Posts Tagged ‘Digitalisierung’

Raphael Müller – erfolgreicher Buchautor mit Epilepsie und Autismus

2. Oktober 2018
Raphael Müller mit seinem Betreuer Wolfgang Fässler. Raphael Müller mit seinem Betreuer Wolfgang Fässler.

Raphael Müller liest, schreibt und dichtet gerne – und Raphael Müller ist ein erfolgreicher Buchautor. Er ist ein besonderer Junge mit seinen 19 Jahren. Raphael Müller sitzt im Rollstuhl und hat Epilepsie und Autismus und er nimmt an einem Schülerzeitungsseminar von mir teil. Das finde ich großartig und es hat mich tief beeindruckt. Schon vor seiner Geburt erlitt Raphael einen Schlaganfall. Sich und seine Umwelt nimmt er oft nur verschwommen wahr.
Raphael Müller besucht mit seinem Begleiter Wolfgang Fässler die Uni Augsburg und ist am Deutschherren-Gymnasium in Aichach Mitglied der Schülerzeitung Ventil, die vergangenes Jahr den Schülerzeitungspreis „die Raute“ der Hanns Seidel Stiftung gewonnen hat. Fässler ist gelernter Erzieher und Altenpfleger, der vom Bezirk Schwaben bezahlt wird.
In meinem Schülerzeitungsseminar arbeitet Raphael Müller als vollwertiges Mitglied und steuert ein Gedicht zur achtseitigen Seminarzeitung bei. Das Thema ist Stress. Mittels gestützter Kommunikation (FC) kann er sich schriftlich verständigen.

Stress – ein Modewort unserer Zeit
Landauf – landab hetzen die Menschen durch die Zeit.
Entspannung ist ein Fremdwort für viele Leut.
Heutzutage finden wenige den Ort der Ruhe und Geborgenheit.
Dabei ist das Glück so nahe, kaum einen Steinwurf weit.
Wo die Reise hinget, findet in unserem Denken statt.
Ob wir stehen oder fallen, entscheiden wir.
Auch unsere Worte fallen ins Visier.
Das was wir sagen ist jeden Tag unser Bier.
Lasst uns Stress positiv angehen,
Hinter den Bergen Lösungen sehen.
Dann kann das Leben wieder Freude bringen,
Und wir können mit den Vögeln Freudenlieder singen.

Das Gedicht von Raphael Müller. Das Gedicht von Raphael Müller.

Und er ist ein Profi in Sachen Literatur. Mit seiner Behinderung hat er zahlreiche Bücher und Gedichte veröffentlicht. Sein Output ist bemerkenswert.
Bis zum Vorschulalter war der Außenwelt nicht klar, dass Raphael Müller hochbegabt ist. Er konnte bereits zu diesem Zeitpunkt Lesen und Rechnen. Dank dem so genannten gestütztem Schreiben kann er Kontakt aufnehmen und sich mitteilen. Betreuer Wolfgang Fässler hilft ihm, die Tasten auf dem iPad zu bedienen. Ohne Digitalisierung wäre diese Art von Inklusion nicht möglich. Er besucht Autorenzirkel und Veranstaltungen an der Augsburger Uni.
Heute ist Raphael Müller eine Berühmtheit in der Literaturszene.

Arbeiten am iPad - gestützte Kommunikation. Arbeiten am iPad – gestützte Kommunikation.

2008 wurde sein Gedicht „Der Augenblick“ in der Anthologie der Brentano-Gesellschaft Frankfurt/M. veröffentlicht. Ein Jahr später „Das Dichten“ in der Anthologie „Beste Gedichte 09/10“. 2009 wurden im Gedichtband „Waldwege“ 15 seiner Gedichte gedruckt. Mit 14 Jahren verfasste er seine Biografie „Ich fliege mit zerrissenen Flügeln“, die 2017 auch in französischer Sprache erschien. Ab 2015 wurden die Fantasiegeschichten „Asa und Gasa“ mit ihren „Abenteuern im Land der Zwerge“ im Fontis-Verlag veröffentlicht. Der Fontis-Verlag ist ein Ableger des christlich geprägten Gießener Brunnen Verlags. In seinem Buch beschreibt er sein Gefühl, im eigenen Körper gefangen zu sein, ohne die Möglichkeit zu sprechen, zu gestikulieren oder sich frei bewegen zu können. Die Leseprobe, die sein Betreuer Wolfgang Fässler an mich verteilt hat, hat mich beeindruckt, nachdenklich gemacht. Raphael Müller will zum Nachdenken über Inklusion anregen und gibt zu verstehen: „Ich will nicht in einem Ghetto leben“.
Beim Schreiben drückt er sich oft in Gedichtform aus, wie in meinem Schülerzeitungsseminar. „Das ist meine Art der Welterklärung, und Gereimtes kann ich mir zudem besser merken.“

