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Erinnerung an die Pogromnacht 1938

9. November 2017

Vergessen wir unsere Vergangenheit? Nein, ein klares Nein, ich zumindest nicht. Für mich ist es wichtig, meinen Kindern Geschichte weiterzugeben, denn aus der Geschichte lernen wir. Daher war es für mich heute wichtig, an die Pogromnacht 1938 in Deutschland zu erinnern. Niemals wieder darf so etwas passieren und dennoch begegne ich heute einen Hass auf der Straße und im Netz, den ich nicht für möglich gehalten hätte. Immer wieder stoße ich auf eine Neiddiskussion, auf eine Unzufriedenheit, auf ein Geschwätz von oben und unten.
Heute wurde es mir wieder bewusst, wie wichtig an die Erinnerung an die Pogromnacht von 1938 ist. Und ich habe an verschiedene persönliche Ereignisse gedacht: Mir sind spontan zwei Ereignisse eingefallen: Zum einen der Besuch in der neuen Synagoge in München, zum anderen das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.

Synagoge in München
Mit meiner Frau besuchte ich im Frühjahr diesen Jahres die Synagoge in München. Das Jüdische Zentrum München ist das Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern in der Altstadt Münchens. Zu ihm zählen die im November 2006 geweihte Hauptsynagoge Ohel Jakob, ein Kultur- und Gemeindehaus mit Versammlungsräumen, Schule, Kindergarten, Jugendzentrum und Restaurant sowie das Jüdische Museum. Ich hatte das Haus zu seiner Eröffnung besucht und mir war es wichtig, das Gemeindezentrum zusammen mit meiner Frau zu besuchen und den Erklärungen zu lauschen. Die Münchner Bauwerke befinden sich am Sankt-Jakobs-Platz zwischen der Schrannenhalle, dem katholischen Kloster der Armen Schulschwestern mit angegliederter Kirche St. Jakob und dem Oberanger.


Wikipedia beschreibt das Innere der Synagoge wie folgt: „Der Sockel der 28 Meter hohen Synagoge, die 585 Sitzplätze aufweist, erinnert an die Klagemauer, den einzig erhaltenen Teil des Jerusalemer Tempels. Darüber thronen – in einem quaderförmigen Oberlicht – ineinander verschachtelte Davidsterne aus Stahl. Sie sind verglast und mit einem bronzefarbenen Metallnetz verhängt. Das Oberlicht soll tagsüber Licht einlassen und nachts Licht in die Umgebung abgeben. Die einfallenden Sonnenstrahlen werden mehrfach gebrochen und tauchen das Innere der Synagoge, das mit Zedernholz aus dem Libanon und hellem Jerusalem-Stein verkleidet ist, in warmes Licht.

Der Glasaufbau deutet ein Zelt an, das die 40-jährige Wanderung der Juden durch die Wüste Sinai symbolisiert. Das sechs Meter hohe Portal wurde in Budapest gefertigt. Darauf stehen (von oben nach unten, von links nach rechts) die ersten zehn Buchstaben des hebräischen Alphabets, das auf hebräisch auch zum Zählen benutzt wird; sie erinnern damit an die Zehn Gebote.


Für mich haben die Räume eine würdevolle Atmosphäre. Ich verstehe die umfangreichen sichtbaren und unsichtbaren Sicherheitsmaßnahmen vor der Synagoge und zugleich widert es mich an, dass ich so ein Haus vor hirnlosen Deppen beschützen muss. Mir war es wichtig für mein Verständnis des Judentums, dieses Haus einmal zu besuchen. Und – nur so nebenbei – das Essen im Restaurant ist wirklich gut. Bei der Besichtigung war es mir wichtig, dass meine Frau und ich Hand in Hand durch den Gang der Erinnerung gehen. In einem 32 Meter langen, unterirdischen Gang der Erinnerung zwischen dem Gemeindezentrum und der Synagoge sind rund 4500 Namen von Münchner Juden verewigt, die während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. 4500 Namen, 4500 Schicksale – es hat mich schwer erschüttert.

Holocaust-Mahnmal
Wenn ich in Berlin bin und es meine Zeit erlaubt, besuche ich das Mahnmal in Berlin für die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten im Holocaust ermordeten Juden. Das Mahnmal hat nicht direkt mit der Pogromnacht zu tun, aber ist für mich ein wichtiges Denkmal. Das Mahnmal, das von Peter Eisenman entworfen wurde und aus 2711 Beton-Stelen besteht, wurde zwischen 2003 und Frühjahr 2005 auf einer rund 19.000 Quadratmeter großen Fläche in der Nähe des Brandenburger Tors errichtet. Ich sehe immer wieder Jugendliche, die mit Selfies in dem Steinmeer posieren und es ist natürlich geschmacklos.


Anfang 2017 kam es zu einer von den Medien stark beachteten Aktion von Shahak Shapira. Er zeigte in seinem Projekt Yolo­caust den leichtfertigen Umgang mit dem Denkmahl. Er kombinerte Selfies, die am Mahnmal geschossen wurden, mit historischen Fotos von Konzentrationslagern und Massengräbern. Die Reaktion war enorm.

 

Konzertkritik: G-Dragon in Berlin

18. Oktober 2017

G-Dragon in Berlin.

G-Dragon in Berlin.

Kennen Sie KPop? Nein, macht nichts, kannte ich auch nicht. Aber es ist eine Bildungslücke, wie ich zugeben muss. KPop ist (süd-)koreanische Popmusik und zudem extrem populär. Zum Beispiel bei K2 bei uns zuhause. K2 beschallt die Hütte mit Musik von Bands, die ich noch nie zuvor gehört habe. Allen voran BTS. Und weil diese KPop-Bands wohl nicht so gerne Asien verlassen, ist es eine Rarität, dass sich G-Dragon  herablässt und auf seiner Act III: M.O.T.T.E World Tour auch in Berlin Station gemacht hat. Für alle, die es genau wissen wollen: Act III: M.O.T.T.E bedeutet Act III: M.O.T.T.E ‚Moment of Truth The End‘ World Tour. Hätten wir das auch geklärt. Berlin war das einzige Konzert des Millionen-Sellers in Deutschland, der über 20 Millionen Alben verkauft hat. Hier meine Fotoeindrücke als Film.

