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54 Jahre nach 1972: München setzt ein riesiges Zeichen für Olympia

27. August 2026

Ein drei Meter hoher Dackel, ein 200 Quadratmeter großes Banner und die historische Olympia-Fanfare: Genau 54 Jahre nach der Eröffnung der Sommerspiele von 1972 macht München auf dem Marienplatz deutlich, dass die olympische Geschichte der Stadt noch nicht zu Ende geschrieben sein soll. Aus den Räumen des PresseClubs München verfolgte ich das Spektakel auf dem Münchner Marienplatz und natürlich war auch ein Selfie mit dem Münchner Kindl inklusive.


Am 26. August 1972 wurden in München die Olympischen Sommerspiele eröffnet. Auf den Tag genau 54 Jahre später nutzt die Landeshauptstadt dieses symbolträchtige Datum, um ihrer Bewerbung um neue Olympische und Paralympische Sommerspiele Nachdruck zu verleihen. Zugleich beginnt der letzte Monat vor einer entscheidenden Weichenstellung: Am 26. September 2026 bestimmt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden, welcher deutsche Kandidat in den internationalen Wettbewerb gehen soll. Mit im nationalen Rennen sind Berlin und KölnRheinRuhr nachdem Hamburg gekniffen hat. Meine Präferenz liegt natürlich bei München.


Auf dem Münchner Marienplatz setzt das Bündnis PRO Olympia gemeinsam mit Vertretern der Landeshauptstadt dafür auf weithin sichtbare Symbolik. Im Mittelpunkt steht zunächst ein drei Meter hoher Riesen-Dackel von München Tourismus. Die Figur knüpft unübersehbar an „Waldi“, das berühmte Maskottchen der Spiele von 1972, an. An dem Dackel startet ein Countdown, der die verbleibenden 31 Tage bis zur DOSB-Entscheidung herunterzählt.


An der Aktion beteiligen sich Wolfram Hatz, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, und David Boppert, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses München. Sie vertreten das Bündnis PRO Olympia. Von Seiten der Stadt sind Oberbürgermeister Dominik Krause und Wirtschaftsreferent Dr. Christian Scharpf dabei.

Den optischen Höhepunkt bildet ein Banner mit beachtlichen Dimensionen: 20 Meter breit und zehn Meter hoch soll es, begleitet von der historischen Olympia-Fanfare, entrollt werden. Mit insgesamt 200 Quadratmetern Fläche wird die Botschaft der Münchner Bewerbung damit kaum zu übersehen sein. Für Medienaufnahmen des Riesenbanners hat die Stadt eigens die Möglichkeit vorgesehen, aus den Räumen des PresseClubs München zu fotografieren.



Hinter der öffentlichkeitswirksamen Aktion steht die entscheidende Phase eines mehrjährigen Auswahlprozesses. München hat sein finales Bewerbungskonzept Anfang Juni ebenso wie Berlin und KölnRheinRuhr beim DOSB eingereicht. Die drei Bewerbungen werden nach einer gemeinsam mit dem Bund entwickelten Systematik bewertet. Dabei spielen unter anderem die internationale Wettbewerbsfähigkeit, die nationale Akzeptanz sowie die sportfachliche und operative Eignung eine Rolle. Auch Vision, langfristiges Erbe sowie Kosten und Finanzierung werden geprüft.


München kann dabei auf ein starkes politisches und gesellschaftliches Signal verweisen. Der Stadtrat unterstützte das vertiefte Bewerbungskonzept mit großer Mehrheit. Hinzu kommt das klare Votum der Bevölkerung: Beim Bürgerentscheid sprach sich eine Zwei-Drittel-Mehrheit für eine Bewerbung aus.

Das Münchner Konzept setzt unter anderem auf Nachhaltigkeit, die Nutzung und Weiterentwicklung bestehender Infrastruktur sowie Stadtentwicklungsprojekte. Zu den sogenannten „Powerprojekten“ gehören Ansätze rund um zirkuläre Spiele und neue Mobilitätslösungen. Damit soll eine erneute Austragung nicht allein als mehrwöchiges Sportereignis verstanden werden, sondern als Impuls für die langfristige Entwicklung der Stadt.



Ob München tatsächlich die Chance erhält, diese Vorstellungen auf internationaler Ebene zu vertreten, entscheidet sich allerdings zunächst in Baden-Baden. Die Evaluierungskommission überprüft die Ergebnisse des DOSB-Verfahrens und kann eine Wahlempfehlung aussprechen. Eine solche Empfehlung ist jedoch weder zwingend noch für die Mitgliederversammlung bindend. Die endgültige nationale Entscheidung fällt am 26. September.

Und selbst ein Münchner Sieg in Baden-Baden wäre noch keine Zusage für Olympische Spiele. Über die internationale Vergabe entscheidet letztlich das Internationale Olympische Komitee. Nach Angaben des DOSB steht derzeit noch nicht fest, wann das IOC die nächsten Sommerspiele vergeben wird. Sicher ist damit vorerst nur: 54 Jahre nach 1972 will München zeigen, dass es bereit wäre, noch einmal olympische Gastgeberstadt zu werden.

30 Jahre Ampelmann – Wie ein Ost-Symbol zum gesamtdeutschen Kult wurde

27. Juli 2026

Ich sammle Bilder von Ampelmännchen von verschiedenen Städten. Und es begann mit dem Verkehrszeichen der DDR. Was einst als Verkehrszeichen der DDR begann, ist heute eine weltweit bekannte Design- und Kultmarke: Der Ampelmann feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag als Marke. Am 27. Juli 1996 stellte der Tübinger Produktdesigner Markus Heckhausen sein Ampelmann-Projekt erstmals der Öffentlichkeit vor – und bewahrte damit eine der bekanntesten Alltagsikonen Ostdeutschlands vor dem Verschwinden.

