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Würzburg: Zurückgelassene Koffer, unvergessene Menschen

22. Juni 2026

Fröhlich bin ich mit einem neuen ICE pünktlich in Würzburg angekommen und spazierte zu meinem Hotel für eine Tagung. Meine Fröhlichkeit wich der Ernsthaftigkeit als ich das Bahnhofsgebäude verließ und auf den wichtigen DenkOrt Deportationen 1941–1944 traf. Es ist ein stiller, eindringlicher Ort der Erinnerung. Er steht nicht abseits, nicht verborgen, sondern am Bahnhofplatz vor dem Würzburger Hauptbahnhof – genau dort, wo täglich Menschen ankommen, weiterreisen, warten, Abschied nehmen. Diese Lage ist bewusst gewählt, denn Würzburg hatte für die nationalsozialistischen Deportationen in Unterfranken eine zentrale und schmerzvolle Bedeutung.


Zwischen 1941 und 1944 wurden Jüdinnen und Juden aus Würzburg und vielen Orten Unterfrankens von hier aus in die Vernichtung geführt. Zwei Würzburger Bahnhöfe waren dabei entscheidend: der ehemalige kleine Güterbahnhof an der Aumühle, der sogenannte Aumühl-Ladehof, und der Hauptbahnhof. Von dort mussten Menschen ihre Heimat verlassen; in Osteuropa wurden sie ermordet, weil sie jüdisch waren. Der DenkOrt erinnert an diese Bürger und daran, dass hinter historischen Zahlen einzelne Leben, Familien, Nachbarschaften, Stimmen und Geschichten standen. Ich hielt an, betrachtete das Denkmahl und sprach ein stilles Gebet.

Besonders stark wirkt dieser Erinnerungsort durch seine Gepäckstücke. Sie sind das zentrale Element des Denkmals. Es sind Koffer, Rucksäcke und Deckenrollen, gefertigt aus dauerhaften Materialien wie Stein, Beton, Holz, Metall, Keramik oder Kunststoff. Sie stehen auf niedrigen Sockeln, als wären sie für einen Augenblick abgestellt worden. Doch dieser Augenblick geht nie vorüber. Gerade darin liegt die erschütternde Kraft des Denkmals: Die Gepäckstücke erzählen von Aufbruch, aber nicht von einer freien Reise. Sie erzählen von Menschen, denen man vorgaukelte oder befahl, nur das Nötigste mitzunehmen, denen aber am Ende selbst dieses Wenige genommen wurde. Der Koffer wird hier zum Symbol eines geraubten Lebens. Er steht für Kleidung, Dokumente, Erinnerungsstücke, vielleicht ein Foto, ein Gebetbuch, ein Stück Wäsche, ein Kinderspielzeug – für alles, was Menschen noch greifen konnten, als ihr bisheriges Leben bereits zerstört war. Die offizielle Projektbeschreibung formuliert diesen Gedanken sehr klar: Die Deportierten konnten nicht mehr als den Inhalt eines Koffers aus ihrem bisherigen Leben mitnehmen; am Ende verloren sie auch diesen Besitz, und ihnen blieb nicht einmal das nackte Leben.

Und wenn ich in unserem Land das Aufkeimen des Rechtsextremismus sehe, bekomme ich einen Würggreiz. Demokraten müssen gegen dieses Pack aufstehen.
Die Koffer sind deshalb keine dekorativen Objekte. Sie sind Stellvertreter. Jeder von ihnen verweist auf eine jüdische Gemeinde oder einen Wohnort in Unterfranken, aus dem Menschen deportiert wurden. Das Denkmal macht sichtbar, dass die Verfolgung nicht nur Würzburg betraf, sondern ein ganzes Netz unterfränkischer Orte: Städte, Märkte, Dörfer, Nachbarschaften. Das Besondere am Konzept ist, dass jedes Gepäckstück zweimal entsteht. Ein Exemplar bleibt in der jeweiligen Gemeinde, das zweite wird Teil der zentralen Gedenkstätte in Würzburg. So verbindet der DenkOrt den Bahnhofplatz mit den Herkunftsorten der deportierten Menschen. Die Erinnerung bleibt nicht nur an einem zentralen Ort gesammelt, sondern kehrt zugleich in die Gemeinden zurück, aus denen die Menschen einst herausgerissen wurden.

