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Wenn die Hitze zur Gefahr wird: Warum unsere Gemeinden endlich Schatten brauchen

21. Juni 2026

Ja, die Hitze ist da, und bei mir in meiner Gemeinde gibt es nur wenig Hitzeschutz. Und auch wenn der amtierende US-Präsident meint, es gebe keinen Klimawandel, der muss es ja wissen.

Ich habe meine Wohnstraße in Brathähnchenstraße umgetauft, und in den zentralen Orten der Gemeinde vor dem Rathaus und der Hauptstraße ballert die Sonne nur so herunter. Vor allem die Senioren – und davon gibt es aufgrund der Demografie immer mehr – leiden, wenn sie langsam mit ihren Rollatoren unterwegs sind. Wir haben eine Verantwortung gegenüber dieser Generation, die tagsüber zum Arzt oder Physio müssen und eben nicht mehr so beweglich sind. Toll ist die Initiative einzelner, die Trinkwasser anbieten. Diese Trinkwasserspender sehe ich in den USA überall, bei uns eher weniger.

Hinzu kommen Eigentümer, die außer Gras und Thujahecken nichts im Garten haben, um ein lokales Kleinklima mit Verschattung zu erreichen. Und dann gibt es noch die Gärten des Horrors, die den ihren Garten mit Kies und Steinen auffüllen. Zen ist in Japan prima, der als Gartenkonzept in unseren Breiten nicht ideal. Ich war gerade in Würzburg, da sah es anders aus. Straßenzüge waren beschattet und erzeugten ein angenehmes Kleinklima. Ich will nicht bevormunden, sondern zum Nachdenken anregen.

Glühender Boden, stickige Luft, kein Durchatmen in der Nacht: Wir stecken mitten in der ersten Hitzewelle des Jahres. Versiegelte Flächen, dichte Bebauung und fehlende Verschattung treiben den sogenannten Heat-Island-Effekt an: Asphalt und Beton speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts wieder ab – urbane Temperaturen können so oft bis zu 10 Grad oder mehr über denen des Umlands liegen. In Tropennächten, wenn die Temperaturen nicht mehr unter 20 Grad sinken, bringt auch nächtliches Lüften wenig. Wir brauchen ausreichend Verschattung, Begrünung und die richtigen Materialien. Klimaanlagen wirken dagegen kontraproduktiv: Sie leiten Abwärme nach draußen und verstärken den Heat-Island-Effekt. Hier ein paar Ideen, was unternommen werden kann.

Schatten schaffen
Schatten wirkt sofort und kostet wenig. Bäume sind dabei die erste Wahl: Sie spenden nicht nur Kühle, sondern kühlen durch Verdunstung auch die Luft um sich herum ab. Wo sich Bäume auf versiegelten Flächen nicht pflanzen lassen, greifen neue Lösungen. Stuttgart zeigt, wie das geht: Am Marienplatz stehen seit Kurzem zwei Ecotriis – ein Stuttgarter Startup-Konzept, das Kletterpflanzen über Netzsegel bis zu 18 Quadratmeter Schatten spenden lässt, solarbetrieben und per App steuerbar. Die Betonfüße aus dem 3D-Drucker dienen gleichzeitig als Sitzgelegenheit. Das ersetzt zwar keine Bäume, aber löst ein reales Problem dort, wo Bäume nicht wachsen können. Ergänzend helfen Haltestellendächer, Sonnensegel und überdachte Bereiche überall dort, wo Menschen der Hitze ausgesetzt sind: auf Schulhöfen, Spielplätzen oder belebten Plätzen.

Auf helle Oberflächen setzen, Böden öffnen
Wer in der Sonne Schwarz trägt, schwitzt mehr. Dunkler Asphalt speichert Wärme, helle Oberflächen reflektieren sie. Viele Kommunen nutzen diesen Albedo-Effekt noch zu wenig, obwohl er sich schnell und kostengünstig einsetzen lässt. Wir können Dächer, Plätze und Gehwege nachträglich aufhellen, ohne neu bauen zu müssen. Pflaster aus Naturstein oder heller Beton kühlen messbar besser als dunkler Asphalt. Die Materialwahl unterschätzen viele in der Klimaanpassung, dabei wirkt sie sofort. Auch der Untergrund spielt eine wichtige Rolle: Plätze und Wege müssen nicht durchgehend asphaltiert sein. Kiesflächen und Rasengittersteine mindern den Hitzeeffekt und sind oft günstiger als Asphalt. Ein weiterer Vorteil: Bei Starkregen versickert das Wasser direkt im Boden, statt oberflächlich abzufließen.

Gebäude passiv kühlen
Was viele nicht wissen: Klimaanlagen verstärken den Hitzeinsel-Effekt noch weiter. Klimaanlagen wie Splitgeräte sind besonders problematisch, weil sie genau dann arbeiten, wenn es heiß ist. Während sie den Innenraum kühlen, geben sie gleichzeitig Abwärme ab, die den Außenraum zusätzlich aufheizt. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, in dem immer mehr gekühlt werden muss. Besser ist es, in Gebäuden auf Low-Tech-Systeme zu setzen. Hierbei wird viel Speichermasse im Gebäude eingebaut, um es nachts durch die Außenluft zu kühlen. Tagsüber bleiben Fenster und Türen geschlossen. Wenn es nachts draußen zu warm wird, funktioniert dieses Prinzip aber nicht mehr. Bei der zukünftigen Entwicklung müssen also auch energiesparende und nachhaltige Gebäude aufgrund des Klimawandels saniert werden. Als Alternativen für natürliche Kühlung lassen sich Fußbodenheizungen im Sommer relativ einfach als Kühlböden nutzen. Eine Möglichkeit besteht darin, den Wasserkreislauf nachts abzukühlen und die Wärme aus den Innenräumen nach außen abzuführen. Es ist auch möglich, Decken als Kühlfläche zu nutzen.

Blau-grüne Infrastruktur ausbauen
Einzelne Bäume spenden Schatten, aber erst vernetzte Grünstrukturen kühlen ganze Gemeinden. Bäume, begrünte Dächer und Fassaden, Parks und Wasserflächen wirken zusammen als blau-grüne Infrastruktur: Sie beschatten Flächen, verdunsten Wasser, senken die Lufttemperatur und verbessern die Luftqualität. Begrünung braucht Zeit, zahlt sich aber mehrfach aus: Sie sorgt für niedrigere Temperaturen, bessere Luft, mehr Artenvielfalt und schafft Räume, in denen sich Menschen gerne aufhalten.

Hitzevorsorge: Pflicht statt Kür
Mit dem 2024 in Kraft getretenen Klimaanpassungsgesetz ist Hitzevorsorge erstmals bundesrechtlich verankert. Bund, Länder und Kommunen stehen damit in der Verantwortung, zu handeln. Eine aktuelle Untersuchung des Umweltbundesamts zeigt, dass 41 Prozent der Kommunen bereits Maßnahmen umgesetzt haben. Fast ebenso viele planen konkrete Schritte. Gleichzeitig verfügen nur 12 Prozent über ein formales Klimaanpassungskonzept. Die Diskrepanz zwischen einzelnen Maßnahmen und strategischer Planung bleibt damit groß und wächst mit jeder weiteren Hitzewelle. Hitze ist kein Wetterereignis mehr, das man aussitzt. Sie ist für Kommunen eine zwingend notwendige Planungsaufgabe.