Nun G-Dragon lud in die Mercedes Benz Arena in Berlin und die Karten waren wie im Nuh ausverkauft. Als guter Papa eines KPop-Fans setzte ich Himmel und Hölle in Bewegung und bekam auch zwei Sitzplätze für K2 und mich. Über den Preis will ich den Mantel des Schweigens ausbreiten – nur so: Die Rolling Stones sind gegen G-Dragon eine Schnäppchen-Band. Also per Zug in die Hauptstadt, Hotelzimmer in Berlin bezogen und ab zum Ort des Geschehens. Schlagartig kam ich mir alt vor, richtig alt. Die Mehrzahl des Publikums waren Mädchen und junge Frauen, viele Asiatinnen darunter und viele in einem bestimmten Asia-Look gekleidet, den ich von Manga- und Anime-Conventions kenne. Die Stimmung in der Mercedes Benz Arena war gut. Die älteren Herrschaften in den Reihen waren ebenso wie ich Papas, die ihre Töchter begleiteten, die allerlei Schildchen mit asiatischen Schriftzeichen dabei hatten. Übersetzt hießen die Worte Middle Fingers Up – so sagte man es mir wenigstens. Nun ja.

Der Merch-Stand war ausverkauft.

Der Merch-Stand war ausverkauft.

Nach Sicherheitskontrollen, die heute unvermeidbar aber absolut notwendig sind, wollten wir Merch erwerben. Merch oder wie ich sagen würde Merchandising ist teuerer Plunder der Band, der an Konzerten verkauft werden. Ich brauch nichts sagen, bei King Crimson in Stuttgart hab ich zugeschlagen also muss K2 bei G-Dragon zuschlagen. Aber es gab lange Gesichter bei K2 und anderen: Der Merch-Stand war fast komplett ausverkauft. Wir konnten nur noch ein Lichtchen in Form einer Krone erwerben – 20 Euro für Plastik. Die gewünschten T-Shirts für 45 Euro waren schon weg und das Gedränge dennoch groß. Auf dem Weg zu unseren Sitzplätzen bestellte ich bei eBay in China das T-Shirt für 7 Euro inklusive Versand – das nenne ich mal eine Gewinnspanne.
Platz genommen und Atomsphäre genossen. Um uns herum hatten viele G-Dragon Fans ihre Lichter zum Schwenken dabei. Sie hatten alle das Aussehen einer Krone. Ich hatte im Vorfeld zwei Leuchtstäbe mitgenommen und kam mir eher vor, wie ein Fluglotse auf dem Rollfeld – aber ich habe die blinkenden Dinger trotzdem angemacht. Meine Entschuldigung: Ich bin alt und weiß es nicht besser. K2 ist auch etwas von mir abgerückt. Der Vater kann schon manches Mal peinlich sein. In ganze Konzerthalle tauchte in ein Lichtermeer und es sah wirklich eindrucksvoll aus. Ich muss zugeben, KPopper machen Stimmung.

Dann mit einem Bang ging das Konzert los. Es startete mit einem fulminanten Videoclip mit Licht und Feuer. Der Song „Heartbreaker“ schlug bei den Fans ein. Die Arena verwandelte sich in ein Meer von Lichtern. Fans freuten sich, laute Freundenschreie gab es zu hören. Die Stimmung war perfekt von der ersten Minute an. Ich muss zugeben, KPop-Fans verstehen zu feiern. Das ging Song um Song so weiter.

Bei den etwas leiseren Liedern wurde lautstark mitgesungen.
Kwon Ji-yong, so heißt G-Dragon als Originalname, ist in seiner Heimat eine Nummer. Er gibt den Stil in Korea an und das verdient Respekt. Der junge Mann ist Popmusiker, Songwriter, Produzent, Model und Modedesigner und er ist Leader und Rapper der Boyband Big Bang. Für seine Fans scheint er eine Art modernes Multitalent zu sein. Und er beherrscht sein Metier. Seine zumeist weiblichen Fans folgen ihm. Sie reagieren auf jeden Blick, auf jede Geste, auf jedes Wort. Er prägt seinen Style, wie sein blonder Haarschnitt, der ihn auf die Vogue brachte. Im Konzert sah ich auch viele dreieckige Tücher, die der Musiker oft trug. K2 erklärte mir, dass es sich um ein Big Bang Halstuch handle. Ich beobachte die Fans genauer. Viele trugen die Modemarke Peaceminusone, die dem Künstler gehört.

G-Dragon heizte seine Show weiter an. Interessant für mich waren die Videoeinspielungen seiner Bandkollegen, seiner Familie, seines Managements. Es wird gelobt und gehuldigt, welche cooler Typ dieser Kwon Ji-yong ist. Die Fans bejubeln die Aussagen, klatschen und freuen sich – das ist wahrer Fankult.

Endlich kommen auch die Schilder mit dem Aufdruck Middle Fingers Up zum Einsatz. Der dazugehörige Song heißt natürlich Middle Fingers Up. Vor dem Konzert wurden diese Schilder kostenlos verteilt – K2 und ich haben keines abgekommen, was K2 sichtlich ärgerte. Um des Familienfriedens hab ich nach dem Konzert ein Schild besorgt, das jetzt stolz im Zimmer von K2 an der Wand hängt. Ja, der Papa wird es schon richten, so damals ein Peter Alexander-Song.
Sehr, sehr emotional wurde es, als G-Dragon eine Rede an seine Fans richtete. Mir persönlich war es zuviel Selbstmitleid, zuviel Show, zuviel Gehabe. Aber den Fans hat es gefallen und sie lauschten jedem Wort des Künstlers.