Diese doppelte Anlage macht den DenkOrt zu einem partizipativen Denkmal. Unterfränkische Kommunen, in denen es 1932/33 jüdische Gemeinden gab, sind eingeladen, sich mit einem Gepäckstück zu beteiligen. Dadurch wächst der DenkOrt weiter. Er wurde am 17. Juni 2020 eröffnet, 2021 kamen 32 neue Gepäckstücke hinzu, 2023 weitere neun und 2025 erneut elf. Das Denkmal bleibt damit nicht abgeschlossen, sondern in Bewegung. Es zeigt, dass Erinnerung keine einmalige Geste ist, sondern eine fortdauernde Aufgabe.

Gerade die Schlichtheit der Koffer berührt. Sie tragen am DenkOrt nicht die Namen aller Ermordeten, denn dafür reicht der Raum nicht aus. Stattdessen erhält jedes Gepäckstück ein einheitliches Schild mit dem Namen der historischen jüdischen Gemeinde, für die es steht. Die Namen und biografischen Angaben der Opfer sind online über das Projekt zugänglich. Diese Entscheidung gibt dem Denkmal eine besondere Würde: Vor Ort wirkt zunächst das Bild des verlassenen Gepäcks, die Leere, das Schweigen, die körperliche Vorstellung von Verlust.

Die unterschiedlichen Formen der Gepäckstücke sind ebenfalls bedeutungsvoll. Ein Koffer wirkt geordnet, vielleicht bürgerlich, fast vertraut. Ein Rucksack erinnert stärker an Eile, an Flucht, an den Körper, der Last tragen muss. Eine Deckenrolle steht für elementare Bedürftigkeit, für Kälte, Schutzlosigkeit, die Hoffnung auf Schlaf und Wärme. Zusammen bilden diese Formen ein stilles Bild von erzwungener Bewegung. Sie zeigen nicht die Täter, nicht die Züge, nicht die Gewalt selbst – und doch ist all das gegenwärtig. Die Abwesenheit der Menschen macht ihre Geschichte besonders spürbar. Man sieht kein Gesicht, aber man versteht: Zu jedem Gepäckstück gehörte ein Mensch. Zu jedem Menschen gehörte ein Zuhause. Zu jedem Zuhause gehörte eine zerstörte Zukunft.

Auch die Materialien der Koffer sprechen eine eigene Sprache. Sie sind robust, wetterfest, dauerhaft. Das ist aus praktischen Gründen notwendig, weil der DenkOrt an einem stark frequentierten öffentlichen Platz steht. Zugleich hat diese Dauerhaftigkeit eine symbolische Dimension: Was die Nationalsozialisten auslöschen wollten, soll im Gedächtnis bleiben. Stein, Beton oder Metall widersprechen dem Vergessen. Sie halten aus, auch wenn die Stadt um sie herum weiterläuft. Reisende gehen vorbei, Straßenbahnen fahren, Menschen telefonieren, der Alltag nimmt seinen Lauf – und mitten darin liegen diese Koffer wie eine stille Unterbrechung. Sie mahnen dazu, nicht achtlos vorbeizugehen.

Für Würzburg selbst haben die Gepäckstücke eine zusätzliche Bedeutung. Die Stadt war nicht nur Herkunftsort deportierter jüdischer ürger, sondern auch Sammel- und Abfahrtsort für Menschen aus ganz Unterfranken. Deshalb ist der Bahnhofplatz ein Ort, an dem regionale Verantwortung sichtbar wird. Der DenkOrt sagt nicht nur: „Hier ist etwas geschehen.“ Er sagt auch: „Von hier aus wurden Menschen aus vielen Gemeinden ihrer Heimat beraubt.“ Genau darum sind die Koffer aus den Orten Unterfrankens so wichtig. Sie bringen die verstreute Geschichte zusammen, ohne sie zu vereinfachen. Jeder Koffer steht für einen Ort, aber auch für die Pflicht dieses Ortes, sich zu erinnern.

So ist der DenkOrt Deportationen 1941–1944 kein Denkmal, das fertige Antworten gibt. Er stellt Fragen: Was bleibt von einem Menschen, wenn ihm Heimat, Besitz, Rechte und schließlich das Leben genommen werden? Wie kann eine Stadt erinnern, ohne das Geschehen zu glätten? Wie lässt sich Trauer in eine Form bringen, die nicht pathetisch ist, sondern wahrhaftig? Die Koffer antworten darauf mit stiller Eindringlichkeit. Sie liegen da, als warteten sie auf Menschen, die nicht zurückkommen. Gerade diese Zurückhaltung macht sie so stark. Sie zwingen niemanden zu großen Worten, aber sie lassen auch kein Ausweichen zu.

