre nach 1972: München setzt ein riesiges Zeichen für Olympia

27. August 2026

Ein drei Meter hoher Dackel, ein 200 Quadratmeter großes Banner und die historische Olympia-Fanfare: Genau 54 Jahre nach der Eröffnung der Sommerspiele von 1972 macht München auf dem Marienplatz deutlich, dass die olympische Geschichte der Stadt noch nicht zu Ende geschrieben sein soll. Aus den Räumen des PresseClubs München verfolgte ich das Spektakel auf dem Münchner Marienplatz und natürlich war auch ein Selfie mit dem Münchner Kindl inklusive.


Am 26. August 1972 wurden in München die Olympischen Sommerspiele eröffnet. Auf den Tag genau 54 Jahre später nutzt die Landeshauptstadt dieses symbolträchtige Datum, um ihrer Bewerbung um neue Olympische und Paralympische Sommerspiele Nachdruck zu verleihen. Zugleich beginnt der letzte Monat vor einer entscheidenden Weichenstellung: Am 26. September 2026 bestimmt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden, welcher deutsche Kandidat in den internationalen Wettbewerb gehen soll. Mit im nationalen Rennen sind Berlin und KölnRheinRuhr nachdem Hamburg gekniffen hat. Meine Präferenz liegt natürlich bei München.


Auf dem Münchner Marienplatz setzt das Bündnis PRO Olympia gemeinsam mit Vertretern der Landeshauptstadt dafür auf weithin sichtbare Symbolik. Im Mittelpunkt steht zunächst ein drei Meter hoher Riesen-Dackel von München Tourismus. Die Figur knüpft unübersehbar an „Waldi“, das berühmte Maskottchen der Spiele von 1972, an. An dem Dackel startet ein Countdown, der die verbleibenden 31 Tage bis zur DOSB-Entscheidung herunterzählt.


An der Aktion beteiligen sich Wolfram Hatz, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, und David Boppert, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses München. Sie vertreten das Bündnis PRO Olympia. Von Seiten der Stadt sind Oberbürgermeister Dominik Krause und Wirtschaftsreferent Dr. Christian Scharpf dabei.

Den optischen Höhepunkt bildet ein Banner mit beachtlichen Dimensionen: 20 Meter breit und zehn Meter hoch soll es, begleitet von der historischen Olympia-Fanfare, entrollt werden. Mit insgesamt 200 Quadratmetern Fläche wird die Botschaft der Münchner Bewerbung damit kaum zu übersehen sein. Für Medienaufnahmen des Riesenbanners hat die Stadt eigens die Möglichkeit vorgesehen, aus den Räumen des PresseClubs München zu fotografieren.



Hinter der öffentlichkeitswirksamen Aktion steht die entscheidende Phase eines mehrjährigen Auswahlprozesses. München hat sein finales Bewerbungskonzept Anfang Juni ebenso wie Berlin und KölnRheinRuhr beim DOSB eingereicht. Die drei Bewerbungen werden nach einer gemeinsam mit dem Bund entwickelten Systematik bewertet. Dabei spielen unter anderem die internationale Wettbewerbsfähigkeit, die nationale Akzeptanz sowie die sportfachliche und operative Eignung eine Rolle. Auch Vision, langfristiges Erbe sowie Kosten und Finanzierung werden geprüft.


München kann dabei auf ein starkes politisches und gesellschaftliches Signal verweisen. Der Stadtrat unterstützte das vertiefte Bewerbungskonzept mit großer Mehrheit. Hinzu kommt das klare Votum der Bevölkerung: Beim Bürgerentscheid sprach sich eine Zwei-Drittel-Mehrheit für eine Bewerbung aus.

Das Münchner Konzept setzt unter anderem auf Nachhaltigkeit, die Nutzung und Weiterentwicklung bestehender Infrastruktur sowie Stadtentwicklungsprojekte. Zu den sogenannten „Powerprojekten“ gehören Ansätze rund um zirkuläre Spiele und neue Mobilitätslösungen. Damit soll eine erneute Austragung nicht allein als mehrwöchiges Sportereignis verstanden werden, sondern als Impuls für die langfristige Entwicklung der Stadt.



Ob München tatsächlich die Chance erhält, diese Vorstellungen auf internationaler Ebene zu vertreten, entscheidet sich allerdings zunächst in Baden-Baden. Die Evaluierungskommission überprüft die Ergebnisse des DOSB-Verfahrens und kann eine Wahlempfehlung aussprechen. Eine solche Empfehlung ist jedoch weder zwingend noch für die Mitgliederversammlung bindend. Die endgültige nationale Entscheidung fällt am 26. September.

Und selbst ein Münchner Sieg in Baden-Baden wäre noch keine Zusage für Olympische Spiele. Über die internationale Vergabe entscheidet letztlich das Internationale Olympische Komitee. Nach Angaben des DOSB steht derzeit noch nicht fest, wann das IOC die nächsten Sommerspiele vergeben wird. Sicher ist damit vorerst nur: 54 Jahre nach 1972 will München zeigen, dass es bereit wäre, noch einmal olympische Gastgeberstadt zu werden.

