Archive for September 2020

Jimi Hendrix – Vor 50 Jahren starb ein Gott

18. September 2020

Das erste Mal als ich Jimi Hendrix hörte, war auf einen Blackmusic-Sampler meiner Eltern. Seine Interpretation von Hey Joe war das letzte Lied der zweiten Seite – ich weiß es wie heute – und es faszinierte mich enorm. Heute vor 50 Jahren ist dieses Genie verstorben.

Noch heute hängt meine erste Hendrix an der Wand.

Noch heute hängt meine erste Hendrix an der Wand.

Ich wollte mehr von diesem Gitarrengott hören und kaufte kurzerhand in der Schallplattenabteilung eines Supermarktes eine Picture Disc mit Titel „second time around“. Wie sich später herausstellte, war es ein Bootleg mit Aufnahme mit Curtis Knight. Der Sound war blechern, die Musik psychodelisch, aber es machte mich neugierig.
Erst dann lernte ich die regulären Aufnahmen des Meisters kennen. Ich liebte seine Alben Are You Experienced (mit Jimi Hendrix Experience, 1967), Axis: Bold As Love (mit Jimi Hendrix Experience, 1967), ELECTRIC LADYLAND (mit Jimi Hendrix Experience, Doppel-LP, 1968,) und vor allem Band of Gypsys (mit der gleichnamigen Band, 1970). Die beiden Singles All Along the Watchtower und vor allem Crosstown Traffic von Electric Ladyland hörte ich immer und immer wieder.
Hendrix starb heute vor 50. Jahren. Sein einziger legitimiert Nachfolger war für mich Stevie Ray Vaughan und der ist auch schon tot. Hendrix spielte den elektrischen Blues wie kaum ein zweiter. Seine Shows in Montery und Woodstock gehören zu den schärfsten Aufnahmen der Rockgeschichte. Was hätten wir von diesem Genie noch erwarten können, doch er gehörte dem Club der 27 an und verstummte.
Ich kaufte mir mehr und mehr Alben, las Bücher und schaute Filme über ihn. Als nächstes kommt am 20. November das Konzert „Music, Money, Madness… Jimi Hendrix In Maui“ vom 30. Juli 1970. Teile sind schon aus Rainbow Bridge bekannt, aber ich werde natürlich wieder in die Tasche greifen.

Multitalent am Handgelenk – AppleEvent 2020

16. September 2020
Ich bin Tim Cook und will Ihnen was verkaufen.

Ich bin Tim Cook und will Ihnen was verkaufen.

Mann oh Mann war das Apple Event schnell vorbei. Etwas über eine Stunde feuerte Apple seine Innovationen ab. Wirkliche Überraschungen waren aufgrund der zahlreichen Leaks eigentlich nicht dabei und trotzdem machte ich es mir auf der Terrasse bequem und freute mich über die Show.

Apple Event auf der Terrasse.

Apple Event auf der Terrasse.

Aufgrund von COVID 19 war in Cupertino kein Publikum anwesend. Apple zog seine Show wie schon bei der WWDC rein virtuell ab und setzte hier Maßstäbe in Dramaturgie und Abläufe. So müssen Präsentationen aussehen. Inhaltlich ging es um Apple Watch und iPads sowie Services. Die Uhr ist schon lange keine Uhr mehr – das Anzeigen der Uhrzeit kann die AppleWatch zwar noch immer, aber es ist im Grunde ein Gesundheitscomputer am Handgelenk. Es gibt neu eine Einsteiger-Watch mit Namen Apple Watch SE, die Apple sicherlich neue Kunden bringen wird. Neu hinzugekommen sind bei der Apple Watch Series 6 mit watchOS7 die Möglichkeit, den Blutsauerstoff zu messen. Die Apple Watch Series 6 hat eine Vielzahl an Hardwareverbesserungen, darunter ein schnelleres S6 System in Package (SiP) und einen immer aktiven Höhenmesser der nächsten Generation. Auch die Eltern-Kinder-Funktionen wurden eingeführt. Helikoptereltern freut es – allerdings lassen sich die Tracking-Funktionen auch abstellen.