Der DenkOrt ist deshalb ein Ort des Respekts, der Trauer und der Verantwortung. Er erinnert an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger Unterfrankens, die entrechtet, verschleppt und ermordet wurden. Und er tut dies durch ein Symbol, das jeder Mensch versteht: Gepäck. Ein Koffer steht normalerweise für Reise, Hoffnung, Rückkehr, vielleicht für Ferien oder Neubeginn. Am DenkOrt Deportationen bedeutet er das Gegenteil: er steht für erzwungenen Abschied, für den Verlust von Heimat, für eine Reise ohne Wiederkehr. Gerade deshalb berühren diese Koffer so tief. Sie machen sichtbar, was nicht wiedergutzumachen ist, und sie bewahren die Erinnerung an Menschen, deren Namen, Geschichten und Würde nicht verloren gehen dürfen.

Wenn die Hitze zur Gefahr wird: Warum unsere Gemeinden endlich Schatten brauchen

21. Juni 2026

Ja, die Hitze ist da, und bei mir in meiner Gemeinde gibt es nur wenig Hitzeschutz. Und auch wenn der amtierende US-Präsident meint, es gebe keinen Klimawandel, der muss es ja wissen.

Ich habe meine Wohnstraße in Brathähnchenstraße umgetauft, und in den zentralen Orten der Gemeinde vor dem Rathaus und der Hauptstraße ballert die Sonne nur so herunter. Vor allem die Senioren – und davon gibt es aufgrund der Demografie immer mehr – leiden, wenn sie langsam mit ihren Rollatoren unterwegs sind. Wir haben eine Verantwortung gegenüber dieser Generation, die tagsüber zum Arzt oder Physio müssen und eben nicht mehr so beweglich sind. Toll ist die Initiative einzelner, die Trinkwasser anbieten. Diese Trinkwasserspender sehe ich in den USA überall, bei uns eher weniger.

Hinzu kommen Eigentümer, die außer Gras und Thujahecken nichts im Garten haben, um ein lokales Kleinklima mit Verschattung zu erreichen. Und dann gibt es noch die Besitzer der Gärten des Horrors, die ihren Garten mit Kies und Steinen auffüllen. Zen ist in Japan prima, als Gartenkonzept in unseren Breiten nicht ideal. Ich war gerade in Würzburg, da sah es anders aus. Straßenzüge waren beschattet und erzeugten ein angenehmes Kleinklima. Ich will nicht bevormunden, sondern zum Nachdenken anregen.

Glühender Boden, stickige Luft, kein Durchatmen in der Nacht: Wir stecken mitten in der ersten Hitzewelle des Jahres. Versiegelte Flächen, dichte Bebauung und fehlende Verschattung treiben den sogenannten Heat-Island-Effekt an: Asphalt und Beton speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts wieder ab – urbane Temperaturen können so oft bis zu 10 Grad oder mehr über denen des Umlands liegen. In Tropennächten, wenn die Temperaturen nicht mehr unter 20 Grad sinken, bringt auch nächtliches Lüften wenig. Wir brauchen ausreichend Verschattung, Begrünung und die richtigen Materialien. Klimaanlagen wirken dagegen kontraproduktiv: Sie leiten Abwärme nach draußen und verstärken den Heat-Island-Effekt. Hier ein paar Ideen, was unternommen werden kann.

Schatten schaffen
Schatten wirkt sofort und kostet wenig. Bäume sind dabei die erste Wahl: Sie spenden nicht nur Kühle, sondern kühlen durch Verdunstung auch die Luft um sich herum ab. Wo sich Bäume auf versiegelten Flächen nicht pflanzen lassen, greifen neue Lösungen. Stuttgart zeigt, wie das geht: Am Marienplatz stehen seit Kurzem zwei Ecotriis – ein Stuttgarter Startup-Konzept, das Kletterpflanzen über Netzsegel bis zu 18 Quadratmeter Schatten spenden lässt, solarbetrieben und per App steuerbar. Die Betonfüße aus dem 3D-Drucker dienen gleichzeitig als Sitzgelegenheit. Das ersetzt zwar keine Bäume, aber löst ein reales Problem dort, wo Bäume nicht wachsen können. Ergänzend helfen Haltestellendächer, Sonnensegel und überdachte Bereiche überall dort, wo Menschen der Hitze ausgesetzt sind: auf Schulhöfen, Spielplätzen oder belebten Plätzen.

