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Holocaust-Gedenktag: Es sind gute Zeiten für den Kampf für unsere Demokratie

27. Januar 2017

Heute ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und die beiden anderen Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Die Vereinten Nationen erklärten diesen Tag zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.
Ich will in meinem sonst recht unpolitischen Blog heute an diesen Tag erinnern. Gerade die aktuellen politischen Entwicklungen in der Welt, aber auch in Deutschland machen mir Sorge, manches Mal Angst. Sind wir schon wieder soweit? Sind wir schon wieder soweit, dass Kleingeister ihr verbrecherisches Gedankengut frei und ungestraft äußern können? Bei den anstehenden Wahlen machen Menschen ihr Kreuz bei den braunen Rattenfängern, wenn ich den Prognosen glauben darf. „Das wird man doch noch sagen dürfen ..“ poltert es mir entgegen – in der Bahn, im Wirtshaus, in Seminaren. Überall in Europa und auch im Land der Freiheit, den USA, bricht blanker Nationalismus hervor. Hier wird gerade mein Europa kaputtgemacht.
Mein ehemaliger Nachbar, der unlängst verstorbene Bundespräsident Roman Herzog, hatte einstmals bei der Proklamation des Gedenktages gesagt: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“ Vor allem den letzten Teil der Proklamation halte ich aktuell.

Appell der Bundespräsidenten
Bei dem Festakt zu 50 Jahre Hanns Seidel Stiftung hörte ich zum ersten Mal den scheidenden Bundespräsidenten Joachim Gauck. Auch er sagte weise Worte. „Die Demokratie muss mit der Erziehung zum verantwortungsvollen Gebrauch der Freiheit einhergehen.“ Jetzt müsse man dafür sorgen, dass die Menschen in der Mitte der Demokratie erwachten und begriffen, dass Demokratie in jeder Generation nicht neu erfunden, aber neu gesichert werden müsse. „Wir wollen doch nicht, dass die Gefühlswallungen von den Rändern der Gesellschaft so stark werden, dass eine träge gewordene Mitte denkt, man kann da gar nichts machen, die Zeiten sind eben schlecht. Es sind gute Zeiten für den Kampf für unsere Demokratie.“ Lieber Herr Gauck – das waren die richtigen Worte zur richtigen Zeit: „Es sind gute Zeiten für den Kampf für unsere Demokratie.“

Unscharfes Selfie mit dem Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Unscharfes Selfie mit dem Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Respekt vor der Geschichte
Vor Jahren besuchte ich das Vernichtungslager in Ausschwitz, vor Jahren besuchte ich das Konzentrationslager Dachau, vor Jahren besuchte ich vor kurzem das Mahnmal in Berlin – es ist alles lange her gewesen. Viele Erinnerungen und Gefühlen sind verblasst. Beim Betrachten der Fotos kommen die Gedanken zurück. Ausschwitz erschreckte mich als ich sah, wozu Menschen fähig sind. Ich wanderte alleine über das Gelände und ließ mich treiben. Im Fernsehen es zu sehen, in der Schule darüber zu lernen – das ist wichtig, aber es zu erspüren ist mindestens ebenso. Die Generation der Zeitzeugen stirbt und ihre Erzählungen zu bewahren, ist wichtig,
Ich war vor kurzem beruflich in Berlin und hatte nur ganz wenig Zeit, das Holocaust-Mahnmal zu besuchen. Ich wollte es aber unbedingt, nachdem ich die Diskussion um die rechten Schreihälse mit ihrer Drang nach Öffentlichkeit mitbekommen habe. Das Holocaust-Mahnmal besteht aus einem wellenförmigen Feld mit 2711 Stelen. Durchs Netz laufen gerade Bilder von tanzenden Touris durch das Mahnmal. Das war bei mir nicht der Fall. Es war zu kalt, zu spät, zu windig, aber bei früheren Berlin-Reisen ist mir dies auch aufgefallen. Respekt vor der Geschichte gehört einfach dazu – und Bildung. Immer wieder Bildung. Bildung ist der Schlüssel zu allem.
Ich habe beschlossen, mich wieder zu erinnern und werde mich für unsere Demokratie verstärkt einsetzen. Ich lasse mir mein Europa, meine Demokratie nicht von links oder rechts kaputt machen. Ich habe keine Lust auf des Deutschen Lust auf Untergang. Ein Vorbild für meine Kinder zu sein, das ist jetzt wichtig. Ich zeige Flagge. Meine Felder sind die politische Bildung und die Medienkompetenz. Wie Gauck sagte: „Es sind gute Zeiten für den Kampf für unsere Demokratie.“

Sicherheit in New York zum Jahreswechsel – Meine Reiseimpressionen Teil 5

9. Januar 2017
Sicherheit wird in New York großgeschrieben - besonders an Silvester.

Sicherheit wird in New York großgeschrieben – besonders an Silvester.

Demonstrativ wird in den USA auf Sicherheit gesetzt. Seit dem 11. September wurden die Sicherheitsmaßnahmen drastisch erhöht. Ich kannte New York noch aus der Zeit von Bürgermeister Rudolph Giuliani, der damals eine Nulltoleranz-Strategie durchsetzte und eine strikte Law-and-Order-Politik betrieb. Das zahlte sich aus. New York wurde sicherer, allerdings fiel in seine Amtszeit auch das Attentat vom 11. September.

Hohe Polizeipräsens in den Straßen.

Hohe Polizeipräsens in den Straßen.

Zu den Feierlichkeiten zum Jahreswechsel 2016/17 rüstete New York drastisch auf. Überall in der Stadt waren Trenngitter und Absperrungen zu sehen. Polizei war aktiv auf den Straßen zu bemerken. Fahrzeugen patrouillierten durch die Stadt und standen in Seitenstraßen. Die Überwachung mit Videokameras an belebten Straßen und Plätzen ist mittlerweile selbstverständlich. Ob diese Überwachung wirklich etwas bringt, kann ich freilich nicht sagen.