Familiennutzung der Apple Watch
Als Referent für Medienkompetenz interessierte mich die neue Familiennutzung. Die Familienkonfiguration in watchOS 7 erweitert die Apple Watch auf die gesamte Familie, indem Kinder und ältere Familienmitglieder eines Haushalts, die kein eigenes iPhone besitzen, von den Konnektivitäts-, Sicherheits- und Fitnessfunktionen der Apple Watch profitieren können. Kinder können die Vorteile der Kommunikations- und Personalisierungsfunktionen nutzen, jederzeit das Notruf SOS auslösen, Spaß mit speziell für Kinder optimierten Aktivitätsringen haben und einen neuen Modus namens Schulzeit nutzen, der ihnen dabei helfen kann, beim Lernen von zu Hause oder im Klassenzimmer konzentriert und aufmerksam zu bleiben. Da bin ich gespannt, wie es sich in der Praxis auswirkt.
watchOS 7 bietet auch optimierte Funktionen für ältere Menschen, von einem vereinfachten Einstiegs- und Konfigurationsprozess bis zu einem speziellen Zifferblatt, das nur die Uhrzeit und eine Komplikation in maximaler Größe auf einen Blick anzeigt. Ältere Menschen können zusätzlich von einer neuen Gesundheits-Checkliste in der Health App auf dem iPhone profitieren, das feststellen kann, ob Gesundheitsfunktionen wie Sturzerkennung aktiviert wurden. Mal sehen, ob ich meine Mutter von der AppleWatch überzeugen kann.

Endlich Watch als (PRODUCT)RED
Alles sinnvolle und innovative Neuerungen, aber richtig aufgehorcht habe ich, als die Uhr als die (PRODUCT)RED Apple Watch angekündigt wurde – die gefällt mir schon sehr gut.
In meinem täglichem Umgang mit der Apple Watch – ich habe die Series 4 – kann ich die Apple Behauptungen bestätigen. Die Uhr ist mein Fitnesstracker, Gesundheitschecker und Kommunikationszentrale am Handgelenk. Ich bin seit der Apple Watch Series 1 dabei und habe die Entscheidung nicht bereut.

Ok, jetzt werde ich schwach: (PRODUCT)RED Apple Watch

Ok, jetzt werde ich schwach: (PRODUCT)RED Apple Watch

iPads und Services
Die iPads bekamen einen SpeedBumb und das iPad Air greift die Pro-Line des Unternehmens an. Ich bin täglicher Nutzer des iPad Pro 12 Zoll der vorletzten Generation und warte auf 2021 auf ein weiteres Update des Profigeräts – bis dahin muss mein Tablett durchhalten. Ich kann mir ein Leben ohne iPad nicht mehr vorstellen. Das iPad ist voll in mein privates und berufliches Leben integriert.
Neu bei Apple ist der Service Apple Fitness+, der so manches Fitness-Studio ins Schwitzen bringt. Workouts zu Hause sind in Corona-Zeiten keine Seltenheit und Apple liefert die notwendigen Trainingsvideos dazu – allerdings (noch) nicht für Deutschland. Mich reizt als Besitzer eines Rudergeräts hier der Workouts. Und schade, dass es keine Fitness+ Videos für Golf gibt. Ich bin diesem Sport verfallen und betreibe auch einen Golfblog mit golffieber42.

Mit Fitness+ macht Apple viele Konkurrenten platt und greift die Fintessstudios an.

Mit Fitness+ macht Apple viele Konkurrenten platt und greift die Fintessstudios an.

