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60 Jahre Raumschiff Enterprise – Die Zukunft als moralisches Versprechen

8. September 2026

Als Trekkie ist es für mich ein besonderer Tag. Am 8. September 1966 geschah im amerikanischen Fernsehen etwas, dessen Bedeutung damals kaum jemand absehen konnte. NBC strahlte die erste Folge einer neuen Science-Fiction-Serie aus. Ihr Titel lautete „Star Trek“, in Deutschland sollte sie einige Jahre später unter dem Namen „Raumschiff Enterprise“ bekannt werden. Die Einschaltquoten waren keineswegs überwältigend, die Produktion stand mehrfach vor dem Aus und nach nur drei Staffeln und 79 Episoden war zunächst Schluss. Im Juni 1969 wurde die Serie eingestellt. Eigentlich hätte es das gewesen sein können. Ich darf heute ein kostenloses Online-Seminar zu 60. Jahre Enterprise halten. Wer Interesse hat, bitte melden.

Doch sechzig Jahre später wissen wir, dass dies erst der Anfang war. Aus einer abgesetzten Fernsehserie wurde eines der bedeutendsten Science-Fiction-Franchises der Kulturgeschichte. Star Trek brachte zahlreiche Fernsehserien, Kinofilme, Romane, Comics, Spiele und eine weltweite Fangemeinde hervor. Begriffe wie Warp-Antrieb, Phaser, Klingonen oder Vulkanier sind längst Bestandteil der Popkultur. Figuren wie Captain Kirk, Mr. Spock oder Jean-Luc Picard kennen selbst Menschen, die niemals eine komplette Star-Trek-Episode gesehen haben. Hier übrigens ein Corgi-Modell der ersten Enterprise.

Doch die eigentliche Bedeutung von Star Trek liegt tiefer. Die Serie erzählte nie nur davon, dass Menschen eines Tages schneller als das Licht fliegen, fremde Planeten besuchen oder sich von einem Ort zum anderen beamen könnten. Star Trek formulierte von Anfang an eine politische und moralische Hoffnung: Der Mensch könnte eines Tages vernünftiger, toleranter und friedlicher sein als heute.

Eine Zukunft gegen die Ängste der Gegenwart
Als Gene Roddenberry Star Trek entwickelte, befand sich die Welt mitten im Kalten Krieg. Die Kubakrise lag erst wenige Jahre zurück. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion standen sich mit gewaltigen Atomwaffenarsenalen gegenüber. Der Vietnamkrieg eskalierte. Gleichzeitig kämpfte die amerikanische Bürgerrechtsbewegung gegen Rassentrennung und Diskriminierung. Martin Luther King hatte 1963 seine berühmte Rede „I Have a Dream“ gehalten. Nur wenige Jahre später, 1968, wurde er ermordet.

Mitten in diese von Krieg, Rassismus und atomarer Vernichtungsangst geprägte Gegenwart setzte Gene Roddenberry ein erstaunliches Gegenbild. Auf der Brücke der Enterprise arbeiteten Menschen unterschiedlicher Herkunft selbstverständlich miteinander. Der japanischstämmige Hikaru Sulu saß neben der schwarzen Kommunikationsoffizierin Uhura. Später kam mit Pavel Chekov sogar ein Russe hinzu – mitten im Kalten Krieg. Captain James T. Kirk kommandierte keine amerikanische Streitmacht, sondern ein Schiff einer Menschheit, die ihre nationalen Gegensätze zumindest weitgehend überwunden hatte.

Allein dieses Bild war politisch. Star Trek behauptete etwas, das 1966 keineswegs selbstverständlich erschien: Die Menschheit hat eine Zukunft. Und mehr noch: Sie könnte sogar eine gemeinsame Zukunft haben.

Der Weltraum wurde deshalb bei Star Trek nicht zum Fluchtpunkt vor einer zerstörten Erde. Er war der nächste Schritt einer gereiften Zivilisation. Die Menschen hatten nicht alle Konflikte überwunden, aber sie hatten begonnen, aus ihrer Geschichte zu lernen. Rassismus, Nationalismus und viele soziale Gegensätze sollten irgendwann Relikte einer primitiveren Vergangenheit sein.

Das unterschied Star Trek von vielen dystopischen Zukunftsentwürfen. Die Serie fragte nicht ausschließlich, was geschehen würde, wenn die Menschheit versagt. Sie fragte, was möglich wäre, wenn sie sich weiterentwickelt.

Die Enterprise als politische und moralische Utopie
Gene Roddenberry beschrieb sein Konzept anfangs gern als eine Art Western im Weltraum. Tatsächlich steckte hinter der Enterprise jedoch von Beginn an eine wesentlich größere Idee. Das Raumschiff war ein Labor der Aufklärung. Fremde Welten wurden besucht, unbekannte Lebensformen untersucht und gesellschaftliche Systeme miteinander verglichen. Die Besatzung sollte beobachten, lernen und verstehen.

Das bedeutete nicht, dass auf der Enterprise keine Waffen vorhanden waren. Ganz im Gegenteil: Phaser und Photonentorpedos gehörten selbstverständlich zur Ausstattung. Starfleet konnte kämpfen und tat es immer wieder. Doch zumindest der moralische Anspruch lautete, Gewalt nicht zur ersten Antwort zu machen.

Der Fremde war nicht automatisch der Feind. Er war zunächst etwas Unbekanntes, das verstanden werden musste. Diese Idee zieht sich durch nahezu das gesamte Franchise. Immer wieder begegnen die Besatzungen Wesen, deren Aussehen, Kultur oder Denken fundamental anders sind. Die zentrale Frage lautet dann häufig nicht: Wie können wir sie besiegen? Sondern: Wie können wir mit ihnen kommunizieren?
Damit wurde die Enterprise zu einem Gegenmodell zu einer Politik, die Fremdheit grundsätzlich als Bedrohung versteht.

Spock, McCoy und Kirk – Vernunft, Gefühl und Verantwortung
Kaum eine Figur verkörpert die philosophische Dimension von Star Trek besser als Spock. Der Vulkanier ist halb Mensch und halb Vulkanier und trägt damit einen der zentralen Konflikte der Serie buchstäblich in sich selbst. Auf der einen Seite stehen Vernunft und Logik, auf der anderen Emotion und menschliche Leidenschaft.

Spock versucht, Entscheidungen rational zu treffen. Dr. Leonard „Pille“ McCoy argumentiert dagegen häufig emotional und moralisch. Zwischen beiden steht Captain Kirk.

Diese berühmte Dreierkonstellation ist wesentlich raffinierter, als sie zunächst erscheint. Star Trek behauptet nicht einfach, Vernunft sei gut und Emotion schlecht. Ebenso wenig wird das Gefühl über die Logik gestellt. Gute Entscheidungen entstehen häufig aus dem Spannungsverhältnis beider Positionen.

Spock fragt: Was ist logisch? McCoy fragt: Was ist menschlich? Und Kirk muss entscheiden: Was ist richtig?

Damit wird die Brücke der Enterprise immer wieder zum philosophischen Seminar mit Warp-Antrieb. Hinter Weltraumabenteuern verstecken sich Fragen nach Verantwortung, Schuld, Freiheit und der Würde des Einzelnen.

Uhura und die gesellschaftliche Revolution auf der Brücke
Besonders deutlich wird die gesellschaftspolitische Bedeutung der ursprünglichen Serie an Lieutenant Uhura. Nichelle Nichols spielte keine Dienerin, keine Haushaltshilfe und keine exotische Randfigur. Uhura war Offizierin eines Raumschiffs. Sie saß auf der Brücke, gehörte zur Führungsbesatzung und trug Verantwortung. Heute mag das selbstverständlich erscheinen. Im amerikanischen Fernsehen der sechziger Jahre war es das keineswegs.

Berühmt wurde die Geschichte, dass Nichelle Nichols die Serie verlassen wollte. Bei einer Veranstaltung begegnete sie Martin Luther King Jr. Er überzeugte sie nach ihrer späteren Erinnerung davon, weiterzumachen. Ihre Rolle sei wichtig, weil schwarze Amerikaner hier nicht als gesellschaftliche Außenseiter dargestellt würden, sondern als selbstverständlicher Bestandteil der Zukunft.

Diese Wirkung reichte weit über das Fernsehen hinaus. Nichols arbeitete später mit der NASA zusammen und warb gezielt Frauen und Angehörige von Minderheiten für das amerikanische Raumfahrtprogramm an. Aus der Fiktion entstand damit eine bemerkenswerte Wechselwirkung mit der Wirklichkeit: Star Trek zeigte eine vielfältigere Raumfahrt der Zukunft und half schließlich dabei, die reale Raumfahrt vielfältiger zu machen.

Untrennbar mit dieser gesellschaftlichen Bedeutung verbunden ist auch der Kuss zwischen Kirk und Uhura in der 1968 ausgestrahlten Episode „Plato’s Stepchildren“. Häufig wird er als erster Kuss zwischen einem weißen und einem schwarzen Menschen im Fernsehen bezeichnet. Ganz korrekt ist diese vereinfachte Darstellung historisch nicht, denn es gab frühere Beispiele. Dennoch war die Szene im amerikanischen Network-Fernsehen außergewöhnlich und gesellschaftlich provokant.

Die eigentliche Kraft der Szene liegt rückblickend vielleicht darin, wie selbstverständlich Star Trek etwas zeigte, das in der Realität noch keineswegs selbstverständlich war. Genau das gehörte zu den wirkungsvollsten politischen Mitteln der Serie: Sie erklärte nicht ständig, wie eine tolerantere Gesellschaft aussehen sollte. Sie zeigte sie einfach.

