Posts Tagged ‘Kino’

Persönlicher Nachruf auf Ponkie

3. Januar 2022

Zu meiner Studentenzeit war ich dreimal am Tag im Kino. Ich war auf den Presseverteilern diverser Filmverleihe und schaute mit die Pressevorführungen der aktuellen Kinofilme mit kritischem Auge an. Da traf ich auch Ponkie, ohne dass ich wusste, wer Ilse Kümpfel-Schliekman eigentlich ist.
Ich kannte zwar ihren Namen, ich las gerne ihre Kritiken zu Kinofilmen in der Münchner Abendzeitung, aber gesehen hatte ich die große Dame der Filmkritik nie bewusst. Bis dann eine Vorführung Ende der 80er Jahren kam. Ich setzte mich in meinem Kinosessel, in der Nähe von mir waren für mich damals älteren Herrschaften und wartete auf den Beginn des Films. Die Gruppe von Leute scherzte, lachte und wetteiferte miteinander. Der Film begann, damals gab es noch Titel, und die Gruppe unterhielt sich angeregt weiter. Wenn ich etwas im Kino nicht haben kann, dann ist das Gequatsche oder schmatzendes Verspeisen von Popcorn. Als gut erzogener junger Mann sprach ich die Gruppe an und bat sie höflich um Ruhe. Buhen und Lachen kamen mir entgegen. Erbost setzte ich mich weg und schaute mir den Film an.

Diese Frau lockte mich früher ins Kino.
Diese Frau lockte mich früher ins Kino.

Nach der Vorstellung kam im Foyer eine ältere Dame mit Stubenfliegenbrille auf mich zu. Sie war der Mittelpunkt der störenden Gruppe. Ich dachte, sie wäre auf Streit aus, stattdessen entschuldigte sich die Frau für das Stören und ging. Ein Kollege kam auf mich zu und fragte, was denn die legendäre Ponkie von mir gewollt habe. Da wurde mir klar, wen ich da getroffen hatte. Die dienstälteste Filmkritikerin der Abendzeitung. Später traf ich sie immer wieder bei Vorführungen, aber gesprochen haben wir nicht. Ich hab sie dafür immer gerne gelesen. Nun ist Ponkie im Alter von 95 Jahren am 30. Dezember 2021 verstorben. Schade, ich hätte mal wirklich mit ihr sprechen sollen.

50 Jahre das Meisterwerk Uhrwerk Orange von Stanley Kubrick

29. Dezember 2021

Ein Meisterwerk, das ich voller Abscheu und voller Faszination zugleich betrachte, kam vor 50 Jahren in die Kinos und ist heute genauso umstritten wie bei seiner Premiere. Der Film kam am 19. Dezember 1971 in die britischen Kinos. Bei uns startete er am 23. März 1972.

Stanley Kubrick verfilmte den Roman von Anthony Burgess Uhrwerk Orange mit einer solchen durchdringenden Radikalität und Wucht, wie kaum ein Film zuvor und danach. Clockwork Orange stellt die unangenehme Frage nach dem Bösen im Menschen und nach dem freien Willen in einer schonungslosen Intensität. Wie gehen wir mit einem Menschen um, der sich aus freien Willen für das Böse entschieden hat? Wie kann ihn die Gesellschaft sanktionieren und darf sie den freien Willen brechen und unter Zwang einen bösen kriminellen Triebtäter mit freiem Willen zu einem guten unauffälligem Menschen ohne freien Willen machen?

Uhrwerk Orange ist ein moralisches und filmisches Meisterwerk und auch nach 50 Jahren ist die Brutalität der handelnden Personen, ob gut oder böse, ekelhaft faszinierend und im höchsten Maße diskussionswürdig. Er bekam vier Oscar-Nominierungen und was viel wichtiger ist, er zählt heute zu den besten Filmen der Filmgeschichte. Leider haben so manche Zuschauer damals und heute die gesellschaftliche Parabel Kubricks nicht verstanden und ergötzen sich an der nackten, brutalen Gewalt des Films. Das ging soweit, dass Kubrick und seine Familie Attentatsdrohungen erhielten, so dass sie den Film Uhrwerk Orange zweitweise aus dem Verkehr zogen. Dabei ist der Film schlichtweg ein Meisterwerk der Kinogeschichte.

Nach dem inhaltsschweren und durch seine Spezialeffekte aufwändigen 2001: Odyssee im Weltraum wandte sich Stanley Kubrick einen Stoff zu, er einfacher zu verfilmen war. Dabei setzte er stark auf Ultraweitobjektive, um den Ganzen einen surrealen Look zu verpassen. Seine Wahl fiel auf Anthony Burgess Roman Uhrwerk Orange. Durch den Einsatz von klassischer Musik gelang es Kubrick die brutalen Raubzüge einer Jugendgang um ihren Anführer Alex zu relativieren. Nie wieder nach dem Film konnte ich Gene Kellys unbeschwerten Lied Singing in the Rain ohne Kubricks Bilder im Kopf mehr hören. Für die Opfer, die unter Verletzungen, Vergewaltigung und auch Mord leiden, hat Alex und seine Gang kein Mitleid. Hooligan Alex selbst wird in seinem Aufzug mit Bowler, Schminke und Stock zur Modeikone stilisiert, die noch heute seinen Einfluss nicht verloren hat. Gedreht in Betonhochburgen und Unterführungen vermittelt der Film eine abstoßende, aggressive Kälte.
Obwohl der Film 1971 in die Kinos kam, ist er gut gealtert. Die Dystopie von damals ist in einen Bereichen Realität geworden. Jugendkriminalität ist kein Fremdwort mehr. Das liegt mit absoluter Sicherheit auch an der deutschen Synchronisation, die Wolfgang Staude zu verantworten hat. Der Film, der vor kurzem als 4K UDH Version von Warner A Clockwork Orange veröffentlicht wurde, verstört zutiefst. Was ist die Entscheidung eines Individuums wert? Darf eine Regierung den Menschen zwanghaft verändern und ihn somit einen anderen Willen aufzwängen auf Kosten des Individuums? Der Staat lässt sich gegenüber Alex zu enormer Brutalität hinreißen. Auge um Auge.
Nach der Heilung durch den Staat ist Alex zahm, nahezu brav, aber wohl kein Mensch mehr. Der Wille ist gebrochen. Der Pfarrer im Film sagt dazu den wichtigen Satz: „Er wird nichts Böses mehr tun, ja, aber er ist hinfort auch kein Wesen mehr, das einer freien moralischen Entscheidung fähig ist.“
Der Zuschauer sitzt verstört in seinem Kinosessel, ähnlich wie Alex bei der Ludovico-Methode, der Anti-Gewalt-Konditionierung. Wir Zuschauer sind nicht wie Alex an den Stuhl gefesselt, doch niedergedrückt von den Fragen: Fasziniert mich Gewalt? Darf ein Film soweit gehen?

