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„Starship Troopers“ – Matinee am 4. Oktober im Scala Fürstenfeldbruck

3. Oktober 2026

Auf den ersten Blick ist „Starship Troopers“ von Paul Verhoeven ein spektakuläres Science-Fiction-Abenteuer: Die Menschheit kämpft gegen gigantische außerirdische Insekten, junge Rekruten ziehen voller Begeisterung in den Krieg und gewaltige Raumschlachten treffen auf brachiale Action. Doch hinter dem martialischen Spektakel verbirgt sich einer der klügsten und provokantesten Science-Fiction-Filme der 1990er-Jahre. Ich zeige diesen Film am Sonntag, 4. Oktober um 10:45 Uhr in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Paul Verhoeven, der bereits mit „RoboCop“ bewiesen hatte, wie hervorragend sich Actionkino und Gesellschaftssatire verbinden lassen, macht aus Robert A. Heinleins Romanvorlage eine bitterböse Betrachtung über Militarismus, Propaganda und die Verführungskraft einfacher Feindbilder. Seine Zukunft sieht dabei keineswegs düster aus: Die Menschen sind jung, schön und erfolgreich, die Städte sauber und die Technik beeindruckend. Doch Bürgerrechte müssen verdient werden, militärischer Dienst genießt höchstes Ansehen und Gewalt gilt als legitimes Mittel zur Durchsetzung politischer Interessen.

Mittendrin steht Johnny Rico, der zunächst vor allem deshalb zum Militär geht, weil er seiner großen Liebe Carmen folgen möchte. Aus dem unbeschwerten Jugendlichen wird jedoch Schritt für Schritt ein Soldat. Was in einem gewöhnlichen Kriegsfilm als klassische Heldengeschichte funktionieren würde, bekommt bei Verhoeven einen bitteren Beigeschmack: Ist Rico wirklich erwachsen geworden – oder wurde er lediglich perfekt an das System angepasst?

Legendär sind die Propagandasequenzen mit der immer wiederkehrenden Frage „Would you like to know more?“. Nachrichten, Werbung, Kriegsbilder und Rekrutierungsaufrufe verschmelzen zu einem permanenten Strom aus Unterhaltung und politischer Botschaft. Was 1997 wie eine groteske Zukunftsvision wirkte, erscheint im Zeitalter von Social Media, kurzen Videoclips, Desinformation und emotionalisierten Nachrichten erstaunlich aktuell.

Dabei verliert „Starship Troopers“ niemals seinen Unterhaltungswert. Riesige Bugs, spektakuläre Schlachten, schwarzer Humor, grandiose Spezialeffekte und eine bewusst überzeichnete Hochglanzwelt machen den Film zu einem großen Kinoerlebnis. Doch je länger man hinsieht, desto stärker verändert sich der Blick auf das vermeintlich einfache Abenteuer. Wer sind hier eigentlich die Guten? Was wissen wir wirklich über den Gegner? Und warum stellt kaum jemand die Geschichte infrage, die der Bevölkerung über diesen Krieg erzählt wird?

Gerade diese zweite Ebene macht „Starship Troopers“ zu einem idealen Film für eine Matinee. Man kann ihn als mitreißendes Science-Fiction-Spektakel genießen – und anschließend lange über ihn diskutieren. Denn Paul Verhoeven stellt eine Frage, die weit über seinen Film hinausgeht: Wie leicht lassen wir uns von starken Bildern, einfachen Botschaften und klar definierten Feindbildern überzeugen?

Ein moderner Science-Fiction-Klassiker, der kracht, provoziert, unterhält – und fast 30 Jahre nach seiner Premiere erstaunlich wenig von seiner Aktualität verloren hat. Would you like to know more?
Besuchen Sie unsere Matinee im Scala Fürstenfeldbruck am Sonntag, 4. Oktober um 10:45 Uhr. Karten hier.

Rückblick auf meine Matinee: Über dem Jenseits (1980)

25. September 2026

Lucio Fulcis Über dem Jenseits von 1981 ist kein Film, den man nach den üblichen Maßstäben von Handlung, Psychologie und dramaturgischer Logik bewerten sollte. Wer eine sauber erzählte Geistergeschichte erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Wer sich aber auf einen fiebrigen, morbiden, fast traumartigen Horrorfilm einlässt, bekommt eines der stärksten Werke des italienischen Genrefilms der frühen achtziger Jahre. Ich hatte den Film bei meiner Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Die nächste Matinee ist am 4. Oktober der Film StarShip Tropfers. Karten gibt es hier.

Der Originaltitel lautet …E tu vivrai nel terrore! L’aldilà, international ist der Film als The Beyond bekannt. Fulci erzählt von Liza Merrill, gespielt von Catriona MacColl, die ein altes Hotel in Louisiana erbt. Dieses Hotel steht, wie sich bald zeigt, auf einem der sieben Tore zur Hölle. Unterstützt wird sie von Dr. John McCabe, gespielt von David Warbeck. Zum Ensemble gehören außerdem Cinzia Monreale, Antoine Saint-John und Veronica Lazar. Die Musik stammt von Fabio Frizzi, die Kamera führte Sergio Salvati. Der Film gilt als Teil von Fulcis loser „Gates of Hell“-Trilogie, zu der auch Ein Zombie hing am Glockenseil und Das Haus an der Friedhofsmauer gezählt werden. Hier ist mein Vortrag zum dem Film. 

Die Geschichte ist im Grunde schnell erzählt: Eine Frau kommt in ein verfallenes Hotel, die Vergangenheit meldet sich zurück, Tote kehren wieder, Räume verändern ihre Bedeutung, und am Ende gibt es keinen Ausweg mehr. Aber diese Inhaltsangabe greift zu kurz. Über dem Jenseits funktioniert weniger als klassische Erzählung, sondern als Abstieg. Fulci baut keinen Spannungsbogen im Hollywood-Sinn, sondern eine Serie von Visionen, Warnungen, Todesbildern und surrealen Übergängen.

Genau darin liegt seine Stärke. Der Film wirkt wie ein Albtraum, in dem man zwar einzelne Zusammenhänge erkennt, aber nie vollständig begreift, nach welchen Regeln diese Welt funktioniert. Figuren handeln nicht immer logisch, Schauplätze scheinen sich zu verschieben, Ursache und Wirkung lösen sich zunehmend auf. Das kann man als Schwäche sehen. Man kann es aber auch als bewusste Ästhetik lesen: Die Hölle bricht nicht als klar erklärbares Ereignis in die Realität ein, sondern als langsame Auflösung jeder Ordnung.

Fulci war nie ein eleganter Regisseur im klassischen Sinn. Er war grob, direkt, manchmal schlampig, gelegentlich geschmacklos. Aber in Über dem Jenseits findet diese Grobheit eine erstaunliche Form. Der Film ist voller extremer Gewaltszenen: Augen werden zerstört, Körper zerfallen, Säure frisst sich durch Fleisch, Spinnen attackieren ein Gesicht, Zombies tauchen auf wie Boten aus einer verrottenden Zwischenwelt.

Das Entscheidende ist: Diese Szenen sind nicht einfach nur Schockeffekte. Sie sind Teil einer Bildwelt, in der der menschliche Körper seine Stabilität verliert. Bei Fulci ist der Körper kein geschützter Ort, sondern eine brüchige Hülle. Augen spielen dabei eine besondere Rolle. Immer wieder geht es um Sehen, Blindheit, Warnzeichen und das Unvermögen, das Grauen rechtzeitig zu erkennen. Die berühmten weißen Kontaktlinsen, die mehrere Figuren tragen, wurden laut Produktionsangaben aus Glas gefertigt und handbemalt. 

