Posts Tagged ‘Hanns-Seidel-Stiftung’

Verwaltung muss Bürger auf Augenhöhe begegnen

8. Oktober 2019

Versteht ihr eigentlich die Schreiben, die euch eine Behörde schicken? Seid ihr fit im Behörden- und Juristendeutsch? Ich bin es nicht und daher gibt es für Leute wie mich Klaus Holetschek in Bayern. Er ist Bürgerbeauftragter der Bayerischen Staaregierung und er hat allerhand zu tun.

Vor kurzem stellte er im Rahmen einer Veranstaltung bei der Hanns Seidel Stiftung die Studie Mittelpunkt Bürger: Dialog, Digital und Analog vor, die kostenlos bei der HSS erhältlich ist. Die Studie beschreibt das Problem, dass Behörden und Bürger nicht auf einer Sprachebene kommunizieren und welche Lösungsansätze es hier gibt. Um die Studie zu untermauern und weitere Ergebnisse zu sammeln, wurde bei der HSS der Workshop-Tag durchgeführt.

Neben zwei Statements von Markus Ferber, MdE und stellvertretender Vorsitzender der HSS, und Bürgerbeauftragter Klaus Holetschek, MdL, wurde konkret in vier Workshopgruppen gearbeitet. Ich war in den Arbeitsgruppen Social Media sowie Behördensprache dabei. Während in einer Gruppe sich ein Dialog mit Markus Ferber entwickelte, war die zweite Gruppe eher ein Wunschkonzert der Bürger an die Verwaltung.

In dieser Gruppe wurde beispielsweise der Wunsch nach einer Art Ticketsystem laut, das in der freien Wirtschaft schon lange umgesetzt wird. Die Verwaltung gibt einen Zwischenbescheid, wie weit eine Anfrage fortgeschritten ist. Das ist besonders bei Bauanträgen interessant, bei denen viele unterschiedliche Stellungnahmen eingeholt werden müssen. Diese Statusabfrage schaffe Transparenz.

„Der Bürger möchte, dass auf Augenhöhe mit ihm kommuniziert wird“, stellte Klaus Holetschek klar. Keine hierarchischen Diskussionen werden gewünscht, sondern ein wirklicher Austausch. „Verständlichkeit ist wesentlich.“ Sein Wunsch: „Wir müssen die Digitalisierung nutzen, um mehr Zeit für ein Bürgergespräch zu haben.“
Hier ein Video mit Ausschnitt von Holetscheks Abschlussrede, die auch live ins Netz übertragen wurde.

Allen Teilnehmern war klar, dass Social Media und Digitalisierung allgemeine eine neue Form von Kommunikation gebracht haben. „Kommunikation muss in den Mittelpunkt des politischen Handelns gestellt werden.“ In der Studie wird die Idee des Beamten zum Bürgerberater dargestellt. Ich denke, dieses System gibt es bereits und wird auch gelebt, dennoch ist es bei so manchen Beteiligten nicht angekommen. So gebe ich mir Mühe in meinen Schulungen für die bayerische Ministerialverwaltung verständliche Sprache zu vermitteln. Holetschek regte an, Bürgernahe Kommunikation nicht als Fortbildungskurs in der Verwaltungsausbildung durchzuführen, sondern ein eigenständiges Ausbildungsmodul zu schaffen. Da bin ich gerne mit dabei und biete meine Dienste an.
Hier ein Videointerview, das ich mit Klaus Holetschek nach der Veranstaltung geführt habe. Dort spricht der CSU-Landtagsabgeordnete sogar noch Revolution, aber schaut selbst:

Der Europaabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Hanns Seidel Stiftung Markus Ferber mahnte die Teilhabe der Bürger an der Politik an. Es gebe immer mehr die Distanz „von die da oben und die da unten.“ So mancher Bürger wolle, dass ausschließlich seine Argumentation gelte. Dabei stellte Ferber klar: „Ein gerechter Interessenausgleich ist die Aufgabe der Politik.“ In einem Videointerview mit mir ging Markus Ferber auch auf die Digitalisierung im Wahlkampf ein. Soziale Netzwerke seien ein Muss, aber nicht alles. Hier das Interview:

Die Ergebnisse der vier Workshops wurden am Ende der Veranstaltung auf dem Podium vorgestellt. So bekamen die Teilnehmer des Tages den Überblick, was in den einzelnen Arbeitsgruppen erarbeitet wurde. Das Veranstaltungsformat war gut gewählt. Hier die Zusammenfassung:

Persönlicher Nachruf auf Wilfried Scharnagl

17. Oktober 2018
Wilfried Scharnagl ist verstorben. Wilfried Scharnagl ist verstorben.

Mann oh Mann, was haben wir uns in den Haaren gelegen und nun ist er verstorben. Wie ich den sozialen Medien entnehme, ist der 1938 geborene Wilfried Scharnagl verstorben. Er galt als enger Vertrauter von Franz-Josef Strauß und mischte im Hintergrund der CSU immernoch mit. Gerne hätte ich seine Kommentierung zum Ausgang der Landtagswahl in Bayern gehört.
Immer wieder kreuzten sich unsere Wege. Scharnagl war von 1977 bis 2001 Chefredakteur der Parteizeitung Bayernkurier und man traf sich auf Veranstaltungen der CSU in München über die ich als junger Reporter berichtete. Wenn Scharnagl lospolterte gingen viele in Deckung. Sein Wort hatte Gewicht und er genoss es, wenn der alte CSU-Spruch aufs Tablett kam: „Scharnagl schreibt, was Strauß denkt und Strauß denkt, was Scharnagl schreibt.“ Ob es so wahr ist, weiß ich nicht, dazu bin ich zu jung. Aber er galt als Denker einer CSU, die es heute wohl in der damaligen Form nicht mehr gibt.
Richtig zu tun hatte ich mit Wilfried Scharnagl als ich mit ihm zusammen in einer Jury eines Schülerzeitungswettbewerbes saß. Die Raute war der Preis der Hanns-Seidel-Stiftung und Scharnagl gehörte dem Vorstand der parteinahen Stiftung an. Bei der Bewertung der Zeitschriften kamen wir uns immer wieder in die Haare. Für Scharnagl waren die Schülerzeitungen zu professionell in jeder Hinsicht. Zu professionell in den Texten, zu professionell in den Fotos und zu professionell im Layout. Er kam eben aus einer anderen Zeitungsgeneration und ist ebenso wie ich beim Münchner Merkur seine ersten journalistischen Schritte gegangen. Als Referent für Schülerzeitungsseminare vertrat ich aber absolut einen neuen Weg. Eine moderne Schülerzeitung in Papier in 4c aber auch online, gestaltet am Rechner mit DTP, entstanden als digitales Produkt mit verschiedenen Ausspielkanälen. Kein Kleben und Schneiden, kein Schwarzweiß, kein Kopierer oder Letraset-Buchstaben-Gefummel. Scharnagl und ich kamen in der Jury-Sitzung nicht überein und wurden keine Freunde.
Aber er war professionell, das muss ich zugeben. Als ich ihn zum Tode Friedrich Zimmermanns befragte, wusste er zwar, dass wir uns in den Jurysitzungen gestritten hatten, aber im Interview war er höchst professionell und gab mir freilich ein Interview für YouTube.