Auf helle Oberflächen setzen, Böden öffnen
Wer in der Sonne Schwarz trägt, schwitzt mehr. Dunkler Asphalt speichert Wärme, helle Oberflächen reflektieren sie. Viele Kommunen nutzen diesen Albedo-Effekt noch zu wenig, obwohl er sich schnell und kostengünstig einsetzen lässt. Wir können Dächer, Plätze und Gehwege nachträglich aufhellen, ohne neu bauen zu müssen. Pflaster aus Naturstein oder heller Beton kühlen messbar besser als dunkler Asphalt. Die Materialwahl unterschätzen viele in der Klimaanpassung, dabei wirkt sie sofort. Auch der Untergrund spielt eine wichtige Rolle: Plätze und Wege müssen nicht durchgehend asphaltiert sein. Kiesflächen und Rasengittersteine mindern den Hitzeeffekt und sind oft günstiger als Asphalt. Ein weiterer Vorteil: Bei Starkregen versickert das Wasser direkt im Boden, statt oberflächlich abzufließen.

Gebäude passiv kühlen
Was viele nicht wissen: Klimaanlagen verstärken den Hitzeinsel-Effekt noch weiter. Klimaanlagen wie Splitgeräte sind besonders problematisch, weil sie genau dann arbeiten, wenn es heiß ist. Während sie den Innenraum kühlen, geben sie gleichzeitig Abwärme ab, die den Außenraum zusätzlich aufheizt. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, in dem immer mehr gekühlt werden muss. Besser ist es, in Gebäuden auf Low-Tech-Systeme zu setzen. Hierbei wird viel Speichermasse im Gebäude eingebaut, um es nachts durch die Außenluft zu kühlen. Tagsüber bleiben Fenster und Türen geschlossen. Wenn es nachts draußen zu warm wird, funktioniert dieses Prinzip aber nicht mehr. Bei der zukünftigen Entwicklung müssen also auch energiesparende und nachhaltige Gebäude aufgrund des Klimawandels saniert werden. Als Alternativen für natürliche Kühlung lassen sich Fußbodenheizungen im Sommer relativ einfach als Kühlböden nutzen. Eine Möglichkeit besteht darin, den Wasserkreislauf nachts abzukühlen und die Wärme aus den Innenräumen nach außen abzuführen. Es ist auch möglich, Decken als Kühlfläche zu nutzen.

Blau-grüne Infrastruktur ausbauen
Einzelne Bäume spenden Schatten, aber erst vernetzte Grünstrukturen kühlen ganze Gemeinden. Bäume, begrünte Dächer und Fassaden, Parks und Wasserflächen wirken zusammen als blau-grüne Infrastruktur: Sie beschatten Flächen, verdunsten Wasser, senken die Lufttemperatur und verbessern die Luftqualität. Begrünung braucht Zeit, zahlt sich aber mehrfach aus: Sie sorgt für niedrigere Temperaturen, bessere Luft, mehr Artenvielfalt und schafft Räume, in denen sich Menschen gerne aufhalten.

Hitzevorsorge: Pflicht statt Kür
Mit dem 2024 in Kraft getretenen Klimaanpassungsgesetz ist Hitzevorsorge erstmals bundesrechtlich verankert. Bund, Länder und Kommunen stehen damit in der Verantwortung, zu handeln. Eine aktuelle Untersuchung des Umweltbundesamts zeigt, dass 41 Prozent der Kommunen bereits Maßnahmen umgesetzt haben. Fast ebenso viele planen konkrete Schritte. Gleichzeitig verfügen nur 12 Prozent über ein formales Klimaanpassungskonzept. Die Diskrepanz zwischen einzelnen Maßnahmen und strategischer Planung bleibt damit groß und wächst mit jeder weiteren Hitzewelle. Hitze ist kein Wetterereignis mehr, das man aussitzt. Sie ist für Kommunen eine zwingend notwendige Planungsaufgabe.

Zwischen Krisen, Kraft und klaren Kanten: Markus Söder wirbt für ein starkes Bayern in unsicheren Zeiten

18. März 2026

Beim Internationalen PresseClub München hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vor Journalisten und Gästen zu aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen Stellung genommen. Im Mittelpunkt seines Auftritts standen die Folgen internationaler Krisen, die Lage der deutschen und bayerischen Wirtschaft, die Kommunalwahlen in Bayern sowie Fragen zur Energiepolitik.

