Posts Tagged ‘Digitalisierung’

Wirtschaftliche Veränderungen durch Corona – wie sieht bei euch aus?

3. Januar 2021

Die Corona-Krise hat einschneidende Veränderungen im Leben zur Folge. Ich meine nicht nur die massiven Versäumnisse bei der Digitalisierung der Bildung, sondern vor allem die schleppende Digitalisierung des Mittelstands. Durch Festhalten an alten Strukturen wird das Lebenswerk ganzer Unternehmerfamilie vernichtet.

Appelle alleine reichen nicht, es muss schon ein digitalisiertes Angebot vorhanden sein.

Die COVID-19-Pandemie stellt die Kundenbeziehungen der deutschen Unternehmen derzeit auf eine harte Probe. Dies ist das Ergebnis einer Entscheider-Umfrage, die das Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag von Adobe durchgeführt hat. Ich präsentiere mal die Studie und bitte jeden Unternehmer (auch ich bin ein solcher) persönliche Rückschlüsse für sein Geschäft zu ziehen. Für mich steht fest: Auch wenn wir Corona besiegen werden, lässt sich die Zeit nicht mehr vor März 2020 zurückdrehen. Kunden haben gelernt, die Digitalisierung zu nutzen und werden beispielsweise online Einkaufen beibehalten. Da helfen auch keine Forderungen nach Paketsteuern für Internetbestellungen, wie sie von manchen Politikern alten Denkens gefordert wird.

63 Prozent der befragten Unternehmen arbeiten demnach intensiv daran, ihre Konsumentenansprache und Produktkommunikation auf die veränderten Verhaltensweisen und Anforderungen ihrer Kunden einzustellen. 40 Prozent der befragten Unternehmen sehen diese Veränderungen dabei als dauerhaft an und erwarten, dass sie auch nach Abklingen der Pandemie Bestand haben werden.

Handel in der Pandemie

Wie wichtig digitale Technologien in den vergangenen sechs Monaten für die Beziehung von Marken und Konsumenten geworden sind, zeigt ihre fortschreitende Nutzung in deutschen Unternehmen. Vieles deutet auf eine neue Ära der Erlebnisse hin, in der sich Marken neu orientieren, umdenken und Customer Experience aus einer anderen Perspektive betrachten müssen. Insbesondere in den Bereichen E-Commerce, personalisierte Services und Kommunikation haben sich diese Veränderungen manifestiert. Regelmäßig erhalten ich von meinen Geschäften Mailings mit der Erinnerung wieder Kaffee oder ähnliches zu erwerben. Manches nervt, aber wenn die Mailings intelligent und gut gemacht sind, ist es eine Bereicherung für mich.

Wer den Wandel annimmt, hat die Nase vorn
Die gute Nachricht: Bei vielen Unternehmen sind schon heute erhebliche Fortschritte bei der Nutzung entsprechender Technologien festzustellen. Mehr als jedes vierte befragte Unternehmen (27 Prozent) gibt an, dass sich die Online-Kommunikation mit den Kunden bereits verbessert hat. 22 Prozent der befragten Unternehmen haben die Möglichkeit zur Personalisierung ihrer Services mit Hilfe von Kundendaten ausgebaut. Jedes fünfte befragte Unternehmen (20 Prozent) hat zudem einige Services online gestellt und dafür positives Feedback von Kunden erhalten.

Ein sehr gutes Beispiel von Offline- und Online-Kommunikation habe ich bei den Tierfreunden Brucker Land gesehen. Nun, das ist kein Unternehmen, sondern ein Tierheim mit sehr engagierten und innovativen ehrenamtlichen Kräften. Es gibt im örtlichen Supermarkt Spenderboxen für Tierfutter, aber auch Online-Amazon-Wunschlisten bei denen Tierfreunde bestellen und in die Tierauffangstation liefern lassen könne.

Diese Unternehmen sehen auch Verbesserungen in ihrer Arbeitsweise: Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen (32 Prozent) sind davon überzeugt, dass sich die Remote-Arbeit verbessert. Bei 28 Prozent der befragten Unternehmen hat sich auch die interne Kommunikation weiterentwickelt. Schon bei Microsoft habe ich nach dem Umzug in die Parkstadt Schwabing festgestellt, dass auf HomeOffice gesetzt wird. Im Gebäude gibt es weniger Arbeitsplätze als Mitarbeiter im Unternehmen. Corona hat HomeOffice verstärkt. Leider kenne ich aber auch Unternehmer und Führungskräfte für die gilt: Gearbeitet wird nur dann, wenn man auch im Büro sitzt. Ich hatte mal einen Chef, der ist jeden Morgen durch die Büros gegangen und hat meine meine Mitarbeiter per Handschlag begrüßt. Meine Mitarbeiter schätzten dies, aber ich bekam heiße Ohren, wenn der eine oder andere Mitarbeiter nicht am Platz war. HomeOffice braucht Vertrauen und wenn ich kein Vertrauen in meine Mitarbeiter habe oder die falschen Mitarbeiter habe, dann gibt es ein Problem.

Während viele Marken in Deutschland umfassende Veränderungen vornehmen, um ihre Kunden besser erreichen zu können, geben fast vier von zehn der befragten Marken (37 Prozent) an, dass sie im Zuge der Pandemie keine Veränderungen vorgenommen haben, wie sie ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten. Darüber hinaus haben 28 Prozent der befragten Unternehmen über einen Rückgang der Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen berichtet. Dies deutet darauf hin, dass es noch viel Raum für Verbesserungen gibt. Unternehmen aller Größenordnungen sollten sich daher auch in den nächsten Monaten weiter mit den unterschiedlichen Möglichkeiten der internen Zusammenarbeit und der Kommunikation mit ihren Kunden auseinandersetzen.

Mein persönlicher Jahresrückblick 2020

31. Dezember 2020

Ich denke, ich muss nichts mehr schreiben: 2020 war ein Desaster, privat und geschäftlich. Und trotz der schlechten Situation gab es bei mir Weichenstellungen in eine hoffentlich optimistischere Zukunft.
Der drastische Einschnitt des Jahres war der Tod meines Vaters am 8. Mai. Er starb nicht an Corona. Zusammen mit meiner Frau war ich in der Stunde seines Todes im Krankenhaus an seinem Bett mit dabei. Um 4.11 Uhr verstarb er. Die Erinnerungen kommen immer wieder hoch. Er fehlt uns allen sehr und sein Tod hat mein Jahr geprägt. Seine Beerdigung fand unter strengen Corona-Auflagen im ersten Lockdown mit wenigen Trauergästen statt.