„Fakten, Fakten, Fakten“ – Hubertus Klingsbögl über Journalismus, Vertrauen und politische Kommunikation

18. Juli 2026

Im Podcast „Nah dran“ des PresseClub München geht es nicht um fertige Schlagzeilen, sondern um die Frage, wie sie entstehen. In der aktuellen Folge spricht Matthias J. Lange mit Hubertus Klingsbögl, stellvertretender Pressesprecher der Hanns-Seidel-Stiftung. Beide gehören dem Vorstand des PresseClub München an. Das Gespräch führt mitten hinein in ein Berufsleben an der Schnittstelle von Journalismus, politischer Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit – und zugleich in die Frage, was gute Pressearbeit heute leisten muss.

Klingsbögls Weg in die Medien begann früh. Schon als Schüler interessierte er sich für Hörfunk und Journalismus. In der Unterstufe des Gymnasiums galt er nach eigener Erinnerung als jemand mit „den besten Connections zum Bayerischen Rundfunk“, weil er für den Medienunterricht Material der Rundfunkwerbung organisiert hatte. Später führte dieser frühe Enthusiasmus tatsächlich ins Radio. Anfang der 1990er Jahre gründete er mit Freunden einen Lokalsender mit, der zunächst Studio 1 FM hieß und später als Radio Alpenwelle bekannt wurde. Möglich wurde dies durch die neuen Strukturen des privaten Rundfunks in Bayern. „Das war irgendwie so die Goldgräberzeit“, erinnert sich Klingsbögl. Der private Lokalfunk habe damals eine ähnliche Aufbruchsstimmung erzeugt wie später die digitalen Plattformen – nur eben regional verwurzelt. Hier der Podcast:

Bei Radio Alpenwelle stieg Klingsbögl in die Redaktion ein und wurde Redaktionsleiter. Es war klassischer Lokaljournalismus im Radio, aber mit besonderer Nähe zur Landespolitik: Edmund Stoiber wurde gerade Ministerpräsident, Manfred Fleischer war Oppositionsführer der Grünen im Landtag. „Das war ja die Landespolitik im Lokalen eigentlich“, sagt Klingsbögl. Lokalradio bedeutete damals vor allem Live-Arbeit. Was gesagt war, war draußen. Vorproduktionen, wie sie heute üblich sind, gab es kaum. Diese Spontanität habe ihn geprägt, aber auch die Verantwortung für das gesprochene Wort. Später arbeitete er unter anderem beim Liechtensteinischen Rundfunk in der Nachrichtenredaktion – „Journalismus in einer Monarchie“, wie er es beschreibt. In einem Land mit rund 40.000 Einwohnern habe man am Staatsfeiertag auch direkt mit dem Fürsten über Politik, Demokratie und das Rechtssystem sprechen können.

Bemerkenswert ist, dass Klingsbögl keinen klassischen journalistischen Ausbildungsweg ging. Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen. Für ihn ist das kein Widerspruch: Der Zugang zu Medien müsse auch abseits einer Fachausbildung möglich sein. „Quereinstiege sind vom Grundgesetz gewollt und durchaus möglich“, sagt er. Entscheidend seien Neugier, Einordnungskraft und Glaubwürdigkeit.

Genau diese Glaubwürdigkeit ist für Klingsbögl bis heute der zentrale Begriff – inzwischen nicht mehr als Journalist, sondern als Kommunikator einer politischen Stiftung. Gute Pressearbeit müsse schnell, verlässlich und faktenbasiert sein. „Ohne Glaubwürdigkeit auf Dauer ist es schwierig zu bestehen“, betont er. Als Pressesprecher sei man Dienstleister für Journalistinnen und Journalisten, müsse aber zugleich die eigene Institution schützen, Sachverhalte erklären und manchmal auch verhindern, dass unzutreffende oder einseitige Informationen in die Öffentlichkeit gelangen. Das habe nichts mit „Nebelkerzen“ zu tun, sondern mit verantwortlicher Einordnung.

Zwischen Journalismus und Pressearbeit sieht Klingsbögl vor allem einen Perspektivwechsel. Journalistinnen und Journalisten suchten die gute Geschichte, Pressestellen müssten Fakten liefern, abwägen und reflektieren. Während Tageszeitungen unter hohem Zeitdruck arbeiten, könne eine Pressestelle Themen oft länger vorbereiten und in ein Agenda-Setting einordnen. Trotzdem bleibe die Anforderung hoch: „Die Fakten müssen immer stimmen und zwar nachprüfbar.“ Lügen oder Schummeln gehe nicht. Die Kunst der Darstellung dürfe sein, aber sie müsse erklärbar bleiben.

Eine wichtige Rolle spielt für ihn das Vertrauen zwischen Pressestellen und Redaktionen. Klingsbögl erzählt dazu eine Erfahrung aus seiner Lokalradiozeit: Ein Kripo-Chef habe ihm anvertraut, dass am nächsten Morgen eine Hausdurchsuchung stattfinde, aber noch keine Details genannt. Der Journalist wusste also mehr, als er senden durfte. Erst am nächsten Morgen nach der Durchsuchung gab es die Informationen für die Berichterstattung. „Diese zwölf, fünfzehn Stunden, das ist die Vertrauensspanne“, sagt Klingsbögl. Wer dieses Vertrauen missbrauche, bekomme solche Informationen nur einmal.