Ich habe Wilfried Scharnagl zum 100. Geburtstag von Franz-Josef Strauß im Jahre 2015 getroffen. Er hielt einen Vortrag über den bayerischen Politiker und ich war sehr überrascht, dass es keine Glorifizierung von FJS war. Scharnagl hatte zu seinem Freund eine kritische Distanz und das verwunderte mich.

Ich bin gespannt, wie Mitstreiter seiner damaligen Zeit diesen streitbaren Publizisten würdigen. Für die CSU ist ein Urgestein verstorben. Mein Beileid gilt seiner Familie.

Raphael Müller – erfolgreicher Buchautor mit Epilepsie und Autismus

2. Oktober 2018
Raphael Müller mit seinem Betreuer Wolfgang Fässler. Raphael Müller mit seinem Betreuer Wolfgang Fässler.

Raphael Müller liest, schreibt und dichtet gerne – und Raphael Müller ist ein erfolgreicher Buchautor. Er ist ein besonderer Junge mit seinen 19 Jahren. Raphael Müller sitzt im Rollstuhl und hat Epilepsie und Autismus und er nimmt an einem Schülerzeitungsseminar von mir teil. Das finde ich großartig und es hat mich tief beeindruckt. Schon vor seiner Geburt erlitt Raphael einen Schlaganfall. Sich und seine Umwelt nimmt er oft nur verschwommen wahr.
Raphael Müller besucht mit seinem Begleiter Wolfgang Fässler die Uni Augsburg und ist am Deutschherren-Gymnasium in Aichach Mitglied der Schülerzeitung Ventil, die vergangenes Jahr den Schülerzeitungspreis „die Raute“ der Hanns Seidel Stiftung gewonnen hat. Fässler ist gelernter Erzieher und Altenpfleger, der vom Bezirk Schwaben bezahlt wird.
In meinem Schülerzeitungsseminar arbeitet Raphael Müller als vollwertiges Mitglied und steuert ein Gedicht zur achtseitigen Seminarzeitung bei. Das Thema ist Stress. Mittels gestützter Kommunikation (FC) kann er sich schriftlich verständigen.

Stress – ein Modewort unserer Zeit
Landauf – landab hetzen die Menschen durch die Zeit.
Entspannung ist ein Fremdwort für viele Leut.
Heutzutage finden wenige den Ort der Ruhe und Geborgenheit.
Dabei ist das Glück so nahe, kaum einen Steinwurf weit.
Wo die Reise hinget, findet in unserem Denken statt.
Ob wir stehen oder fallen, entscheiden wir.
Auch unsere Worte fallen ins Visier.
Das was wir sagen ist jeden Tag unser Bier.
Lasst uns Stress positiv angehen,
Hinter den Bergen Lösungen sehen.
Dann kann das Leben wieder Freude bringen,
Und wir können mit den Vögeln Freudenlieder singen.

Das Gedicht von Raphael Müller. Das Gedicht von Raphael Müller.

Und er ist ein Profi in Sachen Literatur. Mit seiner Behinderung hat er zahlreiche Bücher und Gedichte veröffentlicht. Sein Output ist bemerkenswert.
Bis zum Vorschulalter war der Außenwelt nicht klar, dass Raphael Müller hochbegabt ist. Er konnte bereits zu diesem Zeitpunkt Lesen und Rechnen. Dank dem so genannten gestütztem Schreiben kann er Kontakt aufnehmen und sich mitteilen. Betreuer Wolfgang Fässler hilft ihm, die Tasten auf dem iPad zu bedienen. Ohne Digitalisierung wäre diese Art von Inklusion nicht möglich. Er besucht Autorenzirkel und Veranstaltungen an der Augsburger Uni.
Heute ist Raphael Müller eine Berühmtheit in der Literaturszene.

Arbeiten am iPad - gestützte Kommunikation. Arbeiten am iPad – gestützte Kommunikation.