In Londoner Supermärkten die Einkäufe selbst scannen

13. Juni 2018

In vielen kleinen Supermärkten in London bin ich die Self Scanner-Kassen gestoßen. Was bei uns bei IKEA oder den großen Handelshäuser langsam eingeführt wird, sehe ich in London in vielen kleinen Geschäften: Der Kunde scannt an der Kasse seine Waren selbst und bezahlt in Bar, mit eCash wie Karte oder Smartphone. Das ist inzwischen Standard. 

Ei ohne Schale aber mit Plastikverpackung - aus einem englischen Supermarkt.

Ei ohne Schale aber mit Plastikverpackung – aus einem englischen Supermarkt.

Wie geht das? Als erstes scannt man seinen Einkäufe Stück für Stück ein und legt die Waren auf einem speziellen Bereich ab, wo das Gewicht überprüft wird. Stimmt die gescannte Waren mit dem hinterlegten Gewicht überein? 

Dann wird der Kauf abgeschlossen, ich habe die Wahl einer Tüte oder nicht, und dann kommt die Bezahlung: Bar oder Karte und die Sache ist gegessen. Personal ist eingespart, es braucht nur noch einen Supervisor, der den ganzen Prozess überwacht, Kunden wie mir es erklärt oder in Vorgänge eingreift. Ich habe dazu ein Video gedreht:

Ich sprach mit einem Mitarbeiter in einem Supermarkt über Sinn und Unsinn der Self Scanner-Kassen. Als Antwort bekam ich einiges zu hören: Man finde keine Kassenkräfte im leergefegten Londoner Arbeitsmarkt mehr, die bereit sind im Service zu arbeiten. Die Leute können sich schlichtweg die Mieten in dieser Stadt bei so einer Arbeit nicht leisten. Der Roboter ersetzt diese Arbeitsleistung. Die Digitalisierung an der Supermarktkasse schreitet voran. Zudem habe sich in London eine Imageänderung ergeben: Wer an eine Kasse mit Kassierer geht, sei entweder alt oder er sei faul. Das war eine heftige Aussage. In einer Stadt in der Kleinbeträge wie ein Glas Bier mit der Kreditkarte gezahlt werden und Abrechnungssysteme mit Apple Pay auf dem Vormarsch sind, geht das Bargeld immer weiter zurück.

Wäre ich ein paar Tage später zum Einkaufen in London gewesen, hätte ich Probleme mit diesem System gehabt. Wer am Freitag, den 1. Juni 2018, seine Visa-Karte zum Zahlen zückte, konnte sie gleich wieder einstecken: Ein Fehler im Netzwerk des Kartenanbieters Visa sorgte in Europa für Ausfälle. Das bargeldlose Bezahlen in Geschäften, an Bahnautomaten und in Restaurants war gestört. Viele sonst bargeldlose Transaktionen mussten in Cash abgewickelt werden – Wasser auf die Mühlen der Bargeldfreunde.

Stromtanken mit Karte.

Stromtanken mit Karte.

Ich bin mir sicher, dass Supermarktketten in Deutschland über ein System der Self Scanner-Kassen nachdenken. Die Voraussetzungen sind die gleichen: Leergefegter Arbeitsmarkt, Zuwachs von Kartenzahlung – und ich bin gespannt, wie der Deutsche auf diese Entwicklung reagiert. Was meinst du? 

In englischen Pubs ist das Zahlen mit Karte kein Problem.

In englischen Pubs ist das Zahlen mit Karte kein Problem.

Bulletjournals – Kunstvolle To-do-Listen

23. Mai 2018
So unscheinbar sieht das Notizbuch von Edda aus. Darin sind Kunstwerke enthalten.

So unscheinbar sieht das Notizbuch von Edda aus. Darin sind Kunstwerke enthalten.