Zudem regelten Polizisten den Verkehr um das Rockefeller Center. Dort steht der große, geschmückte Weihnachtsbaum. Ich mag ihn gerne – genauso wie Tausende anderer. Und so gab es vor dem Baum ein großes Gedränge. Gut, dass die Polizei dort massiv Flagge zeigte, den Verkehr regelte und den Besucherströme leitete. Mein Eindruck war, dass die New Yorker Polizei mit solchen Aktionen nicht überfordert und gut ausgerüstet war. Allerdings traten die Cops auch etwas anders auf, als unsere Polizisten in Deutschland. Widerspruch wurde nicht gerne gesehen. Wer eine Uniform anhatte, der hatte das Sagen – so mein Eindruck.

Beton gegen Terror.

Beton gegen Terror.

An zahlreichen gefährdeten Punkten wie dem Times Square wurden schwere Betonblöcke mit der Aufschrift New York Police Department NYPD abgelegt, um Autoattentate wie in Berlin und Nizza zu verhindern. Zu den Feierlichkeiten an Silvester wurden zudem 65 Lastwägen mit Sand an bestimmten Straßen postiert, wie New Yorker TV-Sender berichteten. Zudem fuhren schwere Müllfahrzeuge auf, um den Platz sicherer zu machen. Attentate mit einem Lastwagen sollte es in New York nicht geben.


Am Time Square selbst war die Polizei massiv präsent. Der U-Bahnhof 42nd Street wurde einen Tag zuvor gesperrt. Wer Silvester am Times Square feiern wollte, der musste zu Fuß hingehen. Am Times Square sind standardmäßig starke Polizeikräfte in großen Containern untergebracht. Diese Polizei wurde nochmals verstärkt und trat demonstrativ nach außen auf. Die Polizisten waren gepanzert, hatten schusssichere Westen an und waren mit Schnellfeuergewehren ausgestattet. Wenn man brav nachfragte, durfte man mit den Polizisten sogar ein Foto machen, was viele Amerikaner und auch ich machen. Demonstration von Macht und Sicherheit war angesagt.

Bitte recht freundlich.

Bitte recht freundlich.

Diese Fotos von schwerbewaffneten Einheiten wurden via Facebook und Co in die Welt geblasen – sicherlich auch ein Teil der Sicherheitsstrategie. Laut US-TV waren 7000 Polizisten und Sicherheitskräfte zur Terrorabwehr im Einsatz. Der Polizeichef Carlos Gomez sagte im Fernsehen, dass man sich beim Ausarbeiten des Sicherheitsplans für das diesjährige Silvester die Terrorangriffe in Deutschland und Frankreich sehr genau angesehen habe. Sehr viele Sprengstoffhunde habe ich bemerkt unter anderem beim Zugang zu den Fähren im Süden Manhattans. Ich denke, dass Sicherheitskonzept gegen den Terror ist aufgegangen. Und dennoch: Trotz massiver Polizei kam es zu einem Einbruch in die Geschäftsräume des indischen Großhändlers KGK Holdings ein paar Straßen vom Times Square entfernt. In der 37. Straße, also 5 Blocks von der 42nd Street entfernt erbeuteten Einbrecher Schmuck im Wert von sechs Millionen US-Dollar.


Meine Familie und ich feierten den Jahreswechsel im Central Park. Die Show mit The Ball schauten wir uns am Tag darauf im Fernsehen und Internet an. Beim Balldrop schwebt ein fünf Tonnen schwerer Kristallball mit dreieinhalb Metern Durchmesser an einer Stange über dem Broadway. Das sieht am Monitor fein aus. Der Ortswechsel in den Central Park hatte bei uns allerdings nichts mit der aktuellen Sicherheitslage zu tun. Wir hatten schlichtweg keine Lust, den ganzen Tag mit Millionen anderer Leute am Times Square auszuharren, damit wir ein wenig Show und am Ende The Ball sehen konnten. So viel Trubel wollten wir nicht haben und den Tag zu etwas anderem nutzen, als zu warten. Der Jahreswechsel im Central Park war äußerst angenehm.

Mein Erlebnis im Sternerestaurant Nobelhart & Schmutzig

26. Mai 2016
Selten so gut gegessen wie hier.

Selten so gut gegessen wie hier.

Es war ein genialer, kulinarisch absolut hochwertiger Abend und wurde am Ende dann versaut. Ich spreche von meinem Besuch des Sternerestaurants Nobelhart & Schmutzig in der Berliner Friedrichsstraße 218. Das Speiselokal gilt im Moment als einer der angesagtesten Locations in der Hauptstadt und nach einer gelungenen #rpTEN gönnte ich mir den Besuch.
Schon von außen zeigt sich Nobelhart & Schmutzig von der ungewöhnlichen Seite.

Who the fuck is Paul Bocuse?

Who the fuck is Paul Bocuse?

Zwei große Schaufenster: Das eine mit einer Büste mit T-Shirt samt Aufschrift: Who the fuck is Paul Bocuse? Wir Genießer wissen ja, Bocuse gilt als einer der besten Köche des 20. Jahrhunderts. Sein Restaurant L’Auberge du Pont de Collonges wird seit 1965 ohne Unterbrechung mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. 1989 wurde er vom Gault-Millau zum „Koch des Jahrhunderts“ ernannt. Also Berlin provoziert mit dieser Aussage wunderbar und schraubt meine Erwartungen auf das Sternerestaurant Nobelhart & Schmutzig noch mehr hoch.

