Posts Tagged ‘Abendzeitung’

Kein Buchtipp: Unter Bayern, Glossen der SZ von 2004 bis 2006

11. Januar 2023

Ich bereite mich gerade auf einen Kurs über Glossen als journalistische Darstellungsform vor. Glossen zu schreiben ist schwierig, sehr schwierig sogar. Denn anders als für die berichtende Form im Journalismus wie beispielsweise Nachricht, Bericht oder Interview brauche ich für die Glosse eines unbedingt: Talent. Was für den einen witzig ist, ist für den anderen kompletter Blödsinn.

Und da Glossen in der Zeitungswelt irgendwie selten geworden sind, habe ich zu einer alten Sammlung Streiflichter der Süddeutschen Zeitung gegriffen: Unter Bayern ist eine Sammlung von Glossen der SZ der Jahre 2004 bis 2006 mit dem Thema Bayern. Mit Bayern kenn ich mich aus und der politischen Lage der damaligen Zeit ebenso. Und was soll ich sagen? Diese Sammlung ist einfach nicht witzig, nicht humorvoll, vielleicht in Teilen satirisch, nicht allzusehr überspitzt – ich wage sogar zu sagen: Die meisten der Glossen langweilen mich. Und das liegt nicht an dem Alter der Geschichten der SZ-Edelfedern, sondern es ist wohl einfach nicht mein Humor.

Als Münchner amüsiere ich mich, wenn wir Bayern auf den Arm genommen werden und uns der Spiegel vorgehalten wird. Ich hab kein Problem, wenn die Bundesrepublik über uns lacht, denn ich weiß ja, dass viel Neid darin verborgen ist. Aber bitte nicht in so einem Oberlehrerton der SZ-Schreiber. Dass wir uns richtig verstehen: Ich mag die Süddeutsche für ihre Berichterstattung, vor allem für die investigativen Geschichten. Die SZ bereichert den sterbenden Blätterwald in Deutschland. Aber ich mag diesen Glossenstil einfach nicht, der so belehrend, so bildungsbürgerhaft ist, wenn nicht sogar etwas eingebildet daherkommt. Und das sage ich, obwohl ich für diesen süddeutschen Konzern gerne und gut gearbeitet habe. Aber wie heißt es bei uns: Leben und leben lassen.

Den Umschlag des Buch zieren Karikaturen von Dieter Hanitzsch („gut, besser Paulaner“), der seit 2018 bei der SZ aus gutem Grund in Ungnade gefallen ist und dann zur Abendzeitung wechselte. Ich habe einige Bücher von ihm über Franz Josef Strauß und konnte sehr lachen. Heute lache ich über Dieter Hanitzsch nicht mehr. Er leugnet jeglichen Einfluss des CO2 auf das Weltklima und diffamiert Greta Thunberg als „geistig gestörtes Kind“. Nein danke.

Wie arbeitet der Journalist Tim Pröse?

21. Oktober 2022

Wann hat man denn schon mal die Chance einen Spiegel Bestsellerautoren zu interviewen? Ich hatte sie: Nicht auf der leeren Buchmesse in Frankfurt, sondern bei uns im Dorf als ich mit Tim Pröse in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck bei seiner Lesung über Sophie Scholl traf.

Jede Lesung von Tim Pröse ist ein Genuss und auch diese war es wieder. Sein Vortragsstil ist eindringlich, er weiß die Pause und Betonungen richtig zu setzen, so dass aus einer einfachen Lesung eine Inszenierung wird. Die Amerikaner sagen dazu den positiven Begriff Show dazu, was in Deutschland eher den Beigeschmack der leichten Unterhaltung hat. Nein, das war es auf keinen Fall und dennoch passt für mich der Begriff Show perfekt. Rund vierzig Zuhörer wollten sich diese Chance in der örtlichen Gemeindebücherei nicht entgehen lassen.

Ich kenne Tim Pröse schon ein paar Tage, durfte mit ihm auch schon Veranstaltungen durchführen und habe sein neuestes Buch Der Tag, der mein Leben veränderte verschlungen. Ich liebe als ehemaliger Textchef den Stil des Autoren.

Aber Tim Pröse ist auch Kollege. Er ist gelernter Journalist, arbeitete unter anderem für die Münchner Abendzeitung und den Focus. Und so wollte ich in einem Videointerview mehr wissen, wie der Journalist Tim Pröse an ein Thema herangeht. Wie recherchiert er? Wie haben sich die Bedingungen gegenüber seinem prominenten Publikum mit all ihren Managern und Medienberater verändert? Ist Pröse ein Einzelgänger oder hat er ein Rechercheteam? Wer sind seine Vorbilder? Und natürlich, was sind seine nächsten Projekte? All diese Fragen und noch mehr habe ich in diesem Videointerview gestellt:

Kir Royal – Autogramm von Senta „Mona“ Berger

13. April 2022

Es gab wohl einen Kinofilm und zwei TV-Ereignisse, die in mir den Entschluss reifen ließen, den Beruf des Journalisten einzuschlagen: Die Unbestechlichen von Alan Paula sowie die TV-Serien Lou Grant und Kir Royal von Helmut Dietl.

