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Dressed to Kill (USA 1980) – Matinee am 3. Mai im Scala Fürstenfeldbruck

1. Mai 2026

Brian De Palmas „Dressed to Kill“ ist ein Film, der nicht nur erzählt, sondern verführt, irritiert und verfolgt. Schon die ersten Minuten ziehen das Publikum in eine Welt, in der Begehren und Angst, Traum und Wirklichkeit, Schönheit und Gewalt unauflöslich miteinander verbunden sind. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 3. Mai um 10:45 Uhr in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Es ist ein Kino der Blicke, der Spiegelungen und der geheimen Wünsche. Menschen beobachten einander, werden selbst beobachtet und verlieren dabei immer mehr die Kontrolle über das, was sie zu sehen glauben. Genau darin liegt die große Faszination dieses Thrillers: „Dressed to Kill“ ist weniger ein klassischer Kriminalfilm als ein fiebriger Albtraum über Sehnsucht, Schuld und die dunklen Räume der menschlichen Psyche.

Im Mittelpunkt steht zunächst Kate Miller, eine Frau, die in ihrem bürgerlichen Leben gefangen scheint. Ihre Einsamkeit, ihre unausgesprochenen Wünsche und ihre Suche nach einem letzten Moment von Leidenschaft führen sie in eine der berühmtesten Sequenzen des Films: eine fast wortlose Begegnung im Museum, inszeniert wie ein erotisches Ballett aus Blicken, Bewegungen und verpassten Momenten. De Palma zeigt hier seine ganze Meisterschaft. Ohne viele Dialoge entsteht Spannung, weil jeder Blick, jede Geste und jede Kamerabewegung Bedeutung bekommt. Das Museum wird zu einem Labyrinth der Versuchung, in dem sich Kate selbst verliert. Doch der Traum von Freiheit kippt in Entsetzen. Aus Begehren wird Bedrohung, aus Eleganz wird Gewalt, aus einem Moment der Selbstbestimmung eine Katastrophe.

„Dressed to Kill“ steht deutlich in der Tradition Alfred Hitchcocks, besonders von „Psycho“. Doch De Palma kopiert nicht einfach, sondern steigert, überzeichnet und spiegelt die Motive seines Vorbilds. Die Duschszene, der abrupte Verlust einer scheinbaren Hauptfigur, der Psychiater, der am Ende eine Erklärung anbietet, die Unsicherheit über Identität und Schuld – all das verweist auf Hitchcock. Aber De Palma macht daraus ein eigenes, schillerndes, bewusst künstliches Kino. Seine Kamera gleitet, lauert, spaltet Bilder, zeigt Vorder- und Hintergrund zugleich und macht uns als Zuschauer zu Komplizen des Voyeurismus. Man schaut hin, obwohl man ahnt, dass man vielleicht lieber wegsehen sollte.

Gerade deshalb ist „Dressed to Kill“ bis heute ein Film, über den man sprechen muss. Er ist elegant, spannend und handwerklich brillant, aber auch problematisch, verstörend und moralisch ambivalent. Seine Darstellung von Geschlecht, Sexualität und Gewalt fordert aus heutiger Sicht Widerspruch heraus. Der Film fasziniert und stößt ab, oft im selben Moment. Das macht ihn zu einem idealen Werk für eine Matinee, die nicht nur zeigen, sondern auch einordnen will. Wie blicken wir heute auf einen Thriller von 1980, der damals provozierte und heute noch kontrovers diskutiert wird? Wo endet stilistische Brillanz, wo beginnt fragwürdige Projektion? Warum üben solche Bilder trotz aller Kritik weiterhin eine so starke Wirkung aus?

In der Matinee bietet sich die Gelegenheit, „Dressed to Kill“ nicht nur als spannenden Filmklassiker zu erleben, sondern gemeinsam über seine Mechanismen nachzudenken. Über die Macht des Kinos, Angst lustvoll zu inszenieren. Über Frauenbilder im Thriller. Über die Verbindung von Erotik und Gewalt. Über das Spiel mit Identitäten, Masken und verdrängten Sehnsüchten. Und natürlich über Brian De Palma als Regisseur, der das Publikum nie in Sicherheit wiegt, sondern es gezielt verunsichert.

Wer „Dressed to Kill“ auf der großen Leinwand sieht, erlebt ein Kino, das körperlich wirkt: die Musik, die Farben, die langsamen Kamerafahrten, die plötzlichen Schocks. Dieser Film ist kein beiläufiger Streaming-Titel, sondern ein Werk, das im Kinosaal seine volle Kraft entfaltet. In der Dunkelheit, gemeinsam mit anderen, wird spürbar, wie sehr De Palma mit unseren Erwartungen spielt. Man glaubt, die Geschichte zu durchschauen, und merkt doch immer wieder, dass man selbst Teil eines Spiels aus Täuschung, Begierde und Angst geworden ist.

„Dressed to Kill“ ist ein Film wie ein Spiegel in einem dunklen Raum: Er zeigt nicht nur Monster, Täter und Opfer, sondern auch unsere eigene Lust am Schauen. Gerade deshalb lohnt sich diese Matinee. Sie lädt dazu ein, einen großen, umstrittenen, sinnlichen und verstörenden Thriller neu zu entdecken – als Meisterstück des Suspense-Kinos, als Zeitdokument und als Gesprächsanlass über die Schattenseiten der Popkultur. Ein Film, der nicht einfach vergeht, wenn das Licht im Saal wieder angeht. Er bleibt. In den Bildern, in den Fragen und vielleicht auch in einem leichten Schauder auf dem Heimweg. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 3. Mai um 10:45 Uhr in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Wenn Kubricks Kino plötzlich quakt: Vier Entenboxen als liebevolle Hommage an ein Genie

14. April 2026

In der Welt der Sammlerstücke gibt es selten Momente, in denen Popkultur und Filmgeschichte sich so nett greifbar begegnen wie in den TUBBZ Boxen, die Stanley Kubrick gewidmet sind. Vier detailverliebte Miniaturen – die ikonischen Badeenten im Stil seiner unvergesslichen Figuren – ehren nicht nur einen Regisseur, sondern eine ganze Ära des Kinos. Es sind Enten aus Full Metal Jacket, The Shining, Uhrwerk Orange und 2001: Odyssee im Weltraum.

Die kleinen TUBBZ-Entenboxen zu den Filmen von Stanley Kubrick sind für mich weit mehr als bloße Sammlerstücke. Sie sind schräge, charmante und zugleich erstaunlich liebevolle Erinnerungsstücke an ein Werk, das das Kino für immer verändert hat. Auf den ersten Blick wirken sie verspielt, fast absurd: ikonische Figuren aus düsteren, rätselhaften, monumentalen Filmen als Badeenten. Doch genau in diesem Kontrast liegt ihr Zauber.

