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Corona-Virus: Tag 45 der Ausgangsbeschränkung – Krise als Chance nutzen

5. Mai 2020
Kleine Läden setzen auf Online-Shops.

Kleine Läden setzen auf Online-Shops.

Am liebsten wollen einige die Corona-Krise vergessen und schnell hinter sich bringen. Am besten so weitermachen, wie vor dem Start von Corona und Ausgangsbeschränkung gelebt und gewirtschaftet wurde. Ich denke, ein weiter so wird es in vielen Bereichen nicht geben. Corona hat die Schwachpunkte der Digitalisierung in unserer Gemeinde Maisach eklatant aufgedeckt. Und in der Krise liegt jetzt eine Chance.
Viele Einzelhändler und Gaststätten hatten keine aktuelle Website nach dem Motto, so was brauchen wir nicht, denn unser Geschäft ist die Laufkundschaft. Doch wie soll der Kunde wissen, was man im Angebot hat? Ein paar Posts in Facebook und vor allem Facebook-Gruppen – das war es dann auch schon mit dem digitalen Kommunikationskonzept.

Mein Gefühl bei meinen Gesprächen war, dass Digitalisierung was unangenehmes ist. Die Zeit sollte zurückgedreht werden. Dabei sehen wir doch, was gerade möglich ist. Vereine machen ihr Vorstandssitzungen virtuell, die Chöre wie die Fridolinspatzen oder der Maisacher Kirchchor proben via Videokonferenzsoftware. Alles Sachen, die vor Corona völlig unmöglich gewesen werden. Homeschooling läuft je nach technischer Ausstattung und Engagement. Ergreifen wir die Chance bei uns im Dorf. Es geht nicht mehr um Schwarz oder Weiß. Wir werden diese unnötige Diskussion nicht mehr führen. „Wir werden das Digitale zu schätzen wissen und es bewusster nutzen, um unser analoges Leben besser zu machen.“

Damit beende ich nach 45 Teilen meine Serie zum Thema Corona und Ausgangsbeschränkung in Maisach. Ich hoffe, der Blog hat Spaß gemacht und Inspiration gebracht. Danke an alle, die mich unterstützt und mitgemacht haben.

 

Corona-Virus: Tag 44 der Ausgangsbeschränkung – Mein Kommentar: Masken achtlos in die Gegend geworfen

4. Mai 2020
Klarer Hinweis bei Alberto.

Klarer Hinweis bei Alberto.

Wer beim Bahnhof Maisach aufmerksam hinschaut, findet immer wieder wild abgelagerten Hausmüll, der dann auf unsere Kosten vom Bauhof entsorgt wird. Seit der Maskenpflicht durch Corona gibt es aber eine neue Art von Müll, die überall in der Gemeinde herumfliegt: Masken und Handschuhe.

Ich verstehe meine Mitmenschen nicht. Achtlos werden Maske oder Handschuhe in die Gegend geworfen. Mir doch egal, wer meinen Dreck aufräumt, lautet wohl das Motto. Da bekomm ich echt Puls. Noch heftiger wird es, wenn Dreckschweine ihre Maske in einem Einkaufswagen liegen lassen und man als nächster Kunde dann den Wagen mit der gebrauchten Maske nutzen soll. Das ist schlichtweg eine Unverschämtheit und eine riesengroße Sauerei.

Die gebrauchten Masken gehören in den Restmüll. Ich habe schon welche beim kleinen Wertstoffhof am Bahnhof gesehen, die im Papiercontainer lagen. Aber nein, gebrauchte Masken eignen sich nicht zum recyceln. Ebenso Taschentücher und Desinfektionstücher – nicht einfach in die Toilette, sondern besser in den Restmüll. Sollte jemand an Corona erkrankt sein, dann Masken und Tücher in einen Plastikbeutel und den gut verschlossen in den Restmüll. Die Müllabfuhr fasst den Müll nicht an und der Restmüll wird in der landkreiseigenen Verbrennungsanlage Geiselbullach automatisiert verbrannt. Jeder händische Kontakt mit dem Müll wird vermieden und dennoch gehören Corona-Masken in einen Beutel.
Was meint ihr? Mich regt es in der Krise maßlos auf, dass manche Mitmenschen sich ungehörig aufführen. Oder ist es der Lauf der Dinge bei Corona und Ausgangsbeschränkung in Maisach?