Das charakteristische Ampelmännchen wurde bereits 1961 vom DDR-Verkehrspsychologen Karl Peglau entworfen. Mit seinem Hut, den ausgestreckten Armen und den klar erkennbaren Bewegungen sollte es insbesondere Kindern und älteren Menschen helfen, Verkehrssignale intuitiv zu verstehen. Die bewusst freundliche Gestaltung gilt bis heute als Beispiel für gelungenes Informationsdesign. Studien bescheinigten dem Ost-Ampelmännchen eine besonders hohe Wiedererkennbarkeit und gute Verständlichkeit im Straßenverkehr.

Nach der deutschen Wiedervereinigung stand das Symbol jedoch vor dem Aus. Die Verkehrszeichen der ehemaligen DDR sollten schrittweise durch westdeutsche Ampelsymbole ersetzt werden. Markus Heckhausen erkannte früh den kulturellen Wert der Figur und setzte sich mit großem Engagement dafür ein, das Ost-Ampelmännchen zu erhalten. Ihm gelang es nicht nur, Behörden und Öffentlichkeit zu überzeugen, sondern auch Karl Peglau und dessen langjährige Mitarbeiterin Anneliese Wegner an der Entwicklung der Marke zu beteiligen. Aus dieser Zusammenarbeit entstand eine enge persönliche Freundschaft zwischen Heckhausen und Peglau, die bis zu Peglaus Tod im Jahr 2009 bestand.

Heute steht der Ampelmann weit über seine ursprüngliche Funktion als Verkehrszeichen hinaus für deutsche Designgeschichte, Wiedervereinigung und gelebte Erinnerungskultur. Für Heckhausen symbolisiert die Figur den Zusammenhalt zwischen Ost- und Westdeutschland und erinnert daran, dass die Wiedervereinigung nicht nur wirtschaftliche und politische, sondern auch kulturelle Herausforderungen mit sich brachte. Der Erhalt des Ampelmännchens gilt deshalb als eines der wenigen Beispiele, bei denen ein ostdeutsches Alltagsprodukt nach der Wende nicht verschwand, sondern bundesweit und international erfolgreich wurde.

Aus dem einst bedrohten Verkehrszeichen entwickelte sich eine erfolgreiche Berliner Kultmarke. Mehr als 70 Mitarbeitende arbeiten heute für das Unternehmen. Das Sortiment umfasst inzwischen über 600 Produkte – von Kleidung und Tassen bis hin zu Souvenirs und Designartikeln. Besucher aus aller Welt entdecken den Ampelmann in sieben Berliner Geschäften, unter anderem an den Hackeschen Höfen, am Berliner Dom, Unter den Linden, im Berliner Hauptbahnhof sowie am Flughafen BER.

Der Ampelmann ist damit längst mehr als ein Fußgängersignal. Er steht für gelungenes Industriedesign, den respektvollen Umgang mit kulturellem Erbe und für die Erkenntnis, dass Identität oft in den kleinen Dingen des Alltags entsteht. Drei Jahrzehnte nach seiner Rettung ist das Ampelmännchen nicht nur ein Wahrzeichen Berlins, sondern auch ein Symbol dafür, wie aus einem regionalen Verkehrszeichen eine internationale Kultfigur werden kann.

Konzertkritik: Die Rückkehr der Könige BTS in die Allianz Arena

12. Juli 2026

Drei Jahre Zwangspause. Drei Jahre, in denen die Welt auf die Rückkehr der sieben Südkoreaner warten musste. Doch als am Freitag 11. Juli 2026 die ersten Basstöne durch die Münchner Allianz Arena wummerten, war klar: BTS haben nicht nur nahtlos an ihre alten Erfolge angeknüpft, sie haben sich noch einmal neu erfunden. Die Arirang World Tour machte für zwei restlos ausverkaufte Abende in Deutschland halt – und lieferte eine Show ab, die eindrucksvoll erklärte, warum das Phänomen K-Pop die globale Musiklandschaft dominiert.

Auch die Army, die starke Fan-Base von BTS, zeigte sich wieder von der besten Seite. Man verschenkte Freebies, sogar ich als alter Mann wurde mit dem Fan-Material überhäuft. Viele der zumeist weiblichen Fans war gestylt im Look der Band. Es gab kein Schubsen, keinen Streit unter den 72.000 Fans vor und in der Allianz-Arena. Für mich bedeutet BTS auch ein Teil meiner Familiengeschichte. Meine Tochter war einst ein Hardcore-Fans und wir besuchten verschiedene K- und J-Pop-Fans zu ihrer Schulzeit. Bei BTS waren wir zum ersten Mal in Berlin dabei. Dann reisten wir extra zu einem Konzert nach London in die Wembley-Arena. Und nach drei Jahren Pause wollten wir das Tochter-Vater-Erlebnis nochmal mit dem Comeback-Konzert in München krönen.

Mehr als Musik: Die Magie der „Arirang World Tour“
Wer ein K-Pop-Konzert besucht, geht nicht einfach nur hin, um ein Live-Songs zu hören. Es ist ein dreistündiges Hochleistungsspektakel. In München wurde das Stadion von den ARMY Bombs, den Bluetooth-gesteuerten Leuchtstäben der Fans, in ein perfekt synchronisiertes, lila Lichtermeer getaucht, das auf jeden Takt der Musik reagierte.
RM, Jin, SUGA, j-hope, Jimin, V und Jungkook bewiesen auf der Bühne, dass sie die militärische Auszeit genutzt haben, um musikalisch und persönlich zu reifen. Die Setlist war eine schöne Balance:

Die Klassiker: Hymnen wie Dynamite und Spring Day sorgten für ohrenbetäubende Fanchöre, die selbst den Verkehr am Fröttmaninger Ring übertönt haben dürften.

