Posts Tagged ‘Entschleunigung’

Corona-Virus: Tag 9 der Ausgangsbeschränkung – Maisach wird zum Geisterdorf

30. März 2020

An diesem Wochenende haben in Bayern hunderte Menschen gegen die Ausgangsbeschränkungen verstoßen. Nach Angaben der Polizei haben sich besonders in München viele nicht an die Vorgaben gehalten. Es hat Anzeigen gehagelt. Mein Gefühl in Maisach blieb es ruhig: Die Menschen gingen am Samstag spazieren, am Sonntag glich Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck einem regelrechten Geisterdorf.

Laut Polizei war an den Seen im Landkreis mehr los: Am Mammendorfer See, am Emmeringer See und am Pucher Meer musste die Polizei kleinere Gruppen auflösen. Von Maisach war nichts zu hören.

Pfarrer Terance im Zoom-Gottesdienst.

Pfarrer Terance im Zoom-Gottesdienst.

Der Sonntag morgen begann um 10 Uhr mit einer Premiere. Der Gottesdienst der katholischen Kirche St. Vitus wurde via Zoom live ins Netz übertragen. Rund 30 Gläubige verfolgten den Gottesdienst von Pfarrer Terance. Sie hatten den Zugang per Mail erhalten und konnten gemeinsam im Netz feiern, beten und singen.

Es gab ein paar technische Unebenheiten, aber was soll’s: Der Pfarrverband Maisach ist absolut vorne mit dabei und zeigt der Maisacher Vereinswelt, was im 21. Jahrhundert eigentlich Standard sein sollte. Mal sehen, ob nächsten Sonntag wieder ein Gottesdienst angeboten wird. Ich sag auf jeden Fall Chapeau dem Pfarrverband. Und ich hoffe, die Aktion macht in Maisach Schule und andere Vereine, Verbände und Künstler beteiligen sich. Gerne stehe ich mit Knowhow zur Verfügung.

Am Sonntag glicht das Dorf einem Geisterdorf. Es war fast ausgestorben. Nun, die Temperaturen waren im Vergleich zum Samstag deutlich gesunken, was sicherlich auch Leute abhielt, auf die Straße zu gehen. Ein paar Autos fuhren durch die Ortschaft. Ziel war meist der Bäcker. Der sonst heiß umkämpfte Parkplatz vor der Bäckerei Dafner blieb meist leer.

Romina vom Eiscafé Alberto  immer freundlich.

Romina vom Eiscafé Alberto immer freundlich.

Einige schauten bei Alberto auf ein Eis to go herein. Romina war freundlich hinter der Theke. Alberto hielt sich eher im Hintergrund auf, begrüßte aber jeden Gast mit seiner wunderbaren italienischen Freundlichkeit.

Wir auf dem Land haben anders als die Stadtmenschen den Vorteil: Wir haben Platz, wir haben Raum. Menschen begegnen sich, halten Abstand, grüßen freundlich und ziehen ihrer Wege. Und als Sonntagsspaziergänger begegnet man allerlei Typen: Senioren, Sportler, Familien mit und ohne Jogginghose, einsame Spaziergänger und ab und zu ein Liebespaar.

Um den Kopf freizubekommen, schlug ich den Weg zum Weinberg ein. Für mich ist dies ein sorgsam gepflegter Platz und ein herrlicher Ort in der Natur. Ich begegnete kaum jemanden – einmal ritt eine Reiterin an mir vorbei. Sie grüßte freundlich – der Ausritt tat ihr sichtlich gut. Jeder sucht auf seine Art Entschleunigung.
Aus der Ferne sah ich ein paar Spaziergänger, Jogger und Radfahrer sowie Hundebesitzer, die ihre Runde mit ihrem Vierbeiner drehten. Auch am Weinberg drehen sich meine Gedanken um Corona. Wir alle verändern uns, die Gesellschaft verändert sich, die Welt, wie wir sie bisher kannten, verändert sich.