Corona-Virus: Tag 41 der Ausgangsbeschränkung – Maisacher Maskenball

1. Mai 2020

Die Woche neigt sich dem Ende zu und die ersten Erfahrungen in Sachen Maskenpflicht liegen hinter uns. Mein subjektiver Eindruck: Die Maisacher machen mit.
Wenn ich bei der Ausgangsbeschränkung durch Corona das Haus zum Einkaufen verlasse, ist mein Ritual um einen Handgriff erweitert. Neben Smartphone, Geldbörse und Schlüssel gehört auch der Griff zur Maske dazu. Sie liegt in einem Plastikbeutel griffbereit. Ich habe mehrere Masken in meinem Besitz und Abends erfolgt das familiäre Ritual des Auskochen der ganzen Maske im Topf auf dem Herd. 5 Minuten Maskenauskochen und dann zum Trocknen aufhängen und anschließend bügeln. Als ob man noch nie etwas anderes gemacht hat.

Für mich als Brillenträge war das Atmen unter der Maske gewöhnungsbedürftig. Nicht weil ich nach Luft schnappe, sondern weil meine Brille beschlägt. Inzwischen habe ich aber die Technik raus und es funktioniert. Hier meine aktuelle Maskenauswahl:

Der Maisacher Einzelhandel hat entsprechende Hinweisschilder zur Maskenpflicht aufgehängt und ich habe von keinen Problemen gehört. Das Gemaule und Granteln gehören wohl dazu. Anfangs war der Blickkontakt in den Geschäften vielleicht noch etwas scheu, nach ein paar Tagen ist die Normalität des Maskentragens eingekehrt. Ein ungewöhnlicher Maskenball in Maisach.

Und es entwickelt sich ein Kennerblick. Welche Maske hat mein Gegenüber? Hat er/sie die Maske selbst gemacht oder gekauft? Ich habe eine Maske mit Beatles-Motiv gesehen und war schlagartig neidisch. Und natürlich gab es auch Masken mit blauweißer Raute, damit jedem klar ist, aus welchem Bundesland der Maskenträger ist.

Spende an die Maisacher Tafel
Auch die Maskenproduktion im Dorf schreitet voran. In meinem Blog habe ich ja Carmen Convent vorgestellt. Sie versprach mir, dass sie bei 500 Euro Einnahmen diese Summe der Maisacher Tafel spenden würde. Carmen Convent hat ihr Wort gehalten. Am Dienstag trafen wir uns – mit ausreichendem Abstand – bei der Maisacher Tafel vor dem Maisacher Rathaus zur symbolischen Scheckübergabe. Carmen Convent überreichte den Scheck an Normann Wenke von der Tafel sowie sein Stellvertreter Michael Fiedler. Es werden rund 250 Personen insgesamt durch die Tafel betreut, nicht nur aus Maisach, sondern auch aus dem Hinterland.

Corona-Virus: Tag 40 der Ausgangsbeschränkung – Bücherei ohne Online-Leihe, schade

30. April 2020

Am Montag 4. Mai fährt Maisach langsam wieder hoch. Trotz Ausgangsbeschränkung und Corona wird der Parteienverkehr im Rathaus wieder aufgenommen, natürlich mit den üblichen Vorsichtsmaßnahmen wie Maskenpflicht, Abstand und Zugangsbeschränkung. Bürgermeister Hans Seidl hat sich dazu ausführlich in einem Facebook-Post und auf der Website der Gemeinde geäußert.


Auch die Gemeindebücherei soll dann wieder geöffnet haben. Ich mag die Lesungen in unserer Bücherei und die Leiterin Beate Seyschab und ihr Team machen einen guten Job in mitten ihrer 20.000 Medien. Aber durch Corona ist das Manko der fehlenden Digitalisierung in Maisach aufgetreten. Es gibt in der Gemeindebücherei keine Online-Ausleihe von digitalen Büchern, Zeitschriften oder Hörspielen. Es ist alles analog, ganz wie zu alten Zeiten.

Die Fristen für entliehene analoge Medien verlängerten sich durch Corona automatisch, aber die Digitalisierung ist Fehlanzeige. Anders als in anderen Städten und Gemeinden kann ich keine EPUBs ausleihen und auf meinem digitalen Endgerät lesen. Das wäre aber in Zeiten von Corona ein hygienischer, eleganter, moderner und zukunftsweisender Weg, der im Moment bei uns nicht gegangen wird.


Bitte kommt mir nicht mit den Argumenten, dass eine Bücherei mit Papierbüchern doch so schön ist. Ja, das ist es, aber es ist eben nicht alles.
Also habe ich meine eBooks über Amazon gekauft oder geliehen. Das klappt reibungslos und unkompliziert. In der Zeit der Ausgangsbeschränkung und Kontaktsperre habe ich ja Zeit zu lesen und mich geistig zu beschäftigen. Der Lockdown hat nicht nur die Nachfrage auf dem E-Book-Kaufmarkt belebt, auch der Bibliotheksverleih hat in dieser Zeit kräftig angezogen. Das zeigen die aktuellen Zahlen der vom Bibliotheksdienstleister EKZ/Divibib organisierten Onleihe, über die Nutzer elektronische Medien wie E-Books, Hörbücher und E-Paper ausleihen können. Aber wir in Maisach spielen dabei nicht mit. Ein stationärer Buchhandel ist in Maisach zudem nicht vorhanden und würde sich auch nicht lohnen. Wenn ich einen Buchladen auf einem Dorf eröffne, kann ich mein Geld als Unternehmer gleich verbrennen.