Die neue Ära: Die Tracks ihres Frühjahrs-Comebacks zeigten eine erwachsenere Seite der Band, die modernen Pop, rohen Hip-Hop und traditionelle koreanische Elemente nahtlos verschmelzen lässt.

Die Solo-Stages: Jeder der sieben Musiker bekam den Raum, seine individuelle künstlerische Identität zu präsentieren – von SUGAs intensivem Rap-Feuerwerk bis zu Jimins eleganter Contemporary-Dance-Performance.

Die Architektur der Faszination: Warum K-Pop die Welt erobert
Der unfassbare Hype um dieses Konzert – für das Fans Ticketpreise von mehreren hundert Euro zahlten und aus ganz Europa anreisten – wirft für Außenstehende oft die Frage auf: Warum eigentlich? Die Antwort liegt in der einzigartigen DNA des K-Pop, die BTS in den vergangenen zehn Jahren maßgeblich geprägt und perfektioniert haben:

Absolute visuelle und akustische Perfektion
K-Pop überlässt nichts dem Zufall. Die Choreografien sind bis in die Fingerspitzen synchronisiert, die Bühnenbilder wechseln im Minutentakt und die Outfits haben Haute-Couture-Niveau. Es ist ein multisensorisches Erlebnis. Dass der Live-Gesang trotz der atemraubenden Tanzeinlagen so stabil sitzt, ist das Ergebnis eines jahrelangen, extrem harten Trainingssystems. Westliche Pop-Acts wirken im direkten Vergleich oft fast minimalistisch.

Der Spagat zwischen Übermenschen und besten Freunden
Die größte Leistung von BTS ist die emotionale Bindung zu ihrer Fangemeinde. Auf der Bühne agieren sie wie unnahbare Pop-Gottheiten, doch in ihren Ansprachen zwischen den Songs in München zeigten sie sich unfassbar nahbar, humorvoll und verletzlich. Da durfte sogar das FC Bayern Trikot getragen werden. Durch unzählige Vlog-Formate, Livestreams und Behind-the-Scenes-Material haben Fans das Gefühl, mit ihnen aufgewachsen zu sein. Es ist eine intensive parasoziale Beziehung, die sich für die Fans sehr real und stützend anfühlt.

Botschaften mit Substanz
Während die klassischen Boybands der 90er und 00er Jahre fast ausschließlich auf reine Liebeslieder setzten, adressiert BTS Themen, die wehtun. Sie singen über psychische Gesundheit, den enormen Leistungsdruck der Gesellschaft, Systemkritik und den oft steinigen Weg zur Selbstliebe. Sie geben einer ganzen Generation eine Stimme, die sich in ihren Texten – Sprachbarriere hin oder her – zutiefst verstanden fühlt. In München wurde die koreanische Community aktiviert.

Ein Abend für die BTS-Geschichtsbücher
Das Konzert in München war nicht nur ein Beweis für die ungebrochene Strahlkraft von BTS, sondern auch ein Statement für das Genre selbst. K-Pop ist längst keine kuriose Nische mehr, die von westlichen Medien belächelt wird. Es ist die Speerspitze der modernen Popkultur.
Als das Konzert gegen 22 Uhr endete und sich die sieben Mitglieder tief vor ihrem Publikum verbeugten, blieb ein Stadion voller erschöpfter, aber restlos glücklicher Menschen zurück. Die Könige sind zurück – und sie sitzen fester im Sattel denn je.

Konzertkritik: B-52s in der Berliner Zitadelle

7. Juli 2026

Mitte der 80er Jahre des vergangene Jahrhunderts machte mich mein Schulfreund Robert auf eine Band aufmerksam, die ich vom Namen her in ein anderes Genre verordnet hätte B-52s. Es war ein Bomber, obwohl die schrille Musik eingeschlagen hatte, wie eine Bombe. Die B-52s klangen wie eine wilde Party aus den 80ern: New Wave und Post-Punk mit knalligen Surf-Gitarren, treibenden Synthesizern und vor allem den unverwechselbaren Doppelstimmen von Kate Pierson und Cindy Wilson – mal schrill, mal sinnlich, immer exzentrisch.


Dazu kommen absurde, spielerische Texte voller Kitsch, Sci-Fi und Camp-Humor. Der Sound ist tanzbar, energiegeladen und hat diesen unnachahmlichen Retro-Futurismus: gleichzeitig altmodisch und total eigen. Songs wie Rock Lobster oder Love Shack sind Paradebeispiele – laut, schräg und unwiderstehlich.


Jetzt habe ich die Band in der Berliner Zitadelle wieder gesehen und es war ein Erlebnis. Es war einer dieser Sommerabende, an denen die Luft so schwer und warm ist, dass man das Gefühl hat, die Zeit stehe still. Die Zitadelle Spandau, dieses monumental schlafende Gemäuer aus dem 16. Jahrhundert, hatte sich für eine Nacht in etwas Leichteres verwandelt – in einen Ort der reinen, schreienden Lebensfreude. Und dann kamen die B-52s.
Drei alte Leute Fred Schneider, Kate Pierson und Cindy Wilson betraten die Bühne, und irgendetwas in der Brust – tief drin, da wo man Dinge aufbewahrt, die man nie ganz erklären kann – zog sich zusammen. Nicht vor Trauer. Vor Wiedererkennung. Und die Stimme der 78jährigen von Kate Pierson war noch immer ein Hammer.