Bloggen aus dem Dorf im Lockdown
In der Phase des ersten Lockdowns ging ich mit meinem Blog redaktion42 auf die sublokale Ebene. An 45 Tagen berichtete ich aufeinanderfolgend über mein Dorf in dem ich wohne und wie die Bewohner mit Corona umgingen. Ich machte das, was ich einstmals gelernt hatte: Klassischen Tageszeitungsjournalismus im Blogformat mit Texte, Fotos und Videos. Die Resonanz war überwältigend. Jeden Tag um 7 Uhr stellte ich einen neuen Blogpost online. Verbreitet wurde er auch über die örtliche Facebookgruppe mit rund 2000 Mitgliedern. Es war ein riesiger Erfolg: Die Zugriffe explodierten und ich wurde beim Einkaufen, beim Bäcker, beim Tanken und beim Spazierengehen auf den Blog angesprochen. Ich werde aus den Posts noch ein eBook machen und es kostenlos zum Herunterladen anbieten, quasi eine Zweitverwertung. Mein Vorhaben war, Corona aus der Sicht einer kleinen Gemeinde westlich von München darzustellen und ich wollte auch ein bisschen die örtlichen Lokalzeitungen ärgern. Ich wollte ihnen zeigen, was Blogs im Lokalen ausrichten können. Als der Blog richtig Fahrt aufgenommen hat, verstarb mein Vater und ich hatte erst mal den Nachlass zu ordnen.

Mein Eindruck war: Im ersten Lockdown zogen wir alle an einem Strang, waren rücksichtsvoll und ausgeglichen. Im zweiten Lockdown ist meines Erachtens nicht soviel davon geblieben. Egoismus ist allerorts anzutreffen. Mal sehen, vielleicht nehme ich den sublokalen Blog im dritten Lockdown wieder auf, der wohl kommen wird.

Neue Geschäftsmodelle gefragt
Mit Corona brach ein Teil meines Geschäftsmodells zusammen. Ich war bis Corona dreimal die Woche in Deutschland an Schulen mit dem Thema Medienkompetenz unterwegs. Hinzu kamen Wochenend-Seminare und Abendveranstaltungen in Bayern. Das alles brach weg. Eigentlich wollte ich im Sommer das zehnjährige Bestehen meines Unternehmens redaktion42 mit einer fetten Party feiern. Daraus wurde nichts.

Ich packte im März meine Reisekoffer aus und hängte alles in den Schrank. Soforthilfe oder ähnliches gab es für mich nicht. Neidvoll schau ich auf Lufthansa, Automobilindustrie oder die Tourismus-Industrie.
Wie heißt es, in der Krise liegt die Chance. Ich tastete mich mit Online-Schulungen vor. Ein guter Kunde, die Hanns-Seidel-Stiftung, entpuppte sich als agiler Bildungsanbieter und ließ ihren festangestellten Referenten freie Hand. So entwarfen wir Woche für Woche neue Konzepte für Seminarmodelle, probierten Software wie Zoom, GotoWebinar oder Jitsi aus. Ich eignete mir eine digitale Didaktik an, investierte größere Summen in Studiotechnik wie Kameras, Greenscreen, Videomischer, Beleuchtung, Mikros und mehr. Höhepunkt war sicher ein Zwei-Tages-Streaming aus dem Wohnzimmer zur US-Wahl.

Experimente mit Greenscreen.

Ich wurde gebucht und durfte einige Bildungsanbieter in Bezug auf Online-Schulungen schulen. Leider gibt es noch zuviele schlechte Webinare da draußen, Webcam und PowerPoint reichen nicht. Die finanziellen Verluste der Präsensseminare wurden natürlich nicht durch die Einnahmen der Online-Schulungen aufgefangen, aber ich kam mit einem blauen Auge davon. Es ist klar: Der Weg der Digitalisierung lässt sich nicht mehr zurückdrehen und das ist gut so.

Neues Hobby und neuer Blog
Durch Corona hatte ich mehr Zeit. Während andere Leute diese Zeit nutzten und neue Sprachen lernten oder Netflix leer schauten, entdeckte ich für mich ein neues Hobby: Golfen

Zusammen mit meiner Frau und K2 machten wir einen Platzreifekurs auf der Golfanlage in Rottbach. Ich habe im Golfen eine neue Art der Freizeitbeschäftigung gefunden: Es ist enorm anstrengend, ich bin an der frischen Luft und es kostet gewaltige Konzentration. Es ist eine Symbiose aus mentaler und körperlicher Beanspruchung, die es in sich hat. Ich war fast jeden Tag auf dem Golfplatz und ich rief meinen Golfblog Golffieber42 ins Leben, der sich gut entwickelt. Golf ist ein prima Hobby für mich, trotz den doofen Sprüchen aus dem Bekanntenkreis.

Und ich entdeckte das Fahrradfahren (wieder). Da Reisen dieses Jahr 2020 nicht möglich waren, machten wir Urlaub zu Hause im Garten (oder auf dem Golfplatz). Genau rechtzeitig wurde bei uns ein neuer, sehr schöner Radweg mit Namen Räuber-Kneißl eröffnet.

Familie gefestigt
Durch Corona hat sich unser Familienleben verändert. Die Gattin war und ist durch ihren Job voll eingespannt und kommt kaum zum Durchschnaufen. Sie kann ins Büro radeln oder zu Fuß laufen und ist dort die meiste Zeit am Telefon, in virtuellen Konferenzen oder beantwortet Mails und ich unterstütze meine Frau wo ich nur konnte. Zusammen stellten wir eine geniale Aktion auf die Beine.

Das Internet lief zu Hause heiß: Die Kinder hatten Teams-Konferenzen, versuchten mit Mebis zu arbeiten, um Home-Schooling zu bewerkstelligen. Insgesamt ist es eine Schande, wenn ich die Digitalisierung in der Schule sehe. Und es ist eine noch größere Schande, weil ich mit diesem Thema seit Jahren an den Schulen unterwegs bin und vertröstet werde.

Auf jeden Fall kochten wir täglich alle zusammen und verbrachten viel Zeit miteinander. Da wir uns an die Kontaktbeschränkungen hielten, bekamen wir kaum Besuch. Mit meiner Mutter konferierte die Familie via FaceTime. Ich bin dankbar, dass meine Mutter mein abgeschriebenes iPad verwenden kann und es auch nutzt. Digitalisierung ist auch für die ältere Generation kein Fremdwort.

Mitte Parsifal und rechts Atari – ganz links bin ich.

Im Sommer verstarb ein geliebtes Haustier: Sinatra unser alter treuer Wellensittich. Nun ist Dr. Watson alleine und steht mit seinem Käfig bei uns im Wohnzimmer und piept in jeder familiären Unterhaltung mit. Die Familienkonferenz entschied, dass kein weiterer Sittich angeschafft wird, dafür aber zwei junge Kater. Wir bekamen sie von der vorbildlichen Tierauffangstation in Maisach. Die beiden Kater hießen dort Rocky und Mailo, aber wir taufen die Herrschaften um in Parsifal und Atari um. Egal welchen Namen die tragen, so richtig folgen sie auf keinen. Meine Frau wurde zugegebenermaßen bei der Namensvergabe etwas überrumpelt. Parsifal kommt von Richard Wagners letzter Oper und Atari von meiner ersten Videospielkonsole Atari 2600. Seitdem toben die Herrschaften in der Hütte und wir haben die neuen Rabauken lieben gelernt. Die Entscheidung für Parsifal und Atari war eine richtige Wahl zum Wohle aller.

