Posts Tagged ‘Maisach’

Lust auf Geschichte – Arbeitskreis Geschichte im Dorf

27. März 2023

Natürlich bin ich an der Welt- und Nationalgeschichte interessiert und verfolge sie mit großer Aufmerksamkeit. Aber Geschichte findet auch im Kleinen vor der Haustüre statt. Bei uns in der Gemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck gibt es einen losen Zusammenschluss von geschichtsinteressierten Bürgern zu einem Arbeitskreis Geschichte.

Zwar haben wir in unserem oberbayerischen Dorf nicht Könige und Kaiser, Schlösser und Burgen, aber wer genau hinschaut, findet immer wieder schöne Geschichten. Und als Geschichtenerzähler bin ich sehr angetan, was dieser Arbeitskreis auf die Beine stellt – er gibt sogar regelmäßig eine Publikationsreihe meisaha – Hefte zur Gemeindegeschichte.

Aus dieser Reihe gab es vom Arbeitskreis jetzt eine Lesung im Gemeindeteil Gernlinden, die regen Zuspruch bei den Bürgern fand. Kulturreferent Stefan Pfannes und das Team des Arbeitskreises trugen auszugsweise Texte vor, die von der Geschichte der Gemeinde handelten. Spontan fielen mir auch ein paar Geschichten ein, die ich in den Arbeitskreis einbringen möchte. Ich hab Lust auf Geschichte.

Es gab viele Geschichten zu hören: Darunter waren Ausgrabungen in Gernlinden, der Schwarzbau bei der Errichtung der Maisacher Kirche, die dramatische Situation der Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg, auch die Wirtschaftsgeschichte wurde beleuchtet am Beispiel vom Autohaus Walther samt Tankstelle. Hier war der erste Tankautomat der Gemeinde zu finden, der allerdings nur 5 D-Mark-Stücke annahm. Der Liter Benzin kostete damals aber auch nur 47 Pfennige.

Persönlich sprach mich die Berichte von Elfriede Böttcher an. Sie berichtete in ihrem Artikel „Ingeborg Ackermann zum 100. Geburtstag“ wie es dazu kam, dass nach der unter dem Pseudonym Teda Bork bekannten Schriftstellerin aus Maisach aus den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Straße benannt wurde. Ich muss zugeben, dass ich zuerst die Verfilmung des Im Namen einer Mutter von Erich Engels von 1960 kannte und später ein paar Erzählungen in die Finger bekam. Das Buch und der Film berührten mich. Eine junge Witwe erschießt den Mörder ihrer kleinen Tochter, weil das Gericht den Sexualtäter, der bereits zwei Kinder umgebracht hat, als Geisteskranken für unzurechnungsfähig erklären musste; sie selbst erhält mildernde Umstände wegen Totschlags im Affekt.

Der Abend machte mir Lust auf mehr Geschichte und mehr Geschichten. Es ist schön, wenn sich Bürger für so ein Thema engagieren.

Rama dama in Maisach – Aktion Saubere Landschaft

19. März 2023

„Der Mensch ist ein Dreckschwein.“ Gut, dass ist jetzt sehr allgemein, doch das war mein erster Gedanke als meine Frau und ich uns freiwillig zur Aktion Saubere Landschaft bei uns in der Gemeinde Maisach, im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck meldeten und unsere Arbeit antraten.

Jedes Jahr im Frühjahr bittet die Gemeinde die Einwohner bei einer Müllsammelaktion teilzunehmen und wieder folgten viele dem Aufruf des neuen Umweltbeauftragten Max Bichel. An zwei Wochenenden wird Müll im Gemeindegebiet unter dem Motto „Saubere Landschaft – saubere Gemeinde, wir machen mit“ gesammelt. Viele Familien mit Kinder waren ebenso dabei, wie Einzelpersonen oder Senioren – ein schöner Querschnitt der Einwohner unserer Gemeinde. Ausgestattet mit Warnwesten, blauen Müllsäcken von der Gemeinde und Greifzangen wählten sich die Freiwilligen bei frühlingshaften Temperaturen ein Gebiet aus dem Gemeindeplan, das sie vom Müll befreien wollten. Zuvor gab es noch eine Einweisung, keine Privat- oder Gewerbegrundstücke zu betreten und ein Gruppenbild durch den Bürgermeister gab es auch noch, schließlich soll über die Aktion auch berichtet werden.

