Posts Tagged ‘Tanja Praske’

Blick in eine Augenweide – Kabinett im Bayerischen Nationalmuseum #BarockerLuxus

22. Oktober 2018

Das Bayerische Nationalmuseum in München machte für Bloggerinnen und Blogger eine absolute Ausnahme: Beim jüngsten Bloggerwalk unter dem Hastag BarockerLuxus durften wir einen Ort betreten, zu dem das normale Besucherpublikum keinen Schritt hinein machen darf: Es ist ein Kabinett mit Decken und Wandverkleidung aus bemalter Seide. Der normale Besucher des Bayerischen Nationalmuseum muss hinter eine Absperrung stehen bleiben, wir Blogger durften hinter die Absperrung in den Raum eintreten – meinen Dank dafür.
Was ist hier sehen durfte, das haute mich optisch um. Das Kabinett stammt aus dem Stadtpalais der gräflichen Familie Tattenbach in der Münchner Theatinerstraße, eine der Nobelstraßen der bayerischen Landeshauptstadt. Joseph-Ferdinand von Rheinstein-Tattenbach (1723-1802), der unter anderem ein hohes Tier am Kurfürstlichen Hof war (Obersthofmarschall, Oberstkämmerer und Minister) beauftragte 1767 Francois Cuvilliés d.J. mit dem Bau. Dieser plante wohl auch das Kabinett im ersten Obergeschoss, das vor dem Abbruch des Hauses 1909 ausgebaut wurde.
Ich hatte die Garmin 360 Grad Kamera dabei und filmte den Raum in 360 Grad samt den interessanten Ausführungen des Kurators.

Die Dekoration greift das im Rokoko beliebte Schema eines Spalierzimmers auf, dessen Gitterwerk im oberen Bereich mit Wein bewachsen zu sein scheint. Die Gliederung der Wandfelder verkörpert den frühklassizistischen Zopfstil, greift aber auch mit Blumengirlanden und -körben, Schmetterlingen und Vögeln die heitere Stimmung des Rokoko auf. Trophäen führen Themen aus Kunst, Bildung und gehobenen Vergnügungen vor Augen. Der Schöpfer der Malereien Johann Zächenberger war als Porzellanmaler an der Nymphenburger Manufaktur Spezialist für Blumendekore. Die Restaurierung des Kabinetts wurde unterstützt von der Bauer´schen Barockstiftung in München.
Der Künstler selbst verewigte sich mit Selbstbildung an einer Wand.

An einer anderen findet sich eine Eule wieder, das Zeichen der Illuminaten, eines Geheimbundes, der in Ingoldstadt gegründet wurde und bei dem Joseph-Ferdinand von Rheinstein-Tattenbach wohl Mitglied war.

Fazit: Das Bayerische Nationalmuseum birgt Schätze. Mein Dank gilt meiner Bloggerclub-Vorstandskollegin Tanja Praske, die diesen Bloggerwalk organisierte – und natürlich dem ganzen Team des Bayerischen Nationalmuseums in München.

Bloggerwalk und Storytelling im Bayerischen Nationalmuseum #BarockerLuxus

16. Oktober 2018
Bloggerwalk im Bayerischen Nationalmuseum München.

Bloggerwalk im Bayerischen Nationalmuseum München.

Eine wunderbare Form der Wissensvermittlung habe ich durch einen Bloggerwalk meiner Bloggerclub-Kollegin Tanja Praske kennengelernt. Unter dem Hashtag #BarockerLuxus schauten sich 20 Bloggerinnen und Blogger unterschiedlicher Richtung das Bayerische Nationalmuseum an. Ein Bloggerwalk ist eine Art moderierter Spaziergang mit vielen Film- und Fotomotiven für dieses Neuland Internet.

Um es gleich vorweg zu sagen: Die Veranstaltung empfand ich als einen vollen Erfolg. Ich werde das Museum, in dem mich  der Prinzregent Luitpold im Foyer begrüßt, wieder mit meiner Frau besuchen. Die Exponate haben mich tief beeindruckt.

Noch beeindruckender waren allerdings die großen und kleinen Geschichten, die die Kuratoren des Bayerischen Nationalmuseums zu erzählen wussten. Über Geschichten verkauft man Geschichten und Geschichten erzählen konnten die fabelhaften Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums. Storytelling muss also bei einem Bloggerwalk oberstes Gebot sein. Wer langweilt, der fliegt raus.
Die Vorbereitung zum Bloggerwalk war professionell. Nachdem das Museum am Abend für die Öffentlichkeit geschlossen war, wurde es für die Blogger wieder eröffnet. Das ist aus zwei Dingen wichtig, zum einen kamen die Blogger richtig nah an die geschichtsträchtigen Exponate heran, zum anderen wurden keine Persönlichkeitsrechte der Besucher beim Fotografieren und Filmen verletzt. Wir Blogger durften alles filmen und fotografieren. Die Beleuchtung reichte aus, dass der Blitz und die LED-Leuchte in der Tasche bleiben konnten.
Die Führung durch die Ausstellung Barocker Luxus begann in der Elfenbein-Sammlung und ging über in die kostbare Porzellan-Ausstellung mit Exponaten aus China und Meißen.

Und immer tiefer in die Ausstellung. Und immer wieder Storytelling: Mal ist es die Geschichte über eine Porzellandame auf einem Sofa, der der Busen heraus gerutscht, mal ist es das ausdrucksstarke Werben eines Frauenheldens aus Porzellan, samt anlehnender Dame, die eigentlich nur geheiratet werden will. Schön auch die Episoden am Rande, dass die Aufklärung nur durch Porzellan möglich war. Nur in Pozrellantassen war es möglich, heiße Geträne wie Kaffee, Schokolade oder Tee zu genießen und über Gott und die Welt zu philosophieren.

Schön fand ich auch die Tischsitten des Barocks. Eine Tafel mit Silberbesteck und -Teller wurde gezeigt. Das Geschirr wurde nach französischem Vorbild, das heißt ohne Gläser oder Becher gedeckt. Diese brachte die Dienerschaft separat. Unverständlich, warum man aus Gründen des Wichtigseins mit Silberbesteck essen sollte, da Silber den Geschmack der Speisen verändert.