Wer genau hingesehen hat, konnte in den vergangenen Wochen am Straßenrand in der Gemeinde ab und zu Bücherkisten entdecken. Da haben wohl Familien in der Corona-Zeit den Keller oder Bücherschrank ausgeräumt und Bücher auf die Gartenmauer gestellt – zum kostenlosen Mitnehmen. Finde ich eine tolle Idee.


Und der öffentliche Bücherschrank bei Edeka Leich versorgt Lesehungrige mit analogen Bücherfutter. Bei meinen Einkäufen schaue ich immer in den Schrank hinein, lege Bücher ab und suche nach neuem Lesefutter. So dann und wann habe ich etwas interessantes für mich gefunden. So ein Bücherschrank funktioniert, wenn alle mitmache. Also Bücher hineinstellen und Bücher herausnehmen – also ein Kreislauf. Hier ein Film von 2017 als der Bücherschrank eingeführt wurde.

Corona-Virus: Tag 38 der Ausgangsbeschränkung – Friseure öffnen unter strengen Auflagen

28. April 2020
Ich muss dringend zum Friseur. Hier vor dem Küchenwagen von Mörz am Volksfestplatz FFB.

Ich muss dringend zum Friseur. Hier vor dem Küchenwagen von Mörz am Volksfestplatz FFB.

Am Montag, 4. Mai, ist es so weit. Die Friseure in Bayern dürfen wieder öffnen. Eine ganze Branche bereitet sich auf haarige Kundinnen und Kunden vor. In Maisach stehen die Innungsfriseure in den Startlöchern, darunter Karolins Frisierstudio, Maisacher Friseurladen und Haarmanufaktur – Haarstudio Wieser .

Bis aber wieder geschnitten, frisiert und gefärbt  werden darf, müssen Friseure ein genaues Hygienekonzept erfüllen. Nur dann dürfen sie wieder Kunden in den Salons bedienen. Das Konzept wurde von der Berufsgenossenschaft BGW mit dem Zentralverband der Friseure erarbeitet. Auch der bayerische Landesinnungsverband, der in Fürstenfeldbruck sein Büro hat, arbeitete gehörig mit und wurde dafür von Ministerpräsident Söder mehrmals öffentlich gelobt.

Es wurde in der vergangenen Woche viel in den Salons vorbereitet. So müssen nun Plätzen eingerichtet werden, an denen sich die Kunden die Hände waschen/desinfizieren können. Die Wartezonen wurden gesperrt und Bodenmarkierungen für den notwendigen Abstand angebracht. Bevorzugt wird bargeldlose Zahlung. Wichtig für den Kunden in Maisach: Termine dürfen nur nach vorheriger telefonischer/digitaler Vereinbarung stattfinden – wer ein Online-Buchungssystem hat und rechtzeitig auf Digitalisierung gesetzt hat, der gehört klar zu den Gewinnern. Das ist überall im Mittelstand so – es mussten viele Mittelständler die mangelnde Innovationsbereitschaft büßen. Es gibt auch keine Bewirtung oder Getränkeservice sowie keine Zeitschriften beim Friseur mehr. Wer sich interessiert, welche Auflagen die Friseure haben, kann sich hier informieren. Das Dokument regelt in 17 Punkten unter anderem die Organisation der Tätigkeiten im Salon, besondere Infektionsschutzmaßnahmen, den Zutritt der Kunden zum Salon, persönliche Schutzausrüstung, Schutzabstände sowie Reinigung und Desinfektion. Auch wichtig: Es werden künftig keine trockenen Haare mehr geschnitten. Die Haare der Kunden werden im Salon gewaschen und es gibt keine Ausnahmen.
Der Schock saß tief, als Friseursalons schließen mussten. Ich sprach vor kurzem mit Josef Wieser, Friseurmeister und Chef der Haarmanufaktur – Haarstudio Wieser in der Maisacher Schillerstraße. „Das Ausmaß war für keinen absehbar“, so Wieser. „Es war im ersten Moment eine Katastrophe und man bekommt Panik und Existenzängste.
Als die Geschäfte geschlossen hatten, war es wichtig, das Team zusammen zu halten und den Spirit aufrecht zu erhalten. „Ständige Kommunikation mit dem Team“ war an der Tagesordnung, erzählt Wieser. „Natürlich war Verunsicherung da“, gibt Wieser zu. „Man wusste nicht, wie geht man damit um.“ Wieser und sein Team haben die Zwischenzeit genutzt und mit Videokonferenzen gearbeitet, um alle auf dem gleichen Stand zu halten. Ich habe mit Josef Wieser ein ausführliches Videointerview geführt.

