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Filmkritik: Le Mans 66

18. November 2019

Ich habe mich geschämt. Ich habe mich wirklich geschämt, als ich aus dem Scala-Kino in Fürstenfeldbruck gegangen bin, weil mir der Film gefallen hat. Ich habe Le Mans 66 gesehen und genossen.
Ja, ich weiß: PS-Boliden sind im Zeitalters des Klimawandels nicht mehr zeitgemäß, ja komplett unvernünftig und dennoch hab ich die GT-40, die Mustangs, die Shelbys, die Ferraris und die Porsches genossen, die mit Bleifuß und Vollgas den Asphalt herunter brettern. Ich bin ein großer Fan von Le Mans und die Verfilmung mit Steve McQueen ist für mich einer der Rennfilme schlechthin. Da war ich ein wenig nervös als ich den Trailer zu Le Mans 66 sah. Da tritt jemand gegen einen Kultfilm an und muss doch zwangsläufig scheitern: Steve McQueen gegen Christian Bale.
Der Film Le Mans 66 tut es nicht, weil er eine ganz solide Geschichte in packenden Bildern erzählt. Es ist die Geschichte der Rennfahrer Carroll Shelby (Matt Damon) und Ken Miles (Christian Bale). Ford will gegen Ferrari antreten und Carroll Shelby soll die Fahrzeuge bauen. Beim Le Mans Rennen des Jahres 1966 schaffte es Ford bekanntlich und ließ Ferrari dann jahrelang hinter sich. Gewichts-Chamäleon Christian Bale musste für die Rolle in Le Mans 66 rund 30 Kilogramm verlieren, nachdem er zuvor für Vice – Der zweite Mann (2018) stark an Körpermasse zugelegt hatte – wir können bald Brando zu ihm sagen.


Der Film basiert auf der wahren Geschichte des visionären amerikanischen Sportwagenherstellers Carroll Shelby (Matt Damon) und des furchtlosen, in Großbritannien geborenen Rennfahrers Ken Miles (Christian Bale). Gemeinsam kämpfen sie gegen die Intervention ihres Auftraggebers, die Gesetze der Physik und ihre eigenen inneren Dämonen, um einen revolutionären Sportwagen für die Ford Motor Company zu bauen. Damit wollen sie die dominierenden Rennwagen von Enzo Ferrari beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1966 in Frankreich besiegen. Im Original heißt der Film schließlich auch Ford v Ferrari.


Das hätte eine schöne Erfolgs- und Siegerstory im Kino sein können. Ein wenig Patriotismus, ein bisschen amerikanisches Draufgegängertum und fertig wäre perfektes US-Popcorn-Kino. Doch Regisseur James Mangold hat viel mehr aus dem Film gemacht als ich erwartet, nein befürchtet habe. Er zeigte, wie schwer es aufrechte Typen haben und wie mächtig Lobbyismus und Intrigen sind.
Die Luft da oben ist dünn. Enzo Ferrari ist zwar ein durchtriebener Fuchs, doch Henry Ford II und sein gelecktes Management spielen noch falscher und sind die wirklichen Unsympathen. Ich empfang die Person von Il Commendatore Enzo Ferrari sehr gut in Szene gesetzt. Das war ein Firmenchef, der seine Wagen geliebt hatte, der mit Rennen verbunden war. Er lebte für seine Marke. Ferrari hatte den Respekt seiner Mannschaft, seiner Fahrer und seiner gegnerischen Fahrer. Das wird an einer kleinen Szene gegen Ende des Films deutlich als sich die Blicke von Enzo Ferrari und Ken Miles treffen. Es zeigt sich aber auch als sich il Drago über Henry Ford II lustig macht, weil der Automobilhersteller per Hubschrauber zum Essen fliegt, während die 24 Stunden von Le Mans laufen.
Im Jahre 1960 wurde Robert McNamara Präsident und Lee Iacocca Vizepräsident der Ford Motor Company. Henry Ford II bekleidete im Unternehmen die Posten des CEO und Aufsichtsratsvorsitzenden. Lee Iacocca wird interessant gezeichnet. Auf der einen Seite ist er Teil von Ford, aber der anderen Seite hat er Sympathie für die Rebellen Carroll Shelby und Ken Miles. Lee Iacocca schuf ja auch den Typ des Pony-Cars mit dem Ford Mustang.


