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Carrera-Rennstall Maisach: Wenn Rennboliden durchs Dorf brettern

27. September 2020

Als ich Kind war, gab es bei uns zwei Fraktionen: Die einen spielten mit der Eisenbahn, die anderen spielten mit einer Rennbahn. Ich gehörte eindeutig der Rennbahn-Fraktion an und liebte meine Carrera-Bahn. 

Und als ich den Carrera-Rennstall in Maisach im bayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck betrat, da kamen die Emotionen meiner Kindheit wieder hoch. Uwe Furthmann betreibt den Rennstall mitten im Dorf und hat einen alten Stall an der Bahnhofsstraße zur Rennstrecke für Carrera-Rennboliden umgebaut. Zusammen mit Gleichgesinnten trainiert er, veranstaltet Rennabende und bietet den Rennstall auch zur Miete für Jugendgesellenabschiede, Stammtische oder Rennfreunde an. Infos in der Facebook-Gruppe „Carrera Rennstall Maisach“ oder direkt bei uwe.furthmann@gmail.com

Das echte LeMans 2020 ist gerade abgeschlossen. Da finde ich es eine Idee eines privaten Carrera-Rennens prima. Es ist eine ganz sympathische Freizeitbeschäftigung. 

Wer den Rennstall betritt, ist erst einmal erschlagen von der Größe der Rennbahn. Strecken, Tunnel, Tribünen, Boxen, Zuschauer, Berge – so stell ich mir eine ideale Modelllandschaft vor. Und ich sehe vor meinem geistigen Auge die Hunderte Stunden Arbeit, die Uwe Furthmann in seine Bahn gesteckt hat. Bei eBay, Sammlermärkte und Flohmärkte besorgt er sich Ersatzteile und Fahrzeuge. Wenn Brücken, Gebäude oder Tribünen nicht mehr im Original zu finden sind, dann kommt ein 3D-Drucker zum Einsatz. Als Gastgeschenk habe ich meine alte Rennbahn aus Kindertagen mitgebracht, die ich als Kind hatte. Hier ist mein Carrera Hockenheimring 30350 in den besten Händen. Im Rennstall wird auf Carrera Universal gefahren – das System meiner Jugend. Damit fahren die Rennwagen stabil in einer Spur, anders wie auf den späteren Systemen wie Carrera Go. 

Ich schaute bei einem Rennen vorbei. Die Rennen werden mit einem Fahrzeug gefahren. Bei einem defekten Fahrzeug darf ich mit einem Ersatzfahrzeug weiterfahren. Es gibt zwei Arten von Rennen. Im Zeitrennen wird die zurückgelegte Strecke in einer vorgegebenen Renndauer gewertet. Im Rundenrennen wird die Zeit, für die vorgegebene Anzahl an Runden gewertet. Jeder Teilnehmer muss die volle Rundenzahl fahren.

 

Während ein Sportfan im hinteren Bereich des Rennstalls an einer Werkbank saß und die Reifen seines Flitzers optimierte, waren andere im Raum an neuralgischen Punkten verteilt. Ihre Aufgabe war es, die Autos wieder auf die Bahn zu setzen, wenn sie bei hoher Geschwindigkeit aus der Kurve fliegen. Nicht Vollgas ist für die beiden Piloten angesagt, sondern gefühlvolles Fahren und eine Fahrstrategie. „Entspannt weiterfahren“, ist der Rat von Furthmann. Gefühl beim Fahren durch die Modelllandschaft ist die Devise. Es wurden 100 Runden von zwei Fahrer gefahren. Dies dauerte rund 34Minuten – und das bei höchster Konzentration. Am Ende des Rennens waren die Piloten nass geschwitzt und außer Puste. Carrera strengt an, macht aber unheimlich Freude. Die Männer ohne Nerven steigerten sich ins Rennen hinein. Ein Wagen durchbrach die Leitplanken, flog aus der Bahn und krachte gegen einen Styroporberg. Schnell einsetzen und weiterfahren durch die Welt von Farbe, Spachtel, Material aus dem Floristenhandel, Ikea und Modellbau. 

Uwe Furthmann kennt seine Bahn freilich am besten und kann entsprechende Fahrtipps geben. Seit November 2019 hat er an den Strecken gebaut, Kabel verlegt und den alten Kuhstall in ein Rennparadies verwandelt. Der Strom kommt von leistungsfähigen Labornetzteilen, die mehr Saft als die traditionellen Carrera-Transformatoren liefern. Das hohe Piepsen der Elektromotoren erfüllt den Raum. „Im Grunde sind Carrera-Autos die ältesten E-Autos der Welt“, so Furthmann. An der Wand Fotos von Le Mans, Pokale am Tisch aufgereiht und natürlich Autos, Autos, Autos. Ein Ford GT40 fällt mir sofort ins Auge. Das war schon immer einer meiner Lieblingswagen. Als Kind habe ich das Auto nie von meinen Eltern bekommen. Irgendwann habe ich den Wagen im Original mal live gesehen – eine starke Kiste. Und ich will unbedingt mal zu LeMans.