Das Verhältnis zu Journalistinnen und Journalisten habe sich in den vergangenen Jahren verändert. Früher hätten Redaktionen nach einer Pressemitteilung häufiger angerufen, nachgefragt, Hintergründe recherchiert und eigene Zusatzinformationen gesucht. Heute werde eine Mitteilung oft nur noch gekürzt und übernommen. „Dieses Feedback und dass man nochmal darüber spricht, das ist eher der Einzelfall mittlerweile“, beobachtet Klingsbögl. Das sei keine gute Entwicklung, aber Realität.

Auch die Instrumente der Pressearbeit haben sich verändert. Die klassische Pressemitteilung ist für Klingsbögl weiterhin wichtig, weil sie fundiert und verlässlich ist. Doch Social Media habe sie in der Geschwindigkeit überholt. Kurze Sätze, schnelle Reaktionen und direkte Ansprache prägen heute die Kommunikation. Institutionen wie die Hanns-Seidel-Stiftung sind längst nicht mehr nur Zulieferer für Medien, sondern selbst Sender. Mit digitalen Formaten kann die Stiftung etwa Auslandsmitarbeiter aus Asien, Lateinamerika oder Afrika zusammenschalten und politische Bildung international vermitteln. „Wir können das selbst in die Hand nehmen“, sagt Klingsbögl.

Gleichzeitig warnt er vor Oberflächlichkeit. Die Verkürzung in sozialen Medien bringe die Gefahr mit sich, dass Komplexität verloren geht. Gerade in Zeiten von Desinformation, hybrider Kriegsführung und Angriffen auf die Demokratie sei Faktenorientierung entscheidend. Klingsbögl erinnert an den bekannten Slogan von Helmut Markwort: „Fakten, Fakten, Fakten“. Dieser Satz habe an Aktualität nichts verloren. „Das zählt genauso für soziale Medien, wie das für den klassischen Journalismus immer gegolten hat“, sagt er.

Als Vertreter einer politischen Stiftung betont Klingsbögl zugleich die Rolle von Werten. Die Hanns-Seidel-Stiftung stehe auf christlicher Grundlage und im christlich-sozialen Wertefeld. Wer dort anrufe, wisse, dass er es mit einem Tendenzbetrieb zu tun habe. Journalistinnen und Journalisten erwarteten von einer solchen Stiftung keine beliebige Position, sondern eine konservative Einordnung.

Der PresseClub München spielt für Klingsbögl eine wichtige Rolle als Ort des Austauschs. Er beschreibt ihn als Plattform zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus, als Raum, in dem man abseits des Tagesdrucks miteinander sprechen kann. Besonders wichtig sei dabei der Nachwuchs. Junge Journalistinnen, Journalisten und Kommunikatoren seien zwar digital hervorragend vernetzt, müssten aber auch persönliche Begegnung lernen. Klingsbögl nennt dafür einen passenden Begriff: „Networking in natura“. Man müsse sich begegnen, von Angesicht zu Angesicht. Digitale Netzwerke seien wichtig, aber sie könnten persönliche Kontakte nicht ersetzen.

Für junge Journalistinnen und Journalisten nennt Klingsbögl vor allem zwei Eigenschaften: Neugier und Geduld. Nicht alles lasse sich sofort recherchieren, nicht jede Information liege fertig auf dem Tisch. Für angehende Pressesprecherinnen und Pressesprecher sei dagegen vor allem Krisenkommunikation die Nagelprobe. Wer in die Pressearbeit wolle, müsse „den Überblick und die Nerven behalten“. Gerade wenn eine Lage unübersichtlich werde, brauche es Menschen, die ruhig bleiben.

Am Ende des Gesprächs steht noch einmal der Lokaljournalismus im Mittelpunkt. Für Klingsbögl ist er unverzichtbar, weil Menschen wissen wollen, was vor ihrer Haustür passiert. Die große offene Frage sei allerdings die Finanzierung. Wenn Bürgerinnen und Bürger lokale Berichterstattung wollten, müssten sie möglicherweise auch bereit sein, dafür zu bezahlen. Ohne tragfähige Modelle werde unabhängiger Lokaljournalismus schwer zu halten sein.

Eine lehrreiche Erfahrung aus seiner Reporterzeit fasst Klingsbögl mit dem Satz zusammen: „Man trifft sich zweimal.“ Als Journalist berichtete er einst über die bevorstehende Schließung einer Tochtergesellschaft, nachdem ihm der Vorstand einer Holding diese Information gegeben hatte. Die Meldung stimmte, doch der Betriebsratsvorsitzende war verärgert. Zwei Wochen später brannte es in derselben Firma – und ausgerechnet dieser Betriebsratsvorsitzende war als Feuerwehrchef vor Ort. Informationen bekam Klingsbögl diesmal keine. Für ihn blieb das eine prägende Lektion über Vertrauen, Verantwortung und die Folgen journalistischer Entscheidungen.

