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BTS in Berlin – BTS will wieder kommen

6. Dezember 2018
BTS in Berlin in der Mercedes Benz Arena.

BTS in Berlin in der Mercedes Benz Arena.

Wow, das war eine Atmosphäre, das war eine Show, das war ein Event. Vor einigen Wochen besuchte ich mit K2 das Kpop-Event des Jahres: BTS in der Berliner Mercedes Benz Arena. Ja, ich geb zu: Es ist nicht unbedingt meine Musik, aber der Auftritt und der ganze Auftrieb der ARMY haben es mir angetan.
K2 ist im Kpop-Fieber und so besuchten wir dieses Jahr die Shows von G-Dragon, GOT7 und eben nun BTS. Alle drei waren auf ihre Weise sehr eindrucksvoll – aber sicher heimste BTS bei den Fans die meisten Lorbeeren ein.
Es war die Welttournee der Boygroup aus Südkorea und das erste Mal in großen Hallen in Deutschland. Es gab zwar schon mal eine Art Mini-Tour vor Jahren als BTS noch keinen bekannt war, aber das zählt nicht so richtig. In Berlin gab es an zwei Abende hintereinander Auftritte in der ausverkauften Mercedes Benz Arena und der Kartenbedarf für ein paar weitere Konzerte bestand durchaus. Nur mit viel, sehr viel Glück hatte ich zwei Karten für BTS bekommen. Innerhalb von Sekunden waren die Tickets verkauft und die Schwarzmarktpreise schossen in perverse Höhen. Wir hatten also Karten für den Innenraum.

Von München nach Berlin mit dem ICE, schnell ins Hotel und Gepäck abgelegt und dann begann etwas, was ich in meiner Karriere als Konzertbesucher nicht kannte: Numbering. An einem Stand wurden Armbändern mit Nummern ausgegeben und dann konnte man sich als Konzertbesucher gestaffelt in abgesperrten Arealen auf den Eintritt einreihen. Besucherinnen erzählten mir, dass man sich für niedrige Nummern, also einen vorderen Stehplatz, schon am frühen Morgen anstellen musste. Nun denn: Ich hatte die Nummer 2765.

Die Warterei vertrieben sich die Fans mit Musikhören und singen. Und genau darum mag ich die Kpop-Fans, ebenso wie die Anime- und Mangafans. Man lässt sich einfach auf dem Boden nieder, teilt mit seinem Nachbarn ein paar Gummibärchen, philosophiert über den anstehenden Auftritt. Also wunderbar friedlich und respektvoll.

Warten vor der Halle auf BTS
Da wir ja feste Plätze hatten, streiften wir ein wenig durch die Gegend um die Mercedes Benz Arena. Mir wurde Random Dance erklärt, was ich als alter Mann auch nicht kannte. Es werden Takte von BTS-Songs gespielt und Fans stürmen auf eine Tanzfläche und machen die komplizierten Moves nach. In der Regel sind es nur ein paar Takte und der Zirkus beginnt von vorne. In Berlin wurden ganze Lieder gespielt und so bekam das Ganze nicht die Dynamik anderer Random Dances, die ich aus YouTube kennenlernen durfte.
Natürlich gab es eine große, ganz große Fotowand mit Fotos der Bandmitglieder. Hier konnten sich Fans mit ihren BTS-Stars fotografieren lassen. Warten, Posen, Smartphone klick und der nächste. Auch hier lief das Ganze ohne Gedränge und Geschupse ab. Großes Lob an die BTS-Fans.

Koordinierte Army Bombs
Interessant war auch ein Stand, an dem die Fans ihre mitgebrachten Lichter, genannt Army Bombs, ab Version 3 synchronisieren konnten. Diese Army Bombs werden von den Hardcore-Fans während des Konzerts nach oben gehalten und im Takt gewippt. Was früher Feuerzeuge, später Smartphone waren, sind heute Army Bombs. Ab Version 3 könnten die Dinger via Blauzahn farblich aufeinander abgestimmt werden. Hinter der Bühne werden die Farben dann koordiniert und so wird der Fan ein Teil der perfekten Show. Wir hatten nur eine Army Bomb Version 2 und uns war das Upgrade zu teuer.
Dann nach ein paar Stunden Warterei ging es los. Die einzelnen Area-Zonen wurden aufgerufen und durften die Mercedes Benz Arena betreten. Wir kamen ziemlich nah an die Bühne ran, die ins Publikum gebaut war. So etwas habe ich bei den Stones erlebt und die Atmosphäre war genial.
Dann wieder Warten bis das Konzert begann. Ich besorgte Getränke, denn die Hitze stieg und die Luft wurde schlechter. Dabei hatte das Konzert noch gar nicht begonnen. Vor allem junge Damen drängelten sich nach vorne. Die Gespräche unter den Fans drehten sich um das Privatleben der Stars. Sie waren tagsüber in Berlin aufgetaucht, residierten in Adlon und bummelten durch Berlin. Sollte man als Fans nun Fotos von den bummelnden BTS-Musikern machen oder die Privatsphäre respektieren?
Dann kam eine Durchsage, dass Jeon Junkook nicht mittanzen kann, weil er sich verletzt hatte. Von den Fans wurde dies mit viel Mitgefühl aufgenommen. Dann ging das Spektakel los. Die Show war perfekt, die Stimmung kochte über, es gab viel Geschrei und Jubel. Ich habe ein paar Videos im Auftrag von K2 gemacht, die dann in den entsprechenden Gruppen geteilt wurden.

BTS sprechen Deutsch und kündigen Besuch in Deutschland an
Gegen Ende des Konzerts gab es noch eine Ansprache der Jungs. Es wurden einige Zeilen auf Deutsch gesprochen, was mit wahnsinnigen Geschrei der Fans quittiert wurde. Unter anderem sagten die Herrschaften auf der Bühne, dass sie 2019 wieder nach Deutschland kommen würden. Ob wir da mit dabei wären? JAAAA brüllte die Halle – inklusive K2. Ich weiß also, dass ich 2019 wieder auf ein Kpop-Konzert gehen darf. Ein Datum steht freilich noch nicht fest.

Hier ein paar Videos, die bei dem Konzert entstanden sind.