Die Musik von Uhrwerk Orange
Beethoven Musik spielt in diesem Film eine zentrale Rolle. Nach einer Gewalt- und Sexorgie sagt Alex aus dem Off: „Es war ein wunderbarer Abend. Und was er noch brauchte, um wahrhaftig großartig zu enden, war ein wenig vom alten Ludwig van.“ Die wunderbare Musik Beethovens in Verbindung zu Gewalt und Onanie zu bringen, da mussten die Zuschauer ganz schön schlucken. Aber Klassik funktioniert in der Kubrickschen Choreografie der Gewalt.
Walter Carlos (heute Wendy Carlos) Score hat Filmmusikgeschichte geschrieben. Kubrick, der ja gerne klassische Musikvorlagen für seine Filme nutzt, bat Carlos sie elektronisch zu verfremden. Der Moog-Synthesizer mit seinen unendlichen Klangmöglichkeiten war noch nicht lange erfunden. Walter Carlos traf sich mit Robert Moog und der Rest ist Musikgeschichte. Verschiedene Prog-Rockbands wie ELP experimentierten damit herum, doch Walter Carlos führte die Elektronik in die klassische Musik ein und veränderte zunächst Johann Sebastian Bach. Warner veröffentlichte den Score, später brachte Carlos seine gesamten Aufnahmen Clockwork Orange – Complete Original Score zum Film auf einer eigenen Veröffentlichung zu Gehör.

Die literarische Vorlage von Clockwork Orange
Der Roman von Anthony Burgess ist lesenswert. Sein Stil mit einer Mixtur an verschiedenen Spracheinflüssen ist sehr interessant: Jugendsprache, russische Lehnwörter und viktorianisches Englisch, von Kubrick genial adaptiert und von Wolfgang Staude noch genialer ins Deutsche übersetzt. Trotz aller Begeisterung für das Buch: Für mich ist Uhrwerk Orange einer der wenigen Fälle, bei dem der Film besser ist als das ihm zugrunde liegende Buch. Heyne brachte das Buch in Deutschland als Taschenbuch auf den Markt in der Übersetzung von Walter Brumm. 1991 wurde das Buch von Herr der Ringe-Übersetzer Wolfgang Krege Clockwork Orange neu übersetzt und mit Glossar erweitert. Ich werde in einem späteren Post die beiden Versionen vergleichen.

Dieser Beitrag erschien zunächst in der Facebook-Gruppe Erdbeben‘74.

Ausstellungstipp Lichtspiele. Ausstellung zum Kino und Film im Brucker Land

26. Oktober 2021

Seitdem ich ein kleiner Junge war, liebe ich das Kino. Die magische Welt der bewegten Bilder: Lichtspielhäuser, Filmtheater, Multiplexkinos, Programmkinos und wie die Formen der filmischen Präsentationen auch heißen mögen. In meiner Jugend gab es in meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck vier Kinos: Das Capitol, die Amperlichtspiele, das Lichtspielhaus und das Bundeswehrkino Luxor-Horst-Lichtspiele. In allen vier Kinos war ich gerne zu Gast und sie zeigten ein unterschiedliches Programm. Ich besuchte beispielsweise die Jugendvorstellungen am Nachmittag und zog mir die komplette Palette an Godzilla-Filmen rein. So bekam ich japanische Filmkultur unterhaltend mit.

Und auf diese Reise in die Kinovergangenheit begab ich mich wieder als ich die Ausstellung Lichtspiele. besuchte. Es ist eine Ausstellung zum Kino und Film im Brucker Land von den Anfängen bis zum Siegeszug des Fernsehens, die noch bis zum 31. Oktober 2021 im Bauernhofmuseum Jexhof gezeigt wird.

Die Ausstellung Lichtspiele. am Jexhof
An den Exponaten sah ich Projektoren, Schaubuden-Guckkasten oder die legendäre Laterna magica, die ich aber auch schon in anderen Museen bestaunt habe. Mir war es aber wichtig, die Kinos der Vergangenheit zu sehen: Alte Fotos, alte Pläne, alte Verordnungen – kommunale Kinogeschichte pur. Was für Schätze waren hier zu sehen. So fanden manche Filmvorführungen in den Sälen von Wirtshäusern statt und bei fahrenden Wanderkinos. Dazu gab es spezielle mobile Projektoren.

Mobiler Projektor für das Wirtshaus.