Zu Beginn ging Söder auf die Kommunalwahlen ein und zeigte sich mit dem Abschneiden der CSU zufrieden. Trotz Zugewinnen der AfD habe sich die CSU in Bayern stabil gehalten. Zugleich betonte er, dass die Grünen in vielen Teilen Bayerns deutlich verloren hätten. In München verwies Söder auf die laufende Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt und erklärte, dass er sich persönlich heraushalte, zugleich aber Verständnis für die Empfehlung der Münchner CSU habe, Amtsinhaber Dieter Reiter zu unterstützen. Kommunalwahlen seien heute stark von Persönlichkeiten geprägt. Die CSU könne in jeder Stadt gewinnen, aber auch in jedem Dorf verlieren, sagte Söder. Hier die komplette Veranstaltung

Mit Blick auf die AfD bekräftigte der Ministerpräsident seine ablehnende Haltung gegenüber einer Zusammenarbeit. Es gebe in Bayern keine Kooperation mit der AfD, weder auf kommunaler noch auf anderer Ebene. Zur Begründung verwies er nicht nur auf programmatische Unterschiede, sondern vor allem auf das Demokratieverständnis, die Sprache und das Personal der Partei. Gleichzeitig warnte Söder davor, die AfD allein mit moralischer Abgrenzung bekämpfen zu wollen. Wer Probleme nicht löse, sondern nur über die AfD rede, stärke sie am Ende eher. Entscheidend sei es, bei Themen wie Migration, innerer Sicherheit und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit konkrete Lösungen anzubieten.

Ein zentrales Thema seines Auftritts war die wirtschaftliche Lage. Söder zeichnete das Bild einer Welt im Dauerkrisenmodus, verwies aber zugleich darauf, dass Krisen auch früher zum politischen Alltag gehört hätten. Neu sei heute vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich Entwicklungen zuspitzen und medial verbreiten. Mit Sorge blickte er auf die Belastungen für die exportorientierte bayerische Wirtschaft. Zölle, hohe Energiepreise, internationale Konflikte und strukturelle Schwächen der deutschen Industrie träfen Bayern besonders, weil der Freistaat stark von Maschinenbau, Autoindustrie und Chemie geprägt sei. Söder warnte vor Steuererhöhungen und sprach sich stattdessen für Steuersenkungen aus, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken.

Ausführlich äußerte sich Söder auch zur Energiepolitik. Deutschland brauche mehr Energie, nicht weniger, sagte er. Angesichts von Digitalisierung, künstlicher Intelligenz, Rechenzentren, Elektromobilität und neuer industrieller Entwicklungen werde der Strombedarf in den kommenden Jahren weiter deutlich steigen. Deshalb dürfe sich Deutschland nicht auf einzelne Energieformen beschränken. Söder sprach sich zwar für einen weiteren Ausbau erneuerbarer Energien aus, verwies aber zugleich auf Gaskraftwerke, neue Technologien und die Notwendigkeit, alle Optionen offen zu halten. Dabei warb er auch für eine neue Debatte über sogenannte Small Modular Reactors, also kleine modulare Atomreaktoren. Die klassischen großen Kernkraftwerke seien aus seiner Sicht kein realistisches Zukunftsmodell mehr, bei kleineren Reaktoren und neuen Formen der Kerntechnik wolle Bayern aber in Forschung und Entwicklung vorn mit dabei sein. Auch auf Kernfusion setzte Söder große Hoffnungen. Bayern wolle hier eine führende Rolle einnehmen und strebe an, Standort für neue Demonstrationsprojekte zu werden.

Im Zusammenhang mit den stark gestiegenen Spritpreisen infolge der Krise im Nahen Osten sprach Söder sich für schärfere kartellrechtliche Eingriffsmöglichkeiten aus. Es sei nicht akzeptabel, dass die Preise schon stiegen, bevor sich eine tatsächliche Verknappung beim Rohstoff bemerkbar mache. Zugleich verteidigte er die von ihm durchgesetzte Erhöhung der Pendlerpauschale und brachte erneut ins Gespräch, staatliche Mehreinnahmen aus höheren Energiepreisen an die Bürger zurückzugeben. Die CO2-Bepreisung sei davon allerdings zu unterscheiden. Hier sprach sich Söder grundsätzlich dafür aus, zusätzliche Belastungen für Unternehmen zu begrenzen, um Wettbewerbsnachteile gegenüber China und den USA zu vermeiden.