 

Noch schlimmer für mich wurde es dann bei einer fast zehnminütigen Ansprache an seine Fans, eine Art Seelenstrip. Im zweiten Teil des Konzerts gab es weniger Musik, als viel mehr weise und erhabene Worte. Das ist mir zuviel der Selbstdarstellung und Selbstvermarktung, aber es gehört wohl zum Ritual des Künstlers. Mir ging es auf den Keks, die Probleme und Selbstzweifel des Herrn anzuhören. Aber wie gesagt, den Fans hat es gefallen.

Nachdem der Meister von der Bühne gegangen ist, baten die Fans um Zugaben. Und die gab es auch wieder mit Lightshow, Feuer, MotionDesign und den ganzen Zauber. Den Abschluss machten die Songs Crooked und Untitled, 2014. Dazu bewegte sich G-Dragon von der Bühne und begab sich ins Publikum für Körperkontakt. Das VIP-Ticket vor der Bühne muss sich schließlich bezahlt machen. Es gab Händeschütteln, Abklatschen und Lächeln für das Smartphone.

Die Kamera war immer dabei, um die Fanreaktionen auf die großen Konzertleinwände zu bringen.
Zu einem wahren KPop-Fan werde ich wohl nicht, aber die Show hat bis auf das Selbstmitleid absolut Spaß gemacht. K2 war rundum begeistert und hält schon nach den nächsten KPop-Konzerten Ausschau. Der größte Wunsch wäre es wohl, wenn BTS nach Europa kommen würde und Papa wieder in die Tasche greift. Hier die kompletten Fotos des Abends als Film.

Hier noch eine Auswahl an Konzertfotos:

Brunch bei 100Wasser Berlin

15. Oktober 2017

Berlin bietet Hunderte von Kneipen und Lokale und spontan marschierte ich zum Frühstücken in das Café 100Wasser in Berliner Simon-Dach-Straße im Stadtteil Friedrichshain. Und mir begegnete eine Frage, die ich sonst von München kenne: „Haben Sie reserviert?“


Hatte ich nicht und hatte dennoch Glück einen kleinen Tisch auf der Empore zu bekommen. Dabei hatte ich Angst vor eben dieser zu fallen. In München wäre wohl die Gewerbeaufsicht tot umgefallen. Das Café war an einem Sonntag Vormittag rappelvoll voll und entpuppte sich als typisches Lokal nach dem Motto „wo kann man denn in Berlin brunchen?“ Entsprechend war das Gedränge am Buffet. Anstehen – bei so manchen Besucher war eine Gier zu erkennen. Scharenweise Senioren luden sich die Teller mit Speisen für Frühstück und Mittagessen auf. Tee gab es im Preis inklusive. 10,50 Euro kostet der Brunch – daher war entsprechend viel los. Dabei gab es genug, wirklich genug zu Essen. Weil es regnete, blieb ich und ertrug die Hektik, probierte hier und da etwas, trank ein, zwei Cappuccini und schaute mir das Treiben an. Das Café war nett eingerichtet, erinnerte mit seinen Wandmalereien freilich an Friedrich Hundertwasser. Das lenkte ein wenig von der Schlacht am Buffet ab.

Das Angebot der Speisen war günstig und üppig. Wer allerdings feine Küche erwartete, der wurde enttäuscht – satt wurde aber jeder und die sehr freundlichen Bedienungen füllten die Schalen immer wieder auf. Oftmals haben aufgrund des Gedränges die jungen Kellnerinnen nicht nach, die Bestellungen aufzunehmen. Draußen gab es auch Plätze, aber aufgrund des Regens und der Kälte blieben sie leer.
Die Gretchen-Frage: Würdest du das Café 100 Wasser empfehlen? Ja, für den schnellen, preiswerten Hunger als Tourist. Nein, als kulinarischer Genießer der empfindlich auf Hektik beim Frühstück reagiert.

Wildes Plakatieren in Berlin

13. Oktober 2017
Straßenbild am Berliner Ostbahnhof.

Straßenbild am Berliner Ostbahnhof.

Werbung muss sein, das dachte ich mir bei einem Kurztrip nach Berlin. Und in der Hauptstadt fand ich die traditionelle Außenwerbung an Plakatwände oder Litfaßsäulen. Sie warben für Konzerte, Ausstellungen, Events – also wie überall in Deutschland auch. Als ich an Straßenlaternen kam, sah ich, wie sehr die Straßenlaternen von Werbung vereinnahmt wurden. Ein ähnliches Schicksal traf ich bei Ampel, Bushalteschilder und Mülleimerständer an. Überall Plakate, Flyer, Aufkleber – und das in mehreren Schichten. Jeder klebte irgendwas darüber.

Wildes Plakatieren in Berlin.

Wildes Plakatieren in Berlin.

Und wenn die Witterung auf diese Plakate einwirkt, dann löst sich der ganze Papierwust langsam in mehreren Schichten ab. Irgendwie entsteht urbane Kunst aus Werbung. Leute, die an der Ampel stehen, zupfen und ziehen an den Plakaten und so sieht es zerfleddert aus.
Gefällt mir es? Ja und nein – der Informationsgehalt und auch die Werbewirkung gehen flöten und es entsteht eine eigenartige Art von Kunst. Ich habe so etwas in München nicht gesehen, in Berlin an allen Ecken. Parties, Konzerte, Bücher, Theater, Ausstellungen, Musicals, Comedy, Filme, Tanz und Sport – alles im Grunde eine Wildplakatierung, aber scheinbar interessiert es in Berlin niemanden. Es ist der Kampf um die besten Plätze und ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt eine Werbewirkung erzielt wird. Agenturen werben direkt mit der illegalen Plakatierung, scheinbar ohne negative Konsequenzen: „Im Gegenteil zur klassischen Außenwerbung (Bahnhöfe, Liftfass, Busse, … ) sind wir durch Wildplakatierung nicht an die Grenzen der regulären Werbeflächen gebunden. Wir bringen Ihre Plakate in beliebiger Stückzahl direkt in ganze Stadteile, Szenekieze oder bestimme Straßen – und das zu einem Bruchteil der Kosten.“

Was denkt ihr? Tragen diese wilden Plakate zur Verbesserung des Berliner Stadtbildes bei? Stört es dich als Spießer? Oder darf Kunst alles?