2008 wurde sein Gedicht „Der Augenblick“ in der Anthologie der Brentano-Gesellschaft Frankfurt/M. veröffentlicht. Ein Jahr später „Das Dichten“ in der Anthologie „Beste Gedichte 09/10“. 2009 wurden im Gedichtband „Waldwege“ 15 seiner Gedichte gedruckt. Mit 14 Jahren verfasste er seine Biografie „Ich fliege mit zerrissenen Flügeln“, die 2017 auch in französischer Sprache erschien. Ab 2015 wurden die Fantasiegeschichten „Asa und Gasa“ mit ihren „Abenteuern im Land der Zwerge“ im Fontis-Verlag veröffentlicht. Der Fontis-Verlag ist ein Ableger des christlich geprägten Gießener Brunnen Verlags. In seinem Buch beschreibt er sein Gefühl, im eigenen Körper gefangen zu sein, ohne die Möglichkeit zu sprechen, zu gestikulieren oder sich frei bewegen zu können. Die Leseprobe, die sein Betreuer Wolfgang Fässler an mich verteilt hat, hat mich beeindruckt, nachdenklich gemacht. Raphael Müller will zum Nachdenken über Inklusion anregen und gibt zu verstehen: „Ich will nicht in einem Ghetto leben“.
Beim Schreiben drückt er sich oft in Gedichtform aus, wie in meinem Schülerzeitungsseminar. „Das ist meine Art der Welterklärung, und Gereimtes kann ich mir zudem besser merken.“

Persönlicher Nachruf auf Karst Pfeifer

13. September 2018

Es traf mich wie ein Schlag in die Magengrube und ich hatte es nicht erwartet. Mein Kollege Karst Pfeifer ist an Krebs verstorben. Karst war Diplom-Politologe und immer wieder kreuzten sich unsere Wege. 

Wenn ich ein Schülerzeitungsseminar für die Hanns-Seidel-Stiftung durchführte, war Karst Pfeifer immer meine erste Wahl. Er berichtete den Schülerinnen und Schülern über ein aktuelles politisches Thema und dann produzierten die Schülerzeitungsleute eine Seminarzeitung zu diesem Thema, führten Interviews mit Karst, kommentierten, berichteten und wandten journalistische Darstellungsformen in der Praxis an. 

Politologe Karst Pfeifer (r.) ein wirklich toller Referent, ist verstorben.

ref=“https://redaktion42.files.wordpress.com/2018/09/karst_pfeifer.jpg“> Politologe Karst Pfeifer (r.) ein wirklich toller Referent, ist verstorben.[/ca

Dabei war Karst Pfeifer ein Referent, wie man sich ihn nur wünschen konnte. Rhetorisch fit, nahezu brillant, bestens vorbereitet und er ging keiner Diskussion aus dem Weg. Dabei waren seine Themenfelder vielfältig: Sie handelten von Europa, Währungsunion, Extremismus, das politische System, Brexit, USA und vieles mehr. Ich genoss die Vorträge von Karst Pfeifer, denn er verstand es ausgezeichnet komplizierte Sachverhalte locker an seine Zielgruppe zu bringen, ohne unseriös zu sein. Und Karst Pfeifer hatte einen klaren Standpunkt, an denen man sich reiben konnte. Für mich war er ein hervorragender Geschichtenerzähler, ein Storyteller im besten Sinne. Er war kein intellektueller Eierkopf, der in seinem akademischen Elfenbeinturm saß, sondern ein Redner, der sich einwandfrei auf seine Zielgruppe einstellen konnte. 

Nach den Vorträgen saßen wir oft beim Getränk zusammen und tauschten uns über unsere Seminarerfahrung aus. Wir lernten voneinander, ich lernte von ihm viel über den Umgang mit schwierigen Seminarteilnehmern, die es immer wieder gibt. Er schaute sich meinen Vortragsstil der visuellen Präsentation ab: Also kein Tod durch Power Point, sondern der Referent steht im Mittelpunkt und erzählt durch Unterstützung von visuellen Elementen seine Geschichte. Wir achteten uns, wir verstanden uns und das war schön. 

Und jetzt erfahre ich um drei Ecken, dass Karst Pfeifer verstorben ist. An seiner Trauerfeier konnte ich nicht teilnehmen und gerne hätte ich mich von ihm verabschiedet. Immer wieder fragte ich in den vergangenen Monaten nach, wie es ihm ginge, schickte Mails und war in lockeren Kontakt mit ihm. Bei einem Jahrestreffen der HSS-Referenten unterschrieben alle Kolleginnen und Kollegen und wünschten ihm eine gute Besserung nach schwierigen Operationen. Und ich war erfreut, dass er langsam wieder in den Seminaralltag einsteigen wollte. Es ging ihm wohl scheinbar besser. Das hörte sich gut an. 

Und dann kam jetzt diese Nachricht vom Tode, die mich umgehauen hat. Der Krebs ist ein Arschloch. Details gehen keinem etwas an. Was bleibt zurück? Viele tolle Erinnerungen an einen wunderbaren Menschen, der sich der politischen Bildung verschrieben hatte und Bildung unters Volk brachte. Karst, wir vermissen dich und ich wünsche seiner Familie alle Kraft dieser Welt. 

Seminare rund um Videogames

2. Juli 2018
Videospiele - hier ein VR-Spiel - sind Teil meiner Freizeitbeschäftigung.

Videospiele – hier ein VR-Spiel – sind Teil meiner Freizeitbeschäftigung.

Heute mal etwas in eigener Sache: Ich möchte euch auf zwei interessante Gaming-Veranstaltungen hinweisen, an denen ich beteiligt bin. Die eine ist in München, die andere ist in Köln/Bonn im Rahmen der GamesCom.

Videospiele als kulturelle Errungenschaft
Am Dienstag, 10. Juli, werde ich im Auftrag der Hanns Seidel Stiftung eine Veranstaltung zum Thema „Umgang mit Videospielen“ durchführen. Von 9 bis 16 Uhr spreche ich zusammen mit einem Kollegen über die Versoftung von Filmen. Meine These: Der Film wird als Leitmedium von Gaming abgelöst. Ich zeige einige gute und sehr viele schlechte Beispiele von Film zu Games und dann Games zum Film und wir reden über die neuen Entwicklungen wie VR. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Verbraucherschutzes statt. Am Nachmittag haben wir spannende Diskussionen.
Sehr freue ich mich über den Beitrag von Nina van Aken, einer jungen Psychologin und psychologische Psychotherapeutin in Ausbildung und Gamerin. Sie spricht zu: Virtual Reality Exposure Therapy bei Angststörungen und die Ursachen von Videospielabhängigkeit.
Ich bin der Meinung, dass Videogames auch Kulturgüter sind – freilich nicht jedes Spiel ist Kultur, so wie nicht jedes Musikstück oder jeder Film ein Kulturgut sind. Ich diskutierte mit Stefan Fränkl vom Verein VideoSpielKultur VSK aus München. Dieser Verein führt regelmäßig Spieleabende im Werk1 in München durch und zeigt immer wieder Retrogames (hier schlägt mein Herz natürlich höher). Das genaue Programm und die Anmeldung gibt es hier unter HSS_game.