Kalter Krieg, Vietnam und die Politik im Weltraum
Science-Fiction bot Gene Roddenberry und seinen Autoren einen großen Vorteil. Sie konnten über die politischen Konflikte ihrer Gegenwart sprechen, ohne sie immer beim Namen nennen zu müssen. Aus Amerikanern und Sowjets konnten Föderation und Klingonen werden. Aus Stellvertreterkriegen wurden Konflikte auf fernen Planeten. Aus dem Wettrüsten wurde ein Konflikt zwischen interstellaren Mächten.

Besonders deutlich geschah dies in der Episode „A Private Little War“. Zwei Gruppen auf einem Planeten geraten in einen Konflikt, bei dem externe Mächte die jeweiligen Seiten mit immer besseren Waffen ausstatten. Die Parallelen zum Vietnamkrieg waren kaum zu übersehen.

Damit stellte Star Trek eine unangenehme Frage, die bis heute aktuell geblieben ist: Kann man Frieden schaffen, indem man immer mehr Waffen liefert?

Die Serie gab darauf nicht immer eindeutige Antworten. Gerade das machte sie interessant. Kirk traf Entscheidungen, deren moralische Konsequenzen keineswegs immer sauber aufgelöst wurden. Star Trek war deshalb trotz seines Optimismus niemals eine vollkommen naive Friedensutopie. Die Föderation besitzt Waffen, Starfleet kann Krieg führen und die Enterprise ist keineswegs ein wehrloses Forschungsschiff. Aber Gewalt sollte das letzte Mittel sein. Zumindest war dies der Anspruch.
Und aus der Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit entstanden einige der besten Geschichten des gesamten Franchise.

Die Oberste Direktive und die Grenzen der eigenen Moral
Kaum ein Prinzip verdeutlicht die moralische Ambivalenz von Star Trek besser als die Oberste Direktive. Die Föderation soll sich grundsätzlich nicht in die natürliche Entwicklung anderer Kulturen einmischen.

Dahinter steckt ein bemerkenswerter Gedanke. Eine technisch überlegene Zivilisation besitzt nicht automatisch das moralische Recht, anderen Gesellschaften ihre Werte aufzuzwingen. Die Oberste Direktive kann deshalb durchaus als Kritik an Kolonialismus, Imperialismus und kultureller Überheblichkeit verstanden werden.

Doch Star Trek macht es sich nicht einfach. Was geschieht, wenn Nichteinmischung Millionen Menschen das Leben kostet? Was passiert, wenn eine Gesellschaft von einer brutalen Diktatur beherrscht wird? Darf die Enterprise eine Naturkatastrophe verhindern, obwohl sie damit die Entwicklung einer Zivilisation verändert? Und wann wird aus gut gemeinter Hilfe Bevormundung? Aus einer scheinbar einfachen Regel wird dadurch ein moralisches Dilemma.
Genau darin liegt eine der großen Qualitäten von Star Trek. Die Serie interessiert sich häufig weniger für einfache Antworten als für schwierige Entscheidungen.

The Next Generation – der Humanismus wird erwachsen
Als „Star Trek: The Next Generation“ 1987 startete, war aus der kleinen Kultserie längst ein großes kulturelles Phänomen geworden. Mit Captain Jean-Luc Picard erhielt das Franchise zugleich eine vollkommen andere Kommandantenfigur.

Picard war Diplomat, Archäologe, Intellektueller und Humanist. Wo Kirk manchmal zuerst handelte und anschließend diskutierte, wollte Picard möglichst lange diskutieren, bevor gehandelt wurde. Die neue Enterprise wurde dadurch noch stärker zu einem Ort philosophischer und politischer Auseinandersetzungen.

Gleichzeitig entwickelte die Serie Roddenberrys gesellschaftliche Utopie weiter. Die Menschheit des 24. Jahrhunderts hatte materielle Knappheit weitgehend überwunden. Geld spielte zumindest im menschlichen Alltag kaum noch eine Rolle. Replikatoren konnten viele materielle Bedürfnisse erfüllen. Armut, wie wir sie kennen, sollte auf der Erde überwunden sein.

Damit stellte Star Trek eine radikale Frage: Was geschieht mit einer Gesellschaft, wenn Menschen nicht mehr hauptsächlich arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen?

Roddenberrys Antwort war optimistisch. Der Mensch würde nicht zwangsläufig faul oder bedeutungslos. Er könnte nach Wissen, Erfahrung, persönlicher Entwicklung und gesellschaftlichem Fortschritt streben.

Vielleicht ist das die kühnste Utopie des gesamten Franchise. Nicht Warp-Antrieb, Transporter oder Holodeck sind die revolutionärsten Erfindungen von Star Trek. Es ist die Vorstellung, dass der Mensch selbst sich verändern kann.

Was ist ein Mensch?
Mit „The Next Generation“ rückte außerdem eine Frage stärker in den Mittelpunkt, die angesichts der heutigen Entwicklung künstlicher Intelligenz erstaunlich aktuell erscheint: Was macht ein Wesen zu einer Person?

Der Android Data wurde zum Mittelpunkt dieser Debatte. Er denkt, lernt, entwickelt Freundschaften und versucht zu verstehen, was Menschlichkeit bedeutet. Aber besitzt er Rechte? Darf er Eigentum der Sternenflotte sein? Darf über seinen Körper verfügt werden? Darf man ihn abschalten oder auseinandernehmen, weil er künstlich geschaffen wurde?

Die eigentliche Frage lautet dabei nicht nur, ob Data ein Mensch ist. Sie lautet vielmehr: Wer gibt uns das Recht zu entscheiden, wer als Person gelten darf?

Später stellte Star Trek ähnliche Fragen anhand künstlicher Intelligenzen, Hologramme und anderer Lebensformen. Damit erweitert das Franchise die Idee der Menschenrechte gedanklich zu universellen Rechten empfindungsfähiger Wesen. Science-Fiction wird hier zu Ethik.

Deep Space Nine – wenn die Utopie schmutzige Hände bekommt
In den neunziger Jahren begann Star Trek schließlich, seine eigene Utopie kritischer zu betrachten. „Deep Space Nine“ konfrontierte die Föderation mit Situationen, in denen moralische Prinzipien plötzlich einen hohen Preis hatten.

Der Krieg gegen das Dominion veränderte die Perspektive. Was bleibt von den eigenen Werten, wenn die eigene Existenz bedroht ist? Darf man lügen, um einen Krieg zu gewinnen? Darf man einen Gegner täuschen? Darf man moralische Grenzen überschreiten, wenn dadurch Millionen Menschen gerettet werden?

Captain Benjamin Sisko wurde dadurch zu einer der interessantesten Figuren des Franchise. Jean-Luc Picard konnte häufig darüber sprechen, wie eine ideale Gesellschaft handeln sollte. Benjamin Sisko musste erleben, wie schwierig es ist, diese Ideale zu bewahren, wenn Menschen sterben und ganze Welten bedroht sind.

Gerade deshalb gehört „Deep Space Nine“ zu den politisch interessantesten Star-Trek-Serien. Sie zerstört Roddenberrys Utopie nicht. Sie stellt sie auf die Probe.

Eine Utopie hat schließlich nur dann einen Wert, wenn ihre Prinzipien auch in schwierigen Zeiten gelten.

Die Borg und der Wert des Individuums
Eine vollkommen andere Bedrohung stellen die Borg dar. Sie gehören zu den eindrucksvollsten politischen und philosophischen Metaphern des Franchise. Bei ihnen existiert keine individuelle Freiheit. Jeder Einzelne wird Teil eines Kollektivs. Gedanken, Erinnerungen, Körper und Persönlichkeit werden assimiliert.

„Widerstand ist zwecklos“ wurde zu einem der berühmtesten Sätze der gesamten Star-Trek-Geschichte.

Die Borg sind deshalb so erschreckend, weil sie ihre Opfer nicht einfach töten. Sie nehmen ihnen das Ich.

Damit verkörpern sie die radikale Negation eines zentralen Star-Trek-Wertes: der Selbstbestimmung. Die Föderation versucht, unterschiedliche Kulturen miteinander zu verbinden, ohne ihre Unterschiede vollständig auszulöschen. Die Borg dagegen lösen jeden Unterschied auf.

Die Föderation sagt: Unterschiedlichkeit kann uns stärker machen.
Die Borg sagen: Unterschiedlichkeit muss beseitigt werden.
Damit sind sie weit mehr als besonders gefährliche Weltraummonster.

Die große Idee der Vielfalt
Eine der bekanntesten vulkanischen Ideen lautet IDIC – „Infinite Diversity in Infinite Combinations“, also unendliche Vielfalt in unendlichen Kombinationen. Darin steckt ein wesentlicher Gedanke des gesamten Franchise. Toleranz bedeutet im besten Star Trek nicht, den anderen widerwillig zu ertragen. Vielfalt besitzt einen eigenen Wert.

Menschen, Vulkanier, Andorianer, Tellariten und zahlreiche andere Spezies müssen nicht gleich werden, um miteinander leben zu können. Sie dürfen unterschiedliche Traditionen, Überzeugungen und Lebensweisen besitzen.

Das ist ein bemerkenswert moderner Gedanke. Frieden entsteht nicht dadurch, dass alle Menschen identisch denken. Frieden entsteht dadurch, dass unterschiedliche Menschen lernen, miteinander zu leben.

Dabei war Star Trek selbst niemals perfekt. Die ursprüngliche Serie war für ihre Zeit fortschrittlich, blieb aber zugleich ein Produkt der sechziger Jahre. Frauen wurden häufig sexualisiert, Führungspositionen blieben überwiegend Männern vorbehalten und manche gesellschaftlichen Themen wurden lange ausgeblendet. Auch spätere Serien benötigten erstaunlich viel Zeit, um beispielsweise LGBTQ-Themen selbstverständlich darzustellen. Selbst Roddenberrys Zukunft konnte sich nicht vollständig von den Grenzen ihrer jeweiligen Gegenwart lösen.