Computerspiele als Kulturgut #KultBlick

11. Oktober 2017
Pac Man auf so einem Joystick - da bekommt das Wort eine interessante Bedeutung.

Pac Man auf so einem Joystick – da bekommt das Wort eine interessante Bedeutung.

Als Retro-Fan liebe ich alte Rechner und alte Spielkonsolen. Alte Technik ist Kulturgeschichte und daher freue ich mich, bei der Blogparade des Archäologischen Museum Hamburg #KultBlick mitzumachen. Bei einem Besuch in Berlin habe ich mich auf eine Zeitreise begeben und das Computerspielemuseum besucht.

„Die Geschichte der Computerspiele wird hier lebendig“, hieß es in einem Flyer des Museums, das fünf Minuten vom Alexanderplatz entfernt liegt. 2017 hat das Museum den Sonderpreis der Jury des Deutschen Computerspielpreises erhalten, was mich noch mehr neugierig machte. Ziel des Deutschen Computerspielpreises ist die Förderung des Wirtschaftsstandorts Deutschland im Bereich der Entwicklung digitaler Spiele und interaktiver Unterhaltungssoftware. Naja, ob ein Museum den Wirtschaftsstandort fördert, müssen andere entscheiden. Ich war einfach interessiert daran und wollte meine Pixelhelden aus den alten Zeiten treffen. Hier der Rundgang als 360 Grad Video.

Ein Museum für Computerspiele – wie geil ist das denn?
Das Computerspielemuseum Berlin wurde im Jahr 1997 gegründet. In den Jahren von 1997 bis 2000 besaß es eine dauerhafte Ausstellung in Berlin. Danach trat es nur noch online auf. Seit dem 21. Januar 2011 ist das Museum mit einer neuen Ausstellung im ehemaligen Café Warschau in der Karl-Marx-Allee präsent. Ich war über den repräsentativen Bau erstaunt und begeistert. Voller Vorfreude betrat ich die Räume. Die Sammlung des Computerspielemuseums ist Eigentum des Fördervereins für Jugend und Sozialarbeit e.V., das neue Museum selbst wird von der Gameshouse GmbH betrieben.

Ich streifte durch die Ausstellung mit den zahlreichen Geräte hinter Glas. Als erstes stieß ich auf meine alten Gefährten: Commodore C64, Atari 2600, GameBoy oder Mac Classic. Auch ein Apple II mit Original Woz-Unterschrift war da. Zu jedem der Geräte könnte ich meine Geschichte erzählen, meine persönlichen Erinnerungen an das frühe Siliconzeitalter, als ich ein Fan der 8-Bit-Spiele war. Ich habe früher schon mal über meine Liebe zu den 8-Bit-Spielen geschrieben. Es ist enorm wichtig gewesen, dass ich mich für Computerspiele interessiert habe. Hier öffnete sich das Zeitalter der Digitalisierung. Als Teenager bekam ich von meinen Eltern meinen ersten HomeComputer geschenkt, es war ein Sinclair ZX 81. Ich schielte allerdings schon auf einen C64, weil meine Kumpels den Brotkasten auch hatten und ich mehr anstellen konnte als mit den ZX 81. Vor allem konnte ich Spiele zocken. In einem Einkaufszentrum entdeckten meine Eltern den C64, der zum Weihnachtsgeschäft 1985 reduziert wurde. Meine Eltern riefen mich über einen Fernsprecher zu Hause an und ich gab meine Weihnachtsbestellung auf. Aus Kostengründen bekam ich kein Diskettenlaufwerk, sondern eine Datasette.

Indizierte Kunst: River Raid
Spiele zockte ich auch auf dem Atari 2600 weiterhin – und im Computerspielemuseum stieß ich auf das schreckliche ET – der Außerirdische. Schlechtes, schlechtes Spiel, dessen Spielprinzip ich damals und heute nicht verstanden habe. Und ich entdeckte River Raid, das mir als Kind ziemlich Ärger einbrachte. Es ist Activision-Spiel, das 1984 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert wurde. Ich kaufte das Spiel normal im Handel (ohne 18 Jahre zu sein) und spielte es zu Hause. Mein Papa bekam mit, dass das Spiel als jugendgefährdend eingestuft war und stellte mich zur Rede. Am Ende zockten wir beide das Spiel vor dem heimischen Grundig-Fernseher und hatten unseren Spaß, mein Papa und ich. Im Computerspielemuseum hing die Begründung für die Indizierung aus. „Das Videospiel River Raid ist kriegsverherrlichend und -verharmlosend. Wie der Antragsteller zurecht hervorhebt, soll sich der Spieler in die Rolle eines kompromisslosen Kämpfers und Vernichters hineindenken. Das geht klar aus der Spielanleitung hervor. Scharfschützenqualitäten sind im Spiel gefordert. Der Abschuss eines gegnerischen Tankers, Hubschraubers, Treibstofflagers oder Jets bringen bis zu 100 Punkte, die Vernichtung einer gegnerischen Brücke 500. Die Anwendung kriegerischer Gewalt wird belohnt. Wer die meisten Ziele zerstört hat, bekommt die meisten Punkte.“ Selten so gelacht. Noch heute habe ich eine Originalverpackte Version von River Raid zu Hause und werde sie feierlich irgendwann entdecken.

River Raid - ein Hammerspiel

River Raid – ein Hammerspiel

Die Ausstellung im Computerspielemuseum ist interaktiv gestaltet – vom ersten Röhrenungetüm bis zur jüngsten Hightech-Konsole. Eindruck machte auf mich auch eine Spielhölle. Verschiedene Arcademaschinen standen herum und luden zum Zocken ein. Ich spielte mal wieder Frogger – oh Mann, was habe ich Frogger geliebt und viel Geld versenkt. Und dann war auch Asteroid. Schwarzweiß mit dröhnenderen Bass fasziniert mich das Spiel noch heute. Und ich habe noch immer Schwierigkeiten mit der Steuerung und rase mit Beschleunigung in einen Felsbrocken hinein. Game over.