Riga samt Heinz Erhardt
Eigentlich war ich beruflich viel auf Achse, aber aufgrund Corona kam alles zum Erliegen. Zusammen mit meiner Frau machte ich zu Jahresbeginn eine einwöchige Reise nach Riga, der Hauptstadt Lettland. Ich hab von dort ausführlich gebloggt und ich habe es vor allem genossen. Ich war früher schon mal in der Stadt und konnte meiner Frau ein bisschen was zeigen. Organisiert hat die Reise eine Freundin und Arbeitskollegin und eigentlich wollten wir 2021 wieder mit ihr ins Baltikum. Daraus wird zumindest 2021 nichts, aber ich zehre von der Riga-Fahrt noch immer mit vielen Erinnerungen und Eindrücken. Und ich habe Heinz Erhardt wieder für mich entdeckt, der in Riga aufwuchs.

John Williams – mein einziges Konzert
Und der musikalische Höhepunkt des ganzen Jahres und darüber hinaus war das Weihnachtsgeschenk 2019 meiner Frau: Ich bekam eine Karte für das John Williams Konzert im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Ich war so gerührt, dass wir noch für die ganze Familie Karten besorgten. Finanziell war es schon ambitioniert, aber wir alle genossen Wien und den wichtigsten lebenden Filmkomponisten, der mit den Wiener Philharmonikern und Anne-Sophie Mutter spielte.

Ich kann nur sagen: Es war mir eine Ehre bei so einem Ereignis dabei zu sein. Die ganze Familie war total aus dem Häuschen. Es war zudem das erste Konzert, bei dem ich dabei war, was auch als CD und Bluray herauskam – ich bin im Film sogar mal zu sehen, kurz, aber immerhin. Für 2020 hatte ich noch weitere Konzertkarten zu Elton John und Yes, aber die musikalischen Ereignisse wurden erst mal verschoben. Ich hoffe, dass wir die Künstler noch mal sehen können und wir nicht auf den teuren Tickets sitzen bleiben.

Vinyl lebt
Also bleibt nichts anderes übrig, als Musik von der Konserve oder via Stream zu hören. Ich machte mir dafür selbst ein Geschenk. Seit Jahren spielte ich mit dem Gedanken mir wieder einen Schallplattenspieler anzuschaffen. Ich hab zwar Modelle von Dual und Technics, aber ich als Retro-Liebhaber wollte ich mir eine besondere Freude machen: Einen Braun PT4 in weiß.

Und ein neuer Player will neues Futter haben. Zum Glück erschien der Gesamtkatalog von Kraftwerk in farbigen Vinyl. Und ich höre auf dem Schallplattenspieler meist abends bei einem Glas Rotwein Jazz-Platten und lasse mich treiben.


Meist lese ich in einem Filmbuch um abzuschalten, aber wirklich gefesselt hat mich 2020 wieder und wieder die Geschichte „die Maske des Roten Todes“ von meinem Lieblingsautor Edgar Allan Poe, die da endet: „And Darkness and Decay and the Red Death held illimitable dominion over all“. („Und unbeschränkt herrschte über alles mit Finsternis und Verwesung der Rote Tod.“) Mehr gibt es über 2020 nicht zu schreiben.

Ich wünsche euch einen guten Rutsch und bleibt gesund.

Zwei Tage Streaming aus dem Wohnzimmer zur US-Wahl

5. November 2020
Zusammen mit Erich Kornberger von der HSS führte ich ein Streaming-Seminar zur US-Wahl durch.

Eigentlich hätte es ein ganz normales Seminar über die US-Wahl werden sollen, doch Corona machte mir einen Strich durch die Rechnung. Das Präsenzseminar fiel aus, dafür zogen wir eine zweitägige Streaming-Veranstaltung auf. Und was soll ich sagen: Das war ein voller Erfolg.

Die Schicksalswahl in den USA, so hieß der Seminartitel und zusammen mit einem Kollegen stellte ich ein Seminarprogramm für meinen Kunden Hanns-Seidel-Stiftung auf die Beine, das sich sehen lassen konnte. Mehrere Referenten wurden aus den USA, Berlin, Nürnberg und Garmisch zugeschaltet. Als Konferenzsoftware wählten wir Zoom. Am Wahltag waren von 15 bis 0 Uhr rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei, am darauffolgenden Tag waren es noch 35, die den Vorträgen, Interviews, Analysen und Gesprächen lauschten und sich via Chat aktiv beteiligten.

Doris Ortlieb betreute im Hintergrund den Chat. Blickkontakt war wichtig, um sofort auf Fragen zu reagieren.

Aus Platzgründen baute ich mein Streaming-Studio im Wohnzimmer auf, nachdem es in meinem Arbeitszimmer zu beengt gewesen war. Greenscreen, zwei Softboxen und ein Ringlicht baute ich ebenso auf, wie eine 4K-Kamera Logitech Brio sowie aufgrund von Corona mehrere Stehpulte wegen des Abstands. Regelmäßiges Lüften war immer gewährleistet. Hier ein Zeitraffervideo vom Aufbau:

Mein Auftraggeber Erich Kornberger von der HSS kam in mein improvisiertes Heimstudio und überzeugte sich von der digitalen Seminaridee.

Zusammen mit meinem Co-Referenten und der Moderatorin Doris Ortlieb entwickelten wir im Vorfeld ein abwechslungsreiches Seminarprogramm. Es war didaktisch aufgebaut und wechselte zwischen klassischen Vorträgen, Interviews und lockeren Talks. Dazwischen gab es in regelmäßigen Abständen Newsflash-Einschübe, wo wir direkt auf die dpa und US-Medien wie die Analysen hinter der Paywall der New York Times und Washington Post sowie Politico, C-Span und CNN zugriffen und sie den Zuschauerinnen und Zuschauern erläuterten. Wir hatten einen festen Zeitplan aufgebaut, den es strikt einzuhalten galt. Die Studiouhr Divoom Pixoo immer im Blick war ich Moderator, Referent, Talkmaster, Anchorman und Producer zugleich. Es war ein bisschen wie Fernsehen.

Engagiert: Politikwissenschaftler Dr. Charles Weston

Nach der Vorstellung der Kandidatenteams Trump/Pence und Biden/Harris kam die erste Schalte zum Politikwissenschaftler Dr. Charles Weston. Der US-Amerikaner lebt seit langem in Deutschland und beschrieb das für Deutsche ungewohnte US-Wahlsystem mit seinen Wahlmännern. Nicht derjenige Kandidat, der die meisten Stimmen hat, ist der Gewinner, sondern derjenige, der die meisten Wahlmänner hinter sich vereinigt.
Mit deutlichen Worten ging Dr. Josef Braml, renommierter Politikwissenschaftler und US-Experte aus Potsdam, auf die politische Bilanz der vier Jahre Trump-Präsidentschaft ein. Deutschland müsse sich entscheiden, ob man bei den USA oder bei China stehe, egal wie die Wahl ausgeht.