Fulcis Gewalt ist sicher nicht jedermanns Sache. Sie kann abstoßend wirken, manchmal auch überzogen. Aber sie besitzt hier eine eigene, makabre Poesie. Gerade die Kombination aus billigem Effektkino, katholisch aufgeladenem Jenseitsgrauen und verfallener Südstaaten-Gotik macht den Reiz des Films aus.

Ein großer Teil der Wirkung entsteht durch die Schauplätze. Gedreht wurde unter anderem in New Orleans, im Umland Louisianas und später auf italienischen Studiobühnen. Das historische Otis House bei Lake Pontchartrain diente als Hotel „Seven Doors“. Für den heruntergekommenen Look wurde das Gebäude künstlich gealtert. 

Das ist mehr als exotische Kulisse. Louisiana wird bei Fulci zu einer Art Zwischenreich: Sümpfe, Friedhöfe, verfallene Gebäude, leere Straßen, das Hotel als Schwelle zwischen Leben und Tod. Man spürt, dass der Film nicht an realistischer Ortsbeschreibung interessiert ist. Louisiana ist hier ein mythischer Raum, ein Ort des Stillstands, an dem die Vergangenheit nicht vergeht, sondern verwest.

Fabio Frizzis Musik ist ein wesentlicher Grund, warum Über dem Jenseits bis heute nachwirkt. Sein Score verbindet elektronische Elemente, Chöre, Mellotron, Bass und orchestrale Passagen. Frizzi wollte nach eigener Aussage verschiedene instrumentale Formen zusammenführen; das Ergebnis ist ein Thema, das zugleich feierlich, unheilvoll und hypnotisch wirkt. 

Die Musik verleiht dem Film Größe, wo die Inszenierung manchmal billig aussieht. Sie zieht die Bilder ins Mythische. Gerade das Hauptthema macht aus dem Geschehen keinen bloßen Splatterfilm, sondern eine Totenmesse. Man hat das Gefühl, der Film marschiere von Anfang an auf sein unausweichliches Ende zu.

Natürlich hat der Film Schwächen, gewaltige sogar. Die Dialoge sind oft hölzern. Die englischsprachige Synchronisation verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Manche Figuren wirken weniger wie Menschen als wie Markierungen in einem Albtraum. Auch die Handlung ist löchrig. Warum Figuren bestimmte Dinge tun, warum sie Warnungen ignorieren, warum Räume und Wege plötzlich anders funktionieren – vieles bleibt unklar.

Aber bei Über dem Jenseits stellt sich die Frage, ob diese Schwächen den Film tatsächlich beschädigen oder ob sie Teil seines Reizes sind. Fulci interessiert sich nicht für psychologische Plausibilität. Ihn interessieren Zustände: Angst, Verfall, Vorahnung, Ausweglosigkeit. In diesem Sinne ist der Film näher an einem düsteren Gemälde oder einem apokalyptischen Gedicht als an einem klassischen Horrorplot.

Das Finale gehört zu den stärksten Momenten in Fulcis Werk. Ohne zu viel zu erklären: Der Film endet nicht mit Auflösung, Rettung oder Bestrafung, sondern mit einer metaphysischen Sackgasse. Die Figuren erreichen einen Ort jenseits der bekannten Welt, eine graue, leere, endlose Landschaft. Dieser Schluss ist so einfach wie erschütternd. Er macht deutlich, dass das Grauen nicht besiegt werden kann. Es war immer schon da.

Gerade hier wird Über dem Jenseits größer als seine einzelnen Effekte. Fulci gelingt ein Bild absoluter Verlorenheit. Kein moralischer Trost, keine göttliche Ordnung, keine Rettung. Nur Staub, Leere und das Jenseits als ewige Gefangenschaft.

Bei Erscheinen wurde der Film von vielen Kritikern abgelehnt. In Italien warf man Fulci Geschmacklosigkeit und banale Inhalte vor; erst später wurde der Film von Genrefans und Fachpublikationen deutlich stärker gewürdigt. In Großbritannien hatte der Film erhebliche Probleme mit der Zensur und wurde im Umfeld der sogenannten „Video Nasties“ diskutiert; ungekürzt erschien er dort erst viel später auf Heimvideo. 

Heute gilt The Beyond vielfach als einer von Fulcis zentralen Filmen. Sogar moderne Horrorlisten heben ihn als besten Teil der „Gates of Hell“-Trilogie hervor und beschreiben ihn treffend als einen Film für ein Publikum, das Fulcis spezielle Mischung aus Surrealismus, Körperhorror und morbider Atmosphäre schätzt. 

Ich bespreche und zeige in meiner nächsten Matinee den Film Starship Tropfers am Sonntag 4. Oktober um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Ferris macht blau – Matinee am 30. August im Scala Fürstenfeldbruck

29. August 2026

Manchmal muss man einfach aussteigen. Aus dem Stundenplan, aus den Erwartungen, aus dem ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Genau das macht Ferris Bueller – und zwar mit einer solchen Mischung aus Charme, Dreistigkeit und Lebensfreude, dass „Ferris macht blau“ auch Jahrzehnte nach seiner Premiere nichts von seiner unwiderstehlichen Energie verloren hat. Daher präsentiere ich diesen Teenie-Klassiker der 80er in meiner Matinee am Sonntag, 30. August im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

John Hughes’ Kultkomödie aus dem Jahr 1986 ist weit mehr als eine Geschichte über einen Schüler, der keine Lust auf Unterricht hat. Es ist eine Liebeserklärung an die Freiheit, an die Freundschaft und an jene kostbaren Augenblicke, in denen man beschließt, das Leben nicht auf später zu verschieben.

Ferris Bueller, gespielt von Matthew Broderick, ist der König des Schulschwänzens. Während seine Eltern glauben, ihr Sohn liege schwer krank im Bett, hat Ferris längst einen perfekten Plan geschmiedet. Gemeinsam mit seiner Freundin Sloane und seinem besten Freund Cameron macht er sich auf den Weg nach Chicago. Und weil ein gewöhnlicher Ausflug natürlich nicht reicht, gehört auch der kostbare Ferrari von Camerons Vater zum Programm.

Was folgt, ist einer der berühmtesten Tage der Filmgeschichte. Ferris und seine Freunde besuchen ein Baseballspiel, genießen ein vornehmes Restaurant, entdecken Kunst im Museum und stürzen sich mitten hinein ins pulsierende Leben der Großstadt. Ferris übernimmt sogar eine Parade und verwandelt „Twist and Shout“ in eine mitreißende Hymne auf die pure Lebensfreude. Gleichzeitig setzt Schuldirektor Ed Rooney alles daran, den vermeintlich kranken Schüler auf frischer Tat zu ertappen – und schlittert dabei von einer Katastrophe in die nächste.

Doch hinter all dem anarchischen Spaß steckt überraschend viel Gefühl. Vor allem Cameron macht „Ferris macht blau“ zu mehr als einer Teenagerkomödie. Während Ferris scheinbar unbeschwert durchs Leben tanzt, trägt sein bester Freund Ängste und Unsicherheiten mit sich herum. Für ihn wird dieser verrückte Tag zu einer Befreiung. Am Ende geht es deshalb nicht nur darum, die Schule zu schwänzen. Es geht darum, den Mut zu finden, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen.