Jetzt gilt es bis 4. Mai auf einen Friseurbesuch zu warten. Auch wenn der Kunde noch so drängt: Bis 4. Mai sind in Bayern Friseurdienstleistungen untersagt. Immer wieder hört man, dass Kunden auf die Friseure Druck ausüben und um einen Friseurhausbesuch nachfragen. „Das ist eindeutig verboten“, stellt Josef Wieser klar. „Wer Haare schneidet, der wird gekündigt.“ Der geforderte Mindestabstand von 1,5 Metern ist auch zu Hause bei der Friseurdienstleistung nicht einzuhalten. Zudem sind beim Friseurhausbesuch die Hygienestandards weniger kontrollierbar als in einem Salon.

Wer gegen die Allgemeinverfügung der Staatsregierung verstößt, kann mit einer Geldbuße in Höhe bis zu 25.000 Euro belegt werden. Oder es drohen bis zu fünf Jahre Haft, wenn jemand infiziert wird. Im Interesse der Gesundheit aller sollten Verstöße nicht geduldet, sondern zur Anzeige gebracht werden. Und es wurden schon einige erwischt.

Corona-Virus: Tag 36 der Ausgangsbeschränkung – Geschäft der Brauerei Maisach eingebrochen

26. April 2020

„Es geht uns alles andere als gut“, so diplomatisch beschreibt Michael Schweinberger, Chef der Brauerei Maisach, die wirtschaftliche Lage der mittelständischen Brauerei. Die Corona-Krise und die Ausgangsbeschränkungen sowie der Lookdown der Gastronomie bringen die Traditionsbrauerei in ernste Schwierigkeiten.
Seit 1556 gibt es die Brauerei. Michael Schweinberger hat das Unternehmen vor vier Jahren übernommen. Durch Corona ist das Geschäft jetzt komplett eingebrochen. Das Bier wird in der Regel nur noch über Getränkemärkte verkauft. Der Ausschank in der Gastronomie ist durch die Allgemeinverfügung der Staatsregierung nicht mehr möglich, da die Gasthäuser, Volksfeste und Biergärten geschlossen haben. „Etwa 70 Prozent des Geschäfts sind komplett eingebrochen“, sagt Schweinberger. „Ich verstehe nicht, was Söder da reitet.“ Für eine Absage der Wiesn habe Schweinberger zwar Verständnis, aber in den „normalen Gasthäusern tanzt keiner auf den Tischen.“

Die Konsequenz in der Brauerei Maisach ist seit langem Kurzarbeit für einen Teil des 14köpfigen Teams. „Die Brauer arbeiten noch, mit der Betonung auf noch“, so Schweinberger weiter. Die Abnehmer des Maisacher Biers sind Getränkemärkte und Supermärkte. Aber deren Umsatz reiche natürlich nicht, um den Rückgang der Gastronomie aufzufangen. Schweinberger ist pessimistisch. „Wenn es so weitergeht, bleiben nur 50 Prozent der Wirte übrig.“ Aber auch die Lage bei den Brauereien ist dramatisch. Die bayerischen Brauereien leiden unter der Corona-Krise. Am schlimmsten ist laut Georg Rittmayer vom Verband Privater Brauereien für die Hersteller, dass Restaurants und Biergärten geschlossen sind. Vor allem für die kleinen Brauereien sei das eine Katastrophe. Sie fürchten einen Umsatzeinbruch von 50 Prozent. Dazu komme, dass Sportveranstaltungen und Volkfeste ausfallen. Der bayerische Brauerbund fordert, die Biergärten zu öffnen. Dort sei genügend Platz – und die Menschen wüssten doch mittlerweile, dass sie nicht dicht an dicht sitzen dürfen.
Verärgert ist Schweinberger über das Verhalten der Banken in der Krise. „Sie haben nichts gelernt und haben noch ein Denken der alten Welt.“ Immer mehr Sicherheiten werden bei Krediten gefordert.
Jetzt gilt es, dass die Politik reagiert, so Schweinberger. Unsere Verbände und jeder einzelne Wirt hat Vorschläge vorgelegt, aber es „geht um die politische Ebene“.