In den folgenden Tagen werde ich ein paar Geschichten um den Barocken Luxus aus dem Bayerischen Nationalmuseum veröffentlichen.
Besonderes Lob übrigens an den Leiter des Hauses, Generaldirektor Dr. Frank Matthias Kammel, der sich von Tanja Praske zum Bloggerwalk überzeugen ließ. Er begrüßte die Blogger auch mit launigen Worten.

Bei der Begrüßung dachte ich mir immer wieder: Den Mann mit seiner ausdrucksstarken Gestik kenne ich irgendwoher. Er hat schon eine lange Museumskarriere hinter sich wie beispielsweise das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg. Irgendwann kam es mir Kulturbanausen dann: Ich kenne Kammel aus dem Fernsehen meiner Eltern, wenn er in der Sendung Kunst und Krempel auftrat. Da musste ich dann doch in einem persönlichen Interview bei ihm nachfragen. Dabei verriet er mir auch, was sein Lieblingsstück im Bayerischen Nationalmuseum ist – lasst euch überraschen.

Buchtipp A Map of the World als Beitrag zur Blogparade #DHMMeer

24. Juli 2018

In der New York Public Library stieß ich das erste Mal auf alte Seekarten. Dort gibt es einen speziellen Kartenraum mit historischen Karten und irgendwie fand ich mich mit Wissenschaftlern in diesem Raum wieder. Wir sichteten altes Kartenmaterial, vor allem Seefahrerkarten. Damit haben historische Seefahrer navigiert und sich auf den Weltmeeren zurecht gefunden. Als Student der Geografie hatte ich ein wenig mit thematischen Kartografie zu tun und konnte den US-Wissenschaftlern ein Halbwissen vorspielen bevor ich aufflog und des Raumes verwiesen wurde. 

Aber die alten Karten haben es mir angetan und hab ne Zeitlang Drucke von historischen Karten gesammelt. Das Hobby hab ich aufgegeben, doch die Liebe zu alten Karten ist geblieben. Und so stieß ich auf das schöne Buch A Map of the World. Es ist eine Sammlung verspielter wunderbar illustrierter Karten. Ich dachte dabei sofort an meine Bloggerclub-Kollegin Tanja Prakse. Sie betreut die Blogparade „Europa und das Meer – was bedeutet dir das Meer | #DHMMeer“ des Deutschen Historischen Museums Berlin. Und Karten von Europa und dem Meer gehören einfach in eine solche Blogparade dazu.

Immer wieder greife ich zu dem 2013 erschienenen Buch und hole mir Inspirationen. Der Bildband  wurde von 2013 von Gestalten aus Berlin auf Englisch herausgebracht und erhält in besonderer Form Geschichten. Der Untertitel des Buches heißt auch: „The World According to Illustrators and Storytellers“ und das passt ideal. 

Topographische oder physische Karten gibt es kaum, hier steht die thematische Kartografie in verschiedenen Ausprägungen im Vordergrund. Aber nicht als geografisches Studienfach, sondern man näherte sich dem Thema aus der Sichtweise des Designers. Für mich sollte das Buch im Studienfach thematische Kartografie besprochen werden, denn es zeigt, was durch Illustration möglich ist: Die Wandlung von thematischer Kartografie hin zur Infografik und damit zur Gebrauchsgrafik. Gerade Infografiken werden verstärkt in Print und Web eingesetzt und dieser Bildband bringt die richtige Inspiration. Und an diesem Beispiel sieht man den Zweck von Karten als Orientierungshilfe mit illustrierter Zusatzinformation. 

Als K1 das Buch in die Hände bekam, sah K1 sofort darin die Simulations- und Strategiepiele in Videogames. Und ich muss zugeben, so habe ich thematische Kartografie noch nie gesehen. K1 baut Städte, Häfen am Meer und lässt die virtuellen Schiffchen fahren. 

Aber zurück zum großartigen Buch. Das 224seitige Buch bietet unterschiedliche Herangehensweisen ans Thema Karte und zeigt dadurch die Vielfalt des Themas. Städtetipps, Stadtpläne, Seekarten, Scherenschnitte, Datenkumulation, 3D-Effekte und vieles mehr. Die Hintergrundinformationen als englischer Text sind relativ kurz geraten und es gibt eine Linksammlung als weitere Inspiration. Ich habe das Buch in meinen Arbeitszimmer stehen und packe es nicht wie sonst in mein Archiv, sondern greife immer wieder darauf zu und denke an meine alten Seekarten. 

Blogparade #SchlossGenuss in Kloster Banz

3. Mai 2018

Als Referent komme ich viel herum. Ich reise zu Tagungszentren und Businesshotels und halte in meine Vorträge rund um Digitalisierung. 

Ein Seminar von mir für den LIV Friseure in Kloster Banz.

Ein Seminar von mir für den LIV Friseure in Kloster Banz.

Ein treuer Kunde von mir ist die Hanns Seidel Stiftung und diese CSU-nahe Stiftung besitzt in Oberfranken das Kloster Banz. Die Franken sagen auch Schloss Banz zu dem imposanten Sandsteingebäude. Und als ich von der Blogparade #SchlossGenuss meiner Bloggerclub-Freundin Tanja Praske erfuhr, wurde mir schlagartig bewusst, in welchem schönen Gebäude ich ab und zu arbeite. Vor lautet Arbeit habe ich manches Mal vergessen, welch schöner und inspirierender Ort das ist. Ihre Blogparade von Tanja dreht sich um die Frage: Was fesselt dich beim Besuch eines Klosters/Schosses? Und ich bin Tanja sehr dankbar für diese Blogparade. 

Der Zauber von Kloster Banz 

Immer wieder verzaubert mich Kloster Banz mit seinem speziellen Charme. Ich komme immer wieder gerne nach Oberfranken, reise in der Regel mit dem Zug an. Gegenüber dem Wallfahrtsort Vierzehnheiligen und dem Staffelberg erhebt sich  das Kloster Banz in die Höhe. Schon bei der Anreise zeigt sich die Schönheit des Klosters. Die HSS hat das baufällige Kloster im Jahre 1978 gekauft und zum Bildungszentrum hergerichtet.