Leere Flaschen im Schaufenster.

Leere Flaschen im Schaufenster.

Im anderen Schaufenster finden sich leere Weinflaschen, auch ein Statement der Provokation. Um in das Speiselokal zu gelangen, muss der Gast klingeln. So spart man sich den Service und wenn es im Restaurant hoch her geht, steht der Gast auch schon ein bisschen vor der Tür (selbst erlebt am Abend). Berliner Flair für den einen, schlechter Service für den anderen – Kostenoptimierung für den Wirt.

Bitte klingeln.

Bitte klingeln.

Zusammen mit meinem Kollegen Thomas Gerlach nehme ich an der Bar Platz. Die Stühle sind eine moderne Form des Captain Chairs. Für mich ist der Platz ideal, weil er den Blick auf die Küche freigibt. Vor mir ein Holzmesser, Serviette und die Menükarte. Es gibt nur ein Menü und es kostet 80 Euro.

Blick in die offene Küche.

Blick in die offene Küche.

Zudem war das Team des Abends mit Namen abgedruckt, verbunden mit der Bitte sein Mobiltelefon auf stumm zu stellen und es in der Tasche zu lassen. Naja, ich geb zu, ich hab vom Essen ein paar Bilder gemacht. Telefoniert habe ich in diesem Genusstempel freilich nicht. Die Speisen werden wunderbar präsentiert und es schmeckt wirklich göttlich. Die Ideen sind witzig und provokant. Die Küche ist wundervoll einfach, ohne Schäumchen und Firlefanz und es schmecke absolut fantastisch.

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Kohlrabi von Roberto Vena.

Es beginnt mit Kohlrabi von Roberto Vena.

Radieschen von Grete Peschke

Radieschen von Grete Peschke

Weiter geht es mit Radieschen von Grete Peschke.

Hartweizengrieß Sironi Brot und Rohmilchbutter aus Stettin/Polen

Hartweizengrieß Sironi Brot und Rohmilchbutter aus Stettin/Polen

Gefolgt von Hartweizengrieß Sironi Brot und Rohmilchbutter aus Stettin/Polen.

 

Ike jime Saibling mit Zwiebel und Dill von den Müritz Fischer

Ike jime Saibling mit Zwiebel und Dill von den Müritz Fischer

Sehr gut der Ike jime Saibling mit Zwiebel und Dill von den Müritz Fischer.

Nackthafer mit Ziegenfrischkäse und Sauerampfer von Olaf Schnelle

Nackthafer mit Ziegenfrischkäse und Sauerampfer von Olaf Schnelle

Nackthafer mit Ziegenfrischkäse und Sauerampfer von Olaf Schnelle.

Spargel mit Knoblauchrauke und Quark vom Spargelhof Syring

Spargel mit Knoblauchrauke und Quark vom Spargelhof Syring

Köstlich ist der Spargel mit Knoblauchrauke und Quark vom Spargelhof Syring.

Lamm mit Bärlauch vom Müritzhof

Lamm mit Bärlauch vom Müritzhof

Geschmeckt hat auch das Lamm mit Bärlauch vom Müritzhof.

Kartoffel mit Blutwurst und Senf von Roberto Vena

Kartoffel mit Blutwurst und Senf von Roberto Vena

Eine Wohltat sind Kartoffel mit Blutwurst und Senf von Roberto Vena.

Rhabarber mit Weizengras und Kirschpflaumblüten der Familie Pütz

Rhabarber mit Weizengras und Kirschpflaumblüten der Familie Pütz

Sehr fein sind Rhabarber mit Weizengras und Kirschpflaumblüten der Familie Pütz.

Milch, Sanddorn und Petersilie vom Fläminger Genussland

Milch, Sanddorn und Petersilie vom Fläminger Genussland

Zum Abschluss gibt es Milch, Sanddorn und Petersilie vom Fläminger Genussland.

Nussgebäck mit Berberitzen aus Potsdam

Nussgebäck mit Berberitzen aus Potsdam

Ein Nussgebäck mit Berberitzen aus Potsdam gibt es für den Nachhauseweg.
Bis dahin bin ich komplett begeistert von Nobelhart & Schmutzig. Großen Respekt für die gelungene Küche. Selten so ungewöhnlich gut gespeist, großes Kompliment an die Küche für die Ausführung und an den Küchenchef für die Ideen.

Ich bin von der Küche absolut begeistert. Großes Kompliment.

Ich bin von der Küche absolut begeistert. Großes Kompliment.

Doch dann ärgere ich mich, als es ans Zahlen ging. Die Serviceleitung bringt uns die Rechnung. Obwohl wir getrennte Rechnungen verlangen, bekommen wir eine Sammelrechnung. Da stutzen wir zum ersten Mal.
Richtig stutzen wir dann als auf der getrennten Rechnung ein Aperitif und eine Weinbegleitung berechnet war, die ich gar nicht verköstigt hatte oder bestellt hatte. 70 Euro sollte der Spaß kosten. Als wir reklamieren, bekommen wir ohne ein Wort der Entschuldigung (!) die richtige und korrekte Rechnung.
Freunde, so was darf in einem Sternerestaurant nicht passieren. Als Kunde von Nobelhart & Schmutzig ärgere ich mich maßlos über so ein schlechtes Verhalten der Serviceleitung. Jetzt sagt man, Berlin sei anders. Aber das ist mir in diesem Falle egal. Als Kunde in so einem Hause, erwarte ich korrekt bedient zu werden. Ich will es dem Hausherrn gerne persönlich sagen, aber er ist leider nicht greifbar. Die Küche hat gerade richtig Stress, der Laden ist voll.
Das Essen war absolut empfehlenswert, der Service am Ende war grausam und so soll jeder selbst entscheiden, ob er Nobelhart & Schmutzig besucht.