Im August findet die GamesCom in Köln statt. Und ich organisiere im Auftrag vom Johannes-Albers-Bildungsforum gGmbH ein dreitägiges Bloggerseminar zum Thema Games mit Besuch auf der GamesCom. Ich will mit Jugendlichen das Thema Games aus unterschiedlichen Sichtweisen diskutieren und darüber bloggen. Natürlich besuchen wir auch die GamesCom zum Recherchieren. Für Übernachtung, Verpflegung und Eintritt auf die GamesCom ist gesorgt und wer weiß, wie die Hotelpreise zu dieser Zeit aussehen, der sollte diese Chance wahrnehmen. Das genaue Programm gibt es hier unter Gamescom.

Bitte anmelden und an interessierte Gamer weitergeben. 

Blogparade #SchlossGenuss in Kloster Banz

3. Mai 2018

Als Referent komme ich viel herum. Ich reise zu Tagungszentren und Businesshotels und halte in meine Vorträge rund um Digitalisierung. 

Ein Seminar von mir für den LIV Friseure in Kloster Banz.

Ein Seminar von mir für den LIV Friseure in Kloster Banz.

Ein treuer Kunde von mir ist die Hanns Seidel Stiftung und diese CSU-nahe Stiftung besitzt in Oberfranken das Kloster Banz. Die Franken sagen auch Schloss Banz zu dem imposanten Sandsteingebäude. Und als ich von der Blogparade #SchlossGenuss meiner Bloggerclub-Freundin Tanja Praske erfuhr, wurde mir schlagartig bewusst, in welchem schönen Gebäude ich ab und zu arbeite. Vor lautet Arbeit habe ich manches Mal vergessen, welch schöner und inspirierender Ort das ist. Ihre Blogparade von Tanja dreht sich um die Frage: Was fesselt dich beim Besuch eines Klosters/Schosses? Und ich bin Tanja sehr dankbar für diese Blogparade. 

Der Zauber von Kloster Banz 

Immer wieder verzaubert mich Kloster Banz mit seinem speziellen Charme. Ich komme immer wieder gerne nach Oberfranken, reise in der Regel mit dem Zug an. Gegenüber dem Wallfahrtsort Vierzehnheiligen und dem Staffelberg erhebt sich  das Kloster Banz in die Höhe. Schon bei der Anreise zeigt sich die Schönheit des Klosters. Die HSS hat das baufällige Kloster im Jahre 1978 gekauft und zum Bildungszentrum hergerichtet.

Natürlich ist vieles Routine, wenn ich als Referent nach Banz, die Franken sagen auf Banz, komme. Einchecken, freundliches Schwätzchen mit der Empfangscrew, Zimmer beziehen (meist im Hauptgebäude) und dann wird mir schlagartig bewusst, an welchem wunderbaren Ort ich mich befinde:

Ich öffne mein Fenster und schaue in den Gottesgarten. Ein großartiger Blick in das Obermainland. Meine Batterie laden sich auf. Minutenlang bleibe ich stehen und genieße den Blick. Als Gottesgarten wird eine Region im Obermainland bezeichnet. Sie erstreckt sich von der Gemeinde Ebensfeld das Maintal entlang über Bad Staffelstein bis zur Kreisstadt Lichtenfels. Gegenüber ist die Basilika Vierzehnheiligen zu erkennen – der Ausflug zu den 14 Nothelfern lohnt sich (auch das Bier).

Und ich blicke auf den Staffelberg und das Frankenlied kommt mir in den Sinn. Die vierte Strophe lautet: 

Zum heil’gen Veit von Staffelstein

komm ich empor gestiegen,

und seh’ die Lande um den Main

zu meinen Füßen liegen.

Von Bamberg bis zum Grabfeldgau

umrahmen Berg und Hügel

die breite stromdurchglänzte Au.

Ich wollt’, mir wüchsen Flügel,

valeri, valera, valeri, valera,

ich wollt’, mir wüchsen Flügel.

Die anderen Strophen, die sich gegen die Bayern richten, habe ich als Oberbayer freilich vergessen.

Abwechslung auf Kloster Banz

Dann schalte ich in meinen Arbeitsrhythmus und halte meine Vorträge. Abends steht der Besuch des Bierstüblas, des SPA-Bereichs oder des Fitnessraums an. Meistens stehe ich um 5:30 Uhr auf und laufe eine halbe Stunde auf dem Laufwand. Danach geht es in Schwimmbad bis 7 Uhr.

Ab und zu mache ich einen auf Kultur und betrachte die zahlreichen Gemälde in dem Gebäude. Oft übersehen, aber wirklich eindrucksvoll ist das Museum in Banz. Es beinhaltet die Petrefaktensammlung, die auch zahlreiche andere Exponate wie beispielsweise ägyptische Mumien und ein versteinerten Fischschädel enthält. Ich hab mal über das Museum gebloggt. 

Wenn das Wetter passt, setze ich mich in die Anlagen, um etwas zu lesen, meine Seminare vorzubereiten oder meinen Gedanken nachzuhängen. Hier gehe ich meist Seminarteilnehmern aus dem Weg. Ich sammle Kraft für die Seminare, denn die Weitergabe von Fachwissen ist anstrengend. Bei Hitze ist der kleine Brunnen für mich ein Ort an dem ich mich gern aufhalte. Das Geplätscher beruhigt mich und fördert meine Kreativität. Banz hat viele solcher Orte, die meine Kreativität unterstützen – dafür bin ich sehr dankbar.