Meine Frau und ich wählten einen Teil des Sportplatzes. Und wir waren entsetzt, was alles in der Natur zu finden war, was Mitmenschen achtlos weggeworfen haben: Plastiktüten, Alupapier, Schnapsflaschen, Sektgläser aus Glas und Plastik, Kaffeebecher und -deckel, Zigarettenschachteln, ein Teil vom Unterboden eines Autos, ein Haarreif mit Teufelsohren und viel, viel Papier. Der Wind hat vor allem das Papier und die Plastiktüten in die Gebüsche um den Sportplatz gedrückt. Das Aufsammeln war hier ein wenig aufwendiger, denn der Müll hat sich ziemlich verhakt.

Damit es mir bei der wichtigen, aber etwas eintönigen Arbeit nicht so langweilig wurde, hörte ich The Dave Brubeck Quartet At Carnegie Hall vom iPhone. Jazz beschwingt beim Sammeln. Ich musste an den Münchner Oberbürgermeister Thomas Wimmer denken, der zusammen mit 7500 freiwilligen Helfern nach dem Zweiten Weltkrieg die Stadt München von den Trümmern des Krieges beseitigte. „Rama dama – Räumen tun wir!“ hieß die vorbildliche Aktion. Damit prägte Wimmer am 29. Oktober 1949 einen Begriff, „der auch heute noch gemeinschaftliche Aufräumaktionen im öffentlichen Raum bezeichnet.“ Gott sei Dank, mussten wir keine Kriegsschäden mehr beseitigen. Unser Rama dama drehte sich ausschließlich um Müllsammeln. Nach zwei Stunden waren unsere blauen Müllsäcke gefüllt.

Wir luden die Säcke beim Rathaus ab, wo uns eine Brotzeit empfing. Die örtliche Metzgerei Dunkel, Familie Leich vom Edeka und die Betreiber des neuen Aldis spendet Obst, Getränke, Leberkäs, Würstl und Semmeln für die freiwilligen Helfer. Unerwartet bekamen wir noch Blasmusik als Hintergrundmusik, denn die Tochter des örtlichen Friseurs Josef Wieser heiratete standesamtlich und befreundete Musiker brachten dem Brautpaar und indirekt auch uns ein Ständchen dar. Der Bauhof lud die zahlreiche Säcke auf, das Dorf kam zusammen und tauschte sich aus. Andere fanden bei der Aufräumaktion Autoreifen, der Umweltreferent berichtete von einem Kühlschrank, der einst abgeladen wurde. Einige Mitbürger holten nach der Stärkung nochmal blaue Säcke und machten sich wieder auf Tour. Vorbildlich. Und ich bleibe bei meinem Eingangsstatement: „Der Mensch ist ein Dreckschwein.“

Ich fahr wieder den Räuber-Kneißl-Radweg

17. März 2023

Ich geb es ja zu: In den Wintermonaten bleibt mein Fahrrad in der Garage. Ich bin faul, aber langsam kommt die Sonne raus. Mich juckt es, so dass ich mich bald wieder aufs Rad schwinge – Voraussetzung ist, dass das Wetter mitspielt. Ich bin ein Schön-Wetter-Radler und ich freu mich darauf, denn bei uns gibt es den Räuber-Kneißl-Radwegs.

Der Räuber-Kneißl-Radweg ist ein Themenweg durch Landkreise in Oberbayern. Die Themen-Strecke ist in vier Etappen unterteilt und führt über 110 Kilometer durch die Gemeinden Bergkirchen, Gröbenzell, Karlsfeld, Maisach, Sulzemoos, Odelzhausen und Pfaffenhofen a.d. Glonn, die im Wirtschaftsverbund WestAllianz zusammengeschlossen sind. Und nein, ich radle die 110 Kilometer nicht an einem Tag.