#rpTEN: Meine Eindrücke von Snowden, TTIP-Leaks und Lobo

3. Mai 2016
Held oder Verbrecher? Eduard Snowden live in Berlin.

Held oder Verbrecher? Eduard Snowden live in Berlin.

Für mich stand der erste Tag der zehnten re:publica #rpTEN im Zeichen der Extreme. Er stand zwischen kompletten Quatsch und hochbrisanter Politik. Ich beginne mal mit dem Quatsch.
Die Bloggerkonferenz ist voller geworden, 8000 Leute haben sich angemeldet. Warum wollen eigentlich alle Leute in die Sessions, in die ich auch hinein will. Die Konsequenz war, entweder am Boden sitzen oder vor der Tür bleiben. Die Räume sind eindeutig zu klein, die Menge zu groß. Vielleicht lasse ich aus diesen Gründen die nächste re:publica 2017 aus. Das Ding ist extrem erfolgreich, wächst und wächst und wird sogar am 20. Oktober 2016 noch eine Konferenz in Dublin durchführen. Aber ich wollte ja etwas humorvolles berichten.

Geburtstagsständchen für #rpTEN
Als mein Kollege Thomas Gerlach und ich mal wieder nicht in einen Vortrag wegen Überfüllung kamen, würden wir von jungen Leuten angesprochen, die ein Geburtstagsvideo zur #rpTEN drehen wollten. Klar machen wir da mit. Die jungen Kolleginnen und Kollegen hatten eine 360 Grad-Konstruktion von GoPro-Kameras, Funkmikros, Luftschlangen, Partyhüte und aufblasbarerer Torte dabei. Also bauten wir uns auf, wurden verkabelt und ausstaffiert und machten zwei Durchgänge mit Happy Birthday. Ich waren uns richtig zum Affen gemacht und schaurig gesungen. Die Sache war im Kasten, wir verließen die Szene und für das Filmteam begann der Ärger. Ein Techniker der rpTEN stürmte auf die Kameracrew zu und stauchte sie zusammen. Die jungen Menschen hatten sich nicht an die Frequenz der Funkmikros gehalten und fröhlich Frequenzen eingestellt. Blöderweise war das auch die Frequenz der Mikros bei den offiziellen Sessions. Unser schauriger Gesang wurde also zweimal in die volle Veranstaltung übertragen, in die wir wegen Überfüllung abgewiesen wurden. Rache ist eben Blutwurst.

TTIP-Leaks: Greenpeace veröffentlicht Dokumente
Ganz ohne Humor und ernsthaft lief die Veröffentlichung der TTIP-Leaks durch Greenpeace ab. Der Zulauf der klassischen Massenmedien war enorm, dazu noch eine Konferenz voller hervorragend vernetzter Blogger und Social Media-Fuzzis – da war Reichweite garantiert. Greenpeace Niederlande hat 13 Kapitel der Verhandlungen zum Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU veröffentlicht. Die Dokumente haben einen Umfang von 250 Seiten sowie Anhänge. Ein Verbund von Greenpeace, NDR, WDR und SZ haben die Dokumente analysiert. Die Texte zeigen, mit welchem Druck die USA ihre Interesse nachhaltig vertreten. Obwohl die Veröffentlichung illegal ist, erklärt Greenpeace: „Vielmehr geht es um die grundlegenden Fragen etwa des Umwelt- und Verbraucherschutzes, der Produktsicherheit und der Arbeitnehmerrechte. Die Antworten auf diese Fragen werden das Leben von einer halben Milliarde Europäer verändern. Deshalb sind wir der Auffassung, dass derart weitreichende Entscheidungen in transparenter Form und nach breiter gesellschaftlicher Debatte getroffen werden müssen.“

Snowden ist genervt
Für mich war sicherlich die Live-Schaltung zu Eduard Snowden nach Moskau ein HighlIght. Der Whistleblower wurde von den 800 Besuchern im Raum der #rpTEN gefeiert, beklatscht, bejubelt. Die Frage, die ich via Twitter und Facebook stellte, ob er ein Held oder ein Verbrecher sei, wurde in Berlin eindeutig mit Held beantwortet. Mein Eindruck war, dass Snowden trotz seines Heldenstatus von der Bundesregierung genervt ist. Sie haben ihn noch immer nicht ins Land gelassen. Wörtlich sagte er: „Wir haben jetzt 2016 und niemand ist wegen meiner Enthüllungen gestorben. Aber die deutsche Regierung lässt mich nicht einreisen.“ Snowden habe in 21 Ländern Asyl beantragt, aber noch nichts gehört. Das zerrt an den Nerven. Neue Aussagen kamen von ihm nicht: Er erinnerte an Datenschutz, wies auf die Gefährlichkeit von Metadaten hin, sah die Privatsphäre weiterhin gefährdet. Wenn ich in meine Seminarpraxis schaue, dann merke ich, wie wenig Snowden erreicht hat. Sätze wie „Ich hab doch nichts zu verbergen“, zeigen die Hilflosigkeit der Bürger und das fehlende Wissen um Big Data-Zusammenhänge.