„Pinterest ist eine absolute Inspiration für mich“, gibt die 14jährige Edda aus Scheinfurt zu. Das soziale Netzwerk sorgte dafür, dass die Schülerin ihre Kreativität voll ausleben kann.
Ich habe Edda im Rahmen eines Schülerzeitungsseminars getroffen und wer in einer Redaktion arbeitet, der kennt to-do-Listen rauf und runter. Ich verwende für meine Arbeit die digitale cloudbasierte Wunderlist am Smartphone, am iPad und am Mac. Edda macht es mit ihren 14 Jahren anders. Die Digital Native steht auf analoges Papier und ihr Leuchtturm-Notizbuch. Und dort notiert sie ihre Aufgaben hinein, die sie abzuarbeiten hat. Aber sie arbeitet nicht stupide ihre Listen ab, sondern ihre Listen sind wahre Kunstwerke. Bulletjournal nennt sich diese Kreativtechnik in dem man Listen mit kreativen Farben, Zeichnungen und mehr verbindet. Und heraus kommen wunderschöne kreative Werke. Und die erste Inspiration kam eben über Pinterest, denn die Bulletjournal-Szene ist groß und international.

„Natürlich begann ich mit klassischen Listen, als Schülerin ist eine der ersten Listen meine täglichen Hausaufgaben“, so berichtet Edda. Dann packte sie das kreative Fieber und die ergänzte ihre Listen mit kleinen Zeichnungen, Bilder, Aufkleber und probierte aus. Es gab die ersten Listen über sie selbst: Bücher, die ich lesen will; Orte, die ich besuchen will; Filme, die ich gut fand; Dinge, die ich mag – eigentlich klassische Excel-Tabellen, aber bei Edda wurde es mehr, es wurde Kunst.


Sie probierte viel aus: Mal eine Woche als Doppelseite, dann kleinere Unterteilungen, immer wieder neue Varianten. „Ich verbinde meine klassischen Aufgaben, die ich zu erledigen habe mit Spaß und Kreativität“, erzählt sie. Mit einer Freundin zusammen betreibt sie den Instagram-Account @ourbulletjournal und hat über 14.000 Abonnenten, die nur auf die neuen Ideen der Schülerinnen warten. „Diese große Anzahl an Abonnenten erhöht sicherlich den Druck, aber uns macht es vor allem Spaß.“

Und die kleinen Kunstwerke sind nicht einheitlich. Sie sind ein Spiegel der Stimmung der Schülerin. Mal sind die Werke minimalistisch in Schwarzweiß, mal sind sie opulent in Farben mit vielen Details – je nach Lust und Laune. „In den Ferien habe ich einfach mehr Zeit, als während der Schulen mit dem Schulaufgabenstress.“ Sie steht auf Papier, weil sie in der Schule ihr Hausaufgabenheft nicht digital führen darf. In bayerischen Schulen sind iPads und Co grundsätzlich untersagt, wenn sie nicht ausdrücklich erlaubt sind. Gerne würde sie mit sensitiven digitalen Stiften arbeiten und probieren, aber die Schule erlaubt es im Moment nicht. Digitalisierung beginnt halt einfach nicht in bayerischen Klassenzimmern. Also greift sie auf die analogen Notizbücher von Leuchtturm zurück, arbeitet mit Bleistiften verschiedener Stärken, mit schwarzen Fine Linern oder Kaligraphie-Stiften. „Ich liebe aber vor allem Wasserfarben, damit kann ich mich wunderbar ausdrücken“, so Edda und ich finde, die junge Dame hat absolut recht.

Digitalisierung in der Verwaltung: Beantragen eines Reisepasses

20. April 2018

Kleines Digitalisierungserlebnis gefällig? Mein Reisepass ist abgelaufen und da ich bald nach Großbritannien will, stand die Neuausstellung der Ausweispapiere an. 

Abgelaufen - ein neuer Reisepass muss her und ich wollte mich über den Stand der Digitalisierung in der Verwaltung erkundigen.

Abgelaufen – ein neuer Reisepass muss her und ich wollte mich über den Stand der Digitalisierung in der Verwaltung erkundigen.

Auf der Website meiner bayerischen Heimatgemeinde die Öffnungszeiten des Einwohnermeldeamtes nachgeschaut und gehofft, dass ich gegebenenfalls den Verwaltungsakt irgendwie elektronisch über die Bühne bringen kann – Fehlanzeige. Naja, zumindest die Website „Mit der Maus ins Rathaus“ hat die Öffnungszeiten des Einwohnermeldeamtes parat gehabt.