Schon bei den ersten unverkennbaren Riffs von „Planet Claire“ lag eine beinahe greifbare Elektrizität in der Abendluft. Die Band schaffte es ab der ersten Sekunde, diese ganz besondere, bittersüße Melancholie des Abschieds mit einer puren, unbändigen Lebensfreude zu verschmelzen. Es war unmöglich, sich dem hypnotischen Groove und dem einzigartigen, perfekt gealterten Gesangsharmonien zu entziehen. Als dann die ikonischen Klänge von „Love Shack“ und schließlich das ekstatische „Rock Lobster“ durch die alten Gemäuer der Zitadelle hallten, gab es kein Halten mehr: Wildfremde Menschen lagen sich tanzend in den Armen, schrien sich die Kehle aus dem Leib und feierten das Leben, die Musik und diese unvergängliche Band. Es war kein bloßes Konzert – es war eine emotionale Zeitreise, ein farbenfrohes Fest der Nostalgie, das uns mit glücklichen Tränen in den Augen und einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit in die Berliner Nacht entließ

Für Einsteiger empfehlenswert ist für mich das Album B52

Podcast Dombo bewegt: Olympische Spiele im Behandlungszimmer

17. Mai 2026

Wer die Praxis des Zentrums für Gesundheit betritt, dem fallen schnell die ungewöhnlichen Schilder an den Behandlungszimmern auf: Athen, Berlin, München, Atlanta, Sydney, Toronto, Barcelona, Paris. Städtenamen, die auf den ersten Blick rätselhaft wirken – und die bei Patienten immer wieder Fragen aufwerfen. Norman Dombo, der das Zentrum leitet, hat in der zwölften Folge seines Podcasts Dombo bewegt nun das Geheimnis dahinter gelüftet. Hier die Folge:

Die Erklärung ist so einfach wie naheliegend: Alle Städte, die den Zimmern ihren Namen geben, waren Austragungsorte Olympischer Spiele. Auf die Idee brachte Dombo ausgerechnet ein Begriff aus dem Schulunterricht. Ein Lehrer hatte ihm einst erklärt, dass die olympischen Wettkämpfe ursprünglich als „gymnastische Spiele“ bezeichnet wurden. Von da war es gedanklich nur ein kleiner Schritt zur Krankengymnastik – und zur Frage, warum eigentlich immer von „krank“ die Rede sein muss, wenn es doch um Gesundheit geht. Dombo erinnerte sich dabei an eine Parallele aus der Welt der Krankenkassen, die sich mancherorts längst in Gesundheitskassen umbenannt haben. Aus der Krankengymnastik wurde in seiner Überlegung kurzerhand die Gesundgymnastik – und die gehört eben nach Athen, Atlanta oder Sydney.

Jedes Zimmer ist dabei nicht nur mit einem Namen versehen, sondern auch mit einem passenden Bild ausgestattet: Wer in München behandelt wird, blickt auf die Münchner Innenstadt, wer in Berlin liegt, auf das Brandenburger Tor, wer nach Athen kommt, auf die Akropolis. Das sorgt nicht nur für Gesprächsstoff, sondern hat bei den Patienten längst zu kleinen Ritualen geführt. Viele wissen nach einigen Besuchen genau, in welches Zimmer sie möchten – weil sie dort schon einmal Urlaub gemacht haben, oder weil sie es schlicht ins Herz geschlossen haben.

Eine schlichte Idee mit großer Wirkung: Die Olympischen Spiele als Namenspaten machen aus einem Behandlungsraum einen Ort mit Charakter – und aus dem Warten auf die Therapie im besten Fall eine kleine Reise.

Berliner Tränenpalast: Deprimierendes Gefühl und Wut in den historischen Grenzkontrollkabinen

26. August 2024

Es ist ewig her, aber die bedrückende Stimmung ist geblieben. Als ich den original deutsch-deutschen Grenzübergang Friedrichstraße im Berliner Tränenpalast besuchte, kamen alte Erinnerungen der deutschen Teilung auf. Das schreckliche Gefühl einem brutalen Überwachungsstaat ausgeliefert zu sein.

Der Tränenpalast in Berlin ist ein historisch bedeutsames Gebäude, das im Herzen der deutschen Hauptstadt, direkt an der Friedrichstraße, liegt. Hier ist auch ein original Kontrollpunkt des unmenschlichen DDR-Regimes ausgestellt, den ich als junger Mensch oftmals passieren musste. Man betrat die Kabine in der ein strenger DDR-Grenzer saß, reichte ihm den Reisepass und wurde gemustert. Manches Mal wurden Fragen über die Einreise nach Ostberlin gestellt. Die Stimmung war deprimierend. Der Grenzer war völlig humorlos und strahlte absolute Macht aus. Er entschied, ob man die Hauptstadt des Arbeiter- und Bauernstaates betreten durfte oder ob einem das Paradies verwehrt wurde. Obwohl ich reinen Herzens bin, kam bei mir bei den Kontrollen immer Wut auf diese rote Diktatur auf, die mein Vaterland teilte. Hier ein VR 360 Video.

Der Tränenpalast diente während der deutschen Teilung als Abfertigungsgebäude für den Grenzübergang zwischen Ost- und West-Berlin und wurde 1962 erbaut. Der Name „Tränenpalast“ entstand aufgrund der emotionalen Abschiede, die sich hier abspielten, da Besucher aus dem Westen oft nur kurzzeitig in den Osten reisen durften und dann am Grenzübergang schmerzvolle Abschiede von ihren Verwandten und Freunden erlebten.