Und trotzdem Sascha Lobo
Abends kam dann noch Sascha Lobo auf die Bühne und ließ sich feiern. Nachdem er 2015 nicht auf der re:publica dabei war, hielt er zu #rpTEN wieder eine launige Rede. So wie die Spiegel, die überall auf dem Gelände hängen und aus der TEN ein NET machen, so hielt er den Besuchern der Bloggerkonferenz den Spiegel vor. Und die Besucher seien in die Jahre gekommen, verstünden wie er auch Snapchat nicht. Dabei geht es nicht mehr um Tools, sondern um Konzepte und Einstellungen. Ach ja, Deutschland liegt beim Ausbau von Glasfaserkabeln auf dem drittletzten Platz, kurz vor Jordanien.
Lobo glaubt nicht mehr daran, dass die Verantwortlichen der NSA-Affäre bestraft würden. Schließlich sei die Gesamtzahl der entlassenen Mitarbeiter nach den Snowden-Enthüllungen in der vergangenen Woche auf zwei gestiegen: Gerhard Schindler, der bisherige Chef des Bundesnachrichtendienstes, und Edward Snowden selbst. Lobo machte den Zuhörern weiter Mut: „Trotzdem möchte ich versuchen, optimistisch zu bleiben.“ Trotzdem war das Wort des Abends, trotzdem werde man weiter kämpfen, trotzdem werde man sich nicht unterkriegen lassen. Er zeichnete ein düsteres Bild, die politische Rechte haben soziale Netzwerke für sich entdeckt und nutzen Facebook und Co. Mit 237000 Fans auf der AfD Facebook-Seite gebe es mehr Fans als bei SPD, CDU und FDP zusammen. Und trotzdem müsse es weitergeh, so Sascha Lobo in seinem Vortrag „The Age of Trotzdem.“

Willkommen zur re:publica #rpTEN – es war nicht leicht zu erscheinen

2. Mai 2016

Das erste Eintreffen auf der #rpTEN in Berlin.

Das erste Eintreffen auf der #rpTEN in Berlin.

Stillstand bedeutet Rückschritt – diese Weisheit gilt natürlich auch bei mir und deshalb bilde ich mich fort. Dazu gehört einmal im Jahr auch der Besuch der re:publica – der wichtigsten Social Media-Veranstaltung Europa. Die #rpTEN findet zum zehnten Mal in Berlin statt und es erwarten mich Hunderte von interessanten Vorträgen, Workshops, Sessions und viel Netzwerken, viele bekannte Gesichter. Es ist im Grunde wie ein Familientreffen – aus allen Teilen Deutschlands sind die Sozial Media-Fuzzis angereist. Ich wählte als Transportmittel die Deutsche Bahn, was sich zu einem Abenteuer entwickelte.
Als Landei musste ich vom Dorf die S-Bahn zum Hauptbahnhof München nehmen, klappte auch und dann klappte erst mal nichts mehr. Mein ICE 1208 hatte 40 Minuten Verspätung. Grund waren Personen im Gleis zwischen Rosenheim und München Ost. Nach zwei Kaffee nahm ich meinen reservierten Platz in der ersten Klasse ein. Denn habe ich mir gegönnt, weil sieben Stunden Zugfahrt vor mir lagen. Es sollten mehr werden. Mit erheblicher Verspätung ging es los und wir kamen bis Langenzenn in Franken.

Was mache ich in Franken? Ich will nach Berlin.

Was mache ich in Franken? Ich will nach Berlin.

Es wurde auf freier Strecke gebremst und da stand unser ICE 1208 nun herum. Der Zugbegleiter sprach von technischen Defekt, der untersucht werden müsse. Sehr kryptisch waren Aussagen wie „Wir warten auf zwei Gegenzüge, um die andere Seite des Drehgestells begutachten zu können.“ Ich hab den Sinn nicht verstanden und andere wohl auch nicht. Meine Timeline in Twitter diskutierte untereinander und mit dem Twitter-Team der Deutschen Bahn. Im Zug waren wohl einige Besucher der #rpTEN.

Fahrgastrechte wurden verteilt.

Fahrgastrechte wurden verteilt.

Nach einiger Zeit ging es weiter, 80 Minuten Verspätung. Die Bahn verteilte die Fahrgastrechte, nachdem ein Reisender Anspruch auf finanzielle Entschädigung hat, wenn der Zug mindestens 60 Minuten hinter seinem Fahrplan hinterherhinkt. Derweil war auch das Bordbistro leergetrunken, weil ganze Schülerhorden die Getränkeausgabestelle belagerten. Eine Bedienung in der Ersten Klasse, wie sonst üblich, gab es aus PersonalKnappheit bei der Bahn nicht.
In Leipzig wurde der erste Teil des Zuges aus technischen Gründen stillgelegt. Bei dem Drehgestell oder so war doch wohl ein größerer Fehler. Sicherheit geht vor, aber ein voller aus zwei Teilen bestehender ICE muss jetzt in einen Zugteil umziehen. Gott sei Dank dürfte ich sitzenbleiben, aber die Aktion Heringsdose von Leipzig nach Berlin Südkreuz begann. Um 16:30 Uhr traf ich in Berlin ein – 15:26 Uhr sollte es ursprünglich sein. Ne knappe Stunde Verspätung – der Lokführer hat gut aufgeholt.

16:30 Uhr und ich bin in Berlin.

16:30 Uhr und ich bin in Berlin.

Nach Einchecken im Hotel, schnelle Dusche und Zimmervideo vom Hotelzimmer ging es zur Poststation.

Hier findet die #rpTEN statt. Auf den Gelände hieß es Händeschütteln, Umarmen und erste Selfies. Die ersten Wetten wurden angenommen, wie lange das WLAN auf dem Gelände hält. Und es gab die erste Curry-Wurst auf dem Gelände. Der Stand war neu, die Bedienung noch nicht eingespielt – es brauchte seine Zeit. Willkommen in Berlin. Dann hieß es Namensschild und Konferenztasche zu holen.


Alles war prima vorbereitet, das erste Bier floss. Ich machte ein Unboxing der Konferenztasche. Schließlich wollen die Zuhausegebliebenen wissen: Was befindet sich im Bag? Nur Papier, ein Bleistift, ein Kinderbüchlein und ein Aufkleber. Also nichts Weltbewegendes.