Mit Blick auf die internationale Lage äußerte Söder Verständnis für das Vorgehen Israels im Nahen Osten und bezeichnete das iranische Regime als eines der schlimmsten der Welt. Zugleich zeigte er sich unsicher, welche Strategie die USA in der Region langfristig verfolgten. Die Sperrung der Straße von Hormus und die daraus resultierenden Folgen für die Energiepreise bereiteten ihm Sorgen. Unabhängig davon mahnte er, den Krieg in der Ukraine nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Leistungen der Ukrainer bezeichnete er als nahezu übermenschlich. Deutschland und Europa müssten deshalb weiter an ihrer Verteidigungsfähigkeit arbeiten und insbesondere den Schutz der östlichen Partner ernst nehmen.

Auch auf innenpolitische und gesellschaftliche Fragen ging Söder ein. Er betonte die Bedeutung von Ehrenamt, Vereinen, Feuerwehren und kommunalem Engagement in Bayern. Die Vorstellung eines weitgehenden gesellschaftlichen Rückzugs in private Räume teile er nicht. Bayern sei nach wie vor stark von bürgerschaftlichem Engagement geprägt. Zugleich hob er die Bedeutung direkter Begegnungen hervor und verteidigte seine starke Präsenz in sozialen Medien als zeitgemäße Form politischer Kommunikation. Diese könne das persönliche Gespräch nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen.

Kritisch äußerte sich Söder erneut zum Länderfinanzausgleich. Bayern trage dort eine aus seiner Sicht überproportionale Last. Der Freistaat zahle inzwischen den größten Teil des Volumens und wolle deshalb weiter rechtlich gegen die bestehende Regelung vorgehen. Bayern sei wirtschaftlich stark genug, um eigenständig bestehen zu können, sagte Söder in einem scherzhaft formulierten, aber bewusst zugespitzten Seitenhieb auf die bundesstaatlichen Finanzstrukturen.

Insgesamt präsentierte sich Söder im PresseClub als Politiker, der auf technologische Modernisierung, wirtschaftliche Stärke und politische Handlungsfähigkeit setzt. Er warb für mehr Mut zu Zukunftstechnologien, schnellere Verfahren, weniger Bürokratie und eine Politik, die Probleme nicht verwalte, sondern aktiv löse. Seine zentrale Botschaft lautete, dass Bayern in einer unsicherer gewordenen Welt nur dann stark bleibe, wenn es wirtschaftlich leistungsfähig, technologisch mutig und politisch entschlossen handle.

Wenn der Jahreswechsel zur Nacht der Angst wird – warum das Böllern endlich ein Ende haben muss

27. Dezember 2025

Wenn sich das Jahr seinem Ende zuneigt und der Kalender die letzten Stunden zählt, liegt über vielen Städten längst keine unbeschwerte Vorfreude mehr. Der Jahreswechsel, einst Sinnbild für Aufbruch und Hoffnung, ist für Kommunen, Einsatzkräfte und Tiere zu einem Moment der Anspannung geworden. Der grelle Lärm der Böller, das Zischen der Raketen und der beißende Rauch erzählen inzwischen eine andere Geschichte – eine von Überforderung, Angst und wachsendem Zweifel an einem Brauch, der nicht mehr in die Zeit zu passen scheint. Daher fordere ich endlich ein Böllerverbot. Die Politik eiert herum, man hat Angst vor dem Wähler.

Ich bin mir sicher, im Dorf bei uns wird wieder geballert. Allerdings: In Bayern wird diese Entwicklung immer deutlicher spürbar. München und Nürnberg gehören zu den Städten, die offen darüber sprechen, dass sie mehr Handlungsspielraum brauchen. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter fordert seit Jahren eine Änderung des Bundessprengstoffgesetzes. Sein Anliegen ist klar: Die Kommunen sollen selbst entscheiden dürfen, wo Feuerwerk erlaubt ist und wo nicht. Nicht aus Prinzip, sondern aus Verantwortung. In München steht etwa ein Böller- und Raketenverbot rund um den Tierpark Hellabrunn zur Diskussion – ein Ort, an dem Tiere in der Silvesternacht unter Stress, Panik und Orientierungslosigkeit leiden. Reiter betont dabei immer wieder, dass solche Entscheidungen nicht über die Köpfe der Menschen hinweg getroffen werden sollten.

Auch Nürnberg signalisiert Zustimmung zu diesem Kurs. Die Stadt zeigt sich offen für eine Gesetzesänderung, die Kommunen mehr Mitsprache einräumt. Dahinter steht die Erkenntnis, dass jede Stadt ihre eigenen Herausforderungen kennt – enge Altstädte, sensible Wohngebiete, Krankenhäuser, Altenheime oder eben Orte, an denen Tiere besonderen Schutz brauchen. Ein starres Bundesrecht wird diesen Realitäten immer weniger gerecht.