Der Tränenpalast war einer der wenigen offiziellen Grenzübergänge, die Zivilisten nutzen konnten, um zwischen Ost- und West-Berlin zu reisen. Nur bestimmte Personengruppen wie Rentner, Diplomaten und westliche Besucher durften diesen Übergang nutzen. Für die Menschen war der Tränenpalast ein Ort der intensiven Emotionen, geprägt von der Trennung durch die Berliner Mauer, die das Land und viele Familien für fast drei Jahrzehnte teilte. Diese Erinnerungen kamen beim Besuch wieder hoch und zeigt mir, wie wichtig die Erinnerung an die deutsche Teilung ist.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1989 und der Öffnung der Berliner Mauer verlor der Tränenpalast seine ursprüngliche Funktion. Heute beherbergt das Gebäude eine Dauerausstellung unter dem Titel „GrenzErfahrungen. Alltag der deutschen Teilung“, die vom Deutschen Historischen Museum betrieben wird. Die Ausstellung bietet einen eindrucksvollen Einblick in die Geschichte der deutschen Teilung, das Leben im geteilten Berlin und die Herausforderungen und Tragödien, die die Menschen an der Grenze erlebten. Ich kann nur jeden empfehlen, sich diesen Erinnerungsort einmal anzusehen.

Besucher können hier nicht nur die historischen Dokumente und Fotografien betrachten, sondern auch Originalobjekte wie Grenzkontrollkabinen und Passstempel sehen, die das Alltagsleben an diesem Ort der Trennung und des Wiedersehens veranschaulichen. Der Tränenpalast ist damit ein lebendiges Zeugnis der jüngeren deutschen Geschichte und ein Mahnmal für die Überwindung von Trennung und den Wert der Freiheit. Ich habe dort viele Anregungen für Seminare gefunden und auch einen Ort der Erinnerung.

Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park

9. Mai 2024

In Erinnerung an den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland findet in Russland die traditionelle Militärparade statt. Zu diesem Anlass marschieren jedes Jahr tausende Soldaten über den Roten Platz, begleitet von Panzern und Kampfjets. Wie schon in den Vorjahren steht die Parade im Zeichen des russischen Angriffs auf die Ukraine.

Der Kriegsverbrecher Putin vermischt hier zwei komplett unterschiedliche Ereignisse. Einmal den Sieg über den Faschismus 1945 und den verbrecherischen Überfall Russlands auf die Ukraine. Das gilt es strikt zu trennen.

Vor kurzem besuchte ich sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park. Es ist eine Gedenkstätte und zugleich Soldatenfriedhof im Treptower Park in Berlin. Für mich ist es ein beeindruckendes Denkmal, das an die gefallenen Soldaten der Roten Armee während des Zweiten Weltkriegs erinnert. Es wurde am 8. Mai 1949, dem vierten Jahrestag des Endes des Krieges, eingeweiht und ist eines der größten Kriegsdenkmäler in Deutschland.

Das Ehrenmal befindet sich auf einem ausgedehnten Gelände im Treptower Park, einem der größten Parks Berlins. Es erstreckt sich über eine Fläche von 100.000 Quadratmetern und bildet eine eindrucksvolle Kulisse für das zentrale Monument. Ich habe zwei VR 360 Videos aufgenommen, um die Dimension des Ortes einzufangen.

Das Zentrum des Ehrenmals ist eine imposante Statue eines sowjetischen Soldaten, der ein kleines deutsches Mädchen vor den Fängen des Faschismus befreit und dabei ein Hakenkreuz zertritt. Die Statue ist 12 Meter hoch und aus rotem Granit gefertigt. Sie steht auf einem massiven Podest, das mit Reliefs geschmückt ist, die Szenen aus dem Krieg und dem Sieg über den Nationalsozialismus darstellen.

Umgeben ist die Hauptstatue von weiteren Skulpturen, die verschiedene Aspekte des Krieges und des Sieges symbolisieren. Ein breiter Weg führt die Besucher durch das Gelände, vorbei an einer Reihe von Steinblöcken, die die Namen von über 7.000 sowjetischen Soldaten tragen, die hier begraben sind. Diese Soldaten starben während der Schlacht um Berlin im Frühjahr 1945. Über den Tod deutscher Soldaten und der deutschen Zivilbevölkerung, die durch Hitlers Verbrechen gestorben sind, ist an diesem Ort nichts zu finden. Hier ein klassisches Video vom Ehrenmal.

Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park ist nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern auch ein Ort der Reflexion und des Respekts. Und als ich mir diese monumentale Gelände ansah dachte ich über die aktuelle russische Invasion in der Ukraine nach. Putin bezeichnete die ukrainische Führung als Faschisten und rechtfertigt so den Einmarsch seiner Truppen als Befreiung vom Faschismus. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine ist ein Verbrechen.

The Fans Strike Back – Ausstellung von Star Wars Fans für Star Wars Fans

4. Mai 2024

Die Community feiert heute den Star Wars Tag am 4. Mai mit May the Fourth with you und als Fan der ersten Stunde will ich nicht abseits stehen. Star Wars-Fans sind treue Seelen, leidgeprüfte Seelen, denn George Lucas und der Ohren-Konzern machen es einem Fan nicht leicht, für Luke, Leia, Han, Darth und wie unsere Helden heißen, zu schwärmen.