Kommunikation mit dem Computer durch Joseph Weizenbaum
Als Jugendlicher beachtete ich Joseph Weizenbaum nicht und als heutiger Referent für IT-Themen war ich begeistert, in dem Berliner Museum auf Eliza von 1966 zu treffen. Eliza war Teil von Joseph Weizenbaums Forschung im Bereich Mensch-Maschine-Kommunikation. Seine Idee, den Computer ein Gespräch simulieren zu lassen, sorgte damals international für Aufsehend markiert einen wichtigen Wendepunkt im Verhältnis zu Computern. Heute sind Social Bots überall anzutreffen – Weizenbaum sah es 1966 mit Eliza voraus.

Eliza von Joseph Weizenbaum

Eliza von Joseph Weizenbaum

Künstler Chris Hülsbeck
Und dann immer wieder die Frage: Sind Spieleentwickler auch Künstler? Ohne Zweifel ja: Sie sind Künstler. So gibt es eine Ecke in Berlin in der Score für Computerspiele darstellt werden. Chris Hülsbeck mit seinem 1991 komponierten Turrican Soundtrack. Noch heute lebt Chris Hülsbeck von diesem Ruhm und ich werde ihn bald wieder treffen. Seine Turrican Anthology, eine komplette Neueinspielung, ist heute wegweisend. Turrican II war nicht nur ein zu seiner Zeit sehr erfolgreiches Spiel aus Deutschland, sondern auch eines der ersten, dessen Soundtrack schnell Kultstatus erreichte. Es ist Kultur pur. Entwickelt und komponiert hat ihn Chris Hülsbeck, der zusammen mit Jochen Hippel die sogenannte 7-Voice-Routine programmierte. So konnte der eigentlich nur vierstimmige Amiga-Computer siebenstimmig betrieben werden. Auch dem ursprünglichen nur dreistimmigen C64 entlockte Hülsbeck fünf Stimmen.

Berlin hat Mülleimer mit frechen Sprüchen

2. Oktober 2017

Sie haben so nette Aufdrucke wie „Kippendiener“, „Häufchenhelfer“ oder „Würstchenbude“. Gemeint sind die Berliner Mülleimer. In Knallorange zieren sie die Straßen von Berlin und zaubern mir ein Lächeln auf die Lippen, wenn ich daran vorbeigehe.

Ähnliche Mülleimer habe ich bereits in Hamburg gesehen und ausführlich darüber gebloggt. Jetzt sind mir diese Mülleimer in der Hauptstadt Berlin aufgefallen. Wer die Idee eher hatte, weiß ich nicht, aber Spaß macht sie allemal.In meiner Heimatstadt München sind sie eher grau trist.
Orange ist eine frische Farbe und die orangen Müllereimer, die an Straßenlaternen angebracht sind, fallen auf. Und das sollen sie auch, denn in einer Touristenstadt wie Berlin fällt viel Müll an. Und bevor Schmutzfinken den Müll einfach auf den Boden werfen, kommt er in die Tonnen rein. Die Berliner Stadtreinigung BSR hat einiges zu tun, die vollen Tonnen zu leeren.
Mehr als 130.000 Euro hat die Berliner Stadtreinigung (BSR) im Jahr 2014 für den Ersatz oder die Reparatur von alten, kaputten oder zerstörten Papierkörben und Mülleimern ausgegeben. Deppen gibt es überall, die Mülleimer zerstören und damit Kosten für den Steuerzahler produzieren.

Berlin wäre nicht Berlin, wenn diese Mülleimer nicht gleich von irgendwelchen mitteilungsbedürftigen Menschen verziert oder beschmiert werden: Sprüche, Aufkleber, Farbe, Graffiti – alles ist zu finden in den orangen Mülleimern mit den freundlichen Aufschriften. „Danke für die Hot Dogs“, „Gib Gummi“, „Gib‘s mir!“, „Für die Zigarette danach“, „Flotte Charlotte“ – diese Sprüche habe ich bei einem eintägigen Berlinaufenthalt gefunden.

Buchtipp: Die wilden Achtziger von Christian Schulz

16. September 2017

Ich war Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts das erste Mal in West-Berlin. Die Stadt erstaunte mich als Teenager. Ich war Teilnehmer eine Bildungsreise und nach dem offiziellen Programm machte ich mich abends auf und erkundete als Jugendlicher die fremde, große Stadt. Interessanterweise war ich zuvor aufgrund der DDR-Verwandtschaft früher in Ost-Berlin als in West-Berlin. Aber kein Zweifel, West-Berlin gefiel mir besser.
Daran erinnerte ich mich, als ich das Buch Die wilden Achtziger von Christian Schulz in die Hände bekam. Es sind Fotografien aus West-Berlin, geschossen von dem taz-Fotografen Christian Schulz. Als ich das Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, war ich fasziniert und ärgerlich zugleich.

Fasziniert, weil das Buch ein unheimlich eindrucksvolles Zeitdokument ist – von einer Zeit, in der ich heranwuchs und von der ich unbewusst viel aufgenommen und mitgenommen habe. Ärgerlich, weil ich es versäumt habe, diese Zeit für mich zu dokumentieren. Ich hatte zwar einen Fotoapparat, eine Mintolta X700, und fotografierte in Schwarzweiß, aber die Kamera hatte ich nur zu besonderen Gelegenheiten ausgepackt wie Geburtstage, Weihnachten usw. Ich glaube, ich habe lückenlos die Christbäume und den Christbaumschmuck unserer Familie über all die Jahre dokumentiert, aber nicht wirklich wichtiges. Ich hatte später zwar ein Schwarzweiß-Labor, doch es war immer ein Aufwand im Badezimmer meiner Eltern das Teil aufzustellen. Was gab es damals für interessante Motive, die ich vielleicht gesehen, aber garantiert nicht fotografisch festgehalten habe. Meine Eltern knipsten nur und Streetfotografie gab es für mich nicht. Film war doch teuer.