John Hughes trifft dabei einen Ton, der nur selten so perfekt gelungen ist: frech und warmherzig, überdreht und melancholisch, romantisch und rebellisch zugleich. Ferris spricht direkt mit dem Publikum, durchbricht die vierte Wand und macht uns zu seinen Mitverschwörern. Wir schauen ihm nicht einfach beim Blaumachen zu – wir machen gewissermaßen mit.

Und natürlich besitzt der Film einen unschätzbaren Vorteil: Er macht einfach gute Laune. Das Chicago der 1980er Jahre wird zur riesigen Spielwiese, der Ferrari zum Symbol einer verbotenen Freiheit und Ferris selbst zum Botschafter einer ebenso einfachen wie zeitlosen Botschaft: Das Leben wartet nicht.

Darin liegt vielleicht das Geheimnis, warum „Ferris macht blau“ bis heute so hervorragend funktioniert. Hinter der Komödie steckt eine Wahrheit, die mit zunehmendem Alter sogar an Bedeutung gewinnt. Termine, Verpflichtungen, Arbeit und Alltag können unsere Tage bestimmen – und plötzlich stellen wir fest, wie schnell die Jahre vergangen sind.

„Ferris macht blau“ ist 1980er-Jahre-Kino in seiner schönsten Form: witzig, romantisch, rebellisch und voller Lebensfreude. Ein Kultfilm über Freundschaft und Freiheit – und eine Einladung, das Leben nicht an sich vorbeiziehen zu lassen.

Oder wie Ferris es auf den Punkt bringt: Das Leben bewegt sich ziemlich schnell. Wer nicht ab und zu innehält und sich umsieht, könnte es verpassen. In meiner Matinee am Sonntag 30. August im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Filmkritik: Steckerlfischfiasko – Kein Fiasko, aber das bewährte Erfolgsrezept stößt ohne neue Ideen an seine Grenzen

13. August 2026

Zehn Teile Niederkaltenkirchen: Wenn das Erfolgsrezept schal schmeckt, dann ist es auch mal gut. Variation des ewig Gleichen legen ein baldiges Ende der Krimireihe nahe.
Mit Steckerlfischfiasko schlägt der bayerische Kult-Dorfpolizist Franz Eberhofer bereits zum zehnten Mal auf der Kinoleinwand auf. Nach den heftigen kreativen Querelen und öffentlichen Dissonanzen rund um den Vorgänger war man gespannt, ob die Jubiläums-Adaption nach den Romanen von Rita Falk zu alter Stärke findet oder endgültig im Leerlauf versauert. Das Ergebnis ist eine zweischneidige Angelegenheit: Der Film funktioniert als verlässliche Wohlfühl-Komödie für eingefleischte Fans – enttäuscht jedoch cineastisch auf ganzer Linie durch kreative Ermüdungserscheinungen.

Der Krimi als lästiges Pflichtprogramm
Inhaltlich dreht sich im beschaulichen Niederkaltenkirchen diesmal alles um den gewaltsamen Tod des lokalen „Steckerlfischkönigs“, dessen Leiche im exklusiven Wellness-Bereich eines neu errichteten Golfclubs gefunden wird. Zusammen mit seinem dauerleidenden Kumpel Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) stürzt sich Franz in die Ermittlungen, die sie tief in eine verfahrene Familienfehde verfeindeter Volksfest-Clans führen.
Wer hier jedoch einen packenden Whodunit-Krimi erwartet, wird bitter enttäuscht. Wie so oft in der Reihe dient der Mordfall lediglich als fadenscheiniges Konstrukt, um die Figuren von einer skurrilen Situation zur nächsten zu scheuchen. Das Miträseln wird dem Publikum durch mangelnde Indizien und erzählerische Beliebigkeit nahezu unmöglich gemacht. Stattdessen dominieren die altbekannten Nebenbaustellen: Susi (Lisa Maria Potthoff) treibt ihre politischen Ambitionen als Bürgermeisterkandidatin voran, während der private Alltag auf dem Eberhofer-Hof im gewohnten Chaos versinkt.

Das Ensemble-Dilemma: Wenn Kult zur Pflichtübung wird
Das größte Problem von Steckerlfischfiasko ist sein mittlerweile gewaltiges Figurenarsenal. Regisseur Ed Herzog steht vor der unlösbaren Aufgabe, jeder noch so kleinen Kult-Nebenfigur (von der Oma bis zum Flötzinger) ihre obligatorische Leinwand-Präsenz und den dazugehörigen Schenkelklopfer-Gag einzuräumen.
Da folgt leider der Autopilot-Effekt: Die Gags wirken dadurch oft erzwungen und wie im Autopiloten abgespult.
Fehlende Ecken und Kanten: Die Figuren haben sich im Laufe der Jahre zu reinen Karikaturen ihrer selbst entwickelt, deren Macken allzu berechenbar geworden sind.
Für mich ist der Film kein völliges Fiasko, aber das bewährte Erfolgsrezept stößt ohne neue Ideen spürbar an seine Grenzen.

Steckerlfischfiasko krankt vor allem daran, dass sich das Franchise im Kreis dreht. Die filmische Umsetzung verlässt sich zu stark darauf, dass die bloße Anwesenheit der vertrauten Gesichter und die malerische bayerische Provinzidylle ausreichen, um ein abendfüllendes Kinoerlebnis zu rechtfertigen. Es mangelt an inszenatorischem Mut, an bissigem Humor, der über platten Lokalkolorit hinausgeht, und an echten erzählerischen Risiken.

Getreu dem Motto „Ein neuer Eberhofer ist wie ein Essen bei der Oma – man weiß genau, was man kriegt“ werden Fans des Franchise vermutlich auch diesmal bestens unterhalten. Wer jedoch anspruchsvolles deutsches Kino oder einen auch nur halbwegs ernstzunehmenden Kriminalfilm sucht, wird hier vor eine schwere Geduldsprobe gestellt. Es ist an der Zeit, dass Niederkaltenkirchen bald in den wohlverdienten Ruhestand geht, bevor der Kult endgültig zur Karikatur verkommt.

Filmkritik: ICE CREAM MAN: Eli Roth serviert Splatter im Waffelbecher – blutig, kompromisslos und erschreckend eindimensional

6. August 2026

Mit ICE CREAM MAN kehrt Eli Roth zu jenem kompromisslosen Horrorkino zurück, das ihn einst berühmt gemacht hat. Die Grundidee ist herrlich makaber: Ein mysteriöser Eisverkäufer verwandelt Kinder nach dem Verzehr seiner Süßigkeiten in mordlustige Bestien. Was wie die perfekte Mischung aus schwarzem Humor, Kleinstadt-Horror und satirischem Splatter klingt, entwickelt sich jedoch zu einem Film, der vor allem auf Schockeffekte setzt – und dabei leider seine Geschichte zunehmend aus den Augen verliert. Dennoch sind für Filmfreunde wunderbare Anspielungen auf Hitchcocks Vögel und Romeros Zombie zu finden.

Eli Roth war nie ein Regisseur subtiler Horrorfilme. Seine Werke wie Hostel oder Cabin Fever leben von expliziter Gewalt, provokanten Bildern und dem bewussten Überschreiten geschmacklicher Grenzen. ICE CREAM MAN führt diese Handschrift konsequent fort. Bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass der Film keine Rücksicht auf empfindliche Gemüter nimmt. Kinder werden hier nicht als Opfer, sondern als Bedrohung inszeniert – eine Idee, die an Klassiker wie Children of the Corn oder Cronenbergs die Brut erinnert, gleichzeitig aber mit Roths typisch überzogenem Splatter-Humor kombiniert wird.