Mitte der achtziger Jahre lief Kir Royal zum ersten Mal im deutschen Fernsehen. Aus dem Leben eines Klatschreporters – so der Untertitel der Serie. Hauptperson war Boulevard-Reporter Baby Schimmerlos mitten in der Münchner Schickeria, seine Freundin war die Mona, die Chefin Frau von Unruh, seine Sekretärin Edda Pfaff und sein Fotograf Herbie Fried. Alle Rollen waren perfekt besetzt und wie die meisten Dietl-Produktionen waren die Dialoge schlichtweg genial.


Helmut Dietl in seiner Genialität bediente sich realen Vorbildern, sei es die Münchner Abendzeitung oder Klatschreporter Michael Graeter. Einige der darstellten Personen habe selbst getroffen und um ein Autogramm gebeten oder mit ihnen ein wenig geplaudert, wie mit der großartigen Ruth Maria Kubitschek über Engel, Feen und Frau von Unruh. Ihr echtes Vorbild in Kir Roayal war die Verlegerin Anneliese Friedmann, für die ich mal gearbeitet habe. Später war sie mit Eberhard Ebner zusammen, für den ich im Grunde auch gearbeitet hatte – klein ist die Welt.

Baby Schimmerlos ist in Wahrheit Michael Graeter, Landtagsabgeordneter Dr. Josef Gaishofer ist wohl der damalige Vorsitzende der Hanns Seidel Stiftung Fritz Pirkl. Dietl selbst sprach ich einmal auf einer Veranstaltung und bat ihn um ein Autogramm.

Michael Graeter traf ich mal in der Spielbank von Bad Wiessee. Ich hatte in der Gegend immer wieder Seminare und besuchte mit einem Kumpel das Staatliche Spielcasino, um vergeblich meinen Reichtum zu mehren. Von Michael Graeter wusste ich, dass er dort regelmäßig verkehrte und packte vorsichtshalber mal seine Autobiografie ein. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie Graeter geschaut hat, als ich beim Roulette ihn mit seinem Buch Extrablatt konfrontiert hatte und um ein Autogramm bat, als sei es das Natürlichste auf der Welt. Verdutzt geschaut und begeistert unterschrieben, danke Michael Graeter.

Und jetzt ist meine Kir Royal Sammlung um einen Edelstein reicher geworden. Eine entfernte Nachbarin, herzlichen Dank Bea, kennt die Mona, also in Wahrheit die großartige Senta Berger. Bea erzählte mir von Senta und ich bat sie mir im Dezember 2021 ein Autogramm zu besorgen. Das tat sie dann auch – und ich sag ganz heftig vielen Dank.

Senta Berger schrieb auf ihre Autogrammkarte für mich neben Namen und Datum auf der Rückseite den legendären Satz „… schreibst ja sonst über jeden Deppen“ aus der ersten Kir Royal-Folge. Danke für so viel Humor.

Ich werde das Senta Berger-Autogramm neben Dietl in meinem Arbeitszimmer aufhängen – als Inspiration doch den besten Beruf der Welt gewählt zu haben. „… schreibst ja sonst über jeden Deppen“ ist ein wichtiger Spruch, vielleicht auch für diesen Blog.

Persönlicher Nachruf auf Ponkie

3. Januar 2022

Zu meiner Studentenzeit war ich dreimal am Tag im Kino. Ich war auf den Presseverteilern diverser Filmverleihe und schaute mit die Pressevorführungen der aktuellen Kinofilme mit kritischem Auge an. Da traf ich auch Ponkie, ohne dass ich wusste, wer Ilse Kümpfel-Schliekman eigentlich ist.
Ich kannte zwar ihren Namen, ich las gerne ihre Kritiken zu Kinofilmen in der Münchner Abendzeitung, aber gesehen hatte ich die große Dame der Filmkritik nie bewusst. Bis dann eine Vorführung Ende der 80er Jahren kam. Ich setzte mich in meinem Kinosessel, in der Nähe von mir waren für mich damals älteren Herrschaften und wartete auf den Beginn des Films. Die Gruppe von Leute scherzte, lachte und wetteiferte miteinander. Der Film begann, damals gab es noch Titel, und die Gruppe unterhielt sich angeregt weiter. Wenn ich etwas im Kino nicht haben kann, dann ist das Gequatsche oder schmatzendes Verspeisen von Popcorn. Als gut erzogener junger Mann sprach ich die Gruppe an und bat sie höflich um Ruhe. Buhen und Lachen kamen mir entgegen. Erbost setzte ich mich weg und schaute mir den Film an.