Kostümtrends zu Halloween 2018

26. Oktober 2018

Dieses Jahr wird es bei mir wohl nichts mit Halloween-Kostümen. Ich geh auf ein Konzert und da sind Verkleidungen nicht so angesagt. Naja oder ich provoziere mal so richtig. Vielleicht kommt nach dem musikalischen Programm noch ein filmisches Programm, aber das weiß ich noch nicht. Als Retrogamer bekenne ich wohl Farbe und trage meinem Pac Man-Anzug von OppoSuits. Ich habe gesehen, dass es jetzt einen Tetris-Anzug gibt, vielleicht schaffe ich ihn mir noch an. Der Online-Versender meines Vertrauens in Sachen Halloween liefert ja noch rechtzeitig. Vor kurzem war ich in Berlin und habe im Ladengeschäft von Maskworld nach Halloween-Trends Ausschau gehalten. Was trägt man denn so in der diesjährigen Halloween-Saison?

Bunt und Glitter statt Blut und Glibber zu Halloween
Bisher wurde Halloween in Deutschland vor allem gruselig und mit viel Kunstblut gefeiert, das fand ich als Anhänger des expressionistischen Horrorfilms gar nicht so schlecht. 2018 werden die Kostüme dagegen bunter und eleganter. Vielleicht liegt es am Einhorn, das vergangenen Jahr schon die Halloween-Partys erobert hat oder daran, dass auch in den USA zu Halloween die Verkleidungen bunter und weniger schaurig sind. Jedenfalls setzen Trendsetter dieses Jahr bei den Kostümen eher auf sexy Glitzerhexen, florale Calaveras und glamouröse Teufel. Auch in Sachen Make-up muss es nicht mehr nur blutig sein. Das Totenkopf-Make-up wird mit bunten Farben, Perlen und Strasssteinen verziert. Statt blutenden Wunden sind beim Zombie-Look bunte Farben und Make-up im Popart-Stil angesagt. Glitter, Glamour und ein Hauch Extravaganz stehen zu Halloween dieses Jahr hoch im Kurs.

Hex Hex Foto: Maskworld Hex Hex Foto: Maskworld

Hier komme ich mit meinen OppoSuits mit Pac Man-Motiven ganz gut zum Zuge. Um es richtig bunt zu treiben, ist der Confetteroni Anzug auch nicht schlecht. Vielleicht sollte ich das zu Halloween im Konzert tragen, dann falle ich wenigstens auf.

Für mich das Highlight der Saison. Foto: Maskworld Für mich das Highlight der Saison. Foto: Maskworld

SFX-Make-up: kleiner Aufwand, große Wirkung
Youtube- und Instagram-Stars sind Trendsetter – auch beim Halloween Make-up. In oft aufwendig produzierten Videos und Bildern zeigen sie spektakuläre Looks und bieten damit jede Menge Inspiration für das eigene Halloween-Make-up. Gerade als Laie sind die Schritt-für-Schritt-Anleitungen per Bild und Ton die perfekte Vorlage zum Nachschminken. Mit immer realistisch wirkenden SFX-Produkten bekommen auch Anfänger die coolen Looks der Influencer umgesetzt – und das ohne stundenlang vor dem Spiegel zu stehen! Mit Latexmilch und Kosmetikwatte lassen sich Wunden und abgerissene Haut darstellen, Collodium erzeugt auf der Haut realistisch wirkende Narben und selbstklebende 3D-Wunden lassen sich so einfach auftragen wie ein Klebetattoo. Mit etwas Blut und Schminke verziert, sieht das Halloween-Make-up aufwendiger aus, als es eigentlich ist. Maskworld hat einige gute Videos online gestellt. Ich arbeite ja viel für den Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks und die Make-Up-Experten haben sich einige Videos zusammen mit mir angeschaut.

Wunde zum Aufkleben. Foto: Maskworld Wunde zum Aufkleben. Foto: Maskworld

Der Klassiker: Horrorfilme
Horrorfilmklassiker feiern gerade ein großes Revival. Sei es 2017 die Neuverfilmung von “Es” (schlechter Film, gute Maske), dieses Jahr die Neuauflage von “Halloween” oder das Spin-off zur Conjuring-Reihe “The Nun” (noch schlechtester Film, gute Maske). 2019 bekommt auch der Batman-Bösewicht Joker einen eigenen Film, auf den ich gespannt bin. Ob nun verkleidet als Pennywise oder Michael Myers, gruselige Nonne oder als Antiheld der Joker – Horrorfilm Kostüme gehören zu den großen Halloween Trends 2018. Und dabei fällt mir ein, dass ich mir den neuen Halloween im Kino ansehen sollte. Als Fan von John Carpenter und Rob Zombie ist das quasi ein Muss. Vielleicht sollte ich im Kino eine Michael Myers-Maske aufsetzen? Egal, ich wünsche auf jeden Fall ein fröhliches Halloween.

Halloween muss ich mir im Kino ansehen, vielleicht im Kostüm? Foto: Maskworld Halloween muss ich mir im Kino ansehen, vielleicht im Kostüm? Foto: Maskworld

Warum Gerhard Richter und ich keine Freunde werden

20. Oktober 2018

Ich glaube, die Überschrift lockt den verehrten Leser dieses Blogs auf eine falsche Fährte. Um es klarzustellen: Ich verehre Gerhard Richter als einen großen Künstler unserer Zeit. Das erste Mal, dass ich einen echten Richter live sah, war in der Tate Modern in London. Mit der Familie besuchte ich im Frühjahr dieses außergewöhnliche Museum an der Themse und entdeckte in einen der zahlreichen Räume das Bild Strip (2011) von Gerhard Richter. Ich konnte meinen Blick vom Bild kaum lösen, stand davor, schaute es mir von nah und fern an. Gerhard Richter hatte mich gefangen und ich bin seinem Bann erlegen.

Schnitt in die Gegenwart. Aufgrund eines Konzertbesuchs war ich in Berlin. Wenn ich nicht in der Hauptstadt zu arbeiten habe, genieße ich die unglaubliche kulturelle Vielfalt dieser Stadt. So kam ich auch auf die Idee, endlich die Gerhard Richter-Ausstellung im Potsdamer Museum Barberini zu besuchen. Die Ausstellung läuft nur noch bis 21. Oktober 2018 und sie gilt als die Top-Ausstellung über Gerhard Richter.
Gerhard Richters Werk ist in großen Retrospektiven gewürdigt worden: 2002 widmete ihm das Museum of Modern Art, New York, eine Einzelausstellung. 2011 zeigten die Tate Modern, London, die Neue Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin und das Centre Pompidou, Paris, eine Präsentation, die im Titel Panorama schon den weiten Blick auf Richters Lebenswerk benannte. Wie diese Ausstellungen schlägt auch Gerhard Richter. Abstraktion im Museum Barberini den großen Bogen von den 1960er Jahren bis zu neuen Arbeiten. Sie widmet sich dabei erstmals einem für Richters Malerei zentralen Thema: den abstrakten Strategien und Verfahrensweisen im Gesamtwerk des Künstlers.
Ich war neugierig und schrieb die Pressestelle an, ob ich als Blogger diese Ausstellung besuchen kann. Die Antwort war schnell, freundlich und super professionell. Ich sei als Blogger herzlich willkommen und man habe sogar für mich eine kostenlose Eintrittskarte an der Kasse hinterlegt. Vielen Dank für so einen Service.
Also machte ich mich am Donnerstag Vormittag von meinem Hotel am Berliner Ostbahnhof nach Potsdam auf. Die halbstündige Zugfahrt nutzte ich, um mich mit Updates über Richter zu versorgen. Dann ein 15minütiger Fußmarsch vom Potsdamer Hauptbahnhof über die Lange Brücke zum Museum Barberini. Vor der Tür eine große Menschentraube, die ins Museum wollten.