Und zahlreiche Apple-Services wie Music, Gaming, Apple TV und iCloud wurden gebündelt als Apple One. Ich muss das Angebot mal für die Familie durchrechnen, obwohl wir Gaming nicht nutzen. Wir sind Konsolenzocker und warten auf die PS5. Das Angebot scheint zunächst für englischsprachige Länder mit den entsprechenden Apps interessant zu sein.

Mal durchrechnen.

Mal durchrechnen.

Ach ja OS. Die Updates für die neuen mobilen Betriebssysteme stehen ab heute abend zum Download bereit. Es wird also eine lange Nacht.

Helmut Newton‘s Sumo von Taschen

15. September 2020
Am 31. Oktober kommt Helmut Newton‘s Sumo von Taschen.

Am 31. Oktober kommt Helmut Newton‘s Sumo von Taschen.

Mein Lieblingsbuchverlag feiert dieses Jahr seinen 40. Geburtstag. Ich meine den Taschen Verlag aus Köln. Anlässlich dieses Festjahres gibt den Klassiker Helmut Newton in einer Neuauflage in XXXL-Größe, Sumo genannt. Ich war bei der Vorabpräsentation in München exklusiv dabei.
Offiziell wird das wunderschöne Fotobuch bei einem Event am 31. Oktober in Berlin vorgestellt. An diesem Tag jährt sich der 100. Geburtstag des in Berlin geborenen Fotografen. Wie und wo der Event stattfinden wird, steht aufgrund Corona noch nicht fest. Daher bin ich dankbar, dass ich mich beim Münchner Vorabevent zu einem kleinen Kreis ausgewählter Gäste zählen konnte – vielen Dank an Taschen dafür.

Über Helmut Newton zu sprechen, wäre Eulen nach Athen zu tragen. Der Meisterfotograf ist Provokateur, Humorist, Dokumenteur, Voyeurist und ein Meister der Inszenierung. Kaum ein Fotoseminar in dem nicht über Newton und sein Werk gesprochen wird – oftmals kontrovers. Die Foto- und Kunstszene erinnert sich noch an die Emma-Debatte 1993 als Alice Schwarzer dem Fotografen vorwarf, seine Bilder seien sexistisch, rassistisch und faschistisch.

Der Taschen Verlag hat das Newton-Buch schon lange im Programm, aber nicht in der XXXL-Größe. Helmut Newton war 1999 das erste große Buch des Verlages. Gerade Schwarzweißbilder seien in diesem Format eine besondere Herausforderung beim Druck, bestätigte Herstellungsleiter Frank Goerhardt, der das Entstehen des Buches exakt überwachte. Der Druck ist phänomenal geworden, davon konnte ich mich in München überzeugen. Die Auflage beträgt 10000 Exemplare und Taschen verkauft jedes der begehrten Bücher für 1000 Euro. Es gibt noch eine Extra-Auflage mit einem Philippe-Starck-Buchständer. Der Preis steht noch nicht fest, weil Designer Starck mit seiner Arbeit noch nicht fertig ist.

Die Idee für das Buch hatte Verlagsgründer Benedict Taschen. Er stand mit einem Riesen Dummy vor Helmut Newton und überzeugte ihn und Gattin June von dem Projekt. June machte übrigens das Layout des Buches. Fotografenkollege David Baily kommentierte das Projekt: „Das ist ein Riesenbuch, dafür braucht man auch ein Riesenego.“
Der damalige Sumo mit 10.000 Auflage mit über 400 Bildern kostete provokante 3000 Mark. Das Buch ist inzwischen ausverkauft und daher war es an der Zeit zu einer Neuauflage. Die Version mit Buchständer kostete 17.500 Euro.