Visuell überzeugt der Film zunächst mit einer starken Atmosphäre. Die sonnige amerikanische Vorstadtkulisse bildet einen reizvollen Kontrast zum immer weiter eskalierenden Wahnsinn. Auch Ari Millen verleiht dem titelgebenden Eisverkäufer eine angenehm unheimliche Präsenz. Seine Figur lebt weniger von Dialogen als von ihrer verstörenden Erscheinung und sorgt für einige der stärksten Momente des Films.

Problematisch wird es jedoch, sobald die eigentliche Handlung Fahrt aufnehmen soll. Statt Spannung oder psychologischen Horror aufzubauen, reiht ICE CREAM MAN eine blutige Sequenz an die nächste. Die kreativen Ideen hinter den Gewaltszenen mögen mich als eingefleischter Gore-Fan unterhalten, doch die Figuren bleiben oberflächlich und austauschbar. Emotionale Bindung entsteht kaum, wodurch viele Schocks ihre Wirkung verlieren. Es mangelt einfach an erzählerischer Substanz und die originelle Ausgangsidee wird zugunsten immer extremerer Splatter-Einlagen verschenken.

Auch tonal wirkt der Film unausgeglichen. Zwischen schwarzer Komödie, Satire und kompromisslosem Horror findet Roth keinen dauerhaft funktionierenden Rhythmus. Manche Szenen sind bewusst grotesk und fast schon cartoonhaft inszeniert, während andere kompromisslos auf Ekel setzen. Dieser ständige Wechsel verhindert, dass sich eine nachhaltige Bedrohung entwickelt und das langweilt.

Technisch liefert ICE CREAM MAN dennoch solide Arbeit ab. Das Make-up, zahlreiche praktische Splatter-Effekte und die bewusst überzeichnete Inszenierung erinnern an klassische Horrorfilme der 1980er-Jahre. Gerade Fans kompromisslosen Gore-Kinos werden hier einiges finden, das handwerklich überzeugt. Wer dagegen auf Spannung, Figurenentwicklung oder gesellschaftliche Tiefenschärfe hofft, dürfte enttäuscht werden.

Am Ende bleibt ICE CREAM MAN ein Film mit einer großartigen Horror-Prämisse, der jedoch fast ausschließlich auf seine visuellen Extreme vertraut. Eli Roth liefert genau das, was seine Anhänger erwarten: viel Blut, drastische Gewalt und schwarzen Humor. Für ein breiteres Publikum fehlt dem Film jedoch die erzählerische Balance, um mehr zu sein als ein weiterer Splatter-Ausflug des Regisseurs.

Damit steht fest: ICE CREAM MAN ist kompromissloses Funsplatter-Kino für Fans extremer Horrorfilme. Die originelle Idee, starke Atmosphäre und einige kreative Gore-Sequenzen können den Mangel an Figurenentwicklung und dramaturgischer Tiefe jedoch nicht vollständig ausgleichen. Wer Eli Roths bisherige Filme liebt, dürfte bestens unterhalten werden. Wer intelligenteren Horror mit nachhaltiger Spannung sucht, wird hier vermutlich nur eine blutige, aber schnell vergessene Achterbahnfahrt erleben.

Buchkritik: Japan – Die Monsterinsel von Jörg Buttgereit

4. August 2026

Weil ich ja noch nicht genug Bücher über Godzilla habe, bestellte ich mir vor längerer Zeit die Neuauflage des Buches Japan – die Monsterinsel. Jörg Buttgereit, Insider des deutschen Extremkinos werden ihn kennen, hat seine Neuauflage in den Vertrieb gebracht.


Dieses Mal wollte ich mit von der Partie sein, denn die Erstauflage war schnell vergriffen. Also bestellte ich beim Autoren direkt. Jörg Buttgereit war so nett mir sein Buch mit den Worten „mit monströsen Grüßen“ zu signieren. Der Mann hat einfach Humor.
Ich schmökerte in dem Buch, schaute mit gleichzeitig ein paar Filme aus der Criterion-Kollektion an und freute mich über unser aller japanisches Monster. Wenn ich ehrlich bin, haben mich am meisten die Interviews in dem Buch begeistert. Und Jörg Buttgereit schaffte es, Klarheit und Struktur in die zahlreichen Monsterfilme zu bringen, die bei uns mit unterschiedlichen und zum Teil grausamen Verleihtiteln liefen.

Mit „Japan – Die Monsterinsel“ legt der Berliner Filmemacher, Autor und Filmhistoriker Jörg Buttgereit weit mehr als einen klassischen Reiseführer vor. Das Buch ist eine ebenso kenntnisreiche wie leidenschaftliche Entdeckungsreise durch die Welt der japanischen Monsterfilme und zugleich eine persönliche Liebeserklärung an ein Land, dessen Popkultur seit Jahrzehnten Generationen von Filmfans fasziniert. Wer eine nüchterne Abhandlung über Godzilla und seine Verwandten erwartet, wird überrascht sein. Buttgereit verbindet Filmgeschichte, Kulturwissenschaft, Reisebericht und autobiografische Erinnerungen zu einem ebenso unterhaltsamen wie informativen Werk.

Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, dass hier kein distanzierter Beobachter schreibt. Buttgereit gehört seit seiner Jugend zu den profiliertesten deutschen Kennern des japanischen fantastischen Films. Seine Begeisterung für Godzilla, Gamera, Daimajin oder Mothra wirkt niemals aufgesetzt, sondern authentisch gelebt. Gerade diese persönliche Perspektive macht den besonderen Reiz des Buches aus. Der Autor nimmt seine Leser mit auf Reisen durch Tokio, Kyoto, Osaka und zahlreiche weitere Orte, die unmittelbar mit der Geschichte des japanischen Monsterkinos verbunden sind. Dabei entdeckt er Filmstudios, Museen, Schauplätze berühmter Produktionen und kleine, oft versteckte Erinnerungsorte, die selbst eingefleischten Japanreisenden häufig unbekannt bleiben.

Doch „Japan – Die Monsterinsel“ ist weit mehr als ein Reisetagebuch. Buttgereit erklärt die Entstehung der japanischen Monsterfilme stets vor ihrem historischen Hintergrund. Besonders eindrucksvoll schildert er die Verbindung zwischen dem Trauma der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki und der Geburt Godzillas im Jahr 1954. Das Monster erscheint dabei nicht nur als zerstörerisches Wesen, sondern auch als Sinnbild der Angst vor nuklearer Vernichtung und den Folgen menschlicher Hybris. Gerade diese kulturhistorischen Einordnungen verleihen dem Buch eine bemerkenswerte Tiefe.

Besonders gelungen ist, wie selbstverständlich Buttgereit zwischen Filmgeschichte und Alltagskultur wechselt. Ein Spaziergang durch ein Tokioter Stadtviertel führt plötzlich zu einer ausführlichen Betrachtung der Toho-Studios. Ein Besuch in einem Restaurant entwickelt sich zu einer Reflexion über die Bedeutung japanischer Popkultur im Westen. Diese Wechsel verleihen dem Buch einen lebendigen Rhythmus. Es wirkt nie wie ein wissenschaftliches Sachbuch, sondern vielmehr wie eine spannende Unterhaltung mit einem enthusiastischen Experten.

Auch filmhistorisch bietet das Werk eine enorme Informationsfülle. Buttgereit spannt den Bogen von den ersten Kaiju-Filmen der Nachkriegszeit über die goldene Ära der 1960er-Jahre bis hin zu modernen Produktionen wie Shin Godzilla. Dabei verliert er sich nie in bloßen Aufzählungen oder Fanwissen. Vielmehr gelingt es ihm, Entwicklungen verständlich einzuordnen und die Besonderheiten der einzelnen Filme herauszuarbeiten. Selbst Leser, die bisher nur Godzilla kennen, erhalten einen hervorragenden Überblick über das vielfältige Monsteruniversum Japans.