Im Mittelpunkt steht das Rennen. Davon lebt schließlich ein Rennfilm. Packend, dramatisch, ein bisschen Cars von Pixar – so wird die Hölle von Le Mans gezeigt. Die Action ist so intensiv, dass es den Zuschauer in den Kinosessel drückt. Mit ähnlichem Druck überzeugt Carroll Shelby den Firmenchef Henry Ford II, in dem er in einen GT-40 packt und das Gaspedal durchdrückt. Hier war der einzige Moment in dem Henry Ford II sich erinnert, das er einen Automobilkonzern leitet. Mit Tränen in den Augen fleht er darum, dass sein Großvater Henry Ford ihn so sehen könnte. Sein fast 80-jähriger Großvater und Firmengründer Henry Ford war nicht von den Fähigkeiten seines Enkels überzeugt und übernahm noch einmal die offizielle Leitung seines Unternehmens, die er erst im September 1945 und nicht ganz freiwillig wieder abgab.
Der Film Le Mans 66 ist vielschichtig. Natürlich kommt er nicht an Le Mans von früher heran, aber er ist unbedingt sehenswert.
Aber richtig frustriert war ich nach dem Ende des Films, als die Credits über die Leinwand des Scalas in Fürstenfeldbruck gelaufen sind. Ich stieg nicht in einen unvernünftigen GT-40, sondern in meinen vernünftigen Lexus Hybrid und fuhr nach Hause.

 

Filmkritik: Halloween 2018

14. November 2018

Als Fan des fantastischen Films musste ich mir die Neuauflage des Halloween-Streifens unbedingt ansehen. Das Franchise hat ja gute und schlechte Teile der Geschichte um Michael Myers herausgebracht und um es vorweg zu sagen, Halloween 2018 ist einer von den besseren Versionen.

Besuch bei Michael Myers.

Besuch bei Michael Myers.

In der fast ausverkauften Spätvorstellung meines Lieblingskinos, dem Scala in Fürstenfeldbruck, Platz genommen, bereitete ich mich auf einen klassischen Slasher vor. Und den bekam ich auch serviert. Michael mit der Maske mordet sich durch den Film, ganz wie es zu erwarten war. Allerdings waren alle die Morde zwar ausgefallen, aber nicht überraschend. Die Momente des Schocks blieben aus. Blut floss reichlich und die Arten einen Menschen zu Tode zu bringen, wurden von Herrn Myers ausgekostet, aber ein Angstgefühl stellte sich mir bei diesem Horrorfilm nicht ein. Das heißt nicht, dass es ein schlechter Film geworden ist. Der Film macht Spaß, wenn ein Horrorstreifen überhaupt Spaß machen kann.
Es war im Grunde ein Treffen mit einem alten Bekannten. Michael Myers mordet seit Jahren, nein seit Jahrzehnten über die Kinoleinwand. Er begründete die Tradition des schwarzen Manns, wie später auch Freddy oder sein Kollege Jason. Teil um Teil müssen sie auferstehen und auf der Leinwand ihr vorhersehbares Unwesen treiben.
Was macht Halloween 2018 aber so besonders? Nun, es ist das vierte Mal, dass Jamie Lee Curtis, die Tochter von Tony Curtis und Janeth Leigh (das Duschopfer aus Hitchcocks Psycho) gegen Michael Myers antritt. Und Jamie Lee Curtis ist einfach wunderbar. Dieses Mal ist sie nicht die Screaming Queen alter Tage, sondern im Grunde eine Art Sarah Conner aus Terminator, die auf den Ausbruch von Michael Myers aus der Anstalt wartet. Laurie hat sich vorbereitet und stellt Michael eine Falle – mehr wird aber nicht verraten. Ich mag die gealterte Jamie Lee Curtis einfach gerne. Ich mochte sie im Original Halloween von John Carpenter, in der brutaleren Fortsetzung von 1981, in Halloween H20 (1998 – also vor 20 Jahren und 20 Jahre nach dem Original) und ich mag sie jetzt. Der Halloween von 2018 knüpft im übrigen an den ersten Teil der Serie von 1978 Halloween – Die Nacht des Grauens an. Das ist für Fans der Serie kein Problem, für den unbedarften Horrorfan schafft es vielleicht etwas Verwirrung.
Dieses Mal erfahren wir eigentlich wieder nichts über Michael Myers. Der Charakter bleibt im Dunkeln. Es ist einfach das Böse. Wenn ich ehrlich bin, dann haben mich die Terror-Filme Rob Zombie’s Halloween oder Halloween 2007 von Rob Zombie weiter gebracht. Diese beiden Filme sind brutalster Trash und ich hatte hier wirklich mal Angst, nicht wegen der Handlung, sondern wegen dem White Trash, dem Zombie auf den Leinwand brachte.
Was mich als Fan aber wirklich wieder erschauern ließ, war der Score. Endlich, endlich griff John Carpenter selbst mal wieder in die Tasten und steuerte den Soundtrack zu Halloween 2018 bei. Der letzte Soundtrack der Halloween-Reihe stammt von unterschätzten 1982 Film Halloween III: Season of the Witch.
Jetzt Carpenter ist Executive Producer, Creative Consultant und Soundtrack-Komponist in einem. Letzteres zusammen mit Cody Carpenter und Daniel Davies, seinen Mitstreitern auf seinen Soloalben. Der neue Soundtrack Halloween 2018 ist eine Hommage an die klassische Halloween-Partitur, die Carpenter 1978 komponierte und aufnahm, als er mit seinem Low-Budget-Film das Horrorkino veränderte. Der Score wurde dem Zeitgeist etwas angepasst, aber Fans werden zugreifen. Zwar hat die CD einen Pappschuber, aber das Booklet selbst ist bis auf ein Bildchen mehr als dünn. Und danke, dass es sich um den Score handelt und nicht um den Soundtrack mit den unnötigen Popsongs.

Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg im Kino

2. August 2017
Verachtet mir die Meister nicht!

Verachtet mir die Meister nicht!

Jahr für Jahr genieße ich Richard Wagner im Kino und live in Bayreuth. Da ich bisher nie in den Genuss von Premierenkarten gekommen bin, aber den göttlichen Richard Wagner zum Auftakt von Bayreuth nicht verpassen will, gehe ich zu Richard Wagner for the rest of us. Ich bin in mein Stammkino Scala Fürstenfeldbruck gepilgert und haben einen wunderbaren Abend erlebt, aber es wird wohl das letzte Mal gewesen sein. Warum? Ich habe gesehen, dass die Premiere der Meistersinger von Nürnberg dieses Jahr live ins Internet vom Bayerischen Rundfunk gestreamt wurde. Warum zahle ich 40 Euro pro Karte fürs Kino, wenn ich Wagner kostenlos im Netz schauen kann?

Der BR streamte ins Netz, warum also 40 Euro ausgeben?

Der BR streamte ins Netz, warum also 40 Euro ausgeben?

Ich hab es auch bequem zu hause per HD-Beamer und die Soundanlage rockt auch. Ich schaue mir die Meistersänger nächste Woche live am Grünen Hügel in Bayreuth an und werde es auch genießen. Aber Wagner im Kino hat sich für mich erledigt, wenn der Stream weiter ins Netz geht. Nächstes Jahr wird es zur Premiere eine Neuinszenierung des Lohengrins geben. Regie wird Yuval Sharon führen, die musikalische Leitung hat Christian Thielemans.

Ein Glas Sekt gab es zum Einstand.

Ein Glas Sekt gab es zum Einstand.

Aber ich will ein großes Lob für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Scala Fürstenfeldbruck aussprechen. Sie haben sich alle Mühe mit den Wagnerianern gegeben. In der Regel ist es bei uns im Kino ein älteres Publikum, die nicht so stark in Blockbuster gehen. Der Service im Kino war super. Zur Einstimmung gab es erst einmal ein Glas Sekt. Irgendwie erkannte die freundliche Mitarbeiterin, wer zu Wagner und wer zu den Minions geht, die parallel liefen. Gut, ein Blick auf die Klamotte hat in der Regel ausgereicht. Für Wagner putzte ich mich raus, für die Minions hätte ich eine Banane ins Kino mitgenommen.

Hier nochmal das Programm.

Hier nochmal das Programm.

Dann verteilte ein Mitarbeiter ein Programm, um was es in den Meistersinger überhaupt geht. Ich hatte die Handlung zuvor schon gelesen und besitze zahlreiche Aufnahmen der Meistersinger. Live hatte ich diese bedeutende Oper noch nie gesehen. Ich tu mir schwer mit den politischen Aussagen von Wagner, aber darauf wurde in dem Programm keine Aussagen gemacht. Die Inszenierung war locker, schon fast operettenhaft und am Ende des zweiten Aufzugs erstarrte ich. Da war wieder diese Judenfeindlichkeit und Anitsemitismus von Wagner, den ich so verabscheue.


Vor dem dritten Aufzug gab es eine lecker Häppchen-Platte im Kino. Das war genau die richtige Stärkung vor dem langen dritten Akt mit seinem Höhepunkt „Verachtet mir die Meister nicht!“ Die Kunstdebatte war bei mir wieder entbrannt und da ich da auch für das Handwerk mit seinen Innungen arbeite, saß der Stoß von Richard Wagner genau richtig. Was kümmern mich Regeln?

Meiner Frau und mir hat es prima gefallen.

Meiner Frau und mir hat es prima gefallen.

 

Gut ausgerüstet für den ersten Aufzug - ich bin so ein Banause.

Gut ausgerüstet für den ersten Aufzug – ich bin so ein Banause.

Warum allerdings der Stream im Kino um 18 Uhr startete, während die Premiere in Bayreuth um 16 Uhr losging, konnte mir im Kino keiner beantworten. Ich hatte zumindest zu Beginn die dritten Aufzugs die Möglichkeit gehabt, erste Kritiken und Blogposts im Netz zu lesen.
Ach ja: Wunderbar frech war wieder einmal Axel Brüggemann, manches Mal für meinen Geschmack sogar zu frech. Am besten fand ich sein Interview mit Katharina Wagner vor dem Klo in Festspielhaus. Über Hochkultur reden vor dem WC-Eingang – das hat was. Da habe ich lauthals im Kino losgelacht – so einen Humor (hoffentlich beabsichtigt) hätte ich der Wagner-Truppe nicht zugetraut.

Interview vor dem Klo - gut gelacht bei Wagner.

Interview vor dem Klo – gut gelacht bei Wagner.