Kubrick stand wie kaum ein anderer Regisseur für Perfektion, für Bildgewalt, für kühle Präzision und für Filme, die sich tief ins Gedächtnis eingebrannt haben. Ob das unheimliche Lächeln aus The Shining, die beklemmende Wucht von A Clockwork Orange oder die majestätische Fremdheit von 2001: A Space Odyssey — seine Werke tragen bis heute eine fast mythische Aura. Und dann kommen diese Entenboxen daher und verwandeln all das in etwas Greifbares, Zärtliches, fast Herzliches.

Gerade für Filmfans wie mich liegt darin etwas sehr Berührendes. Denn diese Figuren nehmen Kubrick nichts von seiner Größe. Im Gegenteil: Sie zeigen, wie stark seine Bilder und Charaktere bis heute leben. Selbst in einer so augenzwinkernden Form bleiben sie sofort erkennbar. Das ist keine Parodie, sondern eine liebevolle Verbeugung vor einem Regisseur, dessen Werk Generationen bewegt, verstört und fasziniert hat.

Die TUBBZ-Entenboxen schaffen damit etwas Seltenes: Sie verbinden Popkultur mit echter Filmleidenschaft. Sie holen die oft als kühl und distanziert empfundenen Kubrick-Welten aus dem Museum des großen Kinos direkt ins Regal, auf den Schreibtisch oder in die Vitrine. Dort stehen sie dann nicht einfach als Merchandising-Produkte, sondern als kleine emotionale Anker — für Lieblingsszenen, für erste Filmerlebnisse, für lange Gespräche über bedeutende Bilder und große Kunst.

Vielleicht liegt genau darin ihre besondere Kraft: Diese Enten sind skurril, witzig und doch voller Gefühl. Sie erinnern daran, dass große Filme nicht nur analysiert, sondern auch geliebt werden wollen. Und manchmal zeigt sich diese Liebe eben nicht in schweren Bildbänden oder nüchternen Essays, sondern in einer kleinen Box mit einer Ente, die plötzlich ein ganzes Kino-Universum in sich trägt.

Kubrick war nie nur Filmemacher. Er war Architekt menschlicher Abgründe, Chronist der Zivilisation, Forscher unserer Sehnsüchte und Ängste. Vom kalten Glanz von 2001: Odyssee im Weltraum bis zum hypnotischen Wahnsinn von The Shining formte er Welten, die noch Jahrzehnte später hallen. Seine Werke sind keine Filme, die man einfach „sieht“ – man erlebt sie, durchlebt sie, und findet sich selbst darin wieder. Jede Einstellung trägt seine Handschrift: die präzise Symmetrie, das unheimlich stille Detail, die Musik, die unter die Haut geht.

Dass die TUBBZ Reihe Kubrick nun in dieser verspielten Form feiert, wirkt fast paradox – und doch berührend. Die kleinen Figuren erinnern uns daran, dass selbst die größten Meister des ernsten Kinos Teil einer lebendigen Kultur bleiben. Sie verwandeln Kubricks Charaktere aus Symbolen des Existenziellen in liebevoll greifbare Artefakte. Alex DeLarge mit seinem schiefen Grinsen, Jack Torrance mit der Axt, der Astronaut Bowman im Raumanzug, Private Poker mit Brille und Helm – jeder von ihnen steht wie ein leuchtendes Fragment eines Genies, das die Welt nie wieder loslässt.
Kubrick war ein Perfektionist, ein Träumer, manchmal ein Tyrann seiner eigenen Visionen. Aber gerade darin liegt seine Größe. Er zeigte, dass Kunst kein Kompromiss ist, sondern Folge radikaler Fragen: Wer sind wir? Wieviel Kontrolle besitzen wir über uns selbst? Und was bleibt, wenn die Illusion verschwindet? Seine Filme waren Spiegel des Unbehagens, des Fortschritts, der menschlichen Hybris – und genau deshalb bleiben sie zeitlos.
Diese vier Boxen sind also mehr als Sammlerstücke. Sie sind kleine Denkmäler an die Kraft der Vorstellung, an das Kino als Medium der Erkenntnis und des Staunens. In ihnen lebt Kubrick weiter – nicht im Monument einer Statue, sondern in den charmanten Augen einer Badeente, die uns anlächelt und flüstert: „Das Spiel ist nie vorbei.“

Wenn selbst der Kinobesuch zum Luxus wird: Zuckersteuer trifft die Falschen

10. April 2026

Persönlich halte ich die geplante Zuckersteuer für richtig, doch ich sehe auch, dass wieder Kosten auf uns Verbraucher zukommen werden. Mich wird es an einem meiner Lieblingsorte treffen: Dem Kino.


Die geplante Zuckersteuer in Deutschland zielt nach aktuellem Stand primär auf stark gesüßte Getränke ab, weshalb feste Süßwaren im Kino wie Popcorn oder Schokolade vorerst von der direkten Abgabe verschont bleiben. Dennoch müssen sich Kinobesucher auf spürbare Preiserhöhungen beim klassischen Kino-Menü einstellen, da die unverzichtbaren Softdrinks massiv besteuert werden sollen.

Fokus auf Getränke statt fester Snacks
Die politische Debatte um eine Zuckersteuer hat im Frühjahr 2026 durch eine Bundesratsinitiative aus Schleswig-Holstein und entsprechende GKV-Empfehlungen konkrete Formen angenommen. Es handelt sich dabei um eine reine Getränkesteuer, weshalb feste Kino-Süßwaren wie Popcorn, Nachos oder Weingummi von der Abgabe ausdrücklich ausgenommen bleiben. Allerdings sieht der Entwurf eine Altersgrenze von 16 Jahren für Energy-Drinks vor, was Kinos künftig zu unangenehmen Ausweiskontrollen an der Süßwarentheke zwingen wird.

Drastische Preisaufschläge bei Softdrinks
Die Expertenkommission empfiehlt für stark zuckerhaltige Getränke wie herkömmliche Cola eine Abgabe von 32 Cent pro Liter. Da Kinos ihre Softdrinks oft in großen Bechern von bis zu über einem Liter ausschenken, trifft diese Abgabe die margenstärkste Einnahmequelle der Kinobetreiber empfindlich. Es ist wirtschaftlich unausweichlich, dass die Lichtspielhäuser diese Mehrkosten im Einkauf an den Endverbraucher weiterreichen, was das ohnehin kostspielige Kinoerlebnis weiter verteuert. Und Kinos leben von den Snacks, denn der Erlös durch die Filme werden vom Verleih aufgefressen.

Verdeckte Preiserhöhungen durch Mischkalkulation
Besonders kritisch ist die Gefahr, dass Kinos die neue Getränkesteuer als Vorwand für eine undifferenzierte Preiserhöhung der beliebten Kombi-Menüs nutzen könnten. Obwohl zuckerfreie Getränke von der Steuer befreit sind, etablieren Betreiber in der Regel einheitliche Preise für alle Softdrinks einer Bechergröße, wodurch auch die Konsumenten von „Zero“-Produkten die Steuer indirekt mitfinanzieren würden. Letztlich droht die gesundheitspolitische Lenkungswirkung in der Kinobranche zu verpuffen, da die Konsumenten durch intransparente Preisaufschläge lediglich finanziell belastet werden, ohne das Menü-Angebot zwingend zu verändern.