So zeigt das Gespräch im Podcast „Nah dran“, wie eng Journalismus und Pressearbeit miteinander verbunden sind – und wie sehr beide Seiten auf Verlässlichkeit angewiesen bleiben. Schlagzeilen entstehen nicht nur durch schnelle Informationen, sondern durch Vertrauen, Erfahrung, Einordnung und Fakten. Genau darin liegt für Hubertus Klingsbögl bis heute der Kern professioneller Kommunikation

Podcast: Warum guter Journalismus mehr ist als eine Schlagzeile

3. Mai 2026

Zum heutigen Tag der Pressefreiheit starte ich ein neues Podcast-Projekt als Beiratsmitglied des PresseClubs München. Der PresseClub München startet mit „Ganz nah“ einen neuen Videopodcast, der hinter die Kulissen des Journalismus blicken will. Das Leitmotiv des Formats lautet: „Wir reden nicht über Schlagzeilen, sondern darüber, wie sie entstehen.“


In der ersten Folge spreche ich mit Dr. Uwe Brückner, dem Vorsitzenden des PresseClubs München. Im Mittelpunkt stehen der PresseClub als Ort des journalistischen Austauschs, Brückners persönlicher Weg in den Journalismus und die Frage, wie sich Medienarbeit in Zeiten von Digitalisierung, wirtschaftlichem Druck und Künstlicher Intelligenz verändert. Hier der Podcast zum Anschauen.

Brückner beschreibt den PresseClub München als einen besonderen Ort: als Netzwerk, Denkraum und Treffpunkt für Journalistinnen und Journalisten, Medienschaffende und Menschen aus dem öffentlichen Leben. Die Lage am Münchner Marienplatz, mit Blick auf das Rathaus, sei dabei mehr als nur ein Standortvorteil. Sie stehe sinnbildlich für Nähe zu Öffentlichkeit, Politik und Stadtgesellschaft. Der Club verstehe sich als Plattform für Austausch, Medienkompetenz und journalistische Qualität.

Im Gespräch blickt Brückner auch auf seine eigenen Anfänge zurück. Schon als Schüler kam er über ein Schüler-Presse-Seminar mit dem Journalismus in Berührung. Ursprünglich wollte er Pianist werden, doch schließlich führte ihn sein Weg in die Kulturberichterstattung, zum Fernsehen und später in leitende Funktionen bei verschiedenen Sendern. Journalismus sei für ihn mehr als ein Beruf, sagt Brückner: Er sei eine Haltung und vor allem eine Dienstleistung an der Gemeinschaft. Geprägt habe ihn dabei auch seine fränkische Herkunft und das Engagement seiner Eltern in Vereinen. Gemeinwohl, Zuhören und das genaue Hinsehen seien bis heute zentrale Motive seiner Arbeit.

Ein Schwerpunkt des Gesprächs ist die journalistische Arbeit hinter den Kulissen. Brückner betont die Bedeutung von Quellen, Netzwerken und persönlichem Vertrauen. Entscheidend sei nicht nur, was gesagt werde, sondern auch, wer etwas sage, in welchem Zusammenhang und mit welcher Haltung. Gerade in einer Zeit, in der Informationen immer schneller verbreitet werden, brauche es journalistische Sorgfalt, Distanz und Einordnung.

Auch über den Wandel der Medien spreche ich mit Brückner ausführlich. Themen wie wirtschaftlicher Druck, Lokaljournalismus, Online-Nutzung, Podcasts und Künstliche Intelligenz spielen dabei eine zentrale Rolle. Brückner sieht die Krise des Journalismus weniger als inhaltliche Krise, sondern vor allem als wirtschaftliche und strukturelle Veränderung. Vertrauen und Glaubwürdigkeit seien weiterhin die wichtigste Währung journalistischer Arbeit – besonders im Lokalen. Zugleich eröffneten neue Formate wie Podcasts Chancen, Themen vertiefend und nah an den Menschen zu erzählen.

Mit Blick auf Künstliche Intelligenz zeigt sich Brückner offen, aber kritisch. KI könne journalistische Arbeit unterstützen, dürfe aber nicht dazu führen, dass Menschen nur noch in ihrer eigenen Informationsblase bestätigt würden. Entscheidend bleibe, dass Quellen überprüfbar, Informationen faktenbasiert und journalistische Standards gewahrt bleiben.

Zum Abschluss richtet Brückner den Blick auf die Zukunft des PresseClubs München. Der Club wolle junge Journalistinnen und Journalisten stärker einbinden, Mentoring fördern und zugleich vom Erfahrungsschatz langjähriger Mitglieder profitieren. Themen wie Demokratiebildung, Medienkompetenz, Qualitätsjournalismus und der Austausch zwischen Generationen sollen künftig eine noch größere Rolle spielen. Damit setzt die erste Folge von „Ganz nah“ den Ton für ein Format, das nicht nur über Medien spricht, sondern den Entstehungsprozess von Journalismus sichtbar machen will.
Geplant ist eine monatliche Fortsetzung der Reihe „Ganz nah“.

Gedanken zum Tag des Ehrenamtes

5. Dezember 2022

Heute ist der Tag des Ehrenamtes. Und ich möchte mich bei allen bedanken, die sich ehrenamtlich für unsere Gesellschaft engagieren. Ehrenamtliches Engagement ist wichtig und notwendig, denn dieses Land funktioniert nur so. Die Mehrzahl der ehrenamtlichen Arbeit findet oftmals im Verborgenen oder im Stillen statt, ohne dass sie mit Ordnen oder Empfängen von der Politik gewürdigt wird. Einfach mal Danke sagen für diese Tätigkeiten.