Als nächstes stand ein neues Passfoto auf meinem Programm. Biometrisch muss es ja sein, also häßlich und die biometrische Daten müssen wunderbar erfasst werden können. In Ermangelung eines Fotografen am heimischen Dorf musste ich in die nächste Stadt fahren, Parkplatz gesucht, Gebühr bezahlt und zum Fotografen spaziert. Der angetroffene Fotograf ist natürlich kein ausgebildeter Fotograf, geschweige denn mit Meisterprüfung, sondern ein netter Mensch mit Digitalkamera. Richtig ausleuchten, meine Brille mit gelben Gläsern ist immer eine Herausforderung. Klick und das Foto meines Konterfeis wurde digital erstellt. Ich schaue nicht freundlich, ich schaue biometrisch.

Und dann wurden die Bilder ausgedruckt. Der Übergang von der digitalen Welt in die analoge Welt wurde vollzogen. Bezahlt, ab zum Auto und ins Passamt meiner Heimatgemeinde gefahren und in die Schlange gestellt. 

Die zuständige Sachbearbeiterin war sehr freundlich und wir bestellten zusammen den Reisepass samt Abgabe weiterer biometrischer Daten wie Fingerabdrücke. Dann wurde mein analoges Passbild wieder eingescannt. Der Übergang von der analogen Welt in die digitale Welt wurde wieder vollzogen. Auf meine Bemerkung hin, dass ich das Bild auch digital liefern könnte, winkte die freundliche Sachbearbeiterin ab. Das ginge nicht wegen den Viren und der Sicherheit – aha, weiß ich das auch jetzt. Ob jemand im Rathaus seinen USB-Stick in seinen Rechner steckt, hab ich nicht gesehen.

Per QR-Code den Stand der Produktion abfragen.

Per QR-Code den Stand der Produktion abfragen.

Jetzt beginnt die Zeit des Wartens. Ich kann online nachsehen, ob der Pass von der Bundesdruckerei bei uns schon angekommen ist. Ich erhielt von der freundlichen Dame einen Papierzettel mit den Dokumentennummern und aufgedruckten QR-Code. Hier kann ich den Status meines Dokuments abfragen. Das neue iOS vom iPhone hat den QR-Code-Reader integriert. Wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung der Digitalisierung der Verwaltung. 

Gibt es andere Erfahrungen? Gibt es bei euch andere Wege der Digitalisierung in der Verwaltung? Ich bin auf Erfahrungsberichte gespannt.

Ich druck dann mal mein Essen – 3D-Drucker für Lebensmittel

3. März 2018

Was passiert, wenn die Digitalisierung in die Gastronomie einzieht? An Tablets bei der Bestellung im Restaurant haben wir uns bereit gewöhnt, heute stelle ich mal ein 3D Food Printing System vor. Also: Essen aus dem 3D-Drucker.
Noch vor ein paar Jahren war 3D-Druck der letzte heiße Scheiß und ich habe mir auch einen MakerBot Replicator ausgeliehen und ein wenig herumexperimentiert. Wenn ich mir heute den Drucker-Markt ansehe, ist der große Durchbruch meines Erachtens noch nicht da, aber die Branche ist sehr interessant und faszinierend. Bei einer Ausstellung einer Steuerberatungsverenigung Ecovis in Regensburg habe ich einen Stand von Print2Taste gesehen. Hier wurde auf dem 3D-Drucker Procusini mit Marzipan 3D-Objekte gedruckt. Es gab je nach eingeladenen 3D-Modell Eule, Kaninchen, Auto oder ganz aufwändig einen Kopf von Albert Einstein. Mit vielen Infos über Dateiformate und Materialien konnte die Messehostess nicht dienen, also beschränkte ich mich aufs Zuschauen und die Reaktion der Zuschauer. Food-Printer hatte ich vor längerer Zeit mal an einer Uni gesehen, jetzt sah ich einen Essensdrucker das erste Mal im nichtwissenschaftlichen Umfeld. Es hat sich viel getan und auch das klassische Handwerk profitiert von der Digitalisierung.