Glanz, der blendet: Wie „Melania“ an der Wirklichkeit vorbeifilmt

30. Januar 2026

„Melania“ ist kein Film, der leise in den Kinos verschwindet – er steht da wie ein gleißender Scheinwerfer, den niemand bestellt hat, und beleuchtet gnadenlos eine Präsidentschaft, die längst aus den Fugen geraten ist. Drinnen laufen hochglänzende Bilder einer First Lady, die in zwanzig Tagen angeblich Geschichte schreibt, draußen zählen Menschen jeden Dollar, stehen vor leeren Kühlschränken, arbeiten sich in Krankenhäusern kaputt – und irgendwo dazwischen feiert das Weiße Haus Premierenabend, als wäre das Elend nur ein dekorativer Hintergrund für eine perfekt ausgeleuchtete Nahaufnahme.

Auf der Oberfläche funkelt alles: Amazon-Millionen, ein Budget, das mit rund 75 Millionen Dollar mehr nach Superhelden-Blockbuster als nach Dokumentarfilm klingt, rote Teppiche, schwerelose Kamerafahrten, ein Regisseur wie Brett Ratner, zurückgeholt aus dem Exil der MeToo-Vorwürfe, um genau jenen Film zu drehen, der nichts dem Zufall überlassen will – außer der Wahrheit. „Melania“ verspricht Intimität, einen „privaten, unzensierten Blick“, eine Reise durch die 20 Tage vor der zweiten Amtseinführung Donald Trumps, doch je länger man hinschaut, desto deutlicher spürt man, wie sich der Vorhang nicht öffnet, sondern schwerer vor die Realität legt, samten, dick, gemacht dafür, alles zu verschlucken, was weh tun könnte.

Und dann sind da diese Bilder, die nicht im Film vorkommen, sondern in den Kinosälen: eine Nachmittagsvorstellung in London mit einem einzigen verkauften Ticket, zwei am Abend, ganze Reihen, die niemand jemals berührt, Kassensysteme, die nichts zu tun haben – während der Präsident im Netz „MUST WATCH“ schreibt und behauptet, die Tickets seien „selling out FAST“. Die Wirklichkeit antwortet mit einem beinahe grausamen Schweigen, mit leeren Sälen in Boston, Jacksonville, Los Angeles, mit Zahlen, die den teuer verkauften Mythos in Echtzeit zerbröseln lassen. Es wirkt, als hätte das Publikum instinktiv verstanden, dass hier nicht erzählt, sondern ausgelöscht werden soll – Zweifel, Verantwortung, die Kälte eines Systems, das sich selbst wie mit Weichzeichner überzieht.

Die Reaktionen draußen klingen wie ein zersprungener Chor: Auf der einen Seite Influencer und Anhänger, die den Film als überwältigenden Geschichtsakt feiern, als längst fälligen Liebesbrief an eine Frau, die sie zur makellosen Heldin stilisieren; auf der anderen Seite Kritiker, die von einem 40-Millionen-Liebesbrief sprechen, von Reputationswäsche, von einem politischen Geschäft, bei dem Amazon weniger einen Film als Zugang und Einfluss gekauft hat. In ihren Worten liegt Wut, Ekel, aber auch eine tiefe Ermüdung: „Niemand hat nach diesem Film gefragt“ – und doch ist er da, schwer, teuer, laut, als würde ein ganzes Machtgefüge verzweifelt um eine neue Erzählung kämpfen.

Besonders schneidend sind jene Stimmen, die aufzählen, was gleichzeitig passiert: ein erschossener Veteranenpfleger, ein geschwächtes Katastrophenschutzsystem, Menschen, die sich vor einer Eissturmfront fürchten – und dann die Frage, fast ein Schrei: „Und was macht der Präsident? Er veranstaltet einen Filmabend im Weißen Haus.“ In diesem Moment reißt „Melania“ aus der Komfortzone von Popcorn und Kritiksternen heraus: Es geht nicht mehr um Geschmack, sondern um Moral, um die Zumutung, dass ein Filmabend zur Priorität wird, während ein Land taumelt.

Gleichzeitig breitet sich über allem eine bittere, ironische Stille aus: Memes über leere Säle, Spott über Karten, die niemand kaufen will, Screenshots von Sitzplänen, auf denen das Nichts fast schmerzhaft sichtbar wird. In dieser Häme steckt etwas Trauriges, denn Bilder haben Macht, selbst wenn kaum jemand sie sieht – für jene, die sie brauchen, erfüllt „Melania“ längst seinen Zweck: als Prestigeobjekt, als Signal der Loyalität, als weiterer Baustein in einem Netz aus Deals, Zugängen und stillen Abhängigkeiten.

Und dann sitzt man gedanklich doch in diesem dunklen Saal, umgeben von leeren Reihen, und sieht auf der Leinwand ein Leben, das plötzlich zur Opfergeschichte ummontiert wird – ein Leben, das zugleich Teil jener Macht war, die so viele Risse, Verletzungen, Spaltungen in dieses Land getrieben hat. In diesem Moment ist „Melania“ weniger Film als Spiegel, aber keiner, der sie zeigt, sondern uns: wie bereitwillig wir glatte Erzählungen akzeptieren, wie sehr wir uns nach einfachen, schönen Bildern sehnen, selbst wenn sie uns eine alternative Wirklichkeit verkaufen. Dass dieser Film nun an den Kassen scheitert, ist kein Happy End, sondern ein leiser, schmerzhafter Hinweis darauf, dass sich Wahrheit nicht unbegrenzt überstrahlen lässt – und dass die eigentliche Frage nicht ist, ob wir dieses Mal wegsehen, sondern wie viele solcher Bilder wir uns noch leisten wollen, bevor etwas in uns endgültig sagt: genug.

Verschwindet das Mathäser-Kino in München?

29. Januar 2026

Das Mathäser-Kino in München wird wohl wieder einmal umgebaut und verkleinert. Das ist schade, aber ist wohl der Lauf der Dinge. Kino ist ein emotionales, aber schweres Geschäft.

Es ist nicht der erste Umbau. Der ursprüngliche Mathäser-Komplex wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Im Jahr 1957 entstand nach dem Wiederaufbau die sogenannte Mathäser Bierstadt – gleichzeitig wurde der Mathäser Filmpalast neu eröffnet. Das gilt als der erste grundlegende Umbau bzw. Neuaufbau in der Kino-Geschichte des Standorts. Der Betrieb von Bierstadt und Kino wurde 1996 eingestellt und das Kino umgebaut. Daran kann ich mich noch erinnern als die gemalten riesigen Plakate im Hof des Komplexes verschwanden.

2003 wurde das heutige seelenlose Multiplex-Kinos wiedereröffnet und ist bis heute ein Zentrum des Münchner Filmwesens mit Premieren und Veranstaltungen. Ich bin oft zu Gast.