Zu jeder vollen Stunde werden die Besucher hineingelassen. Ich schob mich an der wartenden Menschenmenge vorbei und begehrte Einlass. Als Blogger und Medienfuzzi war ich von der Warterei ausgenommen. Aber nein: Freundlich wurde ich hingewiesen, dass das Museum heute geschlossen sei.
Wie bitte? An einem Donnerstag hat Barberini doch geöffnet und ich hatte ja extra angefragt und den Weg nach Potsdam auf mich genommen. Doch eine höhere Macht wollte nicht, dass ich die abstrakten Malereien von Gerhard Richter sehen würde. Der Grund: Kurz vor meiner Ankunft war im Untergeschoss des Museums ein Wasserschaden entdeckt worden.

Die Mitarbeiter räumten das Museum, durchkämmten die Räume nach Kunstbesuchern und schlossen die Eingangstüren. Im gleichen Moment traf eine eMail der Pressestelle ein, dass das Museum wohl heute geschlossen bleibe. Ein paar Minuten später auch eine entsprechende Meldung auf der Website. Das nenne ich professionelles Krisenmanagement.


So ein Mist – ich kann es nicht anders ausdrücken. Gerhard Richter löste sich für mich in Luft auf. Ich war soweit gekommen und nun ein Wasserschaden. Auch der Besuch des Museumsshops war nicht mehr möglich, um zumindest den Katalog zu reduzierten Preis zu erstehen. Also muss jetzt Amazon ran und ich bestellte das Buch Gerhard Richter: Abstraktion beim Online-Riesen.
Vor dem Museum nahm ich den letzten Flyer über die Gerhard Richter-Ausstellung mit, damit ich wenigstens etwas von meiner Reise nach Potsdam nach Hause bringe.


Nachdem ich im Kaffee des Museums Potsdam einen Kaffee getrunken hatte und anschließend nochmals prüfte, ob sich der Wasserschaden in Luft aufgelöst hatte, – das war nicht der Fall -, musste ein Alternativprogramm her. Ich wählte als Filmfan natürlich zum xten Mal das Filmmuseum Potsdam und schwelgte in Filmklassikern. Zuvor traf ich noch Klaus Wowereit, den ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin. Er machte Fotos für die Stadtentsorgung Potsdam GmbH (STEP), die scheinbar neue Elektrofahrzeuge bekommen haben. Nähere Infos gibt es hier.


Dann nahte der Fahrt zurück in die bayerische Landeshauptstadt. Ich machte mich auf zum Hauptbahnhof nach Berlin, wo mein gebuchter ICE nach München auf mich wartete. Auf der Fahrt zurück nach Berlin, kam dann eine weitere Mail von der Pressestelle, dass das Museum Barberini wieder geöffnet habe. Ich sei herzlich willkommen.
So ein noch größerer Mist. Ich war auf der Heimfahrt und Gerhard Richter wartet auf mich. Nun, er muss warten. Umkehren ging nicht. Gerhard Richter und ich werden wohl keine Freunde mehr. Aber für alle, die in Berlin oder Potsdam herumlaufen, schaut euch bis 21. Oktober die Gerhard Richter-Ausstellung im Museum Barberini an und berichtet mir, wie sie war.

Immer neue Streetart in Berlin – Blick in die Hackeschen Höfe

1. Juli 2018

ch habe Banksy in New York gesehen und seither interessiere ich mich für Graffiti und Streetart. Und nachdem K1 nächstes Schuljahr einen Kurs über die Wirkung von Graffiti belegt, halte ich immer wieder die Augen nach neuen Entwicklungen in Sachen Streetart offen. Bei meinem jüngsten Besuch hieß es daher unbedingt wieder einmal bei den Hackeschen Höfen vorbeizuschauen. Berlin ist in Sachen Streetart immer eine Reise wert, wenn man die Augen offen hält.

Für mich als Touri und Kunstinteressierten gehe ich an das Kino Central durch den Durchgang zur Blindenwerkstatt Otto Wendt und zum Anne Frank Zentrum und finde immer neue Streetart. Schaut euch die Sachen und freut euch an so viel Kreativität.

GOT7 in Berlin – Mein Kompliment an die KPop-Fans – Eyes on you

11. Juni 2018
Ein wunderbares Konzert von GOT7 in Berlin.

Ein wunderbares Konzert von GOT7 in Berlin.

Es ist wunderschön zu sehen, wie sich Tausende von KPop-Fans sich und eine ihrer Bands feiern können: GOT7 gastierte im Berliner Velodrom und die zumeist weiblichen Fans waren total aus dem Häuschen. GOT7 ist einer der Vertreter der (Süd-)koreanischen Popmusik, die sich mit ihren Kollegen aufmachen, die Herzen ihrer Fans zu erobern. Die Europatournee Eyes on you (so der Albumtitel der jüngsten Veröffentlichung) von GOT7 umfasst drei Stationen: Moskau, Berlin und Paris und die sieben jungen Männer aus Asien wurden mit offenen Armen empfangen.
Nachdem ich zum offiziellen KartenverkaufDstart keine Tickets bekommen und ausführlich darüber gebloggt hatte, erbarmte sich jemand und verkaufte mir die Tickets zu einem gerade noch akzeptablen Preis – ganz vielen Dank.
Also K2 machte sich mit mir als Papa auf dem Weg in die deutsche Hauptstadt: Zug und Hotel waren schnell gebucht und dann begann die Aufregung. Bei uns zu Hause läuft KPop den ganzen Tag aus den Boxen von K2. Es werden neue Videos mit virtuellen und realen Freunden diskutiert, was nun welcher Hinweis bedeuten würde. Nach einem fulminanten G-Dragon-Konzert, sollte dies nun unser zweites gemeinsames KPop-Konzert werden. Die absoluten Helden von K2 sind allerdings BTS, die im Oktober Deutschland und Europa entern und wir haben wieder keine Karten bekommen. Wenn jemand unseren Hilfeschrei nach BTS-Karten hört, bitte wieder melden.
GOT7 habe ich bisher nicht auf dem Schirm gehabt. K2 stellte mir entsprechende Soundfiles zur Verfügung: Asia-Rap ist für meine Ohren gewöhnungsbedürftig, aber die Musik kommt bei den Fans sehr gut an.