Vielleicht macht gerade das die Entwicklung des Franchise interessant. Star Trek musste seine eigene Vorstellung von Toleranz immer wieder erweitern.

Von der abgesetzten Serie zum Weltphänomen
Nach dem Ende der ursprünglichen Serie 1969 hätte Star Trek verschwinden können. Doch Wiederholungen machten die Serie populärer, als sie während ihrer eigentlichen Erstausstrahlung gewesen war. Eine leidenschaftliche Fangemeinde entstand. Conventions wurden organisiert, Fans schrieben Briefe und hielten die Enterprise am Leben.

1979 kehrten Kirk, Spock und McCoy mit „Star Trek: The Motion Picture“ auf die große Leinwand zurück. Weitere Kinofilme folgten. 1987 begann mit „The Next Generation“ schließlich eine zweite große Ära. Danach kamen „Deep Space Nine“, „Voyager“ und „Enterprise“. Weitere Kinofilme führten zunächst die ursprüngliche Mannschaft und später Picards Crew ins Kino. 2009 startete J. J. Abrams eine neue Filmreihe mit alternativer Zeitlinie.

Mit „Discovery“, „Picard“, „Lower Decks“, „Prodigy“, „Strange New Worlds“ und weiteren Produktionen entwickelte sich Star Trek endgültig zu einem generationenübergreifenden Universum.

Nicht jede Serie interpretierte Roddenberrys Vision gleich. Manche Produktionen setzten stärker auf Action, andere auf Politik, Humor, Nostalgie oder persönliche Konflikte. Fans diskutieren deshalb seit Jahrzehnten darüber, was eigentlich „echtes Star Trek“ sei.

Vielleicht lässt sich die Antwort erstaunlich einfach formulieren: Star Trek ist dort am stärksten, wo eine fantastische Geschichte benutzt wird, um eine menschliche Frage zu stellen.

Die wichtigste Technologie heißt Hoffnung
Natürlich hat Star Trek Generationen von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern inspiriert. Kommunikatoren erinnern rückblickend an Mobiltelefone. Tablets, Sprachsteuerung, Videokonferenzen, medizinische Scanner, künstliche Intelligenz und virtuelle Welten gehörten auf der Enterprise zum Alltag, lange bevor vergleichbare Technologien Teil unseres Lebens wurden. Doch das wichtigste Zukunftsversprechen von Star Trek ist kein technisches. Es ist ein gesellschaftliches.

Raumschiff Enterprise behauptete 1966, dass Russen und Amerikaner eines Tages gemeinsam arbeiten könnten. Dass schwarze Frauen selbstverständlich auf der Kommandobrücke eines Raumschiffs sitzen würden. Dass ehemalige Feinde Partner werden könnten. Dass die Menschheit Armut und viele Krankheiten überwinden könnte. Dass Wissenschaft wichtiger sein könnte als Aberglaube, Diplomatie stärker als Gewalt und Neugier stärker als Angst.

Und vor allem behauptete Star Trek, dass unsere Fehler nicht zwangsläufig unsere Zukunft bestimmen müssen. Das war 1966 eine gewagte Vorstellung. Sechzig Jahre später ist sie es wieder.

Wir leben erneut in einer Zeit geopolitischer Konfrontationen. Krieg ist nach Europa zurückgekehrt. Großmächte rüsten auf. Gesellschaften polarisieren sich. Nationalistische Bewegungen gewinnen vielerorts an Einfluss. Künstliche Intelligenz zwingt uns dazu, neu über Arbeit, Bewusstsein, Kreativität und Verantwortung nachzudenken. Gleichzeitig steht die Menschheit vor globalen Problemen, die sich nicht innerhalb nationaler Grenzen lösen lassen.

Vor diesem Hintergrund wirkt Star Trek erstaunlich aktuell. Nicht weil Gene Roddenberry unsere Gegenwart vorhergesagt hätte, sondern weil er eine Alternative formulierte.

Star Trek sagt nicht, dass der Mensch von Natur aus gut ist. Sechzig Jahre Geschichten zeigen genügend grausame Menschen, korrupte Admiräle, Kriege, Verräter und politische Fehlentscheidungen. Die Botschaft ist anspruchsvoller. Der Mensch kann besser werden.
Aber er muss sich dafür entscheiden.

Vielleicht ist das der wichtigste Unterschied zwischen Star Trek und vielen Dystopien. Dystopien warnen uns davor, was passieren könnte, wenn alles schiefgeht. Star Trek fragt, was passieren könnte, wenn wir einiges richtig machen.

Die Enterprise fliegt deshalb seit sechzig Jahren nicht nur durch den Weltraum. Sie fliegt auf eine Idee zu: auf eine Menschheit, die ihre Unterschiede nicht dadurch überwunden hat, dass sie sie beseitigte, sondern indem sie gelernt hat, mit ihnen zu leben. Auf eine Gesellschaft, in der Wissen höher geschätzt wird als Besitz, Diplomatie höher als Gewalt und Neugier höher als Angst.

Natürlich ist das eine Utopie. Aber Utopien sind keine Baupläne. Sie sind Richtungsangaben.

Und vielleicht brauchen wir gerade deshalb auch nach sechzig Jahren noch ein Raumschiff namens Enterprise, das mutig dorthin fliegt, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist.

Meine Vinyl im Juli 2026

31. Juli 2026

Vinyl erlebt seit Jahren eine bemerkenswerte Renaissance. Für viele Musikliebhaber ist die Schallplatte weit mehr als ein Tonträger – sie ist ein bewusstes Musikerlebnis. Das große Cover lädt zum Betrachten ein, das Auflegen der Platte wird zu einem kleinen Ritual und der warme, analoge Klang vermittelt vielen Hörern eine besondere Nähe zur Musik. Während Streaming unbegrenzten Zugriff auf Millionen von Songs bietet, steht Vinyl für Entschleunigung und Wertschätzung: Man hört ein Album oft bewusst von Anfang bis Ende. Zudem sind Schallplatten begehrte Sammlerstücke, deren Gestaltung und Haptik den Musikgenuss um eine greifbare Dimension erweitern.

Shadow Kingdom von Bob Dylan
Mit über 80 Jahren blickte Bob Dylan nicht einfach auf seine Klassiker zurück – er zerlegte sie, arrangierte sie neu und schuf mit Shadow Kingdom eines der ungewöhnlichsten Projekte seiner späten Karriere. Das Werk ist weder ein klassisches Livealbum noch eine gewöhnliche Neuaufnahme. Es ist eine künstlerische Neuinterpretation des eigenen Schaffens und zeigt, dass Dylans Musik auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung wandelbar bleibt.

Als Shadow Kingdom im Juli 2021 erstmals als Streaming-Event erschien, erwarteten viele Fans ein gewöhnliches Konzert. Tatsächlich präsentierte Regisseurin Alma Har’el einen stilisierten Schwarz-Weiß-Film, der Bob Dylan in einer zeitlosen, fast surrealen Bar-Atmosphäre zeigte. Die Musiker traten maskiert auf, Statisten bevölkerten den Raum, und die Inszenierung erinnerte eher an einen Film noir als an einen klassischen Konzertmitschnitt.

Die Musik war jedoch keine Liveaufnahme vor Publikum. Stattdessen entstanden die Stücke zuvor im Studio und wurden für den Film verwendet. Im Juni 2023 erschien schließlich der gleichnamige Soundtrack als eigenständiges Album mit 14 Titeln, darunter 13 neu eingespielte Dylan-Klassiker sowie das Instrumentalstück „Sierra’s Theme“.

Der besondere Reiz von Shadow Kingdom liegt nicht in neuem Songmaterial, sondern in der radikalen Neubetrachtung alter Werke. Dylan verzichtet weitgehend auf die energiegeladenen Arrangements der Originale und setzt stattdessen auf ein reduziertes Klangbild.

Lieder wie „Tombstone Blues“, „Queen Jane Approximately“, „Forever Young“ oder „Watching the River Flow“ wirken langsamer, ruhiger und teilweise beinahe jazzig. Gitarren, Kontrabass, Akkordeon und dezente Streicher ersetzen den rockigen Druck früherer Versionen. Auffällig ist außerdem der nahezu vollständige Verzicht auf Schlagzeug, wodurch die Musik offen und intim wirkt.

Auch Dylans Stimme spielt eine zentrale Rolle. Während sie in den vergangenen Jahrzehnten häufig als rau oder brüchig beschrieben wurde, wirkt sie auf Shadow Kingdom überraschend kontrolliert und erzählerisch. Die Songs erhalten dadurch einen anderen emotionalen Schwerpunkt: Statt jugendlicher Rebellion stehen Erinnerung, Melancholie und Gelassenheit im Vordergrund.

Viele Künstler veröffentlichen im hohen Alter Neuaufnahmen ihrer größten Erfolge. Dylan verfolgt jedoch einen anderen Ansatz. Er versucht nicht, die Originale möglichst originalgetreu nachzubilden. Vielmehr behandelt er seine eigenen Lieder so, als wären sie traditionelle Folk-Songs, die sich mit jeder Generation verändern dürfen.

Dieses Prinzip begleitet seine Karriere seit Jahrzehnten. Auf Tourneen hat Dylan seine Songs regelmäßig so stark umarrangiert, dass sie teilweise kaum wiederzuerkennen waren. Shadow Kingdom führt diese Arbeitsweise konsequent fort und macht sie zum eigentlichen Konzept des Albums.

Dadurch entsteht kein nostalgischer Rückblick, sondern eine neue Perspektive auf bekannte Werke. Die Texte bleiben weitgehend erhalten, ihre Bedeutung verändert sich jedoch durch Tempo, Instrumentierung und Dylans heutige Stimme.