Das Ausflugsziel ist nach Mathias Kneißl (1875-1902) benannt, der in den Gemeinden der WestAllianz in Oberbayern gelebt hat und als „Kneißl Hias“, „Räuber Kneißl“ oder auch „Schachenmüller-Hias“ in die Lokalgeschichte einging. Zahlreiche Bücher, Schriften, Lieder, Filme und Theaterstücke widmeten sich seinem Leben, das von Armut und Dramatik, aber auch von Kriminalität geprägt war.

Auf dem Radweg gibt es viel Wissenswertes zur Lokalgeschichte zu erfahren, und sich mit einer ausgefüllten Stempelkarte ein Erinnerungsgeschenk sichern: In diesem Jahr stehen entlang des WestAllianz-Themenwegs Stempelboxen an jedem Rastplatz bereit. Infos gibt es über spezielle Audioguides, die sich der Radler laden kann.

Die Stempelkarten liegen in den Rathäusern der beteiligten Gemeinden des regionalen Wirtschaftsverbunds WestAllianz und bei der Geschäftsstelle der WestAllianz München (Kirchstraße 3, 85254 Sulzemoos) aus.

Auf jedem Rastplatz entlang des „Räuber-Kneißl-Radwegs“ finden sich Stempelboxen mit nummerierten Siegeln der jeweiligen Gemeinde. Der Abschluss der jeweiligen Route entlang des Themenwegs kann in der dazugehörigen Karte dokumentiert werden. Ist sie mit allen neun Stempeln gefüllt, bekommt man über die Geschäftsstelle der WestAllianz München ein Geschenk als Erinnerung und Belohnung.

Auch die im Vorjahr aktualisierte Radweg-Karte zum Räuber-Kneißl-Themenweg ist an den Gemeinden sowie bei der Geschäftsstelle erhältlich. Neben den Attraktionen und Sehenswürdigkeiten entlang der Radroute werden darin auch die Einkehrmöglichkeiten in der regionalen Gastronomie mit aufgelistet.

Eine neue Attraktion entlang des Radwegs entsteht bis Anfang Juni in der Gemeinde Sulzemoos: Dort wird mit dem Räuber-Kneißl-Spielplatz eine weitere attraktive Zwischenstation speziell für radelnde Familien geschaffen. Mit dem Glonnpark in Odelzhausen und dem Erlebnisteich in Pfaffenhofen an der Glonn gibt es weitere schöne Rastmöglichkeiten auf der Themenroute.

Gelungene Customer Journey für Hausschuhe aufgrund Putins Angriffskrieg

5. Februar 2023

Im Grunde ist dieser schreckliche Putin mit seinem verbrecherischen Angriffskrieg gegen die Ukraine daran schuld. Unsere Familie folgt dem Aufruf der Bundesregierung und spart Gas – ziemlich konsequent. Und die Folge ist natürlich, dass die Temperaturen in der Hütte niedriger sind als bei Vorkriegszeiten. Sparen ist angesagt. Warme Klamotten reichen aus, um diese Temperatur zu kompensieren. Und: Der Winter war nicht so schlimm wie befürchtet.

Nur bei mir im Dach kommt es vom Boden kühl daher. Im Dach befindet sich mein Arbeitszimmer, in dem ich als Selbstständiger doch einige Zeit des Tages verbringe.
Ich trage zwar Hausschuhe, aber meine Rohde Viborg Herren Schuhe aus Leder und Lammfell sehen zwar edel aus, reichen mit ihrer relativ dünne Sohle nicht aus, um von unten zu isolieren. Also der Entschluss: Es müssen wärmere Hausschuhe her. Und sie sollten wieder von Rohde sein, denn mit den Produkten dieses deutschen Unternehmens bin ich bisher gut gefahren bzw gelaufen. Das Unternehmen von 1862 stellt Hausschuhe und Sandalen her. Im Bett vor dem Einschlafen bei Amazon ein paar Schlappen zusammengeklickt, aber die Bestellung noch nicht abgeschickt. Eine Nacht über Entscheidungen zu schlafen hat sich immer bewährt.