 

Autokino in Fürstenfeldbruck

29. Mai 2020
Aufbau des Autokinos Fürstenfeldbruck.

Aufbau des Autokinos Fürstenfeldbruck.

Gleich vorweg: Ich liebe Kino. Ich mag diesen magischen Ort der Träume, der Sehnsüchte. Ich mag das Gefühl gemeinsam zu lachen, zu weinen, zu fiebern oder erschreckt zu werden. Ich genieße die gesamte Atmosphäre, die Spannung auf den Film, wenn sich der Vorhang öffnet. Nun, durch Corona ist damit Schluss und wenn in Bayern die Kinos am 15. Juni wieder offiziell öffnen dürfen, wird es nicht dieselbe Atmosphäre sein – und es werden die Filme fehlen, weil Filme bundesweit bzw. weltweit starten und nicht auf Kinoöffnungen der einzelnen Bundesländer warten. Berlin öffnet seine Kinos am 2. Juni.
Ein Rettungsanker für die finanziell angeschlagene Branche sind Autokinos, die jetzt aus dem Boden gestampft werden. Ein gutgemeinter Akt der Verzweiflung in schlimmen Tagen. Das letzte Mal, dass ich mir im Autokino einen Film ansah, war die Deutschlandpremiere von Cars im September 2006. Regisseur John Lasseter und die Synchronsprecher wurden mit einem lauten Hupkonzert gefeiert. Das Konzept des Autokinos kommt aus den USA. 1933 lief der erste Film in einem Autokino in Camden, New Jersey. Die Hochphase des Autokinos war in den 50er und 60er Jahren.

Auch bei uns wird es wieder ein Autokino geben. In der Kreisstadt Fürstenfeldbruck wurde auf dem Volksfestplatz eine Leinwand aufgebaut und ab 29. Mai soll es losgehen. Das Autokino FFB läuft täglich bis 11. Juli. Karten gibt es aufgrund Corona nur online.


Der erste Teil des Programms bis 14. Juni wurde veröffentlicht. Das Problem ist: Der mangelnde Content.
Die gezeigten Filme sind bereits über die Leinwand geflimmert. Natürlich gibt es keine neuen Filme und so haben es die Programmmacher schwer, Filme zu finden, die publikumswirksam sind und den Volksfestplatz voll machen. 19 Euro pro Auto kostet der Eintritt für alten Content, den ich bereits gesehen habe. Eine echte Zwickmühle für alle Beteiligten. Ich hätte mich über Rennfilme wie LeMans, LeMan 66, Rush, Cars oder unbedingt American Graffiti gefreut – aber die sind bisher nicht vorgesehen.
Als Filmfan würde ich mir vielleicht the Big Lebowski von 1998 (!) ansehen, weil ich den Dude und den Film Noir gut finde. Aber nur, wenn ich mit meinem Auto weit vorne bin. Der Volksfestplatz in Fürstenfeldbruck ist keine Theresienwiese, aber wenn ich mit einem Auto hinten stehe, dann ist die imposante Leinwand doch gar klein. Dann kann ich mir den Film auch auf dem iPad ansehen. Immer wenn ich Papataxi bin und auf meine musikalischen Kinder warte, die beim Unterricht sind, habe ich meine spezielle Form von Autokino. Ich schau mir am iPad Pro einen Film an. Autokino mit klasse Bild und klasse Ton. Hab ich das wirklich beim realen Autokino auch, wenn ich den Sound über UKW empfange? Der Filmton wird direkt ins Radio des Autos übertragen. Die UKW-Frequenz lautet 90,4 MHz. Ich würde den Sound am Smartphone mit einer Radioapp empfangen und Blauzahn-Boxen mitnehmen, damit ich das Radio auslassen, Autobatterie sparen und guten Sound genießen kann. Laut Bundesnetzagentur gibt es derzeit so viele Anträge auf die Erteilung von Frequenzen für Autokinos wie noch nie. 39 allein für Bayern.
Interessant ist aber bei uns in Fürstenfeldbruck das Politikum, das sich bei der Vergabe für das Autokino abgespielt hat. Es gibt zwei Kinos am Ort, die sich beide für die Veranstaltung beworben haben. Ein Kino wird von München aus betrieben, ein zweites von einer lokalen Unternehmerin. Meiner Meinung nach wäre es die Aufgabe der Stadt gewesen, dem örtlichen Gewerbetreibenden und Gewerbesteuerzahler den Zuschlag zu erteilen. Am Kino hängen 40 Mitarbeiter dran, die in Kurzarbeit sind. Das ist nicht der Fall. Der Münchner Betreiber bekam den Zuschlag und der Verein, der dem Kino nahesteht, sucht jetzt freiwillige Helfer, die Platzanweiser machen oder plakatieren. Ich selbst bin bei diesem Verein Mitglied.