Natürlich ist vieles Routine, wenn ich als Referent nach Banz, die Franken sagen auf Banz, komme. Einchecken, freundliches Schwätzchen mit der Empfangscrew, Zimmer beziehen (meist im Hauptgebäude) und dann wird mir schlagartig bewusst, an welchem wunderbaren Ort ich mich befinde:

Ich öffne mein Fenster und schaue in den Gottesgarten. Ein großartiger Blick in das Obermainland. Meine Batterie laden sich auf. Minutenlang bleibe ich stehen und genieße den Blick. Als Gottesgarten wird eine Region im Obermainland bezeichnet. Sie erstreckt sich von der Gemeinde Ebensfeld das Maintal entlang über Bad Staffelstein bis zur Kreisstadt Lichtenfels. Gegenüber ist die Basilika Vierzehnheiligen zu erkennen – der Ausflug zu den 14 Nothelfern lohnt sich (auch das Bier).

Und ich blicke auf den Staffelberg und das Frankenlied kommt mir in den Sinn. Die vierte Strophe lautet: 

Zum heil’gen Veit von Staffelstein

komm ich empor gestiegen,

und seh’ die Lande um den Main

zu meinen Füßen liegen.

Von Bamberg bis zum Grabfeldgau

umrahmen Berg und Hügel

die breite stromdurchglänzte Au.

Ich wollt’, mir wüchsen Flügel,

valeri, valera, valeri, valera,

ich wollt’, mir wüchsen Flügel.

Die anderen Strophen, die sich gegen die Bayern richten, habe ich als Oberbayer freilich vergessen.

Abwechslung auf Kloster Banz

Dann schalte ich in meinen Arbeitsrhythmus und halte meine Vorträge. Abends steht der Besuch des Bierstüblas, des SPA-Bereichs oder des Fitnessraums an. Meistens stehe ich um 5:30 Uhr auf und laufe eine halbe Stunde auf dem Laufwand. Danach geht es in Schwimmbad bis 7 Uhr.

Ab und zu mache ich einen auf Kultur und betrachte die zahlreichen Gemälde in dem Gebäude. Oft übersehen, aber wirklich eindrucksvoll ist das Museum in Banz. Es beinhaltet die Petrefaktensammlung, die auch zahlreiche andere Exponate wie beispielsweise ägyptische Mumien und ein versteinerten Fischschädel enthält. Ich hab mal über das Museum gebloggt. 

Wenn das Wetter passt, setze ich mich in die Anlagen, um etwas zu lesen, meine Seminare vorzubereiten oder meinen Gedanken nachzuhängen. Hier gehe ich meist Seminarteilnehmern aus dem Weg. Ich sammle Kraft für die Seminare, denn die Weitergabe von Fachwissen ist anstrengend. Bei Hitze ist der kleine Brunnen für mich ein Ort an dem ich mich gern aufhalte. Das Geplätscher beruhigt mich und fördert meine Kreativität. Banz hat viele solcher Orte, die meine Kreativität unterstützen – dafür bin ich sehr dankbar.

 

Immer wieder nutze ich auch diesen abgeschiedenen Ort, um Interviews zu führen. So beispielsweise ein Gespräch mit der jungen Poetry-Slammerin Coco aus Franken. Die damals Elftklasslerin erzähle mir fasziniert über ihr Hobby und ich drehte dazu ein 360 Grad Video. 

Die Orte in Kloster Banz

Kloster Banz hat aber auch interessante Räume, die nicht jedem offen stehen. Die HSS steht der CSU nah, aber es ist keine CSU-Stiftung. Und die CSU führt ab und zu Veranstaltungen durch und auch der Ministerpräsident übernachtet dann hier. Und wer jetzt glaubt, dass die Volksvertreter in Saus und Braus leben, der wird enttäuscht. Ich hatte mal die Chance, eine Suite in Banz zu besuchen.  

Interessanter ist das Arbeitszimmer des Abtes, das nur noch in Führungen besichtigt werden kann. Der kleine Raum zur Uhr über den Haupteingang von Banz ist mittlerweile für die Öffentlichkeit tabu. Vor Jahren hatte ich einmal die Möglichkeit, den Raum zu besichtigen. 

 

Meine Urlaubslektüre – Blogparade Urlaubslektüre – Was liest du?

15. August 2017
Gut belesen durch den August.

Gut belesen durch den August.

Das ganze Jahr muss/darf ich irgendwelche Fachbücher lesen, da brauch ich in den Ferien mal etwas komplett anderes – reine Unterhaltung. Und meine Bloggerclub-Kollegin Tanja Praske machte mich auf eine Blogparade von Die bunte Christine aufmerksam: Urlaubslektüre – Was liest du? Da nehm ich doch glatt teil mit meinem Blog.
Nun, ich fahre dieses Jahr zweigleisig: Ich lese dieses Jahr Rita Falk und Philip K. Dick, einmal sehr einfacher Lesestoff, einmal sehr visionärer Lesestoff.

Provinzkrimis von Rita Falk
Beginnen möchte ich mit Rita Falk und ihre bayerischen Provinzkrimis rund um Franz Eberhofer. Ich habe mir die komplette Romanreihe gekauft und lese jeden Tag ein Buch, gestartet bin ich mit Winterkartoffelknödel. Ex und hopp – viel Tiefe ist nicht zu finden und auch der Stil ist eher einfach. Das ist absolut leichte Kost. Ich wurde auf diese Reihe aufmerksam durch einen Kinobesuch von Valerian. Es lief unter anderem ein Trailer zu der Griesnockeraffäre nach dem Buch von Rita Falk. Hauptdarsteller Sebastian Bezzel war bei uns im örtlichen Kino zu Gast und warb für seinen Film.

Werbung im Kino

Werbung im Kino

Mein ganzes Kinoumfeld war begeistert von der Art bayerischer Provinzkrimi und so wurde ich neugierig. Es gab einige Verfilmungen der Romane von Rita Falk, die ich nicht bisher gesehen habe, aber die Kinobesucher sprachen ganz begeistert darüber. Ich unterhielt mich mit einigen Besucher, die mir die Romane sehr ans Herz legten. Es ist wohl eine neue Form von Heimatroman. In den Personen von Rita Falk erkannte ich einige Bewohner unseres Dorfes wieder, schließlich wuchs die Autorin in Oberbayern auf und hat viel von der Atmosphäre und den Charakteren aufgesaugt. Der Humor ist einfach, die Sprache unkompliziert und Fastfood für den Liegestuhl. Der Reiz liegt in der klischeehaften Zeichnung der Figuren. Es sind keine Helden, sondern menschliche, manches Mal sogar einfältige Typen, aber mit dem Herz an der richtigen Stelle. Die Kriminalfälle, diplomatisch als Provinzkrimi bezeichnet, sind nicht spektakulär, sondern einfach – so wie die Leute eben sind. Manches Mal wurde ich beim Lesen an das königlich bayerische Amtsgericht erinnert.
Die Geschichten selbst sind vorhersehbar. Der Reiz liegt in den handelnden Personen, die einem im Laufe der Lektüre ans Herz wachsen. Die Oma, die Susi, der Papa und Dorfbewohner samt Sheriffs. Ich kann verstehen, wenn man die Krimis um Franz Eberhofer ablehnt, mir halfen sie beim Abschalten.