Zugang zu GOT7
Der Zugang zum Velodrom, wo unter anderem auch die Radrennen in Berlin stattfinden, gestaltete sich etwas ungewöhnlich. Erst mussten die Karten mit Bänder ergänzt werden. Wir hatten teure Parkett-Karten für den Innenraum und bekamen braune A-Bändchen. Die VIP-Tickets waren vorher dran.

Vor Eintritt in die Hallemussten wir an den Merch-Stand vorbei und K2 brauchte unbedingt ein T-Shirt der Tour. Papa zahlt freilich die 30 Euro für ein T-Shirt Made in Bangladesch. Die Lightsticks mit grünem Licht gab es erst gar nicht oder waren schon ausverkauft. Gerne übernehme ich bei solchen Konzerten den Merch-Stand und kaufe billiges China-Zeug ein und verkaufe es teuer weiter. Nun, in Berlin gab es keine Lightsticks, die zu jedem KPop-Konzert gehören. Schade für eine solche Fehlplanung, aber Amazon kann liefern und für das nächste Konzert sind wir gerüstet.
Der Innenraum des Velodrom wirkt wie der Zutritt zu einem Ufo. Eine gewaltige Metallkontruktion hängt an der Decke. Darunter ist die Bühne mit drei Videoleinwänden aufgebaut. Eine große Quervideowand in der Mitte und zwei Videowände im Hochformat links und rechts von der Bühne. Darauf das Logo der Welttournee von GOT7: Eyes on you.

Als wir den Innenraum der Halle betraten, gab es keine Einteilung zwischen teuren und preiswerteren Karten. Das war in Berlin eine komplette Fehlorganisation. Ich kenne es von besser organisierten Konzerten, dass die Besitzer der teuren Karten weitere vorne stehen und die preiswerten Kartenbesitzer eben weiter hinten. Aber die Einweiser interessierten sich nicht dafür und sprachen lieber miteinander.

Kompliment an die GOT-Fans
Ich muss den KPop-Fans ein dickes Kompliment aussprechen. Sie sind nett zueinander und sie verstehen zu feiern. Rund zehn Minuten vor Konzert kam richtig Stimmung auf. Fans sangen die Lieder von GOT7 und riefen immer wieder im Chor nach ihren asiatischen Idolen. Interessant fand ich auch, dass viele asiatische weibliche Fans dabei waren. Für sie ist es wohl eine Identifikation mit ihrer Heimat Korea. Um mich herum sprachen viele junge Damen Koreanisch und Deutsch mit Berliner Schnauze.

Wie die genauen Schlachtrufe beim Konzert lauteten, habe ich vergessen, aber es hat Spaß gemacht, inmitten dieser Fans zu stehen. Ich hatte vorbei mit K2 abgesprochen, dass ich hinter K2 stehe, um mögliche Drängler abzufangen. Das war völlig unnötig. Anders auf den Rockkonzerten, die ich sonst besuche, gab es kein Gedränge oder Geschupse. KPop-Fans sind diszipliniert und sind höflich. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Kreisch – GOT7 stürmen die Berliner Bühne
Und dann ging das Geschrei los. Ich kenne alte Beatles Aufnahmen, als die weiblichen Fans sich die Seele aus dem Leib schrieen. Bei die sieben jungen Herren von GOT7 war es nicht anders. Natürlich will ich GOT7 nicht mit den göttlichen Beatles vergleichen, aber der Schrei- und Kreischfaktor war schon besonders hoch. Gut, dass K2 und ich mit Ohrenstöpsel ausgestattet waren. Nicht wegen der Musik war diese Schutz nötig, sondern wegen des Gekreisches.

Und dann donnerte die Show los. Leider war die Bühne etwas niedrig, so dass die etwas kleineren Fans im Innenraum die Show nur auf den Monitoren verfolgen konnten. Dank meiner Größe hatte ich einen guten Blick auf die sieben tanzenden Herrschaften. Immer wenn der eine oder andere Liebling von den Kameras eingefangen wurde, wurde das Geschreische lauter. Die eingeübten Moves, Bewegungen und vor allem die Blicke kamen bei den weiblichen Fans gut an. Die Herren wissen um ihre Wirkung bei den weiblichen Fans. Neben mir brach ein Fan in Tränen aus.

Die Mischung aus Pop, Rap und mal ein wenig Ballade kam super an. Immer wieder gab es Videozuspieler, damit sich die Band umziehen oder von ihren tanzenden Strapazen etwas erholen konnte. So mancher Einspieler, wenn sich beispielsweise auf ein Terrasse zum Essen und witzeln trifft, war mir beispielsweise zu lange. Aber da war ich wohl der Einzige. Die jungen Damen hingen an den Einspielungen und quittieren jedes Witzchen mit Jubel. Vielleicht bin ich für manche Sachen doch zu alt. Ich warf einen hilfesuchenden Blick zu manchen Vater im Publikum zu, die mit ihrem 5 Euro Bier dastanden und auch auf ihre Schützlinge aufpassen. Vielleicht sollten wir einen Papa-Club für KPop-Fans gründen.
Gegen Ende der Show haben die sieben Herren noch einzeln ans Mikrofon und bedankten sich artig bei den Fans.

Auch einzelne Sätze auf Deutsch kamen gut an. „Auf geht‘s“ gefiel einem Herren ganz gut. GOT7 dankten für die Resonanz auf ihren ersten Deutschlandbesuch, sie versprachen wieder zu kommen. Einer der smarten Herren meinte, vielleicht erscheine man auf einem Festival. Da bin ich mal gespannt, ob der KPop-Zauber auch bei einem Open Air wirkt oder ob sogar ein KPop-Festival geplant wird? GOT7 im Münchner Olympiastadion wie die Stones oder Springsteen kann ich mir nicht vorstellen. Fest steht auf jeden Fall: Man braucht größere Hallen oder mehrere Konzerte an gleichem Ort. Ich bin mir sicher, GOT7 würden dreimal das Velodrom oder andere Hallen auch voll bekommen und den Schwarzhändlern mit ihren Preisen das Geschäft verderben.