 

Immer wieder nutze ich auch diesen abgeschiedenen Ort, um Interviews zu führen. So beispielsweise ein Gespräch mit der jungen Poetry-Slammerin Coco aus Franken. Die damals Elftklasslerin erzähle mir fasziniert über ihr Hobby und ich drehte dazu ein 360 Grad Video. 

Die Orte in Kloster Banz

Kloster Banz hat aber auch interessante Räume, die nicht jedem offen stehen. Die HSS steht der CSU nah, aber es ist keine CSU-Stiftung. Und die CSU führt ab und zu Veranstaltungen durch und auch der Ministerpräsident übernachtet dann hier. Und wer jetzt glaubt, dass die Volksvertreter in Saus und Braus leben, der wird enttäuscht. Ich hatte mal die Chance, eine Suite in Banz zu besuchen.  

Interessanter ist das Arbeitszimmer des Abtes, das nur noch in Führungen besichtigt werden kann. Der kleine Raum zur Uhr über den Haupteingang von Banz ist mittlerweile für die Öffentlichkeit tabu. Vor Jahren hatte ich einmal die Möglichkeit, den Raum zu besichtigen. 

 

Die perfekte Schülerzeitung

20. März 2018
Noch ist der Saal leer, aber in einer Stunde war er voll besetzt und ich durfte über Schülerzeitungen sprechen.

Noch ist der Saal leer, aber in einer Stunde war er voll besetzt und ich durfte über Schülerzeitungen sprechen.

Zum Lesetag 2018 war ich von der Regierung von Oberfranken nach Scheßlitz eingeladen und durfte zum Thema Schülerzeitung referieren. Rund 200 Lehrerinnen und Lehrer folgten dieser Einladung. Zu meiner Schulzeit war ich selbst Schülerzeitungsredakteur, doch das liegt lange zurück. Seit Jahren betreue ich für die Hanns Seidel Stiftung die Schülerzeitungsseminare, bin immer wieder Jurymitglied des Schülerzeitungspreises Die Raute und habe zusammen mit meinem Kollegen Thomas Gerlach das Standardwerk „1×1 der Schülerzeitung“ geschrieben. Im Moment überarbeiten wir gerade den Inhalt für eine dritte Auflage und werden 2018 noch ein Workshop-Buch für Schülerzeitungredakteure herausgeben.

Mit einem halbstündigen Vortrag eröffnete ich den Lesetag 2018 und habe meine Keynote mitgefilmt und bei YouTube eingestellt, um das Wissen zu verbreiten. Schülerzeitung ist für mich eine bunte Spielweise der Kreativität gepaart mit den drei T. Es ist toll zu sehen, welche Ideen die jungen Leute entwickeln.

Das Buch 1x1 der Schülerzeitung, herausgegeben von der HSS, legte ich aus.

Das Buch 1×1 der Schülerzeitung, herausgegeben von der HSS, legte ich aus.

Das erste T: Texte
Da wäre die Beschäftigung mit Texten. Was kann ich wie über journalistische Darstellungsformen ausdrücken? Dabei steht nicht die Selbstverwirklichung im Vordergrund, sondern der Dienst am Leser. Journalisten, auch Schülerzeitungsredakteure, sollen komplizierte Sachverhalte so aufbereiten, dass es der Leser versteht. Nicht missionieren ist angesagt, sondern vermitteln – dabei auch natürlich unterhaltend. Das passt natürlich ideal zum Lesetag 2018, um Schülerinnen und Schülern das Lesen wieder mehr zu vermitteln.

Das zweite T: Technik
Schülerzeitungen werden heute nicht mehr wie zu meiner Zeit geklebt. Es gibt keine Letraset-Buchstaben mehr zum Rubbeln, sondern Schülerzeitungen werden am Computer erstellt – die Online-Schülerzeitung erst recht. Der Umgang mit dem Computer, das Einhalten eines Workflows und das Datei-Ablagesystem in Server oder Cloud sind heute Grundkenntnisse in der Wirtschaft. Leider können dies viele Schülerinnen und Schüler nicht und lernen über die Arbeit an der Schülerzeitung diese Grundfertigkeiten der IT. Spielerisch so für das spätere digitale Leben vorbereitet – was will man mehr?

Ich durfte zudem noch zwei Workshops am Lesetag 2018 halten.

Ich durfte zudem noch zwei Workshops am Lesetag 2018 halten.

Das dritte T: Team
In der Schule lernt jeder für seine persönliche Note. Teamfähigkeit steht zwar irgendwo im Lehrplan, doch viele Schülerinnen und Schüler sind klassische Einzelkämpfer. Benötigt werden in Projekten – und die Schülerzeitung ist klassisches Projektmanagement – allerdings Teamplayer. Und hier wird spielerisch ein Team samt dazugehörige Hierarchien eingeübt: Chefredakteur, Text- und Layoutchef, Fotografen, Redakteure, Layouter, Anzeigentruppe, Controlling und Marketing – die Schülerzeitung bietet für jeden einen Platz und eine Rolle. Das Zusammenspiel als Team macht dann diesen Erfolg aus.

Klares Angebot
Gerne stehe ich als Referent für Schülerzeitung Print und Online zur Verfügung und vermittle auch gerne den Kontakt zur HSS, die hier sehr engagiert für das Thema einsteht.

Gerne stehe ich als Referent zur Verfügung und stelle den Kontakt zur HSS her.

Gerne stehe ich als Referent zur Verfügung und stelle den Kontakt zur HSS her.