Das Buch ist ein Kunstwerk. Es ist kein klassisches Buch und auch kein Kunstwerk für die Wand. Nein, Taschen hat Objektkunst geschaffen in dem man blättert und sich Tag für Tag an den verschiedenen Seiten erfreut. Damals sagte Verleger Benedict Taschen sinngemäß: Wir sind der Verlag für die billigsten Kunstbücher und nun sind wir der Verlag für das teuerste Kunstbuch – ab jetzt kann man dazwischen alles machen. Wie recht der Verleger hatte. Ich selbst habe viele, sehr viele Taschen-Bücher (Achtung Wortwitz). Meine persönlich wertvollsten sind die Sammlerausgaben von 2001: Odyssee im Weltraum sowie Napoleon, die beide das Filmgenie Stanley Kubrick zum Inhalt haben.

Coole Location zur Präsentation.

Coole Location zur Präsentation.

 

Golffieber42 startet offiziell

7. September 2020
Ich freue mich, dass Golffieber42 jetzt offiziell  online ist.

Ich freue mich, dass Golffieber42 jetzt offiziell online ist.

Heute ist der offizielle Startschuss für mein neues Projekt Golffieber42. Ich bin seit Monaten der Golfbegeisterung erlegen und veröffentliche ab jetzt unter der Marke Golffieber42 Kolumnen und Eindrücke eines Golfbeginners im Netz.
Neben der Website bespiele ich die Kanäle Twitter, Instgram und betreibe eine Facebook-Seite, verbunden mit der herzlichen Einladung, diesen Kommunikationswegen zu folgen. Auf der Website kann ein kostenloses E-Mail-Abo abgeschlossen werden, das dann über Neuerungen der Website informiert.
In den vergangenen Wochen habe ich mich neben meinem Spiel auf meiner Heimatanlage der Golfanlage Rottbach zudem der Contenterstellung gewidmet. So sind schon einige Artikel im Blog von golffieber42 eingestellt. In regelmäßigen Abständen kommen weitere journalistisch aufbereitet eBlogartikel hinzu – Geschichten aus der Sicht eines begeisterten Golfbeginners.

Golf ist eine Symbiose aus mentaler und körperlicher Beanspruchung.

Golf ist eine Symbiose aus mentaler und körperlicher Beanspruchung.

Der Name Golffieber42
Warum der Name Golffieber42? Nun, wer der Faszination des Golfsports erliegt, der fühlt sich wie in einem Fieberrausch. Es macht mir unglaublich Spaß auf dem Grün zu stehen und den Ball zu schlagen. Es ist eine Symbiose aus mentaler und körperlicher Beanspruchung, die es in sich hat. Dabei geht es (noch) nicht darum, das Handicap zu verbessern, sondern Spaß und Freunde an dem Sport zu haben. Diese Faszination mit den großen und kleinen Geschichten vermittelt das Projekt Golffieber42.
Und die Zahl 42? Wer den von mir sehr verehrten Douglas Adams kennt, dem brauche ich nichts weiter zu sagen. Wer 42 nicht kennt, dessen Freund ist Google. Das Projekt Golffieber42 stammt aus der Schmiede von redaktion42.

Inhalte von Golffieber42
Was erwartet uns bei Golffieber42? Es sind Eindrücke, Kolumnen, kleine Geschichten, ein paar Tipps, Ausflüge in die Unterhaltung, viele Fotos. Es werden Reiseberichte hinzukommen, Porträts, Tests, Interviews und vor allem viele Emotionen – also alles, was dieses wunderbare Hobby ausmacht.
Und gerne würde ich mit der Seite auch Geld verdienen. Natürlich können Anzeigen geschaltet und Sponsoring-Kooperationen geschlossen werden. Alles wird ordentlich gekennzeichnet und transparent kommuniziert – nach den Vorgaben des Bloggerclubs.

Geschichten rund um Golf.

Geschichten rund um Golf.

Dank geht an
Natürlich geht so ein Projekt nicht ohne Unterstützung. Zunächst ein großer Dank an meine Familie und hier vor allem an meine Frau, die mit mir auf dem Golfplatz schlägt. Für Input und Geschichten danke ich Erich Kornberger, für die Vorbildfunktion Franz Neumeier mit seinem Blog Cruisetricks und meinem Kollegen Thomas Gerlach mit dessen Jobs-Motivationsspruch: Real Artists ship.