Ich gehe einen Schritt weiter: Feuerwerker sind für mich Tierquäler. Hunde, Katzen, Vögel haben Todesangst.
Was in der Silvesternacht passiert: 5.000+ Vögel sterben durch Kollisionen (Gebäude/Autos), Winterschläfer wachen auf und erfrieren (Igel, Siebenschläfer), 70% aller Haustier-Vermisstenanzeigen kommen am 1. Januar.
Ein einziges Feuerwerk bedeutet sechs Stunden Todesangst für Wildtiere. Bei Hunden gibt es eine Umfrage der Hunde-Community-App Dogorama. „In unserer Community hören wir immer wieder, wie sehr die Tiere unter der Knallerei leiden. An den Tagen rund um Silvester können viele Hunde kaum noch das Haus verlassen. Für zahlreiche Halter bleibt nur ein regelrechter Spießrutenlauf, um den Hund kurz vor die Tür zu bringen und sofort wieder in die ’sichere‘ Wohnung zu flüchten. Die Böller sind eine enorme Belastung für Tiere, die die Geräusche nicht einordnen können und aufgrund dessen in Panik den Fluchtreflex aktivieren. Ein eingeschränktes oder stärker reguliertes Böllern würde vielen Hunden enorm helfen“ mahnt Jan Wittmann, Gründer und Geschäftsführer von Dogorama. Meine beiden Kater drehten in den vergangenen Jahren durch und die armen Tiere hatten Angst.
Das Leid der Tiere, für die die Detonationen nicht ein Spektakel, bedeutet Böllern blanke Angst. Panik, Fluchtreaktionen, teils tödliche Verletzungen – all das gehört für Haustiere wie für Wildtiere zur bitteren Realität der Silvesternacht.
Jedes Aufschrecken kann lebensbedrohlich sein, wenn sie in Städten über Straßen flüchten. Füchse, die nachts in Siedlungen auf der Suche nach Nahrung sind, kehren unter Umständen nicht in ihr gewohntes Versteck zurück, sondern suchen Zuflucht in Gärten und Garagen. Igel und Bilche wie die Haselmaus oder der Gartenschläfer liegen zwar im Winterschlaf, aber störanfällig sind sie trotzdem.

In Bremen berieten die Innenminister von Bund und Ländern über ein mögliches Böllerverbot an Silvester. Der Gastgeber, Bremens Innensenator Ulrich Mäurer, fand deutliche Worte. Für Polizei und Feuerwehr sei das private Feuerwerk ein Albtraum, sagt er. Eine Nacht voller Notrufe, Brände, Verletzungen – und immer häufiger auch Angriffe auf diejenigen, die helfen wollen. Was für manche wenige Minuten Spaß bedeutet, wird für Einsatzkräfte zu Stunden am Rand der Belastungsgrenze. Die Gewerkschaft der Polizei unterstützt ein Ende des privaten Feuerwerks ebenso wie zahlreiche Umweltverbände. Sie verweisen auf die massive Feinstaubbelastung, den Müll auf Straßen und Plätzen, die Verletzungen und Traumatisierungen – und auf eine Gesellschaft, die sich fragen muss, ob diese Form des Feierns noch zeitgemäß ist.

So verdichtet sich die Debatte zu einer grundsätzlichen Frage: Wie wollen wir das neue Jahr beginnen? Mit Lärm, Chaos und Angst – oder mit Rücksicht, Verantwortung und neuen Formen des gemeinsamen Feierns? Die Stimmen aus München, Nürnberg und Bremen zeigen, dass sich etwas bewegt. Dass Kommunen nicht länger nur zuschauen wollen, sondern Gestaltungsspielraum einfordern. Nicht um Traditionen zu verbieten, sondern um sie weiterzuentwickeln.

Allerdings: Die Forderung privates Silvesterfeuerwerk zu verbieten, um Ausschreitungen oder gar Anschläge auf Personen, Polizei und Sachgüter zu verhindern, wird von immerhin der Hälfte der Bevölkerung (50%) als unwirksam eingestuft. Diese sind der Auffassung, dazu wären andere Maßnahmen wie zum Beispiel mehr Polizeikontrollen nötig. Es soll dieses Jahr mehr Feuerwerk verkauft werden als die Jahre zuvor. Eine schlimme Entwicklung. Hier eine VR 360 Aufnahme bei uns im Dorf.