Und natürlich schossen Kinos in vielen kleinen und großen Gemeinden aus den Boden. Und auf diese Filmtheater lag mein Hauptinteresse.
Ich sah mir die Planungen und Kinos meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck an. Im Laufe der Jahre begann dann das Sterben der Orte meiner Jugend. Ich erinnerte mich, wie ich an Karten angestanden habe, wie ich mich in Filme gemogelt habe, die eigentlich gar nicht für mich geeignet waren. Bestes Beispiel: Ich sah als Teenager den Carpenter-Klassiker Das Ding aus einer anderen Welt 1981 alleine im Kino und machte mir fast vor Angst in die Hose. Heute gibt es nur noch zwei Kinos in Fürstenfeldbruck. Das Lichtspielhaus wird unter anderem von einer Kulturinitiative getragen. Das Scala-Fürstenfeldbruck ist ein modernes Kino mit modernen Projektoren und Sound. Das Luxor-Horst-Lichtspiele gibt es noch, ist aber geschlossen.

Mit Spannung verfolgte ich die Kinoentwicklung in meinem heutigen Wohnort Maisach. Die Gemeinde war einst reich an Kinos. Heute haben wir Netflix.

Absolut empfehlenswerter Katalog und Ausstellung


In dem hervorragenden Ausstellungskatalog, der für rund 17 Euro beim Jexhof zu beziehen ist, hat Ortsarchivar Stefan Pfannes vorbildliche Arbeit geleistet. Anhand von zahlreichen Fotos, Plänen und Briefen erzählt er die Kinogeschichte der Gemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck. Gerne würde ich mir einen Vortrag von ihm mal anhören – mal sehen, vielleicht biete ich ihm ein Webinar zum Thema an. Wie ist eure Meinung dazu?

Die Kinogeschichte in Maisach
Das erste Kino in der Gemeinde gab es 1920 in Gerlinden. Michael Hornung gründete es zur Belustigung für Arbeiter eines nahegelegenen Torfwerkes. 1925 war mit dem Torfabbau und dem Kino dann auch schon Schluss.
1949 eröffneten die Bahnhofslichtspiele im Obergeschoss eines Gasthauses am Maisacher Bahnhof. Aber aufgrund von Steuerschulden und der nicht so gut gehenden Geschäfte wurde das Kino bereits 1953 wieder geschlossen.
176 Plätze hatten die Prinzess Lichtspiele an der Estinger Straße 6, das 1952 genehmigt wurde. Wie Pfannes berichtet, habe der Kinobetreiber Michael Ertl gut gewirtschaftet, übergab den Betrieb 1957. Der neue Betreiber hatte wohl nicht so ein glückliches Händchen und der Betrieb schloss 1964. Es folgte ein Getränkemarkt. Das Gebäude wurde 1993 abgerissen und überplant.

Und dann gab es noch das Filmtheater Maisach an der Aufkirchner Straße 8. Kinobetreiber Franz Haller eröffnete sein Lichtspielhaus 1965 mit dem Film Hochzeit lassen bitten. Hoheit lassen bitten ist eine deutsche Verwechslungskomödie von Paul Verhoeven aus dem Jahr 1954. Die Hauptrollen sind besetzt mit Hans Söhnker, Friedl Loor und Anne-Marie Blanc. Das musikalische Lustspiel basiert auf einer Operette von Walter Kollo. Ich kannte von alten Maisacher das Filmtheater Maisach als Hallerkino. Franz Haller betrieb gleichzeitig die Hallermühle am Ort. 1973 schloss er das Kino. Heute ist ein Haushaltswarengeschäft in dem Gebäude.

Der Pfarrer führt Buch über das Kinoprogramm.

Schön war in der Ausstellung eine Auseinandersetzung zwischen dem Kinobetreiber Haller und dem katholischen Pfarrer Betzl nachzulesen. Der Pfarrer stieß sich an einigen Filmen, führte genau Buch und regte sich beispielsweise über Tarzans Vergeltung (Originaltitel: Tarzan and His Mate) auf. Die MGM-Produktion hatte ein geschätztes Budget von 1,27 Millionen US-Dollar und spielte weltweit über 2,2 Millionen US-Dollar ein, ein paar Mark kamen aus Maisach. Es war der zweite Tarzan-Film mit Johnny Weissmüller. Tarzans Vergeltung war „mit Abstand der erotischste Tarzan-Streifen, der zugleich auch die realistischsten Kampfszenen beinhaltet“, so die damalige Filmkritik. Das ging dem Pfarrer zu weit. Die Kirche zeigte dafür für den gläubigen Maisacher dafür in Pfarrfilmstunden ein Alternativprogramm.

Wer noch Zeit hat, sollte sich unbedingt die Ausstellung anschauen. Sie lohnt sich auf jeden Fall. Der Katalog ist zu empfehlen und ergänzt meinen Ausstellungskatalog zur Kinogeschichte in Schwaben, die 1995 im Schwäbischen Volkskundemuseum Oberschönenfeld gezeigt wurde.

Erinnerung an Carl Lämmle, dem Erfinder des Spielfilms

9. August 2021

Hollywood wäre nicht das kreative Filmzentrum, wenn es nicht deutsche Kreative gewesen wären, die in der Frühphase kräftig mitgemischt hätten. Einer von ihnen ist Carl Lämmle aus dem baden-württembergischem Laupheim.

Ihr kennt Lämmle nicht? Solltet ihr aber. Er war 1912 der Gründer der Universal Studios und war einer der einflussreichsten Produzenten seiner Zeit. Und obwohl er US-amerikanischer Staatsbürger war, hat er seine Heimat Laupheim nicht vergessen. Der reiche Onkel aus Amerika spendete viel Geld in seine Geburtsstadt und an die jüdischen Gemeinde: Schule, Schwimmbad und ein Waisenhaus in der Stadt gingen auf Lämmle zurück. Die Nazis aber verbannten den Juden Lämmle aus dem öffentlichen Leben und damit aus seiner Heimat.
In den USA baute Carl Lämmle sein Filmimperium auf, weil er die Zeichen der Zeit erkannt. Er schuf das Mediums des Spielfilms – nicht mehr, nicht weniger. Er spürte, dass es ein Publikum für Spielfilme gab – er hatte die richtige Nase zur richtigen Zeit.