Es gibt Freunde von mir, die widmen sich in ihrer Freizeit dem Cosplay, andere verfilmen ihre Star Wars Leidenschaft mit Lego und wiederum andere bauen Modelle. Und solche Ergebnisse dieser faszinierenden Fanleidenschaft ist bis 7. Juli im Berliner Napoleon-Komplex in der Ausstellung „The Fans Strike Back Exhibition“ gezeigt. Ich war zur Presseeröffnung eingeladen und konnte die über 700 einzigartige, nostalgische Sammelstücke, darunter lebensgroße Figuren, über 50 Skulpturen, Fotos, Poster und Kostüme bewundern. Hier Eindrücke von der Veranstaltung als Video.

Nach Stationen in internationalen Metropolen wie New York, Las Vegas, London und Wien, hat es „The Fans Strike Back“, die weltweit größte STAR WARS Ausstellung ihrer Art, nun nach Deutschland geschafft. Rouven Bönisch, Geschäftsführer der POA Events GmbH, äußerte sich zum Event: „Die Begeisterung und die positive Resonanz, die wir heute erlebt haben, bestärken uns in unserer Mission, einzigartige Erlebnisse zu schaffen, die die Herzen der Fans höher schlagen lassen.“ Hier die offizielle Eröffnungsansprache.

Es gab viel zu sehen und der Fan sollte ein paar Stunden einplanen, um wirklich alles zu sehen und zu lesen. Und man sollte Respekt vor der Leistung der Fans mitbringen, die sich mit ihren Modellen wirklich Mühe gegeben haben. Tipp: Unbedingt Kopfhörer aufsetzen und John Williams hören – ich hatte leider meine AirPods im Hotel vergessen, um das Geschrei der mitgebrachten Kinder wenigstens etwas ausblenden zu können. Für mich persönlich die Concept Art Interpretation von Ralph McQuarrie hervorragend mit der soviel im Star Wars-Universum begann. Der Visionär hatte damals Vader noch anders gezeichnet.

Hier ein paar Highlights für klassische Besucher. So gibt es einen umgebauten Ford Escort zu sehen, der nun ein lebensgroßer Podracer wurde. Extrem eindrucksvoll ist ein ein lebensgroßer Nachbau eines X-Wing-Fighter am Ende der Ausstellung. Und eine schöne Atmosphäre vermittelt die detaillierte Nachbildung einer Kommandorücke eines Sternzerstörers. Für mich auch faszinierend die Nachbildung eines Schneegleiters aus Imperium. Hier die komplette Ausstellung als VR 360 Rundgang.

Star Wars (und auch Star Trek) hat eine einzigartige Fähigkeit, Menschen zu begeistern und eine treue Fangemeinde zu schaffen. Diese Anziehungskraft beruht auf verschiedenen Faktoren. Zum einen bietet Star Wars eine umfassende Welt, die voller verschiedener Welten, Charaktere, Kreaturen und Kulturen ist. Diese Vielfalt und Tiefe ziehen viele Menschen an, die sich in diese faszinierende Galaxie vertiefen und Teil davon werden wollen. Darüber hinaus sind die Geschichten in Star Wars ergreifend. Die Saga erzählt von epischen Konflikten zwischen Gut und Böse, von Liebe, Freundschaft, Familie und persönlicher Entwicklung. Diese Themen sprechen viele Menschen auf einer emotionalen Ebene an und schaffen eine Verbindung zu den Charakteren und ihrer Reise.

Ein weiterer Grund für die Treue der Fans liegt in der innovativen Technologie und dem Design von Star Wars. Von den ikonischen Lichtschwertern bis zu den beeindruckenden Raumschiffen und den vielfältigen Kreaturen – die visuelle Ästhetik von Star Wars hat die Popkultur nachhaltig beeinflusst und eine starke visuelle Identität geschaffen. Zeitlose Botschaften sind ein weiteres Merkmal von Star Wars. Die Saga behandelt Themen wie Freiheit, Mut, Opferbereitschaft und das Gute im Kampf gegen das Böse. Diese Botschaften sind universell und sprechen Menschen jeden Alters und Hintergrunds an.
Dazu kommt der kontinuierliche Ausbau des Star Wars-Universums. Seit den ersten Filmen in den 1970er Jahren hat sich das Universum stetig weiterentwickelt und expandiert. Neue Filme, TV-Serien, Bücher, Comics und Videospiele halten die Fans engagiert und bieten kontinuierlich neuen Stoff für Diskussionen, Spekulationen und Begeisterung.

Nicht zuletzt schafft Star Wars eine Gemeinschaft und Identifikation unter den Fans. Die leidenschaftliche und engagierte Fangemeinde unterstützt sich gegenseitig, trifft sich und verbindet sich über ihre gemeinsame Liebe zum Star Wars-Universum. Ich hab die Ausstellung The Fans Strike Back genossen und kann sie jedem Fan ans Herz legen.

Ich fordere ein Verbot von privaten Silvesterfeuerwerken

30. Dezember 2023

Natürlich wollen wir das neue Jahr 2024 begrüßen, aber muss dieser ganze Feuerwerkszirkus wirklich sein? Wie jedes Jahr fordere ich ein Verbot von privaten Feuerwerk. Und wie jedes Jahr traut sich die Politik nicht an dieses Thema heran, um bloß keine Wählerstimmen zu verlieren. Meldet euch doch als Freiwilliger für die Ukraine, wenn ihr eine Bombenstimmung haben wollt.

Die Argumente gegen ein privates Feuerwerk liegen seit Jahren vor. Mit der Knallerei gehen auch Unmengen an Müll, Feinstaubbelastung und Krach einher. Das laute Spektakel stört außerdem viele Wildtiere. Besonders Vögel reagieren stark auf Feuerwerk – und das kann Folgen haben. Auch meine beiden Kater drehen vor Panik durch. Ich empfinde dieses Feuerwerk als bewusste Tierquälerei.