Jetzt geht es dem Kino wieder an den Kragen. Die Zurich Immobilien Deutschland AG & Co. KG, der das Gebäude gehört, hat bei der Stadt eine Bauvoranfrage gestellt, um anstelle des Kinokomplexes ein „Mixed-Use“-Quartier mit Büros, Wohnungen, Handel und Kulturflächen zu errichten. Der Kinobau würde in diesem Szenario abgerissen und durch mehrere neue Bauteile mit variabler Höhe, offenen Passagen und Grünflächen ersetzt. Auch ein kleineres Kino soll dann wieder kommen.

Was das für das Kino bedeutet
Der Mathäser-Filmpalast dürfte voraussichtlich bis mindestens 2033 weiterlaufen, weil der Mietvertrag des Betreibers Kinopolis bis dahin läuft.
In den Planungen ist zwar prinzipiell auch künftig wieder ein Kino vorgesehen, dieses wäre aber deutlich kleiner, sodass ein Großteil der heutigen knapp 4000 Sitzplätze in 14 Sälen verloren ginge.

Offiziell argumentiert der Eigentümer mit der „Weiterentwicklung“ des Standorts zu einem modernen Stadtquartier mit mehr Wohnraum und Arbeitsplätzen in zentraler Lage. Hintergründig spielen die hohe Wertschöpfung eines gemischt genutzten Neubaus und die deutlich besseren Renditechancen im Vergleich zu einem reinen Kinokomplex eine zentrale Rolle. Also es geht ums Geld.

Traurige Gegend
Im Moment macht die Gegend um das Kino keinen guten Eindruck. Nach der Karstadt-Pleite verfällt das Areal. Die Einkaufsmöglichkeiten im Mathäser-Komplex reizen mich überhaupt nicht. Auch der Zugang vom Stachus Untergeschoss ist nicht attraktiv. Die riesige Baustelle des Münchner Hauptbahnhofes in der Nähe macht die Sache auch nicht besser. Auf gut deutsch: die Gegend macht keinen Spaß und wahrscheinlich ist die Rendite zu an dieser Stelle ausbaufähig.

Folgen für Münchens Kinolandschaft
Stadträte und Vertreter der Filmbranche warnen, dass der Verlust des größten und besucherstärksten Kinos Deutschlands ein erheblicher Rückschlag für den Filmstandort München und die Attraktivität der Innenstadt wäre. Allerdings: Der Zustand heute ist kein Aushängeschild für München und es tut mir weh, wenn ich dieses Filmtheater besuche.

Neben der reinen Zahl der Kinositze ginge auch ein wichtiger Ort für Premieren, Branchenveranstaltungen und für große Leinwände mit spezieller Bild‑ und Tontechnik verloren. Das Mathäser beherbergt das erste Dolby Cinema Deutschland mit Duale 4K Laserprojektion (Dolby Vision HDR) mit hohem Kontrast und sehr tiefen Schwarztönen. Auch der Klang mit Dolby Atmos, ein 3D-Raumklang mit Deckenlautsprechern, faszinierte mich. Bei Action-Filmen ist dieser Saal ein Genuss.

Kinosterben in München
Ich habe das Sterben des Kinos über Jahre verfolgt. Das James-Bond-Kino am Karstor, in dem ich meine Jugend verbrachte, wurde am 29. Februar 2004 geschlossen. Nach 54 Jahren Betrieb liefen an diesem Tag die letzten Vorstellungen in den vier Sälen des Traditionskinos am Stachus/Karlstor. Hintergrund waren unter anderem der zunehmende Druck durch neue Multiplex-Kinos (wie das Mathäser) sowie wirtschaftliche Gründe.
Nur ein paar Meter weiter schloss das Tivoli. Das Tivoli Kino in München (Neuhauser Straße 3) wurde am 16. Januar 2011 endgültig geschlossen. Ich traf dort einen griesgrämigen Heinz Rühmann in Begleitung eines gut gebauten und fröhlichen Loriot.

Das Gabriel Filmtheater in München wurde im April 2019 endgültig geschlossen. Es galt bis dahin als eines der ältesten durchgehend betriebenen Kinos der Welt (Eröffnung 1907 in der Dachauer Straße 16). Die Schließung erfolgte aus wirtschaftlichen Gründen, vor allem wegen sinkender Besucherzahlen und des hohen Immobilienwerts. Ich war bei der Schließung dabei.

Und dann traf es das Kino am Sendlinger Tor. Das Filmtheater am Sendlinger Tor in München wurde am 15. Januar 2025 offiziell geschlossen. Der letzte Spieltag war ebenfalls der 15. Januar 2025. Grund für die Schließung war ein langjähriger Pachtstreit mit den Hauseigentümern, der letztlich zur Aufgabe des Kinobetriebs durch die Betreiberfamilie Preßmar führte. Das Kino bestand seit 1913 und war eines der traditionsreichsten Lichtspielhäuser der Stadt.

The Shining (1980) – Rückblick auf die Matinee

23. Januar 2026

Stanley Kubricks „Shining“ von 1980 ist weniger klassische Stephen‑King-Gruselgeschichte als ein kalter Blick auf Familie, Männlichkeit, Geschichte und Raum – ein Horrorfilm, der sein eigentliches Grauen in Struktur, Bildgestaltung und Atmosphäre verbirgt. Ich besprach und zeigte den Film in meiner Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Die nächste Matinee befasst sich am Sonntag, 1. Februar mit John Carpenters Film „Sie leben“. Karten für das Scala Fürstenfeldbruck gibt es hier.

Das Werk Shining entfaltet sich wie ein Labyrinth aus Bedeutungen, in dem der Zuschauer sich ebenso verirrt wie Jack Torrance im Schnee – und genau darin liegt seine anhaltende Faszination. Hier meine Aufzeichnung des Vortrags:

Handlung als Kammerspiel der Zersetzung
Im Zentrum steht der gescheiterte Lehrer und Möchtegern-Schriftsteller Jack Torrance, der mit Frau Wendy und Sohn Danny den Winter über als Hausmeister im abgelegenen Overlook Hotel arbeitet. Aus der scheinbar idealen Gelegenheit zum Neuanfang wird ein schleichender Albtraum, in dem Isolation, Alkoholismus, unterdrückte Gewaltfantasien und die Geister des Hotels sich gegenseitig verstärken.

Der Film verweigert einen klaren Verursacher des Schreckens: Die übernatürlichen Erscheinungen können gleichermaßen als reale Geister, als Projektionen psychischer Abgründe oder als Bild gewordene Gewaltgeschichte des Ortes gelesen werden. Dadurch bleibt das Grauen strukturell „offen“ – ein Horror, der sich eher in Andeutungen und Mehrdeutigkeiten als in eindeutigen Erklärungen organisiert.

Themen: Familie, Wahnsinn, Vergangenheit
„Shining“ ist ein Film über die Zerbrechlichkeit der bürgerlichen Kleinfamilie, der das Ideal der „intakten“ Familie systematisch zerlegt. Jack erscheint von Beginn an als innerlich leerer, frustrierter Mann, der den Hoteljob als Flucht vor einem Leben begreift, das ihn demütigt und das er zugleich nicht verantwortungsvoll gestalten kann. Die Gewalt, die sich im Overlook Bahn bricht, ist dabei weniger plötzliches Böse als Eskalation bereits angelegter Aggression – das Hotel verstärkt, was schon da ist.