Das ist damals eine absolute Revolution gewesen. Lämmle hat damit die Filmwelt verändert und Hollywood hat ihm enorm viel zu verdanken. Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg zeigte von Dezember 2016 bis Juli 2017 die Sonderausstellung Carl Laemmle presents – Ein jüdischer Schwabe erfindet Hollywood Durch Zufall bekam ich einen Ausstellungskatalog des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg zur Ausstellung Carl Laemmle – Ein Laupheimer in der Welt: Eine Ausstellung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg im Museum zur Geschichte von Christen und Juden aus dem Jahre 2018 in die Hände.

Carl Lämmle ist für mich einer der Urväter des Kinos und dennoch habe ich den Eindruck, dass er vergessen ist. Das lag einerseits an der elenden braunen Bande, die in Deutschland ab 1933 herrschte, zum anderen gab Lämmle 1936 die Leitung von Universal endgültig ab.
Zuvor hatte er sein Imperium an den Sohn übergeben, der Universal aber nicht so führen konnte, wie es Papa Lämmle wollte. Am 28. April 1929 übernahm Carl Lämmle Junior die Produktionsleitung bei Universal. Und der Papa unterstützte den Sohnemann zunächst, obwohl es richtig Knatsch gab. 1929 war die Weltwirtschaftskrise und Universal wurde arg gebeutelt. Lämmle Junior gab grünes Licht für den Kassenschlager Im Westen nichts Neues, der die Nazis auf die Palme brachte. Schöne Geste: Papa Lämmle nahm den Oscar 1930 in Empfang, der eigentlich den Sohn gebarte.

Richtig krachte es in der Familie als es um die Idee des Horrorfilms ging. Papa Lämmle war kein Fan der unheimlichen Themen und glaubte nicht an den Erfolg. Der Sohn ging auf die Barrikaden und setzte sich durch. Lämmle Junior schuf die Grundlage für den klassischen Universal-Horror, den ich verehre. Dracula mit Bela Lugosi, Frankenstein sowie Frankensteins Braut mit Boris Karloff und mehr wie die Mumie und der Unsichtbare.

Kinogutscheine gegen Corona und Protest gegen Warner

16. Dezember 2020

Corona schnürt den Kinos die Luft ab. Die beiden Kinos in meiner Geburtsstadt Fürstenfeldbruck dürfen im Lockdown keine Filme zeigen, es sind aber auch keine neuen Spielfilme im Verleih. Beide Kinos versuchen mit dem Verkauf von Kinogutscheinen zu überleben, quasi als Weihnachtsgeschenk. Gutscheine gehen eigentlich immer.

Scala Geschäftsführer Markus Schmölz hinter Glas und mit Maske verkauft Kinogutscheine.

Markus Schmölz, Geschäftsführer vom Scala Kino in Fürstenfeldbruck, saß am Dienstag im Eingang zum Foyer des Kinos hinter Glas. Vor ihm stand eine Handkasse mit Kinogutscheinen und eine Fachzeitschrift der Filmwirtschaft, die über die Misere berichtet. Am Tag vor dem allgemeinen Lockdown versuchte Markus Schmölz noch Kinokarten an Interessierte zu bringen und ganz wichtig, um auch Flagge zu zeigen. Kino ist nicht tot, die Mitarbeiter in Kurzarbeit wollen um ihr Filmtheater kämpfen. Natürlich könnten die Karten auch online gekauft werden, aber sichtbare Präsens sei wichtig. Als ich vorbeischaue, kaufen gerade zwei junge Mädchen Gutscheine für 20 Euro.

Corona ist das eine große Problem, das andere ist das Verhalten der Filmgesellschaften. Disney hatte dieses Jahr Mulan gar nicht erst ins Kino gebracht, sondern auf dem hauseigenen Streamingkanal Disney+ gestreamt. Der Filmriese Warner hat angekündigt, jeden Film parallel zum Kino auch direkt über seinen Streamingkanal HBO Max zu veröffentlichen. Dieses Hybridmodell sei als „strategische Antwort auf die Auswirkungen der anhaltenden globalen Pandemie“ gedacht, so das Studio in einer Pressemitteilung.

Es handelt sich um 17 Blockbuster, darunter Dune (30. September 2021), Batman, Matrix 4 (22. Dezember 2021), Godzilla vs Kong (20. Mai 2021), Conjuring 3: Im Bann des Teufels (3. Juni 2021). Die Kreativen echauffieren sich. Mal sehen, ob Warner sein Ding durchzieht. Im Dezember soll noch Wonder Woman 1984 auf diese Weise als Testballon für Warner starten.

In meinem Interview spricht sich der Kinobetreiber Markus Schmölz gegen diese Pläne aus, verständlich. Und seine Argumente klingen gut. Für mich steht fest: Kino muss sich verändern, um zu überleben. Ich genieße es, zu Hause per Beamer Filme zu sehen. Aber ich genieße es noch mehr, im Kino Filme zu sehen.

Neustart: Kino Scala hat wieder geöffnet

28. August 2020

Das Scala in FFB hat wieder geöffnet.

Das Scala in FFB hat wieder geöffnet.