Am nächsten Morgen aufgewacht und natürlich im Bett den Social Media-Status der verschiedenen Kanäle gecheckt. Und mein Zuckerberg! Es erscheint in meinem Facebook-Feed ein Hinweis des örtlichen Schuhhauses mit genau meinen Wunschhausschuhen, kein sponsored Post, sondern klassisch im Newsfeed.

Schuhmachermeister Andreas Dittrich mit dem ich in Facebook befreundet bin, hat bei uns in der Gemeinde das alteingesessene Schuhhaus Huttenloher übernommen. Andreas Dittrich kennt sich in Sachen Schuhe aus. Die Familie fertigte 1921 in Schwabing Schuhe für die Haute­vo­lee. Es folgten Geschäfte im Laufe der Zeit in Aubing, Neuaubing, Germering und seit ein paar Monaten eben in meiner Wohngemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck.

Also beim Frühstück den Post kommentiert und nach dem Frühstück in Räuberzivil bei Andreas Dittrich Schuhhaus Huttenloher vorbeigeschlappt. Die Gattin begleitet mich, denn sie kennt meinen Schuhtick, damit es wirklich nur bei einem Paar Hausschuhe bleibt.

Bei mir ging es ratz fatz. Die Mutter von Andreas Dittrich war im Geschäft und bediente mich. In der engeren Auswahl waren zwei Modelle von Rohde und ich entschied mich doch für das analoge Paar aus dem digitalen Facebook-Post.

Marketingtechnisch heißt es so schön: Die Customer Journey war erfolgreich und ich kam zum Kaufabschluss. Die Gattin, die eigentlich auf mich aufpassen wollte, probierte derweil Winterstiefel um Winterstiefel an. Am Ende wurden es bei ihr zwei Paar, bei mir das reduzierte Paar Hausschuhe und ein glücklicher Andreas Dittrich. Gleich noch ein Schwätzchen über Meisterprüfungen im Handwerk gehalten und alle waren zufrieden. Das ist der Vorteil des stationären Handels. Bei Amazon hätte ich nur ein Schwätzchen mit dem DHL-Boten geführt und mich über Country-Musik unterhalten.

Meine Schuhe sind bequem und trotzen dem Putin. Die Einkäufe der Gattin trafen zu Hause auf das Interesse der Tochter und so teilen sich die weiblichen Mitglieder der Familie nun die Winterstiefel. Übrigens: Die Argumentation, dass wir uns die Schuhe hätten sparen und stattdessen russisches Erdgas verheizen können, lass ich nicht gelten.

Die Rottbacher Küchenpartys

22. Januar 2023

Was als spontane Idee begann, wurde jetzt fortgesetzt und nimmt wohl künftig einen festen Bestandteil meiner kulinarischen Highlights ein: Die Rottbacher Küchenparty


Entstanden ist die Idee, hochwertige Speisen frisch zubereitet nicht nur am Tisch zu genießen, sondern an dem Ort an dem sie entstehen: In der Küche. Gastronom und innovativer Koch Denis Kleinknecht vom Gasthof Heinzinger in Rottbach im Landkreis Fürstenfeldbruck lud zur ersten Rottbacher Küchenparty anlässlich seines Geburtstages ein. Viele Gourmetlieberhaber kamen und feierten bei erlesenen Speisen und Weinen. In der modernen Küche konnten die Gäste Denis und seinem Team über die Schulter schauen. 16 Gänge 16 Weine standen bei der ersten Küchenparty auf dem Programm.