Harmlose und leichte Kost für unterwegs.

Harmlose und leichte Kost für unterwegs.

Klassiker der SF-Literatur Philip K. Dick
Tiefere Kost und mindestens ebenso unterhaltsam ist die Lektüre von Philip K. Dick – ich bin noch mitten drin. Den Jüngeren wird er als Vorlage für die Amazon-Serie the Man in the High Castle bekannt sein. Dick schuf aber auch mit Träumen Androiden von elektrischen Schafen die Vorlage für Blade Runner. Ich widmete mich diesen Ferien den Science-Fiction Kurzgeschichten. Dick Werk Der Philip-K.-Dick-Companionumfasst 118 Geschichten und 43 Romane, von denen diverse verfilmt worden sind, wie Total Recall oder Minority Report. In meiner vorliegenden fünfbändigen Werkausgabe als Urlaubslektüre sind sämtliche Geschichten in chronologischer Reihenfolge enthalten, also keine Romane. Dies erlaubt mir, die Entwicklung des Science-ficition-Autors zu verfolgen.
Ich tat mich früher schwer mit Kurzgeschichten. Der Einstieg kam mir zu abrupt und das Ende zu schnell. Durch meine Begeisterung für Edgar Allen Poe lernte ich Kurzgeschichten zu lieben und Philip K. Dick hat hier Gewaltiges geleistet. Die Visionen des Autoren sind enorm und zwingen immer wieder zum Nachdenken. Als Kind liebte ich Science Fiction und nachdem ich Philip K. Dick gelesen habe und weiter lese, weiß ich auch warum. Der Schreibstil ist leicht verständlich und immer klar. Die Visionen, die der Autor hat, sind dagegen enorm und zeigen, warum Philip K. Dick einer der ganz Großen der SF-Literatur ist.

Bloggerclub gegründet – und wann bist du dabei?

9. August 2016

Über dem Projekt brüte ich schon eine ganze Weile. Meiner Meinung nach, brauchen wir Blogger eine Interessenvertretung. Seit gestern nimmt das Projekt konkrete Formen an. Der Bloggerclub wurde als Verein gegründet und nimmt in den nächsten Wochen seine Arbeit auf. Viele Leute haben sich über Monate Gedanken gemacht und intensiv hinter den Kulissen gearbeitet, Meetings durchgeführt, Satzungen erarbeitet und enorm viel geleistet. Großartig.
Klar ist doch, dass wir Blogger die deutsche und internationale Medienlandschaft stark prägen. Die Blogossphäre ist voll mit tollen Menschen mit tollen Ideen und tollen Blogs. Die Spanne ist enorm: Kleine private Blogs, Hobbyblogs, spitze Blogs zu allerlei Fachthemen, Wissenschaftsblogs bis hin zu Corporate Blogs, wie Unternehmensblogs heute heißen.
Während die Journalisten, Grafiker, PR-Leute alle ihre eigenen Verbände haben, hatten wir Blogger keine Interessenvertretung. Das ist seit gestern anders. Mit der Gründung des Bloggerclubs möchten wir diesen Missstand beheben.

Ein Teil des Vorstands des Bloggerclubs. Ein Teil des Vorstands des Bloggerclubs. Foto: Lohmeyer

Ein Teil des Vorstands des Bloggerclubs. Foto: Lohmeyer

Wer ist der Bloggerclub?
Wir, dies ist ein prima Team. Neben mir als Vorsitzender bin ich sehr froh meinen Freund, früheren Chef und alten Verbandskollegen Franz Neumeier als meinen Stellvertreter an meiner Seite zu haben. Mit dabei als stellvertretende Vorsitzende ist Su Steiger. Den engeren Vorstand runden Schatzmeisterin Sylvia Kasdorff und Schriftführer Markus Pflugbeil ab. Als Beisitzer fungieren Stephan Goldmann, Alexandra Lattek, Thomas Pfannkuch sowie Tanja Praske. Zum Vorstand koopiert wurden Thomas Gerlach, Maximilian von Rossek und Matthias Schwindt.

Ich bin sehr dankbar, meinen alten Kollegen und Freund Franz Neumeier an meiner Seite zu haben. Foto: Goldmann

Ich bin sehr dankbar, meinen alten Kollegen und Freund Franz Neumeier an meiner Seite zu haben. Foto: Goldmann

Bloggerclub nimmt Fahrt auf
Natürlich werden wir klein anfangen und nicht den zweiten Schritt vor den ersten machen. Gut Ding will Weile haben. Die nächsten Schritte nach den Gründungsformaliäten ist der Aufbau von Kommunikationskanälen. Klar im Fokus der Vereinstätigkeit ist die Aus- und Fortbildung von Bloggern. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Blogger zu organisieren, zu schulen und weiter zu vernetzen. Mit dem PresseClub München haben wir hier einen hervorragenden Partner an der Seite.
Die ersten Gesprächsrunden für Mitglieder drehen sich um Monetarisierung, Affiliate, Google Adsense für Blogs, Newsletter für Blogs und bessere Videos für Blogger. Zudem wird sich der Bloggerclub auf weitere Städte ausbreiten – und freilich neue Mitglieder gewinnen.
Gemeinsame Basis ist dabei ein verbindlicher Bloggerkodex, zu dem sich alle Mitglieder verpflichten. Transparenz ist unser oberstes Gebot. Der Bloggerkodex regelt etwa klare Verhaltensmaßnahmen im Umgang mit Werbung, Unterstützung, Sponsoring und Verlosungen.

So wird man Mitglied im Bloggerclub
Der Verein befindet sich derzeit in der Gründung, der Mitgliedsbeitrag beträgt 60 Euro pro Jahr (ab 30. Juni 30 Euro). Seinen Sitz hat der Bloggerclub in den Geschäftsräumen des Internationalen PresseClub München e.V. (Tal 12/II, 80331 München). Hier gibt es die Satzung, Beitragsordnung und den Kodex unter bloggerclub-dokumente_08-08-2016. Und hier gibt es den Antrag auf Mitgliedschaft bloggerclub-mitgliedschafts-antrag. Gerne stehe ich für Fragen zur Verfügung.