Doch ein paar kritische Gedanken bei all den Feierlichkeiten: Es kann nicht sein, dass jemand, der sich engagiert mit Ämter überhäuft wird, weil sich sonst niemand findet. Unsere Gesellschaft wird kälter, das gefällt mir nicht. Ich will nicht den alten Kennedy zitieren, aber er hatte recht mit seinen Ausspruch: Frage nicht, was dein Land für dich tun kann. Frage lieber, was du für dein Land tun kannst.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Menschen, die sich Ehrenämter anhäufen, um wichtig zu sein und ihr Ego pflegen. Auch das ist abschreckend. Viele sind in vielen Vereinen Mitglied, können aber keines dieser Ehrenämter richtig ausfüllen. Das ist unglaubwürdig und schadet der jeweiligen Organisation oder Verein – und der ganzen Gesellschaft. Und es gibt viele Mitmenschen, die nicht loslassen können, die sich am Ämter klammern und zwar immer schwadronieren, dass kein Nachwuchs da sei – wenn aber Nachwuchs auftritt, ihn sofort wegmobbt, um ja an den Futterkrippen der ehrenamtlichen Einladungen dabei zu sein.

Unsere Familie
Blicke ich auf unsere Familie, dann sehe ich zahlreiche Ehrenämter, vielleicht sogar zuviele. Meine Gattin engagiert sich vielfältig in unserer Wohnortgemeinde, in der ehemaligen Schule unser Kinder, in der Kirchengemeinde und wir beide sind in der Aktion PiT Togohilfe tätig und werden von unseren Kindern hier unterstützt.

Ich hatte mich immer in Berufsorganisationen engagiert, wie in der Vergangenheit bei den Nachwuchsjournalisten in Bayern oder dem Bloggerclub. Bei mir sind unlängst zwei neue ehrenamtliche Tätigkeiten hinzukommen: Zum einen bin ich in den Beirat des Internationalen PresseClubs München gewählt worden, zum anderen wurde ich stellvertretender Vorsitzender des Vereins BEST e.V. Beratungs- und Koordinationsstelle für russischsprachige Eingewanderte.

Beruflich arbeite ich mit vielen Leuten zusammen, die sich für die Handwerksorganisation engagieren: Ich unterstützte hier das Ehrenamt im Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks und ich mache Social Media für den Bäckermeister Martin Reicherzer, der sich auf Innungsebene für sein Handwerk massiv einsetzt. Hier kann ich viel lernen, das imponiert mir und sehe aber auch: Weil sich wenige einsetzen, profitieren ganz viele – und auch ganz viele sind undankbar und fordern und fordern und fordern. Bei mir erzeugt dieser dumme Egoismus Wut und Frust. Ich dachte, dass sich die Gesellschaft durch die Corona-Erfahrungen geändert hat. Fehlanzeige.

Dennoch: Alles Gute zum Tag des Ehrenamtes und lasst euch nicht unterkriegen.

Heimat des Netzwerkens – der Bloggerclub hat eine neue Heimat

5. August 2017

Der PresseClub ist neu eröffnet - und damit der Bloggerclub auch. Foto: Schwepfinger

Der PresseClub ist neu eröffnet – und damit der Bloggerclub auch. Foto: Schwepfinger

Die Resonanz war enorm und das freut mich sehr. In klassischen Massenmedien und den sozialen Netzen wurde über den Wiedereinzug des PresseClubs zurück an den Marienplatz groß berichtet. Damit hat auch der Bloggerclub nun die renommierte Adresse Marienplatz 22/IV. Wie selten zuvor bekam ich Gratulationsmails, -posts oder -Tweets. Der Hammer war wohl ein halbseitiges Foto in der Abendzeitung Print (und online auch). Danke Tobias für den Hinweis und danke Manuela für die Zusendung des Papierbelegs.

Wow in der Abendzeitung print und online.

Wow in der Abendzeitung print und online.

Ich habe die Ehre, für den Bloggerclub als Vorsitzender zu arbeiten und mache dies meist im Hintergrund. Meine Vorstandskollegen führen in der Regel die Veranstaltungen durch. Meine Hauptaufgaben sind Lobbyismus und Netzwerken – und dem konnte ich beim Wiedereinzug des PresseClubs ausgezeichnet nachkommen.

PresseClub und Bloggerclub in bester Lage
Die neu gestalteten Räume des Clubs mit Blick auf den Marienplatz und den Alten Peter sind eindeutig die beste Lage in München. Für uns steht fest: Wir sind wieder in die Heimat des Netzwerkes eingezogen. Für mich ist der Club-Gedanke hier wichtig. In der Vergangenheit habe ich am Marienplatz für mich wichtige Hintergrundgespräche geführt. Das waren zum einen mit den illustren Gästen des PresseClubs. Das waren aber zum anderen mit den Mitgliedern des PresseClubs. Ich habe viel von dem Know-how, von der Erfahrung und der Einschätzung der Kolleginnen und Kollegen profitiert. Das ist für mich Netzwerken pur. Leider waren Eli Treppner und Norbert Matern nicht da, denen ich gerne persönlich gedankt hätte.