Diese Frau lockte mich früher ins Kino.
Diese Frau lockte mich früher ins Kino.

Nach der Vorstellung kam im Foyer eine ältere Dame mit Stubenfliegenbrille auf mich zu. Sie war der Mittelpunkt der störenden Gruppe. Ich dachte, sie wäre auf Streit aus, stattdessen entschuldigte sich die Frau für das Stören und ging. Ein Kollege kam auf mich zu und fragte, was denn die legendäre Ponkie von mir gewollt habe. Da wurde mir klar, wen ich da getroffen hatte. Die dienstälteste Filmkritikerin der Abendzeitung. Später traf ich sie immer wieder bei Vorführungen, aber gesprochen haben wir nicht. Ich hab sie dafür immer gerne gelesen. Nun ist Ponkie im Alter von 95 Jahren am 30. Dezember 2021 verstorben. Schade, ich hätte mal wirklich mit ihr sprechen sollen.

Erinnerungen an Sophie Scholl – hingerichtet heute vor 78 Jahren

22. Februar 2021

Heute vor 78 Jahren wurde das Todesurteil gegen Sophie Scholl vollstreckt. Sie war und ist für mich eine Mahnerin gegen Diktatur und Terror. Sie starb auf der Guillotine.

Tim Pröse sprach über Sophie Scholl.

Vor kurzem hatte ich die Ehre eine Online-Lesung mit über 200 virtuellen Zuhörern für Tim Pröse zu organisieren. Nachdem aufgrund Corona öffentliche Lesungen nicht stattfinden können, hatte ich die Idee eine virtuellen Lesung. Nach dem Okay der Hanns-Seidel-Stiftung schrieb ich Tim Pröse an und er zeigte sich aufgeschlossen. Es war für ihn auch seine erste Lesung via Zoom. Das Thema war Sophie Scholl. Pröse ist gelernter Journalist und heute Buchautor zahlreicher Bestseller wie Jan Fedder – Unsterblich. In meiner Online-Lesung, die ich für die HSS ausrichten durfte, las Tim Pröse aus seinem Buch Jahrhundertzeugen über Sophie Scholl. Für mich auch eine große Ehre: Der große Mario Adorf war dabei und lauschte den Worten Pröeses.

In seiner einzigartigen Art brachte uns Pröse die Gedanken der Widerstandskämpferin gegen die Nazi-Diktatur in Erinnerung. Er mische historische Fakten mit seinen persönlichen Eindrücken, die er bei der Recherche über Sophie Scholl gesammelt hatte, darunter auch bis dato unbekannte Dokumente. Und der Journalist Pröse hat es gelernt zu beobachten, genau zu beobachten. Bei seinen Spurensuche beschrieb er den Charakter von Sophie so eindringlich, dass mir es bei der Lesung warm ums Herz wurde, ich aber auch eine Gänsehaut bekam. Eindringlich im Tonfall, klar in der Sprache, einfühlsam in seinen Beschreibungen las Pröse in die FaceTime-Kamera seines MacBooks und gebannt hingen wir Zuhörer an seinen Lippen. So muss Geschichtsvermittlung sein und ich danke Tim Pröse ausdrücklich dafür.

Ich schätze Tim Pröse sehr. Tim Pröse, geboren 1970 in Essen, ist Autor und freier Journalist in München. Sein 2020 erschienenes Buch Jan Fedder – Unsterblich schaffte es aus dem Stand heraus auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Tim Pröse studierte Kommunikationswissenschaften, Politik und Psychologie, war Chefreporter der Münchner Abendzeitung und Redakteur des Focus in den Ressorts »Menschen« und »Reportage«. In dieser Funktion bin ich Pröse das erste Mal begegnet. Dann viel später habe ich ihn wieder getroffen bei einer Lesung (vor Corona) in der Bücherei meines Wohnorts. Tim Pröse ist immer wieder auf Lesungen anzutreffen und wer Zeit hat, sollte die Chance wahrnehmen. Termine gibt es auf seiner Website.

Virtuelle Autorenlesung von Tim Pröse zu Sophie Scholl

3. Februar 2021

Die Digitalisierung erfordert es neue Wege zu gehen und das konsequent. Dieses Jahr begehen wir den 100. Geburtstag von Sophie Scholl. Und zu diesem Ereignis darf ich zusammen mit meinem Kollegen Thomas Gerlach meine erste Autorenlesung im Auftrag der Hanns-Seidel-Stiftung moderieren.