Dracula im Film (11): Nosferatu in Venedig (1988)

6. September 2020
Völlige Fehlbesetzung: Klaus Kinski

Völlige Fehlbesetzung: Klaus Kinski

Seit „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ wissen wir, dass Venedig ein phantastischer Drehort für Horrorfilme sein kann. Das muss sich Produzent Augusto Caminito auch gedacht haben, als er Nosferatu in Venedig in Angriff genommen hatte. Es hätte ein interessanter Dracula-Film werden können, aber der Film ist es nicht geworden.
Augusto Caminito wollte an den Erfolg von Herzogs Nosferatu anknüpfen und verpflichtete Klaus Kinski für eine Art Fortsetzung des Themas. Das war ein Fehler. Vielleicht könnt Werner Herzog das Ego von Klaus Kinski noch im Zaum halten und kanalisieren, Augusto Caminito konnte es nicht. Kinski ist eine komplette Fehlbesetzung. Sein Interesse war scheinbar nur, junge nackte Mädchen zu betatschen und deren Körper vor der Kamera zu malträtieren
– ein schauspielerisches, wenn gar künstlerisches Talent ist nicht auszumachen. Ein jähzorniger, alter, geiler Mann agiert vor der Kamera. Kein Nosferatu im Stile von Max Schreck, vielmehr der Zorn Gottes vor der Kamera mit peinlichem Gestammel.
Kinski verbrauchte drei Regisseure M. Caiano, L. Cozzi, M. Lucidi für den Film Nosferatu in Venedig, der eine schöne Kameraführung, mit Vangelis einen genialen Score, eine traumhafte Kulisse und ein interessantes Thema hatte. Seine etablierten erfahrenen Schaupielkollegen Christopher Plummer als Professor Paris Catalano
Und Donald Pleasence als Geistlicher Don Alvise schauen nur düster drein, als wüssten sie, wie schlecht der Film werden wird. Das Drehbuch ist wirr und viele Szenen wurden nur zusammengeschnitten, weil sie halt vorhanden waren. Der Produzent wollte seinen Star Kinski nicht vergraulen und ließ sich auf der Nase herumtanzen. Kinski selbst wollte auch mal Regie führen – was er in diesem Fall aber nicht kann.
So viel hätte man ausNosferatu in Venedig machen können, es ist leider hoffnungslos gescheitert.
Im Grunde mag ich das Thema, ich mag den Drehort und ich mag im Grunde auch die italienische Regietradition – Nosferatu in Venedig übt als Vampirfilm auch eine gewisse Faszination aus, wenn nur dieser Kinski nicht wäre.

Persönlicher Nachruf auf Uli Stein

5. September 2020

Seine Maus begleitete mich an den Lüftungsschlitzen meiner ersten beiden Autos. Es war eine Maus in der Lederjacke, die ich liebgewonnen hatte. Sie stammte von Uli Stein, der vor kurzem im Alter von 73 Jahren in Hannover verstorben ist.

Ich mochte die Figuren von Uli Stein. Ich hatte neben der Stoffmaus im Auto auch einen Eierbecher im Mausdesign von ihm. Der ist im Zuge von Umzügen verloren gegangen, die Maus mit Lederjacke existiert heute noch – im Keller.
Und ich mochte seine Comics mit seinen Mäusen, Pinguinen, Schweinen und mehr. Seine Menschen hatten immer dicke Nasen – das fand ich sympathisch.
Als das Internet noch absolutes Neuland war, bekam ich ein Comicbuch mit seinen Zeichnungen geschenkt, die sich rund um das WWW drehten. Es waren einige gelungene Witze darunter – ich glaube das Buch hieß Notebook. Das Covers der schwarzen Buches war eine Zeichnung mit zwei Mäusen. Eine am Computer, eine mit Schild in der Tür stehend: Auf dem Schild die Aufschrift: http://www.ab-ins-Bett.de Das ist in unserer Familie zu geflügelten Satz geworden, wenn meine Kinder mal wieder zu lange vor der Kiste sitzen.
Vielen Dank lieber Uli Stein, du hast unser Leben bereichert und ich wünsche dir, dass du dort oben weiter so viel Freude verbreitest.