US-Experte Dr. Josef Braml – wie immer provokant und engagiert.

Über das Phänomen Briefwahl referierte ich und schalteten wir in die USA zu Christian Forstner, dem Büroleiter Washington der HSS. Er war gegenüber dem Washington Monument und berichtete live von seinen Eindrücken aus dem US-Wahlkampf. Sehr authentisch und lebhaft stellte er die Arbeit der politischen Stiftung in den USA vor. Ich überbrückte eine halbe Stunde mit politischen Karikaturen über Trump bis Christian Forstner zum Weißen Haus gefahren war. Vor dem abgesicherten Regierungssitz ging er live für uns wieder auf Sendung und schilderte uns seine Eindrücke.

Über die Black Lives Matter-Bewegung und das Geschäftsmodell US-Gefängnis referierte mein Kollege aus Nürnberg und brachte immer wieder per Newsflash aktuelle Zahlen aus der Wahl.

Martin Stein aus Seattle zeigte uns den Wahlschein.

Mein ehemaliger Chefredakteurskollege der MACup und heutige Führungskraft beim KI-Dienstleister definedcrowd Martin Stein berichtete aus Seattle über den Wahlprozess. Martin hat seit zwei Jahren auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und konnte 2020 das erste Mal einen US-Präsidenten wählen.

Ein Würzburger in NYC: Oli Grieb von Olidaytours.

Den Abschluss des ersten Seminarabends machte der New Yorker-Tourguide Oli Grieb. Der gebürtige Würzburger arbeitet mit Olidaytours als Touristenführer in der Stadt, die niemals schläft. Er erzählte uns von seinem heutigen Besuch in New York. Dort wurden Nobelgeschäfte mit Spanplatten aus Sorge vor Randale verbarrikadiert. Oli stellte uns einige Fotos zur Verfügung. Vielen Dank.

Um 0 Uhr war dann Schluss mit unserer Zoom-Übertragung des ersten Tages. Die Technik lief reibungslos, das Netz war stabil. Der Abend endete mit einem Umtrunk und die Anspannung löste sich.

Am Mittwochmorgen ging es um 8 Uhr via Zoom gleich wieder weiter. Das Team hinter und vor der Kamera war gleich, allerdings mit starkem Kaffee nach einer kurzen Nacht ausgerüstet. Nach aktuellen Zahlen gab ich ein paar subjektive Buchtipps zu Trump und stellte die Bücher Zu viel und nie genug von Trumps Nichte Mary L. Trump, die Bücher Wut und Furcht von Reporterlegende Bob Woodward und Feuer und Zorn von Westwing-Insider Michael Wolff vor. Wer sich üble schmutzige Tricks antun will, dem empfahl ich das Buch Die Wahl des Präsidenten: von Dreckschleuder Roger Stone. Tags zuvor verwies ich auch auf die Analyse von André Haller aus den politischen Studien der HSS.

Die Vorträge wurden durch Newsflash-Einblendungen ergänzt.

Christian Forstner meldete sich aus seinem Washingtoner Homeoffíce – für ihn war es 2 Uhr nachts. Die Politikwissenschaftler Dr. Charles Weston und Dr. Josef Braml arbeiteten die neuesten Ergebnisse auf. Alle wiesen auf das gute Abschneiden von Trump hin. Die Wahlprognosen im Vorfeld stimmten auch 2020 nicht. Wie immer bleibt das amerikanische Wahlsystem mit dem Electoral College ein großer Unsicherheitsfaktor in den Prognosen. Die Kandidaten Trump und Biden lieferten sich ein Kopf an Kopf Rennen.

HSS-Vorsitzender Dr. Markus Ferber schaltete sich aus Berlin zu.

Eine besondere Ehre wurde dem Seminar zuteil, als sich der HSS-Vorsitzende und Europaabgeordnete Dr. Markus Ferber aus Berlin via Zoom dazuschaltete. Die HSS werde die Digitalisierung der politischen Bildung aktiv gestalten.

Das Streaming-Seminar zur US-Wahl hat prima geklappt. Hier bin ich im Gespräch mit dem Europaparlamentarier und HSS-Chef Markus Ferber.

Dieses digitale Seminar zur US-Wahl, das spontan aus der Not entstanden war, ist ein Beispiel für diesen Weg. Zugegeben, wir waren stolz über das Lob des Vorsitzenden und auch über die Glückwünsche der Seminarteilnehmer im Chat. Das sind neue Wege der politischen Bildung und ich bin dankbar, dass ich diesen Weg als Referent und Ideengeber mitgehen darf.


Filmkritik: Xaver und sein außerirdischer Freund

16. August 2020

Xaver im Autokino.

Xaver im Autokino.

Als John Carpenter sich Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum ansah, hatte er sich so geärgert, dass er seinen Film Dark Star drehen musste. Dark Star wurde Kult. Ähnlich muss es Werner Possardt ergangen sein, als er sich die Steven Spielberg-Filme E.T. Der Außerirdische und Unheimliche Begegnung der Dritten Art angesehen hatte. Er drehte seinen Film Xaver und sein außerirdischer Freund, der in Bayerisch-Schwaben zum Kultfilm avancierte.
Zusammen mit meiner Frau gewann ich bei Radio Schwaben in einer Facebook-Verlosung Karten eben für diesen Xaver und sein außerirdischer Freund, der im Rahmen des Messeflimmern im Autokino an der Messe Augsburg lief. Da meine Frau aus den Stauden in Bayerisch-Schwaben stammt und der Film u.a. in Mittelneufnach gedreht wurde, wollte sie die alte Heimat auf großer Leinwand sehen. Und ich gehe mit meiner Frau überall hin, sogar zu Xaver.

Nun, der Film macht es einem nicht leicht. Es ist eine Art bayerischer Heimatfilm auf unterem Trash-Niveau, gefördert von der Filmförderung Nordrhein-Westfalen. Aber ich kann dennoch verstehen, dass dieser Klamauk um einen Außerirdischen sein Publikum findet. Besser wäre es, wenn man alkoholische Getränke vor dem Filmbesuch reichlich konsumiert, um das Gesehene besser verarbeiten zu können. Aber Alkohol im Autokino geht gar nicht und so ertrug ich den Film bei Mineralwasser.
Die Handlung von Xaver ist schnell erzählt. Ein Außerirdischer macht eine Bruchlandung in Oberbayern und wird vom Dorftrottel Xaver aufgelesen, der ihm gleich den Namen Alois verpasst. Xaver wird unschuldig verdächtig, eine Diskothek in Brand gesetzt zu haben und wird im Laufe des Films vom White-Trash des Dorfes verfolgt. Mit Hilfe der Dorfschönheit Anni mischen Xaver und Alois das Dorf, ein Feuerwehrfest und das dazugehörige Bierzelt auf, vor allem nachdem Alois seine Liebe zum bayerischen Bier entdeckte. Alois lernt während der Verfolgungsjagd die wesentlichen Kraftausdrücke der bayerischen Sprache. Am Ende wird das Raumschiff repariert, die wirklichen Feuerteufel landen im Knast. Xaver und Anni besteigen das außerirdische Raumschiff wie einst Roy Neary in Unheimliche Begegnung. Wie bei E.T. hebt das Raumschiff zu den Sternen ab, nicht ohne ausführlich Spielberg zu zitieren. Auf dem Heimatplaneten von Alois wird dann zünftig weitergezecht.
Natürlich konnte Werner Possardt nicht mit den VFX von Spielberg konkurrieren und so improvisierte er wie einst Carpenter. Das Raumschiff wurde aus einer BMW Isetta gebaut. Seit Ende der 1980er Jahre steht es auf dem Dach des Gasthofs Kreuz in Pfaffenhausen.