Zugleich verhandelt der Film die Macht der Vergangenheit: Die Geister des Overlook sind Manifestationen einer Geschichte von Mord, Ausbeutung und kollabierter Männlichkeitsfantasien. Die berühmten Blutwellen aus dem Fahrstuhlschacht lassen sich als Bild einer verdrängten Gewaltgeschichte lesen, die immer wieder in die glatte Gegenwart einbricht.

Raum, Labyrinth und Blick
Kubrick baut das Overlook Hotel als labyrinthischen Raum, dessen Architektur bewusst inkonsequent ist: Korridore führen ins Nichts, Fenster liegen an unmöglichen Stellen, räumliche Kontinuität löst sich auf. Diese räumliche Unlogik erzeugt ein permanentes Unbehagen, weil der Zuschauer sich nie sicher orientieren kann – ein filmischer Zustand, der Jacks mentaler Desorientierung entspricht.

Der Außen-Labyrinthgarten spiegelt diesen inneren Architektur-Wahnsinn: Tagsüber wirkt die Hecke wie ein touristischer Gag; in der Nacht wird sie zum Schauplatz eines existenziellen Verfolgungsspiels, bei dem Danny den Vater nur durch kluge Spurentäuschung austrickst. In der berühmten Vogelperspektive, in der die Kamera über das Modell der Hecke fährt und nahtlos in die „realen“ Figuren übergeht, verschmelzen Miniatur, Plan und Wirklichkeit – der Mensch als Figur in einem längst vorgezeichneten Plan.

Zentral ist auch Kubricks Einsatz der Steadicam: Die scheinbar schwebende Kamera, die Danny auf seinem Dreirad durch die Gänge verfolgt, gibt dem Hotel eine unheimliche Subjektivität, als würde der Raum selbst blicken. Dieses „gleitende Sehen“ macht das Overlook zum eigentlichen Protagonisten – ein Ort, der die Figuren beobachtet, prüft und schließlich verschlingt.

Ambivalentes Übernatürliches
Kubrick übernimmt zwar zentrale übernatürliche Elemente der Vorlage – das „Shining“ Dannys, die Geister, die Visionen –, weigert sich aber, diese eindeutig zu verankern. Viele Erscheinungen lassen sich als subjektive Halluzinationen deuten, andere (etwa das geöffnete Kühlhaus) scheinen eine objektive Existenz der Geister nahezulegen, ohne sie zu bestätigen.

So entsteht ein Schwebezustand zwischen psychologischem und metaphysischem Horror, in dem das Übernatürliche ebenso psychische Metapher wie reale Bedrohung sein kann. Das macht „Shining“ schwer einzuordnen: Er erfüllt die Kriterien eines Horrorfilms und unterläuft sie zugleich, indem er nie die eine, endgültige Erklärung anbietet.

Stil, Rezeption und Nachwirkung
Stilistisch bevorzugt Kubrick kalte Kompositionen, strenge Symmetrien und eine Musikgestaltung, die mehr verstört als „emotionalisiert“. Die langen, gleitenden Einstellungen, die minimalistische Montage und der Einsatz atonaler Klänge erzeugen eine distanzierte, fast klinische Atmosphäre, in der Affekte nicht ausgestellt, sondern wie unter einem Glassturz beobachtet werden.

Bei seiner Premiere stieß „Shining“ auf gemischte bis ablehnende Reaktionen; Kritiker warfen dem Film Überlänge, emotionale Kälte und Unklarheit vor, selbst Stephen King distanzierte sich deutlich von der Adaption. Inzwischen gilt der Film als Schlüsselwerk des modernen Horrorkinos, dessen experimentelle Verbindung von Raumarchitektur, psychologischer Zersetzung und offener Bedeutung eine ganze Generation von Filmemachern geprägt hat.

In dieser Spannung aus Eindeutigkeit und Rätsel, aus familiärem Drama und ungreifbarer Bedrohung liegt die besondere Qualität von „Shining“: Der Film erklärt seinen Horror nie, sondern lässt ihn als unabschließbares Echo in Bildern, Räumen und Blicken weiterarbeiten.

Die nächste Matinee befasst sich am Sonntag, 1. Februar mit John Carpenters Film „Sie leben“. Karten für das Scala Fürstenfeldbruck gibt es hier.

Buchtipp: Cinemas – From Babylon Berlin to La Rampa Havana von Margarete Freudenstadt

21. November 2025

Wer meinen Blog kennt, der weiß: Ich liebe das Kino. Meine Liebe zum Kino beginnt oft im Dunkeln – in dem Moment, wenn das Licht ausgeht und der Alltag leise hinter einem die Tür schließt. Auf der Leinwand öffnet sich eine andere Welt, und für zwei Stunden darf man jemand anders sein, an anderen Orten leben, andere Leben fühlen.

Viele Kinos sterben heute aus den unterschiedlichsten Gründen und wenn ich die Gelegenheit habe, dann fotografiere Kinos. Zwei schmerzhafte Erfahrungen waren die Schließungen des Gabriels und des Sendlinger Tor Filmtheaters – beides in München. Ich habe darüber gebloggt. Immer wieder schwebst es mir vor, einen Buch zum Thema Kinos zu produzieren.

Schon vor langer Zeit traf ich eine Leidensgenossin in Sachen Kino. Die Fotografin Margarete Freudenstadt. Bei einer Ausstellung in Gauting stellte sie ihrem Bildband Cinemas – From Babylon Berlin to La Rampa Havana vor, der von Christoph Wagner herausgegeben wurde. Das Buch zeigt auf eindrucksvolle Weise eine nostalgische Reise durch Lichtspielhäuser zwischen Ost­deutschland und Kuba – und erzählt damit zugleich von Zeiten, Träumen und Verfalls­erscheinungen.

Der Band beginnt im Osten Deutschlands, in den frühen 1990er Jahren. Freudenstadt lässt alte DDR-Kinos auftreten: Gebäude wie das „Filmtheater Kosmos“ oder „Fortschritt-Lichtspiele“, einst Symbol für moderne Unterhaltung im Sozialismus, erscheinen nun ruhig, teilweise leer und von der Zeit gezeichnet. Die Fotografin dokumentiert Architektur, Foyers, Fassaden und Straßenzüge, oft mit einem Blick, der Ruhe, Leere und Erinnerung zugleich einfängt – als würde jedes Foto eine Art Nachklang einer Epoche sein, die bereits durch Umbruch und Wandel erschüttert wurde.

Im zweiten großen Kapitel führt das Buch nach Kuba – nach Havanna und Umgebung –, wo die filmische Begeisterung der 1950er Jahre unter US-Einfluss in prachtvollen Kinopalästen wie „Riviera“, „Acapulco“ oder „Florida“ gipfelte. Doch auch hier hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen: Die einst glanzvollen Säle sind heute in vielen Fällen verfallen, verwittert, überzeichnet von Patina und Geschichte. Kubanische Kinos erscheinen im Bildband als stille Mahnmale einer Träumerei von Unterhaltung und Illusion, die einst pulsierte und nun – vielfach – ihre Zuschauer verloren hat.