Stilistisch überzeugt Buttgereit durch eine angenehm unprätentiöse Sprache. Er schreibt kenntnisreich, humorvoll und mit feiner Ironie, ohne jemals belehrend zu wirken. Seine Begeisterung ist in jeder Zeile spürbar, gleichzeitig wahrt er stets den nötigen kritischen Abstand. Auch schwächere Filme oder touristische Klischees spart er nicht aus. Gerade diese Ehrlichkeit macht seine Beobachtungen glaubwürdig.

Besonders reizvoll ist die Fülle an Fotografien, Hintergrundinformationen und persönlichen Anekdoten. Sie verleihen dem Buch eine hohe Anschaulichkeit und laden immer wieder dazu ein, einzelne Kapitel mehrfach zu lesen oder für eine eigene Japanreise als Inspirationsquelle zu nutzen. Das Werk richtet sich daher nicht ausschließlich an Filmfans. Auch kulturinteressierte Leser oder Japanreisende finden zahlreiche spannende Einblicke in die Verbindung zwischen Mythologie, Moderne und Popkultur.

Natürlich setzt Buttgereit an einigen Stellen ein gewisses Grundinteresse an japanischen Monsterfilmen voraus. Wer mit Godzilla oder den Kaiju überhaupt nichts anfangen kann, dürfte nicht jede Leidenschaft des Autors teilen. Doch selbst dann bleibt das Buch aufgrund seiner kulturhistorischen Perspektive und der lebendigen Reisebeschreibungen lesenswert.

Mit „Japan – Die Monsterinsel“ ist Jörg Buttgereit für mich ein außergewöhnliches Buch gelungen. Es verbindet Filmgeschichte, Kulturreportage und persönliche Reiseerlebnisse auf eine Weise, die ebenso informativ wie unterhaltsam ist. Vor allem aber macht es Lust, Japan selbst zu entdecken – und die Monster nicht nur als Filmfiguren, sondern als festen Bestandteil der japanischen Identität und Popkultur zu verstehen. Für Fans des fantastischen Films gehört dieses Werk ohnehin zur Pflichtlektüre. Für alle anderen ist es eine faszinierende Einladung, einen ungewöhnlichen Blick auf eines der spannendsten Kulturländer der Welt zu werfen.

Über dem Jenseits (1980) – Matinee am 7. Juni im Scala Fürstenfeldbruck

6. Juni 2026

Es gibt Filme, die sieht man nicht einfach. Man betritt sie. Lucio Fulcis „Über dem Jenseits“, in Deutschland lange auch als „Geisterstadt der Zombies“ bekannt, ist so ein Film: ein fiebriger Albtraum aus verfallenen Hotels, okkulten Geheimnissen, untoten Körpern und einer Hölle, die nicht laut aufbricht, sondern langsam in die Wirklichkeit sickert. Ich bespreche und zeige diesen Film am Sonntag, 7 Juni um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Über viele Jahre war der Film in Deutschland indiziert und sogar beschlagnahmt. Das allein macht ihn noch nicht bedeutend – aber es erzählt viel über seine Wirkung. Fulcis Werk galt als zu drastisch, zu verstörend, zu kompromisslos. Inzwischen ist die Beschlagnahmung aufgehoben, der Film kann neu betrachtet werden: nicht nur als berüchtigter Splatterklassiker, sondern als eigenwilliges, surreales Stück italienischer Horrorgeschichte.

„The Beyond“ ist kein Horrorfilm, der brav einer logischen Handlung folgt. Er funktioniert wie ein Alptraum: Bilder, Musik und Atmosphäre sind wichtiger als Erklärungen. Fabio Frizzis düsterer, fast sakraler Score legt sich wie ein Trauergesang über die Szenen. Die Kamera zeigt eine Welt, in der Augen nicht mehr sehen wollen, Körper zerfallen und Räume ihre eigene böse Erinnerung besitzen.

Gerade auf der großen Leinwand entfaltet dieser Film seine volle Kraft. Was im Heimkino vielleicht nur als blutiger Kultfilm erscheint, wird im Kinosaal zu einer Erfahrung: unheimlich, hypnotisch, abgründig und seltsam schön. Fulci führt sein Publikum nicht einfach durch eine Geschichte, sondern an einen Ort, an dem die Grenze zwischen Leben, Tod und Jenseits zusammenbricht.

In der Matinee wollen wir diesen besonderen Film gemeinsam neu entdecken: als umstrittenes Werk, als Beispiel für die Radikalität des italienischen Horrorkinos und als Film, der noch immer Fragen auslöst. Warum schockieren uns solche Bilder? Was macht ihren Reiz aus? Und weshalb übt ein Film, der lange als Skandal galt, bis heute eine solche Faszination aus?

Wer Horror nur als Schock versteht, wird überrascht sein. Wer Kino als Reise in dunkle, fremde Welten liebt, sollte diese Matinee nicht verpassen. „Geisterstadt der Zombies“ ist mehr als ein reißerischer deutscher Titel. Dahinter verbirgt sich ein verstörendes, bildgewaltiges und einzigartiges Kinoerlebnis – ein Blick über die Schwelle, dorthin, wo das Grauen beginnt.
Ich bespreche und zeige diesen Film am Sonntag, 7 Juni um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Bei der Macht der Erinnerung: He-Man kehrt auf die große Leinwand zurück

5. Juni 2026

Der neue „Masters of the Universe“-Film ist vor allem dann am stärksten, wenn man ihn nicht als nüchterne Neuinterpretation eines alten Stoffes betrachtet, sondern als liebevolle Rückkehr in ein Kinderzimmer-Universum, das für viele Fans nie ganz verschwunden ist. Regisseur Travis Knight bringt He-Man, Skeletor, Teela, Man-At-Arms und die Welt von Eternia wieder als großes, buntes Kinoereignis auf die Leinwand. Ich habe den Film in meinem Lieblingskino Scala in Fürstenfeldbruck mit der Familie gesehen. Mein Sohn und ich waren begeistert, meine Frau schüttelte den Kopf.

In Deutschland ist der Film am 4. Juni 2026 gestartet, in den USA folgt der Kinostart am 5. Juni 2026; in den Hauptrollen sind unter anderem Nicholas Galitzine als Prince Adam/He-Man, Jared Leto als Skeletor, Camila Mendes als Teela, Idris Elba als Man-At-Arms und Alison Brie als Evil-Lyn zu sehen. 

Die große Stärke des Films liegt in seiner Haltung: Er weiß sehr genau, dass „Masters of the Universe“ nie nur klassische Fantasy war. Dieses Franchise war immer ein wilder Mix aus Rittermythos, Science-Fiction, Muskelhelden, Magie, Monstern, Laserwaffen, Totenkopf-Ikonografie und Spielzeugregal-Fantasie. Genau darin liegt der Reiz. Wer als Kind die Zeichentrickserie gesehen, die Comics gelesen oder vor allem die Actionfiguren gesammelt hat, erinnert sich nicht nur an Geschichten, sondern an ein ganzes Gefühl: an Castle Grayskull im Kinderzimmer, an Battle Cat, an Skeletors höhnisches Grinsen, an Figuren mit übergroßen Waffen und an die Vorstellung, dass ein einziger Satz — „Bei der Macht von Grayskull!“ — aus einem jungen Prinzen den mächtigsten Mann des Universums machen kann. Der neue Film nimmt diese Nostalgie ernst, ohne sie museal einzufrieren. Er spielt mit ihr, er überhöht sie, und er erlaubt sich zugleich, die Absurdität dieses Kosmos mit Humor anzunehmen.
Und es gibt natürlich einen erwarteten Camo-Auftritt. Im Fitnessstudio wird Adam (Nicholas Galitzine) von einem Mann ermahnt, weil er ihm im Weg – oder besser gesagt: an seinem Platz – stehe. Anschließend gibt ihm der durchtrainierte Unbekannte noch einen guten Rat mit auf den Weg. Und eben dieser Mann wird gespielt von Dolph Lundgren, dem He-Man-Darsteller aus der ersten Realverfilmung von „Masters of the Universe“ aus dem Jahr 1987. Das Kino-Publikum lachte.