Nach drei Stunden war die Show vorbei. Kurz vor Ende hielten alle die mitgebrachten Schilder hoch und schunkelten. Es war eine gigantische Atmosphäre: Schilder, Lightsticks, Gesänge. Am Ende regnete es Papierschnipsel von der Decke und alle waren aus dem Häuschen. Es hat Spaß gemacht, die Fans waren begeistert und selbst ich als alter Sack war vom KPop-Zauber ergriffen.

 

 

 

Ausflug in die Schlange vor Neo Tokyo
Am nächsten Tag galt es natürlich auch dem Asia-Laden Neo Tokyo in der Schönhauser Allee einen Besuch abzustatten. Immer wenn wir in Berlin sind, muss sich K2 dort mit Material wie CDs, Anime oder Mangas eindecken. Wir haben zwar in München auch eine Zweigstelle, aber der Besuch in Berlin ist Pflicht. Dieses Mal war etwas mehr los. Der Laden platzte aus allen Nähten. Es bildete sich eine lange Schlange vor dem Geschäft: Warten hieß es, aber die Stimmung war gut. Die Fans diskutierten über das Konzert vom Vortrag, hörten Songs und sangen Lieder. Die Wartezeit von einer halben Stunde wurde überwunden, dann ging der Konsumterror los. K2 erstand eine CD von Monsta X und Mangas, die auch bei Amazon lieferbar wären. Dennoch musste vor Ort Beute gemacht werden.

Wenn wir jetzt noch BTS-Karten für Oktober bekommen würden, dann wäre unser Glück perfekt. Also bitte Meldungen für BTS-Karten an mich.

200. Jahre Karl Marx – meine Gedanken zu seinem Geburtstag

5. Mai 2018

Heute hat der Mann mit dem Rauschebart seinen 200. Geburtstag. Bärte sind wieder in, ist es Marx auch? Der deutsche Philosoph Karl Marx feiert seinen Geburtstag und ich erinnere mich an ihn. Mit seinem Kapital hat er die Welt verändert und die Interpretationen von Duo Marx/Engels haben Unglück über die Menschheit gebracht. Sozialismus, Kommunismus, Unterdrückung, Massenmord – all das waren die Folgen der Interpretationen von Karl Marx.

Das Kapital von Karl Marx

Als ich mit meinen Eltern unsere Verwandtschaft in der damaligen DDR besuchte, Mitte der siebziger Jahre, gab es einen Zwangsumtausch im realexistierenden Arbeiter- und Bauernstaat. Die starke D-Mark wurde gegen die wertlose Ost-Markt getauscht und es gab kaum etwas, was ich in der DDR davon kaufen konnte. Ich besorgte mir Orwo-Filme, Orwo-Fotopapier und ich kaufte mir hervorragende Fachbücher über Mathe und Chemie. Und in einem Buchladen sah ich eine große Ecke mit Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels sowie Übersetzungen von Lenin. Ich erwarb das Kapital und das kommunistische Manifest (Ein Gespenst geht durch Europa …) und blätterte meine Bücher durch. Als Jugendlicher verstand ich die Ideen von Marx nicht, reduzierte und verkürzte, interpretierte die Thesen über die Entfremdung der Arbeit, die Macht von Produktionsmitteln und vieles mehr. Ich bin mir sicher, Marx wurde falsch verstanden und ins Unkenntliche verdreht, was in den Massenmord eines Pol Pots und anderen endete. Das hat der alte Karl Marx nicht verdient.

Begegnungen mit Karl Marx in Berlin

Als ich vor kurzem mal wieder durch Berlin streifte, begegnete mir immer wieder Karl Marx. Ich schaute in der Karl-Marx-Buchhandlung vorbei und sah, dass der Marx zumindest noch in Buchform vorhanden ist und gekauft wird. Der Sozialismus der DDR ist Gott sei Dank gescheitert und hinterließ tiefe Spuren in der Stadt und in den Menschen, auch in unserer Familie. 

Natürlich traf ich auf das Marx-Engels-Forum. Es ist eine in den 1980er Jahren errichtete Denkmalanlage in Berlin-Mitte und besteht aus zehn Tonnen Bronze. Das Denkmal wurde am 27. September 2010 an den Rand der Grünfläche zur Liebknechtbrücke hin versetzt. Wo das Denkmal am Ende enden wird, müssen die Berliner entscheiden. Aber das Gezerre um den Standort zeigt das gespaltene Verhältnis zu Marx und Engels. Ich war vom jetzigen Standort begeistert, denn das Denkmal ist ein schöne Pokestop für Pokémon Go. Pervers, die Geistesgrößen als Pokestop zu verwenden. Kommunismus trifft auf Kommerz. Aber Karl Marx macht auch Spaß. Touristen aus aller Welt besteigen die Statuen immer wieder und machen – wie ich auch – Selfies vor Marx. Der Respekt vor Marx und Engels ist verloren gegangen. Andere legen Blumen nieder, je nach Weltbild. 

Interessant ist die Interaktion bei dem Denkmal. Dort ist eine Plakette von Talking Status Berlin mit Webadresse und QR-Code angebracht. Den QR-Code mit dem Smartphone gescannt und es erfolgt ein Anruf von Gregor Gysi, der die Geschichte der Theoretiker erzählt. Ich finde es eine nette Idee einer Stadtführung und obwohl ich Gregor Gysi politisch nicht mag, ist er ein schillernder Politiker unserer Zeit.

Karl Marx bei Reclam 

Zum 200. Geburtstag wurde es für mich Zeit, mich wieder ernsthafter mit Karl Marx zu beschäftigen. Die Bände des Kapitals liegen noch immer bei mir im Keller und ich habe nicht den Nerv und die Zeit die Wälzer zu lesen. Und da kommt das Buch Karl Marx. 100 Seiten von Dietmar Dath Karl Marx 100 Seiten gerade recht.

Gut geschrieben auf 100 Seiten. Karl Marx bei Reclam.

Gut geschrieben auf 100 Seiten. Karl Marx bei Reclam.