Aber zurück zu Christian Schulz und seinem Buch. In dem lesenswerten Vorwort bezeichnet Arno Widmann den Fotografen Christian Schulz als Fotograf einer Übergangsgesellschaft. Ein wahrlich trefflicher Ausdruck. West-Berlin war in den achtziger Jahren eine Insel im Umbruch. Ein Abi-Kollege brach nach West-Berlin auf, um nicht zum Bund zu müssen. Die Wiedervereinigung machte ihn einen Strich durch die Rechnung. Die alternative Szene war in West-Berlin zu Hause und bei meinen Streifzügen als Teenager sah ich heruntergekommene Häuser und andere Lebensformen, die ich im konservativen, katholischen Bayern nie gesehen hatte. Ich empfand die Berliner als unfreundlich und gesellig zugleich. Berlin war ein anderes Pflaster als München. Es ging irgendwie rauer, härter zu. Das schreckte mich ab, faszinierte aber auch.

Und dieses Gefühl hatte ich wieder als ich die Fotos von Christian Schulz betrachtete. Es sind zunächst Alltagsszenen, erst später kommen Fotos von wichtigen Ereignissen hinzu. Fotos von Menschen, die Geschichte machen und ihre Geschichte erzählten. Es sind aber mehr Schnappschüsse aus dem Alltag, die mich faszinierten. Sie zeigen Leute, die in Berlin lebten und für mich Berlin verkörperten. Die Disco-Bilder waren abgefuckt als glitzernd. Der ehemalige taz-Fotograf zeigte im ersten Teil seines Buches nicht den Glamour, den ich in Berlin auch zu sehen bekam. Diese Fotos kommen im zweiten Teil, Fotos von Prominenz, Filmfestspiele oder Kurfürstendamm. Aber diese Art von Gesellschaftsfotografie habe ich bei anderen Fotografen für meinen Geschmack besser gesehen. Ich war verwöhnt durch Michael Graeter und die Abendzeitung als Promi-Lieferant. Also beschränke ich mich eher auf den rauhen und authentischen Teil des Buches.
Ob Christian Schulz bei seinen Streetfotos seine menschlichen Fotomotive um Erlaubnis zur Veröffentlichung gefragt hat, bezweifle ich. Streetfotos in Deutschland sind schwer geworden. Persönlichkeitsrechte werden verletzt und eine Erlaubnis zur Veröffentlichung zu erhalten, grenzt in Deutschland nahezu als ein Wunder. So gerne würde ich Streetfotografie machen, aber die rechtlichen Hürden sind mir zu hoch. Das ist in anderen Staaten anders. Als ich Silvester in den USA weilte, da war die Mentalität eine ganz andere. Leute hatten oftmals kein Problem, wenn ich sie fotografierte. Sie setzten sich sogar für mich in Szene. In Deutschland unmöglich.
Und das den Reiz des Buches von Christian Schulz aus. Damals, als es in den achtziger Jahren zwar auch Persönlichkeitsrechte gab, aber sich in Berlin die Leute wohl weniger darum kümmerten. Wenn man jemanden fotografierte, der es nicht wollte, bekam man eine aufs Maul und damit hatte es sich – so muss wohl die Mentalität gewesen sein. Für mich ist dieses Buch Die wilden Achtziger von Christian Schulz eine wunderbare fotografische Zeitreise in meiner Teenager-Zeit.

Videos von Zimmerchecks in Hotels – Teil 9

23. August 2017

Meine Arbeit macht es notwenig, dass ich auf Reisen gehe. Da ich manches Mal über Nacht bleibe, bette ich mein müdes Haupt in dem einen oder anderen Hotel zur Ruhe. Bevor es aber ans Auspacken geht, drehe ich ab und zu mal ein Video von meinem Zimmer. Es ist eine Art spontaner Hotel- und Zimmercheck, der nicht den Anspruch auf Vollständigkeit hat. Es sind nur spontane Eindrücke, die ich sammle. Ab und zu werde ich in meinem Blog einige dieser Hotel- und Zimmerchecks vorstellen – viel Spaß.

 

Hotel- und Zimmercheck Waldrast, Terenten, Südtirol

Hotel- und Zimmercheck Parque Mar, Mallorca, Cala d’Or

Hotel- und Zimmercheck ibis Budget, Anhalter Straße 6, Berlin

Hotel- und Zimmercheck Hotel Don Bosco, Aschau am Inn

Hotel- und Zimmercheck Quality Hotel Bavaria Fürth

Ardbeg Day 2017 – Der Kampf des Lobsters um Ardbeg Kelpie

5. Juni 2017

Ardbeg Day 2017 – was ist das für eine Welt? Da fahre ich mit dem Zug 7,5 Stunden einfach nach Berlin, um mir am Ardbeg Day 2017 den Kampf zwischen einem Lobster und einem Meeresungeheuer namens Kelpie anzusehen. Zwei Männer in Monsterkostümen ringen, prügeln und stoßen sich in einem Ring in auf dem Veranstaltungsgelände von Greifswald und wir alle haben einen riesigen Spaß.


Ardbeg hatte zum diesjährigen Ardbeg Day nach Berlin eingeladen und die Freunde des torfigen schottischen Single Malt-Whiskys sind dem Ruf gefolgt, Während der Ardbeg Day 2016 bei fettem Sonnenschein in Hamburg stattfand, versammelte sich die Genießercommunity dieses Jahr in Berlin bei Regen. Das Wetter erinnerte ein wenig an Schottland und tat so der Stimmung keinen Schaden. Wer braucht schon Sonne bei den Erinnerungen an das ferne Schottland? Das Veranstaltungsgelände von Greifswald war ein ehemaliges Postlagerhaus und erinnert entfernt an die berühmte Destillerie auf Islay und war damit die ideale Partylocation.

Dr. Michael Homberg traf ich in Berlin.

Dr. Michael Homberg traf ich in Berlin.