Star Trek Beyond – meine Filmkritik

29. Juli 2016

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Grundsätzlich: Was ist das für eine Welt, in der die Beastie Boys mit Sabotage das gesamte Universum retten? Wäre es da nicht besser, die Welt würde untergehen? Diese grundsätzliche Frage sei Star Trek Beyond mal vorangestellt.
Als seltene Spezies, der sowohl Star Trek als auch Star Wars mag, musste ich Star Trek Beyond natürlich unbedingt sehen, wie alle anderen Star Trek-Filme bisher auch. Fazit: Unterhaltsamer Film, aber viel zu schnell geschnitten, routinierte Schauspieler und überragender Soundtrack. Kann man schauen, muss man als Fan aber auf alle Fälle. Star Trek Beyond ist der 13. Film der Reihe und kommt rechtzeitig zum 50. Jubiläum der Serie. Also wieder ein Kultur-Beitrag zur 4. Blogparade #Kulttrip meiner IronBlogger-Kollegin Tanja Praske.
Ich habe das Gefühl, dass Star Trek Beyond irgendwie als Versöhnungsnummer daher kommt. Regisseur Justin Lin will den alten Trekkies-Fans die Hand reichen. Star Trek Beyond erinnert in manchen Momenten an die alte Serie: Die Kulissen, die Monster und sogar ein altes Motorrad ist dabei. Sehr schön. Aber dann kommt es wieder knüppelhart: Die Story wird seichter, die Action nimmt zu, die doofen Sprüche da.

Heimlicher Held ist nicht Kirk und Co, sondern die Tricktechnik. CGI kann zeigen, was State of the Art ist. Neben der Zerstörungsorgie rund um die Enterprise (schon wieder ist ein Schiff kaputt), hat mich vor allem die Weltraumstation Yorktown fasziniert. So könnte eine aufgeblasene ISS in der Zukunft aussehen — Deep Space nine war nur der Anfang. Straße, Plätze, Züge der Zukunft – eine faszinierende Sichtweise. Vielleicht gibt es ja ein Hinter den Kulissen-Buch, das Yorktown näher zeigt. Diese visuellen Effekte sind wunderbar, doch leider verlieren sich da die Darsteller. Manches Mal erkannte ich keine Handlung mehr, nur noch grandiose Effekte.
Auch die Geschichte passt in unsere Zeit. Die ersten Minuten des Films, die die Routine auf der Enterprise zeigen, zeugen von Humor. Szenen einer Ehe, Szenen von Beziehungen, Szenen von Langeweile – aber alles humorvoll. So war die alte Enterprise. Kirk ist gelangweilt, Spock am Ende seiner Liebschaft mit Uhura – Pille freut sich auf den Alkohol. Dann wird der Humor wieder der typische Blockbuster-Humor. Am Ende des Cliffhangers einen dummen Spruch zur Auflockerung – braucht es das wirklich?

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Regisseur Justin Lin dreht auf
Regisseur Justin Lin dreht voll auf. Und ich schlagartig wusste ich wieder, warum ich die The Fast and the Furious-Serie nicht mag. Zu wenig Inhalte, zu viel Action – die Zeichnung der Charaktere blieb in diesen Filmen auf der Strecke. Bei Star Trek Beyond reißt sich Justin Lin größtenteils am Riemen. Das liegt aber vor allem daran, dass dem Zuschauer seit Jahren die Charaktere bekannt sind. Justin Lin lässt keine Zeit der Entwicklung zu, sondern wirft den Zuschauer voll ins Geschehen und setzt Inhalte und das Trekkie-Beziehungsgeflecht einfach voraus. Damit habe ich als alter Hase kein Problem, aber für Neueinsteiger in die Serie ist dieser Film absolut nichts. Da sollte man besser bei Star Trek von J.J. Abrams einsteigen, wenn nicht gar bei der ganz alten Serie. James „Jim“ T. Kirk leidet unter dem Trauma seines alten Herrn, Cmdr. Spock hat ein Verhältnis mit Lt. Nyota Uhura, Lt. Cmdr. Montgomery „Scotty“ Scott kommandiert Keenser herum, Fähnrich Pavel Chekov will alles richtig machen und und und. Leider entwicklen sich die Figuren im Film kaum weiter. Einzig vielleicht Spock nach dem Tod seines Alter Egos. Und Sulu – aber dazu später.
Eine absolute Bereicherung des Films ist Jaylah, die ein wenig an das David Bowie-Design der siebziger Jahre erinnert. Sie bringt frischen Wind in die Serie und wird am Schluss in die drögen Sternenakademie-Klamotten gepresst. Ihre Freiheit ist dahin, Anpassung lebe hoch – vielleicht ist das die Lehre des Films.

Sulu ist homosexuell
Neu, absolut neu, war die homosexuelle Beziehung von Lt. Hikaru Sulu. Er hat sein Coming-Out in diesem Film. Der ursprüngliche Sulu-Darsteller der TV- und alten Kinoserie George Takei ist homosexuell und vielleicht war dies der Grund, warum Drehbuchautor Simon Pegg einen schwulen Sulu in den Star Trek Beyond hineingeschrieben hat. Dem Film selbst bringt das Coming-Out nicht weiter, aber es ist eine interessante Information am Rande, die sicherlich unter Trekkies diskutiert wird. Star Trek-Schöpfer Gene Roddenberry lehnte Homosexualität in seiner Serie ab, weil die Welt noch nicht soweit sei. Nun, Kirk hat als erster Weißer eine Farbige geküsst und damals eine TV-Revolution ausgelöst, da kann heute Sulu ruhig homosexuell sein. Eine Kino-Revolution wird es nicht mehr auslösen.
Schade, dass Fähnrich Pavel Chekov nicht mehr dabei sein wird. Sein Darsteller Anton Yelchin starb mit 27. Jahren bei einem Autounfall. Er bekam eine Widmung im Abspann genauso wie der Spock Darstellers Leonard Nimoy. Der nächste Teil der Star Trek Serie ist übrigens bereits in Auftrag gegeben, die ersten Verträge sind unterschrieben.