Endlich hat „mein“ Kino wieder geöffnet – gemeint ist das Scala Kino in Fürstenfeldbruck. Seit März war der Filmpalast Coronabedingt geschlossen, die Mitarbeiter in Kurzarbeit. Aber jetzt geht es mit einem strengen Hygienekonzept im Scala wieder los. Das gibt Mut für die ganze deutsche Kinobranche.
Ich habe mich deshalb mit dem Scala-Geschäftsführer Markus Schmölz getroffen – Abstand gewahrt und ihn zur Wiedereröffnung befragt. Die Erleichterung war ihm deutlich anzumerken. Zum Start wurden alle Mitarbeiter gleich mal mit Lederhosn als Zeichen des Neustarts ausgestattet.
Der Neustart bedeutet aber nicht das Besucherniveau der alten Zeiten. Aufgrund der Abstandsregeln darf jeder Saal im Scala nur zu etwa einem Fünftel besetzt werden. Das bedeutet für ein Kino massive finanzielle Einbußen. Und dennoch: „Wir brennen darauf loszulegen“, so Schmölz, der einen genauen Blick auf die Zahlen hat. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob ein kostendeckender Betrieb eines Kinos möglich sei. „Wir haben treue Fans und ich hoffe, ich kann auf unsere Fans zählen.“

Der Mindestabstand im Kino wird eingehalten, was die Anzahl der Sitzplätze reduziert, denn nicht nur links und rechts gelten die 1,50 Meter, sondern natürlich auch nach vorne und hinten. Zudem wurde die Lüftungsanlage hoch geschaltet, so dass der Luftaustausch im Kino permanent ist. Unter den Sitzen wird Frischluft eingeblasen und an der Decke die Luft wieder abgesaugt. Der Kinobesucher merkt davon nur ein laues Lüftchen, aber das gehört zum Hygienekonzept wie die Registrierung der Besucher am Eingang. Zudem stehen überall Desinfektionspender im Kino. Masken müssen im Foyer getragen werden, können im Kino und im Cafe-Bereich beim Konsumieren von Getränken aber abgenommen werden. Natürlich gibt es Popcorn, Nachos und Snacks sowie die gängigen Getränke.


Natürlich geht ein Kartenverkauf vor Ort, aber besser ist der Online-Kartenkauf. So sieht der Besucher, ob im Saal seines Wunschfilms überhaupt noch Platz ist und welcher Sessel noch frei ist. „Wer online seine Karten bucht, weiß genau, wo er sitzt“, so Markus Schmölz. Ein Wechsel des Sitzplatzes während der Film läuft, wird von den Scala-Mitarbeitern nicht geduldet. „Unser Hygienekonzept basiert auch auf Vernunft.“


Trotz Kurzarbeit lief die Arbeit hinter den Kulissen weiter. Die Theke erstrahlt wieder im ursprünglichen Glanz. Und es wurden zwei neue digitale Projektoren angeschafft. Damit sind alle Kinosäle auf dem neuesten Stand.
Kino braucht aber Content. Das Scala startet mit Christopher Nolans Tenet. Von dem Film wird es abhängen, ob Kino in der Cornona-Zeit erfolgreich ist. Ein Agent wird rekrutiert, um einen besonderen Auftrag auszuführen. Er soll den 3. Weltkrieg verhindern. Diesmal ist jedoch keine nukleare Bedrohung der Grund. Es muss eine Person gestoppt werden, die die Fähigkeit besitzt, die Zeit zu manipulieren. Zudem gibt es ein paar Kinderfilme und die bayrische Produktion Ausgrissn! In der Lederhosn nach Las Vegas – da passen die neuen Lederhosn beim Scala-Team ideal. Schön, dass das Scala auch kleinen Filmen eine Chance gibt.
Es braucht aber die großen Blockbuster, der Zuschauerzahlen bringen, verschieben ihre Starttermine. Gestern wurde bekannt, dass der deutsche Kinostart von The King‘s Man: The Beginning auf den 25. Februar 2021 verschoben wurde. Der alte Kinostart-Termin am 17. September 2020 ist somit nicht mehr gültig.
Das Drama von Mulan ist bekannt. Disney hat den Kinostart komplett gestrichen und streamt den Streifen in seinem Streamingkanal Disney+ gegen Aufpreis. Ich bin gespannt, wie dieses Vorhaben ankommt. Das Kino wird als Vermarktungskette übersprungen. Das Wohnzimmer soll die Kinoleinwand ersetzen.
Ich wünsche persönlich dem Scala alles Gute.

Gabriel Filmtheater: Das Ende des ältesten Kinos der Welt

22. September 2019

Eine Ära geht zu Ende.

Eine Ära geht zu Ende.

Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich in diesen Räumen verbracht habe. Ich weiß aber, dass es nun vorbei ist. Das Gabriel Filmtheater, das älteste Kino in München und zugleich das älteste Kino der Welt, ist Geschichte. Mit einem Tag der offenen Tür konnte sich das Publikum vom Kino und seinen Betreibern verabschieden. Es war für mich ein sentimentales Ereignis und eine Selbstverständlichkeit dabei zu sein.

Das Gabriel Filmtheater war für mich als Filmfreund und Filmkritiker in erster Linie ein Ort der Arbeit, aber auch ein Ort der Inspiration. Nun, ich gehöre schon lange nicht mehr zum engen Pulk der eingeschworenen Münchner Filmkritiker, die Tag ein, Tag aus ins Kino zu den Pressevorführungen gehen. Ich bekomme nur noch ab und zu Einladungen zu den Vorführungen und schreibe meine Kritiken u.a. in meinem Blog. Und ein Ort dieser exklusiven Filmvorführungen war das Gabriel Filmtheater in der Dachauer Straße 16 in München.