Neben der Musik trägt vor allem die visuelle Gestaltung zum Eindruck von Shadow Kingdom bei. Der Film verzichtet auf große Bühnen, Lichteffekte oder Publikumsreaktionen. Stattdessen dominiert eine künstliche, traumähnliche Welt aus Schatten, Rauch und wechselnden Figuren. Diese Inszenierung verstärkt den Eindruck, dass Dylan nicht auf einer Bühne steht, sondern durch Erinnerungen wandert. Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen. Der Titel Shadow Kingdom – „Schattenreich“ – passt deshalb sowohl zur Bildsprache als auch zum musikalischen Konzept.

Die Musikkritik reagierte überwiegend sehr positiv. Gelobt wurden insbesondere die kreativen Neuarrangements sowie Dylans Fähigkeit, jahrzehntealte Songs mit neuer Bedeutung aufzuladen. Auf Metacritic erreichte das Album einen Metascore von 84 Punkten und erhielt ausschließlich positive Kritiken. Auch unter Fans entwickelte sich Shadow Kingdom zu einem Diskussionsobjekt. Während viele die ruhige, intime Atmosphäre und die neuen Interpretationen schätzen, vermissen andere die Energie der Originalaufnahmen oder sehen das Album eher als Begleitwerk zum Film. In Fan-Foren wird zudem häufig darüber diskutiert, ob es sich eher um ein Studioalbum, einen Soundtrack oder ein verkleidetes Livealbum handelt – ein Zeichen dafür, dass sich das Projekt bewusst einfachen Kategorien entzieht.

Shadow Kingdom nimmt innerhalb von Bob Dylans Diskografie eine Sonderstellung ein. Es enthält keine neuen Kompositionen, wirkt aber dennoch keineswegs wie eine klassische Best-of-Sammlung. Stattdessen zeigt es, wie konsequent Dylan seine eigene Musik immer wieder verändert und weiterentwickelt. Gerade im Kontext seiner späten Karriere fügt sich das Album logisch in sein Schaffen ein. Schon Werke wie Shadows in the Night oder Triplicate beschäftigten sich mit Neuinterpretationen bekannter Songs – allerdings stammten diese ursprünglich von anderen Komponisten. Auf Shadow Kingdom richtet Dylan diesen interpretatorischen Blick erstmals konsequent auf sein eigenes Werk.

Shadow Kingdom ist kein Album für Hörer, die möglichst originalgetreue Versionen von Dylans Klassikern erwarten. Es ist vielmehr eine künstlerische Reflexion über Erinnerung, Zeit und musikalische Veränderung. Die bekannten Songs erscheinen in einem völlig neuen Licht und beweisen, dass große Kompositionen nicht an eine einzige Aufnahme gebunden sind.

Gerade diese Offenheit macht das Album zu einem bemerkenswerten Spätwerk. Bob Dylan zeigt einmal mehr, dass Stillstand nie zu seinem Selbstverständnis gehörte. Selbst seine berühmtesten Lieder bleiben für ihn lebendige Werke, die sich mit jeder Lebensphase verändern dürfen.

Man on the Moon – Dr. Herbert Pichler (1969)

Man on the Moon von Dr. Herbert Pichler ist keine gewöhnliche Schallplatte und schon gar kein Musikalbum im klassischen Sinn. Vielmehr handelt es sich um ein einzigartiges Zeitdokument, das den historischen Flug von Apollo 11 und die erste bemannte Mondlandung in einer Mischung aus Originalaufnahmen, Kommentaren und dokumentarischer Aufbereitung festhält. Die 1969 veröffentlichte LP erschien bei Philips, enthält authentische NASA-Aufnahmen, ein aufwendig gestaltetes Klappcover sowie ein Poster mit Farbfotos der Mission und wurde unmittelbar nach der Mondlandung veröffentlicht.

Dr. Herbert Pichler, in Österreich als „Mondpichler“ bekannt, war Mediziner, Weltraummediziner und der prägende Fernsehkommentator der Apollo-Missionen im ORF. Seine Begeisterung für die Raumfahrt ist auf jeder Minute dieser Aufnahme spürbar. Anders als heutige Dokumentationen lebt Man on the Moon nicht von spektakulären Spezialeffekten oder nachträglicher Dramatisierung, sondern von der unmittelbaren Atmosphäre jener Julitage des Jahres 1969. Pichler ordnet die Ereignisse sachlich, verständlich und mit ansteckender Faszination ein, ohne den wissenschaftlichen Anspruch aus den Augen zu verlieren.

Besonders beeindruckend ist die Wirkung der Originalkommunikation zwischen NASA und Astronauten. Auch Jahrzehnte später erzeugen die historischen Funkmitschnitte eine Spannung, die viele moderne Produktionen kaum erreichen. Man hört förmlich die Nervosität im Kontrollzentrum, die Konzentration der Astronauten und schließlich den Moment, der Geschichte schrieb. Die Platte vermittelt damit das Gefühl, selbst Zeitzeuge eines der größten technischen und gesellschaftlichen Meilensteine des 20. Jahrhunderts zu sein.

Aus heutiger Sicht besitzt Man on the Moon einen besonderen Charme. Die Sprache, der dokumentarische Stil und die analoge Klangqualität spiegeln die Aufbruchsstimmung der späten 1960er-Jahre wider – eine Zeit, in der die Raumfahrt noch als grenzenloses Zukunftsversprechen galt. Gerade diese historische Authentizität macht den Reiz der LP aus. Sie ist weniger Unterhaltung als vielmehr ein akustisches Museumsexponat.

Für Vinylsammler, Raumfahrt-Enthusiasten und Liebhaber außergewöhnlicher Schallplatten gehört Man on the Moon zu den faszinierendsten Dokumentar-LPs ihrer Zeit. Sie erinnert daran, dass Schallplatten nicht nur Musik transportieren können, sondern auch Geschichte bewahren. Wer sich auf dieses ungewöhnliche Hörerlebnis einlässt, erhält eine bewegende Momentaufnahme jenes Augenblicks, in dem die Menschheit erstmals einen anderen Himmelskörper betrat – eingefangen auf schwarzem Vinyl mit einer Authentizität, die bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren hat.

Rendez-Vous – Jean-Michel Jarre

Mit Rendez-Vous erreichte Jean-Michel Jarre 1986 einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere. Nach den eher experimentellen Klängen von Zoolook kehrte der französische Elektronik-Pionier zu eingängigeren Melodien zurück, ohne dabei seinen visionären Anspruch aufzugeben. Das Album verbindet majestätische Synthesizerflächen mit orchestraler Dramatik und der Faszination für Raumfahrt – ein Werk, das bis heute als eines der bedeutendsten Alben der elektronischen Musik gilt.

Schon der Opener baut eine feierliche Atmosphäre auf, bevor sich die Musik in die epische Second Rendez-Vous entfaltet. Hier zeigt sich Jarre auf dem Höhepunkt seines kompositorischen Könnens: hymnische Melodien, pulsierende Sequenzen und eine Dynamik, die gleichermaßen futuristisch wie emotional wirkt. Die Stücke fließen nahezu nahtlos ineinander und erzeugen den Eindruck einer einzigen musikalischen Reise durch den Weltraum.

Der größte Hit des Albums ist zweifellos Fourth Rendez-Vous, dessen markante Melodie bis heute zu Jarres bekanntesten Kompositionen zählt. Der Titel vereint eingängigen Synth-Pop mit der monumentalen Klangästhetik, für die Jarre berühmt wurde. Besonders live entwickelte sich das Stück zu einem Publikumsliebling und gehört bis heute zum festen Bestandteil seiner Konzerte.

Beeindruckend ist auch die klangliche Vielfalt. Jarre setzt digitale und analoge Synthesizer wie den Elka Synthex, Yamaha DX7 und Fairlight CMI ein und verbindet deren kalte Präzision mit warmen, fast romantischen Melodiebögen. Dadurch wirkt Rendez-Vous trotz seiner technischen Basis erstaunlich menschlich und emotional. Das Album klingt typisch nach den 1980er-Jahren, besitzt aber gleichzeitig eine zeitlose Eleganz, die viele Produktionen dieser Epoche vermissen lassen.

Über allem schwebt jedoch die tragische Geschichte von Last Rendez-Vous (Ron’s Piece). Das Stück war ursprünglich für den NASA-Astronauten Ronald McNair vorgesehen, der es während der Challenger-Mission mit seinem Saxophon aus dem All aufnehmen wollte. Nach der Challenger-Katastrophe wurde das Werk zu einer bewegenden Hommage an die sieben Astronauten. Diese Hintergrundgeschichte verleiht dem ohnehin melancholischen Finale eine außergewöhnliche emotionale Tiefe.

Rendez-Vous markiert zugleich den Beginn von Jarres spektakulären Großveranstaltungen. Das Album entstand im Zusammenhang mit seinem legendären Konzert in Houston zum 150-jährigen Stadtjubiläum und zum 25-jährigen Bestehen des NASA Johnson Space Centers – eine Verbindung von Musik, Technologie und visueller Inszenierung, die Jarre endgültig als Meister multimedialer Live-Performances etablierte.

Aus heutiger Sicht ist Rendez-Vous weit mehr als ein Klassiker der elektronischen Musik. Es verbindet die melodische Stärke von Oxygène mit der technischen Experimentierfreude späterer Werke und schlägt die Brücke zwischen Pop, New Age und orchestraler Elektronik. Kaum ein anderes Album vermittelt das Gefühl von Aufbruch, Hoffnung und kosmischer Weite so eindrucksvoll wie dieses.
Rendez-Vous ist ein Meisterwerk der Synthesizer-Musik. Jean-Michel Jarre gelingt hier die seltene Balance zwischen technischer Perfektion und emotionaler Ausdruckskraft. Fast vier Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung hat das Album nichts von seiner Faszination verloren und gehört nach wie vor zu den wichtigsten Werken der elektronischen Musikgeschichte.