Tim Pröse
Tim Pröse

Der Erfolgsautor Tim Pröse liest eine „Hommage an Sophie Scholl“. Bisher haben sich 200 Leute zu der kostenlosen Lesung angemeldet, darunter auch ein absoluter A-Promi – Name verrate ich (noch) nicht, erst wenn er wirklich virtuell auf meinem Bildschirm auftaucht.

Ich bin mit Tim Pröse bekannt und bat ihn freundschaftlich im Auftrag von Erich Kornberger von der HSS um eine virtuelle Lesung. Sie basiert auf einem Kapitel seines Buchs »Jahrhundertzeugen. Die Botschaft der letzten Helden gegen Hitler. 18 Begegnungen«. Ein Longseller in der 5. Auflage. Tim Pröse hat von Sophie Scholls Schwester besondere Dokumente vermacht bekommen, von denen er an diesem Abend erzählen und lesen.
Pröse war von der Idee begeistert und stimmte sofort zu. Ich mag als ehemaliger Textchef verschiedener Zeitschriften seinen Stil, den Aufbau seiner Geschichte. Pröse ist für mich einer der großen Geschichtenerzähler und eine konsequente Weiterentwicklung eines Reporters, der jetzt berühmter Autor ist.

Ich schätze Tim Pröse sehr. Tim Pröse, geboren 1970 in Essen, ist Autor und freier Journalist in München. Sein 2020 erschienenes Buch Jan Fedder – Unsterblich schaffte es aus dem Stand heraus auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Tim Pröse studierte Kommunikationswissenschaften, Politik und Psychologie, war Chefreporter der Münchner Abendzeitung und Redakteur des Focus in den Ressorts »Menschen« und »Reportage«. In dieser Funktion bin ich Pröse das erste Mal begegnet. Dann viel später habe ich ihn wieder getroffen bei einer Lesung (vor Corona) in der Bücherei meines Wohnorts. Hier der Link und ein paar Videos, um den Stil von Tm Pröse kennenzulernen.
Eines seiner einfühlsamen zeitgeschichtlichen Porträts wurde mit dem »Katholischen Medienpreis« ausgezeichnet. 2016 erschien sein Longseller »Jahrhundertzeugen. Die Botschaft der letzten Helden gegen Hitler. 18 Begegnungen« (FAZ: »Eines der berührendsten Bücher des Jahres«), 2017 dann »Hallervorden. Ein Komiker macht Ernst«. 2018 folgte »Samstagabendhelden. Persönliche Begegnungen mit den legendärsten Stars aus Film, Funk und Fernsehen« und 2019 Mario Adorf. Zugabe!.

Die Lesung findet am 4. Februar 2021 von 18 bis 20 Uhr statt. Um daran teilzunehmen, wird eine Anmeldung unter diesem Link benötigt. Sie erhalten dann den Zoom-Zugang.

Fotografie: Detailaufnahmen in der Brauerei Maisach

21. April 2018

Seit längerer Zeit bin ich Mitglied in einer Facebook Foto-Gruppe im Landkreis Fürstenfeldbruck. Der Administrator Claus hatte eine Fotosession in der Brauerei Maisach organisiert. Das Angebot habe ich dankend angenommen. Obwohl ich die Brauerei aus alten Zeiten sehr gut kenne, wollte ich die Chance nutzen und ein paar Fotos machen. Die Brauerei hat einen neuen Besitzer und zieht das Business anders auf. 

Zurück zur Fotografie: Welche Ausrüstung soll ich mitnehmen? Diese Frage stellt man sich als Fotograf natürlich ganz am Anfang. Bei mir liegen viele Kameras herum und aufgrund von Bequemlichkeit greife ich oft zum iPhone X. Das kann ich bei einer Fotogruppe natürlich nicht machen. Aber ich habe keine Lust die Nikon D3x mit Festbrennweiten und Stative durch die Gegend zu schleppen. Also entschied ich mich für die klassische Reportagekamera, meine Fujifilm X100F. Ich habe zwar die Wechselobjektive dabei gehabt, mich aber on Location für die Festbrennweite 23 mm entschieden. Also kein Gefummle mit Zoom, sondern Abbild der Wirklichkeit. Mit f 2,0 hat das Objektiv genügend Lichtstärke für eine dunkle Brauerei. Und mit den alten Fotografenregeln „wenn Sonne lacht, nimmt Blende 8“ – oder „einmal hoch, einmal quer – was will man mehr“ zog ich los zum Treffen. 