Es ist auf der einen Seite ein persönliches Buch von Diemtar Dath über Marx geworden, auf der anderen Seite bringt er mir als Leser die Theorien des Denkers näher. Die 100 Seiten mit ein paar Abbildungen sind schnell gelesen und brachten mir Karl Marx zum 200. Geburtstag näher. Ich kann immer noch nicht sagen, dass ich ein Fan von Karl Marx bin, aber genauso wenig bin ich ein Fan von Ludwig Feuerbach oder Georg Friedrich Hegel. Ich halt es einfach mit dem Philosophie Song der großen Monty Python. 

 

Fehlanzeige – keine Tickets für Got7 für mich

19. April 2018
Um 16 Uhr begann der Kartenvorverkauf für Got7 und das System brach zusammen.

Um 16 Uhr begann der Kartenvorverkauf für Got7 und das System brach zusammen.

Es gibt Tage, an denen man verliert. Gestern war so ein Tag, der nicht so verlaufen ist, wie ich es mir gewünscht habe. Ich habe trotz erheblicher Mühen keine Karten für das Deutschlandkonzert der südkoreanischen K-Pop-Band Got7 bekommen. Eine kleine, klitzekleine Chance besteht noch. 

Ich muss zugeben: Ich kenne Got7 nicht, aber dafür K2. K2 ist absoluter K-Pop-Fan. Bei uns zu Hause läut Musik von Bands wie BTS, G-Dragon, Exo und Got7 rund um die Uhr. Zu Jahresbeginn 2018 hatten die Südkoreaner angekündigt, dass sie auf Tour durch Europa gehen. Es gibt ein Konzert in Berlin am 8. Juni im Velodrom. Nachdem ich mit K2 bereits bei G-Dragon im Konzert war, wollten wir unbedingt wieder ein K-Pop-Konzert besuchen. 

Um 16 Uhr wurden gestern die Karten bei Eventim freigeschaltet. Die ganze Familie bemühte sich um Karten. Meine Frau und K2 saßen mit zwei MacBooks, zwei iPhones im Wohnzimmer, ich nutzte das iPhone – weil ich als Beifahrer auf der Autobahn. 

Mit vielen Geräten wurde versucht Karten für Got7 zu bekommen.

Mit vielen Geräten wurde versucht Karten für Got7 zu bekommen.

Ich denke, die Server von Eventim brachen unter dem Ansturm zusammen. Ins Velodrom passen 12.000 Zuschauer und ich hatte das Gefühl, die Karten waren ratz fatz weg. Immer wieder kamen wir durch, scheiterten aber bei der Warenkorb-Funktion. Das System brach ab. Die Tickets konnten nicht in den Warenkorb gelegt werden. Der Frust der Familie stieg von Minute zu Minute. Ganze vier Stunden glotzen wir in die Rechner, vergeblich. Wir bekamen keine Karten. K2 und ich waren restlos enttäuscht. Got7 wird wohl ohne uns stattfinden und das ist schade. 

Da sah es noch ganz gut aus ...

Da sah es noch ganz gut aus …

... doch Fehlanzeige.

… doch Fehlanzeige.

Blick zu eBay für Got7-Karten 

Also probierte ich als Papa noch eBay. Bei den Preisen musste ich schlucken. Ich habe über die Kleinanzeigen einen sympathischen Verkäufer seiner Tickets gefunden und Kontakt aufgenommen. Ich schilderte ihm meine Situation: Da Got7 an einem Freitag gastiert, könnten wir per Bahn von München nach Berlin fahren und das Konzert besuchen. Es fällt keine Schule aus. Die Freude von K2 wäre riesig. Ich nannte meinen Höchstbetrag, den ich für die Tickets ausgeben kann – meine Mutter legte sogar noch etwas drauf. In zwei Tagen will sich der eBay-Verkäufer melden. Ihm flattern Angebote ins Mailpostfach, die mich schlucken lassen. So viel Geld kann ich nicht bieten. Ich kann es dem Verkäufer nicht verdenken, wenn er das höchste Angebot annimmt und reich wird. Das ist Marktwirtschaft, auch wenn ich sie in diesem Fall nicht mag. Aber vielleicht hat er ein Einsehen oder jemand ließt mein Ersuchen: Ich brauche Karten für Got7. 

Keine Karten - Fehlanzeige.

Keine Karten – Fehlanzeige.

Universalkünstler Wenzel Hablik und seine expressionistischen Utopien

11. Januar 2018
Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Wer sich für den deutschen Expressionismus interessiert, der sollte sich sputen. Nur noch bis 14. Januar 2018 ist im Berliner Martin Groupius Bau die absolut sehenswerte Ausstellung über Wenzel Hablik zu sehen. Bei einem Kurztripp nach Berlin bin ich eingetaucht in die expressionistischen Utopien von Wenzel Hablik. Leider war es untersagt Fotos von der Ausstellung zu machen und die Museumsleitung vergibt sich damit die Chance, die breite Öffentlichkeit auf die Ausstellung aufmerksam zu machen. Das ist schade, denn Kunst muss raus dem Elfenbeinturm zu den Menschen.


In den Ausstellungsräumen war bei meinem Besuch nicht viel los. So hatte ich Zeit, mich den ausgestellten Werke zu widmen. Zur Ausstellung ist auch ein ausgezeichneter Katalog Wenzel Hablik – Expressionistische Utopien bei Prestel erschienen. Wer war Wenzel Hablik? Bis zu der Ausstellung hatte ich von diesem Maler, Zeichner und Schreiner, Raumausstatter und Universalkünstler nichts gehört, aber ein Teil seiner Bilder waren mir vertraut. Ich habe seine Kristallpaläste als Jugendlicher als Illustration von Science Fiction-Romanen wahrgenommen und als ich nun das Veranstaltungsplakat zur Ausstellung sah, war klar: Da muss ich hin.
Und ich war fasziniert von dem Gesamtkunstwerk. Es schlug mich sofort in seinen Bann. Utopische Architekturentwürfe, expressionistisches Interieur, fantastische Farbwelten – all dies ist nur ein Teil des Werkes von Wenzel Hablik (1881–1934), der sich als Universalkünstler dem Gesamtkunstwerk verschrieb. Das Wort Universalkünstler passt bei ihm auf jeden Fall. Hablik gilt, so habe ich nachgelesen, als einer der wichtigen Vertreter der deutschen expressionistischen Architektur- und Gestaltungsavantgarde. Es ist die erste umfassende Einzelausstellung seines Werkes in Berlin und daher muss man die Ausstellung eigentlich gesehen haben.