Holocaust-Gedenktag: Es sind gute Zeiten für den Kampf für unsere Demokratie

27. Januar 2017

Heute ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und die beiden anderen Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Die Vereinten Nationen erklärten diesen Tag zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.
Ich will in meinem sonst recht unpolitischen Blog heute an diesen Tag erinnern. Gerade die aktuellen politischen Entwicklungen in der Welt, aber auch in Deutschland machen mir Sorge, manches Mal Angst. Sind wir schon wieder soweit? Sind wir schon wieder soweit, dass Kleingeister ihr verbrecherisches Gedankengut frei und ungestraft äußern können? Bei den anstehenden Wahlen machen Menschen ihr Kreuz bei den braunen Rattenfängern, wenn ich den Prognosen glauben darf. „Das wird man doch noch sagen dürfen ..“ poltert es mir entgegen – in der Bahn, im Wirtshaus, in Seminaren. Überall in Europa und auch im Land der Freiheit, den USA, bricht blanker Nationalismus hervor. Hier wird gerade mein Europa kaputtgemacht.
Mein ehemaliger Nachbar, der unlängst verstorbene Bundespräsident Roman Herzog, hatte einstmals bei der Proklamation des Gedenktages gesagt: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“ Vor allem den letzten Teil der Proklamation halte ich aktuell.

Appell der Bundespräsidenten
Bei dem Festakt zu 50 Jahre Hanns Seidel Stiftung hörte ich zum ersten Mal den scheidenden Bundespräsidenten Joachim Gauck. Auch er sagte weise Worte. „Die Demokratie muss mit der Erziehung zum verantwortungsvollen Gebrauch der Freiheit einhergehen.“ Jetzt müsse man dafür sorgen, dass die Menschen in der Mitte der Demokratie erwachten und begriffen, dass Demokratie in jeder Generation nicht neu erfunden, aber neu gesichert werden müsse. „Wir wollen doch nicht, dass die Gefühlswallungen von den Rändern der Gesellschaft so stark werden, dass eine träge gewordene Mitte denkt, man kann da gar nichts machen, die Zeiten sind eben schlecht. Es sind gute Zeiten für den Kampf für unsere Demokratie.“ Lieber Herr Gauck – das waren die richtigen Worte zur richtigen Zeit: „Es sind gute Zeiten für den Kampf für unsere Demokratie.“

Unscharfes Selfie mit dem Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Unscharfes Selfie mit dem Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Respekt vor der Geschichte
Vor Jahren besuchte ich das Vernichtungslager in Ausschwitz, vor Jahren besuchte ich das Konzentrationslager Dachau, vor Jahren besuchte ich vor kurzem das Mahnmal in Berlin – es ist alles lange her gewesen. Viele Erinnerungen und Gefühlen sind verblasst. Beim Betrachten der Fotos kommen die Gedanken zurück. Ausschwitz erschreckte mich als ich sah, wozu Menschen fähig sind. Ich wanderte alleine über das Gelände und ließ mich treiben. Im Fernsehen es zu sehen, in der Schule darüber zu lernen – das ist wichtig, aber es zu erspüren ist mindestens ebenso. Die Generation der Zeitzeugen stirbt und ihre Erzählungen zu bewahren, ist wichtig,
Ich war vor kurzem beruflich in Berlin und hatte nur ganz wenig Zeit, das Holocaust-Mahnmal zu besuchen. Ich wollte es aber unbedingt, nachdem ich die Diskussion um die rechten Schreihälse mit ihrer Drang nach Öffentlichkeit mitbekommen habe. Das Holocaust-Mahnmal besteht aus einem wellenförmigen Feld mit 2711 Stelen. Durchs Netz laufen gerade Bilder von tanzenden Touris durch das Mahnmal. Das war bei mir nicht der Fall. Es war zu kalt, zu spät, zu windig, aber bei früheren Berlin-Reisen ist mir dies auch aufgefallen. Respekt vor der Geschichte gehört einfach dazu – und Bildung. Immer wieder Bildung. Bildung ist der Schlüssel zu allem.
Ich habe beschlossen, mich wieder zu erinnern und werde mich für unsere Demokratie verstärkt einsetzen. Ich lasse mir mein Europa, meine Demokratie nicht von links oder rechts kaputt machen. Ich habe keine Lust auf des Deutschen Lust auf Untergang. Ein Vorbild für meine Kinder zu sein, das ist jetzt wichtig. Ich zeige Flagge. Meine Felder sind die politische Bildung und die Medienkompetenz. Wie Gauck sagte: „Es sind gute Zeiten für den Kampf für unsere Demokratie.“

Zauberwort eFood – die nächste Online-Welle kommt

23. November 2016

Der Einkauf im Internet gehört für viele Deutschen zur Normalität. Im anstehenden Weihnachtsgeschäft werden die Deutschen dieses Jahr insgesamt erstmals mehr als 75 Milliarden Euro ausgeben (75,6 Mrd.) – 2,0 Prozent mehr als im Vorjahr (74,1 Mrd. Euro). Der E-Commerce-Anteil – der Teil der Einkäufe, die online über Computer und mobile Endgeräte getätigt werden – steigt dabei von 18,9 Prozent (2015) der Gesamteinnahmen auf 21,0 Prozent in diesem Jahr an. Im deutschen Weihnachtsgeschäft wird demnach mehr als jeder fünfte Euro online ausgegeben. Die nächste große Welle ist bereits am Horizont auszumachen: eFood – der Verkauf von Lebensmitteln über das Internet. Zum Thema eFood fand einen ganzen Tag ein Verbraucherseminar im Konferenzzentrum München der Hanns Seidel Stiftung statt. Dort stellte ich die aktuellen Zahlen und Entwicklungen vor.

Zauberwort eFood - so lautete ein Seminar von mir.

Zauberwort eFood – so lautete ein Seminar von mir.