Isetta als Raumschiff.

Isetta als Raumschiff.

Obwohl die Geschichte in Oberbayern spielt, wurde in den Stauden in Bayerisch-Schwaben gedreht. Das Bierzelt stand in Mittelneufnach und sogar der damals amtierende Ortsbürgermeister darf eine Rolle spielen. Die (abgebrannte) Diskothek war das Weiße Rössl in Untermeitingen. In der Lehmgrube in Forsthofen wurde die Schlussszene auf Alois Heimatplaneten gedreht und der Biergarten in Kloster Oberschönenfeld kam auch vor.

Xaver und sein außerirdischer Freund

Xaver und sein außerirdischer Freund

Xaver-Festspiele
Den Science-Fiction-Film von 1986 als Randerscheinung abzutun, damit tut man Werner Possardt unrecht. Possardt, der beim Tsunami in Thailand 2004 verstarb, kannte sich im Filmgeschäft aus und war ein Profi. Xaver war bewusst als Heimatfilm konzipiert und der Film hat sein Publikum. Aufgrund des Filmerfolgs wurden 2001 in Gessertshausen und 2005 in Mittelneufnach die sogenannten „Xaver-Feste“ durchgeführt – wahrscheinlich wurde auch das eine oder andere Bier dabei konsumiert. Es gibt sogar eine Fan-Seite im Netz zu Xaver.
Interessant ist aber die Sprache in dem Film. Das Bayerisch wird vereinfacht. Mit wenigen (Kraft-)Ausdrücken kommt man auch als Außerirdischer in Bayern durchs Leben. Alois gewinnt sogar einen Biertrinkwettwerb beim Feuerwehrfest. Und der Regisseur hat immer wieder kleine Bonbons in Xaver eingestreut. So wurde gleich zu Beginn Russ Meyer zitiert, als Xaver an den „Dingern“ der Dorfschönheit Maria (Ayse Ercyn) herumfingern durfte. Die Verfolgungsjagd mit Enduro-Bikes erinnert stark an George Miller. Und als gegen Ende noch James Whale ins Spiel kommt, als die Bürgerwehr den Wald durchkämmt, habe ich in meinem Auto gelacht. Und danke dafür, dass Haindling die Musik machen durfte.

Russ Meyer lässt grüßen.

Russ Meyer lässt grüßen.

Werner Possardt wurde in Schwabmünchen geboren und hat dem Volk aufs Maul geschaut. Erschreckend ist aber das Menschenbild, das im Film vermittelt wird. Die Frauen des Dorfes werden von ihren Vätern gezüchtigt. Gewalt als herrschendes Mittel in der Familie und Erziehungsmethode. Wenn die Frau aufbegehrt, dann muss sie geschlagen werden – so einfach ist das. Wenn es aber Sonntag ist, dann laufen alle brav in die Kirche, um bigott zu beten und zu singen. Die Feuerteufel wenden zur Einschüchterung den Schwedentrunk mit Gülle an, um Xaver zum Schweigen zu bringen. Brutalität, Starrköpfigkeit und Engstirnigkeit auf dem Land – widerlich.
Vielleicht ist das alles zu viel Theorie. Vielleicht ist Xaver und sein außerirdischer Freund auch nur ein niveauloser Film, den es wirklich nicht braucht.

Bitte eine Autokino-App im 21. Jahrhundert
Ich war seit der Deutschland-Premiere von Cars nicht mehr in einem Autokino. Dank Radio Schwaben und Corona kam ich mal wieder in den Genuss. Danke an den Radiosender für die Karten. Das Hygienekonzept war vorhanden. Der Ton des Films wurde via UKW ins Auto übertragen. Leider konnte ich den Sound nicht via Handy-Radio-App abgreifen und auf meine mitgebrachten Wonderboom von Ultimate Ears per Bluetooth übertragen. Ich musste den Ton via Autoradio einfangen, was die Autobatterie angreift. Unser Hybrid-Lexus startete nach einer Stunde seinen Motor, um die Batterie zu schonen. Wenn Corona weitergeht (so sieht es auf jeden Fall aus) und Autokinos wieder in Mode kommen sollten, dann brauchen Autokinos ganz dringend eine App-Lösung fürs Smartphone.

Digitalministerium Judith Gerlach, das wäre doch mal eine Idee. Und ich will nicht erneut über 20 Jahre warten, damit ich wieder ein Autokino besuchen kann. Digitalisierung wäre auch hier dringend an der Tagesordnung.

Update: Radio Schwaben hat mir zu meiner Anregung wegen der Autokino-App folgendes geschrieben: Zur App: aufgrund der Latenz ist diese Lösung im Moment technisch nicht machbar. Leider haben Geräte unterschiedliche Latenzen und deshalb lässt sich das Bild auch leider nicht verzögern.

Corona-Virus: Tag 45 der Ausgangsbeschränkung – Krise als Chance nutzen

5. Mai 2020

Kleine Läden setzen auf Online-Shops.

Kleine Läden setzen auf Online-Shops.

Am liebsten wollen einige die Corona-Krise vergessen und schnell hinter sich bringen. Am besten so weitermachen, wie vor dem Start von Corona und Ausgangsbeschränkung gelebt und gewirtschaftet wurde. Ich denke, ein weiter so wird es in vielen Bereichen nicht geben. Corona hat die Schwachpunkte der Digitalisierung in unserer Gemeinde Maisach eklatant aufgedeckt. Und in der Krise liegt jetzt eine Chance.
Viele Einzelhändler und Gaststätten hatten keine aktuelle Website nach dem Motto, so was brauchen wir nicht, denn unser Geschäft ist die Laufkundschaft. Doch wie soll der Kunde wissen, was man im Angebot hat? Ein paar Posts in Facebook und vor allem Facebook-Gruppen – das war es dann auch schon mit dem digitalen Kommunikationskonzept.