Was das Buch und ihre Bilder so stark macht, ist nicht nur die gegensätzliche geografische wie historische Gegenüberstellung – Ost­deutschland nach der Wende versus Kuba im Wandel –, sondern der emotionale Eindruck, den diese Räume hinterlassen. Wir Leser spüren eine Mischung aus Vergänglichkeit und Faszination: Die Magie des Kinos, die einst in diesen Sälen lebte, klingt nach. Auch im Zustand des Verfalls bewahren die Bilder eine Präsenz – das Lichtspielhaus wird zur Metapher für Zeit, Erinnerung und Wandel.

Freudenstadts Fotografien sind großformatig, hochwertig gedruckt auf mattiertem, festen Papier. Jede Aufnahme zeigt detailreich Fassaden, Interieurs, Straßenraumeindrücke – Menschen sind teilweise präsent, doch nie Haupt­motiv; das Kino als Ort steht im Vorder­grund.

Begleitet werden die Bilder von einführenden Essays verschiedener Autoren, die über die Geschichte der Kinos in Kuba sowie in der DDR reflektieren – etwa zur Architektur, zur Film- und Kinokultur oder zur Rolle der Technik- und Sozialgeschichte.

Die Wirkung des Buches liegt in seiner stillen Kraft: Es lädt ein zu verweilen, zu schauen, zu erinnern. Man könnte sagen: Die vergessenen Lichtspielhäuser sprechen – über Vergangenes, über Wandel, über das, was aus dem Glanz wurde. Für Kinoliebhaber, Architektur- und Fotografie-Begeisterte ist der Band ein visuell wie inhaltlich beeindruckendes Werk.

Mit seinen 96 Seiten, einem Format von ca. 26 × 29 cm und rund 80 farbigen Abbildungen ist der Bildband hochwertig ausgestattet und ein Kunstwerk für sich.

Ich geb es nicht auf und fotografiere selbst weiter. Unlängst konnte ich in Estland ein sozialistisches Kino fotografieren, das auf dem Grundstück des Nazis Alfred Rosenberg erbaut wurde.

Shining (1989) – phantastische Matinee am 16. November im Scala Fürstenfeldbruck

14. November 2025

Mit The Shining schuf Stanley Kubrick 1980 einen der stilprägendsten Horrorfilme der Kinogeschichte – ein Meisterwerk, das bis heute nichts von seiner verstörenden Faszination verloren hat. Ich bespreche und zeige den Film in meiner phantastischen Matinee am Sonntag, 16. November, um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

In der atemberaubenden Kulisse des abgelegenen Overlook Hotels entfaltet sich ein psychologischer Albtraum, der mit seiner beklemmenden Atmosphäre und ikonischen Bildern Kinogeschichte schrieb. Jack Nicholson liefert in seiner Paraderolle als Jack Torrance eine unvergessliche Darstellung zwischen Wahnsinn, Isolation und unheimlicher Gewalt, während Shelley Duvall und Danny Lloyd als Familie am Rand des Zusammenbruchs brillieren. Kubricks präzise Kameraarbeit, die hypnotische Musik und die meisterhafte Inszenierung erzeugen eine Spannung, die unter die Haut geht – subtil, elegant und unerbittlich. The Shining ist mehr als ein Horrorfilm: ein visuelles Erlebnis, ein psychologischer Trip und ein zeitloser Klassiker, der Zuschauerinnen und Zuschauer immer wieder in seinen Bann zieht – “for ever and ever and ever.”

Buchkritik: 2001: Filming the Future von Piers Bizony

27. Oktober 2025

Ich liebe den Film 2001: Odyssee im Weltraum von Stanley Kubrick. Ich habe den Film auf Super 8 komplett, auf VHS, auf Laserdisc, auf DVD, Bluray und 4K. Dieser Film ist ein wirkliches Meisterwerk der Filmgeschichte.

Und über die Jahre habe ich viele Bücher über den Film gesammelt, Ausstellungen angesehen, Gespräche geführt, Vorträge gehalten. Unlängst habe ich Piers Bizonys englische Buch 2001: Filming the Future erworben. Es ist eine sorgfältige und zugleich leidenschaftliche Hommage an Stanley Kubricks Film. Als großformatiger Band verbindet es detailreiche Essays, seltene Fotos und Interviews zu einer Gesamtschau, die den Produktionsprozess des Films offenlegt und zugleich seinen kulturellen Nachhall reflektiert. Was den Band besonders auszeichnet, ist der Spagat zwischen technischer Präzision und künstlerischer Sensibilität: Bizony erzählt die Entstehungsgeschichte nicht nur als filmhistorisches Dokument, sondern als Chronik menschlicher Kreativität im Angesicht des Unbekannten.

Im Zentrum steht die Zusammenarbeit zwischen Stanley Kubrick und Arthur C. Clarke. Bizony zeichnet nach, wie aus einem eher abstrakten Konzept – die Frage nach dem Platz des Menschen im Kosmos – ein filmisches Monument wurde. Er erläutert in präzisen, journalistisch klaren Passagen, wie akribisch Kubrick arbeitete: von den minutiösen Drehplänen bis hin zu experimentellen Kameraaufbauten. Dabei spart Bizony auch die legendäre Strenge des Regisseurs nicht aus, ohne ihn zur Karikatur des „einsamen Genies“ zu verklären. Stattdessen entsteht das Bild eines Perfektionisten, der seine Mitarbeiter forderte, sie aber gleichzeitig zu Höchstleistungen inspirierte.

Besonders eindrücklich sind Bisons Beschreibungen der technischen Innovationen. Das Buch widmet sich ausführlich den bahnbrechenden Spezialeffekten, die ohne digitale Tricks auskommen mussten. Von der simulierten Schwerelosigkeit bis zu den großartig beleuchteten Raumschiffinterieurs vermittelt Bizony ein Gefühl dafür, wie sehr Kubrick und sein Team die Grenzen des Möglichen verschoben. Uns Leser wird bewusst, dass 2001 entstand, bevor der Mensch tatsächlich den Mond betrat – ein Faktum, das dem gesamten Projekt eine fast prophetische Aura verleiht.

Stark sind auch Bizonys Reflexionen über den kulturellen Kontext der 1960er Jahre. Er zeigt, wie das Werk mit dem Geist des Space Age, aber auch mit einer tiefen Skepsis gegenüber technologischem Fortschritt verbunden ist. Diese Verortung macht 2001: Filming the Future zu mehr als einem Making-of-Buch: Es ist ein Beitrag zur intellektuellen Geschichte des Kinos, der die Ambivalenz von Fortschritt und Spiritualität zugleich sichtbar macht.