Jetzt kam es zur zweiten Rottbacher Küchenparty wiederum mit 16 Gängen und dieses Mal 10 Weinen. Aufgrund der schlechten Wetterlage mit massiven Schneeeinbruch mussten leider ein paar Gäste absagen, die Stimmung im Gasthof Heinzinger war aber dennoch großartig. Die Kombination aus Essen, Wein und Gesprächen sowie Erläuterungen von Küchenchef Dennis Kleinknecht waren ein Erlebnis. Kleinknecht schraubt weiter an seinem Konzept der Küchenparty und optimiert. Zu vorgerückter Stunde wurden gleich ein paar neue Ideen ausgebrütet und ausprobiert.

Das Team in Küche und Service greift wunderbar ineinander und als Gast fühle ich mich absolut wie zu Hause (nur die Hose bleibt an – so der Standardwitz aus dem Hause Kleinknecht).

Die nächste Küchenparty soll im April stattfinden, hoffentlich bei gutem Wetter, so dass auch der Hof miteinbezogen werden kann. Bis es soweit ist, steht sicherlich der eine oder andere Besuch beim Heinzinger an. Es gibt auch wunderbare Kochkurse. Probiert es aus, es lohnt sich auf alle Fälle.

Kondolenzbuch und Gottesdienst für Alberto

2. November 2022

Vergangene Woche verstarb überraschend Alberto, der Besitzer unserer Eisdiele in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck. Ich hatte einen persönlichen Nachruf zu Alberto verfasst, weil es mir wichtig war. Inzwischen hat mir Albertos Schwester ein Foto von seinem Grab geschickt.

Alberto war so enorm bedeutend für unsere Gemeinde, denn er betrieb seit 26 Jahren zusammen mit seiner Frau Romina und seinen Kindern eine Eisdiele als einen wichtigen Ort der Kommunikation und er engagierte sich für seine zweite bayerische Heimat. Die Kinder – und nicht nur sie – liebten sein handgemachtes Eis. Zwei, drei Generationen pilgerten zu ihm und bestellten sich ihre Lieblingssorte und jeder hat seine persönliche Geschichte von Alberto.

Wie groß der Verlust ist, zeigt sich an den zahlreichen Kerzen und Blumen, die vor der Eisdiele in den vergangenen Tagen aufgestellt wurden. Täglich werden es mehr. Es ist nicht der Buckingham Palast, sondern nur eine einfache italienische Eisdiele, vor der die Maisacher Blumen, Kerzen und Umschläge zum Gedenken an Alberto niederlegten. So sehen wir, wie sehr er uns fehlt.

Daher haben der Kirchenchor, meine Frau und ich uns gemeinsam zwei Aktionen ausgedacht und privat organisiert: Zum einen gibt es am Sonntag, 6. November um 10:30 Uhr in der Kirche St. Vitus vom Kirchenchor einen Gedenkgottesdienst für Alberto.

Zum anderen legen wir ein Kondolenzbuch um 10 Uhr in der evangelischen Kirche in Maisach, dann um 10:15 Uhr in der katholischen Kirche in Maisach und nach dem Gottesdienst im Café Dafner neben der Eisdiele aus. Es ist bei uns in Maisach Marktsonntag und das Café hat den ganzen Sonntag geöffnet, so dass sich Maisacher in dieses Kondolenzbuch eintragen können. Danke an Familie Dafner, die spontan zugesagt hat. Wir alle finden es eine schöne Geste und wir hoffen, es stößt auf große Resonanz und Unterstützung. Wir werden dieses Buch dann nach Italien zu Albertos Familie schicken.

Also zusammengefasst:
Sonntag, 6. November 2022
10 Uhr Kondolenzbuch, evangelische Kirche Maisach
10:15 Uhr Kondolenzbuch, katholische Kirche St. Vitus Maisach
10:30 Uhr Gottesdienst für Alberto, katholische Kirche St, Vitus Maisach
Ab 11:30 Uhr Kondolenzbuch im Café Dafner beim Marktsonntag

Bücherflohmarkt im Pfarrzentrum Gernlinden

27. Oktober 2022

Ich hatte eigentlich meiner Frau versprochen, dieses Mal keine Bücher zu kaufen, aber ich habe mein Versprechen gebrochen als ich im Pfarrsaal von Bruder Konrad in Gernlinden im Landkreis Fürstenfeldbruck stand und die Schätze vor mir sah. Ein Paradies voller Bücher.