Hammermusik von Michael Giacchino
Zum dritten Mal komponierte Michael Giacchino die Musik zu einem Star Trek-Film. Mein Empfinden: Mit Star Trek Beyond liefert Michael Giacchino sein Meisterstück ab und hat sich endgültig von Jerry Goldsmith gelöst. Ich habe den Soundtrack bisher nur im Film gehört – das Album Star Trek Beyond erscheint erst in den nächsten Tagen. Mein subjektiver Eindruck während des Films: Das ist ein großartiger Score.

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Wagner im Kino – Parsifal mit Popcorn und Bier #KultTrip

27. Juli 2016

Das erste Mal, dass ich mit der Musik von Parsifal konfrontiert war, muss Anfang/Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gewesen sein. Eine kulturbeflissene Freundin aus Bildungsbürgerkreisen schleifte mich in die Verfilmung von Hans-Jürgen Syberberg in ein Münchner Kino mit. So etwas hatte ich bis dato nicht gesehen. 255 Minuten eröffnete sich mir eine komplett neue Welt. Das war bewusst mein erster Kontakt zu Richard Wagner und Parsifal ist bis heute meine prägendste Oper des Meisters.

Parsifal neben Star Trek.

Parsifal neben Star Trek.

So hab ich mich gefreut, als ich hörte, dass es in Bayreuth eine Neuinszenierung des Bühnenweihfestspiels geben sollte. Ich hätte sogar eine Karte für die Premiere in Bayreuth bekommen können, aber eben nur eine. Meine Frau hätte zuhause bleiben müssen, was ich nicht wollte. Daher entschieden wir uns für einen anderen Weg des Kulturgenusses, der mich an meine ersten Erlebnisse mit Parsifal erinnerte. Wir schauten uns die Übertragung von Parsifal live im Kino an. Das ist dann auch gleichzeitig mein Beitrag zur 4. Blogparade #Kulttrip meiner IronBlogger-Kollegin Tanja Praske.
Übertragungsort von Wagner im Kino war wie die vergangenen Jahre zuvor das Scala Kino in Fürstenfeldbruck. Neben Fans von Independence Day 2 und Star Trek Beyond trafen sich rund 30 lokale Wagner-Fans zumeist älteres Semesters in der Lobby des Kinos. Ich muss den Betreibern des Scala Kinos mein Lob und meine Anerkennung aussprechen, dass sie eine Übertragung aus Bayreuth zeigen und nicht auf einen US-Blockbuster setzen, der garantiert mehr Umsatz bringt. Vielen Dank liebes Scala-Team, dass ihr uns wie die Jahre zuvor dieses Kulturereignis ermöglicht. Chapeau.

Danke liebes Scala in FFB für die Übertragung des Parsifal.

Danke liebes Scala in FFB für die Übertragung des Parsifal.

Wagner im Kino ist dann doch etwas anders als Wagner im Bayreuth. Im August bin ich wieder beim Holländer vor Ort und quetsche mich in die engen Stühle. Im Kino geht es lockerer zu. Es begann damit, dass ich mir Bier und Popcorn in den Saal mitnahm. In Bayreuth wäre ich dafür am Fahnenmast des Opernhauses aufgeknüpft worden. Klamottentechnisch hatte ich Anzug, Fliege und besondere Schuhe im Kino an – FashionShow muss eben auch im Kino sein.

Sekt vor der Übertragung.

Sekt vor der Übertragung.

Es gab ein Glas Sekt zum Einstand für mich, den ich alleine genoss. Meine Gattin verspätete sich aufgrund eines ärgerlichen S-Bahn-Schadens des MVV. In Bayreuth zu spät zu kommen, kommt einer Todsünde gleich. Wer zu spät kommt oder während der Vorstellung den Saal verlässt, der bleibt vor der Tür bis der Akt/Aufzug beendet ist. Strenge Gesetze sind dies in Bayreuth. Im Kino konnte meine Frau nach Vorstellungsbeginn einfach in den Kinosaal huschen und neben mir Platz nehmen.

Axel Brüggemann gibt sich Mühe, aber Katharina Wagner ist nicht bei der Sache.

Axel Brüggemann gibt sich Mühe, aber Katharina Wagner ist nicht bei der Sache.

Zudem gab es im Kino ein Erläuterungsprogramm. Locker wie immer spricht Musikjournalist Axel Brüggemann mit den Verantwortlichen am grünen Hügel, wobei Katharina Wagner mal wieder komplett unsympathisch herüber kommt. Die Dame des Hauses schaut während des Interviews nach oben und ihre Antworten sind nicht gerade das, was ich unter Begeisterung verstehe. Da hätte ich gerne den musikalischen Direktor Christian Thielemann im Gespräch gehabt. Der hätte sich auch gleich zum Abgang des Dirigenten Andris Nelsons äußern können, an dem Thielemann seiner Meinung nicht Schuld gewesen sein soll. Nein, da lieber die Decke des Schweigens über den Eklat legen und Blabla machen.
Schön war daher das Interview mit dem eingesprungenen Dirigenten Hartmut Haenchen. Ich bin begeistert, von seiner Interpretation von Parsifal. Nach seinen Worten gibt er den Parsifal, wie ihn Wagner sich vorgestellt hat. Das bedeutet, Haenchen hat massiv an Tempo und Ausdruck gearbeitet und einen vergleichsweise kurzen Parsifal dargeboten. Andere Dirigenten brauchen für die gleiche Oper fast eine Stunde länger. Ich war bisher auf die Version von Knappertsbusch eingeschworen. Mir hat die neue musikalische Interpretation des Werkes durch Haenchen gefallen – und dies nach einer vergleichsweise kurzen Probephase, nachdem Nelsons das Handtuch geschmissen hat. Ich erinnere mich gerne an die schnelle Bayreuth-Aufnahme Parsifalvon Pierre Boulez. Haenchen durfte 1971 hospitieren und hat nun seine Interpretation geschaffen. Auch das Problem mit dem Bayreuther Graben hat Hartmut Haenchen wunderbar gelöst. Orchester und Sänger spielen zeitversetzt.