Den Procusini 3.0 gibt es zwei Versionen, einmal für ein Filament, dann auch für zwei Filamente, also beispielsweise für Marzipan und Schokolade. Laut Hersteller Print2Taste, der in oberbayerischen Freising sitzt, seien weltweit über 200 Systeme im Einsatz: Zielgruppe sind Hotels, Catering, Konditorei und Event-Gastronomie. Bis ist mir also einen Essensdrucker zu Hause in die Küche stelle, ist es noch ein weiterer Weg, aber die ersten Schritte sind gemacht. Die Digitalisierung regt meine Fantasie an und ich bin begeistert, was diese digitale Welt noch bringen wird. Eines steht für mich fest: Die bisherige Welt ändert sich und dies ganz radikal.

Zurück zum Drucker: Der 3D-Drucker arbeitet im Grunde wie ein Spritzbeutel. Schicht für Schicht bringt er Lebensmittel automatisch und präzise in eine gewählte 3D-Form. Zu fein dürfen die Vorlagen nicht sein, denn das Filament wie Marzipan ist natürlich von der Konsistenz nicht so genau wie Plastik-Filament. Wie die Messehostess berichtete, gibt es von Print2Taste auch handliche 3D-Scanner, um selbst Objekte zu scannen und dann zu drucken. Leider war in Regensburg kein Scanner zum Ausprobieren vor Ort. Es ist wohl eine App mit der die 3D-Modelle erzeugt werden. Die Feinberechnung der Datei und Aufbereitung als Print-Datei erfolgt dann bei Print2Taste in Freising, was auch ein interessantes Geschäftsmodell ist und nichttechnische Kunden an das Unternehmen bindet. Ob ich aus Sketchup, Cinema4D, Max oder Maya selbst Objekte an den Drucker senden kann, wusste die Messehostess nicht, muss sie auch nicht. Wichtig ist die Idee, die dahinter steht: Ich kann individuelle Vorlagen erstellen und drucken.

Ich sprach mit Unternehmern, die auf diesem Steuerberatertag in Regensburg unterwegs waren. Vor allem die Produktionsmenge ab 1 macht das Thema 3D-Druck interessant. Für das Publikum selbst war es bei all den Steuerberatungsthemen eine coole Show und Abwechslung. Überall lag weiße Schokolade herum (wer isst denn ernsthaft weiße Schokolade), die mit dem Logo der Steuerberatervereinigung verziert wurde. Dieses Logo wurde auf die Schokolade durch den 3D-Drucker gedruckt, bzw aufgeschmelzt.

Auf weiße Schokolade (!) wurde ein Logo gedruckt.

Auf weiße Schokolade (!) wurde ein Logo gedruckt.

Digitalisierung in der Schule – positives Beispiel

26. Februar 2018
Die Kreidetafel kann auch im digitalen Zeitalter bleiben. Der Inhalt des Unterrichts muss sich ändern.

Die Kreidetafel kann auch im digitalen Zeitalter bleiben. Der Inhalt des Unterrichts muss sich ändern.

Dieses Jahr müssen die bayerischen Schulen ein Digitalisierungskonzept für ihre jeweilige Schule dem Bayerischen Kultusministerium vorlegen. Schulen sollen/müssen ins 21. Jahrhundert befördert werden. Ich bin durch meinen Tag der Medienkompetenz in der Regel dreimal die Woche an Schule unterwegs und schaue mir immer wieder Konzepte der Pädagogen an, was sie unter Digitalisierung verstehen.
Für mich steht fest: Internet und damit die Digitalisierung verändert unser Privat- und Arbeitsleben, die ganze Gesellschaft radikal. Ähnlich wie die Erfindung des Johannes Gutenberg verändert die Digitalisierung alle Bereiche des Lebens – und damit auch Schule. Jetzt treffe ich an besagten Schulen natürlich – wie immer im Leben auch – auf Totalverweigerer: „Wissen Sie, meine letzten 15 Jahre des Berufslebens will ich mich damit nicht mehr beschäftigen.“ OMG – nein, ich will kein Lehrerbashing betreiben. Die Aussage wäre witzig, wenn sich diese Lehrerinnen und Lehrer blöderweise nicht um Kinder kümmern würden.
Aber davon will ich heute nicht erzählen. Digitalisierung bedeutet auch nicht, die Kreidetafel abzuschrauben und einen Beamer oder Smartboards aufzustellen. Das ist Hardware und die richtige Hardware am richtigen Platz ist sinnvoll, hat aber mit Digitalisierung nichts zu tun. Digitalisierung geht tiefer und darf nicht an Hardware festgemacht werden. Es geht an das Grundsätzliche: Was ist Bildung? Wie wird Bildung vermittelt?
Vor kurzem traf ich auf einem Seminar Das Gymnasium Schrobenhausen ist dabei schon sehr weit. Es muss sich die Art des Lernens ändern. Ich habe die beiden Lehrern Johannes Kremsreiter und Michael Schindler getroffen, die zudem eigene Lösungen für ihren Digital-Unterricht entwickelt haben.