Aber was mich noch mehr beschäftigt: Die Stadt hat einen großen Etat für Volksfeste, Altstadtfeste usw., der aufgrund Corona nicht ausgeschöpft wird. Warum organisiert die Stadt nicht das Autokino als kulturelle Aufgabe für die Bevölkerung und beauftragt die beiden örtlichen Kinos mit der Durchführung? Das wäre Kulturförderung im wahrsten Sinne des Wortes. So muss in Corona-Zeiten bei leeren Kassen von privater Seite wieder investiert werden. Das ist aus meiner Sicht komplett verfehlte Kulturpolitik und ein Armutszeugnis für meine ehemalige Heimatstadt und die politisch Verantwortlichen.
Übrigens: Hupen im Autokino Fürstenfeldbruck verboten. Dennoch wünsche ich den Besuchern viel Spaß.

Zur Transparenz: Ich bin Mitglied in der IG Lichtspielhaus und habe bis Juli 2019 den Blog des Scala-Kinos betrieben. Und dieses nette Bild Vom WDR wollte ich nicht vorenthalten:

 

Sack Reis: DVB-T2 kommt und mich interessiert es nicht

29. März 2017
Heute kommt das neue TV, aber nicht zu uns. DVB-T2 ist uns egal.

Heute kommt das neue TV, aber nicht zu uns. DVB-T2 ist uns egal.

Heute ist also der Tag der Tage: DVB-T wird abgeschaltet und Zug um Zug durch DVB-T2 ersetzt. Und wisst ihr was? Es ist mir egal. Während ich damals bei der Einführung des „Überall Fernsehens“ von DVB-T noch interessiert, vielleicht ein bisschen nervös war, ist es mir heute schlichtweg egal. Die neue Technik soll neben mehr Programmen auch eine bessere Bildqualität bieten.
Zwar bombardiert mich die Werbung auf allen Kanälen, aber ich muss zugeben: Lineares Fernsehen ist mir schnuppe – DVB-T2 kann gerne kommen und gehen, ich werde das Zeug nicht nutzen.

Gründe gegen DVB-T2
Das hat mehrere Gründe. Der offensichtlichste Grund ist: Wir empfangen unsere TV-Programme über Satellit. Wir haben eine Schüssel auf dem Dach und könnten mehrere Hundert TV-Sender empfangen. Könnten – wenn ich die Sender in die Programmplatzliste einprogrammieren würde. Ich habe 70 Sendeplätze mit Sender gefüllt, dann hatte ich keine Lust mehr.
Interessant ist, welche Reihenfolge wir bei den Sender haben. Meine Eltern haben: Platz1: Das Erste/ARD, Platz 2: ZDF, Platz 3: BR, Platz 4: ARTE, Platz 5: RTL, Platz 6: SAT 1, Platz 7: Pro7 usw. Mit einer solchen Senderplatzwahl wurde ich sozialisiert. Ich habe damit gebrochen: Bei uns startet es mit: Platz 1: ARTE, Platz 2: BBC, Platz 3: CNN, Platz 4: ZDF info, Platz 5: n24, Platz 6: Das Erste/ARD, Platz 7 ZDF.