Kleinfeuerwerke dürfen von jedem über 18 Jahren abgefeuert werden. Das führt dazu, dass insbesondere an Silvester durch den flächendeckenden Einsatz eine zwanzigmal höhere Feinstaubbelastung entsteht als die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegten 50 Mikrogramm. Neben dieser und anderen gesundheitlichen Effekten, Sachschäden und enormen Müllmengen stört das laute Spektakel auch Haus- und Wildtiere. Hier ein paar Videos, was bei uns in einer kleinen Gemeinde in Oberbayern über die Jahre verschossen wurde. Einmal der Jahreswechsel 2018/19:

Einmal der Jahreswechsel 2019/20:

Einmal der Jahreswechsel 2020/21:

Und einmal als 360 Grad Video mitten am örtlichen Rathausplatz.

Deutschland spaltet sich in zwei Lager
Ich fordere darum ein Verbot der privater Silvesterknallerei und eine Beschränkung auf zentral organisierte Feuerwerke, wenn es denn unbedingt sein muss. Es wird von einer gespalteten Gesellschaft gesprochen. Jeden Winter zum Jahreswechsel spaltet sich Deutschland in zwei Lager: Die die es kaum erwarten können endlich das Neue Jahr mit einem standesgemäßen Feuerwerk zu begrüßen – und jene, die diesen Tagen nur mit Grauen entgegensehen können. Zur zweiten Gruppe gehöre ich und nein, ich bin keine Spaßbremse, sondern ein vernunftbegabtes Wesen.

Für viele Haustiere und ihre Besitzer sind die Tage um Silvester meist ein regelrechter Spießrutenlauf, denn vielerorts wird auch fleissig vor- und nachher geböllert. So werden die Tiere über einen Zeitraum von mehreren Tagen vor und nach Silvester wiederholt aufgeschreckt. Mit dem traurigen Höhepunkt in der Silvesternacht.

Das letzte Gefecht
Als ich gestern zum Einkaufen im örtlichen Aldi ging, war das Angebot an Feuerwerkskörpern deutlich dezimiert. Und das am ersten Verkaufstag. Einige Mitmenschen haben gekauft als gäbe es kein Morgen mehr. Billiges Weißbrot im Einkaufswagen und Böller für zig Euro – den Ratschlag Brot statt Böller nicht ganz verstanden. Viele munitionieren sich auf, um ob es um das letzte Gefecht geht.

Ich versteh die Welt nicht: Alle reden davon, dass durch die Inflation der Gürtel enger geschnallt werden muss, Energie und Wohnraum werden teuerer. Und beim Feuerwerkskauf gilt dies dann nicht mehr. Jedes Jahr werden von den Deutschen über 120 Millionen Euro buchstäblich in die Luft gejagt. Die Folge ist die höchste Feinstaubbelastung des Jahres, denn durch die Feuerwerke werden circa 15 % der jährlichen im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge freigesetzt. Das sind circa 4.000 Tonnen. Mir nahestehende Menschen leiden unter COPD, eine Lungenkrankheit. Für die kann der Feinstaub im falschen Moment tödlich sein.

Hinzu kommt, dass nicht nur bei uns in der Silvesternacht jedes Jahr Menschen zu Schaden kommen. Die Ärzteschaft warnt vor Verletzte durch Raketen und Knallkörper sowie Angriffe auf Rettungs- und Ordnungskräfte mit Pyrotechnik. Wo sind wir denn, dass Rettungskräfte angegriffen werden? Durchgreifen, aber konsequent und null Toleranz von meiner Seite. „Der Bund und die Innenminister der Länder sind gefordert, wenn sich zum Jahreswechsel erneut tausende Menschen durch Silvesterfeuerwerk schwer verletzen, wenn Ärztinnen und Ärzte, Rettungs- und Ordnungskräfte mit Knallkörpern bedroht oder tätlich angegriffen werden.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt mit Blick auf die mehrheitlich ablehnende Haltung der Innenminister, den privaten Gebrauch von Pyrotechnik zu verbieten. Im Moment rüsten die Sicherheitskräfte sich für die Silvesternacht. Ich lese, dass die Polizei in Berlin und Köln in Alarmbereitschaft ist. Gut eine Woche vor dem Jahreswechsel haben Ermittler der Berliner Polizei bei der Durchsuchung zweier Wohnungen in Berlin-Britz massenhaft illegale Knallkörper entdeckt. Wie die Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten, vermuten sie, dass die Pyrotechnik womöglich für Silvesterrandale und Angriffe auf Einsatzkräfte eingesetzt werden sollte. Der Vertrieb durch Vater und Söhne sollte über Instagram laufen. Wie sie weiter mitteilten, wurde Pyrotechnik im dreistelligen Kilobereich beschlagnahmt, darunter etwa 30.000 Böller, mehr als 80 sogenannte Kugelbomben und knapp 100 Knallpatronen. Hinzu kamen rund 50.000 Euro Bargeld, Mobiltelefone und Laptops sowie – quasi als Zufallsfund, wie es hieß – gefälschte Markenkleidung. Vielleicht sind es Einzelfälle, aber diese Einzelfälle versauen den Start ins neue Jahr.