Übrigens: Die Fotos zu diesem Beitrag stammen von einem Besuch der Facebook-Gruppe Fotofreunde Landkreis FFB

Corona-Virus: Tag 35 der Ausgangsbeschränkung – Reportage Abenteuer Wertstoffhof Maisach

25. April 2020

Wichtigstes Vorhaben am Freitag: Wertstoffe abgeben beim Maisacher Wertstoffhof in der Corona-Krise. Um 14 Uhr hat der heilige Platz am Ortseingang unseres Dorfes geöffnet und heute soll die Glocke werden. Die angesammelten Wertstoffe einer vierköpfigen Familie nach 34 Tagen Ausgangsbeschränkung sollen entsorgt werden.
Dieses Mal werden die Säcke mit Plastik aus der Garage verschwinden. Es ist schon eindrucksvoll, wie viel Plastikmüll, Verzeihung Plastikwertstoffe sich angesammelt haben – deutlich mehr als sonst.

Aber bevor es losgeht, muss das Plastik sortiert werden. Die Bitte der AWB ist eindeutig: Wertstoffe vorsortieren, damit es schneller geht und es sich nicht unnötig staut. Gesagt, getan. Unsere Familie sammelt Plastik in großen Plastiksäcken. Die werden jetzt wieder aufgemacht und ausgeschüttet. Plastik, Becher, Plastikflaschen, Alu-Verbundstoffe, Mischkunststoff liegt alles auf einen Haufen. Beherzt wird sortiert. Wer im Landkreis Fürstenfeldbruck lebt, der ist zwangsläufig Wertstoffexperte. Das Dorf traf sich früher am Wertstoffhof zum Ratsch. Der Ratsch fällt weg, aber der Treffpunkt ist geblieben.

Also die verschiedenen Plastikfraktionen getrennt, die Uhr aber immer Blick. Um 14 Uhr öffnet der Große Wertstoffhof.
Alles in das Automobil verpackt und los gehts. Maske und Handschuhe nicht vergessen. Ab Montag ist sowieso überall Maskenpflicht.
Um 14:22 Uhr stehen wir mit dem Auto in der Schlange. Sie reicht fast bis zum Rewe vor. Stoßstange an Stoßstange. Während des Wartens werden die anderen Autofahrer beobachtet. Warum kommt eigentlich dieses Auto mit Kennzeichen aus Starnberg? Warum wird jetzt gerade der Keller entrumpelt? Hat der wirklich ein Fitnessgerät auf dem Anhänger? Wieviel Grünabfälle passen in den Anhänger überhaupt hinein? Viele Autofahrer haben die Scheiben heruntergelassen und man hört die musikalischen Vorlieben der Insassen – bei mir läuft übrigens Country von 1958 das Gunfighter-Album von Marty Robbins.

Fußgänger und Radfahrer werden vorgelassen. Autos müssen sich einreihen. Es gilt den Wendehammer zu umrunden und dann erfolgt die Einfahrt in den Großen Wertstoffhof. Das Warten hat genau 22 Minuten gedauert. In Corona-Zeiten wird man demütig, gelassener. Während es früher nicht schnell genug gehen konnte, so bringt man heute einfach mehr Zeit mit. Vielleicht ist das ein positiver Punkt der ganzen Krise – wir gehen heute gelassener miteinander um. Schnell die Masken aufgesetzt und die freundliche AWB-Mitarbeiterin in orangener Weste fragt auch schon, was wir geladen haben? Grünabfälle bitte rechts, Plastik und Co bitte links. Beim Grünzeug staut es sich und da wir nur ein Auto voller Plastik haben, können wir prima durchstarten.
Es herrscht reger Betrieb am Wertstoffhof. Dabei ist die große Welle der Entsorger schon vergangene Woche aufgeschlagen. Die Mehrzahl der Besucher tragen Masken. Mein Eindruck: Abstandhalten funktioniert.

Auch in der Halle für Plastikmüll klappt das Abstandhalten erstaunlich gut. Einer betritt die Halle, wirft seinen Kunststoff in die vorbereiteten Säcke, die an der Wand hängen. In genügend sicheren Abstand überwacht eine Mitarbeiterin den ganzen Entsorgungs- und Sortierprozess. Notfalls greift sie ein und gibt mit freundlichen Worten deutliche Hinweise.
Bei den großen Container trifft sich die Sperrmüllfraktion und entsorgt ihre Keller. Ich sehe das Fitnessgerät wieder. Pflichtgemäß schau ich bei den Elektrogeräten vorbei nach der Suche nach einer bestimmten Spielkonsole. Das mach ich seit Jahren umsonst. Irgendwann finde ich das Ding.
Aber um den Stellplatz nicht zu blockieren, geht es ab zum Auto und zur Heimatfahrt. Die ganze Aktion hat knapp 45 Minuten gedauert – eigentlich ok. Die Garage ist wieder leer. Die Ausgangsbeschränkung geht weiter – das Sammeln von Wertstoffen auch. Das Abenteuer Wertstoffhof Maisach kommt in vier Wochen wieder.