#Schichtwechsel bei Microsoft

#Schichtwechsel bei Microsoft

Erster Termin für mich war ein Besuch bei Microsoft. In ihrer eigenen Kneipe, die digital Eatery direkt Unter den Linden gab es bei Bier und Häppchen die ersten Gespräche. Microsoft stellt seine Veranstaltungen unter dem Motto #Schichtwechsel und es sind einige interessante Vorträge geplant. Ich werde ein paar davon besuchen.

Thomas Gerlach und ich bei der Arbeit. Foto: MS

Thomas Gerlach und ich bei der Arbeit. Foto: MS

Nette Gespräche mit der Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg, dem Isarmatrosen Tobias Schwarz, der Profilagentin Kixka aus Hamburg und dem MS-Team gab es auch. Nach einigen Bier durfte ich mit meinem Kollegen Thomas Gerlach noch ein Interview für den Deutschlandfunk geben. Ich bin gespannt auf die Ausstrahlung.
Also ich bin bereit für die #rpTEN. Heute beginnt das Klassentreffen der Netzgemeinde.

Volià – mein Pac Man Anzug

30. April 2016
Mein neuer Anzug mit Pac Man-Motiven. Perfekt für mich als Retro Gamer. Foto: maskworld.com

Mein neuer Anzug mit Pac Man-Motiven. Perfekt für mich als Retro Gamer. Foto: maskworld.com

Ich habe ein paar T-Shirts mit Retro Gaming-Motiven, aber ich trage auf offiziellen Veranstaltungen eher einen Anzug mit Hemd. Jetzt endlich kann ich meine Retro-Gaming-Leidenschaft auf offiziellen Anlässen zur Schau stellen: Ich habe bei Maskworld aus Berlin einen Anzug mit Pac Man-Motiven.
Der Pac-Man Anzug von OppoSuits ist eine Augenweide und ich bin mir sicher, das Teil wird auf Veranstaltungen wie dem Deutschen Computerspielpreis, der GamesCom, Retro-Börsen oder Spieleabend im Münchner Werk1 auffallen.
Die gesamte Oberfläche des Anzugs ist mit dem Labyrinth aus dem legendären Videospiel Pac Man bedruckt und auch die bunten Geister Blinky, Pinky, Inky & Clyde tummeln sich auf Jacket, Hose und Krawatte. Das Teil hat einen gewissen Retrocharme.


Der Anzug hat jetzt nicht die Qualität meiner Standardanzüge aus Tweed, ist dafür ein netter Gag. Ich hatte befürchtet, dass die Sache sehr billig ausfällt, ist es aber nicht, trotz 100% Polyester. Der Anzug von OppoSuits ist ein Einreiher im klassischen Schnitt mit Brusttasche, Außen- und Innentaschen. Er ist mit Schulterpolstern und mit Ärmelknöpfe ausgestattet.
Die Hose ist klassisch gerade geschnitten mit Bundfalte. Der Bundverschluss ist mit Haken und Knopf und die Hose hat Gürtelschlaufen, Eingriffstaschen an der Seite und hinten und sie fällt etwas länger aus.
Neben Pac Man gibt es noch eine Reihe anderer Motive bei den Anzügen von OppoSuits. Einfach mal bei Maskworld schauen und online bestellen. Die Lieferung kam schnell und super verpackt. Den Anbieter kann ich empfehlen, werde aber trotzdem bei meinen Berlin-Besuch nächste Woche im Laden vorbeschauen und ein wenig stöbern.

Tauro, der Spanier an Berlins Schönhauser Allee

18. Mai 2015

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Der Pfefferberg an Berlins Schönhauser Allee hat eine wechselvolle Geschichte. Von bayerischer Brauerei über NS-Rüstungsstätte bis hin zum Druckerei-Standort der SED-Zeitung Neues Deutschland ist das Gelände heute in der Hand der Kreativen. Eine eigene Stiftung widmet sich um das 13.500 Quadratmeter große Gelände. Auf diesem historischen Ort gibt es seit Dezember 2009 das Restaurant Tauro.
Nach all der Hektik des Berliner Großstadtlebens ist das Tauro ein Hort der Ruhe, sei es im Biergarten oder in den Restaurants. Auf 1.600 Quadratmeter eines ehemaligen Ballsaals ist eine Gastronomie über drei Ebenen mit Cocktail- und Tapas-Bar, Wein-Probierecke und spanisch-mediterranem Feinkostgeschäft entstanden.

Tatar als Starter

Tatar als Starter

Bei einem Besuch in Berlin habe ich das Tauro ausprobiert und kann dieses Lokalität mit kleinen Einschränkungen empfehlen.
Als Starter wählte ich Tatar. Hier fehlte mir die Schärfe. Leider wurde keine Pfeffermühle vom Kellner dazu gereicht, was bei einem Restaurant dieser Preisklasse schon sein sollte – zudem kaum Gäste anwesend waren.

Rib Eye Medium Rare - einfach perfekt.

Rib Eye Medium Rare – einfach perfekt.

Als Hauptspeise gab es ein Rib-Eye-Steak, was ausgezeichnet war. Es war perfekt Medium Rare gebraten und hat wunderbar geschmeckt.

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Das Restauant „Tauro Iberico“ bietet in der Ebene zur Schönhauser Allee spanische Tapas, Meeresfrüchte und Spezialitäten wie Paella, Fideuà (Nudelpaella) oder Arroz Caldoso. Im Angebot hier auch der spanische Bellota-Schinken vom eichelgefütterten Iberico-Schwein. Am Eingang grüßt der lebensgroße Namenspatron, der auf einem Mosaik aus fast 40.000 handgesetzten Steinen steht. In der darüber gelegenen Ebene stehen Steaks, Salate und frische Pasta auf der Karte.