Kamera im Kühlschrank

4. September 2020

Nachdem ich gerne fotografiere, Co-Admin einer Fotogruppe bin und das eine und andere Mal für das bayerische Justizministerium als Referent tätig bin, will ich euch ein Urteil des Amtsgerichts München nicht vorenthalten. Es ist schon interessant, mit was sich die Juristen beschäftigen müssen. Und mir stellt sich die Frage, wann ich das letzte Mal meine Kameras im Kühlschrank hatte.

Symbolbild: Beim Fotografieren

Symbolbild: Beim Fotografieren

Hier der Originaltext der Justizpressestelle: Das Amtsgericht München wies mit Urteil vom 18.06.2020 (Aktenzeichen 191 C 4038/17) die Klage eines Münchners gegen einen Fotofachhandel nahe Osnabrück auf Rückabwicklung eines Kaufvertrages über eine Digitalkamera wegen Sachmangels ab.
Die Beklagte betreibt u.a. einen Internethandel mit Fotoapparaten. Der Kläger bestellte bei ihr eine Digitalkamera mit Objektiv für 1.799,00 Euro. Die Ware wurde am 25.07.2016 geliefert.
Der Kläger behauptet, dass bei niedrigen Temperaturen nach Antippen des Auslöseknopfes ein Pfeifen ertöne und das Objekt vibriere, begleitet von einem Wackeln in Sucher und Display. Die Probleme würden nur dann nicht auftreten, wenn der Bildstabilisator deaktiviert sei. Er habe die Kamera aber gerade auch für winterliche Wildtieraußenaufnahmen gekauft. Die Beklagte bestreitet, dass die verkaufte Kamera mangelhaft sei.
Das Gericht hatte zunächst nach Vorschlag der Industrie- und Handelskammer einen Sachverständigen aus Bremen mit der Erstellung eines Gutachtens zu den vom Kläger behaupteten Mängeln beauftragt. Nach dessen Feststellungen trat der behauptete Fehler auch nach Lagerung der Kamera im Kühlschrank bei 6 Grad Celsius von 3, 5, 7, 9 und 12 Stunden und insgesamt 50 Tests nicht auf. Nach Vorlage des schriftlichen Gutachtens, dessen Kosten sich auf 869,70 Euro bei angesetzter Arbeitszeit von 9,5 Stunden beliefen, lehnte der Kläger den Sachverständigen, dessen Gutachten er inhaltlich und methodisch in Zweifel zog, wegen Besorgnis der Befangenheit erfolgreich ab. Der Sachverständige hatte nämlich nach Erstellung seines schriftlichen Gutachtens, aber noch vor seiner ergänzenden gerichtlichen Anhörung sein Fotobedarfsgeschäft an die Beklagte veräußert. Der daraufhin bestellte zweite Sachverständige aus dem Raum Starnberg, der wegen Krankheit und besonders großem Arbeitsanfall an der Bearbeitung länger gehindert war, erstattete am 02.03.2020 sein schriftliches Gutachten, dessen Kosten sich nun bei einer Arbeitszeit von 20 Stunden auf 2.395,55 Euro beliefen.