Gerade im Vergleich zur ersten Realverfilmung von 1987 wird deutlich, wie sehr sich die Möglichkeiten des Fantasy-Kinos verändert haben. Der alte Film mit Dolph Lundgren als He-Man und Frank Langella als Skeletor hatte unbestreitbar seinen eigenen Charme, litt aber sichtbar unter den Begrenzungen seiner Zeit. Statt Eternia wirklich groß auszubreiten, verlagerte die Handlung große Teile auf die Erde; vieles wirkte aus heutiger Sicht eher wie ein improvisierter Mix aus Endzeitkulisse, 80er-Jahre-Science-Fiction und B-Movie-Fantasy. Trotzdem hat gerade diese Version bei Fans Kultstatus erreicht. Langellas Skeletor war theatralisch, bedrohlich und erstaunlich präsent, Lundgren brachte die körperliche Ikone mit, und die Atmosphäre hatte trotz aller Schwächen etwas Eigenwilliges. Der Film von 1987 war vielleicht keine perfekte Umsetzung der Vorlage, aber er war für viele Kinder der erste Moment, in dem die Plastikfiguren aus dem Regal plötzlich „wirklich“ wurden.

Der neue Film hat es deshalb leichter und schwerer zugleich. Leichter, weil moderne Technik endlich erlaubt, Eternia so opulent, farbenprächtig und überlebensgroß darzustellen, wie es die Fantasie der Fans schon immer getan hat. Schwerer, weil die Erwartungen inzwischen viel höher sind. Wer mit den Figuren aufgewachsen ist, bringt nicht nur Nostalgie mit ins Kino, sondern auch Besitzansprüche: He-Man muss heroisch sein, aber nicht lächerlich; Skeletor muss böse sein, aber nicht eindimensional; Teela darf nicht bloß Begleitfigur sein; und Castle Grayskull muss sich nach Mythos anfühlen, nicht nach beliebiger Fantasy-Kulisse. Der neue Film scheint diese Fan-Erwartung bewusst zu kennen. Er will nicht bloß ein altes Produkt verwerten, sondern eine emotionale Brücke schlagen zwischen den Kindern von damals und einem heutigen Publikum, das Superhelden, Fantasy-Franchises und ironische Popkultur längst gewohnt ist.
Es sind die kleinen Lacher, die den Film sympathisch machen: Der erste unfreiwillige Comedy-Moment geht an Skeletor. Der selbsternannte Schrecken von Eternia hält eine hochdramatische Rede über seine finsteren Pläne und setzt zum krönenden Abschluss das obligatorische manische Bösewicht-Lachen obendrauf – vermutlich direkt aus dem Standardwerk „Schurke werden leicht gemacht“. Je länger er lacht, desto mehr sehen seine Handlanger allerdings aus, als würden sie innerlich kündigen und sich fragen, ob es noch zu spät ist, zu He-Man überzulaufen. Als auf das große Finale seiner Showeinlage niemand reagiert, ist He-Mans Knochengesicht-Erzrivale hörbar beleidigt und versucht umständlich zu erklären, welche überwältigende Wirkung sein Auftritt doch eigentlich haben sollte – was die Szene endgültig zur Slapstick-Nummer macht.

Nicholas Galitzine ist dabei eine interessante Wahl für He-Man, weil er nicht einfach nur als muskelbepackte Lundgren-Kopie angelegt ist. Natürlich gehört die körperliche Verwandlung zur Rolle — Galitzine berichtete selbst von einem extremen Training und einer massiven Gewichtszunahme für die Figur.  Aber entscheidender ist, dass diese Version von Prince Adam stärker als Figur mit einem Weg erzählt wird. He-Man ist nicht nur das fertige Symbol von Stärke, sondern jemand, der erst in seine Bestimmung hineinfinden muss. Das passt zu einer modernen Lesart, ohne den Kern der alten Figur zu verraten. Denn auch in der Zeichentrickserie war He-Man letztlich nie nur Muskelkraft. Die Figur stand für Verantwortung, Mut, Schutz der Schwächeren und eine sehr klare, fast kindlich reine Vorstellung von Gut und Böse.

Gerade diese Klarheit ist heute fast schon wieder erfrischend. Viele moderne Blockbuster versuchen, ihre Helden möglichst gebrochen, zynisch oder moralisch ambivalent zu machen. „Masters of the Universe“ darf dagegen wieder an das große, einfache Abenteuer glauben. Das ist nicht naiv, sondern konsequent. He-Man war nie als düsterer Antiheld gedacht. Er ist eine Projektionsfläche für Stärke ohne Grausamkeit, Macht ohne Missbrauch und Heldentum ohne Ironiepanzer. Wenn der neue Film diese Haltung mit einem Augenzwinkern versieht, funktioniert er am besten: Er lacht nicht über die Vorlage, sondern mit ihr.

Besonders spannend ist auch der Umgang mit Skeletor. Die Figur ist seit jeher eine der großen Popkultur-Schurkenmasken der 80er-Jahre: halb Dämon, halb Zauberer, halb Comic-Bösewicht — und natürlich mathematisch unmöglich, weil er aus zu vielen Hälften besteht. Genau das macht ihn so reizvoll. Jared Leto tritt hier in große Fußstapfen, denn Frank Langellas Skeletor aus dem 1987er-Film ist für viele Fans bis heute der heimliche Höhepunkt dieser alten Realverfilmung. Der neue Skeletor muss also nicht nur bedrohlich wirken, sondern auch diese herrlich überlebensgroße Theatralik bedienen, die zu „Masters of the Universe“ gehört. Wenn der Film Skeletor als selbstbewussten, leicht überdrehten, aber ernstzunehmenden Gegenspieler inszeniert, trifft er einen wichtigen Nerv: Dieser Schurke darf nicht realistisch sein. Er muss aussehen und klingen, als käme er direkt aus einem Albtraum, einem Comicpanel und einer Spielzeugverpackung zugleich.

Die Nostalgie der Fans ist dabei mehr als bloße Erinnerung. Viele, die heute ins Kino gehen, haben damals nicht nur eine Serie geschaut. Sie haben eine Welt gesammelt. Jede Figur hatte eine eigene Form, eine Funktion, ein Gimmick, einen Geruch von Kunststoff, eine Mini-Biografie auf der Verpackung. Die Comics, die oft den Figuren beilagen, öffneten kleine Fenster in einen größeren Mythos. Die Zeichentrickserie machte daraus ein ritualisiertes Nachmittagsabenteuer. Für eine ganze Generation war „Masters of the Universe“ weniger eine lineare Geschichte als ein Baukasten der Fantasie. Man konnte die Abenteuer selbst weitererzählen, Figuren gegeneinander antreten lassen, Allianzen erfinden und Eternia auf dem Teppichboden neu erschaffen. Ein neuer Film muss deshalb nicht nur eine Handlung erzählen, sondern dieses alte Gefühl von Möglichkeit zurückbringen.