Zehn Jahre persönliche Erfahrungen mit dem iPhone

3. Juli 2017
10 Jahre iPhone - hier einige meiner Geräte.

10 Jahre iPhone – hier einige meiner Geräte.

Zehn Jahre ist es nun her, als das iPhone in den Handel kam und eine digitale Revolution auslöste. „Apple reinvent the phone“ war damals der Claim, den Steve Jobs ausgegeben hatte und der Spot „Hello“ zeigte es.
Aber Steve Jobs und Apple hatten sich geirrt. Apple erfand nicht nur das Telefon neu, das wäre zu einfach gewesen. Apple brachte uns die Digitalisierung für unterwegs. Apple revolutionierte das digitale Leben, mein digitales Leben.
Das iPhone brachte das Internet in der Hosentasche (durch mobiles Internet), das iPhone brachte unsere Freunde in die Hosentasche (durch Social Media), das iPhone brachte unsere Wohnung in die Hosentasche (durch Smart-Apps), das iPhone brachte den Supermarkt in die Hosentasche (durch Amazon und Co) und noch mehr, mehr, mehr. Das iPhone ist kein Telefon, sondern es wurde zum Zentrum unseres digitalen Lebens. Eine ganze Generation brach in das mobile digitale Zeitalter auf. Und ich bin gerne bei diesem Aufbruch dabei.

Mein iPhone brachte eine Revolution
Ich muss zugeben, dass ich diese Erkenntnis nur leicht erahnte, als ich in der Keynote von Steve Jobs auf der Mac Expo im Moscone Center in San Francisco saß. Ich war damals Chefredakteur der MACup, der einstmals ältesten Mac-Zeitschrift Europas. Damals 2007 wussten wir, dass etwas in der Luft lag. Wochenlang hatten wir als Journalisten auf diesen Tag hingefiebert. Es lag Revolution in der Luft. Wir fachsimpelten, was als One more Thing kommen würde. Apple lud zur Keynote und wir folgten zu Tausenden in den großen Ballroom des Messenzentrums. Es war eine feierliche und gespannte Atmosphäre und alle waren wir elektrisiert. James Brown kam vom Band und sang „I feel good“ und dann begann der Gottesdienst. Ein damals gesunder Steve Jobs veranstaltete eine fette Show, zeigte uns zum ersten Mal das iPhone und Apple veränderte die Welt. Die Keynote gibt es im Netz zum Nachschauen. Ich erinnere mich, wie es mir heiß und kalt den Rücken runter lief. Mir wurde bewusst: Ich war bei einem historischen Ereignis dabei. Ich saß auf meinem Presseplatz und spürte, dass es etwas anderes war als die bisherigen Keynotes, die ich erlebt hatte. Mein damaliger Stellvertreter als Chefredakteur sah es ähnlich, mein damaliger Verlagsgeschäftsführer erklärte immer wieder, warum sein Sony Telefon besser sei.
In den nachfolgenden Technik-Slots für ausgewählte Journalisten durften wir das iPhone in die Hand nehmen und ein wenig herumspielen. Das iPhone war noch alpha oder bestenfalls eine frühe Beta. Apple hatte bis zum Verkaufsstart noch viel Arbeit vor sich, aber die Vision brannte sich in unser Hirn. Wir konnten das Alu-Gehäuse anfassen und mit dem Touch-Screen herumspielen. „Who needs a stylus? sagte er Meister und ich erlag der Faszination. Geistig gab ich die Bestellung auf, was ich dann auch sofort machte, als ich die Möglichkeit dazu hatte. Ich wollte so ein Gerät besitzen und meine bisherigen Mobiltelefone in Rente schicken.
Abends trafen wir uns auf einer Party in San Francisco auf einen Nokia-Mitarbeiter, der zu tief ins Glas geschaut hatte. Er hatte nach Finnland telefoniert und den Satz gesagt: „Da kommt ein Computerhersteller und zeigt uns, wie man ein Telefon baut.“ Und er sagte wörtlich: „Apple hat uns in den Arsch getreten“. Die Finnen meinten zwar, dass Apple nicht die Produktpalette habe wie Nokia und nicht jeden Monat neue Geräte auf den Markt bringen würden. Nun, Nokia ist Geschichte – es gibt Tage da verliert man.