Mein Gefühl bei meinen Gesprächen war, dass Digitalisierung was unangenehmes ist. Die Zeit sollte zurückgedreht werden. Dabei sehen wir doch, was gerade möglich ist. Vereine machen ihr Vorstandssitzungen virtuell, die Chöre wie die Fridolinspatzen oder der Maisacher Kirchchor proben via Videokonferenzsoftware. Alles Sachen, die vor Corona völlig unmöglich gewesen werden. Homeschooling läuft je nach technischer Ausstattung und Engagement. Ergreifen wir die Chance bei uns im Dorf. Es geht nicht mehr um Schwarz oder Weiß. Wir werden diese unnötige Diskussion nicht mehr führen. „Wir werden das Digitale zu schätzen wissen und es bewusster nutzen, um unser analoges Leben besser zu machen.“

Damit beende ich nach 45 Teilen meine Serie zum Thema Corona und Ausgangsbeschränkung in Maisach. Ich hoffe, der Blog hat Spaß gemacht und Inspiration gebracht. Danke an alle, die mich unterstützt und mitgemacht haben.

 

Corona-Virus: Tag 42 der Ausgangsbeschränkung – Homeschooling belastet das Familienleben

2. Mai 2020

Corona bedeutet nicht nur für Schüler und Lehrer den Ausnahmezustand. Nein, auch die Eltern sind im Homeschooling gefordert. Neben dem Beruf, den sie im HomeOffice ausüben, fallen eine Betreuung der Kinder sowie andere Haushaltsabläufe an. „Das geht ganz schön an die Substanz“, wie die Maisacherin Dr. Larissa Tetsch zugibt.
Zusammen mit ihrem Mann hat sie drei Kinder im Grundschulalter: Flora (6), Elsa (8) und Timo (9). Sie besuchen die erste, zweite und dritte Klasse der Grundschule Maisach und müssen nun zu Hause betreut werden. Homeschooling nennt sich das Verfahren neudeutsch. Früher hieß es Fernunterricht.

Larissa Tetsch mit ihren Kindern Von links nach rechts: Flora (6), Timo (9) und Elsa (8).

Larissa Tetsch mit ihren Kindern Von links nach rechts: Flora (6), Timo (9) und Elsa (8).

„Die Lehrer geben sich alle Mühe und nach den Osterferien hat sich die Versorgung mit Aufgaben für die Schulkinder verbessert“, erklärt Larissa Tetsch. Sie ist Doktor der Biologie und als Chefredakteurin eines Biologiemagazins quasi eine Kollegin von mir aus dem B2B-Umfeld. Sie hat ihr Redaktionsbüro in Maisach und steht unter dem klassischen Termindruck einer Heftproduktion, die trotz Corona weitergeht. Ihr Mann ist Gymnasiallehrer, der seine Schüler betreut.
„Die Kinder brauchen eine enge Betreuung. Einfach die Aufgaben in die Hand drücken, geht natürlich nicht. Es muss vieles vorgelesen und erläutert werden. Zudem muss immer wieder motiviert werden, das kostet Zeit und Kraft“, erzählt Larissa Tetsch. Ein Teil der Lehrer schickt klassische Arbeitsblätter per Mail, andere bieten Aufgaben per App an. „Homeschooling ist uneinheitlich und wirkt improvisiert. Aber das ist kein Fehler der Lehrer, die sich wirklich alle Mühe geben. Aber es gibt kein Konzept einer digitalen Schule.“
Das Schulgebäude in Maisach darf von Eltern und Kindern nicht betreten werden, also besteht der Kontakt zu den Lehrern rein virtuell. Und bei drei Kindern und zwei arbeitenden Erwachsenen kommt es auch zum Engpass an Endgeräten wie Computer, Smartphone oder Tablets. Und es kommt auch zu Tonerproblemen, wenn Arbeitsblätter reihenweise und in Farbe ausgedruckt werden müssen. Korrekturen werden dann von den Eltern durchgeführt. Manche Lösung wird per Foto-Mail an die Lehrer geschickt.
Zusätzlich stehen Zoom-Konferenzen mit den Lehrern auf dem Programm. Diese überschneiden sich auch, so dass nicht alle Kinder daran teilnehmen können – von der Bandbreite ganz zu schweigen, denn die Arbeit im HomeOffice muss ja weitergeben. „Ich kann die Kinder ja nicht einfach in eine Zoom-Konferenz mit ihrem Lehrer setzen und erwarten, dass sie wie Erwachsene funktionieren. Also muss Mama oder Papa dabei sein. Solche Konferenzen über das Internet motivieren die Kinder enorm, kosten aber Zeit der ganzen Familie.“ Das bedeutet ein neues Familienmanagement, da ja der Hort wie auch die Schule geschlossen ist. „Unser Leben hat sich durch Corona komplett geändert“, sagt Larissa Tetsch. Die Kinder wünschten sich Oma und Opa zu sehen, was aber durch die Kontaktsperre natürlich nicht geht.

Die Situation ist nicht nur in der Familie Tetsch so. Auch anderen geht es ähnlich – sicher auch uns. Gut, meine Aufträge sind alle weggebrochen, so dass ich mehr Zeit für die Betreuung der Kinder und Eltern habe. Aber jetzt zeigen erste Ergebnisse einer Studie, dass viele Eltern die Beziehung zu ihren Kindern durch das Homeschooling belastet sehen. Der Unterricht zuhause wird zudem vor allem von den Müttern gestemmt.
Die Ergebnisse einer Studie der Uni Koblenz-Landau sind ernüchternd: Ein Viertel der Eltern, die ihre schulpflichtigen Kinder während der Corona-Krise zuhause betreuen, sehen durch das Homeschooling eine Belastung der Beziehung zu ihren Kindern. Die Mehrheit der deutschen Familien (63 Prozent) betreibt täglich rund drei Stunden mit Homeschooling – und das alles neben dem Beruf.
Während die Abschlussklassen seit Montag wieder in die Schule müssen – trotz Corona und Ausgangsbeschränkung. Ich halte das für einen Fehler und hab auch darüber gebloggt. Das hat für mich auch kein Konzept. Insgesamt zeigt sich, dass Digitalisierung in Deutschland konzeptionslos ist – leider.

Corona-Virus: Tag 28 der Ausgangsbeschränkung – Kunst im Stadl 2020 abgesagt – Zukunft ungewiss

18. April 2020

„Die Entscheidung, keine Großveranstaltungen bis Ende August mehr durchzuführen, hat mich umgehauen“, so Helga Backus. „Damit wurde mir klar: Meine Veranstaltung Kunst im Stadl wird dieses Jahr ausfallen müssen.“
Dieses Jahr wird die Künstlerveranstaltung „Kunst im Stadl“ in Anzhofen 25 Jahre alt und für dieses Jubiläum hat sich Helga Backus etwas ganz besonderes einfallen lassen. Die Obstgärten sollten mit zwei Bühnen ausgestattet werden. Musiker waren schon gebucht. 120 Künstlerinnen und Künstler hatten bereits zugesagt auf dem umfangreichen Gelände auszustellen. Diese Pläne kann sie erst einmal begraben, denn Ministerpräsident Söder hat die Pläne der Künstlerin durchkreuzt. „Ich hatte gehofft, dass hier etwas differenzierter vorgegangen wird, aber die Entscheidung ist eindeutig und wir werden uns natürlich danach richten, so leid es mir tut.“ Sie hatte schon ein Konzept in der Tasche, den Zugang zur beliebten Veranstaltungen in den Stadln von Anzhofen zu regulieren und auch Masken zu verteilen. „Das ist jetzt vorbei. Wir werden uns beugen“, so Helga Backus, die viel Energie in dieses Ereignis gesteckt hat. „Natürlich tut es mir um meine Veranstaltung leid, aber auch um viele meiner Künstlerkollegen, die jetzt vor dem Nichts stehen.“ Die Künstlermärkte werden auf absehbare Zeit in Bayern nicht stattfinden und das kann den finanziellen Ruin der Künstler bedeuten.