Kritisch ließe sich anmerken, dass Bizony weniger auf die philosophischen Dimensionen von Kubricks Werk eingeht. Wer eine tiefere filmtheoretische Analyse erwartet, wird hier eher die Oberfläche der filmischen Praxis finden. Das mindert jedoch nicht den Wert des Buches: Gerade durch seine sinnliche Bildsprache und den dokumentarischen Ansatz vermittelt es jene Mischung aus Staunen und Respekt, die Kubricks Film seit Jahrzehnten bei mir hervorruft. Das Werk erinnert an das Halten eines Filmstreifens in der Hand – greifbar, materiell, und doch durchdrungen von Vision.
Am Ende bleibt 2001: Filming the Future eine Lektüre für alle, die die Magie des Filmemachens im Analogen verstehen wollen. Es ist weniger eine Analyse als eine Einladung zum Staunen – eine visuell und emotional aufgeladene Reise durch ein filmisches Universum, das seine Zukunft selbst erfindet.

Piers Bizonys 2001: Filming the Future ist kein gewöhnliches Filmbuch – es ist eine Reise in das Herz eines filmischen Mythos, ein Tauchgang in das endlose Schwarz des Weltraums, in dem sich Vision und Handwerk begegnen. Von der ersten Seite an spürt man: Hier schreibt jemand, der nicht nur recherchiert, sondern geglaubt hat – an das Kino als Offenbarung, an den schöpferischen Funken zwischen Mensch und Maschine, an das rätselhafte Leuchten des Monolithen, das Kubricks Werk bis heute umgibt.

Bizonys Buch, erstmals 1994 erschienen, ist eine stille Liebeserklärung an die Entstehungsgeschichte eines Films, der alles veränderte. Statt reiner Faktenchronik entfaltet sich eine fast poetische Erzählung über die Geburt einer filmischen Vision. Er lässt die Lesenden teilhaben an jenen Momenten des Staunens, in denen Kubrick und Clarke im Studio über die Zukunft der Menschheit diskutierten und die Kamera wie ein Fernrohr in die Sterne richteten. Zwischen den Zeilen pulsiert das Gefühl, dabei zu sein – inmitten der riesigen Studiobauten, wo Lichtstrahlen auf Aluminium treffen und der Weltraum in makellosem Analogfilm entstand.

Die Fotografien in diesem Band sind keine bloße Illustration, sondern Fenster in den Schöpfungsakt. Schwarz-Weiß-Aufnahmen heben die Einsamkeit des Raums hervor, zeigen Kabel, Kulissen und Gesichter voller Konzentration. Ihre Stille erzählt mehr über Kubricks Perfektion als jede Anekdote: Man sieht nicht einfach Menschen, die einen Film drehen – man sieht Menschen, die träumen, präzise und unermüdlich. Bizony schreibt über diese Hingabe mit einer Zärtlichkeit, die selten ist in der nüchternen Welt der Filmwissenschaft.

Von Bambi bis Bettgeflüster – Filmlegenden, die Generationen bewegt haben als Filmprogramm

28. August 2025

Von einer guten Bekannten habe ich eine Kiste mit Filmprogrammen aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschenkt bekommen. Ich habe mich sehr darüber gefreut und nun beginnt das Sichten. Es handelt sich u.a. um die Illustrierte Filmbühne, deren Nachfolger ich in den achtziger Jahren gesammelt habe. Ich habe in einem Video ein paar Programme herausgezogen, die mir persönlich etwa bedeuten und stelle sie vor.

Illustrierte Filmbühne
Die „Illustrierte Filmbühne“ war eine deutsche Filmprogrammreihe, die von 1946 bis 1969 erschien und heute zu den begehrten Sammlerstücken der Filmgeschichte zählt. Es handelte sich um kleine, handliche Hefte im Taschenformat, die vor allem in Kinos verkauft wurden. Ihr Zweck war es, die jeweils aktuellen Filme zu bewerben und dem Publikum zusätzliche Hintergrundinformationen an die Hand zu geben.

Die Hefte zeichneten sich durch ihre liebevolle Gestaltung aus: Auf dem Titelblatt prangte meist ein auffälliges Foto oder ein Plakatmotiv des Films, während im Inneren kurze Inhaltsangaben, Szenenfotos und Porträts der Hauptdarsteller zu finden waren. Häufig gab es außerdem Hintergrundinformationen über Regisseure, Schauspieler oder die Entstehungsgeschichte des Films. Mit einem Umfang von meist nur vier bis acht Seiten waren die Hefte kompakt, aber reich bebildert und boten Kinogängern eine bleibende Erinnerung an ihren Besuch.

In der Nachkriegszeit war die „Illustrierte Filmbühne“ eines der wichtigsten Filmwerbemittel in Westdeutschland. Während große Filmmagazine allgemeine Trends beleuchteten, begleiteten diese kleinen Programme konkret den jeweiligen Kinofilm. Für viele Zuschauer waren sie die einzige Möglichkeit, Szenenbilder und Produktionsinformationen mit nach Hause zu nehmen. Die Hefte deckten ein breites Spektrum ab: von deutschen Produktionen bis zu großen Hollywood-Klassikern wie Casablanca, Vom Winde verweht oder 12 Uhr mittags.

Heute sind die Ausgaben der „Illustrierten Filmbühne“ bei Sammlern sehr beliebt. Ihr Wert hängt stark von der Seltenheit, dem Zustand und dem Filmklassiker-Status ab. Besonders begehrt sind Ausgaben mit ikonischen Covern oder Filmen, die Filmgeschichte geschrieben haben. Für Filmfreunde sind diese Hefte nicht nur nostalgische Erinnerungsstücke, sondern auch wertvolle Zeugnisse der deutschen Kino- und Kulturgeschichte.

Und hier die Programme aus meinem Video, chronologisch geordnet. Am Schluss sogar ein wirklicher Hammer.

Vom Teufel gejagt 1950
Der Film ist ein Kriminaldrama. Hans Albers spielt den ehemaligen Meisterdetektiv Rolf Bernt, der sich eigentlich aus dem aktiven Dienst zurückgezogen hat. Doch als eine Serie mysteriöser Verbrechen die Stadt erschüttert, wird er erneut in die Ermittlungen hineingezogen.

Bambi 1942
Der Disney-Zeichentrickfilm „Bambi“ aus dem Jahr 1942 ist ein berührendes Tier- und Naturdrama, basierend auf dem Roman von Felix Salten. Der Film war ursprünglich 1942 in den USA uraufgeführt worden, kam aber wegen des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegsjahre erst acht Jahre also 1950 später in die deutschen Kinos. Das junge Rehkitz Bambi wird im Wald geboren und wächst behütet von seiner Mutter auf. Gemeinsam mit seinen Freunden, dem Hasen Klopfer und dem Stinktier Blume, entdeckt er spielerisch die Wunder der Natur. Doch das idyllische Leben wird jäh unterbrochen, als Bambis Mutter von einem Jäger erschossen wird.