Stark: Georg Zeppenfeld als Gurnemanz

Stark: Georg Zeppenfeld als Gurnemanz

Für mich die beste Sängerleistung war Georg Zeppenfeld als Gurnemanz sowie Elena Pankratova als Kundry. Und auch die Inszenierung hat mir zugesagt. Die Neuinszenierung von Uwe Eric Laufenberg passte für mich ideal in die heutige Zeit. Parsifal ist ein sakrales Werk voller Leid. Und wenn am Ende die Sänger die religiösen Symbole aller Religionen in einen Sarg packten, hatte das für mich starke Symbolkraft. Diese religionskritische Interpretation angesiedelt an einem Ort zwischen Nordirak und Syrien fand ich prima. Gralsritter und das Mysterium des Grals und der heiligen Lanze im neuen Gewand. Die Verwandlungsmusik wird optisch durch das Herumstreifen im Weltall dargestellt. Es regnet Kreuze, die Kirche als Schutzplatz für andere Religionen – viel Stoff für Interpretationen. Über allen schwebte die göttliche Musik von Richard Wagner. Der Schluss mit dem Höchsten Heiles Wunder! demonstriere mir wieder, warum ich die Musik von Richard Wagner so mag. Politisch lehne ich Wagner ab, musikalisch verehre ich ihn.

Tolle Interpretation durch Hartmut Haenchen

Tolle Interpretation durch Hartmut Haenchen

Digitalisierung: Museen der Gegenwart und Zukunft

22. Mai 2016

Ich sehe begeistert die ersten Ansätze von Museen der Zukunft. Mit virtuellen Führungen, Hologramm-Darstellungen oder 3D-Rekonstruktionen wird der Museumsbesuch zum Erlebnis für die Sinne. Als Kind besuchte ich gerne das Deutsche Museum in München und meine Familie sind auch Fördermitglied des Museums. Aber die Wissensvermittlung muss sich verändern und das wird mir zum heutigen Museumstag wieder bewusst. Warum können neue Techniken nicht dazu dienen, die Sammlungen aus den Archiven einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen?
Das Zauberwort dafür heißt 3D-Erfassung. Schon vor Jahren hatte ich diese Idee, aber aus Faulheit nicht umgesetzt. Ich beschäftigte mich eine Zeitlang mit 3D-Scan. Es wird Zeit, dass ich mich wieder ernsthaft damit auseinandersetze.
Eine 3D-Erfassung öffnet die Archive und Magazine und macht wertvolle Kulturgüter wie Skulpturen oder Gemälde als digitale Versionen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. So bleiben die Kulturschätze für kommende Generationen erhalten. Daher überrascht das folgende Umfrageergebnis nicht: 64 Prozent der Deutschen befürworten die 3D-Erfassung und digitale Bereitstellung von Kulturgütern. fröbus, Kölns ältester Medientechnik-Betrieb und Spezialist für 3D-Visualisierungen, fragt in einer Umfrage nach dem öffentlichen Interesse an einer digitalen Erfassung wertvoller Exponate und deren Nutzungsmöglichkeiten. Meine Kollegin Tanja Praske beschäftigt sich ausführlich mit dem Thema Museum im Web 2.0-Zeitalter.

Bestand digital konservieren
Wie schon Filmarchive und Bibliotheken stehen Museen in den kommenden Jahren vor der Aufgabe, ihren Bestand für nachfolgende Generationen nicht nur in analoger, sondern in digitaler Form zu konservieren. So hat die Europäische Kommission die Kultureinrichtungen dazu aufgerufen, verstärkte Anstrengungen zu unternehmen, Kulturgüter elektronisch zu erfassen und online bereitzustellen. Allerdings fehlt es an finanziellen Mitteln und Unterstützung, einheitlichen technischen Standards oder Richtlinien für diese Mammutaufgabe. Das öffentliche Interesse an digitalen Reproduktionen hingegen ist hoch. Dies zeigen die Ergebnisse einer von der Julius Fröbus GmbH in Auftrag gegebenen repräsentativen Befragung. Demnach sind 64 Prozent der Deutschen dafür, das Kulturschätze als 3D-Modell erfasst und digital öffentlich zugänglich gemacht werden.

3D-Scan einer Skulptur. Foto: fröbus

3D-Scan einer Skulptur. Foto: fröbus

Das Rund-um-die-Uhr-Museum ist immer noch ein Traum
Es klingt einfach zu verlockend: Nicht nur aktuelle Ausstellungen, sondern das gesamte Archiv oder Magazin könnte bei Interesse angeschaut werden, sogar außerhalb der Einrichtungen und jenseits der Öffnungszeiten – wie es in Zukunft etwa ansatzweise aussehen könnte, zeigt heute schon die Digitalsammlung des Frankfurter Städel Museums. Bislang kaum oder gar nicht ausgestellte Kulturschätze – etwa weniger bedeutende Werke einzelner Künstler – können so zumindest als digitale Reproduktion zugänglich gemacht werden. Durch die Nutzung einer digitalen Bestandsdokumentation lassen sich Prozesse in den Museen optimieren, Kosten bei Einlagerungen und Verleihungen sparen. Zudem könnten Ausstellungen leichter konzipiert werden, denn wertvolle und empfindliche Exponate müssten nicht zwingend auf Reisen geschickt werden – etwa um ein Gesamtwerk eines bedeutenden Künstlers zu zeigen. In der Tat fordern – laut der repräsentativen fröbus-Befragung – 89 Prozent der Deutschen einen freien Zugang zum Kulturerbe.
„Mit der 3D-Erfassung und Archivierung von Kulturgütern lässt sich die Grundlage dafür schaffen, um Museumsbestände – oder digitale Leihgaben von anderen Museen – in einem erweiterten Kontext erfahrbar zu machen“, sagt Ralf Meyer, Projektleiter CGI und Fotostudio bei fröbus. Und dafür sind webbasierte und benutzerfreundliche Schnittstellen für Besucher die Voraussetzung. Wohin hier die Reise zukünftig gehen kann, zeigt etwa das Museum Of Modern Art in New York mit seinen innovativen mobilen Apps fürs Museum und unterwegs. Aber auch das Rijksmuseum in Amsterdam setzt mit dem Rijksstudio ein kreatives Zeichen. Damit können Besucher während des Museumsaufenthalts oder online 200.000 Meisterwerke aus der Sammlung frei bearbeiten, speichern und sich anschließend etwa als hochauflösende Drucke nach Hause kommen lassen – oder die eigenen Design-Meisterwerke beim Rijksstudio-Wettbewerb einreichen.