Angekommen suchte ich nach bekannten Gesichtern. Außer Claus, den ich einmal im RL beim Edeka im Dorf getroffen hatte, kannte ich niemanden. Viele habe ich allerdings in Facebook gesehen und es war schön, sie im wahren Leben mal zu treffen. Die meisten waren mit größerem Equipment angerückt: Taschen, Rucksäcke, Stative, Blitze – da war ich quasi nackt mit meiner Reportagekamera. Aber ich dachte an eine Regel, die mir Peter Hartmann beigebracht hat. Peter Hartmann gehörte einst der Fotogruppe an und ist vergangene Woche leider verstorben. Ich habe lange Jahre mit ihm gearbeitet. Er war einst Fotograf bei der BILD und Abendzeitung und hatte u.a. mit Michael Graeter gearbeitet. Ich durfte mit ihm bei Merkur arbeiten und hab seine Geschichten genossen. Eine Regel von ihm war die alte Fotografenweisheit: Ein gutes Foto entsteht nicht in der Kamera, ein gutes Foto entsteht im Kopf. Ich hoffe, dass mein Kopf und mein fotografisches Auge funktioniert. 

Anbei eine Auswahl von Fotos von diesem Foto-Event in der Brauerei Maisach. Danke an die Brauerei Maisach und an Claus von der Fotogruppe für diesen Event. Für mich steht fest: Ein Teil meiner Bucket-List: Mehr fotografieren – hab ich hier wieder erfüllt. Wer mehr über die Geschichte der Brauerei wissen will, der kann hier in meinem Blog nachlesen und Videos schauen. 

 

Buchtipp: Die wilden Achtziger von Christian Schulz

16. September 2017

Ich war Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts das erste Mal in West-Berlin. Die Stadt erstaunte mich als Teenager. Ich war Teilnehmer eine Bildungsreise und nach dem offiziellen Programm machte ich mich abends auf und erkundete als Jugendlicher die fremde, große Stadt. Interessanterweise war ich zuvor aufgrund der DDR-Verwandtschaft früher in Ost-Berlin als in West-Berlin. Aber kein Zweifel, West-Berlin gefiel mir besser.
Daran erinnerte ich mich, als ich das Buch Die wilden Achtziger von Christian Schulz in die Hände bekam. Es sind Fotografien aus West-Berlin, geschossen von dem taz-Fotografen Christian Schulz. Als ich das Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, war ich fasziniert und ärgerlich zugleich.

Fasziniert, weil das Buch ein unheimlich eindrucksvolles Zeitdokument ist – von einer Zeit, in der ich heranwuchs und von der ich unbewusst viel aufgenommen und mitgenommen habe. Ärgerlich, weil ich es versäumt habe, diese Zeit für mich zu dokumentieren. Ich hatte zwar einen Fotoapparat, eine Mintolta X700, und fotografierte in Schwarzweiß, aber die Kamera hatte ich nur zu besonderen Gelegenheiten ausgepackt wie Geburtstage, Weihnachten usw. Ich glaube, ich habe lückenlos die Christbäume und den Christbaumschmuck unserer Familie über all die Jahre dokumentiert, aber nicht wirklich wichtiges. Ich hatte später zwar ein Schwarzweiß-Labor, doch es war immer ein Aufwand im Badezimmer meiner Eltern das Teil aufzustellen. Was gab es damals für interessante Motive, die ich vielleicht gesehen, aber garantiert nicht fotografisch festgehalten habe. Meine Eltern knipsten nur und Streetfotografie gab es für mich nicht. Film war doch teuer.

Aber zurück zu Christian Schulz und seinem Buch. In dem lesenswerten Vorwort bezeichnet Arno Widmann den Fotografen Christian Schulz als Fotograf einer Übergangsgesellschaft. Ein wahrlich trefflicher Ausdruck. West-Berlin war in den achtziger Jahren eine Insel im Umbruch. Ein Abi-Kollege brach nach West-Berlin auf, um nicht zum Bund zu müssen. Die Wiedervereinigung machte ihn einen Strich durch die Rechnung. Die alternative Szene war in West-Berlin zu Hause und bei meinen Streifzügen als Teenager sah ich heruntergekommene Häuser und andere Lebensformen, die ich im konservativen, katholischen Bayern nie gesehen hatte. Ich empfand die Berliner als unfreundlich und gesellig zugleich. Berlin war ein anderes Pflaster als München. Es ging irgendwie rauer, härter zu. Das schreckte mich ab, faszinierte aber auch.