Im April diesen Jahres musste das Gabriel Filmtheater schließen. Nun gab es die Möglichkeit, sich von den Räumlichkeiten zu verabschieden und tief in die Geschichte eines der ältesten Kinos einzutauchen. Diese Möglichkeit wollte ich mir nicht entgehen lassen und ich musste mich persönlich verabschieden.
Die ehemaligen Betreiber Alexandra Gmell und ihr Vater Walter Büche sowie die Schauspielerin Selma Schwesig erzählten Geschichten aus dem traditionsreichen Haus und das Filmpublikum konnte alle Räumlichkeiten – einschließlich der Katakomben – alte Filmrollen und -Plakate bestaunen.
Das Gabriel Filmtheater galt als eines der ältesten Kinos der Welt. Am 21. April 1907 wurde es von Carl Gabriel unter dem Namen „The American Bio-Cie. – Carl Gabriels Theater lebender Bilder“ eröffnet. Seit 1936 war das Kino in der Hand von Alexandra Gmells Familie. Ihre Urgroßeltern Ludwig und Franziska Büche kauften das Haus, der Sohn Hans übernahm den Kinobetrieb, ihm folgte seine Frau Beatrix nach. Später übernahm ihr Sohn Hans Walter Büche, der das Gabriel bis zuletzt mit seiner Tochter betrieb.

Das Kino hatte ursprünglich einen großen Saal. Der Balkon wurde 1964 abgetrennt und es wurde das Kino 2 daraus. Hier liefen dann die Filme, die weniger Publikum anzogen. Ach ja Filme: Das Gabriel war einst auch ein Kino für Erwachsene. Das Aki im Hauptbahnhof und das Gabriel lieferten die Pornos der siebziger und achtziger Jahre. Im Keller vom Gabriel gab es noch viele Filmrollen und Plakate mit Sex-Filmchen: Die Nymphomanin Catrice, Event L’amour, Wild Lovers, Villa der Perversionen und viele mehr. Auch der sexy Historienschinken der Turm der verbotenen Liebe mit Uschi Glas war dabei.
Als Kino-Fan bin ich traurig, wenn ein Lichtspielhaus oder Filmtheater stirbt. Ich mag die Paläste der Träume. Hier bin ich ein verklärter Träumer. In meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck hat sich ein Verein gebildet, der das örtliche Lichtspielhaus als Kulturkino trägt. Ich bin hier Mitglied geworden und unterstützte das Programm mit meinem Eintritt und Mitgliedsbeiträgen. In München ist so eine Umwandlung bisher gescheitert, trotz Aufschrei der Politik.
Aber zurück zum Gabriel: Danke, dass wir in den Keller absteigen durften. Dort liegt noch allerhand Filmmaterial, Rollen, Plakate – ein Schatz für Trash-Filmfreunde. Ich hab Material zu B- und C-Movies gesehen. Viel nackte Haut, Sexfilmchen und ein bisschen Western mit Django und Franco Nero. Die Rollen stauben ein. Was mit den Schätzen passiert, wusste Alexandra Gmell noch nicht. Vielleicht gibt es eine Versteigerung. Ich habe mich auf jeden Fall auf eine Interessentenliste setzen lassen.
Die Projektoren sind schon lange abgebaut. Es gab einst noch 35 Millimeter Projektoren, die Mitte der 90er durch Beamer und Server ersetzt wurde. Zunächst gab es Festplatten, dann Download-Links für Filme – die Romantik war verschwunden.

In aller Form möchte ich mich bei den Betreibern des Gabriel für die vielen angenehmen Stunden in Ihrem Hause bedanken und wünsche alles Gute auf dem weiteren Lebensweg. – Und wir Filmkritiker müssen uns eine neue Heimat suchen. Und hier noch die Demontage des Gabriel-Schriftzugs in voller Länge.

Filmkritik: Austreten

3. Dezember 2017

Irgendwie habe ich mich an den deutschen Autorenfilm der sechziger und siebziger Jahre erinnert gefühlt, als Leute wie Schlöndorff, Fassbinder, Herzog und Achternbusch sich aufmachten, das deutsche Kino aufzurütteln. Die Filme waren weiß Gott nicht perfekt. Der Ton schwankte, die Kamera wackelte, die ganze Film- und Schauspielercrew war eine Art Kommune. Improvisation war an der Tagesordnung. Und die Filmemacher fanden ihr Publikum.
So geht es sicherlich auch den beiden Filmemachern Andreas Schmidbauer und Tanja Schmidbauer mit ihrem Film Austreten. Im Nachbarort Fürstenfeldbruck kamen einige von der Filmcrew ins wiedereröffnete Lichtspielhaus zu einem Filmgespräch zu Besuch und haben ihren Film gleich mitgebracht.

Das Filmgespräch zu Austreten mit dem Team im Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck.

Das Filmgespräch zu Austreten mit dem Team im Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck.

Um was geht es? Im Grunde ist es eine Art Brexit auf Bayrisch – eigentlich wollte der bayerische Ministerpräsident Reitmayer (Markus Böker) bei einer Pressekonferenz nur schnell auf die Toilette. Doch der Begriff „austreten“ wurde von den versammelten Journalisten gänzlich missverstanden. Austritt aus dem Bund? Sofort erhitzen sich die Gemüter und Reitmayer taucht fürs erste unter. Die Familie macht sich auf die Suche und durchstreift ganz Bayern, dabei auch Franken.

Die Idee finde ich erfrischend und sie passt ideal in die heutige politische Landschaft. Allerdings entstand die Idee vor den aktuellen Entwicklungen um Großbritannien oder Katalonien und noch weit vor der jüngsten Bundestagswahl. Da haben die jungen Filmemacher einfach eine große Portion Glück gehabt und ein Thema auf die Leinwand gehoben, das Leute anspricht.
Nach ihrem Film Hinterdupfing, der nur im Chiemgau spielte, ist die Spielwiese von Andreas Schmidbauer und Tanja Schmidbauer jetzt ganz Bayern.
Für mich war der Film Austreten eine Art Gernstl unterwegs. Franz Xaver Gernstl und sein Team, Kameramann Hans Peter Fischer und Tonmann Stefan Ravas, gehen auf die Reise durch ganz Bayern und stellen Land und Leute vor. Das Format kommt im Fernsehen gut an und trifft die Seele der Bayern.
Die Filmemacher von Austreten hatten etwas anderes im Sinn. Obwohl die Locations ähnlich wie die Locations von Gernstl sind: Liebevoll ausgewählt, schöne Stadtbilder, Drohnenaufnahmen hier, schrullige Charaktere dort. Austreten ist eine bayerische Komödie, zudem auch eine Mischung aus Heimatfilm und Roadmovie. Und hier beginnt mein Problem. Als Heimatfilm ist er mir zu schnell geschnitten, als Roadmovie fehlt mir die Atmosphäre der Straße. Ein VW-Bus und ein Alfa Romeo als Locations sind mir zu wenig, wenn sie nicht groß in die Handlung einbezogen werden.