Gamification in der Schule

10. Februar 2018

Bei einem Gespräch mit einem Lehrer habe ich einen interessanten Fall von Gamification in der Schule mitbekommen. Gamification bedeutet den Einsatz spieltypischer Elemente in einem spielfremden Kontext, in unserem Fall der Physikunterricht.

Zu Beginn der Physikstunde steht das Ausfragen des Stoffs der vergangenen Unterrichtsstunde. Zu meiner Schulzeit hieß das: Raus an die Tafel vor die Klasse und sich Abfragen lassen – meine Leistungen waren eher bescheiden, denn ich war einfach sehr nervös vor der Klasse zu stehen. Der besagte Physiklehrer machte es anders und setzte spielerische Mittel ein. Er rief zwei Schüler auf und ließ sie gegeneinander antreten. Dazu gab es je einen Buzzer für jeden Schüler. Weiß einer der beiden Schüler die richtige Antwort, drückt er den Buzzer. Am Ende wird zusammengezählt und der bessere Schüler bekommt die Ausfragenote. Die schlechtere Note des anderen Schülers wird nicht gezählt. Zudem gibt es einen Joker.
Ich war von der Innovationskraft des Lehrers begeistert und als ich die Schüler unabhängig vom Lehrer befragte, bekam ich ausschließlich positives Feedback. „So machen Noten Spaß“, hieß es von einer Schülerin. „Dem Ausfragen wird der Druck genommen und wir konzentrieren uns auf das Spiel und der vermittelte Stoff kommt unkompliziert daher“, so ein anderer.
Bitte mehr von solchen Lehrern, bitte mehr von solchen Innovationen und bitte mehr von Gamification in der Schule. Auch das sehe ich als Teil einer Digitalisierungsstrategie der Gesellschaft an.

Die Revolution schreitet voran – vor 550 Jahren starb Gutenberg

3. Februar 2018
Diese Setzmaschine steht im Eingang des Nürnberger Zeitungsverlages.

Diese Setzmaschine steht im Eingang des Nürnberger Zeitungsverlages.

Heute vor 550 Jahren soll wohl Johannes Gutenberg verstorben sein. All zuviel weiß ich nicht über den Menschen, wohl aber, welche Revolution seine Erfindung des Buchdrucks ausgelöst hat. Der Buchdruck hat die damalige Welt auf dem Kopf gestellt. Die Wissenschaft, die Wirtschaft, die Wahrnehmung haben sich verändert. All das wissen wir heute. Und nun? Das Internet ist ebenso eine Revolution und verändert die Welt des 21. Jahrhunderts. Ich fordere für Sir Tim Berners-Lee ebenso eine Statue wie für den Revolutionär Johannes Gutenberg,


Und wie sind wir auf den gesellschaftlichen Wandel vorbereitet? Unsere Gesellschaft lebt weiter nach dem Motto: Das wird wohl nicht so schlimm sein. Doch, Freunde: Das Internet sorgt dafür, dass kein Stein mehr auf dem anderen bleiben wird. Die Revolution schreitet voran. Alles, aber auch wirklich alles wird sich verändern. Wer das nicht akzeptieren will (oder kann), für den habe ich die Bitte: Macht einfach den Weg frei, macht Platz für Veränderung.

Den Alten sage ich (und ich sage das als alter Mann mit fast 50 Jahren): Ihr habt eine Verantwortung für die Jüngeren, also bereitet sie mit eurem Wissen und eurer Erfahrung darauf vor und versucht nicht nur, alte Zöpfe weiter zu flechten.