Und dieses Gefühl hatte ich wieder als ich die Fotos von Christian Schulz betrachtete. Es sind zunächst Alltagsszenen, erst später kommen Fotos von wichtigen Ereignissen hinzu. Fotos von Menschen, die Geschichte machen und ihre Geschichte erzählten. Es sind aber mehr Schnappschüsse aus dem Alltag, die mich faszinierten. Sie zeigen Leute, die in Berlin lebten und für mich Berlin verkörperten. Die Disco-Bilder waren abgefuckt als glitzernd. Der ehemalige taz-Fotograf zeigte im ersten Teil seines Buches nicht den Glamour, den ich in Berlin auch zu sehen bekam. Diese Fotos kommen im zweiten Teil, Fotos von Prominenz, Filmfestspiele oder Kurfürstendamm. Aber diese Art von Gesellschaftsfotografie habe ich bei anderen Fotografen für meinen Geschmack besser gesehen. Ich war verwöhnt durch Michael Graeter und die Abendzeitung als Promi-Lieferant. Also beschränke ich mich eher auf den rauhen und authentischen Teil des Buches.
Ob Christian Schulz bei seinen Streetfotos seine menschlichen Fotomotive um Erlaubnis zur Veröffentlichung gefragt hat, bezweifle ich. Streetfotos in Deutschland sind schwer geworden. Persönlichkeitsrechte werden verletzt und eine Erlaubnis zur Veröffentlichung zu erhalten, grenzt in Deutschland nahezu als ein Wunder. So gerne würde ich Streetfotografie machen, aber die rechtlichen Hürden sind mir zu hoch. Das ist in anderen Staaten anders. Als ich Silvester in den USA weilte, da war die Mentalität eine ganz andere. Leute hatten oftmals kein Problem, wenn ich sie fotografierte. Sie setzten sich sogar für mich in Szene. In Deutschland unmöglich.
Und das den Reiz des Buches von Christian Schulz aus. Damals, als es in den achtziger Jahren zwar auch Persönlichkeitsrechte gab, aber sich in Berlin die Leute wohl weniger darum kümmerten. Wenn man jemanden fotografierte, der es nicht wollte, bekam man eine aufs Maul und damit hatte es sich – so muss wohl die Mentalität gewesen sein. Für mich ist dieses Buch Die wilden Achtziger von Christian Schulz eine wunderbare fotografische Zeitreise in meiner Teenager-Zeit.

Heimat des Netzwerkens – der Bloggerclub hat eine neue Heimat

5. August 2017

Der PresseClub ist neu eröffnet - und damit der Bloggerclub auch. Foto: Schwepfinger

Der PresseClub ist neu eröffnet – und damit der Bloggerclub auch. Foto: Schwepfinger

Die Resonanz war enorm und das freut mich sehr. In klassischen Massenmedien und den sozialen Netzen wurde über den Wiedereinzug des PresseClubs zurück an den Marienplatz groß berichtet. Damit hat auch der Bloggerclub nun die renommierte Adresse Marienplatz 22/IV. Wie selten zuvor bekam ich Gratulationsmails, -posts oder -Tweets. Der Hammer war wohl ein halbseitiges Foto in der Abendzeitung Print (und online auch). Danke Tobias für den Hinweis und danke Manuela für die Zusendung des Papierbelegs.

Wow in der Abendzeitung print und online.

Wow in der Abendzeitung print und online.

Ich habe die Ehre, für den Bloggerclub als Vorsitzender zu arbeiten und mache dies meist im Hintergrund. Meine Vorstandskollegen führen in der Regel die Veranstaltungen durch. Meine Hauptaufgaben sind Lobbyismus und Netzwerken – und dem konnte ich beim Wiedereinzug des PresseClubs ausgezeichnet nachkommen.

PresseClub und Bloggerclub in bester Lage
Die neu gestalteten Räume des Clubs mit Blick auf den Marienplatz und den Alten Peter sind eindeutig die beste Lage in München. Für uns steht fest: Wir sind wieder in die Heimat des Netzwerkes eingezogen. Für mich ist der Club-Gedanke hier wichtig. In der Vergangenheit habe ich am Marienplatz für mich wichtige Hintergrundgespräche geführt. Das waren zum einen mit den illustren Gästen des PresseClubs. Das waren aber zum anderen mit den Mitgliedern des PresseClubs. Ich habe viel von dem Know-how, von der Erfahrung und der Einschätzung der Kolleginnen und Kollegen profitiert. Das ist für mich Netzwerken pur. Leider waren Eli Treppner und Norbert Matern nicht da, denen ich gerne persönlich gedankt hätte.

Vorsitzende beim Netzwerken: Matthias . Lange (Bloggerclub) und Peter Schmalz (PresseClub)

Vorsitzende beim Netzwerken: Matthias . Lange (Bloggerclub) und Peter Schmalz (PresseClub)

Wir als Bloggerclub sind dankbar, dass wir in dieser großartigen Location zu Gast sein dürfen und unsere Veranstaltungen durchführen dürfen. Bisher waren wir als Bloggerclub im Ausweichquartier des Clubs im Tal 12 untergebracht. Hier fand auch unsere Gründungsveranstaltung statt – wir sind jetzt ein Jahr alt. Der PresseClub residiert jetzt wieder am Marienplatz, wo er seit 1958 zu Hause ist und wir Blogger dürfen erstmals auch die neuen Clubräume nutzen. Damit ändert sich auch die Geschäftsadresse des BloggerClubs in die renommierte Adresse Marienplatz 22/IV. Und das leistungsstarke kostenfreie WLAN passt auch – ich weiß, wo ich ab und zu als digitaler Nomade arbeite, wenn ich in München bin.