Corona-Virus: Tag 34 der Ausgangsbeschränkung – Maskenpflicht beim Einkauf am Montag – Interview mit Maisacher Edeka-Chef

24. April 2020

Wer ab Montag zum Einkaufen geht oder den ÖPNV nutzen will, der ist im Rahmen der Ausgangsbeschränkung verpflichtet, eine Mund-Nasen-Maske zu tragen. Dies betrifft auch beim Warten auf den Bus oder S-Bahn. Die Geschäftsleute bei uns in Maisach bereiten ihre Kunden auf diese Maskenpflicht vor und schulen ihr Personal. Dazu habe ich Toni Leich vom Edeka Leich im Dorf befragt, wie er mit seinem Team mit der Verfügung umgeht.

Am Montag ist Maskenpflicht in Bayern. Haben Sie einen Doorman/Türwächer, um die Maskenpflicht im Edeka durchzusetzen? Oder wie sorgen Sie dafür, dass die Leute eine Maske tragen?
Toni Leich: Wir werden Plakate diese Woche noch Positionieren, um allen Kunden darauf hinzuweisen. Nächste Woche werden Plakate an den Türen positioniert, damit die Kunden wissen, dass nur noch mit Maske der Laden betreten werden darf. Wir werden vorerst keinen Doorman einsetzen. Wir hoffen auf den Verstand der Kunden. Wir werden zusätzlich informieren, dass wenn noch keiner einer Maske haben sollte, aber einkaufen muss, über unsere Klingel an unserer Anlieferung eine kostenpflichtig erhält. Falls doch jemand den Laden ohne Maske betritt, wird er spätestens im Obst und Gemüse abgefangen, da dort sich immer jemand befindet. In den ersten drei Tage werden wir sehen wie sich unsere Kunden daran halten oder ob wir einen Doorman einsetzen müssen.

Haben Sie Masken für Kunden und Ihre Mitarbeiter?
Toni Leich: Ja wir verkaufen Masken an unsere Kunden. Sie sind zu 100% Baumwolle, Made in Germany und bei 90 Grad Celsius waschbar und tötet somit alles ab. Für Mitarbeiter werden wir einen Teil der Masken kostenlos ausgeben und einen gewissen Teil können unsere Mitarbeiter zum Einkaufspreis erwerben.

An der Kasse gibt es beispielsweise Masken zum Kaufen. An der Kasse gibt es beispielsweise Masken zum Kaufen.

Was passiert, wenn Kunden ohne Masken dennoch den Edeka betreten?
Toni Leich: Wir sagen dem Kunden, dass er so nicht einkaufen darf. Er braucht Mund und Nasenabdeckung.

Persönlich hoffe ich, dass sich alle eine Maske tragen. Immer mehr habe ich den Eindruck, dass Corona von einigen noch immer nicht als Gefahr gesehen wird. Zudem bemerke ich, dass einige die Abstandsregelung auf die leichte Schulter nehmen. Wie steht ihr zur Maskenpflicht in Geschäften und ÖPNV?

Corona-Virus: Tag 33 der Ausgangsbeschränkung – Start von Ramadan in der Corona-Krise

23. April 2020

Heute abend beginnt für die Muslime der Fastenmomat Ramadan. Ramadan startet am Abend von Donnerstag, 23. April und endet am Abend vom Samstag, 23. Mai. Und dieses Jahr wird Ramadan aufgrund Corona und Ausgangsbeschränkung auch in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck unter besonderen Umständen begangen.
Leider kann nicht ermittelt werden, wie viele Muslime in der Gemeinde Maisach wohnen. Der Leiter des Maisacher Einwohnermeldeamtes erklärte auf Anfrage: „In unserem Einwohnermeldeamtsverfahren werden nur steuererhebende Religionen erfasst. Dazu zählt der muslimische Glauben nicht dazu.“

Die sympathischen Jungs vom Deniz Kebap-Haus in Maisach

Die sympathischen Jungs vom Deniz Kebap-Haus in Maisach

Aber natürlich sind es viele Moslems. Wie die sympathischen Jungs vom Deniz Kebap-Haus in Maisach. Sie begehen Ramadan innerhalb der Familie, ohne große Zusammenkünfte. Die Moschee in Fürstenfeldbruck sei zudem geschlossen. „Dieses Jahr ist alles etwas anders.“
Leider weiß ich zu wenig über diese große Weltreligion. Ich frage deshalb bei meinem Kollegen Fabian Schmidmeier nach. Er ist Islamwissenschaftler M.A., Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Orientalische Philologie und Islamwissenschaft an der FAU Erlangen-Nürnberg und dort Co-Koordinator der Forschungsstelle „Key Concepts in Interreligious Discourses“ (KCID). Er ist ein langjähriger Bloggerkollege und bloggt zu Islam- und Nahost-bezogene Themen auf www.abrahamicstudies.com