Im Mittelpunkt der Berliner Ausstellung im Martin Gropius Bau stehen seine Architekturvisionen und sein 1923 farbig gestaltetes Meisterwerk eines Raumkonzepts als Rekonstruktion. Sie werden durch die Präsentation von Malerei und Design ergänzt, denn erst in der Kombination wird der Grundgedanke des Gesamtkunstwerkes, wie Hablik es verfolgte, nachvollziehbar. Das alles machte mich neugierig.
Die Ausstellung ist didaktisch gut aufgebaut. Von Raum zu Raum wird die Entwicklung des Künstlers deutlicher. Beeinflusst durch seine Studienzeit an der Wiener Kunstgewerbeschule und der Kunstakademie in Prag lässt sich seine Entwicklung vom Jugendstil über den Expressionismus und die farbbegeisterten frühen 1920er-Jahre bis hin zur Neuen Sachlichkeit nachvollziehen. Mein erster großer Stop waren die Kristallbilder. Aus seiner Liebe zu den Bergen schuf Hablik fantastische Welten. Hier kamen sofort die Erinnerungen an meine Jugend wieder hoch.
Als Hablik auf seinen Reisen einst alleine den Mont Blanc bestieg und dann 1906 den Sonnenuntergang über den Bergmassiv malte, war ich fasziniert. Hablik hatte mich mit seiner Kunst gefangen und ich wusste, dass die Ausstellung für mich länger dauern würde.
Ich will jetzt nicht Bild für Bild beschreiben, dazu gibt es den Katalog. Lasst mich ein paar Highlights herausheben: Wellen, Gewitter – dann blieb ich an dem Bilderzyklus Schaffende Krähe hängen und sinnierte über den Ausspruch „Der Mann, der Raum, zwei Ewigkeiten.“ 1909 und 1913 kamen Bilder des Sternenhimmels hinzu.


Dass Wenzel Hablik aber auch ein zerrissener Künstler war, zeigte sich 1913 mit dem Bild Woher – Wohin. Im Grunde ist es eine Hommage an Auguste Rodins Der Denker. Hablik schafft es, seine Selbstzweifel visuell darzustellen.
Dann kam der große Krieg, der erste Weltkrieg. Wie alle Künstler, die an diesem Irrsinn teilgenommen haben, musste er es verarbeiten. Er tat es mit einem gewalttätigen Bild Zerstörung aus dem Jahre 1917. Expressionistische Explosionen, Farben und Formen zerbersten. Als ich das Bild gesehen hatte, versetzte es mir einen Schock, wie kraftvoll sich hier die Bildsprache entlädt. Ruhiger ging es dann 1921 bei der Architekturlandschaft und 1924 bei der freitragenden Kuppel zu.
Und dann kam für mich der Höhepunkt der Ausstellung: Wenzel Hablik entwarf komplette Räume. Farben und geometrische Formen überall. Im Martin Gropius Bau wurde das Esszimmer Habliks nachgebaut. Hier verschlug es mir die Sprache. Obwohl es untersagt war, ein Foto zu machen, schoss ich ein 360 Grad Bild, um meiner Frau einen Eindruck von diesem Gesamtkunstwerk zu geben.


Es kam damals einer kleinen Sensation gleich, dass das farbige Raumkonzept eines von Wenzel Hablik 1923 gestalteten Esszimmers 80 Jahre weitgehend unbeschadet überstanden hat. Bunt und in streng geometrischen Formen vom Boden bis zur Decke gestaltete er damals das Speisezimmer seiner Villa in Itzehoe. 1933 ließ er es unter neutralen Tapeten verbergen. 2013 wurden die wertvollen Malereien freigelegt. Eine Rekonstruktion dieses Kunstwerks ist im Martin Gropius Bau noch bis 14. Januar 2018 zu sehen. Oder zumindest den Katalog Wenzel Hablik – Expressionistische Utopien kaufen.

Blue Man Group in Berlin

10. Januar 2018

Ich hatte die Plakate der Blue Man Group schon so oft gesehen, auch bei einem Aufenthalt in Las Vegas und in New York. Ich kannte sie von Intel. Bei einem Berlin-Besuch schaute ich mir die Show der blauen Männer endlich im eigens gebauten Stage Bluemax Theater an. Fazit: Großartige Unterhaltung, was auch daran liegt, dass das Publikum miteinbezogen wird.

Schon die Auffahrt via Rolltreppe hoch ins Bluemax Theater am Marlene Dietrich Platz verspricht Spannung. Alles ist in Blau gehüllt. Blaue Scheinwerfer sorgen dafür, dass wir als Publikum in die richtige Stimmung versetzt werden. Nach der obligarorischen Taschenkontrolle geht es ins Foyer. Mäntel abgeben, Merch schauen und auf den Einlass warten.

Für K2 und mich habe ich super Plätze in der zweiten Reihe auf der linken Seite gekauft. Rund 90 Euro pro Karte sind wahrlich kein Schnäppchen. Aber ich wollte die Show hautnah erleben und zudem sehe ich schlecht, da muss ich ganz vorne ran an die Bühne, sonst kann ich mir den Abend sparen und mir die DVD kaufen.
Bei den ersten acht Reihen liegen über den Klappstühlen des Bluemax Theaters blaue Plastikponchos. Es scheint also nass zu werden und deshalb ziehen wir die Plastikumhänge über – sicher ist sicher. Wir haben die 21 Uhr Show gebucht und wir freuen uns auf den Start. Nur noch 5 Minuten, dann soll es losgehen.
Plötzlich kommt eine sympathische Einlasskontrolleurin auf uns zu und bittet uns höflich uns von unseren Plätzen zu erheben und mitzukommen. Verwirrt blicken k2 und ich uns an. Was hatten wir denn getan?


Wir werden zu den obersten Rängen des Bluemax Theaters geführt, außer Sicht des Publikums und dann gebrieft. Wir seien ausgewählt worden, einen Showgag mitzumachen. Wir sollen die Show ne knappe halbe Stunde von hier oben beobachten und würden dann von einem jungen Mann während der Show zu unseren Plätzen in der zweiten Reihe geführt. In der Show der Blue Man Group sei es nämlich üblich, dass kein Zuschauer mehr in die Show kommt, wenn die Türen geschlossen sind. Ich kenne das vom Grünen Hügel aus Bayreuth beim göttlichen Richard Wagner. Wer zu spät kommt oder den Saal verlassen muss, der bleibt draußen. Ganz so streng geht es bei einer US-Show nicht zu, der VIP-Gag kann also klappen. Blue Man Group ist nicht Richard Wagner, also stimmen wir zu.
Die Show beginnt mit intensiver Performance. Drums, Percussion, Licht – alles sehr intensiv und laut. Das Programm setzt sich aus Teilen der Shows in London und Amsterdam zusammen.