Podiumsdiskussion zur Wiedereröffnung - ich bin auch dabei. Foto: Schwepfinger

Podiumsdiskussion zur Wiedereröffnung – ich bin auch dabei. Foto: Schwepfinger

PK zur Wiedereröffnung
Zum Wiedereinzug lud der Internationale PresseClub München in seine neu gestalteten Räume am Marienplatz 22 ein. Mit rund 800 Mitgliedern und mehr als 250 Pressekonferenzen pro Jahr ist der PresseClub München e.V. der größte seiner Art in Deutschland. Nach dem Umbau bietet der Club nicht nur den Blick auf das Rathaus, sondern auch auf den Alten Peter. Wenn ich Gäste aus dem In- und Ausland habe, führe ich sie in den PresseClub und zeige ihnen den Ausblick. Besser geht es wirklich nicht.

Wo der Hut liegt, ist mein Platz.

Wo der Hut liegt, ist mein Platz.

Einen Überblick über die Aktivitäten und Angebote des PresseClubs gaben auf der Pressekonferenz: Peter Schmalz, Vorsitzender PresseClub München e.V., Helmut Gierke, Vorstandsmitglied PresseClub München e.V., Angelica Fuss (coole Brille), Geschäftsführerin PresseClub München e.V., Matthias J. Lange, Vorsitzender Bloggerclub e.V., Leonie Sanke, Vorsitzende Nachwuchsjournalisten in Bayern e.V. (NJB), was mich besonders gefreut hat, denn dem NJB stand ich lange als Vorsitzender vor. Auch unser stellvertretender Vorsitzender Franz Neumeier war im Publikum mit dabei und beantworte im Nachhinein die Fragen der Journalisten. Für einen Imagefilm des PresseClubs wurden Franz Neumeier und ich vor der Kamera interviewt. Wir spielten uns wunderbar die Bälle zu und machen Werbung für den Bloggerclub – also Lobbyismus pur.

Die Sicht vom Podium.

Die Sicht vom Podium.

Die komplette Pressekonferenz gibt es hier zu sehen. Die Ausführungen von mir gibt es ab Minute 35:38 im ersten Video und das komplette zweite Video.

 

Buchtipp: Freddie Mercury von Lesley-Ann Jones

7. November 2016

Ich geb es gleich am Anfang zu: Ich bin kein besonderer Queen-Fan. Ich mochte die alten Queen-Scheiben, kann aber mit den neueren Alben nichts anfangen. Die Musik war nett, viele Ohrwürmer, aber so richtig überzeugte mich Queen eigentlich nicht. Und dennoch wollte ich die Biografie über den Queen-Sänger Freddie Mercury lesen, weil mich das Phänomen Queen und damit auch Freddie Mercury reizt.
Die Musik von Queen begleitet mich mein gesamtes musikalisches Leben und wer Queen nicht kennt, der hat noch nie Musik gehört. Keine Party in meiner Jugend ohne „We will rock you“, keine Siegerehrung bei meinen Friseuren im Landesinnungsverband ohne „We are the champions“, keine Fahrradtour, ohne dass einer „Bicycle Race“ (freilich ohne nackte Frauen) anstimmte und ich geb es zu, unter der Dusche stimme ich „Flash“ gerne an. Auch brauchen wir nicht diskutieren, ob Bohemian Rhapsody ein Klassiker ist oder nicht – er ist es ohne Zweifel und ein großartiger noch dazu.
Ich glaube, ich nahm Abstand zu Queen nach den Veröffentlichungen zu Works. Bis dahin war ich kein großer Queen-Fan, aber die Musik störte mich nicht. Mit The Works wurde die Musik zu Pop und Queen öffnete sich dem Kommerz. Radio Ga Ga mochte ich nicht, die Hommage an Metropolit fand ich schauderhaft. Die nachfolgenden Alben A Kind of Magic, The Miracle, Innuendo und Made in Heaven fand ich grausam.