Mein erstes iPhone kaufte ich in Karlsruhe
Damals hatte die Deutsche Telekom den Exklusivvertrag mit Apple für die Markteinführung des iPhone in Deutschland. Es gab sogar eine Veranstaltung in Berlin bei der Steve Jobs einflog. Die Telekom-Mitarbeiter durften ihre Magenta-Krawatten lockern. Im Juni 2007 kam das iPhone in den USA auf den Markt. Wir in Deutschland kamen erst am 9. November 2007 in den Genuss. Ich hatte damals schon den Verlag gewechselt und war Chefredakteur der DIGITAL PRODUCTION, einer Zeitschrift über 3D-Animation. Ich hatte mein iPhone vorbestellt und wir hatten damals eine Verlagsveranstaltung in Karlsruhe, den ANIMAGO AWARD samt Konferenz. Am Erstveröffentlichungstag sollte ich mein iPhone bekommen und konnte mir den Abholshop aussuchen. Blöd nur: Ich sollte am 9. November 2007 am Vormittag an einer Podiumsveranstaltung meines Verlages teilnehmen, musste aber unbedingt in einem Telekom-Shop in Karlsruhe mein iPhone abholen. Ein Kollege, der auch ein iPhone bestellt hatte, begleitete mich. Die Telekom-Mitarbeiter waren super freundlich, es gab zudem Kugelschreiber und Luftballons, ein Glas Sekt am Morgen und natürlich je ein iPhone für meinen Kollegen und mich. Wir verspäteten uns zur Podiumsdiskussion und mein Verlagsleiter maulte mich an. Auf dem Podium entschuldigte ich mich für die Verspätung beim Publikum und zeigte den dem Publikum mein neues iPhone mit den Worten „Sorry, aber es gibt nun mal wichtigere Dinge im Leben als eine Podiumsdiskussion.“ Donnernder Applaus vom Publikum und meinen Verlagsleiter blieb der Mund offen. Nach der Podiumsdiskussion machten wir zusammen ein Unboxing in Karlsruhe.

Auf dem Podium verspätete ich mich, weil ich erst mein iPhone abholen musste,.

Auf dem Podium verspätete ich mich, weil ich erst mein iPhone abholen musste,.

iPhone um iPhone in all den Jahren
Seitdem ist das iPhone mein treuer Begleiter, bis heute. Ich hatte mal ein HTC als Testgerät und gestehe zu, das Android sicher auch seine Berechtigung hat, aber ich bleibe beim iOS. Immer wieder neue Geräte-Generationen aus Cupertino zogen bei mir ein. Die alten Devices kamen in eine Vitrine zu meiner umfangreichen Sammlung an Apple Geräten. Im Moment stehen sie neben den verschiedenen Versionen des Newtons und eMate. Alte Geräte verkaufe ich nicht – ich hebe sie auf und erinnere mich daran. Eine emotionale Bindung zu einem technischen Gerät, nur Sammler können so etwas verstehen. Meine Frau hat eines ihrer alten iPhones einstmals in die Verwandtschaft abgegeben und nie wieder bekommen. Das mache ich nicht. Höchstens K1 und K2 bekommen die angetragene iPhone. Immer wieder gibt es bei den neuen Geräten ein Unboxing und ich freue mich immer über eine neue Version des iPhone. Das iPhone 8 wird sicherlich ein großer Schritt mit dem neuen iOS 11.  Im Moment nutze ich ein iPhone 7plus und bin mal gespannt, was das iPhone 8 bringen wird. K2 spekuliert im Moment auf mein iPhone 7plus.

Hier stehen meine iPhones neben den Newtons.

Hier stehen meine iPhones neben den Newtons.

Veränderung des Lebens
Was hat nun das iPhone in meinem Leben verändert? Vieles, sehr vieles. Ich gehe mit der Digitalisierung voran, halte viele Vorträge zum Thema Smartphone-Nutzung im Rahmen meiner Veranstaltungen zur Medienkompetenz. Ich nutze das iPhone nahezu täglich als Fotoapparat, Videokamera, Fernseher, MP3-Player, Mail, Adressbuch, Kalender, Einkaufskorb, Spielkonsole, Taschenrechner, Taschenlampe, Navigation, Buch, Notizbuch, Einkaufsliste – ach ja und ab und zu auch als Telefon. Ich erinnere mich gerne an den alten Hello-Spot von Apple. Und bevor die Frage kommt: Ja, ich weiß auch, wo der Ausschaltknopf ist und setze ihn bewusst ein für Entschleunigung. Auch das gehört zur Digitalisierung dazu.