Die zuständige Richterin am Amtsgericht München gab der Beklagten Recht: „Das Gericht folgt dem Kläger schon nicht darin, dass die von ihm erworbene Digitalkamera einen Sachmangel (§ 434 BGB) aufweist (…). In tatsächlicher Hinsicht geht das Gericht davon aus, dass die vom Sachverständigen (SV) in dessen schriftlichen Gutachten vom 02.03.2020 (…) festgestellten „Effekte“/“Fehlerbilder“ (Pfeifen, Summen und Vibrieren) beim Gebrauch der Kamera bei niedrigen Temperaturen (…) in unregelmäßigen Fällen zufällig und nicht vorhersehbar auftreten. (…) Eine besondere Verwendungseignung wurde im Vertrag nicht vereinbart. Insbesondere wurden weder die Naturfotografie noch die bevorzugte Verwendung im Freien bei niedrigen Temperaturen als Anforderungen an das Produkt angesprochen. (…) Allein aus dem Preis lässt sich auch keine „professionelle“ Verwendung ableiten, da auch Laien oder Hobbyphotografen sich solche Produkte kaufen. Zudem steht eine lange Verwendung der Kamera im Freien bei niedrigen Temperaturen in keinem Zusammenhang mit dem Preis, da Kameras auch nur zur Nutzung in Räumen (z.B. für Studioaufnahmen) erworben werden können. (…)​
Das Fehlerbild war nur (teilweise) reproduzierbar, nachdem die Kamera mit Objektiv über einen Zeitraum von 14 Stunden auf 4 Grad Celsius oder über 24 Stunden auf 3 Grad Celsius abgekühlt wurde. Keinen Nachweis der Effekte konnte der SV dagegen bei einer Kühlungsdauer von 17 Stunden feststellen. Die Einsatzbedingungen unter denen überhaupt Fehlerbilder erzeugt werden konnten, gehören nach Auffassung des Gerichts aber nicht mehr zu den „gewöhnlichen Nutzungsbedingungen“, denen das Produkt gewachsen sein muss. Eine Einschränkung der Nutzung bei „kalten Orten“ ergibt sich schon aus dem Bedienungshandbuch, das auf allgemeine Probleme in diesem Temperaturbereich hinweist. Die Beklagte hat auch unbestritten vorgetragen, dass es üblich ist und empfohlen wird, eine Kamera nicht über lange Zeit bei kalten Außentemperaturen zu benutzen, diese im Winter über Nacht im Auto liegen zu lassen und bei Nutzung in Kälte warm zu halten (…). Nach den Feststellungen des Sachverständigen kann die Kamera auch bei Temperaturen um 3 Grad Celsius benutzt werden; erst wenn sie dieser Temperatur mehr als 14 Stunden ausgesetzt ist, kann es zu den Auffälligkeiten kommen. Eine jederzeitige problemlose Verwendung der Kamera unter diesen Bedingungen kann ein Käufer aber nicht mehr erwarten. (…) Für das Gericht ist nicht erkennbar, dass sich ein durchschnittlicher Käufer in unseren Breiten und den damit verbundenen Lichtverhältnissen im Winter ohne Unterbrechung länger als 12 Stunden im Freien zum Zweck von Fotoaufnahmen aufhalten wird. Dies gilt auch, wenn er ein technisch und preislich hochwertiges Produkt verwendet.“