Vorsitzende beim Netzwerken: Matthias . Lange (Bloggerclub) und Peter Schmalz (PresseClub)

Vorsitzende beim Netzwerken: Matthias . Lange (Bloggerclub) und Peter Schmalz (PresseClub)

Wir als Bloggerclub sind dankbar, dass wir in dieser großartigen Location zu Gast sein dürfen und unsere Veranstaltungen durchführen dürfen. Bisher waren wir als Bloggerclub im Ausweichquartier des Clubs im Tal 12 untergebracht. Hier fand auch unsere Gründungsveranstaltung statt – wir sind jetzt ein Jahr alt. Der PresseClub residiert jetzt wieder am Marienplatz, wo er seit 1958 zu Hause ist und wir Blogger dürfen erstmals auch die neuen Clubräume nutzen. Damit ändert sich auch die Geschäftsadresse des BloggerClubs in die renommierte Adresse Marienplatz 22/IV. Und das leistungsstarke kostenfreie WLAN passt auch – ich weiß, wo ich ab und zu als digitaler Nomade arbeite, wenn ich in München bin.

Podiumsdiskussion zur Wiedereröffnung - ich bin auch dabei. Foto: Schwepfinger

Podiumsdiskussion zur Wiedereröffnung – ich bin auch dabei. Foto: Schwepfinger

PK zur Wiedereröffnung
Zum Wiedereinzug lud der Internationale PresseClub München in seine neu gestalteten Räume am Marienplatz 22 ein. Mit rund 800 Mitgliedern und mehr als 250 Pressekonferenzen pro Jahr ist der PresseClub München e.V. der größte seiner Art in Deutschland. Nach dem Umbau bietet der Club nicht nur den Blick auf das Rathaus, sondern auch auf den Alten Peter. Wenn ich Gäste aus dem In- und Ausland habe, führe ich sie in den PresseClub und zeige ihnen den Ausblick. Besser geht es wirklich nicht.

Wo der Hut liegt, ist mein Platz.

Wo der Hut liegt, ist mein Platz.

Einen Überblick über die Aktivitäten und Angebote des PresseClubs gaben auf der Pressekonferenz: Peter Schmalz, Vorsitzender PresseClub München e.V., Helmut Gierke, Vorstandsmitglied PresseClub München e.V., Angelica Fuss (coole Brille), Geschäftsführerin PresseClub München e.V., Matthias J. Lange, Vorsitzender Bloggerclub e.V., Leonie Sanke, Vorsitzende Nachwuchsjournalisten in Bayern e.V. (NJB), was mich besonders gefreut hat, denn dem NJB stand ich lange als Vorsitzender vor. Auch unser stellvertretender Vorsitzender Franz Neumeier war im Publikum mit dabei und beantworte im Nachhinein die Fragen der Journalisten. Für einen Imagefilm des PresseClubs wurden Franz Neumeier und ich vor der Kamera interviewt. Wir spielten uns wunderbar die Bälle zu und machen Werbung für den Bloggerclub – also Lobbyismus pur.

Die Sicht vom Podium.

Die Sicht vom Podium.

Die komplette Pressekonferenz gibt es hier zu sehen. Die Ausführungen von mir gibt es ab Minute 35:38 im ersten Video und das komplette zweite Video.

 

Blogger und Journalisten – ist dies ein Widerspruch? – für mich nein

7. Juni 2017

Stephan Goldmann und ich sprachen vor Mitgliedern der deutschen Presseclubs.

Stephan Goldmann und ich sprachen vor Mitgliedern der deutschen Presseclubs.

Blogger und Journalisten – ist dies ein Widerspruch? Dieser Frage gingen Stephan Goldmann und ich vom Bloggerclub vor Mitgliedern des Forums der deutschen Presseclubs nach. Im Forum sind PresseClubs aus ganz Deutschland organisiert und die Jahrestagung fand vor kurzem in Augsburg statt.
Wir Blogger brauchen eine Vertretung gegenüber der Öffentlichkeit. Ziel unseres Vereins Bloggerclub ist es, Blogger zu organisieren, zu schulen und weiter zu vernetzen. Blogs sind schließlich aus der heutigen Medienwelt nicht mehr wegzudenken und haben massiven Einfluss auf die Medienrealität. Heute gibt es in der Blogosphäre unterschiedliche Arten von Blogs wie beispielsweise private Blogs, Hobbyblogs, Unternehemsblogs, Wissenschaftsblogs oder journalistische Blogs. Mein Blog redaktion42 ist sicherlich eine Ausnahme – er dreht sich egomäßig um mich und hat damit auch ein spezielles Thema. Wir schaffen im Bloggercub ein Netzwerk schaffen unter dem Dach des Bloggerclubs in dem sich alle wiederfinden und voneinander profitieren können. Und natürlich weiß ich, dass Blogger kein klassisches Vereinsvölkchen sind und dennoch ist es aus meiner Sicht wichtig, gegenseitig füreinander einzutreten und sich zu organisieren und – ganz wichtig, ein Sprachohr gegenüber der Öffentlichkeit zu sein.