John Williams – The Fury (1978)

Mit The Fury schuf John Williams 1978 einen der eindrucksvollsten, zugleich aber oft unterschätzten Soundtracks seiner Karriere. Zwischen den monumentalen Erfolgen von Star Wars und Superman komponiert, zeigt die Musik zu Brian De Palmas übernatürlichem Thriller eine andere Seite des Komponisten: düster, psychologisch vielschichtig und von einer permanenten unterschwelligen Bedrohung geprägt. Es ist eine Filmmusik, die weit weniger auf eingängige Themen setzt als auf emotionale Spannung, orchestrale Raffinesse und dramatische Zuspitzung.

Schon die Eröffnung macht deutlich, dass Williams hier nicht den Weg heroischer Melodien beschreitet. Stattdessen entfaltet sich eine Atmosphäre aus Unsicherheit, Angst und geheimnisvoller Vorahnung. Die Streicher arbeiten mit nervösen Figuren, Holzbläser und Harfe sorgen für schimmernde, fast unwirkliche Klangfarben, während die Blechbläser immer wieder mit scharfen Akzenten die Gefahr ankündigen. Das London Symphony Orchestra setzt diese komplexe Partitur mit beeindruckender Präzision um.

Besonders bemerkenswert ist Williams’ Fähigkeit, die übersinnlichen Fähigkeiten der jugendlichen Protagonisten musikalisch hörbar zu machen. Immer wieder wechseln lyrische Passagen von beinahe zerbrechlicher Schönheit mit explosiven orchestralen Ausbrüchen. Dadurch entsteht eine musikalische Spannung, die weit über den eigentlichen Film hinaus funktioniert und auch ohne Bilder ihre Wirkung entfaltet.

Im Mittelpunkt steht das elegante Hauptthema, das melancholische Schönheit mit unterschwelliger Tragik verbindet. Es gehört zwar nicht zu den bekanntesten Melodien des Komponisten, besitzt aber eine emotionale Tiefe, die sich erst nach mehrmaligem Hören vollständig erschließt. Gerade diese Zurückhaltung macht einen großen Reiz des Albums aus. Williams verzichtet auf schnelle Effekte und entwickelt seine musikalischen Ideen mit großer Geduld.

Der absolute Höhepunkt ist das monumentale Finale. Hier entfesselt Williams das gesamte Orchester in einer der spektakulärsten Schlusssequenzen seiner Laufbahn. Gewaltige Blechbläser, rasende Streicher und wuchtige Schlagwerke steigern sich zu einer musikalischen Explosion, die den Schrecken der Bilder kongenial widerspiegelt. Dieses Finale zählt bis heute zu den eindrucksvollsten Action- und Horrorpassagen der Filmmusikgeschichte und zeigt Williams auf dem Höhepunkt seiner orchestralen Meisterschaft.

Gerade im Vergleich zu seinen berühmteren Werken wird deutlich, wie experimentierfreudig der Komponist hier arbeitet. The Fury verzichtet weitgehend auf eingängige Ohrwürmer und fordert vom Hörer Aufmerksamkeit. Dafür belohnt der Soundtrack mit einer außergewöhnlich dichten Atmosphäre und einer enormen kompositorischen Komplexität. Man erkennt Einflüsse spätromantischer Komponisten ebenso wie moderne Filmmusiktechniken, ohne dass Williams jemals seine eigene musikalische Handschrift verliert.

Die restaurierten Veröffentlichungen der vollständigen Filmmusik zeigen zudem, wie detailreich die Partitur tatsächlich ist. Viele feine orchestrale Nuancen, die im Film teilweise unter Dialogen verschwinden, treten hier deutlich hervor und machen das Album zu einem faszinierenden Hörerlebnis.

The Fury ist deshalb kein Soundtrack für den schnellen Konsum, sondern eine Filmmusik, die entdeckt werden möchte. Wer bereit ist, sich auf ihre düstere, psychologisch aufgeladene Klangwelt einzulassen, erlebt John Williams von einer Seite, die oft im Schatten seiner großen Blockbuster steht. Gerade deshalb gehört The Fury zu den spannendsten und künstlerisch anspruchsvollsten Werken seines Schaffens – ein orchestrales Meisterstück, das eindrucksvoll beweist, dass Williams weit mehr ist als nur der Komponist großer Abenteuer- und Heldenmelodien.

Salò oder die 120 Tage von Sodom von Ennio Morricone

Der Soundtrack zu Pier Paolo Pasolinis Film „Salò oder die 120 Tage von Sodom“ aus dem Jahr 1975 spielt eine entscheidende Rolle für die verstörende Wirkung des Werkes. Die Musik stammt von Ennio Morricone, der auf eine klassische, zurückhaltende und teilweise beinahe elegante Klangsprache setzt. Gerade dieser Kontrast zwischen der kultivierten musikalischen Oberfläche und den Bildern von Gewalt, Erniedrigung und Machtmissbrauch verleiht dem Film seine besondere emotionale Härte.

Morricone verzichtet weitgehend auf eine dramatische Untermalung, die das Geschehen kommentieren oder moralisch einordnen würde. Stattdessen erklingen ruhige Klavierpassagen, Walzer, Marschmusik und bekannte Lieder, die eine scheinbar normale oder sogar festliche Atmosphäre erzeugen. Die Musik wirkt dadurch kühl und distanziert. Sie bietet dem Publikum keine emotionale Entlastung, sondern verstärkt das Gefühl, Zeuge eines streng organisierten und ritualisierten Systems der Unterdrückung zu sein.

Besonders prägend ist die Verwendung des Liedes „Son tanto triste“ sowie von Tanz- und Unterhaltungsmusik aus der Zeit des italienischen Faschismus. Die Musik verweist auf bürgerliche Kultur, gesellschaftliche Konventionen und eine Welt äußerer Ordnung. Gleichzeitig zeigt der Film, wie leicht diese kulturelle Fassade mit Grausamkeit und totalitärer Herrschaft verbunden sein kann. Die Musik steht deshalb nicht nur im Gegensatz zu den Bildern, sondern wird selbst zu einem Bestandteil der Inszenierung von Macht.

Der Soundtrack von „Salò“ ist kein klassischer Filmscore mit eingängigen Leitmotiven oder emotionalen Höhepunkten. Seine Wirkung entsteht vielmehr aus Zurückhaltung, Wiederholung und bitterer Ironie. Morricones Musik macht das Geschehen nicht erträglicher, sondern noch beklemmender. Sie unterstreicht Pasolinis Aussage, dass Gewalt und Entmenschlichung nicht zwangsläufig im Chaos stattfinden, sondern auch hinter einer Fassade aus Bildung, Kunst, Ordnung und gesellschaftlichem Anstand verborgen sein können.

Never Mind the Bollocks von Sex Pistols

Die Sex Pistols-Platte „Never Mind the Bollocks, Here’s the Sex Pistols“ ist mehr als nur ein Album – sie ist ein kulturgeschichtlicher Sprengsatz. 1977 veröffentlicht, bündelt sie die Wut, den Lärm und die Provokation des britischen Punk in ihrer reinsten Form. Songs wie „God Save the Queen“, „Anarchy in the U.K.“ oder „Pretty Vacant“ klingen bis heute wie ein Angriff auf Establishment, Langeweile und musikalische Selbstzufriedenheit.

Die Platte ist roh, direkt und kompromisslos, aber zugleich erstaunlich präzise produziert. Johnny Rottens beißender Gesang, Steve Jones’ massive Gitarrenwände und die rebellische Haltung der Band machten das Album zu einem Meilenstein. „Never Mind the Bollocks“ war kein höfliches Musikangebot, sondern eine Kampfansage – und genau deshalb bleibt es eine der wichtigsten und einflussreichsten Rockplatten aller Zeiten.

Buchtipp: Wie die siebziger Jahre von morgen träumten

4. Juli 2026

„Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet“ – der große Informatiker Alan Kay hat dies einmal gesagt und ich finde Aussagen über die Zukunft faszinierend.
Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb ich Science Fiction so mag: Bücher, Filme, Ideen, Visionen. Und ich bin fasziniert vom Beruf der Zukunftsforscher. Die einen sehen in die Glaskugel, die anderen rechnen Statistiken weiter ohne das Innovator’s Dilemma zu berücksichtigen.
Ich habe ein Buch mit dem schlichten Titel „Zukunft – das Bild der Welt von morgen“ gefunden, verfasst von Ulrich Schippke. Meine Ausgabe von Bertelsmann stammt aus dem Jahre 1974 und ist Bestandteil einer ganzen Reihe, die damals von Roland Göock herausgegeben wurde. Meine Eltern hatten ein paar Ausgaben der Reihe, ich habe meine Zukunft-Ausgabe allerdings aus einem Bücherschrank.

Ulrich Schippkes „Zukunft – Das Bild der Welt von morgen“ ist heute weniger ein Zukunftsbuch als ein faszinierendes Zeitdokument und versteht sich ausdrücklich als Bilddokumentation. Schon dieser Anspruch prägt die Lektüre: Nicht die nüchterne Prognose steht im Mittelpunkt, sondern die große, oft staunende Schau auf eine Welt, die technisch machbar, planbar und grundsätzlich verbesserbar erscheint.

Das Inhaltsverzeichnis liest sich aus heutiger Sicht wie ein Panorama der Zukunftshoffnungen der frühen siebziger Jahre: Energie als „Schlüssel zum Paradies“, Nahrung aus der Retorte, Städte wie Raumstationen, fliegende Untertassen im Verkehr, denkende Maschinen, Wetterlenkung, Unterwasser-Siedlungen, Raumfahrtfabriken, Retortenzeugung und die Vision eines geeinten Planeten. Gerade diese thematische Breite macht den Reiz des Buches aus. Schippke erzählt Zukunft nicht als einzelne Erfindung, sondern als umfassende Umgestaltung des Lebens.