Einmal im Jahr findet der Bücherflohmarkt in Gernlinden statt, organisiert vom Ortskartell der Vereine. Das ist so eine Art Überverein bei dem alle Vereine des Maisacher Ortsteils Mitglied sind. Das ganze Jahr über werden Bücher gesammelt und dann an zwei Tages den Publikum zum Kauf angeboten. Die Preise sind niedrig, die Auswahl ist groß und der Erlös kommt einem guten Zweck zugute. Der große Spielplatz in Gernlinden profitiert von den Einnahmen.Was also will man mehr?

Der Herr der Bücher Christian Kemether

Der Herr der Bücher Christian Kemether, Gemeinderat und Mitglied des Ortskartells, und das Team machen hier eine vorbildliche Arbeit, die ich gerne unterstütze. Nächstes Jahr möchte ich an der Organisation gerne mitarbeiten, denn ich finde den sozialen Gedanken sehr gut.

Es gab allerhand Arten von Büchern, die grob vorsortiert waren. Das meisten Bücher waren natürlich Romane aller Art – darunter viele Thriller und klassische Unterhaltung. Ich hab auch die Biografie von Jan Fedder gesehen, die von Tim Pröse verfasst wurde. Der Spiegel Bestseller-Autor war vor kurzen zu einer genialen Lesung in unserer Gemeindebücherei. Es gab leider nur ein wenig SF und Fantasy, Horror habe ich keine gesehen – oder sie waren schon weg. Professionelle Buchhändler waren gleich zu Anfang da und haben die Schätze geplündert, aber wer sich die Zeit nahm die Hunderte, nein Tausende von Bücher in mehreren Räumen durchzuschauen, der wurde fündig.

Auch Tim Pröse gab es zu kaufen.

So wie ich, der zwei Taschen voller Bücher heranschleppte. Mich interessierte das politische Buch, ausgewählte Fotobücher, ein wenig Biografien und ich ließ mich treiben und inspirieren. Meine Ausbeute habe ich in einem Video zusammengefasst.


Nochmals Gratulation für ein solches Engagement in meiner Wohnortgemeinde und ihr habt viele Bücherfreunde glücklich gemacht mit dieser Aktion.

Persönlicher Nachruf auf Alberto

26. Oktober 2022

Die Nachricht kam tief in der Nacht und wurde in der örtlichen Faceboook-Gruppe meiner Wohnortgemeinde gepostet: Alberto ist im Alter von 56 Jahren am 23. Oktober überraschend verstorben. Heute am Mittwoch, 26. Oktober 2022 wird er in seinem Heimatort San Pietro di Cadore beerdigt.

Für meinen oberbayerischen Wohnort Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck ist das ein schwerer Schlag, denn Alberto Pontil Ceste war ein wichtiger Mann. Er hatte keine politischen Ämter oder war Vorsitzender eines Vereins. Alberto betrieb mit seiner Frau Romina seit 1996 die Eisdiele bei uns in Maisach. Sohn Franco und Tochter Sidonia waren dabei, um den elterlichen Betrieb zu unterstützen. Und diese Eisdiele Alberto mit der großen Eiswaffel vor der Türe war und ist Kommunikationszentrum in unserem Dorf, ein freundlicher italienischer Ort der Begegnung. Man traf sich auf einen Espresso, aß ein Eis, probierte das selbstgemachte Tiramisu und kommentierte die aktuelle Nachrichtenlage. Kritisch sah er die Lage in seinem Heimatland.

2014 bei der WM war die Verzweiflung von Alberto groß. Italien ist raus.