„Ich hoffe, dass ich viele meiner Künstlerkollegen bei Kunst im Stadl 2021 noch wieder treffe“, so Helga Backus weiter. Und die hofft erst einmal, dass sie den Weihnachtszauber 2020 auf dem Maisacher Volksfestplatz durchführen kann. „Platzt der auch, dann wird es wirklich eng auch für mich als Veranstalter“, so die engagierte Künstlerin und Organisatorin.


Im Moment überlegt sie eine Art Kunst im Stadl in virtueller Form. Aber das sei nicht das gleiche wie ein Künstlermarkt, der vom Leben und Austausch zwischen Künstler und Besucher lebt. Den richtigen Schritt der Digitalisierung sei sie wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen nie gegangen. „Manche meiner Freunde stehen jetzt wegen Corona vor dem Nichts“, sagt sie traurig.
Eine Verschiebung von Kunst im Stadl in den September 2020 sieht sie nicht. „Wenn das Okay von der Staatsregierung kommt, dann sind meine Künstler auf anderen Märkten gebucht. Zudem werden die Stadl in Anzhofen für die Landwirtschaft gebraucht.“
Sie plant die Jubiläumsveranstaltung dann nächstes Jahr durchzuführen. „Im Moment befinde ich mich noch in einem Zustand der Schockstarre, aber es wird weitergehen, in welcher Form auch immer“, so die Optimistin Helga Backus, die sich jetzt erst einmal auf ihre eigene Kunst konzentrieren wird. Sie arbeitet als Objektkünstlerin mit Metall und Draht, mit Silberarbeiten und Halbedelsteinen. „Als erstes muss ich wohl meine Website auf Vordermann bringen“, so ihre aktuellen Pläne.

 

Corona-Virus: Tag 22 der Ausgangsbeschränkung – Landwirte warten ab, wie sich die Krise entwickelt – Online-Shop brummt

12. April 2020

Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck besitzt auf der einen Seite florierendes Handwerk und Gewerbe, mehr und mehr Industrie, auf der anderen Seite herrscht in der Gemeinde traditionelle Landwirtschaft vor. Durch Corona und die Ausgangsbeschränkungen des Freistaats Bayern verändert sich diese Landwirtschaft. Daher fragte ich bei Familie Hirschvogel nach.
Zusammen mit ihrem Mann Georg leitet Katharina Hirschvogel die biologische Landwirtschaft Hirschvogel westlich von Maisach. Die Landwirtschaft, die die Hirschvogels seit 2009 betreiben, umfasst 80 ha Ackerland und 5 ha Wiesen. Die Flächen befinden sich in Maisach, Hebertshausen und Kammerberg.

Es gab in den vergangenen Tagen große Diskussionen um osteuropäische Erntehelfer. „Bei uns spielt das Thema Erntehelfer erst ab August und September eine Rolle, weil wir Zwiebeln und Kartoffeln anbauen, die erst später geerntet werden müssen“, so Katharina Hirschvogel. Sie haben dann bis zu sechs rumänische Helfer im Einsatz, die seit Jahren schon kommen. „Aber ich habe von Gemüsebauern gehört, die Probleme haben“, berichtet Katharina Hirschvogel weiter. Zunächst hieß es, dass keine Erntehelfer aus Osteuropa einreisen dürfen, jetzt wurden diese Beschränkungen gelockert. „Die Leute werden aber jetzt auf den Feldern zur Ernte gebraucht“, so Hirschvogel weiter. Es müssen neue Abstandsauflagen eingehalten werden und auch die Menge an Helfern wurde begrenzt. Die Einreisebestimmungen für ausländische Saisonarbeitskräfte ändern sich aufgrund der Coronakrise täglich. „Wir warten ab, wie sich die Krise entwickelt. Die Kolleginnen und Kollegen betrifft das Problem der Erntehelfer im Moment stärker.“
Katharina Hirschvogel berichtet von schönen Erfahrung. „Bei uns im Hofladen stand eine Frau, die anbot als Erntehelfer mitzuarbeiten. Sie hätte derzeit nichts zu tun und biete ihre Unterstützung an. Ich fand das eine schöne Geste.“
Wenn landwirtschaftliche Produkte nicht geerntet werden können, dann steigt automatisch der Preis, so ein Gesetz von Angebot und Nachfrage. Katharina Hirschvogel sieht steigende Preise für Obst und Gemüse auf die Verbraucher zukommen. „Wenn die Leute fehlen und die Produkte nicht geerntet werden können, wird dies wohl eine logische Konsequenz sein.“
Um sich von Vertriebsketten unabhängiger zu machen, hat Familie Hirschvogel zwei Wege eingeschlagen. den Hofladen und einen Online-Shop samt Lieferdienste.

Die Produkte, die Familie Hirschvogel in ihrem Hofladen anbietet, stammen zum Teil von eigenem Betrieb. Um das Angebot aber zu vervollständigen, bietet man auch Produkte von anderen Landwirten und Erzeugern aus unserer Region an. „Die Produkte bekommen wir aber nicht von irgendeinem Großhändler, sondern jedes Produkt wird direkt von ausgewählten Erzeugern geliefert. Somit kennen wir die Lieferanten persönlich und arbeiten schon seit vielen Jahren mit ihnen zusammen. So können wir euch sehr gute Qualität, faire Preise für Erzeuger und Verbraucher, Regionalität und absolute Transparenz anbieten“, so Katharina Hirschvogel. Im Hofladen kann sie Neukunden begrüßen. Ob sich das Einkaufsbewusstsein hin zu regionalen Produkten ändert, lässt sich noch nicht absehen. „Aber Leute haben durch Corona mehr Zeit und so kommen Menschen zu unserem Hofladen, die sonst keine Zeit hätten, bei uns auf den Hof zu kommen“, so Katharina Hirschvogel. Jetzt gilt es, diese Neukunden in Bestandskunden zu verwandeln.
Der Online-Shop von Landwirtschaft Hirschvogel war schon länger geplant und erlebt jetzt einen Boom. Die Familie hat rechtzeitig auf die Digitalisierung gesetzt. Die Ausgangsbeschränkung führt dazu, dass die Digitalisierung voranschreitet. Seit über einem halben Jahr ist der Online-Shop ein Zusatzangebot zum Hofladen. „Im Moment sind 80 Prozent unsrer Produkte des Hofladens in den Online-Shop eingepflegt. Wir arbeiten weiter daran.“ In Zeiten von Corona hat die Familie zusätzlich jetzt einen Lieferdienst eingeführt. „Bis voraussichtlich Ende April könnt ihr euch eure Produkte auch kostenlos nach Hause bringen lassen. Das Angebot gilt nur innerhalb der Gemeinde Maisach und Gemeinde Hebertshausen. Bitte beim Bestellvorgang „Lieferung nach Hause“ anklicken. Auslieferung in Maisach erfolgt Mittwoch Abend, in Hebertshausen am Donnerstag Abend“, heißt es auf der Website.