Lineares Fernsehen ist out – und damit DVB-T2
Der zweite Grund ist ein viel wichtiger. Ich komme mir jetzt ein bisschen so vor, wie diese Typen aus den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die missionarisch unterwegs waren mit den Worten: „Wir haben keinen Fernseher, wir haben bewusst darauf verzichtet.“ Mann, oh Mann gingen mir diese Typen damals auf den Senkel. Bei jeder Party, wenn meine Kumpels und ich über TV-Serien diskutierten, kam so einer daher und sagte mit einem Vorwurf in der Stimme seinen Satz: „Wir haben keinen Fernseher, wir haben bewusst darauf verzichtet.“ Ich wollte über Judy aus Colt für alle Fälle reden und er kam mit der Verblödung durch die Medien. Ich glaube, jeder kannte so einen Typen. Ich habe als Kind und Jugendlicher gerne fernsehen geschaut. TV war einstmals Kulturgut und wenn es auch nur Trash-TV war. Fernsehserien prägten uns, formten uns, nahmen Einfluss auf uns – Fernsehen verband uns.
Heute muss ich feststellen: Das Thema lineares Fernsehen hat sich bei uns in der Familie erledigt. Es gibt im Grunde nur noch drei Sachen, die ich live sehen möchte: EM wenn die Deutschen spielen, WM wenn die Deutschen spielen und die 24 Stunden von LeMans. Der Rest ist mir egal. Ich möchte heute nicht in der Haut von Programmmachern stecken, die ein Programmschema zusammenbasteln müssen. Mich interessiert der Inhalt des lineares Fernsehens nur noch bedingt. Amazon, Netflix, Apple TV, die Mediatheken und vor allem YouTube haben dem klassischen TV den Rang abgelaufen. Meine Kinder schauen kein klassisches Fernsehen mehr und wenn sie ans TV-Gerät gehen, dann nur dann, um die Playstation 3/4 oder Nintendo-Konsolen anzuschalten. TV ist tot – und heute könnte ich wie diese nervigen Typen aus den Achtzigern sagen: „Wir haben keinen Fernseher, wir haben bewusst darauf verzichtet.“ Stimmt aber auch nicht, denn es wäre gelogen. Es kommt nur bedingt etwas, was mich interessiert. Und K1 hat es wunderbar ausgedrückt: „Papa, ich muss nicht dann fernseh schauen, wenn die Leute vom Fernsehen es wollen.“

K1/2 schalten die Glotze nur noch zum Spielen ein.

K1/2 schalten die Glotze nur noch zum Spielen ein.

Und in so eine Zeit fällt die Einführung von DVB-T2. Ich habe noch ein paar Antennen für Überall-TV in der Schublade gehabt. Damit hätte ich – theoretisch DVB-T unterwegs bei meinen Seminaren usw. schauen können. Hab ich aber kaum gemacht. Diese Antennen, Software und Kabel fliegen einfach jetzt in den Elektroschrott. Es interessiert mich einfach nicht mehr. Das Nutzungsverhalten unserer Familie hat sich komplett geändert.

Private Sender wollen Geld für DVB-T2
Wir zahlen die Rundfunkgebühr als Zwangsabgabe. Ich murre und habe aber grundsätzlich kein Problem, wenn ich für freien, unabhängigen Journalismus im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen eine Abgabe zahlen muss. Ich bin mit der journalistischen TV-Berichterstattung im Großen und Ganzen zufrieden, habe aber ein Problem damit, wenn ich mir gebührenfinanzierte Serien im TV anschauen soll. Darauf kann ich komplett verzichten. Informations- und Bildungsauftrag ja, Unterhaltungsauftrag nein. Ich finde die Apps der TV-Sender sehr, sehr gut. Aber das ist ein anderes Thema.

Werbung bietet mir neue Geräte an. Mir egal.

Werbung bietet mir neue Geräte an. Mir egal.

Jetzt lese ich, dass einige private TV-Sender eine Jahresgebühr für DVB-T2 haben wollen. Sagt mal, geht es euch noch gut? Privatfernsehen sollte doch werbefinanziert sein. Jetzt wollen die Herrschaften eine Art Abo für ihren Programminhalt haben. Keine Zwangsgebühr wie bei den Öffentichrechtlichen, sondern eine Art Abo – was im Grunde das Gleiche ist. Für was denn? Der Schrott, der über die Mattscheibe (nein LED-Bildschirm) flimmert, der interessiert mich nicht. Ich schaue kaum Unterschichtenfernsehen, wie diese Privatsender einstmals genannt wurden. Die Programminhalte interessieren mich nicht die Bohne. Die Versorgung über die öffentich-rechtlichen Sender reicht mir völlig aus.
Die neuen Receiver-Geräte kosten etwa 30 Euro. Rund 40 Programme kann man empfangen, davon 16 öffentlich-rechtliche kostenfrei. Die Privatsender strahlen über den Anbieter Freenet aus, der dafür 69 Euro im Jahr berechnet.
Ich kann die Argumente für DVB-T2 durchaus verstehen: Die neue Technik soll neben mehr Programmen auch eine bessere Bildqualität bieten. Alles nachvollziehbar und dennoch bleibt die Tatsache: Der Inhalt interessiert mich nicht mehr. Hier liegt doch das Problem. DVB-T2 ist mir egal. Jetzt kann ich endlich sagen. „Wir haben keinen DVB-T2, wir haben bewusst darauf verzichtet.“