Genau hier liegt der wohlwollendste Blick auf den aktuellen Film: Er ist dann gelungen, wenn er die Fans nicht nur an früher erinnert, sondern ihnen erlaubt, für zwei Stunden wieder zu fühlen, warum sie dieses Universum überhaupt geliebt haben. Nicht alles an „Masters of the Universe“ muss elegant, subtil oder psychologisch ausgefeilt sein. Manches darf groß, bunt, albern und pathetisch sein. Der Satz „Bei der Macht von Grayskull“ funktioniert nicht, wenn man sich für ihn schämt. Er funktioniert nur, wenn der Film den Mut hat, ihn mit voller Brust auszusprechen.

Natürlich kann man einem solchen Film leicht vorwerfen, dass er letztlich auch ein Stück Markenpflege ist. He-Man war immer eng mit Spielzeug, Vermarktung und Popkulturindustrie verbunden. Aber gerade bei diesem Franchise wäre es fast unehrlich, so zu tun, als ließe sich Kunst und Kommerz sauber trennen. Die Figuren waren Spielzeuge, bevor sie für viele zu Helden wurden. Die Serie war Werbung, aber sie war eben auch Mythologie im Kinderzimmerformat. Der neue Film bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld. Er verkauft Nostalgie, ja — aber im besten Fall schenkt er ihr auch etwas zurück: Größe, Bildgewalt, Musik, Tempo und eine neue Bühne.

Im Vergleich zur Realverfilmung von 1987 wirkt der neue „Masters of the Universe“ deshalb wie eine späte Wiedergutmachung und zugleich wie ein respektvoller Nachfolger. Der alte Film bleibt ein kurioses Kultstück seiner Zeit, mit Ecken, Schwächen und einer ganz eigenen Faszination. Der neue Film darf nun endlich stärker das liefern, was sich viele Fans damals schon gewünscht hatten: mehr Eternia, mehr Mythos, mehr Figuren, mehr visuelle Opulenz und ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass He-Man nicht nur eine Muskelpose ist, sondern ein Symbol. Kein kompliziertes Symbol, aber ein wirksames.

So betrachtet ist „Masters of the Universe“ vor allem ein Film für Menschen, die sich noch daran erinnern, wie es war, eine Actionfigur in die Hand zu nehmen und sofort eine ganze Welt vor Augen zu haben. Er spricht die Kinder von damals an, ohne die Erwachsenen von heute völlig auszublenden. Er lebt von Nostalgie, aber er muss sich nicht allein auf sie verlassen. Wenn man bereit ist, sich auf Pathos, Farbe, Fantasy und ein bisschen 80er-Jahre-Wahnsinn einzulassen, dann ist dieser neue He-Man-Film ein sympathisches, liebevoll gemachtes Abenteuerkino — nicht unbedingt, weil es das Rad neu erfindet, sondern weil es versteht, warum dieses Rad für so viele Fans überhaupt einmal geglänzt hat.
Ein Wort noch zum empfehlenswerten Score. Der Score des neuen „Masters of the Universe“ tritt sehr präsent in den Vordergrund und hilft entscheidend dabei, den Ton des Films zu setzen. Komponist Daniel Pemberton, der schon mit modernen, rhythmusbetonten Soundtracks aufgefallen ist, kombiniert hier ein kraftvolles Orchester mit elektronischen Elementen und deutlichen Retro‑Vibes, die an die 80er‑Herkunft des Stoffes erinnern. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Mitarbeit von Brian May, dessen markante Gitarrenparts einigen Stücken eine fast rockige, Queen‑eske Wucht geben. Besonders einprägsam ist ein zentrales „Eternia“-Thema, das in einer eher chorlastigen Filmscore‑Version und in einer Endcredit‑Variante mit Gitarrenaufbau existiert und sich zu einem bombastischen Sci‑Fi‑Fantasy‑Track steigert. Insgesamt vermittelt die Musik eine bunte, energetische Science‑Fantasy‑Atmosphäre, die stilistisch in Richtung eines verspielten, aber sehr epischen Blockbuster‑Scores geht und dem Film ein klares eigenes Profil verleiht.

Rückblick auf meine Matinee: Dressed to Kill (USA 1980)

30. Mai 2026

Brian De Palmas „Dressed to Kill“ ist kein Thriller, der sein Publikum einfach nur durch eine Geschichte führt. Er zieht es hinein in ein Spiel aus Blicken, Täuschungen, Verlangen und Angst. Von Beginn an entsteht eine Atmosphäre, in der Traum und Realität, Erotik und Bedrohung, Eleganz und Gewalt gefährlich nah beieinanderliegen. Ich besprach den Film in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Die nächste Matinee am 7 Juni dreht sich um Über dem Jenseits von 1981, der auch unter dem Titel Die Geisterstadt der Zombies bekannt ist Karten gibt es hier.

De Palma inszeniert in „Dressed to Kill“ ein Kino der Beobachtung. Figuren sehen einander an, verfolgen einander, deuten Zeichen und geraten dabei immer tiefer in Unsicherheit. Was ist wirklich? Was ist Fantasie? Wer blickt – und wer wird selbst zum Objekt eines fremden Blicks? Aus dieser Spannung entwickelt „Dressed to Kill“ seine besondere Kraft. Der Film ist weniger ein geradliniger Krimi als ein nervöser, hoch stilisierter Albtraum über Begehren, Schuldgefühle und die dunklen Winkel der menschlichen Psyche. Hier die Aufzeichnung meines Vortrags.

Zu Beginn steht Kate Miller im Zentrum, eine Frau, die in einem geordneten, aber innerlich leeren Leben festzustecken scheint. Sie sehnt sich nach Nähe, nach Leidenschaft, nach einem Ausbruch aus der Routine. Diese Sehnsucht führt sie in eine der berühmtesten Szenen des Films: eine fast stumme Begegnung in einem Museum. Ohne viele Worte erzählt De Palma hier von Anziehung, Unsicherheit, Verführung und Kontrollverlust. Die Kamera folgt Blicken und Bewegungen, lässt Räume zu Labyrinthen werden und verwandelt das Museum in einen Ort der Versuchung. Doch was zunächst wie ein Moment möglicher Befreiung wirkt, kippt plötzlich ins Grauen. Aus Verlangen wird Gefahr, aus Schönheit wird Schock, aus einem Spiel der Blicke eine Katastrophe.

Unübersehbar steht „Dressed to Kill“ in der Tradition Alfred Hitchcocks, besonders von „Psycho“. De Palma greift Motive auf, spiegelt sie, überhöht sie und treibt sie in ein bewusst künstliches, fast opernhaftes Kino. Der abrupte Perspektivwechsel, die Unsicherheit über Identität, der Psychiater als erklärende Instanz, die Verbindung von Sexualität und Gewalt – all das erinnert an Hitchcock. Doch De Palma macht daraus keinen bloßen Nachbau. Er formt ein eigenes Werk, das mit Split Screens, Spiegeln, langen Kamerafahrten und raffinierten Bildkompositionen arbeitet. Die Kamera wird zum Komplizen des Voyeurismus. Wir schauen hin, obwohl wir spüren, dass dieses Schauen selbst Teil des Problems ist.