Am Donnerstag beginnt Ramadan. Was bedeutet dieses Fest für Muslime?
Schmidmeier: Der Fastenmonat Ramadan ist für viele Muslime eine der Zeiten, auf die sie sich im Jahr am meisten freuen. Nach muslimischer Tradition begann in diesem Monat die Offenbarung des Korans an den Propheten Muhammad in der sogenannten „Nacht der Bestimmung“ (Lailatu l-Qadr). Das Fasten (ṣaum/ ṣiyām) während dieses Monats ist eine der fünf Säulen des Islams, also eine der zentralen Pflichten für alle Muslime. In Sure 2:183-185 im Koran wird dies beschrieben und festgelegt. In dieser Zeit soll man in sich kehren, zur Ruhe kommen, den Koran lesen und auch mal für ein paar Stunden gewisse Entbehrungen spüren, die gerade wir in unseren Breitengraden nicht kennen. Ausgenommen von der religiösen Pflicht sind alle, denen das Fasten nicht möglich ist, z.B. aufgrund von Reisen, Krankheiten, Schwangerschaft, weil sie Ärzte im OP sind u.a. Es ist auch ein Monat für Wohltätigkeiten gegenüber Bedürftigen. Am Ende des Fastenmonats soll eine Almose an Arme und Bedürftige gegeben werden (Zakāt al-Fiṭr). Das alles endet mit dem Zuckerfest (‚Eid al-Fiṭr), das bei Muslimen etwa ähnlich intensiv gefeiert wird wie Weihnachten bei Christen.

Wie läuft Ramadan ab?
Schmidmeier: Fasten soll man ab Beginn des Sonnenaufgangs bis Sonnenuntergang, was häufig eine große Herausforderung ist, denn man verzichtet sowohl auf Essen als auch auf Trinken. Zudem ist der Konsum von Tabak oder auch Geschlechtsverkehr tagsüber aus religiöser Sicht nicht gestattet. Um den Tag besser durchhalten zu können stehen viele Muslime morgens vor Tagesanbruch für ein Frühstück (Saḥūr) auf, um etwas zu essen und vor allem genügend zu trinken. Der Körper soll keinesfalls geschädigt werden. Abends wird dann gemeinsam das Fasten gebrochen (Iftār). Dies geschieht oft im Kreise der Familie, mit Freunden oder in der Gemeinde. In Moscheen gibt es häufig kostenlos Essen für alle, ob nun muslimisch oder nicht.

Die Moschee in FFB ist im Moment geschlossen.

Die Moschee in FFB ist im Moment geschlossen.

Moscheen sind wie christliche Kirchen im Moment geschlossen. Wie feiert Moslems jetzt ihre Gottesdienste?
Schmidmeier: In Zeiten von Corona ist das Gemeinschaftsgebet in der Moschee genauso wenig möglich, wie in Kirchen oder Synagogen. In den islamischen Überlieferungen gibt es tatsächlich Präzedenzfälle für ein Verhalten Seuchen oder Naturkatastrophen, bei denen ein normales Gemeindeleben nicht mehr fortgeführt werden konnte. So wurde jetzt in zahlreichen mehrheitlich muslimischen Ländern der Gebetsruf analog zu verschiedenen Prophetenüberlieferungen dahingehend geändert, dass man nicht zum Gebet in die Moschee kommen, sondern zuhause beten solle. (hierzu auf meinem Blog🙂 Der Schutz von Menschenleben und der körperlichen Unversehrtheit sind Prämissen im islamischen Glauben. Die Menschen beten also zuhause, manche Gottesdienste, wie zB das Freitagsgebet, werden inzwischen aber auch live gestreamt.

Zur Tradition gehört das gemeinsame Essen nach Sonnenuntergang. Hat sich durch Corona daran etwas geändert.
Schmidmeier: Ja, die Pandemie ändert natürlich alles. Die zahlreichen Besuche während des Ramadan, das gemeinsame Fastenbrechen in der Gemeinde etc. gehen jetzt natürlich nicht. Das wird etwas ganz neues. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man auch hier z.B. live streamt oder aber im kleinen Kreis daheim das Fasten bricht. Hoffentlich wird möglichst bald ein Impfstoff gefunden, sodass es im nächsten Jahr wieder normal ablaufen kann.