Immer wieder öffnete er seine Eisdiele für Gruppen. Mal waren es Rentner, die sich regelmäßig trafen. Aber ich sah auch Gemeinderäte aller Parteien am Tisch diskutieren. 2014 veranstaltete er zu Fußball-WM ein kleines Public Viewing. Ich bin wirklich kein Fußballfan, aber war gerne dabei, wenn Deutschland spielte. Wir wurden Weltmeister. Italiens Fußball lag nach dem WM-Aus in Trümmern und so war auch die Laune von Alberto.

Jedes Kind in unserem Dorf kannte Alberto, denn er lud die Kindergartenkinder zur Besichtigung ein und am Ende gab es ein Eis für jeden. Das beste Kundenbindungsprogramm, was man sich vorstellen kann. Alberto baute Hürden ab. Aber der Unternehmer Alberto machte dies nicht nur aus Marketinggründen. Er machte es, weil es ihm ein Herzensanliegen war. Alberto war ein kleiner Mann mit großem, ganz großem Herzen.

Wir sprachen immer wieder über Steuern und die deutsche Bürokratie, in der Corona-Zeit informierten meine Frau und ich die Familie über die aktuellen Abstands- und Hygieneregeln und es entwickelte sich eine kleine Freundschaft. Es war für mich immer eine große Ehre, wenn ich in seinen Keller hinabsteigen durfte. Da war sein zweiter Arbeitsplatz, sein Heiligtum, sein Eislabor. Hier produzierte er sein hervorragendes Eis, aber hier experimentierte er auch immer mit neuen Eissorten. Immer wieder überraschte er seine großen und kleinen Kunden mit neuen Kreationen. Ich erinnere mich noch an Chai, an Kardamon mit Ingwer oder salziges Karamell. Als eher konservativer Eissortenesser war ich immer skeptisch, doch Alberto verstand sein Handwerk und wusste mit seinen Produkten zu überzeugen.

Alberto war auch Sportler, ein ehrgeiziger Rennradfahrer. Einmal überholte er mich auf dem Radweg nach Malching. Ich war flott auf meinen Elektrorad unterwegs, er zog mit seinem Rennrad deutlich schneller an mir vorbei, der italienische Blitz auf zwei Rädern. Getroffen haben wir uns wieder bei seiner Eisdiele auf einen Ratsch. Er erzählte mir von Steinpilzen, die er entdeckt hatte, mir aber natürlich den sagenumwogenen Ort nicht verraten wollte. Ein paar Tage später überreichte er mir einen Korb frischer Steinpilze – selbstlos und freundlich, wie es seine Art war.

Er hat nie verraten, wo die Steinpilze wachsen.

Im Sommer saß ich gerne im Außenbereich. Meist trank ich zwei Cappuccini, las im Amazon Kindle und ließ den Herrgott einen guten Mann sein. Alberto erzählte von seiner Heimat den Dolomiten, von der Natur und den Bergen. Nach der Renovierung seiner Eisdiele 2016 kam der Bergchor Coro Peralba ihm zu Ehren von den Dolomiten nach Maisach und gab ein Konzert.

Der Erlös ging an den Maisacher Kindergarten. Das Konzert begann mit der Europahymne „Freude schöner Götterfunken“, denn der stolze Italiener Alberto war ein überzeugter Europäer. Am Ende des Konzerts sang Alberto bei La Montanara mit. Ich hatte damals das Konzert als Erinnerung mitgeschnitten.

Einmal, nur einmal konnte ich Alberto richtig überraschen. Es war der 13. Juli 2016. Unter der großen Eistüte vor Albertos Eisdiele versammelten sich Kinder und Jugendliche. Alle hielten ein Smartphone in der Hand – und keine Eiswaffel. Es war der Einführungstag von Pokémon Go. In dem Spiel können die Jugendlichen virtuelle Fantasiewesen (Pokémon) fangen, entwickeln und in virtuellen Kämpfen gegeneinander antreten lassen. Um seine Energie aufzuladen braucht es sogenannte Pokéstops. Dies sind Orte, an denen Spieler virtuelle Gegenstände wie Pokébälle, Eier und Tränke erhalten. Und genau so ein Pokéstop ist bei der Eiswaffel von Alberto. Damit hatte Alberto nicht gerechnet.