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Drei verschiedene Grills vom klassischen V-Stab-Grill über den mit besonders harzarmer japanischer Kokosholzkohle befeuerten spanischen Grill bis hin zum ersten US-Infrarot-Gasgrill Berlins mit 800 Grad Celsius Grilltemperatur bleibt für Fleisch- und Fischliebhaber kein Wunsch offen. Eine umfangreiche Weinauswahl steht auch zur Verfügung und mit der Galerie und der Kaminecke auch separate Räumlichkeien für besondere Anlässe.

Digitalisierung – Nägel mit Köpfen machen

13. Mai 2015
Staatsminister Markus Söder machte einen Hangout und ich war dabei.

Staatsminister Markus Söder machte einen Hangout und ich war dabei.

Durch einen Zufall kam ich zu einem Termin mit dem bayerischen Finanzminister Markus Söder als sich dieser für ein Gespräch mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in Berlin aufhielt. In der bayerischen Landesvertretung gab Söder dem Verein politik-digital.de ein seit Wochen geplantes Google Hangout-Interview zum Thema Digitalisierung. Seit 1998 informiert politik-digital.de über Netzpolitik und ist führender Anbieter von Politiker-Chats.

So sah der Minister den Hangout.

So sah der Minister den Hangout.

Medienprofi wie Markus Söder nun mal ist, nutze er die Chance und beantwortete die zahlreichen Fragen im Google Hangout. Neben einem sachlich fragenden CSU-Mitglied aus seiner Heimatstadt Nürnberg sprach Söder vor allem mit einem Radiomoderator von Radio Charivari 98.6 aus Nürnberg. Sogar der Betreiber des Radiosenders Michael Oschmann war zu diesem Termin gegenüber der komischen Oper in der Landesvertretung erschienen, um den Google Hangout zu verfolgen.

Erinnerungsfoto vom Erinnerungsfoto.

Erinnerungsfoto vom Erinnerungsfoto.

Der Radiosender hatte einige Fragen seiner Zuhörer gesammelt, die Söder zur Zufriedenheit der Fragesteller und des Moderators Christian Marx in 45 Minuten beantwortete. Aus Sicht des CSU-Politikers war die digitale Bürgersprechstunde ein Erfolg. Einige Fragen drehten sich dabei doch sehr um die Unsimmigkeiten zwischen Nürnberg und Fürth und sind bundesweit nicht gerade von Bedeutung. Hier gibt es den ganzen Hangout. Und hier gibt es das ganze Video von 45 Minuten als 4:30 Minuten via Hyperlapse:


Als digitaler Nomade befürworte ich diese Art der Kommunikation, besonders wenn es um das Thema Digitalisierung geht. Söder hat alles richtig gemacht. Aktionen wie einen Google Hangout oder Live-Sendungen via Periscope sind hier die richtigen Werkzeuge, allerdings ob sie die erlaubten Werkzeuge für ihn als Politiker sind, sei dahingestellt. Söder oder ein anderer sind mit solchen Aktionen ein Sender im Sinne der Landesmedienanstalten und als Sender brauchen sie nach Meinung einiger Juristen eine Sendelizenz, wenn mehr als 500 Zuschauer die Übertragung rein technisch empfangen können.

Radiobetreiber Michael Oschmann (l.) schaute sich den Hangout vor Ort an.

Radiobetreiber Michael Oschmann (l.) schaute sich den Hangout vor Ort an.

500 ? – im Falle von Google Hangouts und Periscope-Übertragungen ist das lässig der Fall. Schon die Kanzlerin hatte mit ihrem Google Hangout zur Bundestagswahl Schwierigkeiten mit ihrer eigenen Landesmedienanstalt in Berlin/Brandenburg bekommen. Das ganze System der Sendelizenzen ist anachronistisch und meiner Meinung nach für ein digitales System nicht geeignet. Es mag sinnvoll in Zeiten knapper und begrenzter Sendefreuqenzen gewesen sein sein, im digitalen Zeitalter ist es komplett überholt. Hier könnten sich die beiden bayerischen Digitalisierungsexperten Markus Söder und Ilse Aigner eine Namen machen und die Sache mit ihrem Parteikollegen Siegfried Schneider von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien klären. Das Netz würde es ihnen danken.

Die bayerische Landesvertretung war Ort der Übertragung.

Die bayerische Landesvertretung war Ort der Übertragung.

Fernbus als Alternative – Interview mit FlixBus-Gründer Daniel Krauss

12. Mai 2015
Daniel Krauss, den Gründer von FlixBus

Daniel Krauss, den Gründer von FlixBus

Wer meinen Twitter-Feed verfolgt, der weiß, wie genervt ich von dem Streik der GdL bin. Ich bin viel mit dem Zug unterwegs und wurde durch den Streik gezwungen, wieder auf die Straße auszuweichen. Auch die Reise mit Fernbussen erwäge ich. Durch Zufall traf ich Daniel Krauss, den Gründer von FlixBus in Berlin und stellte ihn gleich mal ein paar Fragen – freilich in einem Mein-Fernbus-Flixbus.


Durch den Zusammenschluss mit mein Fernbus kam ein wenig Ruhe in den heiß umkämpften deutschen Markt der Fernbusse. Dennoch müssen die Unternehmen aufpassen, dass sie den Service hochhalten ohne die Preis zu erhöhen. Zudem betreten ausländische Spieler wie Megabus den Markt mit absoluten Dumpingpreisen. Im Grunde herrscht auf dem Fernbusmarkt ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb. „Wir wollen als deutsches Startup mit Qualität punkten“, erklärt mir Krauss von Mein-Fernbus-Flixbus. Mit Werten wie Fahrersicherheit und Qualität sollen die Kunden an Mein-Fernbus-Flixbus gebunden werden. Auf jeden Fall steht fest, wenn die GdL die Bahn bestreikt, dann verkaufen die Fernbusse deutlich mehr Tickets.