Dabei ist der Ton unverkennbar von Fortschrittsglauben getragen. Technik erscheint häufig als Antwort auf nahezu jedes Problem: Hunger, Krankheit, Energieknappheit, Verkehrschaos, Umweltgrenzen. Heute wirkt manches naiv, manches erstaunlich hellsichtig. Die „denkenden Maschinen“ sind längst Alltag geworden, wenn auch anders, als man es sich damals vorstellte. Die globale Medienwelt, im Buch als überschaubares Dorf beschrieben, ist mit Internet, Satellitenkommunikation und sozialen Netzwerken tatsächlich Realität geworden. Andere Visionen – etwa die massenhafte Besiedlung der Meere oder Wetter nach menschlichem Willen – sind eher Mahnungen daran, wie optimistisch, aber auch wie technokratisch Zukunft damals gedacht wurde.

Die Stärke des Bandes liegt gerade in dieser Mischung aus Treffer, Irrtum und Zeitkolorit. Schippkes Buch zeigt, welche Sehnsüchte eine Epoche bewegten: Kontrolle über Natur, Überwindung von Mangel, Verlängerung des Lebens, Globalisierung des Denkens. Zugleich offenbart es blinde Flecken. Fragen nach ökologischen Folgen, sozialer Ungleichheit, politischem Missbrauch von Technik oder ethischen Grenzen werden zwar berührt, treten aber hinter der Faszination des Machbaren zurück. Besonders Kapitel wie „Kinder mit Qualitätsgarantie“ oder „Der beste Kopf, den es je gab“ lesen sich heute mit Unbehagen, weil sie an Debatten über Genetik, Optimierung und Menschenbild rühren.

Als Sachbuch im engeren Sinn ist „Zukunft“ daher überholt. Als historisches Dokument ist es umso wertvoller. Es zeigt nicht nur, was man 1974 über morgen dachte, sondern auch, wie stark Zukunftsbilder von ihrer Gegenwart geprägt sind. Der Band ist ein Spiegel der Bundesrepublik im technischen Aufbruch: Raumfahrt, Computer, Atomenergie und globale Planung schienen Horizonte zu öffnen, die kaum Grenzen kannten.

Ulrich Schippkes „Zukunft – Das Bild der Welt von morgen“ ist keine zuverlässige Prognose, aber ein reizvolles, bildstarkes und manchmal verblüffendes Dokument des Fortschrittsoptimismus. Wer wissen will, wie sich die siebziger Jahre das 21. Jahrhundert ausmalten, findet hier eine Fundgrube – mit großem Staunwert und gelegentlichem Kopfschütteln.

Buchkritik: 2001: Filming the Future von Piers Bizony

27. Oktober 2025

Ich liebe den Film 2001: Odyssee im Weltraum von Stanley Kubrick. Ich habe den Film auf Super 8 komplett, auf VHS, auf Laserdisc, auf DVD, Bluray und 4K. Dieser Film ist ein wirkliches Meisterwerk der Filmgeschichte.

Und über die Jahre habe ich viele Bücher über den Film gesammelt, Ausstellungen angesehen, Gespräche geführt, Vorträge gehalten. Unlängst habe ich Piers Bizonys englische Buch 2001: Filming the Future erworben. Es ist eine sorgfältige und zugleich leidenschaftliche Hommage an Stanley Kubricks Film. Als großformatiger Band verbindet es detailreiche Essays, seltene Fotos und Interviews zu einer Gesamtschau, die den Produktionsprozess des Films offenlegt und zugleich seinen kulturellen Nachhall reflektiert. Was den Band besonders auszeichnet, ist der Spagat zwischen technischer Präzision und künstlerischer Sensibilität: Bizony erzählt die Entstehungsgeschichte nicht nur als filmhistorisches Dokument, sondern als Chronik menschlicher Kreativität im Angesicht des Unbekannten.

Im Zentrum steht die Zusammenarbeit zwischen Stanley Kubrick und Arthur C. Clarke. Bizony zeichnet nach, wie aus einem eher abstrakten Konzept – die Frage nach dem Platz des Menschen im Kosmos – ein filmisches Monument wurde. Er erläutert in präzisen, journalistisch klaren Passagen, wie akribisch Kubrick arbeitete: von den minutiösen Drehplänen bis hin zu experimentellen Kameraaufbauten. Dabei spart Bizony auch die legendäre Strenge des Regisseurs nicht aus, ohne ihn zur Karikatur des „einsamen Genies“ zu verklären. Stattdessen entsteht das Bild eines Perfektionisten, der seine Mitarbeiter forderte, sie aber gleichzeitig zu Höchstleistungen inspirierte.

Besonders eindrücklich sind Bisons Beschreibungen der technischen Innovationen. Das Buch widmet sich ausführlich den bahnbrechenden Spezialeffekten, die ohne digitale Tricks auskommen mussten. Von der simulierten Schwerelosigkeit bis zu den großartig beleuchteten Raumschiffinterieurs vermittelt Bizony ein Gefühl dafür, wie sehr Kubrick und sein Team die Grenzen des Möglichen verschoben. Uns Leser wird bewusst, dass 2001 entstand, bevor der Mensch tatsächlich den Mond betrat – ein Faktum, das dem gesamten Projekt eine fast prophetische Aura verleiht.

Stark sind auch Bizonys Reflexionen über den kulturellen Kontext der 1960er Jahre. Er zeigt, wie das Werk mit dem Geist des Space Age, aber auch mit einer tiefen Skepsis gegenüber technologischem Fortschritt verbunden ist. Diese Verortung macht 2001: Filming the Future zu mehr als einem Making-of-Buch: Es ist ein Beitrag zur intellektuellen Geschichte des Kinos, der die Ambivalenz von Fortschritt und Spiritualität zugleich sichtbar macht.

Kritisch ließe sich anmerken, dass Bizony weniger auf die philosophischen Dimensionen von Kubricks Werk eingeht. Wer eine tiefere filmtheoretische Analyse erwartet, wird hier eher die Oberfläche der filmischen Praxis finden. Das mindert jedoch nicht den Wert des Buches: Gerade durch seine sinnliche Bildsprache und den dokumentarischen Ansatz vermittelt es jene Mischung aus Staunen und Respekt, die Kubricks Film seit Jahrzehnten bei mir hervorruft. Das Werk erinnert an das Halten eines Filmstreifens in der Hand – greifbar, materiell, und doch durchdrungen von Vision.
Am Ende bleibt 2001: Filming the Future eine Lektüre für alle, die die Magie des Filmemachens im Analogen verstehen wollen. Es ist weniger eine Analyse als eine Einladung zum Staunen – eine visuell und emotional aufgeladene Reise durch ein filmisches Universum, das seine Zukunft selbst erfindet.

Piers Bizonys 2001: Filming the Future ist kein gewöhnliches Filmbuch – es ist eine Reise in das Herz eines filmischen Mythos, ein Tauchgang in das endlose Schwarz des Weltraums, in dem sich Vision und Handwerk begegnen. Von der ersten Seite an spürt man: Hier schreibt jemand, der nicht nur recherchiert, sondern geglaubt hat – an das Kino als Offenbarung, an den schöpferischen Funken zwischen Mensch und Maschine, an das rätselhafte Leuchten des Monolithen, das Kubricks Werk bis heute umgibt.

Bizonys Buch, erstmals 1994 erschienen, ist eine stille Liebeserklärung an die Entstehungsgeschichte eines Films, der alles veränderte. Statt reiner Faktenchronik entfaltet sich eine fast poetische Erzählung über die Geburt einer filmischen Vision. Er lässt die Lesenden teilhaben an jenen Momenten des Staunens, in denen Kubrick und Clarke im Studio über die Zukunft der Menschheit diskutierten und die Kamera wie ein Fernrohr in die Sterne richteten. Zwischen den Zeilen pulsiert das Gefühl, dabei zu sein – inmitten der riesigen Studiobauten, wo Lichtstrahlen auf Aluminium treffen und der Weltraum in makellosem Analogfilm entstand.

Die Fotografien in diesem Band sind keine bloße Illustration, sondern Fenster in den Schöpfungsakt. Schwarz-Weiß-Aufnahmen heben die Einsamkeit des Raums hervor, zeigen Kabel, Kulissen und Gesichter voller Konzentration. Ihre Stille erzählt mehr über Kubricks Perfektion als jede Anekdote: Man sieht nicht einfach Menschen, die einen Film drehen – man sieht Menschen, die träumen, präzise und unermüdlich. Bizony schreibt über diese Hingabe mit einer Zärtlichkeit, die selten ist in der nüchternen Welt der Filmwissenschaft.

Buchtipp: Baikonur: Vestiges of the Soviet Space Programme von Jonk

12. Februar 2023

Seit ich Kind bin war ich von Raumfahrt fasziniert – und ich interessiere mich für Lost Places. Daher war die Verbindung dieser beiden Themen immer reizvoll und ich würde fündig. Die Sowjets hatten ein Shuttles Programm, das sie aufgeben mussten und ihre Buran-Shuttles und Hangar in Baikonur sind dem Verfall preis gegeben. Voller Begeisterung schaute ich ein YouTube-Video von Bob Thissen, der mit Freunden in Baikonur eingestiegen ist und atemberaubende Videos von den Buran-Shuttles gedreht hat. Das Video gibt es hier.

Ich wollte mehr von diesem Stoff. Und daher kaufte ich mir das erste Lost Place Buch zu diesem außergewöhnlichen Themenkomplex: Baikonur: Vestiges of the Soviet Space Programme von Jonk. Heute gibt es einige Bücher und Videos zu dem Thema, aber Jonk war meines Wissens der erste, der ein Buch über diesen Lost Place veröffentlichte. Der Autor nimmt uns in seiner Reportage mit nach Kasachstan. Der Kosmodrom Baikonur in Kasachstan wurde in den 1950er Jahren von den Sowjets gegründet. 1976 begann das sowjetische Shuttle-Programm. Von Baikonur aus wurde 1988 das erste sowjetische Raumflugzeug, Buran zu Deutsch Schneesturm, als Antwort auf das US-amerikanische Space Shuttle gestartet. Es flog aber nicht wie die amerikanischen Shuttles in den Weltraum, sondern umrundete 1988 die Erde. Der unbemannte Flug endete erfolgreich mit einer automatischen Landung nach zwei Erdumkreisungen in 206 Minuten.