Rampenlicht 1952
Der gealterte Clown und Komiker Calvero (Charlie Chaplin) hat seine besten Jahre hinter sich und kämpft mit dem Bedeutungsverlust seiner Karriere. Eines Tages rettet er die junge Ballerina Terry (Claire Bloom) vor einem Selbstmordversuch. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Calvero hilft Terry, neues Selbstvertrauen zu gewinnen und ihre Karriere als Tänzerin wieder aufzubauen. Während sie Erfolg hat, sinkt Calvero immer weiter in Vergessenheit.

Don Camillo und Peppone 1952
Der Film „Don Camillo und Peppone“ (Don Camillo, 1952) ist eine italienisch-französische Komödie.
In einem kleinen Dorf in der Po-Ebene der Nachkriegszeit stehen sich zwei Gegensätze gegenüber Don Camillo (Fernandel), der temperamentvolle katholische Pfarrer Peppone (Gino Cervi), der kommunistische Bürgermeister. Beide vertreten leidenschaftlich ihre Überzeugungen und geraten ständig in Streit – ob es um Politik, Glauben oder Dorffragen geht. Ihre Auseinandersetzungen führen zu vielen humorvollen, aber auch rührenden Situationen. Trotz aller Rivalität verbindet die beiden jedoch eine heimliche Freundschaft und gegenseitiger Respekt.

Die Wüste lebt 1953
Der Film „Die Wüste lebt“ (The Living Desert) aus dem Jahr 1953 ist ein Dokumentarfilm von Walt Disney aus der Reihe True-Life Adventures. Der Film zeigt das faszinierende Leben in der nordamerikanischen Wüste und kombiniert beeindruckende Naturaufnahmen mit erzählerischem Witz. Gezeigt werden verschiedene Tiere wie Skorpione, Schlangen, Echsen, Schildkröten, Vögel und Insekten, die sich an die extremen Bedingungen der Wüste angepasst haben. Besonders bekannt ist die Szene eines „Tanzes“ der Skorpione, die mit Musik unterlegt ist. Der Film erklärt auf unterhaltsame Weise das Zusammenspiel von Überlebensstrategien, Nahrungsketten und Naturkreisläufen in dieser rauen Umgebung.

Desirée 1954
Der Film „Desirée“ aus dem Jahr 1954 ist ein historisches Liebesdrama mit Marlon Brando als Napoleon Bonaparte und Jean Simmons als Désirée Clary. Die junge Kaufmannstochter Désirée Clary aus Marseille verliebt sich in den ehrgeizigen Offizier Napoleon Bonaparte. Die beiden verloben sich, doch Napoleon verlässt sie bald, um seine militärische und politische Karriere voranzutreiben, und heiratet schließlich Joséphine. Désirée ist tief verletzt, findet aber später ihr Glück an der Seite eines französischen Generals, der später König von Schweden wird. Der Film verwebt Liebesgeschichte und Weltgeschichte und zeigt, wie persönliche Schicksale und große historische Ereignisse miteinander verbunden sind.

Sauerbruch 1954
Der Film „Sauerbruch – Das war mein Leben“ aus dem Jahr 1954 ist ein biografisches Drama über den berühmten deutschen Chirurgen Prof. Dr. Ferdinand Sauerbruch, gespielt von Ewald Balser. Er entwickelt bahnbrechende chirurgische Methoden, insbesondere im Bereich der Brustkorbenchirurgie, und kämpft unermüdlich für den medizinischen Fortschritt.

Ladykillers“ (1955)
Die exzentrische ältere Dame Mrs. Wilberforce (Katie Johnson) vermietet ein Zimmer an den geheimnisvollen Professor Marcus (Alec Guinness). Er gibt vor, mit seinen vier Begleitern ein Streichquartett zu sein. In Wirklichkeit plant die Bande einen Überfall auf einen Geldtransporter.

Susi und Strolch 1955
Der Disney-Zeichentrickfilm „Susi und Strolch“ (Lady and the Tramp) aus dem Jahr 1955 ist ein romantisches Abenteuer für die ganze Familie. Die wohlerzogene Cocker-Spaniel-Hündin Susi lebt behütet bei einer wohlhabenden Familie. Ihr ruhiges Leben ändert sich, als ein Baby ins Haus kommt und sie weniger Beachtung findet. Zufällig trifft sie den streunenden Mischlingsrüden Strolch, der frei und ungebunden auf der Straße lebt.

Der Prinz und die Tänzerin 1957
Der Film „Der Prinz und die Tänzerin“ (The Prince and the Showgirl) aus dem Jahr 1957 ist eine romantische Komödie mit Marilyn Monroe und Laurence Olivier, der auch Regie führte.
Im Jahr 1911 kommt der steife und pflichtbewusste Prinz-Regent von Karpathien (Laurence Olivier) nach London zur Krönung von König George V. Dort trifft er auf die lebenslustige amerikanische Tänzerin Elsie Marina (Marilyn Monroe). Der Prinz lädt sie in seine Residenz ein, zunächst mit eindeutigen Absichten, doch Elsie überrascht ihn mit Witz, Charme und Schlagfertigkeit.

Das Wirtshaus im Spessart“ 1958
Der Film „Das Wirtshaus im Spessart“ aus dem Jahr 1958 ist eine deutsche Musikkomödie mit Liselotte Pulver in der Hauptrolle, basierend auf der Novelle von Wilhelm Hauff. Die junge Gräfin Franziska (Liselotte Pulver) reist mit ihrem Verlobten und dessen Diener durch den Spessart. Als sie in einem abgelegenen Wirtshaus übernachten, werden sie von einer Bande Straßenräuber entführt, die Lösegeld erpressen wollen. Doch Franziska erweist sich als clever und mutig: Sie verkleidet sich, überlistet die Räuber und versucht, ihre Begleiter zu befreien.

Bettgeflüster 1959
Der Film „Bettgeflüster“ (Pillow Talk) aus dem Jahr 1959 ist eine romantische Komödie mit Doris Day und Rock Hudson in den Hauptrollen. Die erfolgreiche Innenarchitektin Jan Morrow (Doris Day) und der charmante Komponist Brad Allen (Rock Hudson) müssen sich in New York eine Telefonleitung teilen. Brad nutzt die Leitung ständig für seine Flirts, was Jan wahnsinnig macht.

Vom Winde verweht (1939/1953)
Die Deutschlandpremiere des Films „Vom Winde verweht“ fand am 15. Januar 1953 in München statt. Der Film wurde bereits 1939 in den USA uraufgeführt, konnte aber während der NS-Zeit in Deutschland nicht regulär starten. Zum einen galt der Roman von Margaret Mitchell als „kulturfremd“, außerdem waren US-Filme generell nur eingeschränkt oder gar nicht zugelassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verzögerte sich die Auswertung zusätzlich wegen der Rechtefragen und der Neuordnung der Filmwirtschaft in Deutschland. Für die deutsche Erstaufführung 1953 wurde der Film komplett synchronisiert.
Die erste Synchronfassung war recht frei in der Übersetzung und trug stark den Ton der 1950er-Jahre.
1977 wurde der Film noch einmal neu synchronisiert, um ihn näher am Originaldialog zu halten.