Vertrauen in Corona-App wächst, aber …

3. September 2020

Gleich vorweg: Ich halte die Corona-Warn App für ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen die Pandemie. Es ist ein Teil einer Aktionskette wie auch Hygiene, Masken oder Abstand halten. Immer wieder darf ich Webinare zur Warn-App halten und dieses Wochenende sogar ein Vor Ort-Seminar. Da kommt die neue Studie zu Nutzung und Akzeptanz der Corona-Warn-App genau zum richtigen Zeitpunkt.

Ein Webinar zur Corona-App vor Greenscreen.

Ein Webinar zur Corona-App vor Greenscreen.

Die Erhebungen zum Start der App im Juni und zuletzt im August zeigen, wie sich die Einstellungen der Bürger in Deutschland zur App gewandelt haben. Das Vertrauen in die Funktion und den Datenschutz steigen – aber rund die Hälfte zweifelt an der Wirksamkeit.
Knapp 30 Prozent der Onliner in Deutschland nutzen die Corona-Warn-App des Bundes, das sind rund 17 Millionen Menschen und damit mehr als sich im Juni sicher waren, die App zu nutzen. Doch insgesamt gelang es nicht, in größerem Umfang Personen für die App zu gewinnen, die ihr vorher unentschlossen oder ablehnend gegenüberstanden; rund die Hälfte bezweifelt die Wirksamkeit zur Eindämmung der Pandemie. Das Vertrauen in die Funktionsweise und den Datenschutz der App hat sich jedoch erhöht. Das ergab eine Erhebung der Initiative D21 und der Technischen Universität München, durchgeführt von der Agentur Kantar.

Vertrauen in Corona-Warn-App steigt
Seit dem Erscheinen ist das Vertrauen der Bevölkerung in die App gestiegen und die Bedenken hinsichtlich staatlicher Überwachung durch die App und Datenschutz weniger geworden. Insgesamt zeigt die deutsche Online-Bevölkerung allerdings nach wie vor Skepsis gegenüber den Funktionen der App: Zu viel Überwachung befürchten gegenwärtig 44 Prozent (Juni: 57 Prozent). Angst vor Datenmissbrauch haben aktuell 51 Prozent, im Juni waren es noch 58 Prozent. Dass die jetzige Lösung geltende Datenschutzregelungen einhält und die Daten gut aufgehoben sind, denkt nach wie vor eine Minderheit, allerdings Tendenz steigend: 40 Prozent im August, 35 Prozent im Juni. Von den Nutzer der App finden hingegen nur zwölf Prozent, dass ihre Privatsphäre gefährdet ist.

Dazu sagt Bundes-CIO und Schirmherr des „eGovernment Monitors“ Markus Richter: „Die Corona-Warn-App arbeitet umso zuverlässiger, je mehr Menschen sie nutzen. Das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer ist daher für ihren Erfolg entscheidend. Ich wünsche mir, dass noch mehr Bürgerinnen und Bürger die App nutzen und damit dazu beitragen, das Ansteckungsrisiko für uns alle zu senken.“

Hoffnung auf positive Wirkung der Corona-Warn-App sinkt
Dass die Corona-Warn-App einen positiven Effekt auf ein Ende der Pandemie in Deutschland haben wird, denkt nur eine Minderheit – und weniger als noch im Juni. Eine Reduzierung der Neuinfektionen erwarten nur noch 23 Prozent (Juni: 29 Prozent). Die Hälfte der deutschen Online-Bevölkerung geht davon aus, dass die Corona-Warn-App nichts ändern wird, das ist ein Anstieg um zehn Prozentpunkte (August: 51 Prozent, Juni: 41 Prozent). Die Befürchtung, dass der Staat die App nutzen könnte, um das Verhalten zu sanktionieren, sinkt dagegen etwas auf 15 Prozent (Juni: 18 Prozent).

Nutzer schätzen einfache Handhabung und wollen gesellschaftlichen Beitrag leisten
Wer sich dazu entschieden hat, die App zu benutzen, ist damit überwiegend auch zufrieden. 88 Prozent der Nutzer bewerten die Bedienung der App als einfach. Über zwei Drittel haben durch die Verwendung der Corona-Warn-App das Gefühl, dass sie einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten. „Die Corona-Warn-App hat international positive Anerkennung gefunden. Das ist selten für ein deutsches E-Government-Angebot und ein Erfolg.“, sagt Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21. „Ihre Wirkung hängt allerdings von der kritischen Masse an Nutzer ab. Um diese Mannschaftsleistung der Menschen muss der Staat mit Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit aktiv werben – gerade auch bei den weniger digital-affinen Menschen.“
Genau hier setzen meine Seminare an. Die Zielgruppe sind keine IT-Spezilaisten, sondern Otto-Normalverbraucher. Hier gibt es aus meiner Sicht einen großen Informations- und Schulungsbedarf.