Der Cube mit dem WWW. Foto: Coolcaesar at en.wikipedia

Der Cube mit dem WWW. Foto: Coolcaesar at en.wikipedia

Als ich mit dem ganzen Zeitungsjob begann, da war die Erfindung von Johannes Gutenberg noch allgegenwärtig. In den Druckereien sah ich noch klassische Setzmaschinen. Bei einem Besuch des Nürnberger Zeitungshauses traf ich auf eine alte Linotype im Foyer. Der Verleger Bruno Schnell, der gestern im Alter von 88 Jahren verstorben ist, hatte sie wohl aufstellen lassen. Vielleicht als Erinnerung, vielleicht als Mahnung, ich weiß es nicht. Für mich war diese Setzmaschine eine Reise in die Vergangenheit und ich machte ein paar Fotos. Dieses Gerät war Teil einer Revolution, die von Johannes Gutenberg ausgelöst wurde. Vielleicht stellen nachfolgende Generationen von Verlegern im Foyer einen Next Cube auf, auf dem Tim Berners-Lee das WWW erfunden hat. Ich würde auf jeden Fall auch Fotos von dem Cube machen, denn er bedeutet die Zukunft.

Digitalisierung im Handwerk: Weg vom Ware verkaufen – hin zum Ware erleben

8. Januar 2018
Real einkaufen beim Internet-Metzger Claus Böbel.

Real einkaufen beim Internet-Metzger Claus Böbel.

Wenn ich in der Gegend bin, schaue ich immer gerne bei Claus Böbel in Rittersbach vorbei, ein kleines Nest in Franken, ein Ortsteil von Georgensgmünd. Über den pfiffigen Internet-Metzger Böbel habe ich schon öfters gebloggt und auch schon auf eine Veranstaltung eingeladen. Nachdem einer meiner Jahresvorsätze auch unter dem Schlagwort Digitalisierung steht, befragte ich Claus Böbel zu den Entwicklungen im Handwerk. Und Claus Böbel hat etwas Großes vor.
Seine Antworten mögen den etablierten Handwerkern nicht gefallen und dennoch sind sie überlegenswert. Viele Handwerker befinden sich auf dem Rückzug. Durch das Internet könnten sie sich einen Namen machen und ihre Marke stärken. Böbel setzt nach eigenen Angaben rund 50 Prozent seiner Waren im Internet zum. „Mit Digitalisierung lässt sich etwas bewegen“, so Böbel. „Im Moment bin ich digital gut aufgestellt, weil ich eine eigene Nische besetze.“ Als Metzger könne es aber kein Weg sein, Schnitzel oder Schinken über das Netz zu verkaufen, sondern man müsse sich seine Nische suchen. Bei Böbel sind es regionale Spezialitäten aus Franken, Innereien und Schlachtnebenprodukte.

Die Vision von Claus Böbel
„Wir müssen weg vom reinen Waren verkaufen, hin zum Ware erleben,“ so Böbel. Seine Vision ist ein „Flagshipstore für die fränkische Bratwurst in Rittersbach.“ Er träumt von einer „fränkischen Bratwurstwelt als touristisches Ziel.“ Aber Böbel träumt nicht nur, er geht ganz konkrete Schritte. Das Haus weiter baut er um zum Hotelrestaurant mit Themenwelt Bratwurst. „Schlafen unter dem Bratwursthimmel mit einem Restaurant, in dem es Bratwürste in allen Variationen gibt.“ Einen ersten Infoabend gab es bereits. Bei Böbel heißt es in Zukunft: „Ware erleben statt nur verkaufen.“ Seine Bratwurstseminare beispielsweise sind der Renner. Ich selbst habe ein solches exklusives Seminar besucht und bin begeistert.
Er glaubt, dass sich solche Erlebniswelten auch in einer digitalisierten Welt auf andere Gewerke übertragen. Es werde ein wenig Hirnschmalz benötigt – Wissenstransfer inklusive. „Die Möglichkeiten Mauern zu bauen und mein Wissen zu schützen habe ich durch das Internet nicht mehr.“

Hier das ganze Interview als Video in der Küche von Claus Böbel:

Meine Vorsätze für 2018

1. Januar 2018
Mehr Fotografieren - so lautet ein Vorsatz von mir für 2018. Foto: Gerlach

Mehr Fotografieren – so lautet ein Vorsatz von mir für 2018. Foto: Gerlach

Gute Vorsätze sind eigentlich dazu da, dass sie gebrochen werden. Eine Bucketlist für 2018 will ich auch nicht aufstellen. Aber ich will mir ein paar Dinge vornehmen, die ich 2018 machen will, ohne mich sklavisch daran halten zu müssen.