Ich fotografiere Daniel Krauss und werde fotografiert

Ich fotografiere Daniel Krauss und werde fotografiert

Insider sprechen von einer Steigerung von über 150 Prozent. Die Ticketpreise steigen dabei, je voller der Bus wird. Zwar versichert etwa MeinFernbus-Flixbus: „Die Preise sind dieselben wie immer, die Spanne ändert sich nicht.“ Krauss bestätigte mir, dass sich die Fahrpreise nach dem noch verfügbaren Kontingent richten und die Sparpreise schnell vergriffen sind. Wie bei Billigfliegern sind die Preise an die Auslastung gekoppelt.
Kunden können Getränke und WLAN an Bord genießen, während sie durch den Verkehr chauffiert werden. Wenn die GdL weiter streikt und ich im Fernverkehr Ziele erreichen muss, dann wähle ich auch einen Fernbus.

Vergebliche Suche nach Charlie Hebdo

19. Januar 2015
Fehlanzeige in Nürnberg.

Fehlanzeige in Nürnberg.

Ich sollte einfach gleich bei der digitalen Ausgabe als App bleiben. Dann hat die ganze Rennerei nach Charlie Hebdo ein Ende. Aber am vergangenen Samstag musste ich in aller Herrgottsfrüh aus dem Bett zu einem Kundenauftrag. Am Samstag war auch der erste Verkaufstag von Charlie Hebdo in Deutschland. Und so dachte ich mir, wenn ich so früh auf den Beinen bin, dann kann ich mir auch die Ausgabe von Charlie Hebdo am Bahnhof in München kaufen.

Das frühe Aufstehen hat nichts genutzt.

Das frühe Aufstehen hat nichts genutzt.

Ich muss zugeben, vor den Anschlägen in Paris habe ich Charlie Hebdo nicht gekannt, geschweige denn gelesen. Mein Schulfranzösisch ist wohl auch zu schlecht. Und diese Ausgabe wollte ich mir auch nur aus pressegeschichtlicher Sicht kaufen. Ich kann sie hervorragend für meine Presseseminare einsetzen. Aber richtig Ahnung, über die Karikaturszene habe ich nicht. Ich habe ein paar Freunde, die Karikaturen machen und in der Comicszene unterwegs sind. Und den Überblick, was genau in dieser Szene passiert, habe ich nicht. Es ist einfach das allgemeine Interesse. Wenn eine Zeitschrift in Millionenauflage an den Kiosk geht, ist das in der heutigen Zeit schon ein Ereignis.

Überall ausverkauft.

Überall ausverkauft.

Um kurz nach 6:00 Uhr kann ich am Hauptbahnhof in München an. Dort gibt es ein Fachgeschäft für internationale Presse. Wenn nicht hier, dann wo denn, dachte ich mir. Aber das dachten wohl einige andere Leute in der Millionenstadt München auch. Vor mir war eine lange Schlange. Ich zählte 22 Leute. 22 Leute wollten auch eine Ausgabe von Charlie Hebdo. Die Schlange wurde von einem Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes beobachtet, der scheinbar zum Schutz des Geschäftes engagiert war. Doch es ist – Gott sei Dank – nichts passiert – keine Demonstrationen, keine Unruhe. Aber auf die Satirezeitschrift warteten wir vergebens. Die Ausgabe von Charlie Hebdo war innerhalb von Minuten ausverkauft. Die freundliche Dame hinter der Kasse musste immer wieder die gleichen Antworten geben: „Nein, leider ausverkauft.“ „Nein, ich weiß nicht, wann und ob wir neue bekommen.“ „Nein, eine Vorbestellung könnte nicht machen.“

Auch in Nürnberg nicht.

Auch in Nürnberg nicht.

Ich verstehe nicht, warum diese Dame kein Schild aufgestellt hat – später hat sie dann doch eines aufgestellt. Zunächst musste sie jeden Kunden die Antwort geben, auch mir. Ein älterer Herr nervte einen Mitarbeiter in den Geschäft, denn er würde gerne vor Kauf die Satirezeitschrift ansehen. Der Mitarbeiter erklärte ihm mehrmals, dass er keine Ausgabe mehr habe und der Herr daher auch keine Ausgabe ansehen könnte. Das wollte der Kunde nicht akzeptieren und fragte immer wieder.
Dann fuhr mein ICE Richtung Nürnberg und im dortigen Bahnhof versuchte ich wieder mein Glück. Aber auch hier Fehlanzeige. Ich war kurz nach 7:00 Uhr in Nürnberg und beide Zeitschriftenläden am Bahnhof hatten die Ausgabe nicht mehr vorrätig. Aber sie waren wenigstens so clever, dies mit großen Schildern am Eingang klarzustellen. In größeren der beiden Läden hatte sich sogar eine Kassiererin ein Schild auf den Rücken geklebt.

Hinweisschild auf dem Rücken.

Hinweisschild auf dem Rücken.

Die Versorgungslage in ganz Deutschland war eher schlecht. Am Berliner Hauptbahnhof gab es ganze 14 Hefte, in München gab es 6 und in Nürnberg 15 Ausgabe. Da könnte die Logistik etwas optimoiert werden. Wegen der starken Nachfrage in Frankreich waren nur knapp 5.000 Zeitschriften nach Deutschland geliefert worden.

Hinweis an der Kasse,

Hinweis an der Kasse,