Nun, was zieht man eigentlich zu so einem Event an? Schottland? Nun, dann musste natürlich Tweed her. Anders als viele Berliner, die im urbanen T-Shirt erschienen, wollte ich den Tag auch modisch würdigen. Also das neue Tweed-Jacket vom Herrenausstatter Felbinger aus Immenstadt angezogen. Ich liebe Tweed und Klaus Felbinger konnte einen wunderbar leichten Tweed-Stoff besorgen. Dazu klassisches weißes Hemd und gelbe Fliege. Ursprünglich wollte ich eine Tweed-Fliege tragen, aber die warm mir eindeutig zu warm. Also eine gelbe Seidenfliege, die natürlich eher nach Glenmorangie erinnert als an Ardbeg. Aber um 5:30 Uhr beim Aufstehen waren mir solche Überlegungen egal, denn ich musste den Zug nach Berlin erwischen. Alles hat geklappt. Fahrt mit dem übervollen ICE nach Berlin Gesundbrunnen. Ich hatte es versäumt zu reservieren und hatte Glück. Die alte Bahnregel gilt: Der erste Platz ist der richtige Platz. Und ich hatte wohl den letzten freien Platz im ICE und musste ihn erst in Berlin Hauptbahnhof räumen. Glück muss der Mensch haben. Die eine Station nach Gesundbrunnen konnte ich stehen. Dann weiter mit der S-Bahn zur Greifswalder Straße und bei Regen ein paar Hundert Meter zu Fuß.

Freundliche Damen begrüßten mich am Ardbeg Day

Freundliche Damen begrüßten mich am Ardbeg Day

Die Registrierung war auf jeden Fall schon ein Erlebnis. Grüngewandelte hübsche Damen mit geschminkten Meeresverzierungen im Gesicht empfingen die rund 500 Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zum Einstand gab es ein Polariod-Foto mit den Damen und ein Tasting-Glas voller Ardbeg Ten. Schön zu sehen, wie jeder Teilnehmer mit seinem Bild aus der Sofortbildkamera wedelte – das Wedeln ist dann doch ein Relikt aus den achtziger Jahren, damit die Bilder sich schneller entwickeln. Heute eigentlich nicht mehr nötig, aber gewedelt wurde trotzdem und dazu schottisches Wasser des Lebens genossen.

Spieltag am Ardbeg Day
Das Ardbeg-Team hat eine ganze Reihe von Attraktionen vorbereitet. Es war im Grunde eine Art Spielplatz für Erwachsene. Man wurde in Teams eingeteilt, wie Kugelfisch oder Krabbe, und musste gegeneinander antreten. Ich hätte gerne das Team Hering gehabt, was es allerdings nicht gab. Da ich auf Einladung von Ardbeg an diesem Tag dabei sein durfte, war ich auch keinem Team zugeordnet, spielte allerdings auch fleißig mit – quasi außer Konkurrenz. Alle Spiele drehten sich um Kelpie, wobei sich die berechtigte Frage stellte: Was ist eigentlich dieser Kelpie? Was ist eigentlich daran, an den ganzen Mythen rund um Kelpie? Sicher ist, die neue Ardbeg Abfüllung Kelpie ist von einer mysteriösen Kreatur names Kelpie unter Wasser gerissen worden. Die Spiele dienten dazu, die neue Abfüllung aus den Fängen von Kelpie wieder an Land zu bringen. Und was macht man nicht alles, wenn man wunderbaren Ardbeg den ganzen Tag über genießen kann und der Pegel entsprechend steigt.


Doch Kelpie ist nicht so einfach einzufangen, denn dieses Wesen wird von fünf Wassergeistern und Ungeheuern beschützt. Außerdem kann Kelpie nur von seinem Erzfeind, dem Lobster, gefangen werden, da er als einziges Wesen nicht vom Zauber in den Bann gezogen wird. Klingt irgendwie logisch, wenn man einige Ardbeg intus hat. Um die Kräfte des Lobsters zu schonen und sie sogar noch zu steigern, machen die Teilnehmer des Ardbeg Days sich auf den Weg, um die fünf Ungeheuer zu bekämpfen. Folgende Spiele galt es zu absolvieren:

Dank an Tobias Russ von Ardbeg.

Dank an Tobias Russ von Ardbeg.

Trident Hanging am Ardbeg Day
Wenn Merman, halb Mann halb Fisch, seinen Dreizack durch die Lüfte schwingt, erzeugt er starke Stürme. Die Aufgabe: Ergreift seinen Dreizack und besiegt ihn. Zwei Personen aus unterschiedlichen Teams treten gegeneinander an. Wer sich am längsten am Dreizack festhält, gewinnt.

Skylla Wall am Ardbeg Day
Skylla, wunderschön und ungeheuerlich zugleich, ist niemals satt. Mit einem Ball müssen die geöffneten Mäuler ihrer Hundeköpfe getroffen werden. Zwei Personen aus unterschiedlichen Teams treten gegeneinander an. Jede Person hat fünf Würfe. Wer am meisten Löcher trifft, gewinnt.

Skylla Wall am Ardbeg Day

Skylla Wall am Ardbeg Day

Charybdis Labyrinth am Ardbeg Day
Wie Charybdis aussieht, weiß niemand, doch ihre Taten sind ungeheuerlich. In ihrem Sog zieht sie alle in die Tiefe. Es muss also dem Wasserwirbel ausgewichen werden. In teamübergreifender Zusammenarbeit muss der Ball von einem Ende des Labyrinths zum anderen geleitet werden, ohne im Wasserwirbel zu verschwinden.

Fishing Ships am Ardbeg Day
Cthulhu, im Wesen Krake, Mensch und Drache, ruht in der Tiefsee. Doch wenn er erwacht, ist niemand vor ihm sicher. Zwei Zweierteams treten gegeneinander an. Das Team, das die meisten Boote aus dem Wasser fischt, gewinnt. In meiner Jugend hieß das Entenfischen.

Nessie Memory am Ardbeg Day
Ob Nessie existiert, ist ungewiss. Drei Personen treten gegeneinander an und decken im Wechsel zwei Karten auf. Nach jedem Spielzug bleibt eine Karte offen liegen, die andere wird wieder umgedreht. Wer ein Kartenpaar offenlegt, nimmt die Karten aus dem Wasser heraus und ist nochmal an der Reihe. Das Team, welches Nessie-Paar findet, gewinnt.