Wir sehen Bilder der Raumfähre Buran 1.02 und des Prototyp OK-MT, Spitzname „Vögelchen“. Der Bau von Buran 1.02 wurde 1990 beendet, obwohl auch hier noch einige Systeme fehlte.
Jonk steigt mit Hilfe von drei Helfern in das heute verlassene Gelände ein und liefert uns faszinierende Bilder von verfallener Technik. Das Buran-Programm wurde im Sommer 1993 während der Präsidentschaft von Boris Jelzin aus Geldmangel offiziell beendet. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahre 1991 hatte Russland die Kosten für Buran allein zu stemmen.

Dies war das erste Mal, dass Fotos dieser spektakulären Orte in einem Buch veröffentlicht wurden. Jonk reiste im Schutze der Nacht 20 km durch die kasachische Wüste, betrat die Hangars heimlich und verbrachte dort drei Nächte versteckt vor militärischen Sicherheitskräften, um eine Fotoreportage von diesem Ort zu erstellen. Jonk stellt uns seine hervorragende Sammlung von Fotos vor, die er in dem stillgelegten Teil des Kosmodroms Baikonur aufgenommen hat. Er zeigt dem Leser nicht nur diese erstaunlichen Bilder, sondern beschreibt uns auch das Abenteuer des Besuchs eines weltweit einzigartigen Ortes. Viele Aufnahmen der beiden Orbiter und ihrer Details aus verschiedenen Perspektiven sind zu sehen, und erstaunliche Bilder der Energija-Trägerrakete.

Und vielleicht ist auch dies das Problem mit dem Buch. Die ersten 50 Seiten berichten von der sicherlich anstrengenden Reise zu diesem Lost Place. Wenn ich ehrlich bin, interessierte mich dies weniger, denn ich wollte ja eigentlich die Bilder von diesem geheimnisvollen Platz sehen. Die bekam ich dann auch: Raumgleiter von oben, von unten, von der Seite, von links unten, von rechts oben und nur ein Bild vom Inneren des Cockpits. Das ist grandios und enttäuschend zugleich, denn ich bin dermaßen vom Thema angefixt, dass ich mir oben genannten Video immer wieder angeschaut habe, die meinen Voyeurismus befriedigen.
Natürlich kann ich das Buch von Jonk empfehlen, obwohl ich gerne mehr Bildunterschriften gehabt hätte, die mir die Fotos besser erklärt hätten. Der Fotograf vergisst aber auch nicht die Büros, Werkstätten, Archive und Wartungsräume, die viele Einblicke in den Arbeitsalltag einer Raumfahrttechnikeinrichtung geben. Das ist wahre Kunst.
Die Bilder wurden nur leicht nachbearbeitet und die Objekte erscheinen in einem gelblichen, warmen Licht. Das unterscheidet das Buch von zahlreichen Lost Places, die mithilfe von Lightroom und Co einen Eindruck der Apokalypse vermitteln.

Virgin Galactic #Unity22 – der Weltraumflug

12. Juli 2021

Gut gemacht Sir Richard. Natürlich war ich als Raumfahrtfan dabei, als am Sonntag ein großer Schritt in Richtung kommerzieller Raumfahrt beschritten wurde. Virgin Galactic eroberte den Weltraum und ich begann zu träumen.

Die drei Milliardäre Sir Richard Branson, Jeff Bezos und Elon Musk schreiten mit ihren jeweiligen Raumfahrtfirmen voran und ich finde es großartig. Ich fühle das Feuer in mir, was ich als Jugendlicher bei den Columbia-Flügen gespürt habe. Ich habe noch Super 8 Filme von der Mondlandung und NASA-Missionen und eine kostbare Laserdisc vom ersten Columbia-Flug. Ein ähnliches Gefühl der Nervosität und Erregung spürte ich am Sonntag als ich mir die Live-Übertragung vom Flug von Virgin Galactic in YouTube ansah. Perfekte emotionale Show (a Letter to my grandchildren) und eine unglaubliche technische Leistung. Sir Richard kannte ich als Jugendlicher in erster Linie von Schallplatten – als Stichwort sei nur Mike Oldfields Tubular Bells genannt, das die Grundlage für Richard Bransons finanziellen Erfolg ausmachte.

Jeder der drei Milliardäre hat einen anderen Ansatz mit ihren Weltraumfirmen für die Raumfahrtabenteuer und mir steht es nicht zu, welcher Ansatz der richtige ist. Sie sind alle faszinierend. Ich weiß nur, dass ich unglaublich begeistert bin, von dem was ich gesehen habe. Virgin Galactic hat seinen ersten Weltraum-Flug Unity 22 mit voller Besatzung absolviert. Firmenmitgründer Sir Richard Branson war mit an Bord. Und wir waren live dabei. Es ist nicht mehr als der Startschuss für den kommerziellen Weltraumtourismus und ich war an iPhone live dabei. In welchen spannenden Zeiten leben wir eigentlich?


Das Trägerflugzeug hob am Startplatz Spaceport America im US-Staat New Mexico ab – spezielle Range Rovers brachten die Mannschaft zum Raumschiff. Das Trägerflugzeug stieg auf etwas mehr als 13 Kilometer Höhe auf. Dort klinkte der Weltraumgleiter aus und zündete sein Raketentriebwerk für 60 Sekunden. Was für ein dramatischer Moment. In dieser Minute steigt er mit mehr als dreifacher Schallgeschwindigkeit auf 90 Kilometer Höhe auf. Nach wenigen Minuten kehrte der Gleiter unbeschadet selbstständig zurück zum Spaceport America. Der Milliardenmarkt des Weltraumtourismus ist greifbarer geworden.

Jetzt folgt am 20. Juli Jeff Bezos, der mit seiner Rakete von Blue Origin ebenfalls in den Weltraum zu fliegen will. Auch ich bin wieder dabei und hoffe auf eine Übertragung.

Ach ja: Ich würde gerne mal bei einem solchen Start und Landung dabei sein – nicht als Astronaut oder Tourist, sondern als Zuschauer und Blogger vor Ort. Also, wenn dies einer der Verantwortlichen ließt: Ich bin bereit für die Zukunft.

32 Jahre Challenger-Katastrophe und was Jean-Michel Jarre damit zu tun hatte

28. Januar 2018

Die Explosion der Challenger vor 25 Jahren schockierte mich.

Die Explosion der Challenger vor 25 Jahren schockierte mich.

Als jugendlicher Raumfahrtfan traf es mich damals wie ein Schock. Heute vor 32 Jahren zerbrach das Space Shuttle Challenger beim Start. Alle sieben Astronauten starben. Daher höre ich den ganzen Tag in Gedenken an dieses Unglück die Jean-Michel Jarre Aufnahme Rendez-vous und es hat einen besonderen Grund.
Die Flüge ins Weltall mit dem Space Shuttle waren zur Routine geworden. Wir hatten uns daran gewöhnt. Ich saß am 28. Januar 1986 bei meinem Kumpel Thomas Schmelzer und wir diskutierten wohl über Film, vielleicht sogar über Moonraker. Da kam plötzlich sein Vaters ins Wohnzimmer und berichtete uns, dass die Challenger beim Start explodiert sei. Thomas und ich waren beide Raumfahrt-Enthusiasten und von der Nachricht geschockt. CNN oder Breaking News im Fernsehen gab es für uns damals 1986 noch nicht, geschweige denn das Internet, daher warteten wir auf eine Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen. Es zeigte die schrecklichen Bilder. 73 Sekunden nach dem Start explodierte das Shuttle und damit auch unser Traum von Flügen ins All.

Das Medieninteresse galt den Absturzursachen und den Astronauten, besonders der Lehrerin Christa McAuliffe. Sie war an Bord der Raumfähre und sollte zwei Unterrichtsstunden aus dem Weltall für US-Schüler halten. Es hätte eine ungeheure PR-Wirkung gehabt. Daher wurde der Start der Raumfähre in vielen US-Schulen gezeigt und auch der überraschende Tod, der live übertragen wurde.
Mein Kumpel Thomas und ich sprachen dagegen über den Tod des Astronauten Ronald McNair. Der Astronaut spielte Saxophon und er sollte aus dem All bei einem Konzert des französischen Musikers Jean-Michel Jarre musizieren. Jarre ist einer der großen Elektronikpioniere in der Musikszene. Seine Alben faszinierten mich als Jugendlicher und sie tun es noch heute.
Mit dem Tod von Ronald McNair zerplatze auch die Idee eines Stücks aus dem All. Jarre wollte das geplante Konzert zum 150jährigen Jubiläums der Stadt Houston und des 25jährigen Jubiläums des Lyndon B. Johnson Space Centers der NASA absagen, wurde aber von den Astronauten der NASA überzeugt.
Zudem wurde von Jean-Michel Jarre das Album Rendez-Vous veröffentlicht. Die Musik stammt aus unterschiedlichen Phasen von Jarre und zählt eigentlich eher zu seinen schwächeren Alben. Wäre da nicht das letzte Stück Ron‘s Peace. Das ist das Stück, das Ronald McNair aus dem Weltraum spielten sollte. Heute höre ich das über sechsminütige Stück wieder und immer wieder. Ich denke dabei an die Challenger-Katastrophe vor 25 Jahren, die jahrelang die Raumfahrt lähmte.
Erst Chris Hatfield mit Major Tom löste bei mir den Knoten und weckte mein Interesse für Raumfahrt wieder. Und es passiert ja wirklich viel durch SpaceX und Co.