Austreten ist Teil der Bayern-Welle im Film
Und funktioniert der Film als bayerische Komödie? Bedingt, was aber nicht an der Idee liegt, sondern vielmehr an der Umsetzung. Es wurde viel an den Dialogen am Set improvisiert. Das merkt man als Zuschauer – wir haben hier nicht die sprachliche bayerische Eleganz eines Helmut Dietl (wer hat dies schon?). Wir haben viele, teils sehr sehr gute Gags und Einfälle, die wirklich Spaß machen. Die Anspielungen auf die veränderte Mediengesellschaft sind erfrischend. Szenen zu Tinder, ICQ sind nett und wenn Oma/Opa den Eintritt in die Welt der mobilen Kommunikation mit Büchern üben.
Wir haben platten Dialekthumor bei der Beschreibung der Charaktere. Es wird mit Jauche gespritzt, reaktionäres Gedankengut als Humor verkauft und von Lügenpresse schwadroniert. Wurde hier dem Volk aufs Maul geschaut? Im Kino wurde gelacht, bezeichnend für den inneren Zustand unseres Landes.
Wir haben hintergründige Einfälle und allerlei Anspielungen im Film. Bei der Nachfrage im Filmgespräch zeigte sich die Lektüre von Effi Briest durch Eisi Gulp als Anspielung auf das weite Land und den bürgerlichen Moralkodex der Wilhelminischen Ära.

Abseits der bürgerlichen Moral: Eisi Gulp in Austreten. Foto: schmidbauerfilm

Abseits der bürgerlichen Moral: Eisi Gulp in Austreten. Foto: schmidbauerfilm

Es sind viele versteckte Hinweise in Austreten, die beim oberflächlichen Ansehen schlichtweg übersehen werden. Wie die Raufereien in Mödlareuth, einem Dorf mit 40 Einwohnern, das zu einem Teil im Bundesland Bayern und zum anderen Teil im Bundesland Thüringen liegt. 41 Jahre lang verlief die innerdeutsche Grenze mitten durch das Dorf entlang des Tannbachs. Nach dem Austritt Bayerns beginnen die Rangeleien mit den thüringischen Grenzern. Und der Film spielt mit dem Separatismus der Franken und gipfelt an einem Zeitungskiosk bei dem der Fränkische Beobachter ausliegt.

Details, die liebevoll gemacht sind - wie das (cz). Foto: schmidbauerfilm

Details, die liebevoll gemacht sind – wie das (cz). Foto: schmidbauerfilm

Sehr nett auch die politische Anspielung auf den Pressesprecher des Ministerpräsidenten. Auf seinem Namensschild steht nach dem Dr in Klammern (cz). Hatte nicht mal Andreas Scheuer seinen Doktor in Tschechien gemacht …

Austreten setzt auf Improvisation
Im Grunde reitet Austreten auf der Welle der Provinzkrimis, die in Bayern durch Rita Falk ihr Publikum gefunden haben. Und nein, das ist keine Filmkunst und keine Revolution – und damit bricht dann Austreten mit dem Autorenfilm der alten Zeit. Damals wollten die Regisseure eine Botschaft vermitteln, heute wollen Andreas Schmidbauer und Tanja Schmidbauer nur unterhalten. Ist Unterhaltung etwas schlechtes? Nein, aber das Kinopublikum von heute will einen technisch besseren Film sehen. Persönlich war mir der Schnitt zu schnell, der Tonschnitt hat nicht gepasst und der Film hat keinen durchgängigen Rhythmus.

Selfie mit dem Filmteam.

Selfie mit dem Filmteam.

Und dann denke ich mir: Was soll es? Es ist eine Gruppe von jungen Leuten. Andreas Schmidbauer ist 27 Jahre, seine Schwester Tanja ist 24 Jahre alt und für ihr Alter haben sie zusammen mit ihren Freunden einen Hammerfilm auf den Markt gebracht. Wobei mit Hammerfilm nicht die britische Produktionsgesellschaft gemeint ist, die ähnlich auf Improvisation setzt. Die Geschwister Schmidbauer haben mit ihrer Produktionsgesellschaft schmidbauerfilm die bayerische Filmförderung FFF mit seinem kritischen Leiter Klaus Schaefer überzeugt und mit dem Geld im Rücken eine Reihe namhafter Schauspieler an Land ziehen können.
Andreas Schmidbauer ist in der Branche nicht unbekannt. Der Absolvent der Hochschule der Medien in Stuttgart ist Kameramann und hat sich einen Namen im Bereich Stereoskopie gemacht. Bei Austreten setzte er allerdings nicht auf das große und teure Equipment von ARRI, sondern filmte mit einer einfacheren digitalen Sony.
Also Austreten ansehen kann man, muss man nicht. Aber die Karriere der beiden Schmidbauers mit ihren Freunden muss man beobachten. Da ist viel Potential.

DeLorean DMC-12 – Traumauto aus dem Kino auf der IHM

16. März 2015

Ein DeLorean DMC-12 auf der IHM 2015.

Ein DeLorean DMC-12 auf der IHM 2015.