Mehr Fotografieren
Ich will 2018 mehr fotografieren und zwar mit einem richtigen Fotoapparat. Durch das mobile Zeitalter bin ich faul geworden und hab meine Kameras zu Hause gelassen. Viele Bilder und Videos schieße ich aktuell mit meinem iPhone. Für 2018 nehme ich mir vor, mehr Fotos mit meinen DSLR-Devices zu schießen. Bei Aufträgen packe ich meine Nikon DX3 samt Ausrüstung aus, aber für unterwegs habe ich meine Fujifilm X100F mit zwei Wechselobjektive dabei. Ich habe mir extra eine kleine Fototasche von Manfrotto angeschafft, die ich in der Regel umhängen habe. Dort sind die Fuji und 360 Kameras sowie Stative untergebracht. Ich habe ein Unboxing Video dazu gemacht.

Mal sehen, vielleicht komme ich auf Foto die Woche, was es wert ist, veröffentlicht zu werden. Das iPhone nutze ich freilich weiterhin für spontane Fotografie.

Mehr Bücher lesen
Ich muss zahlreiche Fachbücher und Artikel für meine Selbstständigkeit lesen. Dabei bleiben klassische Romane auf der Strecke. Auch hier bin ich faul geworden, aber das soll sich ändern. Meine Kinder K1 und K2 haben mich mit Mangas versorgt und ich versuche mich in diese Welt hineinzudenken. Aber auch klassische Romane sollen wieder gelesen werden. Geplant ist zumindest ein Buch pro Monat. Früher als ich ein Jugendlicher wahr, habe ich ein Buch pro Woche geschafft, aber nun soll es zumindest ein Buch pro Monat sein. Ich beginne mit dem Klassiker Ready Player One – nun, ja auch irgendwie ein Fachbuch.

Ab in die Lesezelle zum Bücherlesen. Jeden Monat ein Buch.

Ab in die Lesezelle zum Bücherlesen. Jeden Monat ein Buch.

Mehr Kunst
„Feed your mind“ hatten Jefferson Airplane einst gesungen und sie hatten recht. Ich umgebe mich gerne mit Kunst und erweitere dadurch meinen Horizont. Für 2018 nehme ich mir vor, ein paar Ausstellungen mehr zu besuchen und mich intensiver mit Kunst zu beschäftigten. Nach Weihnachten hatten meine Frau und ich Gäste zum Abendessen und die Gespräche über Kunst waren für mich eine Wohltat. Ich bin gespannt, auf welche Kunst und Künstler ich im kommenden Jahr treffe.

Miro Ausstellung auf Malle.

Miro Ausstellung auf Malle.

Mehr Eindrücke sammeln
„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche sich die Welt nie angeschaut haben.“ Dies soll Alexander v. Humboldt gesagt haben. Dieser Satz ist richtig, denn Engstirnigkeit scheint mir ein großes Problem unserer Zeit zu sein. Die Welt ist nicht schwarz oder weiß, sondern sie ist bunt und diese Farben möchte ich sehen. Das bedeutet, ich will Eindrücke sammeln und auf mich wirken lassen. Das müssen nicht Eindrücke von einer großen Weltreise sein, sondern diese Eindrücke können auch auf einen Spaziergang sein. Augen offen halten und die Eindrücke genießen, verstehen und interpretieren.

Mehr Aufmerksamkeit
Unsere Welt ändert sich schneller als jemals zuvor. Und daran erinnert mich immer der Ausspruch von Issac Asimov: „Es waren die Utopisten, die die Welt vorangebracht haben“. Also bedeutet es für mich, ein Utopist zu sein und die Veränderung sehen und bewusst zu gestalten. Sei es durch Gespräche, sei es durch meine Seminare zur Medienkompetenz und verstärkt 2018 zur Digitalisierung. Die Mäusestrategie für Manager: Veränderungen erfolgreich begegnen, ein Buch von Spencer Johnson, passt hier wunderbar. Das Buch enthält Binsenweisheiten, die als großes Managerwissen unter Change happens verkauft wird: Veränderungen passieren – Erwarte die Veränderungen – Sei achtsam auf Veränderungen – Pass dich an Veränderungen schnell an – Verändere dich – Freu dich über Veränderungen – Sei bereit dich schnell zu verändern und freue dich immer wieder darüber

Und dann wäre noch …
… mehr Sport, mehr kochen, mehr reisen, mehr lachen, weniger Blödsinn und weniger Aufregen.