Eine lesenswerte Biografie über Freddie Mercury von Lesley-Ann Jones aus dem Piper Verlag

Eine lesenswerte Biografie über Freddie Mercury von Lesley-Ann Jones aus dem Piper Verlag

Ich erinnere mich gerne zurück, als ich mit meinem Kollegen Thomas Schmelzer, heute erfolgreicher Buchautor und Moderator, im Wohnzimmer seiner Eltern das Live Aid-Konzert ansahen. Es waren tolle Leute auf der Bühne, viele Leute nach meinem Geschmack, aber Queen rockte das Stadion und prägte sich mir ein. Ich hoffe auf geniale Auftritte von The Who und Led Zeppelin, aber Queen rockte die Hütte. Wir waren sprachlos auf dem Fernseher und muss sagen, der Freddie versteht sein Handwerk.


Und genau mit Live Aid setzt das Buch Freddie Mercury: Die Biografie von Lesley-Ann Jones, einer britischen Rockjournalistin, ein. Ihr Buch Freddie Mercury wurde mir vom Piper Verlag kostenlos zu Rezensionszwecken überlassen. Lesley-Ann Jones berichtet von der Faszination von Live Aid und von der Faszination zur Person Freddie Mercury. Das Buch ist gut geschrieben, aber leider fehlt mir die kritische Distanz der Autorin zu Freddie Mercury. Die Biografie liest sich wunderbar schnell, ist aber zum Teil eine reine Heldenverehrung. Wer aber Bestätigung braucht, welch toller Sänger der Herr Mercury war, der bekommt bei der Lektüre des Buches Balsam auf die Seele. Es stimmt schon, Freddie Mercury hatte absolutes Talent, aber eine Biografie muss auch eine Einordnung und Bewertung für mich sein. Das ist das vorliegende Buch eher nicht.
Vielleicht braucht es dies auch nicht. Rechtzeitig zum 25. Todestag am 24. November 2016 ist dieses Buch erschienen und gibt einen Einblick in die gigantige Rock’n Roll-Party des charismatischen Freddie Mercury. Freddie hat in seinem Lebens nichts ausgelassen. In diesem Buch ergänzt Lesley-Ann Jones die Legenden und Mythen um Mercurys Person kenntnisreich und liefert ein sehr persönliches und intimes Portrait des Mannes, der einst erklärte: „I won’t be a rockstar. I will be a legend.“ Zwischen Genie und Wahnsinn liegen nur wenige Momente. Über die Arbeit mit Queen wird eher in Statistiken und Plattenverkäufen berichtet. Über den Prozess der Studioarbeit und des Schreiben von Songs geht die Autorin weniger ein. Es wird der Fokus auf Konzerte und Live-Acts gelegt. Queen waren zwar eine einzigartige Live-Band, aber sie schufen auch im Studio großes. Ich hätte mehr über Bohemian Rhapsody gelesen, die Bedeutung und den Hintergrund, den dieser Song einnimmt.
Einen Teil der Biografie nimmt die sexuelle Orientierung von Mercury ein. Freddie Mercury war schwul, hatte zahlreiche Liebhaber und starb an der HIV-Krankheit AIDS. Die Fans erfuhren erst sehr spät von der Erkrankung. Trotz Showman blieb die Erkrankung Privatsache. Spät informierte Mercury seine Band-Kollegen und sein Umfeld. Und hier muss ich die Autorin Lesley-Ann Jones zum großen Teil loben. Während sie über das Musikgeschäft fasziniert und aus der Sicht eines Fans sehr seicht schreibt, geht sie beim Privatleben von Mercury einen Schritt weiter und hat gut in Großbritannien recherchiert. Freunde und Kollegen, männliche und weibliche Liebhaber kommen zu Wort. Schließlich war Lesley-Ann Jones in den Achtzigerjahren Rock-Korrespondentin bei der britischen Tageszeitung Daily Mail. Das britische Umfeld des Stars kommt zu Wort.
Leider kommen mir dagegen die Münchner Geschichten zu kurz. Über sein Verhältnis mit Barbara Valentin, einstmals Ehefrau von Helmut Dietl, wird zwar berichtet, doch gibt es in München in der Schwulenszene so viele Geschichten von Freddie Mercury, die hätten erzählt werden können. München war damals ein Mekka der europäischen Szene und Freddie Mercuy war mitten im Auge des Hurrikans. Hier hätte die Klatsch-Reporterin zeigen können, was sie kann. Münchner Boulevardzeitungen wie die Abendzeitung haben eine tolles Archiv. Vielleicht lag es am mangelnden Deutsch der Autorin, dass solche Quellen nicht berücksichtigt wurden. Das ist schade und hier wurde eine Chance vertan, entscheidende Jahre von Mercury im Buch Freddie Mercury: Die Biografie aufzuarbeiten.
Nun, 25 Jahren ist es nun her, seitdem Freddy Mercury verstorben ist. Heute wäre Freddie Mercury 70. Jahre alt. Queen ist nicht mehr Queen und gerne höre ich die Aufnahmen vor Works zum Jubiläum an. Und die Show wird weitergehen.