Die schweren und tödlichen Verletzungen der letzten Silvestersaison sind, wie in den Medien berichtet wurde, ausschließlich auf illegales Feuerwerk zurückzuführen. Daher muss vielmehr die Einfuhr von illegalem Feuerwerk aus dem Ausland stärker kontrolliert und verfolgt werden, argumentiert die Röder Feuerwerk Handelsgesellschaft mbH mit Sitz in Schlüsselfeld, einer von Deutschlands größten Online-Shops für Konsumentenfeuerwerk zu Silvester. Naja, die Verletzungen entstanden meiner Meinung nach durch Leichtsinn und unsachgemäße Handhabung. Feuerwerk in Kinderhände oder in die Hände von Besoffenen hat Folgen.

„Der Lärm von Böllern und Raketen ist zwar nur kurz, aber dennoch kann dieser sogenannte Impulslärm das Gehör nachhaltig schädigen. Schon ein einziger, nah am Ohr abgefeuerter oder explodierender Feuerwerkskörper kann zu viel sein. Das wird oft unterschätzt“, warnt Hörakustiker-Meister Eberhard Schmidt vom Hörakustiker-Verband. Jeder Mensch nimmt Lautstärke etwas unterschiedlich wahr. Was von einer Person als zu laut empfunden wird, ist für eine andere Person vollkommen in Ordnung. Aber ganz unabhängig von der eigenen Wahrnehmung gilt, dass das Gehör bei einer anhaltenden Lärmeinwirkung von 85 Dezibel Schaden nehmen kann.

Vom Feinstaub will ich gar nicht reden. Es gibt Menschen mit Lungenkrankheit. Für die wird der Feinstaub zur Tortur.

Vielleicht liegt die Zukunft des Jahreswechsels nicht mehr im lauten Knall, sondern in leuchtenden Ideen: organisierte Feuerwerke, Lichtinstallationen, gemeinschaftliche Rituale, die verbinden statt zu verletzen. Der Wunsch nach Veränderung ist da – leise vielleicht, aber beharrlich. Und genau darin liegt die Hoffnung auf einen Jahresanfang, der wirklich ein Neuanfang sein kann. Also verbietet endlich diese Drecks-Böller.

Müll-Alert für Kommunen

7. November 2013

Ich berate immer wieder Bürgermeister und Kommunalpolitiker in Sachen Social Media. Vor kurzem hatte ich eine ganz nette Idee, die Bürgernähe zeigt und auch ganz einfach umzusetzen ist. Ich will sie gerne diskutieren. Es ist eine Alert Mail für die anstehende Leerung der Mülltonnen.

Ich hätte gerne eine E-Mail zur bevorstehenden Leerung der Mülltonne.

Ich hätte gerne eine E-Mail zur bevorstehenden Leerung der Mülltonne.

Folgendes Problem: Bei uns auf dem Land wird im regelmäßigen Rhythmus die Mülltonne geleert. Das ist normalerweise an einem Dienstag. Die Papiertonne wird an einem anderen Rhythmus am Donnerstag abgeholt. Und die Biotonne ist wiederum an einem anderen Tag fällig. Ich habe zwar von der Gemeinde einen entsprechenden Müllkalender aus Papier am Anfang des Jahres bekommen. Wenn ich den nicht sofort in unseren elektronischen Familienterminkalender übertragen hätte, wäre der Zettel schon längst verloren und ich müsste den Terminen immer hinterher rennen.

So geht es übrigens einem Nachbarn, der im Laufe des Jahres in unsere Gegend gezogen ist und diesen Müll-Kalender aus Papier scheinbar nicht bekommen hat. Er orientiert sich immer abends, welche Art von Tonne auf der Straße steht und stellt seine eigenen Tonne dazu. Oftmals ist es für ihn aber Glückssache, denn er verpasst schon mal eine Leerung.

Wie wäre es dann, wenn meine Gemeinde eine Art Müll- und Werkstoffmeldesystem entwickeln würde? Ein Müll-Alert per Mail. Einfach die entsprechenden E-Mail-Adressen der Bewohner auf freiwilliger Basis einholen und am Tag zuvor rechtzeitig per E-Mail auf die Leerung der jeweiligen Tonne hinweisen. Die Kosten wären minimal, aber die Bürgernähe wäre enorm.

Gerade an Feiertagen würde sich das System bewähren. An Feiertagen verschiebt sich nämlich die Leerung der Mülltonnen und oftmals herrscht Ratlosigkeit, wann welche Tonne geleert wird. Also, meine Damen und Herren Kommunalpolitiker, das wäre eine einfache Lösung, die es umzusetzen gilt. Oder liege ich falsch?