„Die politisch Verantwortlichen sollten eine Silvesternacht in einem Rettungswagen oder in einer Notfallambulanz verbringen, dann würde sich ihr Blick auf das scheinbar friedliche Silvesterfeuerwerk schnell ändern. Ärzte, Rettungskräfte und Pflegende arbeiten an Silvester am Limit. Allein zum letzten Jahreswechsel gab es einen verheerenden Höchststand von 838 Patienten mit durch Silvester-Böller bedingten Augenverletzungen. Ein Anstieg um rund 300 im Vergleich zu den Jahren vor der Corona-Pandemie. Die dokumentierten Augen-, Ohr-, Brand- und Handverletzungen gehen zusammengenommen in die Tausende. Besonders erschreckend ist, dass viele unbeteiligte Kinder und Jugendliche zu Opfern werden“, sagte der Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. „Niemand möchte den Menschen die Möglichkeit nehmen, Silvester ausgelassen zu feiern. Aber für einen schönen Jahreswechsel braucht es kein Schwarzpulver. Es ist an der Zeit, neue Silvestertraditionen zu begründen, um friedlich und sicher ins neue Jahr zu starten.“

Meine Musik zum Tag der Deutschen Einheit

3. Oktober 2023

Am heutigen Tag der Deutschen Einheit werden sicher wieder bedeutungsschwere Reden geschwungen, ob Deutschland nun endlich zusammengewachsen ist. Meiner Meinung ist dieses Land zutiefst gespalten, wenn ich mir Wahlergebnisse und Umfragen ansehe. Aber ich kenne auch glückliche Deutsch-Deutsche Ehepaare bei denen die Vereinigung geklappt hat (hach Wortspiel).

Aber ich will nicht politisieren. Mindestens einmal im Jahr, aber immer am Tag der Deutschen Einheit hole ich eine Schallplatte der Berliner Philharmoniker hervor und spiele sie in Ruhe ab. So auch heute. Das Album heißt das Konzert November 1989.

Der 9. November 1989 wurde zu einem historischen Datum. Dieser Donnerstag und das folgende Wochenende rückten die beiden deutschen Staaten in den Mittelpunkt des Interesses der Weltöffentlichkeit und prägten sich vor allem den Berlinern tief ins Gedächtnis ein. 28 Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer öffnete die DDR ihre Grenzen zum Westen. Als ersten Schritt eines Reformprogramms, das die innenpolitischen Ereignisse erzwungen hatten, erlaubte die Regierung des zweiten deutschen Staates ihrer Bevölkerung freies Reisen.

Vor allem West-Berlin wurde daraufhin von Hunderttausenden Berlinern aus dem anderen Teil der Stadt überschwemmt. Auch die Berliner Philharmoniker blieben nicht unberührt von der Woge freudiger Begeisterung, die die Stadt erfasst hatte. Natürlich haben viele ihrer Mitglieder freund- und verwandtschaftliche Beziehungen nach „drüben“, und noch kurz vor dem Mauerbau waren einige junge Musiker aus dem Ostteil der Stadt neu zum Orchester gestoßen. Spontan beschlossen die Philharmoniker daher, zur Feier des Ereignisses, am Sonntag, den 12. November 1989, ein Sonderkonzert für Besucher aus der DDR als ihren Beitrag zu geben: Nachdem sie ein halbes Jahr zuvor zum ersten Mal nach über dreißigjähriger Zwangspause wieder im anderen Teil der Stadt konzertiert hatten, wollten sie sich interessierten Besuchern aus Ost-Berlin und der DDR nun auch im eigenen Haus, in der Scharoun-Philharmonie am Kemperplatz vorstellen.Schon an den alten Übergangsstellen und den schnell eingerichteten neuen Mauerdurchbrüchen wurden sie von wartenden Menschengruppen mit Beifall und Blumen begrüßt. In der Gegend um Gedächtniskirche und Ku-Damm brach der Verkehr im Gedrängel der Menschenmassen völlig zusammen, es herrschte Volksteststimmung, die Nacht wurde zum Tage, immer wieder fielen sich Unbekannte aus Freude über das Ereignis, das noch ein paar Wochen zuvor unvorstellbar schien, in die Arme.

Die Gelegenheit war dem Vorhaben günstig: Das Orchester von Daniel Barenboim arbeitete an einer Schallplattenaufnahme von Mozarts Così fan tutte, und mit Barenboim, dem langjährigen Chef des Orchestre de Paris und designiertem Nachfolger Sir Georg Soltis an der Spitze des Chicago Symphony Orchestra, hatten sie erst Ende Oktober ein Programm mit Beethovens erstem Klavierkonzert und der siebenten Symphonie aufgeführt. Der damals 47jährige Dirigent, der schon 1969 zum ersten Mal am Pult des Eliteorchesters gestanden hatte, war sofort einverstanden, dieses Sonderkonzert nicht nur zu leiten, sondern auch als Solist zu gestalten. Und so zufällig war auch die Programmfolge von das Konzert November 1989.zustandegekommen.

Niemand hätte aus Anlass dieser deutsch-deutschen Wiederbegegnung eine bessere und passendere Wahl treffen können. Denn wie Beethoven sowohl in seinem Grand Concert von 1798 als auch in seiner A-Dur-Symphonie von 1812 zugunsten heiterer, ja tänzerischer Beschwingtheit auf alle heroischen und pathetischen Töne verzichtete, so fehlte es der „ersten unblutigen Revolution der Deutschen“, die sich seit dem 40, Gründungstag der DDR jenseits von Mauer und Stacheldraht abspielte, an allen Zügen von Aggressivität und Gewalt. Besonders an diese friedliche Revolution sollten wir uns erinnern und nicht in German Angst verfallen. Nutzen wir die Chancen zum heutigen Tag der Deutschen Einheit.