Nessie Memory am Ardbeg Day

Nessie Memory am Ardbeg Day

Ardbeg Kelpie enthüllt
Ach ja und eigentlich ging es ja um den Ardbeg Kelpie. Am Abend wurde die Abfüllung enthüllt und jeder der zahlenden Gäste erhielt eine Flasche. Ardbeg Kelpie ist nach den legendären Wassergeistern benannt, die in den tiefen Gewässern rund um Ardbeg ihr Unwesen treiben. Die intensiven Aromen, die an öliges Torf, salzigen Seetang und teeriges Tauwerk erinnern, stammen von frischen Eichenfässern aus der Schwarzmeerregion, vermischt mit dem unverwechselbaren Geschmacksprofil von Ardbeg. Auf eine Woge schwarzen Pfeffers folgt ein herzhafter Schwall Speck und dunkle Schokolade. Unglaublich tief. Ab 12. Juni gibt es das Getränk offiziell zu kaufen.

Die Idee zum Ardbeg Kelpie


Der oberste Abfüllen von Ardbeg und Whisky Creator Bill Lumsden wanderte über das Gelände und sprach mit den Besuchern. Er wollte wissen, wie ihnen das neue Getränk mundete. Ich schnappte ihn mir gleich zum Interview und wollte von Bill Lumsden wissen, wie er denn auf die Idee zum Ardbeg Kelpie kam. Seine Antwort ist super interessant:

Holocaust-Gedenktag: Es sind gute Zeiten für den Kampf für unsere Demokratie

27. Januar 2017

Heute ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und die beiden anderen Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Die Vereinten Nationen erklärten diesen Tag zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.
Ich will in meinem sonst recht unpolitischen Blog heute an diesen Tag erinnern. Gerade die aktuellen politischen Entwicklungen in der Welt, aber auch in Deutschland machen mir Sorge, manches Mal Angst. Sind wir schon wieder soweit? Sind wir schon wieder soweit, dass Kleingeister ihr verbrecherisches Gedankengut frei und ungestraft äußern können? Bei den anstehenden Wahlen machen Menschen ihr Kreuz bei den braunen Rattenfängern, wenn ich den Prognosen glauben darf. „Das wird man doch noch sagen dürfen ..“ poltert es mir entgegen – in der Bahn, im Wirtshaus, in Seminaren. Überall in Europa und auch im Land der Freiheit, den USA, bricht blanker Nationalismus hervor. Hier wird gerade mein Europa kaputtgemacht.
Mein ehemaliger Nachbar, der unlängst verstorbene Bundespräsident Roman Herzog, hatte einstmals bei der Proklamation des Gedenktages gesagt: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“ Vor allem den letzten Teil der Proklamation halte ich aktuell.

Appell der Bundespräsidenten
Bei dem Festakt zu 50 Jahre Hanns Seidel Stiftung hörte ich zum ersten Mal den scheidenden Bundespräsidenten Joachim Gauck. Auch er sagte weise Worte. „Die Demokratie muss mit der Erziehung zum verantwortungsvollen Gebrauch der Freiheit einhergehen.“ Jetzt müsse man dafür sorgen, dass die Menschen in der Mitte der Demokratie erwachten und begriffen, dass Demokratie in jeder Generation nicht neu erfunden, aber neu gesichert werden müsse. „Wir wollen doch nicht, dass die Gefühlswallungen von den Rändern der Gesellschaft so stark werden, dass eine träge gewordene Mitte denkt, man kann da gar nichts machen, die Zeiten sind eben schlecht. Es sind gute Zeiten für den Kampf für unsere Demokratie.“ Lieber Herr Gauck – das waren die richtigen Worte zur richtigen Zeit: „Es sind gute Zeiten für den Kampf für unsere Demokratie.“

Unscharfes Selfie mit dem Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Unscharfes Selfie mit dem Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Respekt vor der Geschichte
Vor Jahren besuchte ich das Vernichtungslager in Ausschwitz, vor Jahren besuchte ich das Konzentrationslager Dachau, vor Jahren besuchte ich vor kurzem das Mahnmal in Berlin – es ist alles lange her gewesen. Viele Erinnerungen und Gefühlen sind verblasst. Beim Betrachten der Fotos kommen die Gedanken zurück. Ausschwitz erschreckte mich als ich sah, wozu Menschen fähig sind. Ich wanderte alleine über das Gelände und ließ mich treiben. Im Fernsehen es zu sehen, in der Schule darüber zu lernen – das ist wichtig, aber es zu erspüren ist mindestens ebenso. Die Generation der Zeitzeugen stirbt und ihre Erzählungen zu bewahren, ist wichtig,
Ich war vor kurzem beruflich in Berlin und hatte nur ganz wenig Zeit, das Holocaust-Mahnmal zu besuchen. Ich wollte es aber unbedingt, nachdem ich die Diskussion um die rechten Schreihälse mit ihrer Drang nach Öffentlichkeit mitbekommen habe. Das Holocaust-Mahnmal besteht aus einem wellenförmigen Feld mit 2711 Stelen. Durchs Netz laufen gerade Bilder von tanzenden Touris durch das Mahnmal. Das war bei mir nicht der Fall. Es war zu kalt, zu spät, zu windig, aber bei früheren Berlin-Reisen ist mir dies auch aufgefallen. Respekt vor der Geschichte gehört einfach dazu – und Bildung. Immer wieder Bildung. Bildung ist der Schlüssel zu allem.
Ich habe beschlossen, mich wieder zu erinnern und werde mich für unsere Demokratie verstärkt einsetzen. Ich lasse mir mein Europa, meine Demokratie nicht von links oder rechts kaputt machen. Ich habe keine Lust auf des Deutschen Lust auf Untergang. Ein Vorbild für meine Kinder zu sein, das ist jetzt wichtig. Ich zeige Flagge. Meine Felder sind die politische Bildung und die Medienkompetenz. Wie Gauck sagte: „Es sind gute Zeiten für den Kampf für unsere Demokratie.“