Wenig Geld für Lebensmittel
Es erschreckt mich, wie wenig die Deutschen für Lebensmittel ausgeben. Durchschnittlich 300 Euro im Monat gab ein privater Haushalt in Deutschland im Jahr 2013 für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren aus. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, entfiel der größte Teil dieser Ausgaben mit 225 Euro (75 %) auf Nahrungsmittel. Die Ausgaben für alkoholfreie Getränke lagen mit 32 Euro (11 %) leicht über den Ausgaben für alkoholische Getränke mit 26 Euro (9 %). Für Tabakwaren wurden durchschnittlich 17 Euro (6 %) im Monat ausgegeben.
Die Ausgaben für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren stiegen mit der Anzahl der Personen im Haushalt, allerdings nicht proportional. Während Alleinlebende im Schnitt 174 Euro für diesen Bereich ausgaben, hatten 2-Personen-Haushalte mit 338 Euro im Monat (169 Euro pro Person) nur knapp doppelt so hohe Ausgaben. 3-Personen- und 4-Personen-Haushalte verwendeten durchschnittlich 412 Euro (137 Euro pro Person) beziehungsweise 478 Euro (120 Euro pro Person) im Monat für diesen Bereich. Haushalte mit 5 und mehr Personen kauften für durchschnittlich 557 Euro im Monat Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren.
Bei den Nahrungsmittelausgaben entfiel der größte Anteil mit durchschnittlich 22 % (50 Euro im Monat) auf Fleisch und Fleischwaren. 18 % (41 Euro im Monat) der Ausgaben für Nahrungsmittel machten Brot und Getreideerzeugnisse aus. Knapp 17 % (37 Euro im Monat) betrug der Anteil für Molkereiprodukte und Eier.

Aufmerksame Zuhörer

Aufmerksame Zuhörer

Die nächste Welle
Weltweit interessieren sich immer mehr Verbraucher für den Online- Kauf von Lebensmitteln. Das Interesse der Verbraucher am Lebensmitteleinkauf im Internet ist seit 2010 weltweit um fast die Hälfte (44 Prozent) gestiegen, ergab eine Nielsen-Studie von 2012. Überraschend: In Deutschland, wo das Online-Shopping von Elektroartikeln, Büchern und Mode sehr verbreitet ist, besteht bisher wenig Bereitschaft zum Lebensmittelkauf im Internet. Bis jetzt. Ich sage massive Umsatzsteigerungen voraus. Der Anteil des Segments „Lebensmittel und Drogerieartikel“ am gesamten Online-Umsatz des Handels werde sich bis 2025 von acht auf 16 Prozent verdoppeln, zitierte ich eine Studie mit dem Titel „E-Commerce – Wachstum ohne Grenzen?“,
Rund 28 Prozent aller Online-Shopper haben demnach bereits Lebensmittel oder Getränke im Internet gekauft. 43 Prozent von ihnen haben dabei Online-Shops von Supermärkten, die auch stationären Handel betreiben, gewählt, zum Beispiel rewe.de oder bringmeister.de. 38 Prozent von ihnen haben bei reinen Online-Lebensmittelhändlern mit umfassendem Sortiment wie mytime.de oder emmas-enkel.de geordert. Weitere 18 Prozent der Online-Lebensmittel-Käufer haben bei einem Online-Händler für spezielle Warengruppen wie Wein oder Süßigkeiten eingekauft. Und 15 Prozent haben bei einem klassischen Online-Versandhandel oder einer Auktionsplattform (Amazon oder Ebay) bestellt.
Der Anteil der Online-Shopper, die auch Lebensmittel oder Getränke im Netz bestellen, ist von 10 Prozent im Jahr 2012 auf derzeit rund 28 Prozent gestiegen. Bei den 30- bis 49-Jährigen beträgt der Anteil sogar schon 33 Prozent. 87 Prozent der Online-Shopper von Lebensmitteln haben haltbare Lebensmittel wie zum Beispiel Nudeln oder Mehl gekauft, immerhin 31 Prozent frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse. 18 Prozent derjenigen, die schon einmal Lebensmittel online gekauft haben, tun das regelmäßig, 39 Prozent manchmal, 33 Prozent selten und 9 Prozent haben dies bisher erst einmal getan.

Ablehnende Gründe
Wer noch keine Lebensmittel online gekauft hat, gibt dafür unterschiedliche Gründe an: 60 Prozent sagen, dass sie nicht auf eine Lieferung warten wollen. 59 Prozent haben Zweifel an der Frische der Lebensmittel. Die Versandkosten sind für zirka 32 Prozent ein Hinderungsgrund, lediglich 7 Prozent haben Datenschutzbedenken.

Die Online-Wende kommt
Derzeit kaufen Verbraucher mit 26 Prozent mehrheitlich abgepackte Lebensmittel wie Tiefkühlgerichte, Mehl oder Müsli im Internet. Erst 5 Prozent der Nutzer bestellen online auch frische Waren wie Milch, Eier oder Obst. Angeboten wird die Online-Bestellung von Lebensmitteln sowohl von klassischen Supermärkten als auch von spezialisierten Webshops. Neben gängigen Produkten finden Verbraucher im Internet zum Beispiel auch Delikatessen, die im stationären Handel eher schwer zu bekommen sind. Die Lieferung frischer Waren ist bislang vor allem in Ballungsräumen verbreitet.

Bestellung von Lebensmitteln live im Seminar
Und genau das wollte ich im Seminar ausprobieren. Online bestellte ich bei dem Amazon Lieferdienst Amazon Prime Now eine Reihe von Lebensmitteln für die Seminarteilnehmer, darunter Äpfel, Sushi, Landjäger. Bestellt wurde mit der entsprechenden Amazon Prime Now App via Smartphone. Live konnten die Seminarteilnehmer die Bestellung verfolge. Innerhalb von zwei Stunden verspricht Amazon die Lieferung. Nach bereits einer Stunde war es dann soweit. Per SMS kündigte sich der Versand per Fahrradkurier an. Die Route des Radlers zur Hanns Seidel Stiftung konnten die Teilnehmer per GPS verfolgen.

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Das Eintreffen des Fahrradkuriers wurde mit Applaus begrüßt. Amazon Fresh hat einwandfrei funktioniert. Die Qualität der Waren war ausgezeichnet. In München kooperiert Amazon Prime Now zudem mit der Bäckerei Rischart für frische Backwaren.