Das Album Rendez-vous von Jean-Michel Jarre hat eine große Bedeutung für mich.

Das Album Rendez-vous von Jean-Michel Jarre hat eine große Bedeutung für mich.

Raumfahrtgeschichte – nicht mehr – nicht weniger

9. April 2016

Die Rakete landet wieder. SpaceX ist ein Erfolg.

Die Rakete landet wieder. SpaceX ist ein Erfolg.

Ich bin froh, dass ich aufgeblieben bin und mir gestern die Ereignisse um SpaceX angeschaut habe. Eigentlich wollte ich nach einem Arbeitstag ins Bett gehen, entschloss mich aber doch die Raumfahrtaktion von Musk anzusehen. Und was ich dort sah, zog mich sofort in seinen Bann.
Die Rakete Falcon9 startete, brachte einen Raumfrachter auf seine Fahrt ins All Richtung ISS und dann landete die Rakete auf einer schwimmenden Plattform. Richtig, die Rakete landete wieder – was ist das für ein Wahnsinn? Das Team von SpaceX hat es geschafft. Das ist für mich nicht mehr als eine Revolution. Die Aktion läutet für mich ein neues Kapitel in der Raumfahrt ein. Und ich glaube, dass wir dem Ziel, einem Flug zum Mars, wieder ein gutes Stück näher gekommen sind. Wir werden es alle noch erleben.


Ich lese gerade die deutsche Biografie von Elon Musk. Der Kerl fasziniert mich, der Kerl hat Visionen. Meinen Respekt hat er. Aufmerksam verfolge ich sein Schaffen: PayPal, Tesla, Batterien, SpaceX.
Als ich mir den Start der Rakete Falcon9 im Web ansah, dachte ich an die Zeit des Space Shuttles zurück. Damals wurde der Start im klassischen linearen Fernsehen übertragen. Raketenwissenschaftler erläuterten die Geschehnisse auf der Mattscheibe – und es war damals wirklich eine Mattscheibe.
Bei SpaceX lümmelte ich mich in meinem Hotelbett herum, schaute via iPad auf der Website den Stream an. So ähnlich habe ich mich beim letzten Start des Space Shuttles gefühlt und habe auch darüber gebloggt. Der Raumfahrtvirus hat mich durch SpaceX wieder erfasst.

Wo sind die grauen Männer, die mir früher Raumfahrt erklärt haben?

Wo sind die grauen Männer, die mir früher Raumfahrt erklärt haben?

Die blonde, attraktive Ingenieurin Kate Tice im T-Shirt erklärt mir das Vorgehen – wo sind die Typen mit den grauen Anzügen geblieben? Es wird hin und her geschaltet und ich bekomme Raumfahrtwissen vermittelt. Und ich bekomme Emotionen vermittelt. Der Funken ist auf mich übergesprungen. Als die Rakete auf der schwimmenden Plattform mit der Größe eines Fußballfeldes landete, sprang ich aus dem Bett und konnte es nicht fassen. Die Landeplattform heißt übrigens cool: „Of Course I Still Love You“. Der Elon Musk hat es also endlich geschafft. Via Twitter und Facebook sendete ich Grüße und ließ meine virtuellen Freunde an meiner Begeisterung teilhaben. Wow, was habe ich da gerade gesehen? Ich habe gerade Raumfahrtgeschichte gesehen.
Immer wieder schaute ich mir das Aufsetzen der landenden Rakete an. Die ganze Sache war unwirklich, denn Raketen haben wegzufliegen und nicht sicher zu landen. Ich glaube, vier Raketen sind in der Vergangenheit beim Landen zu Schrott gegangen, jetzt hat es SpaceX endlich geschafft. Ein großer Schritt für die Menschheit. Ich bin neugierig, wie Elon Musk unsere Welt weiter verändern wird.

Philae landet und ich sah Raumfahrtgeschichte #cometlanding

13. November 2014

Bildschirmfoto 2014-11-12 um 17.48.09

Der wichtigste Satz für mich lautete gestern: „It’s not Science Fiction, it’s Science Fact!“ Wow, es ist nicht mehr ein Hirngespinst, sondern es ist harte Realität. Die Ladung des Minilabors Philae auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko hat mich gestern den ganzen Tag in Atem gehalten. Meine Begeisterung für Raumfahrt ist wieder voll da.

Ohne Worte

Ohne Worte

Ich war im Netz dabei als Raumfahrtgeschichte geschrieben wurde. Die Landung auf einen stinkenden Eisklumpen im All – live und in Farbe. Ich hatte das Gefühl bei einem ganz großen Moment dabei zu sein. So einen Moment, von dem ich meinen Kindern erzählen kann. Klingt pathetisch, ist aber so. Die Reise zu den Sternen faszinierte mich bereits mein Leben lang und immer wieder bricht diese Faszination voll durch. Vor kurzem kam das Fieber wieder, ausgelöst durch die Astronauten Chris Haldfield und Alexander Gerst. Den Start von Rosetta habe ich vor zehn Jahren zwar medial mitbekommen, aber nicht mehr auf den Schirm gehabt. Bis vor kurzem der Hashtag #cometlanding durch Twitter auftauchte.
Also machte ich es mir vor dem Rechner bequem und schaute begeistert den Live-Stream der ESA an. Gegen 17 Uhr dann die Breaking-News: Gelandet.

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Sehr gerne wäre ich live vor Ort gewesen und eine Geschichte für gemacht. So war ich eben zu Hause am Esstisch und beobachte von dort, wie Geschichte gemacht wurde. Wenn ich ehrlich bin, sah ich die meiste Zeit nur Menschen in einem nüchternen Kontrollräumen. Die Herrschaften arbeiteten und ich sah vor dem MacBook und schaute zu, ich beobachtete den ESA-Stream und gleichzeitig Twitter mit dem Hashtag #cometlanding. Ich sah Wissenschaftler in Hoodies, T-Shirts und zerknitterten Hemden, die Menschheits- und Wissenschaftsgeschichte schrieben, ohne Show- und Starallüren. Nur als einmal ein Amerikaner von der NASA eine motivierende Ansprache hielt, kam ein wenig Pathos auf. Immer wieder gab es Interviews und Statements und Moderatorin Monika Jones machte einen guten Job, nicht übertrieben, sondern serös, irgendwie europäisch.

Bildschirmfoto 2014-11-12 um 16.31.04
Ab un zu gab es ein Foto vom Anflug des Landers. Die technische Qualität der Bilder war jetzt nicht Full-HD, aber es lief mir heiß und kalt den Rücken herunter. Was für eine Spannung! Was für ein Feeling!

Bildschirmfoto 2014-11-12 um 17.46.44

Der Blechkasten ist 500 Millionen Kilometer entfernt und wir bekommen hier auf der Erde die Signale, Daten, Bilder. Und als sich Captain Kirk, – im Grunde war es William Shatner – in die Twitter-Diskussion einschaltete, lachte ich begeistert auf. Dessen Tweets brachte den gewissen Promi-Faktor, den es auch brauchte.

Bildschirmfoto 2014-11-13 um 09.40.13
Zunächst hieß es, das Philae-Labor sei auf dem Kometen gelandet. Im Laufe der gestrigen Nacht stellte sich heraus: Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln war erst der dritte Landeversuch erfolgreich. Philae sei zweimal wieder zurück ins All geflogen. Und Philae steht nicht so sicher auf dem 4100 Meter großen Kometen, wie es zu wünschen wäre. Es bleibt also weiterhin spannend.
Und wenn mir jetzt einer wieder mit den Kosten kommt, dann einfach Klappe halten. Jedem Europäer kostet die Mission 3,50 Euro pro Jahr, also nix. Dafür bekomme ich in München nicht mal ein Bier. Von mir aus, sollte der Etat erhöht werden, denn hier wird Menschheitsgeschichte geschrieben.

Google würdigt die Leistung mit einem Doodle.

Google würdigt die Leistung mit einem Doodle.

Und hier nochmal der Moment der Freude:

Bildschirmfoto 2014-11-12 um 17.47.19

 

Social Media im Weltraum: Mein Held Chris Hadfield

15. Mai 2013

Foto: Hadfield

Foto: Hadfield

Unsere Familie erlag schon immer den Raumfahrtvirus. Die Reise ins All faszinierte mich mein Leben lang. Meine Eltern erzählten mir immer, wie ich als Baby die Mondlandung verfolgte. Ich weiß nichts mehr davon, aber es gibt ein Foto, auf dem ich als kleiner Stöpsel vor dem Grundig-Fernseher saß. Ich hatte Modellbausätze von Mondfähren und Neil Armstrong hing als Bild bei mir im Kinderzimmer. Später war ich Fan des Space Shuttle-Programms, war erschüttert über die Abstürze und verfolgte im Netz den Start des letzten Shuttles. Als Sonden auf dem Mars landeten, war ich auch im Internet dabei. Und so natürlich auch jetzt beim Flug des Astronauten Chris Hadfield.

Via Twitter verfolgte ich seine Erlebnisse out of Space und seine Arbeiten auf der ISS. Ich bin mir sicher, so manchen alten Nasa-Recken ist so viel Kommunikation des Kanadiers ein Grauen, aber Chris Hadfield macht es richtig. Er hat die neue Welt verstanden und wirbt für sich, seinen Beruf und seine Mission. Er nutzt soziale Netzwerke, allen voran Twitter, Facebook und YouTube. Ich bekam Tränen in den Augen als er David Bowie Space Oddity bei seiner Rückkehr von der ISS interpretierte. Major Tom kommt heim. Besser kann Werbung für Raumflüge nicht sein. Das erste Musikvideo der Raumfahrtgeschichte ist ein Hammer.