Bloggerkodex als gemeinsame Grundlage.

Bloggerkodex als gemeinsame Grundlage.

Gemeinsame Basis ist ein verbindlicher Bloggerkodex, zu dem sich alle Mitglieder des Bloggerclubs verpflichten. Transparenz ist unser oberstes Gebot. Der Bloggerkodex regelt klare Verhaltensmaßnahmen im Umgang mit Werbung, Unterstützung, Sponsoring und Verlosungen.
Die Schwerpunkte unserer Vereinsarbeit sind Fortbildung, das Fördern von Medienkompetenz und Lobbyismus. Hierbei unterstützt uns der PresseClubs München sehr. Vielen Dank dafür. Der renommierte Presseclub, bei dem ist seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Mitglied bin und früher durch meine Mitgliedschaft bei den Nachwuchsjournalisten in Bayern im Vorstand war, öffnet uns die Türen und bietet uns Bloggern eine repräsentative und moderne Tagungsstätte. Der PresseClub profitiert von unserem Programm, wie beispielsweise Schulungen zu SEO, Vermarktung oder Aufbereitung von Blogs. Also eine typische Win-Win-Situation.


Gerne kann unser Konzept vom Bloggerclub von anderen PresseClubs in Deutschland aufgegriffen werden. Erste Presseclubs haben bei uns schon angefragt. Wir als Bloggerclub stehen hier gerne als Partner zur Verfügung, schließlich wollen wir auch weiter wachsen.

Provokant mit Weste: Stephan Goldmann.

Provokant mit Weste: Stephan Goldmann.

Mein Kollege Stephan Goldmann hat einen sehr engagierten Vortrag vor den Mitgliedern des Forum der deutschen PresseClubs gehalten. Viele Journalisten tun sich mit Blogs noch schwer. Beispielsweise haut die FAZ gerne auf die Blogger ein, zuletzt auf die Reiseblogger.

Meine Gedanken zum Tag der Pressefreiheit

3. Mai 2017

Heute ist der Tag der Pressefreiheit und ich werde im Zeitalter der Falschmeldungen, FakeNews und alternativen Fakten die Fahne des Qualitätsjournalismus hochhalten. Mir fällt bei meinen Vorträgen zur Medienkompetenz auf: Die Leute rufen nach Qualitätsjournalismus, aber keiner will ihn bezahlen. Wie sich die Geschäftsmodelle für Journalismus entwickeln, wird sich zeigen. Heute ist der Tag, die enorme Wichtigkeit der Pressefreiheit zu betonen. Ich will keinen Journalismus der Parteienpresse wie in Weimar oder gar eine gleichgeschaltete Presse wie unter den Faschisten. Aber ich will, dass der Journalismus sich verbessert und mit der Zeit geht. Und das geht nur mit Pressefreiheit.
„Es ist unser Job, die beste verfügbare Version der Wahrheit zu berichten. Besonders jetzt“, sagte Watergate-Enthüller Carl Bernstein beim White House Correspondents‘ Dinner zu Aufgaben der Kollegen in Zeiten der Trump-Regierung, so berichtete es der Mediendienst turi2. Das ist vollkommen korrekt: Die beiden Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein waren der Grund, weshalb ich den Beruf des Journalisten ergriffen habe und noch heute lese ich ihr Buch gerne. Viele weitere Bücher und Veröffentlichungen von anderen Journalisten und Reporter sind hinzu gekommen, die zur Verteidigung der Pressefreiheit beigetragen haben.
Und bevor jetzt wieder die Schreierei über die Lügenpresse kommt – ein Begriff, der von Joseph Goebbels geprägt wurde – natürlich machen Journalisten als Menschen auch Fehler. Es gibt gute und schlechte Journalisten, so wie es auch gute und schlechte Lehrer, gute und schlechte Friseure oder gute und schlechte Politiker gibt.
Wenn staatliche Institutionen wie der US-Präsident, der russische Präsident, der ungarische oder türkische Ministerpräsident oder der Irre in Nordkorea uns anlügen, dann ist Journalismus enorm wichtig. Als Journalist und heutiger Blogger kann ich immer nur betonen, wie wichtig die Pressefreiheit in unserem Land ist und ich lebe gerne in unserem Land. Wenn Kolleginnen und Kollegen für die Pressefreiheit gefangen genommen, geschlagen, gefoltert, getötet werden, dann muss ein Aufstand der Anständigen erfolgen.