Corona-Virus: Tag 14 der Ausgangsbeschränkung – Warum Maisach bei der Digitalisierung noch etwas nachzuholen hat

4. April 2020

Den Aufruf von Bürgermeister Hans Seidl, in lokalen Maisacher Geschäften zu kaufen, finde ich in Zeiten der Ausgangsbeschränkung vollkommen richtig. Nur so kann in der Corona-Krise dem lokalen Handel in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck geholfen werden, zu überleben. Es ist der richtige Ansatz, aber wir haben im Dorf noch einiges nachzuholen.
So manches lokale Geschäft hat die Digitalisierung voll verschlafen und das rächt sich jetzt bitter. Websites oder Websites gar mit Shopsystemen sind nicht so reich gesät. Oder es gibt veraltete Facebook-Seiten, die 2019 das letzte Mal aktualisiert wurden. Jetzt postet jeder wild durcheinander, zudem noch mehrmals am Tag die gleiche Meldung. Vor der Corona-Krise habe ich Mittelständlern und auch Politikern bei dem Weg in die digitale Welt geholfen. Es gilt Geschichten zu erzählen.
Vielleicht ändert es sich durch die Krise massiv. Ich stelle leider fest, dass ich gar nicht weiß, wer was wann und wie anbietet. Gibt es Kartenzahlung, Paypal oder auf Rechnung? Muss ich vorbeikommen, wird es geliefert oder wie komm ich an die Ware?
Und wenn ich nach Fürstenfeldbruck schaue, dann gibt es dort etwas, was mich neidisch macht. Jemand hat eine nicht komplette Liste von Brucker Geschäften zusammengestellt, bei denen ich als Kunde online einkaufen kann.Super Ansatz.
So etwas wünsche ich mir für Maisach auch. Sie kann erstellt werden durch den örtlichen Gewerbeverband oder den Wirtschaftsreferenten der Gemeinde – auf jeden Fall durch jemanden, der den Überblick über den Maisacher Einzelhandel, Dienstleister und Gastronomie hat.

Montag macht das Kebab-Haus wieder auf.

Montag macht das Kebab-Haus wieder auf.

So bekomm ich nur durch Zufall mit, dass Sula von der Olympia-Gäststätte am Sportplatz wieder to go geöffnet hat oder das Deniz Kebap-Haus nächste Woche wieder die Döner anbietet.


Der Landrat hat via Facebook verkündet: „Unter Einhaltung der Hygieneregeln, insbesondere des Sicherheitsabstandes von 1,5 Metern, dürfen Einzelhandelsunternehmen auf Belieferung der Kunden umstellen, auch wenn sie nicht Lebensmittel vertreiben.“ Das ist eine gute Nachricht. Nur wenn ich nicht mitbekomme, dass ein Geschäft liefert, bringt es mir wenig. Daher wünsche ich mir eine Liste vom Maisacher Einzelhandel.
Es gibt von der SZ eine Landkreisliste, wo sich das Gewerbe eintragen kann. Auch eine gute Idee und in Germering hat mich eine bezaubernde Schulfreundin auf die Liste von #WirsindGermering vom Wirtschaftsverband aufmerksam gemacht. Alles tolle Ideen – ich will so was für Maisach.

Und jetzt noch ein Tipp für die Hungrige: Der Foodtruck Bayerntruck von Lars Mrsek wird am heutigen Samstag ab 11 Uhr wieder vor dem Edeka in Maisach stehen. Ich hatte schon mal über ihn gebloggt. Der Maisacher Lars Mrsek sieht seine Chance und macht durch Mundpropaganda auf sich aufmerksam. Dieses Mal steht der Truck mit den Burgern am Haupteingang Süd, um die Kunden vom Rossmann nicht zu stören.

Am Samstag gibt es wieder Burger.

Am Samstag gibt es wieder Burger.

Schön ist auch, dass Lars Mrsek sich der Kritik von einigen Kunden angenommen hat. „Und wir haben extra neue To Go Packungen bestellt, die der Kunde dann sogar in den Kompost werfen kann, da sie biologisch abbaubar sind, weil sie aus Zuckerrohr bestehen.“ Ich schau mal vorbei und freu mich auf nen Burger.

Ich heb mal den Finger: Bayern will mehr über Soziale Netze aufklären

3. Februar 2020

Heute vormittag im Allgäu: Schulung von allen sechsten Klassen des Gymnasiums Hohenschwangau.

Heute vormittag im Allgäu: Schulung von allen sechsten Klassen des Gymnasiums Hohenschwangau.

Gerade habe ich einen Vortrag über Medienkompetenz im Allgäu beendet und lese im Internet, bayerische Schüler besser vor Straftaten im Internet geschützt werden sollen.
Im Auftrag der Staatsregierung habe eine entsprechende Arbeitsgruppe heute ihre Arbeit aufgenommen. Die Vertreter von Justiz- und Kultusministerium sowie Lehrerverbänden wollen ein Konzept entwickeln, das Kinder und Jugendliche über die Gefahren in den sozialen Medien aufklärt. Gerne würde ich an einer solche Arbeitsgruppe teilnehmen und mein Fachwissen einbringen.
Seit mehreren Jahren bin ich mehrmals die Woche in Bayern mit meinem „Tag der Medienkompetenz“ unterwegs und schule Schüler, Lehrer und vor allem die Eltern im Umgang mit sozialen Netzwerken. Ich plädiere dafür, die ganze Schulfamilie zu schulen und nicht nur die Schülerinnen und Schülern.

Klassensprecher des Gymnasiums Haßfurt habe ich vergangene Woche im Auftrag der HSS geschult.

Klassensprecher des Gymnasiums Haßfurt habe ich vergangene Woche im Auftrag der HSS geschult.

Vielen Schülern sei nicht bewusst, so Justizminister Eisenreich, dass sie sich mit bestimmten Beiträgen auf Facebook oder WhatsApp strafbar machen. Konkret nannte er dabei neben Cybermobbing die Verbreitung von kinderpornographischen Bild – oder Tonaufnahmen, Gewaltdarstellungen sowie Volksverhetzung. Wichtig ist mir aber auch bei all den Gefahren, die Chancen der Digitalisierung zu sehen. Bayern als ehemaliges Hightech-Land darf den Anschluss nicht verlieren. Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Gegen Angst hilft nur Wissen und Bildung. Daher begrüße ich die Initiative und würde mich gerne einbringen. Mail genügt und gerne weitersagen.