Gibt es Vorgaben für Ramadan von der WHO?
Schmidmeier: Gelehrte orientieren sich hier auch weitgehend an den Empfehlungen der WHO. Es wurde sogar über eine Verschiebung des Fastens diskutiert. Doch im Islam gibt es keine oberste Instanz, wie bei der katholischen Kirche der Papst. Ein islamisches Gutachten (Fatwa) hat immer nur den Charakter einer unverbindlichen Empfehlung, in sofern muss der einzelne Gläubige hier für sich entscheiden, was richtig ist. Von der WHO gibt es tatsächlich eine Handreichung extra für den Fastenmonat Ramadan mit Tipps und Daten für ein sicheres Fasten während dieser Pandemie:

Ab Montag gilt in Bayern Maskenpflicht in Geschäften und ÖPNV. Eine praktische Frage: Wohin mit dem Bart bei der Maske?
Schmidmeier: Der Bart, sofern überhaupt vorhanden, soll natürlich möglichst unter die Maske kommen. Das wird bei den meisten Muslimen insbesondere hierzulande wohl auch kein Problem sein.

Corona-Virus: Tag 32 der Ausgangsbeschränkung – Wiesn abgesagt und damit auch die Maisacher Festwoche

22. April 2020
Wiesn abgesagt und was wird aus der Maisacher Festwoche?

Wiesn abgesagt und was wird aus der Maisacher Festwoche?

Das Münchner Oktoberfest 2020 und das Zentrale Landwirtschaftsfest wurden gestern abgesagt. Das größte und schönste Volksfest der Welt, so Ministerpräsident Söder, findet dieses Jahr nicht statt. Und bei uns in Maisach? Wir haben die Maisacher Festwoche. Wie geht es mit der in diesem Jahr weiter?

Die Maisacher Festwoche ist zeitlich das letzte Volksfest im Landkreis Fürstenfeldbruck und die Veranstaltung sollte vom Freitag, dem 21. August bis zum Sonntag, dem 30. August 2020 stattfinden. Bis zum Ende August dürfen laut Freistaat Bayern keine Großveranstaltungen durchgeführt werden. In diesem Zeitraum liegt die Festwoche.
Gestern hat die Gemeinde Maisach eine Entscheidung getroffen. Die Festwoche findet nicht statt. Noch vergangene Woche erklärte Bürgermeister Hans Seidl: „Die Entscheidung über die Maisacher Festwoche wird erst in der ersten Mai-Woche getroffen.“ Nun ist die Entscheidung aber gestern gefallen: „Aufgrund der Corona-Pandemie und den bestehenden Veranstaltungsbeschränkungen  muss die Festwoche 2020 leider abgesagt werden.“ Weiter heißt es von Bürgermeister Seidl:  „Wir bedanken uns bei unserem Festwirt Jochen Mörz, bei der Brauerei Maisach unter der Leitung von Michael Schweinberger sowie allen Schaustellern, Musikkapellen, Vereinen und besonders bei unseren Gästen, die immer zum Gelingen der Festwoche beigetragen und uns durch all die Jahre so treu begleitet haben. Wir sind zuversichtlich, dass wir gemeinsam 2021 mit allen Mitwirkenden aus der Gemeinde und vielen Gästen unsere Festwoche wieder feiern werden.“

Nun, nachdem „Kunst im Stadl“ im Gemeindegebiet dieses Jahr ausfällt, ist es richtig, dass unsere Festwoche stattfinden wird. Ähnliche Volksfeste im Landkreis wie Olching, Puchheim oder Fürstenfeldbruck wurden bereits abgesagt. Festwirte, Musiker und Schausteller trifft dies hart. Besonders der traditionelle Tag der Senioren auf der Festwoche, wenn die Gemeinde zu Bier und Hendl einlädt, wurde von den Senioren unserer Gemeinde gerne angenommen. Auch meine Eltern waren dort dabei, wenn es ihre Gesundheit zuließ. Dies ist aber die Hochrisikozielgruppe und ein Bierzelt lebt von der Nähe. Daher besser Obzapft is‘

 

Und es gibt ein Update in Sachen Masken:
Wer Masken selbst nähen will, der sollte in Maisach zum Schürzenmichl gehen. Bitte etwas Zeit mitbringen. Aber es trifft täglich neuer Stoff und Utensilien ein.


Über die Katastrophenschutzbehörde des Landkreises wurde der Gemeinde Maisach Vlies-Material zum Nähen von Mund-Nase-Behelfsmasken zur Verfügung gestellt. Näher und Näherinnen, die ehrenamtlich daraus Masken nähen wollen, können sich direkt an Bürgermeister Hans Seidl unter h.seidl@maisach.de oder Telefon-Nummer 08141/937-223 wenden. Die angefertigten Masken sollen dann Einrichtungen wie z.B. der Pflege-/Betreuung und Arztpraxen in der Gemeinde Maisach zur Verfügung gestellt werden. Masken, die nicht in Maisach verteilt werden, gehen in den Pool der Katastrophenschutzeinrichtung des Landkreises, von dort werden sie dann weiterverteilt.