Vier Musiker sorgen für eine perfekte Show. Allerdings bekomme ich nur akustisch davon etwas mit. Auf der Bühne werden Farbbälle geworfen, den den blauen Männern mit dem Mund aufgefangen und dann Bilder humorvoll gemalt. So erzählt es mir K2. Ich selbst sehe kaum etwas die erste halbe Stunde, denn meine Augen sind einfach zu schlecht. Da ist was verwaschenes Blaues auf der Bühne. Na toll. Da zahl ich für die teuersten Karten und sehe die erste halbe Stunde der Show nicht, weil mein Augenleiden mich eingeschränkt. Ich hätte nicht zusagen soll, aber muss jetzt das Spiel mitmachen. Nach einer halben Stunden wird die Show unterbrochen, wir werden mit dem Ruf „Ihr seid zu spät“ von einem freundlichen Platzanweiser zu unseren Plätzen geführt und das Publikum lacht. Die steilen Stufen des Theaters muss ich bedächtig heruntergehen. Die Zuschauer empfinden mein Schreiten wohl als Show, ich schwitz aber Blut und Wasser, dass ich bei dem blauen Licht nicht die Stufen herunterpurzelte, weil ich nichts sehe. Das wäre ein Showact gewesen.
Platz genommen und weiter geht die Show. Und ich muss sagen, es macht wirklich Spaß. Es wird auf verschiedenen Klangkörpern Musik gemacht. Am meisten beeindrucken mich die Regenrohre, aus denen unterschiedliche Klänge hervorkommen. Die drei Blue Man auf der Bühne haben ihre blauen Masken übergezogen, ein bisschen wie Fantomas Es sind blaue Latexmasken, die die Haare verdecken. Das restliche Gesicht ist mit fettiger blauer Schminke bedeckt, die immer feucht erscheinen.


Und es sind drei Männer auf der Bühne. Es wird mit der magischen Zahl drei gespielt. Wie in jedem guten Witz sind drei Akteure wichtig. Dann funktioniert der Witz. Dieses Prinzip liegt auch bei der Blue Man Group zu Grunde und es funktioniert tadellos.
Und dann spielen die Herrschaften noch mit dem Unerwarteten. Da fliegt ein Wackelpudding ins Publikum, da werden Leute aus dem Publikum auf die Bühne gebeten (ob Fake oder nicht, kann ich nicht beurteilen). Und irgendwann fallen große Luftballons von der Theaterdecke und alle können mitmachen. Stark – K2 und ich haben viel Spaß. Mal trifft uns so ein Ball, mal können wir einen in die Lüfte stoßen. Interaktion ist angesagt und wenn die Blue Man ins Publikum zu Selfies kommen, ist es auch ein Spaß. Ich habe sogar eines machen können.
Und als Zuschauer ist man immer auf der Acht. So wird beispielsweise ein animiertes Filmchen über die Kanalisation eingespielt und mit der Möglichkeit gespielt, dass bei einem Überdruck die Fäkalien den Weg zurück finden. Und dann treten die Blue Man mit einem Röhrensystem auf und machen Musik. Der Zuschauer zieht sich seine Regenponochs über und schaut nervös auf das Rohrsystem. Die werden doch nicht …


Nach rund einer Stunde und vierzig Minuten war die Show aus. Das Publikum ist begeistert und auch uns hat die Show gefallen. Und weil es eine US-Show ist, gibt es im Foyer noch die Möglichkeit mit der Blue Man Group ein Foto zu machen. Touristen wie wir sind, haben wir die Möglichkeit wahrgenommen und Selfies geschossen. Mir hat es Spaß gemacht und ich habe gehört, dass die Blue Man Group auch einen Abstecher nach München machen will. Vielleicht gehe ich dann mit meiner Frau dahin – aber ich weiß, dass ich nicht wieder das Opfer des Nachzüglers sein will. Dieses Mal will ich die ganze Show sehen.

Unterton – Installation am Martin Gropius Bau Berlin

7. Januar 2018
Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Wer nicht den Haupteingang des Martin Gropius Baus in Berlin benutzt, sondern den südlichen Hintereingang, der stößt unweigerlich auf die Installation Unterton. Mir hat diese Toninstallation gefallen und unheimlich Spaß gemacht.
Auf der Südseite des Ausstellungsbaus gibt es einen großen kreisförmigen Platz. Im Zentrum des Platzes findet sich eine runde Bodenplatte, von der aus man die beste Akustik hat. Über den Platz verstreut sind Gullydeckel und in diesen Deckeln ist ein Schlagwerk eingebaut. Wenn ich den Platz betrete, dann aktivieren sich Bewegungssensoren.

Magnethämmer, die unter den acht radial angelegten Gullydeckeln angebracht sind, beginnen zu schlagen. Je nachdem wie ich mich bewege, kommen verschiedene Klangbilder. Sie sind – so mein Eindruck – eine Art Morsecode. Wie eine Art Glockenspiel schlagen die Klöppel und erzeugen einen metallischen Klang aus dem Untergrund heraus, daher wohl der Name Unterton.
Die Installation Unterton stammt von Ina Geißler und Fabian Lippert aus dem Jahre 2011. Im Rahmen des Konjunkturpakes II der Bundesregierung ist diese Installation als Kunst am Bau gestaltet worden. Für Besucher wichtig: Die Installation funktioniert nur zwischen 8 und 20 Uhr, sonst fallen wohl der Nachbarschaft die Ohren ab.

Im künstlerischen Konzept von 2011 heißt es: „In seiner jetzigen Form wird der Stadtraum vor der Südseite des Martin-Gropius-Baus nicht als Platz, sondern ausschließlich als Passage, also im ‚vorbeigehen‘ erlebt. Weder gibt es eine räumliche Fassung oder angrenzende Hauseingänge, noch belebende Elemente oder Aktivitäten. Der Ort ist bestimmt durch die Schwere des Bodenmaterials, das die ‚historische Aura‘ des Bodens verstärkt.“ Und weiter ist dort zu finden: „Eine unterirdische akustische Installation in der Mitte des Platzes fördert eine neue Raumwahrnehmung. Beim Betreten der zentralen Fläche wird ein rotierendes Klangbild unterhalb des Bodens in Gang gesetzt. Es fordert den Passanten zum Innehalten und Verweilen auf…“
Ich fand es spannend und werde bei meinen nächsten Besuch wieder Töne aus dem Untergrund hervorlocken.