Praktiker kamen zu Wort
Am Nachmittag gab es zwei Impulsreferate. Metzgermeister Claus Böbel aus dem fränkischen Rittersbach betreibt eine der erfolgreichen deutschen Online-Metzgereien umdiewurst.de Seine Kunden bestellen aus der ganzen Republik und darüber hinaus. Böbel berichtete vom Aufbau seines Shops und dem umfangreichen Sortiment. Dieses bewirbt er online über seine Website und auch über einen eigens gedruckten Wurstkatalog. Er hat durch zahlreiche Seminare und Wurstevents sein Unternehmen zu einer starken Marke im Internet ausgebaut und macht einen beachtlichen Teil seines Unternehmensumsatz mit dem Versand von frischen, hochwertigen Wurst- und Fleischwaren.

Claus Böbel bei seinem Vortrag.

Claus Böbel bei seinem Vortrag.

Direktvermarkterin Erika Sauer aus Moosbach in der Oberpfalz betreibt die Zucht von Rotem Höhenvieh. Diese Rasse ist in der Oberpfalz angesiedelt. Erika Sauer, die ihre Tiere nicht über das Internet vermarktet, diskutierte die Chancen für Mutterkuhbetriebe. Sie forderte von der Politik mehr Unterstützung für kleine heimische Betriebe, unter anderem Hilfe beim Aufbau einer Bestell- und Vertriebsplattform im Internet. Erika Sauer ist auch Vorsitzende des Fleischrinderverband Bayern e.V. und sie warb für Rindfleisch aus bäuerlicher Produktion. Während des Zentralen Landwirtschaftsfestes konnten sich die Besucher einen Eindruck von den Tieren machen.

Erika Sauer (l) und Claus Böbel (r) mit mir.

Erika Sauer (l) und Claus Böbel (r) mit mir.

Raute – der Preis für Schülerzeitungen

1. September 2016
Ein ganzer Tag Jury-Sitzung kann anstrengend sein.

Ein ganzer Tag Jury-Sitzung kann anstrengend sein.

Ganz so einfach, wie man es sich vorstellt, ist eine Jury-Sitzung dann doch nicht. Vor kurzem wurde ich von der Hanns Seidel Stiftung zur Teilnahme an einer Jurysitzung eingeladen, um die beste Schülerzeitung Deutschlands zu küren. Der Preis heißt Raute. Das Ergebnis verrate ich natürlich nicht, aber verraten kann ich, dass wir es uns nicht leicht gemacht haben. Wir haben ganz schön miteinander gerungen, abgewägt und auch mal gestritten.


Wer gewonnen hat, das wird am 7. November verkündet. Dann findet ein Festakt in der Zentrale der HSS in München statt. Eingeladen hat die Vorsitzende der Stiftung, Ursula Männle. Die Festansprache hält dieses Mal der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle. Spaenle ist selbst Journalist und wird den jungen Kollegen sicher Mut zusprechen. Ich hoffe, dass wenig Politik in seiner Rede vorkommt und vielmehr viel, viel Motivation für die Nachwuchsjournalisten.

Die eintägige Jury-Sitzung zur Raute hat Spaß gemacht. Ich wurde als Jurymitglied aus zwei Gründen nominiert. Zum einen, sicher der wichtigere Grund, ich mache seit über 20 Jahren Trainings für Schülerzeitungen. Ich betreue mehrere Zeitungen und ganze Redaktionen sind schon durch meine Schulungen gegangen. So mancher Schülerzeitungsredakteur ist später selbst Journalist geworden, was mich besonders freut. Ab und zu besteht der Kontakt noch immer. Zudem habe ich mehrere Bücher zum Thema veröffentlicht. Hier gibt es eines zum kostenlosen Download. Wer gedruckte Exemplare braucht, bitte eine Mail an mich.
Zum anderen bin ich vor kurzem zum Vorsitzenden des Bloggerclubs gewählt worden. Zusammen mit vielen Gleichgesinnten haben wir den Verein gegründet, um Bloggern eine Unterstützung zu geben und auch um eine Interessenvertretung für Blogger zu sein. Und ich sehe, so manche Schülerzeitung hat als Marketinginstrument neben der Print-Schülerzeitung einen Blog am Start. Das passt ideal zusammen.
Die eingesandten Schülerzeitungen aus ganz Deutschland wurde in Schularten eingeteilt. Grund-/Mittelschulen, Förderschulen, Realschulen sowie FOB/BOS und Gymnasien. Es wurde von Mitarbeitern der HSS eine Auswahl getroffen und dann trat die Jury zusammen. Ich bewertete die Grund-/Mittelschulen und Förderschulen.


Bei unserer Arbeit waren wir sehr überrascht von der Qualität der Beiträge. Wir – das waren meine Blogger-Kollegin Miriam Zöllisch und der HSS-Praktikant Jan-Philipp Grande und ich. Bewertet wurde in den Kategorien Gesamtbild, journalistischer Einzelbeitrag und journalistische Vielfalt. Wir machten uns die Sache nicht leicht und rangen um die beste Entscheidung und die beste Begründung. Beim Durchlesen und Blättern ist mir wieder aufgefallen, wie kreativ die jungen Blattmacher sind. So hat eine Förderschule beispielsweise alle Beiträge als Audiodatei auf eine CD abgelegt, damit die sehbehinderten Mitschüler auch in den Genuss der Artikel kommen. Eine andere Zeitung hat beispielsweise auf einem Jahreskalender die Geburtstage der Lehrer veröffentlicht – freilich nicht ohne Hintergedanken. Bei Geburtstag muss der Lehrer einen Kuchen für die Klasse springen lassen. Schönes Thema war auch die Haustiere der Lehrer in der Grundschule.
Für mich als Blogger auch interessant, war der Einsatz von QR-Codes in den Heften. Hier wird auf eine Langfassung des Artikels gelinkt. Und was natürlich auch passiert und wo viele Profizeitungen lernen können, ist eine Verlinkungen auf Fotogalerien.
Ich habe gleich mal ein 360 Grad Video mit Stefanie von Winning vom Institut für politische Bildung der HSS gedreht. Sie ist die zuständige Referentin, wenn es um Schülerzeitungen geht. Viel Spaß mit dem Video.