Statement des PresseClubs München
Als Mitglied des Internationalen PresseClubs München möchte ich ein Statement meines Clubs verbreiten. Zum Tag der Pressefreit haben deshalb der Bayerische Journalisten-Verband, der Verein Journalisten helfen Journalisten, der nach dem Tod von Egon Scotland gegründet wurde, und der PresseClub München vereinbart, einen gemeinsamen Offenen Brief an den türkischen Generalkonsul in München zu schrieben. „Uns war es besonders wichtig, auch auf die unerträgliche Lage unseres Kollegen Deniz Yücel hinzuweisen und seine Entlassung aus der Haft zu verlangen“, so der PresseClub-Vorsitzende Peter Schmalz.
In dem Brief heißt es unter anderem: „Wir protestieren entschieden und im Namen aller von uns vertretenen Journalistinnen und Journalisten gegen die Behinderung der Berichterstattung und gegen die Verfolgung unserer Kolleginnen und Kollegen, die nichts anderes tun, als ihrer journalistischen Arbeit nachzugehen. Diese Arbeit schließt auch die kritische Beurteilung staatlichen Handelns ein. Mit großer Sorge beobachten wir auch, dass türkische Kolleginnen und Kollegen wegen der aktuellen politischen Lage in ihrem Heimatland bei uns im Exil leben müssen und bei ihrer Rückkehr in die Türkei von Verfolgung und Haft bedroht sind.“ Ich unterstütze ausdrücklich dieses Statement.

Bloggerclub gegründet – und wann bist du dabei?

9. August 2016

Über dem Projekt brüte ich schon eine ganze Weile. Meiner Meinung nach, brauchen wir Blogger eine Interessenvertretung. Seit gestern nimmt das Projekt konkrete Formen an. Der Bloggerclub wurde als Verein gegründet und nimmt in den nächsten Wochen seine Arbeit auf. Viele Leute haben sich über Monate Gedanken gemacht und intensiv hinter den Kulissen gearbeitet, Meetings durchgeführt, Satzungen erarbeitet und enorm viel geleistet. Großartig.
Klar ist doch, dass wir Blogger die deutsche und internationale Medienlandschaft stark prägen. Die Blogossphäre ist voll mit tollen Menschen mit tollen Ideen und tollen Blogs. Die Spanne ist enorm: Kleine private Blogs, Hobbyblogs, spitze Blogs zu allerlei Fachthemen, Wissenschaftsblogs bis hin zu Corporate Blogs, wie Unternehmensblogs heute heißen.
Während die Journalisten, Grafiker, PR-Leute alle ihre eigenen Verbände haben, hatten wir Blogger keine Interessenvertretung. Das ist seit gestern anders. Mit der Gründung des Bloggerclubs möchten wir diesen Missstand beheben.

Ein Teil des Vorstands des Bloggerclubs. Ein Teil des Vorstands des Bloggerclubs. Foto: Lohmeyer

Ein Teil des Vorstands des Bloggerclubs. Foto: Lohmeyer

Wer ist der Bloggerclub?
Wir, dies ist ein prima Team. Neben mir als Vorsitzender bin ich sehr froh meinen Freund, früheren Chef und alten Verbandskollegen Franz Neumeier als meinen Stellvertreter an meiner Seite zu haben. Mit dabei als stellvertretende Vorsitzende ist Su Steiger. Den engeren Vorstand runden Schatzmeisterin Sylvia Kasdorff und Schriftführer Markus Pflugbeil ab. Als Beisitzer fungieren Stephan Goldmann, Alexandra Lattek, Thomas Pfannkuch sowie Tanja Praske. Zum Vorstand koopiert wurden Thomas Gerlach, Maximilian von Rossek und Matthias Schwindt.

Ich bin sehr dankbar, meinen alten Kollegen und Freund Franz Neumeier an meiner Seite zu haben. Foto: Goldmann

Ich bin sehr dankbar, meinen alten Kollegen und Freund Franz Neumeier an meiner Seite zu haben. Foto: Goldmann

Bloggerclub nimmt Fahrt auf
Natürlich werden wir klein anfangen und nicht den zweiten Schritt vor den ersten machen. Gut Ding will Weile haben. Die nächsten Schritte nach den Gründungsformaliäten ist der Aufbau von Kommunikationskanälen. Klar im Fokus der Vereinstätigkeit ist die Aus- und Fortbildung von Bloggern. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Blogger zu organisieren, zu schulen und weiter zu vernetzen. Mit dem PresseClub München haben wir hier einen hervorragenden Partner an der Seite.
Die ersten Gesprächsrunden für Mitglieder drehen sich um Monetarisierung, Affiliate, Google Adsense für Blogs, Newsletter für Blogs und bessere Videos für Blogger. Zudem wird sich der Bloggerclub auf weitere Städte ausbreiten – und freilich neue Mitglieder gewinnen.
Gemeinsame Basis ist dabei ein verbindlicher Bloggerkodex, zu dem sich alle Mitglieder verpflichten. Transparenz ist unser oberstes Gebot. Der Bloggerkodex regelt etwa klare Verhaltensmaßnahmen im Umgang mit Werbung, Unterstützung, Sponsoring und Verlosungen.

So wird man Mitglied im Bloggerclub
Der Verein befindet sich derzeit in der Gründung, der Mitgliedsbeitrag beträgt 60 Euro pro Jahr (ab 30. Juni 30 Euro). Seinen Sitz hat der Bloggerclub in den Geschäftsräumen des Internationalen PresseClub München e.V. (Tal 12/II, 80331 München). Hier gibt es die Satzung, Beitragsordnung und den Kodex unter bloggerclub-dokumente_08-08-2016. Und hier gibt es den Antrag auf Mitgliedschaft bloggerclub-mitgliedschafts-antrag. Gerne stehe ich für Fragen zur Verfügung.