Für viele, unter anderem auch mich, ist der DeLorean DMC-12 ein Traumwagen. Zum ersten Mal habe ich das Automobil in dem wunderbaren Streifen Zurück in die Zukunft gesehen. Ausgestattet mit dem von Dr. „Doc“ Emmett L. Brown erfundenen Fluxkompensator (richtig übersetzt Flusskondensator da englisch flux capacitor) konnte man mit dem DeLorean Zeitreisen unternehmen. Mit 140 km/h (88 mph) sorgte der Fluxkompensator dafür, dass der wegen der DeLorean mit seiner Edelstahl verkleideten Karosserie durch die Zeit reisen konnte. Der Film hatte einige Wahnsinn gute Gags, und wahnsinnig gute Einfälle. Und er hatte eben einen wahnsinnig coolen Wagen, den DeLorean DMC-12. Das Auto selbst war wohl ein Flop, aber es hat im Herzen der Filmfreunde immer einen Platz.


Das erste Mal live habe ich den DeLorean DMC-12 auf einer Veranstaltung in San Francisco gesehen. Dort stand im Gamesbereich auf der MacWorld Expo das umgebaute Fahrzeug zum Anschauen. Anfassen, oder gar einsteigen war strengstens verboten. Laut Wikipedia gibt es von den 8583 gebauten Exemplaren gibt es weltweit noch rund 4000.
Jetzt vor kurzem habe ich wieder eine Variation des Autos entdeckt, auf der Internationalen Handwerksmesse in München. Die Messe selbst war relativ langweilig. Nicht im Kfz-Bereich, sondern in der Gartenausstellung wurde ich fündig. Im Gartenbereich hatte ein Landschaftsgärtner das Fahrzeug ausgestellt. Und das war ein absoluter Hingucker. Vor allen Messebesucher um die 40 gingen um den Wagen herum und diskutierten über ihre Jugenderinnerungen. Als sie damals Zurück in die Zukunft mit Michael J. Fox gesehen hatten. Hier zeigte sich einmal wieder, wie sehr Filmmotive sich in das kollektive Gedächtnis einer Gesellschaft entbrennen. Der DeLorean DMC-12 war so ein Filmmotiv. Ganze Generationen von Kinobesuchern träumten von diesem Auto. Leider bin ich noch nie einen DeLorean DMC-12 gefahren, geschweige denn durch die Zeit gereist. Das hat auch die Internationale Handwerksmesse IHM nicht geändert.

Kino 2014: Das Ende der Filmrolle

21. Januar 2014

Alter Mann vor altem Projektor.

Alter Mann vor altem Projektor.

Kino bedeutete mir einst sehr viel. Es ist der magische Ort, den ich besuchte, wenn ich in andere Welten eintauchen wollte. Viel ist über die Macht des Kinos und der bewegten Bilder geschrieben worden: Eisenstein, Siegfried Kracauer und wie die Filmtheoretiker des vergangenen Jahrhunderts auch heißen mögen. Kino war Magie und diese Magie kam aus dem Projektor. Kino war für mich mit Kinoprojektoren verbunden. Ich durfte einige Male die Filme aus der Kabine des Filmvorführers sehen und es war ein bewegendes Erlebnis, die großen Filmprojektoren mit den 35 mm-Rollen bei ihrer Arbeit zu betrachten, dem Rattern zu lauschen. wenn der Film transportiert wird.

Aber dies ist nun vorbei. Das digitale Zeitalter wird nun auch in den Filmvorführraum endgültig einziehen. Paramount vertreibt seine Filme nicht mehr auf Filmrollen, sondern nur noch als digitales Medium – das heißt Festplatte oder Satellitenlink. Die 35 mm Filmrolle ist tot – möge sie in Frieden ruhen.

Diese Frau lockte mich früher ins Kino.

Diese Frau lockte mich früher ins Kino.

Der Film “Anchorman 2: Die Legende kehrt zurück“ ist zwar filmtechnisch unwichtig, wird aber dennoch Geschichte machen. Es ist der letzte Film von Paramount, der noch auch als 35 mm Kopie ausgeliefert wurde. Dann ist Schluss.

Der anstehende Paramount-Film The Wolf of Wall Street von Martin Scorsese wird nur noch in digitaler Form seinen Weg in die Kinos und damit zum Zuschauer finden. Die Vorteile für den Verleih liegen auf der Hand: Die Distribution und das Rechtemanagement wird leichter. Auch die 3D-Filme sind damit einfacher ins Kino zu bekommen. Filmexperten sagen, dass eine digitale Kopie rund 1000 US-Dollar kostet, während die analoge Filmkopie auf 2000 US-Dollar kommt.

Das Nachsehen haben die Kinos, die nicht in die Digitaltechnik investiert haben. Wer keine digitale Projektion hat, der spielt nicht mehr mit. Der muss jetzt investieren oder er geht pleite. So einfach ist das. Was Paramount vormacht, werden Fox, Sony, Warner und wie sie heißen nachmachen. Ich kenne noch Kinos in Deutschland, die nur klassische Projektoren haben. Diese werde ich noch einmal aufsuchen und mich verabschieden.

Ich erinnere mich noch als ich einmal mit jungen Leuten im Kino war und einen Spielfilm auf Film anschaute. Meine jungen Begleiter waren verwirrt von dem Filmkorn. Sie waren die glatte digitale Präsentation ihrer Blu rays am heimischen Flatscreen gewohnt und reagierten mit Unverständnis auf Filmkorn. Unscharf nannten sie die Projektion. Mir geht es so, wenn ich die alten analogen Folgen von Star Wars mit den neuen digital gedrehten Folgen sehe. Ich empfand dies zunächst als zu glatt, zu rein, zu viel Motion Blur und Global Illumination. Heute habe ich mich daran gewöhnt. Die Zeiten ändern sich.