Die Eiswaffel ist ein Pokestop.

Als Kunde, als Freund und als Zugezogener in ein bayerisches Dorf sag ich von ganzem Herzen Danke an Alberto Pontil Ceste. Und ich schließe mich den Worten des Bürgermeisters von Maisach Hans Seidl an: „Wir haben ihn alle sehr gemocht.“ Meine Familie vermisst dich, lieber Alberto, und wir wünschen Romina, Franco und Sidonia sowie der ganzen Familie viel Kraft.

Alberto und Romina in der Corona-Phase.

Wie arbeitet der Journalist Tim Pröse?

21. Oktober 2022

Wann hat man denn schon mal die Chance einen Spiegel Bestsellerautoren zu interviewen? Ich hatte sie: Nicht auf der leeren Buchmesse in Frankfurt, sondern bei uns im Dorf als ich mit Tim Pröse in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck bei seiner Lesung über Sophie Scholl traf.

Jede Lesung von Tim Pröse ist ein Genuss und auch diese war es wieder. Sein Vortragsstil ist eindringlich, er weiß die Pause und Betonungen richtig zu setzen, so dass aus einer einfachen Lesung eine Inszenierung wird. Die Amerikaner sagen dazu den positiven Begriff Show dazu, was in Deutschland eher den Beigeschmack der leichten Unterhaltung hat. Nein, das war es auf keinen Fall und dennoch passt für mich der Begriff Show perfekt. Rund vierzig Zuhörer wollten sich diese Chance in der örtlichen Gemeindebücherei nicht entgehen lassen.

Ich kenne Tim Pröse schon ein paar Tage, durfte mit ihm auch schon Veranstaltungen durchführen und habe sein neuestes Buch Der Tag, der mein Leben veränderte verschlungen. Ich liebe als ehemaliger Textchef den Stil des Autoren.

Aber Tim Pröse ist auch Kollege. Er ist gelernter Journalist, arbeitete unter anderem für die Münchner Abendzeitung und den Focus. Und so wollte ich in einem Videointerview mehr wissen, wie der Journalist Tim Pröse an ein Thema herangeht. Wie recherchiert er? Wie haben sich die Bedingungen gegenüber seinem prominenten Publikum mit all ihren Managern und Medienberater verändert? Ist Pröse ein Einzelgänger oder hat er ein Rechercheteam? Wer sind seine Vorbilder? Und natürlich, was sind seine nächsten Projekte? All diese Fragen und noch mehr habe ich in diesem Videointerview gestellt:

Blaue Schafe im Rathausgarten

18. Oktober 2022

Nachdem ich im Moment Pink Floyds geniales Album Animals höre, stattete ich den blauen Schafen vor dem Rathaus meines Wohnorts Maisach einen Besuch ab.

Die Kunstinstallation Blaue Schafe von Rainer Bonk stehen im Rathausgarten und sind sehr schön anzusehen. Diese Blauen Schafe möchten Denkanstöße geben, auf das Verbindende hinweisen und für ein friedliches Miteinander und Toleranz werben – auf der Basis von Wertschätzung des Anderen.

Und nein: Die Schafe sind kein Symbol für die Corona-Maßnahmen. Gegner und Schwurbler bezeichneten die Masse der Bevölkerung als Schafe, die endlich aufwachen müssten. Das ist nicht gemeint.

Als serielles Kunstwerk wurde das Blauschaf vom Aktionskünstler Rainer Bonk 2001 geschaffen. Im Rahmen einer europaweiten Ausstellungstour wirbt die „Blaue Herde“ für eine tolerante Geisteshaltung.
Die Signalfarbe Blau steht für das Verbindende – es ist die Farbe der EU, der UNO sowie von UNESCO und Unicef.

Anfangs standen die Schafe als Kunstwerk im Rathausgarten. Mittlerweile sind sie mit einem kleinen, niedrigen Weidezaun eingezäunt. Wahrscheinlich damit sich kein Kind auf das Kunstwerk setzt.