Gerade deshalb bleibt der Film bis heute reizvoll und schwierig zugleich. „Dressed to Kill“ ist brillant fotografiert, elegant montiert und ungeheuer spannend. Gleichzeitig ist er ein Werk, das aus heutiger Sicht Fragen aufwirft. Seine Darstellung von Geschlecht, Sexualität und Gewalt ist problematisch und fordert Widerspruch heraus. Der Film fasziniert und irritiert, oft im selben Augenblick. Genau darin liegt seine Aktualität als Gesprächsanlass: Wie betrachten wir heute einen Thriller von 1980, der damals provozierte und heute anders gelesen wird? Wo liegt die Grenze zwischen stilistischer Meisterschaft und fragwürdiger Projektion? Warum entfalten diese Bilder trotz aller berechtigten Kritik noch immer eine solche Wirkung?

Die Matinee bietet die Möglichkeit, „Dressed to Kill“ nicht nur als spannenden Klassiker zu erleben, sondern ihn auch gemeinsam einzuordnen. Es geht um die Macht des Kinos, Angst und Lust miteinander zu verknüpfen. Um Frauenbilder im Thriller. Um Masken, Identitäten und verdrängte Wünsche. Und natürlich um Brian De Palma, einen Regisseur, der sein Publikum selten beruhigt, sondern es gezielt verunsichert.

Auf der großen Leinwand entfaltet der Film eine besondere Wirkung. Die Musik, die Farben, die gleitenden Kamerabewegungen und die plötzlichen Schocks machen „Dressed to Kill“ zu einem körperlichen Kinoerlebnis. Das ist kein Film für nebenbei, sondern ein Werk, das im dunklen Kinosaal seine ganze suggestive Kraft entwickelt. Man glaubt, die Mechanismen zu durchschauen, und merkt doch immer wieder, wie sehr man selbst in De Palmas Spiel aus Täuschung, Begierde und Angst verstrickt wird.

„Dressed to Kill“ ist ein Film wie ein Spiegel in einem dunklen Raum. Er zeigt nicht nur Täter, Opfer und Abgründe, sondern auch unsere eigene Lust am Sehen. Darum lohnt sich diese Matinee: als Wiederentdeckung eines großen, umstrittenen und sinnlichen Thrillers, als Blick auf ein prägendes Stück Suspense-Kino und als Einladung zum Gespräch über die Schattenseiten der Popkultur. Ein Film, der nicht einfach endet, wenn das Licht wieder angeht. Er bleibt haften – in Bildern, Fragen und vielleicht auch in einem leichten Schauder auf dem Heimweg.
Die nächste Matinee am 7 Juni dreht sich um Über dem Jenseits von 1981, der auch unter dem Titel Die Geisterstadt der Zombies bekannt ist. Karten gibt es hier.

Ein Nachmittag gegen die Einsamkeit: Warum das Seniorenkino im Scala so wichtig ist

25. Mai 2026

Das Seniorenkino im Scala in Fürstenfeldbruck ist weit mehr als nur ein zusätzliches Filmangebot für ältere Menschen. Mit seinen vier Vorstellungen im Jahr hat sich die Veranstaltungsreihe längst zu einem wichtigen kulturellen und sozialen Treffpunkt entwickelt, der vielen Seniorinnen und Senioren Lebensqualität, Gemeinschaft und Teilhabe ermöglicht. Gerade in einer Zeit, in der Einsamkeit im Alter zunehmend zu einem gesellschaftlichen Problem wird, erfüllt das Seniorenkino eine Aufgabe, die weit über den eigentlichen Kinofilm hinausgeht.

Rund 200 Seniorinnen und Senioren kamen ins Scala Kino, um gemeinsam den Film Sole mio anzusehen. Die Veranstaltung des Seniorenbeirats der Stadt Fürstenfeldbruck nutzte Oberbürgermeister Christian Götz zugleich, um sich vor Ort über die Arbeit des Gremiums, dessen Angebote für ältere Bürgerinnen und Bürger und die Arbeit des Scala-Kinos zu informieren.

Am Rande der Veranstaltung tauschte sich der Oberbürgermeister mit Scala-Geschäftsführer Markus Schmölz über die Bedeutung des Kinos als kulturellen Treffpunkt im Fürstenfeldbrucker Westen aus. Dabei dankte Götz dem Kinobetreiber ausdrücklich für dessen langjähriges Engagement und sicherte auch künftig Unterstützung für das Scala Kino zu. Erste Ideen wurden schon ausgetauscht. 

„Das Scala ist seit vielen Jahren weit mehr als nur ein Kino. Es ist ein wichtiger kultureller und sozialer Treffpunkt für die Menschen im Westen der Stadt“, betonte Oberbürgermeister Christian Götz.

Auch Markus Schmölz zeigte sich erfreut über den Besuch des Oberbürgermeisters und den Austausch mit dem Seniorenbeirat: „Wir freuen uns sehr über die Wertschätzung und Unterstützung durch die Stadt. Das Scala steht immer für weitere Gespräche und Kooperationen offen – gerade wenn es darum geht, Menschen zusammenzubringen und kulturelle Angebote für alle Generationen zu schaffen.“

Denn für viele Besucherinnen und Besucher ist der Nachmittag im Scala nicht einfach ein Kinobesuch. Er ist Anlass, das Haus zu verlassen, Bekannte zu treffen, gemeinsam zu lachen, Erinnerungen auszutauschen und am öffentlichen Leben teilzunehmen. Das Kino wird so zu einem Ort der Begegnung. Besonders ältere Menschen, die alleine leben oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, erleben solche Veranstaltungen oft als wertvolle Abwechslung im Alltag. Die vertraute Atmosphäre des Scala, die persönliche Ansprache und die bewusst ausgewählten Filme schaffen dabei ein Gefühl von Geborgenheit und Zugehörigkeit.

Hinzu kommt die kulturelle Bedeutung. Kino ist Erinnerung, Emotion und gemeinsames Erleben. Viele Seniorinnen und Senioren verbinden mit dem Kino noch die große Zeit der Lichtspielhäuser, als ein Filmabend etwas Besonderes war. Das Seniorenkino knüpft genau an dieses Lebensgefühl an. Es bewahrt ein Stück Kinokultur, die heute vielerorts verloren gegangen ist. Während Streamingdienste Filme immer stärker zum individuellen Konsum auf dem heimischen Sofa machen, bietet das Scala weiterhin das gemeinschaftliche Erlebnis im dunklen Saal – mit gemeinsamem Lachen, Mitfiebern und Nachdenken.

Die vier Vorstellungen im Jahr mögen auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, doch gerade ihre Regelmäßigkeit macht sie wichtig. Sie setzen feste kulturelle Höhepunkte im Jahreslauf und geben vielen Besucherinnen und Besuchern Orientierung und Vorfreude. Oft entstehen daraus Gespräche, Verabredungen und soziale Kontakte, die weit über den Kinonachmittag hinausreichen.

Nicht zuletzt zeigt das Seniorenkino auch, welche Rolle ein Programmkino heute für eine Stadt wie Fürstenfeldbruck spielen kann. Das Scala ist eben nicht nur ein Ort für Blockbuster und Unterhaltung, sondern auch ein kultureller Raum mit gesellschaftlicher Verantwortung. Es schafft Angebote für Generationen, die im schnelllebigen Kulturbetrieb oft übersehen werden. Gerade deshalb ist das Seniorenkino ein wichtiges Zeichen für gelebte Teilhabe und Wertschätzung älterer Menschen.

In einer alternden Gesellschaft werden solche Angebote künftig noch bedeutender werden. Das Seniorenkino im Scala beweist schon heute, dass Kultur nicht nur Unterhaltung ist, sondern auch Nähe, Gemeinschaft und ein Stück Lebensfreude.