3D-Museumsrundgänge im VR-Raum
Aber die Möglichkeiten des Einsatzes digitaler Reproduktionen gehen noch weiter. Denkbar sind etwa 3D-Museumsrundgänge im virtuellen Raum, von allen Seiten betrachtbare Hologramme oder berührbare 3D-Reproduktionen von sehr empfindlichen Kunstwerken, die neue Perspektiven erlauben. So würden spektakuläre Ausstellungen, die schon heute Massen an Besuchern anziehen – wie etwa „Hieronymus Bosch – Visionen eines Genies“ im Niederländischen Noordbrabants Museum oder „Monet und die Geburt des Impressionismus“ im Frankfurter Städel Museum mit Rekordbesucherzahlen – sich noch vielseitiger und intensiver erleben lassen.
Auch museumspädagogisch bieten sich neue Perspektiven: Digitale Exponate lassen sich zum Sprechen bringen und wecken die Neugier auf Kunst und Kultur schon bei den jüngsten Besuchern. Denkbar sind digital rekonstruierte Arbeitsschritte wichtiger Kunstwerke – Visualisierungen von der ersten Skizze bis zum fertigen Kunstwerk.

Konservierung des Kulturerbes
Der digitale Medienwandel öffnet nicht nur das Museum der Zukunft für neue Erlebnis- und Wissenswelten, sondern sichert gleichzeitig das kulturelle und ideelle Erbe einer Gesellschaft für künftige Generationen. Laut der fröbus-Umfrage sind 93 Prozent der Bundesbürger der Meinung, dass Kulturgüter, mindestens Reproduktionen, für die Zukunft erhalten bleiben müssen. Denn an den Exponaten nagt unwiderruflich der Zahn der Zeit durch Umwelteinflüsse wie insbesondere Licht, die das verwendete Material langsam aber unaufhaltsam beschädigen oder gar zerstören. Museen wappnen sich für die Zukunft mit digitalen Replikaten, indem sie farben- und formgetreue 3D-Visualisierungen der Exponate archivieren, um Originale wieder restaurieren oder rekonstruieren zu können.
„Die technischen Möglichkeiten zur Digitalisierung von Kulturgütern sind mittlerweile enorm“, sagt Frank Bayerl, Geschäftsführer bei fröbus. „Farb- und formengetreue digitale Abbilder von Exponaten lassen sich direkt in den Museen vornehmen. Selbst die Fachleute sind verblüfft, wie nah die digitalen Reproduktionen heute bereits an die Originale heranreichen. Als Spezialist für 3D-Visualisierungen und digitale Medienproduktionen war es uns wichtig mit einer Umfrage das öffentliche Interesse – vor allem für künftige Verwendungsmöglichkeiten – abzufragen.  Für uns entwickelt sich hier ein Markt mit Potential für die Zukunft.“

#Lustwandeln – Tanja Praske setzt Maßstäbe für die Schlösserverwaltung im Freisaat Bayern

28. September 2015

Da sage noch einer, die bayerische Verwaltung hat nichts mit Social Media am Hut. Genau das Gegenteil ist der Fall – wie ich am Beispiel der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung feststellen konnte. Dort wurde ein schöner Plan ausgeheckt, um eine App für den Schlosspark von Nymphenburg zu bewerben. Die ganze Aktion lief unter dem Hashtag #Lustwandeln und hatte einen riesigen Erfolg. Das Bayerische Finanzministerium, zu dem die Schlosserverwaltung gehört, kann gehörig stolz auf solche Mitarbeiter sein.
Die #Lustwandeln -Aktion ist jetzt schon ein paar Tage her und wurde im März 2015 durchgeführt. Jetzt schlagen die Wellen wieder hoch, denn die Aktion wurde für den renommierten Virenschleuder-Preis #vsp15 nominiert und ich drücke die Daumen, dass die Aktion gewinnt. Bei der Nominierung wurde das ganze Projekt noch einmal aufgerollt und bei meinen Schulungen (auch vor Angehörigen der bayerischen Ministerialverwaltung) stelle ich den Tweetwalk zu #Lustwandeln als vorbildlich heraus.
Die Schlösserverwaltung veranstaltete für Blogger, Twitterer und Instgrammer einen exklusiven Spaziergang durch den Garten von Schloss Nymphenburg. Man kam an Orte, die für die Öffentlichkeit gesperrt sind. Es herrschte daher eine gewisse Exklusivität vor. Als exklusiver Medienpartner wurde mit der SZ ein klassisches Holzmedium gewonnen, die auch sehr gut über die Aktion berichtet haben. Alle Teilnehmer des Tweetwalk erhielten eine Führung durch die Gartenexperten der Schlosserverwaltung und natürlich wurde unter dem Hashtag #Lustwandeln den ganzen Tag in den sozialen Netzen darüber berichtet.

Das Monitoring zeigt, Lustwandeln ist ein Erfolg.

Das Monitoring zeigt, Lustwandeln ist ein Erfolg.

„Wir wollten dem Englischen Landschaftsgarten zu viraler Wucht verhelfen“, sagte mir Tanja Praske. Die Kunsthistorikerin und erfolge Social Media-Frau zog das ganze Projekt durch – von der App-Erstellung bis hin zum Tweetwalk. Hut ab vor so einer Leistung und Hut ab vor der Schlösserverwaltung, die sich auf so ein Experiment eingelassen hat. Die ganze Sache mit dem #Lustwandeln wurde ein Erfolg. Das Monitoring des Hashtags #Lustwandeln lief vom 23.3. bis zum 7.5.15. Es kamen 3.167 Tweets mit einer potentiellen Reichweite von 3.696.300 Impressions zustande. Und ich muss zugeben: Ich habe mich geärgert, dass ich damals nicht dabei sein konnte. Ich hatte einen Kundenauftrag und musste arbeiten. Gerne hätte ich zum Erfolg von #Lustwandeln live beigetragen. So konnte ich nur retweeten, faven und kommentierten.
Vor kurzem traf ich mich mit Tanja Praske. Sie ist wie ich ein Mitglied der IronBlogger München. Ich führte mit Tanja Praske ein langes, inspirierendes Gespräch. Ihr Projektauftrag bei der Schlösserverwaltung ist nun zu Ende und sie hofft auf neue Aufträge aus dem Kulturumfeld. Ich drücke ihr die Daumen bei ihren Vorhaben. Für mich steht fest: Kultur im Netz hat eine Zukunft, solange es solch engagierte Kunsthistoriker wie Tanja Praske gibt. Schaut euch das Interview an, dass ich mit ihr geführt habe.